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HARVARD UNIVERSITY.
T. I B R A R Y
MUSEUM OF COMPARATIVE ZOOLOGY.
SITZUNGSBERICHTE
DER
KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE KLASSE.
HUNDERTSECHZEHNTER BAND.
WIEN, 1907.
AUS DER KAISERLICH-KÖNIGLICHEN HOF- UND STAATSDRUCKEREL
IN KOMMISSION BEI ALFRED HOLDER,
K. U. K. HOF- UND UNIVERSITÄTSBUCHHÄNDLER,
BUCHHÄNDLER DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
SITZUNGSBERICHTE
DER
MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHEN KLASSE
DER KAISERLICHEN
AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
CXVI. BAND. ABTEILUNG I.
Jahrgang 1907. — Heft I bis X.
(MIT 2 KARTEN, 3 KARTENSKIZZEN, 57 TAFELN UND 139 TEXTFIGUREN.)
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WIEN, 1907.
AUS DER KAISERLICH-KÖNIGLICHEN HOF- UND STAATSDRUCKEREI.
IN KOMMISSION BEI ALFRED HOLDER,
K. U. K. HOF- UND UNiVERSITÄTSBUCHHANDLER,
Dl'CHHANDLER DER KAISBRLICHBN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN
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V
INHALT.
Seite
Apfelbeck V., Koleopterologische Ergebnisse der mit Subvention der
kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien im Frühjahr 1905
ausgeführten Forschungsreise nach Montenegro und Albanien.
[Preis: 50 h — 50 pf] 493
— Neue Koleopteren, gesammelt während einer im Jahre 1905 mit
Subvention der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien
durchgeführten zoologischen Forschungsreise nach Albanien und
Montenegro. (II. Serie.) [Preis: 60 h — 60 pf] 507
Beck V. Mannagetta und Lerchenau G., Vegetationsstudien in den Ost-
alpen. I. Die Verbreitung der mediterranen, illyrischen und mittel-
europäisch-alpinen Flora im Isonzo-Tale. (Mit 1 Karte.) [Preis : 3 K
— 3 M] 1439
Bruckmoser J., Harmotom und Titanit (siebente Mitteilung über die Dar-
stellung der Kieselsäuren). (Mit 1 Textfigur.) [Preis: 55 h — 55 pf] 1653
Cornu F. und Himmelbauer A., Untersuchungen am Apophyllit und den
Mineralen der GlimmerzeoHthgruppe. (Mit 2 Textfiguren.) [Preis :
95 h — 95 pf] 1213
Diener K., Die Faunen der tibetanischen Klippen von Malla Johar
(Zentral-Himalaya). [Preis: 40 h — 40 pf] 603
Doelter C, Über die Dissoziation der Silikatschmelzen. (Mit 12 Text-
figuren.) [Preis: 2 K 20 h — 2 M 20 pf] 1243
Eisler E., Das extraflorale Nektarium und die Papillen der Blattunterseite
bei Diospyros discolor Willd. (Mit 2 Tafeln.) [Preis: 1 K 20 h —
1 M 20 pf] 1563
Gaulhofer K., Über den Geotropismus der Aroideen-Luftwurzeln. (Mit
1 Tafel.) [Preis : 85 h — 85 pf] 1669
Gius L., Über den Einfluß submerser Kultur auf Heliotropismus und fixe
Lichtlage. (Mit 10 Textfiguren.) [Preis: 2 K — 2 M] 1593
Glinkiewicz A., Ergebnisse der mit Subvention aus der Erbschaft Treitl
unternommenen zoologischen Forschungsreise Dr. Franz Werner's
nach dem ägyptischen Sudan und Nord-Uganda. X. Parasiten von
Pachyuromys duprasi Lat. (Mit 2 Tafeln.) [Preis: 65 h — 65 pf] . 381
Hanausek T. F., Die »Kohleschicht« im Penkarp der Kompositen. (Mit
2 Tafeln.) [Preis: 1 K 45 h — 1 M45 pf] 3
Heinricher E., Beiträge zur Kenntnis der Gattung Balanophora. (Mit
1 Tafel und 3 Textfiguren.) [Preis: 1 K 25 h — 1 M 25 pf] . . . 439
VI
Seite
Heritsch F., Geologische Studien in der >Grauwackenzone« der nordöst-
lichen Alpen. I. Die geologischen Verhältnisse der Umgebung von
Hohentauern. (Mit 4 Tafeln.) [Preis: 1 K 45 h — 1 M 45 pf] . . .1717
Höhne! F., v., Fragmente zur Mykologie (III. Mitteilung, Nr. 92 bis 155).
(Mit 1 Tafel.) [Preis: 2 K 30 h — 2 M 30 pf] 83
— Fragmente zur Mykologie. (IV. Mitteilung, Nr. 156 bis 168.) [Preis:
95 h — 95pf] 615
— und Litschauer V., Beiträge zur Kenntnis der Corticieen. (II. Mit-
teilung.) (Mit 4 Tafeln und 20 Textfiguren.) [Preis: 4 K — 4 M] . . 739
Jahn J. J., Über das quartäre Alter der Basalteruptionen im mährisch-
schlesischen Niederen Gesenke. (Mit 6 Tafeln und 3 Textfiguren.)
[Preis: 2 K 20 h - 2 M 20 pf] 1777
Karny H., Ergebnisse der mit Subvention aus der Erbschaft Treitl
unternommenen zoologischen Forschungsreise Dr. Franz Werne r's
nach dem ägyptischen Sudan und Nord-Uganda. IX. Die Ortho-
pterenfauna des ägyptischen Sudans und von Nord-Uganda
(Saltatoria, Gressoria, Dermaptera) mit besonderer Berücksich-
tigung der Acridoideengattung Catantops. (Mit 3 Tafeln.) [Preis :
3 K 30 h — 3 M 30 pf I . . . . • 267
Keidel H., Über den Bau der argentinischen Anden. (Mit 1 Textfigur.)
[Preis: 80 h — 80 pf] 649
Löwi E., Untersuchungen über die Blattablösung und verwandte Erschei-
nungen. (Mit 1 Tafel und 14 Textfiguren.) [Preis: 1 K 85 h — 1 M
85 pf] 983
Mayr G., Ergebnisse der mit Subvention aus der Erbschaft Treitl unter-
nommenen zoologischen Forschungsreise Dr. F. Werner's nach
dem ägyptischen Sudan und nach Nord-Uganda. XI. Liste der von
Dr. Franz Werner am oberen Nil gesammelten Ameisen nebst
Beschreibung einer neuen Art. [Preis: 30 h — 30 pf] 387
Melichar L., Bericht über die mit Subvention der kaiserl. Akademie der
Wissenschaften unternommene entomologische Studienreise nach
Spanien und Marokko. [Preis : 50 h — 50 pf] 1025
Molisch H., Über die Sichtbarmachung der Bewegung mikroskopisch
kleinster Teilchen für das freie Auge. [Preis : 30 h — 30 pf] . . . 467
Portheim L., Über Formveränderungen durch Ernährungsstörungen bei
Keimlingen mit Bezug auf das Etiolement. (Mit 3 Textfiguren.)
[Preis: 2 K 20 h — 2 M 20 pf] 1359
Samec M., Zur Kenntnis der Lichtintensitäten in großen Seehöhen. (I. Mit-
teilung.) (Mit 1 Textfigur.) [Preis: 55 h — 55 pf] 1061
Schiller J., Beiträge zur Kenntnis der Entwicklung der Gattung Ulva. (Mit
2 Tafeln und 1 Textfigur.) [Preis: 1 K 15 h — 1 M 15 pf] . . . .1691
Schorn F., Über Schleimzellen bei Urticaceen und über Schleimcystolithen
von Girardinia palmata Gau dich. (Mit 2 Tafeln.) [Preis: 95 h
— 95 pf] 393
VII
Seite
Schuster K., Petrographische Ergebnisse der brasilianischen Expedition
1901 der kais. Akademie der Wissenschaften. (Mit 1 Kartenskizze.)
(Mit einer geologischen Einleitung von Dr. Fritz v. Kerner und
Bemerkungen über die kristallinen Schiefer von F. Becke.) [Preis:
2 K 70 h — 2 M 70 pf j 1 1 1 1
Seefried F., Über die Lichtsinnesorgane der Laubblätter einheimischer
Schattenpflanzen. (Mit 4 Tafeln.) [Preis: 2 K 30 h — 2 M 30 pf] . 1311
Senft Em., Über eigentümHche Gebilde in dem Thallus der Flechte Physma
dalmaficnm A.ZahlhT. {Mit lTa.M.) [Preis: 55 h — 55 pf] ... 429
Siebenrock F., Die Schildkrötenfamilie Cinosternidae m. Monographisch
bearbeitet. (Mit 2 Kartenskizzen, 2 Tafeln und 8 Textfiguren.)
[Preis: 3 K — 3 M] 527
— Beschreibung und Abbildung von Pseudemydura umbrina S i e b e n r.
und über ihre systematische Stellung in der Familie Chelydidae.
(Mit 1 Doppeltafel und 1 Textfigur.) [Preis: 95 h — 95 pf] . . . 1205
— Über einige, zum Teil seltene Schildkröten aus Südchina. (Mit
1 Doppeltafel und 3 Textfiguren.) [Preis: 1 K 70 h — 1 M 70 pf] . 1741
Sperlich A., Die optischen Verhältnisse in der oberseitigen Blattepidermis
tropischer Gelenkpflanzen. Beiträge zur Auffassung der oberseitigen
Laubblattepidermis als Lichtsinnesepithel. (Mit 2 Doppeltafeln und
9 Textfiguren.) [Preis: 2 K 70 — 2 M 70 pf] 675
Steimlachner F., Über einige Fischarten aus dem Flusse CubataS im
Staate Santa Catharina bei Theresopolis (Brasilien). (Mit 2 Tafeln.)
[Preis: 95 h — 95 pf] 475
— Herpetologische Notizen (III). (Mit 1 Tafel.) [Preis: 50 h — 50 pf] 1535
Strakosch S., Ein Beitrag zur Kenntnis des Kohlenhydratstoffwechsels
von Beta vulgaris (Zuckerrübe). [Preis: 50 h — 50 pf] 855
Strigl M., Der anatomische Bau der Knollenrinde von Balanophora und
seine mutmaßliche funktionelle Bedeutung. (Mit 2 Tafeln and 3 Text-
figuren.) [Preis: 1 K 15 h — 1 M 15 pf] 1041
Suess Ed., Über Einzelheiten in der Beschaffenheit einiger Himmelskörper.
[Preis: 30 h — 30 pf] 1555
Uhlig V., Über die Tektonik der Karpathen. (Mit 1 Textfigur, 1 Tafel und
1 Karte.) [Preis : 3 K 30 h — 3 M 30 pf ] 871
Wagner R., Zur Morphologie der Sanchezia nobilis Hook. fil. (Mit 1 Tafel
und 5 Textfiguren.) [Preis: 1 K 10 h — 1 M 10 pf] 33
— Zur Morphologie des Tabaks und einiger anderer Nicotiana- Arten.
(Mit 4 Textfiguren.) [Preis : 90 h — 90 pf] 61
— Zur Morphologie der Gattung Creochiton Bl. (Mit 1 Tafel und
12 Textfiguren.) [Preis: 95 h — 95 pf] 411
— Zur Morphologie der Hoffmannia robnsta (Hort.). (Mit 8 Text-
figuren.) [Preis : 80 h — 80 pf] 1075
— Zur Morphologie des Peltiphyllmn peltatmn (Torr.) Engl. (Mit
9 Textfiguren.) [Preis: 1 K — 1 M] 1089
VIII
Seite
Wagner R., Beiträge zur Kenntnis einiger Ainorpha-Avten. (Mit 4 Text-
figuren.) [Preis: 80 h — 80 pfj 1541
Werner F., Ergebnisse der mit Subvention aus der Erbschaft Treitl
unternommenen zoologischen Forschungsreise Dr. Franz Werner's
in den ägyptischen Sudan und nach Nord-Uganda. VIII. Ortho-
piera Blatt aeformia (mit einer Revision der Mantodeengattung
Tarachodes). (Mit 3 Tafeln und 1 Textfigur.) [Preis: 3 K 30 h —
3 M 30 pf] 165
— Ergebnisse der mit Subvention aus der Erbschaft Treitl unter-
nommenen zoologischen Forschungsreise Dr. Franz Werner's
nach dem ägyptischen Sudan und Nord-Uganda. XII. Die Reptilien
und Amphibien. (Mit 4 Tafeln.) [Preis: 3 K 15 h — 3 M 15 pfJ . 1823
Zederbauer E., Variationsrichtungen der Nadelhölzer. [Preis: 1 K 10 h —
1 M 10 pf] 1927
SITZUNGSBERICHTE
DER
KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE KLASSE.
HUNDERTSECHZEHNTER BAND.
WIEN, 1907.
AUS DER KAISERLICH-KÖNIGLICHEN HOF- UND STAATSDRUCKEREI.
IN KOMMISSION BEI ALFRED HOLDER,
K. U. K. HOF- UND UNIVERSITATSBUCHHANDLER,
BUCHHÄNDLER DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
SITZUNGSBERICHTE
DER
MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHEN KLASSE
DER KAISERLICHEN
AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
CXVl. BAND. ABTEILUNG I.
Jahrgang 1907. — Heft I bis V.
ERSTER HALBBAND.
(MIT 2 KARTENSKIZZEN, 27 TAFELN UND 63 TEXTFIGUREN.)
WIEN, 1907.
AUS DER KAISERLICH-KÖNIGLICHEN HOF- UND STAATSDRUCKEREI.
IN KOMMISSION BEI ALFRED HOLDER,
K. U. K. HOF- UND UNIVERSITATSBUCHHÄNDLER,
BUCHHÄNDLER DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
INHALT.
Seite
Apfelbeck V., Koleopterologische Ergebnisse der mit Subvention der
kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien im Frühjahr 1905
ausgeführten Forschungsreise nach Montenegro und Albanien.
[Preis: 50 h — 50 pf J 493
— Neue Koleopteren, gesammelt während einer im Jahre 1905 mit
Subvention der kaiserHchen Akademie der Wissenschaften in Wien
durchgeführten zoologischen Forschungsreise nach Albanien und
Montenegro. (II. Serie.) [Preis: 60 h — 60 pf J 507
Diener K., Die Faunen der tibetanischen Klippen von Malla Johar
(Zentral-Himalaya). [Preis: 40 h — 40 pfj 603
' Glinkiewicz A., Ergebnisse der mit Subvention aus der Erbschaft Treitl
unternommenen zoologischen Forschungsreise Dr. Franz Werner's
nach dem ägyptischen Sudan und Nord-Uganda. X. Parasiten von
Pachyuromys duprasi Lat. (Mit 2 Tafeln.) [Preis: 65 h — 65 pf] . 381
Hanausek T. F., Die »Kohleschicht« im Perikarp der Kompositen. (Mit
2 Tafeln.) [Preis: 1 K 45 h — 1 M 45 pf] 3
Heinricher E., Beiträge zur Kenntnis der Gattung Balanophora. (Mit
1 Tafel und 3 Textfiguren.) [Preis: 1 K 25 h — 1 M 25 pf] . . . 439
Höhnel F., v., Fragmente zur Mykologie. (II. Mitteilung, Nr. 92 bis 155.)
(Mit 1 Tafel.) [Preis: 2 K 30 h — 2 M 30 pf] 83
— Fragmente zur Mykologie. (IV. Mitteilung, Nr. 156 bis 168.) [Preis:
95 h ~ 95 pf] 615
— und Litschauer V., Beiträge zur Kenntnis der Corticieen. (II. Mit-
teilung.) (Mit 4 Tafeln und 20 Textfiguren.) [Preis: 4 K — 4 M] . . 739
''Karny H., Ergebnisse der mit Subvention aus der Erbschaft Treitl
unternommenen zoologischen Forschungsreise Dr. Franz Werner's
nach dem ägyptischen Sudan und Nord-Uganda. IX. Die Ortho-
pterenfauna des ägyptischen Sudans und von Nord-Uganda
(Saltatoria, Gressoria, Dermaptera) mit besonderer Berücksich-
tigung der Acridoideengattung Catantops). (Mit 3 Tafeln.) [Preis:
3 K 30 h — 3 M 30 pf] 267
Keidel H., Über den Bau der argentinischen Anden. (Mit 1 Textfigur.)
(Preis: 80 h — 80 pf] 649
Mayr G., Ergebnisse der mit Subvention aus der Erbschaft Treitl unter-
nommenen zoologischen Forschungsreise Dr. F. Werner's nach
dem ägyptischen Sudan und nach Nord-Uganda. XI. Liste der von
VI
Seite
Dr. Franz Wernei's am oberen Nil gesammelten Ameisen nebst
Beschreibung einer neuen Art. [Preis: 30 h — 30 pf] . . . . . . 387
Molisch H., Über die Sichtbarmachung der Bewegung mikroskopisch
kleinster Teilchen für das freie Auge. [Preis: 30 h — 30 pf] . . . 467
Schorn F., Über Schleimzellen bei Urticaceen und über Schleimcystolithen
von Girardinia paluiala Gau dich. (Mit 2 Tafeln.) [Preis: 95 h —
95 pf] 393
Senft Em., Über eigentümliche Gebilde in dem Thallus der Flechte Physina
dalmaticum A. Zahlbr. (Mit 1 Tafel.) [Preis: 55 h — 55 pf] . . . 429
Siebenrock F., Die Schildkrötenfamilie Cinosternidae m. Monographisch
bearbeitet. (Mit 2 Kartenskizzen, 2 Tafeln und 8 Textfiguren.)
[Preis: 3 K — 3 M] 527
Sperlich A., Die optischen Verhältnisse in der oberseitigen Blattepidermis
tropischer Gelenkpflanzen. Beiträge zur Auffassung der oberseitigen
Laubblattepidermis als Lichtsinnesepithel. (Mit 2 Doppeltafeln und
9 Textfiguren.) [Preis: 2 K 70 h — 2 M 70 pf] 675
Steindachner F., Über einige Fischarten aus dem Flusse Cubatao im
Staate Santa Catharina bei Theresopolis (Brasilien). (Mit 2 Tafeln.)
(Preis: 95 h — 95 pf] 475
Wagner R., Zur Morphologie der Sanchezia nohilis Hook. fil. (Mit 1 Tafel
und 5 Textfiguren.) [Preis: 1 K 10 h — 1 M 10 pf] 33
— Zur Morphologie des Tabaks und einiger anderer Nicoiiana-ATien.
(Mit 4 Textfiguren.) [Preis: 90 h — 90 pf] 61
xT — Zur Morphologie der Gattung Creochiton Bl. (Mit 1 Tafel und
12 Textfiguren.) [Preis: 95 h — 95 pf] 411
Werner F., Ergebnisse der mit Subvention aus der Erbschaft Treitl
unternommenen zoologischen Forschungsreise Dr. Franz Werne r's
in den ägyptischen Sudan und nach Nord-Uganda. VIII. Ortho-
ptera Blattaefoniiia (mit einer Revision der Mantodeengattung
Tamchodes). (Mit 3 Tafeln und 1 Textfigur.) [Preis: 3 K 30 h —
3 M 30 pf] 165
13^
SITZUNGSBERICHTE
DER KAISERLICHEN
AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE KLASSE.
CXVI. BAND. I. HEFT.
JAHRGANG 1907. — JÄNNER.
ABTEILUNG L
ENTHÄLT DIE ABHANDLUNGEN AUS DEM GEBIETE DER MINERALOGIE,
KRISTALLOGRAPHIE, BOTANIK, PHYSIOLOGIE DER PFLANZEN, ZOOLOGIE,
PALÄONTOLOGIE, GEOLOGIE, PHYSISCHEN GEOGRAPHIE UND REISEN.
(MIT 4 TAFELN UND 9 TEXTFIGUREN.)
'^' WIEN, 1907.
AUS DER KAISERLICH-KÖNIGLICHEN HOF- UND ST A ATSDRUCKEREL
IN KOMMISSION BEI ALFRED HOLDER,
K. U. K. HOF- UND UNIVERSITATSBÜCHHÄNDLER.
BUCHHÄNDLER DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
INHALT
des 1. Heftes, Jänner 1907, des CXVI. Bandes, Abteilung' I der
• Sitzungsberichte der mathem.-naturw. Klasse.
Seite
Hanausek T. F., Die »Kohleschicht« im Perikarp der Kompositen. (Mit
2 Tafeln.) [Preis: 1 K 45 h — 1 M 45 pf] 3
Wagner R., Zur Morphologie der Sanchezia nohilis Hook. fil. (Mit 1 Tafel
und 5 Textfiguren.) [Preis: 1 K 10 h - 1 M 10 pfj 33
— Zur Morphologie des Tabaks und einiger anderer Xicotiana- Arten.
(Mit 4 Textfiguren.) [Preis : 90 h — 90 pf] 61
Höhnel F., v., Fragmente zur Mykologie (III. Mitteilung, Nr. 92 bis 155).
(Mit 1 Tafel.) [Preis: 2 K 30 h — 2 M 30 pf] 83
Preis des ganzen Heftes: 4 K 20 h - 4 M 20 pf.
SITZUNGSBERICHTE
DER
KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
MATHEMATISCH -NATURWISSENSCHAFTLICHE KLASSE.
CXVI. BAND. I. HEFT.
ABTEILUNG I.
ENTHÄLT DIE ABHANDLUNGEN AUS DEM GEBIETE DER MINERALOGIE,
KRISTALLOGRAPHIE, BOTANIK, PHYSIOLOGIE DER PFLANZEN, ZOOLOGIE,
PALÄONTOLOGIE, GEOLOGIE, PHYSISCHEN GEOGRAPHIE UND REISEN.
Die »Kohlesehieht« im Perikarp der
Kompositen
von
Dr. T. F. Hanausek,
k. k. Gymnasialdirektor in Krems a. d. Donait.
(Mit 2 Tafeln.)
(Vorgelegt in der Sitzung am 10. Jänner ] 907.)
Einleitung'.
Im Perikarp verschiedener Kompositen kann man eine
tiefbraune oder schwarze, opake, in den meisten Fällen vielfach
unterbrochene Schicht beobachten, deren Masse sich gegen
die Einwirkung der meisten chemischen Reagenzien gänzlich
indifferent zeigt. In der Längsansicht bietet sie ein sehr eigen-
tümliches Bild eines von anastomosierenden Strängen dar-
gestellten Netzes (Fig. 11), wobei die Längsstränge mächtiger
als die Querstränge sind oder umgekehrt die stärkeren Quer-
stränge eine Art dichter Querstreifung hervorrufen (z. B. bei
Sclerocarpus); in einem bisher einzigen Falle (bei Tagetes)
bildet sie eine Tapete von parallel gestellten schmalen recht-
eckigen Platten, die durch sehr schmale lichte Zwischenräume
voneinander getrennt sind (Fig. 4, a).
Eine andere charakteristische Eigenschaft dieser Schicht
rücksichtlich ihres Vorkommens ist in ihrer Abhängigkeit von
einer bestimmten Gewebegruppe gelegen. Immer tritt sie an
der Außenseite des mechanischen Gewebeteiles der Frucht-
wand, der Bastzellbündel auf und füllt einen Raum aus, der
zwischen diesen und dem von der Oberhaut überlagerten
Parenchym oder der Oberhaut selbst gelegen ist; in letzterem
Falle ist das ursprünglich vorhanden gewesene Hypoderma als
solches nicht mehr zu beobachten. Daß diese bestimmte
1*
4: T. F. Hanausek,
Lokalisierung auf einen genetischen Zusammenhang mit den
genannten Geweben hinweist, ist einleuchtend. Wieder nur in
einem Falle (bei Sclerocarpus) findet man die schwarze Masse
auch innerhalb einer Gewebegruppe (Fig. 5, k'), was ftu- die
Entwicklung derselben von besonderer Bedeutung ist.
Das Vorkommen von tiefbraunen oder schwarzen, als
Pigment oder als Sekret bezeichneten Aiassen, die extrazellular
in der Fruchtwand der Kompositen sich vorfinden, ist schon
seit längerem bekannt. Eine wenn auch ziemlich ungenaue
Angabe enthält die bekannte Samenkunde von Harz^, in der
es bezüglich HeJianthtis heißt, daß die unter der Oberhaut
liegenden Zellen »gleich der Epidermis bei den schwarz-
früchtigen Varietäten einen dunkelschwarzen harzartigen gerb-
stoffreichen Farbstoff« führen; auch bei Madia und Gnizotia
ist Ähnliches angegeben. Viel genauer und im wesentlichen
richtig ist das Vorkommen der Schicht von Pfister^ ge-
schildert, der außer den drei vorhin genannten Pflanzen auch
noch Cartkamus anführt. Nach diesem Beobachter ist zwischen
der Hartschicht und den äußeren Schichten ein brauner, in
Kali, Chromsäure, Schwefelsäure und Schulze'schem Reagens
unlöslicher Farbstoff gelagert, der der Außenseite der Bast-
bündel ein charakteristisches schildpattähnliches Aussehen
gibt. Eine Anmerkung zu dieser Stelle besagt: »Die inter-
zellulare Lagerung dieser pechartigen Masse tritt besonders
bei Carthamus klar hervor, wo sie sich zwischen zwei
sklerenchymatischen Schichten befindet und die Lücken der
Zellen genau ausfüllt.« Die Längsansicht bei Gnizotia ist
abgebildet in König, Untersuchungen landwirtschaftlich und
gewerblich wichtiger Stoffe, p. 309, Fig. 81. Tschirch^ sah
diese Schicht im Fruchtknoten von Arnica montana, wo
»zwischen der Bastzellzone und der Parenchymzellreihe in
dem Interzellularspalte ein eigentümliches braunschwarzes, in
1 C. O. Harz, Landwirtsch. Samenkunde, 1885, 2. Bd., p. 851.
2 Rudolf Pfister, Ölliefernde Kompositenfrüchte. Landwirtsch. Versuchs-
stationen, 1894, XLIII, Abhandlung 9. — Die Anatomie der Helianthusfrucht
ist ebendaselbst, p. 253 von Prof. Kos u tan}' bearbeitet.
3 Tschirch und Oesterle, Anatomischer Atlas. Leipzig 1900, p. 273
und Taf. 62, Fig. 24 bis 26.
Die »Kohleschicht« im Kompositenperikarp. ■ O
Alkohol, Wasser, Chloral unlösliches Sekret« sich befindet,
»das oft den ganzen Interzellularraum erfüllt und von der Fläche
betrachtet merkwürdige dendritisch verzweigte Bildungen dar-
stellt«. \'on den übrigen älteren mir bekannten Schriften, die
sich mit dem Bau der Kompositenfrucht beschäftigen, wie die
Arbeiten von Kraus^, Heineck^ u. a. berührt keine diese
Schicht. Im Jahre 1902 habe ich das Vorkommen derselben in
Helianthus^ ausführlich beschrieben und die Ansicht aus-
gesprochen, daß sie eine kohlige Substanz enthalte und die
Folge eines Humifikationsprozesses sei. Drei Jahre später hat
C. L. Gerdts,^ ohne von meiner Arbeit Kenntnis genommen
zu haben, in drei Kompositenfrüchten (Coreopsis, Rtidbeckia,
ArnicaJ diese Schicht nachgewiesen und ihre Masse ebenfalls
als Kohle angesprochen.
I. Chemische Zusammensetzung".
In meiner Abhandlung über Heliantlius findet sich die
Angabe, daß die schwarze Masse »eine ganz außerordentliche
Resistenz gegen die angewandten Reagenzien zeigt, denn sie
ist weder in Wasser noch in den bekannten harzlösenden
Körpern, weder in Alkalien noch in Säuren löslich und erfährt
nur durch längeres Kochen in letzteren eine Aufhellung; sie
ist demnach weder gummi- noch harzartiger Natur«. Gerdts"'
hat die schwarze Masse der Arnica-Fvwchi mit einer größeren
Anzahl von Lösungsmitteln (durch Einlegen der Schnitte über
acht Tage unter stetiger Erneuerung der betreffenden Flüssig-
keit) behandelt, auf Indigo geprüft und schließlich die Zerstörung
durch Chlorzink und Schwefelsäure und durch rauchende
Schwefelsäure versucht; es erfolgte weder eine Lösung,
1 Gr. Kraus, Über den Bau trockener Perikarpien. Inaug.-Diss., Leipzig
1866, p. 61.
'- 0. He in eck, Beitrag zur Kenntnis des feineren Baues der Fruchtschale
der Kompositen. Inaug.-Diss., Gießen 1890.
3 T. F. Hanausek, Zur Entwicklungsgeschichte des Perikarps von
Hdianthiis annuns. Ber, d. Deutsch. Bot. Gesellsch., 1902, Bd. XX, p. 449.
^ Carl Ludwig Gerdts, Bau und Entwicklung der Kompositenfrucht mit
besonderer Berücksichtigung der offizinellen Arten. Inaug.-Diss., Bern 1905
.(Leipzig), p. 55.
s Gerdts, 1. c, p. 55 bis 56.
6 T. F. Hanausek,
beziehungsweise Blaufärbung noch eine Zersetzung oder
Zerstörung der Masse. Er kommt somit zu dem Schlüsse, daß
es sich nur um Kohle oder kohlehaltige Kieselsäure handeln
könne. Aus dem Aschenskelett der Schnitte schließt Gerdts/
»daß das schwarze Sekret, das bei der Veraschung ver-
schwindet, aus Kohle besteht, die allenfalls anorganische
Salze, vielleicht ein Calciumsalz, Kieselsäure o. dgl. enthält.«
Bisher ist das Vorkommen von kohleartigen oder Humus-
substanzen in Teilen der lebenden Pflanze nicht einwandfrei
nachgewiesen worden. Bekanntlich hat man die Bildung des
Kernholzes einem Humifikationsprozeß zugeschrieben.
Molisch^ hat die Anwesenheit von Humuskörpern im Kern-
holze der echten Ebenhölzer nachzuweisen versucht:
Nach ihm sind im Kernholze der Diospyros-Arten Humus-
säuren und Humuskohle vorhanden, durch einen langsamen
Verwesungsprozeß erzeugt, der die Holzfaser und die ein-
gelagerte Gummisubstanz verändert; nebst dem Inhaltsstoff
der Zellen (Gummi) verfällt auch die Zellwand der Humi-
fizierung. »Die Libriformfasern sind dickwandig; je mehr
Gummi sie im Lumen aufspeichern, umso dünnwandiger
werden sie. Im mazerierten Material nimmt man kleine
tropfenartige Gebilde wahr, wie ich sie in den Gefäßen
beschrieben; es scheinen daher auch bei diesen Elementar-
organen die jüngeren inneren Schichten das Material für
Gummi zu liefern« (Mo lisch). Auch Belohoubek^ schließt
sich dieser Anschauung an, er spricht von Reduktionsprozessen,
die zur echten Karbonisation führen; der in Kalilauge unlös-
liche Teil des Kernstoffes stellt die Kohle dar.
Gewichtige Bedenken gegen die Meinung, daß im Kern-
stoffe Humuskörper vertreten seien, bringt Edmund Prael'*
vor. Er sagt p. 71: »Der hier behauptete Fall, daß ,die Bildung
1 L. c, p. 57.
2 Molisch, Vergleichende Anatomie des Holzes der Ebenaceen und
ihrer Verwandten. Diese Sitzungsber., Abt. I, Juliheft 1879, p. 14 bis 15 des
Separatabdruckes.
3 Sitzungsber. d. königl. böhm. Gesellsch. d. Wiss., Prag 1883, p. 384.
•1 Edmund Prael, Vergleichende Untersuchungen über Schutz- und Kern-
holz der Laubhölzer. Inaug.-Diss., Rostock 1888 (Berlin).
Die >Kohleschicht« im Kompositenperikarp. 7
von Kohle, die Karbonisation pflanzlicher Stoffe physiologisch
in einer lebenden Pflanze vor sich gehe', muß in hohem
Grade auffallend und bedenklich erscheinen; welch' ungeheure
Energie muß dazu erforderlich sein, Gummi (denn das ist nach
Molisch jene Muttersubstanz) zu elementarem Kohlenstoff zu
reduzieren, (CgH^oOs)» zu C! Und zumal innerhalb eines
einzigen Jahres! (Erscheint doch die Ausfüllung im letzten
Jahresringe des Splintes noch hellgelb, im ersten Kernholz-
ring aber bereits kohlig!) Von dieser großen Unwahrschein-
lichkeit abgesehen, scheint es mir auch in Hinblick auf das
von mir beobachtete chemische Verhalten der Inhaltsmasse des
Ebenholzes ausgeschlossen, dieselbe als »Kohle« zusammen
mit »Humussäuren« anzusprechen. Für beweisend möchte ich
besonders das Verhalten gegenüber Kaliumchlorat und ver-
dünnter HCl halten; durch diese Mischung wurde nämlich der
schwarze Inhaltsstoft' der verschiedenen Ebenhölzer
entfärbt (oder vielmehr, er zeigte jetzt die gelbe Farbe und
überhaupt die ganze Erscheinung des homogenen gelben
Gummi im älteren Splint) und alkohollöslich gemacht Ich
sehe in dem schwarzen Inhaltsstoff des Kerns der Ebenhölzer
lediglich das so verbreitete Schutzgummi, das hier nur durch
einen auch in den Zellmembranen vorhandenen, sehr dunklen
resistenten Färb- oder ähnlichen Stoff tingiert ist.« Prael meint
auch, daß wirkliche Kohle durch die Behandlung mit KCIO3
und HCl nicht entfärbt werde. Daß diese Anschauung aber
nicht richtig ist, wird unten dargetan werden. Hier möchte ich
nur bemerken, daß das, was Prael über die ungeheure Energie
sagt, die zur Reduktion des Gummi zu Kohlenstoff nötig sei,
nicht gar so unwahrscheinlich sei, wenn man gegenüberhält,
welche ungeheuren Energien die Pflanze im Assimilations-
prozesse, also bei der Umwandlung anorganischer in organische
Materie, und zwar in kürzesten Zeiträumen oder beim Wachstum
der generativen Organe aufwendet.
In neuerer Zeit hat sich Alfred Will ^ mit dieser Frage
beschäftigt. Auch dieser Forscher bestreitet die kohhge Natur
1 Alfred Will, Beiträge zur Kenntnis von Kern- und Wundholz. Inaug.-
Diss., Bern 1899.
8 T. F. Hanaus ek,
des Kernstoffes der Ebenhölzer und hält die schwarze Masse
für das sogenannte Holzgummi, das von Thomsen^ auf-
gefunden und dessen Eigenschaften durch die Untersuchungen
von Koch^ näher bekannt geworden sind; Will bezeichnet
allerdings nur die Grundlage der Masse als Gummi, die
schwarze Farbe werde durch einen besonderen Farbstoff
bedingt; darüber lautet die Äußerung Will's^ folgendermaßen:
»Die Inhaltsstoffe des Kernholzes (von Diospyros Ehemim)
bilden sich auf ganz gleiche Weise wie diejenigen der übrigen
Farbhölzer« (nämlich aus einer »inneren Haut«, die, vom
Plasma gebildet, sich der innersten Seite der Zellmembran
enge anlagert). »Wenn sie sich hiegegen durch ihre schwarze
Farbe und ihre schwere Löslichkeit etwas stärker abheben, so
ist dies lediglich nur in einer sekundär erfolgten, resistenten
Farbstoffeinlagerung zu suchen und nicht auf eine Humi-
fikation (Molisch) oder Karbonisation (Belohoubek) zurück-
zuführen«.
Wir sehen, daß von diesen beiden Autoren ein »dunkler,
resistenter Farbstoff« als die Ursache der schwarzen Farbe
angegeben wird, keiner aber kann angeben, was denn dieser
dunkle Farbstoff eigentlich sei. Ebenso übereinstimmend lautet
bei beiden Forschern, die Angabe über die »Resistenz«, d. h.
also über die Reaktionsunfähigkeit des Farbstoffes, seine
Widerstandskraft gegen so zahlreiche und energisch wirkende
chemische Angriffsmittel, ja es gelingt nach Will"^ nicht
einmal, auf das Gummi so einzuwirken, daß man durch
Oxydation Schleimsäure erhält. Ich habe nicht die Über-
zeugung, daß es den genannten Autoren vollständig gelungen
ist, die Annahmen von Moli seh zu widerlegen; es bleibt
1 Journ. f. prakt. Chemie, Neue Folge 1879, Bd. 19, p. 146 bis 16S
(Chemische Untersuchung über die Zusammensetzung des Holzes. — Holz-
gummi ist in Wasser unlöslich, gekocht liefert es eine sauer reagierende Lösung,
Natronlauge löst es bei gewöhnlicher Temperatur, mit verdünnter Säure gekocht
wird es in Alkohol löslich).
2 Friedrich Ko ch, Experimentelle Prüfung des Holzgummi und dessen
Verbreitung im Pflanzenreiche. Unters, a. d. pharm. Institute d. Univ. Dorpat.
Pharm. Zeitschr. f. Rußland, 1886, Nr. 38 bis 47.
3 Will, 1. c, p. 83.
4 Will, 1. c, p. 75.
Die »Kohleschicht« im Kompositenperikarp. 9
immer noch ein Rest (z. B. das Dunkel des dunklen Farb-
stoffes), der von ihnen nicht erklärt worden ist.
Wenn es sich nun auch in der vorliegenden Arbeit um
ein ganz anderes Untersuchungsobjekt — nämlich um das
Kompositenperikarp — handelt, so erschien es mir doch von
größter Bedeutung, die Kern stofffrage der Ebenhölzer hier
anzuführen, da ja bei beiden Arbeitsgebieten ein und dasselbe
Problem — das Vorkommen einer angeblich kohligen Sub-
stanz — zu lösen ist. Es läßt sich auch daraus ersehen, daß
es nicht angeht, einer schwarzen Substanz ohneweiters, auch
wenn sie in den bekannten gummi- und harzlösenden
Mitteln unlöslich ist, einen Inhalt kohliger Natur zuzu-
schreiben.
Nun liegt aber eine Abhandlung von J. Wiesner^ aus
dem Jahre 1892 über den mikroskopischen Nachweis der
Kohle vor, die sowohl den vorher genannten Autoren als auch
mir entgangen war. Wiesner hatte das Problem gewisser-
maßen von der entgegengesetzten Seite aufgefaßt — die
übrigens auch durch die Veranlassung zu dieser Unter-
suchung (Studium des schwarzen Lungenpigmentes) gegeben
war — und die Einwirkung eines bestimmten Oxydations-
mittels auf die verschiedenen Arten der Kohle (Braun-, Stein-,
Holzkohle, Ruß, Anthracit, Graphit, amorpher Kohlenstoff)
studiert. Als bestes Reagens erwies sich nun das von dem-
selben Autor ^ in die Pflanzenanatomie eingeführte Gemisch
starker Chromsäure mit Schwefelsäure, im folgenden kurz
als Chrom.säure bezeichnet, dessen außerordentlich kräftig
1 J. Wiesner, Über den mikroskopischen Nachweis der Kohle in ihren
verschiedenen Formen und über die Übereinstimmung des Lungenpigments mit
der Rußkohle. Diese Sitzungsber., Bd. 101, Abt. I, 1892, p. 379 ff. — Diese für
meine Untersuchungen so überaus wichtige Abhandlung habe ich erst kennen-
gelernt, nachdem meine Arbeit bereits abgeschlossen war. Meine in dem
vierten Kapitel angeführten Erörterungen und Folgerungen waren ohne Kenntnis
dieser Abhandlung niedergeschrieben und erhalten durch die Übereinstimmung
der Beobachtungen Wies ner 's (an der Holzkohle) mit meinen Befunden eine
höchst wertvolle Bestätigung. Die Ergebnisse meiner Versuche mit der Chrom-
säure wurden nachträglich an den betreffenden Stellen eingefügt.
'- J. Wiesner, Einleitung in die technische Mikroskopie. Wien 1S67,
p. 38, Anmerkung 1.
10
T. F. Hanausek,
oxydierender Wirkung keine Pflanzen- und Tierzelle wider-
stehen kann. Die Anwendung der Chromsäure bietet daher
zugleich den großen Vorteil, aus einem mikroskopischen
Präparate alle organisierten Bestandteile, sofern es sich um
die Beobachtung des zurückbleibenden unlöslichen Materials
handelt, ausschalten zu können.
Es sollen nun aus der Abhandlung Wiesner's jene
Punkte herausgehoben werden, die für die vorliegende Arbeit
von besonderer Bedeutung sind. Wiesner fand, daß der
wesentliche Bestandteil der Braunkohle ein brauner, durch-
scheinender Körper sei, der durch die Einwirkung der Chrom-
säure farblos wird; die farblos gewordenen Teilchen bilden
einen Gewebedetritus, der die Reaktionen der Zellulose zeigt.
Alle übrigen Kohlearten enthalten nur eine geringe Menge
einer durch Chromsäure leicht oxydierbaren Substanz, die die
Farbe des Reagens zuerst in Braun, dann in Grün umwandelt.
Der Rückstand verhält sich so wie amorpher Kohlenstoff
und wird durch Chromsäure nur außerordentlich langsam
angegriffen. Dieser Rückstand besteht aus schwarzen un-
durchsichtigen Partikeln. — In der Steinkohle treten neben
diesen schwarzen Teilchen braune oder rotbraune von dreierlei
Art auf, und zwar schmelzbare, als Harze zu bezeichnende
Anteile, ferner »Körper, welche sich genau so wie Braunkohle
verhalten, also nach Einwirkung von Chromsäure einen
Gewebedetritus geben, welcher aus Zellulose besteht« und
endlich Körper, die von Chromsäure nach und nach gelöst
werden (übereinstimmend mit den im Anthrazit vorkommenden
Körnchen). Die Beobachtungen Wiesner's an der Holzkohle
sind folgende: Die bei niederer Temperatur gewonnene
braune Holzkohle, sogenannte Rotkohle (mit geringem
Kohlenstoffgehalt) »wird durch Chromsäure vollkommen zer-
stört. In einem bestimmten Stadium der Chromsäureeinwirkung
bleibt Zellulose in Form wohlerhaltenen Holzgevvebes zurück,
welche vor der Zerstörung lange dunkle Fäden (Reste von
Außenhäuten) und zarte Ringe (äußerste Grenzen der Tüpfel)
erkennen lassen, wodurch eine Unterscheidung von Braun-
kohle ermöglicht wird. Schwarzkohle (schwarze [bei höherer
Temperatur gewonnene] Holzkohle) wird, abgesehen von
Die » Kohleschicht« im Kompositenperikarp. 1 1
kleinen Mengen leicht oxydierbarer Substanz, im Reagens fast
gar nicht angegriffen«.^
Bei der geringen Menge der schwarzen Masse in den
Kompositenfrüchten und der außerordentlichen Schwierigkeit,
sie zu isolieren, lassen sich damit makrochemische Versuche
wie beim Ebenholz nicht anstellen. Es bleibt also nur die
mikrochemische Untersuchung übrig und die zahlreichen von
mir ausgeführten mikrochemischen Versuche lassen
die in den reifen Früchten enthaltene schwarze
Masse als einen Körper erkennen, dessen quantitativ
wichtigster Bestandteil gegen chemische Ein-
wirkungen die allergrößte Resistenz zeigt.
Die schwarze Masse ist weder in Alkalien noch in
Säuren löslich oder zersetzbar. In Bezug auf den Versuch
Prael's mit KCIO3 und HCl will ich folgendes anführen.
Während durch Behandlung mit diesen Reagenzien der Kern-
stoff des Ebenholzes entfärbt werde, sei dies, so meint Prael,
mit wirklicher Kohle nicht der Fall. Dies gilt aber für Braun-
kohle nicht. Ich habe Lignit mit den genannten Stoffen digeriert
und fand ihn in kurzer Zeit so aufgehellt, daß das Objekt im
Mikroskop nur mehr blaßgelb erschien und die Holzelemente
deutlich erkennen ließ; in den Tracheiden und Markstrahl-
zellen fanden sich große rotbraune Tropfen vor. Da nun
Lignit zweifellos humifiziertes Holz darstellt, so wäre also die
Aufhellung in KCIO3 und HCl kein Beweis gegen Humus-
körper und Humuskohle. Aber selbst diese Veränderung tritt
in der schwarzen Masse der Kompositenfrucht nicht auf; ich
habe sie (von Tagetes-Früchten, in denen sie in pechschwarzen
Platten vorkommt) damit digeriert, auch gekocht, ohne je
eine Aufhellung oder Lösung beobachten zu können. Wie sehr
sie sich von einem wirklichen Pflanzenfarbstoff unterscheidet,
läßt sich aus folgender Tatsache dartun. Tagetes-Früchte (wie
1 Wiesner, Über den mikroskopischen Nachweis etc., p. 39 des Separat-
abdruckes.
12 T. F. Hanausek,
Überhaupt sehr viele Kompositenfrüchte) besitzen eigentümhche
zvveispitzige, gerade Doppelhaare, sogenannte Zvvillings-
haare, die an der Frucht nach aufwärts, dem Scheitel zu,
gerichtet sind und wohl das Festhalten der Frucht in dem
Erdboden (bei der Keimung) bewirken sollen. Diese Haare
enthalten einen tiefbraunen Farbstoff, der im Mikroskope
dasselbe Aussehen hat wie die dünnen braunen Lagen der
Masse, z. B. an der Basis der Frucht. Werden nun Präparate
nach dem von Prael angegebenen Verfahren behandelt, so
verschwindet der Farbstoff in den Haaren gänzlich, die Haare
sind farblos geworden, während die Platten der schwarzen
Alasse unverändert geblieben sind.
Bemerkenswert ist auch die Einwirkung der konzen-
trierten Salpetersäure auf die schwarze Masse. Wie Will
(1. c. p. 81) angibt, zeigten Schnitte des Kernholzes von
Diospyros Ehentim, die drei Tage in konzentrierter Salpeter-
säure gelegen hatten, den größten Teil der Ausfüllungen, aus-
genommen die der Gefäße, gelöst oder mindestens entfärbt.
»Werden dünne Schnitte der längeren Einwirkung von kon-
zentrierter Salpetersäure ausgesetzt, so entfärbt sich das
bräunliche Zellgewebe mit den schwarzen Zellinhaltsstoffen
in Hellgelb unter teilweiser Zerteilung des Sekretes und wohl
auch teilweiser Lösung.« Tagetes-VxilchtQ und dünne Schnitte
davon zeigten nach wochenlangem Liegen in konzentrierter
Salpetersäure keine Aufhellung oder Lösung der schwarzen
Masse; diese blieb unverändert, ließ sich von den ganz mürbe
gewordenen Geweben in starren, kantigen Bruchstücken ab-
lösen und war bei gehöriger Dicke gänzlich undurchsichtig,
pechschwarz, in dünnen Stücken (von der Basis der Frucht)
braun durchscheinend. Kocht man einen dieser Schnitte, nach-
dem die Säure durch Auswaschen entfernt worden ist, in
verdünnter oder in starker Kalilauge, so tritt auch jetzt keine
Veränderung ein; mitunter ist eine schwache Bräunung der
Lauge zu beobachten (wie beim Kochen der Braunkohle mit
Lauge).
Von ausschlaggebender Bedeutung erschien mir nun die
Einwirkung der Chromsäure nach Wiesner's Methode. Ich
habe sie an den Früchten von Tagetes, Helianthas, Xanthhun
Die tKohlescliicht« im Kompositenperikarp. 13
und Sclerocarpns beobachtet. Längs- und Querschnitte wurden
teils auf dem Objektträger, teils im Schälchen (ganze Früchte
in der Flasche) in Chromsäure suspendiert; sehr bald trat
Blasenbildung auf, im Verlauf von mehreren Stunden waren
alle Gewebe, die sich an dem Schnitte befanden, und alle Farb-
stoffe nach Braun-, beziehungsweise Grünfärbung des Reagens
zerstört und verschwunden und nur die schwarze Masse war
zurückgeblieben; auch nach mehrwöchentlichem Liegen in
Chromsäure zeigen sich an den schwarzen Netzen und Platten
nur sehr geringe Veränderungen. Von den so behandelten
Ja^^/^s-Früchten bleiben nur die schwarzen Platten, die sich
gegen die Fruchtbasis in braune anastomosierende Streifen
auflösen, und diese Streifen zurück; sehr eigentümlich ist das
Aussehen der schwarzen Platten ohne Vergrößerung; sie er-
scheinen in der Flüssigkeit dem freien Auge als schwarze
haarartige Fasern; mitunter lösen sich diese Platten in
Einzelfasern auf, entsprechend den darunter liegenden (nunmehr
aber verschwundenen) Bastfasernzellen, ohne sich aufzuhellen;
nur die weit dünneren braunen durchscheinenden Stränge an
der Fruchtbasis hellen sich etwas auf und eine dreiwöchentliche
Einwirkung der Chromsäure verursacht ein leichtes Verquellen
der dünnsten Partien. Ebensolange behandelte zarte bräunliche
Häute mit den daraufliegenden dendritischen Strängen von
7a^^/t'5-Fruchtknoten zeigen nahezu gar keine Änderung.
Man kann also annehmen, daß sich die schwarzen
gänzlich undurchsichtigen Teile wie die schwarze
Holzkohle oder amorpher Kohlenstoff, die braunen
wie die braunen Körnchen in der Steinkohle oder im
Anthrazit verhalten.
Das zarte, überraschend schöne Netz von Xanthiuni erweist
sich in Chromsäure gleichfalls als höchst resistent; nach mehr-
wöchentlichem Liegen in dem Reagens findet man nebst den
schwarzen ganz undurchsichtigen, also unveränderten Partien
solche, die etwas aufgehellt worden sind, ja in kleinen Fädchen
ganz farblos erscheinen; diese farblosen Teile reagieren aber
nicht auf Zellulose. Die dünnsten Netzfädchen beginnen nach
etwa sieben- bis achttägiger Einwirkung der Chromsäure
gewissermaßen abzuschmelzen, also noch dünner und zarter
14 T, F. Hanausek,
ZU werden, wobei aber ein \'erquellen wie bei Tagetes oder
Helianthiis nicht stattfindet; bisher aber konnte eine voll-
ständige Lösung der aufgehellten und farblosen Fäden nicht
beobachtet werden. Ein gleiches Verhalten weist das durch
die starken Ouerstränge charakterisierte schwarze Netz von
Sderocarpus auf.
Bei Helianthiis tritt ein Verquellen ein, indem die im
unversehrten Netze als Lücken erscheinenden Stellen von einer
hellbräunlichen, in der Mitte der ehemaligen Lücke selbst farb-
losen Aiasse ausgefüllt werden, die Kreuzungsstellen der
Stränge bleiben schwarz. Außerdem ist aber das ganze Netz
von sehr kleinen, teils rundlichen, teils dreikantigen oder nach
einer Seite spitz zulaufenden Löchern durchbrochen, die von
den Zäpfchen der Bastfasern herrühren; sie bieten sehr häufig
einen sehr scharfen negativen Abdruck der Zäpfchen dar.
Von einer Zerstörung, Auflösung oder sonstigen
bedeutenden Veränderung der schwarzen M a s s e
durch die Chromsäure kann nach den mitgeteilten
Beobachtungen nicht die Rede sein.
Auf Anregung des Herrn Hofrates Wiesner^ habe ich
noch die Wirkung der Fäulnis auf die schwarze Masse
studiert. Die schwarzen Platten von Tagetes zeigten sich in
dem von Bakterien, Pilzmykelien, zerfallenen Geweben und
sonstigem Detritus gebildeten Breie gänzlich unverändert. Eine
Zerstörung der schwarzen Masse wird nur durch die Ver-
brennung herbeigeführt.
Die beispiellose Widerstandsfähigkeit der
schwarzen Masse gegen die Einwirkung lösender,
oxydierender und sonstwie aufschließender Körper
berechtigt zu der Annahme, daß die schwarze Masse
eine der Kohle nahe verwandte Substanz enthalte
und daß ihr ein sehr hoher Kohlenstoff geh alt zu-
kommen müsse.
1 Ich fühle mich verpflichtet, Heirn Hofrat Wiesner für das Interesse,
das er meiner Arbeit entgegengebracht, und für die wertvolle Unterstützung,
die er mir hiebei zu teil werden ließ, meinen verbindlichsten Dank auszu-
sprechen.
Die »Kohleschicht« im Kompositenperikarp. 15
IL Verbreitung" und Vorkommen.
Es wurden die Früchte oder, wenn diese nicht vorhanden,
die abgeblühten Fruchtknoten von 34 Kompositengattungen
aus nahezu allen Tribus auf das Vorkommen der schwarzen
Masse geprüft. Bisher habe ich das Vorkommen derselben in
13 Gattungen feststellen können; es dürfte wohl als eine
generelle Eigenschaft angesehen werden, da z. B. drei unter-
suchte Xanthimn- Arten die Masse besitzen. Auf einen Umstand
muß ich aber besonders hinweisen. Nicht alle Exemplare der
Frucht einer Kompositenart, die zu den 13 Gattungen gehört,
enthalten die Masse. In zahlreichen bein weißen Heliattthtis-
Früchten habe ich sie vergebens gesucht; ebenso fehlt sie
nicht selten in den graugestreiften Formen, denn — und das
muß auch noch betont werden — mit der Färbung der Frucht-
schale von Heliauthns hat die Masse nichts zu tun. Schwarze
Helianthus-Fvüchte haben ein Pigment in der Oberhaut und
dem Hypoderma, das im Mikroskop als brauner Zellinhalt
erscheint und die schwarze Färbung der Fruchtschale ver-
ursacht. Bei Tagetes werden die Früchte allerdings durch die
schwarzen Platten gefärbt, nichtsdestoweniger kann in den
Epidermiszellen ein besonderes Pigment vorhanden sein. Wie
sehr sich dieses Pigment nach seiner stofflichen Zusammen-
setzung von der schwarzen Masse unterscheidet, wurde im
vorigen Kapitel erörtert.
Ob nun alle Früchte eines Korbes oder einer und der-
selben Mutterpflanze die schwarze Schicht besitzen oder
ob sie bei einigen Früchten desselben Blütenstandes aus-
gebildet ist, bei anderen fehlt, bleibt noch zu untersuchen. Bei
Helianthiis habe ich im Jahre 1902 in zahlreichen Früchten
einer Pflanze das Vorkommen konstatieren können.
Wenn also nur 13 Gattungen als solche genannt werden
können, die die schwarze Schicht führen, so soll damit nicht
behauptet sein, daß sie den übrigen 21 Gattungen, die ich
geprüft habe, definitiv fehlt. Erst wenn Früchte verschiedener
Pflanzen und verschiedener Jahrgänge derselben Art unter-
sucht worden sind, kann eine bestimmte Aussage gemacht
werden.
16
T. F. H a n a u s e k ,
Die folgende nach Hoffmann^ geordnete Übersicht der
die Kohleschicht führenden Kompositen zeigt, daß sie am
häufigsten in der Tribus der HeJiantheae vertreten ist. In den
ersten vier Tribus {Vcnionicae, Etipatorieae, Astcreae und
Imileae), sowie in den Ligulißorae mit der 13. Tribus Cichorieae
habe ich sie bisher nicht auffinden können.
Tribus: Hdiautlieae.
3. Subtribus: Melampodinae; Melampodiiim (l).
4.
»
Ambro sinae;.
Xanthimn (2).
6.
»
Zmninae;
Zinnia (3).
7.
»
Verbesininae;
Rtidbeckia (4).
Helianthiis (5).
Scierocarpns (6),
8.
»
Coreopsidinac;
Gnizotia (7).
Coreopsis (8).
9.
»
Galinsoginae ;
Galinsoga (9).
10.
»
Madiuae;
Madia (10).
Tribus: Helenieae.
4. Subtribus: Tagetininac, Tagetes (11).
Tribus: Seneeioneae.
2. Subtribus: Senecioninae; Arnica (12).
Tribus: Cyiiareae.
4. Subtribus: Ceiitanreinae; Carthamiis (13).
Der Perikarp der hier angeführten Kompositen besitzt in
dem auf verschiedene Weise entwickelten mechanischen
Gewebe, den Bastfaserbündeln, einen Apparat für Festigkeit
gegen Zug und Druck und gegen das Biegen. An den Früchten,
deren Perikarp zugleich auch die äußerste Hülle bildet, ist
dieser Festigkeitsapparat am kräftigsten entwickelt und wird
meist noch von anderen sklerotischen Geweben unterstützt.
Es fehlt aber auch nicht an den Früchten, die noch eine
besondere äußere, von den Spreublättern oder Deckblättern
1 Engler und Prantl, Pflanzenfamilien IV, 5, p. llSff.
Die »Kohleschicht« im Kompositenperikarp. 17
durch Verschmelzung (Xmitlmim) oder durch Verhärtung (eines
Deckblattes wie bei Sclerocarpiis und Melanipoditmi) gebildete
Hülle besitzen, nur ist er dann sehr stark reduziert; die Bündel
sind dann klein und enthalten wenige Bastzellen. Die Kohle-
schicht tritt nun, wie schon in der Einleitung angegeben wurde,
stets an der der Epidermis zugewendeten Außenseite der
Bündel auf und bildet in der reifen Frucht eine schwarzbraune
oder pechschwarze Masse, die durch Druck (Quetschen, Zer-
reiben) in meist kantige, bröselige Stückchen zerbricht. Am
Querschnitt erscheint sie schon bei schwacher Vergrößerung
als ein dicker schwarzer, gänzlich undurchsichtiger glanzloser
Streifen, der die Frucht (innerhalb der Epidermis und des
hypodermatischen Gewebes) umschließt.
III. Entwieklungsgesehichte.
Tagetes und Helianthus.
Ein Querschnitt vom unteren Drittel (gegen die Basis) des
Fruchtknotens von Tagetes erecttis L. (Fig. 1) zeigt folgendes: Die
Oberhaut besitzt eine überaus mächtige, kutikularisierte Außen-
wand (ep). Die Radialwände sind kurz und die Lumina ver-
hältnismäßig klein, nach innen zu verschmälert oder abgerundet
begrenzt. Die nun folgende Zellreihe (sep) ist durch die
kollenchymatische Entwicklung der Zelhvände ausgezeichnet
und zeigt die Zellumina in der radialen Richtung stärker aus-
gedehnt als in der tangentialen; die unmittelbar daran schließen-
den Parenchymzellen haben ein kleineres Lumen, aber noch
koUenchymatisch verdickte Zellwände; das Kollenchym ist als
ein Hypoderma zu bezeichnen, das sich in seiner weiteren
Entwicklung scharf von dem Parenchym absondert. Innerhalb
des Hypoderma findet man kleine Bündel von Bastfasern. Von
der Kohleschicht ist noch nichts wahrzunehmen.
Ein weit älteres Stadium ist in Fig. 2 dargestellt, die einen
Querschnitt etwa in der Hälfte der Frucht zeigt. Die Oberhaut-
zellen haben sich nun nach allen Seiten entwickelt, ins-
besondere in der Radialachse gestreckt, die Außenwand ist
noch immer auffallend stark. Was früher als ein einreihiges
Sitzb. d. mathem.-natunv. Kl.; CXVI. Bd., Abt. I. 2
18 T. F. Hanausek,
kollenchymatisches Hypoderma erschien, ist jetzt ein sehr
zartzelliges Parenchym (Fig. 2, sep); die Bastbündel sind
mächtig geworden und haben sich ähnlich wie hei Helianthns^
entwickelt. Und nun läßt sich auch das erste Auftreten der
Kohleschicht erkennen. Zuerst bräunt sich die Außenseite der
Bastzellen (Fig. 2, das zweite Bündel in der Mitte), dann sieht
man im Querschnitt sehr dünne schwarzbraune Anlagerungen an
der Bastzeil-Außenwand (Fig. 2, k). Wie es sich tatsächlich
damit verhält, kann man nur aus der Längsansicht erfahren.
Fig. 3 stellt zwei Bastbündel vor, getrennt durch die Paren-
chymzellreihe (vergl. Fig. 2), die wie ein Markstrahl das
Hypoderma mit dem Innenparenchym verbindet und den
Sklereidenmantel durchbricht. Die Bastzellbündel sind der ganzen
Länge und Breite nach gleichmäßig braun gefärbt; auf dieser
braunen Unterlage beobachtet man unregelmäßig verlaufende,
verbogene, dendritisch verzweigte, tiefbraune Stränge, deren
gemeinsame Eigenschaft darin besteht, daß sie stets von dem
Rande des gleichmäßig braunen Überzuges der Bastbündel
entspringen; dieser Rand ist auch etwas stärker, dicker und
hie und da kann man beobachten, daß er sich nicht mit dem
Längsrande oder der Längskante des Bündels deckt (Fig. 3
bei x), sondern das letztere hell und ungefärbt darunter noch
hervorsieht; es erscheint dort der braune Überzug also schmäler
als die Breite des Bastbündels. Stellenweise sieht man an
Querschnitten, daß das Hypoderma ganz reduziert ist und
schließlich fehlt; auch das Saftleitungsparenchym kann dann
fehlen und der betreffende Raum ist durch sklerosierte Zellen,
beziehungsweise durch Bastzellen abgeschlossen (Fig. 2, die
zwei Bündel links). Wir finden auch schon in dem ersten Stadium
der Bräunung der Außenwand die am Rande entstehenden
tiefbraunen Stränge, freilich noch ganz kurz und unverzweigt,
aber scharf von der Unterlage abgehoben. Sie machen den
Eindruck, als würden sie aus dem hiebei sich verdickenden
Rande des braunen Überzuges hervorquellen, obwohl ich, wie
ich ausdrücklich betone, niemals, auch nicht in dem allerersten
1 T. F. Hanausek, Zur Entwicklungsgesch. etc., p. 451 und Taf. 21,
Fis. 3.
Die »Kohleschicht« im Kompositenperikarp. 19
Stadium einen anderen als den festen Aggregatziistand der
braunen Stränge wahrgenommen habe.
Besonders deutHch wird diese braune Haut mit den darauf
liegenden dendritisch verzweigten Strängen in dem Chrom-
säurepräparat. Nach 24 stündigem Lagern in Chromsäure sind
alle organisierten Bestandteile verschwunden, nur die braune
Haut und die Stränge sind unverändert erhalten. Man sieht
nun, daß die Entwicklung gegen den Fruchtscheitel zu am
stärksten vorgeschritten ist, gegen die Basis aber die zartesten
feinsten Anfangsstadien der braunen Haut vorhanden sind; sie
sind nur mehr an der stärkeren und tiefer braunen Randleiste
zu erkennen; selbst diese feinsten Partien werden durch die
Chromsäure nicht zerstört. Stellenweise sieht man auch solche
dickere Streifen im Längsverlaufe der braunen Haut dort, wo
die gemeinsamen Außenwände der (darunter liegenden) Bast-
faserzellen sich befanden und von ihnen entspringende dendri-
tische Stränge.
Je älter nun die Frucht wird, desto zahlreicher treten die
Stränge auf, es entsteht zuerst ein Netz und schließlich findet
man an der reifen Frucht pechschwarze, gänzlich undurch-
sichtige Platten, die nur durch die schmalen Lücken, die die
markstrahlähnlichen Parenchymzüge enthalten (soweit diese
nicht resorbiert sind), voneinander getrennt sind (Fig. 4, a).
So ist die Ansicht vom Scheitel der Frucht bis ztim unteren
Drittel; daselbst verschmälern sich die Platten und lösen sich
in dünne Stränge auf, die durch rechtwinkelige kurze z^na-
stomosen zusammenhängen (Fig. 4, h). Am Scheitel findet man
nicht selten feine Stränge in die untersten Partien der Pappiis-
Schuppen eingedrungen, die vollkommen die Forni und Größe
der die Schuppen daselbst bildenden Zellen besitzen.
Das erste Auftreten der schwarzen Masse ist also im
großen und ganzen gleich dem von Heliantlins. Die eigen-
tümlichen Zäpfchen an der Außenseite der Bastzellen bei
Helianthus'^, die zentrifugalen Wucherungen der Zellwand,
kommen bei Tagetes nur höchst selten vor; sie sind aber auch,
wenn anders meine Anschauung über ihren Zweck richtig ist>
1 L. c, p. 451.
2*
20 T. F. Hanausek,
gar nicht nötig. Ich sagte (1. c), daß sie die Aufgabe hätten, die
Bastbündel von dem vorgelagerten Gewebe loszulösen, um für
die schwarze Masse Raum zu schaffen, da bei Helianthtis das
Hypoderm nicht nur persistiert, sondern sogar etwas sklerosiert;
seine feine, überaus reichliche Tüpfelung gibt ihm, wie 1. c.
Fig. 7 auf Tafel 21 zeigt, ein sehr charakteristisches Gepräge.
Da nun bei Tagetes das Hypoderma oder wie man es nennen
will, nach der Zellteilung — es bilden sich nur zwei, selten
stellenweise drei Zellreihen — eine regressive Entwicklung
nimmt und oft ganz resorbiert oder wenigstens mechanisch
zurückgedrängt wird, so ist genügend Raum für das schwarze
Produkt an der Außenseite der Bastbündel vorhanden.
Die Unterschiede, die sich in der Entwicklung der Masse
bei Tagetes und bei Helianthus zeigen, sind mit Berücksichtigung
der Ausbildung der Gewebe folgende:
1. Bei Helianthus persistiert und sklerosiert das Hypo-
derma; bei Tagetes wird es nur schwach entwickelt und ent-
weder mechanisch zusammengepreßt oder stellenweise re-
sorbiert.
2. Bei Helianthus entwickeln sich an der Außenseite der
Bastbündel an den Bastfaserzellen Zäpfchen, lokalisierte Zellen-
wandwucherungen, die bei Tagetes fehlen oder nur ganz ver-
vereinzelt auftreten.
3. In dem ersten Auftreten der schwarzen Masse, der
Bräunung der Außenwand der Bastzellen gibt es bei beiden
Gattungen keinen Unterschied, wohl aber ist derselbe in dem
Quantum der Masse zu konstatieren, indem bei Helianthtis nur
ein lückenreiches Netz, bei Tagetes massive^, durch schmale
Spalte getrennte Platten entstehen.
Sclerocarpus africanus Jacq.
Von dieser tropischen Art standen mir nur halb- und
ganzreife Früchte zur Verfügung. Die Frucht von Sclerocarpus
ist ausgezeichnet durch das bleibende und sklerosierende
Spreublatt, das wie ein zweites Perikarp die Frucht einschließt
und durch seine Spitze einen (falschen) Fruchtschnabel vor-
täuscht. Soweit sich aus dem spärlichen Material ersehen
ließ, ist das erste Auftreten der schwarzen Masse von dem bei
Die »Kohleschicht« im Kompositenperikarp. 21
Helianthiis nicht verschieden; in Bezug auf den anatomischen
Bau des Perikarps ist hervorzuheben, daß auch das innere
Parenchym sklerosiert; es entwickehi sich stark verdickte
und reichlich getüpfelte, abgerundet polyedrische Skiereiden
(Fig. 5, sd). Von besonderer Bedeutung aber ist das Auftreten
der schwarzen Masse auch innerhalb dieses Skleren-
chyms; Sckrocarptt-s zeigt demnach, daß die Entstehung der
Masse nicht allein an die Bastbündel oder, genauer ausgedrückt,
an die Außenseite der Bastbündel und die Innenfläche des
Hypodermas gebunden ist, sondern daß sie auch an anderen
Orten, in anderen Gevvebearten auftreten kann. Verschiedene
Partien des Sklerenchyms treten von den übrigen farblosen
oder gelblichen Teilen durch die braunschwarze Umhüllung
der Skiereiden höchst auffallend hervor (Fig. 5, k'). Man beob-
achtet, daß eine Skiereide dicht von der Masse umhüllt ist
und daß von dieser Umhüllung die schwarze Masse gewisser-
maßen sich fortsetzt, eine nächste Skiereide umhüllt und neue
Stränge zwischen die anstoßenden Zellen einschiebt; genau
dort, wo ein solcher Strang endet, kann man als seine Fort-
setzung die Mittellamelle wahrnehmen. Es macht also den
Eindruck, als ob es die gemeinsame Außenwand benachbarter
Zellen (Mittellamelle) wäre, die sich in die schwarze Masse
.umsetzt, so daß eine Isolierung der Zellen erfolgen muß; ob
zugleich auch die Zellmembran davon ergriffen wird, ließ sich
trotz genauer Untersuchung nicht feststellen. Wie sich aus
Fig. 5,^', ersehen läßt, sind die Stränge sehr verschieden mächtig;
an einer und derselben Zelle kann eine Seite eine starke, eine
andere eine viel schwächere Anlagerung der Masse aufweisen.
Diese Art des Vorkommens scheint mir besonders geeignet
zu sein, ein Licht auf die Entstehung der Masse zu werfen.
Xanthium.
Entwicklungsgeschichtliche Untersuchungen konnten mit
sehr reichlich zur Verfügung stehendem Material von Xanthium
strumarmm L. angestellt werden, von Xanthium spinosutn L.
wurden nur reife Früchte untersucht. Die Frucht von Xanthium
ist bekanntlich von der widerhakigen, sehr harten inneren Hülle
umschlossen, die zwei Fächer (mit je einer Frucht) bildet.
22 T. F. Hanausek,
Diese Hülle ist für die Untersuchung insofern von besonderem
Vorteile, als sie die Anfertigung guter Querschnitte — ■ schon
des Fruchtknotens — wesentlich erleichtert.
Da die Entwicklung der schwarzen Masse bei Xanthinin
in anderer Weise vor sich geht als bei den vorhin besprochenen
Arten, so erscheint es zuvor notwendig, einen Überblick über
den anatomischen Bau des jugendlichen Perikarps zu geben.
Die Oberhaut setzt sich aus — von der Fläche gesehen —
längsgestreckten, schmal polygonalen Zellen zusammen (Fig. 7),
die im Querschnitt (Fig. 6, ep) fast rechteckig sind und eine
etwas vorgewölbte, kutikularisierte Außenwand besitzen. Die
Radial- und Innenwände sind sehr dünn. Unter der Oberhaut
liegt eine Reihe radial gestreckter dünnwandiger Zellen, ein
Hypoderma, dem sich ein Bastzellmantel, aus 2 bis 3 Zellreihen
gebildet, anschließt. Das innere Parenchym (Fig. 6, p) zeigt
eine zweifache Zusammensetzung. Zwischen mehreren Reihen
kleiner Zellen liegt eine Reihe viel größerer, die aber bei fort-
schreitendem Wachstum der Frucht stellenweise durch da-
zwischen sich einschiebendes kleinzelliges Parenchym von-
einander getrennt v/erden (Fig. 8, jt). Den Abschluß bildet eine
aus tangential gestreckten und in radialer Richtung sehr
schmalen Zellen bestehende innere Epidermis. Hier soll auch
noch des Baues der Samenhaut gedacht werden, da sie ihrer
eigentümlichen Epidermis halber sehr bemerkenswert erscheint
(Fig. 6 und 8, B). Die Oberhautzellen bilden bauchige Kegel,
deren Basis an der Außenseite liegt, deren Spitze nach innen
sieht; im erwachsenen Zustand (Fig. 8, ep') buchtet sich der
Kegel in der schmalen Hälfte, also in dem der Spitze näheren
Teil stark ein, so daß die Zellen von der Fläche gesehen zwei
Kreise, einen größeren, dem Basisteil entsprechenden und einen
bedeutend kleineren, der verjüngten Abteilung angehörigen
Kreis zeigen; dieser Bau hat die Bildung recht bedeutender
Interzellularräume zur Folge. Vermutlich hat die Samenhaut-
epidermis gleich den großzelligen Geweben des Perikarps der
Wasseraufnahme bei der Keimung ^ zu dienen. Wird infolge
1 Vergl. Richard Loose, Die Bedeutung der Frucht- und Samenschale
der Kompositen für den ruhenden und keimenden Samen. Inaug.-Diss., Berlin
1891, p. 50 bis 55.
Die »Kohleschicht« im Kompositenperikarp. 23
ZU rascher Sklerosierung und Eintrocknung der Fruchthülle
•die freie Entwicklung und Dehnung der Epidermiszellen be-
hindert, so verschieben sich die schmalen Partien und es ent-
stehen Falten, wie sie in Fig. 9 abgebildet sind. Unter der
Oberhaut befindet sich ein dünnwandiges, frühzeitig tangential
zusammengepreßtes Parenchym; eine Aleuronzellschichte in
bekannter Ausbildung schließt die Gewebefolge ab. Auf die
Gefäßbündel ist hier weder bezüglich des Perikarps noch der
Samenhaut Rücksicht genommen; auch die durch ihren rot-
braunen Inhalt sehr auffälligen Balsamgänge sind nicht weiter
•erörtert.
Das erste Auftreten der Kohleschicht ist nun gänzlich von
dem an Helianthus, Tagetes und Sclerocarptis beobachteten
abweichend. Schon im Fruchtknoten findet man kleine schwarz-
braune und schwarze Stückchen, und zwar teils als kurze
Streifen an der Außenseite der ersten Bastzellreihe angelagert,
teils als dreikantige Partikel in den kleinen Interzellularen, die
zwischen dem Hypoderma und den Bastzellen sich befinden
(Fig. 6). In der Flächenansicht zeigt sich deutlich, wie diese
Partikel die Innenwände der Hypodermazellen umfassen. Eine
Bräunung der Außenwand der Bastzellen der ersten Reihe ist
nicht wahrzunehmen. Nun entsteht aber noch ein zweiter
Entwicklungsherd der Kohleschicht. Es beginnen nämlich
sehr bald auch die an die Epidermiszellen grenzenden
(tangential verlaufenden) Wände der Hypodermazellen
kleine schwarze Teilchen zu führen, die zunächst die Inter-
zellularen erfüllen und von da aus zwischen die Zellen sich
einschieben. Die Aufsicht dieser Zellen zeigt Fig. 10, die
dunklen Stellen sind Kohleteilchen. Allmählich nimmt die
Masse an beiden Entwicklungsstellen zu, der Querschnitt zeigt
nun zwei Stränge, einen mächtigen an der Außenseite des
Bastzellmantels und der Basis (inneren Tangentialwand) der
Hypodermazellen, einen zweiten weit weniger starken an der
Außenseite (äußeren Tangentialwand) der Hypodermazellen,
also zwischen diesen und den Epidermiszellen (Fig. %,k und k');
zugleich ist die Oberhaut durch Schrumpfung (und wohl auch
durch Pressung) zusammengefallen. Ist der Prozeß genügend
weit fortgeschritten, so sind die äußeren und inneren Tangential-
24 T. F. Hanau Sek,
wände der Hypodermazellen nicht mehr zu sehen, ihre Stelle
nimmt die Kohleschicht ein und diese erstreckt sich auch in
die Radialwände hinein, so daß von letzteren nur mehr die
mittleren Abschnitte (Fig. 8, sep) als farblose Zellulosestreifen
erhalten geblieben sind, während ihre Anfänge (an der Epi-
dermis- und an der Bastzellseite) durch die schwarze Masse
ersetzt sind. Dieses plötzliche Aufhören der spitz vorstehenden
Masse und der unmittelbar darauf folgende lichte Zellwand-
streifen bieten ein sehr eigentümliches Bild. Die Flächen-
ansicht der Kohleschicht am reifen Perikarp läßt daher zwei
Lagen derselben erkennen; eine weit stärkere schwarze und
eine hellere, die aus dünneren Strängen gebildet ist. In Fig. 11
ist nur die erstere gezeichnet, um nicht das Bild zu undeutlich
zu machen. Die Stränge sind von sehr verschiedener Mächtig-
keit, auch die dazwischen befindlichen Lücken von sehr ver-
schiedener Größe. Besondere Beachtung verdient folgendes.
Viele Lücken — also Stellen, die von der Masse freigeblieben
sind — entsprechen genau den Tüpfeln der darunter liegenden
Bastzellen; während die Bastzellwände größtenteils dort, wo
sich keine Tüpfel befinden, von der Masse bedeckt sind, sind
die Tüpfel frei davon und wenn größere Lücken vorhanden
sind, so entsprechen diese beiläufig dem von der Basis der
angrenzenden Hypodermazellen eingenommenen Räume. Ich
will nicht bestimmt behaupten, daß die von der Masse über-
deckten Stellen der Bastzellen eine Art Korrosion zeigen; der
Anschein spricht allerdings dafür und in Fig. 11 soll das Bast-
zellenstück sc dies veranschaulichen.
Ich habe mich bemüht, in diesem Abschnitte in objektiver
Weise den Befund meiner Untersuchungen, das Tatsächliche,
das jeder Nachuntersuchung standhält, wiederzugeben. Der
folgende soll theoretische Erläuterungen und Schlüsse, insoweit
solche aus dem Ergebnisse der Untersuchungen gezogen
werden können, enthalten.
Anhangsweise will ich hier noch das Verhalten der Kohle-
schicht mitteilen, das dieselbe bei der Keimung der Heliantlms-
Früchte (beziehungsweise -Samen) zeigt. Die Fruchtschale
nimmt (nach längerem Verweilen) in feuchter Erde Wasser auf
und wird von dem heraustretenden Wurzelchen in zwei
Die »Kohleschicht« im Kompositenperikarp. 25
Klappen zersprengt. Das sich stark streckende Hypokotyl hebt
die Keimblätter mit der noch anhaftenden Schale in die Höhe,
worauf die Fruchtschale wieder eintrocknet. Die Kohleschicht
zeigt während dieses Prozesses stellenweise eine Zerbröckelung,
eine wohl nur mechanische Zerstörung des netzförmigen
Zusammenhanges; löst man die Bastzellen durch Erhitzen im
Schulze'schen Gemische aus ihrem Verbände, so kann man
an denjenigen, die an der Außenseite der Bündel lagern, noch
deutlich den braunen Überzug und auch stärkere Auflagerungen
in einzelnen schwarzen opaken Bruchstücken eng an die
Zellwand angeschmiegt beobachten. Irgend eine Funktion der
Schicht beim Keimungsprozeß läßt sich kaum annehmen, es
müßte denn sein, daß sie die Wasseraufnahme der Frucht-
schale durch die Lockerung des Gewebeverbandes unterstützt.
IV. Theoretische Erörterungen und Folgerungen.
Die in der Einleitung angeführten Arbeiten sprechen die
schwarze Schicht als Sekret oder als eine Pigmentlage an. In
meiner Arbeit über Heliantlitis glaubte ich auf Grund meiner
Beobachtungen — Bräunung der Außenseite der äußersten
Bastfaserzellen, zellige Struktur der Schicht in der Längs-
ansicht — annehmen zu dürfen, daß die Schicht aus den
Zellen selbst durch Mumifikation der Zell wände hervorgehe,
daß sie eine Reihe desorganisierter Zellen sei und kein Sekret;
daß von einem interzellularen Sekretraum nicht die Rede sein
könne und daß ein Humifikationsprozeß die Umwandlung der
Zellwand in nicht organisierte Substanz bewirke.
In dieser weitgehenden Fassung kann ich meine damalige
Anschauung mit Rücksicht auf das Ergebnis der gegen-
wärtigen Studien nicht mehr aufrecht erhalten. Eine Um-
wandlung der vollständigen Zelle, die hier gleichbedeutend
wäre mit totaler Zerstörung der Zelle, findet nicht statt.
Wohl aber handelt es sich um die Umwandlung eines
Teiles der Zellwand und dies soll durch die folgenden
Erörterungen klarzulegen versucht werden.
In dem einen Pralle, der durch Tagetes repräsentiert wird
und wozu auch mit einigen nebensächlichen Abänderungen Heli-
anthtis und wahrscheinlich auch noch viele andere Gattungen
26 T. F. Hanausek,
{Rndhec'kia etc.) gehören, wird das erste Auftreten der schwarzen
Schicht durch die Bräunung der Außenwand der äußersten
Bastfaserzellen (an der dem Hypoderm zugewendeten Seite)
angezeigt. Dieser Teil der Außenwand ist aber auch zugleich
ein Teil der Außenwand der korrespondierenden Seite der
innersten Hypodermazellen, d.h. die gemeinsame Außen-
vv^and der beiden Zellarten, der Bastfaser- und der Hypoderma-
zellen, die bekanntlich auch als Mittellamelle bezeichnet
ward. Die Mittellamelle ist das Objekt, in dem die
Bräunung vor sich geht und die Entwicklung der
schwarzen Schicht ihren Anfang nimmt. Diese Folgerung
habe ich, wie in der Anmerkung 1 auf p. 9 ausgeführt ist,
gemacht, bevor ich die Arbeit Wiesner's über den Nachweis
der Kohle gekannt hatte. Auf Seite 22 bis 23 beschreibt nun
Wiesner den (künstlich herbeigeführten) Verkohlungsprozeß
des Holzes, der in einer bestimmten Abhängigkeit von dem
feinen histologischen Baue des Holzes fortschreitet. »Betrachtet
man einen durch die Rotkohle eines Nadelholzes geführten
Querschnitt, so fällt sofort auf, daß die gemeinschaftlichen
Außenhäute (die Mittellamellen) der Holzzellen tiefschwarz
erscheinen, während die übrige Zellhaut braun gefärbt ist.
Auch an Längsschnitten, und zwar nicht weniger augenfällig,
tritt dieselbe Erscheinung dem Beobachter entgegen. Verfolgt
man die sukzessive fortschreitende Verkohlung, so findet man,
daß dieselbe in den Außenhäuten beginnt.« Bezüglich der
Einwirkung der Chromsäure bemerkt Wies n er, daß nach
längerer Dauer derselben die Rotkohle einen Rückstand hinter-
läßt, »der nur aus gleichmäßigen langen schwarzen Fäden und
schwarzen kreisförmigen Ringen besteht; erstere sind nichts
anderes als die dicksten Partien der Außenhäute, nämlich jene
Partien, welche dort liegen, wo vier Tracheiden sich berühren,
Diese schwarzen Fäden entsprechen also genau dem, was uns
im Durchschnitt als »Zwickel« entgegentritt Diese
Partien verkohlen am frühesten und enthalten, wie die Resistenz
gegenüber der Chromsäure lehrt, den größten Kohlenstoff-
gehalt.« Demnach enthalten die Außenhäute jene Substanzen,
»welche im Vergleiche zu den übrigen Zellhautpartien am
leichtesten chemischen Veränderungen zugänglich sind«.
Die »Kohleschicht« im Kompositenperikarp. 2/
Wir sehen, daß die Analogie der Erscheinungen in den
beiden Prozessen eine außerordentlich große ist. Sie wird noch
deutlicher, wenn man das Auftreten der Masse innerhalb des
Bastzellgewebes bei Sderocarpus (Fig. 5, k') und in den beiden
Entstehungsherden bei Xaiithiiun ins Auge faßt. Bei Sdero-
carpus ist die Umwandlung der Mittellamelle in die schwarze
Masse deutlich verfolgen. Der »Zwickel«, der Zwischenraum
zwischen drei oder vier Sklerench3mizellen erscheint zuerst
schwarz; von da schreitet die Umwandlung vorwärts, die
dunklen Stränge dringen, bildlich gesprochen, zwischen die
Zellen ein und umhüllen sie allmählich. Bei Xantliium findet das
Gleiche statt. Wieder sind die Zwischenzellräume zuerst mit
den schwarzen Stückchen erfüllt; der Umwandlungsprozeß
ergreift hierauf die kurzen (in der Tangentialrichtung ver-
laufenden) Wände der Hypodermazellen, so daß hier also
tatsächlich die Zellwände selbst in den Prozeß einbezogen
werden; auch Teile der Radialwände werden durch die
schwarze Masse ersetzt.
Es ist wohl im höchsten Grade wahrscheinlich, daß die
zur Umwandlung bestimmten Außenhäute zuerst in einen
anderen Aggregatzustand übergehen, der selbstverständlich
mit einer Änderung der chemischen Konstitution verbunden
ist. Ich bemerke ausdrücklich, daß ich niemals — und meine
Beobachtungen umfassen einen Zeitraum von vier Jahren —
die ersten Anfänge der Masse, die braune Haut und die
braunen Stränge in einem anderen als im festen Zustande
gesehen habe. Aber die Folgerung, daß die Außenhaut sich
zuerst in einen weichen, plastischen, vielleicht gummiartigen
Körper umwandelt, läßt sich nicht abweisen. Schon die ver-
bogenen, oft aufgehäuften, gekräuselten und dendritisch ver-
zweigten Partien der erst auftretenden braunen Stränge,
besonders aber das Verschmelzen derselben zu einem Netz
oder zu homogenen Platten weisen darauf hin, daß ein
weicheres primäres Produkt die Grundlage des Prozesses
gewesen sein muß, als es die Außenhaut ist; sie ist ja, wie
Wiesner schon festgestellt hat, chemischen Veränderungen
am leichtesten zugänglich. Läßt sich die Annahme eines
28 T. F. Hanau Sek,
primären Produktes sicher erweisen, so muß die schwarze
Masse wohl als ein Sekret angesprochen werden. ■
Eine intrazellulare Abstammung der schwarzen
Masse kann nach dem Ergebnis meiner Untersuchungen nicht
angenommen werden. Die verholzten und verdickten Bastzellen
können kein Sekret nach außen senden, die Hypodermazellen
haben nur einen sehr spärlichen Inhalt oder sind leer. Die
zwischen den Bastbündeln befindlichen Lücken enthalten mark-
strahlähnliche Zellzüge, die eine Verbindung der außerhalb
des Bastmantels gelegenen Gewebe mit dem inneren Parench3'm
bewerkstelligen, solange eine solche notwendig ist; sie sind
stets ganz frei von der schwarzen Masse und haben mit der
Entstehung derselben nichts zu tun. Die braunen Häute und
die dunklen Stränge sind die umgewandelten Außenhäute vor-
nehmlich der Bastfaserzellen; an der Vermehrung der erst
entstandenen braunen, beziehungsweise schwarzen Masse
werden sich wahrscheinlich auch noch andere Teile der Zell-
wand beteiligen, wie dies allerdings nur bei Xanthium
bestimmt nachgewiesen werden konnte.
Ergebnisse.
1. Im Perikarp verschiedener Kompositen befindet sich
eine aus einer braunen oder schwarzen opaken Masse
bestehende Schicht. Die Masse bildet entweder ein Netz,
das sich aus dichtstehenden, meist rechtwinklig gekreuzten
Strängen zusammensetzt, oder sie tritt in schmalen, mit
der Fruchtlängsachse parallelen rechteckigen Platten auf,
die durch schmale Zwischenräume voneinander getrennt sind.
In der Regel ist die Schicht am Fruchtscheitel am stärksten
entwickelt.
2. Die schwarze Masse tritt in allen untersuchten Fällen
an der Außenseite des Bastzellmantels des Kompositen-
perikarps auf; sehr selten finden sich noch andere Stellen in
der Fruchtschale, an denen sie beobachtet werden kann, so bei
Scierocarpus innerhalb des Bastzellmantels in dem skleren-
chymatischen Teile des inneren Parenchyms, bei Xanthiiint
im Hypoderma der zwischen Epidermis und Bastzellmantel
liegenden Gewebeschicht.
Die »Kohleschicht« im Kompositenperikarp. 29
3. Die schwarze Masse bleibt in allen gummi- und harz-
lösenden Flüssigkeiten gänzlich unverändert; sie ist weder in
Alkalien noch in Säuren löslich oder durch diese zersetzbar;
sie wird durch Kaliumchlorat und Salzsäure, durch Schulze-
sches Gemisch und durch konzentrierte Salpetersäure (selbst
nach wochenlanger Einwirkung) nicht aufgehellt oder irgend-
wie verändert. Sie wird endlich auch durch das Wiesner'sche
Chromsäuregemisch, das alle organisierten Objekte auflöst,
nicht zerstört; nur die braunen durchscheinenden Partien der
Masse werden aufgehellt, die zartesten Stränge teilweise
wenigstens gelöst. Legt man ganze Früchte von Tagetes,
Xanthmm etc. in Chromsäure, so bleibt von diesen nach 24-
bis 36 stündiger Einwirkung nichts zurück als die schwarze
Masse. Diese Widerstandsfähigkeit berechtigt zur Annahme,
daß die schwarze Masse zum mindesten eine der Kohle nahe
verwandte Substanz enthalte und daß ihr ein sehr hoher
Kohlenstoffgehalt zukomme.
4. Das Vorkommen der schwarzen Masse scheint bei den
Kompositen nicht selten zu sein; sie wurde in 13 Gattungen
(von 34 geprüften) gefunden, wobei aber beachtet werden muß,
daß sie nicht in jedem Fruchtexemplar derselben Art vorhanden
ist; in den bein weißen Helianthtis-Früchten fehlt sie häufig.
Selbstverständlich darf sie nicht mit dem Pigment gefärbter
Fruchtschalen verwechselt werden, das den Inhalt der Epi-
dermis- und mitunter auch der Hypodermazellen bildet.
5. Das erste Auftreten der Schicht bei Tagetes und
Heliantlms wird durch die Entwicklung einer braunen Haut
an der dem Hypoderm zugewendeten Außenseite der ersten
Bastzellreihe angezeigt. Hierauf entstehen längs den Rändern
der braunen Haut, die den Berührungsstellen zweier (darunter-
liegenden) Bastfaserzellen entsprechen, unregelmäßig ver-
laufende, hin- und hergebogene, dendritisch verzweigte braune
Stränge, die immer reichlicher auftreten und sich bei Heliantlms
und wohl den meisten anderen untersuchten Früchten zu einem
dichten Netze zusammenschließen, bei Tagetes zu homogenen,
durch schmale Zwischenräume getrennten Platten verdichten.
Die für Helianthus charakteristischen Zäpfchen an der Außen-
seite der Bastzellen, zentrifugale Wucherungen der Zellwand,
30 T. F. Hanausek,
kommen bei Tagetes nur höchst selten vor. Sie sind nach der
Anschauung des Autors überhaupt nur dort notwendig, wo es
sich um Lockerung und Loslösung der Bastbündel vom Hypo-
derm handelt, falls letzteres persistiert (Helianthiis), fehlen
hingegen dann, wo die Lockerung der Bündel eine Folge der
Reduktion des Hypoderma ist. Die Lockerung und Loslösung
hätte nach dieser Auffassung den Zweck, Raum für die schwarze
Schicht zu schaffen.
6. hl dem Perikarp von Scierocarpns africaniis entsteht
die kohlige Masse auch innerhalb des Bastmantels in dem
sklerotischen Teile des inneren Parenchyms; die Skiereiden
werden von der Masse umhüllt und das erste Auftreten der
letzteren ist stets in den gemeinsamen Außenhäuten (Mittel-
lamellen) zu beobachten. Hier kommen demnach mehrere Ent-
wicklungszentren der schwarzen Masse vor.
7. Das Perikarp von Xauthüiui strumarmm weist zwei
Entstehungsherde der Schicht auf. Der erste ist der normale,
die Außenseite der Bastbündel; der zweite ist in den an die
Epidermiszellen grenzenden kurzen (tangential verlaufenden)
Wänden der Hypodermazellen gelegen. Zuerst erfüllen sich die
kleinen Interzellularen mit der schwarzen Masse, dann greift
diese auf die Wände selbst über und schließlich sind die kurzen
(Tangential-) Wände der Hypodermazellen gänzlich, die Radial-
wände nur in den anstoßenden Teilen — aber nicht in den
mittleren — in die Masse umgewandelt. In der reifen Frucht
sind daher am Querschnitte zwei Stränge zu sehen, ein stark
entwickelter in der normalen Lage (Außenseite des Bastmantels)
und ein schwächerer zwischen Epidermis und Hypoderma.
8. Eine PTmktion der schwarzen Schicht beim Keimungs-
prozeß (von HeliantJuis) darf wohl nicht angenommen werden;
es müßte denn sein, daß sie die Wasseraufnahme der Frucht-
schale durch die Lockerung des Gewebeverbandes unterstützt.
9. Die im Jahre 1902 in Bezug auf Helianthns ausge-
sprochene Anschauung des Autors, daß die schwarze Schicht
eine Reihe durch einen Humifikationsprozeß desorganisierter
Zellen darstelle, läßt sich in dieser allgemeinen Fassung nicht
aufrecht erhalten. Hingegen ergab die Untersuchung, daß der
Umwandlungsprozeß in den gemeinsamen Außenhäuten (Mittel-
Die »Kohleschicht« im Kompositenperikarp. 31
lamellen) beginnt und daß diese Außenhäute das erste Material
zur Bildung der Schicht abgeben. Eine augenfällige Überein-
stimmung zeigt damit der (künstlich herbeigeführte) Ver-
kohlungsprozeß des Holzes, bei dem nach den eingehenden
Untersuchungen Wieso er's die Außenhäute der Holzzellen
zuerst tiefschvvarz werden, an ihnen also die Verkohlung ihren
Anfang nimmt und nach Behandlung mit Chromsäure diese
Außenhäute als schwarze Fäden ungelöst zurückbleiben.
Höchst wahrscheinlich entsteht zunächst ein primäres
(vielleicht gummiartiges) Umwandlungsprodukt, wofür die
ersten Formen der Stränge und ihr Zusammenschließen zu
einem zusammenhängenden Netze oder zu Platten sprechen.
Bei Xantliiiim konnte nachgewiesen werden, daß auch andere
Teile der Zellwand sich an der Bildung der Masse beteiligen.
Die physiologische Bedeutung der schwarzen Masse ist der-
malen noch völliff unaufgeklärt.
N a c h t r ä g 1 i c h e B e m e r k u n g. Auch Zimiia elegans J a c q.
führt die schwarze Masse in Gestalt eines schön entwickelten
Netzes.
32 T. F. Hanaus ek, Die »Kohleschicht« im Kompositenperikarp.
Text ZU den Figuren.
Tagetes errectns, Fig. 1 bis 4.
Fig. 1. Partie eines Querschnittes von dem unteren Drittel (gegen die Basis)
des Fruchtknotens.
Fig. 2. Querschnitt in der Hälfte der jungen Frucht.
Fig. 3. Zwei Bastbündel in der Längsansicht von der Außenseite.
Fig. 4. a Platten der Kohleschicht; b die letzten Ausläufer an der Basis der
reifen Frucht.
Sclerocarpns africauus.
Fig. 5. Partie eines Längsschnittes des reifen Perikarps. Epidermis und Hypo-
derma sind nicht gezeichnet.
Xanthhim strumarium, Fig. 6 bis 11.
Fig. 6. A Partie eines Querschnittes des sehr jungen Perikarps; B der
Samenhaut.
Fig. 7. Oberhaut des Perikarps von der Fläche.
Fig. 8. A und B, wie Fig. 6, von der fast reifen Frucht.
Fig. 9. Querschnitt durch die Samenhaut bei Vollreife.
Fig. 10. Hypodermazellen von Fig. 6. A in der Aufsicht.
Fig. H. Kohleschicht von der reifen Frucht, von der Fläche; ep Epidermis des
Perikarps, beziehungsweise Fruchtknotens; ep' Epidermis der Samen-
haut; sep Hypoderma; sc Bastzellen (beziehungsweise Bastzellmantel,
Bastzellbündel); sc' Sklerenchym; k, h' Kohleschicht und Teile der-
selben; ^ Gefäßbündel; p inneres Parenchym des Perikarps; in Mittel-
schicht der Samenschale; al Aleuronschicht.
naTiciiisek,XF;Die„KohlerLSchif;hte"im Koniposiieii Perikarp. Taf.l.
V ■■ r
P
I "LF.Bariaijsi'k delhi .
ljtlLAn.st,v,Th.Baiimvaith>'ipii.
^Sitzungsberichte d.kais.A]<ad.d.WLss., matIi.-uaturw.Kla.sse, Bd.CXXT.jXbÜi.T. 1907.
laTiaiisek,T,F.; Die„KohlenschicMe"im Komposiien -Perikarp. Taf .H ,
6.a.
10.
ii.
ü- \ Wty^^^A
7.
d
XSr.lßiuaa.sclcileiin. LittLAT,.sl.v-.11i.-Ba.Tc-.-.v;üLri,Tf5ßÄ.
Sitzimssbericlite d.kaLs. Akad .(! . Wiss., uv.itTi r na tunv. Klasse, Bd.Cr\'I. Abtii.l. 1907.
33
Zur Morphologie der Sanehezia nobilis
Hook. fll.
von
Dr. Rudolf Wagner.
(Mit 1 Tafel und 5 Textfiguren.)
(Vorgelegt in der Sitzung am 10. Jänner 1907.)
Eine der verbreitetsten Warmhauspflanzen ist die im Jahre
1863 von Pearce, einem Sammler der Firma Veitch in
Chelsea/ an nicht näher bezeichnetem Orte in Ecuador ent-
deckte Sanehezia nobilis Hook, fil., eine krautige, ihrer orna-
mentalen Blätter wegen gezogene Acanthacee, deren morpho-
logische Eigentümlichkeiten noch gänzlich unbekannt sind. Die
Pflanze wird durch Stecklinge vermehrt, die schon nach wenigen
Monaten endständige und axilläre Blütenstände entwickeln,
wie sie Joseph Dalton Hooker in Curtis' Botanical Magazine,
1866, tab. 5594, abbildet;^ doch bekommt man dieselben hier-
zulande nicht allzu häufig zu Gesicht, da die Gärtner die
Pflanze eben nur der Blätter wegen ziehen und durch Ent-
fernung der Endknospe die Seitentriebe zur Entwicklung
bringen, um sie als Stecklinge zu verwenden.
Die Art gehört einer Gattung an, die bereits im Jahre 1794
von Ruiz und Pavon aufgestellt wurde, deren systematische
Stellung aber erst durch Hooker fil. anläßlich der Beschreibung
unserer Art aufgeklärt werden konnte. Benannt ist sie nach
1 Daselbst kam sie im Juni 1866 in Blüte.
- Weitere Abbildungen finden sich in einem Artikel von Ed. Morren in
Belg. Hort. 1867, p. 227; ferner in der Illustr. Gartenzeitung, 1867, tab. 2; dann
in der Flore des Serres, tab. 2437 (1880 bis 1883).
Sitzb. d. mathem.-naturw. Kl.; CXVI. Bd., Abt. I. 3
34 R. Wagner,
dem in jungen Jahren verstorbenen Don Joseph Sanchez, der
am Botanischen Garten in Madrid studierte und später am
Chirurgischen Kollegium zu Cadix Professor der Botanik war;
die beiden Arten, vS. ohlonga R. et P. sowie 5. ovata R. et P.,
wurden 1798 in der »Flora Peruv.« abgebildet.^ Endlicher
führt sie in seinen »Genera plantarum« (1836 bis 1840), p. 695,
n. 4021, unter den Genera dubia der Scrophulariaceen auf,
Bentham (1846) in >.DC. Prodr.«, Vol. X, p. 585, unter den
Genera non satis nota der nämlichen Familie, Hooker fil.
bemerkt 1. c: »Its affinity with Ancylogyne^ is obvious, and
so close, that there can be little doubt but that the name
Ancylogyne should be oppressed<'. Zehn Jahre später
schreiben Bentham und Hook er fil. in den »Genera plan-
tarum« (Vol. II, p. 1083): »Genus auctorum Florae Peruvianae
diu haud recognitum fuit ob errorem in descriptione quoad
seminum numerum, species tamen 3 a Neesio in Prodromo
descriptae^ ad S. ovatam R. et P. ipsam referendae videntur,
his addantur plures nuperrime detectae«. In dieser Auffassung
schließen sich neuere Autoren, wie Baillon in seiner »Histoire
des plantes« (Vol. X, 1891, p. 429) und Lindau in Engler und
Prantl, »Nat. Pflanzenfamilien« (IV, ?>b, p. 294), an Bentham
und Hooker an und vereinigen die Gattung Ancylogyne mit
Sancliezia.
Auf die früher in der Gattung Ancylogyne Nees unter-
gebrachten Arten ^ sowie auf die übrigen Spezies der Gattung
1 S. ollonga R. et P., 1. c, Vol. I, tab. 8, fig. b (nicht fig. 6, wie der
Index Kewensis sagt) ; S. ovata R. et P. tab. 8, fig. c.
2 Aufgestellt von Chr. Gottfr. Nees v. Esenbeck in Mart. Flor. Brasil.,
Vol. IX, p. 63 (1847), wo zwei Arten erwähnt werden: A. macrocnemis (Poecilo-
£nentis macrocnemis Mart.) und A. munita, beides einander sehr nahestehende
Arten; letztere ist 1. c. tab. 7 abgebildet und erinnert habituell stark an
S. nohilis.
3 Das sind A. capitata Nees, A. Peruviana Nees und A. munita Nees.
* Außer den genannten noch eine habituell sehr abweichende Art, deren
violette Blüten in lockeren, dekussierten Trauben zu stehen scheinen, deren
Ausgänge zweizeilig sind, also Scheinwickel darstellen, soweit man aus der
Abbildung der A. longißora Hook. fil. in Curtis' Bot. Mag., tab. 5588 (1866;
schließen kann.
Morphologie der Sanchezia nohilis Hook. fil. oO
werden weiter unten noch einige Worte zu sagen sein. Zu-
nächst möge das morphologische Verhalten unserer Art be-
sprochen werden, soweit dies das etwas spärliche, dem
k. k. Hofgarten in Schönbrunn entstammende Material erlaubt.^
Die Keimpflanze ist unbekannt. Wie schon oben bemerkt,
wird die Art bei uns ausschließlich durch Stecklinge vermehrt;
daher kommt es, daß man auch nicht mit absoluter Sicherheit,
sondern nur mit großer Wahrscheinlichkeit sagen kann, daß
sie zweiachsig ist. Die Blattstellung ist in Übereinstimmung
mit der ungeheuren Mehrzahl aller Acanthaceen die dekussierte,
die relative — und wohl auch die absolute — Hauptachse
schließen mit einer Infloreszenz von bekanntem Habitus ab;
bisweilen entwickeln sich, wie bei anderen Arten, aus den
Achseln der obersten Laubblätter noch ein bis zwei kleinere
Blütenstände von ähnlichem Bau, doch standen mir derartige
kräftige Individuen in der letzten Zeit nicht mehr zur Ver-
fügung; Hooker fil. bildet indessen 1. c. derartiges ab. Auf die
Laubblätter folgen an der Hauptachse große, bauchig ent-
wickelte Bracteen unter Beibehaltung der Blattstellung, in
deren Achseln in dem sub I beschriebenen Falle in zwei um
90° divergierenden Zeilen dichtgedrängte Glomeruli entwickelt
sind, die sich aus Blüten recht verschiedener Entwicklungs-
stadien zusammensetzen. Wie aus Fig. 1 ersichtlich, sind diese
Blütenstände serial bereichert und es mag gleich im voraus
bemerkt werden, daß die Partialinfloreszenzen Wickelsym-
podien darstellen, ferner daß auch Bereicherungen der ß-Achsel-
produkte vorkommen, die sich allerdings auf die niederen
Sproßgenerationen beschränken. In Fig. 1 bezeichnen die ein-
fachen, stark konturierten Kreise einzelne Blüten, die Doppel-
kreise Bütenstände. Für die drei ersten Blattpaare bezeichnen
1 Es sei mir an dieser Stelle gestattet, für die Überlassung des Materiales
den Herren Anton Um lauf ft, k. u. k. Hofgartendirektor, und Franz Vogel,
k. u. k. Hofgarteninspektor, meinen verbindlichsten Dank auszusprechen; nicht
minder für die Erlaubnis, Herbar und Bibliothek des k. k. Naturhistorischen Hof-
museums zu benützen, Herrn Kustos Dr. A. Zahlb ruckner, sowie für die
Sammlungen des Botanischen Instituts der k. k. Universität, Herrn Prof.
Dr. R. V. Wettstein.
3*
36
R. Wagner,
die großen Doppelkreise dreiblütige Wickeln, die kleinen
Doppelkreise zweiblütige; was das vierte Blattpaar anbelangt,
so konnte des Erhaltungszustandes wegen nur festgestellt
werden, daß zwei serial angeordnete Infloreszenzen vorhanden
Fig. 1.
Sanchezia nobilis Hook. fil. Diagramm eines endständigen Blütenstandes.
Näheres im Texte.
waren; ob eine davon oder gar beide Bereicherungsprozesse
aufwiesen, war nicht mehr zu konstatieren. Die schraffierten
Doppelkreise zeigen an, daß in der betreffenden Partial-
infloreszenz sich Blüten mit abnormer Kelchdeckung finden,
wovon weiter unten noch die Rede sein soll; dasselbe gilt von
der serialen Primanblüte in der Achsel des ersten Deckblattes.
Morphologie der Sanchezia nobilis Hook. fil. 37
Die fraglichen Blüten mit metatopischer Deckung sind mit
römischen Ziffern bezeichnet; es bedeutet also III eine Tertian-
blüte, bezogen auf die Partialinfloreszenz erster Ordnung.
Zur Stellung der blütentragenden ^ Brakteen erübrigt noch
zu bemerken, daß, wie aus der Figur hervorgeht, sich die
gegenständigen Brakteen ohne jede Regel umfassen, ohne
Rücksicht darauf, ob sie Blütenbüschel stützen oder nicht. Das
nämliche dürfen wir mit erheblicher Wahrscheinlichkeit von
den übrigen derart ausgebildeten Arten erwarten, deren eine
von solchen Brakteen sogar ihren Namen erhalten hat: die als
Ancylogyne von Nees in der »Flor. Bras.« beschriebene
Sanchezia niunita PI.
Auf Taf 1 sind die beiden untersten Partialinfloreszenzen
erster Ordnung in etwas schematisierter Weise wiedergegeben;
beide Tragblätter sind entfernt. Bezeichnet man die Tragblätter
willkürlich mit a, b, c und b, wobei selbstverständlich der Rich-
tungsindex von a willkürlich gewählt ist, so haben wir, wie
schon in Fig. 1 angedeutet, zwei in verschiedenem Maße be-
reicherte Partialinfloreszenzen W^i und Wl Aus praktischen
Gründen mag zunächst die zweite Partialinfloreszenz erster
Ordnung besprochen werden.
I.
Wir finden in der Achsel des abgetragenen Blattes B,i
elf Blüten und eine Anzahl Brakteolen; letztere sind von sehr
verschiedener Größe und daher auf einem etwa in halber Höhe
von S'iia^ geführten Querschnitte, wie er in Fig. 2 abgebildet
ist, nicht alle getroffen. Aus dieser Figur ist ohne weiteres
ersichtlich, daß das Achselprodukt durch zwei Beisprosse
bereichert ist und daß außerdem innerhalb des Hauptachsel-
produktes noch eine Bereicherung stattgefunden hat. Die
wenigen eingetragenen Brakteen mußten aus Raumgründen mit
abgekürzten Formeln bezeichnet werden und es bedeutet:
a'ai. . . das a-Primanvorblatt des Hauptachselproduktes,
[jsl • • • » ß- » » »
1 Bezüglich der Blütenmorphologie sei auf Hooker's Darstellung, 1. c,
verwiesen.
38
R. Wagner,
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«52
das a-Primanvorblatt des ersten Beisprosses,
» ß- » » » »
» a- » » zweiten Beisprosses,
» a-Sekundanvorblatt des Hauptachselproduktes
von S3di ßs-
Die römisclien Ziffern bezeichnen die Sproßgeneration,
also I die Primanblüte, II die Sekundanblüte etc.; durch die
Striche sind die einander serial koordinierten Blüten in der
Fig. 2.
Sanchezia nohilis Hook. fil. Schematisierter Querschnitt durch eine Partial-
infloreszenz erster Ordnung. Näheres im Texte.
aus den Formeln gewohnten Weise gekennzeichnet. Die
arabischen 1 bezeichnen die Stellung des ersten Kelchblattes,
bei 1! handelt es sich um anomale oder wenigstens ungewohnte,
gleich zu besprechende Stellungsverhältnisse.
Jede der drei Primanblüten hat gleich orientierte Vor-
blätter, ein Verhalten, dem wir bei dieser Art durchwegs
begegnen; in unserem Falle fällt a stets nach rechts und ist
Morphologie der Sanchezia nohilis Hook. fil. 39
Steril; Fertilität des a- Vorblattes ist überhaupt nie beobachtet
worden. Hinsichtlich der ß-Achselprodukte ist eine Verschieden-
heit insoferne zu konstatieren, als das Hauptachselprodukt
eine serial bereicherte Partialinfloreszenz zweiter Ordnung aus
ß entwickelt, eine nur zvveiblütige Gruppe, die sich gleich
anderen Serialsprossen unserer Art etwas zwischen die Blüten
der akropetal inserierten Partialinfloreszenz einschiebt; auf
diese V/eise wird innerhalb der Knospe der Raum am besten
ausgenützt. Das gesamte ß-Achselprodukt ist auf Taf I ver-
deckt und auch von dem ersten Beisprosse sind nur die beiden
Primanvorblätter, die Priman- und Tertianblüte, zu sehen, durch
Vergleich mit dem Querschnitt in Fig. 2 leicht zu identifizieren.
Betrachtet man Fig. 2, so fällt zunächst die schon re-
gistrierte Verschiebung der serialen Infloreszenzen ineinander
auf; damit steht wohl im Zusammenhange, daß die Sym.metrie-
ebenen der medianzygomorphen Blüten mit der einzigen Aus-
nahme von '^'d\^'s2^d^si nicht mehr durch die zugehörige
Abstammungsachse gehen, was wohl auf sekundäre Verschie-
bungen während des Wachstums zurückzuführen ist. Dagegen
entspricht der abgerundet fünfeckige Querschnitt immer der
morphologischen Zusammensetzung, kann daher nicht auf
Rechnung des Druckes gesetzt werden. Die Vorblätter sind
ihrer Entwicklung nach sehr verschieden, nehmen aber im all-
gemeinen mit der Sproßgeneration sowie der Stärke der Partial-
infloreszenzen rasch an Größe ab und kommen teilweise gar
nicht zur Ausbildung; die kleinsten, die beobachtet wurden,
stellen Schüppchen von kaum 1 mm Länge dar und werden
daher sehr leicht übersehen; in anderen Fällen, wo wir sie
nicht mehr feststellen können, sind wir daher wohl berechtigt,
ihren Abort anzunehmen; typische Vorblattlosigkeit ist nicht zu
konstatieren. Wohl die größte Merkwürdigkeit bietet aber das
\'erhalten der höchsten Verzweigungsgenerationen: bei den
mit 1! bezeichneten Blüten finden wir eine Stellung des ersten
Kelchblattes, die im Widerspruch mit der bei Wickelsympodien
zu erwartenden steht; die Wickelsympodien des Hauptachsel-
produktes sowie des ersten Beisprosses schließen mit zwei-
blütigen homodromen Gruppen ab. Man könnte dieses
Verhalten als eine Umlagerung des a-Vorblattes deuten, ich
40 R. Wagner,
ziehe es indessen vor, hierin eine Metatopie des Kelches zu
erblicken, zumal bei anderen kontorten Acanthaceen meta-
topische Deckungen eine große Rolle spielen, so bei der vvest-
afrikanischen Whitfieldia lateritia Hook.^ Wir würden somit
bei den höchsten Sproßgenerationen eine Form der Metatopie
haben, die eutopisch quincunciale Stellung vortäuscht; das
Verhalten des zweiten Serialsprosses, bei welchem die Stellung
des ersten Kelchblattes der Sekundanblüte keine Besonderheit
aufweist, würde dann der wiederholt und in sehr verschiedenen
Familien konstatierten Tatsache entsprechen, daß wir ursprüng-
lichere Verhältnisse, alte Charaktere bei Serialsprossen häufig
antreffen; weiter unten wird dieses Vorkommnis noch Er-
wähnung finden. Somit wäre die Annahme einer ganz unge-
wohnten Orientierung des a- Vorblattes vermieden.
Nicht zur Entwicklung gelangt sind in unserem Falle
^diBs2ßd, dann '^'d\^'s2^di'[^s und deren Vorblätter, im ersten
Serialsproß die Vorblätter der Tertianblüte, im zweiten Serial-
sproß die der Sekundanblüte. Im übrigen mag bemerkt sein,
daß ohne bestimmte Regel bald das a-, bald das ß-Vorblatt
kräftiger ausgebildet ist.
Die Aufblühfolge ist aus der Tabelle 1 ersichtlich, unter
der Voraussetzung allerdings, daß sich die Blüten in gleichem
Maße weiter entwickeln, daß keine die andere überflügelt. Auch
hier können wir nur mit der Wahrscheinlichkeit rechnen, da es
an direkten Beobachtungen fehlt.
II.
Die unterste Partialinfloreszenz erster Ordnung ist durch
einen Serialsproß bereichert, ebenso das ß-Achselprodukt. Dem
Hauptachselprodukt erster Ordnung gehören sechs Blüten an,
dem Beisprosse drei; von den genannten sechs Blüten entfallen
zwei auf einen Serialsproß zweiter Ordnung.
%'a\ leitet ein vierblütiges Wickelsympodium ein, dessen
Quartanblüte bei unterdrückten Vorblättern normale Stellung
des ersten Kelchblattes aufweist.
1 Abgebildet in Curtis' Botanical Magazine, tab. 4155 (1845).
Morphologie der Sanchezia nobilis Hook. fil.
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42
R. Wagner,
2(fliBj2 ist die erste Blüte eines zvveiblütigen Sympodiums,
die Sekundanblüte ist der Primanblüte homodrom, beide
Sekundanvorblätter unterdrückt.
Das beiden Sproßsystemen gemeinsame Tragblatt, also
das ß-Vorblatt der Primanblüte des Hauptachselproduktes, ist
in der Figur Taf. I zurückgeschlagen, so daß man das gesamte
Verzweigungssystem überblicken kann.
Mit 9(i' beginnt ein dreiblütiges Wickelsympodium mit
homodromem Ausgange. Sämtliche Vorblätter sind vorhanden.
Man sieht also hier, daß beim Serialsproß bisweilen auch ein
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X
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Fig. 3.
Sanchezia nohilis Hook. tll. Seriale Partialinfloreszenz erster Ordnung, ein
vierblütiges, homodromes Wickelsympodium darstellend. Näheres im Text.
als neuer angesehener Charakter auftreten kann, der bei
einem Hauptachselprodukte selbst in der nächst höheren Sproß-
generation, nämlich in der Quartanblüte noch nicht erreicht
wird.
Die Aufblühfolge wird durch nachfolgende Tabelle 2 ver-
anschaulicht.
III.
(im Diagramm Fig. 5 mit (£'"] bezeichnet).
Der dritte zur Analyse gelangte Blütenstand fällt wieder
über den ersten und zeigt, wie zu erwarten, die nämliche
Morphologie der Sanchezia nohilis Hook. fil.
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44 R. Wagner,
Orientierung des a- Vorblattes. Er ist serial bereichert, ebenso
das ß-Achselprodukt des Hauptsprosses. Von den zehn Blüten
entfallen vier auf die seriale Partialinfloreszenz erster Ordnung,
zwei auf die seriale Partialinfloreszenz zweiter Ordnung.
Sämtliche Wickelausgänge sind homodrom. Eine
eigenartige Variante findet sich innerhalb des Beisprosses erster
Ordnung insoferne, als dessen Sekundanblüte im oben er-
läuterten Sinne metatopisch ist, die Tertianblüte wieder normal,
so daß also die sämtlichen vier Blüten des Wickelsympodiums
homodrom sind, ein Fall, wie ihn in dieser Art die Literatur
nirgends registriert; daher mag er in Fig. 3 dargestellt sein.
Die metatopisch deckenden Blüten sind im Diagramm mit einem
Ausrufungszeichen versehen. Die weiter oben inserierte Partial-
infloreszenz erster Ordnung war leider zu sehr defekt, um
genauer untersucht werden zu können; ich muß mich daher
gänzlich auf die eingangs gemachten Bemerkungen be-
schränken. Es wäre von großem Interesse, das Verhalten der
oberen Partialinfloreszenzen sehr üppig entwickelter Exemplare,
wie sie in der Literatur abgebildet sind, zu studieren; zur Zeit
bm ich nur in der Lage, einige andere Partialinfloreszenzen
erster Ordnung zu besprechen, die ich seit mehreren Jahren
aufbewahrt habe.
IV.
Serial bereicherte Infloreszenz.
Während das Hauptachselprodukt mit Primanblüte abge-
schlossen ist, entwickelt der Beisproß mehrere Blattpaare und
eine Infloreszenz aus dem rechten Vorblatt, ebenso aus dem
nach vorne fallenden ersten Medianblatte. Beide sind schlecht
erhalten, da die Pflanzen sehr von Ungeziefer zu leiden haben.
Immerhin läßt sich feststellen, daß bei der aus dem rechten
Vorblatte sich entwickelnden Infloreszenz die Kelchdeckung
der Priman- und Sekundanblüte normal ist.
Das Hauptachselprodukt hat ein nach rechts fallendes
^-Vorblatt, das eine sechsblütige, serial bereicherte Infloreszenz
stützt; auf den Beisproß entfallen zwei Blüten. Keine Homo-
drom ie. Wenn die oben entwickelten Anschauungen richtig
sind, würde man mit großer Wahrscheinlichkeit annehmen
dürfen, daß die in Frage stehende Partialinfloreszenz erster
Morphologie der Sanchezia nohilis Hook. fil.
45
Ordnung dem untersten Teile eines Blütenstandes angehört;
dazu paßt auch der Umstand, daß der Beisproß nicht direkt
floralen Charakters ist, sondern daß erst seine zweiten Achsen
durch Blüten abgeschlossen sind.
V.
Partialinfloreszenz erster Ordnung mit zwei Beisprossen
(im Diagramm Fig. 5 mit ^R^^^j bezeichnet).
Der Hauptachselsproß zählt vier Blüten, der erste Beisproß
deren drei, der zweite zwei. Die Wickelsympodien sind nach
rechts entwickelt, Homodromie findet sich nur bei der
Quartanblüte; in beiden Beisprossen zeigen die Wickel-
sympodien nichts besonderes. Scämtliche Vorblätter sind ent-
wickelt, mit Ausnahme der Quartanvorblätter und des ß-Se-
kundanvorblattes im zweiten Beisprosse.
VI.
Partialinfloreszenz erster Ordnung mit zwei Beisprossen
(Fig. 4; im Diagramm Fig. 5 mit W^^ bezeichnet).
Das ß -Achselprodukt des Hauptsprosses ist serial be-
reichert, und zwar durch eine zweiblütige homodrome
Gruppe. So entfallen auf das Hauptachselprodukt sechs
Blüten, auf den ersten Beisproß drei, auf den zweiten zwei.
Außer der erwähnten Metatopie finden wir im Hauptachsel-
produkt eine solche bei der Tertianblüte, so daß, da die Quartan-
blüte die normale Kelchstellung aufweist, im Wickelsympodium
drei homodrome Blüten aufeinander folgen.
VII.
Eine 16 blutige Infloreszenz, bestehend aus Hauptachselpro-
dukt und zwei Beisprossen
(im Diagramm Fig. 5 mit ^^^ bezeichnet).
Das Hauptachselprodukt ist wiederum serial bereichert,
achtblütig, drei davon entfallen auf den Serialsproß zweiter
Ordnung. Beide Serialsprosse erster Ordnung sind vierblütig.
Im ganzen Blütenstande finden sich vier Blüten mit der ab-
46
R. Wagner,
normen Kelchdeckung, die man wohl präziser als es der Aus-
druck »metatopisch« ist, mit »pseudeutopisch« bezeichnen
kann; es handelt sich um eine Quintanblüte, zwei Quartan-
blüten und eine Tertianblüte. Beide Beisprosse erster Ordnung
schließen homodrom ab; bemerkenswert ist das Verhalten des
Fig. 4.
Sanchezia nobilisUo ok. fil. Diagramm einer Partialinfloreszenz erster Ordnung.
Nur die Kelche metatopischer Blüten sind ausgeführt. Im Diagramm Fig. 5 mit
&i^' bezeichnet.
Beisprosses zweiter Ordnung, der sich ausschließlich aus
eutopischen Blüten zusammensetzt, mit anderen Worten, nach
der oben entwickelten Anschauung ältere Charaktere aufweist
als das koordinierte Hauptachselprodukt, eine Tatsache, auf
die in der Literatur schon an verschiedenen Stellen hingewiesen
werden konnte. Über die Aufblühfolge gibt die Tabelle 3 Auf-
schluß.
Morphologie der Sanchczia nobilis Hook. fil. 47
VIII.
Eine 13 blutige Partialinfloreszenz erster Ordnung, zwei Bei-
sprosse erster Ordnung, ein Beisproß zweiter Ordnung
(im Diagramm Fig. 5 mit 3i^3) bezeichnet).
Drei pseudeutopische Blüten vorhanden, die aber über-
raschenderweise nirgends die Ausgänge der Sympodien bilden.
Der zweite Beisproß erster Ordnung und der Beisproß zweiter
Ordnung bestehen aus eutopischen Blüten. Über das weitere
orientiert die Tabelle 4.
IX.
Eine elfblütige Partialinfloreszenz erster Ordnung, zwei Bei-
sprosse erster Ordnung, ein Beisproß zweiter Ordnung
(im Diagramm Fig. 5 mit "^^p bezeichnet).
Die drei pseudeutopischen Blüten finden sich hier in den
Wickelausgängen der beiden Beisprosse erster Ordnung, wäh-
rend das mit einer zweiblütigen Wickel bereicherte Haupt-
achselprodukt erster Ordnung nur eutopische Deckungen auf-
weist. Es ist das ein Verhalten, dem wir mutatis mutandis nur
noch bei der im Hauptachselprodukt einfach serial bereicherten
Partialinfloreszenz / begegnen, wo die einzige pseudeutopische
Blüte den Ausgang der dreiblütigen serialen Partialinfloreszenz
erster Ordnung darstellt. Im übrigen mag auf die Tabelle 5 ver-
wiesen sein.
X.
Gleich ^^^^' eine elfblütige Partialinfloreszenz erster Ordnung,
doch von gänzlich abweichender Zusammensetzung
(im Diagramm Fig. 5 mit %^^^ bezeichnet).
Es sind nur zwei Beisprosse gebildet, einer erster und
einer zweiter Ordnung, beide sind dreiblütig. Die einzige
pseudeutopische Blüte bildet, wie schon oben bemerkt, den
Ausgang der Partialinfloreszenz serialer erster Ordnung. Im
übrigen mag auf die Tabelle 6 verwiesen sein.
48
R. Wagner,
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Aufblühfolge innerhalb
der einzelnen Partial-
infloreszenzen erster
Ordnung, so findet man
stets, daß im Bereiche
des einzelnen Wickel-
sympodiums die
Reihenfolge sich streng
nach der Sproßgenera-
tion richtet. Bei be-
reicherten Wickelsym-
podien schieben sich
die Blüten des Bei-
sprosses zwischen die
des Hauptachselpro-
duktes ein, kommen
aber doch beträchtlich
später zur Entwicklung.
So findet man z.B., daß
im Hauptachselprodukt
schon die Sekundan-
blüte entfaltet ist, wäh-
rend die Primanblüte
des Beisprosses noch
eine Knospe darstellt,
oder daß nach der Quar-
tanblüte des Haupt-
achselproduktes sich
erst die Sekundanblüte
des Beisprosses öffnet.
Sind zwei Beisprosse
vorhanden, wie das für
die Mehrzahl der Par^
tialinfloreszenzen erster
Ordnung gilt, dann ver-
halten sich diese unter
sich, wie beim Vor-
Morphologie der Sanchezia nohilis Hook. fil. O'
handensein eines einzigen Beisprosses dieser zum koordinierten
Hauptachselprodukt. Daraus geht hervor, daß sich die Elemente
des Zweiten Beisprosses teilweise wenigstens zeitlich zwischen
die des ersten sowie des Hauptachselproduktes einschalten.
Das nämliche gilt, wie naheliegend, von den Beisprossen
zweiter Ordnung.
Zu der Fig. 5 mag übrigens noch bemerkt sein, daß ein
Teil der Blütenstände der größeren Übersichtlichkeit wegen
spiegelbildlich gezeichnet ist; dieselben sind durch das bei
Handschriften übliche Umkehrungszeichen kenntlich gemacht.
Eine weitere Frage betrifft die Verteilung der pseudeuto-
pischen Blüten und das scheint mir ein Punkt von wesentlich
größerer Bedeutung zu sein. Das numerische Verhältnis zwi-
schen eutopischen und pseudeutopischen Blüten geht aus der
Tabelle 7 hervor. Analog der Fig. 5 sind hier zunächst die drei
zusammengehörigen Partialinfloreszenzen erster Ordnung zu-
sammengefaßt, dann folgen in der dort eingehaltenen Reihen-
folge die anderen Teilblütenstände. In den senkrechten Zeilen
finden wir römische Ziffern, die die Sproßgenerationen angeben,
speziell bezeichnet sind nur die pseudeutopischen Blüten; im
übrigen bedarf die Tabelle wohl kaum einer Erläuterung. Von
101 Blüten sind 24, also, auf zwei Dezimalstellen berechnet,
23 -7670 pseudeutopisch. Dieselben verteilen sich aber ganz
verschieden auf die verschiedenen Sproßgenerationen. Nun
haben wir 24 Priman-, 32 Sekundan-, 27 Tertian-, 15 Quartan-
und 3 Quintanblüten. Es versteht sich von selbst, daß bei
letzteren die Anwendung eines Prozentsatzes wegen der zu
geringen Anzahl, beziehungsweise wegen den Zufälligkeiten,
die da eine große Rolle spielen, nicht zulässig ist. Bei den
übrigen Blüten konstatieren wir aber ein erhebliches Steigen
des Prozentsatzes an pseudeutopischen Blüten mit dem Steigen
der Sproßgeneration, und zwar sind die fraglichen Prozentsätze
4-16, 9-37, 44-44 und für Quartanblüten 46-66. Da es sich
nach dem jetzigen Stande unserer Kenntnisse zweifellos um
einen neueren Charakter handelt, wie oben schon bemerkt, um
eine eigentümliche Form der Metatopie, so scheint es recht
bemerkenswert, daß sich diese Neuerung in den höheren Sproß-
generationen prozentuell häuft, in denjenigen Teilen der Pflanze
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60 R. Wagner, y,loTpho\ogie der Sanchezia nobilis Hook. ül.
also, die auch ontogenetisch neuer sind. Wir haben also, vor-
ausgesetzt, daß diese Anschauungen richtig sind, hier nichts
anderes vor uns als einen Spezialfall des biogenetischen Grund-
gesetzes. Möglicherweise befindet sich die Pflanze im Stadium
des Überganges von der normalen, eutopisch-quincuncialen
Kelchdeckung in eine metatopische; der neue Charakter ist aber
noch nicht völlig durchgedrungen, die Kelchdeckung befindet
sich noch gleichsam in labialem Gleichgewichte, das mit stei-
gender Generation mehr und mehr zu Gunsten der pseud-
eutopischen Deckung gestört wird. Die auftretenden homo-
dromen Wickelsympodien bilden ein nicht uninteressantes
Pendant zu den durch Eichler bekannt gewordenen homo-
dromen Gruppen von Canna iiidica L., also zweifelsohne einer
in ihrem Blütenbau außerordentlich abgeleiteten Form. Mög-
licherweise wird eine Untersuchung der übrigen, mit Ausnahme
der bereits berührten 5. longiflora Hook, fil., augenscheinlich
unserer Art ziemlich nahestehenden Arten in die Frage Licht
bringen; doch scheitert sie vorläufig gänzlich an Material-
schwierigkeiten.
Es bedarf wohl keiner weiteren Begründung, wenn ich es
unterlasse, im einzelnen auf die Verwandtschaftsverhältnisse
der anderen »beschriebenen« Arten einzugehen; inwieferne
überhaupt eine Übereinstimmung bezüglich des Aufbaues
herrscht, das wird bei der Seltenheit der Objekte sich unserer
Kenntnis wohl noch auf lange Jahre hinaus entziehen.
K. Wagner: Sanchezia nobilis.
^rf^'BioC^
Sitzungsberichte d. kais. Akad. d. Wiss., math.-naturw. Klasse, Bd. CXVI, Abt. I, 1907.
61
Zur Morphologie des Tabaks und einiger
anderer Nicotiana-Arten
von
Dr. Rudolf Wagner.
(Mit 4 Textfiguren.)
(Vorgelegt in der Sitzung am 24. Jänner 1907.)
Die Arten der Gattung NicoHana weichen habituell sehr
voneinander ab und vor allem sind es die Blütenstände, die gar
nichts Gemeinsames aufzuweisen scheinen, es sei denn die
cymöse Natur; des weiteren sind wir über deren Aufbau nicht
orientiert; Darstellungen, wie sie im »Standard work« des ver-
gleichenden Morphologen, in Eichler's Blütendiagrammen für
Dahira Stramonmm, Atropa Belladonna und Solantim nigrtmi
mitgeteilt werden,^ in denen diese Verzweigungssysteme inter-
pretiert werden, besitzen wir nicht und, von einer Beschreibung
Sendtner's^ abgesehen, bewegt sich die Systematik in Aus-
drücken von gewohnter Vieldeutigkeit. Der neueste Monograph
der Gattung, Comes,^ hat es nicht der Mühe wert erachtet, auf
die Einzelheiten des Aufbaues einzugehen, er begnügt sich
vielmehr, entgegen den Anforderungen, die wir an eine Mono-
graphie zu stellen berechtigt sind, sich — euphemistisch aus-
gedrückt — in den von den ersten Bänden des »Prodromus«
vorgezeichneten Bahnen zu halten; schon Sendtner, dessen
ausgezeichneter »Excursus morphologicus de Solanacearum
inflorescentia« allerdings erst ein halbes Jahrhundert alt war,
geht ihm zu weit. Von diesem als Mitbegründer der heimischen
1 Bd. 2, p. 200.
2 Flora Brasiliensis, Vol. X (1846), p. 165.
3 Monographie du genre Nicotiana. Naples 1899.
O- R. Wagner,
Pflanzengeographie bekannteren Autor stammt die beste mir
bekannte Charakterisierung der Mt-o/m;/cz-Blütenstände: »In-
florescentia terminaHs, cymosa (cincinnus unilateralis prophyllis
bracteaeformibus solitariis, rhachi communi vel pseudoaxi
stricta, elongata, virgata) modo racemum simplem fingens modo
ramosa et in formam paniculae composita«. Bis hieher ist die
Formulierung den Tatsachen entsprechend, doch beweist die
nun folgende Angabe: »Flores in pedicellis calyces subaequanti-
bus e foliorum aut bractearum axillis«, daß er sich mit der
Gattung nicht eingehender befaßt hat; in den oben genannten
»Excursus« sind es vor allem die Riesengattung Solaiiimi
sowie Cyphomandra, die seine Aufmerksamkeit in Anspruch
nehmen, während Nicotiana gänzlich übergangen wird. Im
übrigen bewahrheitet sich seine Bemerkung: »evolutiones. . .
omnes tantae vis et efficientiae, ut inflorescentiam quam maxime
variabilem et explicatae difficilem reddant'<, wie die folgenden
Zeilen beweisen dürften.
Aus praktischen Gründen sollen zunächst einige andere
Arten besprochen werden, deren Aufbau übersichtlicher ist.
Nicotiana paniculata R. et P.
Bereits im Jahre 1799 wurde diese Art von Ruiz und
Paron in ihrer »Flor. Peruv. Chil.«, Vol. II, tab. \2Qh, abgebildet,
doch vermag ich die Zeichnung nicht in Einklang mit den Tat-
sachen zu bringen, sie scheint vielmehr allzusehr mit der freien
Phantasie des Illustrators belastet zu sein, wenn schon für den
morphologisch ungeschulten Beobachter der Habitus vielleicht
recht gut getroffen sein mag. Nach einem Exemplar des Wiener
botanischen Gartens ist Fig. 1 gezeichnet, welche die Terminal-
blüte und die vier obersten Partialinfloreszenzen der Rispe in
halbschematischer Darstellung veranschaulicht. Wie in allen
Figuren, ist von der Andeutung des Indumentes Abstand ge-
nommen, die konsekutiven Sproßgenerationen sind abwechselnd
dunkel und licht gehalten, die einzelnen morphologischen
Bestandteile aus Raumgründen durch abgekürzte Formeln be-
zeichnet.
Wie auf den ersten Blick ersichthch, ist die Hauptachse
des Blütenstandes durch seine Terminalblüte abgeschlossen,
Morphologie des Tabaks.
63
die früher zur Entfaltung gelangte als die in der Abbildung
ersichtlichen Endblüten der Partialinfloreszenzen erster Ord-
nung, also die Primanblüten. Indessen ist die Aufblühfolge der
Fig. 1.
Oberster Teil einer Rispe von Nicotiana panicnlata R. et P. Näheres im Texte.
Infloreszenz keineswegs streng zentrifugal, wie man vielleicht
aus Fig. 1 entnehmen könnte, wo der Größe nach auf die Ter-
minalblüte die Primanblüte der obersten Partialinfloreszenz
erster Ordnung folgt, sondern im unteren Teile der Rispe, die
64 R. Wagner,
sich im vorliegenden Falle aus nicht weniger als 15 Teilblüten-
ständen erster Ordnung zusammensetzt, finden wir selbst die
Sekundanblüten bereits im Zustand aufgesprungener Kapseln.
Bezeichnet man in Fig. 1 die an der Hauptachse inserierten,
aber mit ihren Achselprodukten verwachsenen Blätter mit t, u,
ö und Vo, so finden wir die Partialinfloreszenz erster Ordnung
%'^^ gleich den folgenden aus zwei sehr ungleichen Kom-
ponenten zusammengesetzt, indem das Hauptachselpro-
dukt eine mächtige Entwicklung aufweist, während der
Beisproß, mit seinem Tragblatt ein Stück weit verwachsen,
infolge der Entwicklung großer Drüsenhaare in der ganzen
Infloreszenz leicht übersehen werden kann. Im Gegensatze
zu der später zu besprechenden NicoHana Tabacum L.
habe ich hier den Beisproß innerhalb des Blütenstandes
nie entwickelt gefunden. Der besseren Übersichtlichkeit
halber sollen zunächst die Serialsprosse und dann erst die
Hauptachselprodukte besprochen werden, was auch für
die anderen Arten gilt.
%'l ist ein verkümmerter Beisproß.
%[ ein Dichasium mit wohlentwickeltem Epipodium. Hier
fällt schon das differente Verhalten der beiden Vor-
blätter in Bezug auf ihre Achselprodukte auf: die Ver-
wachsung ist beim ß-Vorblatt auf eine erheblich größere
Strecke erfolgt als bei a, ein Verhalten, dem wir ziem-
lich konstant begegnen; es handelt sich um die Er-
scheinung, die an anderer Stelle in diesen Blättern als
progressive Rekauleszenz bezeichnet worden ist.
Daß dergleichen auch an der Hauptachse vorkommt,
wird weiter unten ersichtlich werden. Während hier
noch beide Achselprodukte zu kräftiger, wenn schon
sehr ungleicher Entwicklung gelangen, — innerhalb
der aus ^^'^ß^ entwickelten Partialinfloreszenz zweiter
Ordnung ist mit freiem Auge (in der Fig. 1 fast gänz-
lich verdeckt) noch die Sextanblüte zu erkennen, in der
direkt koordinierten Partialinfloreszenz dagegen nur
die Quartanblüte — werden von nun an die a-Achsel-
produkte unterdrückt, sie entwickeln sich zwar anfangs
Morphologie des Tabaks. 65
noch bis zur Länge von einigen Millimetern, bleiben
aber auf diesem Stadium stehen. Die ß-Achselprodukte
bilden ein Wickelsympodium, so daß also die Parti al-
infloreszenz erster Ordnung einen in den unte-
ren Sproßgenerationen durch verkümmerte
Beisprosse bereicherten Doppelwickel mit star-
ker Förderung der ß-Achselprodukte darstellt.
Uf-' verhält sich ähnlich wie Xf\ indessen läßt sich bei der
besonders kräftigen Entwicklung von U'^ die progressive
Rekauleszenz besser als solche erkennen. Das der
Hauptachse angehörige Blatt t verwächst auf reichliche
zwei Dritteile des Hypopodiums; schon auf Y4 '^^s Blatt
Vi[aa, auf die ganze Länge des Hypopodiums aber das
ß-Vorblatt, also U'^ßs. Noch weiter geht aber die Verwach-
sung beim ß-Vorbiatt der nächst höheren, aus U'^ßs ent-
wickelten Sproßgeneration, indem das Blatt U'B^oß^^ höher
inseriert erscheint als das a-Vorblatt seines Achselpro-
duktes. Entwicklungsgeschichtlich sind derartige Vorgänge
unschwer zu verstehen, solche extraflorale Metatopien
stehen nicht ganz isoliert, obwohl sie zweifelsohne zu den
Seltenheiten der morphologischen Kasuistik gehören;
geradezu ein Schulobjekt dafür dürfte die AinorpJia fniti-
cosa L. abgeben, bei der oft die endständige Traube durch
die Hauptinnovation unterbrochen scheint. Keineswegs
immer und ausschließlich hält die Verwachsung an diesem
Extrem — dem von 11^652 ßi — fest, sondern der Grad der
Verwachsung schwankt innerhalb gewisser Grenzen, so
daß das Tragblatt bald wenig oberhalb, bald wenig unter-
halb oder aber im Niveau des a-Vorblattes seines Achsel-
produktes inseriert erscheint. Wenigstens mit der Lupe
lassen sich hier überall a-Achselprodukte feststellen, zur
Entwicklung ist allerdings nur ll'^A[;2 gelangt. Von Bei-
sprossen ist kein einziger auch nur annähernd bis zum
Aufblühen gekommen; von den mit freiem Auge erkenn-
baren und in die Zeichnung in Gestalt einer kleinen Knospe
aufgenommenen gehört U^B'2B'/3 der höchsten Sproß-
generation an.
Sitzb. d. mathem.-naturw. Kl.; CXVI. Bd., Abt. I. 5
66 R. Wagner,
S?!^^ zeigt wie das folgende System 2Bf\ im Gegensatze zu den
beiden vorhergehenden, kathodische Stellung von a. Auf-
fallend ist hier gegenüber den besprochenen Sprossen die
weitgehende Verwachsung der Primanvorblätter; während
diese bei %[ und U'^^ nur mit ß die volle Länge des Achsel-
sproßhypopodiums einnehmen, reicht hier bereits das
a- Vorblatt so weit und S^'^ßj2 ist merklich höher inseriert
als Sß[Wa2y-d', ii"! der folgenden Sproßgeneration geht die
Verwachsung wieder etwas zurück, bewegt sich somit in
den oben angegebenen Amplituden. Die oberste Partial-
infloreszenz
Sßf' schließt sich ganz an die vorigen an, ohne irgendwie
etwas besonderes zu bieten.
Was die unteren, in Fig. 1 nicht dargestellten Blütenstände
anbelangt, so verhalten sich diese ähnlich, m.it Ausnahme der
untersten. Diese rekauleszieren noch nicht, alsbald macht sich
aber eine schwache, nur nach Millimeter sich bemessende Ver-
wachsung bemerkbar. Bezüglich der Tragblätter ist zu be-
merken, daß g ein Laubblatt mit großer, wohlentwickelter
Spreite darstellt, § jedoch in jähem Übergang ein Hochblatt mit
linearer Spreite. Ihrem Bau nach zeigt die unterste Partial-
infloreszenz (55^ insofern eine Komplikation, als auf die in
Gestalt von Wickelsympodien ausgebildeten Vorblattachsel-
produkte noch vier weitere ebensolche Partialinüoreszenzen
zweiter Ordnung folgen, bevor die Achse mit Blüte abschließt,
ein Verhalten, das bei der vielfach kultivierten, hier nicht näher
besprochenen Nicotiana Sanderae Hort., einem Gartenbestande
zwischen N. alata Lk. et Otto und N.forgetiana Hort. Sand.,^
eine große Rolle spielt. Die nächstfolgende Partialinfloreszenz
erster Ordnung zeigt bereits den dichesialen, von der nächst
höheren Sproßgeneration an durch Zurückbleiben des a-Achsel-
produktes winkeligen Aufbau, wie er oben abgebildet und be-
schrieben wurde.
Nicotiana Langsdorffii Weinm.
ist ein beinahe die Höhe eines Meters erreichendes Kraut aus
Südbrasilien, benannt zu Ehren seines Entdeckers, der es in
1 Curtis, Botan. Mag. tab. 8006 (III. 1905).-
Morphologie des Tabaks. "/
der Provinz Minas Geraes fand; später wurde es auch in
Saö Paulo nachgewiesen. Sendtner beschränkt sich auf die
Angabe: »Inflorescentia cymosa composita panicuhformis, parti-
tionibus elongatis multifloris erecto-patentibus« und »bracteatae
breves. Flores in pseudoaxibus secundi«. Wie man aus der
Beschreibung entnimmt, handelt es sich wahrscheinlich um ein
Pleiochasium, dessen Partialinfloreszenzen in Wickeln aus-
gehen, beziehungsweise solche darstellen, eine Auslegung, die
durch die Untersuchung ihre volle Bestätigung findet.
In Fig. 2 und 3 — der Raumersparnis halber getrennt —
sind die vier obersten Äste eines Blütenstandes abgebildet.
Schon ein flüchtiger Blick zeigt uns, daß wir an der Haupt-
achse progressive Rekauleszenz zu konstatieren haben. Wäh-
rend das Achselprodukt in Fig. 3 sowie das unterste Achsel-
produkt in Fig. 2 gar nicht mit den Tragblättern verwachsen
sind, ist das dritte Blatt — es mag als r bezeichnet sein —
schon deutlich verwachsen, auf mehr als ein Drittel der Länge
des Hypopodiums das Blatt g und das Tragblatt q der obersten
Partialinfloreszenz erster Ordnung auf Ve- Überall treffen wir
hier seriale Beisprosse, die indessen nirgends zu voller Ent-
wicklung gelangt sind; die Knospe O'/ ist in der Zeichnung zu
sehen, ^l^'l dagegen verdeckt. Eine entfaltete Knospe stellt
£)'/ dar, ebenso, etwas weiter entwickelt, 91'/ und 9Ji'/.
In der nächstfolgenden Sproßgeneration macht sich nun
ein krasser Unterschied zwischen den beiden Arten geltend:
Während bei A^. paniculata Dichasien auftreten und auch in
den höheren Sproßgenerationen ein a-Achselprodukt stets auf-
tritt, wenn es auch normaliter nicht zu weiterer Entwicklung
gelangt, so fehlt hier innerhalb der eigentlichen Infloreszenz
das a -Vorblatt gänzlich, ebenso sein Achselprodukt, so daß
bei der Fertilität von ß reine Wickelsympodien in
extremer Ausbildung zustande kommen, die außerdem
durch progressive Rekauleszenz kompliziert sind; eine weitere
Komplikation durch Beisprosse ist nur der Anlage nach zu
konstatieren, entwickelt habe ich sie nie gefunden. In Fig. 2
sind die Knospen von %Wk, ferner von 0[^'k und '^[Wk noch
zu erkennen. Die progressive Rekauleszenz läßt sich auch hier
innerhalb der Partialinfloreszenzen deutlich verfolgen: Die Vor-
68
Fig. 2.
Nicotiana Langsdorffii Weinm. Oberer Teil einer Infloreszenz.
Näheres im Text.
blätter der konsekutiven Sproßgenerationen sind bei 9^^'^ auf
rund Vsj Ve^ Vs verwachsen, ohne wenigstens bis zur Sextan-
Morphologie des Tabaks.
69
^-ICl'^Jl^^^^
Fig. 3.
NicoHana Langsdorffii Weinm. Fünftoberster Ast.
Näheres im Text.
blute die volle Länge des Hypopodiums zu erreichen. Rascher
schon vollzieht sich dieser Vorgang bei dem folgenden Sprosse
70 R. Wagner,
£>[, dessen Primanvorblatt schon bis reichlich zur halben Länge
des Hypopodiums verwachsen ist; das Sekundanvorblatt
erreicht -/s? ^^^ Tertianvorblatt die volle Länge des Hypo-
podiums. Analoges, nur durch den Ausgangspunkt der Pro-
gression verschieden, konstatieren wir bei ^[ und £i[; ^/^
beziehungsweise Ye? Vs ^^^ ^ sind die Verwachsungs-
quotienten für die konsekutiven Sproßgenerationen von ^(,
Vä, 7io' 1 diejenigen von £l[.
Demnach haben wir den Blütenstand von Nicotiäna
Langsdorfß We'inm. als ein Pleiochasium anzusprechen, das
durch progressive Rekauleszenz in sämtlichen Sproßgenera-
tionen kompliziert ist und dessen in geringer Anzahl vor-
handene Partialinfloreszenzen a-lose Wickelsympodien dar-
stellen. Mit der im Verhältnisse zu A^. paniciilata geringen
Anzahl von Partialinfloreszenzen erster Ordnung hängt es wohl
zusammen, daß hier bei N. Langsdorffii Weinm. die Terminal-
blüte zunächst zur Entwicklung gelangt und dann erst die
Primanblüten folgen. Über die Reihenfolge innerhalb der Partial-
infloreszenzen läßt sich feststellen, daß die Aufblühfolge eine
akropetale ist, d. h., daß sich zuerst, nämlich nach der Terminal-
blüte, die unterste Primanblüte öffnet.
Es erübrigt noch, einiges zu Fig. 3 zu bemerken. Wie
schon oben mitgeteilt, ist es der viertoberste Sproß, nach der
gewählten Nomenklatur Qj^\ Wie aus dem Index hervorgeht,
ist er durch einen Beisproß bereichert, der wie alle Beisprosse
der Gattung — soweit beobachtet — dem Hauptachselprodukt
homodrom ist. Etwa im nämlichen Entwicklungsstadium be-
findet sich 9JJ'^A,;2, das ß-Achselprodukt hat ein Hypopodium
entwickelt, um dann zu verkümmern; nunmehr ändert sich
plötzlich der Charakter der Tragblätter, y ist ein Hochblatt
und weit mit seinem Achselprodukte verwachsen. Nach den
genannten drei Blättern ist die Achse durch eine Endblüte
abgeschlossen und aus der Achsel des obersten Blattes ent-
wickelt sich ein Sympodium, und zwar sofort ein Wickels3^m-
podium mit gänzlich unterdrückten a- Vorblättern. Auch hier ist
wieder die progressive Rekauleszenz deutlich zu konstatieren,
wie ein Blick auf die Abbildung lehrt.
71
Morphologie des Tabaks. ' ^
Die kompliziertesten Fälle zeigt aber
Nicotiana Tabacum L.,
die mir in der f. macrophyUa zur Verfügung stand. Da die
bisher publizierten Abbildungen teils zu sehr nach der rein
malerischen Seite gezeichnet sind, teils »vereinfacht.< sein
dürften und halbschematische Abbildungen mir nicht bekannt
sind, wurde der oberste Teil eines Blütenstandes auf Fig. 4
abgebildet, und zwar speziell die Terminalblüte, beziehungs-
we'ise -Frucht mit der zweitobersten Partialinfloreszenz erster
Ordnung; die beiden anderen damit zu einem Quirl angeord-
neten Äste konnten nur teilweise zur Darstellung gelangen.
Wie schon eine Oüchtige Betrachtung zeigt, sind die drei
fraglichen Äste in verschiedenem Maße mit ihren Tragblättern
verwachsen, was auf progressive Rekauleszenz schließen
läßt; da die Äste in einem Niveau inseriert sind, ist zur Fest-
stellung des Tatbestandes die Untersuchung der vorangehenden
Teilblütenstände notwendig, die das erschlossene Verhalten
bestätigt. Nimmt man hier die untere Grenze der terminalen
Rispe da an, wo die Seitenäste nach ihren Vorblättern sofort
mit Blüte abschließen, so gehen der Terminalblüte bei unserem
Exemplar sechs Partialinfloreszenzen erster Ordnung voran;
im Gegensatze zu den drei oberen sind die anderen durch
Internodien von etwa 5 cm getrennt. Als Paradigma für den
Bau der Partialinfloreszenzen mag die zweitoberste, O'/*, aus-
führlicher besprochen werden. Während die Teilblütenstände
erster Ordnung Wf, ^If und Df nahezu das gewöhnliche
Verhalten von Achselsprossen, d. h. gar keine Verwachsung
zeigen, finden wir bereits p ein merkliches Stück verwachsen,
in höherem Maße noch q und r. Die Rekauleszenz finden wir
dann in den höheren Sproßgenerationen als konstante Er-
scheinung. Aber nicht nur einer der serialen Komponenten ver-
wächst, sondern wie bei N.panictiJata finden wir Rekauleszenz
beim Hauptachselprodukt wie beim Beisproß. Wir werden
sehen, daß der normaliter hier allein zur Entwicklung gelangende
erste Beisproß keine atavistischen Züge trägt, wie das
in anderen Fällen in allerdings teilweise sehr fernestehenden
Familien konstatiert werden konnte, sondern sich mit seinen
72
R. Wagner,
^S2^i3
Fig. 4.
Nicotiana Tabacum L. f. macrophylla. Oberster Teil einer Rispe. Näheres im Text.
Komplikationen — und als solche darf man wohl die gänzliche
Unterdrückung des a-Vorblattes wie die Rekauleszenz auf-
fassen — gänzlich an das Hauptachselprodukt anschließt.
Morphologie des Tabaks. 73
sogar, was vielleicht bei der Häufigkeit des gegenteiligen
Verhaltens überrascht, hinsichtlich der Vorblattorientierung, wie
das für die ganze Gattung zu gelten scheint.
Aus praktischen Gründen wird hier, wie schon oben bei
A^. panicnJata R. et P., von der gewöhnlichen Reihenfolge ab-
gewichen und nach dem zweiten Beisproß der erste und dann
erst das Hauptachselprodukt besprochen werden.
£}{'' ist eine kleine, normaliter wohl nur bei außergewöhn-
lich kräftigen Exemplaren zur Entwicklung gelangende
Knospe.
£i{' hat ein nach der anodischen Seite, nach rechts zu er-
gänzendes a-Vorblatt, dessen Insertionsstelle wohl an
der basalen Artikulation des Blütenstieles zu suchen ist.
Es kommt somit ein beträchtliches Epipodium zu stände,
dessen obere Grenze sich jedoch nur dann mit voller
Sicherheit wird feststellen lassen, wenn die ontogenetische
Untersuchung, die eben noch aussteht, oder die Ver-
gleichung die nötigen Anhaltspunkte geliefert haben. Unter
dieser Voraussetzung ■ — die übrigens auch für N. Larigs-
dorffii ihre Gültigkeit hat, finden wir auf die Länge von
einigen Millimetern, mit seinem Achselprodukte ver-
wachsen, das zweite Vorblatt des ersten Serialsprosses,
also Qf ßs, in der Abbildung mit (ß(') bezeichnet; der Aus-
druck ist in Klammern gesetzt, weil das fragliche Blatt
abgefallen ist. Sein Achselprodukt
Q^'B^f ist wiederum aus einer nicht weiter zur Entwick-
lung gelangenden Beiknospe Q('Bs2 und dem
Hauptachselprodukte
d'^Wgo zusammengesetzt. Mutatis mutandis wiederholt
sich das Spiel; die Orientierung ändert sich nur;
a ist unterdrückt, ß verwächst mit seinem Achsel-
produkt bis zur .'\rtikulation; in der Achsel von
Q('Bs2ß,i, das auf der Figur abgekürzt als ß^2 be-
zeichnet ist, sehen wir noch die kleine Serialknopse
der nächsten Sproßgeneration, während Of 6596^3
abgebrochen ist.
74 R. Wagner,
0(, das Hauptachselprodukt, entwickelt beim Fehlen seines
a-Vorblattes und zugehöriger Achselprodukte seine wei-
teren Sproßgenerationen aus der Achsel des Hochblattes
Q^ßs, die wiederum in Dreizahl vorhanden sind.
OiBs2 ist eine kleine, nicht zu weiterer Entwicklung se-
langende Knospe.
O'^B^'o verzweigt sich wickelig; D^B^-oa^ ist durch die
Artikulation angedeutet und auf der Figur bezeichnet
mit c/.s; das zweite Vorblatt £l[B'j2^,i, abgekürzt ß^/'o,
stützt ein zusammengesetztes Achselprodukt, dessen
Serialknospe Cl'^B's'oBiJs sehr klein und durch das
Tragblatt gänzlich verdeckt ist. Das Hauptachsel-
produkt Cl{B'JoB[i.i, die kurz vor dem Aufblühen
stehende Blüte, die mit B^'oB^s bezeichnet ist, läßt
eine nach obiger Annahme als Lisertionsstelle des
abortierten a-\^orblattes anzusehende Artikulation
erkennen, die mit a'js bezeichnet ist. Dagegen ist das
zugehörige ß-Vorblatt, Q^B^^Bf^sß^, abgekürzt ßls,
kräftig entwickelt und stützt wiederum ein serlal
bereichertes Achselprodukt, von dem indessen nur
OiB^'2B^3B^4ß^, abgekürzt ßj4, zu sehen ist.
O1B52 stellt ein durch die reichliche Entwicklung von Bei-
sprossen ziemlich kompliziert gewordenes Wickel-
sympodium dar, dessen ß-Vorblatt, wie zu erwarten,
nach rechts fällt, auf der Figur bezeichnet mit ß^.
€l[B's2Bi^s ist eine im Aufblühen begriffene Knospe;
die weitere Verzweigung erfolgt aus der
Achsel von Ü^B^-oB^'sß^, abgekürzt ß^., die
Ouartanblüte ist an der basalen Artikula-
tion abgebrochen und in der Zeichnung
nicht zu sehen, wohl aber ihr ß-Vorblatt,
also €l[B',2B'hBU'^a, abgekürzt ^iu, m
dessen Achsel sich die erst wenige Milli-
meter messende Knospe der Quintanblüte
findet, die mit B^4B^5 bezeichnet ist. Ihr
ß-Vorblatt, also aiB^2B'i3B^4B:,5ßs, ist als
Morphologie des Tabaks.
75
kleine, weiße Spitze zwischen die vorauf-
gehenden ß -Vorblätter eingekeilt zu er-
kennen.
£l[B's2^'d3 ist bereits abgeblüht; der Kelch überragt
den seines Beisprosses. Auch hier Ver-
zweigung aus der Achsel des hoch hinauf
verwachsenen ß -Vorblattes, also von
€l['B's2B'd3^Js, abgekürzt ß'3, das ein serial
bereichertes Achselprodukt stützt.
Q{Bl2Brf3B'A stellt eine Knospe dar, deren
Korolle den Kelch erst um ein geringes
überragt; Abkürzung B% Das ß -Vor-
blatt, auf der Figur mit ß^' bezeichnet,
korrekter O^Bl-sEf^sB^^ßj, verdeckt
teilweise ein Verzweigungssystem, von
dem drei Bestandteile zu erkennen
sind, nämlich die weißgehaltene Quin-
tanblüte
Q{B',oB:,3B^^B'^5, selbst wieder teil-
weise von ihrem nach links fallen-
den ß-Vorblatt verdeckt und auf
der weiß gelassenen Quintanblüte
sich scharf abhebend, das ß-Sextan-
vorblatt €l[Ws2KisB'AB'j,B',G^ä.
€l[B's2B[isWs4, abgekürzt B:,4, ist bereits
abgeblüht; sein ß -Vorblatt, das Blatt
€i[B's2B'dsB's4[-icU abgekürzt ß'd4, stützt
ein serial bereichertes Achselprodukt.
€l[B's2B'd'sB's4B'^5, eine kleine, mit B'/,-,
bezeichnete Knospe, überragt ihr
Tragblatt nur wenig; von ihr hebt
sich das gleichfalls weiß gehaltene
ß-Quintanvorblatt sowie das nach
rechts fallende, dunkel gezeichnete
Blatt €l[B's2B'd3B'siB'döB'sG^ä, also
76 R. Wagner,
das ß-Sextanvorblatt deutlich ab. Beide
sind auf der Figur nicht weiter bezeich-
net und tragen sehr kleine Knospen
weiterer Verzweigungssysteme.
Oi'B^2B^3BkB^5, die mit Bf^g bezeichnete Blüte,
aus deren Kelch nur noch der Griffel
weit hervorragt, hat ein kräftig ent-
wickeltes, nach links fallendes ß-Vorblatt,
alsoO;B^^2B:;3B^4Bf;5ßs, abgekürzt ß^s- In
der Achsel steht ein serial bereichertes
Verzweigungssystem, doch ist hier der
Beisproß noch nicht zu weiterer Ent-
wiclylung gelangt; in der Figur erkennt
man von diesem nur das dunkel ge-
haltene, nach rechts fallende Sextan-
vorblatt £liB's2B',sB',M5B'jQ^a. Das
Hauptachselprodukt O^B'^s B'^s BU B^5 B^ß,
abgekürzt B^o, steht in voller Blüte. Bei
der noch geringen Streckung der noch
recht jugendlichen Hypopodien macht
sich die Rekauleszenz von dieser Sproß-
generation an kaum noch bemerkbar,
das mit ßjo abgekürzte ß-Sextanvorblatt
Q{B^oBf;3B^4B'j5B^6ß,^ scheint mit seiner
Insertion in diesem Entvvicklungsstadium
nichts besonderes zu bieten. Selbstver-
ständlich wäre es aber bei weiterem
Wachstum geradeso mit seinem be-
reicherten Achselprodukte verwachsen,
wie die voraufgehenden ß-Vorblätter der
höheren Sproßgenerationen. In seiner
Achsel finden wir das weiß gehaltene,
nach links fallende ß -Vorblatt des
Beisprosses, also ein Sextanvorblatt
D(B^oB:,3B',4B:,5B^6B:,'7ß., das die zu-
gehörige seriale Septanblüte sowie
sein Achselprodukt noch gänzlich ver-
Morphologie des Tabaks. / '
deckt und die dem Aufblühen sich
nähernde relative Endblüte des Haupt-
achselproduktes, die Septanblüte
£l[B's2B'dMM5B's6K7, kurz als B:,7 be-
zeichnet. In der Achsel ihres mit ß'7 be-
zeichneten Vorblattes sind noch drei
morphologische Bestandteile zu er-
kennen: die vom Septanvorblatte nur
wenig überragte Oktanblüte O^B'oBfis.
.BUB'j-cKßB'diB'ss mit ihrem gleichfalls
dunkel gehaltenen, nach rechts fallenden
ß-Vorblatt und das ß-Nonanvorblatt, das
sich als weiße Spitze von dem dunklen
Hintergrunde der Oktanblüte abhebt.
Vergleicht man in der Abbildung Fig. 4 die Insertions-
verhältnisse der drei obersten Partialinfloreszenzen erster Ord-
nung, so fällt, wie schon angedeutet, das progressive
iMoment in der Rekauleszenz sehr in die Augen; während
bei ^f die Verwachsung sich kaum auf die halbe Länge des
übrigens recht kurzen Hypopodiums erstreckt, gilt das für Üf^
wie für die oberste Partialinfloreszenz 9^f in sehr viel höherem
Maße. Umgekehrt haben wir bei den drei tiefer inserierten und
spiralig angeordneten Partialinfloreszenzen erster Ordnung
Verwachsungen erst in den höheren Sproßgenerationen zu
registrieren.
Was den Abort des a-Vorblattes anbelangt, so fehlt es mir
bei dem aus naheliegenden Gründen recht beschränkten Mate-
riale an Beobachtungen; indessen ließen sich bei einer Form
der ebenso provisorisch wie so vieles umgrenzten Art, bei der
bei Las Sedas im mexikanischen Staate Oaxaca von Pringle
in 6200 Fuß Meereshöhe gesammelten und in seinen »Plantae
Mexicanae« sub Nr. 6744 ausgegebenen Nicotiana Tabacum L.
vav. undulata Sen dt. — die absolute Richtigkeit der Bestim-
mung entzieht sich zur Zeit meiner Kontrolle — Beobachtungen
machen, die mir einer Mitteilung wert zu sein scheinen. Es
zeigt sich nämlich, daß a-Vorblätter vorkommen, auch dann,
wenn auf das ß -Vorblatt hin die Achse mit einer Blüte
iö R. Wagner,
abgeschlossen ist. Ein Fall also, wie wir ihm schon bei unserem
ersten Beispiel, der A''. paniailata R. et P., begegneten; die
Konservierung eines alten Charakters. Aber das ist nicht das
einzige: wenn nicht ein schwerer Beobachtungsfehler infolge
des Umstandes, daß ein so dürftiges Material zu schonen ist,
vorliegt, so findet sich auch der Fall, daß in höheren Sproß-
generationen zunächst beim Hauptachselprodukt das a- Vorblatt
verloren geht, während der basipetale Serialsproß dasselbe
noch beibehält. Demnach einer jener Fälle, in denen der dem
Abschluß einer Achse benachbarte Ast morphologisch vor-
geschrittener ist, jüngere Charaktere aufweist als der basipetale
Serialsproß, der in puncto seiner Charaktere sich als konserva-
tiver erweist. Überraschen kann dieser Umstand heute nicht
mehr, nachdem in diesen Sitzungsberichten zu wiederholten
Malen auf derartige Beziehungen zwischen serial angeordneten
Verzweigungssystemen hingewiesen wurde; und wenn es auch
vielleicht verfrüht erscheint, sich in extenso mit der erst kürz-
lich — Sitzung vom 10. Jänner 1907 — angedeuteten Inter-
pretation dieser Verhältnisse zu befassen, so gewinnt doch —
wie gesagt, falls die Tatsachen sich bestätigen — die Differenz
im Verhalten der beiden Taba cum -Varietäten erheblich an
Interesse durch die Feststellung, daß bei einer zweifellos wild
gewachsenen Pflanze beim ersten, d. h. dem Hauptachsel-
produkte nächsten Serialsproß ein alter Charakter sich noch
erhalten hat, bei der kultivierten aber der neue Charakter, der
Abort des a-Vorblattes, auch schon im ersten Beisprosse
fixiert ist.
Was nun die anderen Arten der Gattung anbelangt, so
möchte ich vor allem hinweisen auf Paj^er's Angaben über
N. rustica L., deren Blütenentwicklung in seiner »Organogenie
de la fleur«, Tab. 132, abgebildet und p. 539 beschrieben wird.
In Anbetracht der obigen Ausführungen erscheint es gewagt,
seine Angabe; »Chaque fleur nait ä l'aiselle d'une bractee-mere
et est accompagnee de bractees secondaires d'äges differents et
tout fertiles« ohneweiters zu generalisieren; ich bin zur Zeit
nicht in der Lage, die genannte Art zu untersuchen, das muß
auf den Sommer verschoben werden, aber nach allem, was wir
über das Verhalten von Tragblättern wissen, deren Achsel-
Morphologie des Tabaks. ' "
Produkte in Reduktion begriffen sind, liegt die Vermutung sehr
nahe, daß bei solchen Arten, die in den untersten Seitenachsen,
beziehungsweise den niedrigsten Sproßgenerationen noch
a-Achselprodukte produzieren, während selbst die Tragblätter,
also die a-Vorblätter in den höheren Sproßgenerationen unter-
drückt sind, auch das ontogenetische Verhalten der beiden
Vorblätter einem Wechsel unterworfen sein wird. Es würde
durchaus nicht überraschen, wenn mit fortschreitender Förde-
rung des ß-Vorblattes, beziehungsweise seines Achselproduktes
das a-Vorblatt auf dem Wege zum Abort zunächst vor dem
ß-Vorblatt in die Erscheinung träte, dann mit steigender Sproß-
generation verspätet, also etwa gleichzeitig mit ß sich hervor-
wölbte, um schHeßUch nach ihm erst sich aus dem. Meristem
auszugliedern; als äußerstes Extrem ist natürlich der Ablaß
anzunehmen, doch hegen, wie bemerkt, Beobachtungen in
diesem Sinne noch nicht vor, es sollte nur gezeigt werden, daß
es nicht ohne Bedenken zulässig ist, im Sinne Bayer s zu ver-
allgemeinern.
Die weitere Angabe Bayer's: »Le calice se compose de
cinq sepales qui apparaissent successivement sur le receptacle
dans l'ordre quinconcial« dürfte wohl von allgemeinerer
Richtigkeit sein; indessen wurde obige Untersuchung auf
die gewiß genügend komplizierten Verzweigungssysteme be-
schränkt und von blütenmorphologischen Fragen, wie Kelch-
deckung und vor allem Schrägzygomorphie — die, beiläufig
bemerkt, schon 1844 von Wydler festgestellt wurde — ab-
sichtlich abgesehen.
Was die erwähnten Charaktere anbelangt, so ist es vor
allem die progressive Rekauleszenz, die sich so sehr bemerkbar
macht und vielfach die Untersuchungen nicht unwesentlich
erschwert. Abgesehen von den oben erwähnten Gattungen
möchte ich hier einige wohl weniger bekannte Gattungen er-
wähnen, in denen sich diese namenthch in Verbindung mit
Wickelsympodien, bisweilen auch mit Serialsprossen, zeigte.
Abgesehen von einer Reihe von Nicotiaiia - Arten, wenn
nicht allen, von denen an in Kultur befindlichen Arten nur
A^, noctißora Hook. (Mendoza, leg. Bhilippi), A^. snaveolens
Lehm, und A^ alata Lk. et Otto genannt sein mögen,
80 R. Wagner,
zeigt sich progressive Rekauleszenz bei Dlscopodiiim penni-
nervhmi Höchst. (Afr. trop.), Hebedadiis bißoriis Miers
(Peru) und anderen Arten, Margavantlms sohmacens Schi dl.
(Zentralamerika) und besonders deutlich bei dem erst von dem
verdienstvollen C. G. Pringle im Tale von Mexiko entdeckten
M. siilpimreus Fern. (PI. Mexic. No 8215), dann bei Cacahus
MexicamLsV^8,ts. (Pringle, PI. Mexic. No 1742), bei der von
Dr. August Henry in Hupeh (Zentralchina) entdeckten
CJiamaesaradia sinensis Hemsl., bei Ch. nana Gray (Cusick,
Eastern Oregon Plants, No 2685), Athenaea pogogotia Meissn.
(Bahia, leg. Blanchet), A. picta SQwdt (Rio Jequetay Brasil.,
leg. Pohl), einer Pflanze, bei der die Vorblattanisophyllie
besonders deutlich zum Ausdrucke gelangt, indem die Fläche
des ß-Vorblattes wohl gegen 20 mal größer ist. Aus der Achsel
des a- Vorblattes entwickelt sich auch ein Sproß, der indessen
nicht zu rekauleszieren scheint; dagegen verwächst ß auf die
ganze Länge des Hypopodiums; ähnliches gilt von A. hirsnta
Sendt. (Mideiros, Pohl, No 148), denen große ß- Vorblätter
besonders stark asymmetrisch sind.
Ferner wäre zu erwähnen: Nothocestrum siihcordatum
Mann von Hawaii (Erdumseglung der Fregatte »Donau«,
Wawra, No 2140), zahlreiche Saracha- Arten, so die im Tale
von Mexiko gesammelte 5. mollis Schi dl., die außerdem gleich
der häufig kultivierten 5. Jaltomata Seh 1dl. Beisprosse auf-
weist; dann viele Capsicum- Arten, so C. microcarpum DC. aus
der Sierra de Maracayü (Paraguay, Hassler, PI. Parag.,
No 5703), Bassovia velutina (Sendt.) Dun. (S. Cruz de Donna
Tereza, Brasil., Pohl, No 3479), die sich bezüglich der Vor-
blattanisophyllie an die erwähnten Athenaea- Arten anschließt;
auch andere Arten zeigen das, so die erst seit kurzem bekannte
B.mexicana Robins. (San Luis Potosi, Pringle, PI. Mexic,
No 3071), ebenfalls stark anisophyll, und B. Domiel-Smithii
Coult. (Jalisco, Pringle, PI. Mexic, No 4378), von der das
nämliche gilt. Auf die Arten der Gattung Cyphomandra hat
schon Sendtner 1. c hingewiesen, sehr instruktiv ist in dieser
Hinsicht C. divaricata (Mart.) Sendt. (Martii Herb. Fl. Bras.,
No 626) und C. Velloziana Sendt. (Brasilien, leg. Blanchet,
also wohl bei Bahia).
Morphologie des Tabaks. 81
Sympodialen Aufbau verbunden mit progressiver Re-
kauleszenz zeigt ferner Salpichronia teimißorum Spruce aus
den Anden von Ecuador (Spruce, No 5057), Nectotixia for-
mosa HBK. aus der Sierra de Ajusco (Pringle, PI. Mexic,
No 6309); in den Pleiochasien des Cestrum corymhosmn
Schldl. (Brasilia, Pohl, No 197) ist wie bei anderen, aber
nicht allen Arten, progressive Rekauleszenz zu konstatieren,
ähnliches bei Sessea corymhosa Goud. (N. Granada, Triana
No 2316 in der Provinz Bogota), und bei einer der 5. vestita Bth.
nahestehenden Pflanze aus den Anden von Ecuador (Spruce,
No 5863), bei der der bekannte Übergang von Konkauleszenz
in Rekauleszenz stattfindet; dann in den armblütigen terminalen
Infloreszenzen der Metternichia principis Mik. (Brasilien), bei
Nieremhergia viscosa Torr. (Kalkberge von Monterey, Nuevo
Leon, Pringle, PI. Mexic, No 1924, sub nom Leptoglossis
Texaiia Gray), bei anderen Arten nicht, dagegen sehr schön
bei Salpiglossis simiata R. et P. (Cordillera de Chilan, coli.
Philippi), wo bei einem Exemplar die oberste Partialinflores-
zenz erster Ordnung auf etwa die halbe Länge des Hypo-
podiums rekaulesziert, die zweitoberste gar nicht, dagegen
schon deren ß- Achselprodukt (a ist steril). Ähnliches bei anderen
Arten, so 5. strammea Hook. (Poeppig, Coli. PI. Chil. prov.
Concon) und 5. linifoJia (Miers) Wettst. aus der Sierra de
Maracayü (Hassler, PL Parag. No 5589), wo sehr steife,
gerade Wickelsympodien mit sehr ausgesprochen progressiver
Rekauleszenz zu konstatieren sind. Auch die Arten der Gattung
Schizmitlms schließen sich hierin an, so u. a. 5. alpestris Poepp.
(Antuco, Südchile, Original) und 5. candidns Ldl., aus der
Wüste Atacama, leg. Philippi, ferner die Browallia- Axien, so
die häufig kultivierte Br. deniissa L., dann Schwetilzia Mandoni
Rusby (Bang, PI. Bolivianae, No 2097) und Streptosolen
Jainesonii Miers aus Peru (kultiviert in La Mortola).
Das untersuchte Material erstreckt sich auf mehr Gat-
tungen und vielmals mehr Arten und an anderer Stelle hoffe
ich die Mitteilungen wesentlich ergänzen und vor allem auch
experimentell behandelt publizieren zu können.
Sitzb. d. mathem.-naturw. KL; CXVI. Bd., Abt. I.
ö2 R. Wagner, Morphologie des Tabaks.
Zum Schlüsse ist es mir eine angenehme Pflicht, Herrn
Prof. Dr. R. v. Wettstein, der mir N. panicnlata und N. Langs-
dorffii sowie die Sammlungen zur Verfügung stellte, sowie
Herrn Kustos Dr. A. Zahlb ruckner für die Möglichkeit, die
Sammlungen des k. k. Naturhistorischen Hofmuseums zu
benützen, auch an dieser Stelle meinen verbindlichsten Dank
auszusprechen.
83
Fragmente zur Mykologie
(III. xMitteilung, Nr. 92 bis 155)
Prof. Dr. Franz v. Höhnel,
k. M. k. Akad.
(Mit 1 Tafel.)
(Vorgelegt in der Sitzung am 7. Februar 1907.)
92. Protodontia uda n. gen. et sp.
In den Donauauen von Langenschönbichl bei TuUn in
Niederösterreich fand ich anfangs Juni 1905 an morschem
Erlenholz einen Odofttia-'ähDlichen Pilz mit gelatinösem hya-
linen Subiculum und durchscheinenden Stacheln, den ich prima
vista für Oäontia uda Fr. hielt, der sich aber bei der mikro-
skopischen Untersuchung als eine echte Tremellacee mit ei-
förmigen, übers Kreuz vierteiligen Basidien erwies. Der Pilz
stellt daher eine neue, den Gattungen Protohydnum und Tre-
meUodon analoge Tremellaceen-Gattung dar, die ich der
Ähnlichkeit mit Odontia wegen Protodontia nenne.
Protodontia ist ganz so wie Odontia gebaut, nur daß die
(sowohl in den Stacheln als auch im Subiculum auftretenden)
Basidien echte Treniell a-Ba.sidien sind. Überdies ist der Pilz
schwach gelatinös. Sporen mit grobkörnigem Inhalt,
Protodontia uda n. sp.
Pilz resupinat, fest angewachsen, unbegrenzt, mit hyalinem,
sehr dünnem, gelatinösem, glattem Subiculum. Stacheln locker-
stehend, kegelförmig, spitz, ohne Cystiden, etwas durch-
scheinend und gelatinös, aus dem Hyalinen gelblich oder
6*
84
F. V. Höhne 1,
rötlichgelb, ungeteilt und ohne Wimpern, 200 bis 400 ja lang,
unten 50 bis 100 [i breit. Hyphen sehr zart, undeutlich. Basidien
eingesenkt, sowohl in den Stacheln wie im Subiculum auftretend,
eikugelig, 8 \i breit, übers Kreuz vierteilig. Sporen zartwandig, breit
elliptisch, fast eiförmig, einseitig etwas flacher, mit grobkörnigem
Inhalte, unten seitlich mit einem Spitzchen, 6 bis 8 ^ 4 bis 5 [x.
An morschem Alntis-Uolz in den Donauauen bei TuUn,
Niederösterreich, Juni 1905.
Nach Fries' Beschreibung in Hym. europ., p. 615, wäre
Odontia uda der charakterisierten Art ähnlich. Allein Odontia
tida ist nach Bresadola (Hym. Kmetiani in Atti Acad. Agiati,
Rovereto 1897, p. 97) und seinen Exemplaren derselben eine
echte Hydnee und keine Protodontia. Auch von der Tremellinee
Heterochaete europaea v. H. ist der Pilz ganz verschieden,
obwohl hier einzelne Basidien in die das Hymenium beklei-
denden Zotten emporsteigen; diese Basidien bleiben aber wie
es scheint, stets steril. Jedenfalls aber stehen sich die Gattungen
Heterochaete und Protodontia einander nahe und ist die Auf-
findung von Übergangsformen zwischen beiden zu erwarten.
93. Helicobasidium farinaceum n. sp.
Lager erst fleckenartig, dann zu ausgebreiteten Überzügen
zusammenfließend, dünn, fest angewachsen, gegen den Rand
ganz allmählich verlaufend, aus dem Weißlichen cremefarbig,
manchmal mit rosafarbigen Stellen, feinkörnig-mehlig. Hyphen-
gewebe locker, aus unregelmäßig verzweigten, hyalinen, dünn-
bis ziemlich derbwandigen, verworren verflochtenen, 4 bis
5 [X breiten Fäden mit spärlichen Schnallen bestehend; nach
oben einfache oder büschelig verzweigte, paraphysenartige,
locker stehende Äste treibend. Dazwischen einzeln stehende,
50 bis 52 [j. lange und 8 bis 91/2 \^ breite, meist quer vierteilige
Basidien, die an etwa 8 jx langen Sterigmen länglich zylindrische,
unten mit seitlichem Ansatzspitzchen versehene, oben abge-
rundete, hyaline, dünnhäutige, mit grobkörnigem Inhalte ver-
sehene, meist 16 bis 18:=;9 bis 91/3 [x große Sporen bilden.
An einem morschen Rotbuchenast im großen Steinbach-
graben bei Untertullnerbach im Wienerwalde, März 1905.
Fragmente zur Mj-kologie. 85
Nachdem der Gattungsname Helicohasidium Pat. 1885
älter ist als Stypiudla Schrot. 1887, muß er gebraucht werden,
obwohl der letztere besser wäre.
Der beschriebene Pilz sieht äußerHch täuschend ähnlich
dem Helicohasidinm hypochnoideum v. H. (Ann. myc, 1905,
p. 324, als Stypinella), ist davon aber, wie die mikroskopische
Untersuchung lehrt, gänzlich verschieden. Die Hyphen der neuen
Art sind viel dünner, schnallentragend, die Basidien und Sporen
viel größer. Ob die hie und da zu sehenden schön rosafarbigen
Flecken, welche der Pilz stellenweise zeigt, für denselben
charakteristisch sind, ist mir noch zweifelhaft.
94. Über die zu Tomentella- Arten gehörigen Botrytis-Formen.
Brefeld (Unt. a. d. G. d. Myko!., VIII., p. 9) versteht unter
Tomentella solche HypocJinus- Arten, d. h. Corticmm- Arten mit
locker gebautem (nicht geschlossenem), filzigem Hymenium,
welche neben der Basidien - Fruktifikation noch Conidien-
Stadien aufweisen. Allein es ist wahrscheinlich, daß alle Pilze
Nebenfruchtformen zeigen, bei sehr vielen sind ja mehrere
solche nachgewiesen und es geht sicher nicht an, Gattungen
auf Grund des Fehlens oder Vorkommens von solchen Neben-
fruchtformen oder auf die Art und Beschaffenheit derselben auf-
zustellen. Ich verstehe unter Tomentella Corticieen mit lockerem
Hymenium, rauhen oder stacheligen, meist gefärbten Sporen und
ohne Cystiden. Tomentella in diesem Sinne ist gleich Hypochnus
im Sinne von Karsten und Bresadola. Der Name Tomen-
tella(?ersoon, 1799) ist aber der ältere und muß angewendet
werden.
Brefeld hat nun bei zwei Corticieen, die er Tomentella
flava und Tomentella granulata nennt und als neue Arten be-
trachtet, Nebenfruchtformen gefunden, die der Form nach offen-
bar zur Formgattung Botrytis sect. Phymatotrichum gehören.
Da die Maßangaben, auf die es bei den Basidiomyceten ganz
wesentlich ankommt, bei B r e f e 1 d, soweit mir bekannt, durchaus
unbenutzbar sind, da sie sämtlich in einem nicht genau bekannten
Verhältnisse zu groß sind, so wird es kaum möglich sein, mit
Sicherheit festzustellen, zu welchen Arten die von ihm über-
86 F. V. Höhnel,
dies nicht näher beschriebenen beiden Formen gehören, wenn
nicht etwa Originalexemplare oder Präparate derselben vor-
handen sind.
Indessen gibt Bresadola (Ann. myc, L, p. 106) an, daß
Tomentella ßava Bref. := Hypochnus isabellinus Fr. ist. Hin-
gegen ist die Zugehörigkeit der Tomentella graimlata Bref.
ganz dunkel. Ebenso ist es durchaus unsicher, ob und unter
welchen Namen die zugehörigen Botrytis -Formen bereits be-
schrieben sind. Olsen (bei Brefeld 1. c.) meint, daß die zur
Tomentella flava Bref. gehörige Form gleich Botrytis argillacea
Cke. (Grevillea 1874. Taf. 48, Fig. 6) sei. So wahrscheinlich
es mir nun, nach dem Bilde zu urteilen, ist, daß diese Cooke'sche
Art zu einem lockeren Corticium gehört, so sicher ist es auch,
daß sie nicht zu Tomentella flava Bref. gehören kann, weil sie
glatte, eiförmige Sporen zeigt.
Leider sind die im allgemeinen sehr charakteristischen
Botrytis- Arten fast durchgängig so unzureichend beschrieben
und abgebildet, daß, von einzelnen Arten abgesehen, eine sichere
Bestimmung derselben fast ausgeschlossen erscheint. Wenn dies
nun auch nicht von besonderer Wichtigkeit erscheint, so halte
ich es doch für notwendig, daß wenigstens die häufigeren und
auffallenderen Formen so eingehend beschrieben werden, daß
sie festgehalten und sicher bestimmt werden können. Aus dieser
Sachlage erklärt es sich, daß selbst ganz gewöhnliche, allver-
breitete, höchst konstante und typische Formen von verschie-
denen Autoren verschieden gedeutet werden. So ist beispiels-
weise Botrytis epigaea bei Lindau (Rabenhorst, Kryptog. Fl.,
II. Aufl., Hyphomyceten, p. 299 c. Ic.) ein ganz anderer Pilz als
der von Saccardo (Syll., IV, p. 136, und F. ital, Taf. 689) und
Bonorden (Handbuch, Fig. 161) gemeinte.
Im Wienerwalde ist nun nicht selten ein gewiß allgemein
verbreiteter ^o/'rj/^/s, der am Boden auf vegetabilischen Abfällen
und selbst auf Humuserde wächst und durch seine schöne, aus
dem Gelbrötlichen ins Fleischfarbene und Violette übergehende
Farbe auffällt. Es ist ein Phyniatotrichtmi, das mikroskopisch'
fast völlig den Brefeld'schen Bildern in Heft VIII, Taf. I, Fig. 11
bis 14, gleicht. Er hat ebenfalls rauhe, kugelige Sporen (von
etwa 4 bis 6 [i Durchmesser) und unterscheidet sich dadurch
Fragmente zur Mykologie. 87
von der mikroskopisch ähnlichen Botrytis epigaea (sensu
Saccardo), die glatte Sporen besitzt.
Da ich an dieser Form aus dem Wienerwalde auch vier-
sporige Basidien auffand, so leidet es keinen Zweifel, daß sie
auch zu einer und zwar echten Tomentella gehört, sehr wahr-
scheinlich zur so häufigen T.fusca (P.).
Da es unmöglich ist, daß diese schöne und auffallende
Form bisher übersehen wurde, entsteht die Frage, zu welcher der
vielen Botrytis- Xxien sie nun gehört. Schließlich fand ich, daß
nur wenige Formen hiebei in Betracht kommen. Es sind dies:
1. Botrytis (Eiihotrytis) carnea Seh um. (Saccardo, Syll.,
IV, p. 119).
2.B.(Eiih.) isabellina Preuss (Linnaea, 1852, Bd. 25 p. 75).
3. B. (Eiih.) fiilva Lk. (sensu Saccardo, Syll., IV, p. 123,
et Bon or den).
4. B. (Eub.J brevior (B. et Br.), Ann. of Nat. History, 1881,
VII, p. 131.
5. B. dichotoma Cda., Ic. Fung., I, p. 18, Fig. 244.
Diese fünf Formen haben rundliche, rauhe oder stachelige
Sporen und können zu Toment eil a- Arten gehören. Sie werden
in der Sylloge fungorum zu Eubotrytis gerechnet, sind aber
gewiß alle Phymatotric/mjn-Ar[en. Die Botrytis- Arten aus den
beiden Sektionen Polyactis und Phyuiatotriclmin haben die
Eigentümlichkeit, die meist sehr zahlreichen Sporen sehr rasch
und gleichzeitig zu bilden. Die Folge davon ist, daß das ganze
Protoplasma der sporentragenden Zweige auf einmal in die
Sporen übertritt und die dünnwandigen Zweige dann alsbald
verschrumpfen und obliterieren. In diesem Zustande ist dann
die Art der Ansatzweise der Sporen nicht mehr mit Sicherheit
festzustellen. Da man nun diese zarten Pilze gewöhnlich in
diesem obliterierten Zustande antrifft, sind die Beschreibungen
derselben meist unrichtig und daher ihre Klassifikation falsch.
Was nun die erwähnte Phymatotrichum-F orm aus dem
Wienerwalde anlangt, so habe ich mich auf einem Umwege
davon überzeugt, daß sie identisch mit Botrytis carnea Schu m.
im Sinne der Sylloge fungorum ist, trotz der sehr abweichenden
Beschreibung. Saccardo (Syll., IV, p. 119) beschreibt von
dieser Art die var. quercina, welche auf faulen Eichenblättern
88
F. V. Höhnel,
von J. Therry bei Lyon gefunden und in den Fungi gallici
Nr. 1867 (als F. foliicola) ausgegeben wurde. Trotzdem nun
dieses Originalexemplar sehr verdorben und schlecht ist, konnte
ich mich doch durch Vergleich desselben überzeugen, daß es
mit dem Wienerv^aldpilze identisch ist. Da der Unterschied der
var. qnercina Sacc. gegenüber der Normalart nur darin besteht,
daß die Sporen um 1 bis 2 [j. kleiner sind, die Sporengröße aber
sehr variabel ist, kann diese Varietät ganz gestrichen werden.
Der auffallende Pilz ist aber noch mehrfach beschrieben
worden. Zunächst zweifle ich nicht daran, daß Botrytis fiiJva
Lk. derselbe Pilz ist. In der Tat stimmen die zwei Exsikkaten
dieser Art (Fungi gallici, Nr. 1 161, und Saccardo, Myc. italica,
Nr. 186) damit ganz überein. Auch Bonorden's Fig. 159 im
Handbuch stimmt gut, hingegen nicht oder weniger Tafel 696
der Fungi italici.
Ebenso halte ich für sicher, daß Botrytis dichotoma Cda.
(Icon., I, p. 18, Fig. 244) derselbe Pilz ist. Cor da 's Figur stimmt
zwar nicht gut, aber sie ist sehr schematisch und augen-
scheinlich falsch. Hingegen ist das sogenannte Exsikkat in
Fungi longob. Nr. 195 mit B. carnea und fulva identisch.
Wahrscheinlich sind noch andere Botrytis-Avten damit
identisch. Vermutlich ist Botrytis rosea Lk. derselbe Pilz.
Daraus ergibt sich, daß die sehr verbreitete und auffallende
Botrytis-fPhymatotrichum-JForm, die aller Wahrscheinlichkeit
nach zu Tomentella ßisca (?) gehört, soweit sich dies noch
feststellen läßt, unter drei Namen beschrieben wurde, nämlich
Botrytis carnea Schum. (1801 bis 1803), B. fulva Lk. (in
Spec. plant. 1824 bis 1825) und B. dichotoma Cda. (1836).
Die Form hat demnach B. (Phymatotrickum) carnea Schum.
zu heißen.
Ich hielt ihn erst jahrelang für eine neue Form, da ich ihn
aber immer wieder fand, mußte ich zur Überzeugung kommen,
daß er schon längst beschrieben sein müsse. Um ihn nun
endlich sicherzustellen, gebe ich weiter unten eine genaue
Beschreibung.
Was die zu Tomentella flava Bref. \_— Tomentella isahel-
lina (Fr.)] gehörige Botrytis-Form anlangt, so ist dies sehr
wahrscheinlich Botrytis isabellina Preuss. trotz der offenbar
Fragmente zur Mykologie.
89
falschen, überreifen Exemplaren entnommenen Beschreibung.
Ebenso dürfte Tomentella gramilata Bref. {—Hypoclimis Bre-
fehiii Sacc, Syll, IX, p. 243) die, wie es scheint, bisher weiter
nicht beachtete Basidienform von der so häufigen Botrytis
epigaea Lk. sein.
Botrytis (Phymatotrichum) carnea Schu:
[m.
Syn. Botrytis fiilva Lk.
» dichotoma C d a.
Rasen meist klein, locker, bis 1 bis IVo ^«"' hoch, mit
traubig-buschig vorspringenden Sporenständen, anfänglich
weiß, dann gelblich, rötlich und schließlich schmutzig violett.
Hyphen fast farblos, protoplasmareich, zartwandig, septiert,ohne
Schnallen, häufig zu mehreren parallel verwachsend, Glieder
etwa 50 bis 100 [j. lang, Querwände sehr zart. Fruchthyphen
steif aufrecht, 8 bis 16, meist 10 bis 12 jj. breit, oben mehrfach
sparrig-dichotomisch verzweigt, daselbst ohne Querwände,
Zweige stumpf, 6 bis 8 [x breit, zylindrisch, der ganzen Länge
nach ringsum gleichmäßig mit den kugeligen, rauhen, sehr
blaß violetten, zartwandigen, 4 bis 6 [i. großen, an kurzen,
dünnen Stielen sitzenden Sporen besetzt. Häufig entstehen
durch Verwachsung mehrerer Fruchthyphen coremienartige
Sporenstände.
An feuchten Stellen auf Humus und morschen Pflanzen-
teilen beliebiger Art, auch zwischen Moos etc. in Wäldern häufig.
95. Über Odontia cristulata Fr.
Diese Art scheint seit Fries nicht wieder gefunden worden
zu sein. Sie ist in keinem Exsikkatenwerke ausgegeben. Das in
der Mycotheca italica Nr. 218 unter diesem Namen befindliche
Exemplar ist nicht diese Art, sondern wahrscheinlich Odontia
livida Bres. Ich finde den Pilz nur in Winter's Werk, hier
aber offenbar nur nach Fries angeführt, und in Quelet,
Flore mycologique, p. 434, allein Quelet macht auch keine
näheren Angaben und betrachtet 0. cristulata als eine Sub-
species von O.fwihriata (P.), mit der sie jedoch nach Fries'
Beschreibung nichts zu tun hat. In der Tat scheint mir ein
von Ouelet gesammeltes und als 0. cristulata Fr. bezeichnetes
90 F. V. Höhne),
Exemplar, das ich der Güte des Herrn J. Bresadola verdanke,
nur eine sporenlose, schlecht entwickelte Altersform von
0. fiinhriata ohne Hyphenstränge, wie dies manchmal vor-
kommt, zu sein. Quelet's Pilz ist fest und persistent, was für
die O. cristiilata nicht gilt.
Ich fand nun im August 1906 am Sattelberge bei Preßbaum
an einem morschen, am Boden liegenden Rotbuchenstamme
eine weitausgebreitete, schön blaßrosa gefärbte, von O.fimhHata
völlig verschiedene Odontia, welche ich mit Bresadolafür die
echte 0. cristiilata Fr, halte. Fries' Diagnose stimmt, wenn
auch nicht vollkommen, so doch ganz genügend, und da nach
Bresadola in lit. die genannte Art im Herbar Fries fehlt, so
wird sich nicht mehr mit absoluter Sicherheit feststellen lassen,
was 0. cristnlata ist, und scheint es mir unter diesen Um-
ständen am richtigsten zu sein, die von mir gefundene Form
als die echte 0. cristnlata Fr. zu betrachten. Wenn dies nicht
der Fall wäre, ist es eine neue, von allen bekannten Arten auf-
fallend verschiedene Form, die am nächsten mit Knciffia
Setigera Fr. verwandt ist. K. setigera ist eine äußerst variable
Art, deren Hymenium bald ganz glatt ist, und dann stellt sie
eine echte PeiiiopJiora dar, bald aber ganz Odo!itia-a.rtig ent-
wickelt ist. Das Gewebe der K. setigera ist jedoch stets fest
und persistent, während das von O. cristnlata im frischen Zu-
stande weich und leicht verwischbar ist. Auch ist K. setigera
niemals rosa gefärbt. Wenn sie Odontia-a.\-i\g entwickelt ist,
sieht sie der O. crustosa P. sehr ähnlich und findet man sie
daher dann auch als solche manchmal bestimmt.
Obwohl es nun keinem Zweifel unterliegt, daß der von mir
gefundene und im folgenden als 0. cristnlata Fr. beschriebene
Pilz von K. setigera gänzlich verschieden ist, ist doch höchst
auffallend, daß beide Pilze mikroskopisch einander sehr ähnlich
sind, so daß es den Anschein hat, als wenn der erstere nur
eine rosa gefärbte und kleinersporige Varietät des zweiten
darstellte.
Eine auffallende äußerliche Ähnlichkeit zeigt 0. cristtitata
mit einem in meinem Besitze befindlichen Originalexemplar
von O. pannosa Bres. (Hym. Kmet., p. 98). Beide sind mit der
Lupe voneinander nicht zu unterscheiden. Mein Exemplar
Fragmente zur Mykologie. 9 1
der j!7t7///zo5<:7 zeigt genau die gleiche Farbe. Mikroskopisch sind
sie jedoch völHg verschieden. O. pannosa hat meist gebüschelte,
schwach inkrustierte rauhe, mäßig dickwandige, 60 bis 120 [x
lange und 6 bis 8 [jl breite Cystiden und breitere, mehr ellip-
tische (nicht zylindrische) Sporen.
Am Hymenium sitzen, weit vorragend, in Wasser unlös-
liche, in absolutem Alkohol sofort verschwindende, sehr dünne,
spitze, lang dreieckige Kristalle von etwa 25 bis 30 [x Höhe,
wahrscheinlich fettartiger Natur. Da dieses Originalexemplar
von Km et herrührt und dieser seine Pilze sublimatisiert, habe
ich mich davon überzeugt, daß diese Kristalle nicht vom
Sublimat herrühren, sie sind daher für diese Art charakteristisch.
Brinkmann's Exsikkat (Westf. Pilze Nr. 90) ist mir zweifelhaft.
Odontia cristulata Fr.
Pilz weit ausgebreitet, dünn, am Rande allmählich ver-
laufend und feinkörnig-pruinat, nicht faserig, blaßrosa, am
Rande heller, frisch weichfleischig-häutig, nicht persistent, mit
dichtstehenden, erst kleinen Wärzchen bedeckt, die später zu
spitzen, fast samtig aussehenden Papillen werden. Cystiden
an der Basis der Papillen und am Subiculum, zerstreut, dünn-
wandig, septiert, an den Querwänden oft mit Schnallen, grob-
körnig-kristallinisch inkrustiert, 90 bis 140 ij- lang, 10 bis 12 [x
breit. Sporen hyalin, länglich-zylindrisch, gerade oder etwas
gekrümmt, 7 bis 1 1 ^^ 3 bis 4 ]x. Hyphen zartwandig, 4 bis 6 [x
breit, mit Schnallen.
Bildet, da die Sporen auch am Subiculum entstehen und
die Papillen klein sind, so wie Kneifßa setigera einen Übergang
von Odontia zu Peniophora.
96. Über die sanguinolenten Poria-Arten Europas.
Meines Wissens gibt es bei uns fünf verschiedene mehr
weniger deutlich sanguinolente Poria-Arten. Es sind dies:
1. Poria viridans (Berk. etBroome), Ann. nat. bist. 1861,
VII, p. 379, Nr. 937, in allen Werken falsch unter der Nr. 347
zitiert. In der Originaldiagnose ist zwar von einer Sanguinolenz
92 F. V. Höhnel,
des Pilzes nichts zu lesen, es heißt nur, daß der Pilz anfänglich
rein weiß ist und beim Trocknen blaßgrünlich wird, »with a
honey-like tinge in parts«, allein nach Bresadola (Hym.
Hung. Kmetiani, in Atti Accad. di Scienz., Rovereto, 1897, Vol.
III, p. 83) ist der Pilz sanguinolent und hat hyaline, zylindrische,
gekrümmte Sporen, 4 bis 5^^1-5 bis 2 jj.. Nach demselben
Autor ist Physisporus inconstans Karst. (Revue myc, 9. Bd.,
1887^ p. 10) derselbe Pilz. Derselbe scheint bisher nur auf
morschen Laubhölzern gefunden worden zu sein (Popuhis,
Bcttila, QnercusJ. Der von Britzelmayr (Eotan. Zentralblatt,
1896, 68. Bd.,p. 142, Abbild. Polyporei, Fig. 199) als Polyporiis
viridans aufgeführte Pilz scheint äußerlich dem echten viridans
ähnlich zu sein, hat aber 8 ^ 3 bis 4 [x große Sporen und ist
daher verschieden, wofür auch der Umstand spricht, daß
Britzelmayr von einer Sanguinolenz des Pilzes nichts sagt.
2. Poria terrestris (D. C.) non Bres. Wird als sehr
zart, fädig-spinnwebig und mit sehr kleinen Poren versehen
beschrieben.
Nach Fries und Quelet ist es eine zweifelhafte Form,
die kaum selbständig sein dürfte. Muß noch weiter beobachtet
werden. Dieselbe scheint nur am Boden (auf Erde?) aufzu-
treten. Wenn der von Britzelmayr (Bot. Zentralbl., 1897,
71. Bd., p. 58) als P. terrestris Fr, aufgeführte Pilz die echte
Form ist, dann hat der Pilz fast kugelige, 5 bis 6 jx große Sporen.
Allein aus seinen Angaben und der Fig. 225 geht hervor, daß
es sich höchstwahrscheinlich um Poria sangiiinolenta (Alb. et
Schu'. nee Bres.) handelt,
3. Poria n. sp.? Eine nur auf Nadelholz vorkommende
Form, welche nach Bresadola (Ann. myc, L, p. 79) gewöhnlich
mit Poria violacea Fr. verwechselt wird und zylindrische,
6 bis 8 » 2 bis 2'^/^ jjl große Sporen besitzt. Diese Art wird
von Bresadola für die echte P. sangninoletita (Alb. et Schw.)
erklärt, ich halte sie jedoch für eine neue, davon ganz ver-
schiedene Art.
4. Poria n. sp.? Eine nur auf Laubholz (Populus, Fagus,
Jtiglans) auftretende, der vorigen höchst ähnliche Art, welche
Fragmente zur Mykologie. 93
jedoch dicker ist, regelmäßigere Poren hat, im Alter nicht so
dunkel braunviolett wie die vorige wird und kleinere, 5 bis 6
« 2 [JL große, zylindrisch gekrümmte Sporen besitzt. Sie wurde
von Bresadola ursprünglich (Hym. Kmet., p. 83) wie die vorige
für P. sanguinolenta (Alb. et Schw.) gehalten, später jedoch
(Ann. myc, I., p. 79) als davon verschieden erkannt. Beide diese
meiner Meinung nach neuen Arten müssen an frischen Exem-
plaren weiter studiert werden. Ich halte sie beide für von P. san-
guinolenta (Alb. et Schw.) ganz verschieden.
Letztere vierte Art ist wahrscheinlich derselbe Pilz, den
Quelet (Flore mycol., 1888, p. 381) als P. sanguinolenta (Alb.
et Schw.) aufführt, mit länglichen, gekrümmten, (3 [x langen
Sporen.
5. Poria sanguinolenta (Alb. et Schw.) (Conspect. Fung.,
p. 257) ist im Gegensatze zu den übrigen sanguinolenten,
schwierigen Arten, richtig erkannt, eine höchst charakteristische
Form mit fast kugeligen, etwa 4 bis 6 [x großen Sporen (Sporen-
durchmesser nach Bresadola sub P. terrestris 4^/^ bis 6 (x;
nach P. Hennings 5 bis 6 jji; nach Britzelmayr 4 bis 5 [x).
Ob die beiden von Bresadola (Ann. myc.^ L, p. 79) als
Poria terrestris (D. C.) und Bv\ize\mQ.YV oXs Polyporus sangtii-
nolentns (Bot. Zentralbl., 1897, 71. Bd., p. 58) angeführten Pilze
mit fast eiförmigen Sporen von 5 bis 6 5=; 4 bis 4^/3 ja, respektive
5 bis 7 Ä 4 bis 6 [Ji, Größe hieher gehören, ist mir sehr zweifel-
haft, namentlich was den zweiten anlangt, der von Britzel-
mayr als verschiedenfarbig und zähe beschrieben wird, was
bei der echten Poria sanguinolenta nicht zutrifft.
Das auffallendste derP. sanguinolenta (Alb. et Schw.) ist die
Art ihres Wachstums. Während die übrigen Poria-Arten ein
mehr weniger deuüiches, der Unterlage anliegendes und mit
derselben meist fest verwachsenes Subiculum besitzen, auf
dem die Poren sich ausbilden, entsteht bei dieser Art der Pilz-
körper durch seitliche Verschmelzung von ursprünglich ge-
trennten, wenn gut entwickelt kurz gestielten, verkehrt kegel-
förmigen, schneeweißen, außen feinseidigen Hüten, die das
Hymenium auf der Oberseite tragen. Da der Pilz sehr weich
ist, ist dies jedoch nur an ganz frischen, jungen Exemplaren
94 F. V. Höhnel,
ZU sehen. Im trockenen Zustand glaubt man, eine gewöhnliche
resupinate Poria vor sich zu haben.
Das Zustandekommen des Pilzes durch Verschmelzen von
ursprünglich getrennten Teilen wurde schon von Albertini
und Schweinitz beobachtet und beschrieben. Sie sahen aber
nicht, daß jeder Teil nur mit schmaler, stielförmiger Basis auf-
sitzt. Auch Fries kannte diese Tatsache, wie aus seinen Dia-
gnosen hervorgeht (Syst. myc, I, p. 385, und Hym. Europ.,
p.578), nicht. Hingegen war sie Secretan (Mycographie suisse,
11, p. 505) sehr wohl bekannt, wie seine ausführliche Beschrei-
bung zeigt. Merkwürdigerweise hielt er aber das ihm offenbar
nicht bekannte Hydmim (0.) crisUilahmi Fr. für eine Alters-
form seiner Sistotrema sangninolentnin (Alb. et Schw.), was
natürlich nicht der Fall ist.
Wenn der Pilz älter und dicker geworden ist, verrät er
seine Entstehungsweise nur dadurch, daß er der Unterlage
nicht ganz angewachsen ist, sondern mit ihr nur durch ziemlich
gleichmäßig verteilte, zahlreiche, kleine Anheftungsstellen ver-
bunden ist.
Demnach wäre der Pilz gar keine echte Poria, sondern ein
aus zahlreichen kleinen verwachsenen Hüten mit oberseitigem
Hymenium bestehender Polyporus, der nur habituell einer
Poria gleicht.
Ich halte diesen eigentümlichen Pilz für den von Alber-
tini und Schweinitz beschriebenen; Bresadola hingegen er-
klärt ihn für Poria terrestris (D. C). Aber abgesehen davon, daß
letztere Art, wie schon erwähnt, zweifelhaft ist, stimmt Fries^
Diagnose derselben gar nicht damit überein. Britzelmayr
und Hennings halten so wie ich die sanguinolente Poria mit
den kugeligen Sporen für P. sangninoJeiita (Alb. et Schw.).
97. Mycena atramentosa (Kalchbr.) v. H. (Lactipedes).
Pilz aus dem Weißlichen graubräunlich, rauchgrau, schließ-
lich bei Berührung und Verletzung sowie im Alter spontan
schwarz werdend, wässerig, saftreich; Milchsaft fast wasser-
hell, dann schwarz werdend, auf Fließpapier einen schwarzen,
rot berandeten Fleck bildend. Hut und Stiel mit einem ver-
Fragmente z-ur Mykologie. •-'«^
gänglichen, lockeren Samtüberzug aus hyalinen, kegeligen,
stumpfen, zarten, bis 50 ^ 16 [j. großen Haaren bedeckt. Hut
meist stumpfkegelig, bis 30 mm breit und bis 12 mm hoch, bis
gegen den Rand dünnfleischig, meist feingrubig und radial-
runzelig, rauh. Lamellen anfänglich weiß, dann schwarz fleckig,
schließlich ganz schwarz, ziemlich dicht stehend, dicklich, breit
angewachsen, nicht oder wenig ausgerandet und mit Zahn
herablaufend, mit Querstreifen versehen, am Rande mit zer-
streuten, stumpfkegeligen, an der Basis etwas bauchigen, bis
40 ^ 12 [Jt, großen Cystiden. Sporen eikugelig, mit vorgezogenem
Spitzchen, 5 bis 6 ^ 4 bis 5 [i. Stiel mit weißfaserigem Marke^
zähe, etwas rauh, 3 bis 4 mm breit, bis 60 mm hoch, nach ab-
wärts wenig dicker, an der Basis schwach weißfilzig.
Einzeln oder in kleinen Büscheln an stark vermorschten
Weißtannenstöcken am Sauerbrunnleiten bei Rekawinkel im
Wienerwalde und im Walde bei der Station Rekawinkel, Juli
und August 1906.
Eine höchst bemerkenswerte Form, die in allen ihren
Teilen Milchsaftröhren führt und besonders am Stiel bei Ver-
letzung große Tropfen einer schwach opaleszierenden Flüssig-
keit, die nach kurzer Zeit tintenschwarz wird, austreten läßt.
Der Pilz hat, obwohl er eine zweifellose Mycena ist, mit keiner
Art dieser Gattung eine nähere Verwandtschaft. Er erinnert
sehr an einzelne schwarzwerdende i^'^roeK^^^-Arten. Mehrere
Hygrocyhe- Arien haben ihre nächstverwandten Formen in der
Gattung Mycena. So ist zweifellos Hygrocyhe nitrata sehr mit
M. alcalina, welche manchmal sehr dicke Lamellen hat, ver-
wandt.
Derselbe ist zuerst in Ungarn bei Scepus ebenfalls im
August auf morschem Föhrenholz gefunden worden und von
Kalchbrenner (Ic. sei. hym. Hungariae, 1875, p. 15, Tafel 6,
Fig. 2) als Collyhia beschrieben und abgebildet worden. Es ist
aber eine ausgesprochene Mycena aus der Sektion Lactipedes,
mit charakteristischen Cystiden, wie sie bei Collyhia nicht vor-
kommen. Auch die Sporen und das Wachstum auf Holz deuten
SiUiMycena hin. Jüngere Hüte sind ganz Mycena-iixWg beschaffen,
erst wenn sich manchmal der Hut im Alter sehr ausbreitet, er-
innert der Pilz etwas an Collybia. Bei letzterer Gattung kommen
96 F. V. Höhnel,
keine Milchsaft führenden Formen vor, ein Umstand, der dem
Pilz auch den Platz bei Mycena anweist.
Der Pilz wird auch von Quelet (Fl. mycol. de la France,
1888, p. 234) aus dem französischen Jura und den Vogesen an-
gegeben. Derselbe unterscheidet auch eine Subspecies der-
selben: Collyhia nigrescens^ mit 10 [i langen Sporen.
98. Inocybe pluteoides n. sp.
Pilz ganz weiß, mit lebhaft rosa gefärbten, dünnen, freien
Lamellen. Hut stumpflich, aus dem Kegelförmigen ausge-
breitet, mit schwachem Umbo, zirka 3 cm breit, radial-rimös,
seidig-faserig. Stiel voll, zylindrisch, unten etwas keulig, weiß
seidenfaserig, 2 bis 3 cm lang, 5 bis 6 mm dick. Fleisch weiß,
geruchlos. Cystiden auf Schneide oder Fläche sitzend, sehr ver-
schieden gestaltet, baid eiförmig-kegelig-bauchig bis 28 [x breit,
bald zylindrisch-kegelförmig, schmal und bis 60 [x lang, an der
Spitze mit einem Krönchen von Kalkoxalat versehen, dünn-
oder derbwandig. Sporen fast hyalin, mit einem Stiche ins Gelb-
liche, mandelförmig, ungleichseitig, oben abgerundet, mit
kurzen, seitlichen Spitzchen, 10^5Y2 i^-
Auf Waldboden im Viehoferinwalde bei Preßbaum im
Wienerwalde, Oktober 1906.
Ist eine interessante Übergangsform zwischen Inocybe und
PJiiteiis, die jedoch nach dem Baue der Lamellen zweifellos
in den Formenkreis von Inocybe gehört. Habituell sich einer-
seits sofort als eine Inocybe aus der Verwandtschaft von
/. Trmü' Weinm. verratende Art, die aber durch die rosa ge-
färbten Lamellen und die fast hyalinen Sporen den Eindruck
eines Plutetis, etwa aus der Verwandtschaft des PI. peUitus
Fr., macht, um so mehr als die Lamellen frei sind. Die Cystiden
sind jedoch ganz typische Iiiocybe-Cysiiden und unterscheidet
sich die beschriebene Form von einer typischen Inocybe nur
durch die fast farblosen Sporen, die nur, wenn sie in Haufen
liegen, einen Stich ins Gelbliche zeigen. Auch die Sporenform
stimmt mit der der glattsporigen echten Inocybe- Äxten überein,
während die Pluteus-Arten meist rundlich-eiförmige Sporen
haben. Ohne genauere mikroskopische Untersuchung und die
Fragmente zur Mykologie. 97
nötige Formenkenntnis bestimmt, muß die beschriebene Form
{\X\- PIntcns pelUHis Fv. gehalten worden und ist bisher wahr-
scheinUch mit dieser Art konfundiert worden. Mit der Psathyra
snbcernna v. H. = Nolanea stibcernvia Schulz, r:: Clitopihis
conissans Peck. =;= Phitens siihcermms Bres., einer sehr blaß-
violettsporigen, //^orj'Zv^-Cystiden besitzenden Pra/^//d!-Form, hat
der beschriebene Pilz, wie der direkte Vergleich zeigte, nichts
zu tun.
99. Über Pratella-Formen mit Inocybe-Cystiden.
Daß bei violettsporigen Agarici auch Oxalatdrusen
tragende hiocyb e-Cys\.\de,n vorkommen, wird meines Wissens
nirgends erwähnt.
Ich fand bisher vier solche Formen:
1. Psilocybe sarcocephalus Fr. hat sehr blaßviolette, 8 bis
12^5 bis 6 [j. große, elliptische, einseitig etwas abgeflachte
Sporen und auf der Schneide sehr zahlreiche, oft gebüschelte,
auf der Lamellenfläche zerstreute, schmal kegelförmige, unten
etwas bauchige und dünnwandige, oben dickwandige, bis 50 [x
lange und unten bis 20 [x breite, meist eine Oxalatdruse
tragende, ganz typische Inocyhe-CysWdQn.
Eine kleinere, cäspitöse, an der Basis eines Aescuhis-
Stammes im Prater bei Wien gewachsene, zweifellos hieher
gehörige Form hatte matte, fast feinsamtig -pruinate Hüte,
nur 6 bis 772 ^ 3 bis 5 [x große Sporen und teils etwa 16 [x breite,
glatte oder oben rauhe, rundlich - blasige, teils dünnwandige,
keulig-kegelige, oben Kristallaggregate tragende, 25 [i lange
Cystiden, Man ersieht daraus, wie variabel auch die mikro-
skopischen Merkmale sind. Ähnliche Variationen zeigen auch
die Iiiocybe-Avten.
2. Psathyra spadiceo-grisea (Schaff.). Die von mir dafür
gehaltene Form hat violettbraune, durchscheinende, 6 bis 8 ^
3 bis 4 [i große, meist elliptische Sporen und sowohl auf der
Schneide wie auf der Fläche der Lamellen dünnwandige, etwas
ausgebauchte, zylindrisch-kegelige, 40 bis 58 ^ 10 bis 20 [x große,
drusentragende Cystiden. In den Donauauen bei TuUn fand
ich eine mikroskopisch ganz übereinstimmende, auch sonst gut
stimmende Form mit einer Hutfarbe wie Psathyrella gracilis.
Sitzb. d. mathem.-naturw. KL; CXVI. Bd., Abt. I. 7
98 F. V. Höhnel,
3. Hypholoma minutellum n. sp. In den Donauauen
(Prater, Langenschönbichl bei Tulln) ist an morschen Weiden-
und Pappelstämmen oder scheinbar am Boden, aber stets an
Holzstückchen sitzend, nicht selten eine kleine Form, welche
der Psathyra tenuicola Karst, und Psathyra gyroßexa Fr. sehr
ähnlich, aber sicher davon verschieden ist, die ich für unbe-
schrieben halte. Sie hat ebenfalls Inocyhe-CysiidQn.
Hypholoma minutellum n. sp.
Pilz einzeln stehend, in kleinen Herden. Hut häutig, bis
15 mm breit und 3 bis 4 mm hoch, flach gewölbt, ohne Umbo,
erst gelbbräunlich, in der Mitte blässer, am Rande weißlich, bis
gegen die Mitte durchscheinend gestreift, mit schmalen,
flockigen, weißlichen, abfälligen Schüppchen locker besetzt und
einzelnen Schüppchen am Rande, in der Mitte kahl, später Hut
kahl, blaß graubräunlich, mit Stich ins Rötliche, etwas atomat.
Hutrand stets gerade. Stiel weiß, durchscheinend, 1 bis 2 cm
lang, 1 -2 bis 1 -6 mm dick, zylindrisch, meist etwas gekrümmt,
flockig-mehlig bestäubt, oben schwach gestreift, an der Basis
wenig zwiebelig verdickt und weißfilzig, hohl, etwas brüchig.
Lamellen ziemlich locker stehend, ziemlich breit abgerundet
angewachsen, in der Mitte am breitesten, mäßig breit, segment-
förmig, aus dem Weißlichen schmutzig rötlichviolett, später
grauviolett; Schneide kaum krenuliert, dünn, etwas blässer, mit
zahlreichen, ziemlich dichtstehenden, auf der Fläche zerstreuten,
dünnwandigen, kurz- und breitbauchig-kegeligen, meist eine
Oxalatdruse tragenden, 20 bis 30 =; 12 bis 16 [x großen Cystiden.
Sporen durchscheinend schmutzigviolett, elliptisch, stumpf,
einseitig etwas abgeflacht, meist 6 bis 7 - 3 bis 3Y2 [J"
Der Pilz scheint für die Auen charakteristisch zu sein. Im
Wienerwalde fand ich ihn niemals. Nach der möglichst ge-
nauen, mehreren Funden und vielen Exemplaren entnommenen
Beschreibung ist er sicher erkennbar. Von Psathyra gyroßexa
ist er schon durch den nicht kahlen Stiel und die Cystiden,
welche bei gyroßexa völlig fehlen, ganz verschieden. Wenn
Karsten's Beschreibung von Psathyra tenuicula (Acta soc.
scient. fennicae, XV, p. 194, Fig. 28), die in Syll. fung., V,
p. 1063, mangelhaft wiedergegeben ist, richtig ist, so ist seine
Fragmente zur Mykologie. 99
Art der obigen zwar äußerlich ähnlich, wie insbesondere die
Abbildung zeigt, aber doch verschieden. Das Gleiche gilt von
Psathyra neglecta Mass. Doch sind die Beschreibungen der
Pratelli schwierig richtig zu machen und daher oft irreführend.
Ich zähle den Pilz zu Hypholoma, weil die Cystiden ganz
so wie bei den mir bekannten Hypholoma- Arten blasig sind
und auch auf der Lamellenfläche vorkommen und der junge
eine ganz deutliche Randloma zeigt.
Der Pilz wächst nie in dichten Rasen, sondern stets einzeln
in lockeren kleinen Gruppen oder Herden, am nackten Stamme
oder auch zwischen Moos.
4. Eine vierte hieher gehörige Form ist Agaricus (Nolanea)
subcernuus Schulz, (Verh. Zool. Bot. Ges. Wien, 1876,
p.427), ein Pilz, der nach Bresadola in lit. identisch ist mit dem
später beschriebenen Clitopihis conissans Peck (Saccardo,
Syll., IX, p. 86). Bresadola erachtet diese Form für einen
Phiteus. Allein die Untersuchung eines amerikanischen Exem-
plars, das ich seiner Güte verdanke, zeigte mir, daß es sich hier
um eine Psathyra mit sehr schwach violett gefärbten Sporen
handelt. Einzeln gesehen erscheinen die Sporen unter dem
Mikroskop fast hyalin, in dichten Haufen aber sind sie
schmutzig hellviolett und nicht rosa oder roströtlich. Es ist
sicher eine Psathyra, womit auch die Art seines Wachstums
und seine äußeren Eigenschaften in Übereinstimmung stehen.
Es ist eine von jenen systematisch schwierigen Über-
gangsformen mit abweichender Sporenfarbe, die von den
Autoren sehr verschieden beurteilt werden. Zu diesen gehören
z. B. Psilocyhe squalens, Psathyra frusttilenta , Naticoria
Cucumis, Annularia laevis, Pleurotus nidulans etc.
Die Psathyra subcernua (Schulz.) v. H. hat längliche,
allseitig abgerundete, einseitig etwas flachere, 6^/^ bis 8 5=; 3 bis
3V2 l^ ^roße Sporen und sowohl auf der Schneide wie auf der
Fläche der Lamellen zerstreut stehende, kurze, dickbauchige,
oben im kurzen Fortsatze bis zum Verschwinden des Lumens
verdickte und eine kleine Kristalldruse tragende, 26 bis 30 jj.
lange und 14 bis 20 [x breite Cystiden. Diese sind also von sehr
charakteristischer Gestalt.
7*
100 F. V. Höhnel,
100. Meliola longiseta n. sp.
Myceliutn blattunterseits, oberflächlich, sehr zart und locker,
1 an breite, rundliche, unbegrenzte Flecken bildend. Hyphen
aus dem Dunkelvveinroten dunkelbraun, meist wellig oder zick-
zackförmig verlaufend, 8 [x dick. Hyphopodien abwechselnd,
zwei- oder dreizellig, kurz kopfig-keulig, 28 - 12 [x, obere Zelle
unregelmäßig rundlich-eiförmig, mit mehreren warzenförmigen,
kurzen Ausstülpungen versehen. Spitze Hyphopodien fehlend.
Borsten am Mycel zerstreut und zu wenigen die Perithecien
umgebend, schwarz, opak, steif, spitz oder stumpf, einfach, 800
bis 1000 [x lang, unten 16 [x, oben 10 [x dick. Perithecien
zerstreut, kugelig, von den stark vorspringenden Zellen warzig-
rauh, 200 jx breit. Asci zwei- bis dreisporig, eiförmig, dünn-
wandig, 50 ^ 20 {X. Sporen aus fünf gleichlangen Zellen be-
stehend, dunkelbraun, elliptisch-länglich, an den Querwänden
etwas eingeschnürt, 40 bis 44 ^ 18 [x.
Auf der Unterseite der Blätter von Psychotria sp. zarte,
spinnwebige Überzüge bildend.
Samoa-Inseln; Tiavi (Dr. Rechinger).
Eine sehr hübsche, durch die anfangs violettrote Membran
der Hyphen, die mit warzigen Vorsprüngen versehenen Hypho-
podien und die dicken, steifen, bis über 1 mm langen Borsten
sowie die sehr lockere Anordnung der Hyphen sehr charak-
teristische Art.
101. Limacinia spinigera n. sp.
Mycelium einen meist dünnen, grauschvvarzen, häutigen,
fest anliegenden, weit ausgebreiteten, allmählich verlaufenden
Überzug bildend, aus dünnwandigen, meist gerade verlaufenden,
braunen, mit großen Öltröpfchen versehenen, 4 bis" 6 [x breiten,
stark verzweigten Hyphen bestehend, die mit zahlreichen
stachelförmigen, meist Triposporium-eLYÜg zu drei verbundenen,
meist vier- bis fünfzelligen, braunen, spitzen, 30^6[x großen,
seltener bis 80 [j. langen Fortsätzen besetzt sind. Pycniden lang
zylindrisch, bis 20 jx dick, oberhalb der Mitte spindelförmig bis
35 [X verbreitert, kleine, einzellige, längliche oder zylindrische
Fragmente zur Mykologie. 1^1
Conidien entleerend. Perithecien mit rundlichem, zuletzt bis
60 (J. weit geöffnetem Ostiolum, aufrecht eiförmig, dünn-braun-
häutig, 80 bis 140 [X breit, ringsum mit braunen, stumpfen, an
der Spitze blassen, septierten, steifen, meist 50 bis 60 « 6 [j.
großen, seltener bis 80 [x langen Borsten besetzt. Asci derb-
wandig, dickkeulig, 40 bis 60 ^ 14 bis 20 [x, achtsporig. Sporen
zwei- bis dreireihig, hyalin, drei- bis vierzellig, an den Quer-
wänden nicht eingeschnürt, zartwandig, gegen beide stumpf-
liche Enden etwas verschmälert, länglich- elliptisch, 15 bis
20 ^ 5 bis 6 [x.
An lebenden Blättern von Stcrcnlea poptihiea. Samoa-
Inseln (Dr. Rechinger).
Ist von den wenigen Capnodimn- und Lima ein in -Arien mit
Triposporiiim-öhnWchen Hyphenanhängseln völlig verschieden.
102. Limacinula samoensis n. sp.
Hyphenfilz dick, leicht ablösbar, w^eit ausgebreitet, braun-
schwarz, schwammig; Basalhyphen dünnwandig, glatt, SVa bis
5 {j. breit, dicht verzweigt. Haupthyphen ziemlich steif, sehr fein-
körnig rauh, derbwandig, wenig verzweigt, 7 bis 9 [x breit,
septiert, Glieder 12 bis 19 [i lang, Querwände sehr dünn. Obere
Filzschichte Antemiaria-Q.\-t\g entwickelt, aus stark verzweigten,
dunkelbraunen, torulösen, 8 bis 16 \^. breiten Ketten von rund-
lich-tonnenförmigen, glatten, 8 bis 16 [j. langen und breiten, fest
zusammenhaftenden Gliedern bestehend. Perithecien an den
dünneren, Antennaria-ive\er\ Stellen des Filzes zerstreut sitzend,
rundlich-warzenförmig, 260 [x breit, oben genabelt einsinkend,
schwarz, kahl, an der Basis mit kriechenden Hyphen. Asci zahl-
reich, dickkeulig, zirka 110-=^24[j,, durch Verquellung bald sehr
dickwandig werdend. Paraphysen fehlend oder ganz ver-
schleimend. Sporen zu acht, zweireihig, sehr verschieden ge-
staltet, meist länglich und nach beiden Enden etwas ver-
schmälert, stumpfendig, meist mit fünf bis sechs Querwänden
und ein bis zwei unterbrochenen Längswänden, lange hyahn
bleibend, zuletzt blaß durchscheinend bräunlich, 28 bis 36 =^ 9
bis 14 \i..
Auf einem ledrigen Blatt.
102 F. V. Höhnel,
Samoa-Inseln: Savoi bei Matondu (Dr. Rechinger). An
den dünnen Zweigen sind die Zellen der Antennaria-Fovm,
besonders an sterilen Stellen, meist feinwarzig rauh.
103. Micropeltis Rechingeri n. sp.
Perithecien epiphyll, zerstreut, matt braunschwarz, flach-
schildförmig, mit rundlichem Ostiolum, später sternförmig auf-
reißend, aus zirka 4 jx breiten, polygonalen oder etwas läng-
lichen, oft gewundenen Zellen aufgebaut, am Rande allmählich
in einen zarten, hyalinen, fast strukturlosen, 40 bis 50 [x breiten
Saum übergehend, 280 bis 300 [x breit. Paraphysen zahlreich,
fädig, verschleimend. Asci achtsporig, keulig, sitzend, 32 bis
44 - 10 bis 11 ]}/, Sporen zwei- bis dreireihig, hyalin, vierzellig,
nicht eingeschnürt, länglich oder länglich-keulig, beiderseitig
abgerundet, zartwandig, 13 bis 18 « 3 bis 4 [x.
Auf einem Blatte (Spiraeanthemtmi?).
Samoa-Inseln, Utumapu (Dr. Rechinger).
Mit Micropeltis leucoptera Penz. et Sacc. und M. aJho-
marginata Speg. verwandt, doch gut verschieden. Auf dem-
selben Blatte wächst auch eine schöne Placosphaeria mit einer
unreifen Phyllackora, die unbeschrieben bleiben müssen, da die
Bestimmung der Nährpflanze sehr zweifelhaft ist.
104. Sphaeroderma hypomyces v. H. n. sp.
Subiculum spinnwebig, zart, verschwindend. Perithecien
kugelig, frei oder mit der etwas kurzkegelig vorgezogenen
Basis haftend, ohne Ostiolum und Mündungspapille, zerstreut
oder gehäuft, blaß ockergelblich, später blaß bräunlich, der
schwarze Nucleus durchscheinend, 400 bis 550 [x breit, außen
kahl, glatt oder mit vereinzelten dünnwandigen, hyalinen, bis
50 5=; 2 bis 4 [X großen Härchen versehen. Perithecienmembran
ziemlich dick, fleischig, aus gelblichen, bis 25 [x breiten Paren-
chymzellen aufgebaut. Paraphysen fehlen, Asci eine relativ
kleine kugelige Rosette bildend, zartwandig, dickkeulig, unten
in einen kurzen, breiten Stiel verschmälert, achtsporig, 80^ 16
bis 20 [X. Sporen zweireihig bis geballt, durchscheinend grau-
schwarz, mit vielen Öltröpfchen, häufig etwas längsfaltig, ein-
Fragmente zur Mykologie. 1^«^
zellig, an den Enden quer abgestutzt, spindelförmig, auf der
Bauchseite etwas flacher, 20 bis 21 ^ 8 ^ 7 [x groß.
Vornehmlich an den Lamellen von Lactarius pargamemis
schmarotzend. August 1906 am Sattelberge bei Preßbaum im
Wienerwalde.
Das spinnwebige Subiculum rührt vielleicht, wenigstens
teilweise, von dem Conidienstadium eines Hypomyces her,
könnte aber auch autonom sein. Die darauf gebildeten Conidien
sind einzellig, länglich stäbchenförmig, 6 bis 8 - T 6 bis 3 [x groß.
105. Sphaeroderma epimyces v. H. n. sp.
Perithecien gesellig, kugelig, ohne OstiolumundMündungs-
papille, erst gelblich, später mehr schmutzig bräunlich mit
durchscheinendem schwarzen Nucleus, etwa 310 {j. breit, an-
fänglich mehr weniger eingesenkt, dann oberflächhch, fast frei.
Perithecienmembran aus gelben, großen Parenchymzellen auf-
gebaut, ziemlich dick, fleischig. Paraphysen fehlend. Asci zu
einer kugelförmigen Rosette radiär angeordnet, achtsporig,
ei-birnförmig, keulig, zartwandig, oben breit abgerundet, unten
in einen kurzen dicken Stiel rasch verschmälert, 80 bis 92 ^ 28
bis 32 [j.. Sporen geballt, einzellig, breit zitronenförmig, etwas
flachgedrückt, im Querschnitte elliptisch, aus dem Blaßviolett-
grauen oder Dunkelolivengrünen schließlich opak schwarz, an
beiden Enden mit kurz zylindrischem, quer abgestutztem Fort-
satze, häufig etwas kantig, fast sechseckig, mit zahlreichen
Öltröpfchen, 24 bis 28 - 13 bis 18^11 bis 12 [x groß.
Auf dem Stroma von Hypomyces ochraceus (P.) schma-
rotzend. Im August 1906 Sauerbrunnleiten bei Rekawinkel und
Sattelberg bei Preßbaum im Wienerwald.
Wenn die Stromata des Hypomyces stark befallen sind,
bleiben sie steril. Die Sporen sind der Anlage nach stets zu acht
im Ascus, doch kommen nicht immer alle zur Reife. Von
der Schmalseite gesehen, zeigen die Sporen in der Mitte einen
ziemlich breiten blasseren Längsstreifen, als wenn die Mem-
bran aus zwei Längshälften bestehen würde. Die Farbe der
jüngeren Sporen ist verschieden, bald ins Violette, Tintenblaue
oder Olivengrüne ziehend.
104 F. V. Höhnel,
Die Art ist jedenfalls mit Spkaeroderma episphaerium
(Ph. et PL) nahe verwandt, die auf Hypomyces terrestris in
England und Frankreich gefunden wurde. Doch werden hier
die Perithecien als anfänglich hyalin beschrieben und sind die
Sporen länger und, was entscheidender ist, zweifellos relativ
wesentlich schmäler.
106. Über Rosellinia Niesslii Auersw.
Von dieser, wie es scheint, seltenen Art wird von Niessl
(Beiträge zur Kenntnis der Pilze, Brunn, 1872, p. 35) und nach
ihm in den Handbüchern angegeben, daß die Perithecien ober-
flächlich entstehen. Dies ist auch tatsächlich oft der Fall. Man
findet sie so nicht nur an der natürlichen Außenseite des Holz-
körpers, sondern auch an Bruch- und Spaltstellen desselben,
ja sogar am Marke der Zweige aufsitzen. Allein dies kommt
auch bei anderen normalerweise eingesenkt-hervorbrechend
wachsenden Pyrenomyceten vor, z. B. gerade auch bei der auf
demselben Substrate — Berberis-Zweige — so häufigen
Cucurhitaria Berheridis. Wenn von solchen Pilzen befallene
Zweige längere Zeit bei genügender Feuchtigkeit am Boden
liegen, erhält sich der normalerweise sonst absterbende Pilz
am Leben, wächst weiter und bricht dann, Perithecien bildend,
oft am nackten Holze oder Marke hervor, wo er dann ganz ober-
flächlich erscheint. Tatsächlich sind aber solche Pilze doch
normalerweise eingewachsen.
Dasselbe ist nun auch hei Rosellinia Niesslii Auersw. der
Fall. An einem instruktiven, bei Seitenstetten in Niederöster-
reich gesammelten Exemplare dieser Art konnte mit Sicherheit
festgestellt werden, daß der Pilz kein Saprophyt ist, wie nach
den bisherigen Angaben wohl anzunehmen war, sondern ein
Parasit, der sich normal unter dem Periderm der Zweige ent-
wickelt und, wenn dieses festhaftet, durch Spalten in demselben
hervorbricht. Bekanntlich wird aber bei Berberis das tief in der
Rinde entstehende Periderm leicht und frühzeitig abgeworfen;
dies ist ganz besonders dann der Fall, wenn der Zweig von
einem Schmarotzerpilze befallen ist. Nach Abfall des Periderms
erscheinen dann die Perithecien oberflächlich, während sie
tatsächlich eingewachsen-hervorbrechend sind.
Fragmente zur Mykologie. lOo
Daraus geht aber mit Sicherheit hervor, daß der Pilz nicht
in die Gattung RoselUnia gehört, zu welcher er bisher ganz
allgemein gestellt wurde.
Schwieriger ist die Frage zu beantworten, wohin er eigent-
lich im System der Pyrenomyceten zu stellen ist. Da sind es
nun drei Eigenschaften desselben, die in Berücksichtigung
gezogen werden müssen. Erstens: An der Basis der Perithecien
befindet sich ein mehr weniger deutliches Basalstroma. Zweitens:
Die Perithecienmembran ist fast fleischig und ursprünglich
lebhaft kirschrot, sie wird erst später rotbraun oder dunkler.
Drittens: Besonders an der Mündung finden sich zahlreiche
kurze, steife, schwarzbraune Borsten.
Da der Pilz infolge seiner anfänglich roten, fast fleischi-
gen Perithecien offenbar eine Art Mittelstellung zwischen den
Hypocreaceen und Sphaeriaceen einnimmt, so müssen seine
nächst verwandten Gattungen in beiden diesen Abteilungen
gesucht werden. Unter den Hypocreaceen ist er offenbar am
nächsten mit Sphaeroderma verwandt, eine Gattung, von der
er sich nur durch die ursprünglich eingewachsenen Perithecien
unterscheidet, während unter den Sphaeriaceen die beiden
Gattungen AnthostomeUa und Anfhostoma in Betracht kommen.
Von beiden unterscheidet er sich aber durch die Beborstung
der Perithecien. Als Anthostoma kann er überdies nicht wohl
aufgefaßt werden, da das Stroma doch zu undeutlich und nur
als Basalstroma entwickelt ist. Alles ins Auge gefaßt, ist Sor-
daria Niesslii doch am nächsten mit Sphaeroderma verwandt,
wo auch beborstete Arten vorkommen und deren Perithecien-
membran häufig nichts weniger als typisch hypocreaceenartig
entwickelt ist. Da aber sämtliche Sphaeroderma-Arten ganz
oberflächliche Perithecien besitzen, kann er nicht in diese
Gattung gestellt werden und wird daher am besten in eine
neue zu versetzen sein, für die ich den Namen Sphaerodermella
in Vorschlag bringe.
Der Pilz wird demnach Sphaerodermella Niesslii
(Auersw.) v. H. zu nennen sein.
Sphaerodermella unterscheidet sich von Sphaeroderma
wesentlich nur durch die ursprünglich normalerweise ganz
einsrewachsenen Perithecien.
106 F. V. Hühnel,
107. Über Nectria cosmariospora Ces. et de Not.
Nectria cosmariospora Ces. et de Not. ist im Wienerwalde
in der Gegend des Großen Stiefelberges häufig. Der Pilz wächst
nur auf Polyportis radiattis (Sow.), wenn dieser ganz alt
gew^orden ist. Die Angaben,. daß A^. cosmariospora auf P. obli-
quus und P. femiginens wächst, sind falsch. P. obliqtms P. in
Schröter (Pilze Schlesiens, I, p. 489) ist nichts als die Alters-
form von P. radiattis (Sow.) var. iiodulosus (Fr.) Bres.
(Hym. Kmet. in Atti Accad. scienz. etc. Rovereto, 1897, p. 72),
welche von Rostkow als P. polymorphes beschrieben wurde.
Schröter's Angabe (1. c, II, p. 256), daß A^. cosmariospora auf
P. (Phaeoporus) ohliqims P. wächst, bezieht sich daher auf
P. radiattis. Die drei Formen P. radiattis (Sow.), P. nodtüosus
Fr. und P. polyinorphtis Ro s tk. sind genau der gleiche Pilz und
können diese drei Arten nicht einmal als Varietäten desselben
Pilzes gelten, da ich sie alle drei am selben Stamme, also aus
dem gleichen Mycelium entstanden, mit allen Übergängen
gleichzeitig fand. Die von mir eingesehenen Exsikkaten von A^.
cosmariospora zeigen alle als Unterlage die Altersform von
P. radiattis. So Fuckel (F. rhen., Nr. 2355) angeblich aufP./fr-
rugittetis {Symh. mycol.,p. 179); Rabenhorst (F. europ.,Nr. 459)
als Cosmospora coccittea Ra.bh. »in lignis putridis« (auch hier
sind Reste des P. radiattis zu sehen); Fungigalliciexsic.Nr.2755,
angeblich auf P.ferrtiginevis; Krieger, F. saxonici Nr. 1858
(richtig!); hingegen ist Sydow, Myc. marchica Nr. 2415,
N. episphaeria auf einem alten Stroma. Danach sind die
Angaben in der Literatur richtigzustellen.
108. Nectria modesta n. sp.
Perithecien oberflächlich, vereinzelt oder in kleinen Gruppen,
ei-birnförmig, 170 bis 250 [x breit, 240 bis 400 [x hoch,
schmutzig bräunlichgelb, mit brauner, stark entwickelter,
abgerundet stumpfer, bis 200 [x hoher und 140 [x breiter Mün-
dungspapille. Gewebe unten undeutlich kleinzellig, faserig-
plectenchymatisch, Halsteil aus deutlichen quergestreckten,
etwa 12 [X langen Parenchymzellen aufgebaut; an der Basis
mit gelblichen, 3 bis 4 [x breiten Hyphen, weiter oben mit
Fragmente zur Mykologie. 107
vereinzelten haarähnlichen Hyphenenden; Hals kahl, Para-
physen zahlreich, dünnfädig, lang; Asci dünnwandig, zylin-
drisch oder etwas keulig, 90 bis 100 s=- 6 bis 8 [j., achtsporig.
Sporen 1- bis l'^/^ i'Qihig, seltener zweireihig, zweizeilig,
kaum eingeschnürt, länglich, beidendig abgerundet, ganz aus-
gereift feinkörnig-rauh, durchscheinend violettbraun, mit zwei
Öltröpfchen, 9 bis 12 ^i? 4 bis 5 [x.
Am noch harten Holz eines Birkenstumpfes am Sattelberge
bei Preßbaum und auf morschem Weißbuchenholz am Sag-
berge bei Untertullnerbach im Wienerwald, August 1906.
Ist, die vorhandenen Beschreibungen als richtig voraus-
gesetzt, zweifellos eine neue Form. Durch die im gut ausge-
reiften Zustande sehr rauhen, violettbraunen Sporen gehört sie
in die Sektion Cosmospora, während ihr die an der Basis der
Perithecien befindlichen Hyphen, die aber kein deutliches
Subiculum bilden, einen Platz bei der Sektion Hyphotteclria
anweisen würden.
109. Calonectria olivacea n. sp.
Perithecien halb- oder zu zwei Drittel eingesenkt, in dichten
Herden, einzelnstehend oder zu zwei bis drei verwachsen, kugelig
oder ei-birnförmig, mit kegeliger, 30 bis 50 [x weit geöffneter
Mündungspapille, bis 280 [j. breit, dünnhäutig. Membran
undeutlich kleinzellig, blaß oliv^engrün, um das Ostiolum
schwärzlich olivengrün mit Stich ins Blaue. Paraphysen zahl-
reich, dünnfädig. Asci keulig, dünnwandig, unten kurz stielartig
verschmälert, 80 bis 100 ^ 8 bis 9 jx, achtsporig, Sporen zwei-
reihig, hyalin, länglich-elliptisch, beidendig verschmälert und
abgerundet, mit vier großen Öltröpfchen, zuletzt vierzellig, an
den Querwänden nicht eingeschnürt, dünnwandig, 12 bis 16 ^^
3 bis 4 [A. Jod gibt keine Blaufärbung.
An stark vermorschtem Fagus-HoXz. Sauerbrunnleiten bei
Rekawinkel im Wienerwalde, August 1906.
Eine bemerkenswerte Zwischenform zweifelhafter Stellung.
Mit Odontotrema hat der Pilz nichts zu tun. Von Calonectria
unterscheidet er sich durch die Färbung und das weite, kegelige
Ostiolum, von Metasphaeria durch die blasse Färbung der
Perithecienmembran und das halb eingesenkte Wachstum.
108 F. V. Höhnel,
Ebenso von Zignoella. AXsWinterina kann er auch nicht klassi-
fiziert werden, da die \V. tiiberculifera ganz oberflächliche
Perithecien besitzt und den Bau der Ascusschichte wie
Gnomoiiia und Diaporthe hat. (Die übrigen als Winterina.
beschriebenen Formen gehören kaum in diese Gattung.)
Am besten scheint mir derselbe als Calonedria betrachtet
zu werden. Man könnte ihn höchstens noch als Metasphaeria
klassifizieren.
110. Letendraea rhynchostoma n. sp.
Perithecien gesellig, oberflächlich, kahl, zirka 400 \i. breit,
rundlich oder eiförmig, mit einem bis 200 [x breiten, oben quer
abgestutzten, bald kurzen, bald bis 700 jx langen Schnabel,
bräunlichgelb, dünnhäutig, aus gelben, zartwandigen, etwa
7 bis 8 [Abreiten polygonalen Parenchymzellen aufgebaut. Ende
des Schnabels dunkler braun. Paraphysen dünnfädig, zahlreich,
die Asci überragend. Asci monostich achtsporig, sehr zart-
wandig, zylindrisch, 85 bis 100 ^ 8 bis 10 [j.; Sporen anfäng-
lich tintenblau, dann schwarz, länglich-spindelförmig, meist
mehr weniger bis halbmondförmig gekrümmt, an beiden Enden
stumpflich, mit 2 kleinen Öltröpfchen, dann zweizeilig (Zellen
oft ungleich), 1 1 bis 17^6 bis 7 \x.
Auf der Innenseite faulender Endocarpe von Juglans regia^
im Prater (Donauau) bei Wien, August 1906.
Ist eine durch die geschnäbelten Perithecien und die meist
fast halbmondförmig gekrümmten blauschwarzen Sporen sehr
ausgezeichnete unzweifelhafte Letendraea.
111. Helminthosphaeria Odontiae n. sp.
Perithecien eingesenkt, dann hervorbrechend-oberflächlich,
in dichten Herden, häutig-kohlig, schwarz, kugelig, mit deut-
licher Mündungspapille, 210 bis 250 ;j. breit, oben kahl,
sonst ziemlich dicht mit meist stumpflichen, einzelligen,
schwarzen oder durchscheinend dunkelviolettbraunen, steifen,
bis 50 [JL langen und 3 bis 4 \h breiten Borsten bedeckt. Mem-
brangewebe undeutlich. Paraphysen fehlend oder spärlich.
Asci zylindrisch, 70 ^ 7 bis 8 [j., achtsporig. Sporen einreihig,
einzellig, tintengraublau, durchscheinend, mit 2 Öltröpfchen,
Fraomente zur Ah'kologie.
109
länglich-elliptisch, meist gerade, nicht zusammengedrückt,
6 bis 91/2 ^ 31/2 bis 4 [x.
AufdemThallus von Ocfo////tz cristniata Fr. schmarotzend,
auf einem morschen Fagiis-SiSimm am großen Sattelberg bei
Preßbaum im Wienervvalde, August 1906.
Die Perithecien fanden sich ausschließlich nur auf dem
Thallus der schönen, blaßrosa gefärbten Odontia. Der Pilz saß
nie direkt am Holze auf, ist daher wohl ein echter Parasit. Er
steht mehreren kleinsporigeni?os(?////;m-Arten, z.B.R. melaleiica
E. et Ev., piuicohi E. et Ev. nahe, kann jedoch mit keiner
identifiziert werden und muß der anfänglich eingesenkten
Perithecien und seiner Lebensweise als Schmarotzer wegen zu
Hdminthospliaeria gestellt werden. Ein Conidium-Stadium
wurde nicht beobachtet.
112. Helminthosphaeria Corticiorum v. H. n. sp.
Perithecien geselUg, schwarz, kohlig-häutig, rauh, erst
ganz eingewachsen, dann bis zu zwei Drittel hervorbrechend,
rundlich-eiförmig, etwa 300 [x breit, 500 ]x hoch, an der Basis
mit braunen, spärlichen, 4 bis 5 [x breiten Hyphen versehen,
nach oben hin, besonders um das Ostiolum herum mit spärlichen
bis sehr zahlreichen und dann dichtstehenden, dickwandigen,
durchscheinend graubraunen, stumpfen bis spitzen, einzel-
ligen, bis 60 ^ 6 bis 7 |x großen Borsten besetzt. Paraphysen
zahlreich, fädig. Asci zylindrisch, 110 bis VlQ^T.\x, achtsporig;
Sporen einreihig, durchscheinend rauchgraubräunlich, länglich-
elliptisch, nach beiden Enden etwas verschmälert, manchmal
fast spindelförmig, beidendig stumpflich, einzellig, erst mit
einem großen, dann mit 2 bis 4 Öltröpfchen, außerhalb des
Ascus selten zweizeilig werdend, 13 bis 16« 5 bis 6 p..
Auf Peiiiophora cremea[{Bres.) schmarotzend, Juni 1905
in den Langenschönbichler Donauauen bei Tulln, Nieder-
österreich.
Da die Sporen außerhalb des Ascus wenn auch nur zum
kleinsten Teile zweizeilig werden, ist der Pilz eigentlich eine
Ventiiria. Allein bei dieser Gattung findet er nicht seinen
natürhchen Anschluß, denn er ist, wie mir der direkte Vergleich
zeigte, so nahe mit H. Clavariae (Tul.) verwandt, daß er nur
110 F. V. Hühnel,
neben diese gestellt werden kann. Die Feststellung dieser
Tatsache bot nicht nur wegen der schließlichen Zweizelligkeit
eines kleinen Teiles der Sporen, sondern namentlich deshalb
seine Schwierigkeiten, weil die bei Fuckel, Winter, Schröter,
Saccardo u. s. w. zu findenden Diagnosen von H. Clavariae
sämtlich den wesentlichen Fehler besitzen, daß die Perithecien
als ganz oberflächlich stehend bezeichnet werden, was, wie
schon Tulasne wußte, nicht der Fall ist. Letzterer bezeichnet
die Perithecien ganz richtig als ursprünglich »subimmersa«.
Querschnitte zeigten mir, daß sie oft, ja meist ganz eingesenkt
sind und erst später hervorbrechen und fast oberflächlich
werden, ganz ähnlich wie bei der neubeschriebenen Form.
Daher ist es ein großer Fehler von Winter und seiner
Nachfolger gewesen, die vortreffliche Fuckel'sche Gattung
Helmintosphaeria wieder einzuziehen und mit RoseUinia zu
vereinigen. Letztere Gattung hat aber ganz oberflächliche,
kohlige, niemals häutige Perithecien. Mit ihr hat Helmiutlio-
sphaeria gar nichts zu tun. Damit stimmt auch die verschiedene
Lebensweise als Schmarotzer auf Pilzen, im Gegensatze zu
den saprophytischen Rosellinien, und die Tatsache überein, daß
die reifen Sporen schließlich 4 größere Öltröpfchen haben und
bei der einen Art sicher (bei der anderen wahrscheinlich)
schließlich zum Teile zweizeilig werden.
Meiner Ansicht nach ist Helnimthosphaeria an die Seite
von Venturia (sensu Winter) zu stellen. Noch sei bemerkt,
daß zweifellos ein Teil der in die Sektionen Amphisphaerella
(Syll., I, p. 262) und Licheiiicolae (Syll., I, p. 275) gehörigen
Rosellhiia- Alien zu Hehnintliosphaeria gehören werden, soweit
wenigstens, als sie anfänglich eingesenkte Perithecien besitzen.
Der Gattungscharakter von Helminthospliaeria wird in dem
Sinne zu erweitern sein, daß von der Nebenfrucht form Scole-
cotrichmn abgesehen wird.
113. Mycosphaerella Aretiae n. sp.
Perithecien zerstreut oder zu 2 bis 3 einander genähert,
meist blattoberseits, kugelig, ohne deutliche Mündungspapille,
unter die Epidermis eingesenkt, reif über halbkugelig vorragend,
schwarz, glänzend, 100 bis 140 jjl breit. Perithecienmembran
Fragmente zur Mykologie. 1 1 1
aus 4 bis 5 schwarzbraunen Zellschichten bestehend. Para-
physen fehlend. Asci zahlreich, ziemlich derbwandig, keulig,
sehr kurz knopfig gestielt, achtsporig, 48 bis 60 ^ 9 bis 10 [i.
Sporen zweireihig, hyalin, an der in der Mitte stehenden Quer-
wand nicht eingeschnürt, länglich-keulig, beidendig stumpflich,
obere Zelle etwas breiter, 14 bis 19 ^ 4 bis 5 (x.
Auf den unteren, absterbenden Blättern von Aretici alpina
(Lam.) Wulf., Tirol, Gurgl-Vent an der rechten Seitenmoräne
des Spiegelferners, leg. Dr. Ginzb erger, VIL, 1900.
Eine hübsche, von der M. Prhmtlae (Auersw.et Häufler)
durch die viel kleineren Sporen und Asci ganz verschiedene,
offenbar echt alpine Art. Die Asci sind sehr zahlreich und bilden
herausgequetscht eine regelmäßige Kugel, in der sie radial
angeordnet sind. Auf jedem der kleinen Blätter stehen fast
stets nur oberseits meist nur wenige, etwa 5 bis 15 Perithecien,
die am trockenen Blatte fast kugelig vorspringen, jedoch
ursprünglich unter die Epidermis eingewachsen sind, wie Quer-
schnitte lehren.
114. Pocosphaeria balcanica n. sp.
Perithecien eingesenkt, zu mehreren an schwärzlichen,
strichförmigen, 2 bis 10 mm langen, stromaähnlichen Stellen
sitzend, derbhäutig, schwarz, kugelig, nach oben meist in einen
kurzen, dicken Schnabel konisch verschmälert, 200 bis 3oO [x
breit, an der Basis mit zahlreichen, derben, oft bündelweise
verlaufenden, dunkelbraunen, 8 bis 12 [x breiten Hyphen ver-
sehen, oben mit zerstreuten, stumpfen, braunen, meist vier-
zelligen, an der Spitze blassen, bis 80 ^ 6 bis 7 [x großen
Borsten versehen. Paraphysen zahlreich, fädig. Asci dick-
keulig, sitzend, oben abgerundet, derbwandig, achtsporig,
105 bis 140^22 bis 26 [x. Sporen 2- bis Sreihig, zylindrisch-
keulig, beidendig abgerundet-stumpf und verschmälert, stets
sechszellig, hellbraun, die zweite Zelle am dicksten, an den
Enden mit einer fast halbkugeligen Schleimkappe versehen,
meist 40 bis 44 « 10 bis 1 1 [x.
An dürren Stengeln von Veronica gentianoides in Rumänien,
Cej, leg. Loitlesberger 1897.
112 F. V. Höhnel,
Die Asci und Sporen gleichen fast völlig der Abbildung
derer von Leptospliaeria Morthierana Sacc. in B e r 1 e s e,
Icon., mit welcher vielleicht L. Whiteri Nssl. zusammenfällt.
Indessen wird in den betreffenden Diagnosen weder der
Perithecialborsten noch der Schleimkappen der Sporen ge-
dacht. Nichtsdestoweniger könnte die Vergleichung mit Original-
exemplaren die Identität ergeben, da die Borsten nicht immer
gut entwickelt und leicht zu übersehen sind. Wie der Vergleich
des Pilzes mit P. setulosa zeigt, ist er durch die derben
Perithecien und die Form der Sporen, Asci, Borsten und die
derben Hyphen auch dieser Form verwandt, die aber vierzellige
Sporen hat.
115. Über Venturia Straussii Sacc. et R. und Gibbera
salisburgensis Nssl.
Betreffend diese zwei Pilze sind zwei Fragen zu beant-
worten. Erstens die nach ihrer Identität oder Verschiedenheit
und dann die nach ihrer Gattungszugehörigkeit.
Von Neger (Ber. d. deutsch, bot. Gesellsch., 1901, XIX,
p. 471) und Zahlbruckner (Krypt. exsic. vind., Nr. 824) werden
beide Pilze als identisch betrachtet, w^ährend Saccardo
(Syll., IX, p. 689) sie als verschieden aufführt.
Vergleicht man die Originaldiagnosen beider, so ist eine
große Ähnlichkeit beider zwar nicht zu verkennen, doch fallen
einige Unterschiede sofort auf. So sind bei V. Straussi die Asci
und die Sporen wesentlich breiter und wird weiter angegeben,
daß die Paraphysen fehlen oder undeutlich sind, während
Niessl (Hedvvigia, 1887, p. 33) von zahlreichen Paraphj^sen
spricht. Die Untersuchung des Originalexemplares der V.
Straussii (in Fungi gallic. exsic, Nr. 2828, und Rabenhorst-
Winter, F. europ., Nr. 3142) zeigte mir aber zahlreiche, gut
entwickelte Paraphysen. Ebenso fand ich die Sporen bei dieser
Form stets nur zweizeilig und nicht, wie Patouillard (Tabulae
analyticae fungorum, Nr. 299) angibt, vierzellig.
Nichtsdestoweniger zeigte mir der genaue Vergleich der
genannten Originalexemplare von T". Sfraiissii mit dem der
G, salishurgetiis Nssl. (in Rabenhorst- Winter, F. europ.,
Nr. 3550), daß die beiden Pilze voneinander völlig verschieden
Frai^mente zur Mykologie.
113
sind, so zwar, daß sie als ganz gute eigene Arten und nicht
als Varietäten einer Form betrachtet werden müssen.
Ich hebe im folgenden nur die gefundenen Unterschiede
hervor.
■1. V. Straussii Sacc. et R. Der Pilz wächst nicht auf der
Blattfläche, sondern an der Basis der Blätter, diese und die an-
grenzenden Stengelteile besiedelnd. Die Perithecien sind größer,
200 bis 360 [j. breit. Die Asci sind stets achtsporig, länger und
breiter, 92 bis 110^ 12 bis 15 [x; die Sporen sind absolut und
relativ breiter, beidendig sehr stumpf abgerundet, durchschnitt-
lich etwas kürzer, 16 bis 18^8 bis 9 [x. Die beiden Sporen-
zellen sind meist fast gleich lang, die untere meist nur sehr
wenig schmäler als die obere. Die Sporen sind im Umriß
länglich-eiförmig. Steife, schwarze, opake, scharf spitze Borsten
fehlen den Perithecien völlig, letztere zeigen nur längere oder
kürzere, stumpfe, durchscheinende, mehr weniger verbogene,
hyphenartige Haare.
2. G. saJislmvgeusis Nssl. Die Perithecien sitzen meist
(wie bei voriger Art) in Gruppen oder Haufen stets auf der
Oberseite der Blätter, weder in den Blattachseln noch am
Stengel. Sie sind durchschnittlich kleiner, meist 150 bis 220 [i.
Die Asci sind fast stets nur viersporig, niemals achtsporig,
etwas kürzer und wesentlich schmäler, 80 bis 90 « 9 bis 10 [x.
Die Sporen sind relativ und absolut schmäler und absolut
länger, 18 bis 24 ^ 5 bis 67.^ [x. Die untere Zelle ist stets deut-
lich länger und schmäler als die obere. Im Umriß sind die
Sporen länglich, oft etwas keilig, niemals eiförmig. Die
Perithecien zeigen neben braunen Hyphenhaaren noch mehr
minder zahlreiche steife, spitze, opak-schwarze, derbwandige,
verschieden, bis 200 [x lange und an der Basis bis etwa 8 [x
breite Borsten.
Daraus ersieht man, daß offenbar zwei völlig verschiedene,
aber miteinander ziemlich nahe verwandte Pilze vorliegen.
Beide gehören zweifellos in dieselbe Gattung. Die Frage nun,
welche diese Gattung ist, wurde von den Autoren für die
beiden Pilze verschieden beantwortet. Der eine wurde zu
Ventnria gestellt. Der andere von Niessl zu Gibbera und von
Neger (der aber, wie oben erwähnt, beide zusammenwirft) zu
Sitzb. d. mathem.-naturw. Kl. ; CXVI. Bd., Abt. I. 8
114 F. V. Höhnel,
Eriosphaeria. Neger bemerkt, daß er zu Gihbera nicht gehören
könne, weil diese Gattung zu den Cucurbitariaceen gehöre
und diese Familie unter der Epidermis angelegte Perithecien
besitze, was hier nicht zutreffe. Das ist eine theoretische
Bemerkung, die nichts beweist, denn derartige, die Verwändt-
schaft von Formen betreffende Fragen können theoretisch
nicht gelöst werden, sondern nur durch eine durchgeführte ver-
gleichende Untersuchung.
Was nun das Vorgehen Saccardo's anlangt, der die eine
Form zu VetiHiria stellt, so ist zunächst zu bemerken, daß es
zwei Gattungen Venturia gibt: Ventiiria sensu Saccardo und
VenUiria sensu Winter. Saccardo rechnet zu seiner Gattung
Venturia alle jene schmarotzenden Pyrenomyceten mit zwei-
zeiligen hyalinen oder gefärbten Sporen, deren Perithecien ein-
gesenkt, hervorbrechend oder oberflächlich stehen und dabei
borstig sind. Asci bis achtsporig.
Schon Winter (Pyrenomyceten, p. 433) hat aber darauf
aufmerksam gemacht, daß die Gattung in dieser Begrenzung
viel zu umfassend ist. Er sondert jene Arten, die ganz ober-
flächliche Perithecien besitzen, ab und stellt sie in die Raben-
horst'sche Gattung Coleroa (Bot. Zeitg., 1851, p. 180). Venturia
sensu Winter umfaßt daher nur jene Arten, welche ursprüng-
lich eingesenkte Perithecien besitzen.
In der Tat sind Venturia Winter und Coleroa Rabh.
zwei gut auseinander zu haltende Gattungen, an denen fest-
gehalten werden muß.
Bei Coleroa findet die Entwicklung des Pilzes in der Weise
statt, daß in der Epidermis, meist unter der Cuticula, ein mehr
weniger deutliches, oft ganz unscheinbares, oft gut entwickeltes
Stroma entsteht, das schließlich nach außen durchbricht, sich
dann seitlich ausbreitend oberflächlich (also auf der Cuticula)
weiterwächst und dann die oberflächlich stehenden Perithecien
bildet, die oft zerstreut stehen, meist aber rasen- oder haufen-
weise wachsen. V^on dem nun oberflächlichen Stroma gehen
oft Hyphen aus, die manchmal nur sehr spärlich entwickelt
sind, manchmal aber ein förmliches Subiculum bilden. Genau
so verhalten sich nun auch die beiden in Rede stehenden Arten.
Bei beiden stehen die Perithecien (auf den Hyphen sich ent-
Fragmente zur Mykologie. 115
wickelnd, siehe Neger's Figur, 1. c, Taf. XXVIII, Fig. 1) bald
v^ereinzelt, bald, wenn sie sich unmittelbar am Stroma ent-
wickeln, in dichten Rasen zusammengehäuft. Man kann daher
ohnevveiters beide Arten als zu Coleroa gehörig betrachten.
Allein, untersucht man nun Gihbera Vaccinii{S>o\v)aM{ <\em
Querschnitte, so findet man genau dasselbe Verhältnis. G. Vac-
cinii (So w.) unterscheidet sich generisch von den Co/(?roa- Arten
gar nicht. Daß letztere, aufweichen Blättern wachsend, kleinere,
oft undeutlich entwickelte Stromata besitzen, ist ohne Bedeutung,
um so mehr, als auch bei G. Vaccinii das Stroma oft sehr un-
scheinbar ist oder fehlt (V^^inter, Pyrenomyceten, p. 313). Die
beiden Gattungen Gibbera und Coleroa sind daher identisch.
Die Gattung Gibbera wurde von Fries im Jahre 1849
(Summa vegetab. Scandinav., II, p. 402) aufgestellt. Allein seine
Gattungscharakteristik ist völlig nichtssagend und paßt auf
viele oberflächlich wachsende Pyrenomyceten. Dazu kommt
noch der Umstand, daß die Mehrzahl der von ihm zu Gibbera
gestellten Arten heute nicht mehr in dieselbe gerechnet wird.
Daher wird die Gattung am besten ganz fallen gelassen und die
G. Vaccinii als Coleroa betrachtet werden müssen. Die Gattung
Coleroa ist von Rabenhorst 1851 (Bot. Zeitg., IX, p. 180) auf-
gestellt worden. Dieselbe ist zwar ursprünglich auch un-
genügend charakterisiert worden, aber 1887 von Winter scharf
umgrenzt worden. Es scheint mir das Richtigste, die Gattung
Coleroa im heutigen Umfange (im Sinne Winter's) beizu-
behalten und G. Vaccinii dazu zu rechnen.
Demnach müssen die beiden oben besprochenen Arten C. sa-
lisburgensis (Nssl.) v. H. und C. Stranssii (S. et R.) v. H. heißen.
Die von verschiedenen Autoren zu Gibbera gestellten
tropischen Arten, sieben an der Zahl, sind offenbar teils Neo-
peckia-, teils Melanopsamma -Arten. G. fulvella Mass. ist
wahrscheinlich eine Nectria.
Ein Hauptgrund der Schwierigkeit der richtigen Einreihung
von neuen Formen liegt in der verworrenen Gattungssyno-
nymie. Oft erscheint dieselbe Gattung unter verschiedenen
Namen in verschiedenen Familien. Die Unsicherheit, die daraus
entspringt, liegt aber nicht in der Natur, sondern in der wieder-
holten Aufstellung derselben Gattung.
8*
116 F. V. Höhnel,
Noch bemerke ich, daß Dimerosporiopsis P. Henn. viel-
leicht auch in den Formenkreis von Colevoa gehört. Es scheint
eine Coleroa mit stark entwickelten Stromahyphen zu sein,
116. Rynchostoma minutellutn n. sp.
Perithecien zerstreut, eingesenkt, schwarz, kohlig, kahl,
250 [Ji breit, kugelig, mit dem 250 »jl langen, 80 [Abreiten Hals
vorragend. Paraphysen einfach, dickfädig. Asci zylindrisch, unten
kurz stielartig verschmälert, 100^ 5 bis 7 ja, achtsporig. Sporen
schief einreihig, elliptisch, rauchgraubräunlich, zweizeilig, an
der Querwand nicht eingeschnürt, 7 bis 10 ^ 4 ja.
An morschem Tannenholz , Rekawinkel, Wienerwald,
August 1906.
Von den kleinsporigen Rynchostoma -Arten durch den
kurzen Schnabel und die zylindrischen Asci gut verschieden.
117. Über Bombardia fasciculata Fr.
Dieser zwar v/eit verbreitete, aber, wie es scheint, überall
seltene Pilz — ich fand ihn vor kurzem zum ersten Male im
Wienerwalde — ist zwar, was die Asci und Sporen anlangt, gut
bekannt, mit dem Bau der Fruchtkörper scheint sich aber bisher
niemand näher befaßt zu haben. B erlese gibt zwar (Icones,
Taf. 120) das Bild eines Längsschnittes durch dieselben, allein
dasselbe ist falsch.
Durch die sehr auffallende zähe und knorpelige Be-
schaffenheit der frischen Fruchtkörper aufmerksam gemacht,
untersuchte ich dieselben auf Quer- und Längsschnitten und
fand einen ganz eigentümlichen Bau.
Die Perithecien stehen dichtrasig auf einem gut ent-
wickelten schwarzen knorpeligen Stroma, von dem sie sich
einzeln nur schwer ablösen lassen. Sie sind 1 bis 2 nun hoch
und 400 bis 600 [a breit, zylindrisch, in der Mitte meist etwas
eingezogen, oben halbkugelig abgerundet, ganz glatt, ohne Spur
einer Mündungspapille. An sehr feuchten Standorten sind
sie oft mit einem dichten, schneeweißen, vergänglichen Filz
bedeckt, der nur den obersten Teil freiläßt. Im obersten Teile
ist die Wandung sehr dick, bis 160 bis 190 [a, etwas über der
Fragmente zur Mykologie. 1 äl7
Mitte am dünnsten, etwa 120 (x, unten wird sie wieder dicker.
Sie besteht aus drei distinkten Schicliten. Außen ist eine ganz
dünne, braune, aus undeutlich begrenzten isodiametrischen oder
etwas 'quergestreckten Zellen bestehende. Sie geht allmählich in
die Hauptschichte über, welche fast die ganze Wanddicke der
der Perithecien ausmacht. Diese Schichte besteht aus sehr blaß
rötlich gefärbten, an dünnen Schnitten hyalinen, lückenlos ver-
bundenen, plectenchymatisch verflochtenen, mit einem etwa 2 [x
dicken Lumen versehenen, sehr stark knorpelig-gelatinös ver-
dickten Hyphen. Die innerste Schichte der Wandung entwickelt
sich allmähhch aus der mittleren und besteht aus etwa 4[x
breiten, flachen, sehr zartwandigen, bräunlichen Parenchym-
zellen,'die in ziemlich vielen Lagen stehen. Nach innen zu geht
diese Schichte allmählich in ein farbloses zartes Gewebe über,
aus welchem im unteren Teile des Peritheciums die Asci und
Paraphysen, im oberen Teile die Periphysen entspringen, welche
den obersten Teil der Höhlung bis zum runden, kleinen, etwa
20 bis 25 [i. breiten Ostiolum auskleiden.
Das Innenlumen der Perithecien ist eigentümlich gestaltet.
Die oberen zwei Drittel desselben sind etwa 260 bis 280 [x breit
und bis fast 1 ;;/;// hoch, breit spindelförmig, oben und unten
kegelig zulaufend, in der Mitte bauchig. Daran setzt sich unten
ein kürzerer und schmaler, etwa 80 1>. breiter, zylindrischer
Teil an, der unten stumpflich endigt. Dieser zylindrische Teil
des Lumens ist ebenfalls wie der obere von der braunen Innen-
schichte der Perithecienmembran begrenzt, außerhalb welcher
hier aber das Gewebe der Mittelschichte lockerer und luftreich
wird. Daher löst sich hier die Innenschichte leicht von der
Mittelschichte ab. Man gewinnt den Eindruck, als wenn jeder
Fruchtkörper ein Stroma mit einem einzigen Perithecium wäre,
was aber gewiß nicht der Fall ist. Der zylindrische Teil des
Lumens ist mit einem zarten Hyphengewebe ausgefüllt, in
welchem ein Teil der Asci und Paraphysen entspringt. (Siehe
Tafel, Fig. 2.)
B. fascicnlata wurde bisher zu den eigentlichen Sphae-
riaceen (im engeren Sinne des Wortes) gerechnet. Es ist aber
nach den gemachten Angaben klar, daß sie zu diesen nicht
gehören kann. Die nächsten Verwandten finden sich bei den
118 F. V. Höhne 1,
Sordariaceen und zu diesen muß B. fasciculata gestellt
werden.
Die Sordariaceen im Sinne Winter's (und nicht Schro-
te r's, der die Chaetomiaceen dazu nimmt) zerfallen, was bisher
nicht genügend beachtet wurde, nach dem Baue und der Kon-
sistenz der Perithecienmembran in zwei Gruppen. Bei der
einen Gruppe, in die die Mehrzahl und insbesondere alle kleineren
Formen gehören, ist die Perithecienmembran mehr weniger
dünn, häutig, und besteht aus braunen, parenchymatischen, mehr
weniger dünnwandigen Zellen in wenigen bis vielen Lagen.
Hieher gehören z. B. die von mir diesbezüglich genauer unter-
suchten Arten: Podospora mhmta, curvula, coprophila; Sor-
daria discospora, fimicola; Sporormia minima, leporina,
amhigua.
Die zweite Gruppe der Sordariaceen hat dicke, knorpelige
Perithecienwände von typisch ganz demselben Bau wie B. fas-
ciculata. Auch die Form der Perithecien ist bei den Arten
dieser Gruppe ganz ähnlich wie bei B. fasciculata. Diese
Ähnlichkeit ist schon Auerswald bei einer Art aufgefallen
und Niessl beschreibt bei dieser den eigentümlichen Bau
der dicken Peritheciumwandung in ganz richtiger Weise
(s. Beiträge zur Kenntnis der Pilze, Verh. d. nat. V. Brunn,
X, 1872, p. 37, Taf. VI, Fig. 41 a). Es ist dies die 5. bombar-
dioides Auersw.; ferner gehören in diese Gruppe noch 5. ma-
xima Nssl. (welche wahrscheinlich nur die Forma tetraspora
der vorigen Art ist), dann Podospora appendiculata (Nssl. non
Auersw.) und Podospora ßmiseda (Ges. et de Not). Letztere
Art ist, wie auch Podospora coprophila von Wo ronin genau
beschrieben und schön abgebildet worden (s. de Bary und
Wo ronin, Beiträge zur Morph, u. Biol. der Pilze, III. Reihe,
p. 332 ff., Taf. II bis VI), Er hebt ganz richtig den Gegensatz
im Baue der Perithecienmembran bei diesen beiden Arten
hervor.
Zwischen diesen beiden Gruppen von Sordariaceenarten
mit knorpeliger, dicker und häutiger, dünner Wandung gibt es
insofern Übergänge, als die Dicke der knorpeligen Wände sehr
verschieden ist. Am auffallendsten verdickt ist die Wandung
bei Sordaria bombardioides und 5. maxinia, die sich von
Fragmente zur Mykologie. 1 1"
B.fasciciiJata im Wandbaue gar nicht unterscheiden, sondern
fast nur durch die Sporen.
Wirldiche Übergangsformen, bei welchen zu zweifeln war,
ob sie in die eine oder die andere Gruppe gehören, konnte ich
bisher nicht finden, doch werden sie gewiß vorkommen.
Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß besonders bei
Sordaria homhardioides sich die braune (dritte) Innenschichte
der Wandung oft leicht von der Knorpelschichte ablöst und
dann so wie bei B.fasciailata den Eindruck erweckt, als würde
sie ein eigenes Perithecium sein, das von einem anderen oder
von Stromasubstanz umhüllt ist. Dieser Umstand hat Zukal
(in dem Aufsatze »Über einen merkwürdigen Fall von
plötzlichem Parasitismus bei einem Saprophyten«,
öst. bot. Zeitschrift, 1893, p. 277) zu dem Irrtum verleitet, zu
«klauben, daß die Innenschichte der Wandung von Sordaria
homhardioides ein Perithecium von S. fimicola ist, das m
der ersteren schmarotzt. Die Einsichtnahme in seine diesbezüg-
lichen Präparate zeigte mir, daß es sich tatsächlich um ganz
normale Perithecien von S. homhardioides handelte, deren
Innenschichte sich etwas abgelöst hatte und deutlicher
hervortrat.
Was daher Zukal am angezogenen Orte über den »Kampf«
der beiden Arten miteinander, das Eindringen der einen in die
andere und den Entwicklungsgang des »Schmarotzers« erzählt,
ist Phantasie und Selbsttäuschung, dadurch gefördert, daß die
Sporen beider Arten einander fast gleich sind.
Aus dem Gesagten erhellt ohneweiters, d&Q B.fascicitlata
eine Sordariee ist. Da sich die Sporen der Bomhardia von
denen von Podospora eigentlich gar nicht unterscheiden, so
müssen die beiden Gattungen vereinigt werden. xMan könnte
zwar aus dem Umstände, daß das Anhängsel erster Ordnung
bei B. fasciculata häufig, aber nicht immer, eine Querwand
besitzt, was bei Podospora -Arien niemals vorkommt, einen
Gattungsunterschied konstruieren, doch halte ich es für ganz
irrelevant und zu einer generischen Trennung völlig un-
genügend, ob das Sporenanhängsel ein- oder zweizeilig ist. Da
viele Sordarieen auch auf Holz vorkommen — ich fand auch
Sporormia leporina auf hartem Fagtis -Ho\z — so kann
120 F. V. Höhnel,
auch nicht die verschiedene Lebensweise zur Trennung in zwei
verschiedene Gattungen herangezogen werden.
Auch das bei B. fascicttlata unzweifelhaft vorhandene
Basalstroma genügt hiezu nicht, da etwas Ähnhches auch bei
Sordaria bombardioides vorkommt, wenn diese in kleinen
Rasen wächst.
In nomenklatorischer Beziehung ist zu bemerken, daß die
Gattung BojJibai^dia von Fries 1849 (in Summa vegetab. Scand.,
p. 389) begründet wurde, während die Gattung Podospora
Ges. sich erst in Hedwigia, I, p. 103, erwähnt und auf Tafel XIV,
Fig. Ibis 11, abgebildet findet; sie ist daher erst nach dem
Jahre 1852 publiziert.
Der Name Bombardia ist daher der ältere und muß an
Stelle von Podospora gesetzt werden.
B. ambigiia (Sacc.) und dessen Varietät carbouaria
Rehm hat dünnwandige^ häutige Perithecien und wird am
besten als Lasiosphaeria betrachtet werden, wo ähnliche
Formen vorkommen.
118. Amphisphaeria nitidula n. sp.
Perithecien oberflächlich, zerstreut oder in kleinen Rasen,
kugelig, mit 20 bis 25 ji breitem, flachem Ostiolum, ohne Mün-
dungspapille, glänzend schwarz, kohlig, derb, deutlich rugulös,
260 bis 500 [x breit. Paraphysen sehr zahlreich, fädig, die Asci
nicht überragend; Asci sehr zahlreich, keulig, nach oben ver-
schmälert, unten allmählich in einen etwa 20 bis 25 [j. langen
Stiel übergehend, achtsporig, 60 5::; 8 bis 9 [j.; Sporen zweireihig,
lange hyalin bleibend, zuletzt blaßgraubräunlich, zweizeilig,
mit dunkler Querwand, an dieser nicht eingeschnürt, länglich
elliptisch, beidendig abgerundet, anfänglich mit einigen Öl-
tröpfchen, dünnwandig, 6 bis 8^3 bis 4 [j..
Auf morschem Holz von Carpinus Betiilus im Viehoferin-
walde bei Heizawinkel im Wienerwalde, September 1906.
Der Pilz nimmt durch seine lange h3^alin bleibenden Sporen
eine Zwischenstellung zwischen Amphisphaeria und Melano-
psatmna ein. Auch mit einigen Zigiioella-Arten mit schließlich
zweizeiligen Sporen (die eigentlich zu Melanopsaimna gehören)
1 9 1
Fragmente zur Mykologie. J- -' -^
zeigt er Verwandtschaft. Mit keiner der sehr zahlreichen Arten
dieser drei Gattungen ist er zu identifizieren. Am meisten
scheint er mit .4. sardoa (de Not.) und A. deformis E. et L. ver-
wandt zu sein.
119. Melanopsamma hypoxyloides n. sp.
Perithecien auf weithin geschwärztem Substrat einzeln
oder meist dichtrasig, oberflächlich sitzend, halbkugelig bis
eikugelig, mit breiter Basis fest angewachsen, kahl, schwarz,
hartkohlig, glänzend, derbwandig, mit kleiner, glänzender, oft
obsoleter Mündungspapille, häufig schwach konzentrisch
gefurcht, 900 bis 1000 [j- breit und hoch. Paraphysen sehr zahl-
reich, die Asci überragend, 1 [xdick; Asci zahlreich, zylindrisch,
oben abgerundet und dickwandig, unten in einem ziemlich
langen Stiel allmählich verschmälert, achtsporig, 150 bis 160 ^ 6
bis 7 [JL. Sporen hyalin, zweizeilig, zartwandig, spindelförmig,
beidendig spitz, an der Querwand nicht eingeschnürt, gerade,
18 bis 32 « 3 bis 31/2 (meist 20 bis 24 « 3) [x, im Ascus zwei-
reihig Hegend.
Auf morschem Holz.
Samoa-Inseln, Urwald bei Utumapu, leg. Pechinger
1905.
Eine sehr charakteristische Form, die äußerhch an Hypo-
xylon erinnert.
120. Pleosphaeria malacoderma n. sp.
Perithecien oberflächlich, gesellig, kugelig, schwarz, 140
bis 200 [X. Membran sehr dünn, durchscheinend, schwärzlich
rauchgrau, aus 3 bis 4 (x breiten, eckigen Parenchymzellen be-
stehend. Basis mit hellbraunen, septierten, 2 [j. breiten Hyphen;
ringsum dicht mit steifen, schwarzen, einzelligen, spitzen,
45 bis 60 i^ 2 bis 5 [x großen Borsten bekleidet. Paraphysen
fehlend, Asci wenig zahlreich, verschieden gestaltet, meist
unregelmäßig keulig-eiförmig, unten stielartig verschmälert,
55 bis 66 « 26 bis 29 [x, achtsporig. Sporen geballt, olivengrün,
im Alter graubräunlich, durchscheinend, im Querschnitte rund,
122
F. V. Hühnel,
unregelmäßig eckig, vielzellig, mit zirka sieben bis neun Quer-
wänden und mehreren Längswänden, eiförmig, gegen das eine
Ende zu etwas schmäler, 16 bis 18 ^ 10 bis 12 [x. Ostiolum
fehlend.
An altem Polyporus noduIosusFr. {= polymorphtis Ro stk.)
in Gesellschaft von Nectria cosmariospora und Botrytis n. sp.
am großen Stiefelberge im Wienerwalde, Mai 1904.
Eine höchst charakteristische Form, gut von allen be-
kannten verschieden.
121. Pleosphaeria sylvicola n. sp.
Perithecien kugelig, oberflächlich, schwarz, dünnhäutig-
kohlig, zerstreut, 200 bis 260 [x breit, dicht mit schwarzen,
spitzen, steifen, nicht oder undeutlich septierten, 40 bis 70 ^ 4 [j..
großen Borsten versehen. Paraphysen spärlich; Asci zylindrisch
oder keulig, achtsporig, zirka 100 ^ 10 bis 16 {x. Sporen 1- bis
IV2 reihig, aus dem schmutzig-olivengrünen bräunlich, mit fünf
bis acht Querwänden und ein bis zwei unvollständigen Längs-
wänden, elliptisch, nach beiden Enden etwas verschmälert,
beidendig abgerundet, meist 17 bis 20 ^ 8 bis 9 jx.
An morschem Stammholz von Fagiis syluatica am Sattel-
berge bei Preßbaum im Wienerwalde, August 1906.
Ist mit P. quercinciFcit und P. puJveracea Mout. verwandt,
doch nach den Diagnosen zu urteilen, sicher verschieden.
122. Physalospora Hoyae n. sp.
Perithecien schwarz, punktförmig, einzelnstehend oder
meist zu mehreren oft linienartig aneinanderstoßend, auf beiden
Blattseiten an verbleichten Stellen meist unregelmäßige, 3 bis
4: mm breite Herden bildend, die oft zusammenfließen. Peri-
thecienrnembran sehr dünn und weich, blaßbräunlich. Perithecien
kugelig, mit der flachen Mündungspapille vorbrechend, 120 bis
180 |x groß. Asci keulig, sitzend, oben abgestutzt, dünnhäutig,
achtsporig, 60 bis 90 ^ 12 bis 15 jx; Paraphysen dickfädig, zart-
häutig, mit vielen kleinen Öltropfen versehen, 3 |x dick, bald
verschleimend. Sporen zweireihig, hyalin, dünnwandig, einzellig,
Fragmente zur Mykologie. 1-^<J
mit reichlichem homogenen oder feingranulierten Inhalte, meist
elliptisch oder etwas keulig, beidendig abgerundet oder an dem
verschmälerten Ende spitzlich, 16 bis 23 ^ 6V2 bis 8 [X, Jod gibt
keine Blaufärbung.
Auf dürren Blättern von Hoya sp.
Samoa-Inseln: Apiaberg (Dr. Rechinger).
Die Art, welche durch die eigentümliche Art der Anordnung
der Perithecien, die oft eine fast dendritische ist, auffällt,
scheint mit Ph. affmis Sac c. et D. Sacc, die auf einer Apocynee
wächst, am nächsten verwandt zu sein.
Auf denselben Blättern wuchs auch Gloeospor.ium afßrte
Sacc, gut mit Ellis und Ev., F. Columb., Nr. 291, überein-
stimmend. Die Sporen dieser Art sind meist 6 bis 8 [x breit und
nicht 4 bis 6 \)., wie überall angegeben wird. Statt GL affine in
Thümen, Herb. myc. oecon., Nr. 730, zeigte sich mir nur ein
unreifer Ascomycet; ebenso fand ich an meinem Exemplar von
D. Saccardo, Myc. italica, Nr. 1561, nur eine Pestalozda und
kein Gloeosporhim.
123. Physalospora Fagraeae n. sp.
Perithecien schwarz, derb dunkelbraunhäutig, kugelig,
etwas vorspringend, häufig von einem weißen schmalen Ringe
begrenzt, 150 bis 200 \x breit, mit rundlichem, flachem, zirka
32 [X breitem Ostiolum, ohne Fleckenbildung die ganze Blatt-
unterseite gleichmäßig zerstreut dicht bedeckend. Paraphysen
fädig, verschleimend. Asci zahlreich, keulig, kurzknotig gestielt,
mäßig dickwandig, nach oben verschmälert, achtsporig, gerade
oder gekrümmt, 50 bis 80 ^ 10 bis 13 [x; Sporen IVg- bis 2 reihig,
hyalin, zartwandig, mit homogenem oder feinkörnigem Inhalt,
ohne Öltröpfchen, länglich bis fast spindelförmig, gerade, beid-
endig stumpflich, 18 bis 23 ^ 5 bis öVg [x.
An der Blattunterseite von Fagraea sp. (Loganiaceen).
Samoa-Inseln, Berggipfel bei Utumapa (Dr. Rechinger,
1905).
124. Didymella Passiflorae n. sp.
Perithecien dicht herdenweise auf undeutlichen, ver-
grauten, allmählich verlaufenden und zusammenfließenden
124 F. V. Höhnel,
Flecken auf der Blattunterseite, schwarz, punktförmig, 50 bis
65 [X breit, eikugelig mit breiter Mündungspapille; Gewebe
dunkelbraunzellig, Paraphysen spärlich, dickfädig. Asci wenige,
dickkeulig, meist gekrümmt, nicht gestielt, ziemlich derbwandig,
28 bis 30 ^ 10 [1. Sporen zu acht, zwei- bis dreireihig, hyalin,
zweizeilig, obere Zelle meist etwas breiterund manchmal etwas
kürzer, länglichkeilig, 8 bis 10^2 bis 2^/^ \x.
Auf der Blattunterseite von kultivierter Passiflora sp.
Samoa-Inseln, Upalu: Motootua (Dr. Rechinger).
Eine sehr kleine Form, die wegen der sehr spärlichen
Paraphysen einen Übergang zu Mycosphaerella bildet. Leider
waren nur wenige reife Perithecien zu finden.
125. Anthostoma Cocois n. sp.
Stromata eingewachsen, dünn, ausgebreitet, schwarze,
längliche, glänzende, verschieden große, oft zusammenfließende
Flecken bildend. Oberfläche glatt, von den etwas flach-
gedrückten, locker einzelnstehenden, seltener zu zwei bis
drei einander genäherten, zirka 300 [i breiten, nur wenig vor-
ragenden Perithecien mit meist etwas längsreihig angeordneten,
flachen, glänzenden, von den nicht vorragenden Ostiolen
durchsetzten Warzen besetzt. Peritheciumwände dick, kohlig.
Paraphysen zahlreich, fädig, mit vielen Öltröpfchen versehen,
verschleimend. Asci zylindrisch, monostich-achtsporig, 80 bis
90 «372 bis 4 [X. Sporen durchscheinend violettbraun, einzellig,
länglich-elliptisch, oft etwas einseitig abgeflacht, beidendig
etwas verschmälert und stumpflich oder wenig spitz, 7 bis
10 ^ 2V2 bis 3 [x.
An dürren Blattstielen von Cocos micifera.
Samoa-Inseln: Malife (Dr. Rechinger).
Unter den auf Ccx^os-Blättern vorkommenden Anthostoma-
Arten scheint am nächsten A.versicoJor '^ia.rb. verwandt zu sein.
126. Über Coronophora thelocarpoidea v. H.
Seitdem ich diese Form beschrieben hatte, fand ich dieselbe
nochmals, und zwar am Kolbeter im Wienerwalde an einem
Fragmente zur Mykologie. 1 -^^
morschen, entrindeten Eichenast. Obwohl ich auch bei diesem
Exemplare zunächst die Asci stets ganz mit zahlreichen äußerst
kleinen Sporen erfüllt sah, tauchten in mir doch Bedenken über
die Stellung des Pilzes auf, denn die sehr zahlreichen Perithe-
cien waren alle ganz oberflächlich und es war daher höchst
unwahrscheinlich, daß der Pilz, trotzdem sein Perithecieninhalt
ganz der Gattung CoronopJiora entsprach, in diese Gattung
gehört. Nach längerem Suchen fand ich nun in der Tat einige
und dann auch in dem früher (1905) gefundenen Exemplare
mehrere Asci mit fast unsichtbar hyalinen, mauerförmig geteil-
ten Sporen, welche zahllose spermatoide Sporen entwickelten,
die den Schlauch so anfüllten, daß die wahren Sporen ganz ver-
deckt blieben. Danach ist der Pilz eine Rhamphoria.
Aus verschiedenen Gründen halte ich es nicht für unmög-
lich, daß es sich auch mit Coronophora Nitschkei S&cc. (,^=^
Calosphaeria myriospora Nitschke) ähnlich verhält. Nach
Nitschke's Beschreibung könnte es sich auch hier um sper-
matoide und nicht allantoide Sporen handeln. Da der Pilz seit
Nitschke nicht mehr gefunden wurde und mir das Original-
exemplar desselben nicht zugänglich war, konnte ich diese Frage
nicht entscheiden (siehe diese Fragmente, Nr. 162).
Der von mir gefundene Pilz hat daher Rhamphoria thelo-
carpoidea v. H. zu heißen. Er ist mit Rh. tympaiiidispora Rehm,
die auch zahlreiche spermatoide Sporen entwickelt, nahe ver-
wandt, letztere Art hat aber einen deutlichen Schnabel, der fast
ebenso lang ist als der Durchmesser des Peritheciums, dieses
ist mit 0-5 mm auch größer und die spermatoiden Sporen sind
fast kugelig.
Bei meinem Pilze sind die wahren Sporen einreihig im
Ascus, sind zirka 27 ^ 7 [x groß und haben etwa acht bis elf
Querwände, sie sind im oberen Teile breiter und unten stark
verschmälert. Da bei den dyctiosporen Pyrenomyceten die
Sporen nach meiner Erfahrung äußerst variabel sind, so ist es
nicht unmöglich, daß beide, einander jedenfalls nahestehende
Arten zusammengehören, was nur durch die vergleichende
Untersuchung festgestellt werden könnte.
126 F. V. Höhnel,
127. Über Pseudovalsa profusa (Fr.) Winter.
In der »Flora italica cryptogama«, Pars. 1 : Fungi, Vol. II,
p. 298, hat Traverso die obige Art als Aglaospora pro-
fusa (Fr.) de Not. in eine eigene Gattung gestellt und von
Pseudovalsa abgetrennt. Zur Begründung dieses Vorganges
führt derselbe neben dem ausgebreiteten Stroma und den meist
viersporigen Asci den Mangel einer Nebenfruchtform an,
welche bei Psetidovalsa (häufig als Coryneum) vorhanden ist.
Dieses letztere Moment fällt aber jedenfalls weg. Denn es
kann keinem Zweifel unterliegen, daß die von Oudemans
(Nederl. Kr. Arch., 3. Serie, II, 4. SuppL, p. 1120) beschriebene
Stilhospora Robiniae Oud. eine Nebenfruchtform von Pseudo-
valsa profusa ist. Wie die Taf. XIII, Fig. 6, zeigt, sind die Co-
nidien der St. Rohiuiae den Sporen der P. profusa, die bekannt-
lich eine äußerst charakteristische Form haben, täuschend
ähnlich. Sie haben auch mit 35 bis 56 «9 bis 10 jx fast die-
selbe Größe und sind nur etwas schmäler. Bei der Gleichheit
des Substrates kann daher an der Zusammengehörigkeit der
beiden Formen nicht gezweifelt werden.
Da die beiden anderen Unterschiede zwischen Aglaospora
und Pseudovalsa wohl nicht zur Trennung der beiden Gattun-
gen genügen, dürfte es wohl richtiger sein, sie wie bisher als
eine zu betrachten. Wie Traverso ganz richtig bemerkt, ist
der Name Aglaospora älter als Pseudovalsa und daher der
anzuwendende.
128. Wettsteinina n. g. (Siehe Taf., Fig. \a—e)
Stroma klein, rundlich oder scheibenförmig, eingewachsen,
nach Abvvurf der Epidermis frei, schwarz, peritheciumähnlich,
aus polyedrischem Pseudoparenchym bestehend. Loculi wenig
zahlreich, in einer Schichte angeordnet, je einen eiförmigen,
achtsporigen Ascus enthaltend. Sporen hyalin, zweizeilig;
Zellen ungleich groß, mit einer bis drei innen wenig vorspringen-
den Ringleisten versehen und hiedurch scheinbar geteilt.
Wettsteinina gigaspora n. sp.
Stromata zerstreut, unter der Epidermis eingewachsen,
nach Abwurf derselben frei, rundlich scheibenförmig, oben
Fragmente zur Mykologie. 1^'
meist etwas eingedrückt, in der Mitte mit kleiner abfallender
Papille, kohlig, glänzend schwarz, 500 bis 700 [x breit, 260 [x
dick, mit einer 10 bis 12 jx dicken, aus zwei bis drei Zellagen
bestehenden schwarzen Rindenschichte. Gewebe aus gegen die
Oberfläche zu kleineren, dünnwandigen, polyedrischen, isodia-
metrischen, bis 30 (JL breiten, dunkelwandigen Zellen bestehend.
Hypothecium 60 bis 70 [jl dick, steriles Gewebe des Umfanges
150 bis 200 [x dick. Loculi zu etwa fünf bis sechs in der Mitte
in einer Lage angeordnet, unregelmäßig eiförmig, durch dünnere
oder dickere, aus hyalinen, oft etwas gestreckten Zellen be-
stehende Scheidewände voneinander getrennt, je einen bis
15 [X dickwandigen, unregelmäßig eiförmigen, meist acht-
sporigen, 180 bis 240« 120 bis 140 [x großen Ascus enthaltend.
Sporen conglobiert, hyalin, beidendig abgerundet, bis 1 20 5:::^ 44 [j.
groß, zweizeilig. Obere Zelle kürzer und etwas breiter. Sporen-
membran zweischichtig, innere Schichte dünn, in jeder Zelle
mit zwei nach innen wenig vorspringenden Ringleisten, die
Querwände vortäuschen, versehen; äußere Schichte etwas ver-
quellend, etwa 8 jj- dick. Sporeninhalt reichlich, feinkörnig.
An dürren, hohlen, monocotylen Stengeln bei Gurschewy
und Cej in Rumänien, leg. Loitlesb erger, 1897.
Einen ganz ähnlichen Pilz fand ich an einem 1899 bei
Tumpen im Ötztal (Tirol) gesammelten Blatte von Myosotis
alpestris, mit ebenso großen Sporen, deren obere Zelle jedoch
stets nur eine Ringieiste (während die untere zwei hat) auf-
weist. Er dürfte daher spezifisch verschieden sein. Zur sicheren
Entscheidung fehlt das nötige Material.
Eine höchst bemerkenswerte Form, die am nächsten mit den
Dothideaceen verwandt ist, sich jedoch von allen bekannten
Gattungen dieser durch die nur je einen Ascus enthaltenden
Loculi unterscheidet, wodurch sich dieselbe eigentlich als
Phymatosphaeriacee (= Myriangiacee) erweist, mit welchen
sie aber sonst keine nähere Verwandtschaft erkennen läßt. Es
scheint eine Art Grundform zu sein, welche auch Beziehungen
zu den Sphaeriaceen und Discomyceten erkennen läßt. Mit
den Phymatosphaeriaceen scheint der Pilz nicht näher verwandt
zu sein; es gibt zv^^ar hieher gehörige Formen mit in nur einer
Schichte liegenden Asci, aber dieselben haben einen ganz
128 F. V. Höhnel,
anderen Bau. Der Pilz ist jedenfalls als Dothideacee aufzufassen,
die in enger Beziehung zu den Phacidieen stehen.
Da dieser Pilz einer einfachen Sphaeriacee täuschend
ähnlich ist, so war anzunehmen, daß hieher gehörige Formen
schon öfter gefunden und ohne näheres Studium als Sphaeru-
lina-, Metasphaeria- odtev Massarina-Axien beschrieben wurden.
Nach einigem Studium war es mir wahrscheinlich, daß
Sphaerulina CalUsta Rehm, SpJi. pachyasca (NssL), Sph.
Callista Rehm var. Vossi Rehm, Spli. Aniiae Oud., Lepto-
sphaeria mirahilis NssL, Massarina gigaiitospova Rehm
und vielleicht auch Massarina Talae Speg. hieher gehören
könnten.
Nachdem Herr Dr. Rehm in München die Freundlichkeit
hatte, mir vier Originalexemplare dieser Formen zuzusenden,
konnte ich mich davon überzeugen, daß bezüghch dieser meine
Annahme richtig war.
Obwoiil die Stromata dieser Pilze sehr klein (zirka 200 [Jt
breit) und noch peritheciumähnlicher als bei Wettsteinina
gigaspora sind, lehren Quer- und Axialschnitte durch dieselben
doch, daß derselbe Bau vorliegt, freilich wegen der Kleinheit
der Stromata in vereinfachter Weise. Dementsprechend fehlt
auch ein wirkliches Ostiolum mit Periphysen und findet die
Öffnung der mit einer Papille versehenen Stromata durch Ab-
brechen dieser Papille statt.
Zwei der Rehm'schen Originalexemplare, nämlich Sphae-
rulina Callista Rehm var. Vossi Rehm (auf dürren Blättern
von Canipamila caespitosa bei Laibach) und Massarina gigan-
tospora Rehm (a.uf Genistasagittalis hei Adelsbevg in Krain),
sind miteinander äußerst nahe verwandt und haben genau die-
selben Sporen wie Wettsteinina gigaspora, aber nur -/s'^i^^
so groß.
Diese beiden Formen müssen in die Gattung Wettsteinina
eingereiht werden.
Die beiden anderen Rehm'schen Originalexemplare,
nämlich Spliaerulina Callista Rehm {axii Alsine?, Pitztal, Tirol)
und Spli. Callista Rehm (auf dürren Blättern von Canipannla
Scheuclizeri von Neumarktl in Krain) haben zwar denselben
Stromabau, aber sechs- bis siebenzellige Sporen.
Fragmente zur Mykologie. 129
Sie müssen in eine eigene Gattung, die ich Pseudosphaeria
nenne, gestellt werden.
Es ist gewiß, daß noch manche andere als Sphaeriaceen
beschriebene Formen hieher gehören werden. Auch solche mit
ganz anderen Sporen.
Alle diese Formen bilden durch ihre kleinen perithecien-
ähnlichen Stromata mit den einascigen Loculi eine sehr gut
abgegrenzte, eine Mittelstellung zwischen den Sphaeriaceen,
Dothideaceen und Phymatosphaeriaceen einnehmende Familie,
die mit dem Namen Pseudosphaeriaceen bezeichnet
werden kann. Vorläufig gehören in diese Familie zwei Gat-
tungen.
Pseudosphaeriaceae v. H.
Stromata klein, eingewachsen, peritheciumähnlich, mit
mehreren nebeneinander stehenden Loculi, die je einen Ascus
enthalten.
1. Wettsteinina v. H. (wie oben).
1. W. gigaspora v. H. (wie oben).
2. W. Vossi (Rehm) v. H. (= SphaeruUna CalUsta var.
Vossi Reh m).
3. W. gigantospora (Rehm) v. H. (Rehm sub Mas-
sarina).
2. Pseudosphaeria v. H.
Wie Wettsteinina, aber Sporen durch Querteilung mehr-
zellig.
1 . Pseudosphaeria CalUsta (R e h m) v, H. (R e h m als Sphae-
ruUna).
129. Phyllachora dolichogena (Berk. et Broome) Sacc.
Stromata blattoberseits, sehr vereinzelt blattunterseits,
200 bis 300 [i breit, rundlich, kohlig-schwarz, glänzend, fast
halbkugelig vorspringend, nur ein Perithecium enthaltend, nur
oberseits derselben in Form eines derben Clypeus entwickelt,
in 1 bis 2 inm breiten, rundlichen, oft zusammenfließenden
Gruppen oder Herden das ganze Blatt dicht bedeckend, oft zu
Sitzb. d. mathem.-natunv. Kl. ; CXVI. Bd., Abt. I. 9
130 F. V. Höhnel,
zwei bis vier miteinander verschmelzend. Einzelne Gruppen
aus wenigen bis 15 Stromata bestehend, Perithecien rundlich,
nach oben breit kegelförmig, oben kohlig, mit dem Clypeus ver-
schmolzen, unten weicher, schwarzbraunhäutig, 160 bis 300 [l
breit, 200 bis 240 [j. hoch. Paraphysen zahlreich, fädig, oft ver-
zweigt. Asci unregelmäßig zylindrisch-keulig, sitzend oder kurz
gestielt, dünnwandig, 53 bis 80^ 10 bis 16 [i, meist achtsporig,
Sporen ein- bis zweireihig, meist querliegend, hyalin, zart-
wandig, unregelmäßig eiförmig bis abgerundet kurzzylindrisch,
mit feinkörnigem Inhalt, einzellig, 10 bis 13^6^3 bis Qi/o |x.
An Blättern von Dolichos Lablab L.
Samoa, am Strande der Insel Upolu (Dr. Rechinger).
Ich halte die obige Form für die von Berkeley und
Broome als Dotliidea beschriebene. Da eine nähere Beschrei-
bung derselben fehlt, gab ich die obige. Es ist zweifellos eine
Phyllacltora, obwohl das Stroma nur einen dicken Clypeus
bildet und noch weniger entwickelt ist als bei Pli. Crotonis
Cke. und Ph. Cytharexyli (Rehm.) v. H. Zu Trabiitüi oder
Physalospora können diese Formen nicht gestellt werden, ob-
wohl sie zweifellos Übergänge zu diesen Gattungen darstellen.
130. Dothidella Musae n.sp.
Stromata hypophyll, dicht herdenweise oder stellenweise
zu 1/3 bis 1^/2 iimi breiten, rundlichen oder unregelmäßigen,
dichthöckerigen Krusten zusammenfließend, sehr klein, bis etwa
250 |x breit, schwarz, schwach glänzend, mit einem bis 180 [x
breiten Loculus. Paraphysen spärlich, dickfädig. Asci keulig,
oben abgerundet, sitzend, achtsporig, 40 bis 60^9 bis 10 [x.
Sporen zweireihig, hyalin, in der Mitte nicht eingeschnürt-
septiert, an den Enden spitz oder stumpflich, gerade oder etwas
gekrümmt, 14 bis 16 :::^ 4 bis 4^/^ \i.
Auf einer Blattseite (wahrscheinlich unterseits) von Mnsa
paradisiaca.
Samoa-Inseln, Upolu bei Apia (Rechinger).
Eine durch die kleinen, schwach entwickelten Stromata
bemerkenswerte Form. Leider ist das Exemplar fast zur Gänze
überreif und fand ich nur ein paar gut entwickelte Stromata.
Fragmente zur Mj-kologie. 131
131. Homostegia graminis n. sp.
Stromata etwa 300 [x groß, rundlich oder länglich, schwarz,
eingewachsen, auf beiden Blattseiten sichtbar, doch oberseits
besser entwickelt, mit ein bis zwei rundlichen, 100 bis 200 [x
breiten Loculi. Paraphysen bald verschleimend; Asci dünn-
wandig, keulig, sitzend, achtsporig, 60 bis 72 ^ 5 bis 6 |x; Sporen
zweireihig, hyalin, meist sechszellig, fast spindelförmig, oben
abgerundet, unten lang zugespitzt, 15 bis 18 ^ 3 [jl.
Zusammen mit PhyJIachora graminis (P.) an Grasblättern
{Pafiicnui?).
Samoa-Inseln (Dr. Rechinger).
Da sich die HouiostegiaS\.xomeii?i von denen der häufigeren
PJtyllacliora nicht unterscheiden ließen, wurde auch unter-
sucht, ob es sich hier nicht um einen in der Pliyllachora
schmarotzenden Pyrenomyceten handelt. Doch konnte an dem
ziemlich spärlichen Material nichts gefunden werden, was hiefür
sprechen würde.
132. Hysterium samoense n. sp.
Apothecien oberflächlich, dicht herdenweise, linienförmig,
schwarz, meist wenig verbogen, ^/^ bis 1 mm lang, häufig bis
zu 3 mm lang zusammenfließend, 50 bis 120 [x breit, beidendig
spitz, zirka 80 [x hoch, schwarz, kohlig, mit schmaler Längs-
spalte aufreißend und die schwarzbraune Fruchtscheibe ent-
blößend. Paraphysen dick, steif, ein violettbraunes Epithecium
bildend. Asci eiförmig, oben stark verdickt, 32 i=; 16 [x, bis acht-
sporig. Sporen mehrreihig, lange hyalin, dann olivenbraun,
durchscheinend, länglich-keulig, beidendig abgerundet, vier-
bis fünfzellig, an den Querwänden nicht eingeschnürt, die
beiden Endzellen meist größer, 15^5 [x groß.
An hartem Holze.
Samoa-Inseln : Upolu, Leolomuenga (Dr. Rechingerl 905).
Eine durch die schmalen Apothecien sehr auffällige Form.
133. Orbilia botulispora n. sp.
Apothecien gesellig, breit angewachsen, flach mit auf-
gebogenem Rande, dottergelb, trocken ockergelb, wässerig-
9*
132 F. V. Höhnel,
fleischig, 0-3 bis 1*4 min breit, bis 400 [x dick. Hypothecium
zweischichtig; obere Schichte klein und flachzelHg parenchyma-
tisch, dünn, so wie das H^^menium dottergelb, untere Schichte bis
über 300 (x dick, blaßgelblich, aus zartvvandigen bis 20 jj. großen
isodiametrischen, polygonalen Parenchymzellen aufgebaut.
Excipulum parenchymatisch, gegen den Rand aus kleineren,
prismatischen Zellen bestehend. Paraphysen sehr dünn, oben
mit kugeligem, gelbem, 3 [x breitem Köpfchen. Asci oben am
breitesten, nach unten zylindrisch-keilig verschmälert, 30 bis
36^^272 ^^^2 !^' achtsporig; Sporen meist einreihig, würstchen-
förmig, fast halbkreisförmig gekrümmt, 2 bis 3 ^ 1 [j,, im Ascus
meist gleichsinnig orientiert.
An stark vermorschtem Fagtis-Holz, bei Rekawinkel im
Wienerwalde, August 1906.
Ist eine ganz typische Orbilia, durch das sehr dicke Hypo-
thecium und insbesondere die Form der Sporen von den bisher
beschriebenen Formen ganz verschieden. Orbilia ist bekannt-
lich durch das Vorkommen von sehr verschieden gestalteten
Sporen ausgezeichnet.
134. Hyalinia crenato-marginata v. H. n. sp.
Apothecien oberflächlich, gesellig, sehr dünn, flach, fast
hyalin, gelblichweiß, trocken blaßrosa, rundlich, 320 bis 630 [x
breit, breit aufsitzend. Excipulum aus zartwandigen Parenchym-
zellen von 8 bis 12 jx Breite aufgebaut, die gegen den Rand
kleiner werden. Rand mit 8 bis 12 etwa 30 [x hohen, 30 bis
120 [X breiten, gelblichweißen, stumpfen oder quer abge-
schnittenen, aus einzelligen, parallelen, stumpfen, mit einer
wachsartigen Masse verklebten Haaren bestehenden Zähnen
besetzt. Asci achtsporig, keulig, sitzend, 25 i:; 3 bis 4 [x; Para-
physen einfach fädig, 1 bis 2 [x dick, oben mit flachem Köpfchen.
Hymenium mit cuticulaartiger, dünner, wachsartiger Schichte
überzogen. Sporen hyalin, fadenförmig, S-förmig oder wurm-
förmig verbogen, an einem Ende etwas dicker und abgestumpft,
am anderen spitz auslaufend, 6 bis 8 ^ Yg bis 1 [x.
An stark vermorschten Laubholzstrünken im Wienerwald,
Moosgrund im Haltertale (1904), bei Judenau (1906).
Fragmente zur Mykologie. 133
Boudier (Bull, mycol., I, p. 114) trennt von Orbilia mit
Recht die beiden Gattungen Cheilodonta und Hyalinia ab, welche
durch den gezähnten Rand ausgezeichnet sind, während Orbilia
ganzrandige Apothecien hat.
Während Cheilodonta sich von Orbilia durch die
ursprünglich geschlossenen Apothecien und die mit einer oben
zugespitzten, keuligen Verbreiterung versehenen Paraphysen
etwas weiter entfernt, ist Hyalinia von Orbilia nur durch die
Randzähne verschieden. Boudier gibt zwarnoch an, daß bei
Hyalinia die Paraphysen fädig sind (ohne Köpfchen), während
sie bei Orbilia köpfig sind, allein dieser Unterschied ist nicht
stets zutreffend.
Der beschriebene Pilz unterscheidet sich von En-Orbilia
tatsächlich nur durch den mit Zähnen besetzten Rand. Die
eigentümliche Masse, welche die Verklebung der Haare, aus
welchen die Zähne bestehen, bewirkt, ist in absolutem Alkohol
unlöslich, wird daher nicht harzartiger, sondern eher wachs-
artiger Natur sein. Dieselbe Masse überzieht in äußerst dünner
Schichte das ganze Hymenium. Hier wird sie von den oben
etwas abgeflachten Paraphysenköpfchen abgeschieden, welche
daher oft miteinander verklebt sind.
Ganz derselbe Überzug des Hymeniums kommt bei allen
mir bekannten Orbilia-Arten vor. Derselbe ist für diese Gattung
charakteristisch, scheint aber bisher nicht beachtet worden
zu sein.
135. Über Patellaria (?) Urceolus Fe kl.
Dieser eigentümliche, von Morthier bei Neuchätel im
Jura an dürren Ästen von Rtibtis im Frühjahre gefundene, wie
es scheint, sehr seltene Pilz ist seiner Stellung im System
nach sehr zweifelhaft.
Fuckel (Symb. mycol., II. Nachtr., p. 54) stellte ihn
als fraglich zu Patellaria. Saccardo (Syll. fung., VIII, p. 784)
wies ihm den Platz bei Patellea an. Rehm (Hysteriac. und
Discomyc, p. 732) betrachtet ihn als Phialea, jedoch mit
Zweifeln.
Da ich nun in den Fungi rhen. sub. Nr. 2474 ein sehr
schönes Originalexemplar desselben besitze, war ich in der
Lage, ihn genauer zu untersuchen.
134 F. V. Höhnel,
Die Apothecien stehen oberflächlich und sind kurz und
dick gestielt; der Stiel ist etwas niedriger wie breit und etwa
von der halben Länge des ganzen Pilzes. Dieser ist schwarz,
glatt, etwas glänzend, trocken fest, hornartig, naß weich,
knorpelig. Er ist fast ganz aus parallelen Hyphen, also pros-
enchymatisch aufgebaut. Der Stiel besteht aus einem etwa den
dritten Teil seiner Dicke einnehmenden axilen Teil, der aus
sehr zarten und dünnwandigen, kaum 1 bis 2 [j. dicken,
parallelen Hyphen aufgebaut ist, und aus einer dicken festen
Scheide, die aus sehr dickwandigen, gelatinösen, dicht
plectenchymatisch verflochtenen Hyphen besteht. Mit Aus-
nahme einer verkehrt kegelförmigen, unterhalb der Mitte der
Hymenialschichte in der Achse gelegenen, aus ganz locker ver-
flochtenen, dünnwandigen Hyphen bestehenden, sehr luft-
reichen Partie ist das ganze Gewebe des Pilzes dicht frei von
Zwischenzellräumen.
Die Fruchtscheibe ist anfänglich geschlossen, eiförmig bis
kugelig, später entsteht oben eine rundliche Öffnung, die nicht
sehr groß wird, so daß die Fruchtscheibe stets mehr weniger
krugförmig bleibt. Das Excipulum ist bis zum stumpfen, abge-
rundeten Rande überall fast gleich, im gequollenen Zustande
etwa 120 bis 140[x dick und besteht aus lauter parallelen, bogig
nach außen gekrümmten Hyphen, die, da sie stark gallertig
verdickt sind, wie in einer Gallerte eingebettet erscheinen.
Diese Hj'phen stehen mit ihren Enden fast überall senkrecht
oder schief zur äußeren Oberfläche des Excipulums und sind
daselbst stumpf. Sämtliches Gewebe des Pilzes ist mehr oder
weniger rauchbräunlich gefärbt. Die krugförmige Fruchtscheibe
ist gegen das Excipulum durch eine dünne, dunklere, aus
parallelen Hyphen bestehende Schicht scharf abgegrenzt.
Das Hymenium ist weit hinauf, also nicht bloß am Grunde
der Fruchtscheibe gut entwickelt und besteht aus sehr zahl-
reichen, gar nicht verquellenden, steifen, 1 [x dicken, nach oben
sehr allmählich auf 2V.^ [Jt, Dicke anschwellenden, oben
stumpfen und bräunlichen Paraphysen. Die Asci sind keulig,
oben quer abgestumpft, nach unten sehr allmählich lang gestielt,
130 bis 140 =; 9 bis 10 [x, achtsporig. Sporen 1- bis 1 V2 reihig,
Fragmente zur Mykologie. l"^"^
hj^alin, erst elliptisch und einzellig, dann beidendig spitz, zwei-
zeilig, 12 bis 16^-^8[x.
Aus dieser Beschreibung geht ohnevveiters hervor, daß es
sich um eine Bulgariacee handelt. Unter diesen kann er nur in
die Gattung Coryiie eingereiht werden, deren Arten pros-
enchymatisch aufgebaut sind und wo auch Formen mit zwei-
zeiligen Sporen vorkommen.
Will man daher den Pilz nicht in eine eigene neue Gattung
stellen, was er vielleicht verdient, so muß er Coryiie Urceolus
(Fckl.) V. H. genannt werden.
In den Annales mycologici 1903, p. 405, habe ich Agy-
riella nitida (Lib.) Sacc. näher beschrieben und auf die Ähn-
lichkeit des Baues, der Sporen und der Art ihrer Bildung bei
dieser Form mit Pirobasidium hingewiesen und, da letztere
Gattung eine Nebenfruchtform von C. sarcoides ist, daraus den
Schluß gezogen, daß A. nitida die Nebenfruchtform einer
Bulgariee, am wahrscheinlichsten jedenfalls einer Coryne-
Art ist.
Eine solche auf i?«&«5-Ranken wachsende Coryne war
damals aber nicht bekannt, denn die hellfarbige C. Faheri^i.Kze.
konnte nicht in Betracht kommen.
Nun kann es aber kaum zweifelhaft sein, daß diese frag-
liche Art die C. Urceolus ist, deren Farbe, Konsistenz, Hyphen-
beschaffenheit und Substrat vortrefflich zu Agyriella nitida
passen.
Ich glaube daher, annehmen zu müssen, daß^. nitida Lib.
die Conidienfrucht von C. Urceolus (Fckl.) v. H. ist.
136. Pirottaea Pini v. H. n. sp.
Apothecien in kleinen, gedrängten Herden, 180 bis 200 (j.
breit, oben flach, Scheibe weißlich, nach unten kegelförmig in
einen 60 [x langen, 40 (j. breiten Stiel verschmälert, oberflächlich.
Außen braun; Excipulum dünn, aus unregelmäßigen, etwa 4 [x
breiten, braunen Zellen bestehend, mit zahlreichen, schwarzen,
steifen, spitzen, einzelligen, unten kürzeren, oben bis zu 120 [x
langen und 3 bis 5 [j. breiten Borsten bedeckt. Apothecienrand
mit einer bis zwei Reihen von stumpfen, zylindrischen, oben
136 F. V. Höhnel,
abgerundeten, durchscheinend braunen, bis 40 ^ 4 bis 5 jj,
großen Cilien versehen. Paraphysen spärlich, dünnfädig, oben
nicht verbreitert, hyalin. Asci keulig, unten kurz stielartig ver-
schmälert, 32 5i 6 [x, achtsporig. Sporen einzellig, zartwandig,
hyalin, spindelförmig, beidendig meist zugespitzt, 10 bis 18 ^
1-6 bis 2 [j,. Jod färbt den Ascusporus violett und die ganze
Membran violett-rosa.
An morscher Rinde von Pimis süvestris am Steinberg
(Troppberg) im Wienerwald, Mai 1906.
Der sehr hübsche und charakteristische Pilz ist durch die
Rotfärbung der Asci sehr auffallend und stellt wahrscheinlich
ein neues Genus dar. Er ist am nächsten mit Pirottaea mima-
tensis P. et R. und noch mehr mit P. venUirioicles S. et R.
verwandt, doch von beiden sicher verschieden.
137. Phialea epibrya v. H. n. sp.
Apothecien vereinzelt, sehr zerstreut, aufsitzend, verkehrt
kegelförmig, wenig konkav oder flach, 420 bis 450 jx breit,
schmal etwas heller berandet, mit 100 [x breitem und hohem
Stiel, aus dem Rötlichen dottergelb, kahl, wachsartig. Gewebe
kleinzellig-kurzfaserig, aus dem Rosafarbigen gelblich. Asci
sitzend, keulig, 50 bis 60 i:; 8 bis 9 {x, mit 1 -5 bis 2 [x breiten,
fädigen, oben nicht verbreiterten, stumpfen Paraphysen. Sporen
hyalin, zweireihig zu acht, länglich bis fast keulig, gerade oder
kaum gekrümmt, einzellig, meist mit feinkörnigem, gleich-
mäßigem Inhalt und ohne Öltröpfchen, 12 bis 18^ 3 bis 4 [x,
beidendig stumpf. Excipulum dünn.
Auf Blättern von Hypnnm sp. in Mähren bei Saar (Kovärs).
Auffallend ist, daß das Gewebe unter dem Mikroskop
meist schön rosa gefärbt erscheint (was durch den Inhalt der
Elemente bedingt wird) und trotzdem der Pilz trocken und
feucht gelb erscheint.
138. Revision von weiteren 17 von Feltgen aufgestellten
Formen.
Seitdem ich die Revision von 292 der von Feltgen auf-
gestellten Pilzarten publiziert hatte (siehe diese Berichte, Math.-
nat. Kl., Bd. 115, Abt. I [1906], p. 1189), erhielt ich noch
Fragmente zur Alykologie. 137
weitere 17 Originalexemplare nicht revidierter neuer Formen,
'davon 16 publiziert sind und eine nur im Herbar als neue Art
bezeichnet ist.
Die Revision ergab, daß sämtliche 17 Formen gestrichen
werden müssen.
Nun verbleiben von den von Feltgen aufgestellten 435
Arten, Varietäten und Formen noch 127 zu prüfende über.
Originalexemplare dieser 127 Formen fanden sich im nach-
gelassenen Herbar Feltgen's nicht vor, wie mir der Besitzer
desselben, Herr Professor F. Heuertz, dessen Entgegen-
kommen die ganze Revisionsarbeit zu verdanken ist, mitteilte-
Nach den gewonnenen Resultaten wird es wohl am besten sein,
die 127 nicht mehr in Originalexemplaren vorhandenen Formen
völlig zu streichen und als nicht existierend zu betrachten.
Lophiostoma caulium Ces. et de Not. f. Vitalbae Feltg. (IIL
Nachtr., p. 267).
Auf dürren Ranken von Clematis Vitalha.
Ist nach dem Originalexemplar schlecht entwickelte Reben-
tischia tmicaudata (ßerk. etBroome), von Feltgen in nicht
gut ausgereiftem Zustande beobachtet.
Microthyrium Hederae Feltg. (III. Nachtr., p. 310).
An dürren berindeten Zweigen von Hedera Helix.
Die Sporen sind nicht einzellig und 10^2' 7 bis 3 "5, wie
Feltgen angibt, sondern vierzellig und 18 bis 20^?) bis 4 ji,.
Der Pilz ist nicht ganz reif; Feltgen hat ganz unreife Zustände
desselben beschrieben. Es ist eine Micropeltis, offenbar M. Fla-
geoJetii Sacc, Syll., XI, p. 381.
Zignoella (Zignaria) superficialis Feltg. (IV. Nachtr., p. 73).
Auf faulem Holz von Aesculus.
Ist Melanopsaimna pomifonnis (?) mit etwas derberen,
weniger stark einsinkenden Perithecien, sehr gut mit Fungi
longob., Nr. 233, übereinstimmend. Die Sporen sind bei dieser
Art meist nur 11 bis 13^5 bis 6 [x groß, also kleiner, als in den
Handbüchern angegeben wird.
138 F. V. Höhnel,
Didymosphaeria lignicola Feltg. (II. Nachtr., p. 173).
An entrindeten Zweigen von Popiihis canadeusis.
Die Perithecien sind bis 700 [x lang, doch meist kleiner.
Die Paraphysen sind oben netzig verzweigt; Jod färbt den
Schlauchporus nicht. Die Sporen sind elliptisch, an der Quer-
wand nicht eingeschnürt, 10 bis 12 i::? 5 bis 5 Y2 l-"-
Ist von Didymosphaeria cpiderniidis (Fr.) auf Berberis-
Zweigen ex Fuckel, Fungi rhen., gar nicht verschieden. Auch
hier werden die (meist etwas gestreckten) Perithecien bis 700 [x
lang. Ist also nichts anderes als die Holzform von D. epider-
fnidis (Fr.). Amphisphaeria anceps Sacc. et Briand (Syll., IX,
p. 742) auf abgestorbenen entrindeten Pappelzweigen, also
auf demselben Substrat, ist offenbar der gleiche Pilz, obwohl
die Perithecien nur 250 ja breit sein sollen.
D. hrimneola Nssl. und D. albescens Nssl. stehen der D.
epidermidis (Fr.) äußerst nahe und sind, wie mir scheint, nur
durch das Substrat (Kräuterstengel) verschieden.
Die Art ist daher völlig zu streichen.
Physalospora gregariaSacc. f. Taxi Feltg. (IV. Nachtr., p.56)
Auf Zweigspitzen von Taxus baccata.
Ist nach der Beschreibung und dem Originalexemplar
offenbar Physalospora gregaria Sacc. veLY.foliorum Sacc. auf
Taxus-Blättern, mit der sie ganz übereinstimmt und welche
besser als eigene Art: Physalospora foliorum (Sacc.) v. H.
betrachtet wird (s. Syll., I, p. 435).
Pleospora discors Feltg. nee Ces. et de Not. (Hpt., p. 239)
= P. Feltgeni Sacc. et Syd., Syll. fung., XVI, 547 (III. Nachtr.,
p. 183).
Auf dürren Halmen von Lnzula iiiaxiina.
Die Perithecien sind schwarz, dunkelbraunhäutig, oben
abgeflacht kugelig, ganz kahl, 260 bis 300 [x breit. Die Asci
sind meist gebogen, dick zylindrisch-keulig, kurz knopfig an
der Basis, 120 bis 136^31 bis 37 [x. Sporen zu acht, zwei-
reihig, hellbraun mit 7 Querwänden, an der mittleren etwas
eingeschnürt, ungleichhälftig, meist 32 bis 37 ^ 14 bis 16 V2 ^
Fragmente zur Mykologie. 139
selten größerund, wie es scheint, nur wenn weniger als 8 Sporen
im Ascus entstehen, bis 39 i::; 16 '5. Ist von Pleospora discors
C es. et de Not. verschieden; diese hat kleinere, viel zartere, hell-
braunhäutige Perithecien und dunklere, sattbraune Sporen. Doch
dürfte die Angabe, daß die Perithecien dieser Art nur 100 bis
120 [J- groß sind, unrichtig sein, da die Asci bis 140 [x lang
werden. Ein untersuchtes Exemplar (auf Carex-BV&iiQvn aus
dem Wienervvalde) hatte gegen 200 [j. große Perithecien.
"Wie der direkte Vergleich (mit Kunze, Fungi selecti Nr. 69)
zeigte, ist der Pilz auch von P. Aviucriae (Rabh.) Ces. et de Not.
verschieden; diese Art hat hellere, größere und stets breitere
Sporen. Die P. Feltgeni gehört zweifellos in den Formenkreis
von P. herbariun (Rabh.) sensu Nssl. (Notiz, üb. Pyrenomyc.
1876, p. 29). Diese hat Sporen von 24 bis 40 ^ 12 bis 16 ^, meist
27 bis 33« 13 bis 25 [a Größe und stimmt daher sowie im
übrigen ganz mit ihr überein. P. Feltgeni ist nichts anderes als
eine dergrößersporigen F'ormen von P. herbarttin (Rabh.) Nssl.
So große Sporen, wie sie Feltgen 1. c. angibt, waren nicht
zu finden.
Diaporthe (Claerostroma) Cerasi Feltg. nee Fckl. (II. Nachtr.,
p. 124; Hpt., p. 201) = D. Feltgeni Sacc. et Syd. (Syll fung.,
XVI, p. 493).
Auf Cerastis Avitun.
Das Nährsubstrat ist, wie ich vermutete (siehe diese
Berichte 1896, p. 1252) Querms und nicht Cerastis. Die
Sporen finde ich 17 bis 22 ^^ 3 bis 4 V2 [J- groß. Der Pilz ist voll-
kommen identisch mit Diaporthe leiplieniia (Fr.).
Valsa farinosa Feltg. (II. Nachtr., p. 115) = V. ceratophora
Tul. var. farinosa Feltg. (III. Nachtr., p. 126).
An dürren berindeten Zweigen von Rosa caniiia.
Ist von Valsa ceratophora Tul. f. Rosariun Fckl. (Symb.
myc, p. 201) = V. Rosarum de Not. nicht verschieden, daher
als Art und Varietät zu streichen.
140 F. V. Höhnel,
Cenangium pallide-flavescens Feltg. (III. Nachtr., p. 86).
An entrindetem Ast von Ligustrtmi vulgare. ■
Ich fand am Originalexemplar nur einen ganz unreifen, Pezi-
c^//(2-ähnlichen Pilz von rein prosenchymatischem Aufbau und
eigentümlicher zäher und fester, fast knorpeliger Beschaffenheit.
Ein Cenangium ist der Pilz jedenfalls nicht. Auch Feltgen
sah den Pilz, wie aus einer Notiz desselben im Herbar hervor-
geht, nur unreif. Der Pilz ist ganz unbestimmbar und muß die
Art wegen des unreifen und unzureichenden Originalexemplars
jedenfalls gestrichen werden.
Cenangium pallide-flavescens Feltg. f. Eupatorii Feltg.
(III. Nachtr., p. 86).
Auf dürren Stengeln von Eiipatoriuni camiahiimm.
Das Originalexemplar zeigte mir nur ein paar ganz unreife
Apothecien irgend einer Hei otium- Art. Der Pilz ist von der
»Stammform« jedenfalls verschieden, wie schon aus der ganz
anderen, weichen Beschaffenheit desselben hervorgeht.
Auch diese Form, auf unreifem und ungenügendem Material
hin aufgestellt, muß gestrichen werden.
Mollisia subcorticalis (Fck 1.) Sacc. var. tapesioides Feltg.
(III. Nachtr., p. 15).
An der Innenseite faulender Rinde von Tilia.
Das Originalexemplar zeigt nicht die Spur der beschriebenen
Varietät. Dieselbe ist daher zu streichen, um so mehr als nach
Rehm (Hyst. und Discomyc, p. 514) die Artberichtigung der
Mollisia subcorticalis ohnedies eine ganz zweifelhafte ist.
Mollisia cinerea Karst, var. convexula Feltg. = M. convexula
Feltg. (III. Nachtr., p. 18).
An dürren Calluna-Zw eigen.
Feltgen spricht nur von braunen Hyphen an der Basis
der Apothecien; das sehr schlechte Originalexemplar zeigt aber
stellenweise ein ganz mächtig entwickeltes braunes Subiculum
und ist der Pilz nichts anderes als Tapesiafnsca (?) mit kleinen,
schlecht entwickelten, alten Apothecien.
Fragmente zur M3'kologie. 141
Helotium terrestre Feltg. (IL Nachtr., p. 63; III. Nachtr., p. 64).
Auf lehmiger Erde.
Das Originalexemplar zeigte mir nur ein kümmerliches
Apothecium. Der Pilz wächst sicher nicht auf der nackten
Erde, sondern auf den dieselbe durchsetzenden Pflanzenteilen.
Es ist gewiß keine eigene Art, sondern nur ein schlecht ent-
wickeltes H. serotiutiin (P.), mit etwas kleineren Sporen, eine
der so häufigen Übergangsformen zu H. virguJtofum (Vahl).
Die Art ist daher zu streichen.
Trichobelonium pilosum Sacc. et Syd. var. tetrasporum
Feltg. (III. Nachtr., p. 14).
An faulenden Blättern von Carex elongata.
Am Originalexemplar ist nichts von einem Trichobelonium
zu finden. Es zeigten sich nur einige unbestimmbare, ganz alte
7l/o///5m-Apothecien.
Die Varietät ist wegen des unzureichenden Original-
exemplars zu streichen.
Pezizella radiostriata Feltg. var. lignicola Feltg.
(IV.Nachtr., p. 81).
Auf faulem Jiiglüiis-Ho\z.
Ist vollkommen identisch mit Niptera dentata F c k 1.
{■=zCisteUa dentata Quel.), die ebenfalls auf Nußbaumholz ge-
funden wurde (Fungi rhenani, Nr. 2379). Der Pilz ist scheinbar
vollkommen prosenchymatisch aufgebaut, die genauere Unter-
suchung zeigt jedoch nach unten hin eine kleinzellig parenchy-
matische, leicht übersehbare Struktur. Die Sporen sind
7 bis 8 i=; 1 -5 bis 2^2 [J- groß, länglich, nach beiden Enden ver-
schmälert und stumpflich. So auch bei Fuckel's Exemplar.
Meist sind sie einzellig; doch fand ich sie schließlich sowohl
inner- wie außerhalb des Ascus ganz deutlich zweizeilig. Die
Form ax\i Symphytnin (s. diese Berichte 1896, p. 1282) ist von
der auf Juglans nicht verschieden, wie der direkte Vergleich
zeigte.
142 F. -r. Hohnel,
Neolecta aurantiaca Feltg. (IV. Nachtr., p. 11).
Am Boden zwischen Moos.
Ist nach dem Originalexemplar eine kleine, gelbe, unreife
Ciavaria {pahidicola Lib.?). Feit gen hat die Basidien für Asci
und die Öltröpfchen in denselben für Sporen gehalten. Es sind
aber deutliche Sterigmen vorhanden, während die Sporen noch
nicht entwickelt sind.
Guepinia capitata Feltg. n. sp. im Herbar.
Auf entrindetem Holz einer Faschine.
Ist eine ganz alte und schlecht entwickelte Tuhercttlaria
(vulgaris?), deren Sporen meist schon abgewaschen waren.
139. Phyllosticta Colocasiae v. H. n. sp.
Blattflecken amphigen, zahlreich, rundlich, braun, dunkler
berandet, konzentrisch gefurcht -gezont, 3 bis 7 mm breit.
Pycniden amphigen, zahlreich in jedem Flecke, unter den Spalt-
öffnungen eingesenkt, dünnhäutig, dunkelbraun, kugelig, zirka
70 [JL breit, Sporen hyalin, gerade, stäbchenförmig, gegen die
Enden wenig verdickt, 3 bis 4 i:^ 1 |j.. Sporenträger sehr kurz.
Auf welken Blättern von CoJocasia sp.
Samoa-Inseln: Malifa (Dr. Rechinger).
Die Pycniden entstehen unter den Raschen von Cercospora
Caladii Cke. var. Colocasiae v. H. und gehören jedenfalls
dazu.
140. Phyllosticta coiocasiaecola n. sp.
Ohne Fleckenbildung. Pycniden zerstreut oder in kleinen
Herden, auf beiden Blattseiten, schwarz, punktförmig, kugelig,
unter die Epidermis eingesenkt, mit deutlichem Ostiolum, 100.
bis 120 [j. breit, dunkelbraunhäutig, großzellig. Sporenträger sehr
kurz. Sporen hyalin, mit grobkörnigem Inhalt, eiförmig,
10^5 bis 6 [x.
Auf welken Blättern von Colocasia sp.
Samoa-Inseln: Maüfa (Dr. Rechinger).
Fragmente zur Mykologie. l4o
141. Collonema rosea n. f.
Pycniden oberflächlich, zerstreut, matt braunschwarz,
derbhäutig, kohHg-Iedrig, meist längUch, 500 bis 600 [x lang
und 150 bis 200 [x breit, mit meist abgestutzt kurzzylindrischer
Mündungspapille, außen etwas rauh, unten mit einzelnen 4 [j>
breiten Hyphen, oben, besonders auch an der Mündung mit
einzelnen, braunschwarzen, an der Spitze blasseren, stumpfen,
40 bis 80^4[x großen Borsten. Wandung zweischichtig, jede
Schichte aus etwa 5 bis 6 Lagen von Parenchymzellen be-
stehend und 20 bis 25 [x dick. Äußere Schichte schwarzbraun,
innere hyalin oder subhyalin, dicht mit einfachen, hyalinen,
20 ^ 1 tx großen Sporenträgern ausgekleidet. Kern rosa, Sporen
hyalin, gerade oder wenig gekrümmt, stäbchenförmig, an den
Enden etwas verschmälert und spitzlich, mit 4 bis 5 Öltröpfchen,
ohne deutliche Querwände, 12 bis 16 ^^ 1 -5 bis 2 [x.
An noch hartem, faulendem Rotbuchenholz am Pfalzberg
bei Preßbaum im Wienerwalde, April 1906.
Der Pilz gehört zweifellos in die Grove'sche Forragattung
Collonema. Die innere Pycnidenmembranschichte ist an der
Basis der Pycniden viel dicker, oft bis 100 [x mächtig. Ich führe
den Pilz als eigene Form an, obwohl ich nach eingehendem,
direkten Vergleich die Überzeugung gewonnen habe, daß der-
selbe nichts anderes als die Oberflächenform von Diplodina
rosea K. et B. (Sitzber. d. k. böhm. Ges. d. W. in Prag, 1903)
— Diplodina roseophaea v. H. (Hedwigia 1903, p. 188 und
p. 233) ist. Die Unterschiede, so die derbe Pycnidenmembran,
die stärkere Entwicklung der Hyphen, die oben zu stumpfen
Borsten werden, halte ich für eine Folge des oberfläch-
lichen Wachstums auf dem harten Substrate. Der innere Bau
beider Pilze ist ein so auffallend gleicher, daß ich beide Pilze
nur für verschiedene Wachstumsformen derselben Formart
halte. Die Oberflächenformen sehen oft und ganz natürlicher-
weise ganz anders aus als die eingewachsenen, nur der Bau
des Nucleus ist daher maßgebend. Ich zweifle nicht daran, daß
der größte Teil der Oberflächenformen sich auf eine eingesenkte
wird zurückführen lassen.
144 F. V. Höhnel,
Auf demselben harten Holzstücke fand ich bezeichnender-
weise auch Spororniia leporina Nssl., geinz Melanouuna-SivWg
aussehend und auftretend.
142. Fusicoccum Macarangae v. H. n. sp.
Stromata hervorbrechend-oberflächlich, schwarz, oben
runzelig, flach, 400 bis 500 [i hoch, ^/^ bis 1 mm breit, rundlich
oder länglich, manchmal unregelmäßig linienförmig und bis
Snim lang, vom Periderm begrenzt. Gewebe außen kohlig, innen
fleischig, aus etwa 10 bis 16 [x breiten, dünnwandigen Parenchym-
zellen bestehend. Bau dothideaceenartig, Loculi zahlreich, meist
einreihig, länglich eiförmig, oft durch sehr dünne, unscharfe
Wände voneinander geschieden, 60 bis 120 \i. breit, innen dicht
mit einfachen, hyalinen, 12 bis 14 ^^ 2 bis 3 [x großen Sporen-
trägern ausgekleidet. Sporen hyalin, rundlich- eiförmig, derb-
wandig, mit grobkörnigem Inhalt, einzellig, 10 bis 22 j::; 10
bis 14 II.
Auf der Rinde von Macaranga Reineckei Fax (Euphor-
biacee).
Samoa-Inseln, Upolu bei Apia (Dr. Rechinger).
Die Stromata sind ganz dothideaceenartig gebaut und
gehört der Pilz jedenfalls als Nebenfruchtform zu einer
Dothideacee.
143. Septoria eburnea n. sp.
Flecken unregelmäßig eckig-rundlich, zahlreich, 2 bis 7 min
breit, oben schließlich elfenbeinweiß, unten braun, breit dunkel-
braun berandet. Pycniden nur oberseits, gleichmäßig verteilt,
zu wenigen bis über 50 im weißen Flecke, eiförmig, ganz ein-
gesenkt, 200 [X hoch, 170 [x breit, oben abgestutzt, mit flachem,
rundlichem, 60 [x breitem Ostiolum. Wandung 30 bis 40 [x dick,
undeutlich kleinzellig-plectenchymatisch, zweischichtig, äußere
Schichte gelbbraun, dünner, innere hyalin. Sporen fädig, ver-
bogen, ziemlich gleichmäßig dick, an den Enden stumpflich,
mit 3 bis 5 oft undeutlichen Septen, 64 bis 92 ^ I72 bis 2^/^ [x.
An Blättern von Artocarpns incisa.
Samoa-Inseln, Apiaberg (Dr. Rechinger).
Fragmente zur Mykologie. 14o
Eine durch die Art der Fleckenbildung und die dicke
P3^cnidenmembran auffallende Art. Von S. Artocarpi Cke.
und S. criistacea Welw. et Curr. gänzlich verschieden. Die
weißen Partien der Flecken sind von den lockerstehenden
Pycniden gleichmäßig braun punktiert.
144. Trichosperma cyphelloidea n. sp.
Subiculum weit ausgebreitet, weiß, fest angewachsen, dünn-
häutig. Pycniden zerstreut, oberflächlich, schief, oben konisch-
becherförmig, hängend, weit geöffnet, mit dünnhäutigem Rande,
außen kahl oder von kurzen Hyphenenden etwas rauh, weiß-
lich, bis 1 mm breit und hoch, Scheibe blaß gelblich. Gewebe
aus plectenchymatisch verflochtenen, dickwandigen, dünnen
Hyphen gebildet, an der Basis der Becher bis 250 [x dick, oben
auf der einen Seite 50 bis 90 [x, auf der anderen 25 (x dick.
Scheibe dicht mit 40 bis 50^ 1 '5 bis 2 [x großen, einfach-fädigen
Sporenträgern bedeckt, die gegen den Rand allmählich ganz
kurz werden und an der Spitze je eine hyaline, fadenförmige,
bogig oder korkzieherartig gekrümmte, vielfach septierte, unten
2 bis 3 [x, oben 1 • 5 bis 1 • 8 [x dicke, 60 bis 90 [x lange Spore
bilden. Glieder der Sporen 6 bis 7 [x lang. Sporen unten stumpf,
oben spitz, miteinander zu einer im Wasser sich nicht ver-
teilenden Masse verschlungen.
An morscher Rinde.
Samoa-Inseln, Upolu (Dr. Rechinger).
Eine sehr eigentümliche Form, die ganz gut in die Gattung
Trichosperma paßt und äußerlich ganz einer kahlen Cypliella
gleicht. Durch die eigentümlich gekrümmten Sporen erinnert
sie an die Excipulaceengattung Oiicospora, von der sie sich
jedoch durch das blasse Gehäuse unterscheidet. Die Sporen
bilden eine feste Masse, die nur schwer in ihre Elemente zer-
legt werden kann. Das Subiculum ähnelt einem dünnen Flechten-
thallus.
145. Pestalozziella ambigua n. sp.
Pilz schmutzig fleischfarben, rundlich oder länglich,
V^ bis 1 mm lang, erst geschlossen im äußeren Rindenparenchym
eingesenkt, dann hervorbrechend, oben verschleimend und die
Sitzb. d. mathem.-naturw. Kl. ; CXVI. Bd., Abt. I. 10
146 F. V. Hühnel,
konkave oder schalenförmige Fruchtschichte freilegend. Wand-
schichte 20 bis ^0 [1 dick, aus dünnen, plectench3'matisch ver-
flochtenen Hyphen bestehend, weichfleischig-gelatinös, hyalin,
im äußeren oberen Teile blaßrötlich. Sporenträger hyalin, ein-
fach, etwa 20 bis 30 [i lang, dünn, an der Spitze die einzeln-
stehenden, länglich-zylindrischen, einzelligen, dünnwandigen,
an den Enden meist abgerundeten, meist geraden, 28 bis
48 ^ 8 bis 12 [j. großen Sporen tragend, die an beiden Enden,
meist einseitig unterhalb derselben, etwa 2 bis 5 hyaline, ver-
bogene, weiche, stumpfliche oder spitze, meist 20 bis 40 ^ 1 '5 [x
große Borsten tragen.
Meist in Reihen an dürren Stengeln von Artemisia vulgaris
im Prater am Donaukanal, Oktober 1906.
Ein eigentümlicher, durch die Sporen an Chaetospenmim
erinnernder Pilz, doch sind die Anhängsel der Sporen nicht
steif und sehen Keimfäden ähnlich. Der Pilz ist im jungen,
eingesenkten Zustande allseitig von einer ziemlich dicken, aus
hyalinen Hyphen bestehenden Membran umgeben. Beim Hervor-
brechen verschleimt diese jedoch im äußeren Teile völlig und
die Fruchtscheibe wird freigelegt, ist aber ringsum von einem
Wulste von halbverschleimten, verzweigten Hyphen umgeben.
Man könnte ihn auch als Nectrioidee auffassen, da eigentlich
ein Gehäuse vorhanden ist, doch ist seine nahe Verwandtschaft
mit Pestalozziella so auffallend, daß es richtiger erscheint, ihn
in dieser Gattung einzureihen. Jedenfalls stellt er aber eine
Zwischenform dar, die von den Melanconieen zu den Nectri-
oideen hinüberführt.
146. Gonatorrhodiella eximia n. sp.
Sterile Hyphen spärlich, fast hyalin, kriechend, zartwandig,
septiert, 4 bis 6 [i breit. Fertile Hyphen blaß fuchsrot, kleine,
dichtere oder lockere, ausgebreitete Rasen bildend, steif auf-
recht, einfach oder seltener in der Mitte oder an der Basis
einmal gegabelt, mäßig dünnwandig, 7 bis 14, meist 9 bis 11 [x
breit, septiert, mit 80 bis 200 (jl langen Gliedern, etwa 500 ;x
hoch, eine endständige und zwei bis drei intercalare, elliptisch-
eiförmige, 24 bis 36 [x lange und 20 bis 30 [x breite, blasige
Fragmente zur Mykologie. 147
Anschwellungen bildend, die ganz mit kleinen Spitzen bedeckt
sind, an welchen unmittelbar aus etwa zehn bis zwölf Gliedern
bestehende Ketten von Sporen sitzen. Sporen wie die Hyphen
gefärbt, elliptisch, einzellig, mäßig dünnwandig,? -öbis 10^^5-5
bis 6 [x.
Auf Tremella hitescens schmarotzend. Sauerbrunnleiten
bei Rekawinkel im Wienerwalde, Juli 1906.
Die Rasen sind durch ihre gelblich-ziegelrote oder fuchs-
rote Farbe auffallend. Die Gattung Gonatorrhodiella, von
Thaxter 1891 aufgestellt, ist bisher nur durch die ameri-
kanische G. parasitica Thaxt., welche auf Nectriaceen
schmarotzt, bekannt geworden, ist also für Europa neu. Die
hier aufgestellte Art steht der amerikanischen offenbar sehr
nahe, ist aber durch die viel längeren Sporenketten, die kleineren
Sporen, welche beidendig abgerundet sind, die kleineren Blasen
und die lebhafte Farbe des ganzen Pilzes wohl verschieden.
147. Clonostachys cylindrospora n. sp.
Raschen ziemlich dicht, rundlich, etwa 1 mm breit, schnee-
weiß, unten gelblich, körnig-flockig, 400 bis 500 ^ hoch. Hyphen
ziemlich dicht parallel aufrecht, gerade, zartwandig, etwa 200 [J-
hoch, septiert, unten gelblich, 4 bis 6 [a breit, nach obenhin
hyalin, 3 bis 4 [t breit, glatt. Sporentragende Hyphen unten
mit ein bis zwei abwechselnden, oben mit zwei bis vier
gegenständigen Seitenzweigen, die einfach oder einmal gegen-
ständig verzweigt sind. Selten stehen die Äste zu dreien quirlig.
Zweige und Stamm an den Enden mit 1 bis 3, 8 bis 12 [x
langen, 1 '5 {x breiten, zugespitzten Sterigmen versehen, außer-
dem häufig ein bis zwei unter der Spitze befindliche kurze,
anliegende, den Sterigmen ähnliche Seitenzweige vorhanden.
Zweige erster und zweiter Ordnung abstehend, Sterigmen und
Zweige dritter Ordnung parallel aneinanderliegend. Sporen
hyalin, einzellig, stäbchenförmig, meist gerade, an den Enden
abgerundet oder stumpflich, 4 bis 5 ^^ 1 '5 bis 1 '8 [x, an der
Spitze der Sterigmen einzeln und in großer Zahl nacheinander
gebildet, miteinander parallel und mit jenen der nebenstehenden
Sterigmen zu einem 6 bis 12 p. breiten und bis über 200 [x
10*
148 F. V. Höhnel,
langen Zopf, in welchem sie mehrreihig imbrikat angeordnet
sind, verklebend.
An den Blattnarben morscher, am Boden liegender Zweige
von Abies pectinata am großen Wienerberge bei Preßbaum im
Wienerwalde, Juni 1906.
Während bei der nächstverwandten Ga.\.i\xng Acrostalagnms
die sporenbildenden Astspitzen einfach sind und keine Sterigmen
besitzen und die an denselben gebildeten, außen schleimigen
Sporen zu kugeligen Köpfchen verschmelzen, sind bei Clono-
stackys an der Spitze der Zweige stets einige kurze, spitze
Sterigmen vorhanden, die oft von etwas unter der Spitze
ansitzenden begleitet werden. Alle diese Sterigmen stehen dicht
parallel nebeneinander und erzeugen gemeinschaftlich durch
Verklebung der in großer Zahl gebildeten Sporen einen zylin-
drischen Zopf, in welchem die Sporen schief imbrikat ange-
ordnet sind.
So ist es sicher bei der vorstehend beschriebenen zier-
lichen Art. Corda's Abbildung von Clotiostachys Araiicaria
(Prachtflora, Taf. XV) zeigt zwar von den Sterigmen nichts, doch
sind diese sehr zart und von Cord a offenbar übersehen worden,
denn nur durch das Zusammenwirken mehrerer Sterigmen
erklärt sich der regelmäßige Aufbau der Sporenzöpfe.
Ähnliche, aber weniger regelmäßige Sporenzöpfe können
allerdings auch an einfachen sporenbildenden Spitzen ent-
stehen. So bei der Gattung Cirrhomyes.
In der Gattung Clonostachys stehen heute Arten, die mit
ihr gar nichts zu tun haben.
Es sind dies C. spectahüis (Harz); C. populi Harz;
C. Candida Harz und C. psetidobotrytis v. H.
Bei diesen Arten sind die sich imbrikat deckenden Sporen
in Reihen an langen Seitenzweigen der Fruchthyphen ange-
ordnet; diese kolben- oder ährenähnlichen Sporenstände sind
den Sporenzöpfen von Clotiostachys nur äußerlich ähnlich und
damit verwechselt worden. Sie haben eine Hyphenachse, an
welcher die Sporen seitlich entstehen.
Die vier genannten Formen sind mit Botrytis, wo ähnliche
vorkommen, sehr nahe verwandt. Sie verdienen aber, in eine
eigene Clonostachyopsis zu nennende Gattung gestellt zu
Fragmente zur Mykologie. 149
werden, die eventuell auch als Sektion von Botrytis aufgefaßt
werden kann. Es ist sicher, daß manche Botrytis- Arten, z. B.
B. epigaea vielleicht besser als Clonostachyopsis - Arten be-
trachtet werden. Eine Übergangsform ist Botrytis spectahilis
Harz, welche Art von Oudemans zu Clonostachys gezahlt
wird, sich aber von B. epigaea eigentlich generisch nicht unter-
scheidet. Der Hauptunterschied beruht darauf, daß bei B. epigaea
die sporentragenden Hyphenenden nach obenhin etwas ver-
breitert sind, was bei B. spectahilis Harz nicht der Fall ist.
Zu Clonostachyopsis sollten nur jene Arten gerechnet
werden, welche bis zur Spitze gleichmäßig dicke, sporen-
tragende Hyphen haben und deren Sporen länglich oder zylin-
drisch sind und sich imbrikat decken.
Es sind dies
1. Clonostachyopsis poptili (Harz) v. H.,
2. C. Candida (Harz) v. H.,
3. C pseudohotrytis v. H.
Clonostachys Gneti Oud. ist nach der Abbildung (Versl.
en Meddel. der koningl. Ak. Wetenschapp. Amsterdam, III. S.,
II. T., 1890, p.321, Taf. 2) eine echte Clonostachys, von der es
mir zweifelhaft ist, ob sie von C. Araticaria Cda. spezifisch ver-
schieden ist. Jedenfalls steht sie dieser Art sehr nahe.
148. Harziella effusa v. H. n. sp.
Rasen 40 bis 50 \i hoch, weit ausgebreitet, am Rande all-
mählich verlaufend, weißlich mit einem Stich ins Rötliche.
Sterile Hyphen zart, Fruchthyphen 40 bis 50 [x hoch, zartwandig,
2 bis 3 {j. breit, nicht oder wenig septiert, meist mit zwei bis drei
gegen- oder wirtelständigen, zugespitzten Seitenzweigen ver-
sehen, von 20 bis 30 [x Länge und 1 • 5 bis 2 [x Breite. Hauptstamm
und Seitenzweige an der Spitze die Sporen einzeln in großer
Zahl nacheinander bildend. Sporen meist rundUch, 1 '5 bis 3 [x
breit, hyalin, in Massen rosa, zu kugeligen, 4 bis 100 [j. großen,
zuletzt zu großen unregelmäßigen Massen verschmelzenden
Köpfchen von rötlicher Färbung verklebt.
An morschen Pflanzenteilen, Holz, Rinden, Moosen weit
ausgebreitete, sehr zarte, feinmehlig aussehende Überzüge
150 F. V. Höhnel,
bildend, welche mit der Lupe betrachtet hie und da glänzende
Körnchen und größere rötliche Flecke zeigen, die beide von
den Sporenköpfchen und -massen herrühren.
Am großen Wienerberge bei Preßbaum im Wienerwalde
(1906).
Die Gattung Havziella steht der Gattung Acrostalagwius
sehr nahe und unterscheidet sich hauptsächlich durch die ein-
fachere und weniger regelmäßige Verzweigung sowie durch
das Verschmelzen der Sporenköpfchen zu größeren Massen,
das bei Acrostalagmus fast nie eintritt.
Die beschriebene Art ist etwas länger verzweigt als die
einzige bisher bekannte Harziella capitata C. et M., bildet
in dieser Beziehung einen deutlichen Übergang zu Acrostalag-
mus und könnte schließlich auch zu letzterer Gattung gestellt
werden.
149. Cercospora Kleinhofiae n. sp.
Blattflecken zahlreich, unregelmäßig-rundlich-eckig, 2 bis
10 imn breit, oft zusammenfließend oder randständig, beider-
seits sichtbar, braun, ockergelb berandet. Raschen klein, kaum
sichtbar, unterseits zahlreich, oben spärlich; Fruchthyphen
bräunlich, einfach, einzellig, wenig zahlreich, meist 20 bis 25 ^
4 bis 5 |JL und nur mit einer Narbe. Sporen blaß, zylindrisch-
fädig, nach oben etwas verschmälert, oben stumpf lieh, zwei- bis
fünfzellig, 35 bis 65 « 4 bis 5 [x.
Auf den Blättern von Kleinhofia hospita (L.).
Samoa-Inseln: Matrotua (Dr. Rechinger).
150. Cercospora Caladii Cke. var. Colocasiae v. H.
Blattflecken amphigen, zahlreich, rundlich, braun, dunkler
berandet, konzentrisch gefurcht-gezont, 3 bis 7 mm breit.
Raschen zahlreich in jedem Flecke, auf beiden Blattseiten,
punktförmig, dunkelbraun, aus den Spaltöffnungen kommend,
aus vielen, meist einzelligen, einfachen, blaßbraunen, mit einer
oder zwei bis drei Narben versehenen, 30 bis 45^5 [jl großen
Fruchthyphen bestehend. Sporen subhyalin oder blaßbräunlich>
vier- bis fünfzellig, unten 4 [x breit, nach oben allmählich ver-
schmälert, 50 bis 100 (x lang.
Fragmente zur Mykologie. 151
Auf Blättern von Colocasia sp.
Samoa-Inseln: Malifa (Dr. Rechinger).
Unter jedem Raschen entwickelt sich eine Pycnide von
Phyllosticta Colocasiae v. H., die jedenfalls dazu gehört.
151. Über Camptosporium glaucum Lk. und Menispora
glauca Cda.
Diese beiden Namen werden seit Cor da als S3'nonym
betrachtet (Syll. fung., IV, p. 325). Es sind aber zwei von-
einander gänzlich verschiedene Pilze.
Der eine muß heißen Menispora glauca (Lk.) Fers.
(Mycol. europ., I, p. 32), die zweite ist eine Acrotheca und muß
heißen Acrotheca glauca (Cda.) v. H.
Es geht dies schon aus den Beschreibungen von Fries
und Corda hervor. Fries (Syst. myc, III, p. 450) beschreibt den
Pilz als filzig, die Hyphen als intorto-intricates, tenues, trans-
parentes und die Sporen als diffluentia.
Dies paßt nicht zu dem Corda'schen Pilze, der die Hyphen
als erecti, die Sporen als acrogenae, primum fasciculatim
junctae beschreibt (Icones, Heft II, p. 12, Taf. X, Fig. 54). Ver-
gleicht man Corda's Abbildung mit Fries' Beschreibung, so
sieht man sofort, daß zweierlei Pilze vorliegen und sohin
Corda mit Unrecht seinen Pilz mit dem Link'schen identi-
fizierte.
Da ich nun beide diese Pilze fand, bin ich in der Lage, sie
näher zu charakterisieren.
1. Acrotheca glauca (Cda.) v. H. hat weit ausgebreitete,
nicht filzige Rasen. Die Fruchthyphen sind meist einfach, seltener
unten mit einem Seitenzweige, ziemlich steif aufrecht, septiert,
etwa 260 [x hoch, unten dunkelbraun, weniger durchscheinend,
ziemlich derbwandig, etwa 6 \h dick, oben 4 [x dick, dünn-
wandig, sehr durchscheinend. Die Sporen sind hyalin, einzellig,
spindelförmig, fast halbmondförmig gekrümmt, 24 bis 28 w 4 [x.
Dieselben stehen zu etwa 10 bis 20 an der Spitze der Frucht-
hyphen, sind seitlich miteinander verklebt und bilden so ein
festes, elliptisches, etwa 30 bis 35 ix langes und 20 bis 25 ;x
breites Köpfchen, das zuckermelonenartig aussieht. Manchmal
152 F. V. Höhnel,
wächst die Fruchthyphe durch das Köpfchen hindurch, ver-
längert sich und bildet ein zweites Köpfchen. Dann sieht man
im Längsverlauf der Fruchthyphen ein Sporenköpfchen, das
von der Hyphe durchsetzt ist, so wie dies Corda abbildet.
Es kann keinem Zweifel unterworfen sein, daß der von
mir gefundene Pilz mit dem Corda'schen identisch ist.
2. Menispora glauca (Lk.) Pers. hat 250 bis 300 [i
lange, stark durchscheinende, septierte, unten 4 bis 5, oben
2 bis 3 [1 breite, verbogene, leicht umfallende und dann einen
sehr lockeren Filz bildende Hyphen, die hie und da an ganz
kurzen, papillenartigen, hyalinen Seitenzweigen die einzel-
stehenden, zerstreuten, niemals miteinander verklebten Sporen
entwickeln. Diese sind spindelförmig, schwach gekrümmt,
beidendig spitzlich, 16 bis 18^4 [x, ohne Cilien.
152. Clasterosporium glandulaeforme n. sp.
Sterile Hyphen fehlend. Fertile Hyphe einfach unverzweigt,
gerade oder etwas gebogen, einzellig oder mit 1 bis 2 undeut-
lichen Querwänden, unten bräunlich und etwa 3 bis 4 [x breit,
nach obenhin allmählich subhyalin werdend und bis 6 bis 7 [x
breit, dünnwandig, zirka 30 jx lang, an der Spitze eine vier-
zellige, unten quer abgeschnittene, oben kugelig abgerundete,
etwa 10 [x breite und 12 [x hohe Spore tragend. Oberste Sporen-
zelle opak, schwarz, über halbkugelig, zweite Zelle flach
scheibenförmig, braun, die zwei Basalzellen subhyalin, dünn-
wandig, ganz schmal. Fruchthyphe an der Basis zu einer dem
Substrat aufsitzenden, 8 bis 12 [x breiten, flachen, rundlichen,
am Rande krenulierten oder etwas gelappten Scheibe erweitert.
Nach dem Abfalle der Spore wächst häufig die Fruchthyphe
weiter und tritt wiederholte Sporenbildung ein.
An den Hyphen von Corticinin coronatum Schrot.
{— C. pruinahim Bres.) sitzend und offenbar darauf
schmarotzend. Sauerbrunnleiten bei Rekawinkel im Wiener-
walde, August 1906.
Eine höchst charakteristische Form, die nur mit Clastero-
sporiitm Lini Oud., die in Holland auf den Wurzeln des
Leines gefunden wurde, Ähnlichkeit zu haben scheint.
Fragmente zur Mykologie. lij"
Der auf den Hyphen reichlich sitzende Pilz macht ganz
den Eindruck, als würde er ein drüsenartiges Organ des Cor-
ticiiun sein.
153. Dendryphium Pini n. sp.
Raschen klein, locker-wollig, schwärzlichgrau. Sterile
Hyphen obsolet, fertile steif aufrecht, 200 bis 400 jx hoch, gleich-
mäßig 4 [X dick, so wie die Sporen durchscheinend rauchgrau
mit Stich ins Violette, dünnwandig, septiert, glatt, Glieder zirka
25 bis 35 ^ lang; ganz oben mit meist gegenständigen, kurzen
Seitenästen, die so wie die Spitze kurze, einfache oder ver-
zweigte Sporenketten bilden. Sporen zu wenigen in Ketten,
zylindrisch, beidendig abgerundet, mit zwei bis vier, meist
vier Querwänden, meist 16 -^ 5^4 bis 6[j..
An morscher Rinde von Phms siJvestris am Steinberg
(Troppberg) im Wienerwald, Mai 1906.
Ist ein ganz typisches, bisher unbeschriebenes Dendry-
phium.
154. Fusarium cirrosum n. sp.
Sporodochien eingesenkt, flach, klein, verschieden gestaltet;
Sporenträger kürzer als die Sporen, dicht parallel stehend, meist
einfach, an der Spitze die meist regelmäßig sichelförmig ge-
krümmten, hyalinen, in Haufen rosa erscheinenden, spindel-
förmigen, 60 bis 70 [X langen, 6-5 bis 7 [x breiten, reif stets vier-
zelHgen Sporen bildend, die in roten Ranken heraustreten. Die
zwei mittleren Zellen sind etwas kürzer als die Endzellen,
welche allmählich stumpflich zugespitzt sind.
In den Acervuli von Steganosporium pyriforme (auf Rinde
von Acer sp.) schmarotzend. Irenental bei UntertuUnerbach
im Wienerwalde, Mai 1906.
Von den zahlreichen bekannten Fusarmm-Arten ist die
beschriebene, in die Sektion Selenosporhim gehörige Form
durch die Lebensweise, die eingesenkten Sporodochien und
besonders die in schönen, manchmal langen Ranken austreten-
den Sporen auffallend verschieden. Der Pilz fand sich stets nur
in den Sporenlagern des Steganosporinm und ist seine sporen-
bildende Schichte mit der des Nährpilzes so verschmolzen, daß
154 F. V. Höhnel,
dieser scheinbar zweierlei Sporen entwickelt. Die Fusaviiun-
Sporen bilden eine Ranke, welche durch die Sporenmassen des
Steganosporium brechen und oft weit vortreten. Solche Sporen-
ranken sind bei Fusarhtm- Arten meines Wissens bisher nicht
beobachtet worden. Die Mittelzellen der Sporen zeigen häufig
einige kleine Öltröpfchen.
155. Zur Synonymie einiger Pilze.
1. Mollisia Gtiernisacii Crouan (1867) ist nach Gillet,
Les Discomycetes, 1881, p. 118, Tafel 80, offenbar gleich
Uruiila terrestris (Nssl.) 1872, was an Originalexemplaren
noch näher zu prüfen wäre.
2. Die beiden Hyphomycetengattungen Stephanoma
Wallr. und Syiitlietospora Morgan fallen offenbar zusammen.
3. Odontia tennevima Wettst. (Verh. d. zool.-bot. Ges.
Wien, 1888, p. 178) ist nach untersuchtem Originalexemplare
gleich Tomentella isahelUna (Fr.) v. H. et Litsch.
4. Ceratostoma biparasiticum Ell. et Ev. ist höchstwahr-
scheinlich gleich Melanospora parasitica Tul.
5. Steganosporium compactnni Sacc. ist keine Melan-
conieC;, sondern eine Tuberculariee und hat Thyrococciun com-
pactnni (Sacc.) V. H. zu heißen.
6. Septoria violicola =z Septoria Violae Rabh. ist zweifel-
los gleich Marssonina Violae (Pass.) Sacc.
7. Dendrodocliinm snhtile Fautr., Pionnotes pinastrt
Karst, und Cylindrocolla pini Lamb. et Fautr. sind miteinan-
der identisch oder sehr nahe verwandt und gehören in eine
neue Formgattung, die zu den Tnberctüarieae inncedineae
gehört und durch sehr dünne, lang fadenförmige Sporen ausge-
zeichnet ist. Ich schlage hiefür den Namen Linodochium vor.
8. Nachdem ich gefunden hatte (s. diese Berichte, math.-
naturw. KL, Band 115 [1906], p. 41), daß Lenzites faventina
Cald. und L.Reichardtii Schulz. derselbe Pilz sind, überzeugte
ich mich an den großen Originalexemplaren Schulzer's, die
sich im Wiener Hofmuseum und im botanischen Institute der
Wiener Universität vorfinden, daß diese Arten nichts anderes
sind als die entwickeltste (Lenzites-Forra) von Daedalea qncr-
cina (L.). Diese entwickeltste Form mit scharfrandigen
Fragmente zur Mykologie. loi^
Lamellen (die aber an großen Exemplaren rückwärts stumpf
werden und dann ganz so wie bei der gewöhnlichen Form auf
Eichen miteinander Daedalea-artig anastomisieren) scheint
typisch nur auf Poptiliis vorzukommen. Nun erklärt es sich,
daß D. qtiercina unter den übrigen Daedalea- Axien so ganz
isoliert dastand, während sie als Lenzites qnercina (L.) v. H. bei
den Letizites-hr{Qn einen besseren Anschluß findet.
Naraenverzelehnis.
Seite
Acrotlieca glaiica (Cd a.) v. H 1^1
Aglaospora profusa Fr ^ ^t>
Ag)'rieUa nitida (Lib.) S acc 135
Amphisphaeria anceps S. et B l-^^S
» deformis E. et L 1-1
» iiitidula n. sp 1 -Ö
sardoa (de Not.) 121
Aunularia Jaevis ^^
Antliostoma Cocois n. sp 12^
» versicolor Starb 12-1
Bombard ia ambigua Sacc. var. carbonaria Re hm 120
» fasciculata Fr 1 16> 1 18
Botrytis argillacea Cke 8"
» (Eubotrytis) brevior (Berk. et Broome) 87
» » carnea Seh um 87, 88
» (Phymatotriclium) carnea Seh um 88, 89
» carnea var. quercina 87
» dichotoina Cda 87, 88, 89
epigaea Lk 86, 89, 149
» (Eubotrytis) fiilva Lk 87, 88, 89
» » isabcllina Preuss 87, SS
» rosea Lk 8S
» spectabilis Harz l"!^'
Calonectria olivacea n. sp 1^'
CalospJiaeria myriospora Nke 12-^^
Cauiptosporiuin glaucnin Lk 1*^1
156 F. V. Höhnel,
Seite
Cenangium pallide-ßavescens Fe Itg . . 140
» » » var. Enpatorii Fe Itg 140
Ceratostoma hiparasiticum Ell. et Ev 154
Cercospora Caladii var. Colocasiae v. H 142, 150
» Kleinhofiae n. sp 150
Cistella dentata Quel 141
Clasterosporium glandtilaeforme n. sp 152
» Liiii Oud 152
CUtopilus conissans Peck 97^ 99
Clonostachyopsis Candida (Harz.) v^ H 149
» popiüi (Harz.) v. H 149
» pseudohotrytis v. H 149
Oouostachys Araucaria Cda 148, 149
» Candida (Harz.) 148
» cylindrospora n. sp 147
» Gneti Oud 149
» poptili (Harz.) 148
» pseudohotrytis v. H .... 148
» spectahilis (Harz.) 148
Coleroa salisburgensis (N s sl.) v, H 115
» Stranssii (S. et R.) v. H 115
Collonema rosea n. f. 143
Collybia nigrescens 96
Coronopkora Nitschliei Sacc 125
» thelocarpoidea v. H. 124
Coryne Faberi K z e 135
» sarcoides 135
» Urceohis (Fckl.) v. H 135
Cosmospora coccinea 106
Cticurbitaria Berberidis 1 04
CylindrocolJa pini Lam b. et Fautr 154
Daedalea qnercina (L.) 154
Dendrodochium subtile Fautr 154
Dendryphiujn Pini n. sp 153
Diaporthe (Claevostronia) Cerasi Fe Itg. non Fckl 139
» leiphemia Fe Itg 139
Didymella Passiflorae n. sp 123
Fragmente zur Mykologie. lO'
Seite
DidymospJiaeria alhescens Nssl 138
» brimneola Nssl 138
» epidermidis (Fr.) 138
» lignicola Feltg 138
Diplodina rosea K. et B 143
» roseophaea v. H 143
Dothidella Mnsae n. sp 130
Fusarium cirrosum n. sp Iö3
Fiisicoccum Macarangae v. H 144
Gihbera fulvella Mass 115
» salishurgensis Nssl 1 12, 1 13
» Vaccinii S o vv 115
Gloeosporhun affine Sacc 123
Gonatorrliodiella eximia n. sp 146
» parasitica Thaxt 147
Guepinia capitata Feltg 142
Harziella capitata C. et M. 150
efftisa V. H 149
Helicobasiditmt farinaceum n. sp. 84
» hypochnoidetiin v. H 85
Helminthosphaeria Clavariae Tul 109
» Corticiorum v. H 109
» Odontiae n. sp 108
Helotium serotinum (P.) 140
» terrestre Feltg 1 40
» virgultorum (Vahl.) 140
Heterocliaete europaea v. H 84
Homostegia graminis n. sp 131
Hyalinia crenato-inarginata n. sp 132
Hydmmi (Odontia) cristulatum Fr 94
Hygrocyhe nitrata ""^
Hyplioloma minutelluni n. sp 98
Hypochnus Brefeldii Sacc 89
» isahelUmis Fr 86
Hysteriuni sanioense n. sp 131
Inocyhe pluteoides n. sp 96
» Trinii W e i n m "^
158 F. V. Höhnel,
Seite
Kneiffia setiger a Fr 90, 9 1
Lenzites faventina Cald 154
» qtiercina (L.) v. H 155
» Reichardtii Schulz 154
Leptosphaeria inirahiUs Nssl 128
» Morthierana Sacc 112
» Wintert Nssl 112
Letendraea rJtynchostoma n. sp 108
Limacinia spinigera n. sp 100
Limacinula sanioensis n. sp 101
Lophiostoma canlium f. Vitalhae Feltg 137
Marssonina Violae (Pass.) Sacc 154
Massariita gigantospora Rehm. . 128
» Talae Speg 128
Melanopsamma hypoxyloides n. sp 121
» pomiformis (P.) 137
Melanospora parasitica Tul 154
Meliola longiseta n. sp 100
Metiispora glatica Cda 151, 152
Micropeltis albomarginata Speg 102
» FlageoJetii Sacc 137
» lencoptera Penz. et Sacc 102
» Recliingeri n. sp 102
Microthyrum Hederae Feltg 137
MoJlisia cinerea Feltg. 140
» » var. coiivexiüa Feltg 140
» Guernisacii Crouan 154
» stihcorticalis var. tapesioides Feltg 140
Mycena alcalina 95
» atramentosa (Kalchbr.) v. H 94
MycosphaereUa Aretiae n. sp 1 10
» Prininlae ..111
Naucoria Cucumis 99
Nectria cosmariospora C es. et de Not 106, 122
» episphaeria 106
» modesta n. sp 106
Neolecta aiirantiaca Feltsr 142
Fragmente zur M3'kologie. 1 o9
Seite
JSiiptera dentata Fckl 141
Nolanea sutceriina Schulz 97, 99
Odontia cristnlata Fr 89, 90, 91, 94, 109
» crtistosa P 90
fimhriata (P.) 89, 90
» liuida B r e s 89
» pannosa Bres 90, 91
» tennermia Wettst 154
» jida Fr 83
Orhilia hottilispora n. sp 131
PateUaria UrceoJns Fckl 133
Patellea Urceolus (Sacc.) 133
PestaJozziella anibigua n. sp 145
Pezizella radiostriata var. Jignicola Feltg 141
Pliialea epihrya n. sp 136
» Urceohis (Reh m) 133
Phylladiora Crotonis Cke 130
» Cytharexyli (Rehm) 130
» doliclwgeua (Berk. et Broome) 129
» graminis P 131
Phyllosticta Colocasiae v. H 142, 150
» colocasiaecola n. sp 142
Physalospora afßnis Sacc 123
» Fagraeae n. sp 123
» foUornm (Sacc.) v. H 138
» gregaria Sacc. va.r.foliornm Sacc 138
» » » f. Taxi Feltg 138
» Hoyae n. sp 122
Physisponts inconstaus Karst 92
Pionnotes pinastri Karst 154
Pirohasidinni 1 35
Pirottaea miinatcnsis P. et R 136
Pinly. H 135
» venUirioidcs S. et R 136
PlcospJiaeria malacoderma n. sp 121
» pulveracea Mout 122
» qncrcina Pat 122
160 F. V. Hühnel,
Seite
Pleosphaeria sylvicola n. sp 122
Pleospora Arnieriae (Rabh.) 139
* discors Feltg. non Ces. et de Not 138, 139
» Feltgeiiü Sacc. et Syd 138, 139
» herbarum (Rabh.) 139
Pleurotus nichdmis 99
Plutetis subcenmus Bres 97
Pocosphaeria balcanica n. sp 111
Podospora appendiculata Nssl 118
» coprophila 118
» ctirvtila 118
» fimiseda Ces. et de Not 118
» minuta 118
Polyportis ferrnglnens 106
» nodulostis Fr 106, 122
» obliqtms 106
» polymorplms Rosth 106, 122
» radiattts (S o w.) 106
» sanguhioletiUis 93
» terrestris Fr 92
Porta sangiiinolenta (Alb. et Schw.) 92, 93
» terrestris (DC.) non Bres 92, 93, 94
» violacea Fr 92
» vlridmis (Berk. et. Broome) 91
Protodontia nda n. g. et sp 83
Psatliyra frnstulenta 99
» gyroflexa Fr 98
» neglecta Mass 99
» spadiceo-grisea (Schaff.) 97
» snbcermta v. H 97, 99
» tetinicola Karst 98
Psathyrella gracilis 97
Pseudosphaeria Callista (Rehm) v. H 129
Pseudospkaeriaceae 129
Pseudovalsa profusa (Fr.) 126
Psilocybe sarcocephalns Fr 97
» sqiialens 99
- :, ■' Erägrri«rite zur Mykorogie. - • ■ •- 161
Seite
kebentiscliia imicaudata (Berk. et Broome) .137
Rhaniplioria thelocarpoidea v. H. l25
tympanidispora Rehm . .-. •. . . ............. 125
Rhynchostoma minutelhim n. sp 1 16
Rosellinia nielaleuca Ell. et Ev. 109
» Niesslii A u e r s vv 1 04
» pinicola Ell. et Ev , . . 109
Septoria Artocarpi Cke 144
» crustacea We l\v. et Curr 144
» ehiirnea n. sp . . .., ........ 144
Violae Rabh 154
violicola S a c c 1 54
Sistotrema sanguinolentmn (Alb. et Schw.). . . . . '.'. 94
Sordaria bomhardioides Aue rsw 118, 1 19
» discospora 118
» ßniicola 118
» niaxima Nssl 118
» Niesslii 105
Sphaerodernia epiniyces n. sp 103
» episphaeritim (Ph. et PI.) 104
» Jiypomyces n. sp , ; ,...,. 102
SphaerodenneJla Niesslii (Auersw.) v. H 105
Sphaerulina Annae Oud 128
Callista Reh m .128
» » var. Vossi Rehm 128
» pachyasca Nssl 128
Sporormia ambigua 118
leporina Nssl 118, 119, 144
» minima 118
Steganosporinm compactum Sacc 154
Stilhospora Robiniae Oud 126
Tapesia fnsca (P.) 150
Thyrococciun compactum (Sacc.) v. H 154
Tomeiitella flava Bref. 85, 86, 88
fnsca 87, 88
granulata Bref 85, 86, 89
» isabell ina (Fr.) v. H. et Litsch 88, 154
Sitzb. d. mathem.-naturw. Kl. ; CXVI. Bd., Abt. I. 1 1
162 F. V. Höhne 1, Fragmente zur Mykologie.
Seite
Trichobelonium pilosiun var. tetrasporum Feltg 141
Trichosperma cyphelloidea n. sp 145
Tiibercularia vulgaris? 142
Urnula terrestris Ns sl 154
Valsa ceratophora Tul. v&r.farinosa Feltg 139
» » Tul. f. Rosarum Fe kl 139
» farinosa Feltg 139
» Rosarum de N o t 1 39
Venturia Straussii Sacc. et R 112
Wettsteinina gigantospora (Rehm) v. H 129
» gigaspora v. H 1 26
» Vossi (Rehm) v. H 129
Winterina tahercttlifera 108
Zignoella (Zignaria) superficialis Feltg 137
Figurenerklärung zur Tafel.
(Gezeichinet von Assistenten V. Lit schau er.)
Fig. 1. Wettsteinina alpina V . U.. a senkrechter, h horizontaler Medianschnitt
durch ein Stroma (Vergr. 120); c drei Sporen (Vergr. 250); d ein Ascus
(Vergr. 200); e eine Spore (Vergr. 500).
Fig. 2. Bomhardia fascicnlata Fr. Zwei Perithecien im senkrechten Median-
schnitt und Obenansicht eines Peritheciums mit dem Ostiolum
(Vergr. 60).
iIöhiiel,F.V.: Fragmente zurlV^tologie.
i.
120 L
V. lÄUSc-houer. d^Üll. laULA...st.v.Th.Bannw,u^,Wien.
vSilzim<5sberiehte d.kaLs.Akad.d.Wis.s.,matIi.-natui^v.Klasse, Bd.CXV. Abtii.I.1906.
Die Sitzungsberichte der mathem.-naturw. Klasse
erscheinen vom Jahre 1888 (Band XCVII) an in folgenden
vier gesonderten Abteilungen, welche auch einzeln bezogen
werden können:
Abteilung I. Enthält die Abhandlungen aus dem Gebiete der
Mineralogie, Kristallographie, Botanik, Physio-
logie der Pflanzen, Zoologie, Paläontologie, Geo-
logie, Physischen Geographie, Erdbeben und
Reisen.
Abteilung II a. Die Abhandlungen aus dem Gebiete der
Mathematik, Astronomie, Physik, Meteorologie
und Mechanik.
Abteilung II b. Die Abhandlungen aus dem Gebiete der
Chemie.
Abteilung III. Die Abhandlungen aus dem Gebiete der
Anatomie und Physiologie des Menschen und der
Tiere sowie aus jenem der theoretischen Medizin.
Von jenen in den Sitzungsberichten enthaltenen Abhand-
lungen, zu deren Titel im Inhaltsverzeichnisse ein Preis bei-
gesetzt ist, kommen Separatabdrücke in den Buchhandel und
können durch die akademische Buchhandlung Alfred Holder,
k. u. k. Hof- und Universitätsbuchhändler (Wien, L, Rothenthurm-
straße 13), zu dem angegebenen Preise bezogen werden.
Die dem Gebiete der Chemie und verwandter Teile anderer
Wissenschaften angehörigen Abhandlungen werden auch in be-
sonderen Heften unter dem Titel: »Monatshefte für Chemie
und verwandte Teile anderer Wissenschaften« heraus-
gegeben. 14 K — 14 M.
Der akademische Anzeiger, welcher nur Originalauszüge
oder, wo diese fehlen, die Titel der vorgelegten Abhandlungen
enthält, wird, wie bisher, acht Tage nach jeder Sitzung aus-
gegeben. 5 K — 5 M.
SITZUNGSBERICHTE
DER KAISERLICHEN
kADEMlE DER WISSENSCHAFTEN.
MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE KLASSE.
CXVL BAND. IL HEFT.
JAHRGANG 1907. — FEBRUAR
ABTEILUNG L
ENTHÄLT DIE ABHANDLUNGEN AUS DEM GEBIETE DER MINERALOGIE,
KRISTALLOGRAPHIE, BOTANIK, PHYSIOLOGIE DER PFLANZEN, ZOOLOGIE,
PALÄONTOLOGIE, GEOLOGIE, PHYSISCHEN GEOGRAPHIE UND REISEN.
(MIT 6 TAFELN UND 1 TEXTFIGUR.)
^"^ WIEN, 1907.
AUS DER KAISERLICH-KÖNIGLICHEN HOF- UND STAATSDRUCKEREI.
IN KOMMISSION BEI ALFRED HOLDER.
K. U. K. HOF- UND UNIVERSITÄTSBUCHHÄNDLER.
BUCHHÄNDLER DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
INHALT
des 2. Heftes, Februar 1907, des CXVI. Bandes, Abteilung- I, der
Sitzung-sberichte der mathem.-naturw. Klasse.
Seite
Werner F., Ergebnisse der mit Subvention aus der Erbschaft Treitl
unternommenen zoologischen Forschungsreise Dr. Franz Werner's
in den ägyptischen Sudan und nach Nord-Uganda. VIII. Ortlio-
ptera Blattaeformia (mit einer Revision der Mantodeengattung
Tarachodes). (Mit 3 Tafeln und 1 Textfigur.) [Preis: 3 K 30 h —
3 M 30 pf] 165
Karny H., Ergebnisse der mit Subvention aus der Erbschaft Treitl
unternommenen zoologischen Forschungsreise Dr. Franz Werner's
nach dem ägyptischen Sudan und Nord-Uganda. IX. Die Ortho-
pterenfauna des ägyptischen Sudans und von Nord-Uganda
(Saltatoria, Gressoria, Dermapteva) mit besonderer Berücksich-
tigung der Acridoideengattung Catantops. (Mit 3 Tafeln.) [Preis:
3 K 30 h — 3 M 30 pf I . . . . • 267
Preis des g-anzen Heftes: 5 K 50 h — 5 M 50 pf.
SITZUNGSBERICHTE
DER
KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
MATHEMATISCH -NATURWISSENSCHAFTLICHE KLASSE.
CXVL BAND. II. HEFT.
ABTEILUNG I.
ENTHÄLT DIE ABHANDLUNGEN AUS DEM GEBIETE DER MINERALOGIE,
KRISTALLOGRAPHIE, BOTANIK, PHYSIOLOGIE DER PFLANZEN, ZOOLOGIE,
PALÄONTOLOGIE, GEOLOGIE, PHYSISCHEN GEOGRAPHIE UND REISEN.
12
165
Ergebnisse der mit Subvention aus der Erb-
sehaft Treitl unternommenen zoologischen
Forschungsreise Dr. Franz Werne r's in den
ägyptischen Sudan und nach Nord-Uganda.
Vin.i Orthop tera Blatt aeformla
(mit einer Revision der Mantodeengattung Tarachode s)
von
Dr. Franz Werner (Wien).
(Mit .3 Tafeln und 1 Textfigur.)
(Vorgelegt in der Sitzung am 10. Jänner 1907.)
Einleitung.
Der ägyptische Sudan ist orthopterologisch noch wenig
erforscht. Das spärliche Material, das von den Reisen von
1 Da die Ergebnisse meiner Reise bisher unter zwei verscliiedenen Über-
schriften und teilweise nicht numeriert erschienen sind, so gebe ich nachstehend
zur Übersicht ein Verzeiclinis der bisher darüber erschienenen Publikationen:
I. Die Orthopterenfauna Ägyptens mit besonderer Berücksichtigung der
Eremiaphilen. Von Dr. Franz Werner. (Überschrift: Ergebnisse einer
zoologischen Forschungsreise nach Ägypten und dem ägyptischen Sudan.)
Sitzb. Bd. CXIV, I, Mai 1905.
II. Cestoden aus Fischen, aus Varanus und Hyrax. Von Dr. Bruno Klaptocz.
(Überschrift wie oben Nr. VIII.) Sitzb. Bd. CXV, 1. Jänner 1906.
III. Atichmophila kordofensis, eine neue Psychidengattung und Art, nebst
Verzeichnis der übrigen gesammelten Lepidopten. Von Dr. H. Rebel.
(Überschrift: Ergebnisse einer zoologischen Forschungsreise von Dr.
Franz Werner etc., wie Nr. I.) Sitzb. Bd. CXV, I, April 1906.
IV. Krokodile und Schildkröten. Von Kustos Friedrich Sieben rock. (Über-
schrift wie Nr. III.) Sitzb. Bd. CXV. I, Juni 1906.
V. Beiträge zur Kenntnis der Fischfauna des Nils. Von Dr. Franz Werner.
(ÜberschriftvonjetztabwieobenNr. VIII, beziehungsweise II.)
Sitzb. Bd. CXV, I, Juli 1906.
VI. Cestoden aus Numida ptilorhyncha Lebt. Von Dr. Bruno Klaptocz.
Sitzb. Bd. CXV, I, Juni 1906.
VII. Araneida. Von Eugene Simon. Sitzb. Bd. CXV, I, Juli 1906.
12*
166- F. Werner,
Hartmann, Kotschy, Marno, Schvveinfurth und andern
Forschungsreisenden in den Sammlungen vorliegt, genügt
eben, um zu erkennen, daß wir teils mediterrane, teils äthio-
pische Formen vor uns haben; aber von dem enormen
Reichtum an Orthopteren, den dieses ausgedehnte Gebiet
beherbergt, ist bisher nur ein minimaler Bruchteil bekannt
gewesen. Während meiner Sudanreise 1905 habe ich den
Orthopteren besondere Aufmerksamkeit geschenkt und wenn
auch die Zahl der gesammelten Arten sicherlich bei weitem
noch nicht die der wirklich vorkommenden erreicht hat, so
ist doch in nachstehender Arbeit wenigstens eine Grund-
lage geschaffen für die Kenntnis der Orthopterenfauna des
Ostsudan. Daß Kordofan, das Gebiet des Gazellenflusses,
ja auch noch die Steppengebiete nördlich von Khartoum eine
reiche Orthopterenfauna enthalten, ist zweifellos, ebenso, daß
viele Arten erst zur Regenzeit im Imaginalzustande anzu-
treffen sind.
Nach der Bodenbeschaffenheit läßt sich im ägyptischen
Sudan Wüste, Steppe, Sumpfland und Urwald unterscheiden.
Die Wüstenformen sind in meiner Ausbeute relativ spärlich
vertreten; denn ich habe nur in dem Gebiete zwischen Duem
und dem Gebel Araschkol im östlichsten Kordofan sowie im
nördlichsten Teile, bei Wadi Haifa, die Wüste des Sudan
besucht; ebenso war das Gebiet am Gazellenflusse (Bahr-el-
Ghazal) wegen des Niam-Niam- Feldzuges aus dem Reise-
programm auszuschließen gewesen. Die Hauptmasse der ge-
sammelten Arten stammt daher aus dem Steppen- oder richtiger
gesagt Savannengebiete, ein geringerer Teil aus den Sümpfen
am Weißen Nil und Bahr-el-Gebel. Diese letzteren gehören
vorwiegend zu den Lociistodea e. g. Xiphidion, Conocepliahis,
Pseudorhynchtis und Phmieroptera und zu den Gryllodea
{Eiiscyrtus, Cyrtoxipha u. a.); von den Feldheuschrecken sind
Oxya und Paracinema, sowie Paratettix in erster Linie hieher
zu rechnen.
Besonders von den Gryllodeen kann man sagen, daß sie im
Sudan so gut wie nirgends an ganz trockenen, dürren Stellen
gefunden werden, denn abgesehen von den kleinen Sumpf-
bewohnern sind auch die übrigen vorwiegend am Flußufer
OHhoptera Blatlaeformia. 1"/
unter Steinen und Papyrusstrünken zu finden, unter welchen
die Erde auch zur Trockenzeit noch ganz feucht ist, oder aber
unter alten Dumpalmenstrünken wie bei Gondokoro, wo sich
zum mindesten eine Spur von Feuchtigkeit vorfindet, und
zwar bis an das Ende der Trockenzeit.
Was die Savannenfauna anbelangt, so finden wir hier
Grasbewohner und Bewohner der Bäume, und zwar kommen
nach meiner Erfahrung ausschließlich Akazien in Betracht,
welche von Mantodeen (Elaea, Tarachodes, Tarachina, Oxy-
pilus), deren Färbung aufs genaueste mit der Rinde überein-
stimmt, bewohnt werden. Auf welchen Bäumen die übrigen
Phaneropteriden außer Plianeroptera leben, die aus dem Ge-
biete bekannt sind, habe ich nicht eruieren können, da ich
Diogena nicht selbst fand, die andere Art (Eurycorypha varia)
aber ins Haus gefiogen kam. Möglicherweise leben auch sie
auf Akazien; auf Palmen, Kigelien und andern starkblätterigen
Bäumen habe ich niemals Orthopteren gesehen.
Geradezu charakteristisch für die Orthopteren des Sudan
ist die außerordentliche Häufigkeit langgestreckter Formen
und das ebenfalls häufige Auftreten von Verlängerungen des
Kopfes in der Längsachse des Tieres. Für letztere Erscheinung
kann unter den Mantodeen Pyrgomantis, unter den Acridiern
Acrida, Mesops, Calamus, Gonyacatitha, unter den Locusto-
deen Pseudorhynchus als Beispiel angeführt werden. Mit der
stabförmigen Körpergestalt tritt auch manchmal im Zusammen-
hange noch die Verlängerung hinterer Körperanhänge (Lamina
supraanalis bei Isclmomantis und Solygia unter den Manto-
deen, Lamina subgenitalis bei Ischnacrida unter den Acri-
diern), stets aber hellgelbbräunliche Färbung, ähnlich der des
dürren Steppengrases, auf.
Einer auffallenden Anpassung habe ich bereits in meinem
Reiseberichte gedacht; auf dem Streifen Ufer nämlich, in
welchem von den Eingeborenen zum Zwecke der Urbar-
machung alljährlich gegen Ende der Trockenzeit das dürre
Steppengras niedergebrannt wird, leben nämlich teils gänzlich
schwarzgraue oder nur stellenweise dunkel gefärbte Heu-
schrecken aus Arten, die sonst die normale Steppenfarbe
zeigen (Acrotylus, Cosmoryssa, PyrgomauHs, Galepsus u. a.).
168
F. Werner,
Es handelt sich hier jedenfalls um eine ähnliche »Farben-
photographie«, wie sie Vosseier für algerische Wüsten-
heuschrecken nachgewiesen hat und wie sie sicherlich auch
für die normalen steppengrasfarbigen Individuen angenommen
werden darf.
Wenn wir nach der Zahl der vorgefundenen Larven und
Imagines, nach dem Vorkommen oder Fehlen grüner Arten
auf die Verteilung während der beiden Jahreszeiten schließen
dürfen, so können wir sagen, daß (wenn wir von den Sumpf-
bewohnern absehen) die grünen Formen wahrscheinlich zur
Regenzeit ihre hauptsächlichste Lebens- und Fortpflanzungs-
periode haben und danach nur mehr in vereinzelten Indivi-
duen vorkommen, während die steppenfarbigen, von welchen
bis Ende März Larven und Nymphen immer seltener werden,
im allgemeinen (wohl mit Ausnahme der meisten Mantodeen,
von welchen Ischnomaittis, Tenodera superstitiosa ausschließ-
lich, Miomantis, Pyrgomantis, Galepstis, Oxythespis zum
großen Teile im larvalen Zustande gefunden wurden) in der
zweiten Hälfte der Trockenzeit voll entwickelt und fort-
pflanzungsfähig sind.
Die Blattodeen, welche ich auf der Reise sammelte,
stammen zum größten Teile aus den Hütten (Tukul) der
Schilluk- und Barineger; die übrigen wurden wie die Gryllo-
deen am Ufer des Stromes unter Steinen, Baumstrünken und
Papyruswurzeln gefunden; nur ein Exemplar von Naiiphoeta
sudanensis und fast alle 9 9 von Pellita versicolor stammen
aus Spalten und Ritzen unter der Rinde von Akazien. Auf den
Dampfern finden sich Phyllodromia germanica und siipellecti-
lium, auch ein 9 von Pellita wurde einmal in einem Wasser-
behälter auf dem Verdeck ertrunken gefunden.
Trotz der Flugfähigkeit der meisten Orthopteren des
oberen Nils ist die Übereinstimmung mit der Fauna Ägyptens
eine verschwindend geringe und scheint sich im wesentlichen
auf die Arten zu beschränken, welche durch Kokons ver-
schleppt werden können, beziehungsweise Hausgenossen des
Menschen sind, also Blattodeen {Phyllodromia germanica und
supellectilium, Periplaneta americana, Nauphoeta cinerea,
wohl auch Holocompsa fulvd) und Gryllodeen (Acheta dorne-
Orlhoptcra Blattaeformia. 1""
sHca). Die ägyptischen Mantodeen scheinen (mit Ausnahme
von Mantis) nirgends in das äthiopische Gebiet einzudringen;
dagegen allerdings tropische Formen (Tarachodes) bis nach
Dongola (Hart mann) und sogar Ägypten (Klunzinger) sich
zu verbreiten, wohl im Zusammenhang mit der Verbreitung der
Akazien nach Norden. Von den sicher ägyptischen Laubheu-
schrecken ist nur Xiphidion aethiopicum, eine ursprünglich
ohnehin tropische Art, von den Feldheuschrecken der den ver-
einzelten dürren Strecken am Stromufer folgende, übrigens
nicht sehr wählerische Clirotogonns lugnhris, der wie AioJopns
thalassimis auf dem kurzen Grase der Ufer^ sich herum-
treibende Calephorits compressicornis, die nirgends fehlenden
Acrida turrita und Acridella variabilis, die auf Sumpfboden
neben Tridactylus (der hier nicht wie in Ägypten im Sande
leben kann) herumspringende kleine Paratettix meridionalis,
der im hohen Ufergras lebende Eiiprepocnemis plormis und
von den Grillen GryUotalpa africana (auch eine ursprünglich
tropische Art) am oberen Nil zu finden. Dagegen sind die von
Kordofan bisher bekannten Arten im wesentlichen paläarktisch:
Sphingonoius coertdans und azurescens, Poeciloceriis liierogly-
phicus, Eremiaphila u. s. w., was freilich nicht ausschließt, daß
Westkordofan, welches ja kein Wüstengebiet ist, eine echt
äthiopische Fauna beherbergen kann, aus welcher Gymnoproctus
ahortivus am weitesten nach Osten geht.
Relativ wenig wissen wir über das Gebiet zwischen Wadi
Haifa und Khartoum, in welchem eine intermediäre Fauna
zwischen der ägyptischen und der tropisch -sudanesischen
heimatet. An auffallenden und bemerkenswerten Formen sind
hier Centromantis Hedenhorgi (Stäl), Empitsa Hedenborgi
Stäl, beide sudanesische Tarachodes-Arten, Clonaria gracilis,
Poecilocertis (zwei Arten: kieroglyphiciis und vittatus, während
die dritte — bufonms — auf Unterägypten und Syrien be-
schränkt ist), Dlogena, Magrettia zu nennen, also teils palä-
arktische Formen (auch Diogena ist noch hieher zu rechnen,
weil sie keine andere als paläarktische Arten enthält und
1 In Gesellschaft der unseren Oedipoda- Arten sehr ähnlichen Trilophidin
annulata und verschiedener kleiner Acridier aus der Stenoboihrits-Gruppe.
170 F.Werner,
nicht über Kawa nach Süden geht), teils spezifisch nubische
Magrettia) oder echt sudanesische (Tarachodes). Es ist zweifel-
los, daß in den Steppengebieten Nubiens (Bajudasteppe) eine
Menge echt sudanesischer Formen sich finden, die gegen-
wärtig durch den Wüstengürtel um Khartoum vom Zusammen-
hange mit dem Hauptgebiete südlich vom 15. Grade abge-
schnitten sind, ebenso wie dies auch für die Berberländer gilt,
welche derzeit durch ein ausgedehntes Wüstengebiet vom'
Sudan getrennt sind und eine ganze Menge von Arten enthalten,
welche im Sudan vorkommen,^ aber in Ägypten fehlen.
Für die Erlaubnis, die ihnen unterstehenden Orthopteren-
sammlungen studieren zu dürfen, bin ich in erster Linie den
Herren Direktoren K. Ganglbauer (k. k. Naturhistorisches
Museum, Wien), Prof. A. Brauer (königl. Museum für Natur-
kunde, Berlin), Oberstudienrat Prof. K. Lampert (königl. Natu-
ralienkabinett, Stuttgart), Prof. Y. Sjöstedt (Reichsmuseum,
Stockholm), Prof. A. Balfour (Gordon College, Khartoum) zu
Dank verpflichtet, ebenso auch den Herren Dr. K. Holdhaus,
Assistent am k. k. Naturhistorischen Hofmuseum in Wien, und
Th. Kuhlgatz, Assistent am königl. Museum für Naturkunde
in Berlin, für die Freundlichkeit, mit der sie allen darauf bezüg-
lichen Wünschen stets entgegenkamen. Großen Dank schulde
ich auch meinem verehrten Freunde Capt. S. S. Flow er,
Direktor des zoologischen Gartens in Giza (Kairo) für das auf
seinen Reisen im Sudan gesammelte und mir zur Verfügung
gestellte Mantodeen-Material.
Die Bearbeitung der Orthoptera im engeren Sinne {Salta-
form, Gressoria, Dermaptera) hat Herr H. Karny übernommen
und sie wird als Nr. IX der Ergebnisse meiner Reise erscheinen.
Erwähnen möchte ich noch, daß mir von den hier ge-
nannten sudanesischen Arten nur zwei {Miomantis Savigiiyi
und Empiisa Stollit) nicht in sudanesischen Exemplaren und
weitere zwei {Oxypila brunneriana und Empusa Hedenborgi)
überhaupt nicht vorlagen.
1 Oxythespis senegalensis, Conocephahts nitiduliis, Paracinema fricolor,
Trigonidium cicindeJoides u. a., wohl auch Pyrgomorpha cognata.
Orthoptcra Blattaeformia. 1' 1
Blattodea.
I. Ectobiidae.
Anaplecta Burm.
1. A. africana Sauss.
Saussure, Ann. Mus. Genova, XXXV, 1895, p. 70.
Lado (Saussure).
IL Phyllodromiidae.
Phyllodromia Serv.
2. Ph. germanica L.
Brunner, Nouveau Systeme des Blattaires, 1865, p. 91, und Prodromus, p. 91.
Kirby, Syn. Cat. Orth., I, p. 87. — Bormans, Orthopt. (Ann. Mus. Genova,
1880), p. 206.
Adelung, Symbola nova ad Cognitionen! Blattodeorum (Orth.) Afr. ov., p. 2.
Auf dem Dampfer »Toski* zwischen Shellal und Wadi
Haifa (cf, 9, Kokon).
Kosmopolit; in Nordostafrika, auch noch in Gallaland
(Rehn), Somaliland (Schul thess), Let Marefia und Mahal
Uonz in Schoa (Bormans) und Abessynien (Adelung) ge-
funden.
3. Ph. cordofana B r.
Brunner, Blattaires, p. 97.
Ein cf dieser Art, welches größer ist als Brunner's Type
aus Khartoum, fing ich am 31. März 1905 bei Mongalla.
Körperlänge 9, Elytren 10 mm.
Die Art lebt auch, nach einem Exemplar der Coli. Br. zu
schließen, am Senegal.
172 F. Werner,
4. Ph. supellectilium Serv,
Brunner, p. 98. — Werner, Onhopt. Aegypt., p. 377.
Kirby, p. 88.
Khor Attar, in den Hütten (Tukul) der Schilluks; Mon-
galla, Gondokoro; auch wie Pk. germanica auf Dampfern (»Dal«
zwischen Gondokoro und Khartoum); Khartoum (Coli. Br.).
Außerdem in Ägypten, Somaliland, Isle de France, Ost-
indien, Brasilien, Cuba.
5. Ph, trivirgata n. sp.
Ph. germanicae simillima, vitta interoculari distincta, vittis
longitudinalibus pronoti angustioribus, vitta mediana angusta
a medio pronoti ad apicem abdominis percurrente, scuto seg-
menti 6. nullo, lamina supraanali 1. subgenitalem superante
cercis que flavis basi nigris. 9 Larva.
Vittae laterales pronoti in meso- et metanotum (ad basin
elytrorum et alarum) perductae; pro-, meso- et metanotum
inter vittas rufescente-tlavum, margine externo albidum. Ab-
domen supra albidum, segmentis antice nigromarginatis in
forma • — ^^ — -. Lamina supraanalis triangularis.
Subtus flavescens, abdomen rufescens, pallide margina-
tum, hoc margine a colore rufescente vitta atrofusca seiuncto;
lamina subgenitalis atrofusca, apice albido. Larvae minores
vitta mediana pronoti nuUa.
Long. tot. 9' 7 mm.
Khor Attar, Februar 1906; Gondokoro, März 1906. Unter
Papyrusstrünken am Nilufer.
6. Ph. aequatorialis n. sp.
Differt a Ph. germanica vittis obscuris pronoti indistinctis,
vitta interoculari distincta, statura minore, cercis multo lon-
gioribus, laminis supraanali et subgenitali haud triangulariter
productis, rotundatis, abdomine supra postice nigrescente, albo-
limbato, subtus testaceo, nigrescente marginato, margine atro
Orthoptera Blattaeformia. 173
extus albolimbato. Vena ulnaris alarum biramosa, posterior
elytrorum pluriramosa. 9 .
Long, corporis 9 fnm,
» pronoti 2 ' 7 »
» elytrorum 11 »
Khor Attar, Mongalla, Gondokoro. 399.
Diese Art lebt wie die vorige unter Papyrusstrünken und
Steinen,
7. Ph. pallidula n. sp.
Ph. Treitliana, specie aegyptia, valde affinis, sed vitta inter-
oculari nulla, oculis multo maioribus, vena ulnari posteriore
elytrae pluriramosa (in Ph. Treitliana uni-, raro biramosa).
Supra et subtus testacea, unicolor. cf .
Long, corporis 10 mm,
» pronoti 2*7 »
» elytrorum 10 »
Khor Attar, Februar 1905. Lebensweise wie bei voriger Art.
8. Ph. arundinicola Werner.
Sitz. Ber. Akad. Wiss. Wien, 1905, p. 377.
Die im Sudan gefundenen Exemplare dieser Art unter-
scheiden sich nur unwesentlich (durch hellere Färbung) von
den Typen aus Unterägypten. Es sind mir nur cfd" unter-
gekommen, während die Typen 9 9 waren. Nachzutragen
wäre, daß die Vena ulnaris posterior der Elytra mehrfach ver-
zweigt ist und daß die V. ulnaris des Hinterflügels gegabelt,
der obere Ast aber selbst wieder gegabelt ist.
Long, corporis \2 mm.
•» pronoti 3 »
» elytrorum 13 »
Khor Attar, Mongalla, Gondokoro; Lebensweise wie bei
vorigen Arten.
174 F. Werner,
Die ägyptischen und sudanesischen Phyllodromien lassen
sich ohne Schwierigi^eit auf folgende Weise unterscheiden:
1. Pronotum nigro bivittatum aut bimacu-
latum 2
Pronotum concolor aut punctulatum . .5
2. Pronotum indistincte bimaculatum aut
bivittatum (Vena ulnaris alarum
bifurcata) Ph. aeqtiatorialis
Pronotum distincte bivittatum 3
3. Pronotum anguste atro bivittatum (Cerci
basi et apice nigri) Ph. angustifasciafa
Pronotum late bivittatum 4
4. Vittae pronoti spatio mediano aeque
latae aut latiores; cerci unicolores,
fusci Ph. germanica
Vittae pronoti spatio mediano angu-
stiores; cerci flavescentes, basi
nigri Ph. trivirgata
5. Elytra fusca, flavescente maculata . . . .Ph. stipellectilium
Elytra unicoloria 6
6. Caput inter oculos fascia atra ornatum Ph. TreitUana
Fascia interocularis nulla 7
7. Venae alarum apice infuscatae; elytra
rufescentia Ph. arundinicola
Venae alarum apice concolores; elytra
testacea Ph. pallidtüa
III. Periplanetidae.
Periplaneta Burm.
9. P. americana L.
Brunner, 1. c, p. 232, und Prodromus, p. 50.
Kirby, 1, c, p. 140.
Khor Attar, in den Tukuls der Schilluks; Larven im Freien
im Garten des Hotels in Khartoum und bei Gondokoro unter
Steinen.
Orthoptera Blattaeformia. \ i O
Kosmopolit. In Nordostafrika auch von Obok und Adis-
Ababa (Adelung, 1. c, p. 23) bekannt.
Deropeltis Burm.
10. D. erythrocephala Fabr.
Brunner, 1. c, 242, Taf. VIII, Fig. 38 A— F.
Kirby, 1. c, p. 145.
Sudan (in Coli. Mus. Gordon College, Khartoum), ein cf
ganz typisch.
Erst aus Südafrika bekannt (Cap, Algoabai, Damaraland)-
Pseudoderopeltis Krauss.
11. P. Adelungi n. sp.
9 larva, a P. spedahili Ad., unica femina cognita huius
generis colore necnon structura segmentorum posticorum ab-
dominis numeroque spinarum in margine inferiore femorum
facile distinguenda.
Nigro-picea, nitida, antennis fuscis; aptera, glabra; clypeus
et coxae anticae totae, coxae intermediae et posticae ad tro-
chanterem flavescentes, articuli basales duo palporum labialium
rufescentes (labro et articulo tertio palporum atris). Antennae
linea impressa angulata, ad verticem convexa, seiunctae. Pro-
notum fere semicirculare, caput fere perfecte obtegens, punctis
sparsis impressis notatum.
Femora antica subtus intus 7-, extus 3-spinosa; inter-
media 8 (6), postica 6 (5) spinosa. Metatarsus posticus subtus
dense denticulatus, apice pulvillo instructo, articulis caeteris
sumptis (omnibus pulvillo distincto instructis) metatarso bre-
vioribus; unguiculi tarsorum graciles, breves.
Segmentum dorsale primum abdominis metanoto perfecte
obtectum; septimum segmentis duobis praecedentibus longi-
tudine aequalis, postice acute trilobatum, lobis lateralibus
distincte reflexis lobo mediano rectangulo; segmentum 8. tri-
lobatum, lobo mediano lateralibus multo maiore, medio cari-
nato; lamina supraanalis acute bilobata. Lamina subgenitalis
176 F.Werner,
indistincte rotundato-trilobata, lobo mediano truncato, medio
subtiliter carinulato. Cerci margine externo rotundato, interno
obtuse angulato, laminam supraanalem valde superantes.
Long, corporis 21 "5 mm,
» pronoti 6 »
» abdominis 12*5 »
» segm. 7. abd. 3 »
Gondokoro, März 1905.
Von der Gattung PsetidoderopeWs war bisher nur ein
einziges 9 bekannt, welches N. v. Adelung aus Südabes-
synien beschrieb (P. spectahilis). Die auffallende Länge des
7. Abdominalsegmentes scheint für die Gattung charakte-
ristisch zu sein.
IV. Panehloridae.
Leucophaea Br.
12. L. surinamensis Fabr.
Brunner, 1. c, p. 278, Taf. VII, Fig. 32 A— E.
Kirby, 1. c, p. 151.
Khor Attar, in den Tukul der Schilluks. Nur Larven
erhalten.
Kosmopolit.
Nauphoeta Burm.
13. N. cinerea (Oliv.).
Olivier, Encyclopedie Methodique, Tome IV, p. 314.
Saussure, in: Hist. Madagascar (Grandidier), I, Paris, 1895, p. 81, Taf. III,
Fig. 31, und in: Wiss. Ergab. Reise Mad. (Voeltzkow), I, 4, 1899, p. 583.
Khor Attar, in den Tukul der Schilluks.
Ägypten, Zanzibar, Madagaskar, Reunion, Sumatra, Java,
Philippinen, Antillen, Portorico, Mexiko, Brasilien, Rio de Janeiro,
Honolulu.
14. N. sudanensis n. sp.
Species maior, affinis A''. testacea Br.^ et gestroiana
Sauss.,^ colore abdominis et numero venarum campi analis
1 Brunner, Nouveau Systeme des Blattaires, p. 284.
2 Ann. Mus. Genova (2), XV, 1895, p. 86.
Orthoplera Blattaeformia. 177
elytrorum (15, in A''. testacea 20, in A''. gestroiana 12 — 13)
distincta.
Valida, sed A''. gestroiana minor; fulva. Caput crassum,
vertice distincte prominente, rotundato. Occiput et Vertex sub-
tiliter brunneo-punctata, lineis 3 — 5 pallidioribus. Frons flava,
labrum fulvum. Anguli scutelli macula minuta nigra. Pronotum
heptagonale, margine anteriore leviter rotundato, lateribus
deflexis, marginibus leviter reflexis; margine laterali anteriore
quam posteriore longius, posteriore obtusissime angulato. Dis-
cus pronoti sparse impresso-punctatus, fulvus, latera pallida.
Meso- et metanotum necnon abdomen picea, late paUide lim-
bata, margine pallida subtiliter nigropunctata, haud granulata.
Abdomen subtus piceum, segmentis medio et postice fulvis,
marginibus posticis serie punctorum nigrorum ornatis. Margo
latus pallidus nigroadspersus etiam in parte inferiori abdominis
distincta. Pedes fulvi.
Elytra fulva, campo marginali pallide-flavescente, vena
principali nigra; alae hyalinae, venis in campo anteriore Omni-
bus, in campo anali longitudinalibus tantum infuscatis, margine
anteriore alarum infuscato. Lamina supraanalis 9 rotundato-
bilobata, cercis fere duplo longior; lamina subgenitalis lata,
magna, triangularis; cf lamina supraanali (forma ut in 9)
cercos haud superante, lamina subgenitali parva, truncata.
Antennae piceae. cT^.
Dimensiones (j^ ex Mongalla
Long, corporis 25
» pronoti 7
Lat. » 8-5
Long, elytrorum .... 23*5
Lat. abdominis 10-5
Tewfikia, 8. Februar 1905; Mongalla, März 1905.
Das Exemplar aus Tewfikia fand ich in einer Rinden-
spalte einer Akazie in der Savanne; die aus Mongalla stammen
aus den Hütten der Eingebornen.
9 ex Mong
alla
9
ex Tewfikia
30
31
7-5
8-5
10-5
11-5
28-5
33
14
16
178 F.Werner,
V. Corydiidae.
Holocompsa Burm.
15. H. fulva Burm.
Brunn er, 1. c, p. 348.
Ägypten (Burm.), Khartoum (Brunn er), Damara (Stal).
VI. Oxyhaloidae.
Oxyhaloa Br.
16. O. minor Br.
Brunner, 1. c, p. 254.
Khartoum (Brunn er; in Coli. Br., Nr. 1041), Suro, Süd-
abessynien (Adelung, 1. c, p. 55), Webital, Somaliland
(Schulthess).
VII. Perisphaeriidae.
Pellita Br.
17. P. versicolor (Burm.), 1839.
Burmeister, Handb., II, p. 487 (Derocalymna).
Unter der Rinde von Akazien bei Duem (3. Februar),
Khor-Attar (Februar), Mongalla, Gondokoro (März), 9 9 ver-
schiedenen Alters.
Ein cf aus dem Mus. Khartoum. Auch in Gallaland (Gil-
dessa, Adelung, 1. c, p. 62) und Arramba, Schoa (Bormans,
1. c, p. 208).
Da Adelung, 1. c. 1904, eine vollständige Liste der bisher
aus Abessynien, Somali- und Gallaland bekannten Blattodeen
gibt, so habe ich davon Abstand genommen, die Blattodeen
Nordostafrikas in ähnlicher Weise wie die Mantodeen zu-
sammenzustellen.
Mantodea.
Diese Gruppe ist im Sudan verhältnismäßig reich an Arten,
jedoch arm an Individuen; auch von den relativ häufigeren Arten
findet man an manchen Tagen auch an ihren bevorzugten Auf-
enthaltsorten kein einziges Exemplar und nur selten mehrere
Orthoptera Blattaeformia. 1 '' 9
an einem Tage. Die Zeit der Eiablage war bei allen Arten im
Februar schon lange vorbei; die untersuchten Kokons, die
sicher drei verschiedenen Gattungen angehörten, waren durch-
wegs bereits leer und auch die Dimensionen der kleinsten ge-
fundenen Larven erwiesen dasselbe; wmPopa und Pseudoharpax
müssen erst im März ausschlüpfen.
Die Bewegungsweise der Sudanmantodeen ist eine ver-
schiedenere, als man in dieser Gruppe gewöhnlich annimmt.
Die langbeinigen Formen, welche auf dem Boden oder auf
Gebüsch leben, bewegen sich in der bekannten Weise laufend
fort; bei Eremiaphüa und Elaea sind die Laufbewegungen
unterbrochen, sozusagen stoß- oder ruckweise vor sich gehend;
die langgestreckten, dabei kurzbeinigen Pyrgomantis- Arten
machen beim Laufen ganz deutliche schlängelnde Bewegungen,
etwa wie eine Eidechse; und CalamotJiespis rutscht behend
mit ihren kurzen Beinen an Grashalmen auf und ab, ähnlich
wie die Acridier aus den Gattungen Mesops, Calamus u. dgl.
Zum Licht fliegen nur wenige Arten; in der ganzen Zeit
unseres Aufenthaltes, wobei wir stets entweder am Rande
eines Dorfes, dicht an der freien Savanne oder in derselben
selbst kampierten, ist mir nur einmal Oxythespis senegaletisis
zugeflogen, auf den Dampfer nur einmal Mioniantis pharao-
nica; das Vereinzelte dieses Vorkommens spricht dafür, daß
die Mantodeen Tagtiere sind und manche findet man nur bei
glühendster Mittagshitze in Bewegung (Elaea Marchali).
Von den sudanesischen Mantidengattungen ist nur eine
als rein paläarktisch zu betrachten (Ceiitromantis), während
die verwandte Gattung Eremiaphüa durch E. somalica auch
in die äthiopische Region eintritt. Andrerseits dringen äthio-
pische oder überhaupt tropische Gattungen in einzelnen Arten
mehr weniger weit in die paläarktische Region vor, so daß
bei manchen der paläarktische Teil ihres Verbreitungsgebietes
als der hauptsächliche betrachtet werden könnte, was bei
der Verbreitung der einzelnen Arten noch deutlicher hervor-
tritt. Während von den äthiopischen Gattungen Tarachodes
(Ägypten??) Sphodromantis (südliche Mittelmeerländer: Nord-
afrika, Südspanien, Syrien), Mantis (Nordafrika, Süd- und
Mitteleuropa, Westasien), Miomantis (Ägypten), Oxythespis
Sitzb. d. mathem.-naturw. Kl.; CXVI. Bd., Abt. I. 1^
180 F. Werner,
(Algerien, Tunesien), Leptocola (Algerlen?), Empusa (Nord-
afrika, Südeuropa, Westasien), Idolomorpha (Algerien, Tune-
sien), Blepharis (Nordafrika, Syrien, Canaren), wie man sieht,
mehr oder weniger weit in das paläarktische Gebiet über-
greifen, sind von den Arten des Sudan nur neun paläarktische
{Eremiaphila, Cetitrommitis, Sphodromantis bioctilata, Mantis,
Oxythespis, Miomantis Savigiiyi und pharaonica sowie Ble-
pharis ntendica und Empusa), wobei alle Arten, welche
in der Mittelmeerregion regelmäßig gefunden werden oder
nur aus dem Wüstenteile des Sudan bekannt sind, als palä-
arktisch gerechnet sind, was für Miomantis, die einzige
Gattung, die nur mit Ägypten gemeinsam ist, gar nicht so fest-
steht, auf 33 sicher äthiopische Arten. Über eine weitere zoo-
geographische Region sind noch Mantis religiosa und Tenodera
superstitiosa (tropisches Asien) verbreitet; auch die Gattungen
sind großenteils rein äthiopisch, da außer Mantis und Teno-
dera nur noch Empusa für die indische Region in Betracht
kommt, vielleicht auch noch Elaea, Sphodromantis und Popa,
obwohl diese Angaben (bei Kirby) wohl noch zu prüfen
wären. Fünf Gattungen {Paramorphoscelis, Tarachina, Nilo-
mantis, Calamothespis und Stenovates) sind bisher nur aus
dem Ostsudan bekannt, ebenso 17 Arten; mit dem Westsudan
sind Elaea Marchali, Tenodera herhacea, Sphodromantis biocti-
lata, Oxythespis senegalensis, Oxypila antnilata und Pseiido-
harpax virescens gemeinsam, wahrscheinlich aber noch mehr.
I. Amorphoseelidae.
Paramorphoscelis n. g.
Differt a genere Amorphosceli Stäl pronoto distincte lon-
giore quam latiore laminaque supraanali haud elongata.
1. P. gondokorensis n. sp. (Taf. I, Fig. 3).
Caput processis posticis distinctis, rotundatis. Oculi casta-
nei, longitudinaliter fusco-striati. Antennae haud nigro-annu-
Oi'thoptcra Blattaeformia. 181
latae. Pronotum lateribus parallelis, sulco supracoxali margine
anteriori quam posteriori plus approximato. Elytra et alae
hyalinae, illa reticulatione A. laxeretis Karsch similia, venulis
transversis pro parte fuscis. Pedes haud annulati, tibiae anticae
breves, distincte curvatae, articulo primo tarsorum anticorum
multo breviores, tarsus anticus femoribus anticis multo longius.
Totum animal testaceum, immaculatum, abdomen tantum sub-
tus medio nigrescens.
Long. tot.
19-5 mm,
» pronoti
1-6 »
Lat.
1-3 »
Long, elytrorum
16
» femorum anticorum 2 *
Gondokoro, 5. März 1905.
Diese interessante Form liegt mir in einem einzigen männ-
lichen Exemplare vor, welches leider etwas defekt ist, indem
die Cerci nicht erhalten sind; doch genügen die übrigen
Merkmale, um zu erkennen, daß sich diese erste ostafri-
kanische Amorphoscelide von den bekannten Arten der
Gattung Amorphoscelis deuÜich unterscheidet und der medi-
terranen Gattung DiscoUiera Bonnet & Finot nähert. Von
dieser ist aber unsere Gattung durch den längeren Kopf mit
längeren Fortsätzen, längeres, in der Mitte ungekieltes Pro-
notum, gekrümmte Vordertibien und kürzere, den Körper nicht
überragende Flugorgane sowie die einförmige Färbung sehr
leicht zu unterscheiden, auch geht bei Discothera die Lamina
subgenitalis nach hinten in zwei kurze gleichfarbige Zipfel
aus, während sie bei Paramorpkoscelis zwei schwarze, deut-
lich abgesetzte, dornartige Fortsätze trägt. Beiden Gattungen
scheint, wenigstens im männlichen Geschlechte, das mir
allein vorliegt, eine verlängerte Lamina supraanalis nicht zu-
zukommen.
Die Familie der Amorphosceliden, welche durch die ganz
oder fast unbewehrten Vordertibien ausgezeichnet ist, wird
demnach in Afrika durch drei Gattungen mit vier Arten reprä-
sentiert, die sich folgendermaßen unterscheiden lassen:
1 '^*
182 F.Werner,
\. Lamina supraanalis elongato-triangularis (Pronotum haud
longius quam latius) Amorphoscelis
2. Pedes annulati; elytra dense reticulata
A. annulipes Karsch
(Kamerun, Barombi-Station am
Elefantensee.)
2'. Pedes haud annulati; elytra venis transversis distanti-
bus, parallelis, areas quadrangulares magnas formanti-
bus A. laxeretis Karsch (Togo)
1'. Lamina supraanalis haud elongata.
2. Pronotum quadratum, medio carinatum; tibiae anticae
haud curvatae; elytra abdomen superantia
Discothera (Hinetana)
(Spanien, Tunis, Palästina.)
2^ Pronotum longius quam latius, haud carinatum, tibiae
anticae curvatae; elytra abdomen attingentia
Paramorph oscelis
Das Exemplar wurde in der Umgebung von Gondokoro
im dürren Steppengrase, dessen Färbung es besitzt, zufällig
beim Abstreifen desselben gefangen.
II. Orthoderidae.
Eremiaphila Lef.
2. E. cordofana n. sp.
E. Khmzingeri Wern. persimilis, capite (latitudine ocu-
lorum) latiore, macula coxarum anticarum minore, lamina sub-
genitali multo angustiore excisa bene distincta.
Long. tot. 18 mm,
pronoti 3*5 »
femorum anticorum 4*5 »
» posticorum 9 »
Lat. abdominis 6*5 »
Färbung oberseits gelblich, sandfarbig, Mittel- und Hinter-
beine undeutlich dunkler gebändert. Unterseite weiß, Vorder-
Orthoptera BlaHaefonnia. 1 83
koxen mit schwarzem Fleck, der sich nicht bis an die beiden
Enden ausdehnt.
Pronotum ganz wie bei E. Klimzlngeri, aber um die
Augenbreite schmäler als der Kopf. Flügeldecken und Flügel
wahrscheinlich völlig lateral (Nymphe). Mittlere Abdominal-
tergite am Hinterrande mit kurzen, medianen, dreieckigen Fort-
sätzen. Vordere Femora außen mit vier Dornen, vordere Tibien
mit fünf, an der Spitze dunklen Dornen.
Wüste am Fuße des Gebel Araschkol, Kordofan, 13. April
1905.
Centromantis Wem.
3. C. Hedenborgi (Stäl).
Stal, Öfversigt k. Svenska Vet. Ak. Handlingar, 1871, p. 396, cf 9 (Ereniia-
phila).
Werner, Sitz. Bar. Akad. Wiss. Wien, CXIV., Abt. I, Mai 1905, p. 399,
Fig. 7, 12.
Diese von Stäl für den Weißen Nil, von mir für Khartoum
angegebene Art habe ich nicht selbst gefunden. Ein 5 aus der
Umgebung von Khartoum befindet sich im Museum des Gordon-
College daselbst und wurde von mir untersucht.
Tarachina n. g.
Genus proximum Tarachodes Burm,, sed occipite valde
convexo, pronoto medio distincte carinato, elytris alisque maris
abdomen multo superantibus necnon statura minima distinctum;
femina aptera.
4. T. rhaphidioides n. sp. (Taf. II, Fig. 2, 2 a — h).
Caput pronoto latius, oculis lateralibus. Pronotum longius
quam latius, lateribus integris, subparallelis, dilatatione supra-
coxali vix distinguenda, carina media distincta, antrorsum
obsoleta.
Elytra et alae hyalinae; illa alis breviora, venis trans-
versis distantibus, subparallelis, interstitiis venarum princi-
palium infuscatis; campo costali serie punctorum nigrescen-
tium ornato, venisque caeteris punctis raris signatis; alae
apice infuscatae.
184 F.Werner,
Coxae et femora antica latere interno nigra; femora pro-
notum longitudine parum siiperantia, compressa, subtus obtuse
angulata, spina discoidali prominenti; tibiae anticae extus bi-
maculatae, dimidio femorum breviora, apicem versus extus
quadrispinosa. Articulus primus tarsorum anticorum tibiae
anticae longior, apicem versus parum incrassatus, subtus sub-
tiliter spinulosus.
Coloratio corporis uniformis, grisea.
c^ 9
Long, tot 1 1 • 3 mm 14 mm
» pronoti 2*4 3
Lat. » 1-2 1-8
Long, elytrorum 11"6
Gondokoro, März 1906; das cf wurde in der Grassteppe
fliegend angetroffen, das 9 am Fuße eines Akazienstrunkes in
Gesellschaft zweier anderer gleichfalls der Rindenfärbung an-
gepaßten Mantodeen (Elaea 9 und Oxypila).
Versuch einer Revision der Gattung Taraehodes Burm.
Diese von Burmeister in seinem Handbuch der Entomo-
logie, Bd. II, aufgestellte und auf T.perloides Burm. gegründete
Gattung ist eine sehr einheitliche und leicht kenntliche und
durch ihren Geschlechtsdimorphismus (cf lang-, 9 kurzgeflügelt)
auffallende, wenn wir alle unter den Namen Äriusa Stäl,
Achlaena Karsch, Chiropacha Charp., Galepsiis S>iQ.\ {■=: Lyg-
damia Sauss.) beschriebenen Formen einbeziehen.
Charakterisiert ist sie durch den linsenförmig zusammen-
gedrückten Kopf mit ausgedehnter, nach aufwärts gerichteter
Occipitalregion, das ungefähr rechteckige, über der Einlenkungs-
stelle der Vorderhüften wenig erweiterte Pronotum mit bogen-
förmigem Vorderrand, stumpfwinkligen oder abgerundeten
Vorder- und abgestutzten Hinterecken, das langgestreckte Ab-
domen, beim 9 meist mit fünf Längsreihen von mehr weniger
stark entwickelten Längsrunzeln oderLängsleisten, deren mittlere
am stärksten hervorzutreten pflegt, die am Ende (letzte drei
Glieder) stark abgeplatteten, an der Basis mehr rundlichen,
Ortkoptera Blattaeformia. 1 85
meist langen Cerci, deren Glieder von der Basis zum Ende an
Länge zunehmen, die langgestreckt trapezförmige, zwei kurze
Styli tragende Subgenitalplatte und den aufwärts gebogenen
Penis des cf , die spitz dreieckige, in der Mitte tief eingeschnittene
Subgenitalplatte des 9, die breiten, vier Außendornen außer
dem Kniedorn tragenden Vorderschenkel, die Kürze der Glied-
maßen überhaupt, die hyalinen oder berauchten, langen, mit
einer einzigen Ausnahme das Ende des Abdomens wenigstens
erreichenden Flugorgane des cf, die kurzen, derben, undurch-
sichtigen, stark pigmentierten, mit stark vortretenden Adern
versehenen des 9.
Die Tarachodes- Arten im weitesten Sinne bilden sozu-
sagen eine Übergangsform zwischen den primitiven Ortho-
deriden mit ausgebildeten Flugorganen in beiden Geschlechtern
{Mdalleutica, Chaetessa, Hoplopliora etc.) und den extremen,
verkürzten Eremiaphiliden mit reduzierten Flugorganen beider
Geschlechter. Sie laufen flink, mit etwas schlängelnder Be-
wegung des langen Körpers, die aber nicht so stark ist wie die
der Pyrgomaittis-Arten; die meisten dürften auf Bäumen, und
zwar an der Rinde leben, nur die Galepsns-Avten leben sicher
im Grase.
Unterscheiden lassen sich vier Gattungen oder Unter-
gattungen, nach den Merkmalen eines oder beider Geschlechter.
I. Vertex bei cT und 9 innerseits von den Augen in zwei nach
vorn gerichtete kleine dreieckige Fortsätze ausgehend;
Pronotum des 9 mit Höckern Achlaena Kar seh
II. Vertex bei d" und 9 ohne Hörner; Pronotum des 9 mit
zwei Höckern nebeneinander hinter dem Sulcus
Tarachodes Burm. (Chiropacha Sauss.)
III. Vertex bei cf und 9 ohne Hörner; Pronotum bei cf und 9
glatt, nicht mehr als doppelt so lang als breit; Vorder-
schenkel innen gefleckt oder punktiert Ariusa Stäl
IV. Pronotum beim d" und 9 glatt, konvex; 9 Abdomen ohne
Längsreihen von Runzeln; Clypeus meist nicht breiter
als lang Galepstis Stäl
Die Gattung Tarachodes s. str. muß eine phylogenetisch
sehr junge sein. Die meisten Arten sind nur an Färbungs-
186 F.Werner,
merkmalen der nicht angepaßten Unterseite zu unterscheiden,
während morphologische Merkmale uns hier niemals mit
völliger Sicherheit führen. Zieht man eine von ihnen ein, so fällt
ein halbes Dutzend mit ihr; ich finde aber die Färbungsmerkmale
konstant genug und die Koinzidenz mit der geographischen
Verbreitung ebenfalls genügend, um fast alle die beschriebenen
Arten aufrecht zu erhalten und habe kaum mehr als einmal
über die Zugehörigkeit eines oder des andern Individuums
Zweifel gehegt, als ich einmal die wesentlichen Charaktere
festgelegt hatte. Ich hoffe durch die beigegebenen Abbildungen
die Wiedererkennung erheblich erleichtert zu haben.
Von den afrikanischen Orthoderiden ist die Gattung
Pyrgomantis mit Tarachodes, und zwar mit der Untergattung
Galepsus am nächsten verwandt; aber andrerseits zeigt T. oxy-
cephala Gerst. durch den winkelig vorspringenden Vertex die
erste Spur jener Bildung, die bei Pyrgomantis singiilaris
Gerst. so extrem entwickelt ist. Manche von den Galepstis-
Arten (modestiis, dispar, meridionalis) erinnern in der Form
des Pronotums an die australische Gattung Ortliodera.
Verzeichnis der untersuchten Exemplare von Tarachodes.
1. T. pantherma Gerst. 1 cf , 1 9
2. T. lucuhrans Burch. 2 cfcf.
3. T. giJva Charp. 2 cTcT.
4. T. ohtiisiceps Stäl. 5 d'c^, 299
5. T. dissimuJator W. Mason. 1 cf.
6. T. sancta Sauss. 3 cfcf, 699.
7. T. perloides Burm. 1 cf, I9.
8. T. maura Stäl. 1 cf , 499.
9. T. Afzelii Stäl. 12 ö'cT, I9.
10. T. irrorata Gerst. 9 cTcf, 799.
11. T. dives Sauss. 2 cfcT.
12. T. Karschii Wern. 3 r^cf, 399.
13. T. Sjöstedti Wern. 1 ö", 1 9.
14. T. Gerstaeckeri Wern. 1 c/'.
15. T. rohmdiceps Wern. 1 cf , 299.
16. T. inaculisterntini Sjöst. I9.
17. T. minimus Wern. 1 cf.
Orthoptera BlaUaeformia. lo'
18. T. nieridionalis Sauss. 10 cf cT, 4 5$.
19. T. laticeps Wern. 3 cf cT.
20. T. lenticularis Sauss. 2 cTc?.
21. r. capitata Sauss. 6 cfcf, I9.
22. T. modesta Gerst. 10 cfcf.
23. T. dispar Wern. 3 cTcT, 5 ? ?.
24. r. Kuhlgatzi Wern. 3 cf cf.
Zusammen 122 Exemplare.
Nicht gesehen:
25. r. conspersa Stäl (Bih. k. Sv. Vet. Ak. Handl., IV,
No. 10, 1876, p. 17).
26. T. crypsichroma Karsch (Berl. Ent. Zeitsch., XXXIX,
1894, p. 272, Taf. XIX, Fig. 2).
27. T. oxycephala Gerst. (Mitt. Ver. Neuvorpommern u.
Rügen, XIV, 1883, p. 39.)
28. T. media Schulth. (Ann. Mus. Genova [2], XIX, 1898,
p. 171).
29. T. Smithi Rehn (Proc. Ac. Philad., 1901, p. 278).
30. T. aestuans Sauss. (Ann. Mus. Genova, XXXV, 1895,
p. 91).
31. r. modestior Schulth. (Ann. Mus. Genova [2], XIX,
1898, p. 173.
32. T. tentiis Stäl (Bih. k. Sv. Vet. Ak. Handl., IV, No. 10,
1876, p. 18.
Unter diesen 33 Arten findet sich
das größte cT (47 mm) bei sa^icta (insidiator), das größte 9
bei maura {4ßm,m);
das kleinste cf (21mm) bei modestior, das kleinste 9 bei
capitatus (25 mm)\
die längsten Elytren des ö" (4-07 : 1)^ bei luctihrans, die
längsten Elytren des 9 bei media (M : 1);
die kürzesten Elytren des d" (2 : 1) bei dispar, die kürzesten.
Elytren des 9 bei Karschii (6*64: 1);
1 Verhältnis zur Pronotumlänge.
188 F.Werner,
das längste Pronotum des cT (3-28 :])i bei laticeps, das
längste Pronotum des 9 bei capitatus (2-70 : 1);
das kürzeste Pronotum des ^ (1-62:1) bei pantherina,
das kürzeste Pronotum des 9 bei pantherina^ (1-38 : 1);
das absolut längste Pronotum des d^ (ll-ömm) bei
sancta (insidiator), das absolut längste Pronotum des 9 bei
maura (12-3 mtti);
das absolut kürzeste Pronotum des cf {bmm) bei minima,
das absolut kürzeste Pronotum des 9 bei meridionalis^Q •2mm).
Die Verwandtschaftsverhältnisse der Taraehodes-Arten
(T. sensu strictiore, excl. Ariusa, Achlaena et Galepsus).
Die Tarachodes-Avien dieser Gruppe sind einander äußerst
nahe verwandt und bei Durchsicht eines größeren Materials
findet man bald, daß die für die einzelnen Arten angegebenen
Merkmale entweder nur individuelle oder aber überhaupt keine
unterscheidenden sind. Das gilt so ziemlich für die Dornenzahl
der Vorderschenkel, die Beschaffenheit der Oberfläche des Pro-
notums und des Abdomens, ja auch für die Form der Genital-
anhänge. Wirklich von Belang sind nur: Form des Vertex,
Färbung der Innenseite der Vorderbeine und des Prosternums,'
Färbung der Flügel beim cT und ihre Länge beim 9, Behaarung
Form des Stirnschildes. '
Wenn wir von den Formen mit einfarbig heller Innenseite
der Vorderbeine ausgehen, so haben wir eine westafrikanische
Gruppe mit rundlichem, begrenztem Prosternalfleck und eine
östliche mit ganz dunklem oder ein- bis dreifach gebändertem
Prosternum. An diese letzteren schließen sich die Formen mit
an beiden Enden dunkler Innenseite der Vordercoxen und
dunklem Längsstreif der Vorderfemora an, endlich die mit
innen ganz schwarzen Vordercoxen und schwarzem breiten
Femoralstreifen. In allen diesen Gruppen gibt es rund- und
geradstirnige Arten.
1 Verhältnis zur Breite.
2 Die Angabe bei Stäl für Galepsus lenuis (3 mm) ist ein Druckfehler
und soll 8 mm heißen, was mir Prof. Sjöstedt bestätigte.
3 Zugleich Maßstab für Größe.
Orthoplera Blattaefonnia.
189
Die Verwandtschaft wäre demnach ^ etv/a folgende:
Tnamlistej'jiuin'
afzcUi
pcrloidcs
irrorntn
1,
Dispositio Specierum.
Vertex summo obtuse angulato T. oxycephala Gerst.
Vertex summo convexo aiit truncato -^
2. Femora antica intus maculis tribus aut pluribus nigris
ornata; femina tuberculis pronoti nullis 3 (Ariiisa)
Femora antica unicoloria aut vitta longitudinali ornata;
feminae pronoto tuberculis maioribus duabus pone sulcum
, 4
armato
3. Grisea,nigro conspersa; femoribus posticis nigrobifasciatis;
vertice fere toto nigro T. (Ariusa) conspersa Stäl
Ochracea, pedibus nigropunctatis; vertice concolore
T. (Ariusa) pmithevina Gerst.
4 Vertex trunctatus, processus duos breves trianguläres
antrorsum emittens 5 (Achlaena)
Vertex truncatus aut convexus, haud cornutus 6
5. Femora antica intus flavescentia, unicoloria. Pronotum
lateribus subparallelis, Spina latero-antica minima
T. (Achlaena) liicuhrans Burm.
Femora antica intus violaceonigra, punctis nonnuUis flavis
ornata; pronotum postice distincte angustatum, angulis
lateralibus anticis valde spinosis
T. (Achlaena) crypsichroma Karsch
1 Nicht berücksichtigt ist nur acstuans Sauss. und Smithi Rehn, deren
systematische Stellung nicht klar ist. Kirby identifiziert acstuans mit mcdta
Schulth.
190
F. Werner,
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Orthoptera Blattaeformia.
191
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5^ -?
192 F.Werner,
6. Elytrae cf macula magna e venulis albis formata ornatae
(venulis aliis elytrae fere omnibus fuscis, prope apicem
solum albis intermixtis; coxae et femora antica intus
nigrovittata) T. dissininlator W. M.
Elytrae cf macula magna a venulis albis formata nulla . . 7
7. Vertex distincte truncatus aut leviter emarginatus (femora
antica intus nigrovittata) 8
Vertex plus minusve arcuatus 10
8. Coxae anticae intus flavescentes basi et apice macula
nigra ornata T. sancta Sauss.
Coxae anticae intus atrae 9
9. Femora antica vitta nigra apicem haud attingente, bicuspi-
data, ornata (abdomen subtus immaculatum)
T. perloides Burm.
Femora antica vitta nigra usque ad apicem prolongata
(abdomen subtus in omnibus segmentis maculis duabus
nigris marginem lateralem segmenti attingentibus ornatum)
T. niaura Stäl
10. Coxae anticae cT intus nigrovittatae; coxae 9 intus granu-
latae; pronotum 9 granulatum 11
Coxae anticae cf flavescentes aut rufescentes, coxae 9
laeves; pronotum 9 haud granulatum 12
11. Vertex cT acutus; pedes parum pilosi T. Äfzelii Stäl
Vertex cf obtusus; pedes distincte albopilosi
T. irrorata Ger st.
12. Femora antica intus nigro-aut rufo vittata; prosternum
in tertio posteriore nigrofasciatum 13
13. Alae maris in campo anali obscuriore maculatae 14
Alae maris in campo anali unicolores fuscovenosae
T. dives Sauss.
14. Species ochracea pedibus crassioribus . . .T. gilva Charp.
Species fuscogrisea pedibus gracilioribus . T. ohtiisiceps Stäl
Femora antica haud vittata; prosternum pone coxas
totum coeruleonigrum aut macula unica aut fasciis tribus
ornatum 15
15. Prosternum ab insertione coxarum atroviolaceum; Vertex
minime rotundatus; pedes pilosi T. Karschii Wern.
Prosternum pone coxas unimaculatum aut trifasciatum 16
Orthoplera Blattaeformia. 193
16. Prosternum trifasciatum, frons quadrifasciata; species
orienlalis T. media Schul th.
Prosternum macula unica rotundata aut antice acuminata
ornatum; species occidentales 17
17. Vertex valde convexus; elytra et alae maris infuscatae
T. roiimdiceps Wem.
Vertex parum convexus; elytra et alae maris hyalinae. . 18
18. Clypeus frontalis haud fasciatus 19
Clypeus frontalis plus minusve distincte fasciatus 20
19. Pedes pilosi; species maior T. macnlisterimin Sjöst.
Pedes glabri; species parva T. minima Wem.
20. Elytra et alae cf perfecte hyalinae, parum nitidae, venis
haud infuscatis; femina obscure trivittata
T. Sjöstedti Wem.
Elytra et alae cf nitidae, venis, etiam in campo anali alarum,
infuscatis (femina ignota) T. Gerstaeckeri Wem.
T. aestitans und Smithii kann ich in dieser Tabelle nicht
unterbringen.
Geographische Verbreitung.
Wie aus nachstehender Tabelle ersichtlich, kommen von
den 33 Tarachodes- Arten die meisten ausschließlich in West-
afrika nördlich vom Äquator vor (10), dagegen sind nur 6 auf
Nordost-, 3 auf Südwest-, 4 auf Südost- und gar nur 2 auf
Südafrika beschränkt, es sind also nicht weniger als 25 Arten
mehr weniger lokalisiert; von den übrigen 8 sind 2 in Ost-
afrika, 1 in Westafrika südlich und nördlich vom Äquator
gefunden worden; eine lebt in Süd- und Südost-, zwei weitere
in Südwest-, Süd- und Südostafrika (maura und meridionalis);
nur lenticularis ist aus Nordost- und Südafrika allein bekannt,
bisher aber nicht aus Südostafrika, wo sie aber zweifellos vor-
kommt. Es ergibt sich also, daß sie geographisch im allgemeinen
sehr scharf geschieden sind und namentlich fällt es uns im
Gegensatze zu andern Orthopteren-, ja sogar Mantidengattungen
auf, daß West- und Ostafrika nördlich vom Äquator keine
einzige Art gemeinsam haben und daß auch Nordost- und
Südostafrika nur an zwei Arten (T. pantherina, capitata)
194
F. Werner,
gemeinsam teilhaben. Andrerseits ist es auffallend, daß eine
Art ohne wesentliche Veränderung in Malakka angetroffen
wurde, und zwar gerade die westafrikanische T. Afzelii; sie
wurde wohl durch Schiffe, die um das Kap nach Indien fuhren,
im Kokon verschleppt. Weit verbreitete Arten gibt es in dieser
Gattung nicht, da die Flugunfähigkeit des 9 hier jedenfalls
hinderlich ist; daß das cf stets wohlausgebildete Flugorgane
besitzt, ist in diesem Falle natürlich bedeutungslos.
Tarachodes
NO
SO
s
sw
1
NW
pantherina ....
1
1
_
_
_
Somali bis Britisch-Ostafrika
conspersa
—
—
—
1
—
Üamaraland
lucubrans
—
—
1
—
—
Kap
crypsichroma . .
—
—
—
—
1
Kamerun
s^ilva
1
1
—
—
—
Sudan
Sudan, Bogos, Somali
obtiisiceps ....
dissimtilalor . .
—
—
—
—
1
Togo und Kamerun
sancfa
—
1
1
—
—
Nyassa bis Kap
perloides
—
—
1
(1?)
—
Kap, Natal (Benguella?)
maura
1
1
1
1
—
Afrika mit Ausnahme des Nor-
dens und Nordwestens
Afzelii
—
—
—
—
1
Westsudan
irrorata
—
—
1
1
Goldküste, Kongo
dives
—
1
—
—
1
Westsudan
Deutsch-Ostafrika
Karschii
media
1
—
—
—
—
Somali
rotundiceps . . .
—
—
—
—
1
Kamerun
maculisternum
(1?)
—
—
—
1
Kamerun (Ägypten?)
minima
—
—
—
1
—
Deutsch-Südwestafrika
Sjöstcdti
—
—
—
1
—
Chinchoxo
Gerstaecheri . .
—
—
—
—
1
Kamerun
aestuans
Smithi
1
1
—
—
—
:
> Somali
oxycephala . . . .
—
—
—
—
1
Ogowe
Kuhlgatzi . . . .
—
1
—
—
—
Deutsch-Ostafrika
dispar
—
1
—
~
—
Deutsch-Ostafrika
Oiihoptera Blattaefonnia.
195
Tarachodes
NO
SO
laticeps
vieridionalis
modeslior. . ,
lenticularis .
modestus . .
capitatns . .
tenuis
10 9
SW
NW
11
Kamerun
Kap, Natal, Transvaal, Kilima-
ndjaro
Somali
Sudan, Natal
Deutsch-Ostafrika
Sudan, Zanzibar
Westafrika
Untergattung Ariusa Stäl,
Tarachodes pantherina Ger st.
Gersfäcker, Arch. f. Naturg., XXXV, p. 208, und in: v. d. Decken, Reisen
Ostafrika, III, 2 (1873), p. 11, Taf. I, Fig. 5.
Eine sehr auffällige und leicht kenntliche Art durch die
ockergelbe oder lehmgelbe Färbung mit runden, tiefschvvarzen
Tüpfeln auf den GHedmaßen. Das bisher anscheinend unbe-
kannte 9, welches ich in meiner Sammlung habe, unter-
scheidet sich von den erwachsenen 9 9 aller mir bekannten
Arten der Gattung durch das zwar unebene, aber glatte und
der starken Mittelhöcker entbehrende Pronotum, welches außer-
dem im Verhältnis zum cf länger ist.
Dornen an der Außenseite der Vorderschenkel wie ge-
wöhnlich 5, an der der Vorderschienen 1 1 bis 12; alle schwarz-
spitzig. Das mir vorliegende cf aus dem Museum Berlin besitzt
einen, das Originalexemplar und das 9 meiner Sammlung zwei
schwarze Punkte außen an den Vorderschenkeln. Innen sind
sowohl Femora als Coxen mit zahlreicheren Punkten versehen,
dicht getüpfelt (ober- und unterseits) auch Mittel- und Hinter-
beine. Prosternum mit zwei großen mattschwarzen Flecken
hintereinander. Vorder- und Hinterflügel des cf besitzen nur
im Costalteil braune Adern, während das Analfeld vollkommen
hj^alin ist. Das Stirnschild ist iVsmal so lang als hoch und
ohne Spur einer Querbinde.
Sitzb. d. mathem.-naturw. Kl. ; CXVI. Bd., Abt. I.
196 F.Werner,
Dimensionen
Pronotum, Pronotum, Elytra,
Totallänge Länge Breite Länge
cT Mombasa 34 7-3 4-5 p
cf Daua 27 7 4 25
9 Britisch-Ostafrika . . 37 10 6-3 7-7
cTOrig. nach d. Abbild. (51) 36 (1 1 -2) 7-91 (6) 4-2 (37) 26
Vorkommen: Endara, Ostafrika (Gerstäcker; leg. v. d.
Decken, Oktober 1862); Mombasa (xMus. Berlin, leg. Hilde-
brandt, Dezember 1876), Daua, Somaliland (Schul thess;
leg. Ruspoli, 25. April 1893).
Wegen des höckerlosen Pronotums und der gefleckten
Innenseite der vorderen Femora ist diese Art neben Ariusa
cofispersa Stäl zu stellen, als Untergattung kann Ariiisa ohne-
weiters beibehalten werden.
Untergattung Achlaena Kars eh.
Tarachodes lucubrans (Burch.) (Taf. III, Fig. 7).
Burchell, Travels S. Africa, I, p. 465 (1822) CManlisJ; Westwood, Rev.
Mant, p. 29, Taf. 6, Fig. 2 (1889); Sharp, Cambridge N. H., Ins I
p. 429 (1895).
Diese Art ist durch den zwischen den Augen in zwei
kurze, dreieckige, aber sehr deutliche Fortsätze ausgezogenen
Kopfgipfel sehr leicht kenntlich. Diese Fortsätze stehen median-
vvärts von den Längsfurchen, welche selbst medianwärts von
den Augen über den Hinterkopf verlaufen. Die großen rot-
braunen Augen sind mehr weniger deutüch längsgestreift. Der
obere Rand der Stirnplatte ist gerade oder schwach, der untere
stärker gebogen, die Platte selbst doppelt so breit wie hoch.
Quer durch sie zieht eine breite schwarze Binde, eine zweite
an der Basis des Clypeus, eine dritte an der Basis der Ober-
lippe, je eine schmale über den Oberrand der Stirnplatte, die
beiden oberen Ocellen und unterhalb des Vertex. Pronotum mit
schwacher Längs- und deutlicher supracoxaler Ouerfurche, an
der Grenze zwischen dem bogigen Vorder- und dem Seiten-
1 Die eingeklammerten Zahlen sind die der Abbildung, die daneben-
stehenden sind berechnet nach dem Verhältnis der Länge der Abbildung (51) zu
der von Gerstäcker angegebenen wirklichen Totallänge (36).
Orthoptcra Blattaeformia. 1"'
rande mit einem kleinen, spitzigen, schwarzen Vorspmng,
hinter der Querfurche etwas erweitert.
Seitenränder des Pronotums parallel, hinter der Erweite-
rung etwas eingeschnürt, dann wieder erweitert. Außenrand
der Vordertibien, die Mittel- und Hinterbeine und die Cerci
(deren basale Glieder rund sind, während sie gegen das Ende
immer mehr plattgedrückt erscheinen) weiß behaart, weniger
deutlich das Pronotum am Seitenrande, die vorderen Coxen
und Femora. Die Vordercoxen glatt; vordere Femora außen
wie immer mit 5, vordere Tibien mit 13 Dornen, die letzteren
schwarzspitzig; Coxen und Femora innen glänzend rotbraun,
ungefleckt. Antennen dunkel und hell geringelt. Vorderflügel
mit dunkelbraunen Adern, von denen die konvexen, in regel-
mäßigen Abständen dunkler und breiter und lichter und heller
erscheinen; an den dunklen Stellen ein kleiner, ganz schwach
berauchter Fleck. Hinterflügel im Vorderfeld mit dunkelbraunen
Längs- und Queradern, im Analfeld sind nur die Längsadern
dunkelbraun.
Färbung der Oberseite gelb- bis graubraun, mit dunklen
Punkten und Flecken, dieVordertarsen sowie Tibien und Tarsen
der Mittel- und Hinterbeine dunkel geringelt. Unterseite des
Abdomens in jedem Segment mit zwei dunklen Punkten.
Kapkolonie. 2 cf cf untersucht, davon das eine aus dem
Museum Berlin. Dimensionen:
Totallänge 35 mm 33 • 5 mm
Pronotum, Länge 8 7
» Breite 4 3-5
Elytra, Länge 30 28-5
Das Berliner Exemplar ist als Chiropacha diaphana Charp.
bezeichnet. Die typische Art der Untergattung Achlaena, wohin
Kirby (Synon. Cat. Orthopt, 1, 1904, p. 216) T. hicubrans richtig
stellt, ist T. crypsicliroma Karsch (nicht cryptochroma, wie
Kirby schreibt), durch die auffallend verschiedene Form des
Pronotums (hinten stark verengt) und die Färbung der Innen-
seite der Vorderbeine genügend charakterisiert. Chiropus dives
Sauss. 1869 (<j) gehört trotz einiger Ähnlichkeit in der Kopf-
form nicht hieher, sondern eher zu T. perloides Burm.
14*
198 F. Werner,
Untergattung Chiropacha Charp.
Tarachodes gilva (Charp.).
Charp enti er, Orth. descr. dep., p. 288, Taf. 15 (Chiropacha).
Diese Art steht, wie schon Stäl bemerkte, der nächst-
folgenden äußerst nahe, unterscheidet sich aber von ihr durch
die lehmgelbe Färbung und die robusteren Gliedmaßen. Mit
der oben zitierten recht guten und charakteristischen Abbildung
stimmen zwei cf cf des Wiener Hofmuseums aus Sennaar (leg.
Kotschy) sehr gut überein. Die Flecken im Analfelde der
Hinterflügel, welche bei T. obtusiceps graubraun sind, haben
hier eine hellere, aber schwer zu beschreibende Färbung. Die
schwarze Querbinde im letzten Drittel des Prosternums, der
schwarze, vom Trochanter zum distalen Ende sich zuspitzende
Längsfleck auf der Innenseite des Vorderschenkels, der schwarze
Fleck an beiden Enden der Vorderhüfte, schließlich die (bei
gilva freilich gelegentlich fehlende) dunkle Querbinde über die
Mitte des Stirnschildes und die Augen sind beiden Arten
gemeinsam. Es ist immerhin möglich, daß T. obtusiceps nur
eine lokale Varietät von gilva ist.
Dimensionen des einen cT der Wiener Sammlung:
Totallänge 41 mm,
Pronotum, Länge 10- 5
» Breite 5
Elytra, Länge 34
Dornen an der Außenseite des Vorderfemurs 5, der Vorder-
tibia 15.
Tarachodes gilva ist aus Sennaar (leg. Kotschy, Mus.
Wien) und Ambukol in Dongola (leg. Hart mann, Mus. Berlin)
bekannt. Die Angabe »Ägypten« bei Charpentier ist wohl
auf die einstmalige weite Fassung des Begriffes »Ägypten«,
der auch Nubien und Sennaar umfaßte, zurückzuführen. Die
Exemplare des Museums Berlin messen 43-5 bis 44-5 0:f),
38-5 bis 41mm (9), Elytren des cT 31, des 9 IL 5 bis 12mm.
Der Freundlichkeit des Herrn Assistenten Th. Kuhlgatz ver-
danke ich nachstehende Tabelle über die Typen dieser Art.
Orthoptera Blattaeformia.
199
Tarachodes obtusiceps (Stäl) (Taf. II, Fig. 3, 10).
Stäl, Öfv. k. Vet. Ak. Förh., 1871, p. 396.
Graubraun, dunkel gefleckt und punktiert, die Querbinde
der Stirn durchwegs viel deutlicher und dunkler als bei voriger
Art und außerdem noch eine ebensolche Querbinde am Vorder-
und Hinterrande des Stirnschildes; die obere meist auch noch
über die Augen hinziehend, mitunter auch die mittlere, stets
in Form überaus feiner vertikaler Strichelchen. Behaarung
schwach, am deutlichsten an den Cercis (namentlich beim 9),
am Oberrande der Vordertibien und am Seitenrande des Pro-
notums. Das 9 besitzt fein gezähnelte Seitenränder des Pro-
notums und in der Mitte desselben zwei starke, divergierende,
konische Höcker, deren medianwärts gelegene Seite einen
weißen Strich trägt. Dornen der Außenseite der Vorder-
schenkel 5, der Vordertibien 15, alle schwarzspitzig. Der
dunkle Fleck an der Innenseite der Vorderschenkel beim 9
dunkelrotbraun, ebenso die Unterseite der Vordertibien bei cf
und 9, wenn auch nicht immer deutlich. Elytren des 9 grau-
braun, mit hellen Queradern; Hinterflügel schwarzviolett, eben-
falls mit hellen Queradern, an der Spitze bräunlich.
Dimensionen
Total-
länge
cf aus dem Sudan, leg.
Marno (Mus. Wien) . . 33
cf aus Dar-Sennaar (leg.
Hartmann), Mus. Ber-
lin (Kat. Nr. 3266) 33,34
cf aus dem Sudan (Blauer
Nil, leg. Flower) 33
cf aus dem Sudan (Weißer
Nil, leg. Werner) 37
cf aus Bogos, Coli. Brun-
ner (Kat. Nr. 12690). . . 41
9 aus dem Sudan (Blauer
Nil, leg. Flower), Coli.
Werner 28
9 aus Meid, Somaliland,
leg. Hildebrand (Mus.
Berlin) 32
Pronotum
Länsre
•1
10
Pronotum
Breite
3-7
3-7
9-2
3-7
4-5
Elytra,
Länge
26
8-5,9 4-2,4 27-5,28
27
28
35
7-5
200
F. Werner,
ChiropacJia
Vier Exemplare
Größe
Färbung der Oberseite im allgemeinen
Nr. 1
cf Kat. Nr. 539
Ambukol Ehrbg.
Nr. 2
cT Kat. Nr. 539
Ambukol Ehrbe
43 • 5 mm
lang.
Länge der
Vorderflügel
31 mm
Braun. Kopf und Pronotum lehmfarben.
Augen gi-ünlichgelb. Meso- und Meta-
notum schwarzbraun bis schwarz, glän-
zend. Abdomen braun poliert. Vorder-
flügel trüb silbergrau mit brauner Ade-
rung, wenig durchscheinend. Hinterflügel
etwas durchsichtiger, mit braunen Längs-
adern und in der vorderen Partie braunen,
in der hinteren Partie hellen Queradern
Nr. 3
9 Kat. Nr. 539
Ambukol Ehrbg,
44 • 5 mm
lang.
Länge der
Vorderflügel
31 mm
38 • 5 mm
lang.
Länge der
Vorderflügel
12 mm
Kopf und Pronotum ein wenig ins Grün-
Hche oder Bläuüche spielend. Pronotum
mit vei-waschenen bräunlichen Tüpfeln.
Augen kastanienbraun
Lehmfarben. Kopf und Pronotum wie
Nr. 1. Meso- und Metanotum hinten mit
zwei schwarzbraunen dreieckigen Flecken.
Innen- und Hinterrahd der sonst lehm-
gelben Vorderflügel sowie die Hinterflügel
braun mit heller Aderung. Außen- und
Hinterrand der Hinterflügel lehmgelb
Nr. 4
9 Kat. Nr. 539
Ambukol Ehrbg.
41 mm
lang.
Länge der
Vorderflügel
11 ■ 5 mm
Hellbraun. Kopf lehmfarben, ein wenig
ins GrünHche spielend. Augen kastanien-
braun. Apikale Hälfte der Vorderflügel
verblaßt
Orthoptera Blatlaefonnia.
201
gilva Charp.
Färbung
der Stirn
Färbung
der
Antennen
Färbung des
Prosternums
Färbung der
Vorderbeine
unterseits
Mittel- und
Hinterbeine
Lehmgelb mit
sehr schwacher,
Icaum sichtbarer
Andeutung einer
verwaschenen
Querbinde von
dunklerem Ton
Stirn mit einer
etwas ver-
waschenen, aber
deutlichen, bläu-
lichschwarzen
Querbinde
Ohne
dunkle
Ringelunji
Ebenso
Prosternum
schwarz ge-
fleckt bei den
Acetabulis. Vor
dem Hinter-
rande — von
diesem etwa
um die Breite
der Hinterbein-
coxen abge-
rückt — eine
deutliche
schwarze Quer-
binde
Ebenso, aber
bei den Aceta-
hitlis nicht
schwarz ge-
fleckt
Gelblichbraun.
Femur mit
breitem, nach
dem Tibienende
verjüngtem,
spitz auslaufen-
dem Längsstreif.
Trochanter in
Fortsetzung
dieses Streifens
mit schwarzem
Fleck. Coxen
mit schwarzer
Kante am Ende
Ebenso, aber
die Zeichnungen
etwas heller, ins
Bräunliche
spielend
Spärlich
behaart.
Femora
nicht glatt-
gedrückt
Wie Nr. 1
Ohne Andeu-
tung einer Quer-
binde
Ebenso
Wie Nr. 2
Ebenso, aber
die Zeichnungen
weit heller, hell-
rotbraun
Behaarung
ein wenig
dichter und
länger als
bei Nr. 1,
sonst
ebenso
Wie Nr. 3
Ebenso
Wie Nr. 2
Die bei Nr. 1
so scharf um-
grenzten Zeich-
nungen ganz
verwaschen,
rötlichbraun
Wie Nr. 3
-Ow F. Werner,
Diese Art scheint in Nordostafrika weit verbreitet zu sein.
Das Originalexemplar Stäl's (40 cm lang, also wie das aus
den Bogosländern in Coli. Br.) stammt vom Weißen Nil (leg.
Heden borg), ebenso mein Exemplar, welches ich bei Renk
im Februar 1905 fing. Die Größenunterschiede sind, wie aus
obiger Tabelle ersichtlich, ziemlich bedeutend, desungeachtet
kann über die Zusammengehörigkeit der oben genannten
Exemplare kein Zweifel sein. Immerhin kann man vielleicht
eine var. niaior unterscheiden (mit stets fehlendem Stirn-
querband ?).
Tarachodes dissimulator W.-Mason (Taf. III, Fig. 6).
Wood-Mason, Journ. Asiat. Soc. Bengal., LI, II, 1S82, p. 23.
Diese von ihrem Autor sehr kenntlich beschriebene Art
ist durch den großen hellen Fleck auf den Flügeldecken, auf
welchem die Aderung weiß anstatt braun ist, den braunen
Längsstreifen der vorderen Coxen und Femora, den großen,
blauschwarzen Prosternalfleck sowie die starke Behaarung an
Mittel- und Hinterbeinen, den Seiten des Abdomens, am Seiten-
rande des Pronotums und auf der Oberseite der \'ordertibien
sehr auffallend.
Mir liegt ein Exemplar aus Togo (Misahöhe, leg. Bau-
mann, 3. November 1894) vor; es ist wie die Type ein c und
befindet sich im Berliner Museum.
Dimensionen ^ aus Togo ^^ (Tvpe) aus Kamerun
Totallänge 38 inni 41 uiui
Pronotum, Länge 9-3 » 10-5 »
» Breite 4*7 » 5'25 »
Elytren, Länge 31 » 31
Tarachodes dives (Sauss.)
Saussure, Mel. Orth., III, 1870, p. 165 (Chiropacha) (^ tantum; ^ ad
T. perloides referenda est!).
Von dieser Art, die allerlei Verwirrung hervorgerufen hat,
seit sie ihr Autor (Mel. Orth., IV, 1872, p. 10) mit Ch. Afzclii
Stäl identifiziert hat, liegt mir das cT Original aus dem Wiener
Orthoptera Blattaefoniu'a. 20o
Hofmuseum (Steindachner, Senegal 1869) vor und kann
ich daraus ersehen, daß die Art kleiner ist als Afzelii im
Durchschnitt und helle, gelbliche Unterseite der Vordercoxen,
ebenso wie einen schwarzen oder rotbraunen Längsstrich auf
der Unterseite der Vorderschenkel besitzt, während bei der Art,
die ich nach dem Vorkommen als T. Afzelii ansehen möchte,
Coxen und Femora der Vorderbeine innen breit schwarz
gezeichnet sind. Sofort unterscheidet sich Afzelii jedoch durch
den scharfkantigen Scheitel von dives.
Färbung oberseits hellgraubraun, dunkler punktiert und
gewölkt; Flugorgane, auch die Elytren ganz hyalin, die Ade-
rung der letzteren mit feinen braunen und weißen Strichen.
Von Behaarung ist nur an den Mittel- und Hintercoxen (das
Exemplar besitzt nur mehr die beiden vorderen und das linke
Mittelbein, dieses mit Ausnahme des Tarsus) etwas zu be-
merken.
Ein zweites cf Exemplar von Kelle am Senegal (Coli. Br.
Nr. 22134) stimmt in allen wesentlichen Punkten mit dem vor-
erwähnten überein, ^ besitzt aber ein vollständiges Querband
auf dem Stirnschild und die Elytren entbehren fast vollständig
der braunen Strichelchen.
Es scheint, daß diese Art auf Westafrika nördlich vom
Äquator (Westsudan) beschränkt ist, wie überhaupt die Tara-
ch ödes- Avien sich streng in west- und ostafrikanische scheiden
lassen, wenn sie, wie ich zu hoffen wage, daß es in dieser
Revision geschehen ist, richtig charakterisiert sind. Ob das 9
von Benguella, das Saussure zu dives zieht, wirklich zu
dieser Art gehört, möchte ich stark bezweifeln.
Tarachodes sancta Sauss. (Taf. II, Fig. 9, 9a; Taf. III, Fig. 3).
Saussure, Mel. Orth., III. SuppL, 1871, p. 393.
Wood-Mason, Journ. Asiat. Soc. Bengal., LI, II, 1882, p. 22 (insidiator).
Diese Art steht dem T. ohtnsiceps sehr nahe, die
Zeichnung der vorderen Femora und Coxen ist vollständig
übereinstimmend (nur bei sancta 9 die Innenseite der
1 Totallänge 34, Pronotum lang 8-8, breit 4-2, Elytren lang 2,0mm.
Dornen außen an den Vordertibien 14. Die Type ist 2,0 mm lang, Pronotum
lang 8-6, breit 3-7, Elytren 28 mm, Dornen 13.
204
F. We r n e r,
Vorderschenkel bis zu den Dornen schwarz), auch sonst sind
beide von oben nur daran zu unterscheiden, daß der Scheitel
bei obtusiceps eine bogenförmige Linie bildet, während er bei
sanda vollkommen gerade ist; das Analfeld der Hinter-
flügel ist ganz ungefleckt. Das Prosternum ist hinter dem
Coxalansatz ganz mattblauschwarz, während es bei obtusiceps
nur eine dunkle Querbinde besitzt. Querbinde zwischen den
Augen weniger deutlich als bei obtusiceps, namentlich beim 9 .
T. sancta ist eine relativ häufige ostafrikanische Art und
von Nyassaland (Wood-Mason) und Delagoabai (R. Monte iro
leg., Mus. Berlin) sowie schließlich von Deutsch-Ostafrika (in
Coli, m.), Zululand (Coli. Br.), Caffraria (Mus. Berlin) und Port
Natal (Mus. Wien) bekannt.
Dimensionen
cf von
Delagoa- (^ von rf vom ^ von 9 ^o"
Zululand Kap Nyassa Caffraria
bai
Totallänge 40
Pronotum, Länge ... 9*4
Breite 4-3
Elytra, Länge 33
40
8-5
4.4
33
41
9-2
4-5
33
47
11-5
6
40
33
7-5
4
7-5
9 von 9 von
Bondei D. -Ost-
Dimensionen Usambara afrika
Totallänge 37 41
Pronotum, Länge ... 9 '3 10-5
» Breite. ... 4* 5 5 "5
Elytra, Länge 6-5 6*8
9 von Port Natal
35, 37-5, 38
9-5, 9-6, 10-8
4-7, 4-8, 5-5
6-4, 6-7, 7-5
9 graubraun, undeutlich dunkel gefleckt, namentlich auf
Gliedmaßen und Pronotum, das Abdomen unterseits hellrot-
braun, mit zwei Reihen dunkler Flecken. Im Vergleich zu
obtusiceps sind beim 9 die Flugorgane kürzer (1:5 "5 bis 6,
bei obtusiceps 1:3*7 der Totallänge), die Vorder- und Mittel-
schenkel breiter und die Protuberanzen des Pronotums stumpfer
als bei dieser Art; ebenso ist die Behaarung der Mittel- und
Hinterbeine, des Abdomens und der Cerci stärker und von den
fünf Längsreihen von erhabenen Runzeln der Abdominaltergite
Orthoptera Blattaefonnia.
205
ist die mittlere viel stärker als die übrigen, bei obtusiceps aber
alle so ziemlich gleich stark.
Tarachodes Afzelii Stäl (Taf. II, Fig. 7, 7a).
Stäl, Öfv. k. Vet. Ak. Förh., XXVIII, 1871, p. 396 (Chiropacha).
Westwood, Rev. Mant., p. 3, Taf. XIV, Fig. 15 (1889) (Chiropus dives).
Diese Art hat gewiß einige Ähnlichkeit mit Saussure's
T. dives, besitzt aber einen scharfkantigen, ganzrandigen
Scheitel und innen schwarze Vordercoxen und Vorderschenkel.
Der schwarze Femoralfleck reicht nicht bis zum distalen Ende,
sondern nimmt nur die proximalen zwei Drittel des Femurs
ein, sich hier in zwei Spitzen ausziehend. Prosternum wie bei
dives mit einem schwarzen Querband am Ende des zweiten
Drittels, vor diesem ebenfalls dunkel (grau). Die Färbung der
Oberseite ist sehr hellgraubraun oder aschgrau, mit dunkleren
Punkten, die Unterseite weißlich. Die Elytren und Hinter-
flügel sind hyalin, die ersteren mit viel deutlicher dunkler
gestrichelten Adern als die vorhergehende Art.
Mir liegen westafrikanische Stücke aus Sierra Leone
(Coli. Br. Nr. 7364), Ho, Sklavenküste (Coli. Br. Nr. 17430),
von Atakpame, Togo (Coli, m.) von Adafoah (Nr. 3689) und Akkra
(Nr. 4270) (Mus. Berlin) vor. Sie sind einander sehr ähnlich.
(^ von Sierra cf von der
Dimensionen cT von Togo Leone Sklavenküste
Totallänge 39 ? ?
Pronotum, Länge 10*5 9' 3 8"I
Breite 4-2 4-3 4*1
Elytra, Länge 34 30 30
Dimensionen cf '^'^'^ Adafoah (^ von Akka
Totallänge 33-5 ? 27
Pronotum, Länge 8'4 8-8 6*5
Breite 3-8 3-5 3-2
Elytra, Länge 29 27 23
Einigermaßen abweichend von der Beschreibung ist der
scharfkantige Scheitel dieser Art. Sonst stimmt aber die
206 F. Werner,
Beschreibung, die freilich sehr dürftig ist, namentlich die der
Konfiguration des Scheitelrandes mit den mit vorliegenden
Exemplaren und nur mit diesen überein, so daß ich kein
Bedenken trage, sie mit der Stal'schen Art zu identifizieren,
um so mehr als das Sierra Leone-Exemplar der Coli. Br. nicht
nur vom Originalfundort, sondern auch von dem Entdecker
dieser Art, Afzelius, herstammt.
Sehr merkwürdig ist der Dimorphismus des T. Afzelii, der
sich nicht wie sonst auf die Reduktion der Flugorgane und
die Höckerbildung des Pronotums beim 9 beschränkt, sondern
auch darin sich äußert, daß bei letzteren das Pronotum mit
feinen, spitzigen Körnern besetzt und die Innenseite der
Vordercoxen ebenfalls granuliert, aber mit rundlichen, helleren
Körnern auf dunklerem Grunde besetzt sind. Außerdem sind
auch noch die Vorderbeine innen anders gefärbt, niemals so
dunkel wie beim cf, sondern die Coxen dunkelbraun und die
Femora grau; nimmt man noch hinzu, daß, wie ich mich durch
Untersuchung eines der typischen Exemplare St äl's überzeugte,
das mir Herr Prof. Sjöstedt freundlichst übersandte, die
Schneide des Vertex wirklich nicht so scharf ist wie beim cf, so
muß man wohl zugestehen, daß es schwer ist, die Zusammen-
gehörigkeit der beiden Geschlechter festzustellen. Immerhin
besteht für mich kein Zweifel darüber. Was nun die Unter-
scheidung dieser Art von der nächsten anbelangt, so ist sie im
cT Geschlechte nach der Form des Scheitels und nach der
Behaarung der Beine (bei Afzelii, wie auch Sjöstedt angibt,
nahezu kahl, bei irrorata dagegen deutlich weiß behaart) leicht;
beim 9 aber ist man ausschließlich auf letzteres Merkmal
angewiesen, da der Kopfgipfel bei beiden Arten stumpf ist.
Die Länge des 9 beträgt 40, Pronotum 10X4-4, Elytra
8 • 5 mm.
Zähne der Vordertibien (außenseits) bei dieser wie bei
der folgenden Art meist 13.
Auffallend ist das V^orkommen dieser Art in Malakka
(leg. G. Schneider). 2 cTcf befinden sich in der Coli. Br. Sie
sind gelbbraun und die Vordertibien und Tarsen sind bei dem
einen Exemplar lebhaft rot. Totallänge 39 mm, Elytren 30 «zw,
Pronotum 9X4 mm; Tibialdornen außen 14.
Orthoptera Blattaeformia. «07
Das Verhältnis von Länge und Breite des Stirnschildes ist
wie 2*2 : 1" 2 bis 1'5 {mm).
Tarachodes irrorata Gerst. (Taf. II, Fig. 6, Qa)
Gerstäcker, Mitt. Vorpommern u. Rügen, XIV, 1883, p. 79.
Sjöstedt, Bih. k. Sv. Vet. Ak. Handl., Bd. 25, Afd. IV, No. 6, p. 7.
Westwood, Rev. Mant., 1889, p. 3, Taf. 14, Fig. 8.
Sehr nahe verwandt mit der vorigen, aber durchschnittlich
größer und dunkler, mit stark behaarten Beinen, sonst wohl
kaum mit Sicherheit zu unterscheiden. Auch Karsch hat in
einer handschriftlichen Notiz an einem der Exemplare des
Berliner Museums dieser Meinung Ausdruck gegeben und
ebenso hat bereits Gerstäcker die nahe Verwandtschaft der
letzten drei Arten hervorgehoben. Der trefflichen Beschreibung
Gerstäcker's (keine Art dieses Autors ist unkenntlich) habe
ich nach Vergleich von 9 cf cf des Berliner Museums kaum
etwas hinzuzufügen. Die meisten haben einen Stich ins Gelb-
lichbraune, w^as sich auch an den Elytren, wenn sie dem Körper
anliegen, erkennen läßt. Da die vorliegenden Exemplare alle
von ziemlich gleicher Größe sind, so gebe ich hier nur die
Maße von einem sehr gut erhaltenen Exemplare (Togo, Bis-
marckburg, 8. bis 16. März 1893, leg. L. Conrad t); die übrigen
stammen ebenfalls von Togo (Bismarckburg, 1. November
bis 15. Dezember 1890, leg. R. Büttner; Misahöhe, Anfang
November 1894, leg. E. Baum an n; Hinterland, leg. Kling,
19. Mai 1899).
Totallänge 44 mm
Pronotum, Länge 9*4
Breite 4-3
Elytra, Länge 34
Das 9 gleicht bis auf die mehr weniger stark behaarten
Beine dem von Afzelii; mir liegen sieben Exemplare des
Berliner Museums von Bismarckburg und Misahöhe vor. Das eine
aus Bismarckburg (s. Fig. 6) ist oberseits hellbraun, mit einem
breiten, medianen, dunkelbraunen Längsband vom Kopfgipfel
208 F. Werner,
zum Ende des Abdomens. Das größte 9 (Bismarckburg, Con-
radt) mißt:
Totallänge 44-5 mm
Pronotum, Länge 12
» Breite 6-4
Ely tra, Länge 9*2
Unterseite des Abdomens in beiden Geschlechtern stets
einfarbig hellgelb, Stirnplatte mit dunklem Querband. Länge
der Cerci in beiden Geschlechtern 5 mm. Glieder gegen das
Ende wenig an Länge zunehmend.
Tarachodes perloides Burm. (Taf. III, Fig. 1, 2).
Burmeister, Handb. Entom., II, p. 529 (1838).
Diese Art ist diejenige, auf welche Burmeister die
Gattung Tarachodes gegründet hat. Kirby verweist in Synon.
Cat. Orth., I, p. 215, irrtümlich auf Nr. 13 (T. sancta) statt
Nr. 12 (perloides). Von T. maura Stäl, die derselbe Autor als
Synonym zu perloides zieht, unterscheidet sie sich sofort
durch die einfarbige Unterseite des Abdomens, die zwei-
farbigen, deutlich längeren Hinterflügel und die geringere
Größe des 9.
Ein cf des Berliner Museums, das aus Südwestafrika
stammt und auch als T. perloides Burm. bezeichnet ist, unter-
scheidet sich von T. irrorala durch den vollkommen geraden
oder sogar etwas konkaven Scheitel, der jederseits vor den
Augen eingeschnitten ist und dann dicht vor den Augen einen
kleinen Höcker bildet, ist sehr deutlich an den gewöhnlichen
Stellen behaart, mit am Seitenrande vor der Querfurche deut-
lich gezähneltem Pronotum und dunklerer Färbung; alle Adern
der Elytren und der Hinterflügel sind dunkelbraun, besonders
stark die im Costalfelde des Hinterflügels; beide Flügelpaare
sind deutlich beraucht. An der Form des Scheitels, der sehr
deutlichen, an obtusiceps erinnernden Stirnzeichnung (Stirn
sehr hell, mit drei Querbinden am Vorder-, Hinterrand und
durch die Mitte des Stirnschildes) kann man auch das 9 dieser
Orthoptera Blatlaeformia. 209
Art erkennen, und zwar befindet sich im Museum Berlin außer
einer höchst wahrscheinlich hieher gehörigen cf -Nymphe ein
erwachsenes 9. Es besitzt außer den beiden gewöhnlichen
Medianhöckern des Pronotums noch ein weiteres Paar hinter
dem Pronotumvorderrande; es ist wie das cf von dunkler
Färbung (außer der Stirn, Außenseiten der Vordercoxen und
Endabschnitt der Innenseite der Femora, die einen ganz ähn-
lichen zweispitzigen Fleck tragen wie bei Afzelii und irroratä).
Die Höcker des Pronotums sind glänzend schwarz, das Costal-
feld der Hinterflügel dunkelbraun, am Apex schwarzbraun, mit
gelbbraunen Queradern, das Analfeld rötlichbraun. Die Innen-
seite der Vordertibien ist am Unterrande bis zu den Kamm-
zähnen dunkelbraun wie beim cf . Dieses 9 ist derselben Pro-
venienz wie das cT, ebenso auch die Nymphe.
Von dem 9 von T. sancta, die auch eine gerade Stirn
besitzt, unterscheidet sich das unserer Art, für die wir noch
einen Namen suchen müssen, durch geringere Größe, längere
Flugorgane, innen schwarze Vordercoxen, stärkere Mittel-
höcker des Pronotums (abgesehen von den Vorderhöckern)
und dunklere Färbung.
Da nun West wo od zu dem Namen T. perloides Burm.
Htmibertiella perloides Sauss., die jetzt Elaea perloides ge-
nannte, sicherlich einem andern Genus zugehörige Mantodee
als Synonym stellt, so entsteht die Frage, ob die mir vor-
liegende Art mit der Burmeister'schen identisch ist oder die-
jenige, welche jetzt Elaea perloides heißt. Westwood scheint
(Rev. Mant., p. 3) die Identität beider ohneweiters voraus-
zusetzen, was Saussure durchaus nicht in den Sinn kam, da
er (Mel. Orth., III, 1870, p. 167) T. perloides Burm. und auf
p. 169 Huml>ertiella perloides als n. sp., ohne irgend welche
Synonymie heranzuziehen, nennt, was wohl genügend besagt,
daß es sich in diesem Falle nur um eine zufällige Gleichheit
des Speziesnamens handelt und nicht um eine Identität, wie
West wo od etwas voreilig annahm. Die Art kann also ohne-
weiters mit dem Burmeister'schen Namen als Tarachodes per-
loides verbleiben, trotz der mageren Beschreibung, die Bur-
meister der Art mitsrab.
210 F.Werner,
Dimensionen (^ 9 cf Nymphe
Totallänge 40 36 30
Pronotum, Länge 9 10 7*5
Breite 4-5 5-2 3*5
Elj^tra, Länge 32-6 10-8 —
Hieher gehört wahrscheinlich auch das von Saussure
als Chiroptis dives (Mitt. Schweiz, entom. Ges., Bd. III, 1869,
p. 61) beschriebene und in Mel. Orthopt., III, 1870, Taf. IV,
Fig. 1, \A abgebildete 9, trotz der innenseits nicht dunklen,
sondern gelben vorderen Coxen und Femora, die eher auf
T. lucuhrans hinweisen würden. Die Form des Kopfes und die
Färbung der Hinterflügel, aber auch das Pronotum entsprechen
recht deutlich unserer Art.
Tarachodes maura (Stäl) (Taf. III, Fig. 4).
Stäl, Öfv. Vet. Ak. Förh., 1856, p. 168; 1871, p. 395; 1876, p. 68.
Durch die Liebenswürdigkeit von Herrn Prof. Sjöstedt
ist es mir möglich geworden, die Type dieser Art aus dem
Zoologischen Reichsmuseum in Stockholm zu untersuchen.
Diese Art gehört zu den größten der Gattung und ist durch
die glänzend und intensiv schwarze Innenseite der vorderen
Hüften und Schenkel, die von vorn nach hinten schief abge-
stutzten beiden Höcker des Pronotums und die Zeichnung der
Unterseite des Abdomens sehr leicht erkennbar. Vertex wie
bei T. perloides; Pronotum mit einer medianen, vom in der
Mitte aufgeworfenen Vorderrande bis zwischen die Höcker
ziehenden Längsfurche, deutlich gezähneltem, an der Über-
gangsstelle in den gebogenen Vorderrand in einen kleinen
abgestutzten Stachel übergehenden Seitenrand, einem Paar
kleiner Höcker hinter dem Vorderrande und zwei Paaren von
noch kleineren Höckern vor dem Sulcus. Hinterrand und die
Hinterecken abgestutzt. Mittlere Abdominaltergite in der Mitte
und an den Seitenrändern in kleine Läppchen ausgezogen,
zwischen den mittleren und lateralen Läppchen jederseits zwei
Orthoptcra Blattaeformia. 211
Reihen von Längsrunzeln; Unterseite des Abdomens hellgelb-
braun mit einem glänzend schwarzen dreieckigen Flecken
jederseits am Seitenrande jedes Segmentes. Vordere Femora
auf der Außenfläche deutlich konkav, mit einer vom distalen
Ende durch die Mitte gegen den Trochanter hinziehenden
undeutlichen Längsleiste. Mittelbeine mit erweiterten Schen-
keln; Behaarung der Mittel- und Hinterbeine stark.
Clypeus am Vorderrand einen stumpfen Winkel bildend,
nicht ganz doppelt so breit als hoch, mit Querbinde durch die
Mitte; Prosternum schwarz, Vordertibien innen am gezähnten
Rande geschwärzt, Mittel- und Hinterbeine unterseits gelblich,
die letzteren mit einem schwarzen Ring um den Femur am
Ende der proximalen zwei Drittel seiner Länge. Metasternum
mit zwei dunkelbraunen Flecken hintereinander. Oberseite des
Tieres wie gewöhnlich bei den 9 9 graubraun, die Gliedmaßen
oben mit dunklen Querbinden, je zwei auf dem Femur, zahl-
reichere auf Tibia und Tarsus.
Diese Beschreibung bezieht sich nur auf die Type. Außer-
dem lagen mir noch weitere 9 9 aus dem Museum Berlin und
eines aus meiner Sammlung vor. Die Art scheint auf Süd- und
Ostafrika beschränkt zu sein.
Ein sehr großes 9 aus Südwestafrika (Nr. 3288) stimmt
mit dem typischen in allen wesentlichen Punkten überein.
Nur ist der Clypeus ganz weiß, am Vorderrande schwach
konvex, die Vordertibien innen ganz gelb, die Zeichnung der
Gliedmaßen undeutlich; außer den beschriebenen Höckern
des Pronotums finden sich noch zwei schwache hinter den
großen.
Ein drittes großes 9 (bezeichnet: Mozambique, Sandacca)
gleicht dem Originalexemplare noch mehr als das vorige, hat
aber innen noch mehr geschwärzte Vordertibien und hinten
auf den großen Pronotumhöckern sitzt noch je ein kleinerer.
Die weiße Behaarung an Beinen und Cercis sehr stark, Zeich-
nung der Gliedmaßen undeutlich.
Das 9 meiner Sammlung (Kapkolonie) sehr dunkel, stimmt
mit dem vorigen gut überein in den Höckerbildungen des Pro-
notums und im Besitze eines dunklen Querbandes durch den
Clypeus, dessen Vorderrand ebenfalls konvex ist.
Sitzb. d. malhem.-naturw. KI.; CXVI. Bd., Abt. I. 15
■^1^ F. Werner,
Dimensionen der vier Exemplare:
Original- Südwest-
exemplar afrika Mozambique Kapkolonie
Totallänge 46 41 46 40
Pronotum, Länge. . . 11-4 11-5 12-3 11-6
Breite... 6-2 7 6-5 6-4
Elytra, Länge 9 10-2 9 9*2
Vorkommen : Südwestafrika (Owambo, Damara), Südafrika
(Kapkolonie, Caffraria, Port Natal), Südostafrika (Mozambique).
T.sancta Sauss. ist zwar dieser Art nahe verwandt, aber
durch die helle Innenseite der Vorderhüften, die Fleckenzeich-
nung der Unterseite des Abdomens (Flecken vom Seitenrande
der Segmente entfernt) leicht zu unterscheiden.
Das cf dieser Art lernte ich erst nach Abschluß vorliegender
Art kennen; es bot insofern eine Überraschung dar, als sich
dadurch herausstellte, daß T. maura dem T. obtusiceps nahe
steht und nur vielleicht eine melanotische Form vorstellt, ähn-
lich wie T. gilua etwa als Flavismus derselben Art anzusehen
wäre. Das Exemplar stammt aus dem Bongoland (oberes Nil-
gebiet) und wurde von Schweinfurth gesammelt. Es befindet
sich im Stuttgarter Naturalienkabinett und wurde mir durch
Herrn Oberstudienrat Prof. Lampert zur Untersuchung ein-
gesandt. Die düstere, auf dem Pronotum und den Vorderglied-
maßen direkt schwarze Färbung des Tieres ist auch auf den
Flugorganen zu bemerken, von denen die Elytren deutlich
beraucht und mit dunklen Adern versehen sind, während die
Hinterflügel die dunkle Fleckenzeichnung zeigen, wie sie nur
die beiden echt nordostafrikanischen Arten, die ich vorhin
erwähnte, besitzen. Leider ist das Exemplar stark defekt, indem
ein großer Teil des Abdomens fehlt. Vertex sehr schwach
bogig; Behaarung keine.
Pronotum 8-6x4 • 2 ww, Elytren zirka 30 mm, Clypeus
2 • 6 X 1 ■ 3 mm.
Tarachodes Karschii n. sp.
Vertex kaum merklich gebogen, stumpf, ohne Vorsprünge
oder Einkerbungen. Pronotum mit medianer Längsfurche,
Vorderrand bogenförmig, mit den Seitenrändern einen stumpfen
Ortkoptera Blattaeformia.
213
Winkel bildend; diese parallel, beim cf über dem Hüftansatz
erweitert, dahinter mehr weniger eingeschnürt; Hinterrand und
Hinterecken abgestutzt; Pronotum des 9 mit fein gezähnelten
Seitenrändern und zwei starken Höckern. Abdomen oberseits
mit fünf Längsreihen von Längsrunzeln, die der Medianreihe
am Hinterrande der Segmente etwas erhöht; Behaarung am
Pronotum, den Mittel- und Hinterbeinen bei beiden Ge-
schlechtern stark und lang, beim cf an den Hinterbeinen
schwächer, ebenso an den Cercis, die sehr lang sind. Schenkel
der Mittelbeine nicht auffallend erweitert. Dornen außen an
den vorderen Schenkeln und Tibien (13) schwarzspitzig.
Hinterflügel des cT im Analfelde vollkommen hyalin; Vorder-
flügel und Costalfeld der Hinterflügel dunkler geädert, die
ersteren auch teilweise mit weißen Adern. Oberseite gelb-, rot-
oder graubraun; Gliedmaßen, Kopf und Pronotum einfarbig
oder mehr weniger dunkel marmoriert, punktiert oder ge-
bändert. Innenseite der Vorderbeine vollkommen einfarbig
hellgelbbraun. Unterseite des Abdomens einfarbig oder mit
zwei Fleckenreihen, die vom Seitenrande und voneinander
gleichweit entfernt sind.
Diese auf das äquatoriale Ostafrika beschränkte Art liegt
mir in drei erwachsenen cfcT (Coli. Br. und Mus. Berlin) und
drei erwachsenen 9 9 (Coli. Br. und Mus. Berlin u. Stuttgart)
vor, nebst drei cTcf Nymphen und einer 9 Larve. Die Zu-
gehörigkeit der letzteren ist zweifelhaft.
(-f von Deutsch-
Ostafrika (Coli. Br.
Nr. 21749)
Dimensionen (leg. Reimers)
Totallänge 41-5
Pronotum, Länge 9-5
Breite 4 • 6
Elytra, Länge ... 34 • 7
Dimensionen
Totallänge
Pronotum, Länge
» Breite
Elytra, Länge . . .
9 von Bondei
(Mus. Berlin)
(leg. Schmidt)
35
9-8
5
7-5
(^ aus Dar-
es-Salaam
(Mus. Berlin)
(leg. Braozowski)
8-4
4
30
9 von Deutsch-
Ostafrika, Küste
(leg. C.Weiß)
35-5
9-8
4-7
6-3
(^ vom Tanga-
nyikasee
(Mus. Berlin)
(leg. Böhm)
32
8-4
4-3
29-4
9 von Deutsch-
ostafr.(Coll.Br.)
(leg. Reimers)
38
9-7
4-6
6-2
15*
214 F. Werner,
Prosternum mit großem, schwarzblauem Fleck; Stirn-
schild doppelt so breit als lang, mit konvexem Vorder- und
konkavem Hinterrand und drei Querbinden.
Tarachodes maculisternum Sjöst.
Bih. k. Sv. Vet. Akad. Handl., XXV, 4, No. 6, p. 6.
Von dieser sehr charakteristischen Art war bisher nur
ein cT, das Originalexemplar, bekannt. Durch die Güte des
Herrn Oberstudienrates Prof. K. Lampert konnte ich ein 9
des königl. Naturalienkabinettes in Stuttgart untersuchen,
welches aber nicht aus Kamerun, sondern aus Oberägypten
(Kosseir am Roten Meer, leg. Klunzinger) stammt. Es unter-
liegt für mich keinem Zweifel, daß die Art dorthin verschleppt
wurde, wie schon das Vorkommen an einem Hafenort wahr-
scheinlich macht. Die weißliche Behaarung der Vorderfemora
an der Innenseite nahe dem distalen Ende ist durch die dunkle
Färbung des Exemplares besonders auffallend.
Totallänge 38 mm 40 mm
Pronotum, Länge .... 10 » 9 »
» Breite .... 5 » 4*5 »
Elytra, Länge 10-3 » 29
Oberseite des 9 schwarzgrau, Elytren und die unter
ihnen hervorsehenden Spitzen der Hinterflügel dunkelasch-
grau, der bedeckte Teil schwarzbraun, Unterseite dunkel gelb-
braun.
Vertex deutlich gerundet; Clypeus frontalis mit bogigem
Vorderrand, breiter als hoch {2- 4: : Vd» mm). Pronotum mit
zwei deutlichen kegelförmigen Höckern, seitlich fein gezähnelt;
Behaarung des Körpers kurz, weißlich, nur an den Glied-
maßen, von welchen das vordere Paar breite, kräftige, die
übrigen aber schlanke Femora besitzen, sowie an den Seiten
des Pronotums deutlich.
Orthoptera Blattaeformia. 215
Tarachodes Gerstäckeri n. sp.
Diese Art ist T. fnaculisternum Sjöst. nahe verwandt,
jedoch durch die auffallend kürzeren Mittel- und Hinterbeine
und das Fehlen der Behaarung des Vorderschenkels bei den
drei obersten Tibialdornen, überhaupt durch sehr reduzierte
Behaarung leicht zu unterscheiden; sie ist auch etwas kleiner,
wenn die Größe des vorliegenden einzigen Exemplares maß-
gebend ist. Vordertibien innen und außen mit 12 Kamm-
zähnen, aber nur die inneren schwarzspitzig wie die äußeren
des Vorderschenkels.
Auch diese Art stammt aus Kamerun (Banyana, Nord-
kamerun, 200 bis 300 m; leg. Conrau, April bis Mai 1899).
Totallänge 35; Pronotum S-2 mm lang, 37 ;;/w breit; Elytren
am Ende beschädigt, aber sicher das Abdomen überragend.
Von T. Karschii ist die Art durch die unbehaarten Mittel-
und Hinterbeine und den kleineren, runden Prosternalfleck zu
unterscheiden.
Eine noch kleinere Art ist
Tarachodes Sjöstedti n. sp. (Taf. III, Fig. 5),
welche ebenfalls der T. maculisternum nahesteht, auch, wenig-
stens schwach, weiß behaarte Mittel- und Hinterbeine und
etwas längere Hinterbeine als vorige Art besitzt, aber ein
quergebändertes Stirnschild, vollkommen hyaline Flugorgane
(Adern nicht dunkler) und keine schwarzen Spitzen an den
Dornen der Vorderschenkel und -schienen; auch fehlt dieser
Art wie voriger der behaarte Femoralfleck der Sjöstedt-
schen Art.
Färbung gleichförmig hellgraugelb, vordere Coxen und
Femora innen hellrötlichgelb. Bei genauer Betrachtung (unter
der Lupe) findet man die ganze Oberseite des Körpers, auch
die Beine, fein rötlich punktiert. Totallänge des einzigen vor-
liegenden cf von Chinchoxo (leg. Falkenstein), etwa 30mm,
Pronotum 6 • 8 X 2 • 8 mm, Elytren 22-5 mm.
Das 9, das ich zu dieser Art rechne, ist etwas größer,
rötlichgraubraun, mit einer dunklen, schwarzbraunen, breiten
Längsbinde in der Körpermitte, die vom Occiput bis zum Ende
216
F. Werner,
des Abdomens hinzieht und etwa das mittlere Drittel des Pro-
notums bedeckt; die Seiten des Abdomens mit einer noch
breiteren Binde von gleicher Färbung. GHedmaßen außen
dunkel punktiert. Vordercoxen innen dunkelbraun; vordere
Femora innen rötlichbraun; Stirnschild wie beim cT quer-
gebändert. Pronotum seitlich fein gezähnelt, mit einer etwas
längeren Spitze an der Übergangsstelle vom Vorder- zum
Seitenrande; zwei Höcker hinter dem Vorderrande, zwei
größere und stärkere hinter dem Sulcus. Behaarung weiß,
kurz, aber deutlich.
Totallänge 32, Pronotum 8 • 6 X 3 • 4, Elytrae 6 • 3 mm.
Fundort und Sammler wie beim cf.
Tarachodes rotundiceps n. sp.
Ebenfalls aus der MaaiHsternum-Gruppe, mit großem
Kopf, stark gebogenem Kopfgipfel und deutlich berauchten
Flugorganen. Färbung der Oberseite dunkelgraubraun, dunkler
punktiert. Pronotum bedeutend schmäler als der Kopf, sein
bogenförmiger Vorderrand auch im Bogen in den Seitenrand
übergehend; sein Hinterrand ebenfalls konvex; an der Er-
weiterung über den Coxen ist es ein wenig schmäler als vorn.
Vorderbeine innen einfarbig gelbbraun; Elytren und Costal-
feld der Hinterflügel mit dunkelbraunen Adern. Stirnschild
2 • 5 : 1- 5 mm, mit Querbinde. Pronotum 8 • 7 X 3 • 7 mm; Elytra
28 mm. Da die Hälfte des Hinterleibes fehlt, so kann die
Totallänge höchstens approximativ auf etwa 35 mm angegeben
werden.
Kamerun (Dr. Kraatz), Coli. Br. Cat. Nr. 21415. Ein ö".
Nach Beschreibung des J hatte ich auch noch Gelegen-
heit, 299 unter den Inserenden der Coli. Br. aus Deutsch-
Kamerun (Mundame, leg. Rhode) aufzufinden, welche sich
durch den großen breiten Kopf mit stark konvexem Vertex
sofort als zu dieser Art gehörig erkennen lassen. Stirnschild
3 : 2 nwi, mit dunklem Querband. Pronotum mit einem Paar
deutlicher, dicht nebeneinander stehender kegelförmiger Höcker,
seitlich fein gezähnelt, vorn nicht breiter als an der supra-
coxalen Erweiterung. Vordere Femora und Tibien platt, unten
hellgelbbräunlich, oben wie die ganze Oberseite hellgraubraun,
Orthopf era Blatfaeformia. 217
aber nicht einfarbig, sondern dunkel dicht getüpfelt. Prosternum
mit großem, blauschwarzem Fleck wie beim cf . Abdomen mit
fünf wenig hervortretenden Längsreihen von Längsrunzeln, die
medianen kielartig entwickelt. Mittel- und Hinterbeine behaart,
ebenso die langen Cerci, äußere Tibialdornen 10; Vorder-
und Hinterrand des Pronotums mehr weniger deutlich auf-
geworfen.
Dimensionen:
Totallänge 40' 5 mm 40 mm
Pronotum, Länge 10 "8 » 10*5 »
» Breite 5 » 4*6 »
Elytren 7 » 7*3 »
Cerci 10 »
Tarachodes minima n. sp.
Diese, wie der Name schon andeuten soll, kleinste Art der
ganzen Gattung (Pronotum 5 mm lang, 2 mm breit; Elytra
20 mm lang; Abdomen des einzigen Exemplares, eines cf,
defekt) ist durch wenig konvexen, aber von vorn nach hinten
stark abgerundeten Scheitel, deutlich verbreiterte (gegen doppelt
so breit als lang) Stirnplatte ohne Ouerbinde, mit stumpf-
winkeligem oberen und geradem unteren Rande, die innen ein-
farbig hellgelbbraunen Vorderbeine, den dunklen Längsstrich
des Prosternums, die unbehaarten, gelbbraunen Mittel- und
Hinterbeine und die hyalinen, braun geäderten Flugorgane
charakterisiert. Fundort: Deutsch-Süd vvestafrika (Mus. Wien).
Untergattung Galepsus Stäl (Lygdamia Sauss.).
Aus dieser Untergattung sind bisher bekannt:
Galepsus temiis Stäl (Bih. K. Sv. Ak. Handl. Bd. 4, Nr. 10,
1876, p. 17).
Galepsus modestus G e r s t. (Tarachodes) (Arch. Naturg. 1 869,
p. 209).
Galepsus capitatus Sauss. (Chiropacha) (Mel. Orth. IIL,
p. 166, Fig. 2).
Galepsus meridionalis Sauss. (Chiropacha) (ibid. p. 10,
Fig. 19).
218 F.Werner,
Galepsus lenticularis Sauss. (Chiropacha) (ibid. IV., p. 11,
Fig. 18).
Galepsus modestior Schulth. (Tarachodes) (Ann. Mus.
Genova 1898, p. 173).
Von diesen Arten kenne ich G. modestior und teniiis
nicht aus'eigener Anschauung. Letztere scheint mir nur im 9
bei<;annt zu sein und soll keine Hinterflügel besitzen. Die in
der Coli. Brunner befindlichen Exemplare einer Galepsus- Art,
die V. Brunn in die Nähe von modestior Schulth. stellt,
gehören sicherlich nicht hieher, weil die Flugorgane die Spitze
des Hinterleibes bei weitem nicht erreichen, bei modestior aber
weit überragen sollen.
G. lenticularis Sauss.
Von dieser Art (siehe auch p. 226) habe ich zwei cTcf
gesehen. Die Cerci sind sehr lang (ß-?,mm bei 32-5 w//^
Totallänge), namentlich die Endglieder, und diese außen der
Länge nach gekielt. Die Vordercoxen sind innen schwarz, was
in dieser Untergattung nur noch bei G. dispar, und zwar nur
beim 9 vorkommt. Die Adern der Flugorgane sind nicht dunkel,
die Färbung im übrigen eintönig ockergelb oder lehmgelb;
Prosternum mit dunkler Querlinie vor dem Hinterrande; das
Stirnschildchen trapezförmig, etwa eben so hoch wie breit, die
Vorderschenkel weniger breit als bei den Tarachodes-Arten
s. Str. — Ein 9 von Transvaal wird von Stäl (1. c.) angeführt.
Dimensionen: Totallänge 32-5 bis 43; Pronotum 8-4 bis
9 mm lang, 2*8 bis 3 mm breit; Elytren 25*5 bis 27.
G. meridionalis Sauss.
Dieses ist die bei weitem schwierigste, weil veränder-
lichste Art der ganzen Gruppe, bald G. capitatus, bald G. lati-
ceps sich annähernd. Durch den sehr schwach gebogenen
Vertex und die schmalen Vorderschenkel ist sie im allgemeinen
von letzterer, durch das erstere Merkmal und das kürzere End-
glied der Cerci von ersterer zu unterscheiden. Innerhalb der
Art aber finden wir die mannigfachsten Formen, bald solche
mit schmalem Kopf (ähnlich capitatus), bald mit breiterem;
Orthoptera Blaüaeformia. ^1"
bald mit schmäleren, bald mit breiteren Vorderschenkeln, und
auch das Verhältnis von Höhe zur Breite des Clypeus ist sehr
veränderlich. Durch die innenseits dunkel gefleckten Vorder-
schenkel des 9 und das (wie freilich bei allen Galepsiis)
höckerlose Pronotum nähert sich diese Art auch der Unter-
gattung Ariusa, speziell der A. coiispersa Stäl; ja auch
G. tenuis Stäl dürfte in die nächste Verwandtschaft dieser
Art gehören.
Alle cTcf, die ich gesehen habe, besitzen innenseits ein-
farbig gelbbraune Vorderbeine, alle 9 9 innenseits schwarz
gezeichnete Vorderschenkel. Ursprünglich aus Südafrika (Port
Natal) beschrieben, scheint sie über ganz Südost-, Süd- und
Südwestafrika verbreitet zu sein; während . aber die ebenso
verbreitete TaracJiodes maura so gut wie gar nicht variiert,
finden wir in den verschiedenen Gebieten sehr verschieden
aussehende Formen. Gemeinsame Charaktere außer den vor-
erwähnten Färbungsmerkmalen wären noch: der lange dunkle
Prosternalfleck, die relativ kurzen (5 • 2 mm) Cerci, deren End-
glieder auch relativ kurz, gewöhnlich nicht mehr als zweimal
so lang wie breit sind (sowohl bei lenticularis als capitaUis
etwa dreimal so lang wie breit). Bei G. modeshts ist das End-
glied der 4-3 mm langen Cerci etwa IVg-, bei dispar das End-
glied der 6-7 bis 7-6 mm langen Cerci gegen doppelt so lang
wie breit. Die Stirnplatte ist ebenso lang bis fast doppelt so
breit wie lang, rechteckig bis schwach trapezförmig, mit abge-
stutzten oder scharfen Vorderecken. Färbung gelblich (steppen-
farbig) bis düster graubraun.
Ich gebe nun nachstehend die Beschreibung der Exem-
plare aus den verschiedenen Gebieten.
I. Forma typica (Port Natal).
d^ ö^ 9 9
Totallänge 34 31 32 30
Pronotum, Länge 7-8 8 8-6 8*4
Breite 3 3 3-6 3-6
Elytra, Länge 24-3 26-4 6-4 6-7
Kopf deutlich breiter als das Pronotum; Clypeus etwa um
die Hälfte breiter als hoch, die Vorderecken sehr flach abge-
220 F. Werner,
Stutzt. Färbung schmutzig gelbbraun mit wenigen dunklen
symmetrischen Flecken auf Occiput und Pronotum. Flügel-
adern des cT dunkel.
Hier schließt sich an ein cf aus Damaraland (Coli. Br.
Nr. 16723, leg. Dr. H. Schinz; Totallänge 32, Pronotum
6-7X2-7, Elytren 23-5). Von der Kopfzeichnung der vorigen
Form ist ein dunkler Punkt jederseits zwischen dem Auge und
der Occipitalfurche sehr deutlich. Ctypeus fast doppelt so lang
als breit, mit deutlich abgestutzten Vorderecken. Pronotum
und Außenseite der Vorderschenkel (die etwas breiter sind
als beim Typus) graubraun, dunkler punktiert. Vertex mehr
gebogen als beim Typus, was vielleicht auf Deformation durch
Quetschung zurückzuführen ist. Gliedmaßen sonst wie beim
Typus spärlich punktiert. Diese Art wird von Schulthess mit
G. modestiis verglichen (Zool. Jahrb. Syst. VIII, p. 69).
II. Kilimandjaro-Form. Es liegt nur ein 9 (zwischen Taveta
und Meru, leg. Höhnel, Coli. Br. Nr. 18004) und ein cf (Kilima-
ndjaro, leg. Baumann; Mus. Wien) vor; beide sind defekt
(hintere Hälfte des Abdomens fehlt; 9 Pronotum 6'2X2-6;
Elytren A-Qnim). Kopf breit wie beim Typus, Clypeus fast
doppelt so lang wie breit, mit kaum abgestutzten Vorderecken.
Färbung düster, Oberseite fein dunkel punktiert, auch die
feinen Seitenzähnchen des Pronotums, welches eine undeut-
liche, breite, dunkle Mittellängsbinde besitzt. Vorderfemora innen
mit schwarzen Längslinien, vordere Coxen innen schwarz.
cf Pronotum 5 •9x2-4, Elytren 15- 4 mm. Clypeus P/gmal so
breit wie lang. Färbung schmutzig gelbbraun. Vorderbeine
innen einfarbig. Sonst wie das <J. Ich nenne diese Form
\'ar. montana.
III. Angola-Form (var. avgoJensis). Ein 9 aus Malang
(Bu ebner leg., Mus. Berlin) gleicht sehr dem vorigen; Kopf
breit, Clypeus gut doppelt so breit wie lang, mit schwach
gebogenem Vorderrande. Färbung schwarzgrau, Gliedmaßen
oben dunkel getüpfelt, die vorderen Femora außen dunkel
gefleckt und marmoriert, innen am Unterrande in den drei
basalen Vierteln bis zu den Dornen (inklusive) schwarz, Coxen
aber normal gelbbraun. Dimensionen Totallänge 27 mm, Pro-
notum 8*2x3, Elytren 5 mm.
Orthoptera Blattaefonn ia .
22:
IV. Südostafrikanische Form. Hieher gehören sechs cf cT,
wovon eines aus der Coli. Br. (Delagoabai, Nr. 22431), die
übrigen aus der Sammlung des Wiener Museums (Südafrika
und Transvaal). Diese Form nähert sich außerordentlich dem
G. capitatus durch den schmalen Kopf, dessen Clypeus nur
höchstens ebenso breit wie hoch ist, mit gebogenem Vorder-
rande. Auch die Färbung erinnert bei den meisten (bis auf
zwei) Exemplaren an capitatus; sie ist steppengelb, das Pro-
notum in der Mittellinie dunkler; die Gliedmaßen sind ein-
farbig, die Vorderschenkel noch schmäler als bei der typischen
Form; auch erreicht diese Form die geringsten Dimensionen
und erinnert auch in dieser Beziehung an capitatus.
capitatus
Delagoa-
Blauer
Brit.-
Zanzibar
Dimensionen
bai
Südafrika
Nil
Ostafr.
(Coli. Br.)
Totallänge
, 26
29, 32
25
29
30-8
Pronotum, Länge .
, 5-6
6, 6'5
6
5-7
7
» Breite
. 2-2
2 2
2
2
2-3
Elytren
. 17-8
22, 22-5
19-5
20
17-2
Zum Vergleich habe ich die Dimensionen eines G. capi-
tatus vom Blauen Nil, von Britisch-Ostafrika (Coli, m.) und von
Zanzibar (Coli. Br.) daneben gesetzt. Man könnte diese Varietät
(intermedia) auch zu capitattis stellen, von der sie sich aber
doch stets schärfer scheiden läßt.
G. laticeps n. sp.
Diese Art steht der typischen Form der vorigen Art nahe,
unterscheidet sich aber von ihr durch den breiteren Kopf mit
deutlich konvexem Vertex, wohl auch durch das längere Pro-
notum. Sie ist auf Kamerun beschränkt, woher mir drei Exem-
plare vorliegen, von denen allerdings leider nur eines ein voll-
ständiges Abdomen besitzt (Totallänge 35 mm).
Ich gebe vorerst die Dimensionen an.
222
F. Werner,
9
29
cT aus Mundame
(leg. Rhode, Coli. Br.
Nr. 25755) ^ Nr. 12648 (f Nr. 21415
Kopf breite 4-1 4-2 5
Pronotum, Breite . 2-5 2-7 3-1
Länge . 8' 2 8
Elytren, Länge ... 24-5 23
Bei zweien von den drei Exemplaren sind die Vorder-
schenkel innenseits schwarz gefleckt, beim dritten hellgelb-
braun wie Coxa und Tibia. Das erste der drei Exemplare ist
ziemlich dunkel gefärbt, die Flugorgane stark glänzend mit
dunklen Adern; es ähnelt bis auf die Breite des Kopfes und die
Form des Vertex ganz zweien der vorerwähnten cf von meri-
dionalis var. intermedia aus Südafrika. Auch das Pronotum ist
bei diesem Exemplar ungefähr ebenso lang wie bei laticeps
(Länge zu Breite wie 3 bis 3-25: 1, bei laticeps 2-9 bis 3-3 : 1),
während das Verhältnis sonst bei meridionalis 2*33 bis 2-73: 1
beträgt (bei capitatus 3:1).
Die Form des cf Pronotums ist bei meridionalis und lati-
ceps ziemlich übereinstimmend; vorn abgerundet, im Bogen in
den Seitenrand übergehend, vor und namentlich hinter der
supracoxalen Erweiterung deutlich konkav; Hinterrand und
Hinterecken abgestutzt.
G. capitatus Sauss.
Diese Art ist nicht so weit nach Süden verbreitet wie
lenticularis, da mir kein Fundort südlich von Zanzibar bekannt
ist; andrerseits ist die verwandte meridionalis weder in der
typischen Form noch in einer Varietät nördlich vom Äquator
gefunden worden; der scharf abgestutzte Kopfgipfel ist sehr
charakteristisch für capitatus, ebenso die Augenform, wie sie
Stäl beschreibt; wir können in dieser Art eine Übergangsform
zu Paroxyophthalmtis erblicken. G. capitatus dürfte die kleinste
Art der Gruppe sein, da sie im Durchschnitt nicht die Dimen-
sionen der andern erreicht. Merkwürdig ist die Seltenheit
der 9 9 bei dieser Art; mir ist nur ein einziges untergekommen,
welches ich selbst im Sudan gefangen habe, während mir
Orthoptera Blattaeformia. 223
an (/cT eine ziemliche Anzahl zur Untersuchung vorlag. Das-
selbe gilt auch für die ähnliche, oben beschriebene Form von
■meridionalis sowie für modestns; in Anbetracht der Anzahl
der untersuchten cTcf ist die bisher völlige Unbekanntheit
des 9 nicht minder auffallend, um so mehr als es keinem
Zweifel unterliegt, daß beide Geschlechter dieselbe Lebens-
weise führen. G. capitatus, eine gewiß vielfach verkannte Art
(siehe West wo od, Rev. Mant., wo meridionalis als capitatus
abgebildet ist), ist stets hell, gelblich, mit glashellen Plug-
organen und schlanken Gliedmaßen.
G. modestus Gerst.
G. modestns ist in der Coli. Br. in 4 cf cT aus Zanzibar,
in dem mir vorliegenden Material aus Berlin in 6 cfcT aus
Boma (Ende Mai 1890, v. Nettelbladt), Bondei, Usambara
(C. VV. Schmidt), Mombasa (Dezember 1876, Hildebrandt),
Saadani (v. Nettelbladt) und Panumbira (Bumiller) ver-
treten. Die Elytren erreichen bei manchen nahezu, bei manchen
eben die Spitze des Abdomens, bei andern überragen sie die-
selbe. Die Vorderbeine sind innen stets einfarbig hell, das
Prosternum trägt zwei große dunkle Flecken hintereinander,
einen dicht hinter dem Coxalansatz, den zweiten vor dem
Hinterrande. Diese Art variiert ziemlich in der Größe; das
kleinste mir vorliegende Exemplar mißt 27, das größte ?>\mm.
Außer diesen Arten bin ich noch in der Lage folgende
zu beschreiben:
G. (Achlaena) Kuhlgatzi n. sp. (Taf. II, Fig. 8, 8ö).
Wenn man Galepsus (was ich durchaus nicht befür-
worten möchte) als besondere Gattung beibehält, so muß
diese Art hier verbleiben, andernfalls aber besteht die Frage,
wie das Pronotum des 9 aussieht (mir liegen nur 3 cfcf
vor) und ob die Form des 9 Pronotums wichtiger ist als die
des Vertex beider Geschlechter. Mir erscheint das Merkmal,
welches beiden Geschlechtern zukommt, als das wesentlichere
und daher würde ich die Zurechnung der Art zu Achlaena
beantragen, trotz der geringen Dimensionen und des Galepsus-
artigen Habitus.
224
F. Werner,
Kopfgipfel nach einwärts von den Längsfurchen des Occi-
put in zwei kurze, abgerundete, aber sehr deutliche Höcker
ausgehend, dazwischen abgerundet. Stirnplatte etwas breiter
als hoch, mit abgerundeten oberen Ecken. Pronotum glatt,
konvex, der konvexe Vorderrand im Bogen in den Seitenrand
übergehend, dieser über den Coxen wenig erweitert, dahinter
etwas eingezogen, Hinterrand konvex. Mittel- und Hinterbeine
schlank, Elytren etwas beraucht, die Hinterleibspitze über-
ragend oder eben erreichend. Hinterflügel beraucht, im Anal-
feld etwas dunkler gefleckt. Cerci bei allen drei Exemplaren
abgebrochen, aber wie man sicher sagen kann, lang. Dornen
an den Vordertibien außen 12. Färbung graubraun.
Dimensionen:
Totallänge 29-5 29-5 29-5
Pronotum, Länge 6 6-4 5-7
» Breite 2-2 2-2 2*2
Elytra, Länge 21-2 23 21-2
Deutsch -Ostafrika (2 oV Mus. Berlin; 1 ö" Nat. Kab.
Stuttgart).
G. dispar n. sp.
Dem G. modeshis sehr ähnlich, aber cf mit kürzeren Flug-
organen, 9 mit innen schwarzen vorderen Coxen (nur noch
bei lenticularis in der Gruppe, und zwar beim cf) und bei
beiden Geschlechtern die Cerci viel länger, das letzte Glied
gut dreimal so lang wie breit und alle drei letzten der Länge
nach (auf der Innenfläche) gekielt; Elytren des cT mit dunkleren
Adern, so wie vorige Art, die Hinterflügel beraucht. Prosternum
mit zwei Flecken.
Dimensionen: 7, p
G. modestus > ,
cT (in Coli. Br., Nr. 20972)
Totallänge 31 34 35
Pronotum, Länge 7-5 8-5 9
» Breite 4 3'8 4-3
Elytra, Länge 22-5 17-8 7
Cerci, Länge ! 4-3 6-7 7-6
Orthoptera Blattaeformia. 22o
Von weiteren Exemplaren habe ich untersucht: 1 cT Baga-
moyo, Dr. Steudel, Dezember 1892 (Mus. Berlin); 1 9,
Deutschostafrika (leg. Manow, Coli, m.); 1 9 Bagamoyo, leg.
Steudel 1891 (Nat. Kab. Stuttgart). Von allen ist das 9 meiner
Sammlung das größte (40 mm). Die Art ist an der schwarzen
Innenseite der Coxen sehr leicht zu erkennen; von lenticularis
unterscheidet sie die Form des Kopfes und die Kürze des Pro-
notums (wenig über doppelt so lang wie breit, bei lenticularis
dreimal so lang wie breit) sowie die Kürze der Flugorgane
des cf ebenfalls ohne Schwierigkeit.
Dispositio specierum subgeneris Galepsus.
Marcs.
1. Vertex bituberculatus G. Knhlgatzi Wem.
Vertex tuberculis prominentibus nullis 2
2. Elytra et alae abdomine multo breviores: (Alae distincte
infuscatae; segmentum ultimum cercorum praecedenti
duplo longius) G. dispar Wern.
Elytra et alae abdominis apicem fere aut perfecte attin-
gentes aut superantes 3
3. Coxae anticae intus nigrae; vertex utrinque distincte
incisus (ultimum segmentum cercorum praecedenti triplo
longius) G. lenticularis Sauss.
Coxae anticae plerumque intus flavescentes; vertex haud
incisus 4
4. Vertex valde rotundatus, caput latum (segm. ult. cerc.
praec. dimidio longius) G. laticeps Wern.
Vertex parum rotundatus aut truncatus 5
5. Elytra et alae apicem abdominis valde superantia ....
. . . G. modestior S c h u 1 1 h.
Elytra et alae apicem abdominis parum superantia aut
breviores ö
6. Vertex truncatus G. capitatus Wern.
Vertex parum convexus , .... 7
7. Pronotum latitudine plus quam duplo longius
. . . G. meridioiialis Sauss.
Pronotum latitudine minus quam duplo longius
. . . G. niodestus Gerst.
226
F. Werner,
Feminae.
1. Alae haud distinctae G. teniiis Stäl
Alae distincte expli'catae 2
2. Vertex bituberculatus (G. Kuklgatzi Wem.)
Vertex tuberculis prominentibus nuUis 3
3. Coxae anticae intus nigrae 4
Coxae anticae intus flavescentes 5
4. Vertex latus, haud incisus G. dispar Wem.
Vertex angustus, utrinque distincte incisus
. . .(G. lenticularis Sauss.)
5. Caput latum, Vertex distincte rotundatus
. . .(G. laticeps Wern.)
6. Vertex parum rotundatus aut truncatus 6
Vertex parum rotundatus G. meridionalis Sauss.
Vertex distincte truncatus G. capitatus Sauss.
Wenn icli die Galepsiis-F ovmen hier separat behandelt
habe, so geschieht dies nur mit Rücksicht auf die von den
meisten Autoren befürwortete Trennung. Denn es gibt kein
einziges Merkmal, um die Arten dieser Untergattung mit
Sicherheit von den übrigen abzutrennen. Das höckerlose Pro-
notum findet sich auch bei Ariusa, zu welcher meridionalis
einen kompletten Übergang bildet; der Cl3^peus ist ebenfalls
bei dieser Art mitunter breiter als lang und wenn er auch
niemals quergebändert ist, so fehlt ein Querband doch auch
bei echten Tarachodes-Arten {maculisternum z. B.); die Länge
des Pronotums, im Durchschnitt wohl größer als bei den
echten Tarachodes-Arten, nähert sich doch in gewissen Formen
sehr (G. modesttis) den niedrigsten Zahlen, die bei Taracliodes
s. Str. angetroffen werden. G. Kuhlgatzi weist auf die Unter-
gattung Achlaena hin.
Von den vorerwähnten 32 Tarachodes- Arten sind die
folgenden fünf der Fauna des Sudan zuzurechnen, von welchen
drei zu Taracliodes s. str. und zwei zur Untergattung Galepsiis
gehören.
Orthoptera Blatiaeformia. ^^ '
Tarachodes Stäl.
5. bis 7. T. gilva Charp., T. obtusiceps Stäl und T. maura
Stäl.
Soweit ich in der Literatur und in den mir zugänglichen
Museen und Sammlungen erfahren konnte, kommen im ägyp-
tischen Sudan keine andern als diese drei Tarachodes-Avten
vor und sicherlich sind sie nichts weniger als häufig. Ich habe
nur ein einziges Exemplar von T. obtusiceps bei Renk am
6. Februar 1905 gefangen, welches im Grase dahinlief, glaube
aber nicht, daß dies der gewöhnliche Aufenthalt dieser Manto-
deen ist, sondern daß sie, worauf die Färbung aller Arten
hindeutet, Rindenbewohner sind, wie Elaea marchali, Oxy-
pihis annulatus und die nahe verwandte Tarachina, wovon
ich das 9 ja auch wirklich an einem Akazienstrunk fing.
Galepsus Stäl (Lygdamia Sauss).
8. G. capitatus (Sauss.) 1870.
Saussure, Mel. Orth., III, 1870, p. 166, Taf. IV, Fig. 2 (Chiropacha).
Stäl, Bih. k. Sv. Vet. Ak. Handl., Bd. 4, Nr. 10, 1876, p. 17.
Nicht selten im südlichen Bahr-el-Gebel-Gebiete (Mon-
galla, Gondokoro); am 2. März das erste erwachsene Exem-
plar (cT) gefunden. Im dürren Steppengrase, dessen Färbung
das Tier auch trägt. Pronotum gewöhnlich mit dunkler, medianer
Längslinie. Elytren kürzer als die Hinterflügel (auch bei lenti-
cularis). Auch in Sennaar (Saussure), wo sie auch Capt.
Fl o wer 1906 in einem cf wieder auffand. Ich habe nur ein
einziges 9 gefunden.
9. G. lenticularis (Sauss.) 1872.
Saussure, Mel. Orth., IV, 1872, p. 11, Taf. IX, Fig. 18, cf (Chiropacha).
Stäl, Bih. k. Sv. Vet. Ak. Handl., Bd. 4, Nr. 10, 1876, p. 17, ?.
Ursprünglich aus Natal beschrieben, von Stäl aus Trans-
vaal erwähnt. Liegt mir in je einem Exemplar vom Gazellen-
flusse (Mus. Stuttgart, leg. Schweinfurth) und von Roseires
am Blauen Nil (Coli, m.) vor; beide sind cf cf. Die Innenseite
Siizb. d. mathem.-naturw. KL; CXVI. Bd., Abt. I. ^^
228 F. Werner,
der vorderen Coxen und Femora ist schwarz. Diese Art ist
größer als die vorige. Die Ansicht Kirby's (Synon. Cat. Orthopt.,
I, p. 217), daß diese Art synonym mit L. meridionalis Sauss.
sei, ist ganz unbegründet.
Paroxyophthalmus W. Mason.
10. P. collaris (Sauss.) 1872.
Saussure, Mel. Orth., IV, p. 14, Taf. IX, Fig. 17 (Oxyophthalmtis).
Wo od- Mason, Cant. Mant., p. 38 (Paroxyophthalmus).
Sennaar (Saussure). Da junge Larven von L. capitata
sehr ähnlich dieser Art sind, so kann ich nicht mit Sicherheit
angeben, ob sie sich nicht etwa auch in Mongalla und Gondo-
koro findet. Ich möchte diese Gattung lieber hieher stellen als
zu den Mantidae.
Pyrgomantis Ger st.
II. P. septentrionalis n. sp. (Taf. I, Fig. 5).
Capite minus prolongato quam in P. singulari Gerst,
verticis processu subtus haud carinato apice nigromarginato,
pronoto lateribus parallelis, integris, elytris alisque ^ apice
nigromaculatis, pedibus unicoloribus.
Diese merkwürdige Mantide ist bei Mongalla und Gondo-
koro nicht selten, doch fing ich vorwiegend Larven. Sie leben
auf dem Boden und bewegen sich wegen ihrer langgestreckten
Körpergestalt und ihrer relativ kurzen Beine schlängelnd wie
eine Eidechse. Die Färbung ist hellbräunlichgelb, der des
dürren Steppengrases äußerst ähnlich; doch findet man aus-
nahmsweise, nämlich bei Mongalla, an einer Stelle, wo das
Gras verbrannt und geschwärzt ist, neben schwarzen Exem-
plaren von Acrotylus patmelis und Cosmorhyssa fasciata auch
solche schwärzliche Pyrgomantis -Larven. Imagines fanden
sich erst von der zweiten Hälfte des März an.
Dimensionen:
d" 9
Totallänge (ohne Cerci) ... 38 • 5 mm 45 mm
Kopflänge 8 10-2
Orthoptera Blattaeformia. 229
cf 9
Kopf breite 3 ftini 3 • 1 mm
Pronotum, Länge 7*8 8*7
Breite 2 3
Elytren, Länge 20 5-2
Die Art findet sich auch in den Bogosländern, wie ein
Exemplar der Coli. Brunn er beweist.
Färbung gelbbraun, Pronotum oft mit dunklerer medianer
Längslinie. Flugorgane des cf hyalin, ganz schwach gelblich
gefärbt. Durch die kürzeren, unterseits der scharfen medianen
Längsleiste entbehrenden Kopffortsatz und die nicht punk-
tierten Mittel- und Hinterbeine läßt sich diese Art auch im
Larvenzustande von der folgenden unterscheiden.
12. P. singularis Ger st.
Gerstäcker, Arch. f. Naturg., 1869, Bd. 35, p. 211, und in: C. v. d. Decken,
Reisen Ostafrika, III, 2, 1873, p. 18, Taf. I, Fig. 8, %b.
Saussure, Bull. Suisse, III, p. 233, und Mel. Orth., III, p. 325 (singularis),
und III. SuppL, p. 396, Taf. VII, Fig. 37 (nasuta).
Westwood, Rev. Mant., Taf. 14, Fig. 4 (rf) und 5 (9).
Liegt mir nur in drei jungen Larven aus Gondokoro vor,
wo also drei von den vier bekannten Arten nebeneinander
leben. Die vierte {P. jonesii Kirby), welche wie P. septen-
trionalis einen kürzeren Kopffortsatz besitzt, aber sich durch
berauchte Hinterflügel von ihr unterscheidet, lebt in Westafrika.
13. P. mabuia n. sp. (Taf. I, Fig. 4, 4a).
Major, processu capitis (ab occipite ad apicem) longi-
tudem pronoti superanti, apice rotundato. Elytra 9 atrofusca.
Frons inter ocula a clypeo ad insertiones antennarum nigro-
bivittatum, vittas antrorsum convergentes. Supra olivaceus,
cerci rufescentes, pedes flavi. Processus capitis apice subtus
niger, abdomen subtus flavescens, sparse nigro-punctatum.
16*
Zoü F. Werner,
in P. septen-
trionali ^
Long, tot 68 mm (cercis omissis) 45 mm
Processus cap 13'7» 7-8»
Pronotum 11-5» 8 • 7 »
Elytra 6'3» 5-0»
Femora antica 8-5 » 6*2 »
Cerci
Gondokoro, 17. März 1905.
Diese große Art, die größte der Gattung, fand ich er-
wachsen nur in einem 9 am Fuße eines der Hügel, welche
etwa vier Wegstunden südlich von Gondokoro liegen. Wegen
der gestreckten Gestalt ist diese Art im Laufe noch mehr zur
schlängelnden Bewegung des Körpers veranlagt; darauf bezieht
sich auch der gewählte Artname (Mabnia ist die häufigste
Eidechsengattung des Gebietes).
Elaea Stäl.
14. E. Marchali (Coquerel, Reiche&Fairmaire) (Taf. II,
Fig. 4).
Ferret und Galinier, Voyage en Abessynie III, 1847, p. 421, Taf. 27, Fio-. .'S
(9> Eremiaphila).
Saussure, Mel. Orth., III. Suppl., 1871, p. 372 (9, Eremiaphila).
Werner, Sitz. Ber. Akad. Wiss. Wien, CXIV, 1, 1905, p. 405 {^ , Eremiaphila).
Saussure, Mel. Orth., III, 1870, p. 169 {^, Humbertiella perloiäes).
Stäl, Syst. Mant., 1876, p. 48 (^f, Elaea perloiäes).
Schulthess, Ann. Mus. Genova (2), XIX, 1898, p. 170 (ö" ? , Elaea somalica).
Rehn, Proc. Acad. Philadelphia 1901, p. 280 (somalica).
Diese Art hat in ihren beiden Geschlechtern, wie man aus
vorstehender Synonymie ersieht, gar mancherlei Schicksale
erlebt. Das 9 wurde als Eremiaphila beschrieben und da mir
die Art in natura bei meiner Revision dieser Gattung nicht
vorlag, so nahm ich keinen Anstand, sie darin zu belassen.
Erst nach meiner Rückkehr aus dem Sudan fiel mir die außer-
ordentliche Ähnlichkeit der in der »Voyage en Abessynie«
abgebildeten y Eremiaphila« mit einer im Sudan weit ver-
breiteten, aber baumlebenden Mantide auf und da sie bei
Orfhoptera Blaitaeforntia. -<JJ-
Eremiaphila absolut nicht bleiben konnte, so stellte ich sie
zuerst in die Gattung Myrcimts, von welcher nur eine (auch
nur im 9 bekannte) Art aus Borneo (M. iuberosus Stäl)
bekannt ist. Das cf aber gelang es mir nicht zu finden; ich
war aber überzeugt, daß es langgeflügelt sein mußte. Es war
aber schon im Jahre 1870 von Saussure als Humhertiella
perloides beschrieben worden; aus der G^iVung Humhertiella
entfernte es Stäl (und zwar, wie sich jetzt zeigt, mit vollem
Recht, weil die Humbertiellen langgeflügelte 9 9 besitzen) und
gründete darauf die Gattung Elaea, welche ich beibehalte,
weil die Zugehörigkeit zu Myrcinus immerhin nur eine provi-
sorische war. Elaea verhält sich also zu Theopompa wie etwa
Tarachodes zu Hoplophora.
Das 9 dieser Art ist, wie schon vorhin bemerkt, eine
Baumbewohnerin, und zwar lebt sie auf alten, grauen Akazien-
strünken, deren Färbung sie außerordentlich angepaßt ist, so
daß sie, wenn ruhig auf einer Stelle verharrend, absolut nicht
oder nur mit großer Mühe zu unterscheiden ist. Sie läuft ebenso
stoßweise wie Er emiaphila und hat, wie dies bereits Kamm er er,
welcher die Art bei Kawa am Weißen Nil wieder auffand,
beobachtete, die allen Baumläufern gemeinsame Eigenschaft,
aufgescheucht, spiralig um den Baumstamm herumzulaufen
und sich auf der dem Beschauer abgewendeten Seite des
Stammes ruhig zu verhalten.
E. Mardiali ist ein ausschließliches Tagtier, welches nur
bei glühender Mittagshitze in Bewegung ist; auf den Boden
kommt sie freiwillig nie herab. Sie findet sich im ganzen Sudan
von Kawa bis Gondokoro, in Deutsch-Ostafrika (Coli. Br.) und,
wie auch aus dem Originalfundorte von E. perloides hervor-
geht, am Senegal. Da das ö" von E. Marchali (perloides) gut
und kenntlich abgebildet und auch beide Geschlechter von
E. somalica eine ausführliche Beschreibung erfahren haben,
so will ich, um die sichere Unterscheidung (wenn eine solche,
was ich eben bezweifle, möglich ist) des 9 von Marchali
zu ermöglichen, dieses beschreiben und nochmals abbilden.
Färbung rötlich graubraun. Kopf um die Augen breiter als
das Pronotum; Augen hervortretend, rundlich, fein dunkel
längsgestreift. Auf dem Hinterkopfe, dicht neben dem Auge,
232 F. Werner,
jederseits ein kurzer Höcker. Stirnschildchen sehr breit, vier-
mal so breit als hoch, sein oberer Rand mehr gebogen als der
untere (beide nach oben konvex). Pronotum ganz wie beim d',
mit zwei Paaren von Höckern zwischen Vorderrand und Sulcus
und zwei weiteren Paaren vor dem Hinterrande; das zweite
Paar ist das stärkste und mit einer schiefen Kante (nach hinten
konvergierend) versehen. Seitenränder des Pronotums schwarz
punktiert, schmal aufgeworfen, aber nicht gezähnelt. Abdomen
spindelförmig. Die ganze Oberseite fein dunkel punktiert. Glied-
maßen oberseits dunkel gebändert, am undeutlichsten die
Vorderbeine, am deutlichsten die mittleren und hinteren Tibien.
Metatarsus (wie bei Myrcimis) sehr lang, etwa ebenso lang wie
die übrigen Tarsenglieder zusammen. Unterseite hellgrau, ein-
farbig, nur die vorderen Femora nahe dem Apex mit zwei
unterbrochenen dunklen Querbinden. Vorder- und Hinterflijgel
erreichen den Hinterrand des dritten Abdominalsegmentes;
erstere am Ende breit abgerundet, rot- oder graubraun, mit
zwei verwaschenen, schiefen, dunklen Querbinden (öfters eine
)-förmige, zusammen bei angelegten Flügeldecken eine sand-
uhrförmige Figur bildend), unterseits lebhaft ziegelrot, die
Flecken der Oberseite viel deutlicher wiederholt (das Pigment
also wie bei den Eremiaphilen auf der Unterseite und oben nur
durchscheinend); Hinterflügel mit einem glänzend schwarzen
Fleck, der das ganze Vorderfeld mit Ausnahme der lebhaft
gelbroten Spitze einnimmt; Analfeld schwarz mit weißen Quer-
adern.
Dimensionen:
Gondokoro Mongalla
Long, corporis .... 25*5 25
Lat. capitis 6 6'6
Long, pronoti 5 5-5
Lat. pronoti 4*7 5
Long, ely tr 8 8 • 7
Lat. ely tr 4-6 5
Lat. abd 6-2 7-8
Daß ich auch Elaea somalica Schulth. hieher rechne,
möchte ich folgendermaßen begründen. Das cf von somalica
Orthoptera Blaitaeformia. 233
unterscheidet sich so gut wie gar nicht von dem von pevloides;
ich habe zwei cfcf aus Erythraea in meiner Sammlung und
kann außer in der Zahl der vorderen Tibialdornen absolut
keinen Unterschied finden; dieser Unterschied ist aber unbe-
deutend, da diese Zahl bei pevloides außen 10, innen 12, bei
somalica außen 9, innen 10 beträgt (bei einem meiner Exem-
plare aber außen und innen 10) und kann daher somalica
höchstens als Lokalrasse betrachtet werden.
Die Dimensionen der cTcf sind:
Körperlänge ,
Prothorax, Länge . . .
» Breite . . .
Elytra, Länge
» Breite ,
Man ersieht aus diesen Maßangaben, daß somalica-Kxem-
plare untereinander auch in den Dimensionen mehr abweichen
als somalica von pevloides. Die Länge des Pronotums ist bei
1. und 2. ein Sechstel der Körperlänge und variiert bei somalica
zwischen 1:5'3 — 6'6; die Elytren sind bei somalica bald
kürzer (2.), bald, wie bei pevloides, länger als der Körper.
IIL Mantidae.
Nilomantis n. g.
Genus intermedium inter Miomantis et Tvopidomantis,^
forma capitis perfecte ut in illo genere, pronoto brevi, distincte
carinato, elytris alisque abdominis apicem valde superantibus,
Ulis angustis, coxis anticis pronoto longioribus. (Forse Thespis
Bovmantiella Sauss. species huius generis est.)
1. (j^ vom
Senegal
(pevloides)
2. cf vom
Somaliland
(somalica)
3-, 4. r^ von
Erythraea
(somalica)
21
22
18-5
26-4
3-5
4-5
3-5
4
3
4
3-1
3-3
22
19-5
22-7
27
5-6
?
5
6-4
3 Ob nicht auch Iridopteryx inftimata Sauss. (Mel. Orth., IV, p. 30) eine
sudanesische Art ist, will ich dahingestellt sein lassen. Das eine der beiden
Originalexemplare im Wiener Hofmuseum trägt die Bezeichnung »Egypt.«.
234 F. Werner,
15. N. Floweri n. sp.
Oculi rotundati. Pronotum supra coxas dilatatum, dilata-
tione margini anteriori paullo magis quam posteriori approximata,
lateribus pone dilatationem leviter concavis, margine posteriore
late truncato, necnon angulis posticis truncatis. Coxae anticae
inermes; femora antica latiora quam in genere Miommitis, magis
ut in genere Tropidomantis, spinis externis quatuor, tibiae
dimidio femorum parum breviora, articulus primus tarsorum
anticorum ceteris omnibus longius. Pedes intermedii (et postici?)
graciles; alae elytris haud longiores.
Flavescens, oculis obscuris, elytris alisque perfecte hyalinis,
vitta humerali elytrorum nulla.
Dimensiones:
Long, tot 14-5 wm.
» elytrorum .... 14
» pronoti 2*5
Lat. pronoti 13
» elytrorum 2-8
Sennaar (leg. S. S. Flower, mense Junio 1906).
Diese interessante Gattung gleicht in der stark abge-
platteten Form des sehr breiten Kopfes vollkommen einer Mio-
mantis, unterscheidet sich aber durch das kurze, gekielte Pro-
notum und die längeren Flugorgane sowie die breiteren
vorderen Femora deutlich von dieser Gattung. Von Tropido-
mantis unterscheidet sich Nilomautis durch die Form der
Occipitalregion, die viel schmäleren, von der Basis bis vor der
Spitze allmählich verbreiterten Elytren und die andere Form
des Pronotums, welches nicht dachförmig gekielt ist, sondern
in folgender Weise: Der Rücken des Pronotums stellt eine
spitzdreieckige Fläche vor, deren Basis der Hinterrand des
Pronotums bildet, während die Spitze in der Mitte des Vorder-
randes liegt; von den Seiten des Dreiecks fällt das Pronotum
nach beiden Seiten ab. Der Mittelkiel bildet eine deutliche
Leiste auf der Mittellinie des Rückendreiecks.
Orthopiera Blattaeformia. ^OO
Tenodera Burm.
16. T. herbacea Serv. (Orthopt., p. 177).
Von dieser seltenen Art fand ich ein erwachsenes cf bei
Khor Attar am 15. Februar 1905. Sie wurde von Saussure
(Mel. Orth. III, 1870, p. 246, und Suppl. 1871, p. 419) kurz
beschrieben und das vorliegende Exemplar stimmt mit der
Beschreibung ganz gut überein und unterscheidet sich von der
nahe verwandten aridifolia durch den kleinen Kopf, der nur
wenig breiter als lang ist, das am Seitenrand fast ganzrandige
(nur an der supracoxalen Erweiterung ganz schwach ge-
zähnelte) und vor der Querfurche glatte (bei aridifolia oft
granulierte) Pronotum, die stärkeren (12) Zähne der Vorder-
coxen, das Fehlen von Flecken am Vorderrand der Hinterflügel
und das nicht hellere Costalfeld der Vorderflügel.
Diese Art war bisher nur von Westafrika bekannt. Sie lebt
im dürren Steppengrase nach Art unserer Mantis religiosa. Ein
zweites Exemplar gelang es mir nicht aufzufinden.
17. T. superstitiosa (Fabr.).
Saussure, 1. c, p. 247 und 420.
Zwei Larven von Mongalla, 2. März 1905, im dürren Steppen-
grase; später auch am selben Orte keine weiteren Exemplare
gefunden.
Bisher war keine Tenodera aus Nordostafrika bekannt.
Diese Art ist im tropischen Afrika und Asien weit verbreitet.
Sphodromantis Stäl.
18. S. bioculata (Burm.).
Brunner, Prodromus, p. 58, Fig. 13.
Savigny, Taf. I, Fig. 10 bis 13.
Krauss, Verh. zool. bot. Ges. Wien 1890, p. 236.
Saussure, Mel. Orth. III, p. 219, Fig. 20, 21.
Finot, Faune de TAlgerie, p. 99.
Werner, Sitzungsber. Akad. Wiss. Wien, CXIV, I, 1905, p. 408.
Diese in Nordafrika weit verbreitete Art geht im Sudan
noch etwas südlich von Khartoum. Ich fing ein ? am
236 F.Werner,
31. Jänner 1905 auf einer Akazie im zoologischen Garten in
Khartoum; Dr. Kammerer erbeutete sie bei Kawa am Weißen
Nil (31. Dezember 1903) und im Wiener naturhistorischen Hof-
museum befindet sich ein braunes <J, gesammelt von Mar no
im Juni 1875 am Kenene, Westufer des Bahr-el-Abiad, in der
Turra el Khadra, in der Nähe des Gebel Araschgol (woselbst
ich auch Kokons fand). Flower traf sie auch am Blauen Nil,
Aus Nordostafrika wird die Art auch noch von Rehn und
Schulthess (Somali- und Gallaland) erwähnt, auch ist sie
noch von Massaua (Coli. Brunn er) bekannt.
19. S. gastrica Stäl.
Stäl, Öfv. Vet. Ak. Förh. 1872, p. 390.
Saussure, Mel. Orth. III, 1870, p. 222, Fig. 22.
Ein 9 aus der Grassteppe bei Tewfikia am Weißen Nil,
9. Februar 1905. Durch das breitere und kürzere, hinten weniger
stark eingezogene und in der Supracoxalgegend nicht lamellär
ausgebreitete und auch nicht oder nur spurweise gezähnelte
Pronotum, sowie das kleinere, längliche (bei hioculata größere
und etwa dreieckige) Stigma des Vorderfiügels läßt sich diese
Art von der vorigen leicht unterscheiden.
Diese Art wurde auch von Schweinfurth vom Gazellen-
fluß mitgebracht (1877; 1 cf , 2 9 9 im kgl. Naturalienkabinett in
Stuttgart); sie findet sich ferner im Somali- und Gallaland,
sowie wohl in ganz Ost- und Südafrika.
Mantis L.
20. M. religiosa L.
Brunner, Prodromus, p. 59, Fig. 14.
Saussure, Mel. Orth. III, p. 239.
Finot, Faune de l'Algcrie, p. 100.
Bei Khor Attar (Februar 1905) nur Larven gefunden, da-
gegen bei Mongalla (31. März) ein erwachsenes 9 der braunen
Form. Lebt im Grase.
Im Somali- und Gallaland wurde auch M. sacra Thunbg.
gefunden.
Orthoptera Blattaeformia. 237
Oxythespis Sauss.
21. O. senegalensis Sauss. (Taf. I, Fig. 6, 6a).
Saussure, M61. Orth. III, p. 276, Fig. 41, 41^,^7.
Finot, Orthopteres de l'Algerie et de la Tunisie, 1897, p. 105.
Schult hess, Zool. Jahrb. Syst., VIII, 1895, p. 70.
Diese bisher aus Nordwestafrika (Tunis) und vom Senegal
und Somaliland bekannte Art ist im Sudan nicht selten. Mir
liegen erwachsene Exemplare beiderlei Geschlechtes vor, und
zwar aus Khor Attar (vom 14. Februar 1905 ab) und Gondo-
koro, wo sie sich im Steppengrase herumtrieben, dessen
Färbung sie tragen. Beim cf überragen die Elytren das vierte,
beim 9 das erste Abdominalsegment.
Calamothespis n. g.
Generibus Conipsothespis Sauss. et Hoplocorypha Stäl
affinis, tibiis anticis femoribus parum brevioribus, pedibus
intermediis et posticis valde abbreviatis (ut in nonnullis specie-
bus G. Toxodera), a genere Hoplocorypha capite longiore quam
latiore, femoribus anticis Spina longissima nuUa, a genere
Conipsothespis oculis haud mammillatis occipite pone oculos
bicornuto facile distinguendum est.
22. C. adusta n. sp. (Taf. I, Fig. 3).
Caput elongato-pentagonale, angulum obtusissimum cum
prothorace formans, pone oculos (ut in g. H) in lobum tri-
angulärem productum, occipite medio bicornuto (cornua acuta
triangularia, erecta). Oculi elliptici.
Pronotum elongatum, supra insertionem coxarum parum
dilatatum, parte pone sulcum transversum anteriore subtriplo
longiore, margine anteriore truncata, posteriore rotundata.
Portio pronoti ante sulcum transversum et portio aeque longa
pone sulcum longitudinaliter rugulosa pars postica medio
carinata. Margines laterales subtiliter denticulati.
Abdomen cylindricum, laeve; segmenta tria ultima medio
carinata; lamina supraanalis truncata, medio carinata. Cerci
238 F. Werner,
lati, lamellares, apice rotundati, apicem abdominis haud siiper-
antes. Lamina subgenitalis elongata, triangulariter producta,
medio profunde incisa.
Coxae anticae subtus spinulosae, supra inermes. Femora
elongata, coxis longiora, extus 6, intus 13 spinosae; tibiae
femoribus quarta parte breviores, extus apicem versus 9 spi-
nosae.
Tibiae pedum intermediorum et posticorum femoribus
breviores; femora lobis genicularibus duabus elongatis, apice
rotundatis.
Colore stramineo, capite (clypeo excepto), parte externa
omnium coxarum, parte supracoxaii pronoti, necnon apice
abdominis adusto.
Long, totalis 56 mm.
» capitis 3
Lat. y> . . 2
Long, pronoti 16
Lat. » 2
Long. fem. antic 11
» » intermed. . . 3
» » postic 5
» tib. antic 8
» » intermed. . . 3
» » postic 6
Mongalla, 2. März 1905. 1 9, Nymphe.
Diese Mantide ist durch ihre ganz abweichende Lebens-
weise ausgezeichnet. Während nämlich die übrigen mir lebend
untergekommenen Arten sich als gewandte Läufer erweisen,
ist Calamothespis, welche in dem verbrannten Ufergras des
Bahr-el-Gebel gefunden wurde, ein Klettertier, welches mit
seinen kurzen Mittel- und Hinterbeinen Grashalme umklam-
mert und sich ziemlich flink an ihnen bewegt. Die Färbung
gleicht täuschend der eines halbverbrannten Grasstengels. Ich
fand nur das eine Exemplar, dessen schwarzbraune Flügel-
stummel leider nur ein Nymphenstadium andeuten.
Ich glaube, daß Calamothespis ebenso wie Compsothespis
den Mantiden und nicht den Orthoderiden zuzurechnen ist.
Orthoptcra Blattaeforviia. 239
Hoplocorypha Stäl.
23. H, galeata Gerst.
Gerstäcker, Arch. f. Naturg. XXXV, p. 210 (1870); v. d. Decken, Reisen
in Ostafrika, Ins., p. 16 (1873) (Mantis galeata).
Stäl, Öfv. Vet. Ak. Förh. XXVIII, 1872, p. 388 (macra).
Im Steppengrase bei Khor Attar und Gondokoro, am
19. Februar am ersteren Orte bereits ein erwachsenes cf,
aber niemals ein erwachsenes 9 gefunden. Das cf ist grau-
braun, seine Elytren tragen einen sehr deutlichen weißen, nach
innen schwarzbraun begrenzten Vorderrandstreifen und sind
entweder schwach beraucht, mit feinen, dunklen Punkten oder
dunkler rauchgrau. Pronotum bei einer cf Larve dunkel punk-
tiert, ebenso auch Scheitel und vordere Femora.
Das 9 wird viel größer und besitzt, wenn erwachsen,
wahrscheinlich nur FlügehTidimente; ich habe unter zahh^eichen
Exemplaren aus dem ganzen tropischen Afrika keines gesehen,
welches über das Nymphenstadium hinausgekommen wäre.
Die Färbung ist die des dürren Steppengrases, mit einer dunkel-
braunen Mittellinie vom Vorderrande des Mesonotum bis zur
Supraanalplatte. Die Tergite der mittleren Abdominalsegmente
haben am Hinterrand einen kleinen, medianen, etwas ab-
stehenden Lappen.
Dimensionen: cT 35'5i;n;?, 9 50- 5 mm.
Ich kann zwischen dieser Art und H. macra Stäl
keinen Unterschied finden.
Miomantis Sauss. (Caltdomantis Rehn.).
24. M. Savignyi Sauss.
Savigny, Taf. I, Fig. 15 {(f); Krauss, p. 237.
Saussure, Mel. Orth. IV, p. 69, Taf. VIII, Fig. 15 (9); Analecta, I, p. 190.
Westwood, Rev. Mant., p. 37, Taf. X, Fig. 1 (9).
Werner, Sitzungsber. Akad. Wiss. Wien, CXIV, I, 1905, p. 409.
Diese Art, aus Sennaar von Saussure erwähnt, habe ich
im Sudan nirgends angetroffen. Es ist mir nicht ganz klar, ob
240 F. Werner,
nicht etwa nur eine der beiden Arten daselbst vorkommt, be-
ziehungsweise ob nicht Saussure die pharaonica aus Sennaar
früher für Savignyi gehalten hat.
25. M. pharaonica Sauss.
Saussure, Analecta Entomologica, I, p. 193 (Rev. Suisse Zool. V, 1898).
Ein cf flog am 28. Februar 1905 bei der Station Bor (Bahr-
el-Gebel) auf den Dampfer zum elektrischen Licht, welches
auch andere Orthopteren (Pseudorhynchus hastifer, namentlich
aber Grillen) anlockte.
Diese Art ist außerdem aus Ägypten und Sennaar bekannt.
In Ägypten kommt sie neben der vorigen Art vor, von welcher
sie die dunklen Punkte an den vorderen Coxen und Schenkeln
und die einfarbigen Hinterflügel des 9 unterscheiden.
Außerdem liegt mir noch eine Mioinantis-]>iy mphe aus
Gondokoro vor, welche sich durch ihre Zeichnung auffällig
von den mir bekannten Arten unterscheidet. Das Pronotum,
welches hellgraubraun ist, besitzt einen schmalen, weißen,
medianwärts dunkelbraun gesäumten Seitenrand; das gelbbraune
Abdomen ist symmetrisch schwarzbraun gezeichnet. Die vorderen
Femora tragen an der Außenfläche drei dunkelbraune Längs-
flecke hintereinander, innen aber drei weit voneinander ab-
stehende kleine dunkle Punkte. Anlagen der Flugorgane fein
dunkelpunktiert, ebenso die mittleren und hinteren Femora, die
am Apex außen dunkel gefärbt sind.
Ischnomantis Stäl.
26. I. attarensis n. sp. (Taf. I, Fig. 2).
Differt ab I. spinigera Schulth., cui proxima est, fronte
stramineo, marginibus lateralibus pronoti cT etiam pone sulcum
transversum nigro denticulis, tibiis anticis subtus etiam basi
spinis armatae, prosterno pone coxas nigromaculato, coxis
anticis intus bimaculatis.
Flavescens. Caput transversum, pronotum multo latius.
Oculi valde prominuli, globosi, fusco-fasciati. Antennae flaves-
centes, prothorace breviores. Pronotum laeve, subtiliter fusco-
Orthoptera Blattaeformia. 241
punctatum margine tota denticulatum, denticulis in parte post-
eriore pronoti nigris. Pronotum pone dilatationem supracoxalem
constrictum, antrorsum attenuatum, acute trianguläre, margine
anteriore rotundato, carina media a metanoto ad pronotum
currente nigra ante sulcum transversum in sulcum longitudi-
nalem transiente. Abdomen supra fuscopunctatum et macula-
tum, punctis lineolas longitudinales formantibus. Coxae anticae
intus granulatae carina inferiore spinulosa (inter duos spinas
maiores duos minores) carina superiore spinis maioribus decem
armatae; femora antica extus 5-, tibiae 10-spinosae. Tibiae
intus rufofuscae. Abdomen subtus flavum, nigro adspersum.
Long, totalis 70 mm.
» pronoti 20
Lat. » 3-7
Long, coxarum anticorum . . 11
» femorum 14
» tibiarum 6*3
» fem. postic 22
Khor Attar, Februar 1905, 1 9 Larve im dürren Grase ge-
fangen. Gleicht sehr /. media Rehn von Gallaland, welche aber
ein kürzeres Pronotum besitzt und größere Dimensionen
erreicht.
Solygia Stäl.
27. S, sulcatifrons Serv. (Taf. I, Fig. 1, \a).
Serville, Orthopt, p. 171, I (1839), (Thespis).
Stäl, Syst. Mant., p. 32, 54 (1876).
Diese meines Wissens bisher nur vom Kap bekannte Art
ist im Sudan anscheinend weit verbreitet und fand ich Larven
bei Melut und Khor Attar am Weißen Nil und Doleib Hill am
Sobat. Eine große Larve, beziehungsweise Nymphe von Khor
Attar hielt ich gegen sechs Wochen im Kätig, bis sie auf der
Heimreise von Gondokoro auf dem Dampfer von Ameisen
(Monomorium) aufgefressen wurde. Sie verzehrte in dieser
Zeit eine große Menge von Heuschrecken, entwickelte sich aber
nicht weiter.
242 F. Werner,
Von den Exemplaren der Coli. Brunner unterscheiden
sich- die sudanesischen nur durch die lichtere Färbung des
Prosternums. Sie leben im dürren Steppengras und laufen sehr
behend. Die Färbung ist einförmig gelblichweiß oder lachs-
farbig. Mein größtes Exemplar (von Melut) mißt 93 mm (inklu-
sive der Lamina supraanalis). Von den Larven der Tenodera-
Arten, mit denen sie zusammenleben und denen sie sehr ähn-
lich sind, unterscheiden sich die SoIygia-ho.rMen durch den
breiteren Kopf mit mehr vorquellenden Augen, die stark quer-
geriefte Stirn und die lange, gekielte und zugespitzte Supra-
analplatte sehr leicht.
Kapt. Flower fand ein erwachsenes cf am Blauen Nil im
Juni 1906.
28. S, grandis (Sauss.).
Saussure, Mel. Orth. III, 1870, p. 190 (Phasmomantis), und III, Suppl. 1871,
p. 424 (Fischeria).
Werner, Jahresb. Württ. Ver. f. Naturk. 1906, p. 370 (Ischnomantis) .
Diese große, bisher erst aus Westafrika bekannte Mantide
liegt mir in einem 9 {\\<6mm ohne Lam. supr.) vom Gazellen-
fluß (leg. Schweinfurth) aus dem kgl. Naturalienkabinett in
Stuttgart vor. Nach der Skulptur der Stirn und der Form der
Vorderschenkel scheint es mir am besten, sie in die Gattung
SoJygia zu stellen; von 5. 5«/ca///rows unterscheidet sie sich
durch den höheren Kopf und die bedeutendere Größe.
Es bleiben demnach in der Gattung Ischnomantis von den
von mir (p. 371) unterschiedenen Arten nur drei übrig, die im
imaginalen Zustande bekannt sind, während von /. media Rehn
und attarensis Wern. nur Larven beschrieben wurden.
Die Unterscheidung der obigen drei Arten, welche durch-
wegs einen Supracoxalstachel besitzen, der demnach als
wesentliches Merkmal der Gattung Ischnomantis er-
scheint, würde nunmehr auf folgende Weise geschehen
können:
1. Kein großer, gelblichweißer Fleck vor der Hinterflügel-
spitze; Kostalrand der Vorderflügel hell. . ./. gigas Sauss.
Ein großer, gelblichweißer Fleck vor der Spitze des Hinter-
flügels, der von der hyalinen Flügelspitze durch einen
großen, braunen Fleck getrennt ist 2.
Orthoptera Blattaeformia. -^43
2. Flügel das Ende des Abdomens überragend
. . . I. fatiloqtia Stäl
Flügel die Hinterleibspitze nicht erreichend
. . ./. spiniger a Schulth.
Leptocola Ger st.
29. L. giraffa Kars eh.
Karsch, Berl. ent. Zeitschr. XXX, 1894, p. 276.
Sjöstedt, Bih. k. Svenska Vet. Ak. Handl. XXV, 1, 1890, p. 17.
Werner, Jahresb. Württ. Yer. f. Naturk. 1906, p. 371.
Ich besitze in meiner Sammlung eine Larve dieser Art aus
Roseires am Blauen Nil. Die Art ist demnach sowohl in West-
afrika als im Sudan verbreitet; auf meiner Reise habe ich sie,
das eine Extrem der afrikanischen Mantidenformen ebenso-
wenig wie das andere, das blattförmige Idolum, auffinden
können.
Das Vorkommen gewisser Tierformen in Westafrika, in
der Berberei und im Sudan, nicht aber in Ägypten, ist höchst
bemerkenswert. Als Beispiele mögen nur Oxythespis sene-
galensis, die Vatiden, Idolomorpha unter den Orthopteren,
Bitis arietans (Marokko), Leptodira hotamhoiea (Tripolis) unter
den Reptilien hervorgehoben werden. Es mag dieses Vor-
kommen darauf hinweisen, daß das Gebiet zwischen Nordwest-
afrika, Senegambien und Togo früher tropische oder sub-
tropische Vegetation besessen hat und eine ungehinderte Aus-
breitung tropischer Formen nach Norden gestattete, während
in Ägypten eine Ausbreitung der Sudanfauna nach Norden
infolge der in Nubien stellenweise völlig fehlenden Ufervegeta-
tion kaum für einige Reptilien (Naia nigricollis, DasypelHs
scahra, Mahtiia quinqtietaeitiata, Varanus niloticus) und
Batrachier (Rana mascareniensis, Bufo regularis) möglich war.
IV. Harpagidae.
Oxypila Serv.
30. O. annulata Serv.
Serville, Orthopt, p. 156, Taf. 3, Fig. 5.
Burmeister, Handb., II, p. 526.
Von dieser Art, die vom Senegal und Somaliland bekannt
ist, fand ich eine junge Larve an einem Akazienstrunk bei
Sitzb. d. mathem.-naturw. KI. ; CXVI. Bd., Abt. I.
«b
244 F. Werner,
Gondokoro, wo auch Elaea Marchali und noch eine dritte
Mantide (Tarachina) lebte. Alle drei waren von der grauen
Rindenfärbung der Akazie nicht zu unterscheiden und die
kleine Oxypila wäre, wenn sie sich nicht bewegt hätte, wohl
unentdeckt gebheben; wie so viele andere Mantodeenlarven
trägt sie das Abdomen nach aufwärts geschlagen, dessen grell
weiß-schwarz gebänderte Unterseite dadurch sehr auffällig ist.
31. O. brunneriana Sauss.
Saussure, Mel. Orth. III, 1870, p. 818.
Nubien (Saussure) — Nicht gesehen.
Pseudocreobotra Sauss.
32. P. Wahlbergi Stäl.
Stäl, Öfv. Vet. Ak. Förh. 1872, p. 385.
Sjöstedt, Bih. K. Sv. Vet. Ak. Handl. Bd. 25, Afd. IV, Nr. 6, p. 19.
Ich beziehe diesen Namen auf eine große Fseiidocreobotra-
Larve, die ich im Museum des Gordon-College in Khartoum
sah; sie könnte wohl auch zu P. amarae Rehn gehören, da
aber obige Art bereits in Uganda gefunden wurde, so zweifle
ich nicht daran, daß diese Larve hieher gehört. Übrigens kann
ich kein Merkmal von Belang auffinden, das P. amarae von
P. Wahlbergi zu unterscheiden gestatten würde; die Beschrei-
bung Rehn's eines 9 ersterer Art von Somaliland paßt voll-
kommen auf ein wahllos meiner Sammlung entnommenes 9
von Nairobi, Britisch-Ostafrika, und die Angabe, daß P. amarae
(mit 33 ;^w Totallänge) größer sei als die gemeine ostafrikanische
Art, ist vollkommen irrig, da diese wenigstens 40 mm lang wird.
Ich glaube also berechtigt zu sein, trotz kleiner Unterschiede
(Rehn bezeichnet das Labrum von P. amarae als gekielt und
die Vordercoxen als »finely scabrous«, was für die mir vor-
liegenden Exemplare von P. Wahlbergi nicht zutrifft) die
Somaliart mit der gewöhnlichen ostafrikanischen zusammen-
zuziehen.
Orthoptera Blattaeformia. ^4o
Pseudoharpax Sauss,
33. P. virescens (Serv.).
Serville, Orthopt., p. 162, Taf. III, Fig. 7 ((f).
Saussure, Mel. Orth. III, 1870, p. 298, Fig. 48, 48«. Analecta Orthopt. I,
p. 211.
Larven dieser Art fand ich auf niedrigen, krautigen
Pflanzen im Sumpfe gegenüber Khor Attar, Februar 1905, und
bei Mongalla (gleichfalls im Sumpfland), März 1905. Sie waren
durchwegs noch recht jung, aber wohl erkennbar. Es ist dieses
die einzige Mantide, die ich auf sumpfigem Boden angetroffen
habe.
Auch am Senegal und im Somaliland sowie nach Saus-
sure auch in Abessynien.
V. Vatidae.
Stenovates Sauss.
34. S. pantherina Sauss.
Saussure, Mel. Orth., IV, 1872, p. 84, Fig. 31.
Werner, Jahresh. Wüftt. Ver. f. Naturk. 1906, p. 376.
Diese schöne Art, welche ich nicht selbst gefunden habe,
scheint auf den Sudan beschränkt zu sein. Das Wiener Hof-
museum besitzt sie vom Weißen Nil (leg. Hansal, Marno,
Typen) und ich habe eines von Roseires am Blauen Nil in
meiner Sammlung.
Popa Stäl.
35. P. undata (Fabr.).
Serville, Orthopt., p. 152 (9).
Bates, P. Z. S. London 1863, p. 473.
Saussure, Mel. Orth. IV, 1872, p. 79.
Diese Art, welche durch Schulthess bereits aus Galla-
land bekannt geworden ist, fand ich in einem einzigen Exem-
plare, einer ganz jungen Larve bei Gondokoro (11. März 1905)
im Grase.
Danuria Stäl.
36. D. impannosa Karsch,
Karsch, Ent. Nachr. XV, 1889, p. 273, 274.
Die von Hartmann in Nubien (Gebal Fung) gefundene
und durch das Fehlen von Läppchen an der Unterseite der
Mittelschenkel von allen bisher bekannten Danuria-Arten (mit
17*
246
F. Werner,
Ausnahme der D. gracilis Schulth., die aber kleiner ist), leicht
unterscheidbare Art ist in einem 9 Exemplare von 10 cm Total-
länge im Museum des Gordon-College in Khartoum vertreten,
leider ohne genauere Fundortsangabe.
37. D. Schweinfurthi n. sp.
Speciei praecedenti peraffinis sed coxis anticis intus tantum
parte apicali dilatata atro-bifasciata (in D. i. per totam longi-
tudinem fasciatis), elytris campo costali flavescente, medio
macula hyalina deficiente pedibus distincte brevioribus, denti-
culatione laterali pronoti minus distincta facile distinguenda. —
9 vom Gazellenfluß (leg, Schweinfurth) im Nat. Kab. Stutt-
gart.
D. impannosa D. Schweinfurthi
Long, tot 100 97
Pronot. long 32-5 22-5
lat 6-3 4-5
Elytrae 19-5 . 16-5
Alae ? 11
Cox. ant 20 16
Fem. ant. 26 19-5
Tib. ant 10 9
Tars. ant ? g
Fem. interm 22 17
Tib. interm 19 13
Bei den Typen der D. impannosa im Mus. Berlin (103,
beziehungsweise 94-5 mm lang) sind die Tibien der Mittel-
beine 19 '5, beziehungsweise 18-5, die Femora 21-5, beziehungs-
weise 20mm lang (nach frdl. Mitt. von Herrn Dr. Kuhlgatz).
38. D. bolauana Sauss.
Karsch, Ent. Nachr. XV, 1889, p. 274.
Saussure, Bull. Suisse, III, 1869, p. 70; Mel. Orth. III, 1870, p. 310.
Gerstäcker, Arch. Naturg., XXXV, p. 210 (1S69); v. d. Decken's Reisen
in Ostafrika, Ins. p. 15, Taf. I, Fig. 7, 7a, b (1873) (Mantis supercilians).
Ich fand eine einzige 9 Larve dieser in Ost- und Südafrika
verbreiteten Art, welche sich durch die erweiterten Mittel-
schienen des 9 von allen übrigen Damtriae unterscheidet und
Orthoptera Blattaefonnia. 247
darin mit der westafrikanischen Macrodanutia phasmoides
Sjöst. übereinstinnmt. Die Art zu Macrodamtria zu stellen,
wie dies Kirby in seinem Katalog tut, halte ich jedoch für zu
weit gegangen.
Das Tier wurde bei Gondokoro am 10. März 1905 beim
Streifen im Grase gefunden und glich sehr einem abgefallenen
Ästchen.
VI. Empusidae.
Empusa Illig.
39. E. Hedenborgi Stäl.
Stäl, Öfv. k. Vet. Ak. Förh. IV, Bihang, p. 77.
Diese Art, welche vom Weißen Nil stammen soll, habe ich
nirgends gefunden.
40. E. Stolli Sauss.
Saussure, Mel. Orth. III, 1870, p. 336.
Ambukol, Dongola (Ehrenberg).
Ich lasse es dahingestellt, ob diese Art nicht mit E. penni-
cornis Fall, identisch ist; mit E. egena Charp., wie Kirby
meint, hat sie aber nichts zu tun, denn der Stirnfortsatz des cf
ist zwar fein zweispitzig, aber ganz anders als beim <J (bei
egena in beiden Geschlechtern gleich).
Idolomorpha Burm.
41. I. dentifrons Sauss.
Saussure, in Grandidier, Hist. Madagascar, Orthopteres, part I, p. 244.
Nur Larven gefunden, und zwar bei Khor Attar (12. Februar),
Mongalla (2. März) und Gondokoro (11. März).
Blepharis Serv. (Blepharopsis Rehn).
42. B. mendica Fabr.
Saussure, Mel. Orth. III, p. 329.
Fi not, Faune de l'Algerie, p. 109.
Werner, Orth. Ägypt., p. 412.
Diese häufige, nordafrikanische Art wurde von Dr. P. Kam-
merer bei Kawa am unteren Weißen Nil gefunden; auch
Hedenborg fand sie daselbst schon. \m tropischen Teile des
Sudan fehlt sie augenscheinlich.
248
F. Werner,
Blepharodes Bol.
43. B. cornutus (Schulth.).
Schulthess, Zool. Jahrb. Syst. 1893, VIII, p. 72, Taf. IV, Fig. 1, und Ann.
Mus. Genova, Serie 2a, Vol. XIX (XXXIX), 1898, p. 181 (Blepharis).
Rehn, Proc. Ac. Philadelphia 1901, p. 288 (Blepharis).
Kirby, Synonym. Cat. Orthopt., I, p. 315 (Blepharodes).
Diese erst einmal im Sudan gefangene Art (Sennaar, Mus.
Wien) ist seither im Somaliland (Ogadeen, Ganana) und Galla-
land (Laga) gefunden worden.
44. B. sudanensis n. sp.
Verticis processus apice haud depressus, breviter, sed
acute bispinosus. Antennae {^) apicem processus valde super-
antes. Oculi rotundati. Pronotum elongatum, haud fossulatum,
margin ibus grosse spinosis, a dilatatione humerali antrprsum
sensim attennatum, antice rotundatum, pone dilatationem lateri-
bus parallelis, margine posteriore rotundato. Elytra et alae
apicem abdominis valde superantia; segmenta abdominis
lateraliter vix dentata.
Olivaceus. Pronotum pallide marginatum, obscuriore viridi-
punctatum. Elytra et alae margine antico punctis atrofuscis
ornatae, illa inter venas transversas viride fasciatopunctata.
Coxae anticae extus viride trimaculatae, intus parte majore
basali atropurpureae, granulis albidis sparsis, parte prinori
apicali viridescentes, trochanterem versus nigrae; Femora
antica intus nigro-trimaculatae (macula basali, mediana prope
spinam longam discoidalem, apicali inconspicua); extus in-
distincte viride maculata d".
Weißer Nil (Coli. Mus. Khartoum, Gordon College).
Diese interessante Art steht wie B. candelarius Bol. von
Mogadixo der vorigen Art sehr nahe, beziehungsweise zwischen
dieser und Blepharis meiidica Fabr., B. cornuta und Blepha-
rodes entbehren der Läppchen an den Mittel- und Hinterbeinen;
sie verhalten sich zu Blepharis mendica wie Idolomorpha zu
Empusa. Ich möchte daher lieber B. cornuta aus der Gattung
Blepharis entfernen und zu Blepharodes stellen, wie dies Kirby
bereits angeregt hat.
OrtkopUra Blatiaeformia.
249
Die Dimensionen der vier bekannten Arten dieser Gruppe
sind wie folgt:
BT. sudanensis
Long, capitis (c. proc.) 7
» pronoti 14
Lat. » 6
Long, elytrorum 44
Lat. » 8
Long. fem. ant 12
» post 14
» total 55
0 mm
0
4
7
0
6
0
0
Bl. cornuta
pronoti
Bl. canddarius
12-0
9-0
18-0
6-0
8-5
12-0
Bl. niendica
? 9 9 cf
Long, capitis (c. proc.) 7-6 8*1 8*1 4
... 9-1 10-5 10-0 8-5
Lat. » 5 6-9 6-3 4-6
Long, elytrorum.... 18-0 17-8 19-7 30-0
Lat. » — — — —
Long. fem. ant 8-2 10-5 — —
» » post • — • • — —
» total 31-0 38-5 38-0 ?
Idolum Sauss.
45. I. diabolicum Sauss.
Saussure, Bull. ent. Suisse, III, 1869, p. 223 (?), und Mel. Orth. III, 1870,
p. 331, Taf. V, Fig. 36, 36a (?).
Westwood, Rev. Mant., p. 26, Taf. V, Fig. 1 (cf).
Sharp, Proc. Cambridge Nat. Hist. X, p. 179, Taf. 2 (1899).
Shelford, Zoologist (4), VIT, p. 298 (1903) (diahroHctim) .
Diese wunderbare Mantide habe ich leider im Sudan ver-
gebens gesucht. Sie ist aber nicht nur am Weißen Nil (West-
wood), am Blauen Nil (Roseires, Coli. M.) und am Bahr-el-Gebel
(Mongalla, nach Mitteilung von Herrn Kapt. Jeffcoat daselbst)
250
F. Werner,
ZU Hause, sondern auch weit nach Westen verbreitet (Wadai,
leg. Marno, in Coli. Mus. Vindob.) und findet sich außerdem in
ganz Britisch- und Deutsch-Ostafrika.
Verzeichnis der bisher aus Nordostafrika ^ bekannten
Mantodeen.
I. Amorphoscelidae.
1. Paramorphoscelis Wern. 1907.
* P. gondokorensisV^ ern. 1907. Gondokoro.
IL Orthoderidae.
2. Eremiaphila Lef. 1835.^
E. Typhon Lef. 1835. Ägypten (Syrien, Arabien).
E. Klunzingeri Wern. 1906.^ Kosseir, Ägypten.
*E. cordofana Wern. 1907. Kordofan.
£. Z,w;t:on L e f. 1 835. Ägypten.
E. Audouini Lef, 1835. Ägypten.
E. Cerisyi Lef. 1835. Ägypten (Sinaihalbinsel,
Arabien).
E. Genei Lef. 1835. Ägypten.
E. Zetterstedti Lef. 1835. Ägypten.
E. Bovei Lef. 1835. Ägypten.
E. deiitata Sauss. 1870. Ägypten oder Nubien.
E. Khamsin Lef. 1835. Ägypten.
E. Hralili Lef. 1835. Ägypten.
1 Als Nordostafrika ist hier das Gebiet zwischen dem 30. Grad ö. L. und
dem Äquator, also Ägypten, der ägyptische Sudan, Äbessynien, Somali- und
Gallaland sowie Nord-Uganda aufgefaßt. Das Sternchen (*) vor dem Spezies-
namen bedeutet, daß die Art im Sudan vorkommt und vorn genannt ist.
2 Siehe Werner, Orthopterenfauna Ägyptens, in: Sitzungsber. Akad.
Wiss. Wien, CXIV, I, 1905.
3 Beschrieben nach einem 9 von Kosseir im Stuttgarter Naturalien-
kabinett (leg. Klunzinger). (Jahresh. Württ. Ver. f. Natk. 1906, p. 361).
Orthoptera Blattaeformia.
251
E. Atmhis Lef. 1835.
E. hrevipennis Sauss. 1870.
E. somalica Rehn (=: larahica
Sauss.).
Ägypten.
Ägypten.
Somaliland (Webital, Oga-
deen, Obbia, Haud),
Djeddah, Afghanistan.
3. Centromantis Wern. 1905.^
* C. Hedenborgi (S t ä 1) 1871.
C. keluanensis Wern. 1905
[Eremiaphila lihyca Wern.
1905 (9)].
C. Savignyi Lef. 1835.
C. hehraica Lef. 1835.
C. pyramidtim Wern. 1905.
Bahr-el-Abiad; Chartum.
Ägypten.
Ägypten.
Ägypten.
Ägypten.
4. Heteronytarsus Lef 1835.^
H. aegyptiactis Lef 1835. Ägypten.
5. Elaea Stäl, 1876.
' E. Marchali (R e i c h e et F a i r m.),
1847.
Saussure, Mel. Orth. III,
p. 169, Fig. 4, 4 a (Humher-
tiella perloides).
Schulthess, Zool. Jahrb. Syst.
VIII, 1895, p. 70 (perloides).
Schulthess, Ann. iMus. Ge-
nova, XIX, 1898, p. 170
(somalica).
Rehn, P. Ac. Philad. 1901,
p. 280 (somalica).
Senegal, Abessynien, Ery-
thraea, Ogadeen, Ueb,
Bela, Dolo, Obbia, Selon,
Lafarugh, Somaliland,
Fertza, Gallaland.
1 Siehe Werner, Orthopterenfauna Ägyptens, in: Sitzungsber. Akad.
Wiss. Wien, CXIV, I, 1905.
252
F. We r n e r,
6. Tarachodes Burm. 1838.
*T.gilva (Charp.).
Burr, P. Z. S. 1900, p. 37.
*T. obUisiceps Stäl. 1871.
[?T. dives Burr, P. Z. S. 1900,
p. 37.]
^r. wawra Stäl. 1856.
T. aeshtans Sauss.
T. modestior S c h u 1 1 h. 1 898.
[T. modesta Schulth. nee Ger st.
T. Sdmlthessi Rehn. 1901.]
T. media Schulth. 1898.
T. Smithii Rehn. 1901.
T. paiitherina Ger st 1869.
7. Galepsus Stäl. 1876.
*L. capitaUis Sauss. 1870.
*L. lenticularis Sauss. 1872.
8. Tarachina Wern. 1907.
*T. rhaphidioides Wern. 1907.
Sennaar; Westsomaliland
(Nordwesthaud, Abriordi
Garodi).
Sennaar, Weißer Nil; Bogos;
Meid, Somaliland.
Bongoland (Ost-, Süd- und
Südwestafrika).
Laffarugh, Ogadeen, Somali-
land.
Ogadeen, Dolo (Somaliland),
Sheikh Hussein (Galla-
land).
Daua, Hauacio, Afuene,
Errer (Somaliland).
Tug Terfa und Tug Berka,
Nordsomaliland.
Daua, Somaliland, Schoa,
Deutsch-Ostafrika.
Sudan bis Deutsch-Ost-
afrika.
Blauer Nil, Gazellenfluß,
Natal, Transvaal.
Gondokoro.
9. Pyrgomantis Gerst.
*P. septeiitrionalis Wern. 1907.
*P. singularis Gerst. 1869.
*P. mahnia Wern. 1907.
Mongalla und Gondokoro,
(Bahr-el-Gebel).
Ebenda bis Deutsch-Ost-
afrika und Südafrika.
Gondokoro (Bahr-el-Gebel).
Orthoptera Blattaeformia.
253
10. Charieis Burr. 1900.
Ch. Peeli Burr. 1900.
Burr, Proc. Zool. Soc. London, Westsomaliland (Nordwest-
p. 36, 37. T. II, Fig. 4. haud, Abriordi Garodi).
III. Mantidae.
11. Ligaria Stäl
L. producta Rehn. 1901.
Rehn, P. Ac. Philad. 1901,
p. 281.
Sheikh Hussein, Gallaland.
12. Nilomantis Wem. 1907.
*A^. Floweri Wern. 1907.
13. Sphaeromantis Schulth. 1
S. spinulosa Schulth. 1898.
Schulthess, Ann. Mus. Ge-
nova, Serie 2% Vol. XIX,
p. 14, 15.
14. Tenodera Burm.
*T. hevhacea Serv. 1839.
*r. stiperstitiosa Fabr. 1781.
Sennaar.
Obbia, Somaliland,
Senegal, Goldküste, Ogowe,
Sudan, Deutsch-Ostafrika.
Trop. Afrika und Asien.
15. Polyspilota Burm.
P. Saussurii Bormans. 1880. Schoa (Let-iMarafia).
Bormans, Ann. Mus. Genova,
XVI, p. 209.
16. Sphodromantis Stäl.
5. Rudolphae Rehn. 1901. Rudolfsee, Westgallaland.
Rehn, P. Ac. Philad. 1901,
p. 282 (Sphodropoda).
254
F. Werner,
*5. hioculata Burm. 1838.
S c h u 1 1 h e s s, Zool. Jahrb. Syst.
VIII, 1895, p. 70, und Ann.
Mus. Genova, 1898, p. 175.
Rehn, P. Ac. Philad. 1901,
p. 284.
Bor m ans, Ann. Mus. Genova,
XVI, 1880, p. 208.
*S.gastrica Stäl. 1872,
Schulthess, 1. c, p. 175.
17. Mantis L.
*M. religiosa L.
Schulthess, Zool. Jahrb. Syst.
VIII, 1895, p. 70.
M. Sacra Thunbg. 1815.
Rehn, P. Ac. Philad. 1901,
p. 284.
Schulthess, Ann. Mus. Ge-
nova, 1898, p. 175.
18. Oxythespis Sauss. 1870.
*0. senegaleiisis Sauss. 1870.
Schulthess, Zool. Jahrb. Syst.
VIII, 1895, p. 70.
19. Thespis, Serv. 1839. ^
Th. Bormantiella Sauss. 1880.
In: Bormans, Ann. Mus. Ge-
nova, XVI, p. 210.
Südspanien,Nord-, West- und
Ostafrika, Syrien.
Nubien, Obbia, Ogadeen,
Somaliland ; Sheikh
Hussein, Gallaland, Let-
Marefia, Schoa.
Ost- und Südafrika.
Sudan, Mogadixo, Gubala
Ginda (Somaliland).
Mittel- und Südeuropa,
Afrika, Asien, in Ostafrika,
Ägypten (siehe Werner,
Orthopt. Ägypt.), Sudan;
Ogadeen,Webital, Somali-
land.
Sheikh Hussein, Gallaland.
Obbia, Somaliland.
Sudan, Uganda, Ogadeen,
Somaliland, Senegal,
Tunis.
Mahal Uonz, Argu Agher,
Hochebene von Licca,
Let-Marefia (Schoa).
1 In dem Genus Thespis sind von verschiedenen Autoren die hetero-
gensten Formen untergebracht worden; es sollte aber auf die neotropischen
Formen, die Serville später Angela benannt hat, beschränkt werden. Die
obige Art gehört meines Erachtens sicher nicht hieher, eher zu Nüomantis
Wern., doch läßt sich dies nur durch Autopsie feststellen.
Orthoptera Blattaeformia.
255
20. Hoplocorypha Stäl. 1871.
*H.galeata (Ger st.) 1869.
Schulthess, Ann. Mus. Ge-
nova, 1898, p. 175.
Sudan, Uganda, Ogadeen,
Somaliland und anschei-
nend im ganzen tropi-
schen und südlichen
Afrika.
Arussi Galla, Ganale Guddu,
Aimola, Gallaland.
Darogebirge, zwischen
Ginea und Tulu, Galla-
land, Kaka (Schoa).
H. bottegi Sau SS. 1895.
Saussure, Ann. Mus. Genova,
XXXV, p. 91.
Rehn, P. Ac. Philad. 1901,
p. 284.
H. rapax Borm. 1881.
Bormans, Ann. Mus. Genova,
XVI, p. 211.
Rehn, P. Ac. Philad. 1901,
p. 284.
21. Calamothespis Wern. 1906.
*C. aditstaWevn. 1906. Mongalla (Bahr-el-Gebel).
22. Compsothespis Sauss. 1872.
C.faicifera Rehn. 1901. Dardefluß, Raia Wacheli,
Rehn, P. Ac. Philad. 1901,
p. 280.
Ostgallaland.
23. Miomantis Sauss.
*M. Savignyi Sauss. 1872.
Saussure, Analecta Ent. I,
p. 190.
*M. pliaraonica Sauss. li
Saussure, 1. c, p. 193.
M.fenestrata (Fabr.) 1781.
Rehn, P. Ac. Philad.
p. 284.
1901,
Ägypten, Sennaar.
Ägypten, Sennaar, Bahr-el-
Gebel.
Luku, Hauacio, Gallaland;
Milmil (Somaliland), Nord-
westhaud, Abriordi Garodi
(Westsomaliland).
256
F. Werner,
M. meueliki Bor m. 1880. Let-Marefia, Schoa.
Bormans, Ann. Mus. Genova,
XVI, 1880, p. 209, Fig.
24. Parasphendale Schulth. 1898.
P. minor Schulth. 1898.
Schulthess, Ann. Mus. Ge- Ueb, Ogadeen, Biduarra,
nova, XIX, p. 177. Errer, Sheikh Hussein
Rehn, P. Ac. Philad. 1901, und Tulu, Gallaland,
p. 285.
25. Ischnomantis Stäl. 1871.
/. spmigera Schulth. 1898.^
Schulthess, Ann. Mus. Ge- Coromma, Somaliland, Brit.
nova, XIX, p. 176. Ostafrika.
/. media Rehn. 1901.
Rehn, P. Ac. Philad. 1901, Somaliland,
p. 284.
*I. attarensis Wern. 1906. Khor Attar, Sudan.
26. Eremoplana Stäl. 1871.
E. Gnerini (Reiche et Fairm.). Abessynien, Webital,
1847. Somaliland.
27. Solygia Stäl. 1876.
*S. snlcatifrons (Serv.) 1839.
*S.grandis (Sauss.) 1870.
28. Leptocola Gerst. 1883.
*L. giraffa KsiV seh. 1894.
29. Paraoxyophthalmus W. Mason. 1;
*P. collaris (Sauss.) 1872. Sennaar, Bodele Tug Terfa,
Rehn, P. Ac. Philad. 1901, Somaliland,
p. 286 (O. gracila).
Kapkolonie, Sudan.
Kamerun, Gazellenfluß.
Sudan, Algerien, Westafrika.
1 Wie mir Herr Prof. Sjöstedt freundlichst mitteilte, besitzt auch
I. fatiloqtia Stäl einen schwarzen Supracoxaldorn; die beiden Arten sind ein-
ander überaus ähnlich, wie ich aus einer Zeichnung der Type von fatiloqua
ersehe, die ich Herrn Axel Ekblom verdanke.
Orthoptera Blattaeforniia.
257
IV. Harpagidae.
30. Oxypila Serv. 1831.
*0. amiulata Serv. 1831.
Rehn, P. Ac. Philad. 1901, Sheikh Hussein und Dabuli,
p. 286. Gallaland ; Lugh, Somali-
Schulthess, Ann. Mus. Ge- land; Gondokoro, Uganda,
nova. 1898, p. 178.
*0. brunneriana Sauss. 1870. Nubien.
31. Oxypiloidea Schulth. 1898.
0. Johata Schulth. 1898.
Schul thess, Ann. Mus. Ge- Banas, Somaliland,
nova. XIX, p. 179, Taf. II,
Fig. 4, 4fl.
32. Pseudocreobotra Sauss. 1870.
*P. Wahlhergi Stäl. 1876. Süd- und Ostafrika; Sudan.
Rehn, P. Ac. Philad. 1901, Amara, Westgallaland,
p. 286 (amarae).
33. Pseudoharpax Sauss. 1870.
*P. vir escens {Serv) l^?»"^. Sudan, Sheikh Hussein,
Rehn, P. Ac. Philad. 1901, Gallaland, Ogadeen,
p_ 287. Somaliland,Senegambien.
Schulthess, Ann. Mus. Ge-
nova. 1898, p. 180.
V. Vatidae.
34. Stenovates Sauss. 1872»
*S. pantherina Sauss. 1 872.
35. Popa Stäl. 1857.
*P. imdata (Fabr.) 1793.
Rehn, P. Ac. Philad. 1901,
p. 287.
Schulthess, Ann. Mus. Ge-
nova. 1898, p. 180.
Sudan.
Uganda, Sheikh Hussein,
(Gallaland) Tug Lomo
zwischen Milmil und Ro-
dele (Somaliland), Milmil,
Hauacio, Jamado (Somali-
land), Nordwesthaud,
Abriordi Garodi (West-
somaliland).
258
F. Werner,
36. Danuria Stäl. 1857.
*D. impatinosa Karsch. 1889. Sudan.
*D. Schweinßirthi Wem. 1907. Gazellenfluß.
D. gracilis Schulth. 1898.
Schulthess, Ann. Mus. Ge- Balessa, Somaliland,
nova. XIX, p. 180 (Popa).
*D. bolauana Sauss. 1869. Gondokoro, Deutsch-Ost-
afrika.
VI. Empusidae
37. Empusa 111 ig. 1789.
E. egena Charp. 1841.
Rehn, P. Ac. Philad. 1901,
p. 288.
*E. StolU Sauss.
*E. Hedenbor gi Stäl.
38. Idolomorpha Burm. 1838.
*/. dentifroiis Sauss. 1895.
Schulthess, Ann. Mus. Ge-
nova. 1898, p. 181.
Rehn, P. Ac. Philad. 1901,
p. 288.
Ägypten, Laga, Gallaland,
(Algerien, Kleinasien,
Syrien, Südwesteuropa).
Nubien, Ägypten,
Bahr-el-Abiad.
Sudan; Uganda; Darogebirge
zwischen Ginea und Tulu,
Gallaland; Ogadeen, Dolo,
Somaliland.
Mogadixo, Somaliland.
Sudan (Weißer Nil).
39. Blepharodes Bolivar. 1893.
B. candelarms Bol. 1893.
Ann. Soc. Esp. Hist. Nat. XIX,
p. 306.
*B. sudanensis Wem. 1907.
*.ß. cornuhis Schulth. 1895.
Schulthess, Zool. Jahrb. Syst. Sennaar, Somali- und Galla-
VIII, p. 72, und Ann. Mus. land.
Genova. XIX, 1898, p. 181.
Rehn, P. Ac. Philad. 1901,
p. 288.
Otihoptera Blailaeformia. ^^^
40. Blepharis Serv. 1839.
*B. mendica Fabr. Nordafrika, Canaren, Syrien,
Bormans, Ann. Mus. Genova. Ägypten (siehe Werner,
XVI, 1880, p. 213. Orth. Ägypt.), Mahal
Uonz, Schoa, Nubien.
41. Idolum Sauss. 1869.
*/. diaholiatm Sauss. 1869. Weißer und Blauer Nil,
Uganda, Deutsch -Ost-
afrika, Wadai.
Dispositio Mantodeorum sudanensium.
1. Tibiae anticae subtus margine externo inermi
. . . Paramorphoscelis gondokorensis_
Tibiae anticae subtus margine externo spinulosa 2.
2. Femora antica subtus, margine interno spinis aequaUbus
vel spinis tantum alternis minoribus, armata. Antennae
marium simplices 3.
Femora antica subtus, margine interno inter spinas lon-
giores spinis brevioribus, typice tribus armata. An-
tennae marium bipectinatae (vertex in conum pro-
ductus) 35.
3. Pedes vel corpus non appendiculata 4.
Pedes vel corpus appendiculata (in Danuria impannosa
et Schweinfurthi tantum, inermia; haec species coxis
anticis basi dilatatis facile distinguendae sunt) ... 30.
4. Pronotum parum longius quam latius aut aeque longum
ac latum '^•
Pronotum dimidio longius quam latius aut etiam longius 7.
5. Pronotum fere quadratum; elytra et alae in utroque sexu
abbreviatae; coxae anticae subtus (intus) obscurae. . . 8.
Pronotum postice angustatum; elytra et alae maris perfecte
explicatae, abdominis apicem superantia; coxae an-
ticae subtus (intus) haud obscurae . . Elaea Marchali.
6. Coxae et femora antica intus (subtus) fuscae; femora
antica maris margine externo apicem versus spinis tribus
validioribus armata Centromantis Hedenborgi.
Sitzb. d. mathem.-naturvv. Kl. ; CXVI. Bd., Abt. I. ^^
260
F. Werner,
Coxae anticae tantum intus (subtus) macula nigra ornatae;
femora antica maris spinis validioribus nullis ....
. . .EremiaphiJa cordofana.
7. Pronotum supra insertionem coxarum parum aut no't dila-
tatum o
Pronotum supra insertionem coxarum distincte dila-
tatum
15.
8. Vertex haud triangulariter productus 9.
Vertex triangulariter productus; pedes breves
. . . (Pyrgomantis) 13.
9. Pronotum distincte carinatum, occiput convexum (pedes
antici intus nigri; femina aptera) Tarackina rhaphidioiäes.
Pronotum haud carinatum; occiput parum convexum aut
planiusculum; femina elytris et alis abbreviatis . .
. . .(Taradiodes) 10.
10. Pronotum duplo haud multum longius quam latius (alae
maculatae) ( j, s. str.) 11.
Pronotum triplo longius quam latius (alae unicolores)
. . .(T. subg. GaJepsus) 12.
Coxae anticae intus flavescentes; femora antica nigrolineata,
Vertex summo parum convexo U.
Coxae et femora antica intus nigra; vertex distincte trun-
^^^'^^ T. maura.
11. Species ochracea, pedibus crassioribus T. gilva.
Species grisea aut fusca, pedibus gracilioribus
. . .T. ohtusiceps.
12. Vertex convexus, utrinque incisus; coxae anticae nigrae
. . .T. (G.) lenticularis.
Vertex distincte truncatus, coxae anticae concolores. .
. . .T. (G.) capitaius.
13. Processus capitis acute triangularis subtus haud carinatus
apice nigromarginatus; pedes unicolores
. . .P. septentrionalis.
Processus capitis subtus carinatus, elongatus 14.
14. Frons et clypeus nigrobivittati; pedes unicolores
. . .P. ntahuia.
Frons et clypeus unicolores; pedes punctulati
. . .P. singtilaris.
Orthopiem Blattaefonnia. 261
15. Pronotum haud duplo longius quam latius (pronotum
carinatum; caput latum, compressum) . A7/o«/.a«//5 Floweri.
Pronotum plus quam duplo longius quam latius 16.
Oculi acuminati (haud mucronati), Vertex inter oculos
truncatus Paroxyplithalnms collaris.
Oculi mucronati aut rotundati 17.
17. Oculi mucronati Oxythespis senegalensis.
Oculi rotundati 18.
18. Occiput pone oculos utrinque in tuberculum trianguläre
productum 19.
Occiput haud cornutum 20.
19. Caput longius quam latius; tibiae antice femoribus parum
breviores, pedes intermedii et postici breves
. . . Calamothespis adusfa.
Caput latius quam longius: tibiae anticae femoribus multo
breviores; pedes elongatis. . . .Hoplocorypha galeata.
20. Lamina supraanalis valde elongata, acute triangularis. 21.
Lamina supraanalis haud elongata 23.
21. Frons transverse sulcata; spina ad Insertion em coxarum
anticarum nulla; pronotum pone sulcum subtiliter denti-
culatum Solygia 22.
Frons haud sulcata; spina nigra acuta ad insertionem
coxarum anticarum (pronotum pone sulcum distincte
nigrodenticulatum) Ischnouiantis aUarensis.
22. Caput longitudine plus quam sesqui brevius 5. snlcatifrons.
Caput longitudine sesqui brevius S. grandis.
23. Corpus valde elongatum, filiforme; pedes longissimi (pro-
noti long. : lat. z=z 16 — 18 : 1) Leptocola giraffa.
Corpus minus attennatum (pronoti long. : lat. haud ultra
7-5:1) 24.
24. Femora intermedia et postica spina apicali nulla
. . .Mantis religiosa.
Femora intermedia et postica spina apicali instructa . . 25.
25. Pronotum elongatum (long. : lat. ^^ 4*5 — 7 "5:1); Stigma
elytrorum indistinctum 26.
Pronotum brevius (latitudine subtriplo longius); stigma
distinctum, album, opacum (Sphodromantis) 29.
18*
262
F. Wein er.
26. Oculi mamillati; caput plus quam duplo latius quam lon-
gius, distincte compressum (Miomantis) 27.
Oculi rotundati; caput parum latius quam longius, parum
compressum (Tenodera) 28.
27. Pedes antici intus unicolores; alae 9 venulis transversis
flavo-opacis m. Savignyi.
Femora antica intus bimaculata; coxae anticae intus
5— 6punctatae;alae 9 V^YieclehyaXm&QM.pharaonica.
28. Alae margine antico maculato T. superstitiosa.
Alae unicolores j. herhacea.
29. Stigma elytrorum trianguläre, magnum 5. bioculata.
Stigma elytrorum ellipticum, minor 5. gastrica.
30. Vertex in conum productus 31_
Vertex haud productus 32.
31. Oculi globosi Oxypila annulata et brunneriana.
Oculi conoidei, producti 32.
32. Femora antica spinis discoidalibus tribus armata. Pronotum
laminato-dilatatum Pseiidocreohotra (Wahlbergi).
Femora antica spinis discoidalibus quator armata. Pronotum
haud laminato-dilatatum. . .Pseudoharpax (virescens).
32. Cerci foliacei; Vertex pone oculos haud productus (alae
variegatae, iridescentes) Steiiovates (pantherina).
Cerci teretes; Vertex pone oculos utrinque in tuberculum
trianguläre productus 33.
33. Tibiae posticae appendiculatae Popa undata.
Tibiae posticae haud appendiculatae (Daimria) 34.
34. Femora et tibiae intermediae appendiculatae. .D.bolmmna.
Femora et tibiae intermediae haud appendiculatae. ... 35.
35. Coxae anticae intus multifasciatae; elytra medio macula
hyalina ornata D. impannosa}
Coxae anticae ad apicem tantum bifasciatae, elytra macula
hyalina nulla D. Sckwemfiirthi.
35. Pronotum elongatum, parte angustata quam pars dilatata
plus triplo longiore 36.
Pronotum breve, per dimidium aut maximam partem longi-
tudinis dilatatum 37.
1 Differt a Hoplocorypha galeata statura maiore, coxis anticis apice
laminato-elevatis.
Orlhopiera Blattaefonnia. 263
36. Femora intermedia et postica apicem versus appen-
dicLilata Empusa StolJi et Hedenhorgi.
Femora intermedia et postica haud appendiculata. . . .
. . . Idolomorpha dentifroiis.
37. Femora intermedia et postica appendiculata 38.
Femora intermedia et postica haud appendiculata ....
. . .(BlepJiarodes) 39.
38. Pronotum rhomboidale; elytra viridimaculata
. . . Blepharis mendica.
Pronotum latissimum, sexangulare; elytra unicoloria aut
macula unica X-formi atromarginata ornata
. . .Idolum diaholiciim.
39. Pronotum plus quam duplo longius quam latius. . . .
. . .B. sudmiei'isis.
Pronotum minus quam duplo longius quam latius ....
. . .B. coniutns.
Verzeichnis der benützten Literatur.
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Avec 13 planches. Vienne 1865.
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Fase. II: Blattides et Phasmides, avec 2 PI. Geneve et
Bäle 1869; Fase. III avec Supplement: Mantides, avec
4 PI. Geneve et Bäle 1870—1871; Tome II, Fase. IV
ä VI: Mantides, Blattides, Gryllides, avec 12 PI. Geneve
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Nachtrag. In den entomologischen Sammlungen der im
April d. J. besuchten Museen von Berlin und Leipzig fand ich
noch folgende Sudan-Mantodeen, die in vorstehender Arbeit
nicht erwähnt sind:
TaracJiodes dives Sauss. cT, von Sennaar (Mus. Leipzig;
leg. Knobl echer).
Eremoplana guerinii Stäl von Dongola (Mus. Berlin; leg.
Ehrenberg).
Heterochaeta orientalis Kirby vom Sobat (ebenda; leg.
O. Neumann).
Ferner wäre noch Centromantis Hedenborgi (Stäl) von
Sennaar (9, Mus. Leipzig, leg. Knobl echer) Stenovates pan-
266 F. Werner, Orthopf era Blaüaeformia.
fherina Sauss. von Ambukol, Dongola (Mus. Berlin, leg.
Ehrenberg) zu nennen.
Tafelerklärung.
Tafel I.
Fig. 1. Larve von Ischnomantis aüarensis (Khor Attar).
> 2. Larve von Solygia sulcatifrons (Doleib Hill, Sobat).
> 2a. Kopf derselben, von vorn gesehen.
» 3. Pyrgomantis mabtiia, ^ (Gondokoro).
» 3^. Kopf derselben, von vorn (unten) gesehen.
> 4. Pyrgomantis septentrionalis, (^ (Gondokoro).
> 5. Oxythespis senegalensis, 9 (Khor Attar).
» 5 fl. Kopf und Pronotum derselben, von oben.
» 6. Larve von Calamoihespis adnsta (Mongalla).
Tafel IL
Fig. 1. Paramorphoscelis gondokorensis (Gondokoro).
» la. Kopf und Pronotum von oben, vergr.
> \b. Elytra, vergr.
> 2. Tarachina rhaphidioides (Gondokoro).
> 2 a. Kopf und Pronotum von oben, vergr.
» 2b. Elytra, vergr.
> 3. Tarachodes obttisiceps, ^ , von oben (Blauer Nil).
> 4. Elaea Marchali, 9, von oben (Gondokoro).
» 5. Kopf und Pronotum von Tarachodes irrorata, 9 , von unten (To^
» 5fl. Dasselbe von oben.
> 6. Kopf und Pronotum von Tarachodes Afzelii, (^, von oben.
» 6ö. Vorderbein derselben Art, ,^, von unten.
» 7. Tarachodes sancta, (^, Vorderbein von unten.
» 7 a. Kopf derselben Art, von vorn.
> 8. Durchsichtiger Kokon einer Mantide aus Gondokoro.
» 9. Tarachodes Kuhlgatzi, (^ (Deutsch-Ostafrika).
» 9 a. Kopf und Pronotum von oben, vergr.
» 10. Tarachodes obtusiceps, (^ (Weißer Nil).
Tafel III.
Fig. 1. Tarachodes perloides, (^ (Südwestafrika).
» 2. 9 derselben Art.
» 3. Tarachodes maiira, ^ > von unten.
> 4. Tarachodes Sjöstedti, ^ (Südwestafrika).
» 5. Tarachodes sancta, 9 > von unten.
» 6. Tarachodes Ittcubrans, (^ (Kap).
> 7. Tarachodes dissiniiüaior, ^ (Togo).
"Werner, F.: Orthoptera Blattaeformia.
Taf. I.
J, Fleischmann, n. d. N. lith.
Druck von Alb. Berger, Wien Vlll.
Sitzungsberichte d. kais. Akad. d. Wiss., math.-naturw. Klasse, Bd. CXVI,Abt. I 1907.
Werner, F.: Orthoptera Blattaeformia.
Taf. II.
J. Fleischraann, n. d. N. lith. Druck von Alb. Berger, Wien, VIII.
Sitzunsrsberichte d. kais. Akad. d. Wiss., math. naturw. Klasse, Bd. CXV[, Abt. I 1907.
Werner, F.: Orthoptera Blattaeformia.
Taf. III.
J. Fleischmann, n. d. N. lith. Druck von Alb. Berger, Wien, VIIl.
Sitzungsberichte d. kais. Akad. d. Wiss., math.-naturw. Klasse, Bd. CXVI.Abt. I 1907.
267
Ergebnisse der mit Subvention aus der Erb-
sehaft Treitl unternommenen zoologischen
Forschungsreise Dr. Franz Werners nach dem
ägyptischen Sudan und Nord-Uganda.
IX.
Die Orthopterenfauna des ägyptischen Sudans und von Nord-Üganda
(Saltatoria, Gressoria, Dermaptera) mit besonderer Berücksichtigung
der Acridoideengattung Catantops
von
H. Karny.
(Mit 3 Tafeln.)
(Vorgelegt in der Sitzung am 17. Jänner 1907.)
Allgemeiner Teil.
Das untersuchte Material.
Die vorliegende Schrift soll ein Verzeichnis der Orthopteren
des ägyptischen Sudans darstellen und wurde hauptsächlich
auf Grund der Ausbeute Dr. Wem er 's abgefaßt.
Ich fühle mich daher verpflichtet, vor allem Herrn Dr.
Fr. Werner, Privatdozenten an der Wiener Universität, meinen
herzlichsten Dank auszusprechen, weil er mir, obwohl selbst
Orthopterologe von Fach, das von ihm im Jahre 1905 im
ägyptischen Sudan gesammelte Material zur Bearbeitung über-
ließ.
Die Werner'sche Ausbeute war die reichste, die bisher aus
dem Gebiete vorliegt. Infolge dessen konnte ich in meiner
Arbeit 3 neue Gattungen, 32 neue Arten und 9 neue Varietäten
268 H. Karny,
aus dem behandelten Gebiete beschreiben. Von den übrigen
angeführten Arten waren 43 aus dem ägyptischen Sudan noch
nicht bekannt, so daß die Orthopterenfauna dieses Landes, die
bisher nur 38 bekannte Arten zählte, nunmehr auf 113 ge-
stiegen ist.
Auch die Mehrzahl der vor Herrn Dr. Werner im ägyp-
tischen Sudan gesammelten Orthopteren konnte ich unter-
suchen; in der Coli. Mus. Caes. Vind. lagen mir die Ausbeuten
Kotschy's (1838, 1839), M arno's (vSiebzigerjahre) und Emi n's
(Achtzigerjahre) vor und auch in der Coli. Br. v. W. fand ich
einige Arten aus dem Gebiete vertreten.
Außerdem untersuchte ich die Orthopteren des Landes-
museums in Chartum und darunter befanden sich auch einige
Arten, die sonst in dem mir vorliegenden Materiale nicht ver-
treten waren. Leider entbehren alle Stücke des Chartumer
Museums einer genaueren Fundortsangabe, konnten aber den-
noch hier aufgenommen werden, da das genannte Museum
prinzipiell nur Arten des von mir behandelten Verbreitungs-
bezirkes sammelt.
Endlich wurde es mir durch die Freundlichkeit des Heri'n
Dr. P. Kammerer ermöglicht, die von ihm und Herrn Dr.
H. Przibram in Ägypten und im ägyptischen Sudan im
Jahre 1903 gesammelten Orthopteren zu untersuchen und zu
determinieren; doch habe ich die diesbezüglichen Fundorte in
mein Verzeichnis nicht aufgenommen, da sie ohnedies ehestens
publiziert werden; übrigens waren auch alle Arten dieser
Ausbeute auch sonst in dem mir vorliegenden Materiale ver-
treten, abgesehen von einer neuen Diogeiia- Art, Diogena
Przihrami n. sp. ined., die ich nur nach einem 9 -Exemplare
der Przibram-Kammerer'schen Ausbeute kenne. Übrigens soll
auch die andere Art der Gattung, Diogena fatista, im behan-
delten Gebiete vorkommen (Nubien teste Burmeister), doch
habe ich sie in mein Verzeichnis nicht aufgenommen, da ich
nichts Bestimmtes darüber weiß. Rechnet man aber die beiden
Diogena- Arien mit, so gehören 115 Orthopteren dem Ver-
breitungsbezirke an (mit Ausschluß der Blattiden und Mantiden).
Außer den mir in den angeführten Sammlungen vor-
liegenden Arten habe ich auch die Angaben der bisherigen
Orthopterenfauna des Sudans. 269
Literatur, soweit sie mir verläßlich erschien, berücksichtigt,
und zwar verwendete ich dabei besonders die im nachfolgenden
angeführten Abhandlungen und Werke.
Verzeichnis der benützten Literatur.
Bolivar J., Monografia de los Pirgomorfinos. Madrid 1884.
— Articulados (in: Ossorio, Fernando Pöo y el golfo de
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Mathem., Phys. Nat. Lisboa 1889, 1890.
— Mission scientifique de M. Ch. Allnaud aux lies Sechelles.
Orthopteres. Ann. Soc. ent. P>ance, LXIV, 1895.
— Contributions ä l'etude des Acridiens especes de la faune
indo- et austro-maiaisienne. Ann. Mus. civ. Genova, 1898.
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— Notas sobre los Pirgomörtidos. Bol. Soc. espan,, IV, 1904.
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Jahresb. Naturwiss. Ver. Trencsin. Kom.
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1897.
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Zool.-bot. Ges., Wien 1878.
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— Additam. Monogr. Phaneropt. Verh. Zool.-bot. Ges., Wien
1891.
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(Manuskript.)
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erbeuteten Acridiodeen. Berl. ent. Zeitschr., XXXVI, 1891.
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1871.
Faunistisch-tiergeographische Bemerkungen.
Der ägyptische Sudan als Teil des äthiopischen
Faunengebietes. Wenn wir die Orthopterenfauna des ägyp-
tischen Sudans überblicken, so finden wir, daß sie ihrem
allgemeinen Charakter nach bereits der äthiopischen Region
angehört. Ihren Hauptbestandteil bilden Arten, die uns auch
sonst aus einem größeren oder geringeren Teile Afrikas bekannt
sind, während sie in der Mediterranregion fehlen oder doch
nicht weit nach Norden vordringen. Doch finden wir auch
noch zahlreiche mediterrane Formen im Sudan wieder,
namentlich aus der Gruppe der Ödipodiden. Der Übergang
von der paläarktischen zur äthiopischen Region erfolgt nämlich
hier ganz allmählich, in Westafrika dagegen viel plötzlicher und
unvermittelter, weil dort der breite Wüstengürtel, der sich
zwischen der mediterranen Fauna Algeriens und Marokkos
und der äthiopischen des Senegal- und Nigergebietes einschiebt,
die Vermischung der beiden Faunen erschwert. Am Nilgebiete
ist durch das Fehlen eines solchen Wüstengürtels die allmäh-
liche Änderung des Charakters der Tierwelt erklärt und es ist
jede hier gezogene Scheidelinie zwischen der äthiopischen und
mediterranen Region eine mehr oder weniger willkürliche. Am
besten läßt sich eine solche Scheidelinie zwischen Ägypten
und dem ägyptischen Sudan ziehen, indem ersteres noch zum
Mittelmeergebiet, letzterer zur äthiopischen Region zu zählen
ist. Eine übersichtliche Vergleichung der Faunen beider Länder
wird die Richtigkeit dieser Ansicht bestätigen.
Vergleich mit der ägyptischen Fauna. Wenn ich
mich hier an Dr. Werner's^ Ausführungen halte, so umfaßt
die Orthopterenfauna Äg3^ptens (mit Ausschluß der Blattae-
formia) 75 Arten, von denen 39 der mediterranen Fauna ange-
hören. Außer diesen führt Werner 16 Arten an, die bisher nur
1' Sitzber. Akad. Wiss. Wien, 1905. Orthopterenfauna Ägyptens.
Orthopterenfauna des Sudans. L73
aus Ägypten bekannt seien. Hier muß ich eine unwesentliche
Berichtigung einfügen. Werner führt nämUch unter diesen
Arten auch den Gryllodes apriciis an, für den Saussure nur
Ägypten als Heimat angibt. Diese Angabe bei Saussure ist
aber sehr ungenau, um nicht zu sagen, unrichtig. Saussure
kannte diese Art nämUch nur nach der Type unseres Hof-
museums, die aus Sennaar (im Sudan) stammt; es dürfte diese
Art in Ägypten überhaupt nicht vorkommen, sondern, soweit
wir bis jetzt wissen, auf den ägyptischen Sudan beschränkt
sein. Dr. Werner hat die Fundortsangabe von Saussure
übernommen und daher erklärt sich die Anführung dieser Art,
die bis auf weiteres aus der ägyptischen Fauna zu streichen
ist. Tropische Arten finden wir in Ägypten nur 20, von denen
3 über die Tropen der ganzen Erde verbreitet sind, nämlich
Acketa domestica, ScJiistocerca peregrhia und Lahidura riparia;
7 finden sich in /Afrika, in Indien und, zum Teile wenigstens,
auch in Australien, nämlich Acheta btirdigalensis, Liogrylliis
bimactüatiis, Gryllotalpa gryllotaJpa, Gr. africana, Cyrthacan-
thacris aeruginosa, Pachytyhis Danicns und Acrida turrita.
Nur 10 Arten Äg3^ptens sind typisch äthiopisch, und zwar:
Xiphidion aethiopicum, Conocephalus nitidultis, Anepiscephis
horridus, Honioeogryllus reticulatus, Chrotogonus Ingtibris,
Pyrgomorpha cognata, Poecüocerus hieroglyphicus, Cyrthacan-
thacris riificomis, Eiiprepocnemis plorans und Acridella
variabilis und gerade unter diesen befinden sich weiter ver-
breitete Formen, die zum Teil sogar bis Südeuropa vordringen.
Wenn wir dagegen die Fauna des ägyptischen Sudans in
ähnlicher Weise gliedern, so finden wir unter den 113 von mir
im nachstehenden Verzeichnis angeführten Arten nur 13, die
der Mediterranregion entstammen dürften, nämlich Tridactylus
Savignyi, Parateftix meridionalis, Pyrgomorpha coiiica, Locusta
aegyptia, Calliptamus italicus, Acrotylus versicolor, A.patriielis,
Sphingonotus coeriüans, Sph. aziiresceiis, Sph. Savignyi, Aiolo-
lopus thalassinus, Platypterna tibialis und Calephorus com-
pressicornis. Dagegen sind 47 Arten echt äthiopisch und 37
sind bisher aus keinem anderen Gebiete bekannt, nämlich die
32 von mir neu beschriebenen Formen, welche im nach-
stehenden Verzeichnis mit einem f bezeichnet sind, und
274 H. Karny,
Calyptotrypiis Petersi, Heterotrypus Africanus, Gryllodes
apricus, Chrotogoims homalodemus und Xenippa viridtda.
Außerdem finden wir unsere drei Kosmopoliten der Tropen,
wenn man so sagen darf, wieder, die uns schon aus Ägypten
bekannt sind, und endlich noch 13 paläotropische Arten,
nämlich Xiphidion maculatiim, Trigotiidhim cicUideloides,
Acheta quadristrigata, A. Brtmneri, A. melanocephala,Liogrylhis
bimaailatiis, Gryllotalpa africana, Cyrtkacanthacris aeru-
ginosa, Gastrimargus marmoratus , Cosmoryssa sulcata ,
Pachytylus Danicus, Acrida turrita und Forficula setiegalensis.
Unterziehen wir nun die Resultate dieser statistischen
Übersicht einer vergleichenden Betrachtung, so müssen wir
vor allem konstatieren, daß die Fauna des ägyptischen Sudans
bedeutend reicher ist als die Ägyptens und daß namentlich die
äthiopischen Elemente, die in Ägypten noch recht ärmlich
vertreten waren, auffallend hervortreten, während die medi-
terranen Formen, die den Hauptbestandteil der ägyptiFchen
Fauna bildeten, sehr stark in den Hintergrund gedrängt
erscheinen. Wenn die Endemismen im Sudan anscheinend viel
zahlreicher sind, so dürfte dies seine Erklärung auch darin
finden, daß die äthiopische Region noch viel weniger durch-
forscht ist als das Mittelmeergebiet. Ich wenigstens neige der
Ansicht zu, daß noch so manche jener Arten, die wir jetzt nur
aus dem ägyptischen Sudan kennen, einmal auch in südlicheren
Gebieten Afrikas angetroffen werden dürften oder vielleicht
sogar über einen großen Teil dieses Kontinentes verbreitet
sind. Jedenfalls aber wird die Vergleichung der beiden Faunen-
gebiete gezeigt haben, daß wir berechtigt sind, Ägypten dem
Mediterrangebiete, den ägyptischen Sudan hingegen dem
äthiopischen zuzurechnen. Doch betone ich nochmals, daß die
beiden Regionen ganz allmählich ineinander übergehen.
Tiergeographische Gliederung des ägyptischen
Sudans. Dieser allmähliche Übergang der beiden Regionen läßt
es begreiflich erscheinen, daß auch die Fauna des ägyptischen
Sudans nicht vollkommen homogen erscheint, sondern daß sie
vielmehr im nördlicheren Gebiete noch an die ägyptische Tier-
welt erinnert und hier auch noch mediterrane Formen aufweist;
je weiter wir aber nach Süden fortschreiten, desto seltener
Orthopterenfauna des Sudans. 275
werden solche Formen und desto mehr treten sie gegenüber
den äthiopischen Elementen zurück. Demgemäß können wir den
ägyptischen Sudan wieder in kleinere Gebiete abteilen, deren
ungefähre Grenzen von Parallelkreisen gebildet würden. Dies will
ich hier jedoch nicht weiter ausführen, da auch eine solche Ein-
teilung mehr oder weniger willkürlich sein müßte; ich will nur
einige Beispiele anführen, welche zeigen sollen, daß die Fauna
des nördlicheren Teiles von der des südlichen in manchen Einzel-
heiten abweicht.
So ist z. B. Paratettix meridionalis eine echt mediterrane
Form; sie ist auch noch aus dem Sudan (Chartum, Khor Attar)
bekannt, jedoch in dessen südlichsten Teilen fehlt sie bereits
und wird dort durch P. scaber ersetzt (Mongalla, Gondokoro).
Sonst ist P. meridionalis aus der äthiopischen Region nicht
bekannt (siehe Spezieller Teil Nr. 32).
Ein noch schöneres Beispiel bietet uns die Gattung Pyrgo-
morpha. Im nördlichen Teile lebt noch eine mediterrane Art,
P. conica, die jedoch südlich nur bis Goz Abu Guma vordringt.
Im äußersten Süden finden wir schon P. granulata, eine echt
äthiopische Art, deren Verbreitungsgebiet sich bis nach Süd-
afrika erstreckt, die jedoch nördlich von Gondokoro meines
Wissens nicht mehr vorkommt. Zwischen diese beiden Arten
schiebt sich P. cognata ein, die mir aus Renk und Gondokoro
bekannt ist.
Ebenso dringt die mediterrane Loaista Aegyptia nicht sehr
weit in der äthiopischen Region vor, sondern wird weiter südlich
durch Orthacanthacris-Avten ersetzt. Die angeführten Beispiele
ließen sich nach Belieben vermehren und es wird hier genügen,
auf die Ausführungen des speziellen Teiles hinzuweisen.
Die Fauna der Sumpfgebiete. Aber nicht nur der
geographischen Lage nach lassen sich einzelne Gebiete des
ägyptischen Sudans unterscheiden, sondern auch nach anderen
Verhältnissen, welche einen Einfluß auf die Fauna ausüben.
So müssen wir vor allem einen Unterschied zwischen der
Steppenfauna und den Formen der Sumpfgegenden machen.
Letztere sind dem Leben in der Nähe des Wassers besonders
angepaßt. Bei diesen Arten sind nämlich die Hintertibien mit
langen, meist beweglichen Dornen oder abgeplatteten An-
Sitzb. der mathem.-naturw. Kl. ; CXVI. Bd., Abt. I. 19
276 H. Karny,
hängsein versehen, wodurch die Oberfläche der hinteren Ex-
tremitäten vergrößert und die Schwimmfähigkeit vermehrt wird.
Die so ausgerüsteten Arten werden dadurch vortreffliche
Schwimmer und Taucher. Ich habe dies bei Arten der Gat-
tungen Paratettix und Acrydütm selbst wiederholt beobachtet
und oft gelingt es nicht, ein solches Tier, das sich ins Wasser
gerettet, wieder zu erreichen. Aber nicht nur die Acrydiiden
sind derart ausgerüstet, vielmehr bietet uns dieser Bau der
Hinterschienen ein auffallendes Beispiel einer Konvergenz-
erscheinung dar und findet sich bei den verschiedensten
Orthopteren wieder, die unter ähnlichen Existenzbedingungen
leben. Zuerst tritt er meines Wissens bei den liassischen
Elcaniden auf, die zur Zeit der Ichthyosaurier unter gleichen
Verhältnissen ihr Dasein hinbrachten. Unter den rezenten
Formen ist er am auffallendsten bei den Tridactyliden (Spe-
zieller Teil Nr. 30); doch konnte ich ähnliche Bildungen auch
bei verschiedenen Achetoiden der Werner'schen Ausbeute
beobachten, so namentlich bei der Gattung Cyrtoxipha.
Außer den genannten Formen sind typische Vertreter der
Sumpffauna, namentlich die Concephaliden (so Xiphidion spp,
Conocephalus, Psetidorhytichiis). Es ist zu erwarten, daß sich
diese Fauna noch als viel reicher an Orthopteren erweist; es
ist in den betreffenden Gebieten das Sammeln sehr erschwert,
wo nicht unmöglich. Von einem systematischen Sammeln unter
den bestehenden Verhältnissen kann keine Rede sein und der
Forscher ist meist auf Zufälligkeiten angewiesen. So teilte mir
Dr. Werner mit, daß er den Pseiidorhynchus hastifer stets nur
am Dampfer gefangen habe, weil es auf keine andere Weise
möglich war, das von ihm bewohnte Gebiet zu durchforschen.
Anpassung an die Grassteppe. Der weitaus größte Teil
des ägyptischen Sudans ist jedoch Grassteppe, wo nicht Wüste.
Die Orthopteren sind auch diesen Verhältnissen besonders an-
gepaßt. Wir finden viele Formen, die eine auffallende Tendenz
zur Streckung in der Richtung der Hauptachse aufweisen. Diese
Erscheinung findet sich als Konvergenz unter den verschieden-
sten Giuppen (Acketoidea: Etiscyrttis; Locustidae: IscJinacrida,
Gonyacantha! Xenippa, Mesops; Oedipodidae: Cosmoryssa;
Acrididae: Ochrilidia, Platypterna, Machaeridia, Amycus,
Orthopterenfauna des Sudans. 277
Aniphicvemna, Calamus, Acrida, Acridella; Gressoria: Gra-
tidia). Es ist bemerkenswert, daß in den meisten Fällen auch
die cT-Genitalien zur Verlängerung des Körpers beitragen, in-
dem die Subgenitalplatte sehr stark in die Länge gezogen ist
(besonders bei Mesops,Isclinacridä). Auch der Kopf ist meist auf-
fallend schmal und lang (Loctistidae, Acrididae), und zwar kann
dies auf die verschiedenste Weise bewirkt werden. Der ein-
fachste Fall ist der, daß der Kopf seiner ganzen Länge nach
gleichmäßig gestreckt wird; dann stehen die Augen ungefähr
in der Mitte der Kopflänge und die Fühler nahe dem Scheitel
(Mesops, Oclirilidia, Macliaeridia, Amycus, Amphicremna).
Mitunter wird aber das Hinterhaupt, d. i. der Teil des Kopfes
hinter den Augen in die Länge gezogen, wodurch dann die
Augen neben den Fühlern in der Nähe des Kopfgipfels zu stehen
kommen (Acrida, Acridella). Es kann aber der Kopf auch da-
durch verlängert werden, daß der Teil zwischen Fühlern und
Augen gestreckt wird; sodann stehen die Augen hinten am
Kopf, dem Pronotum genähert, und die Fühler am Scheitel
(Calamus). Der merkwürdigste Fall ist aber unstreitig der, in
welchem nur der Scheitel schwertförmig ausgezogen wird; dann
sind sowohl Augen als Fühler an der Basalhälfte des Kopfes
inseriert (GonyacanihaJ.
Anpassung in der Färbung. Nicht nur in der Form
macht sich bei den Bewohnern der Grassteppe eine auffallende
Schutzanpassung geltend; es zeigt sich vielmehr auch die weit-
gehendste Nachahmung der Umgebung in der Färbung. Die
meisten Arten sind gelbbraun gefärbt. Doch sind mir in dem
Material der Werner'schen Ausbeute von manchen Arten auch
besonders dunkle, ja sogar schwarze Individuen aufgefallen, so
z. B. bei Phlaeoha Pharaonis (var. aterrima m.), Amphicremna
scalata, Calamus linearis, Mesops laticornis etc. Auch Acrotylits
patruelis ist schwarz, doch befindet sich von dieser Art in dem
mir vorliegenden Material überhaupt nur ein einziges braunes
Exemplar und auch dieses ist viel dunkler als etwa die herce-
govinischen; ich kann daher nicht entscheiden, ob A. patruelis
nicht vielleicht überhaupt nur in dunklen Exemplaren im
ägyptischen Sudan vorkommt. Aber zum mindesten bei den
übrigen angeführten Arten ist diese dunkle Varietät von Bedeu-
19*
278 H. Karny,
tung. Dr. Werner hatte nämlich die Freundlichkeit, mir mit-
zuteilen, daß dieselbe stets an Stellen gefangen wurde, wo das
Gras durchVerbrennen schwarz geworden war, und so wäre dem-
nach hierin eine weitgehende Schutzanpassung zu erblicken.
Dr. Werner ist der Ansicht, daß dieselbe durch direkte
Einwirkung der aus der Umgebung auf das Tier reflektierten
Lichtstrahlen zu erklären ist, wie ähnliches ja auch schon von
Schmetterlingspuppen bekannt ist. Jedenfalls ist die Tatsache
auffällig und bemerkenswert, daß die schwarze Varietät stets
nur in schwarzer Umgebung gefunden wurde, da aber dafür
dann auch nur diese.
Mangel an Blattnachahmern. Es kommt schließlich
noch eine Anpassung hier in Betracht, nämlich die Anpassung
an das Leben auf Bäumen, zwischen Blättern. Unter solchen
Verhältnissen lebende Arten zeigen nämlich mehr oder weniger
deutlich eine auffallende Nachahmung ihrer Umgebung. Beson-
ders in den Tropen haben wir eine große Zahl von Blatt-
nachahmern. Namentlich die Tettigonioiden leisten in dieser
Beziehung oft Erstaunliches, besonders die Gruppe der
Phaneropteriden und Pseudophylliden. Im ägyptischen Sudan
sehen wir jedoch die ganze Mannigfaltigkeit der Blattnach-
ahmer, wie wir sie aus den tropischen Urwäldern gewohnt
sind, nur durch eine einzige Form vertreten, die Eurycorypha
varia. Es ist dies sehr leicht durch die Flora und Vege-
tation des Gebietes zu erklären, da hier Urwälder vollständig
fehlen. Auch die genannte Art ist mir nur aus Gondokoro be-
kannt und dürfte wahrscheinlich auch dort nicht regelmäßig
oder wenigstens nicht in größerer Menge vorkommen.
Die relative Formenarmut des behandelten Gebietes ver-
steht sich aus der recht ärmlichen Vertretung der Tettigonioiden,
die zum größten Teile Blattnachahmer sind. Die gleiche Ansicht
hat übrigens auch schon Kar seh 1893 für die Fauna der Berg-
landschaft Adeli ausgesprochen.
Orthopterenfauna des Sudans. 279
Spezieller Teil.
Subclassis: Orthoptera.
(= Orthopteriodea Handl.; recte Dermaptera Geer s. 1.)
Ordo: Saltatoria.
Suboi do : TettigToiiioidea.
Farn.: Phaneropteridae.
Genus: Phaneroptera Serv.
* 1. Ph. nana Fieb. 1853.
Brunn er, Mon. Phan., 1878, p. 212.
Renk (II. 1905), Gondokoro (III. 1905).
Sonstiges Vorkommen: Portugal, Rio de Janeiro, Fernando
Po, Capstadt, Uru, Zanzibar (Brunn er 1. c).
Genus: Eurycorypha Stäl.
* 2. E. varia Br. 1891.
Brunner, Add. Mon. Phan., 1891, p. 136.
Gondokoro (11. III. 1905). Als ausgesprochener Blattnach-
ahmer weiter nördlich fehlend.
Sonstiges Vorkommen: Kilimandscharo (Br. 1. c), Deutsch-
Ostafrika (Coli. Br. V. W. Nr. 23.012.).
Farn.: Conocephalidae.
Genus: Pseudorhynchus Serv.
t 3. P. Werneri Karny, Rev. Con. (Taf. I, Fig. 1, 2).
Ich habe diese neue Art bereits in meiner Revisio Cono-
cephalidarum in die Revisio specierum des Genus Pseiido-
rhynchiis aufgenommen und trage hier nur noch die Beschrei-
bung nach:
Virescens vel testaceus. Fastigium verticis subtus fuscum,
dente basali et apice nigro. Sutura clypei et apex mandibularum
extremus niger.
280 H. Karny,
Fastigium verticis longissimum, pronoto distincte longius,
fortiter punctatum, superne planum, subtus teres, levissime
arcuatum et dente basali instructum. Frons punctis impressis
instructa. Pronotum dense et fortiter punctatum, margine antico
truncato, postico rotundato-truncato. Lobi laterales angusti,
margine inferiore leviter sinuato, postico arcuato, sinu humerali
distincto. Elytra abdomen valde superantia, apice rotundata.
Femora 4 anteriora spinulis 1 — 3 minimis instructa, oculo in-
ermi vix conspicuis. Femora postica spinulis parvis permultis
armata. Lobi geniculares trianguläres, acuminati, haud spinosi,
exceptis posticis interioribus in spinulam brevem productis.
Ovipositor vix dilatatus, femoribus intermediis vix longior,
posticis distincte brevior.
cT 9
Long, corporis 38 — 41 42 — 46
» fastigii 9 10
>■> pronoti 7 — 8 7 — 8
» elytrorum 35-40 38—42
» fem. post 14—15 16—17
» ovipositoris — 9 — 1 1
Die neue Art steht dem Pseudorhynchus hastatus nahe
und ist allem Anscheine nach mit ihm vikariierend, indem
P. hastatus meines Wissens nur an der Westküste von Afrika
(Congo, Ashantie, Sierra Leone) vorkommt, während P. Werneri
für Ostafrika charakteristisch zu sein scheint (Gondokoro;
IIL 1905, leg. Werner). Von P. hastatus unterscheidet er sich
besonders durch das längere Fastigium verticis und vor allem
durch die nur halb so lange Legeröhre.
4. P. hastifer (Schaum 1862).
Redtenbacher, Mon. Con., 1891, p. 53.
Nach Redtenbacher gelbbraun; in Dr. VVerner's Aus-
beute liegen mir jedoch auch grüne Exemplare vor.
Nördlich von Shambe (3. IV. 1905 leg. Werner), Bor (leg.
Werner).
Sonstiges Vorkommen; Sennaar, Sudan (Coli. Mus. Caes.
Vind. leg. Marno), Grand-Popo, Baganmayo (Coli. Br. v. W.)
Mossambique (Schaum).
Orthopterenfauna des Sudans. 281
Genus: Conocephalus Thunb.
Kirby und Karsch wollen den Namen verwerfen, da sie
ihn als Synonym von Xiphidion betrachten — dann hätte aber
Conocephalus die Priorität! — Bisher liegt aber kein anderer
Name für dieses Genus vor, es müßte daher von meinen drei
Subgenusnamen(Rev.Con.) einer für das ganze Genus gebraucht
werden. Ich betrachte C. nitiduhis (als die älteste Art) als Type
der Gattung und demgemäß müßte dieselbe dann Homorocory-
phiis heißen. Ich bin jedoch der Ansicht, daß Conocephalus
beibehalten werden kann.
5. C, (Homorocoryphus) nitidulus Scop. (1786).
Redtenbacher, Mon. Con., 1891, p. 113: Conocephalus mandibular is Cha.Tp.
Werner, Orthopt. Ägypt., 1895, p. 72: Conocephalus mandibttlaris (Cha.rp.)
Karny, Rev. Con.: Homorocoryphus nitidulus Scop.
Gondokoro (14. III. 1905 leg. Werner).
Sonstiges Vorkommen : Sudan (Mus. Caes. Vind. leg. M a r n o),
ganz Afrika, Südeuropa, China (?) (Redtenbacher 1. c.)
Genus: Xiphidion Serv.
* 6. X. maculatum Guillon 1841.
Redtenbacher, Mon. Con., 1891, p. 201: Xiphidiiim maculatum.
Karny, Rev. Con., Xiphidion maculatum.
Mongalla, Gondokoro, Ru'alla (III. 1905).
Sonstiges Vorkommen: Kap, Gabun, Madagaskar, Zanzibar,
Aden, Indien, Sunda-Inseln, Japan (Redtenb. 1. c).
* 7. X. aethiopicum (Thunb. 1789) (haud = concolor Burm.).
Redtenbacher, Mon. Con., 1891, p. 203: Xiphidium aethiopicum.
Werner, Orthopt. Ägypt., 1905, p. 72: (confuse cum concolore): Xiphidium
aethiopicum.
Karny, Rev. Con.: Xiphidion aethiopicum.
Mongalla, Gondokoro (III. 1905).
Sonstiges Vorkommen: Gabun, Kamerun, Fernando Po,
Goldküste, Kap, Zanzibar, Madagaskar, Ostafrika, Rio Pongo,
Nuerera (Redtenb. 1. c), Ägypten (Werner), Messina (Coli.
Br. V. W.).
282 H. Karny,
Farn.: Hetrodidae.
Genus: Gymnoproctus Kar seh.
8. G. abortivus (Serv. 1839).
Lucas, Rem. Ettgaster Serv., 1868, p. 85: Etigaster Maurelii {(;^, ^).
Karsch, Hetrodiden, 1887, p. 62: Gymnoproctus abortivus {c^).
Kirby, Notes Fam. Hetrodidae, 1899, p. 99: Gymnoproctus abortivus.
Am Hinterrand des Pronotums treten mitunter zwei kleine
Dörnchen auf. Die mir vorliegenden Larven und 9 9 sind viel
heller gefärbt als die cf cf; der Hinterteil des Pronotums ist bei
den 9 9 viel kürzer als bei den cTcT, wie schon Lucas
hervorhebt.
Lado (Mus. Caes. Vind., leg. Emin 1881, larvae); Chartum
(1861), Sudan (1868, Mus. Caes. Vind., cf ö"); Sudan (Mus. Caes.
Vind., leg. Emin Bey 1885, 99).
Sonstiges Vorkommen: Ssabbs (Karsch 1. c).
Genus; Anepisceptus Fieb.
Mit Recht hat Kirby 1899 den Namen Anepisceptus
Fieb. 1853 K\r Pornotrips Karsch 1887 wieder eingeführt.
? A. horridus (Burm. 1838).
Werner (Orthopt. Ägypt., 1905, p. 73: Pornotrips Iwrridtis)
vermutet, daß die Art vielleicht nicht in Ägypten, sondern im
Sudan vorkomme. Mir ist sie jedoch von da nicht bekannt.
Subordo: Actietoidea.
Fam.: Eneopteridae.
Genus: Euscyrtus Guer.
*9. E. bivittatus Guer. 1840.
Saussure, Mel. orth., p. 764: Euscyrtus bivittatus.
Gondokoro (leg. Werner).
Sonstiges Vorkommen: Mauritius, Natal (Saussure I. c),
Fernando Po, Cape Coast Castle, Reunion (Coli. B r. v. W.).
Orthopterenfauna des Sudans. 28o
*9a. var. abbreviata Bol. 1895.
Gondokoro, zusammen mit der Hauptform.
f 10. E. pallens n. sp.
Stramineus vel pallide testaceus, plerumque concolor, vel
lobis lateralibus pronoti campoque elytrorum anteriore vittä
longitudinali obscuriore instructis.
Caput sat validum, pronoto haud angustius. Elytra plus
dimidio abdominis obtegentia; alae elytris semper longiores.
Ovipositor sigmoidalis, pallens, cercis vix longior.
Long, corporis 14-3— 14-6 12-3— 13-6
» pronoti 1-7 — 2 1 -8—2
» elytrorum... 7 — 8 6—6-8
» alarum 10-8— 12-8 8—9-5
» fem. post. . . . 9-4—10 8-9—9-7
» ovipositoris. . — 9*5 — 10*5
Die neue Art unterscheidet sich von £.&m7/a/7^5 schon sofort
durch die Färbung. Sie scheint dem E. hova (Brancsik 1892)
und dem E. planiceps (Karsch 1893) nahezustehen, unter-
scheidet sich jedoch von ersterem durch kürzeren, von letzterem
durch längeren Ovipositor und außerdem von beiden durch die
meist einfarbigen Elytra.
Dr. Werner fand die neue Art gegenüber Khor Attar
(IL 1905) und in Gondokoro (III. 1905). E. hova ist aus
Madagaskar, E. planiceps aus Westafrika beschrieben worden.
Genus: Calyptotrypus Sauss.
11. C. Petersi Sauss. 1878.
Sennaar (sec. Saussure, IVTel. orth., p. 719).
Genus: Heterotrypus Sauss.
12. H. Africanus Sauss. 1878.
Chartum (Coli. Br. v. W.).
284 H. Karny,
Farn.: Trigonidüdae.
Genus: Cyrtoxipha Br.
Revisio specierum.
1. Species Americanae: (v. Saussure., Mel. orth., p. 618).
1.1. Species Africanae.
2. Colore stramineo.
3. Fronsfasciaferrugineaintraoculari instructa; cf ignotum:
Cyrtoxipha ciliata (B r a n c s).
3.3. Frons concolor; 9ignota. . Cyrtoxipha gilva (Karsch).
2.2. Colore obscure testaceo.
3. Alae abortivae; ^ignotum: Cyrtoxipha ßüva (Karsch).
3.3. Alae longe-caudatae.
4. Frons fasciä transversa nigra, lobi laterales pronoti,
femora tibiaeque punctis maculisque nigris ornata . .
Cyrtoxipha contaminata (Karsch).
4.4. Caput, pronotum concolora; femora tibiaeque te-
stacea vel nigra, unicolora
Cyrtoxipha Karschi n. sp.
f 13. C. Karschi n. sp.
Obscure testacea, concolor. Elytra apicem abdominis vix
superantia, venis ut C contaminata instructa. Alae longe cau-
datae, elytris duplo longiora.
Staturä quam contaminata parum minore.
cf 9
Long, corporis 6-4 4*5 — 5
» pronoti 0-8 0' 5—0 • 7
» elytrorum 5 • 1 3 * 5 — 4
» alarum 10*2 8—9
» fem. post 5 3*3 — 4*8
» ovipositoris — 1 -4 — 2
Dedico hanc speciem Dom. Dr. F. Karsch, qui cum Omni-
bus Africae Orthopteris operam dabat, tum tres huius generis
species africanas 1893 descripsit.
Gondokoro (III. 1905 leg. Werner).
Orthopterenfauna des Sudans. 285
Genus: Trigonidium Ramb.
*14. T. cicindeloides Ramb., 1838.
1 9; Mongalla (III. 1905 leg, Werner).
Sonstiges Vorkommen: Mittelmeergebiet, Indien.
Fam.: Oecanthidae.
Genus: Oecanthus Serv.
*15. Oe. brevicauda Sauss. 1878.
1 9; Gondokoro (5. III. 1905 leg. Werner).
Bisher nur aus Südafrika bekannt (Saussure Mel. orth.,
p. 594).
Fam.: Gryllidae.
Genus: Loxoblemmus Sauss.
Dispositio subgenerum.
1. Frons plana vel convexa. Elytra perfecte explicata. Species
asiaticae a. Loxohleminiis Sauss.
1.1. Elytra raro perfecta (^), in quo casu frons concava. Species
africanae.
2. Frons concava. Caput cf a latere visum acutangulum,
fastigio producto. Elytra cf abdomen subtotum obtegentia,
9 parva, lateralia h. Paraloxohleinmtis m.
2.2. Frons convexa. Caput a latere visum obtusangulo,
fastigio globoso. Elytra abbreviata, sed dorsalia, in
cf minima, in 9 dimidium abdominis obtegentia. Species
madagassa c. Pezoloxohlemimis m.
1 16. Paraloxoblemmus loxoblemmoides n. sp. (Taf. I, Fig. 3 bis 5).
Colore fusco. Frons pallide-testacea, carinis lateralibus
sigmoidalibus, nigro-fuscis. Fastigium cT fortiter triangulariter
productum, carinis distinctis; 9 carinis item acutis, sed vix
productis.
286 H. Karny,
Pronoti lobi laterales retrorsum angustati, margine inferiore
postice ascendente, angulo antico distincto. Elytra ^^ abdomen
subtotum obtegentia, tympano perfecto, 9 brevissima lateralia.
Alae abortivae. Ovipositor cercis aequilongus.
cf 9
Long, corporis 16—20 15-5
fastigii l-9_3-4 o-2
» pronoti 3 • 7—4 • 5 4
» elytrorum 8 — 8-5 3
» fem. post 10-6- 11-3 lO'ö
» ovipositoris — 9
Kodok, Faschoda (8. II. leg. Werner).
Die einzige Art der Gattung, die vom afrikanischen Fest-
lande bekannt ist.
Bemerkung. In dasselbe Subgenus scheint Loxoblemmus
oMustis Sauss. 1899 zu gehören, den ich allerdings nur nach
Saussure's Beschreibung und Abbildung kenne. Jedenfalls
ist er nicht das cT von L.lativertex. Die Coli. Br.v.W. besitzt aus
Madagaskar Exemplare, die ich für L./a^w^r/^^ halte, obwohl sie
sich von Saussure's Abbildung durch relativ längere Hinter-
beine unterscheiden. Das cf derselben (Saussure kennt nur
das 9) ist ebenso groß wie das 9 md unterscheidet sich nur
durch viel kürzere Elytra von dem.selben, die sich zwar am
Rücken berühren, aber des Tympanums entbehren. Ich habe
wegen dieser Eigenschaften für diese Art ein eigenes Subgenus
geschaffen, das ich Pezoloxohlemmus nenne, weil hierbei beiden
Geschlechtern die Flugorgane so stark rückgebildet sind.
Genus: Scapsipedus Sauss.
\7. S. Felden Sauss. 1877.
Saussure, Mel. orth., p. 410.
Khor Attar, Mongalla, Kodok, Faschoda (leg. Werner).
Sonstiges Vorkommen: Chartum (Coli. Mus. Caes. Vind.,
Coli. B r. V. W.), Massaua, Zanzibar, Fernando Po (Coli. B r. v. W.),
Sennaar, Madagaskar (S aus sure 1. c); Coli. Mus. Chartum (sine
indicatione patriae).
Orthopterenfauna des Sudans. 28/
Var. a. Sauss.
Khor Attar (leg. Werner); Mus. Chartum.
Genus: Gryllodes Sauss.
18. G. apricus Sauss. (Taf. I, Fig. 6).
Saussure, Mel. orth., p. 371.
Die Type dieser Art von Sennaar befindet sich in der
Coli. Mus. Caes. Vind. Saussure gibt jedoch Ägypten statt
Sennaar als Fundort an.
Das 9 (neu) unterscheidet sich vom cT durch etwas kürzere
Elytra. Die Legeröhre (5 '8 mm) ist länger als die Cerci und
kürzer als das Femur posticum.
Chartum (I. 1905 leg. Werner eine cf- und eine 9-Imago);
Gondokoro (III. 1905 leg. Werner drei Larven, darunter eine
mit in Regeneration begriffenem linken Hinterbein).
Genus: Acheta L.
= Gryllus auctorum.
f 19. A. werneriana n. sp.
Statura mediocri, colore obscuriore. Frons nigra, fasciä
nullä, occiput rubidum. Pronoti lobi laterales margine extremo
nigro, deinde maculä longitudinali testaceä, dimidio superiore
fusco-nigro, discus rubidus, nonnunquam vitta mediana longi-
tudinali nigra ornatus. Elytra abdomen totum vel subtotum
obtegentia, testaceä, campo laterali (=: anteriore) albido, deinde
vittis longitudinalibus 1 vel 2 fusco-nigris ornatum. Tympanum
cf venis obliquis 4 instructum. Ovipositor rectissimus, femori-
bus posticis vix longior.
Dedico hanc speciem Dom. Dr. Fr. Werner, qui eam in
Mongalla (26. III. 1905) et Gondokoro (16. III. 1905) repperit.
cf 9
Long, corporis 15 16
» pronoti 3 3
» elytrorum 10 8
» alarum 20 5 • 5
» fem. post 10'5 11
» ovipositoris — • 1 1 • 5
288 H. Karny,
Die neue Art unterscheidet sich von G. deserta besonders
durch die auffallend kürzere Legeröhre und scheint noch den
beiden indischen Arten G.plebeja und igttobilis am nächsten zu
stehen, von denen sie durch schlankere Gestalt und die ab-
weichende Färbung des Pronotums und der Elytra leicht zu
unterscheiden ist.
t20. A. brevicauda n. sp.
Statura mediocri colore nigro-fusco. Frons nigra, fasciä
nullä, occiput longitudinaliter flavo-6-striatum. Pronoti lobi
laterales ut in A. fuerneriana colorati; discus fuscus. Elytra ab-
domen subtotum obtegentia, fusco-testacea, campo anticofusco-
nigro. Ovipositor rectus femoribus posticis distincte brevior.
Species africana.
Long, corporis 14
» pronoti 2-3
» elytrorum 9-5
» alarum 16
» fem. post 8-5
» ovipositoris 6
Das einzige mir vorliegende Exemplar ist Eigentum des
Museums von Chartum; der Fundort ist bestimmt der ägyp-
tische Sudan, doch ist nichts Näheres angegeben.
Die neue Art steht nach der Zeichnung des Hinterhauptes
der Ä. quadristigata jedenfalls am nächsten, unterscheidet sich
jedoch von derselben durch etwas geringere Größe und viel
kürzere Legeröhre. Von A. wenieriana ist sie leicht durch die
Färbung, die längeren, schmäleren Elytra ? und die deutlich
kürzere Legeröhre zu unterscheiden.
Über ihre sonstige Verbreitung ist mir nichts bekannt.
21. A. quadristrigata (Sauss. 1877).
Saussure, Mel. orth., p. 334.
Diese mir nur nach Saussure's Beschreibung bekannte
Grille soll auch in Sennaar vorkommen (Saussure 1. c.)
Sonstige Verbreitung: Goldküste, Ostindien (id.).
Orthopterenfauna des Sudans. 289
22. A. Brunneri (Sel.-Longch. 1867).
Saussure, Mel. orth., p. 338.
Sudan (Coli. Mus. Caes. Vind.). Über das ganze paläo-
tropische Gebiet (einschließlich Neu-HoUands) und Nordafrika
verbreitet (nach Saussure).
f 23. A. lutea n. sp.
Statura mediocri, colore luteo. Caput, excepto spatio intra-
oculari parum obscuriore, concolor, fasciä pallidä nuUä. Prono-
tum depressiusculum, parallelum, lobis lateralibus anguste nigro-
marginatis, pallidis, parte superiore obscuriore. Elytra parum
abbreviata, luteo-testacea, campo anteriore pallido. Tympanum
ignotum. Alae longe-caudatae. Ovipositor femoribus posticis
aequilongus.
9
Long, corporis 13
» pronoti 2*8
» ely trorum 6
» alarum 16
» fem. post 8
» ovipositoris 8
1 9; Khor Attar (21. II. 1905 leg. Werner).
Von A. Brunneri unterscheidet sich die neue Art vor allem
durch geringere Größe und den einfarbigen Kopf; von A. dome-
stica durch kürzere Elytra, das einfarbige Pronotum und den
Mangel der hellen und dunkeln Querbinden auf dem Kopf; von
A.hygrophüa (Krauss 1902) durch die Färbung des Kopfes, die
langen Hinterflügel und die etwas kürzere Legeröhre.
24. A. domestica (L. 1759).
Duem (leg. Werner); Coli. Mus. Chartum (sine indica-
tione patriae). — Kosmopolit (Saussure).
25. A. melanocephala (Serv. 1839).
Gazellenfluß. — Außerdem Abyssinien, Ostindien (Saus-
sure Mel. orth., p. 343).
290 H. Karny,
Genus: Liogryllus Sauss.
26. L. morio (Fab. 1781).
Sennaar (Mus. Caes. Vind.), Gazellenfluß (Saussure).
Sonstige Verbreitung: Zanzibar, Massaua, Sierra Leone
(Coli. Br. V.W.) ; Guinea, Senegal (Saussu re, Mel.orth., p.305).
27. L. bimaculatus (Geer 1773).
Chartum, Sennaar (Mus. Caes. Vind.).
Sonstige Verbreitung: Ganz Afrika, Madagaskar, Indien,
Zentralasien, Mittelmeerregion (Saussure, Mel. orth., p. 309).
Genus: Brachytrupes Serv.
= Brachytrypus Sauss. Mel. orth., p. 283—290.
*28. B. membranaceus (Drur. 1773).
Gondokoro (leg. Werner), Chartum, Sudan (Mus. Caes.
Vind., leg. S teindachner).
Sonstige Verbreitung: Port Natal, St. Thome, Cape Coast.
Castle, Old Calabar, Guinea, Quelimana, Zambesi, Milanji,
Zentralafrika, Zanzibar, Gabun, Niger (Coli. Br. v. W.); Congo,
Mozambique, Abyssinien (Saussure).
Kam.: Nemobüdae.
Genus: Nemobius Serv.
*29. N. Aethiops Sauss. 1877.
Saussure, Mel. orth., p. 250.
Mongalla (III. 1905 leg. Werner).
Sonstige Verbreitung: Congo, Ashantie, Hö, Sklavenküste
(Coli. Br. V. W.).
Var. nov. abbreviata m. Alis abortivis.
Mongalla, Gondokoro (III. 1905 leg. Werner).
Orthopterenfauna des Sudans. 29 1
Subordo : Gpyllotalpoidea.
Farn.: Gryllotalpidae.
Genus: Gryllotalpa Latr.
= Curtüla Oken 1815, Kirby 1890, Karsch 1893.
Kirby und Karsch wollen für Gryllotalpa den jüngeren
]>i amen Curtüla einführen, um die Gleichheit des Gattungs- und
Artnamens bei unserer einheimischen Spezies zu vermeiden.
Meines Wissens ist in der Zoologie diese Gleichheit jedoch er-
laubt; in der Botanik muß aber auch der ältere Artname dem
Gattungsnamen weichen. Ich schlage daher vor, bis auf weiteres
Gryllotalpa gryllotalpa (L.) zu sagen.
30. G. africana Pal. Beauv. 1805.
Khor Attar, Faschoda, Duem (leg. Werner).
Sonstige Verbreitung: Ganz Afrika und Südasien (Saus-
sure).
Fam.: Tridactylidae.
Genus: Tridactylus Ol.
*31. T. Savignyi Guer. 1840. var. nov. major m.
Differt a forma typica statura majore:
Long, corporis 6 • 9 — 7 • 4
» pronoti 1"5 — 1"7
» elytrorum 3 — 3 • 2
» alarum 7 — 8
» fem. post 4 • 3 — 4 • 5
Gegenüber Khor Attar (II. 1905), Mongalla (III. 1905 leg.
Werner).
Verbreitung der typischen Form: Dongola (Saussure
Mel. orth., p. 221), Ägypten (Saussure 1. c, Werner, p. 75).
Sitzb. d. mathem.-naturw KL; CXVI. Bd., Abt. I. 20
292.; H. Karny,
Subordo: Acpidoidea
(zzz Locustoidea).
Farn.: Acrydüdae.
Genus: Paratettix Bol.
*32. P. scaber (Thunb. 1815). Carinae integrae.
Gondokoro, Mongalla (leg. Werner).
Sonstige Verbreitung: Ostindien, Gabun, Kamerun, Zanzi-
bar, Madagaskar, Reunion, Deusch-Ostafrika.
Var. nov. Ugandensis m.
Processus pronoti genua postica haud superans, carina
media expressa, sed rectissima, haud arcuata.
Die neue Varietät unterscheidet sich von der Hauptform
durch den kurzen Processus, von P.cinereus durch den geraden
Mittelkiel des Pronotums. Sie liegt in einem Exemplar von Gon-
dokoro vor, welches, wie oft auch die Hauptform, halbkreis-
förmige schwarze Schulterflecke besitzt.
33. F. meridionalis (Ramb. 1838). Carinae undulatae.
Gegenüber Khor Attar (leg. Werner).
Sonstige Verbreitung: Chartum (Coli. Mus. Caes. Vind.);
Mittelmeergebiet, Vorderasien, Ägypten (Coli. Br. v. W.);
Algerien, Nubien (Bolivar). (Ein Exemplar der Coli. Br. v. W.
mit der Angabe Madagaskar ist sicher nicht P. meridionalis,
sondern wahrscheinlich P. Voeltzokofuiana Sauss.).
Var. Dohrnii (Fieb. 1853). Processu breviore.
Gegenüber Khor Attar (leg. Werner).
Sonstige Verbreitung: Dalmatien (die Type Fieber's),
Trebisconde, Cairo (Coli. Br. v. W.).
Schulterfleck (wie bei der Hauptform) dreieckig oder
fehlend (Unterschied von P. Ugandensis).
Orthopterenfauna des Sudans. 290
Farn.: Pyrgomorphidae.
Genus: Chrotogonus Serv.
34. Ch. homalodemus (Blanch. 1836).
Sennaar (sec. Bolivar, p. 46).
35. Ch. lugubris (Blanch. 1836).
Bolivar, Mon. Pirgom., 1884, p. 46.
Gebel Araschkol, Edeloud, Duem, Kodok (Faschoda),
Mongalla, Gondokoro (II. — IV. 1905, leg. Werner).
Sonstige Verbreitung: Chartum, Sennaar (leg. Kotschy),
Nubien (leg. Marno 1871; Mus. Caes. Vind.), Oberägypten,
Ägypten, Massaua, Aden (Coli. Br. v. W.).
Genus: Atractomorpha Sauss.
^36. A. Gerstaeckeri Bol. 1884.
Bolivar, Mon. Pirgom., p. 66.
Gegenüber Khor Attar, Renk, Kodok (Faschoda), Goz Abu
Guma, Gondokoro (leg. Werner 1905).
Sonstige Verbreitung: Fernando Po, Kamerun, Gabun,
Congo, Sierra Leone, Goldküste, Ashantie (Coli. Br. v. W.),
Zanzibar, Calcuta (Bolivar 1. c).
Genus: Pyrgomorpha Serv.
*37. P. granulata Stäl 1875.
Bolivar, Mon. Pirgom., 1884, p. 80.
Bolivar, Soc. Esp., 1904, p. 453.
Gondokoro (leg. Werner: 17. III. 1905 1?; 18. III. 1905 1cf).
Sonstige Verbreitung: Dagana, Damara, Humbe, Duque
de Bragan9a, Senegal, S. Salvador, Transvaal, Nyasaland,
Dakar (Bolivar).
20*
294 H. Karny,
*38. P. cognata Kr. 1877.
Bolivar, 1888, p. 81; 1904, p. 454.
Renk (II. 1905), Gondokoro (III. 1905 leg. Werner).
Sonstige Verbreitung: Dagana, Cap Verde, Bakel, Sene-
gal, Assinie (Bolivar).
39. P. conica (Ol. 1789) = P. grylloides (Latr. 1804).
Bolivar, 1888, p. 82: Pyrgomorpha grylloides.
Bolivar, 1904, p. 454: Pyrgomorpha conica.
Chartum (I. 1905), Goz Abu Guma (4. II. 1905 leg.
Werner).
Sonstige Verbreitung: Südeuropa, Kleinasien, Aden, So-
maliland, Massaua, Senegal, Suakin, Bengala (Bolivar), Char-
tum (Coli. Br. V. W.), Ägypten (Werner), Sudan (Coli. Mus.
Caes. Vind., leg. Marno 1873).
Genus: Poekilocerus Serv.
40. P. hieroglyphicus (Klug 1829).
Bolivar, Mon. Pirgom., p. 107.
GebelAraschkol, Edeloud (leg. Werner); Chartum, Nubien
(Coli. Mus. Caes. Vind.); Chartum (Coli. Br. v. W.).
Sonstige Verbreitung: Dongola, Cairo, TuU-Arre, Somali
Isa (Bolivar).
Genus: Zonocerus Stäl.
41. Z. variegatus (L. 1758).
Bolivar, 1884, p. 114; 1904, p. 418.
Kodok (leg. Werner); Sennaar (Mus. Caes. Vind.); Char-
tum (Coli. Br. V. W.).
Sonstige Verbreitung: Senegal, Taoue Sudan, Kamerun,
Somali Isa Mahal-Uonz, Angola, Natal etc. (Bolivar).
Genus: Phymateus Thunb.
42. Ph. aegrotus (Gerst. 1869).
Bolivar, 1884, p. 119; 1905, p. 407.
Lado (Mus. Caes. Vind., leg. Emin 1881).
SonstigeVerbreitung: Cafreria,Abyssinien,Somali (Bolivar).
Orthopterenfauna des Sudans. 29o
Farn.: Locustidae.
Genus: Oxya Serv.
*43. O. serrulata Kr. 1891.
Gondokoro, Goz Abu Guma (leg. Werner); Chartum
(Coli. Mus. Caes. Vind., det. Redtenbacher).
Sonstige Verbreitung: Madagaskar, Zanzibar, Natal,
Kamerun, Deutsch-Ostafrika, Goldküste, Senegal, Gabun (Coli.
Br. V. W.).
Genus: Tristria Stäl.
Revisio specierum Tristriae.
1. Femora postica intus concolora.
2. Lobi mesosternales haud vel sutura brevissima contigui.
3. Elytra campo antico pallido.
4. Processus laminae subgenitalis cf cercos valde
superans.
5. Cerci cT distincte incurvi. Processus laminae sub-
genitalis cf latere compressum, subtus et superne
calloso-marginatum, apice obtusa. Species indica et
chinensis 1. T. lacerta Stäl.
5. Cerci cT recti. Species africanae.
6. Processus laminae subgenitalis cf apice sub-
obtusa, cercis duplo fere longior: 2. T.pallida n. sp.
6. 6. Processus laminae subgenitalis cf apice per-
acuta, cercis plus triplo longior (colore fusco;
statura majore: cT 29, 9 34 — 37; patria Sierra
Leone; Coli. Mus. Caes. Vind.): 3. T. pulla n. sp.
4. 4. Processus laminae subgenitalis cT cercis vix longior
vel brevior. Species africanae.
5. Statura parum minore, colore pallidiore, Vertex
magis acuminatus, carinis distinctioribus, quarum
media per totuma occiput subdistincta perducta.
Tibiis posticis concoloribus: 4. T. stidanensis n. sp.
5. 5. Statura parum majore (cf 24—25, 9 31—32),
colore, obscuriore. Vertex magis obtusus, carinis
obtusioribus, quarum media in occipite indistincta
vel nulla. Tibiis posticis apicem versus infuscatis
296 - H. Karny,
(praecipue subtus). Patria: Mikindani, Deutsch-
Ostafrika (Coli. Br. V. W., No. 20.988):
5. T. Brunneri n. sp.
3. 3. Elytra fusca, margine antico parum obscuriore (apicem
abdominis haud attingentia. Costa frontalis carinis
indistinctis, Vertex subnullis. Statura mediocri [9 29],
colore fusco, concolore. Patria: Bogos (Coli. Br. v. W.,
Nr. 21.706) 6. T. tristis n. sp.
2. 2. Lobi mesosternales sutura longa contigui, dehinc subito
divergentes. Species africae occidentalis, mihi solum
secundum auctoris descriptionem nota:
7. T. stittiralis Kars eh.
1. 1. Femorapostica in areainternomediaad carinam superiorem
fusca. Species africanae occidentales.
2. Tibiae posticae concolores. . .8. T. marginicosta Karsch.
2. 2. Tibiae posticae tertia parte apicali nigra.
3. Vertex carinis obsoletis instructus, costa frontalis plana,
carinis in 9 nullis (secundum auctoris descriptionem).
Elytra 9 margine antico fortiter sinuato (secundum
figuram) 9. T. conops Karsch.
3. 3. Vertex carinis lateralibus et media distinctis, costa
frontalis (a latere visa) sinuata, carinis (ab antico visis)
distinctis, sinuatis (9). Elj^tra 9 margine antico sub-
recto. Statura et colore conopis. Patria: H6, Sklaven-
küste (Coli. Br. V. W., Nr. 17.453): 10. T. oriiata n. sp.
t44. T. pallida n. sp. (Taf. I, Fig. 7, 8).
Flavo-testacea. Vertex carinis sat distinctis, media per
occiput haud perducta. Costa frontalis subplana, carinis
distinctis, haud callosis, orem versus divergentibus. Pronotum
carinis distinctis, lobis lateralibus margine inferiore obtusangulo,
prope carinam pronoti vitta longitudinali obscura ornatis. Lobi
mesosternales haud vel sutura brevissima contigui. Elytra
apicem abdominis superantia vel attingentia, genua postica
superantia, campo antico vitta longitudinali pallida, utrinque
obscure marginata ornato. Cerci cf recti. Processus laminae
subgenitalis c/" apice subobtusa, cercis duplo fere longior.
Orthopterenfauna des Sudans. 297
d^ 9
Long, corporis 24—25 29 — 32
» pronoti 4 5— 5'3
» elytrorum 17—19 21—23
fem. post 12—13 15—17
» proc. lam. subg 1 —
Patria: Khor Attar, gegenüber Khor Attar, Mongalla,
Gondokoro (leg. Werner); Cordofan (Coli. Mus. Caes. Vind).
f 45. T. sudanensis n. sp, (Taf. I, Fig. 9, 10).
Flavo- vel griseo-testacea. Vertex magis acuminatus quam
in Brunneri et pallida, carinis distinctioribus, quarum media per
totum occiput subdistincta perducta. Costa frontalis obtuse
sulcato-impressa, carinis distinctis, subsinuatis. Pronotum uti
in specie praecedenti formatum et pictum. Lobi mesosternales
haud vel sutura brevissima contigui. Elytra apicem abdominis
attingentia vel superantia, campo antico vitta longitudinali
pallida, plerumque utrinque obscure marginata ornato. Cerci cf
longiores, graciles, fortiter incurvi. Processus laminae sub-
genitalis cT obtusus, cercis vix longior vel brevior.
(/ ■ 9
Long, corporis 20 — 23 27
» pronoti 3 • 3— 3-6 4*4
» elytrorum 14*5— 15 '5 18
» fem. post 10 —11 13-5
» proc. lam. subg. . 0-4 —
Patria: Khor Attar, Doleib Hill am Sobat, Mongalla
(leg. Werner, II.-III. 1905).
Genus: Oxyrrhepes Stäl.
Eine Revisio specierum kann ich mir erlassen, da eine
solche Bolivar 1886 gegeben hat und seither meines Wissens
keine neuen Arten beschrieben wurden.
i-46. O. prosternalis n. sp.
Testaceus. Costa frontalis marginibus subparallelis, per
totam longitudinem impresso-punctata, haud sulcata. Pronotum
298 H. Kainy,
carinis 3 distinctis, subparallelis, margine postico rotundato.
Lobi laterales subquadrati, sed margine postico parum obliquo,
sparse et dilute fusco-punctati, pone carinam lateralem vitta
longitudinali fusca ornati. Prosterni tuberculum fortiter re-
curvum, latere externo distincte excavatum, carinis lateralibus
sinuatis, apice acutum. Lobi mesosternales sutura longa et
recta contigui. Elytra genua postica distincte superantia.
Cerci cf graciles, distincte incurvi, lamina subgenitalis iis duplo
longior, acutissima.
cf- 9 ■
Long, corporis 35 — 37 50 — 52
» pronoti 5*5 — 6*5 8 — 8*7
» elytrorum 32 • 5—36 45—48
)> fem. post 21 —22 29-30-5
» lam. subg 3 — 3-5 —
Patria: Ru'alla, Khor Attar, Mongalla, Gondokoro (leg.
Werner).
Die neue Art unterscheidet sich von allen anderen dieser
Gattung durch die eigentümliche Form des Prosternalfortsatzes.
* A~
47. O. virescens Stal 1873.
Coli. Mus. Chartum (sine indicatione patriae).
Sonstige Verbreitung: Akra, Goldküste (Coli. Br. v. W.),
Taoue (Coli. Mus. Caes. Vind.); Sierra Leone (Stäl).
Genus: Ischnacrida Stäl.
Revisio specierum Ischnacridae.
1. Antennae filiformes. Statura maxima (cT 62, 9 82). Fastigium
trianguläre. Vitta argentea ultra dimidium femorum perducta.
Femora postica intus concolora (cT) vel carina inferiore
nigra (9). Patria: Himalaya (Coli. Br. v. W., Nr. 2715):
1. /. maxima n. sp.
1.1. Antennae late vel anguste ensiformes. Statura plerumque
minore.
2. Antennae anguste ensiformes, spatio intraoculari dimidio
angustiores.
Orthopterenfauna des Sudans. 299
3. Vitta lateralis argentea. Olivaceo-virescens. Femora
postica prope apicem impicta (praeterea concolora?).
Patria ignota 2. /. taeniata Stäl.
3. 3. Vitta lateralis plerumque testacea. Flavo-testacea.
Femora postica intus plerumque violacea. Patria:
Sudan aegyptius (leg. Werner) . .3. /. violacea n. sp.
2. 2. Antennae late ensiformes, parte intraoculari latiores vel
paullo angustiores.
3. Lamina subgenitalis cT superne ultra medium fortiter
sulcata. Cerci cf lati, supra profunde excisi, apice
processu parvo styliformi terminati. 9 ignota. Patria:
Dagana (Coli. Mus. Caes. Vind.):
4. /. pallida Kr. (Burm. ??).
3. 3. Lamina subgenitalis cf superne haud vel basi leviter
sulcata. Cerci cf recti, acuminati.
4. Lamina subgenitalis cf margine superiore nigro.
Species africanae et madagassae.
5. Femora postica intus concolora. Colore testaceo.
Vitta lateralis flavo-testacea. Fastigium longius
quam latius, oculo distincte brevius. Statura:
cf 42 — 46, 9 63. Patria: Milanji, Gabun (Coli.
Br. V. W., No. 19.570, 12.445): 5. /. testacea n. sp.
5. 5. Femora postica intus haud concolora.
6. Femora postica intus per medium infuscata.
Species madagassa 6./. hova Kars eh.
6.6. Femora postica intus rubra vel coerulea.
7. Femora postica intus violaceo-sanguinea,
punctis albidis ornata.
8. Statura minore. Fastigio longiore:
7. 1. Kraussii Bol.
(=: Rhamphacrida K a r s c h) .
8.8. Statura majore. Fastigio breviore:
8. /. Monteiroi Bol.
7. 7. Femora postica intus luteo-rubra, concolora
-(cT) vel viridi-coerulea, pallide- punctata
(9). Colore fusco-testaceo. Fastigium oculo
vix brevius. Statura: cf 47, 9 68. Patria:
300 H. Karny,
Tananarive, Madagaskar (Coli. Br. v. W.,
No. 17.888) 9. Lpiilchra n. sp.
4. 4. Lamina subgenitalis cf concolor. Species indicae.
Fuscae.
5. Femora postica intus concolora. Fastigio vix
longiore quam latiore. Lamina subgenitalis cT
pronoto vix longior. Vitta lateralis argentea. Elytra
sparse et subtiliter fusco-punctata. Statura 45 (cf ,
excepta lamina). Patria: Ceylon (Coli. Br. v. W.,
No. 23.056) 10. I.fiisca n. sp.
5. 5. Femora postica intus viridi-coerulea, pallide-
punctata (9) vel basi nigro-coerulea, praeterea
concolora (c?). Fastigium plus duplo longius quam
latius. Lamina subgenitalis pronoto sesquilongior.
Vitta lateralis et color elytrorum ut in fusca.
Statura: cT 40—46, 9 61—68. Patria: Tonkin,
Sumbava, Java (Coli. Br. v. W.):
IL /. vittata (Fab.)?
Bemerkungen: Ischnacrida vittata kenne ich nur nach
der lakonischen Beschreibung Stäl's, glaube aber, nicht irre zu
gehen, wenn ich die Exemplare von Tonkin, Sumbava und
Java der Hofrat Brunner'schen Sammlung damit identifiziere,
obwohl Stäl die Färbung der Hinterschenkel nicht angibt.
Allerdings war bisher unsere /. niaxima als vittata bestimmt,
ist aber bestimmt von ihr verschieden, wie schon nach
der Form der Fühler mit Sicherheit zu erkennen ist. Die
/. taeniata kenne ich ebenfalls nur nach Stäl's Beschreibung,
sie steht jedenfalls meiner /. violacea nahe, doch halte ich
sie nicht für identisch mit derselben. Die Type der /. pallida
liegt mir vor; sie ist eine echte Ischnacrida; ob sie aber mit
Opomala pallida Burm. identisch ist, hat schon Karsch 1893
sehr bezweifelt. Den Namen pallida kann sie aber behalten, da
er innerhalb dieser Gattung nicht präokkupiert ist, jedoch hat
als zugehöriger Autor Krauss 1877 zu gelten. Die von dem-
selben Autor zugleich beschriebene tiatalensis ist nach der mir
vorliegenden Type bestimmt eine Metapa, wie auch Karsch
vermutet. i^TröMssn wurde von Karsch 1893 zu einer selbst-
ständigen Gattung gemacht. Mit Monteiroi stimmen zwei
Orthopterenfauna des Sudans. 301
Exemplare der Coli. Br. v. W. von Manow (1 c/, 1 9) nach
Bolivar's Beschreibung sehr gut überein; Karsch gibt an,
daß die Vorderschenkel außen geschwärzt seien; dies ist
jedoch keinesfalls ein Speziescharakter, da er bei dem mir vor-
liegenden 9 nicht zutrifft. Unter /. pnichra habe ich ein cf und
ein 9 der Coli. Br. v. W. vom gleichen Fundort vereinigt, die
allerdings in der Färbung der Hinterschenkel erheblich von-
einander abweichen; doch halte ich dies nur für einen Sexual-
dimorphismus in der Färbung, da die beiden Exemplare sonst
miteinander übereinstimmen. Die verschiedene Färbung der
Hinterschenkel bei cf und 9 zeigt sich ja auch durchgehends
bei jenen Exemplaren, welche ich für /. vittata halte. Von
I. fiisca kenne ich das 9 nicht, da mir nur ein cf vorliegt,
welches die Coli. Br. v. VV. von Malcolm Burr aus Ceylon
erhielt. Ich lasse jetzt nur noch eine Beschreibung der
/. violacea folgen:
f 48. Ischnacrida violacea n. sp.
Colore testaceo, flavo-, griseo-, ferrugineo-lineato. Vitta
lateralis plerumque testacea, rarius argentea. Fastigium tri-
anguläre, brevius quam latius, vel subaequilaterum, marginibus
distinctis. Intervallum oculorum latitudine maxima antenna-
rum plus duplo latius. Frons fortiter impresso-punctata. Anten-
nae anguste ensiformes, capite cum pronoto subaequilongae.
Vertex inter oculos carina brevissima instructus. Pronotum
compressiusculum, a latere visum dorso medio subdepresso,
crebre impresso-punctatum, sulcis transversis 3 distinctis,
carina media sat distincta, postice rotundato-productum, sinu
humerali nullo. Elytra genua postica valde superantia, con-
colora vel sparse et dilute fusco-punctata. Femora postica intus
(excepto uno cf) violacea, pallide-punctata, ante apicem — ut
etiam ceterae Ischnacridae — fascia transversa nigra ornata.
Genitalia cT 9 uti in Monteiroi formata.
c^ 9
Long, corporis 50 — 56 64 — 66
» capitis (superne) .4*4 — 5 6
» pronoti 6*6 — 7 '6 9 — 10
302 H. Karny,
Long, elytrorum 35—39 46 — 48
» fem. post 17—20 24-25
» lam. subg. cf . . . 8 — 9 —
Patria: Khor Attar, gegenüber Khor Attar, Doleib Hill am
Sobat, Mongalla, Gondokoro (leg. Werner).
Ein blasses cf mit innen einfarbigen Hinterschenkeln be-
trachte ich als nicht ausgefärbt.
Genus: Gonyacantha Stäl.
*49. G. gladiator (Westw. 1841).
Opsomala gladiato'W &siv!., Are. ent, 1841, pl. XVII.
Gonyacantha cultrifer (recte cultriferal) Brancsik, 1894/95.
Bran CS ik behauptet zwar, daß seine G. cultrifera »eminens
differt ab Opsomala gladiator Westw.«, doch ergibt sich aus
den mir vorliegenden Beschreibungen und Abbildungen beider
Arten, daß sich G. cultrifera von gladiatornur durch etwas län-
geres Fastigium und etwas längere Elytra unterscheidet, und zwar
beträgt der Unterschied — nach den angegebenen Maßen be-
rechnet — • für ersteres zirka 1 mml und für letztere etwa
3 bis 4!! Auf solche Differenzen eine neue Spezies zu gründen,
erscheint mir mehr als gewagt! Auch bei den mir in der
Werner'schen Ausbeute vorliegenden Exemplaren variiert die
Länge des Fastigiums und der Elytra. Dagegen ist Bolivar's
G. lanceoJata eine gute Art, welche sich besonders durch viel
kürzeres Fastigium und längere Antennen auszeichnet. Die
Färbung der Hinterschenkel der G. laiiceolata stimmt mit den mir
vorliegenden Exemplaren des G. gladiator überein (Westwood
und Brancsik geben darüber nichts an), doch besitzen wir
auch einige Exemplare mit innen einfarbigen Schenkeln (wohl
nicht ausgefärbt?). Auch die Form des Vertex variiert ein wenig.
Stets ist er oben in der Mitte gefurcht. Diese Furche verläuft
gewöhnlich ganz gerade bis zur Spitze; doch ist sie bei einem
Exemplar von Mongalla etwa 2 mm vor der Spitze stark
winkelig (zirka 135°) nach vorne abwärts geknickt. Diese Form
ist immerhin auffallend, doch halte ich sie nur für eine zufällige
Orthopterenfauna des Sudans. «30o
Variation. Die mir vorliegenden Stücke stammen aus Chartum
(Coli. Br. V. W.); Khor Attar, Mongalla und Gondokoro (leg.
Werner). Übrigens scheint die Art im tropischen Afrika weit
verbreitet zu sein; zuerst wurde sie von der Sierra Leone be-
schrieben (VVestwood).
Genus: Xenippa Stäl.
50. X. viridulaStal 1878.
Chartum (Coli. Br. v. W.).
Genus: Mesops Serv.
*51. M. abbreviatus (Pal-Beauv. 1905).
Mongalla (leg. Werner).
*52. M. laticornis Kr. 1877.
Gondokoro, Khor Attar, Ru'alla (leg. Werner).
Sonstige Verbreitung: Deutsch-Ostafrika, Natal, Senegal,
Hö, Congo (Coli. Br. v. W.); Senegal, Sierra Leone, Zanzibar,
Dar es Salem, Südafrika (Mus. Caes. Vind.).
*53. M. filum Bol. 1890.
Ru' alla, Gondokoro, Mongalla (leg. Werner); Duque de
Bragan9a (Bolivar Orth. Afr. Mus. Lisb., 1890, p. 216).
Genus: Cyrtacanthacris Walk.
Walker, Cat. Derm. Salt., III, p. 550.
»This genus is distinguished by the curved and oblique
prosternal spine, which in the typical species extends to the
fore border of the mesosternum.'^<
Mit Unrecht wurde diese Gattung daher von Kirby und
Karsch auch auf die Arten mit geradem Prosternalzapfen aus-
gedehnt, um so mehr als für dieselben der bedeutend ältere
Name Locusta L. zu gebrauchen ist.
54. C. ruficornis (Fab. 1793).
Acridiiim riificorne Serv., Hlst. nat. Orth., p. 643.
Burm., Handb. Ent., p. 630.
Chartum (Coli. Br. v. W.); Gondokoro (leg. Werner).
304 H. Karny,
55. C. aeruginosa (Burm. 1839).
Acridium aeruginosum Burm., Handb. Ent., p. 630 (sec. Br.).
» {Acridium) tartaricum Stäl ^an Linne??).
Chartum (Coli. Br. v. W.).
56. C. angulifera (Kr. 1877).
Acridium anguliferitm Kr., Senegal, 1877, p. 3.
Sudan (Marno 1873, Coli. Mus. Caes. Vind., Krau.ss 1. c.
p.3).
Genus: Locusta L.
Ich sehe als Type dieser Gattung Grylhis (Locusta) aegyp-
titis L. (=: tartariciis haud L., Kr. etc.) an, da diese Art eigent-
lich von Locusta erst durch Kirby 1890 getrennt wurde; denn
Acridium, das bisher immer als Gattungsname für diese Art
gebraucht wurde, r= Bulla L. + Locusta L. und muß aber für
Bulla part. (r= Tetrix) gebraucht werden. Erst Kirby (und mit
ihm Karsch) trennte aegyptia von Locusta, indem er als Type
der Gattung niigratoria ansah, obwohl diese Art von Fieber
zur Type von Pachytylus gemacht worden war und obwohl für
aegyptia überhaupt kein verwendbarer Name vorlag, denn
Cyrtacanthacris Walk, (cf.), den Kirby dafür gebraucht, darf
nur für die Arten mit gebogenem Prosternalzapfen verwendet
werden.
Syn.: Gryllus (Locusta) L. 1758.
Acrydium Geoffr. 1762.
Acridium auct.
Walk. 1870.
Cyrtacanthacris Kirby 1 890, Karsch.
Delenda Cyrtacanthacris W alk. 1870.
A: Pronoto breviore, magis constricto. Elytris alisque per-
longis: Subgenus Orthacanthacris Karsch 1896.
Orthopterenfauna des Sudans. 305
f 57. O. "Wernerella n. sp.
Rufo-cinerea, antennis nigris; pronotum maculis nonnullis,
punctiformibus fuscis, femoribus posticis superne indistincte
trifasciatis, tibiis posticis violaceis, spinis apice nigris instructis.
Fastigium verticis late sulcatum, in costam frontalem, inter
antennas convexam, subtiliter punctatam, infra ocellum sulca-
tam, transiens. Pronotum tectiformiter carinatum carinä an-
terius valde, posterius minus declivi, sulco primo indistincte,
sulcis 2. — 4. profunde incisä, postice rotundato-angulatum.
Tuberculum prosternale parum recurvum, conicum. Eiytra
perlonga, fusco-variegata. Alae plus dimidio basali nigro-
nitido, exceptä ipsä basi hyalinä vel violaceo-vitreä, apice
maculis irregularibus nigris ornatae.
cf 9
Long, corporis 40 — 46 52 — 61
^ pronoti 8 '5— 9 10—12
» elytrorum . . . .44 — 51 57—64
» fem. post 22—25 27—31
Patiia: Gondokoro (leg. Werner).
Die neue Art unterscheidet sich von der südafrikanischen (!)
moesta (Serv.) durch dunklere und deutlichere Zeichnung der
Hinterflügel, durch das hinten abgerundete Pronotum und den
spitzeren, etwas nach rückwärts gebogenen Prosternalfortsatz.
In der Färbung der Hintertibien stimmt sie oft mit moesta üher-
ein, doch ist dies nicht konstant. Von hiimilicrns (Karsch)
unterscheidet sie sich durch die an der Basis glashellen Hinter-
flügel, die gefleckten Eiytra und den etwas mehr abgerundeten
Hinterrand des Pronotums. Im Bau der cf-Genitalien (bei
Jmmilicriis unbekannt) stimmt sie mit Locnsta aegyptia
überein.
Var. nov. sphalera (acpaXspo^; = decipiens).
Differt a forma typica: Colore flavo-testaceo, subunicolore
(exceptis elytris normaliter variegatis), tibiis posticis flavis.
Hanc formam colore aliam speciem esse simulantem a
Wernerella specifice differre non puto.
306 H. Karny,
Patria varietatis: Renk (leg. Werner).
Dedico hanc speciem Dom. Dr. Fr. Werner, orthopterorum
et sedulo collectori et diligenti auctori, qui eam in itinere suo
in Ugandam facto invenit.
B: Pronoto longiore, minus constricto. Elytris alisque
brevioribus : Subgenus Locusta L. 1 758.
f 58. L. Renkensis n. sp.
Luteo-flava, antennis pallidis. Vertex convexus, inter
oculos latus, impresso-punctatus. Frons cum costä lata, haud
sulcatä fortiter impresso-punctata. Pronotum lobo postico brun-
neo, margine postico nigrovariegato, angulato, totum impresso-
punctatum. Carina media brunnea, sulcis tribus incisa. Tuber-
culum prosternale rectum cylindricum, obtusum. Elytra sub-
concolora, abdomen valde superantia. Femora tibiaeque pos-
tica? cT?
9 •
Long, corporis 40
» pronoti 10
» elytrorum 43
Patria: Renk (6. II. 1905, leg. Werner).
Die neue Art ist der Cyrtacanthacris Radama (Branscik)
nicht unähnlich, aber durch den Genuscharakter leicht zu
unterscheiden (Form des Prosternalzapfens!). Von den bisher
beschriebenen Loctista- Ax-ien dürfte ihr decipiens (Karsch)
am nächsten stehen. Sie ist jedoch bestimmt von ihr ver-
schieden, wie vor allem an der abweichenden Färbung der
Antennen und der viel geringeren Größe der Renkensis zu er-
sehen ist. Wären die Hinterbeine und das cf bekannt, so ließen
sich gewiß noch auffallendere Unterschiede angeben.
59. L. aegyptia (L. 1764).
Gryllns Aegypttus L. 1764. Mus. Ludw. Ulr., p. 138.
» Tartaricus Cyrill. (nee. L.), Ent. Neap., tab. H, Fig. 1.
» lincola Fab., Ent. Syst., IL
Orthopterenfauiia des Sudans. 307
Acridium Tartaricum Fisch., Fr. Oith. Eur., 1853, p. 388.
» Aegyptium Stäl, Rec. Orth., I, 1873, p. 63.
> » Br. V. W., Prodr. eur. Orth., p. 213.
Nubien (Coli. Mus. Caes. Vind., leg. Marno 1871).
Mir ist diese echt mediterrane Art sonst nur aus der palä-
arktischen Region bekannt. In Afrika wird sie weiter südlich
durch Orthacanthacris- Arten ersetzt (Wernerella: ägyptischer
Sudan, Nord-Uganda, htmiiUcrus: Sklavenküste, moesta : Süd-
afrika), mit denen sie auch im Bau der cf -Genitalien (soweit die-
selben bekannt) übereinstimmt.
Genus: Schistocerca Stäl.
60. S.peregrina (Ol. 1807).
Acridhiin peregrinwn Ol. 1807. Voy. Emp., Ottom., II, p. 424.
flaviventre Burm. 1839. Handb. Ent., 11, p. 631.
Gryllus rttfescens Thunb., Mein. Ac. St. Petersb., V, p. 245.
Acridium (Schistocerca) peregrinum Stäl 1873. Rec. Orth., I, p. 65.
Schistocerca peregrina Br. v. W., Prodr. eur. Orth., p. 215.
Chartum, Sennaar (Coli. Br. v. W.).
Diese Art ist über fast alle tropischen Länder verbreitet
und dürfte jedenfalls aus der neotropischen Region stammen
und über den Atlantischen Ozean nach Afrika eingewandert
sein; es wurden auch schon wiederholt Exemplare im Atlan-
tischen Ozean gefangen (Coli. Br. v. W.). In Europa ist im
Prodromus als ihr nördlichstes Vorkommen Corfü angegeben.
Später erwähnt sie Padewieth aus dem kroatischen Litorale
(det. Kraussü) und, wie mir Herr Nußbaumer mitteilt, soll sie
auch bei Cattaro (allerdings sehr selten) gefunden worden sein.
Genus: Phyxacra nov.
('^ö^'.? = fuga, axp'.g = lociista.)
Genus novum vic. Locustae et Coptacrae.
Typus: Coptacra variolosa Kr.
Habitus generis Locustae.
Statura majore. F'astigium verticis latitudine oculorum an-
gustius. Costa frontalis recta, intervallo oculorum haud latior.
Sitzb. der mathem.-naturw. Kl. ; CXVI. Bd., Abt. I. 2 1
308 H. Karny,
Oculi globosi, a supero visi parum obliqui. Antennae filiformes,
ante apicem haud ampliatae. Pronotum carinis lateralibus
nuUis, haud cristatum, sulcis transversis parum profundis.
Elytra genua postica et apicem abdominis superantia, macula
nigro-nitida nulla. Tuberculum prosternale subobtusum. Lobi
mesosternales, retrorsum convergentes, margine interiore sub-
recto. Femora postica valde incrassata, margine dorsali di-
stincte serrulato.
Kraus s hat seine Ph. vario/osa ins Genus Coptacra gestellt.
Mir liegt die Krauss'sche Type vor, doch kann ich mich nicht
entschließen, sie mit Coptacra zu vereinigen. Vielmehr scheint
mir die Begri^indung einer neuen Gattung gerechtfertigt, und
zwar steht dieselbe meiner Ansicht nach der Locusta min-
destens ebenso nahe als der Coptacra; endgültig wird sich
darüber allerdings erst entscheiden lassen, wenn cf d" bekannt
sein werden.
-j-61. Ph. coerulans n. sp.
Robusta, luteo-ferruginea, parce fusco maculata; caput cum
thorace eroso- et atropunctatum; fastigium valde declive, a ver-
tice carinula transversa sejunctum, haud excavatum, obtu-
sissimum; carinae frontales distinctae. Pronoti dorsum valde
rotundatum, carina media sulcis 3 distinctis incisa, antice haud,
postice angulato-productum. Elytra post medium striis irregu-
laribus circiter 3 valde indistinctis ornata, praeterea unicolora,
abdomen et genua postica superantia, apice oblique truncata;
alae basi laete eoerulescentes, apice hyalinae. Abdomen superne
coeruleum. Femora uti in variolosa Tibiae posticae pilosae,
roseo-violaceae, spinis flavis, apice nigris instructa. Statura
variolosae.
Von Ph. variolosa besonders durch das vorne nicht vor-
gezogene und mit tieferen Querfurchen versehene Pronotum, die
blauen Hinterflügel und das oben blaue Abdomen zu unter-
;scheiden.
1 9 von Gondokoro (16. IIl. 1906 leg. Werner).
{Variolosa ist meines Wissens nur vom Senegal [1 9] be-
kannt.)
Orthopterenfauna des Sudans. 309
Genus: Epistaurus Bol.
-j-62. E. Bolivari n. sp.
Flavus. Vertex cruciatim carinatus. Costa frontalis plana,
subtiliter punctata, inter antennas dilatata, ad fastigium valde
coarctata. Pronotum antice distincte, postice triangulariter pro-
ductum, carina media cristulato-elevata, lateraliter compressa,
sulco tantum postico incisa. Elytra flava, striis transversis
circiter 6 obscuris, apice oblique truncata, femora postica valde
superantia. Alae succineae. Femora postica cum tibiis flava.
?
Long, corporis 17
» pronoti 4
» elytrorum 17
» fem. post. 10
Dedico hanc speciem Dom. J. Bolivar, clarissimo ortho-
pterologo Hispanico, qui hoc genus instituit eiusque duas species
africanas necnon unicam indicam descripsit.
Die neue Art unterscheidet sich von den bisher bekannten
durch ihre hellere Färbung, den höheren Mittelkiel des Pro-
notums und die längeren Elytra.
1 ? von Gondokoro (14. III. 1905 leg. Werner).
Genus: Catantops Schaum.
Von dieser Gattung befinden sich in der Dr. Werner'schen
Ausbeute allerdings nur 5 Arten. Da jedoch bisher schon über
50 beschrieben waren, wozu dann noch eine ganze Anzahl
unbeschriebener der Coli. Br. V. W. kamen, eine Übersichts-
tabelle — abgesehen von den zwei kleinen Tabellen Karsch's,
welche jedoch nur die Arten eines ganz beschränkten Gebietes
umfassen — aber bisher meines Wissens noch nicht existiert,
sah ich mich veranlaßt, diese Gattung einer genaueren Revi-
sion zu unterziehen. Als Unterscheidungsmerkmal ist hier die
Färbung nicht zu unterschätzen ; sie wurde auch der Be-
stimmungstabelle zu Grunde gelegt. Die Sexualdiff'erenzen sind
sehr schön ausgeprägt und zur Trennung der Arten gut ver-
21*
310 H. Karny,
wendbar; ich habe sie deshalb auch bei den von mir beschrie-
benein Arten immer deutlich hervorgehoben. In derBestimmungs-
tabelle legte ich ihnen jedoch nur einen untergeordneten Wert
bei, da sie einerseits nur das Bestimmen der (^(^ ermöglichen,
andererseits bei den Arten, von welchen wir nur ? ? besitzen
oder die uns überhaupt fehlen, mir, falls sie in den Beschrei-
bungen (wie z. B. bei Stäl) nicht angegeben wurden, überhaupt
nicht bekannt sind.
Was die Umgrenzung der Gattung betrifft, so habe ich die
4 Anthernms- Arien Bolivar's, welche nach Kar seh auch
hieher gehören, nicht aufgenommen, weil ich sie nicht durch
Autopsie kenne. Den Poecilocerus cylindricollis Schaum, den
Kr aus s neuerdings in das Genus Orbillns verweisen will,
habe ich, wie es bisher üblich war, hier belassen.
Dispositio specierum.
1. Femora postica vittis longitudinalibus sulphureis nullis.
2. Pronotum vitta longitudinali mediana nigra, carina mediali
pallidiore divisa, ornatura. Species africanae . . .1. Gruppe.
3. Elytra alaeque nee apicem abdominis nee genua po-
stica attingentia i. C. abbreviatiis n. sp.
3.3. Elytra alaeque apicem abdominis et genua postica
attingentia vel superantia.
4. Femora postica extus serie macularum nigrarum ornata.
5. Margines loborum pronoti lateralium maculis
nigris ornati 2. C. jmtidus Kars eh.
5.5. iMargines loborum pronoti lateralium maculis
i^ullis 3. C. inephis Kars eh.
4.4. Femora postica extus serie macularum nigrarum
nulla.
5. Elytra maculata.
6. Elytra vitta longitudinali nigra et maculis seriatis
oi'nata 4. C. regalis n. sp.
6. 6. Elytra maculis nigris ornata, vitta longitudinali
nulla.
7. Statura majore. Elytra campo discoidali et
anali maculis nigris ornata
5. C. optilentns Ka.v seh.
Orthopterenfauna des Sudans. 311
7. 7. Statura mediocri. Elytra campo anali ma-
culis nullis 6. C. pauperahis n. sp.
5. 5. Elytra immaculata, viridifusca, campo anali
flavescente 7 . C. lucrosus Kar seh.
2.2. Pronotum vitta longitudinali mediana nulla.
3. Femora postica area externomedia unicolora vel medio
infuscata II. Gruppe.
4. Tibiae posticae sanguineae.
5. Elytra genua postica attingentia. Species africana
8. C. riifipes n. sp.
5. 5. Elytra genua postica valde superantia Species
asiaticae.
6. Elytra apice oblique truncata
9. C. praemorsus (Stäl).
6. 6. Elytra apice rotundata.
7. Prosterni tuberculum lateraliter compressum,
retrorsum recurvum. 10. C. inftiscatns (Haan).
7. 7. Prosterni tuberculum rectum, cylindricum
11. C. splendens (Thunb.).
4. 4. Tibiae posticae testaceae vel griseae vel violaceae
vel coeruleae vel virescentes, numquam sanguineae.
5. Tibiae posticae griseae, annulo lato basali testaceo
ornatae vel totae testaceae vel fuscae.
6. Tibiae posticae fuscae vel testaceae, annulo
nullo.
7. Femora postica extus pone medium distincte
infuscata. Species asiatica
IIa. C. splendens \ax. paUipes m.
7. 7. Femora postica extus concolora vel obsolete
fusco-conspersa. Species africanae.
8. Femora postica carinä media dorsali nigro-
punctatä. Femora 4 anteriora cf incrassata
. 12. C. taeniolatus Kar seh.
8. 8. Femora postica carinä media dorsali con-
colore. Femora 4 anteriora cf haud
incrassata.
9. Elytra genua postica attingentia. Tibiae
posticae fuscae 13. C.fuscipes n. sp.
312 H. Karny,
9. 9. Elytra geniia postica distincte supe-
rantia. Tibiae posticae testaceae.
10. Antennae nigro-fuscae vel obscure
annulatae.
1 1 . Antennae nigro - fuscae. Elytra
rufo-testacea: lA.C.nigricornisn. sp.
1 1. 1 1. Antennae obscurae annulatae.
Elytra pallide testacea
15. C. ntidiilus Kars eh.
10. 10. Antennae pallidae, unicolores.
U.Pronoti dorsum pallidum. Femora
postica intus concolora
16. C. pallens n. sp.
1 1. 1 1. Pronoti dorsum infuscatum.
Femora postica intus plagä
magna nigra ornata
17. C digitatns Bol.
6. 6. Tibiae posticae sordide griseo-testaceae, annulo
basali lato pallido. Species africanae.
7. Statura minore. Pronoti dorsum unicolor.
Femora postica intus maculis 4 nigris ornata
18. C. decoratus Gerst.
7. 7. Statura majore. Pronoti dorsum pone medium
leviter infuscatum. Femora postica intus
subtota nigra 19. C. major n. sp.
5. 5. Tibiae posticae coeruleae vel violaceae vel viri-
dulae, annulo lato basali pallido nullo.
6. Spatium intraoculare antennis distincte latius.
Species africanae.
7. Statura majore. Colore viridiflavo nel viridi-
fusco, genubus posticis nigrosignatis.
8. Viridiflavus. Tibiae posticae virescentes vel
violaceae 20. C. vaiius Kars eh.
8. 8. Viridifuscus. Tibiae posticae laete coeru-
leae 21. C. viridiilus n. sp.
7. 7. Statura minore. Colore fusco, lateribus palli-
dis, genubus posticis concoloribus
22. C. cyanipes n. sp.
Orthopterenfauna des Sudans. o lo
6. 6. Spatium intraoculare antennis aeqiiilatum.
Species asiaticae.
7. Elytra apicem ahdominis pariim superantia,
Cerci cf apicem versus attenuati, subacuminati,
haud bifidi 23. C. ophthalmictis n. sp.
7. 7. Elytra apicem abdominis longe superantia.
Cerci cf apicem versus attenuati, apice ipso
breviter bifido 24. C angtistuhis Bol.
3. 3. Femora postica area externomedia maculis vel vittis
distinctis nigris vel fuscis ornata.
4. Femora postica area externomedia ad carinam supe-
riorem vel inferiorem vitta longitudinali lata fusca vel
nigra plus dimidio femoris occupante ornata
III. Gruppe.
5. Femora postica extus dimidio inferiore vitta nigra
ornata (intus sanguineae, tibiis sanguineis). Species
indica 25. C. foedatns (Serv.).
5. 5. Femora postica extus vitta longitudinali nigra vel
fuscä per totam longitudinem vel saltem parte
apicali carninam superiorem attingente ornata.
Species africanae.
6. Tibiae posticae sanguineae vel flavo-testaceae
vel dilute olivaceae, numquam coeruleae.
7. Tibiae posticae sanguineae.
8. Femora postica intus sanguinea, maculis
nigris 2 ornata. Species Africae meridionalis
26. C. vittatus Kirby.
8. 8. Femora postica intus testacea, maculis
nigris 3 ornata vel subtota nigra. Species
Africae orientalis . .27. C. fasciatus n. sp.
7. 7. Tibiae posticae testaceae vel dilute olivaceae.
8. Lobi laterales pronoti margine inferiore haud
vel parum pallidiore. Femora postica intus
vitta longitudinali perlata obscura ornata.
9. Elytra femora postica vix attingentia.
Pronotum sulcis transversis concoloribus,
margine loborum lateralium parum palli-
diore. Femora postica extus vitta lata
314 H. Karny,
fusca mediana, solum in parte apicali
carinam superiorem attingente ornata
28. C. exigujis n. sp.
9. 9. Elytra femora postica distincte supe-
rantia. Pronotum pallidum, sulcis trans-
versis nigris, praeterea unicolor. Femora
postica extus vitta angusta nigra per
totam longitudinem carinam superiorem
attingente ornata. .29. C. stilcifer n. sp.
Lobi laterales pronoti fusci, margine
testaceo. Femora postica intus maculis
nigris ornata.
9. Colore pallidiore. Pronoti lobi laterales
dimidio anteriore macula fusca retrorsum
distincte finita picti. Femora postica
intus maculis plerumque sese attingenti-
bus ornata.
10. Caput ante oculos prominens pronoti
dorsum ubique sat dense et distincte
punctatum. Femora postica extus
vitta percurrente instructa
30. C. liumeralis (Thunb.).
10. 10. Caput ante oculos obtusius, pronoti
dorsum ante medium remote, post
medium dense punctatum. Femora
postica extus vitta utrinque abbre-
viata instructa
31. G distinguendus (Stäl).
9. 9. Colore obscuriore. Lobi laterales pronoti
macula fusca per totam longitudinem
extensa vel retrorsum sensim palles-
cente picti. Femora postica intus macu-
lis a sese distincte divisis ornata.
10. Statura parum minore. Lobi laterales
pronoti macula fusca post sulcum
ultimum sensim pallescente ornati.
Tibiae posticae pallide testaceae
32. C. ntacnlaUis n. sp.
Orthopterenfauna des Sudans. 315
10. 10. Staturaparum majore. Lobi laterales
pronoti excepto margine inferiore,
flavo toti fusco-nigri. Tibiae po-
sticae luteo-testaceae
33. C. marginatiis n. sp.
6. 6. Tibiae posticae coeruleae: 34. C. obscurus n. sp.
4. 4, Femora postica area externomedia vitta longa longi-
tudinali nulla.
5. Femora postica transverse fusco-fasciata, fasciis
saltem trans medium areae externomediae perductis
IV. Gruppe.
6. Lobi laterales pronoti macula nigra abbreviata
ornati, margine antico anguste, postico late sed
dilute pallido. Species africanae.
7. Femora postica area externomedia vitta lata
fusca, ante medium ramulum latum ad medium
carinae superioris emittente ornata. Cerci cf
compressi, curvati, apice bifido
35. C. bifidiis Karsch.
7. 7. Femora postica area externomedia maculis
transversis 2 vel 3 ornata. Cerci cf haud
bifidi.
8. Tibiae posticae griseae, annulo basali flavo
ornatae 36. C. mellitus Karsch.
8. 8. Tibiae posticae annulo nuUo.
9. Laminasupraanalis cf pone medium carinä
transversa distinctä instructa. Femora
postica area externomedia maculis 2
ornata.
10. Macula anterior femorum posticorum
areae externomediae superne angusta,
deinde subito rotundato-dilatata. Cerci
valde dilatati
37. C. melanostidiis Schaum.
10. 10. Macula anterior femorum posti-
corum areae externomediae ovalis.
Cerci cf minus dilatati
38. C. decipiens Karsch.
316 PL Karny,
9. 9. Lamina supraanalis cT carina trans-
versa nulla. Femoraposticaareaexterno-
media maculis 3 (duabus anticis
interdum confluentibus) ornata.
10. Lobi metasternales cf 9 contigui.
Cerci ^f apice dilatati
39. C. asthmaticiis Kar seh.
10. 10. Lobi metasternales d" 9 haud con-
tigui. Cerci cf apice acuminati
40. C mimtilns Kars eh.
6. 6. Lobi laterales pronoti eoneolores vel superne
vitta longitudinaii obseura per totam longi-
tudinem extensa ornati.
7. Alae hyalinae vel parum infuscatae.
8. Maculae femorum postieorum subdilutae
vel confluentes 41. C. Karschi n. sp.
8. 8. Maculae femorum postieorum distinctae
et separatae.
9. Prosterni tubereulum leviter retroflexum,
apice inflatum, transverse obtusum, inter-
dum bilobum. Species Madagassae et
Africae orientalis.
10. Elytra apieem abdominis valde supe-
rantia. Tibiae posticae pallidae vel
dilute sanguineae
42. C. sacalava Branesik.
10. 10. Eh^tra apieem abdominis parum
superantia.
11. Pronoti discus coneolor. Tibiae
posticae laete sanguineae
43. C. stenocrobyloides n. sp.
1 1. 11. Pronoti discus pallide griseus,
fascia longitudinaii mediana ob-
seura distincta. Tibiae posticae
sordide fusco-luteae
44. C. Malagassiis n. sp.
9. 9. Prosterni tubereulum rectum vel sub-
rectum apice obtusum, haud inflatum,
Orthopterenfauna des Sudans. öl 7
numquam bilobum. Species africanae
et indicae.
10. Tibiae posticae fuscae vel nigrae,
annulo basali distincto pallido in-
structae. Statura majore.
11. Pallide ochraceus. Species indica
45. C. mterrtiptus Bol.
11. 11. Fuscus vel fusco-testaceus. Spe-
cies africana
46. C. mintilipes Stäl.
10. 10. Tibiae posticae pallidae vel san-
guineae, annulo distincto nullo.
Statura mediocri vel minore.
ll.Cerci cf compressi, apicem versus
angustati et introrsum curvati, apice
sinuati, subdentati. Species africana
47. C. cephalotes Bol.
11.11. Cerci cf graciles, elongati, apicem
versus introrsum curvati, apice
acuminati. Species indo-australes.
12. Area externomediafemorum posti-
corum carina inferiore tota vel
subtota nigro-maculata
48. C. pulchellns n. sp.
12. 12. Area externomedia haud vel
prope apicem solum nigro-
maculata.
13. Area externomedia femorum
posticorum fasciis transversis
carinam inferiorem attingen-
tibus ibique fortiter dilatatis
49. C. Mmilis (Serv.).
13. 13. Area externomediafemorum
posticorum fasciis trans-
versis carinam inferiorem
haud vel vix attingentibus,
haud dilatatis
50. C. intermednis Bol.
318 H. Karny,
7. 7. Alae basi saltem citreae vel luteae. Species
indo-australes.
8. Pronotum concolor vel lobis lateralibus
subtus pallidioribus
5 1 . C.papuamis B r a n c s i k.
8, 8. Pronotum lateribus vitta longitudinali
utrinque sulphurea
52. C. speciostis B r a n c s i k.
5. 5. Femora postica supra fusco-fasciata, fasciis haud
ultra medium areae externomediae continuatis
vel area externomedia maculis vel punctis mino-
ribus nigris ornata V. Gruppe,
6. Elytra apicem abdominis attingentia vel supe-
rantia.
7. Fuscus vel testaceus, alis hj^alinis vel flavis
vel coeruleis.
8. Tibiae posticae annulo nullo.
9. Femora postica supra fusco-fasciata, faciis
in area externomedia breviter continuatis.
10. Species indo-chinenses. Statura plus
minus minore; femora postica supra
dilute fasciata.
11. Elytra apicem abdominis haud su-
perantia. Lobi laterales pronoti ma-
cula longitudinali nigra
53. C aberrans n. sp.
11. 11. Elytra apicem abdominis distincte
superantia. Lobi laterales pronoti
macula nigra nulla.
12. Cerci cf graciles, apice acumi-
nati.
13. Fasciae superiores femorum
posticorum in area externo-
media oblique continuatae, sub-
tus interruptae. Tibiae posticae
rufae . .54. C. actäicercns Bol.
13. 13. Fascia anterior femorum
posticorum in area externo-
Orthopterenfauna des Sudans. 319
media brevissime, posterior
haud perducta. Tibiae po-
sticae üavo-testaceae
55. C. consohrinus n. sp.
12. 12. Cerci cf apice haud acuminati.
13. Fascia anterior femorum po-
sticorum in area externomedia
iisqiie ad medium perducta.
Cerci c? apice parum dilatati^
obtusi . . .56. C.phigiiis (Stäl).
13. 13. Fascia anterior femorum
posticorum in area externo-
media brevissime perducta.
Cerci cT apice triangulariter
compresso-dilatati
57. C. indicus Bol.
10. 10. Species africanae. Statura plerum-
que majore; femora postica supra
distincte fasciata.
11. Cerci cT graciliores, sensim rotun-
dato-incurvi. Species Africae orien-
talis.
12. Statura minore. Cerci cf apicem
versus attenuati, apice ipso
subacuminati. Species Aldabra-
insularum: 58. C. insulantisn. sp.
12. 12. Statura majore. Cerci cT
apice plus minus triangula-
riter dilatati, recto- vel sub-
emarginato-truncati; species
zanzibarensis et somalica
59. C. Bvnimeri n. sp.
11. 11. Cerci cf crtissi, parte apicali fere
rectangulato-incurvi, apice per-
obtusi. Species senegalensis
60. C. axillaris (Thunb.).
9. 9. Femora postica fasciis superioribus in
area externomedia haud continuatis.
320 H. Karny,
sed hac maculis 1 — compluribus or-
nata. Species africanae.
10. Area externomedia femorum posti-
corum ad carinam superiorem pone
medium macula longitudinali nigra
ornata, praeterea unicolor.
ll.Statura majore. Cerci cf crassi,
parte apicali fere rectangulato-in-
curvi, apice perobtusi
61. C. saticius (Burm.).
11. 11. Statura mediocri. Cerci cT graci-
liores, sensim rotundato-incurvi,
apice bifurcati: 62. C. styl if er Kr.
10. 10. Area externo-media femorum po-
sticorum maculis ad carinam infe-
riorem vel media in area sitis (plu-
ribus quam unica) ornata.
11. Statura exigua: 9 haud plus quam
21 mm; cf ignotum.
12. Statura graciliore. Area externo-
media maculis orbicularibus 2
usque ad 3 nigris ornata, carina
inferiore unicolore. Species suda-
nensis .... 63. C. minimtis n. sp.
12. 12. Statura robustiore. Area ex-
ternomedia macula unica pro-
pe apicem instructa et prae-
terea carina inferiore nigro-
maculata. Species Africae
meridionalis:64.C.^/<?g'c7«5n.sp.
11.11. Statura mediocri. cf cf noti.
12. Cerci cf apice bifurcati. Corpus
anticum cum pedibus setosum
65. C. villosns Kar seh.
12. 12. Cerci cf haud bifurcati. Corpus
anticum cum pedibus nudum
vel molliterpilosum,numquam
setosum.
Orthopterenfauna des Sudans. 321
1 S.Cerci cfapice obtusi,haiid dilatati.
14. Area externomedia carina
inferiore concolore
66. C. Kratissi n. sp.
14. 14. Area externomedia ca-
rina inferiore nigro-va-
riegata 67. C.
haeniorrhoidalis Kr.
13. 13. Cerci cf apice subelavato,
clava subcompressa, poste-
rius impressione subovali
instructa
68. C. notatns Kars eh.
8. 8. Tibiae posticae prope basin pallide annu-
latae.
9. Tibiae posticae sordide testaceae vel
griseo-fuscae.
10. Femora postica supra fusco-fasciata,
fasciis in area externomedia breviter
continuatis 69. C. exstil n. sp.
10. 10. Femora postica area externomedia
maculis 1 — compluribus separatis
ornata.
11. Femora postica area externomedia
macula nigra unica ornata.
12. Macula femorum posticorum orbi-
cularis, fere in centro areae me-
dianae posita. Alae hyalinae vel
pallide purpureae
70. C. soJitarhis Kar seh.
12. 12. Macula femorum posticorum
dimidio apicaH ad carinam
inferiorem posita. Alae coe-
ruleae : 7 1 . C. Wernerelhts n. sp.
11. 11. Femora postica extus maculis
2 — compluribus nigris.
12. Alae h3^alinae
72. C. praeuioiistrator Kars eh.
322 H. Karny,
12. 12, Alae luteae
73. C. signattts Kars eh.
9. 9. Tibiae posticae sanguineae.
10. Tibiae posticae sparse obscure macu-
latae, annulo pallido plus minus indi-
stincto. Alae hyalinae, margine anali
pallide flavae: 74. CniodiciisKsiVsch.
10. 10. Tibiae posticae annulo basali flavo
et praeterea maculis 2 flavis orna-
tae. Alae coeruleae
75 C.urania Kirby,
7. 7. Virescens, aus roseis vel purpureis
76. C. comis Kar seh.
6. 6. Elytra abdomine multo breviora
77. C. debil IS Kr.
1.1. Femora postica vittis longitudinalibus sulphureis ornata
VI. Gruppe.
2. Alae violaeeae 78. C. pompaJis Karsch.
2. 2. Alae miniatae vel purpureae.
3. Alae miniatae. Meso- et metathorax latere viridiflavo
79. C. cylmdricollis (Schaum).
3. 3. .Alae purpureae. Meso- et metathorax latere nigro, ma-
eula vittaque sulphurea instructo: 80. C. ornatus n.sp.
Deseriptiones.
Catantops abbreviatus n. sp.
Fuscus, antennis nigris. Occiput et pronotum vitta longi-
tudinali et utrimque laterali nigra ornatum, Elytra fortiter ab-
breviata, nee apicem abdominis, nee genua postica attingentia,
fusea, pone medium vitta longitudinali nigra et ante eam ma-
culis irregularibus cireiter 4 nigris ornata. Alae elytris vix bre-
viora, infuscata. Prosterni tuberculum cylindricum, apice ob-
tusum. Lobi meso- et metasternales late distantes. Abdomen
fuscum, superne utrinque testaceum, medio nigrum. Femora
postica fusca, area externomedia ad carinam superiorem et
medio vittis parte apieali eonfluentibus longitudinalibus nigris
ornata. Tibiae posticae nigrae, spinis fuscis.
Orthopterenfauna des Sudans. 323
9
Long, corporis 24 — 26
» pronoti 6 — 7
» elytrorum 10 — 12
» fem. post 14.
Patria: Port Natal (Coli. Br. v. W., Nr. 6748).
Den Vergleich mit den verwandten Arten kann ich mir
wohl erlassen, da er ja schon durch die obige »Dispositio spe-
cierum« gegeben ist. Das cT dieser Art ist mir unbekannt.
Catantops putidus Kars eh.
Catantops putiätis K&v seh. 1896. Stett. Ent. Zeitschr., p. Sl.'S.
» » Karsch 1900. Ent. Nachr., Berl. p. 5.
Patria: Nyassa, Milanji (Karsch 1. c). Von demselben
Fundorte stammen 2 9 9 und 1 cf der Coli. Br. v. W. von
Staudinger, die als ineptns bezeichnet waren, aber bestimmt
hieher gehören.
Der oben zitierten Beschreibung Kars ch's habe ich nichts
hinzuzufügen.
Catantops ineptus Karsch.
Karsch, 1896, p. 315; 1900, p. 5.
Patria: Nyassa, Milanji (Karsch).
Diese Spezies habe ich selbst nicht gesehen, doch ist sie
nach Kars ch's Beschreibung von den verwandten Arten leicht
zu unterscheiden.
Catantops regalis n. sp.
Fuscus vel fusco-testaceus, antennis nigris. Occiput et
pronotum vitta longitudinali et utrimque laterali nigra ornatum.
Elytra apicem abdominis vix superantia, fusco-testacea, dimidio
basali pone medium maculis 2 — 5 et post iis vitta longitudinali
nigra ornata. Prosterni tuberculum sat brevi, rectum, sub-
acuminatum. Lobi meso- et metasternales late distantes. Femora
postica fusco-testacea, area externomedia carina superiore et
inferiore nigra itemque vitta angusta longitudinali mediana et
carinulis transversis obliquis nigris. Tibiae posticae nigrofuscae.
Cerci cf breves, recti, basi incrassati, apice acuminati.
Sitzb. d. mathem.-naturw. Kl.; CXVI. Bd., Abt. I. 22
324 H. Karny,
c/ ?
Long, corporis 23 28 — 33
» pronoti 5 7 — 7 • 5
» elytrorum . . . . 16 23 — 24-5
» fem. post 12 16—17
Patria: Zanzibarküste (Coli. Mus. Caes. Vind., leg. Stein-
dachner 1888).
Catantops opulentus Kars eh.
Karsch, 1896, p. 314; 1900, p. 4.
Patria: Tanganyika-See (Karsch 1. c).
Mir nur nach der genannten Beschreibung und Abbildung
bekannt.
Catantops pauperatus n. sp.
Testaceus, antennis nigris. Occiput et pronotum vittis
consuetis 3 longitudinalibus nigris ornatum et praeterea lobi
laterales pone medium dilute longitudinaliter vittati. Elytra
apicem abdominis attingentia (9) vel parum superantia (cf),
campo discoidali maculis nigris vel fuscis 1—6 ornata, anali
nuUis. Prosterni tuberculum rectum, parum retrorsum vergens,
cylindricum, apice obtusum. Lobi meso- et metasternales late
distantes. Femora postica pone medium et carinulis transversis
obliquis infuscata, apicem elytrorum genubus attingentia. Tibiae
posticae fuscae. Cerci cf basi crassiusculi, apice acuminati,
parum sinuati.
Long, corporis 20-5 30-5
» pronoti 5 7-5
» elytrorum 16 22
» fem. post 11 17
Patria: Südafrika (Coli. Mus. Caes. Vind., leg. Dr. Penther).
Catantops lucrosus Karsch.
Karsch, Stett. Ent. Zeitschr., 1896, p. 316.
Westafrika: Malange (Karsch 1. c).
Orthopterenfauna des Sudans. 325
Catantops rufipes n. sp.
Testaceo-fuscus. Pronotum dorso unicolore, lobis latera-
libus vitta longitudinali fusca obliqua subdiluta instructis.
Elytra fusca, parte posteriore pallidiore, genua postica attin-
gentia. Alae succineo-fuscae. Prosterni tuberculum parum
obliquum, apice obtusum. Lobi mesosternales cf anguste,
9 sat late distantes, metasternales ö" contigui, 9 subcontigui.
Femora postica extus concolora vel pone medium parum
infuscata, intus nigro-maculata, maculis interdum confluentibus.
Tibiae posticae sanguineae. Cerci cf pilosi, graciles, incurvi,
apice acuminati. Lamina supraanalis cT acute triangularis,
marginibus rotundatis, medio basi sulcata. Lamina subgenitalis
cf lintriformis, apicem cercorum superans.
^ 9
Long, corporis 20 27
» pronoti 4 5'8
» elytrorum 16 20
» fem. post 12 15
Patria : Ukami, Deutsch-Ostafrika (Coli. B r. v. W., Nr. 25. 1 47).
Catantops praemorsus (Stäl).
Acridium (Catantops) praemorsum Stäl, Eug. Res. Omkr. Jord. Ent. Bidr.,
1860, p. 330.
Ich kenne diese Art nur nach der Beschreibung Stäl's,
über ihre systematische Stellung bin ich mir daher nicht ganz
im klaren. Am ehesten dürfte sie hieher zu stellen sein;
vielleicht ist sie aber mit einer anderen Art (splendens?) synonym.
Stäl vergleicht sie 1860 mit foedahts, in der Rec. Orth., 1873,
führt er sie überhaupt nicht mehr an.
Patria: Hongkong (Stäl).
Catantops infuscatus (Haan).
Acridium (Oxya) infuscatmn Haan, Bijdr. Kenn. Orth., 1840, p. 156.
Catantops infuscatus Haan? Hol., Ann. Mus. Civ. Genova, 1898, p. 101.
Ich folgte in der Deutung dieser Art der Ansicht Bolivar's
(1. c).
Patria: Borneo, Celebes (Haan), Neu-Guinea (Bolivar).
22*
326 H. Karny,
Catantops splendens (Thunb).
Syn. : Acridum luteolum Serv., Hist. nat. Orth., 1839, p. 661.
Die zitierte Beschreibung Serville's ist ganz gut, doch
muß ich sie noch durch Anführung der cf Geschlechtscharaktere
ergänzen :
Cerci cT graciles, acuminati, nonnihil incurvi. Lamina
supraanalis cf sulco longitudinali distincto ultra dimidium
basale extenso, marginibus lateralibus sat sinuatis, apice acumi-
nata. Lamina subgenitalis cf elongato-lintriformis, acuminata,
dimidio apicali nonnihil lateraliter compressa.
Var. pallipes m. Tibiis posticis flavo-testaceis. — Promiscue
cum forma typica.
Var. vitrea m. Alis hyalinis, haud luteis. — Patria: An-
damanen (Coli. Mus. Caes. Vind.).
Für diese Art ist die verschwommene rauchige Längs-
binde in der Mitte der Außenfläche der Hinterschenkel recht
charakteristisch, kann aber auch mitunter fehlen. Bei den
angeblich aus Brasilien stammenden Exemplaren ist dieses
Band durch eine vogelfederartige Zeichnung ersetzt, indem
hier auch die schiefen Querkielchen der Außenfläche etwas
dunkler sind.
Patria: Java (Serville), Birma, Ceylon, Sumatra, Java,
Borneo, Celebes, Penang, China, Philippinen, Aru (Br. Rev. S3Ast.
Orth.),Amboina,Amoy, Nord-iMolukken, Halmahera, Insel Buru,
Palawan, Samarang, Brasilien (Coli. Br. v. W.), Nikobaren,
Hinterindien (Coli. Mus. Caes. Vind.).
Catantops taeniolatus Kar seh.
Karsch, Springh. Bergl. Adeli, 1893, p. 100.
Patria: Bismarckburg Adeli (Karsch 1. c).
Die Außenfläche der Hinterschenkel ist nach Karsch
nicht immer ganz einfarbig, sondern zuweilen durch ein
schwarzes Fleckchen eine Strecke vor der Vereinigung der
beiden Grenzrippen geziert.
Catantops fuscipes n. sp.
Fusco-rufescens, antennis concoloribus. Pronotum uni-
color; elytra dimidio antico parum obscuriora, genua postica
Orthopterenfauna des Sudans. 327
attingentia, abdomen haud totum obtegentia (9). Prosterni
tuberculum retrorsum vergens, apice inflato-dilatatum. Lobi
meso- et metasternales late distantes. Femora postica testacea,
exceptis maculis fuscis areae interno-mediae et genubus non-
nihil infuscatis, concolora. Tibiae posticae fuscae. cf ?
9
Long, corporis 30
» pronoti 5 • 5
» elytrorum 20
» fem. post 15 "5
Patria: Manow, Deutsch -Ostafrika (Coli. Br. v. W.,
Nr. 24.897).
Erinnert durch die Form des Prosternalzapfens an die
Gruppe des C. sacalava Brancsik, doch ist die Verbreiterung
noch nicht so deutlich.
Catantops nigricornis n. sp.
Flavo-testaceus, antennis nigris. Pronotum sulcis sat
impressis, dorso parum obscuriore. Elytra rufo-testacea, sub-
concolora, apicem abdominis parum superantia. Prosterni
tuberculum lateraliter subcompressum, sat recurvum, apice
acuminatum. Lobi meso- et metasternales cf subcontigui, 9 an-
guste distantes. Femora postica flavo-testacea, tota unicolora
vel intus late infuscata, genubus utrinque semilunariter rufis.
Tibiae posticae pallide testaceae. Lamina supraanalis cf sub-
rotundata, parte basali longitudinaliter sulcata; cerci cf graciles,
sat incurvi, apice acuto, ante eum superne denticulo instructi.
Lamina subgenitalis cf lintriformis, apicem cercorum parum
superans.
^ 9
Long, corporis 24 37 — 39
» pronoti 4' 5 7 '6
elytrorum .... 20 30
» fem. post 13 16 — 17
Patria: Milanji (Coli. Br. v. W., Nr. 19.564), Dar es Salam
(Coli. Mus. Caes. Vind.).
328 H. Karny,
Catantops nudulus Kars eh.
Karsch, Springh. Bergl. Adeli, 1893, p. 100.
Patria: Bismarckburg, Adeli (Karsch 1. c).
Catantops pallens n. sp.
Flavo-testaceus, antennis concoloribus, elytris excepto
parte postico (flavo-testaceo) fuscis. Caput, pronotum, abdomen
concolora. Elytra genua postica distincte superantia; alae
helvolae. Prosterni tuberculum rectum, conicum subacuminatum.
Lobi mesosternales anguste distantes, metasternales subcontigui.
Femora postica genubus utrinque semilunariter infuscatis, flavo-
testacea, unicolora. Tibiae posticae flavo-testaceae, spinis apice
nigris. Lamina subgenitaHs cf marginibus parallelis, deinde
angulatis, apice angulata, sicutpartem hexagoni formare videtur,
longitudinaliter subtota sulcata. Cerci cf graciles, incurvi,
acuminati. Lamina subgenitalis cf lintriformis, lateribus supra
carina longitudinaH contigui, infra area curvata divisis, apicem
cercorum distincte superans.
cT
Long, corporis 27
» pronoti 6
» elytrorum 26
» fem. post 16
Patria: Kilimandscharo, leg. Höhnel (Coli. Br. v. W.,
Nr. 18.013).
Catantops digitatus Bol.
Bolivar, Jörn. Sc. Math. Phys. Nat. Lisb., 1889, p. 166.
Patria: Caconda, Portugiesisch-Südwestafrika (Bolivar
1. c).
Durch die gegabelten Cerci cf von der vorigen Art leicht
zu unterscheiden und an C. stylifer erinnernd.
Catantops decoratus Gerst.
Gerstäcker, Arch. f. Naturgesch., XXV. Bd., 1873, p. 219.
Bolivar, Jörn. Sc. Math. Phys. Nat. Lisb., 1889, p. 165.
Karsch, Ent. Nachr., 1900, p. 7.
Kirby, Rep. Coli. Afr. Loc, 1902, p. 107.
Genitalia cf uti in solitario formata.
Orthopterenfauna des Sudans. 329
Diese Spezies ist im südlichen Afrika weit verbreitet:
Zanzibar (Gers täc ke r), Caconda, Mossamedes, Humbe,
Louren90 JVIarques (Bolivar), Endara, Usambara (Karsch),
Pretoria, Nyassa. (Kirby), Mombas (Coli. Br. v. W., Nr. 15.816),
Kilimandscharo (Coli. Mus. Caes. Vind.).
Catantops major n. sp.
Flavo-testaceus, antennis concoloribus. Pronotum dorso
pone medium leviter infuscato, lobis lateralibus superne parum
obscurioribus. El^^tra infuscata, apicem abdominis distincte
superantia. Prosterni tuberculum prismaticum, rectum, apice
obtusum. Lobi mesosternales subcontigui, metasternales distincte
contigui. Femora postica area externomedia pallida, unicolore,
internomedia subtota nigra, genubus nigro-fuscis. Tibiae
posticae sordide fusco-griseae, annulo basali pallido ornatae.
Abdomen luteo-testaceum, superne fuscum. Cerci cT graciles,
valde incurvi, apice subacuminati. Lamina subgenitalis cf
elongata, compressa.
ö^
Long, corporis 32
» pronoti 6'5
» elytrorum 27
» fem. post 17
Patria: Zanzibarküste, leg. Steindach ner 1888 (Mus.
Caes. Vind.).
Durch die bedeutendere Größe und die cf Geschlechts-
charaktere von C decoratus leicht zu unterscheiden und an
G splendens erinnernd.
Catantops vanus Karsch.
Karsch, Stett. Ent. Zeitschr., 1896, p. 318, Fig. 35.
Ent. Nachr., 1900, p. 6.
Patria: Zanzibar (Karsch 1. c).
Catantops viridulus n. sp.
Viridi-fuscus antennis nigris. Occiput triangulariter infus-
catum. Pronotum concolor, fortiter impresso-punctatum. Elytra
330
H. Karny,
apicemabdominisdistinctesuperantia, nigro-fusca, parte postico
viridulo. Prosterni tuberculum conicum, rectum, sat acutum.
Lobi mesosternales 9 late, cf anguste distantes, metasternales
9 anguste distantes,cfsubcontigui.Femorapostica area externo-
media apicem versus dilute infuscata, internomedia late
fusca genubus nigro-fuscis. Tibiae posticae laete coeruleae,
basi pallidiores (cf) vel annulo basali angustissimo flavo ornatae
(9). Cerci cf gracües, parum incurvi, apice acuminati. Lamina
subgenitalis cf subconica, superne carinata, subtus rotundata,
apice acuminata, cercos distincte superans.
Long, corporis 28 39
» pronoti 6 8
» elytrorum 24 32
» fem. post 15 19
Patria:Ukami, Deutsch -Ostafrika (Coli. Br.v.W., Nr. 25.146).
Catantops cyanipes n. sp. (Taf II, Fig. 11 bis 15).
Fuscus, lateribus pronoti, meso- et metathoracis, abdominis
albidulis. Pronotum cylindricum, margine antico et postico parum
rotundato-productum. Elytra apicem abdominis parum, sed
distincte superantia, fusca. Prosterni tuberculum rectum, coni-
cum, subacuminatum. Lobi meso- et metasternales subcontigui.
Femora postica testacea, unicolora. Tibiae posticae laete coeru-
leae. Cerci cT graciles, subrecti, apice subobtusi. Lamina sub-
genitalis cT acuminato-Iintriformis, cercos parum superans.
Long, corporis 19
» pronoti 4
» elytrorum 15
» fem. post 10-5
Patria: Gondokoro (Uganda leg. Werner 1905).
Catantops ophthalmicus n. sp.
Fusco-testaceus. Oculi globosi, subcontigui, spatio intf-a-
oculari antennis haud latius. Pronotum pone medium subcon-
strictum, sulcis transversis distinctis; lobi laterales unicolores
Orthopterenfauna des Sudans. 33 I
(^) vel dimidio inferiore pallido, marginibusalbidulis, nigrovarie-
gatis (cf ). Elytra griseo-testacea, unicolora, genua postica vix
superantia. Prosterni tuberculum rectum, conicum, acuminatum.
Lobi mesosternales cT 9 sat late distantes, metasternales subcon-
-tigui. Femora 4 anteriora nigro-punctulata; postica testacea,
concolora vel dilute fusco-conspersa, carinis longitudinalibus
subtiliter, nigro-variegatis. Tibiae posticae sordide coerules-
centes, spinis nigris. Cerci cf graciles, incurvi, apicem versus
attenuati, subacuminati, haud bifidi. Lamina subgenitalis r/"
acute lintriformis, cercos distincte superans.
(f 9
Long, corporis 19 28
» pronoti 4 6
» elytrorum 15 12-5
» fem. post 11 16
Patria: Nordceylon (Coli. Br. v. W. Nr. 17.792).
Durch die auf dem Scheitel auffallend stark genäherten
Augen an C. angushilus erinnernd, jedoch durch den Bau der
cT Cerci leicht zu unterscheiden.
Catantops angustulus Bol.
ßolivar, Ann. Soc. Ent. Fr., LXX, p. 627.
Patria: Madure (Bolivar 1. c).
Catantops foedatus (Serv.).
Acridiuni foedatum Serv., Hist. Nat. Orth., 1839, p. 662.
Patria: Java (Serville 1. c).
Catantops vittatus Kirby.
Catantops vittata Kirby, Rep. Coli. Afr. Loc, 1902, p. 106.
Patria: Pretoria Transvaal, Delagoa Bay (Kirby 1. c).
Catantops fasciatus n. sp.
Fuscus, antennis nigris. Lobi laterales pronoti margine
inferiore late flavo-testacea, supra macula magna nigra ornati.
Elytra apicem abdominis attingentia, griseo-fusca, dilute et
332 H. Karny,
irregulariter obscurius conspersa. Alae nonnihil infuscatae. Pro-
sterni tuberculum cylindricum, rectum, apice valde obliisum.
Lobi mesosternales late distantes, metasternales distincte
contigiii. Metathorax utrinque vitta obliqua flava ornatu?.
Femora postica flava, area externomedia vitta longa et lata
nigra, duabus partibusapicalibus carinam superiorem attingente,
basi ab ea valde divergente ornata, area internomedia maculis
nigris distincte divisisinstructa. Tibiae posticaelaete sanguineae.
Cerci cf graciles, fortiter sinuati, apice triangulariter producti,
subcompressi. Lamina subgenitalis cf subacuminata, superne
carinata, cercos distincte superans.
Long, corporis 23 27 — 30
» pronoti 4-5 5-5 — 6
» elytrorum 15 -5 20 — 21
» fem. post 12 14-5—16
Patria: Manow,Deutsch-Ostafrika(Coll.Br. V.W., Nr.24. 862).
Catantops exiguus n. sp.
Testaceus, antennis concoloribus. Pronotum retrorsum
incrassatum, margine postico distincte angulato. Lobi laterales
margine pallidiore. Elytra apicem abdominis distincte, genua
postica haud superantia, parte antico infuscata. Prosterni tuber-
culum rectum, cylindricum, obtusum. Lobi mesosternales late
distantes, metasternales contigui. Metathorax utrinque vitta
obliqua flava ornatus. Femora postica extus vitta lata fusca
mediana, solum in parte apicali carinam superiorem attingente
ornata, intus vitta longitudinali perlata obscura instructa. Tibiae
posticae testaceae.
9
Long, corporis 19
» pronoti 5
» elytrorum 15
» fem. post 13
Patria: Delagoa (Coli. Br. v. W., Nr. 22.432).
Catantops sulcifer n. sp.
Testaceus, antennis fuscis, basi testaceis, nigro-annulatis.
Pronotum margine postico angulato, sulcis distinctis nigro-
Orthopterenfauna des Sudans. «J-J-J
expletis, lobis lateralibus maculis 3 nigris ornatis. Elytra femova
postica distincte superantia, testacea, concolora. Prosterni tuber-
culum sat obliquum, obtusum. Lobi meso-et metasternales sub-
contigui, sutLiris nigro-expletis. Meso- et metathorax utrinque
vittis singulis obliquis nigris ornatus. Femora 4 anteriora antice
testacea, postice nigrae (item tibiae). Femora postica cum tibiis
testacea, area externomedia et internomedia vitta longitudinali
nigra, per totam longitudinem carinam superiorem attingente
ornatis. Cerci cT breves, graciles, conici, acuti.
cf
Long, corporis 23
» pronoti 5
» elytrorum 17 • 5
» fem. post 12'5
Patria: Milanji (Coli. Br. v. W., Nr. 19.566).
Catantops humeralis (Thunb.).
Acridium (Catantops) capicola Stäl, Eug. Res., 1860, p. 331.
Catantops humeralis Stäl, Rec. Orth., I, 1873, p. 69.
Patria: Caput bonae spei (Stäl), Nyassa, Milanji, Kiliman-
dscharo, Delagoa Bay, Südafrika (Karsch 1900), Pretoria
(Kirby 1902), Südafrika (Coli. Mus. Caes. Vind., leg. Holub).
Die Cerci cf hat K a r s c h beschrieben (Ent. Nachr., 1 900, p. 8).
Catantops distinguendus (Stäl).
Acridium (Catantops) distinguendum Stäl, Eug. Res., 1860, p. 331.
Catantops distinguendus Stäl, Rec. Orth., I, 1873, p. 69.
Kirby gibt 1902 an, er könne diese Art von der vorigen
nicht unterscheiden. Auch scheinen die von Stäl angeführten
Unterschiede sehr unwesentlich zu sein, doch habe ich sie in
der Bestimmungstabelle angegeben und die beiden Arten
getrennt, v^^eil mir zu wenig Material vorliegt, als daß ich ent-
scheiden könnte, ob sie zusammengehören oder nicht. Die
mir von Holub vorliegenden Exemplare stelle ich zu C. hn-
tneralis (cf.).
Patria: Caput bonae spei (Stäl).
334 H. Karny,
Catantops maculatus n. sp.
Rufo-testaceus, antennis fuscis. Lobi laterales pronoti
macula fusca retrorsum sensim pallescente picti margine infe-
riore flavo-testaceo. Elytra genua postica parum superantia,
rufa, areä discoidali fusco-maculatä, apicem versus infuscata.
Prosterni tuberculum subrectum, obtusum. Lobi mesosternales
d"? late distantes, metasternales contigui. Mesothorax macula,
metathoraxvittaobliqua flava utrinque ornatus. Femora postica
area externomedia vitta longa et perlata nigra carinam supe-
riorem plus dimidio apicali attingente ornata, area internomedia
maculis separatis nigris instructa. Tibiae posticae testaceae.
Cerci cf longi, graciles, sinuati, apice fortiter retrorsum curvati,
acuminati. Lamina subgenitalis lateraliter subcompressa, cercos
superans.
Long, corporis 20 26
» pronoti 4-5 5
» elytrorum 15-5 20
» fem. post 12 14*5
Patria: Milanji (Coli. Br. v. W., Nr. 19.565).
Catantops marginatus n. sp.
Nigro-fuscus. Pronotum excepto margine loborum latera-
lium inferiore vittä iam media in fronte Oriente laete flava
ornato totum fusco-nigrum, unicolor, postice subrotundatum.
Elytragriseo-fusca, parte anticoobscuriore.Alaeparuminfuscatae,
Prosterni tuberculum rectum, valde obtusum. Lobi mesoster-
nales subcontigui, metasternales contigui ($). Vitta flava late-
ralis capitis et loborum pronoti usque ad coxam intermediam
perducta; metathorax vitta eiusdem coloris obliqua ornatus.
Femora postica extus dimidio superiore nigro, inferiore flavo.
intus flava, maculis 3 nigris ornata. Tibiae posticae luteo-
testaceae. cf ? p
Long, corporis 30
» pronoti 6
» elytrorum 33 • 5
» fem. post 14
Patria: Sierra Leone (Coli. Mus. Caes. Vind.).
Orthopterenfauna des Sudans. 335
Catantops obscurus n. sp.
Atro-fuscus, antennis parum pallidioribus. Pronotum subu-
nicolor, lobis lateralibus, macula diluta nigra instructis. Elytra
genua postica distincte superantia, concolora, alae griseae.
Prosterni tuberculum subrectum, obtusum. Lobi mesosternales
distincte distantes, metasternales contigui. Metathorax vitta
obliqua rufa diluta vel nulla. Femora postica area externomedia
subtota nigra, ad carinam inferiorem per totam longitudinem
anguste, superne prope basim solum, latius flava; intus eodem
modo picta. Tibiae posticae coeruleae, annulo basali flavo
angusto, diluto vel nullo. Lamina supraanalis cf marginibus
duplo sinuatis, acuminata, dimidio basali leviter sulcata. Cerci
cf uti in maculato formati, rufi, apice nigerrimmi. Lamina sub-
genitalis cf subtus, a latere visa, sinuata, cercos parum
superans. 71 0
Long, corporis 18 23
» pronoti 4 5*5
» elytrorum 15 20
» tem. post 10 14
Patria: Capland (Coli. Br. v. W., Nr. 21.271), Simonstown,
Novara-Reise 1857 — 1859 (Coli. Mus. Caes. Vind.).
Catantops bifidus Kars eh.
Karsch, Stett. Ent. Zeitschr., 1896, p. 317.
Patria: Delagoa Bay (Karsch 1. c).
Catantops mellitus Karsch.
Karsch, Springh. Bergl. Adeli, 1893, p. 97.
cT (novum): Tibiis quam in 9 parum pallidioribus. Lamina
supraanalis marginibus sinuatis, apice acuminata, sulco longi-
tudinali ultra medium extenso. Cerci graciles, parte apicali
fortiter suprorsum curvati, apice acuminati. Lamina subgenitalis
sat longa et acuta, lateraliter compressa.
Long, corporis 24
» pronoti 5
» elytrorum 19
» fem. post 13
336 H. Karny,
Patria; Adeli (Karsch 1. c), Ashantie (Coli. Br. v. W.,
Nr. 16.507).
Catantops melanostictus Schaum. (Taf. II, Fig. 16 bis 20).
Calantops melanostictus Schaum, Peters Mossamb., 1862, p. 164.
Stäl, Rec. Orth., I, 1873, p. 70.
> > Krauss, Orth. Seneg., Sitzber. Akad. Wien, 1877, p. 9.
?? » » Bol., Jörn. Sc. Math. Phys. Nat. Lisb., 1889, p. 165
{= humeralis Thunb. ?).
» Karsch, Ent. Nachr., Berl. 1900, p. 7.
Krauss, Verh. Zool.-bot. Ges., Wien 1901, p. 290.
» melanosticta Kirby, Rep. Coli. Afr. Loc, 1902, p. 106.
Patria: Mossambique (Schaum), Sierra Leone, Guinea
(Stäl), Senegal, Zanzibar, Cap (Krauss), (?) Caconda, Humbe
(Bolivar), Usambara, Delagoa Bay (Karsch), Deutsch-Süd-
westafrika (Krauss), Pretoria, Nyassa, Congo (Kirby), Abomey,
Gaboun, Massaua, Mombas, Deutsch-Ostafrika, Grahamstown,
Port Natal, Chartum (Coli. Br. v. W.), Renk, Doleib Hill Sobat,
Mongalla, Gondokoro (leg. Werner 1905).
Ob die Angabe Bolivar's hieher gehört, weiß ich nicht
bestimmt, da Bolivar angibt: variat femora postica fascia nigra
percurrente. Somit gehört mindestens diese angebliche Varietät
nicht hieher, sondern in die Gruppe des C. humeralis.
Catantops decipiens Karsch.
Karsch, Ent. Nachr., Berl. 1900, p. 8.
Patria: Usambara, Milanji (Karsch 1. c), Milanji (Coli.
Br. V. W., Nr. 19.563).
Catantops asthmaticus Karsch.
Karsch, Springh. Bergl. Adeli, 1893, p. 98.
Patria: Bismarckburg Adeli (Karsch 1. c).
Catantops mimulus Karsch.
Karsch, Berl. Ent. Zeitschr., 1891, p. 189.
Springh. Bergl. Adeli, 1893, p. 98.
Ent. Nachr., Berl. 1900, p. 8.
Patria: Barombistation, Adeli, Bundeko, Undussuma, Ituri-
fähre, Buessa (Karsch),. .Mundane, Akra, Goldküste (Coli.
Br. V. W.).
Orthopterenfauna des Sudans. 337
Wie Karsch hervorhebt, variiert die Zeichnung der Hinter-
schenkel mitunter ein wenig, so daß man die 9 9 nicht immer
ganz sicher bestimmen kann.
Catantops Karschi n. sp.
Fuscus. Pronoti lobi laterales margine inferiore late flavi,
superne vitta longitudinali obscura per totam longitudinem
extensa ornati. Elytra apicem abdominis distincte superantia,
subunicolora. Prosterni tuberculum parum retrorsum vergens,
conicum, breve. Lobi mesosternales distincte distantes, meta-
sternales contigui. Latera meso- et metathoracis concolora.
Femora postica extus et intus maculis transversis subdilutis vel
confluentibus. Tibiae posticae lotae fuscae vel dimidio basali
nigro, apicali luteo-testaceo. cT?
9
Long, corporis 23
» pronoti 5
» elytrorum 20 • 5
» fem. post 14
Patria: Mundane Rhode (Coli. Br. v. W., Nr. 25.784^7).
Dedico hanc speciem Dom. Dr. F. Karsch Berolinensi, qui
tot huius generis species exactissime descripsit.
Catantops sacalava Brancsik.
Brancsik, XV. Jahrb. Naturwiss. Ver. Trencsin, 1892, p. 193.
Patria: Sinus Baliensis, Sualala, Nossibe (Brancsik 1. c);
Madagaskar, Antongil, Mahonoro, Nossibe, Mossambique (Coli.
Br. V. W.).
Es ist interessant, daß diese madagassische Art auch auf
der gegenüberliegenden afrikanischen Küste vorkommt, da sonst
die afrikanische Catantops-Faiina von der madagassischen sehr
verschieden ist.
Diese Art ist durch die Form des Brustzapfens aus-
gezeichnet, worin sie mit den beiden folgenden ebenfalls mada-
gassischen Arten übereinstimmt und an das Genus Stenocrobylus
erinnert. Den Übergang von der Brustzapfenform des sacalava
zu der für Catantops typischen bildet eine Art aus Manow
(Catantops ßtscipes, cf.).
338 H. Karny,
Catantops stenocrobyloides n. sp.
Rufo-vel griseo-testaceus. Pronoti lobi laterales superne
vitta obscura percurrente diluta vel nulla. Elytra genua postica
attingentia, margine anteriore infuscata, area discoidali saepe
albo-maculata. Alae hyalinae. Prosterni tuberculum leviter
retroflexiim, apice inflatum, transverse obtusum, interdum
bilobum. Lobi mesosternales sat late distantes, metasternaies
plerumque contigiii, raro anguste distantes. Latus metathoracis
vitta obliqua albido-flava ornatum. Femora postica extus vittis
2 transversis nigris, intus maculis ornata, genubus concoloribus.
Tibiae posticae sanguineae. Cerci cT sat graciles, incurvi, acu-
minati. Lamina subgenitalis cf sat acuminata, cercos parum
superans.
^ 9
Long, corporis. . . , 14-5—18 18 — 23
pronoti 3 • 7—4 • 3 5—6
elytrorum 12—12-5 16 — 20
» fem. post 10 12—14
Patria: Tananarive, Madagaskar (Coli. Br. v. W.).
Catantops Malagassus n. sp.
Pallide griseus. Pronoti lobi laterales superne vitta obscura
percurrente subdiluta instructi. Elytra genua postica parum
superantia, margine antico infuscato, postico pallide griseo.
Prosterni tuberculum uti in sacalava et stenocrobyloide formatum.
Sternum candidum, lobis mesosternalibus late distantibus,
metasternalibus contiguis. Latus metathoracis vitta obliqua
subdiluta albido-grisea ornatum. Femora postica area externo-
media vitta obliqua nigra ante medium et parte apicali nigro
ornata, genuis posticis subconcoloribus. Tibiae posticae sordide
fusco-luteae. cf ?
Syn.: Catantops Malagassus Sauss. in Coli. Br. v. W.
?
Long, corporis 28
» pronoti 6
» elytrorum 24
» fem. post 16-5
Orthopterenftiuna des Sudans. o6\)
Patria: Madagaskar (Coli. Br.v.W., Nr. 13501, Saussure
ded.).
Catantops interruptus Bol.
Catantops humilis var. interruptus Bol., Ann. Soc. Ent. Fr., LXX, p. 625.
Patria: Madure, Ostindien (Bolivar I.e.).
Ich kann mich nicht entschließen, diese Form bloß als
Varietät von humilis anzusehen, mit dem sie nach Bolivar's
Beschreibung kaum mehr gemein hat als mit irgend einer
anderen Catantops-Art.
Catantops annulipes Stäl.
Stäl, Rec. Orth., I., 1873, p. 70.
Karsch, Berl. Ent. Zeitschr., XXXVI, 1891, p. 189 (Beschreibung der (f Geni-
talien).
Patria: Sierra Leone (Stäl),Barombistation, Kribi (Karsch),
Akra, Goldküste, Mundane Kamerun (Coli. Br. v. W.).
Catantops cephalotes Bol.
Bolivar, Jörn. Sc. Math. Phys. Nat., 1889, p. 166.
Patria: Caconda, Portugiesisch-Südwestatrika (Bolivar
1. c).
Ich kenne diese Art nur nach der zitierten Beschreibung
Bolivar's.
Catantops pulchellus n. sp.
Fusco-rufescens. Pronoti lobi laterales superne vitta
obscura, retrorsum sensim pallescente ornati, margine inferiore
pallido. Elytra apicem abdominis attingentia vel parum supe-
rantia subconcolora vel irregulariter obscurius conspersa. Alae
hyalinae. Prosterni tuberculum rectum, cylindricum, valde
obtusum. Lobi mesosternales late distantes, metasternales con-
tigui. Area externomedia femorum posticorum maculis trans-
versis 2 nigris, carina inferiore tota vel subtota nigro-maculata;
internomedia maculis nigris 3 ornata. Tibiae posticae testa-
ceae. cf ?
Sitzb. d. mathem.-naturw. Kl. ; CXVI. Bd., Abt. I. 23
340 H. Karny,
9
Long, corporis 23 — 25-5
» pronoti 5
» elytrorum 20 — 22
» fem. post 14 — 14-5
Patria: Ostindien (Coli. Br. v. W., Nr. 13.000, 13.030).
Syn.: Catantops ptilchelhts Sauss. in Coli. Br. v, W.
Catantops humilis (Serv.).
Acridinm hnmile Serv., Hist. Nat. Orth., 1839, p. 662.
Catantops humilis Stäl, Rec. Orth., I, 1873, p. 71.
Br. V. W., Rev. Syst. Orth., 1893, p. 162.
Cerci cf graciles, parum incurvi, acuminati. Lamina sub-
genitalis subinflato-lintriformis, apice acuta.
Patria: Java (Serv.), Philippinen (Stäl), Birma, China,
Siihet, Penang, Borneo, Sumatra (Br. v. W.), Silvkim, Annam,
Tonkin, Malacca, Palawan (Coli. Br. v. W.), Calcutta, Hinter-
indien (Coli. Mus. Caes. Vind.).
Die Form der Querbänder an den Hinterschenkeln ist für
diese Art sehr charakteristisch. Daher stelle ich auch interruptus
Bol. nicht hieher (cf. oben).
Catantops intermedius Bol.
.Bolivar, Ann. Mus. Civ. St. Nat. Genova, 1898, p. 100.
Patria: Neu-Guinea, Key-Inseln (Bolivar), Insel Buru,
Lombok, Mioko, Neu-Britannien, Neu-Holland, Cape York (Coli.
Br. V. W.).
Catantops papuanus Brancsik.
Brancsik, Soc. Hist. nat. Trencsen, 1897, p. 77.
S3'n. : Catantops diltittis Br. in Coli. Br. v. W.
Nach Brancsik: »alis hyalinis, infumatis, margine antico
infumatis, basi dilute flavidis«. Bei den mir vorliegenden Exem-
plaren {diJutus Br. v. W.) sind die Flügel ganz gelb; doch da
sie sonst mit Brancsik's Beschreibung übereinstimmen, halte
ich sie nicht für spezifisch verschieden.
Patria: Friedrich Wilhelmshafen, Neu-Guinea (Brancsik),
Java, Südcelebes, Aru, Sumatra, China (Coli. Br. v. W.).
Orthopterenfauna des Sudans. -J"!!
Dem intermedius außerordentlich ähnlich, jedoch durch die
Färbung der Flügel leicht zu unterscheiden.
Catantops speciosus Brancsik.
Brancsik, Soc. Hist. nat. Trencsen, 1897, p. 77.
Patria: Friedrich Wilhelmshafen, Neu-Guinea (Brancsik).
Catantops aberrans n. sp.
Fuscus. Pronoti lobi laterales margine superiore et inferiore
pallidiore, pone medium vitta longitudinali nigra percurrente
ornati. Elytra apicem abdominis haud superantia, basi antice
magis infuscati, praeterea concolora. Alae hyalinae. Prosterni
tuberculum rectum, conicum, sat acutum. Lobi mesosternales
late, metasternales anguste distantes. Femora postica fasciis
transversis in area superiore interna distinctis, in area superiore
externa nullis, in area externomedia circiter usque ad medium
perductis. Tibiae posticae atrae. cf ?
?
Long, corporis 30
» pronoti 6
» elytrorum 21'5
» fem. post 15 '5
Patria: Celebes (Coli. Mus. Caes. Vind.).
Catantops acuticercus Bol.
Bolivar, Ann. Soc. Ent. Fr., LXX, p. 626.
Patria: Madure, Ostindien (Bolivar).
Catantops consobrinus n. sp.
Testaceus. Pronoti lobi laterales unicolores. Elytra genua
postica valde superantia, testacea, basi griseo-conspersa, apice
grisea. Prosterni tuberculum breve, valde obtusum. Lobi meso-
sternales anguste distantes, metasternales contigui. Latus meta-
thoracis vitta obliqua diluta. Femora postica superne transverse
obscuro-vittata, vitta anteriore in area externomedia brevissime
perducta, carinis omnibus, praecipue inferiore nigro-punctulatis.
23*
'J'i'^ H. Karny,
Tibae posticae sordide testaceae. Cerci cT graciles, incurvi,
acuminati. Lamina subgenitalis cf lateraliter compressa.
Syn.: Catantops consobrinus Sauss. in Coli. Br. v. W.
Long, corporis 23
» pronoti 5
» elytrorum 22
» fem. post 13
Patria: Ostindien (Coli. Br. v. W., Nr. 13.032, Saussure
ded.)
Catantops pinguis (Stäl).
Acridiiim (Catantops) pingue Stäl, Eug. Res., 1860, p. 330.
Catantops pinguis Stäl, Rec. Orth., I, 1873, p. 70.
» y Br. V. W., Rev. Syst. Orth., 1893, p. 163.
Patria: China (Stäl), Birma, Ceylon, Amoy, Hainan, Cam-
bodja (Br. v. W.), Mähe, Sikkim (Coli. Br. v. W.), Hongkong,
Hakodate (Coli. Mus. Caes. Vind.).
Catantops indicus Bol.
> Catantops indicus Sauss. (= pinguis Stäl)« in Coli. Br. v. W.
Bol., Ann. Soc. Ent. Fr., LXX, p. 626.
An der Form der Cerci cf von pinguis leicht zu unter-
scheiden; auch das Merkmal, welches Bol ivar angibt — die
Länge der ersten Querbinde der Area externomedia — scheint
konstant zu sein.
Patria: Kodaikanal (Bol ivar), Ostindien, Ceylon, Madras,
Mähe (Coli. Br. v. W.).
Catantops insulanus n. sp.
Testaceus. Pronoti lobi laterales superne indistincte infus-
cati. Elytra genua postica valde superantia, fusco-conspersa.
Prosterni tuberculum rectum, sat obtusum. Lobi mesosternales
angustissime distantes, metasternales contigui. Latera thoracis
subunicolora, vittis vel maculis nullis. Femora postica superne
distincte fusco-fasciata, fasciis in area externomedia breviter
continuatis; genubus nigro-fuscis. Tibiae posticae laete san-
guineae, annulo basali nullo. Cerci d" sensim rotundato-incurvi,
Orthopterenfauna des Sudans. 343
apicem versus attenuati, apice ipso subacuminati. Lamina
subgenitalis cT acuminata, lateraliter compressa, cercos valde
superans.
cf ?
Long, corporis 26—28 31
» pronoti 5 -5—6 7 • 5
elytrorum 25—26 29
» fem. post 14—15 17-5
Patria: Insulae Aldrabra (Coli. Mus. Caes. Vind.).
Catantops Brunneri n. sp.
Fusco-vel flavo-testaceus. Pronotum unicolor. Elytra genua
postica valde superantia, fusco-conspersa. Alae hyalinae. Pro-
sterni tuberculum rectum, cylindricum, valde obtusum. Lobi
mesosternales distincte distantes, metasternales contigui. Meta-
thorax latere dilute oblique pallido-vittato. Femora postica
superne distincte fusco-fasciata, fasciis in area externomedia
breviter continuatis, intus sanguinea. Tibiae posticae san-
guineae vel testaceae. Cerci cf sensim rotundato-incurvi,
apice plus minus triangulariter dilatati, rectovel subemarginato-
truncati. Lamina subgenitalis cf lateraliter compressa, apice
acuto, cercos valde superans. — Statura Catantopls axil-
laris.
Dedico hanc speciem Dom. cons. Dr. C. Brunn er de
Wattenwyl, cuius secundum collectionem eam describo.
Patria: Massaua, Zanzibar, Milanji, Südsomali.
Durch die Form der cf Cerci leicht von den verwandten
Arten zu unterscheiden.
Catantops axillaris (Thunb.).
Catantops axillaris Stäl, Rec. Orth., I, 1873, p. 70.
» > Kraus s, Sitzber. Akad. Wiss. Wien, 1877, p. 7.
(?) » » Karsch, Ent. Nachr., Berl. 1900, p. 6.
Acridium debilitatum Serv., Hist. Nat. Orth., 1839, p. 684.
Cerci d" crassi, parte apicali fere rectangulato-incurvi, apice
perobtusi. Lamina subgenitalis cT lateraliter compressa, apice
acuto, cercos distincte superans.
344 H. Karny,
Patria: Cap Verd (Stäl), Dagana, Senegal (Kr.), Zanzibar,
Dar es Salam, Delagoa Bay (?, Kar seh), Senegal, Sierra Leone
(Coli. Br. V. W.).
Die Angabe Karsch's gehört wahrscheinlich zu C.saucius.
Catantops saucius (Burm.). (Taf. II, Fig. 21 bis 25).
Acridium sattcium Burm., Handb. Ent., II, 1839, p. 633.
> » Kr., Sitzber. Akad. Wiss. Wien, 1877, p. 7.
(?) Catantops axillaris Karsch, Ent. Nachr., Berl. 1900, p. 6.
> n. sp. Schul thess-Re c hberg, Zool. Jahrb., VIII, p. 77.
Die Unterschiede von C. axillaris hat Krauss (1. c.) ange-
geben. In der Form der cf Genitalien stimmen die beiden Arten
überein. Karsch's C. axillaris dürfte wahrscheinlich hieher
gehören (cf.).
Patria: St. Johanna (Burm ei st er), Sudan (Krauss),
Senegal (Coli. Br. v. W.), Insel Cap Verd, Nubien (Coli. Mus.
Caes. Vind.), Webithal (Schulthess-Rechberg).
Catantops stylifer Kr. (Taf. II, Fig. 26 bis 30).
Krauss, Sitzber. Akad. Wiss. Wien, 1877, p. 7.
Patria: Dagana (Krauss), Adeli (Karsch, 1893), Senegal
(Coli. Br. V. W.), Gondokoro, Doleib Hill Sobat (leg. Werner
1905).
Catantops minimus n. sp. (Taf. II, Fig. 31 bis 33).
Testaceus. Pronoti lobi laterales superne vitta lata obscu-
riore percurrente, margine inferiore flavo. Elytra concolora,
genua postica distincte superantia. .Alae citreae. Prosterni tuber-
culum retrorsum vergens, conicum, acuminatum. Lobi meso-
sternales sat late distantes, metasternales contigui. Latus meta-
thoracis vitta obliqua pallida plerumque sat distincta. Femora
postica in area externomedia maculis nigris punctiformibus
2 vel 3 ornata, intus item. Tibiae posticae testaceae, annulo
basali nuUo. cf ?
Q
Long, corporis 19 — 22
» pronoti 4 • 3
» elytrorum 19 — 20
» fem. post 11 — 12
Orthopterenfauna des Sudans. 345
Patria: Renk, Ru'alla, Mongalla, Gondokoro (leg. Werner
1905).
Catantops elegans n. sp.
Testaceus. Pronoti lobi laterales superne dilute obscuriores.
Elytra genua postica attingentia, obscurius conspersa. Prosterni
tuberculum prismaticum, parum retrorsum vergens, apice
truncatum. Lobi mesosternales sat late distantes, metasternales
contigui. Latus metathoracis vitta obliqua pallida ornatum.
Area externomedia femorum posticorum macula unica prope
apicem instructa et praeterea carina inferiore nigro-maculata.
Tibiae posticae testaceae, annulo basali nullo. cf ?
9
Long, corporis 22
» pronoti 5
» elytrorum 15
» fem. post 13
Patria: Hereroland (Coli. Br. v. W., Nr. 11.304).
Catantops villosus Kars eh.
Kar seh, Springh. Bergl. Adeli, 1893, p. 99.
Ent. Nachr., Berl. 1900, p. 8.
Patria: Bismarckburg Adeli, Milanji (Karsch 1. c).
Catantops Kraussi n. sp.
Testaceus. Pronoti lobi laterales vitta obscura longitudinali
diluta retrorsum pallescente ornati. Elytra genua postica parum
superantia, concolora. Alae infuscatae. Prosterni tuberculum
conicum vel pyramidale, sat rectum. Lobi mesosternales
distincte distantes, metasternales contigui. Latera thoracis con-
colora. Femora postica intus et extus maculis punctiformibus
2 vel 3, nonnunquam dilutis, carinis unicoloribus. Tibiae
posticae testaceae. Cerci cf sat breves, crassiusculi, sensim
incurvi, apicem versus attenuati, apice ipso subobtuso. Lamina
subgenitalis cT lintriformis, apice obtusa.
Dedico hanc speciem Dom. Dr. H. Krauss, praeclaro illo
orthopterologo, qui huius quoque generis duas species de-
scripsit.
346 H. Kai-ny,
Long, corporis 19 24 — 26
» pronoti 3'5 4-8 — 5'2
elytrorum 16 20-5—21
fem. post 11 13—14-7
Patria: Akra Goldküste (Coli. Br. v. W., Nr. 16.591).
Die neue Art steht dem C. haemorrhoidalis sehr nahe, ist
jedoch durch die kleineren und mitunter undeutlichen Flecken
der Hinterschenkel, durch die einfarbigen Kiele derselben und
die angerauchten Hinterflügel leicht zu unterscheiden.
Catantops haemorrhoidalis Kr.
Krauss, Sitzber. Akad. Wiss. Wien, 1877, p. 8.
Patria: Dagana (Krauss), Senegal, Bissao (Coli. Br. v. W.).
Catantops notatus Kars eh.
Karsch, Berl. Ent. Zeitschr., 1891, p. 190.
Patria: Barombistation, Kribi (Karsch 1. c).
Catantops exsul n. sp.
(zu patria carens.)
Rufo-testaceus. Pronoti lobi laterales concolores. Elytra
genua postica parum superantia, concolora. Prosterni tuber-
culum cylindricum, rectum, perobtusum. Lobi mesosternales
distantes, metasternales contigui. Latera metathoracis vitta
obliqua flava subdiluta. Femora postica genubus infuscatis,
superne fusco-fasciata, fasciis in area externomedia perductis,
carina inferiore areae externomediae nigropunctulata. Tibiae
posticae griseae, annulo basali lato, distincto, pallido. cf ?
9
Long, corporis 33
» pronoti 8
» elytrorum 30
» fem. post 20
Patria: ? (Coli. Br. v. W., Nr. 7934 part.).
Die Coli. Br. v. W. besitzt aus der Coli. Sommer, welche
die Typen Burmeister's enthielt, zwei Ca/aw/o/75-Exemplare
Orthopterenfauna des Sudans. oA?
ohne Fundortsangabe mit der Nr. 7934, von denen das eine die
Type für E. exsul m., das andere ein C. mdicus B o 1. ist. Es scheint
daher wahrscheinlich, daß auch C. exsul aus der indischen Region
stammt. Burmeister erwähnt in seinem Handbuch der Ento-
mologie, II, p. 633, einen Grylhts frenaUis Kl. aus Java (ohne
ihn zu beschreiben), der dem Acridhim saucium nahe stehe
und den er der Güte des Herrn Grafen v. Hoffmanns egg ver-
danke. Möglicherweise ist also mein C. exsul oder Bolivar's
C. indicus mit frenatns identisch, da wir andere indische Arten
von Burmeister nicht besitzen.
Catantops solitarius Kars eh. (Taf. II, Fig. 34 bis 38).
Karsch, Ent. Nachr., Berl. 1900, p. 7.
Krauss, Verh. Zool.-bot. Ges. Wien, 1901, p. 289.
Patria: Nyassa, Milanji, Delagoa Bay, Südafrika (Karsch
1. c), Pondo, Deutsch-Südwestafrika (Krauss 1. c), Delagoa,
Milanji, Mikindani (Coli. Br. v. W.), Gondokoro (leg. Werner
1905).
Catantops Wernerellus n. sp. (Taf. II, Fig. 39 bis 43).
Griseo-testaceus. Pronoti lobi laterales superne parum in-
fuscati. Elytra genua postica valde superantia, obscurius con-
spersa. Alae coeruleae. Prosterni tuberculum, subrectum, cylin-
dricum, obtusum. Lobi mesosternales sat anguste distantes,
metasternales contigui. Vittaobliquametathoracis diluta. Femo-
rum posticorum area externomedia maculä nigra dimidio apicali
ad carinam inferiorem, totam nigropunctatam positä ornata.
Tibiae posticae griseae, annulo basali pallido, lato, distincto.
Cerci cf fortiter suprorsum curvati, apice attenuati. Lamina sub-
genitalis cf sat longa et acuminata.
Dedico hanc specim Dom. Dr. Fr, Werner, qui eam in
itinere suo Ugandensi coUegit.
cf 9
Long, corporis 30 40
» pronoti 6 ^
» elytrorum 27 36
» fem. post 15 20
Patria: Gondokoro (leg. Werner 1905).
348 H. Karny,
Catantops praemonstrator Kars eh.
Karsch, Springh. Bergl. Adeli, 1893, p. 95.
Ent. Nachr., Berl. 1900, p. 6.
Patria: Adeli, Nyassa, Milanji (Karsch 1. c.).
Catantops signatus Kars eh.
Karsch, Berl. Ent. Zeitschr., 1891, p. 190.
Patria: Barombistation (Karsch 1. c).
Catantops modicus K a r s e h .
Karsch, Springh. Bergl. Adeli, 1893, p. 96.
Patria: Adeli (Karsch I. c).
Catantops urania Kirby.
Kirbj^ Rep. Coli. Afr. Loc, 1902, p. 107.
Patria: Pretoria, Barberton, Nyassa (Kirby 1. c).
Catantops comis Karsch.
Karsch, Springh. Berg. Adeli, 1893, p. 101.
Ent. Nachr., Berl. 1900, p. 8.
Patria: Adeli, Nyassa, Milanji (Karsch 1. c),
Catantops debilis Kr.
Krauss, Verh. Zool.-bot. Ges. Wien, 1901, p. 291.
Patria: Omaruru, Deutsch-Südwestafrika (Krauss 1. c).
Catantops pompalis Karsch.
Karsch, Stelt. Ent. Zeitschr., 1896, p. 318.
» Ent. Nachr., Berl. 1900, p. 5.
Patria: Usambara, Nguelo (Karsch 1. c).
Catantops cylindricollis (Schaum).
Poecilocerus cylindricollis Schaum, Peters Mossambique, 1862, p. 132.
(?) Catantops » i Karsch, Ent. Nachr., Berl. 1900, p. 5.
(?) Orhillus > 1 Krauss, Verh. Zool.-bot. Ges. Wien, 1901, p. 289.
Patria: Mossambique (Schaum), Tanga. Magila, Dar es
Salam (? Karsch), Port Natal (Coli. Br. v. W.).
1 Vielleicht zu ornatus gehörig (?).
Orthopterenfauna des Sudans. 'J"+^
Catäntops ornatus n. sp.
Viridulo-niger. Pronoti lobi laterales superne et subtus vitta
longitudinali sulphurea. Elytra genua postica valde superantia,
fusca. Alae purpureae. Prosterni tuberculum pyramidale, vix
retrorsum vergens, subacuminatum. Lobi meso- et metaster-
nales distincte distantes. Latera thoracis antice subtus macula
et deinde vitta consueta obliqua sulphureis ornata, praeterea
nigra. Femora postica area externomedia concolore, subtus et
superne vitta longitudinali sulphurea ornata. Tibiae posticae
cum genubus nigrae. Cerci cT subrecti, graciles, acuminati. La-
mina subgenitalis d lateraliter compressa, sat acuminata. Sta-
tura Catmitopis cylindricoJlis.
Patria: Zanzibarküste, leg. Steindachner 1888 (Coli. Br.
V. W. et Mus. Caes. Vind.), Manow (Coli. Br. v. W.).
Syn.: »Catäntops vittatus in litt.« Coli. Br. v. W. nee C.vit-
tatns K'wby \9i02.
Die neue Art steht dem C.ry//«clr/Vo///saußerordentlich nahe,
doch ist derselbe im allgemeinen blasser. Die Seiten des Thorax
sind bei ihm einfarbig gelbgrün, bei C. onw/ws grünlichschwarz
mit schwefelgelber Zeichnung; die Hinterschenkel sind bei cylin-
dricollis deutlich grün, außen mit hellgelber Längsbinde in der
Mitte, auch greift die obere und untere Längsbinde auf die Area
externomedia über; bei ornatus ist die Area externomedia ein-
farbig grünlichschwarz. Die Flügel sind bei cylütdricollis mehr
gelbrot. Da die Zeichnung bei zirka 100 Exemplaren, welche
mir von Zanzibar vorliegen, ganz konstant ist, halte ich eine
Abtrennung für berechtigt. Dazu kommt noch, daß der Brust-
zapfen bei ornatus pyramidenförmig und ziemlich spitz ist und
sich wenig gegen die Mittelbrust zurückneigt; bei den mir von
PortNatal vorliegenden cylindricollis ist er dagegen zylindrisch,
auffallend stumpf und so stark gegen die Mittelbrust geneigt,
daß er dieselbe meist berührt. Das cf von cylindricollis kenne
ich nicht.
Faunistische Bemerkungen. Aus dem bisher Ge-
sagten ergibt sich, daß zwischen afrikanischen, madagassischen
und indo-australischen Arten eine scharfe Trennung besteht.
Nur der madagassische C.sacalava kommt auch auf der gegen-
350
H. Karny,
Überliegenden Küste von Afrika vor. Innerhalb dieser drei Ge-
biete sind viele Arten weit verbreitet; doch macht sich mitunter
ein deutlicher Unterschied zwischen der Fauna der malaiisch-
indischen und der papuanisch-polynesischen Inseln geltend;
allerdings ist von letzteren noch sehr wenig bekannt; so scheint
paptianus im Westen, intermedms im Osten häufiger zu sein.
Ob eine indische Art {splendens cf.) auch in Brasilien vor-
kommt, erscheint mir sehr zweifelhaft.
Stärker lokalisiert scheinen viele afrikanische Arten zu
sein; doch sind auch hier einige über die ganze äthiopische
Region verbreitet (z. B. melanostichis). Ein erheblicher Unter-
schied macht sich aber großenteils zwischen der west- und
ostafrikanischen Catantops-Fsi\xn& geltend, während die meisten
südafrikanischen Arten bis nach Deutsch-Ostafrika vor-
dringen.
Aus dem ägyptischen Sudan (mit Einschluß von Nord-
Uganda) sind mir nur sieben Arten bekannt, von denen drei auf
dieses Gebiet beschränkt zu sein scheinen.
Nach dieser kleinen Abschweifung kehre ich zu meinem
eigentlichen Thema, der Orthopterenfauna des ägyptischen
Sudans und von Nord-Uganda zurück und gebe demgemäß
hier vor allem noch eine
Revisio generis Catantopis specierum Sudanensium.
l.Statura parvula. Tibiae posticae laete coeruleae. Femora
postica extus concolora. Alae laete coeruleae
1. C. cyanipes Karny.
1.1. Tibiae posticae testaceae, unicolores vel griseae, annulo
basali pallido ornatae. Femora postica extus maculis vel
vittis nigris ornata.
2. Alae flavae vel hyalinae.
3. Alae hyalinae. Femora postica extus vittis 2 transver-
sis nigris vel pone medium ad carinam superiorem
macula longitudinali nigra ornata.
4. Statura minore. Femora postica extus transverse
vittata 2. C. melanostichis Schaum.
4.4. Statura majore. Femora postica macula longitudi-
nali ornata.
Orthopterenfauna des Sudans. 351
5. Statura magna, robusta. Cerci cT crassi, parte api-
cali fere rectangulato-incurvi, apice perobtusi
3. C. saucius (Burm.).
5.5. Statura parum minore, graciliore. Cerci cf gracili-
ores, sensim rotundato-incurvi, apice bifurcati
4. C. stylifer Kr.
3.3. Alae (semper?) flavae. Femora postica extus maculis
punctiformibus nigris 1 vel 3 ornata.
4. Statura exigua. Femora postica extus maculis puncti-
formibus 3 ornata 5. C minimtis Karny.
4.4. Statura mediocri. Femora postica extus pone medium
unipunctata 6. C. soJitarhis Kar seh.
2.2. Alae coeruleae. Femora postica extus dimidio apicali
macula nigra unica ornata, . .7. C. Wernerellus Karny.
t63. C. cyanipes Karny (supra). (Taf. II, Fig. 11 bis 15).
Diese zierliche Art liegt nur in einem cf-Exemplare der
Dr. Werner'schen Ausbeute aus Gondokoro (III. 1905) vor.
64. C. melanostictus Schaum 1862. (Taf. II, Fig. 16 bis 20).
Chartum (Coli. Br. v. W., Nr. 1049), Renk, Doleib Hill
Sobat, Mongalla, Gondokoro (leg. Werner 1905).
Sonstige Verbreitung: Die ganze äthiopische Region (mit
Ausnahme Madagaskar's).
65. C. saucius (Burm. 1839). (Taf. II, Fig. 21 bis 25).
Sudan (Krauss), Nubien (Coli. Mus. Caes. Vind.); Renk
(leg. Werner).
Sonstige Verbreitung: Insulae Cap Verd (Mus. Caes. Vind.),
Senegal (Coli. Br. v. W.), St. Johanna (Burmeister).
*66. C. stylifer Kr. 1877. (Taf. II, Fig. 26 bis 30).
Gondokoro, Doleib Hill Sobat (leg. Werner 1905).
Bisher nur aus Westafrika bekannt: Senegal (Krauss),
Adeli (Karsch).
352 H. Karny,
f 67. C. minimus Karny (siipra). (Taf. II, Fig. 31 bis 33).
Renk, Ru'alla, Gondokoro, Mongalla (leg. Werner 1905).
Mir nur aus diesem Gebiet bekannt. Das ^ kenne icli
nicht.
*68. C. solitarius Karsch 1900. (Taf. II, Fig. 34 bis 38).
Gondokoro (leg. Werner 1905: 1 ?).
Sonstige Verbreitung: Südwestafrika, Südafrika, ganz
Ostafrika.
i-69. C. Wernerellus Karny (supra). (Taf. II, Fig. 39 bis 43).
Ein Pärchen in der Werner'schen Ausbeute aus Gondokoro.
Genus: Calliptamus Serv.
70. C. Italiens (L. 1766).
Chartum (Brunner v. Wattenwyl, Prodr. eur. Orth.,
p. 219, Coli. Br. V. W., Nr. 10.178). Coli. Mus. Chartum (sine
indicatione patriae).
Diese echt mediterrane Art geht nördlich bis Mecklenburg
und Livland, östlich bis Syrien, südlich bis zum Kilimandscharo
(Coli. Br. V. W.).
Genus: Tylotropidius Stäl.
A. Schulthess, Faune Ent. Delagoa. Orthopt. Bull. Soc.Vaud. Sc. Nat, XXXV,
132, 1899, p. 209: Revision der bisher beschriebenen Arten.
*71. T. didymus (Thunb. 1815). Alis basi roseis.
Stäl. Rec. Orth., I, 1873, p. 74: Pezotettix (TylotropidUts) didymus.
Gondokoro, Mongalla (leg. Werner 1905).
Sonstige Verbreitung: Cap, Sierra Leone (Stäl).
Var. nov. citrea m. Alis basi citreis.
Mongalla (leg. Werner 1905).
*72. T. gaugeri Schulthess 1899 (1. c).
Verbreitung (sec. Schulthess): Akra, Delagoa.
Hieher stelle ich als Varietäten zwei Tylotropidius-Formen,
welche zwar von Schulthess' Beschreibung etwas ab-
weichen, die ich aber nicht für spezifisch verschieden halte.
Orthopterenlauna des Sudans. 353
Var. nov. macroptera m.
Colore obscure-fusco. Elytra genua postica attingentia.
Alae basi flavo-viridulae. Femora postica extus subconcolora.
Gondokoro, Mongalla (leg. Werner 1905); die Exemplare
von Ru'alla bilden einen Übergang zur
Var. nov. pallida m.
Colore pallide-testaceo. Elytra genua postica attingentia.
Alae totae hyalinae. Femora postica extus concolora.
Renk (leg. Werner 1905).
Diese Varietät ist etwas kleiner als die vorige und scheint
sich dadurch dem gracilipes B ran es. zu nähern, unterscheidet
sich von diesem jedoch durch die einfarbigen Hinterschenkel.
Brancsik's Beschreibung ist übrigens so mangelhaft, daß sich
nicht entscheiden läßt, ob gracilipes als Varietät zu gaugeri
gehört oder eine eigene Art bildet. Die von Brancsik be-
schriebenen Exemplare dürften — nach der Größe zu urteilen
— wahrscheinlich cfcT sein (nicht einmal das gibt Brancsik
an, ob er cfcf oder ? ? beschreibt!), doch sagt er über die Form
der Cerci nichts.
Bei meinen beiden Varietäten stimmen die Cerci mit denen
des gaugeri überein.
Genus: Eyprepocnemis Fieb. (sie!).
Syn : Euprepocnemis (haud Fieb.) auct.
73. E. plorans (Chp. 1825). Variat tibiis posticis pallide
testaceis.
Renk (var.), Doleib Hill Sobat, Khor Attar, gegenüber Khor
Attar, Gondokoro, Teifikia (leg. Werner 1905).
Sonstige Verbreitung: Südspanien, Sizilien, Vorderasien,
Afrika bis Gabun, Zanzibar und Madagaskar.
Die Varietät mit einfarbig blaßgelben Hintertibien, die
Dr. Werner in Renk erbeutete, von wo er die normale Form
nicht mitbrachte, liegt mir in der Coli. Br. v. W. aus Syrien,
Gabun und Akra vor; ich besitze sie aus Ägypten.
Merkwürdigerweise scheint die Gattung TJiisoicetrus, die
in Ägypten durch zwei Arten vertreten ist {Th. littoralis et ad-
354 H. Karny,
sperstis, cf. Werner, Orthop. Ägypt. bes. Ber. Eremiaph., 1905,
p. 70; Sitzber. Akad. Wiss., Wien, p. 426), im Sudan ganz zu
fehlen; mir ist sie wenigstens von hier nicht bekannt.
Fam. Oedipodidae.
Syn. Locustidae Kirby.
Genus: Humbe Bol.
Saussure (Prodr. Oed.) hat in seiner Emendationslust
diesen Namen in HtiinheUa abgeändert; Humhe hat die Priorität
und muß selbstverständHch beibehalten werden.
*74. H. gracilis (Schulthess-Rechb. 1898).
Chloebora gracilis Schulth.-Rechb., Zool. Jahrb., VIII, p. 74.
Von Karsch (Ent. Nachr., 1900) mit Recht ins Genus
Humhe verwiesen, doch meiner Ansicht nach mit temiicornis
nicht identisch; durch die geringere Größe und die stärker
hervortretende Crista pronoti leicht von dieser Art zu unter-
scheiden.
Gondokoro (17. III. 1905 leg. Werner).
Sonstige Verbreitung: Ogandeen Somaliland (Schult-
hess), Senegal, Guinea, Bogos (Coli. Br. v. W.).
Genus: Gastrimargus Sauss.
*75. G. marmoratus (Thunb. 1815).
Gondokoro (leg. Werner 15. III. 1905).
Sonstige Verbreitung: Paläotropische Region, Australien
(Saussure, Prodr. Oed., p. 112).
Genus: Cosmoryssa Stäl.
*76. C. fasciata (Thunb. 1815). (Alis cinnabarinis.)
Gondokoro, Mongalla, gegenüber Mongalla (leg. Werner
1905).
Sonstige Verbreitung: Süd- und Ostafrika, Madagaskar.
Wahrscheinlich bloß als Farbenvarietät dieser Spezies zu
betrachten ist:
Orthopterenfaur.a des Sudans. oOD
C. sulcata (Thunb. 1815). (Alis cistrinis.)
Khor Attar, Gondokoro (leg. Werner 1905).
Sonstige Verbreitung: Indien, Syrien, Süd- und Westafrika
(Saussure).
Genus: Pachytylus Fieb.
77. P. Danicus (L. 1766).
Chartum (Coli. Br. v. W.), Sennaar, Cordofan, Sudan (Coli.
Mus. Caes. Vind.).
Sonstige Verbreitung: Süd- und Westeuropa, Nordafrika,
Südasien bis Neuseeland.
Genus: Trilophidia Stäl.
*78. T. annulata (Thunb. 1815). (Alis basi citreis.)
Trilophidia annulata Sauss. part. (confuse cnmbidente), Prodr. Oed., p. 157.
Renk, Gondokoro, Goz Abu Guma, Khor Attar (leg.
Werner 1905).
Sonstige Verbreitung: Süd- und Ostfrika (Saussure; Coli.
Br. V. W.: »antennata«). Wird in der indischen Region durch
hideiis(T\-\\\wb. 1815; aus basi viridulis vel hyalinis; Coli. Br. v.
W.: y>mtfmlata«) ersetzt. Von aiiteimata Kr. leicht durch die
Form der Fühler zu unterscheiden.
Genus: Wernerella nov.
Genus novum vic. ThaJpomenae et Sphingonoto.
Typus : Tlialpomena Picteti K r.
Habitus generis Sphingonoti.
Statura mediocri. Pronotum constrictum, carina media tenui,
sed distincta, percurrente, postice rectangulum. Alae fascia ar-
cuata nuUa.
Im Habitus und der Form des Pronotums mit Sphingonotiis
übereinstimmend, jedoch durch den bis nach vorne deutlichen
Mittelkiql leicht zu unterscheiden. Von Thalpomena weicht
die neue Gattung durch das eingeschnürte Pronotum und
durch die bindenlosen Hinterflügel ab; von ./la'o/)7«s durch
den rückwärts winkeligen Pronotumrücken.
Sitzb. d. mathem.-naturw. KL; CXVl. Bd., Abt. I. 24
356 H. Karny,
Hoc genus magistro meo, privato docenti F. Werner,
viro optimo, amico studiorum systematicorum dedicatum est.
Dispositio specierum.
1. Alae basi roseae. Tibiae posticae pallidae, annulis 2 latis
nigris ornatae: 1. W. attrora n. sp.
1. 1. Alae basi subcoeruleae. Tibiae posticae coeruleae, basi
annuUo pallido ornatae 2. W. Picteti (Kr).
f 79. W. aurora n. sp.
Gracilis. Colore griseo-lutescente, corpore fusco-consperso.
Vertex excavatus, carinula longitudinali nulla. Pronotum, carinä
mediana percurrente, a latere visä obtuse bidentata, con-
strictum, margine postico rectangulo, nigro-notato. Elytra
elongata, angusta, pallida, fortiter fusco-conspersa. Alae basi
roseae, praeterea hyalinae. Femora omnia griseo-conspersa.
Tibiae posticae pallidae annulis 2 latis nigris ornatae.
cf
Long, corporis 18
» pronoti 3 5
» elytrorum 20
» fem. post 9
Gebel Araschkol (leg. Werner 12. IV. 1905).
[W. Picteti (Kr. 1892) wurde als Thalpomena von Teneriffa
beschrieben, hat den Habitus des Sphingonottis coerulans und
dürfte mit der var.car/wa/a dieser Art (Sau SS ureAdd.Prodr.Oed.,
p. 79) identisch sein. Ich hielt daher die Errichtung einer eigenen
Gattung für angezeigt, welche dem Sphingonotus mindestens
ebenso nahe steht als der Thalpomena, nach Saussure's Be-
stimmungstabelle aber allerdings zu TJialpomena gehört.]
Genus: Acrotylus Fieb.
-j-80. A. coerulans n. sp. (Taf. III, Fig. 45).
Pallide testaceus, dilute fusco-conspersus. Pronotum breve,
sulcis distinctis, constiictum, postice rotundatum, antice
Orthopterenfauna des Sudans. 3d7
utrinque vitta subdiluta longitudinali fusca ornatum. Elytra
longa, angusta, margine antico dimidio basali fortiter sinuato,
albidula, maculisvittisque transversis nigris ornata. Alae coeru-
lescentes, fasciis maculisque nuUis. Femur posticum superne
macLilis transversis 3 valde dilutis ornata. Tibiae posticae
pallidae, spinis nigris.
9
Long, corporis 22
» pronoti 3
» elytrorum 23
» fem. post 13*5
Gondokoro (leg. Werner 7. III. 1905).
Meines Wissens die einzige bisher bekannte Acrotylus-
Art mit einfarbig blauen Hinterflügeln; bei Acrotylus saltator
Kirby 1902, der ebenfalls blaßblaue Hinterflügel besitzt, ist
das Spitzendrittel braun.
Nach der Form des Pronotums gehört A. coerulans neben
Humbertianus.
*81. A. versicolor Burr 1898. (Taf. III, Fig. 46).
Die mir vorliegenden Exemplare stimmen vollständig mit
Burr's Beschreibung überein, nur sind die Antennen oft länger
als Kopf und Pronotum zusammen. Im Habitus ähnelt diese
Art dem insubrtcus, wo sie auch in der Coli. Mus. Caes. Vind.
und Coli. Br. v. W. steht, unterscheidet sich von ihm jedoch
durch die längeren Antennen und das hinten gerundete Pro-
notum. Von patriielis weicht sie durch das viel kürzere, hinten
plumpere Pronotum ab, in dessen Form sie mit Humhertianus
und coerulans übereinstimmt.
Chartum, Gebel Araschkol, Renk (leg. Werner 1905);
Chartum, Assuan (Coli. Br. v. W.), Cordofan (Coli. Mus.
Caes. Vind.).
Bisher nur aus der Walachei publiziert (Burr., Trans, ent.
Soc. London 1898); doch gehören auch alle mir aus Ägypten
bekannten Acrotylus hieher (»insttbricus« in Coli. Br. v. W.,
Nr. 12.741, 15.791, »patruelis< Werner, Orth., Ag. 1905).
24*
358 H. Karny,
*82. A. patruelis (Herr.-Sch. 1840). Taf. III, Fig. 47).
Von der vorigen Art an dem längeren und schlankeren,
hinten stärker gerundet vorgezogenen Pronotum leicht zu
unterscheiden, auch dann, wenn beide Arten gleich gefärbt
sind; doch liegen mir von dieser Art aus dem Sudan nur dunkel-
braune bis schwarze Exemplare vor: Gondokoro, Mongalla,
Shambe (leg. Werner 1905).
Sonstige Verbreitung: Mittelmeergebiet; die meisten afri-
kanischen Exemplare der Coli. Br. v. W. dürften zu versicolor
gehören.
Genus: Sphingonotus Fieb.
*83. S. coerulans (L. 1766).
Gebel Araschkol (leg. Werner 1905), Assuan (Coli. Br.
v. W.), Cordofan (Coli. Mus. Caes. Vind.).
Sonstige Verbreitung: Mittelmeergebiet, Turkestan, Mittel-
europa, Cuba.
84. S. azurescens (Ramb. 1838).
Gebel Araschkol (leg. Werner 1905).
Sonstige Verbreitung: Südspanien, Algerien, Ägypten,
Abyssinien, Massaua (Saussure).
85. S. Savignyi Sauss. IJ
Saussure, Prodr. Oed., p. 208; Add. Prodr. Oed., p. 84.
Savigny, Taf. VII, Fig. 13.
Werner, Orth. Äg., 1905, p. 62.
Chartum (Coli. Br. v. W.), Sudan (leg. Marno; Mus. Caes.
Vind.).
Sonstige Verbreitung: Ägypten; Turkestan, Cashmir (var.
apicalis) ;\ns\ji\a.Q fortunatae (var. canaviensis); (sec. Saussure
1. c).
Farn. Aerididae.
Syn. : Tryxalidac auct.
Genus: Aiolopus Fieb.
Aiolopus Fieb., V. 1853, Rehn 1902 =^ Epacromia Fisch. Fr., XI. 1853, auct.
Orthopterenfauna des Sudans. 3o9
*S6. A. thalassinus (Fab. 1793).
Gondokoro, Goz Abu Guma, Kodok Faschoda (leg. Werner
1905).
Sonstige Verbreitung: Mittel- und Südeuropa, Vorderasien,
Ceylon, Nord- und Südafrika (Coli. Br. v. W.).
Genus: Chortoicetes Br. v. W.
Chortoicetes Sauss. (in litt.) Br. v. W., Rev. Sys. Orth., 1893, p. 123.
f 87. C. fallax n. sp.
Griseo-testaceus. Pronotum dorso medio testaceo, utrin-
que macula atra, a carinis lateralibus albidis valde flexuosis
intersecta ornatum, postice obtuse, sed distincte angulatum.
Elytra margine antico prope basin ampliata, vena intercalata
distincta, media instructa, genua postica vix superantia, area
discoidali albido- et atromaculata. Pectus sparse et breviter pilo-
sum. Femora postica area externa grisea vel testacea, interna
fuscotestacea, maculis distinctis nullis, superne dilutis fasciis
transversis 2 fuscis. Tibiae posticae sordide griseae.
cf 9
Long, corporis 14 19*5 — 20
» pronoti 2-5 3-7
» elytrorum 12 14 — 16
» fem. post 10 12—13
Gondokoro (leg. Werner 16. III. 1905); Zanzibar (Coli.
Br. V. W., Nr. 10.267).
Im Habitus unserem Chorthippus haemorrhoidalis ähnlich.
Von den mir bekannten afrikanischen Chortoicetes- Avien durch
die Färbung, namentlich der Hinterschenkel, leicht zu unter-
scheiden.
f 88. C. acutangulus n. sp.
Rufus. Pronoti dorso utrinque maculis 2 lateralibus sub-
dilutis pallidioribus, carinis lateralibus parum flexuosis, lobis
lateralibus altioribus quam longioribus, postice acutangulum.
Elytra griseo-rufa, femora postica distincte superantia, vena
360 H. Karny,
intercalata media instructa, subdilute transverse vittata. Corpus
totum (etiam femora postica) subtus fortiter villosum. Femora
postica rufa, nigropunctulata, praecipue in carina inferiore
areae externomediae, intus roseae, maculis majoribus nullis.
Tibiae posticae roseae.
V
Long, corporis 20
» pronoti 4-8
» elytrorum 19
» fem. post 11"5
Mongalla (leg. Werner 25. IIL 1905).
Genus: Eleutherotheca nov.
(iXeüO-spoc = über, d-rf^-q = vagina, ovipositor.)
Genus novum vic. Arcypterae Serv. (=: Stetnophymati
Fisch. Fr.) et Piiorisae Stäl.
Typus: Eleutherotheca concolor n. sp.
Statura mediocri. Vertex obtusus, subdeclivis. Foveolae
verticis vix impressae, indistinctae. Antennae filiformes. Costa
frontalis, a latere visa, valde convexa, infra ocellum suboblite-
rata. Pronotum carina media et lateralibus distinctis, perductis,
postice obtusangulum. Elytra genua postica parum superantia,
Vena intercalata subtili, undulosa, nonnumquam interrupta,
venae ulnari quam venae radiali magis appropinquata. Alae
hyalinae vel apice parum infuscatae. Femora postica areä
externomediä concolore vel pone apicem nigra, genubus parum
infuscatis. Tibiae posticae calcaribus binis interioribus sub-
aequalibus, flavae vel roseae, spinis nigris, annulo nuUo. Pro-
sternum tuberculo nullo; lobi mesosternales late distantes,
metasternaies contigui. Lamina subgenitalis cf horizontaliter
producta. Valvulae ovipositoris liberae, a lamina subanali haud
obtectae.
Dispositio specierum.
1. Pronotum carinis lateralibus rectis, postice vix divergentibus.
Femora postica areä externomedä pone apicem nigra
1. E. eJegans n. sp.
Orthopterenfauna des Sudans. 361
1.1. Pronotum carinis lateralibus antice parallelis, deinde ob-
tusangulatis, postice divergentibus. Femora postica,
exceptis genubus parum infuscatis, unicolora
2. E. covicolor n. sp.
t89. E. elegans n. sp. (Taf. III, Fig. 49).
Colore testaceo. Pronotum carinis lateralibus rectis, postice
parum divergentibus, angulo postico obtuso, lobis lateralibus
subquadratis. Elytra genua postica vix superantia, areä costali
cf rionnihil dilatatä, venis parallelis instructä, parte postico
testacea, unicolora, ceterum fortiter fuscoconspersa. Alae hya-
linae, apice vix infuscatae. Femora postica areä, externomediä
pone apicem nigra, internomediä nigro- 2-maculata.
^ 9
Long, corporis 17—18-5 22-23
» pronoti 3"9 4-5— 4*9
elytrorum 14-5 — 15-5 17 — 18
» fem. post 10—11 12-8-13-8
Kordofan, 10° nördl. Breite im Grase (leg. Kotschy, Coli.
Mus. Caes. Vind.: 1 cf); Ru'alla, Mongalla, Gondokoro (leg.
Werner).
Möglicherweise gehört diese Art ins Genus Pnorisa.
1 90. E. concolor n. sp. (Taf. III, Fig. 48).
Colore pallido flavo. Pronotum carinis lateralibus antice
parallelis, deinde obtusangulatis, postice divergentibus, lobis
lateralibus trapezoideis, altioribus quam longioribus, angulo
postico subrotundato. Elytra genua postica parum superantia,
tota subtiliter, sed distincte fusco-conspersa. Alae hyalinae,
apice vix infuscatae. Femora postica, exceptis genubus parum
infuscatis, unicolora.
9
Long, corporis 20
» pronoti 4
» elytrorum 18
» fem. post 13
362 H. Karny,
Mongalla (2. III. 1905 leg. Werner).
Von Pnorisa sicher generisch verschieden.
Genus: Chorthippus Fieb.
Chorthippus Vieh. 1844 = Stenobofhrtis Fisch. Fr. 1853, auct.
Ich will hier eine Übersicht der afrikanischen Arten geben;
doch da mir die Walker'schen Arten nicht vorliegen und ich
mit seinen Beschreibungen nicht viel anfangen kann, bin ich
genötigt, zunächst die Unterscheidung nach dem Vaterlande
zu treffen.
Revisio specierum africanarum.
I. Species madagassa Cli. (?) ortiatus (Walk. 1871).
IL Species Africae meridionalis.
1. Prothorax carinis lateralibus angulatis:
Ol. (?)^ miniisculus (Walk. 1871).
1.1. Prothorax carinis tribus parallelis
Ch. (?) capensis (Walk. 1871).
in. Species Africae occidentalis (Sierra Leone, Gabun, Congo).
1. Alae obscure cinereae . . . .Ch. (?) comptns (Walk 1871).
1.1. Alae antice fusco guttatae
Ch. (?) produchis (W a 1 k. 1871).
IV. Species Africae septentrionalis, Sudano aegyptio incluso,
necnon insularum Canariensium.
1. Species aquilonares (Patria: Senegal, Algeria, Tunes, In-
sulae Canarienses).
2. Area praecostalis haud ampliata, itaque margo anticus
elytrorum subrectus .(Omocestus Bol.)
3. Pronoti carinae laterales subrectae, antice parallelae
vel subconvergentes, postice parum divergentes.
Statura et colore viridiiluin nostrum simulans, forma
pronoti carinarum lateralium facile distinguendus)
Ch. (0.) chloodes^ n. sp.
1 Von Kirby 1902 als Chortoicefcs angeführt.
2 XXotuÖTjg := viridulus.
Orthopterenfauna des Sudans. 363
3. 3. Pronoti carinae laterales pone medium distincte
angulato-inflexae.
4. Statura parum majore. Abdomen cf 9 superne
apicem versus sanguineum
Ch. (O.) Rayniondi (Yers).
4. 4. Statura parum minore. Abdomen cf 9 flavurii
Ch. (O.J Sintonyi (Kr).
2. 2. Area praecostalis basi ampliata, quare margo anticus
elytrorum sinuatus Chortkippus (Fieb.).
3 . Pronoti carinae laterales subrectae
Ch. (Ch.) piilvmatiis (Fisch. W.).
3. 3. Pronoti carinae laterales flexuosae
eil. (Ch.) epacromioides (Kr.).
1.1. Species Aegypti et regionum affinium.
2. Alae hyalinae vel basi citreae vel extremo apice solum
infuscatae (Staurodertis Bo 1.).
3. Tibiae posticae pallidae. . . . Ch. (St.) xanthus n. sp.
3. 3. Tibiae posticae dimidio apicali sanguineae.
4. Statura majore. Carinae laterales magis incur-
vae, albidosignatae: Ch. (St.) Wem eria uns n.sp.
4. 4. Statura minore. Carinae laterales pronoti
minus (sed distincte) angulatae, concolores.
Ch. (St.)ypsilon n. sp.
2. 2. Alae cinereae vel infuscatae, nigro-venosae.
3. Statura parum minore. Pronotum margine postico
rotundato Ch. (?) laetus (Walk.).
3. 3. Statura parum majore. Pronotum margine postico
angulato Ch. (?) limosiis (Walk.)
NB. Ich will hier nur noch bemerken, daß Kr aus s seinen
epacromioides mit variahilis und vagans vergleicht, doch
möchte ich ihn nach den mir vorliegenden Typen eher neben
dorsatus stellen. Bolivar's Ch. BoiiuefilBg mir nicht vor; doch
stimmt seine Beschreibung' genau mit unsern epacromioides-
Typen überein; ich muß die beiden Arten daher als identisch
betrachten.
364 H. Karny,
■fdl. Stauroderus xanthus n. sp.
Statura parvula. Flavo vel rufo-testaceus. Pronotum
utrinque macula, atra, carinis lateralibus angulatis intersecta,
parte posteriore quam anteriore longiore, margine postico ob-
tuse angulato. Elytra angusta, obscure-vittata vel guttulata,
ante apicem macula semilunari pallida nulla; vena ulnari
ab anali distincte divisa, area costali nonnihil dilatata (in 9
minus quam in cT) area praecostali basi parum ampliata. Alae
hyalinae, apice vix infuscatae. Apexabdominis haud sanguineus.
Tibiae posticae paliide testaceae, spinis nigris instructae.
^ 9
Long, corporis 12*5 15 — 17
» pronoti 2-2 2-8
» elytrorum 11-5 — 12 14 — 15
» fem. post 7-5—8 9-5—10
Gondokoro (leg. Werner 1905).
Die neue Art erinnert sehr an epacromioides, unterscheidet
sich von diesem jedoch durch die stärker einwärts gebogenen
Halsschildkiele und die geringere Größe. Von unseren ein-
heimischen Arten sind ihm petraeus und bicolor a.m ähnlichsten.
f 92. St. Wernerianus n. sp.
Statura mediocri. Flavo- vel rufotestaceus. Pronotum
utrinque macula obscura, carinis lateralibus angulatis intersecta,
parte posteriore quam anteriore sublongiore, margine postico
obtusangulo. Elytra angusta maculis compluribus majoribus
nigris ornata, macula semilunari pallida nulla; vena ulnari ab
anali distincte divisa, area costali cT 9 vix dilatata; area prae-
jcostali basi ampliata. Alae hyalinae vel basi citreae, apice
extremo distincte infuscatae. Apex abdominis flavo-testaceus.
Tibiae posticae basi pallidae, apice laete sanguineae, spinis
nigris armatae.
(f 9
Long, corporis 18 19-5 — 21
» pronoti 3-3 3- 5 — 4
elytrorum 17 19—19-5
» fem. post 11 13 — -13-5
Orthopterenfauna des Sudans. 365
Gondokoro (leg. Werner 1905); Kordofan, 10° nördl.
Breite auf Gras (leg. Kotschy, Coli. Mus. Caes. Vind.).
Var. ustulata m. nov'.
Latera flavo-testacea, item elytrorum pars anticus. Dorsum
capitis t;t pronoti cum maxima elytrorum parte fuscum. Elytra
maculis majoribus nullis. Alae apice vix infuscatae, hyalinae.
Ceterum cum forma typica congruens.
Patria: Cordofan (Coli. B r. v. W., Nr. 1326).
Dedico hanc speciem novam Dom. Dr. Fr. Werner, qui
omnium prior orthoptera nubica perexploravit et hanc quoque
speciem collegit.
Die neue Art steht wahrscheinlich dem hicolor am nächsten,
unterscheidet sich von ihm jedoch durch die bedeutendere
Größe, die in der Apikaihälfte roten Hinterschienen und die
auffallende Fleckenzeichnung der Elytra. Meine var. iistiilata
entspricht dem variahilis nigriniis Fieb.
Von xanthtis unterscheidet sich Werneriatitis durch die
Färbung der Hintertibien, von ypsilon durch die Form der
Halsschild-Seitenkiele (die bei ypsilon halb Y-förmig sind,
während sie bei Wernerianus die Form eines halben X nach-
ahmen), von beiden außerdem noch durch die Größe.
■|-93. St. ypsilon n. sp,
Statura parvula. Rufo- vel griseo-testaceus.Pronotum ma-
cula laterali nulla, carinis concoloribus vel vix pallidioribus, an-
ticeparallelis,deinde obtusangulatis,postice divergentibus eoque
modo semi-Y-formibus, postice angulatum. Elytra genua postica
vix superantia, subhyalina, fortiter fusco-conspersa, maculis
majoribus distinctis nullis, area praecostali basi dilatata, costali
cf dilatata, hyalina, regulariter oblique-venosa, vena ulnari ab
anali distincte divisa, macula semilunari pallida indistincta.
Alae hyalinae, apice infumatae. Femora postica carinis
3 superioribus nigro-punctatis. Tibiae posticae cum tarsis
sanguineae.
366 H. Karny,
cT 9
Long, corporis 13 18'5
» pronoti 2-8 2 -8
» elytrorum 12 16
» fem. post 8' 5 11
Gondokoro (leg. Werner III. 1905).
Außer den drei beschriebenen Chor fhippus- Arten ist mir
aus dem Gebiete keine bekannt. Ob die beiden Walker'sclien
(laetus und Uniosus) wirklich in die Gattung gehören, weiß ich
nicht; da sie außerdem auch nicht aus dem ägyptischen Sudan,
sondern aus Ägypten (laetus), respektive vom Roten Meer
(limosiis) beschrieben wurden, konnte ich sie hier ganz unbe-
rücksichtigt lassen. Den laetus hat übrigens auch Dr. Werner
in seiner Orthopterenfauna Ägyptens ignoriert. Die übrigen
afrikanischen Arten Walkers gehören wahrscheinlich nicht
zu Chorthipptis (vielleicht zu Chorthoicetes'^); wenigstens führt
Kirby 1902 den mimiscultis als Chorthoicetes an. Mir ist
außer den drei oben beschriebenen Arten aus der äthiopischen
Region kein echter Chorthippus bekannt und es ist vielleicht
schon interessant, daß diese echt paläarktische Gattung so
weit nach Süden vordringt.
Genus Ochrilidia Stäl.
Ochrilidia Stäl 1873, Rec. Orth.
Brachycrotaphus Kr., Sitzber. Akad. Wiss. Wien, 1877.
Ochrilidia Kr., Verh. Zool.-bot. Ges. Wien, 1888.
Brachycrotaphus Kar seh, Stett. Ent. Zeitschr., 1896.
VonPlatypterna leicht zu unterscheiden (cf. Karsch I.e.).
*94. O. tryxalicera (Fisch. Fr. 1853).
Opotnala tryxalicera F"isch. Fr., Orth. eur., 1853, p. 305.
Brachycrotaphus Steindachneri Kr., Orth. Senegal., Sitzber. Akad. Wiss. Wien,
1877, p. 20.
Ochrilidia tryxalicera Br., Prodr. eur. Orth., 1882, p. 91.
Kr., Verh. Zool.-bot. Ges. Wien, 1888.
Karsch, Orth. Bergl. Adeli, 1893, p. 61
Brachycrotaphus Steindachneri Karsch, I.e., 1896, p. 262.
Sttihlmanni Karsch, 1. c., 1896, p. 262.
Oithopterenfauna des Sudans. 3ü7
Del.: Ochrüidia tryxalicera Kar seh, 1. c, 1896, p. 262 (= Platypteina lihia-
lis Fie b.).
Mit heller Längsbinde auf Kopf und Pronotum, die jedoch
auch fehlen kann (var. Stuhlmannl Karsch). Die Form der
Mesosternallappen variiert; meist sind sie der ganzen Länge
nach verwachsen; mitunter berühren sie sich nur in einem
Punkte, manchmal bleiben sie überhaupt ganz getrennt. Da-
zwischen finden sich (auch am selben Fundorte, z. B. Gondo-
koro) alle möglichen Übergänge.
In der Nomenklatur dieser Spezies herrscht große Kon-
fusion; ich muß mich nach dem mir vorliegenden Material der
Deutung Krauss' anschließen. Übrigens gehört nach der Type
der Ochrüidia boscae Caz., welche die Coli. Br. v. W. von
Cazurro aus Monserrat erhielt, auch diese Spezies als Syno-
nym hieher.
Renk, Ru'alla, Gondokoro, Mongalla (leg. Werner 1905)_
Sonstige Verbreitung: Südeuropa, Nordafrika.
Genus: Platypterna Fieb.
Plalypierna Fieb. 1853.
Ochrüidia Br. nee Stäl.
« auct.
*95. P. tibialis Fieb. 1853.
Platypterna tibialis Fieb. 1853, Synops., p. 9.
■» Opomala pundivenis (indescript.) Fisch.« Coli. Fischer (in Coli. Br. v. W.).
iOpomala cordofana«. Coli. Mus. Caes. Vind.
Ochrüidia tibialis Br., Prodr. eur. Orth., 1882, p. 91.
Platypterna » Kr., Verh. Zool.-bot. Ges., 1902, p. 236.
Karsch, Stett. Ent. Zeitschr., 1896, p. 263.
» tryxalicera, Karsch, Stett. ent. Zeitschr. 1896, p. 263.
Del.: Opomala » Fisch. Fr.
Chartum, Cordofan (Coli. Mus, Caes. Vind.), Goz Abu
Guma (leg. Werner 4. IL 1905).
Sonstige Verbreitung: Südeuropa, Nordafrika.
Genus: Calephorus Fieb.
CalephortisYiQh. V. 1853 = Oxycoryphus Fisch. Fr., XI. 1853.
368 H. Karny,
*96. C. compressicornis (Latr. 1804).
Cordofan, x'Xssuan (Coli. Br. v. W.); Khor Attar (leg.
Werner).
Sonstige Verbreitung: Südeuropa, Nordafrika.
Genus: Phlaeoba Stal.
Verzeichnis der bisher beschriebenen afrikanischen
Arten :
Opomala basalis Walk., Cat. Derm. Salt, III, p. 510.
» interlineata Walk., Cat. Derm. Salt., III, p. 510.
{Phlaeoba chloronota Stäl = basalis Walk., sec. Kirby.)
bisulcala Kr., Orth. Seneg., 1877, p. 24.
> sanguinolenta Bol., Jörn. Sc, Lisb., 1890, p. 96.
» angustata Bol., Jörn. Sc, Lisb., 1890, p. 97.
laeta Bol., An. Soc. Espan., 1890, p. 310.
( > mossambicensis Brancsik 1895, wahrscheinlich zu Pwoma gehörig.')
> antennata Schulthess 1898, Ann. Mus. Genov.
> rufescens Kirbj'' Proc. Zool. Soc, 1902.
Von den angeführten Arten besitzt die Coli. Br. v. W. nur
laeta Bol. Ich war daher bei den übrigen bloß auf die Beschrei-
bungen angewiesen. Die von Dr. Werner gesammelten Exem-
plare stimmen mit keiner der Beschreibungen überein und ich
habe sie daher als neue Arten beschrieben. Sie gehören drei
verschiedenen Arten an, die voneinander leicht zu unter-
scheiden sind:
1. Statura majore. Antennae ensiformes. . . A. P. tricolor n. sp.
1.1. Statura parvula. Antennae subfiliformes.
2. Statura graciliore. Vertex sulco interoculari semiorbiculari
instructus 2. P. elegatts n. sp.
2.2. Statura robustiore. Vertex sulco interoculari parum cur-
vato instructus 3. P. Pharaonis n. sp.
Die Mesosternallappen sind bei allen drei Arten breit
getrennt. Elegans und Pharaonis nähern sich im Habitus der
Gattung Ortkochtha Karsch, weichen von derselben jedoch
durch den gebogenen Unterrand der Pronotum-Seitenlappen ab.
t97. Ph. tricolor n. sp. (Taf. III, Fig. 50).
Statura majore. Viridulo-testacea (viva virescens?). Vertex
sulco transverso semiorbiculari. Pronotum plerumque vitta
Orthopterentauna des Sudans. 369
utrinque fusca percurrente, nonnumquam in elytris continuata
ornatum. Elytra concolora vel basi vitta fusca et albidula longi-
tudinalibus, apice interdum maculis obscuris ornata, genua
postica valde superantia. Femora postica unicolora; tibiae
posticae testaceae, spinis apice nigris.
^ 9
Long, corporis 21 31 — 36
pronoti 4 6 — 6-5
elytrorum 23*5 30 — 33
fem. post 14 18-5—21
Goz Abu Guma, Khor Attar, Mongalla (leg. Werner).
In der Färbung an Paracinema tricoJor erinnernd, doch
durch den Besitz der halbkreisförmigen Querfurche des Vertex,
die geraden, das ganze Pronotum durchziehenden Seitenkiele
leicht zu unterscheiden. Von Ph. laeta durch weniger intensive
Färbung und längere Flugorgane abweichend.
t98. Ph. elegans n. sp. (Taf. III, Fig. 51).
Statura parvula. Griseo-testacea. Vertex sulco trans-
verso semiorbiculari. Antennae subfiliformes. Pronotum vittis
lineisque fuscis et pallidis longitudinalibus percurrentibus, inter-
dum in elytris continuatis ornatum. Elytra genua postica
distincte superantia. Femora postica subunicolora, tibiis con-
coloribus, spinis subtotis nigris instructis.
9 c^
Long, corporis 15 19
» pronoti 2-7 3*5
» elytrorum 15 18
» fem. post 10 11
Gondokoro (leg. Werner III. 1905).
t99. Ph. Pharaonis n. sp. (Taf. III, Fig. 52).
Statura parvula, praecedente crassiore. Flavo-testacea.
Vertex sulco transverso parum curvato. Antennae subfiliformes.
Pronoti dorsum testaceum, lobi laterales subtus late flavo-
vittati, superne vitta longitudinali lata fusca, retrorsum eva-
370 H. Karny,
nescente, antrorsum nigricante, nonnumquam ipsis in oculis
continuata ornati. Elytra genua postica distincte superantia,
grisea vel fusca, parte dorsali testacea, antice interdum linea
longitudinali albida ornata. Femora postica genubus plus minus
infuscatis, tibiis testaceis, spinis apice nigris instructis.
cf 9
Long, corporis 15 — 18 19—20
pronoti 2-5 — 3 3*5
elytrorum 15—16-5 17—20-5
fem. post 9—10 11 — 12-5
Syn.: »Stenobofhrtts Pharaoms« Coli. Mus. Caes. Vind.
Var. aterrima m. Tota vel subtota atra, alis quam forma
typica magis infuscatis.
Cordofan, Nuba, Sudan (Coli. Mus. Caes. Vind.); Renk,
Mongalla, Khor Attar, Gondokoro (leg. Werner 1905).
Diese und die vorhergehende Art erinnern im Habitus an
Chorthippus (z. B. elegans), sind jedoch durch das Fehlen der
Stirngrübchen von dieser Gattung leicht zu unterscheiden. Von
den bisher beschriebenen Phlaeoba- Arien weichen sie durch
relativ längere Flugorgane, von den meisten auch noch durch
viel geringere Größe ab. Darin nähern sie sich der Gattung
Orthocktha Karsch, mit der sie jedoch den geraden Unterrand
der Pronotum-Seitenlappen nicht teilen.
Genus: Paracinema Fisch. Fr.
*100. P. tricolor (Thunb. 1815).
Goz Abu Guma, Mongalla.
Sonstige Verbreitung: Südeuropa, Algerien, Senegal, Ga-
bun, Zanzibar, Madagaskar (Brunner, Prodr., p. 97).
Genus: Cymochtha Karsch.
* 101. C. nigricornis Karsch 1893.
Karsch, Springh. Bergl. Adeli, 1893, p. 69.
Diese Art liegt mir in zwei Exemplaren (cf) von Mongalla
und Gondokoro (leg. Werner) vor. Das Exemplar von Mon-
Orthopterenfauna des Sudans. 37 1
galla ist etwas kleiner (long, corporis 22), heller, hat die Hinter-
kniee nicht angeschwärzt und die Fühler statt schwarz nur
braun; dennoch halte ich es für identisch mit nigriconiis.
Sonstige Verbreitung: Bismarckburg Adeli (Karsch 1. c).
Genus: Machaeridia Stäl.
Species adhuc descriptae: Bolivar, Jörn. Sei. Lisb., 1889, p. 94 — 96.
f 102. M. coerulans n. sp.
Griseo testacea. Caput pronoto vix longius. Frons obliqua,
a latere visa, parum sinuata, distincte pallide-quadricarinata,
fortiter ruguloso-punctata. Vertex inter oculos parum angustus.
Fastigium oculo brevius, antice rotundatum, carina media
distincta, percurrente. Pronotum antice truncatum, postice
rotundato-truncatum, carinis lateralibus pallidis, lobis laterali-
bus pone carinas infuscatis, quae vittae longitudinales antror-
sum usque ad oculos, retrorsum nonnunquam in elytris con-
tinuantur. Alae basi coeruleae, apice hyalinae. Lamina sub-
genitalis cf acute producta.
Long, corporis 23-5 — 25
» pronoti 3 • 2 — 3 • 5
» elytrorum 22 -22-5
» fem. post ? — 14-5
Khor x'\ttar, Mongalla (leg. Werner 1905).
Von allen bisher beschriebenen Arten schon durch die
blauen Hinterflügel leicht zu unterscheiden. Das 9 kenne ich
nicht.
Genus: Amycus Stäl.
*103. A. xanthopterus Stäl 1855.
Burr, Monogr. Acrida, p. 186.
Gondokoro (leg. Werner III. 1905: 1 9).
Sonstige Verbreitung: Adeli, Caffraria, Angola, Natal
(Burr 1. c).
Sitzb. d. mathem.-naturw. Kl. ; CXVI. Bd., Abt. I. 25
372 H. Karny,
Genus: Amphicremna Kar seh.
*104. A. scalata Karsch 1896.
Die Färbung variiert stark; gewöhnlich ist sie bräunlich
oder graugelb, doch kann sie bis ins Schwarzgraue übergehen.
Der Pronotumrücken weist oft schwarze Punkte auf, die
jedoch auch fehlen können. Die relative Länge der Elytra ist
gewöhnlich so wie auf der Karsch'schen Figur. Doch liegen
mir auch Exemplare vor, bei denen sie deutlich länger sind,
und bei einem Exemplare wiederum überragen sie die Hinter-
kniee nicht. Bei allen mir vorliegenden 9 9 erreichen die
Hinterkniee die Hinterleibspitze, während Karsch angibt:
:»Femora postica apicem abdominis in mare attingentia, in
femina haud attingentia«. Sehr charakteristisch für diese Art
ist das Geäder der Hinterflügel (Karsch, Burr).
Gondokoro, Mongalla, Khor Attar, Renk (leg. Werner
1905).
Sonstige Verbreitung: Westafrika (Karsch).
Genus: Calamus Sauss.
^105. C. linearis Saussure 1861.
Karsch, Ins. Bergl. Adeli, 1893, Fig. 3, p. 56—58.
Burr, Monogr. Acrida, 1902, p. 184—185.
Gondokoro, Doleib Hill Sobat, Khor Attar, gegenüber Khor
Attar, Mongalla, Ru'alla (leg. Werner 1905).
Sonstige Verbreitung: Adeli, Bogos, Zambesi,Hö (Burr I.e.)
Diese Art zeigt uns die extremste Schutzanpassung an
das Leben in der Grassteppe. In der Form ist sie von einem
Grashalm nicht zu unterscheiden, solange sie sieh nicht bewegt,
und auch in der Färbung ahmt sie ihre Umgebung täuschend
nach: gewöhnlich ist sie hellgrünlieh- oder bräunlichgelb; doch
liegen mir auch dunkelgraue Exemplare vor, und zwar wurden
dieselben, wie mir Dr. Werner mitteilt, an Stellen gefangen,
wo das Gras durch Verbrennen dieselbe Farbe angenommen
hatte. Nach Dr. Werner kann man den CaJamtis überhaupt
nur durch Streifen fangen, weil es unmöglich ist, ihn zwischen
Orthopterenfauna des Sudans. 6/6
den ganz gleich aussehenden Grashalmen zu erkennen, obwohl
er recht häufig ist.
Genus: Acrida L.
Syn.: Truxalis Fab.
*106. A. acuminata Stäl 1873. (Taf. III, Fig. 53).
Stäl, Rec. Orth., I, 1873, p. 97.
Burr, Monogr. Acrida, 1902, p. 162.
Bisher war nur das 9 bekannt; mir liegt in der Werner-
schen Ausbeute nur 1 cT vor, welches jedoch (abgesehen von
der Größe) nach der Beschreibung Burr's (1. c.) und nach den
9 9 der Coli. Br. v. W. vollständig mit actimmata Stäl über-
einstimmt. Die Größenverhältnisse sind:
cf (nov.)
Long, corporis 44
» capitis (superne) 9
» pronoti 7
» elytrorum 49
» fem. post 28
Khor Attar (leg. Werner 15. IL 1905).
Von turrita schon durch die bedeutend längeren Elytra
leicht zu unterscheiden.
Sonstige Verbreitung: Caffraria, Gabun, Port Natal, Bathurst
(Burr 1. c).
tl07. A. maxima n. sp. (Taf. III, Fig. 54, 55).
Viridis vel testacea. Statura maxima, pergracili, Caput
haud ascendens, vertice concavo, marginibus reflexis, pronoto
multo longius. Antennae capite pronotoque unitis subaequi-
longae. Occiput subtilissime longitrorsum carinatum. Frons
carinis distinctis, granulosa. Pronotum carinis lateralibus rectis,
parallelissimis, plerumque vittis longitudinalibus nullis. Meso-
sternum utrinque carinis 3, plerumque indistinctis. Elytra per-
longa, acuminata, vittis longitudinalibus rarissimo instructa,
25*
374 H. Karny,
sed plerumque sparse et distincte fusco-punctata. Alae viridulo-
flavescentes, apice haud infuscatae.
Long, corporis 59 — 65 87—89
» capitis (superne) 14-2—16 20—20-5
» pronoti 8-5—9-5 13—14
» elytrorum 50 — 58 75
» fem. post 34-38 47
Khor Attar, gegenüber Khor Attar, Goz Abu Guma (leg.
Werner 1905).
Steht von den bisher beschriebenen Arten der acuminata
und carhmlata am nächsten; ist jedoch nicht nur durch die in
der Beschreibung angeführten Merkmale, namentUch die auf-
fallende Länge des Kopfes, sondern auch besonders durch die
bedeutende Körpergröße leicht zu unterscheiden.
Von anderen Fundorten ist mir diese Art nicht bekannt.
Nach der Burr'schen Tabelle der Gattungen käme man auf
Calamus, da meine niaxinia weder das »caput ascendens«
noch das »pronotum postice plus minus tumidum« mit den
übrigen Acrida-AriQu teilt. Ich habe sie aber dennoch in dieses
Genus eingereiht, da sie von Calainus durch die weniger
schlanke Statur und namentlich durch die Stellung der Augen,
worin sie mit Acrida übereinstimmt, auffallend abweicht.
108. A. turrita (L. 1754) (r= nasiita auct. nee L.).
Khor Attar, gegenüber Khor Attar, Gondokoro, Mongalla
(leg. Werner 1905).
Sonstige Verbreitung: Südliches Mitteleuropa, Südeuropa,
ganz Afrika, Madagaskar, Asien bis Turkestan und China,
Japan, Australien.
*109. A. sulphuripennis (Gerst. 1873).
Burr, Monogr. Acrida, 1902, p. 168.
Mongalla, Gondokoro.
Sonstige Verbreitung: Zanzibar, Congo, Südwest- und
Südafrika (Burr. 1. c).
Orthopterenfauna des Sudans. 3/ O
Genus: Acridella Bol.
Syn. : Trtixalis Kirby.
110. A. variabilis (Klug 1829) (= nastUa L.?)
Burr, Monogr. Acrida, 1902, p. 172.
Gondokoro, Khor Attar, Chartum (leg. Werner 1905);
Cordofan, Chartum, Sennaar (Coli. Mus. Caes. Vind.); Assuan
Chartum, Süd-Nubien (Coli. Br. v. W., Burr 1. c).
Sonstige Verbreitung: Südlichstes Europa, nördliches
Afrika, Vorderasien, Indien.
Ordo: Gressorla.
Genus: Gratidia Stäl.
* 1 1 1 . G. voluptaria B r.
Brunner V. Wattenwyl et Redtenbacher Monogr. Phasmid. (Manuskript).
Gondokoro (leg. Werner 1905).
Die mir vorliegenden Exemplare unterscheiden sich von
den Typen der vohiptaria durch blassere Färbung. In der Form
der Cerci cf stimmen sie mit dem Exemplare von Usumbara
(Coli. Br. V. W., Nr. 25.132) überein, während dieselben bei dem
Exemplar von Zanzibar (Coli. Mus, Caes. Vind., leg. Marno
1878) dicker und plumper sind.
Ordo: Dermaptera (sie!). •
Genus: Labidura Leach.
112. L. riparia (Fall. 1773) (subspecies: riparia).
Krauss- Bormans, Forfic., Hemim., 1900, p. 33 — 35.
Wadi Haifa, Mongalla (leg. Werner 1905).
Sonstige Verbreitung: Ganze Erde.
Genus: Forficula L.
113. F. senegalensis Serv. 1839 (= serrata auct.).
Krauss-B ormans, Forfic, Hemim., 1900, p. 121.
Sennaar, Chartum (Coli. Br. v. W.), Sudan, Chartum (Coli.
Mus. Caes. Vind.), Cordofan, Sudan, Chartum (Krauss 1. c).
376 H. Karny,
Sonstige Verbreitung: Senegal, Indien (Krauss 1. c),
Mauritius, Cap der guten Hoffnung (Coli. Br. v. W.).
Angehörige der Ordnungen der Dipl oglossata und Thysano-
ptera sind mir aus dem ägyptischen Sudan und aus Nord-
Uganda nicht bekannt. In der Werner'schen Ausbeute fehlen
sie vollständig und sollen nach Dr. Werners Aussage im be-
handelten Gebiete überhaupt nicht vorkommen.
Die Dictyoptera (z=z Blattidae) und Mantaria wurden in
Handlirsch's neuem phylogenetischen Systeme von den Ortho-
pteren getrennt und ich habe sie daher hier nicht behandelt.
Orthopteienfauna des Sudans. 37 i
Tafelerklärung.
Tafel I.
Fig. 1. Pseudorhynchus Werneri Karny. 9- Von der Seite.
Fig. 2. » » » (-f . Von oben.
Fig. 3. Loxoblemmus (Paraloxoblemmns) loxoblemmoides n. sp. (^. Von oben.
Fig. 4. » » . > » ^. Kopf und
Pronotum von der Seite.
Fig. 5. Loxoblenwms (Paraloxobleuimtis) loxoblemmoides n. sp. 9 • Kopf und
Pronotum von der Seite.
Fig. 6. Gryllodes aprictts Sa.uss. Larve. Von der Seite. (Linkes Hinterbein in
Regeneration begriffen ?)
Fig. 7. Tristria pallida n. sp. (^. Hinterleibsspitze. Von oben.
Fig. 8. » » » » ^. » » der Seite.
Fig. 9. » sudanensis n. sp. rT" . Hinterleibsspitze. Von oben.
Fig. 10. » » > » (-f . » » der Seite.
Tafel IL
Fig. 11. Catantops cyanipes n. sp. Kopf und Pronotum von oben. (^ .
Fig. 12. » » » » Lobi meso- et metasternales. rf .
Fig. 13. » » » » Genitalien, cf . Von oben.
Fig. 14. » > ^ » » cf- "■ der Seite.
Fig. 15. » » » > Hinterschenkel von außen. j^T-
Fig. 16. » «je/t7«05//r/»s S chaum. Kopf und Pronotum von oben. 9-
Fig. 17. » » » Lobi meso- et metasternales. 9-
Fig. 18. » » » Genitalien, c^. Von oben.
Fig. 19. » » » » cf ■ " der Seite.
Fig. 20. >^ » » Hinterschenkel von außen. 9 •
Fig. 21. > sauciiis (Burm.). Kopf und Pronotum von oben. 9-
Fig. 22. » » » Lobi meso- et metasternales. 9 •
Fig. 23. » » » Genitalien, ^f . Von oben.
Fig. 24. » » » » cf- '^ der Seite.
Fig. 25. » » » Hinterschenkel von außen. 9 •
Fig. 26. » stylif er Kr. Kopf und Pronotum von oben. 9-
Fig. 27. » » » Lobi meso- et metasternales. 9 •
Fig. 28. » » » Genitalien. ^T. Von oben.
Fig. 29. » » » . ^. » der Seite.
Fig. 30. » » » Hinterschenkel von außen. 9 •
378 H. Karny, Orthopterenfauna des Sudans.
Fig. 31. Cataniops minimus n. sp. Kopf und Pronotum von oben. ^.
Fig. 32. » > j. » Lobi meso- et metasternales. 9 .
Fig. 33. » » » j. Das ganze 9 von der Seite.
Fig. 34. > solitarius Kars eh. Kopf und Pronotum von oben. 9-
Fig. 35. » » » Lobi meso- et metasternales. 9 •
Fig. 36. » » » Genitalien. (^. Von oben.
Fig. 37. » » » » rf . » der Seite.
Fig. 38. » » > Hinterschenkel von außen. 9-
Fig. 39. » Wernerellus n. sp. Kopf und Pronotum von oben. 9 •
Fig. 40. » » » » Lobi meso- et metasternales. 9 •
Fig. 41. » > » > Genitalien, <^. Von oben.
Fig. 42. » » » » > (-j^. » der Seite.
Fig. 43. > » » > Hinterschenkel von außen. 9 •
Tafel III.
Fig. 44. Acrotyhis insubricus (Scop.) (aus Ofen). Pronotum. Von oben.
Fig. 45. » coerulans n. sp. Pronotum. Von oben.
Fig. 46. » t^ersiVo/or Burr. Pronotum. Von oben.
Fig. 47. » patrttelis (Herr.-S eh.). Pronotum. Von oben.
Fig. 48. Eleutherotheca concolor n. g. n. sp. 9 • Von oben.
Fig. 49. » elegans n. sp. 9 • Von oben.
Fig. 50. Phlaeoha tricolor n. sp. 9 • Von oben.
Fig. 51. » elegans n. sp. 9 • * oben.
Fig. 52. > Pharaonis n. sp. 9 • Von oben.
Fig. 53. Acrida acuminata Stäl. (^. Von der Seite.
Fig. 54. » maxima n. sp. 9 • Von oben.
Fig. 55. » > » » (-j^, » »
Alle Figuren sind vom Autor nach den Originalexemplaren gezeichnet.
ISiri^,!!.: Orthopteren des Sadans.
Ta£I.
LsV.
Isan
Is.an
. Isg
I.ith.Anirt.v.Th.BaimwarlJi.Wieiv.
Silziingsbericlite d.kais. Alcad.d.Wiss., inathriiatui-w^Klasse, Bd.CXV. AbÜi.1.1907.
i^'iiy,!!.: Omiopteren des SiLÜans
12
TaCH.
LiÜLAnst.v.TlLBaiirov'urÖi.Wii-.n.
l Sitzungsberichte (Lkais.AkHd.d.Wiss.,mathrnatunv.Klasse, Bd.CXV.Abtti..I1907.
ii&a*iiy,H.: OrthopteTen des Saüaus.
Taüm.
Lilli.An.sl.vmi.B;uimv;u-IJi,Wen.
Sitzungsberichte d.kais.Alca(l.d.Wis.s., laatlimalurw. Klasse, Bd.CXV..'Vbtii.L1907.
Die Sitzungsberichte der mathem.-naturw, Klasse
erscheinen vom Jahre 1888 (Band XCVII) an in folgenden
vier gesonderten Abteilungen, welche auch einzeln bezogen
werden können:
Abteilung I. Enthält die Abhandlungen aus dem Gebiete der
Mineralogie, Kristallographie, Botanik, Physio-
logie der Pflanzen, Zoologie, Paläontologie, Geo-
logie, Physischen Geographie, Erdbeben und
Reisen.
Abteilung II a. Die Abhandlungen aus dem Gebiete der
Mathematik, Astronomie, Physik, Meteorologie
und Mechanik.
Abteilung II b. Die Abhandlungen aus dem Gebiete der
Chemie.
Abteilung III. Die Abhandlungen aus dem Gebiete der
Anatomie und Physiologie des Menschen und der
Tiere sowie aus jenem der theoretischen Medizin.
Von jenen in den Sitzungsberichten enthaltenen Abhand-
lungen, zu deren Titel im Inhaltsverzeichnisse ein Preis bei-
gesetzt ist, kommen Separatabdrücke in den Buchhandel und
können durch die akademische Buchhandlung Alfred Holder,
k. u. k. Hof- und Universitätsbuchhändler (Wien, I., Rothenthurm-
straße 13), zu dem angegebenen Preise bezogen werden.
Die dem Gebiete der Chemie und verwandter Teile anderer
Wissenschaften angehörigen Abhandlungen werden auch in be-
sonderen Heften unter dem Titel: »Monatshefte für Chemie
und verwandte Teile anderer Wissenschaften« heraus-
gegeben. 14 K — 14 M.
Der akademische Anzeiger, welcher nur Originalauszüge
oder, wo diese fehlen, die Titel der vorgelegten Abhandlungen
enthält, wird, wie bisher, acht Tage nach jeder Sitzung aus-
gegeben. 5 K — 5 M.
|-5->-
SITZUNGSBERICHTE
DER KAISERLICHEN
AKADEMIE DER WISSENSCHAETEN.
MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE KLASSE.
CXVI. BAND. III. HEFT.
JAHRGANG 1907. — MÄRZ.
ABTEILUNG L
ENTHÄLT DIE ABHANDLUNGEN AUS DEM GEBIETE DER MINERALOGIE,
KRISTALLOGRAPHIE, BOTANIK, PHYSIOLOGIE DER PFLANZEN, ZOOLOGIE,
PALÄONTOLOGIE, GEOLOGIE, PHYSISCHEN GEOGRAPHIE UND REISEN.
(MIT 2 KARTENSKIZZEN, 10 TAFELN UND 23 TEXTFIGUREN.)
^WIEN, 1907.
AUS DER KAISERLICH-KÖNIGLICHEN HOF- UND STAATSDRUCKEREL
IN KOMMISSION BEI ALFRED HOLDER.
K. U. K. HOF- UND UNIVERSITATSBUCHHANDLKR.
BUCHHÄNDLER DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
INHALT
des 3. Heftes, März 1907, des CXVI. Bandes, Abteilung I, der Sitzung-s-
beriehte der mathem.-naturw. Klasse.
. . Seite
Glmkiewicz A., Ergebnisse der mit Subvention aus der Erbschaft Treitl
unternommenen zoologischen Forschungsreise Dr. Franz Werner's
nach dem ägyptischen Sudan und Nord-Uganda. X. Parasiten von
Pachyiiromys duprasi Lat. (Mit 2 Tafeln.) [Preis: 65 h — 65 pf] . 381
Mayr G., Ergebnisse der mit Subvention aus der Erbschaft Treitl unter-
nommenen zoologischen Forschungsreise Dr. F. Werner's nach
dem ägyptischen Sudan und nach Nord-Uganda. XI. Liste der von
Dr. Franz Werner am oberen Nil gesammelten Ameisen nebst
Beschreibung einer neuen Art. [Preis: 30 h — 30 pf] 387
Schorn F., Über Schleimzellen bei Urticaceen und über Schleimcystolithen
von Girardinia palmata Gau dich. (Mit 2 Tafeln.) [Preis: 95 h
- 95 pf] . . . . 393
Wagner R., Zur Morphologie der Gattung Creochiton B 1. (Mit 1 Tafel
und 12 Textfiguren.) [Preis: 95 h — 95 pf] 411
Senft Em., Über eigentümliche Gebilde in dem Thallus der Flechte Physma
dalmaticum A. Zahlbr. (Mit 1 Tafel.) [Preis: 55 h — 55 pf] . . , 429
Heinricher E., Beiträge zur Kenntnis der Gattung Balanophora. (Mit
1 Tafel und 3 Textfiguren.) [Preis: 1 K 25 h — 1 M 25 pf] . , . 439
Molisch H., Über die Sichtbarmachung der Bewegung mikroskopisch
kleinster Teilchen für das freie Auge. [Preis: 30 h — 30 pf] ... 467
Steindachner F., Über einige Fischarten aus dem Flusse CubataS im
Staate Santa Catharina bei Theresopolis (Brasilien). (Mit 2 Tafeln.)
[Preis : 95 h — 95 pf] 475
Apfelbeck V., Koleopterologische Ergebnisse der mit Subvention der
kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien im Frühjahr 1905
ausgeführten Forschungsreise nach Montenegro und Albanien.
[Preis : 50 h — 50 pf] 493
— Neue Koleopteren, gesammelt während einer im Jahre 1905 mit
Subvention der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien
durchgeführten zoologischen Forschungsreise nach Albanien und
Montenegro. (II. Serie.) [Preis : 60 h — 60 pf] 507
Siebenrock F., Die Schildkrötenfamilie Cinosternidae m. Monographisch
bearbeitet. (Mit 2 Kartenskizzen, 2 Tafeln und 8 Textfiguren.)
[Preis : 3 K — 3 M] 527
Preis des ganzen Heftes: 7 K 20 h — 7 M 20 pf.
SITZUNGSBERICHTE
DER
KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
MATHEMATISCH - NATURWISSENSCHAFTLICHE KLASSE.
CXVI. BAND. III. HEFT.
ABTEILUNG L
ENTHÄLT DIE ABHANDLUNGEN AUS DEM GEBIETE DER MINERALOGIE,
KRISTALLOGRAPHIE, BOTANIK, PHYSIOLOGIE DER PFLANZEN, ZOOLOGIE,
PALÄONTOLOGIE, GEOLOGIE, PHYSISCHEN GEOGRAPHIE UND REISEN.
26
381
Ergebnisse der mit Subvention aus der Erb-
sehaft Treitl unternommenen zoologischen
Forschungsreise Dr. Franz Werner's nach
dem ägyptischen Sudan und Nord-Uganda.
X.
Parasiten von Pachyuromys duprasi Lat.
von
Anna Glinkiewiez.
(Mit 2 Tafeln.)
(Vorgelegt in der Sitzung am 7. Februar 1907.)
Auf einer von Herrn Privatdozenten Dr. Franz Werner
aus Ägypten mitgebrachten Dickschwanzmaus {Pachyuromys
duprasi Lataste var. natronensis De Winton), einem in
europäischen Sammlungen übrigens nur in wenigen Exemplaren
vorhandenen Wüstentier, fand ich folgende Parasiten:
1. Myohia musaili (Schrank), eine Milbe.
2. Eremophthirhis Werneri n. gen., n. sp., zu den Siphnn-
culata zählend.
3. Xenopsylla pachyuroinyidis n. gen., n. sp., zu den
Siphotiaptera gehörig und eine neue Familie re-
präsentierend.
1. Eremophthirius Werneri n. gen., n. sp. Die Gattung
Eremophthirius steht nach der Bestimmungstabelle von
Dr. Günther Enderlein,^ dessen Abhandlung ich bei der
3 Dr. Günther Enderlein, 1. Läusestudien, Über die Morpiiologie,
Klassifiivation und systematische Stellung der Anopluren nebst Bemerkungen
zur Systematik der Insektenordnungen. Zool. Anz., Leipzig 1905, IlL vol.,
p. 121 bis 147.
26*
382 A. G U n k i e vv i c z ,
Bearbeitung benützte, am nächsten der von dem genannten
Autor aufgestellten Gattung Polyplax, gehört somit zu der
Unterordnung der Anopluren, der Familie der Haematopinidae
und der Subfamilie der Trichauliiiae. Sie stimmt mit dem
genannten Genus auch in Bezug auf den Wirt insofern über-
ein, als derselbe ebenfalls den Nagetieren angehört.
Ich lasse nun eine Beschreibung der charakteristischen
Gattungs- und Artmerkmale von Eremophthirms Werneri
folgen:
Kopf nach hinten zu breiter werdend, etwa trapezförmig,
ohne Augen, Antennen weit vorstehend, fünfgliedrig, das erste
Glied sehr groß.
Thorax deutlich schmäler als der Hinterleib, Abdomen
sehr langgestreckt, mit konvexen Seitenrändern, zweites
bis achtes Sternit und Tergit in zwei hintereinanderliegende
Platten geteilt, von denen jede mit einer Reihe von langen,
kräftigen Haaren besetzt ist.
Pleuralplatten vorhanden, nach hinten und außen ver-
breitert, wodurch der Hinterleib an den Seitenrändern säge-
zähnig erscheint. Sowohl Tergite wie auch Sternite und
Pleuren schwach chitinisiert.
Stigmen groß. Pleuren bis zum dritten Segment mit einem
Dorn und einer kräftigen Borste, die übrigen aber teils mit
Borsten, teils mit langen Haaren am. Hinterrande versehen. Am
Telson befindet sich jederseits eine Gruppe von Stacheln. Der
am meisten median gelegene Stachel sitzt einem nach hinten
gerichteten keilförmigen Chitinvorsprung auf.
Vorderbeine (Taf. I, Fig. 2) kleiner als die übrigen, mit
schwacher Kralle, das zweite Beinpaar (Taf. I, Fig. 3) ist viel
stärker entwickelt; die Kralle ist kräftig und weist an der
Schneide eine deutliche Riefung auf, wodurch diese säge-
zähnig erscheint. Auf dem Tarsalglied findet sich eine ebenfalls
geriefte, längliche Platte, deren eines Ende oval abgerundet,
das andere aber in eine Spitze ausgezogen ist.
Das dritte Beinpaar (Taf. I, Fig. 4 und 5) ist noch mächtiger
als die beiden vorigen entwickelt.
Die gerieften Platten finden sich hier in doppelter Anzahl,
und zwar sind sie parallel zueinander gelagert. Die Kralle
Parasiten von Pachyiironiys diiprasi. 383
dieses Beinpaares ist besonders stark und stumpf. Die Krallen
aller Gliedmaßen sind einschlagbar (Taf. I, Fig. 5).
Ein daumenartiger Fortsatz der Tibia ist an allen drei
Beinpaaren scharf und deutlich entwickelt. Alle Glieder sind
mit vereinzelten kurzen kräftigen Borsten oder Stacheln ver-
sehen, die des letzten Beinpaares jedoch am spärlichsten.
Färbung: rötlichbraun.
Länge : 1 • 2 mm.
Vorkommen: an Pachytiroinys duprasi Lat. (Natrontal,
Unterägypten).
Familie der Xenopsyllidae.
Während Taschenberg* die Ordnung der Flöhe nur in
zwei Familien, nämlich Sarcopsyllidae und Pulicidae, zerfallen
läßt, teilt sie Baker^ in fünf Familien: 1. Sarcopsyllidae,
2. Hektopsyllidae, 3. Vermipsyllidae, 4. Megapsyllidae und
5. Pulicidae. Doch lassen, was aus Baker's Bestimmungs-
tabelle hervorgeht, einerseits die Familien der Sarcopsyllidae
(Taschenberg) und Hektopsyllidae (Frauenfeld), andrer-
seits die Familien der Vermipsyllidae (Wagner), Mega-
psyllidae (Baker) und Pulicidae (Stephens) eine näh ere
Verwandtschaft untereinander erkennen.
Die von mir gefundenen Flöhe zeigen Charaktere, welche
teils den Sarcopsylliden Taschenberg's (r= Sarcopsyllidae -f-
Hektopsyllidae Baker's), teils den Puliciden Taschenberg's
(r= Vermipsyllidae, Megapsyllidae und Pulicidae Baker's)
zukommen, können aber in keine dieser Familien eingeordnet
werden; somit ist für diese Form eine neue Familie zu
errichten, die ein Bindeglied zwischen den beiden Familien
Taschenberg's darstellt.
Kennzeichen der Familie.
Der Kopf (Taf. II, Fig. 1) rund, im Verhältnis zum Körper
klein, Thorakalsegmente nicht stark verkürzt, Labialtaster
1 O. Taschenberg, Die Flöhe. Halle 1880
2 >A Revision of American Siphonaptera, or Fleas, together with a
complete List and Bibliography of the Group«, By Ch. F. Baker. Proceed. of
Ihe Unit. St. Nat. Museum. Vol. XXVII, p. 365 bis 469.
384 A. G 1 i n k i e \v i c z ,
ohne Pseudoglieder, das dritte Glied der Antenne ohne deutlich
getrennte Pseudoglieder.
In einem Teil dieser Merkmale stimmen die Xenopsyllidae
mit den Sarcopsylli da e und Hektopsyllidae Bake v's überein.
Ganz besonders zeigt die Antenne (Taf. II, Fig. 4) bei allen
diesen Formen einen ähnlichen Bau. Leider läßt sich aus
Taschenberg's Abbildungen der Sarcopsylliden-.A.ntenne^
nicht erkennen, inwieweit diese mit der Antenne von Xeiiopsylla
übereinstimmt, doch ergibt sich bei Betrachtung der letzteren
mit schwächerer Vergrößerung ein Bild, das den von Tas chen-
berg gegebenen sehr ähnlich ist.
Ich lasse nun eine Beschreibung der Antenne von Xeiio-
psylla folgen :
Das erste Glied hat dorsalwärts einen zapfenartigen Fort-
satz, ist am distalen Ende viel breiter und mit einem Kranz
von langen, abstehenden Borsten versehen.
Das zweite Glied ist kurz, breit und besitzt einen eben-
solchen Borstenkranz wie das erste. Es ist mit dem dritten
durch ein Gebilde, ähnlich einem Kugelgelenk, verbunden, in
welches der dünne Stiel des dritten Antennengliedes hineinpaßt.
Während nun das dritte Antennenglied bei allen Puliciden
mehr oder minder deutlich getrennte Pseudoglieder aufweist,
ist hievon hier nichts zu bemerken. Vielmehr besitzt das
genannte Glied an der Dorsalseite eine Reihe von Anhängen.
Der erste derselben, vom proximalen Ende an gezählt, erscheint
in der Seitenansicht knospenfürmig an einem sich verjüngenden
Stiel aufgesetzt, der zweite walzenförmig, ebenfalls gestielt.
Erst bei näherer Untersuchung und sorgfältiger Präparation
zeigt sich, daß beide Anhänge aus mehreren (soviel sich fest-
stellen läßt, aus drei) Teilen zusammengesetzt sind, von denen
jeder wieder mehr oder minder walzenförmige Gestalt hat. Auf
diese folgen nun gegen das distale Ende zu ungefähr acht an
der Basis breitere, aber fingerförmig endende Gebilde, welche
ebenso wie die übrigen Anhänge stark chitinisiert erscheinen.
Die Borsten auf dem dritten Glied sind nur ganz kurz und
spärlich.
1 Taschenberg, Die Flöhe, Taf. I, Fig. \a, öa und Qa.
Parasiten von Pachyuromys duprusi. 38o
Die gesamte Oberfläche der Antenne ist fein netzförmig
gerieft.
Taschenberg bezeichnet die genannten Anhänge der
Antenne als Sinnesapparate. Er sagt (p. 45): »Die Fühler sind
dreigliedrig, wie überall bei den Flöhen. Das erste Glied ist
kelchförmig, das zweite wenig davon abgesetzt, etwa napf-
förmig, mit einer Anzahl Borsten am freien Rande und der
charakteristischen Gelenkung für das dritte Glied, das eiförmig
erscheint und an der Basis stielförmig verdünnt ist. Dieses
Endglied zeigt keine wirklichen Einschnitte, wohl aber die An-
deutung einer ursprünglichen Zusammensetzung aus mehreren
homonomen Abschnitten in der sechsfachen Wiederholung des
für dieses Organ charakteristischen Sinnesapparates.«
Dieser Beschreibung zufolge ist die Ähnlichkeit zwischen
der Sarcopsylliden- und der Xenopsylliden-Antenne unver-
kennbar, nur mögen Taschenberg die Details der Anhänge
wegen der Unvollkommenheiten der technischen Hilfsmittel
entgangen sein.
Gattungsmerkmale von Xenopsylla n. gen.
Kopf ohne Ctenidien, Maxillen lang dreieckig und am
Ende spitz, Maxillartaster länger als die Coxa der Vorderbeine,
Labialtaster ohne Pseudoglieder, Augen groß und wohl-
entwickelt. Thorakalsegmente ebenso wie das Abdomen ohne
Ctenidien. Stacheln am Hinterrand aller Tibien (Taf. II, Fig. 2
und 3) paarig. Vordere Coxen mit mehreren in Reihen
stehenden Stacheln, das fünfte Tarsalglied nie so lang als die
vier vorhergehenden zusammen. Auf der Unterseite des fünften
Tarsalgliedes aller Beinpaare befinden sich an den beiden
Seitenrändern je eine Reihe von vier Stacheln.
Krallen fast so lang wie das letzte Tarsalglied.
Die Coxalepiphyse des dritten Beinpaares bildet mit der
Coxa eine deutliche Einkerbung.
Das Männchen besitzt eine lange, kräftige Borste vor dem
Pygidium.
Merkmale der Art Xenopsylla pachyuromyidis n. sp.
Die Farbe ist bei beiden Geschlechtern gleich, ziemlich
dunkel eelbbraun. Das Männchen ist etwas kleiner als das
386 A. Glinkiewicz, Parasiten von Pachyuromys duprasi.
Weibchen, besitzt längere und kräftigere Borsten und einen
schwach konkaven Rücken, während das Weibchen einen
mehr oder minder konvexen Rücken hat.
Das Weibchen lebt niemals als stationärer Parasit und es
ist der Hinterleib selbst im trächtigen Zustand nicht über-
mäßig angeschwollen.
Färbung: gelbbraun.
Länge des Männchens zirka 2-4 mm, des Weibchens
2 • 8 -mm.
Breite des Männchens zirka 1 mm, des Weibchens 1 • 2 mm.
Vorkomm.en: an Pachytiromys duprasi Lat. (Natrontal,
Unterägypten).
Tafel erklärung.
Tafel I.
Fig. 1. Eremophthirius Werneri n. gen., n. sp. (Ventralseite).
Fig. 2. Vorderbein.
Fig. 3. Mittelbein.
Fig. 4. Hinterbein.
Fig. 5. Hinterbein mit eingeschlagener Kralle.
Tafel II.
Fig. 1. Xenopsylla pachyurontyidis ^ , n. gen., n. sp.
Fig. 2. Mittelbein.
Fig. 3. Hinterbein.
Fig. 4. Antenne.
Gctiiikiewjcz , A. rParasitenTon Pachynromys äuprasi .
Tafl.
Iiith.An.st,v.Th.BannwartJi'iVie;i.
Sitzimösberichte d.kais.Aka(i.d.Wüss.,matIirnatiunv.KIiisse, Bd.CXVI.AMi.l 1907.
Gclinkiewicz , A. rParasiten töii PactRrai'omys änpra si .
i.
Taf.ll
InÜL Aast.v.Th.Bannwarth,Wieii .
SitzunasbericKte d.kaLs.Akad.d.Wiss.,inatIi.-natiunv.Klasse, Bd.CX\l. AbÜi.l 1907,
387
Ergebnisse der mit Subvention aus der Erb-
sehaft Treitl unternommenen zoologischen
Forschungsreise Dr. F. Werner 's nach dem
ägyptischen Sudan und nach Nord-Uganda.
XI.
Liste der von Dr . Franz Werner am oberen Nil gesammelten Ameisen
nebst Beschreibung einer neuen Art
von
Dr. Gustav Mayr.
(Vorgelegt in der Sitzung am 7. Februar 1907.)
Doryhis fiüuus Westw. Khartoum am 20. April 1905,
Alexandrien, 19. August 1904.
Dorylus afßnis Shuck., Khor Attar südlich von Faschoda,
Gondokoro. (18. III.)
Doryhis brevipennis Emery. Mongalla gegenüber Lado.
Aenicüis fiiscovarius Gerst. var. MagrettWEm. Khartoum.
Megaponera foetens Fabr. Gondokoro.
Enponera (Brachyponera) seiinaaretisis Mayr. Gondokoro.
Leptogettys spec? cf. Khor Attar.
Platythyrea cribrinodis Gerst. Gondokoro.
Odontomachus haematodes L. Khor Attar.
Atopoiuyrniex Mocqiierysi Andre. An Bäumen bei Khor
Attar. (11. II.)
Monomorium Pkaraonis Linne. Gondokoro.
Stenamma (Messor) barbariint Linne. Mokattamgebirge
bei Kairo, 19. Januar 1905.
Cremastogaster gambieiisis Andre. Mit Kittneststücken;
aus einem Astloche einer Akazie y, 9 und cT in Mongalla
31. III. hervorkommend, auch bei Gondokoro.
388 G. Mayr,
Cremastogaster Sewellei For. var. Marnoi Mayr. Mongalla.
Cremastogaster Chiarinii Emery. An Mimosen ^ und cT
unter den von Termiten gefertigten Erdkrusten bei Khor Attar,
(10. II.) auch bei Taufikia nächst Faschoda. (9. II.)
Cremastogaster Werneri n. sp. Arbeiter. Länge: 3' 3 bis
4 mm. Rot, die Fühler und besonders die Beine rotbraun, der
Bauch braunschwarz oder teilweise mehr dunkelbraun. Mäßig
glänzend, die mehrzähnigen Mandibeln zerstreut grob punktiert,
an der Basalhälfte glatt, an der Endhälfte grob längsgestreift.
Der Kopf ist fast glatt, undeutlich äußerst fein und seicht leder-
artig gerunzelt, sowie mit sehr zerstreuten, ziemlich feinen,
härchentragenden Pünktchen, die Wangen fein und dicht längs-
gestreift, der Clypeus an beiden Seiten mit feinen Längsstreifen,
ebenso die Stirn zunächst den Stirnleisten, Pronotum und
Mesonotum mit Längsrunzeln und zwischen diesen fein genetzt,
die Basalfläche des Medialsegmentes mit einer ebensolchen,
aber gröberen Skulptur, die abschüssige Fläche fast glatt, die
Thoraxseiten hinter den fein lederartig gerunzelten Pronotum-
seiten dicht und scharf genetzt-punktiert, die zwei Stielchen-
glicder fast glatt, stellenweise fein genetzt-punktiert, der Bauch
ist zart lederartig gerunzelt und sehr zerstreut mit härchen-
tragenden Pünktchen besetzt, die stark glänzenden Beine mit
härchentragenden Punkten ohne abstehende Pilosität. Petiolus
und Bauch mit wenigen abstehenden Haaren, die kurze an-
liegende Pubeszenz ist spärlich, am Bauche reichlicher, noch
reicher an den Fühlern und Beinen.
Der Kopf ist gerundet quadratisch, in der Umgebung des
Hinterhauptloches ziemlich stark bogig ausgerandet. Der
Clypeus ist mäßig gewölbt; die Stirnleisten mäßig entwickelt.
An den elfgliedrigen P^ühlern sind die fünf ersten Fadenglieder
dicker als lang, das sechste kaum kürzer als dick, das erste
Glied der dreigliedrigen Keule ist deutlich länger als dick und
hält in der Dicke die Mitte zwischen dem sechsten Faden- und
dem zweiten Keulengliede. Die Augen liegen in der Mitte der
Kopfseiten. Die hintere Hälfte des Pronotum ist ziemlich flach,
die Pro-Mesonotalnaht nicht scharf ausgeprägt; das Mesonotum
ist verkehrt-trapezförmig, beiderseits in der Längsrichtung
gerundet-kantig, die Mesonotumscheibe ist an der \'orderhälf[e
Ameisen vom oberen Nil. 389
quer sehr schwach gewölbt, hinter der Mitte nicht stark quer
konkav eingedrückt und nach hinten und unten schief zur
mäßig eingesenkten Quernaht abfallend; die Basalfläche des
Medialsegmentes ist in der Längsrichtung nicht stark gewölbt
und kürzer als die abschüssige Fläche, die zwei Dornen sind
gerade, nicht stark divergierend, nach hinten und oben gerichtet,
etwa so lang wie die Breite der Basalfläche des Medial-
segmentes. Das erste Petiolussegment ist verkehrt-trapezförmig,
deutlich breiter als lang, mit abgerundeten Vorderecken, die
größte Breite liegt am vorderen Drittel des Segmentes, also
nicht in der Mitte desselben; das zweite Segment ist breiter
wie lang, mit tiefer Längsfurche und gut ausgeprägten halb-
kugeligen Teilen.
Gondokoro.
Diese Art gehört in die Gruppe Nr. 8 der Übersicht der
afrikanischen Arten (Arbeiter) in meiner Abhandlung: Afri-
kanische Formiciden (Ann. k. k. naturhist. Hofmus. 1895,
p. 136) und zwar zu 9ü.
9. Pronotum und Mesonotum poliert und glänzend; Thorax,
Petiolus und Beine gelb oder gelbbraun. C. Kelleri For., gihba
Em., madagascarensis Andre, adrepeus For.
9 a. Pronotum und Mesonotum oder nur ersteres mit
deutlicher Skulptur. Das zweite Stielchenglied oben auch vorne
mit einer scharf eingeschnittenen, tiefen Längsfurche.
C. Meneliki For., Degeeri For., tricolor G erst, {castanea
Svc\\i\\), ferniginea For., impressa Em., excisa Mayr, Werner i
n. sp.
Äcantholepis capensis Mayr var. canescens Emery. An
Bäumen bei Renk (7. IV.), zwischen Khartoum und Faschoda am
Weißen Nile, auch bei Gondokoro.
Myrniecocystus hicolor Fabr. (viaiicns Fabr. var. deser-
torum). An einem Palmenstrunke bei Edeloud in der Kordofan-
wüste (14. IV.), bei Assuan, Gizeh bei Kairo und bei Alexandrien.
Camponotiis inaciiJattis Fabr. in specie. Kairo, Barrage
bei Kalioub in Unterägypten, bei Assuan, Khor Attar und
Gondokoro.
Camponotiis galla For. In Erdlöchern bei Renk. (6. II.)
Camponotiis sericeus Fabr. Gondokoro.
390 G. Mayr,
Die oben verzeichneten, von Dr. Werner gesammelten
Ameisenarten gehören meistens nur dem tropischen Afrika an.
Doryhis fiilvus Westw. im engeren Sinne ist aus dem
nördlichsten und dem tropischen Afrika sowie aus Syrien
bekannt.
Aenicüis ftiscovariiis Gerst. var. Magrettii Em. ist bisher
nur im Sudan und auf der Insel Goree in Senegambien (von
Dr. Hans Brauns) gesammelt worden.
Odontomachiis haematodes L. ist ein Bewohner aller
Tropen.
Monomorium Pharaonis L. ist in den heißen und warmen
Ländern der Erde häufig zu finden.
Stenamnia (Messor) barbaruni L. hat mit seinen noch
nicht hinlänglich charakterisierten Subspezies und Varietäten
eine große Verbreitung im warmen Asien, im südlichen Europa
und in Afrika.
Cremastogaster Chiarinn Em. Außer dem Sudan im
Somalilande. Herr Dr. Wilhelm Hein sammelte diese Art in
Südarabien.
Acantholepis capensis Mayr var. canescens Emerj^ Von
Bogos bis zum Somalilande und Sudan, also im nordöstlichsten
Teile des tropischen Afrika.
Myrniecocystns hicolor Fabr. (desertorum For.) findet
sich von Ungarn bis Zentralasien, auf der Balkanhalbinsel und
in Nordafrika, so daß das Vorkommen in der Kordofanwüste
der südlichste Standort dieser Art sein dürfte.
Camponotus mactilatus Fabr. in specie findet sich vom
Niltale bis zum Roten Meere sowie auch im südwestlichen
Arabien.
Camponotus galla F'or. In Sudan, Südabessynien und im
Somalilande.
Cantpotiottis sericetis L. Im tropischen Afrika und in Asien.
Über die Lebensweise und das Vorkommen der suda-
nesischen Formiciden berichtet Dr. Werner folgendes:
Unter den von ihm im Sudan und in Ägypten gesammelten
Ameisen ist nur ein Teil der Arten mit jenen der Jägerskiöld-
Ameisen vom oberen Nil. 39 1
sehen Expedition (Results of the Swedish Zoological Expedition
to Egypt and the White Nile 1901 under the Direction of
L. A. Jägerski öld; No. 9 [1904] Formiciden aus Ägypten und
dem Sudan, determiniert und beschrieben von Dr. Gustav May r)
identisch; von den zusammen 37 Arten, welche auf den Reisen
von Jägers kiöld und Werner gesammelt wurden, sind nur
zehn beide Male gefunden worden. Es dürfte sich diese Ver-
schiedenheit dadurch erklären, daß Dr. Werner vorwiegend
am oberen Weißen Nil und am Bahr-el-Gebel, also weit si^idlicher
als die schwedische Expedition sammelte.
Da das von Dr. Werner zusammengebrachte Material
nicht groß ist, was wohl teilweise auf die Trockenzeit zurück-
zuführen sein mag (die Ameisen führen während der Winter-
monate vielfach eine nächtliche Lebensweise und sind bei
Tage wenig sichtbar), andererseits die Fauna des besuchten
Gebietes noch wenig erforscht ist, so ist es schwer zu sagen,
ob es gelungen ist, einen großen Prozentsatz der im Sammel-
gebiete vertretenen Arten aufzufinden, oder ob ihm bei der
relativ geringen Zeit und seltenen Gelegenheit, Ameisen zu
sammeln, viele Arten entgangen sind. Jedenfalls wurde aus
Bauen aus verschiedenem Material und von verschiedenen
Örtlichkeiten herrührend an allen besuchten Punkten der Reise
Material eingesammelt.
Als Schädlinge kommen Ameisen weit weniger in Betracht
als die Termiten, in deren verlassenen Erdröhren manche
Arten {Cremastogaster Chiarinü und Ca niponotus gallo) ganz
regelmäßig gefunden werden. Nur Cainponottis maculattis
wurde in Gondokoro in Dr. Werne r's Wohnhaus häufig ange-
tioffen und wanderte in Scharen an den Lehmmauern herum,
während sie bei Tage in den Ritzen und vSpalten des Fußbodens
und der Wände verborgen waren. Lästig werden eigentlich
nur drei Arten: vor allem Monomorium pharaonis, namentlich
auf den Dampfern in großer Menge vorkommend und sogar in
den Kabinen über alles Genießbare herfallend; sogar lebende
und verhältnismäßig große Tiere, wie Mantiden werden von
ihnen überwältigt und aufgefressen. Auch in Ägypten in
Wohnungen, in Assuan sogar in dem im ersten Stock-
werk gelegenen Hotelzimmer, wo die auf einem Schrank
392' G. Mayr, Ameisen vom oberen Nil.
zum Trocknen ausgelegten Orthopteren in kaum einer Stunde
ungeheure Mengen dieser kleinen Ameise herbeilockten, welche
nur mit vieler Mühe wieder vertrieben werden konnten.
Dorylus affittis und hrevipennis lebt namentlich im Schilf-
und Papyrusdickicht des oberen Nils; dringt man in dasselbe
ein, so lassen sich die Tiere in Menge herabfallen und verbeißen
sich mit solcher Wut in die Haut, daß beim Ablesen der Tiere
häufig der Kopf mit den Mandibeln hängen bleibt; der Biß ruft
ein heftiges Jucken hervor, welches, wenn man von zahlreichen
Exemplaren überfallen wird, fast unerträglich werden kann.
Die meisten im Freien vorgefundenen Ameisen wurden in
Astlöchern und unter der Rinde von Bäumen, die Cremastogasier-
Arten unter alten Palmenstrünken und Papyruswurzelstöcken
angetroffen; ganz niedrige Hügel aus Nilschlamm, von Campo-
notus galla gebaut, fanden sich am Nilufer bei Renk. Während
Termitenansiedlungen am oberen Nil kaum jemals mehr als
100 m vom Ufer des Nils oder eines Regenstromes (Khor)
angetroffen werden,^ sind namentlich Baumameisen auch in
absolut wasserlosen Distrikten in Menge zu finden. Größere
Ameisenzüge wurden nur in Gondokoro beobachtet; es war
Megaponerafoetens, deren Wanderung unterhalb Dr. Werner's
Wohnhaus (welches auf einer Anzahl halbkreisförmiger, ge-
mauerter Wölbungen ruhte) vor sich ging.
1 Trocken gehaltene Termiten gehen in wenigen Tagen zu Grunde.
393
Ober Sehleimzellen bei Urticaeeen und über
Sehleimeystolithen von Girardinia palmata
Gaudieh.
Ferdinand Schorn,
k. k. Rcalschiillchrer.
Aus dem pnanzenph3'siologischen Institute der k. k. Deutschen Universität in
Prag, Nr. 95 der II. Folge.
(Mit 2 Tafeln.)
(Vorgelegt in der Sitzung am 7. Februar 1907.)
I. Pellionia Daveauana N. E. Br.
Bisher^ hat man unter den Urticaeeen^ nur zwei Arten
aufgefunden, die schleimführende Elemente besitzen: Boehnteria
platypyhlla Don. et Ham. und Pipturns argetiteus Hort.^
Herr Professor Dr. H. Molisch machte mich auf das Vor-
kommen von Schleimzellen bei Pellionia aufmerksam und regte
mich an, diese genauer in ihrem Vorkommen und ihrer Ent-
wicklung zu verfolgen und gleichzeitig die anderen Urticaeeen
daraufhin zu untersuchen. Ich fand, daß sich PelUoiiia dadurch
wesentlich von den beiden oben genannten Urticaeeen unter-
1 Vgl. H. Solerede r, Systematische Anatomie der Dicotyledonen,
Stuttgart 1899, Verl. v. Ferd. Enke, p. 872.
2 Im Sinne A. Engler's.
SA. Engler und K. Prantl, Die natürlichen Pflanzenfamilien, Leipzig
1888, Verl. v. Wilh. Engelmann, III. T., 1. Abt., p. 101. J. Möller erwähnt in
seiner Anatomie der Baumrinden (Berlin 1882, Verl. Jul. Springer), p. 85, daß
Boehmeria polystachia Wedd. in der primären Rinde zerstreut erweiterte Räume
mit zähflüssigem wasserklaren Sekret besitzt, ohne sich genauer über die Natur
desselben auszusprechen,
394 F. Schorn,
scheidet, daß jene Schleimgänge, Pellioiiia aber Schleimzellen
besitzt.
Obgleich hier die Schleimzellen in großer Menge vor-
kommen und im fixierten Material leicht wahrzunehmen sind,
so konnte ich in der Literatur doch nur gelegentlich kurze
Bemerkungen über das Vorkommen von Schleim bei Pellionia
finden. So erwähnt Dodel^ in seiner Arbeit über die Morpho-
logie und Entwicklungsgeschichte der Stärkekörner bei Pel-
lionia, daß in Schnitten durch frisches Material die Stärke-
körner und die an ihnen haftenden Chloroplasten von einem
zähen, fadenziehenden Schleim umflossen würden, der die
Chloroplasten längere Zeit hindurch vor der Degeneration
schützen soll, eine Ansicht, der A. Meyer^ in seinen Unter-
suchungen über Stärkekörner entgegentritt.
Da nun Schleim z eilen bei Urticaceen bisher nicht be-
kannt sind, so erscheint eine Beschreibung derselben und ihrer
Entwicklung nicht unwichtig.
Ich will schon hier bemerken, daß die zu beschreibenden
Schleimzellen in ihrem Bau ähnliche Verhältnisse aufweisen
wie die von A. Nestle r^ in den Blättern der Malvaceen, von
Kraemer'^ bei den Violaceen und von L. Radlkofer^ bei
Serjania gefundenen und beschriebenen und weise auf die
Arbeiten der genannten Forscher hin.
Ein Blattquerschnitt durch Alkoholmaterial läßt sogleich
gewisse Zellen durch ihren gelblichen, stark lichtbrechenden
Inhalt auffallen, der sich bei näherer Untersuchung als Schleim
erweist. Er zeigt eine bogenförmig (Fig. 1, 3) oder konisch
(Fig. 11) verlaufende Schichtung, die um so deutlicher hervor-
1 A. Dodel, Beitrag zur Morphologie und Entwicklungsgeschichte der
Stärkekörner von Pellionia Daveanana. Flora 1892, p. 269.
2 A. Meyer, Untersuchungen über Stärkekörner, Jena 1895, Verl. v. Gust.
Fischer, p. 289.
3 A. Nestler, Schleimzellen der Laubblätter der Malvaceen, Österr.
bot. Zeitschrift, 1898, p. 94 bis 99.
4 H. Kraemer, Viola tricolor L. in morphologischer, anatomischer und
biologischer Beziehung. Dissert., Marburg 1897, p. 20 u. f.
5 L. Radlkofer, Monographie der Gattung Serjania. München 1875,
p. 101.
Schleimzellen bei Urticaceen. o9o
tritt, je länger der Alkohol auf den Schleim eingewirkt hat.
Schließlich blättert sich die Schleimmasse, die jetzt stark
geschrumpft erscheint, auf und zerfällt in die einzelnen
Schichten (Fig. 2). Dabei ist der Schleim durch eine Querwand
von dem lebenden Inhalt der Zelle getrennt, so daß man den
Eindruck erhält, als wären zwei getrennte Zellen vorhanden,
von denen die eine nur Schleim, die andere die proto-
plasmatischen Einschlüsse, wie das Chlorophyll, dann Proto-
plasma, Kern und Stärke enthält (Fig. 1, 2). Setzt man zu dem
Präparat Wasser, so beginnt die Schichtung zu schwinden und
der Schleim quillt außerordentlich auf, so daß der Raum, den
das Protoplasma einnimmt, immer kleiner wird, bis er auf ein
Minimum zurückgegangen ist. Dieser einfache Versuch ließ
vermuten, daß das, was man bei oberflächlicher Betrachtung
als zwei Zellen angesprochen hätte, eine einzige darstelle und
daß jene Querwand (/ in Fig. 1 bis 11) die Innenlamelle der ver-
schleimenden Membram sei, wie sie bereits von Nestler,^
Radlkofer- und anderen gesehen und beschrieben wurde. Von
der Richtigkeit dieser Vermutung überzeugt man sich leicht bei
Anwendung der Plasmolyse. Legt man nämlich einen Blatt-
querschnitt in eine lOprozentige Kaliumnitratlösung, der einige
Tropfen Hämatoxylin zugesetzt wurden, so kann man Schleim-
zellen beobachten, in denen das Protoplasma sehr stark plasmo-
lysiert ist, während der durch das Hämatoxylin blau gefärbte
^Fi- ,g. A^iß^
1 mit Chlorzmlqod; deütlidie'^' Ze.tlulose-
^ .v.9yXi8SnJil>I'Jiv;jns 3r!!3 jp; islAiH
e Bestati^ing der, Zellulosenatur der
^ ..I ,nsfi9(7ß^/ii?r^üJ/iQ.fb^'QnirnrrL3!'l -isjhßJa rii
besprochenen Lanielle mit , Schwefelsaure nind. Jod oder der
,, .5 pnurip;im'Lß.dJn3iB .ru\ ..m^ih'ixti no^nur Jrio3-i ,n3J9J
Versuch der LpslichK.eit mit kupferoxydämmoniak mußte
?Mb .fiLiY.xoJßmBTT asfloaTsrfirlöcl hm -idqa rfora Js.np^is.asmielrioci
unterbleiben, da Kerne dieser KeaMionerL ein klares Bild,
mab^Jirn ngb-iuv/ sHinrloc'. ,31(1 Jo-iiil m:ld jisS -isjäss-rnjl ni nrlt
geliefert hatte, schon nicht wegen ,der auuerordentUch yer-^
„ ^ „ ^, .jjfijao^-iori fnMg-!>IiR marj bnij -paaam-isiafiH
quellenden Kraft der Schwefelsaure und des Kupferoxyd-
^-a^@nMk§, M^^\^^ef^^'4Mm-^ä^^'^&^ *$^§rnfi^lÖaü'%rbt.
^emSW (F^'^^^^, W^n',aidy^P?äptW%ä§i3^1köifolnMi^Y(äE
ne-g'üiszvjbiQd msb nl .aim'isbiqS sieJnu oib bnu 9d9v/9gT328ßV7
iBv;Si^n^g5^9^j.^ jTigllas^alrioS gib nsm.TiojI gdgv/agiseaßV/
,T9bliaL.öR3dltfWfe(tja;-fc., p^ilOl^Iß -larfoisilrißs biv nsisdo mi
Sitzb. der mathem.-naturw. Kl. ; CXVI. Bd., Abt. I. 27
Schleim keinerlei Lageveränderungen aufweist (Fig. 3). ^pßer-
dem gibt die Querwand mit Chlorzinkiqd.' deütlicne^ ~-. — ~,-,^,^
_. "" . ^ .v9yXi8Sniil>I'Jlv.'tns 9r!!3 jPj -isL iM
reaktion. Eine weitere Be„stati^iffg der, ZelluTo$,Qnatvir .der
396 F. Schorn,
verfertigt wurde, weil durch die wasserentziehende Wirkung
des Alkohols der Schleim schrumpft und die Membran
zusammenfällt, während sie in frischen Schnitten straff ge-
spannt erscheint. Da nun die Mittellamelle der verschleimenden
Zellwand erhalten bleibt und als eine dünne, aber noch deutlich
wahrnehmbare Membram den Schleim umgibt, so kann es nur
die Verdickungsschicht sein, die, vom Protoplasma beeinflußt,
den Schleim liefert.
Gewöhnlich erfüllt er den einen Teil der Zelle vollständig
(Fig. 1, 3). Manchmal aber finden sich in der homogenen
Schleimmasse noch birnförmige Einschlüsse von ganz anderer
Zusammensetzung (Fig. 9, 10). An Längsschnitten durch den
Stengel, öfters und besser jedoch an Querschnitten durch ganz
junge Blätter sieht man oft Aussackungen in den Schleim
hineinragen. Diese Aussackungen, welche manchmal so tief in
den Schleim hineinreichen, daß sie fast die gegenüberliegende
Wand berühren, sind verschieden gestaltet. Meist gleichen sie
einem kurzen Schlauch (Fig. 6) oder sie sind trichterförmig
und erscheinen als spitz zulaufende Zapfen (Fig. 7, 9). Die
Aussackungen werden konisch von den Schichten des
Schleimes umfaßt.
Entwicklung der Schleimzellen.
Vorzüglich geeignet zur Erklärung aller dieser angeführten
Bilder ist eine entwicklungsgeschichtliche Untersuchung von
in starker Flemming'scher Lösung fixierten, in Alkohol gehär-
teten, recht jungen Blättern. Zur Sichtbarmachung des
Schleimes eignet sich sehr gut Böhmer'sches Hämatoxylin, das
ihn in kürzester Zeit blau färbt. Die Schnitte wurden mit dem
Rasiermesser und dem Mikrotom hergestellt.
Ein Querschnitt durch ein solches Blatt zeigt eine obere
Epidermis, darunter ein Wasser-, ein einschichtiges Pallisaden-
gewebe, ein Schwammparenchym, ein mächtiges unteres
Wassergewebe und die untere Epidermis. In dem beiderseitigen
Wassergewebe kommen die Schleimzellen vor, und zwar
im oberen viel zahlreicher als im unteren. Die Bilder,
Schleimzellen bei Urticaceen. 397
die wir erhalten, stellen eine kontinuierliche Entwicklungs-
reihe vor.
Die Verschleimung beginnt an der der Epidermis ab-
gewendeten Seite (Fig. 4) und schreitet allmählich gegen das
Innere der Zelle vor, wobei ihr auch die Seitenwände anheim-
fallen. Geht sie an allen Stellen der verschleimenden Membranen
gleichmäßig vor sich, dann wird der eine Teil der Zelle mit
einer homogenen Schleimmasse erfüllt, im anderen Falle aber
bilden sich die bereits erwähnten Schläuche, Zapfen und birn-
förmigen Einschlüsse, indem die Schleimbildung an einer Stelle
der unteren Zellwand gehemmt, während sie von den Seiten-
wänden wiederholt gefördert wird. Es entstehen so Bilder, wie
die Fig. 5 zeigt. Stellt man sich nun vor, daß die von den
Seitenwänden in das Zellinnere vorspringenden Schleim-
massen einander näher und näher rücken und zugleich immer
größere Partien der Seitenwände verschleimen, so wird ein
Schlauch (Fig. 6), respektive ein Zapfen (Fig. 7) gebildet. Da
nun die Bildung der Schleimvorwölbungen nicht immer an der
ganzen Oberfläche der Seitenwände gleichmäßig schnell ge-
schieht, sondern an manchen Stellen rascher vor sich geht als
an den übrigen, so entstehen dadurch unten verbreiterte
Schläuche (Fig. 8), welche schließlich von den verschleimenden
Membranen durchschnitten werden und so Anlaß zur Bildung
der birnförmig gestalteten Einschlüsse innerhalb des Schleimes
geben. Selbstverständlich kann der protoplasmatische Inhalt
der Zapfen auch noch aufgebraucht werden, so daß man von
diesen in den Schleimzellen älterer Blätter und Stengel kaum
noch etwas bemerkt. Es ist also entvvicklungsgeschichtlich
nachgewiesen worden, daß all die angeführten Bilder eng mit-
einander im Zusammenhange stehen.
Interessant ist die Lage des Zellkernes in einer in Ver-
schleimung begriffenen Zelle. Er liegt nämlich stets der ver-
schleimenden Zellvvand an, und zwar in der Mitte derselben
(Fig. 4), dabei ist er von einer größeren Menge Plasma um-
geben. Solange die Verschleimung noch nicht vollendet ist,
bleibt er fast stets dem Schleime aufgelagert, oft in einer
muldenförmigen Vertiefung desselben liegend (Fig. 5); später
nimmt er einen beliebigen Platz in der Zelle ein. Es scheint,
27*
398 F. Schorn,
als wenn der Kern bei der Verschleimung eine ebenso wichtige
Rolle spiele wie nach Nestler^ und Miehe^ bei der Wund-
heilung und nach Haberlandt^ bei der Verdickung der Zell-
membran. Doch will ich darüber keine weiteren Vermutungen
äußern, da Haberlandt's Ansicht durch die neueste Ver-
öffentlichung von Küster^ sehr bedeutend erschüttert wurde.
Verbreitung der Schleimzellen innerhalb der Pflanze.
Bei der vergleichenden Untersuchung der verschiedenen
Organe der Pflanze auf ihren Gehalt an Schleimzellen ergibt
sich folgendes:
Die Wurzel enthält keine.
Stamm. Über das Aussehen gewisser Schleimzellen wurde
im früheren schon berichtet (siehe p. 396). Ich will nur noch
hinzufügen, daß ich ähnlich wie Walliczek^ bei Tilia grandi-
folia Ehrh. Fusionsstadien von einzelnen hintereinander
liegenden Schleimzellen auffand, die dann unmittelbar den
Eindruck von Schleimgängen machten. Daß zwei Zellen durch
eine einheitliche Schleimmasse, in der nichts mehr von einer
Mittellamelle zu sehen ist, verbunden werden, kann man öfters
beobachten. Fig. 12 gibt eine Beobachtung wieder, wo fünf
hintereinander liegende Zellen zu einem Schleimgange ver-
schmolzen sind. Der Eindruck, als hätte man es wirklich mit
Gängen zu tun, wird um so mehr erzielt, als die Verschleimung
bei allen hintereinander liegenden Zellen auf derselben Seite
und in derselben Ausdehnung erfolgt.
3 A. Nest 1er, Über die durch Wundreiz bewirkten Bewegungs-
erscheinungen des Zellkernes und des Protoplasmas. Sitzungsberichte der
kais. Akademie der Wissenschaften in Wien, Bd. CVII, Abt. I, 1898.
2 H. Mi ehe, Über die Wanderung des pflanzlichen Zellkernes. Flora
1901, p. 105 u. f.
3 G. Haberlandt, Über die Beziehungen zwischen Funktion und Lage
des Zellkernes bei Pflanzen. Jena 1887.
4 E. Küster, Über die Beziehungen der Lage des Zellkerns zu Zellen-
wachstum und Membranbildung. Flora 1907, 97. Bd., 1. Heft.
^ 11. Walliczek, Studien über die Membranschleime vegetativer
Organe. In den Jahrbüchern für wissensch. Botanik, vol. XXV, Heft 2 (1893),
p. 249.
Sclileimzellen der Urticaceen. 399
Blatt. Betreffs der Blätter verweise ich auf das früher
Gesagte. Ich erwähne nur noch einmal, daß die Schleimzellen
besonders häufig in dem Wassergewebe auftreten.
Blüten und Früchte konnte ich nicht untersuchen, da
diese an Glashausexemplaren gewöhnlich nicht zu bemerken
sind.
Mikrochemisches Verhalten.
Kaltes Wasser quellt den .Schleim außerordentlich stark
auf, löst ihn aber nicht. Davon überzeugt man sich am ein-
fachsten bei der Anwendung von suspendiertem Karmin, wo-
durch die Grenze des aufgequollenen Schleimes deutlich
sichtbar wird.
Heißes Wasser. Auch im heißen Wasser scheint der
Schleim unlöslich zu sein. Ich konnte größere Stücke sowie
dünne Schnitte längere Zeit hindurch kochen, ohne daß sicli
der Schleim gelöst hätte. Selbst der aus Schnitten heraus-
geflossene und auf dem Objektträger aufgefangene Schleim
blieb im siedenden Wasser ungelöst und ließ sich mit Häma-
toxylin deutlich nachweisen.
Zum Gerinnen brachte ich den Schleim durch absoluten
Alkohol, Alaunlösung, das von H, Walliczek^ und L. Mangln^'
angegebene Bleiazetat, Eisensulfat und Sublimat. Eisensulfat
färbt den Schleim außerdem gelb und führt so eine deutliche
Differenzierung der Schleimidioblasten und der in Pellionia
Daveatiana in reichlicher Menge vorhandenen anthokyan-
hältigen Zellen herbei, welche die Gerbstoffreaktion geben und
durch Eisensulfat blau gefärbt werden. Diese Zellen zeigen
eine rote Farbe, die aber sehr vergänglich ist und nur in ganz
frischen Schnitten wahrgenommen wird. Bei Zusatz von
Wasser oder Alkohol zu dem Präparate schwindet die Farbe in
kurzer Zeit.
Behandelt man die Schnitte mit Eisensulfat, Kalium-
bichromat oder Osmiumsäure, so färben sich die anthokyan-
1 H. Walliczek, 1. c.
~ L. Mangin, Observations sur l'assice ä mucilage de la graine de lin.
Bull, de la Soc. Bot. de France, 1893, p. 119 bis 135.
400 F. Schorn,
hältigen Zellen blau, respektive schwarz. Es zeigt sich dann,
daß sie im Stengel und im Blatt, im letzteren besonders im
Schwammparenchym, in großer Anzahl vorkommen.
Zum Nachweis des Schleimes können alle Reagenzien
dienen, die ihn zum Gerinnen bringen. Am besten verwendbar
ist jedoch Hämatoxylin, sowohl bei frischem als auch bei
Alkoholmaterial. Ferner läßt sich der Schleim noch durch
Meyer's Reagens,^ Safranin und Methylenblau kenntlich
machen. Eine ungemein rasche Färbung des Schleimes erhielt
ich mit Joly's Rutheniumrot, das, in wässeriger Lösung von
1 : 5000 angewandt, den Schleim augenblicklich rot färbt. Dieser
Farbstoff ist nach den Angaben Mangin's^ ein ausgezeichnetes
Mittel zum Nachweis der Pektinstoffe und der aus ihnen her-
vorgehenden Gummi- und Schleimarten, die durch ihn gefärbt
werden, während Zelluloseschleime ungefärbt bleiben. Dem-
nach wäre der Schleim von Pellionia, die Beobachtungen von
Mangin als richtig vorausgesetzt, als ein Pektinschleim anzu-
sprechen.
Mit den Jodpräparaten, wie Jodjodkalium, Jodtinktur, Jod-
wasser, Chlorzinkjod, gab mir der Schleim keine merkbare
Reaktion. Jodchloralhydrat färbt ihn nicht, quellt ihn aber stark
auf. Kupferoxydammoniak läßt ihn ebenfalls quellen und färbt
ihn zugleich blau.
IL Andere Urtieaeeen.
Die Vermutung lag nahe, daß das Vorkommen von
Schleim Zellen bei Urtieaeeen nicht auf Pellionia Daveauana
beschränkt sein werde. Ich stellte daher auch bei einigen
anderen Urtieaeeen entsprechende Untersuchungen an; diese
sind leider infolge Zeitmangels nicht in dem Umfange gediehen,
1 Die Schnitte, aus Alkoholmaterial hergestellt, bleiben eine halbe Stunde
lang in 25 prozentiger Kupfersulfatlösung liegen und werden nach dem Aus-
waschen mit destilliertem Wasser mit 50 prozentiger Kalilauge betupft. Es erfolgt
Blaufärbung des Schleimes. Siehe H. Kraemer, 1. c, p. 20.
2 L. Mangin, Sur l'emploi du rouge de ruthenium en anatomie vegetale.
Compt. rend. de l'Acad. des Sciences, Paris, t. CXVI, 1S93, p. 653 bis 656.
Schleimzellen der Urticaceeii. 401
als beabsichtigt war. Von einheimischen Nesselgewächsen
untersuchte ich Urtica dioica L., Urtica tirens L. und Parie-
taria officinalis L., von fremdländischen Splitgerbera j aporiica
Miq., Boelimeria speciosa, Girardinia. palmata und Cono-
cephahis nivalis. Davon besitzen tatsächlich Schleimidioblasten
Urtica dioica, Splitgerbera Japonica, Boehmeria speciosa und
Girardinia palmata, also über die Hälfte der untersuchten
Pflanzen.
Ich glaube, daraus entnehmen zu dürfen, daß sich bei
einer weiteren Bearbeitung der Urt icaceen noch bei manchem
Vertreter dieser Familie Schleimzellen nachweisen lassen
werden.
Im folgenden sei das Wichtigste über die Schleimzellen
der oben genannten Pflanzen mitgeteilt.
Urtica dioica L.
besitzt Schleimzellen in den häutigen Knospenschuppen, welche
die jungen, noch unentwickelten Laubblätter einhüllen und
schützen. Um sich von ihrem Bau ein klares Bild zu verschaffen,
ja schon um ihre Anwesenheit mit völliger Sicherheit konsta-
tieren zu können, sind bei der Untersuchung gewisse Vorsichts-
maßregeln nötig. Die Schnitte dürfen nicht zu dick sein und
müssen möglichst senkrecht zur Blattfläche geführt werden.
Ein solches Präparat wird am einfachsten in der Weise
hergestellt, daß man ganze Knospen fixiert — als Fixierungs-
mittel leistete mir Chromosmiumessigsäure die besten Dienste
• — in Paraffin einbettet und senkrecht zur Längsachse mit dem
Mikrotom schneidet. Will man den Schleim besser sichtbar
machen, so kann man die Schnitte mit Hämatoxylin färben-
Zu diesem Zwecke befestigt man sie mit Wasser auf dem
Objektträger, entfernt das Paraffin, bringt aber, um zu färben,
das Präparat nicht bis ins Wasser, sondern nur in öOprozentigen
Alkohol zurück. Dadurch wird ein allzu starkes Aufquellen
des Schleimes und das Undeutlichwerden des Bildes der
Schleimzelle verhütet. Hierauf bringt man die Schnitte für
eine Minute in die Farbflüssigkeit, spült sie mit 96prozentigem
Alkohol ab, macht sie wasserfrei und schließt sie endlich nach
402 F. Schorn,
Vorbehandlung mit Xylol in Dammarlack ein. Unter dem Mikro-
skop sind die Knospenschuppen leicht an dem einfachen Bau
des Mesophylls zu erkennen, das entsprechend der Funktion
der Knospenschuppen einheitlich ist und nicht in Schwamm-
und Pallisadenparenchym zerfällt. Ein gelungener Querschnitt
läßt in der oberen und unteren Epidermis zahlreiche Schleim-
zellen erkennen. Der Schleim ist im ungefärbten Zustande gelb-
lich, stark lichtbrechend und deutlich geschichtet, im gefärbten
schön rot.
Die Schleimidioblasten von Urtica dioica gleichen in ihrem
Bau und ihrer Entwicklung völlig denen in den Blättern von
Pellionia Daveaumia. Es fehlen selbst die in den Schleim
hineinragenden Schläuche und Zapfen nicht, welche bereits
bei den Schleimzellen der Pellionia beschrieben und erklärt
wurden.
Ich möchte noch einmal hervorheben, daß die Schleim-
zellen nur in den Knospenschuppen, sonst aber in keinem
anderen Organ der Pflanzen vorkommen. Urtica urens L. hat
als einjährige Pflanze keine Knospenschuppen und dem-
entsprechend fehlt ihr auch der Schleim.
Splitgerbera japonica Miq.
In dieser Urticacee lassen sich Schleimidioblasten in
geringer Anzahl im Stengel und in den Blättern nachweisen.
Sie entsprechen in ihrem Bau den Schleimzellen von Pellionia.
Bemerkenswert ist ihre Verteilung in der Pflanze. Die
Schleimzellen des Stengels finden sich im Mark, aus dessen
Zellen sie durch Verschleimung der Membram entstanden sind,
und zwar regelmäßig in unmittelbarer Nähe der Gefäßbündel.
Hin und wieder kann man beobachten, daß eine ganze Reihe
übereinanderliegender Zellen verschleimt. Dabei bleibt der
Schleim der einzelnen Zellen stets durch die Mittellamelle ge-
trennt und bildet niemals eine kontinuierliche Masse, wie es bei
Pellionia vorkommt.
Die Anlagerung der Schleimzellen an die Gefäßbündel ist
auch sehr schön im Blatt zu beobachten. Hier finden sich die
Schleimidioblasten im Stiel, dem Gefäßteil der Gefäßbündel an-
Schleimzellen der Urticaceen. 403
gelagert und sehr vereinzelt in den stärkeren Rippen der
Blattspreite, nie aber in deren Mesophyll oder Epidermis.
Boehnieria speciosa.
Boehmeria speciosa führt Schleimzellen in großer Menge
im Stengel und in den Knospenschuppen. In einem Längs-
schnitte durch den Stengel sieht man sie, meist in langen
Reihen angeordnet, Mark und Rinde durchziehen. Das Auf-
treten von Schleimzellen in den Knospenschuppen und ihr
Fehlen in den Laubblättern hat Boehmeria speciosa mit Urtica
dioica gemeinsam. Während jedoch bei dieser Pflanze die
Schleimzellen der Epidermis angehören, liegen sie bei Boeh-
meria speciosa im Mesophyll.
Ein Querschnitt durch eine Knospenschuppe gibt ein
eigenartiges Bild. Die Schleimzellen alternieren auf das regel-
mäßigste mit den Gefäßbündeln. Zwischen je zwei Gefäßbündeln
liegt immer eine Schleimzelle.
III. Die Sehleimeystolithen von Girardinia palmata
Gaudieh.
Unter allen Urticaceen, die ich auf den Besitz von Schleim-
zellen hin untersuchte, verdient wohl das meiste Interesse
Girardinia palmata, eine Urticacee des tropischen Afrika und
Asien.
Sie enthält Schleimzellen, in denen der Schleim in einer
Form auftritt, wie sie meines Wissens noch niemals zur Beob-
achtung gelangte, wenigstens enthält die einschlägige Literatur
nichts darüber.
Die Schleimmasse ist mittels eines Stieles an die
Zellwand befestigt (Fig. 13 bis 19). Wegen der Ähnlichkeit
eines solchen Gebildes mit einem Cystolithen nenne ich es
Schleimcystolith, wenn auch von einem XiO-o? keine Rede ist.
Ich glaube, trotzdem diesen Namen wählen zu dürfen, weil ja
auch die kalkfreien Zellulosekeulen, welche Molisch^ bei
1 Molisch H., Über kalkfreie Cystolithen. Österr. bot. Zeitschrift, 1882,
p. 345 bis 347.
404 F. Schorn,
Goldßissia aiiisophylla'^ees und anderen Pflanzen aufgefunden
hat, als Cystolithen bezeichnet werden.
Um ein anschauHches Bild eines Schleimcystolithen zu
erhalten, bei welchem nicht nur der Schleimkörper, sondern
auch der Stiel zu sehen ist, empfiehlt es sich, mit dem Rasier-
messer Längsschnitte durch den Stengel herzustellen und
diese in 95prozentigem Alkohol zu untersuchen.
Unter den Zellen des Markparenchyms, seltener der Rinde
fallen fast immer einige durch den gelblich gefärbten und
geschichteten Inhalt auf. Es sind dies die Schleimidioblasten.
Eine genauere Untersuchung derselben lehrt, daß hier der
Schleim den sogenannten inneren Vorsprungsbildungen der
Zellmembran angehört. Die Zellwand entsendet in das Innere
der Zelle einen Fortsatz, der, zu einem mächtigen Schleim-
körper anwachsend, die Zelle zum größeren oder geringeren
Teile erfüllt (Fig. 13 bis 20). Der übrig bleibende Raum enthält
Protoplasma, Zellkern, manchmal auch Chlorophyll und Stärke
(Fig. 19).
Die Form des Schleimkörpers ist verschieden und hängt
von der Gestalt der Zelle ab. In der Abbildung Fig. 14 er-
scheint er in der Richtung des Stieles gestreckt, in der Abbil-
dung Fig. 15 senkrecht zum Stiel verbreitert, in der Abbildung
Fig. 16 kugelförmig, aber stets der Form des Zellumens an-
gepaßt.
Der Stiel eines Schleimcystolithen ist meist sehr kurz
(st in Fig. 14 bis 19), daher oft schwer oder auch gar nicht zu
sehen. Letzteres ist besonders dann der Fall, wenn der Stiel
von den Schleimschichten überwallt und so ganz verdeckt
wird. Manchmal beobachtet man auch Stiele von bedeutender
Länge (Fig. 13). Abnormerweise finden sich auch zwei Stiele
an einem Cystolithen (Fig. 17).
Wie ich bereits bemerkt habe, sind Längsschnitte durch
den Stengel nötig, wenn man den Stiel der Schleimcystolithen
sehen will. Denn diese sind regelmäßig an die obere und untere
Zellvvand befestigt, die Zelle in ihrer natürlichen Lage im auf-
rechten Stengel gedacht. Ein Querschnitt gibt daher ein ganz
anderes Bild eines Schleimcystolithen. Vom Stiel ist entweder
Schleimzellen der Urticaceen. 405
gar nichts zu sehen oder er erscheint als eine deutlich kontu-
rierte Kreisfläche, die sich durch ihre verschiedene Licht-
brechung von der Umgebung abhebt (st, Fig. 20). Betreffs der
Lage der Cystolithen wäre noch zu bemerken, daß dieselbe
Zellwand, an der bereits ein Cystolith befestigt ist, nicht selten
auch in der benachbarten Zelle einen Cystolithen trägt
(Fig. 18).
Das mikrochemische Verhalten des Schleimes der Schleim-
cystolithen deckt sich im großen und ganzen mit dem des
Schleimes von Pellionia Daveauana.
Kaltes Wasser läßt ihn rasch und stark aufquellen, löst
ihn aber nur schwer auf. Nicht zu dicke Schnitte müssen etwa
24 Stunden im Wasser liegen, bevor aller Schleim entfernt ist.
Kochendes Wasser wirkt rascher.
Will man die Schleimcystolithen studieren, so muß man
sie entweder zum Gerinnen bringen oder färben. Ersteres läßt
sich am besten mit 96prozentigem Alkohol erreichen. Bei seiner
Anwendung erhält der Schleim ein feinkörniges^ gelbliches
Aussehen und zeigt eine schöne Schichtung, die dadurch zu
Stande kommt, daß lichte Höfe die dunklen Partien des
Schleimes trennen (siehe Fig. 13 bis 18 und 20). Die einzelnen
Schichten umgeben den Stiel und decken einander.
Zum Färben der Schleimcystolithen können alle Färbe-
mittel dienen, die ich bereits an geeigneter Stelle bei Pellionia
Daveauana angeführt habe (p. 400).- Unter ihnen verdient
wieder das Böhmer'sche Hämatoxylin den Vorzug, besonders
^ Das körnige Aussehen des Schleimes infolge Einwirkung von Alkohol
soll nach den Untersuchungen von B. Longo seinen Grund in dem Auftreten
kleiner Höhlungen (piccolo cavitä) im Schleime haben. Die Vorstellung, als
würde der Schleim durch Alkohol körnig gefällt, wäre demnach unrichtig. Siehe
B. Longo »Contributo allo studio degl' idioblasti muciferi delle Cactee« in
Annuario del R. istituto Botanico di Roma, A. VII, 1897/98, p. 49 u. f.
2 Es ist nicht ohne Interesse, daß mit Hilfe seiner Farbreaktionen Mangin
auch bei normalen, mit kohlensaurem Kalke inkrustierten Cystolithen Gummi
beobachtet hat. Mangin L., Sur la Constitution des cystolithes et des mem-
branes incrustees de carbonate de chaux (Compt. rend. de l'Acad. des Sciences,
Paris, t. CXV, 1892. p. 260).
406
F. Schorn,
wenn die Färbung damit so ausgeführt wird, wie ich sie bei
Urtica dioica (p. 401) angegeben habe.
Chlorzinkjod verursacht ein starkes Aufquellen derSchleim-
cystolithen und färbt sie braun. Die Gummireaktion mit Orcein
und Salzsäure gelang nicht, wohl aber färbt Rutheniumrot
(p. 400) den Schleim in Schnitten aus frischem und Alkohol-
material rasch und intensiv rot, nur dürfen die Schnitte vorher
nicht in Wasser gelegen sein.
Die Schleimcystolithen von Girardinia palmata fanden
sich in allen Organen der Pflanze, die ich daraufhin untersuchte,
in der Wurzel, im Stengel, in den Laubblättern und den
Knospenschuppen. Sie haben überall denselben Bau.
Die Wurzel enthält unter allen Organen relativ die meisten
Schleimzellen. Die Schleimcystolithen füllen hier die Zellen
so vollständig aus, daß die Stiele der Cystolithen nur schwer
zu erkennen sind.
Im Stengel finden sich die Schleimidioblasten im Mark
und in der Rinde, besonders reichlich in den Gewebspanien,
die unmittelbar unterhalb der Insertionsstelle des Blattes liegen.
Dort bilden sie ganze Häufchen.
Im Blatte trifft man sie im Stiel und in den Rippen der
Blattspreite an, nicht aber in deren Mesophyll und Epi-
dermis.
Über die Entwicklung der Schleimcystolithen konnte ich
mir kein sicheres Urteil bilden. Alle meine Bemühungen in
dieser Richtung verliefen resultatlos. Die Ursache liegt wohl
in der außerordentlich geringen optischen Differenzierung des
Schleimes von dem übrigen Inhalt einer lebenden Zelle, die es
ungemein schwer macht, einen intakten Schleimcystolithen
mit völliger Sicherheit zu erkennen. Versuche, durch Vital-
färbung der Zellen mit Neutralrot die Schleimcystolithen kennt-
lich zu machen, hatten einen sehr geringen Erfolg.
In seltenen Fällen gelang es mir, einen Schleimcystolithen
so zu sehen, wie er im unveränderten Zustande aussieht. Ab-
bildung Fig. 19 gibt das Bild eines solchen wieder. Dazu kommt
das eigentümliche Verhalten der Cystolithen, wenn die Zelle
getötet wird. Läßt man nämlich zu einem Schnitte aus frischem
Material während der Beobachtung unter dem Mikroskop Alkohol
Schleimzellen der Urticaceen. 407
zufließen, so werden die Schleimcystolithen zwar augenblicklich
sichtbar, dehnen sich aber auch momentan aus und nehmen
so ein viel größeres Volumen ein, als ihnen ursprünglich zu-
kommt.
Durch dieses Verhalten wird leider das Auffinden von
Anfangsstadien unserer Cystolithen sehr erschwert, so daß
gerade über diese Stadien nichts Sicheres mitgeteilt werden kann.
Biologie, Schleimbildungen sind vielfach bei sukkulenten
Pflanzen beobachtet worden. Sie haben nach der übereinstimmen-
den Ansicht verschiedener Forscher^ die Aufgabe, als Wasser-
speicher zu dienen. Dies ist sicherlich auch bei den schleim-
führenden Urticaceen der Fall. Überzeugend in dieser Richtung
wirkt PeUionia Davemiana, bei der sich neben mächtigen
Wassergeweben Schleimzellen in großer Menge vorfinden und
der beblätterte Sproß wie andere an Schleim reiche Pflanzen
dem Vertrocknen einen großen Widerstand entgegensetzt.
Häufig läßt sich beobachten, daß die Schleimzellen mit
großer Vorliebe in der Nähe der Gefäßbündel auftreten — be-
sonders schön bei Splitgerbera japonica und Boehuieria spe-
ciosa zu sehen (vergl. p. 402 und 403) — so daß man un-
willkürlich auf den Gedanken verfällt, zwischen den Schleim-
zellen und den Gefäßbündeln müsse es eine Beziehung geben,
die vielleicht darin besteht, daß die den Gefäßbündeln benach-
barten Zellen am raschesten das Wasser erhalten, das im
Schleime aufgespeichert werden soll.
Die Schleimcystolithen von Girardinia palmata unter-
scheiden sich von den Membranschleimen anderer Pflanzen
wohl nur morphologisch, nicht aber funktionell.
1 Ein ziemlich ausführlicher Bericht über die Arbeiten, in denen die phy-
siologische Bedeutung des Schleimes berücksichtigt wird, nebst den nötigen
Literaturangaben findet sich bei H. Walliczek, 1. c, p. 269 bis 271.
408
F. Schorn,
IV. Zusammenfassung*.
I. In dieser Arbeit wird das Vorhandensein von Schleim-
zellen bei einer Anzahl von Urticaceen, nämlich bei Pellionia
Daveatiana N. E. Br., Urtica dioica L., Splitgerhera japonica
Miq., Boehmeria speciosa und Girardinia palmata Gaudi eh.
nachgewiesen und damit höchst wahrscheinlich gemacht, daß
bei einer ausgedehnteren Untersuchung sich noch andere Urti-
caceen als schleimführend erweisen werden.
II. Die Schleimzellen finden sich bei Pellionia Daveauana
im Grundgewebe des Stengels und im beiderseitigen Wasser-
gewebe der Blätter, in der Wurzel jedoch nicht, bei Urtica
dioica nur in der Epidermis der häutigen Knospenschuppen,
bei Splitgerhera japonica im. Grundgewebe des Stengels und
des Blattstieles, ferner in den stärkeren Rippen der Blattspreite,
meist in der Nähe der Gefäßbündel; bei Boehmeria speciosa im
Grundgewebe des Stengels und der Knospenschuppen; bei
Girardinia palmata im Grundgewebe des Stengels, des Blatt-
stieles, der Wurzel und der Knospenschuppen, selten auch in
den stärkeren Rippen der Blattspreite.
III. Der Schleim in den genannten Pflanzen gehört den so-
genannten Membranschleimen an. In ihrem Baue gleichen die
Schleimzellen der Urticaceen denen der Malvaceen, Lilia-
ceen u. s. f. Ausgenommen sind die Schleimzellen von Girar-
dinia palmata, in denen der Schleim in der Form von Cysto-
lithen vorkommt, die ich als Schleimcystolith en bezeichne.
IV. Diese Schleimcystolithen sind insofern von Interesse,
als sie gestaltlich mit typischen Cystolithen übereinstimmen
und geschichtet sind, aber keinerlei Inkrustierung mit kohlen-
saurem Kalk aufweisen. In dieser letzteren Beziehung gleichen
sie den von Mo lisch entdeckten Zellulosecystolithen im Marke
von Goldfussia.
V. Die Entwicklung der Schleimzellen wurde besonders
studiert bei Pellionia Daveauana. Der Schleim entsteht hier
aus der Zellmembran, und zwar aus der sogenannten Ver-
dickungsschichte. Die im Schleime häufig vorkommenden birn-
förmigen Einschlüsse, Aussackungen und Zipfel sind entwick-
Schleimzellen der Urticaceen. 409
lungsgeschichtlich durch die ungleich rasch vor sich gehende
Verschleimung der Membran zu erklären.
VI. Der Schleim dient höchstwahrscheinlich als Wasser-
speicher und erhöht dadurch die Widerstandskraft der Pflanzen
gegenüber dem Vertrocknen.
Zum Schlüsse erlaube ich mir, Herrn Professor Dr. Hans
Moli seh für die freundliche Anregung wie für die vielfach
gebotene liebenswürdige Unterstützung bei meiner Arbeit
meinen besten Dank auszusprechen.
410 F. Schorn, Schleimzellen bei Urticaceen.
Erklärung der Tafeln.
Vergrößerung ungefähr 270.
Fig. 1 bis 12 stellen Schleimzellen von Pellionia Daveauana,
Fig. 13 bis 20 solche von Girardinia palmata vor.
Dabei bedeutet in Fig. 1 bis 1 2 : 5 =: Schleim, / = Innenlamelle, p = Plasma,
11 = Kern.
Fig. 2. Zeigt das Aufblättern des Schleimes (siehe p. 395).
Fig. 3. Eine plasmolisierte Schleimzelle. Das Plasma hat sich von der Innen-
lamelle der Membran abgehoben.
Fig. 4. Junge Schleimzelle mit beginnender Verschleimung (siehe p. 397).
Fig. 5. Detto; der Schleim wölbt sich von beiden Seiten der Zelle vor (siehe
p. 397).
Fig. 6. Junge Schleimzelle mit einer schlauchförmigen Ausstülpung (siehe
p. 397); der Schleim wölbt sich auch hier in das Innere der Zelle vor
Fig. 7. Schleimzelle mit einem »Zapfen» z (siehe p. 396, 397).
Fig. 8. Schleimzelle mit unten verbreitertem Schlauche (siehe p. 397).
Fig. 9. Schleimzelle mit birnförmigem Einschluß (siehe p. 396, 397).
Fig. 10. Dieselbe nach weiterem Vorschreiten der Verschleimung.
Fig. 11. Die Verschleimung der Zelle in einem weit vorgerückten Stadium.
Fig. 12. Fünf Schleimzellen, deren Schleim zu einer einheitlichen Masse ver-
schmolzen ist.
Fig. 13 bis 20. Schleimzellen aus Stengellängsschnitten von
Girardinia palmata mit Schleimcystolithen.
Dabei bedeutet c = Cj^stolith, st = Stiel des Cystolithen.
Fig. 13. Cystolith mit langem Stiele.
Fig. 14. Cystolith in der Richtung des Stieles gestreckt.
Fig. 15. Cystolith senkrecht zur Richtung des Stieles verbreitert.
Fig. 1 6. Kugelförmiger Cystolith.
Fig. 17. Der dargestellte Cystolith besitzt zwei Stiele, von denen der eine nicht
im optischen Durchschnitt liegt, daher nur zum Teile zu sehen ist.
Fig. 18. Zwei Schleimzellen. Die Zellwand, die zwei benachbarte Zellen trennt,
trägt zwei Cystolithen.
Fig. 19. Der Schleim des Cystolithen nicht geronnen.
Fig. 20. Cystolith von oben.
Schom ,Y . \ ScWeimzeHen tjeiUrticaceeii.
Taf.I.
liÜi.Aiust.v.Th.BHTmwm-lIi.Afieiv.
vSitzung.sberichte d.kais. Al^ad.d.Wiss., laatlirnatuiw. Klasse, Bd.CXVI..^)th.1. 1907
Schöm,^ . : Sclüeimzellenl)eiIIrficaceeii
Autor del.
I.im.AiLst.v.TIi.Baimwuilli.VVlen.
Sitzunesbericlite d.kais. Akad.d.Wiss., inatri.-natunv.I\l;i.sse, Bcl.CX\l.Abtlul. 1907.
411
Zur Morphologie der Gattung Creochiton Bl.
von
Dr. Rudolf Wagner.
(Mit 1 Tafel und 12 Textfiguren.)
(Vorgelegt in der Sitzung am 7. März 1907.)
Blume hat in seiner im Jahre 1831 in der Regensburger
Flora, Bd. 14, erschienenen Arbeit Ȇber einige ostindische und
besonders javanische Melastomaceen«, p. 506, die Gattung
Creochiton aufgestellt, deren eine Art, Cr. pudibitnda, er schon
einige Jahre vorher als Melastoma in der nämlichen Zeitschrift
beschrieben hatte. ^ Die beiden ihm bekannten Arten, zu
denen vielleicht noch eine dritte, von Miquel 1855 aufgestellte
kommt,^ sind Klettersträucher aus Java, die sich im Blütenbau
nach der Ansicht von Bentham und Hooker an Medinilla,^
nach der von Bai Hon an Dissochaeta^ anschließen, mit welcher
Gattung sie der letztgenannte Autor gleich mehreren anderen
Gattungen^ direkt vereinigt. Bezüglich des Blütenbaues der zwei
'^ Melastoma piidibundiim Bl. in Fora 1825, p. 139; Bijdr., p. 1071;
DC. Prodr., Vol. III, p. 148.
2 Außer der genannten Art noch Cr. bibradeata Bl. und Cr. emarginata
Miq., welch letztere vom Kew-Index wie auch von Cogniaux in den Suites au
Prodromus, Vol. VII (1891), p. 604, zu Cr. pudibtmda Bl. gezogen wird.
3 »Genus vix nisi bracteis valvatis a Medinilla destinguendum« in Gen.
plant., Vol. I., p. 759 (1867).
^ »Les Creochitons sont des Dissochaelae diplostemonees dont le bouton est
entoure de deux bractees concaves et valvaires formant involucre« in Hist.
plant., Vol. 7 (1879), p. 11 sq.; verwiesen wird auf Fig. 24, p. 15, die eine
Blütenknospe der mit Dissochaeta (Creochiton) bibradeata bezeichneten Art
darstellt.
ä Sakersia Hook, fil., Diccllandra Hook, fil., Omphalopus Naud ,
Anpledrtim A. Gr., Oxyotandra Baill., die Cogniaux mit Ausnahme der letzt-
genannten Gattung, die er mit Medinilla vereinigt, alle aufrecht erhält.
Sitzb. d. mathem.-naturw. KI. ; CXVI. Bd., Abt. I. 28
412 R.Wagner,
oder drei einander sehr nahe stehenden Arten mag auf die
Arbeit von Naudin, beziehungsweise seine Blütenanalyse der
vom Kew-Index mit Cr. hibracteata Bl. vereinigten Creocliitoii
superba Naud. hingewiesen werden.^
Bei beiden von Cogniaux akzeptierten Arten sind die
Laubblattpaare durch Internodien von 10 und mehr Zentimeter
Länge getrennt; in den Achseln mehrerer aufeinander folgenden
Blattpaare finden wir langgestielte Infloreszenzen, die am auf-
fallendsten bei Cr. ptuiihimda Bl. gestaltet sind. In Fig. 1, die
nach einem dem Leydener Herbar, also einem Blume'schen
Originale, entstammenden Exemplar gezeichnet ist, wird der
Torso eines jungen, 40 mni messenden Fruchtstandes darge-
stellt, der ursprünglich siebenblütig war. Die Terminalblüte
hatte sich augenscheinlich zuerst geöffnet, dem entspricht die
weiter fortgeschrittene Entwicklung der Frucht; zu beiden
Seiten ihres Stiels finden wir zwei Narben, die Insertionsstellen
der obersten Secundanblüten, also der Vorblatthauptachsel-
produkte; dann folgen zwei weitere Blütenstiele, deren Früchte
weniger weit entwickelt sind, und dann eine Narbe, beziehungs-
weise eine junge Frucht, auf der sich noch eines der acht
Staubgefäße und der Griffel erhalten haben. Die einzelnen
Blütenstiele dieses, wie es auf den ersten Blick scheint, serial
bereicherten Dichasiums sind in einem scheibenähnlichen
Gebilde inseriert, auf dem zwei in der Mitte miteinander ver-
schmelzende Narben deutlich die Insertion der abgefallenen
Vorblätter erkennen lassen. Es ist aber noch eine weitere
Kategorie von Blättern festzustellen. Wir sehen nämlich un-
mittelbar unterhalb eines jeden Fruchtknotens zwei Narben, die
den Insertionsstellen der beiden Bracteen entsprechen, von
denen die Gattung ihren Namen hat: »A Marumia, cui habitu
persimile, genus hoc bracteis carneis flores juventute
includentibus (quibus nomen genericum, a 7ypsa?, caro, et y/Twv,
tunica, alludit) differt« sagt Blume.^ Das Aussehen dieser
Bracteen bei Cr.pudibnnda B l. ist mir nicht bekannt, schließt sich
aber wohl eng an das von Cr.hibracteata Bl. an, wie es Bai Hon,
1 Ann. Sc. Nat., 3. Ser., Vol. 18, tab. 6, fig. IV
2 Regensb. Flora, Vol. 14, (1831), p. 506.
Morphologie der Gattung Creochiton Bl.
413
Fig. 1.
Creochiton pudihniida Bl. Junger Fruchtstand. Näheres im Text.
und zwar unmittelbar vor Entfaltung der Krone zur Darstellung
gebracht hat.^ Jüngere Entvvicklungsstadien sind weiter
unten in Fig. 3 und 4 abgebildet. Wir gelangen somit fijr
1 Hist. plant., Vol. 7 (1879), p.lö, fig.24. Die Angabe »bouton, entoure de
ses deux bractees laterales« bezieht sich nicht nur auf die Primanblüten, sondern
auch auf die Terminalblüte des unterbrochenen Pleiochasiums mit seinem
sterilen Medianblattpaar.
2S*
414
R. Wa2;n er.
Cr. piuJilninda Bl. zu einem Diagramm, wie es in Fig. 2 zu
sehen ist.^ Diese Form des Blütenstandes scheint nach dem mir
vorliegenden Material ziemlich konstant zu sein, doch kommen
nach Blume's x'\ngabe, die allerdings an Verständlichkeit sehr
zu wünschen übrig läßt, auch andere Formen vor: »umbellis
simplicibus rarius ramosis multifloris« gibt er in seiner Art-
beschreibung an. In welchem Sinne das zu deuten ist, darüber
läßt vielleicht sein Vergleich mit Marmnia eine Vermutung zu,
in welcher Gattung nämlich bei der auf Java und Sumatra
augenscheinlich verbreiteten M. ninscosa Bl. dreipaarige
Fig. 2.
Creochlion pitdihunda Bl. Diagramm des in Fig. 1 dargestellten Blütenstandes.
Näheres im Text.
Secundanpleiochasien vorkommen, allein es wäre verfrüht, in
dieser Hinsicht einen halbwegs sicheren Schluß ziehen zu wollen.
Den Anschein einfacher Dichasien^ erwecken die Blüten-
stände der Cr. hibracteata Bl., die mir in Exemplaren vorliegen,
die Jelinek anläßlich der Novaraexpedition auf Java gesammelt
hat; über den Fundort wird nichts Genaueres mitgeteilt, nach
1 Sollte Cr.emai'ginaia Miq., die in 4000 Fuß Höhe am Pengalengang auf
Java gesammelt wurde, als Art aufrecht zu halten sein, so scheint sie sich
bezüglich der morphologischen Verhältnisse Qng a.n Cr. pitdibunda Bl. anzu-
schHeßen: »pedunculi axillares terminalesque 5 — S-flori« gibt Miquel 1. c. an;
sechs- oder achtblütige Infloreszenzen wären demnach in der Weise zu erklären,
daß die Serialsprosse nicht symmetrisch zur Entwicklung gelangen.
2 »Umbellis simplicibus paucifloris sagt Blume 1. c, p. 506.
Morphologie der Gattung Crcochiton Bl.
415
den Angaben Blume 's wachsen beide
Arten an den Abhängen des west-
javanischen Vulkanes Salak. In Fig. 3
ist ein junger Blütenstand abgebildet,
dessen Länge mit Stiel 47 mm beträgt;
die Secundanblüten sind von ihren Vor-
blättern vollständig eingeschlossen, eben-
so von einem gleich gestalteten Blatt-
paar die Primanblüte. An der Basis der
drei Blütenstiele sehen wir eine kleine
Anschwellung, die der Insertion der
beiden frühzeitig abgefallenen Vorblätter
entspricht. An der durch die Primanblüte
abgeschlossenen Achse sind also wie bei
Cr. piuUhunda Bl. zwei Blattpaare in-
seriert, deren oberes stets steril ist und
sich in seiner Gestalt vollständig an die
Secundanvorblätter anschließt. Über das
Aussehen der so früh verloren gehenden
Primanvorblätter orientiert Fig. 4, auch
sie sind ausgesprochen kahnförmig und
die Beschaffenheit ihrer Ränder läßt es
wahrscheinlich erscheinen, daß sie in
noch jüngeren Entwicklungsstadien in
ganz ähnlicher Weise zusammenge-
schlossen haben, wie das vom zweiten
Blattpaar und den Secundanvorblättern
gilt. Im Verein mit dem dichten, filzigen
Indument bilden diese Hochblattpaare
einen wirksamen Schutz für die jungen
Knospen.
Wie aus Fig. 4 hervorgeht, die nach
einem in natura 14 mm messenden
Blütenstande gezeichnet ist, eilt die
Primanblüte den Secundanblüten in der
Entwicklung weit voraus, wie wir das
von cumösen Systemen gewöhnt sind;
erst später wird sie von den Secundan-
Fig. 3.
Creochiton bihracteata Bl.
Junger Blütenstand.
Näheres im Text.
416
R. W a g n e r,
bluten, wenigstens was die Länge der Blütenstiele anbelangt,
eingeholt; in dem abgebildeten Stadium ist das Internodium
zwischen Primanvorblättern und zweitem Vorblattpaar noch
nicht gestreckt, die Knospen der Secundanblüten inklusive
Vorblätter haben noch nicht die halbe
Größe der Endknospe erreicht.
Es fragt sich nun, in welche Kate-
gorie von Infloreszenzen wir diese
Blütenstände, die sich voneinander
nur durch die seriale Bereicherung des
einen unterscheiden, einzureihen haben,
und ob es auf Grund unserer bis-
herigen Erfahrungen möglich ist,
Schlüsse, die eine erhebliche Wahr-
scheinlichkeit für sich haben, in Bezug
auf die Phylogenie dieser Gebilde zu
ziehen. Daß sie Cymen darstellen,
bedarf wohl keiner weiteren Erläu-
terung; vom Dichasium, beziehungs-
weise dem serial bereicherten Dicha-
sium unterscheiden sie sich durch das
Vorhandensein eines zweiten Blatt-
paares an der Blütenstandshauptachse,
das in unseren Fällen stets steril ist,
und die Fähigkeit, ein Achselprodukt
zu entwickeln, gänzlich eingebüßt hat.
Wir werden somit auf Grund der vor
vier Jahren publizierten Untersuchungen den in Fig. 5 dia-
grammatisch dargestellten Blütenstand als ein zwei paariges
unterbrochenes Primanpleiochasium bezeichnen,^ wie
es schon von der ma.daga.ssischen Medinilla papulosa Bak. und
Fig. 4.
Creochiton hihractcata Bl.
Junger Blütenstand.
Näheres im Text.
1 Cogniaux gibt in seiner Monographie p. 605 an »pedunculis 1 — 3-
fioris« ; wie die pedunculi uniflori zu deuten sind, sagt er nicht; möglicherweise
kommen axilläre Einzelblüten vor, die nur die beiden Vorblätter haben, ohne
daß ein zweites Blattpaar folgt; das scheint mir aber n'cht recht wahrscheinlich,
sondern ich glaube eher, daß man es da mit dem unten von Marninia leprosa
Korth. und Blakea Spniceana Cogn. erwähnten Falle zu tun hat, daß das
Involucrum als zweites stets steriles Blattpaar auftritt.
Morphologie der Gattung Creochiton Bl.
417
von Exemplaren der im indomalayischen Archipel weit ver-
breiteten Maruniia nemorosa Bl. bekannt ist.^ Dem Verhalten
dieser beiden Arten entspricht auch vollständig der Blütenstand
®
Creochiton bibracteala Bl. Diagramm eines Blütenstandes. Näheres im Text.
der Osheckia niitans Wall; das mir vorliegende Exemplar ist
im östlichen Himalaya gesammelt und entstammt dem Herbar
Griffith.
Die Ableitung der unterbrochenen Pleiochasien mag an der
zitierten Stelle p.414, 199 nachgesehen werden; ich beschränke
X X X >
o o o
X V. X '
^ x^^ ^
Fig. 6.
Osheckia niitans Wall., Diagramm eines Blütenstandes; gilt auch für MeäiniUa
papulosa Bak. und zum Teile für Marumia nemorosa Bl. Näheres im Text.
mich hier auf die Angabe, daß nach den dort vertretenen
Anschauungen derartige Gebilde zunächst von Formen ab-
stammen, deren Terminal-, beziehungsweise Primanblüte inner-
halb des ganzen Blütenstandes zuerst sich entwickelte, worauf
die Priman-, beziehungsweise Secundanblüten in akropetaler
1 Ann. k. k. Naturhist. Hofmus. Bd. 18 (1903), p. 417.
418 R. Wagner,
Folge zur Entwicklunggelangten; als Spezialfall ist dann die
nur mehr ausnahmsweise Entwicklung der obersten Achsel-
produkte, als extremer Fall die gänzliche Sterilität der-
selben zu betrachten.
Dieses Verhalten, die Ausbildung unterbrochener Pleio-
chasien, das auch von einigen nicht zu den Melastomaceen
gehörigen Pflanzen bekannt ist, scheint innerhalb der Familie
recht verbreitet zu sein; es mögen einige Beispiele, die ver-
schiedenen Tribus entnommen sind, diese Tatsache illustrieren.^
Tibouchineae, Chaetolepis aJpestris Tr. aus den
Cordilleren von Columbien besitzt terminale, dekussierte, unter-
brochene Pleiochasien.
Tihouchina ochypetala (R. et P.) Bai IL, Cuchero, Peru, leg.
Popp ig. In den w^enigpaarigen unterbrochenen Secundan-
pleiochasien finden wir nicht nur unterhalb der Terminalblüte
ein steriles Blattpaar, sondern auch die untersten aus Laub-
blättern axillären Partialinfloreszenzen erster Ordnung stellen
bisweilen wenigstens unterbrochene zweipaarige Priman-
pleiochasien dar.
Tibonchma Marthisiana Co gn., (Brasilien, leg. Pohl) be-
sitzt terminale BliJtenstände, deren Diagramm in Fig. 7 dar-
gestellt ist. Abgesehen von der Unterbrechung, die durch X
kenntlich gemacht ist, fällt die seriale Bereicherung auf, ein
Punkt, auf den wir später noch zurückkommen werden.
Osbeckieae. Osheckia octandra (L.) DC. aus Ostindien
Herbar Wight. Hier kommen terminale dreiblütige, also zwei-
paarige unterbrochene Primanpleiochasien vor.
Merianieae. Pachyloma htiberioides (Naud.) Tr., Exem-
plarevom RioNegro, leg.R. Spruce, n. 2015. Vierpaariges unter-
brochenes Secundanpleiochasium. Das unterste Blattpaar stützt
zwei dreiblütige Dichasien, die nichts Bemerkenswertes bieten,
die beiden folgenden Blattpaare Einzelblüten mit sterilen Vor-
blättern, das vierte Blattpaar ist steril.
Behuria iusignis Cham., Brasilien, leg. Riedel. Die
nebenbei bemerkt mehr oder minder anisophylle Pflanze hat
1 Ich halte mich in den folgenden Darstellungen fast ausschließlich an
eigene Beobachtungen und ziehe nur ausnahmsweise Abbildungen herbei.
Morphologie der Gattung CreocliHon Bl. 419
gewöhnlich Primanpleiochasien, deren oberstes steriles Blatt-
paar ähnlich wie bei Creochiton zu einem Involucrum ent-
wickelt ist.
Dissochaeteae. Sakevsia africana Hook, fil., aus Bipinde
in Kamerun, Zenker, Flora von Kamerun, n. 2317, hat terminale
wenigpaarige dekussierte Pleiochasien, die öfters unterbrochen
<o> ^ T _ <o> _
■ (0> -- ^ -- (O) ^
Fig. 7.
Tibotichma Martiusiana Cogn. Diagramm eines terminalen Blütenstandes.
Näheres im Text.
sind; dasselbe wiederholt sich in den Partialinfloreszenzen
erster Ordnung. Damit hätten wir also eine Art, bei der dieser
Charakter noch nicht zu der bei Creochiton errreichten Kon-
stanz gelangt ist.
Medinilla papulosa Bak. cfr. oben.
Miconieae. CJiarianthus nodosa Tr. vom Mont Pelee
auf Martinique, leg. Hahn, Plantes de la Martinique, n.456. Aus
dem alten Holze entwickeln sich dekussierte unterbrochene
Pleiochasien.
Leandra (Oxymeris) quinquenodis (DC.) Cogn., im Orgel-
gebirge von Gardner gesammelt. Die Blütenstände sind mehr-
paarige, so gelegentlich siebenpaarige unterbrochene Pleio-
chasien.
420 R.Wagner,
Leandra aaitißora (Naud.) Cogn., Brasilien, verbreitet.
Die sparrigen Blütenstände sind mehrpaarige unterbrochene
Pleiochasien.
Blakeae. Blakea Spruceana Cogn., gehört nach der von
Krasser in den Nat. Pflanzenfam. III, 7, p. 193, reproduzierten
Abbildung aus der Flora Brasiliensis wohl auch bis zu gewissem
Grade in diese Kategorie. Es liegt nahe, sich das vierblätterige
Involucrum^ der »axillären Einzelblüten« in der Weise
entstanden zu denken, daß man in den zweipaarigen unter-
brochenen Pleiochasien, wie wir sie von Medinilla papulosa
Bak., Creochiton bibracteata BL, Marumia nemorosa Bl. und
den beiden oben genannten Osbeckien kennen, die Entwicklung
der Vorblattachselprodukte sich immer mehr verspäten läßt, bis
sie zunächst zu den Seltenheiten gehören und dann schließlich
das Extrem, die gänzliche Sterilität eintritt. Eine Stütze dürfte
diese Anschauung im Verhalten der Marumia Jeprosa Korth.,
aus Borneo (Originalexemplare leg. Korthals) finden, wo die
Secundanblüten frühzeitig unterdrückt werden.
Es erübrigt noch, über das Vorkommen von Serialsprossen
in der Familie einiges mitzuteilen. Dieselben sind außerordent-
lich verbreitet und ich beschränke mich an dieser Stelle darauf,
aus dem umfangreichen diesbezüglichen Beobachtungsmaterial
eine Anzahl von Beispielen, die verschiedenen Tribus ent-
nommen sind, mitzuteilen. 2
Tibouchineae. Biicqnctia gintinosa DC. (Columbien, leg.
Tr.). Die dekussierten wenigpaarigen Primanpleiochasien
sind öfters durch seriale Blüten bereichert.
1 Cfr. die Abbildungen von Blakea gracilis Hemsl. in Biol. Cent. Amer.
Bot, Vol.l, p. 433, t. 23, und neuerdines in Curtis'Bot. Mag., t. 8099 (X, 1906);
das Involucrum besteht hier aus zwei sehr ungleichen Blattpaaren, deren
Orientierung nicht ersichtlich ist; wahrscheinlich ist das größere Blattpaar das
untere. Über die Stellung der Blüten bemerkt S. A. Skan in Curtis' 1. c.
»Flores axillares, solitarii vel rare geminati«. Bezüglich der angeblichen
Axillarität gibt das von der übrigens nahe ve'cwa.ndiien Bl. Spruceana Cogn.
Gesagte; die »Flores geminati« weisen vielleicht auf ein Verhältnis, wie es bei
Cr. bibracteata Bl. besteht, mit dem Unterschiede, daß nur ein Involucral-
achselprodukt entwickelt ist.
2 Übrigens lassen sich die Beispiele leicht durch die Ikonographien
vermehren.
Morphologie der Gattung Creochilon BI. 421
Pterolepis trichotouia Cogn., Brasilien, verbreitet. Die
Partialinfloreszenzen erster und zweiter Ordnung sind gele-
gentlich durch seriale Infloreszenzen bereichert.
Tiboiichina CandoUeaiia Cogn., (Minas Geraes, leg.
Vauthier). Die terminalen, sehr lockeren Blütenstände sind
wenigpaarige Pleiochasien; die mitteren Partialinfloreszenzen
erster Ordnung sind häufig durch seriale Blütenstände berei-
chert, während die obersten der Beisprosse entbehren.
Microlepis oleaefoUa Tr. Brasilien, leg. Sellow. Die
endständigen Infloreszenzen sind vielpaarige dekussierte Pleio-
chasien; die untersten Partialinfloreszenzen erster Ordnung
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Fig. 8.
Pyramia pityropliylla Cham. Diagramm eines Blütenstandes. Näheres im Text.
Stellen wenigpaarige Pleiochasien dar und sind durch einfachere
Infloreszenzen bereichert.
Rhexieae. MonocJiaetiun Bonplaiidii Naud., Columbien,
leg. Triana? In der vegetativen Region sind basipetale Serial-
sprossen reichlich entwickelt.
Microlicieae, Pyramia pityrophyUa Cham., Brasilien, leg.
Martius. Die tenninale Infloreszenz ist ein dekussiertes Pleio-
chasium, dessen unterste Partialinfloreszenzen erster Ordnung
serial durch Einzelblüten bereichert sind. Vergl. Diagramm Fig.8.
Merianieae. CalyptreUa gracilis Tr., Tarapoto in Ostperu,
leg. R. Spruce, n. 4896. Die Partialinfloreszenzen erster
Ordnung der terminalen dekussierten Pleiochasien sind durch
kleine Blütenstände bereichert. Noch deutlicher treten die
Beisprosse hervor bei
422
R. Wagner,
Calyptrella tristis Tr. vom Campana in Ostperu, leg.
R. Sprue e, n. 4823, wo die Partialinfloreszenzen erster Ordnung
des sonst ähnlich gebauten Blütenstandes, öfters durch zwei
serial angeordnete Beisprosse bereichert erscheinen.
Adelohotrys fiiscesceiis Tr., Provinz Choco in Columbien,
leg, Triana. In den terminalen dekussierten Pleiochasien
dieser Art, deren höhere Partialinfloreszenzen doldenförmig
sind, treten öfters seriale Infloreszenzen auf.
Meriania nrceoJata Tr. von Panure am Rio Negro, leg.
R. Spruce. Unter den doldenförmigen Partialinfloreszenzen
Fig. 9.
Blastus Cogniaiixii Stapf. Diagramm eines Blutenstandes. Näheres im Text.
erster Ordnung, deren Aufbau weiter nicht bekannt ist, treten
oft seriale Dichasien hervor.
Graffeiirieda intermedia Tr. aus Tarapoto in Ostperu,
leg. R. Spruce, n. 4253. Die terminalen wenigpaarigen Pleio-
chasien dieser ausgesprochen anisophyllen Pflanze weisen in
den ersten beiden Verzweigungsgenerationen Bereicherungen
durch Beisprosse auf.
Oxysporeae. Fliornoikanmus tliymoides Bak. aus Mada-
gaskar entwickelt nach der Abbildung bei Grandidier, vol. V'.,
p. 392, in der vegetativen Region ebensolche Beisprosse.
Blastus Cogtiiauxii Stapf. Die untersten Partialinflores-
zenzen der in Hooker's Icones Plantarum, tab. 2311 (1894),
abgebildeten Pflanze sind bisweilen durch kleine Infloreszenzen
Morphologie der GaUung Creochiton Bl. 423
bereichert. Dasselbe gilt von Exemplaren von der malayischen
Halbinsel, wie sie das Mus. Pal. aufbewahrt. In Fig. 9 ist das
Diagramm eines derartigen Blütenstandes dargestellt, wobei die
Doppelkreise 4 bis 8-blütige doldenförmige Partialinfloreszenzen
von nicht näher bekanntem Bau darstellen.
Dissochaeteae. Medinilla Ciirtisii Hook, fil., aus West-
sumatra. Der Blütenstand bildet ein durch seriale Infloreszenzen
bereichertes dekussiertes Pleiochasium.
Phaeotienron dicellandroides
^ Gilg. Yaunde, Zenker, Flora von
Kamerun, n. 1418. In der vege-
tativen Region sind basipetale
Serialknospen vorhanden.
i /^~^ [ j r~\ \ Miconieae. Lemidra ampJexi-
\ \^ Vy ^ / a7?///5 DC, Brasilien, Pohl, n. 3749.
In einem der untersuchten Fälle
sind die untersten Partialinflores-
zenzen erster Ordnung des sieben-
paarigen dekussierten Pleiocha-
siums durch seriale doldenförmige
Infloreszenzen bereichert.
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*0)
{Q O o)
O
i /^ /^ A f~\i Leandraniangaeformis Cogn.,
^- ^ Orgelgebirge, leg. Gardner, n. 386.
Die spannenlangen dekussierten
^. ,^ Pleiochasien gehen in Doppel-
rig. 10.
, , ^ . TT , ^, T.- Wickel über; solche finden sich
Plerocladon Sprucet Hook. fil. Dia-
gramm einer Partialinfloreszenz ^Uch als BeisprOSSe unterhalb der
erster Ordnung. Näheres im Text. Partialinfloreszenzen erster Ord-
nung.
Coiiostegia arhorea Schauer, Pringle, Plantae mexicanae,
n. 8170, bei Jalapa. In den terminalen dekussierten Pleiochasien
finden sich unterhalb der untersten Partialinfloreszenzen erster
Ordnung seriale dreiblütige Dichasien.
Micoiiia campestris Tr., von San Gabriel de Cachoeira
am Rio Negro, leg. R. Spruce, n. 2147, entA'ickelt bei den
untersten Partialinfloreszenzen erster Ordnung kleinere seriale
Blütenstände, deren Bau sich einer flüchtigen Analyse entzieht.
424
R. Wagner,
Außerdem finden sich solche Beisprosse noch bei vielen Arten
dieser gegen 600 Arten zählenden Gattung.
Pterocladoii Sprucei Hook, fil., vom Campana bei Tarapoto
in Ostperu, leg. R. Spruce, n. 4312. Die Partialinfloreszenzen
erster Ordnung des fünfpaarigen dekussierten Pleiochasiums
sind durch zwei dreiblütige Dichasien bereichert. Vergl. Dia-
gramm Fig. 10. Auch vegetative Serialsprosse kommen bei
dieser Art vor.
Pachyanihus Poiretii G riseh. aus Kuba, Wright, PL Cub.,
n. 2521. Die terminalen Blütenstände sind aus fünf Blüten-
ständen zusammengesetzt, die armblütige Köpfchen darstellen;
cfr. Diagramm Fig. 1 1 .
Pachyanihus Poiretii Griseb. Diagramm des terminalen Blütenstandes.
Näheres im Te.xt.
Maiete Poeppigii Mar t., von Ega am Amazonenstrom, leg.
Pöppig, n. 3025, eine stark anisophylle Art, entwickelt unter-
halb vegetativer Sprosse seriale Infloreszenzen; außerdem
scheinen auch terminale Blütenstände vorzukommen.
Clidentia umbonata DC, Brasilien, leg. Pohl hat wenig-
paarige, dekussierte Pleiochasien, deren unterste Partialinflores-
zenzen erster Ordnung öfters durch Dichasien bereichert sind.
Mecranmni aniygdalimim (Desr.) Tr. C integrifolia Co gn.
aus Kuba, Linden, n. 2010, hat axilläre Blütenstände, die
vvenigpaarige Pleiochasien darstellen; die untersten Partial-
infloreszenzen erster Ordnung sind öfters durch kleine Blüten-
stände bereichert.
Morphologie der Gattung Creocliiton Bl.
425
Bellucia ciramiscissa Spruce, von San Gabriel de
Cachoeira am Rio Negro, leg. R. Spruce, n. 262. In den Ach-
seln opponierter Blätter stehen die dichasial gebauten, anschei-
nend in Wickel ausgehenden Blütenstände. Serial finden sich
kleinere Infloreszenzen.
Ossaea üivolticrata (Griseb.) Tr., in den Plant. Gubens,
Wright, n. 194, unter dem Namen Calycogoniimi involncratum
Griseb. ausgegeben, hat bisweilen unterhalb axillärer Laub-
Fig. 12.
Ossaea involncrata (Griseb.) Tr. Diagramm eines Verzweigungssystems
mit einem terminalen und zwei serialen Blutenständen.
sprosse seriale Infloreszenzen von Köpfchenform, deren Vor-
blätter steril sind, wie im Diagramm Fig. 12 angedeutet.
Loveya ovata O. Berg., von Panure am Rio Waupes,^ leg.
R. Spruce, n. 2899, entwickelt aus dem alten Holze serial
bereicherte Infloreszenzen, und zwar scheinen Hauptachsel-
produkt und Bereicherungssproß den nämlichen Bau aufzu-
weisen; zu genaueren Feststellungen versagt leider das Material.
Blakeae. Blakea Uihercnlata Donn. Sm., von La Palma in
Costarica, Ton duz, n. 12435. Soweit das sehr kräftig ent-
1 Ein rechter Nebenfluß des Rio Negro, nahe der Grenze von Brasilien
und Peru.
426 R. Wagner,
wickelte Indument eine Beobachtung zuläßt, stehen in den
Blattachseln zwei oder drei Bliiten untereinander. Noch deut-
licher treten derartige Serialbildungen hervor bei
Topohea subscabrula Tr., von San Pablo in der Montana
von Barbacoas in Columbien, einer Pflanze, die in gewisser
Hinsicht an die in Kultur befindliche Capparis caUosa Bl.
erinnert; man findet nämlich in den beiden Blattachseln bis
zu sechs serial entwickelte Blüten, allerdings im. Gegensatze
zu der Capparis unterhalb eines in den vorliegenden Studien
nur sehr schwach entwickelten Laubsprosses.
Astronieae. Astronia Rolfei Wi 6. &\, von den Philippinen,
Cuming, n. 1723. Die Partialinfloreszenzen erster und teilweise
auch zweiter Ordnung sind durch Beisprosse floralen Charakters,
durch kleine Blütenstände bereichert.
Axinandreae. Dactylocladus stenostachyiis Oliv. Nach der
in H o o k e r ' s Icones plantarum, tab. 235 1 , mitgeteilten Abbildung
kommen sehr kräftig entwickelte vegetative Beisprosse vor;
ähnliches scheint sich in der floralen Region zu finden, wenig-
stens nach der Angabe zu schließen >Flores parvi in racemos
terminales saepius 3 — 5-natim paniculatos dispositi«. Der aus
Borneo stammende Strauch ist mir nicht aus Autopsie bekannt.
Memecyleae. Motiriria vernicosa Naud., von Panure am
Rio Waupes, leg. R. Spruce, n. 2621, ausgegeben unter dem
Namen M. graveolens Spr. Jeder axilläre Blütenstand ist
durch eine oder zwei serial angeordnete, etwas schwächere
Infloreszenzen bereichert.
Alemecylon paniculafnm Jack., von den Philippinen, leg.
Cuming, n. 889. Die terminale Infloreszenz ist eine habituell
vom Gros der Melastomaceen recht abweichende Rispe, deren
Partialinfloreszenzen erster und vielleicht auch gelegentlich
höherer Ordnung durch einen oder zwei Beisprosse teilweise
bereichert sind. Im übrigen entzieht sich die Darstellung ihrer
Kompliziertheit wegen einer kurzen Behandlung.
Wie aus den obigen Darlegungen hervorgeht, sind die bei
unseren beiden Creochitoii- Arten beobachteten Charaktere,
nämlich das Auftreten unterbrochener Pleiochasien sowie das-
Morphologie der Gattung Creochiton Bl. 427
jenige von kräftig entwickelten, für den Habitus charakteristi-
schen Beisprossen keine kasuistischen Seltenheiten in der
Familie, sondern von den Autoren bisher einfach übersehen
oder nicht erwähnt. Besondere Schlüsse weitergehender Art,
als das schon früher angedeutet, zu ziehen, scheint mir nicht
statthaft, solange uns eine sich auf große Erfahrungen auf ein-
schlägigem Gebiet und ein riesiges Material sich stützende
vergleichende Untersuchung fehlt. Aber überall und immer
sind es die Materialschwierigkeiten, der Umstand, daß man
ähnlich wie der Paläontologe, auf kleine, oft schlecht erhaltene
Fragmente angewiesen ist und bei den wichtigsten Punkten
auf eine weitere Untersuchung verzichten muß, weil das
Material versagt. So müssen wir uns damit begnügen, in
kleinen Schritten wenigstens den oder jenen Punkt aufzu-
klären, die weitere Spekulation liegt noch in weiter Ferne.
Zum Schlüsse sei es mir noch gestattet, Herrn Kustos
Dr. A. Zahlbr uckner, dessen liebenswürdigem Entgegen-
kommen ich die Möglichkeit verdanke, die Sammlungen des
Naturhistorischen Hofmuseums zu benützen, meinen verbind-
lichsten Dank auszusprechen.
Sitzb. d. mathem.-naturw. KL; CXVI. Bd., Abt. I.
29
429
Ober eigentümliche Gebilde in dem Thallus
der Flechte Physma dalmaticum A. Zahlbr/
von
Em. Senft.
Aus dem chemischen Laboratorium des k. u. k. MiHtärsanitätskomitees (Vorstand
k. u. k. Generalstabsarzt Prof. Dr. Fl. Kratschmer).
(Mit 1 Tafel.)
(Vorgelegt in der Sitzung am 21. März 1907.)
In den Vorarbeiten zu einer Fiechtenflora Dalmatiens
bringt A. Zahlbruckner^ eine ausführliche Diagnose dieser
Flechte, welche an Eichen bei Meljine nächst Castelnuovo von
Weiss und im Walde bei Basanka von Baumgartner
gesammelt wurde.
Der Diagnose dieser Flechte fügt Zahlbruckner eine
eingehende Beschreibung eigentümlicher Gebilde bei, welche
er in dem Thallus des Physma dalmaticum vorfand und welche
hier mit Rücksicht auf die Wichtigkeit dieses Befundes wörtlich
wiedergegeben wird.
»Besondere Aufmerksamkeit verdienen eigenartige Gebilde,
welche ich (A. Zahlbruckner) im Lager sowohl der von
Baumgartner in Dalmatien gesammelten wie auch in den
von Anzi verteilten italienischen Stücken konstant auffand.
Diese Gebilde sehen äußerlich gewissen Cystolithen nicht
unähnlich. Sie treten insbesondere in dem gonidienarmen, von
Hyphen weniger durchzogenen Zentralteile des Lagers in
großer Menge vor. Am zahlreichsten fand ich sie in den Ver-
ästelungen des Lagers, in welchen sie bis knapp an die end-
ständigen Apothecien heranreichen; hingegen nehmen sie an
1 Physma amphaJarioidcs Arnold in Flora, 1867, p. 119, Tab. I, Fig. 1.
2 A. Zahlbruckner, Österr. Botanische Zeitschrift, 1901, Nr. 8 und 9.
29*
430 Em. Senft,
Zahl im basalen, unverzweigten, durch die blasse Farbe auf-
fallenden Teile des Lagers bedeutend ab. In Größe und Form
variieren diese Inhaltskörper außerordentlich.
In ihrer einfachsten, offenbar jugendlichen Form stellen sie
kugelige bis eiförmige, einfache Körper dar, später wird ihre
Gestalt, bei Vergrößerung des Volumens, eine mehr unregel-
mäßige, die einzelnen Körper klüften sich oder zeigen eine
fast lappenartige Ausbildung. Letztere Form scheint mitunter
aus dem Zusammenfließen mehrerer Individuen hervorgegangen
zu sein. Die Inhaltskörper sind farblos, ziemlich lichtbrechend
und ungeschichtet. Ihre in den Jugendstadien glatte Oberfläche
zeigt später bei stärkerer Vergrößerung, namentlich bei Behand-
lung mit Salzsäure und Jodtinktur, eine länger oder kürzer
gestrichelte oder kleingrubige Oberfläche.
Es liegen diese Inhaltskörper ferner zumeist frei in der
Gallerte; ich konnte eine Verbindung derselben mit Hyphen
in den von mir durchsuchten Schnitten mit Sicherheit nicht
feststellen, obwohl es in einigen wenigen Fällen den Anschein
hatte, als ob die Inhaltskörper des Lagers endständig einer
Hyphe aufsitzen würden. Ihre Größe variiert von 30 bis 200 [j-
im Durchmesser. Dem Drücken des Deckgläschens auf dem
Objektträger setzen sie einen großen Widerstand entgegen; es
gelang mir nicht, sie zu zerquetschen oder zu zerbrechen.
Über die chemische Natur dieser Inhaltskörper konnte ich bei
dem nicht zu reichlichen Materiale keine näheren Unter-
suchungen vornehmen; ich konnte nur beobachten, daß sie
Kalilauge nicht ändert, daß sie durch Salzsäure nicht gelöst
werden und daß ihnen Jodtinktur (in der Zusammensetzung,
wie sie in der Lichenologie angewendet wird) eine blaßgelb-
liche Farbe verleiht. Diese wenigen Angaben genügen natürlich
nicht, um sich über die chemische Beschaffenheit dieser Inhalts-
körper eine Vorstellung zu machen.«
Diese Inhaltskörper, welche, wie Zahlbruckner schreibt,
manchen Cystolithen nicht unähnlich sind, findet man in den
Schnitten durch den Thallus von PJiysma dalmaticum in
großer Menge vor. Die Beschreibung Zahlbruckn ers ist so
Thallusgebilde in Physuia daJinalicum. 431
ausführlich, daß ich, um nicht wiederholen zu müssen, bloß
diejenigen Fragen in Betracht ziehen will, welche Zahl-
b ruckner offen läßt.
Diese sind:
1. Die Entstehung dieser Gebilde;
2. die physikalischen,
3. die chemischen Eigenschaften und
4. insbesondere das Wesen derselben.
Zum Zwecke der Untersuchung bereitete ich mir eine
große Anzahl von Mikrotomschnitten, welche in Wasser auf-
bewahrt wurden.
I. Entstehung der Inhaltskörper.
Auf den Schnitten durch den Thallus von Physma dahna-
ticiun sieht man ein mäßig dichtes Geflecht, bestehend aus
spärlich verzweigten, anastomosierenden und ungleich dicken
Hyphen, welche in einer Gallerte gelagert sind.
Die dicksten Hyphen sind bis 3 [x breit, meist messen sie
jedoch kaum 2 [j., die dünnen dagegen etwa 1 -5 bis 0-5 [x. Die
meisten Hyphen sind dünnwandig, mitunter undeutlich septiert
und führen keinen geformten hnhalt, in anderen Hyphen findet
man dagegen kleine, mitunter jedoch das ganze Hyphenlumen
ausfüllende, stark lichtbrechende Körperchen, welche man
auch sonst in den Hyphen der Gallertflechten häufig begegnet
(offenbar Fett) und welche nichts besonderes darbieten.
Bei starker Vergrößerung kann man beobachten, daß
manche Hyphen nicht nur an den Endspitzen, sondern auch
interkalar wahrnehmbare, perlschnurartige, kopfförmige oder
anders gestaltete Verdickungen zeigen. Diese Verdickungen
unterscheiden sich von den Hyphen weder durch die Farbe
noch durch ein anderes Brechungsvermögen.
Man findet häufig in dem Thallus abgestorbene Nostoc-
Gonidien, welche mitunter so dicht nebeneinander gereiht sind,
daß sie fast einer solchen perlschnurartig verdickten Hyphe
ähnlich sind. Solche abgestorbene A^os/oc-Zellen findet man
viele, wogegen die Hyphenverdickungen nur spärlich vor-
kommen, und man muß viele Präparate durchsehen, bis man
auf solche wirklich typische Verdickungen stoßt.
432 ■ Em. Senft,
Später nehmen diese Verdickungen, insbesondere diejenigen,
welche sich an den Enden der Hyphen befinden, ganz unregel-
mäßige, kopfige, keilförmige, gelappte, traubenartige und anders
geformte Gestalten an. Ihre Oberfläche, die vorher meist glatt
war^, erscheint sehr zart gerunzelt. Die Runzeln verlaufen meist
parallel nebeneinander.
Ohne früher die kleinen, zweifellos aus den Hyphen
hervorgegangen Gebilde gesehen zu haben, hätte ich über den
Zusammenhang der großen Formen mit den Hyphen Zweifel
gehabt, da sich der Beobachtung ganz beträchtliche Schwierig-
keiten in den Weg stellen.
Das Isolieren dieser Inhaltskörper ist sehr schwer, da
dieselben, wie oben gesagt, in einer homogenen Gallerte liegen.
Die besten Präparate konnte ich noch erzielen durch
Kochen der Schnitte mit 10% Kalilauge, Auswaschen derselben
und nachher durch Zerdrücken zwischen zwei Gläschen.
So erhält man wenigstens einige brauchbare Fragmente,
an denen man stellenweise deutlich den Zusammenhang dieser
Inhaltskörper mit den Hyphen verfolgen kann und das umso
mehr, als es leicht gelingt, durch Verschieben des Deckgläschens
die Inhaltskörper in die erwähnte Lage zu bringen.
In den Schnitten selbst kann man diesen Zusammenhang
nur sehr schwer verfolgen.
In vielen Fällen liegen diese Körper oberhalb der Hyphe,
in andern sieht man die Hyphen unterhalb derselben, aber in
keinem Falle kann der Zusammenhang mit Sicherheit kon-
statiert werden.
Natürlich werden bei dem Schneiden auch sehr viele Körper
von der Hyphe abgeschnitten und liegen dann anscheinend
vollkommen frei in der Gallerte.
Schließlich begegnet man auch solchen, welche zweifellos
in keinem Zusammenhange mit den Hyphen mehr stehen.
Mir ist es wenigstens in hundert Fällen gelungen, einen
innigsten Verband dieser Inhaltskörper mit den Hyphen nach-
zuweisen.
Die schönste Ausbildung zeigen diejenigen Gebilde, welche
sich an den Endhyphen (Abbildung Fig. 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12,
13, 14, meist in der Mitte des Lagers) befinden, während die
Thallusgebilde in Physnta dalmaticum. 433
interkalar gebildeten, Fig 16, 17, (zumeist am Rande der
Schnitte zu größeren Strängen verbunden) ein gezerrtes Aus-
sehen darbieten.
IL Physikalische Eigenschaften der Inhaltskörper.
Vorerst wurde das Verhalten der Inhaltskörper im polari-
sierten Lichte geprüft. Sie erscheinen zwischen gekreuzten
Nicols des Polarisationsmikroskopes gleichmäßig dunkel und
leuchten nicht auf. Sie sind also isotrop.
Zum Nachweise des eventuellen Quellungsvermögens
wurden dünne trockene Schnitte unter dem Mikroskope unter-
sucht, die darin vorhandenen Inhaltskörper sorgfältig gezeichnet
und gemessen.
Darauf wurde ein Tropfen Wasser zugesetzt und nach
dem Aufquellen der Schnitte die Gebilde wiederum gemessen.
Dabei zeigte sich, daß diese Gebilde in Wasser kaum quellbar
sind. Sie veränderten ihre Form nicht und wurden auch nicht
größer. Selbst kochendes Wasser vermag keine merkbare Ver-
änderung hervorzurufen.
Andrerseits wurden Schnitte, welche längere Zeit (einige
Tage) in absolutem Alkohol gelegen sind, unter dem Mikroskop
nach Zufügen von Wasser untersucht, aber auch in diesem
Falle wurde keine merkbare Veränderung sichtbar.
Aus diesen Versuchen geht also hervor, daß die Quell -
barkeit dieser Gebilde — wenn überhaupt eine solche vor-
handen ist — eine minimale ist.
Wie Zahlbruckner^ schreibt, setzen die Inhaltskörper
dem Drücken des Deckgläschens einen großen Widerstand
entgegen und es ist Zahlbruckner nicht gelungen, sie zu
zerquetschen oder zu zerbrechen.
Nun prüfte ich diese Gebilde in Bezug auf die Härte,
beziehungsweise Elastizität, wie folgt:
Ich benützte anstatt des gewöhnlichen Okulars das Mikro-
meterokular und stellte irgend einen der Körper ein. Derselbe
wurde bei starker Vergrößerung gemessen. Darauf habe ich
mit einer Nadel auf das Deckgläschen stark gedrückt und
1 L. c.
434 Em. Senft,
während des Druckes den Inhaltskörper wiederum gemessen.
Es zeigte sich, daß sich diese Körperchen, wenn auch außer-
ordentlich schwach, doch immerhin etwas zerdrücken lassen,
denn sie haben in dem zerdrückten Zustande stets um einige
wenige Mikra mehr gemessen als früher. Schließlich wurden
die Körperchen nach Aufheben des Druckes wieder gemessen
und sie zeigten haarscharf die ursprüngliche Größe (der nicht
gequetschten Körperchen).
Sonach sind diese Gebilde deutlich elastisch.
III. Verhalten der Inhaltskörper gegen Reagenzien und
Farbstoffe.
Durch Jod^ werden die Inhaltskörper bloß sehr schwach
gelb gefärbt, deutlich gelb färben sie sich mit Chlorzink-
jodlösung.
Vorerst mit verdünnter Schwefelsäure behandelt, färben
sie sich durch Zusatz von Jod oder Chlorzinkjod ebenfalls
nur gelb.
Schnitte, welche durch 14 Tage in lO^o Kalilauge
gelegen sind, färben sich nach Auswaschen mit Wasser, Jod
oder Chlorzinkjod ebenfalls nur gelb, geben also keine
Zellulosereaktion.
In 60% Chloralhydratlösung werden die Schnitte
wohl aufgehellt, die Körper verändern sich jedoch keineswegs.
Auch gegen 10 Vo Kalilauge, selbst in der Siedehitze,
verhalten sich die Körper vollkommen resistent.
In Kupferoxydammoniak quellen sie minimal auf,
wobei die zarte Streifung meist etwas deutlicher hervortritt, sie
lösen sich aber darin nicht auf. Mit Millon'schen Reagens
gekocht, werden sie nicht gefärbt. Anilinsalzsäure und
Phloroglucinsalzsäure färben die Inhaltskörper ebenfalls
nicht. In konzentrierter Schwefelsäure, Salzsäure oder
Salpetersäure sind sie in der Kälte unlöslich, in heißer
Salpetersäure löslich.
In Schulze'schem Gemisch sowie in Schwefelsäure
und Chromsäure sind sie ebenfalls löslich, wobei aber auch
die ganzen Schnitte in Lösung gebracht werden.
1 Lugol'sche Lösung.
Thallusgebilde in Pliysma äalinaticiini. 435
Sie färben sich mit den meisten Anilinfarbstoffen,
besonders wenn die Schnitte vorher mit KaHlauge behandelt
wurden. Dabei ist es zweckmäßig, nur schwache Farbstoff-
lösungen längere Zeit einwirken zu lassen; mit starken
Lösungen färben sich die ganzen Schnitte gleichmäßig intensiv.
Es hat den Anschein, als ob, ihr Färbungsxermögen ein
größeres wäre als das der Hyphen selbst, denn die Inhalts-
körper erscheinen immer dunkler gefärbt. Ich kann mir die
intensivere Färbung nur durch die größere Oberfläche der
Körper erklären und glaube, daß sie kaum die Farbstoffe
intensiver speichern als die Hyphen.
IV. Das Wesen der Inhaltskörper.
Wie eingangs erwähnt wurde, habe ich mir für die Unter-
suchung eine große Menge Mikrotomschnitte durch den Thallus
des Physma dalniatictmi hergestellt, welche im Wasser auf-
bewahrt wurden. Es waren ihrer einige hundert.
Es fiel mir auf, daß die ursprünglich in jedem Schnitte so
reichlich vorhandenen Gebilde mit der Dauer der Aufbewahrung
immer spärlicher wurden und daß insbesondere von den kleinen
sehr wenig vorhanden waren.
In Anbetracht dessen jedoch, daß diese Körper nicht nur
in kaltem, sondern auch in kochendem Wasser unlöslich sind,
mußte angenommen werden, daß das jetzige spärliche Vor-
kommen der Inhaltskörper nur dem Zufalle zuzuschreiben ist,
daß etwa die an den Gebilden reichen Stücke bereits verbraucht
wurden.
Diese Annahme schien dadurch bekräftigt zu werden, daß
die vorhandenen Inhaltskörper wie früher deutliche Streifung
und scharfe Konturen zeigten und von irgend einer Auflösung
nichts zu bemerken war.
Um jedoch diesbezüglich einen sicheren Aufschluß zu
gewinnen, habe ich aus der Flechte Pliysma dalmatiaim
frische Schnitte hergestellt und davon einen an den Inhalts-
körpern besonders reichen Schnitt ausgesucht. Dieser wurde in
Wasser eingeschlossen.
Zuerst habe ich eine Partie des Schnittes und die darin
befindlichen Inhaltskörper genau gezeichnet und gemessen.
436
Em. Senft,
Um das Verdunsten des Wassers zu verhindern, wurde
das Präparat in einer »feuchten Kammer'^< aufbewahrt.
Die darin vorhandenen Inhaltskörper wurden täglich ge-
messen, und zwar unter Benützung des Objektives Nr. 9 (Merker)
und Okularmikrometer 3. Zur Vereinfachung habe ich die
Werte nicht umgerechnet und als Einheit galt mir eben ein Teil-
strich des Mikrometers, welcher in diesem Falle 1 • 4 [x entspricht.
Die Messungen ergaben folgende Werte:
Taa:
Inhaltskörper Nr.
II
III
IV
1
2
3
4
5
6
7
8,
50—34
50—34
47—33
45—31
45—34
45—32
45—33
50—37
43-34
44—35
43—34
42—32
43—30
41—30
41—30
47 — 32
110—70
110—73
108—72
100—65
105-70
103—65
100-70
110—75
24—20
24—20
22-19
21 — 18
23—20
22—18
19—22
25—20
45—37
47—40
42—34
41—34
42 — 35
43—34
46—34
45—40
Zum Schlüsse wurde das Präparat zwei Tage im Exsikkator getrocknet,
mit wasserfreiem Glyzerin beschickt und die Inhaltskörper nochmals
gemessen.
Die Resultate waren folgende :
45—33
42—32
108—70
20—18
43—35
Durch dieses Experiment wurde dargetan, daß die schein-
bare Abnahme der Inhaltskörper auf einer Täuschung beruhte,
da dieselben trotz der 8 Tage dauernden Mazeration mit Wasser
nicht die geringste Löslichkeit zeigten.
Andrerseits bewiesen diese Messungen, daß die Inhalts-
körper im V^asser, wenn auch sehr langsam, so immerhin
deutlich quellbar sind.
Die Entscheidung der Frage über das Wesen dieser
Gebilde erscheint umso schwieriger, als über die Zusammen-
setzung der Flechtenzellmembranen und insbesondere der-
jenigen der Collemaceen noch sehr wenig bekannt ist.
Thallusgebilde in Pliysma dahnaticnin. 437
Soviel bekannt ist, zeigen die Membranen der Flechten
allgemein eine andere Zusammensetzung als die Membranen
der Pilze, aber trotzdem kann man ein ähnliches Verhalten
gegen Chemikalien häufig konstatieren.
Der wesentlichste Unterschied der Flechtenmembranen
gegenüber den Pilzmembranen ist wohl die von Wisselingh^
nachgewiesene Tatsache, daß bei den Flechten das Chitin
entweder gar nicht oder nur spärlich verkommt, wogegen die
Pilzmembranen ihre Zusammensetzung meist nur dem Chitin
zu verdanken haben.
Das Vorkommen von Zellulose in den Zellmembranen der
Flechten ist noch sehr strittig.
Die Hj^phen des Physina dahnaticnin zeigen gegen
Reagenzien dasselbe Verhalten wie die Pilzmembranen, insbe-
sondere dieUnlösbarkeit derselben in Kupferoxydammoniak und
die mangelnde, selbst nach langer Einwirkung von Kalilauge
nicht eintretende Zellulosereaktion deuten auf eine von Zellu-
losemembranen ganz verschiedene Zusammensetzung.
Nach den hier mitgeteilten Untersuchungen
scheint die Erklärung einer M e m b r a n u m w a n d 1 u n g
zu einer festen Gallerte (Vergäll ertung der Hyphen)
am wahrscheinlichsten.
Dieselbe wird durch die Entstehung der Gebilde aus den
Hyphen, durch ihre Quellbarkeit im Wasser, durch ihre Elasti-
zität und schließlich durch ihr allgemein chemisches Verhalten
bekräftigt.
Ebensowenig wie man über die Natur der daran beteiligten
Kohlenhydrate etwas Näheres aussagen kann, läßt sich über
das Agens, durch welches diese Vergallertung hervorgerufen
wird, ein Urteil bilden.
Die einfachste und wohl auch die richtigste Erklärung für
diesen V'organg wäre die, daß ähnliche Stoffe enzymartiger
Natur, wie sie Wiesner- bei den Gummibildungen nach-
gewiesen hat, in unserem Falle die Umwandlung der Hyphen-
membranen zur Gallerte bewirken.
1 van Wisselingh, Jahrbücher wissensch. Botanik, Bd. XXXI, p. 656.
2 Wiesner, Über das Gummiferment. Sitzungsberichte Wiener Akademie,
Bd. XCII (1885), p. 40.
438 Em. Senft, Thallusgebilde in Physina daJmaticum.
Gerade so wie die Zelluloseschleime die Eigenschaften der
Zellulose besitzen, in polarisiertem Lichte aufleuchten und sich
mit denselben Farbstoffen färben wie die Zellulose selbst, so
zeigen die Inhaltskörper von Physma dalmaticum in Bezug
auf die optischen Eigenschaften sowie in Bezug auf die F'äib-
barkeit dasselbe Verhalten wie die Hyphensubstanz.
Zum Schlüsse sei noch mitgeteilt, daß das zu diesen
Untersuchungen verwendete Material größtenteils aus dem
Exsikkatenwerke A. Zahlbruckners^ stammte. Außerdem
habe ich ebenso wie Zahlbrucknerl. c. auch ein Exemplar
von Anzi, Eichenes Etruriae, Nr. 46, zum Vergleiche heran-
gezogen.
Erklärung der Tafel.
Fig. 1 bis 6. Verschiedene Verdickungen der Hyphen aus dem Thallus der Flechte
Physma dalmaticum.
Fig. 7 bis 15. Gestielte Inhaltskörper aus den Hyphen der Flechte Physma dal-
maticitnt hervorgegangen.
Fig. 16. Ein solcher freiliegender Inhaltskörper.
Fig. 17 und 18. Interkalare Vergallertungen der H3'phen.
1000
Alle Abbildungen sind bei — - — Vergrößerung gezeichnet.
1 A. Zahlbruckner: Eichenes rariores exsiccati. Nr. 26. {Physma am-
phalarioides [Anzi] Arn.). Dalmatia: ad truncos Quercuum prope Ragusa lg.
J. Baumgartner.
Senft ,E . : Thallusgebilde inPhysma dalnialicum .
16.
17.
KSenfirad nat.del . I.ilhj\nst.v.ThBmmw7U't.iariea.
Silzungsbertchte d.kais.Al<a(i.d.^Niss., iaatlirnatur\v. Klasse, Bd.CX\X^\bäi.1. 1907
439
Beiträge zur Kenntnis der Gattung* Balanophora
von
Prof. E. Heinricher.
(Mit 1 Tafel und 3 Textflguren.)
(Vorgelegt in der Sitzung am 21. März 1907.)
Vorbemerkungen. Während meines Aufenthaltes in
Tjibodas auf Java hatte ich Gelegenheit, zwei Arten von Bala-
nopliora {B.glohosa und B. elongata) selbst einzusammeln, und
anderes lebendes Material erhielt ich durch die gütige Ver-
mittlung Prof. Treub's, indem der pflanzenkundige Paidan aus
der Umgebung von Soecaboemi dieselben Balanophora-Avten
und gewaltige Exemplare von Ropalocneniis überbrachte.
Dieses Material wurde in Alkohol (zum Teil vorbehandelt
mit Sublimatalkohol) konserviert nach Europa mitgenommen
und soll nun bei einer Reihe von Untersuchungen Verwendung
finden. Im ganzen sind die Kenntnisse über diese so inter-
essanten parasitischen Samenpflanzen noch so lückenhaft, daß
mir dieses Unternehmen durchaus dankenswert und frucht-
bringend erscheint.
Da mir selbst aber leider die Muße fehlt, mich diesen Unter-
suchungen in weiter ausgreifender Weise zu widmen, so wird
Herr Max Strigl, zur Zeit Assistent am hiesigen botanischen
Institut, unter meiner Leitung und Kontrolle den größeren Teil
derselben ausführen. Die zunächst geplanten Arbeiten eröffne
ich mit der vorliegenden Mitteilung, die auf Grund von Unter-
suchungen an Balanophora globosa und B. elongata nach Vor-
ausschickung eines historischen Überblickes, betreffend den
Werdegang unserer Kenntnisse über den Aufbau der Balano-
phora-KnoWe und des BalanopJiora-ThaWuö, die bezüglichen
Tatsachen erweitert und in einer der Gegenwart entsprechenden
Fassung zu geben versucht. Auch werden die vermutbaren
Keimungsbedingungen wie die Entvvicklungsweise erörtert.
440 E. Heinricher,
In einer folgenden Abhandlung soll Herr Strigl den eigen-
artigen Bau der Rinde der Balanophora-KnoWen erläutern und
in einer weiteren wird derselbe den Thallusbau eingehend
schildern und besonders bestrebt sein, dies auf Grund guter und
reichlicher Abbildungen durchzuführen.
Endlich soll eine Ergänzung der Kenntnisse über das
Balanophorin gebracht werden. Auch diese Aufgabe soll zum
Teil Herr Strigl durchführen, doch hoffe ich, daß überdies noch
von anderer Seite eine eingehende chemische Untersuchung
dieses eigenartigen Stoffes folgen wird.
Der Thallus der Rafflesiaceen ist in den Wirtswurzeln,
welche Blüten, Knospen oder noch intramatrikale Floralpolster
von Rafßesia oder Bnigmansia tragen, in jedem Schnitte meist
reichlich und leicht nachzuweisen. In den in Aussicht gestellten
weiteren Abhandlungen der »Beiträge zur Kenntnis der Raffle-
siaceen«^ werdeich mitzuteilen haben, daß selbst die zartesten
AuszvveigungensolcherWirtsvvurzeln schon vonThallussträngen
des Parasiten durchzogen sind. Bei den Rafflesiaceen ist es
darum, ganz abgesehen von anderen festgestellten Tatsachen,
nicht zweifelhaft, daß der Thallus desselben Individuums wieder-
holt zur Blütenbildung gelangt und in einem VVurzelsystem
vielleicht jahrzehntelang fortlebt.
Nach Beccari soll es sich mit dem Thallus von Bala-
nopliora ähnlich verhalten. In seiner Arbeit >^lllustrazione di
nuove specie di plante Bornensi: BaIüuopIwreae<^ :^ schreibt er:
»Credo di potere affirmare, che quando sopra una radice di
una pianta qualunque si e sviluppato e cresciuto il seme di una
parasita, il tessuto cellulare di questa si spande e circola fra il
tessuto della radice, in modo da potervi dar nascita ad un numero
indefinito di altri individui, prodotti quindi per semplice gem-
mazione dalla pianta madre.« Diese Annahme schien sich ihm
zunächst schon aus der Beobachtung zu bestätigen, daß, wo
1 L, Denkschriften der kais. Akad. der Wissensch., mathem. naturw.
Klasse, LXXVIII. Bd., Wien, 1905.
- Estratto dalNuovoGiornaleBotanico Italiano, Nr. 2, Maggio 1869,Firenze.
Zur Kenntnis der Gattung Balaiiophora. 441
auf einer Wirtsvvurzel mehrere Balanophora-KnoWev^ mit ent-
wickelten Infloreszenzen vorhanden waren, dieselben angeblich
stets gleichen Geschlechts befunden wurden.
Auch die anatomische Untersuchung lieferte Stützen für
seine Annahme. Er fand einen intramatrikalen Thallus in einem
Querschnitte durch die Wirtsvvurzel, der 2 bis 3 cm entfernt von
dem Ansatzpunkte einer Balanophora-KnoWe gemacht war.
Beccari schreibt ferner (in freier Übersetzung): »Um mich
genau zu versichern, daß zwischen den beiden Ansatzstellen
zweier Balaitophora-Pf\a.nzcn auf einer und derselben Wirts-
wurzel eine Kommunikation des Gewebes besteht, habe ich
Schnitte gemacht und dazu sehr junge Pflanzen ausgewählt;
ich gelangte zur Überzeugung, daß eine solche Verbindung
wirklich besteht. Ich konnte nämlich zwischen den Ansatzstellen
der Balanophora die charakteristischen Zellen mit dem Proto-
plasma und Zellkern auffinden, welche mir den gegenseitigen Zu-
sammenhang zwischen den beiden Pflanzen zeigten, obwohl mir
das Gewebe hie und da unterbrochen schien, und zwar wegen
des gewundenen Verlaufes zwischen den Fasern der Wirts-
wurzel.« Eine folgende Stelle verrät etwas Unsicherheit und
erweckt den Anschein, als ob es bei dem Nachweis eines solchen
kontinuierlichen Thallus doch einige Schwierigkeiten abgegeben
hätte.
Dieser von Beccari entdeckte intramatrikale Thallus von
Balanophora, der in den V^irtswurzeln an Stellen, welche keine
Knollen trugen, vorhanden gewesen sein soll, wird auf Taf. III
seiner Abhandlung in 4 Figuren zur Anschauung gebracht. Die
Elemente des Thallus zeichnen sich danach durch große Zell-
kerne aus, die Zellen selbst sind im allgemieinen klein. Die Bilder
gleichen sehr denjenigen, die uns vom Thallus der Rafflesiaceen
vorliegen. 1
Beccari 's Beobachtungen beziehen sich auf die von ihm
auf Borneo gesammelte B. reflexa. In seiner Abhandlung »Das
Haustorium der Loranthaceen und der Thallus der Rafflesiaceen
1 Die eine dieser Figuren (5) zeigt die angeblichen Thalluszellen in von
den anderen (Fig. 2, 3, 4) abweichender Gestaltung; ihre Zellwandungen weisen
eine auffälüge, tüpfelartige Wandverdickung auf. Der Verfasser selbst äußert
sich bezüglich der Zugehörigkeit dieser Zellen zum Thallus etwas skeptisch.
442 E. Heinricher,
und Balanophoreen« ^ bestätigt Solms-Laubach die Befunde
Beccari's, indem er sagt: »Die Beschreibung der (von B.)
gefundenen Verhältnisse stimmt durchaus mit dem, was ich teils
an derselben Spezies, teils an B. iiuUca sah, überein.« Bildliche
Darstellungen und weitere Mitteilungen über diesen Teil des
Thallus bringt die Solms-Laubach'sche Arbeit nicht.
Schon frühzeitig war erkannt worden, daß in die Knollen
der BalanopJwra- Arien Auszweigungen der Wirtswurzeln ein-
treten und dieselben durchziehen. Die Erkenntnis der Tatsache,
daß jede Knolle Bestandteile zweier Pflanzen enthält, das eigene
Gewebe der Balauophora und die »Gefäßbündel« der Wirts-
pflanze, war auch Ursache, die Knollen als ein »corpus inter-
medium« zu bezeichnen, gegenüber den später aus den Knollen
hervorblechenden Infloreszenzen, in welchen Bildungen des
Parasiten allein vorlagen. So hatte in der Hauptsache schon
Blume den Aufbau der Balanophora-KnoWe richtig erfaßt. Er
sclueibt: - »In periodo germinaiionis harum parasitarum corpus
intermedium e ficus radicibus nascitur, naturae carnosae, atque
intime coadunatum cum ejus stratis lignosis superficialibus;
quarum vasis spiralibus transigitur hocce corpus carnosum, ita,
ut aetate lignosum fiat.« Weiters sprach sich in dieser Richtung
vollkommen sicher Unger^ aus. Von der Knolle der Balano-
pliora dioica (B. elongata) berichtet er: »Man ist im stände,
durch Entfernung des lockeren Pnrenchyms die Verzweigung
der vom Holzkörper der i^/a/5- Wurzel ausgehenden Gefäß-
bündel sehr deutlich zu sehen, so wie man durch sorgfältige
Untersuchung ebenso die in demselben Mittelkörper vorhandene
Verzweigung der Gefäßbündel des Parasiten zu verfolgen im
Stande ist.« Hier war also auch schon die Anwesenheit eines
dem Parasiten eigenen Gefäßbündelsystems in der Knolle
festgestellt.
- Abhandlungen der naturforschenden Gesellschaft in Halle, Bd. XIII,
H. 3, 1875.
2 Enumeratio plantarum Javae et inss. adjacentium. Fase. I, 1827, p. 36.
3 Beiträge zur Kenntnis der parasitischen Pflanzen. I. oderanatom.-physio-
log. Teil, (.^nnalen des Wiener Museums der Naturgeschichte, II. Bd., Wien.
1840.)
Zur Kenntnis der Gattung Balanophora. 443
Die vortreffliche und einläßliche Studie Göppert's^
bestätigte dann die Tatsache, daß in der BalauopJiora-KnoWe
»die Gefäßbündel von doppelter Art sind und teils der Mutter-
pflanze (Wirt), teils dem Parasiten selbst angehören«.
Das Eintreten von strahlig auseinanderlaufenden Ästen
des Holzkörpers der Wirtswurzel in die Balanophor a-KnoWe
beschrieb dann auch Solms-Laubach,^ währender andrerseits
bemerkte: »Eigene (dem Parasiten) oder vielrnehr von den bisher
beschriebenen verschiedene Gefäßbündel habe ich nicht ge-
funden.«
Fig. 1 der Tafel gibt den Längsschnitt durch eine kleine
Knolle von Balanophora globosa nach photographischer Auf-
nahme in natürlicher Größe wieder; man sieht mit aller Deut-
lichkeit, daß die gleichfalls halbierte Wirtswurzel, die in ihrem
Endstücke vorliegt, sich in der Knolle verzweigt. Bei der Ein-
fachheit dieser Verhältnisse und mit Rücksicht auf die ange-
führten Arbeiten, in denen selbe bereits richtig erkannt
vorlagen, muß man sich wundern, daß Beccari in seiner
angezogenen Schrift'^ über diesen Punkt zu keiner sicheren
Erkenntnis kam. Solms-Laubach stellte deshalb in einer
weiteren Abhandlung*^ die Zugehörigkeit der Ausstrahlungen
in der Balanophora-KnoWe zum >'Nährholz« neuerdings fest
und teilt ferner in derselben die wichtige, neue Tatsache mit,
daß die Ausstrahlungen ihrer ganzen Länge nach mit
einzelnen T h a 1 1 u s z e 1 1 e n der Balanophora oder Nestern
derselben derart angefüllt sind, daß die Bestandteile
des Nährholzes in ihnen nur wie schmale, diese um-
spinnende Platten erscheinen. In der einzigen Fig. 5,
Taf. XXV', gibt Solms-Laubach ein schematisches Bild dieses
Thallus.
1 Über den Bau der Balanophoreen sowie über das Vorkommen von
Wachs in ihnen und in anderen Pflanzen. (Acta Acad. Caes. Leop. Carol. Nat.
Cur., Vol. XVIII, Suppl. 1842.)
2 Über den Bau und die F>nährungsorgane parasitischer Phanerogamen.
<Jahrb. f. wiss. Bot, VI, 1867/68, p. 533.)
3 L. c, p. 71 ; die Arbeit erschien 1869.
4 Das Haustorium der Loranthaceen und der Thallus der Rafilesiaceen
und Balanophoreen. (Abhandlungen der naturf. Gesellschaft zu Halle, Bd. XIII,
H. 3, 1875, p. 33.)
Sitzb. d. mathem.-naturw. Kl. ; CXVI. Bd., Abt. I. 30
444 E. Heinricher,
Die Kenntnis von diesem innerhalb der »Gefäßstränge«,
die der Wirt in die Balanopliora-KnoWe treibt, vorhandenen
Thallus ist unter den Botanikern, meine ich, jedenfalls wenig
verbreitet. Schuld daran mag sein, daß in populären Werken
dieser Thallus nirgends erwähnt wird. So schreibt z. B. Sachs:^
»Die Holzbündel der Nährwurzeln, auf denen Balanophova
schmarotzt, wachsen in den knolligen Vegetationskörper der-
selben hinein und dienen gewissermaßen als Gefäßbündel für
den Parasiten.« Von einer Erwähnung des Thallus keine Spur!'
Auch Solms-Laubach behandelt diesen Thallus in der
zitierten Abhandlung etwas karg und in E n g 1 e r's Bearbeitung der
Balanophoreen in den «Natürlichen Pflanzenfamilien» ist seiner
gar nicht gedacht. So konnte es kommen, daß ich, als mir
dieser Thallus vor Augen trat, eine vollständig neue Entdeckung
gemacht zu haben glaubte.
Dieser Thallus ist aber ohne Zweifel von ganz besonderem'
Interesse und von einer Eigenart, welche uns bisher von keiner
anderen parasitischen Pflanze bekannt ist. Dazu kommt, daß er
wenigstens für die BalaiiopJwra- Arten, die ich zu untersuchen.
Gelegenheit hatte, auch der alleinige ist.
Einen intramatrikalen Thallus, wie ihn Beccari für die
außerhalb der Knollen gelegenen Wurzelteile der Nährpflanzen
von B. reflexa und Solms-Laubach auch von B. indica
beschreiben und erwähnen und von welchem aus eine vegetative
Propagation, ähnlich wie sie dem Thallus der Rafflesiaceen
zukommt, ausgehen soll, konnte ich weder bei B. globosa noch
bei B. elorigata antreffen, so daß für diese Arten das Her-
vorgehenjeder Knolle aus einem Samen angenommen
werden muß oder höchstens noch eine vegetative Propagation
in viel beschränkterem Umfange denkbar erscheint, nämlich
so, daß unmittelbar neben einer Knolle der Balanopliora von
ihrem Thallus aus eine neue Knolle entstehen könnte. Von
einer weiteren Verbreitung des Thallus durch die
knollenfreien Wurzelstücke der Nährpflanzen kann,
bei diesen Arten aber bestimmt nicht die Rede sein.
1 Vorlesungen über Pflanzenphj-siologie, Leipzig 1882, p. 445.
Zur Kenntnis der Gattung Balanophora. 445
Bei B. reßexa und B. indica mögen ja die Angaben
Beccari's und So Ims-Laubach's zu Recht bestehen, immerhin
isteineneuerlicheUntersuchungderVerhältnissebei beiden Arten
wünschenswert. Es erscheint eine Täuschung durch die auto-
suggestive Vorstellung, es müi3ten bei Balanophora ähnliche
Verhältnisse herrschen wie bei den Rafflesiaceen, nicht außer-
halb der Grenzen des Möglichen. Jedenfalls dürfte die Analogie
zwischen dem Thallus der Rafflesiaceen und der Balanophora-
Arten nach den oben verzeichneten Befunden an B. glohosa
und B. elongata nicht so weitgehend und vollkommen sein,
wie es Solms-Laubach annimmt.^
Die Tatsachen, die ich zur Begründung meiner Aussage
anzuführen habe, sind folgende:
I.Ich habe in Vollkommenerüberzeugung von der Richtigkeit
der Beccari'schen und Solms-Laubach'schen Angaben schon in
Java Wurzelstücke von Wirtspflanzen, auf denen Balanopliora-
Knollen (und andere, auf denen solche von Ropalocuemis)^ auf-
saßen, untersucht, um den Thallus des Parasiten zu sehen,
aber keinen solchen gefunden, so leicht andrerseits dieses Ziel
erreicht wurde, wenn Wirtswurzeln von Rafflesia oder Briig-
mansia geprüft wurden.
2. Auch die eingehende Untersuchung, die später in Inns-
bruck am konservierten Material vorgenommen wurde, hatte
ein gleiches negatives Ergebnis.
Über letztere will ich einige nähere Angaben vorlegen.
Fig. 1 der Tafel zeigt, wie schon erwähnt, die photographierte
Hälfte einer jüngeren Knolle von Balanophora globosa mit dem
längsdurchschnittenen Endstück der Wirtswurzel, der sie aufsaß.
Dieses etwa 7 mm lange Endstück war ursprünglich im Zusam-
menhang mit einem 9 cm langen Stück der betreffenden Wurzel.
Letztere wurde nun in verschiedenen Regionen auf einen intra-
matrikalen Thallus genauestens untersucht; so in 2cm, U^wund
Yg cm Abstand von der Balanophora-Knolle. Nirgends war eine
Spur eines solchen zu entdecken. Erst in der Region, wo die
Wurzel seitlich bereits vom KnoUenparenchym der Balanophora
1 Das Haustorium der Loranthaceen etc., p. 34.
2 Diese Gattung verhält sich aber überhaupt in ihrer Thallusbildung ver-
schieden von Balanophora.
30*
446 E. Heinricher,
begrenzt war, konnte ein Thallus nachgewiesen werden. Seine
sehr großzelligen Elemente sind recht auffallend und weit
verschieden von den Thalluszellen der Rafflesiaceen und den
Abbildungen, die Beccari vom intramatrikalen BalanopJwra-
Thallus gibt.i
Fig. 2 gibt eine durchschnittene jüngere Knolle von B.
eJoiigata wieder; die Wurzel des Wirtes ist längsdurchschnitten
und zeigt eine starke Hypertrophie, die schon außerhalb der
Balanophora-KnoWe beginnt und innerhalb derselben zu einer
keuligen Erweiterung wird, von der auch hier in deutlichster
Weise Auszweigungen in die Knolle des Parasiten übertreten.
Fig. 1.
Auch in dem Falle wurde die stärkere Hälfte der Wirtswurzel
genau nach einem intramatrikalen Thallus abgesucht; ein solcher
fand sich aber erst in der innerhalb der Knolle des Parasiten
geborgenen Wurzelpartie. ^
Ich fand bei Tjibodas zwei noch recht jugendliche Knollen,
die ihrer Farbe und Gestaltung nach sehr wahrscheinlich der
B. elongata angehören. Sie sind in Fig. 3 der Tafel abgebildet.
1 Die Größe der Thalluszellen hat schon Sol ms -Laubach betont. Er schreibt
von ihnen 1. c. p. 32: »Sie sind leicht zu erkennen, einmal ihrer auffallenden Größe
wegen, die gegen die der umgebenden Zellen oft so absticht, daß sie beim ersten
Anblick mitunter wie Lücken oder Höhlungen im Gewebe erscheinen.« Nur sehr
junge Thalluszellen gleichen den von Beccari abgebildeten. Insbesondere halte
ich dem Tatsächlichen entsprechend seine Fig. 2 auf Tab. III, die eine Partie aus
dem Einfügungsort einer jungen BaIanophora-Y'?[€i\\ze in die Wirtspflanze
wiedergibt.
2 Aiiffallenderweise deutet Solms-Laubach in dem auf Taf. XXV 1. c. in
den Fig. 2 und 3 gegebenen schematischen .*\bbildungen der Knollen und
Wirtswurzeldurchschnitte das Thallusgewebe auch nur unmittelbar unter der
Knolle in der Wurzel an, obwohl Fi^. 3 ein einige Zentimeter langes, längsdurch-
schnittenes Wurzelstück der Knolle anhängend zeigt. Diese Figuren beziehen sich
auf B. indica.
Zur Kenntnis der Gattung Balanopliora. 447
Die kleinere der Knollen wurde der Untersuchung geopfert. Die
schwache Wirtswurzel, welche die Knolle trägt, hat bei h ihre
Basis (am dünneren Ende), bei 5 ihre intakte Spitze. Bei e lag
unter Erdkrütnchen eine schwache Seitenwurzel versteckt.
Textfig. 1 gibt eine Skizze derselben Wirtswurzel mit Knolle
von der entgegengesetzten Seite, so daß man die Wurzel unter
der Knolle hindurchstreichen sieht und die unmittelbar unter
der Insertion der Parasitenknolle befindliche knopfige Anschwel-
lung der Wirtswurzel erkennt.
Die Wurzel wurde nun in Sektionen geteilt, und zwar von
der Basis bis zur Knolle in vier und der Spitzenteil in zwei. Jede
dieser Sektionen wurde dann in Serien von Längs- oder Quer-
schnitten zerteilt und genauestens auf Thalluselemente der Bala-
nophora geprüft. In keinem Schnitte wurdenThalluszellen
gefunden, nur in der knöllchenartig verdickten, zum
Schlüsse untersuchten Partie unter der Balanopliora
waren solche vorhanden. An der außerhalb der Para-
sitenknolle gelegenen Wirtswurzel war also nur die
unmittelbar unter der Insertion des Parasiten gelegene
Stelle vom Thallus durchsetzt, die Hauptmasse des
Thallus findet sich eben in den Auszweigungen der
Wirtswurzel innerhalb der Knolle. Die Hypertrophie der
Wirtswurzel ist aber deutlich auch auf weitere Strecken der
Wurzel, die vom Thallusgewebe frei sind, zu verfolgen, äußert
sich jedoch am stärksten am Orte der eigentlichen Insertion.
(V'ergl. auch die vortrefflichen Abbildungen bei Göppert,
Tab. I, Fig. 1 und 3, und Tab. III, Fig. 31.)
In unserem F'alle (Fig. 3) erscheint diese Hypertrophie
nahezu auch am Spitzenteil der Wirtswurzel angedeutet, der
späterhin meist verkümmert (vergl.Göpp er t. Tab. I, Fig. 1 und 3)
und auch vollständig verschwindet, so daß die Parasitenknolle
endständig an der Wirtswurzel sitzt (wie in Fig. 1 und Fig. 2
unserer Tafel), Verhältnisse, welche ihre vollständigen Analoga
so häufig bei den Loranthaceen, beziehungsweise bei den
sie tragenden Sprossen finden.
Über den Thallus selbst will ich hier nur einiges allgemein
Orientierende bringen, während bezüglich der Einzelheiten auf
die spätere Mitteilung meines Assistenten verwiesen sei. Ich
448 E. Heinricher,
halte mich dabei zunächst an das zuletzt behandelte Objekt, die
jüngere der in Fig. 3 dargestellten Balanophora-Füa.nzen.
Vorerst wurde die Knolle in der Höhe von P/g ^";« ober
der Insertion quer abgeschnitten. (Die Lage der Schnittebene ist
in der beigegebenen Skizze [Textfig. 2] durch die Linie aa
bezeichnet.) Das Bild des ersten vom oberen abgetrennten
Teile gewonnenen Querschnittes zeigt das Mikrophotogramm
Fig. 4. Man unterscheidet an der Peripherie den dickwandigen
Rindenkomplex der Knolle, im Zentrum, in den Umrissen etwa
eines x, vom KnoUenparenchym gut sich abgrenzend, die in die
Balanophora seitens der Wirtswurzel entsandte Auszweigung;
ferner heben sich im KnoUenparenchym einige dunkle Inseln
ab, welche die dem Parasiten eigenen Gefäßbündel sind und die
sich schon auf so früher Entwicklungsstufe differenziert zeigen.
Schon bei der geringen Vergrößerung (9 "5), mit der Fig. 4
aufgenommen wurde, werden im Wirtsvvurzelquerschnitte die
großen Thalluszellen der Balanophora, ]&. als bemerkbare Punkte
sogar die Zellkerne in ihnen unterscheidbar. Besser allerdings
werden wir die typische Erscheinungsweise des Thallus in
Fig. 5 ausgeprägt finden, die bei stärkerer Vergrößerung den
zentralen Teil der Fig. 4, beziehungsweise des in derselben
abgebildeten Schnittes enthält.
In der oberen Hälfte bemerken wir dunkle Flecken, die wir
ja mit entsprechenden Stellen in Fig. 5 leicht identifizieren. Es
sind durch den Parasiten abgetötete, am Präparate gebräunte
oder gelbliche Gewebspartien im Nährwurzelgewebe. ^ Zum
Teil zwischen denselben und nach oben, linkshin, besonders
aber median nach abwärts, sehen wir das Gewebe von den
großen, blasigen Thalluszellen der Balanophora durchsetzt, die
1 Es sind das die gleichen Erscheinungen, welche auch in der Umgebung
eindringender Haustorien der Rhinanthaceen dann, wenn sie auf verholzte Gewebe
stoßen, uns begegnen. Solche Gewebspartien sind hier wie dort auch von
gummösen, geflossenen und erstarrten Massen umgeben, die von verquollenen und
gelösten Membranen herrühren und über deren Reaktionen etc. ich eingehend in
meiner Arbeit »Anatomischer Bau und Leistung der Saugorgane der Schuppen-
wurz-Arten« (Breslau 1895,p.47 u. ff.) berichtet habe. Es haben also offenbar
auch die Thalluszellen von Balanophora das Vermögen, lösend auf
verholzte Membranen e i n z u a\- i r k e n.
Zur Kenntnis der Gattung Balanophora. 449
Überdies durch die großen Zellkerne leicht kenntlich gemacht
sind. An Riesenhefe zelten gemahnen dieselben und
aufeineandieSprossungderHefen erinnernde Weise
erfolgt auch vielfach die Weiterbildung und Ausbrei-
tung des Thallus.
Die außerordenliche Größe derThalluszellen und
die dadurch erzielte bedeutende Oberfläche dieses
Absorptionsgewebes kann, wie schon hier bemerkt
werden mag, als Resultat des Bedürfnisses angesehen
werden; sie steht offenbar in Korrelation mit der
Beschränkung des Thallus auf ein relativ begrenztes
Gebiet des Wirtsgewebes, nämlich einzig auf das
System von Auszweigungen, welche die Wirtswurzel
in die Balanophora -KnoWo. treibt.
Oft scheinen die Thalluszellen isoliert im Nährgewebe zu
liegen, 1 doch ist der Zusammenhang im Räume stets
gewahrt und nachweisbar.
In ähnlicher Weise, wie es Fig. 6 zeigt, erwies sich das
ganze Nährwurzelgewebe in der noch jugendlichen Knolle der
Fig. 3 vom Thallus der Balanophora durchsetzt und dieselbe
Durchsetzung zeigen die Nährwurzelauszweigungen auch in
älteren Knollen.
Da die Arbeit meines Assistenten eine eingehende Dar-
stellung des Thallus von Balanophora bringen und dort auch
die physiologische Charakterisierung dieses Thallusgewebes als
Absorptionssystem des Parasiten behandelt werden soll, unter-
lasse ich diesbezüglich weitere Mitteilungen. Mir kam es nur
1 Solche isoliert im Nährgewebe liegende Thalluszellen finden sich auch in
der Fig. 2, Tab. III, die dem Schnitte durch den Insertionspunkt einer jungen
Balanophora-KnoWe in der Wirtswurzel entnommen ist, bei Beccari. Seine
Bemerkung im Texte: >La medesima Fig. 2 fa ancora vedere aicune cellule {cl)
■con nucleo, che sono giä disgiunte dalle altre« läßt schließen, daß er das
Stattfinden einer selbsttätigen IsoHerung solcher Thalluszellen im Gewebe des
Wirtes annahm. Auch Solms-Laubach schreibt (doch bezieht sich dies auf
den Thallus im hypertrophischen Teil der außerhalb der Knolle gelegenen
Wirtswurzel): »In diesen hypertrophischen Holzgewebsmassen . . . .finden sich
die Thalluszellen, einzeln oder gruppenweise beisammenliegend, in größerer
■oder geringerer Menge zerstreut auf jedem Durchschnitte vor.« Doch hat Solm s
damit sicherlich nur die Isolierung in der Schnittebene gemeint.
450
E. Heinricher,
darauf an, einmal, wenn auch nur bei schwacher Vergrö-
ßerung, ein typisches Bild vom Balanophora-Thallus zu geben.
Nur über jenen Teil des Thallus möchte ich noch etwas
berichten, der in der außerhalb der Bala iiopJiora-KnoWe gele-
genen Partie der VVirtswurzel, das ist in der knöllchenartig
hypertrophierten (Textfig. 1 erkennbaren), nachzuweisen war.
Um die Grenzen genau festzustellen, wie weit der Thallus
von der Insertionsstelle der Knolle aus basal- und spitzenwärts
Fig. 3.
in der Wirtswurzel verfolgbar sei, wurde der (nach Abtragung
der Knolle in der Schnittebene aa, vergl. Textlig. 2) übrig
bleibende untere Teil durch einen mit bb angedeuteten Schnitt
ungefähr halbiert. Die eine der beiden Wurzelhälften mit anhaf-
tendem Rest der Knollenbasis wurde in Längsschnitte, die andere
in Querschnitte zerlegt. Das Ergebnis, daß Thalluselemente nur
in dem knollenförmig angeschwollenen, höchstens 2 mm im
Durchmesser besitzenden Teil gefunden wurden, ist schon
oben verzeichnet. In Bezug auf den Thallus war der zweite
Schnitt der durch Querschnitte zerlegten Hälfte der belehrendste.
Die bei SOfacher Vergrößerung gezeichnete Textfig. 3 gibt
denselben in etwas schematisierter Weise wieder.
Zur Kenntnis der Gattung Balaiiophoni. 451'
Die Verbindung der Punkte aa^ zeigt den Ort an, wo die
Knolle der Wurzel aufgesessen war; a liegt im Knollengewebe
der Bülauophora, bei a^ ist dasselbe beim Zerteilen der Wurzel
mit einem Stück Gewebe der letzteren abgebrochen. Zentral
zwischen aa^ begegnet uns die Hauptmasse des großzelligen
Thallus, eingelagert einem an Tracheiden armen, wesentlich
kailösen Parenchym, das als Wucherung aus der Wurzel in die
Parasitenknolle übergetreten ist. Links von der Mittellinie,
genähert a, liegt wieder eine größere Ansammlung von Thalius-
zellen. Solche waren aber offenbar bis zum Zentrum der Wirts-
wurzel vorgedrungen gewesen. Denn hier findet man Inseln
offenbar abgestorbener Gewebsmassen, in denen Reste von
Thaliuselementen noch nachweisbar sind, Partien, die am Prä-
parate braungelb verfärbt erscheinen, die in unserer Skizze grau
angedeutet sind.
Der einseitig offenbar in die Wirtswurzel vorgedrungene
Thallus hat auch einseitig die Holzbildung in ihr wesentlich
beeinflußt. Denn während wir auf der Gegenseite noch einiger-
maßen ungestört die in keilartige Abschnitte gesonderten,
tracheale Elemente führenden Holzmassen durch breite Bänder
von Markstrahlenparenchym abwechslungsvveise unterbrochen
vorfinden, hat auf der Seite der ansitzenden BalanopIiora-KnoWe
der Holzzuwachs fast durchwegs den Charakter eines kallösen
Parenchyms und nur einige kleine Inseln enthalten noch tra-
cheale Elemente.
Von Interesse ist ferner, daß sich von dem außen befind-
lichen Knollenparenchym aus ein mehrere Zellagen umfassender
Streifen von Parasitengewebe unter deni Wurzelperiderm (P),
in die Rinde der Wirtswurzel hinein verfolgen läßt. Unter dem-
selben findet sich gebräuntes Gewebe, in dem mehr nach dem
Innern gelegenen sind Thalluszellen des Parasiten erkennbar.
Ganz ungestört ist die Holzbildung nun allerdings auch
auf der aa^ gegenüberliegenden Seite der Wirtswurzel nicht.
Dort nämlich, wo der mit B bezeichnete Buckel an dieser vor-
springt, ist der Wurzel Knollenparenchym von Balanophora
aufgelagert und in der Gegend des / am Wirtswurzel-
querschnitte, wo auch eine bemerkbare Störung in der Aus-
bildung des Holzes hervortritt, finden sich wieder Thalluszellen
452 E. Heinricher,
der BalanopJiora, die aber im ganzen kleinzellig und nur durch
die großen Zellkerne sicher kennbar gemacht sind. Dieser klein-
zellige Thallus war auch in der Serie von Längsschnitten, die
durch die zweite Hälfte der (durch den Schnitt Z^^, siehe Textfig. 2,
geteilten) Wurzel angefertigt wurde, zu finden. Diese Längs-
schnitte wurden aa^ parallel, von oben beginnend geführt und
in der unteren Hälfte, etwas unter der Mitte, begann der relativ
kleinzellige Thallus aufzutreten. In den der Peripherie sich
nähernden Schnitten wurden die Thalluszellen immer zahl-
reicher.
Wie nun diese Verhältnisse zu deuten sind, getraue ich
mich nicht sicher zu entscheiden. Es scheinen zwei Möglich-
keiten vorzuliegen.
Die Entwicklung der in der Fig. 3 links dargestellten Knolle
aus einem an der Wirtswurzel gekeimten Samen ist nicht zu
bezweifeln. Es könnte nun auch d\e aus Balaiwphora-Fsn'enchym
bestehende Protuberanz bei B der Textfig. 3 einem zweiten
Keim entstammen, dessen Entwicklung vielleicht später als die
jenes an der Gegenseite einsetzte und durch die Konkurrenz
der älteren Pflanze beeinträchtigt blieb. Es wäre aber auch
denkbar, daß durch die Infektion des ersten Keimlings und im
Zusammenhang mit dessen Thallusbildung noch an einer
zweiten Stelle Balanophora-Gewehe nach außen getreten und
so eine zweite Knollenbildung, diese auf vegetativem Wege,
eingeleitet worden wäre.
In Berücksichtigung dieser Sachlage habe ich p. 444 die
Möglichkeit zugestanden, daß auch bei den BalanopJiora-Avten
B. glohosa, B. elongata eine neue Knollenbildung auf vegetativem
Wege vorkommt, mit der Beschränkung jedoch, daß solches
jedenfalls nur im engsten Anschluß an dem Ort der voraus-
gehenden Knolle stattfinden könnte, da auf nur einigermaßen
entfernte Strecken eine Ausbreitung des Thallus in den freien
Teilen der Nährwurzel durchaus nicht nachweisbar ist. Ich
gestehe aber, daß ich der ersten erörterten Annahme mehr
Wahrscheinlichkeit zuspreche. Zwischen dem kleinzelligen
Thallus unter dem BalanopJiora-Gewehe bei B und dem groß-
zelligen im Zentrum der Wurzel schien kein Zusammenhang
zu existieren und es wurde auch kein Anzeichen gefunden, das
Zur Kenntnis der Gattung Balaitophora. 453
daraufhingedeutet hätte, daß das Knollengewebe bei B aus dem
Innern der Nährwurzel hervorgeschoben worden wäre.
Die dargelegten Tatsachen erweisen also das schon früher
Ausgesprochene, daß von einer Ausbreitung desThallus
in den knollenfreien Teilen der Nährwurzeln bei
B. elougata und i?. globosa nicht die Rede sein k-ann. Die
Möglichkeit, daß die diesbezüglichen Verhältnisse bei B. reflexa
und bei B. indica andere und den von Beccari sowie Solms-
Laubach gemachten Angaben ensprechende seien, wurde schon
früher zugegeben; es liegt dann eben ein verschiedenes Verhalten
der verschiedenen Balanophora-Avten vor.
Auf die von Beccari ins Treffen geführte Beobachtung,
daß an der gleichen Wirtswurzel nur Balanophora-lndividuen
des gleichen Geschlechtes stehen (er schreibt p. 2 sogar: »Ho
osservato che le plante del medesimo sesso non si trovano con-
fuse; ma su di un albero si sviluppavano plante maschie, su
di un altro plante feminee esclusivamente«), möchte ich nicht zu
viel Gewicht legen. Seine Angaben sind viel zu allgemein
gehalten, um ihnen eine bindende Bew^eiskraft zuzugestehen.
Das Tatsächliche seiner Beobachtung will ich gar nicht be-
zweifeln, aber ich möchte nur daran erinnern, wie häufig es bei
diöcischen Pflanzen oder solchen mit heterostylen Blüten vor-
kommt, daß in weiterem Umkreis auf einem Standorte nur
Individuen eines Geschlechtes oder einer Blütenform auftreten,
obgleich jede derselben für sich aus einem Samenkorn auf-
gewachsen ist.
Für B. elongata erwähnt übrigens Junghuhn, ^ »daß man
auf Wurzeln, die, wie die Nachgrabung lehrt, zu demselben
Baumstamm gehören, allerdings Receptacula mit weiblichen
und andere mit männlichen Blütenkolben findet«.
F ü r jB. globosa und B. elongata ist esalso sehr wahr-
scheinlich, daß die Knollen überwiegend, wenn nicht
ausschließlich, aus einem Samen hervorgegangene
Einzelindividuen sind. Der Thallus ist bei ihnen und
vermutlich noch mindestens beieinerAnza blander er
1 Über Javan'sche Balanophoreen. Acta Acad. Caes. Leop. Carol. Nat.
Cur., Vol. XVIII, Suppl., p. 220.
454 E. Heinricher,
Arten beschränkt auf den Ort der Keimung an der
Wirtswurzel und auf die Auszweigungen, die diese
von hier aus in die Knolle des Parasiten treibt oder die
sich gewissermaßen mit ihr zugleich entwickeln.
Welcher Natur sind nun diese Auszweigungen? Wir finden
bei den früheren Autoren für dieselben in der Regel die Bezeich-
nung »Gefäßbündel«, »Gefäßstränge«, »Holzstränge'<. So spricht
Unger von »der Verzweigung der von dem Holzkörper der F/r«5-
Wurzel ausgehenden Gefäßbündel«. Solms-Laubach stellt
fest, daß an der Basis der Knolle eine besonders starke h3^per-
trophische Ausbildung der Nährwurzel stattfindet: »Es bildet
sich eine vollständige, parenchymatische Callusmasse, die von
den Zellen und Zellgruppen des Parasiten aufs reichste durch-
lagert wird. Von diesem Callus gehen die den Knollen durch-
ziehenden Gefäßstränge aus, die sogenannten »Knollengefäß-
bündel«. Sie sind in der Jugend Ausstrahlungen dieses basalen
Gevvebskörpers, rings vom Parasitenparenchym umhüllt. Später
werden ihre Zellen großenteils in Trachealgebilde verwandelt.
Ihrer ganzen Länge nach sind sie mit einzelnen Thalluszellen
der Balanophora oder ganzen Nestern derselben durchsetzt.
Die Bestandteile des Nährholzes erscheinen nur wie schmale,
diese umspinnende Platten. B. indica behält diesen Bau bis
zur Entwicklung der Blütensprosse bei. Bei den anderen Arten
ist in der entvv'ickelten Knolle von den in ihnen liegenden Thallus-
zellen wenig mehr vorhanden: starke, unregelmäßige Holz-
stränge, in denen man die Reste dieser Zellen als gelbgefärbte
Nester nachweisen kann.« So bei Solms-Laubach. Man sieht,
daß er die in die Knolle übertretenden Auszweigungen als
Gefäßstränge bezeichnet.
Auch Göppert, der diese Auszweigungen am genauesten
studiert, merkwürdigerweise aber den Balanophora-ThaUus in
ihnen übersehen hat, spricht in der Regel von den »Gefäßbündeln
der Mutterpflanze«, welche diese in die Parasitenknolle entsendet.
Aus seinen Beschreibungen geht aber deutlich hervor, daß diese
Auszweigungen nicht nur Gefäßbündel sind. So schreibt er p. 10:
»Es bilden sich nun an der angeschwollenen Stelle (der Wirts-
wurzel) mehrere mit Rinde bekleidete Verlängerungen des
Holzkörpers, welche in unbestimmter Zahl in das zellige
Zur Kenntnis der Gattung Balanopliora. 455
Parenchym der Knolle eintreten und nun die Rolle eines Gefäß-
systems übernehmen.« Dann spricht er wieder von »der Rinde
des Mutterkörpers«, wobei als solcher die Auszweigungen der
Wirtswurzel gemeint sind. Aufp. 12 schreibt er: »Die Gefäß-
bündel der Mutterpflanze bestehen nach außen aus Rindenzellen,
denen nun die des Holzkörpers folgen. Je nach der Größe des
letzteren erkennt man nun noch deutlich den Markzylinder, die
von demselben ausgehenden Markstrahlen, wie bei B. elongata
(Tab.I, Fig.4 Aa, Fig. ba), ganz besonders deutlich in dem sehr
großen, 1 Linie im Dm. haltenden »Holzbündel« der B. maxima
(Tab. I, Fig. 22 und 23«).«^ Er fährt dann fort: »Bei geringem
Umfang der Aste tritt nun das Mark, wie bei den Wurzeln
der mir bekannten Dikotylen m.ehr zurück«," etc. Endlich
einmal das Wort Wurzeln! Und bei der Erklärung des Bildes
Fig. 28, Tab. II, entschließt er sich zu sagen: »D bezeichnet die
Gefäßbündel oder richtiger VVurzeläste der Mutterpflanze.«
Ich glaube, daß man die Auszweigungen der Wirtswurzel
in den Balanophora-KnoWen in der Tat ruhig als Wurzeln oder
doch Wurzeläste bezeichnen soll. Zur Begründung dessen sei
auf Fig. 6 der Tafel hingewiesen, die uns den Querschnitt einer
solchen Auszweigung vorführt. Auf einer Seite ist auch das
dieselbe umgebende Parenchym der Parasitenknolle sichtbar.
(Das Balanophorin war vor der photographischen Aufnahme mit
Äther weggelöst worden und der Holzkörper war mit Phloro-
glucin-Salzsäure gefärbt.) Wir finden den zentralen Holzkörper
von größeren Markstrahlen radial durchsetzt, erkennen um ihn
ringsherum deutlich eine kambiale Zone, an die sich außen ein
kleinzelliges Rindengewebe anschließt. Siebröhren sind, wenig-
stens in den stärkeren Auszweigungen, in der vom Kambium
1 Diese Figuren sind sehr klein gehalten und deuten das Besprochene
kaum an.
2 Einen solchen Fall bildet er auf Taf. II, Fig. 28, bei starker Vergrößerung
ab. Die Figur zeigt Rinde und Parenchym der i?i?ZaMOjCÄora-Knolle, die dem letzteren
eingestreuten, der Balanophora angehörigen Leitstränge und ein Stück des Quer-
schnittes durch das »Gefaßbündel« der Mutterpflanze. Die Rinde desselben ist
deutlich wiedergegeben, Mark und Markstrahlen fehlen jedoch in dieser Abbildung.
Göppert's oben gegebene Deutung für dieses Verhalten wird jedenfalls nicht
zutreffen, sondern es wird sich um eine Wirtspfianze, in deren Wurzeln überhaupt
kein Mark zur Differenzierung kommt, handeln.
456 E. Heinricher,
gebildeten sekundären Rinde reichlich nachweisbar. Eine stärkere
Umbildung haben diese Wurzeln allerdings erfahren, insbeson-
dere ist die Rinde reduziert, großzelliges peripheres Rinden-
gewebe fehlt vollständig. Eng umschließt sie das KnoUenparen-
chym der Balanophora, und zwar stets mit einigen Schichten
dem übrigen Parenchym gegenüber kleinerer Zellen, die
überdies ausnahmslos durch verholzte Wandungen
ausgezeichnet sind.
In der Achse des Holzkörpers entwickelt sich die Haupt-
masse des Thallus (die in Fig. 6 mit Kreuzchen bezeichneten
Zellen sind solche, die ihm angehören), dessen Zellen haupt-
sächlich parallel der Achse des Wurzelastes verlaufen. Doch
gehen von den Längsreihen auch radial verlaufende Seitenzweige
nach der Peripherie ab, wie andrerseits von dem den Wurzelast
umgebenden Parenchym des Parasiten Thalluszellen zentripetal
eindringen, als Haustorien funktionieren und da und dort auch
die Verbindung mit den zentralen Längsreihen des Thallus
erreichen und erzielen.
Wie sehr die Wurzelstränge des Wirtes sich eignen, dem
an ihnen haftenden und saugenden Parasiten die nötigen Nähr-
stoffe zuzuführen, das zu zeigen, wurde durch Fig. 7 der Tafel
angestrebt. Es ist in dieser ein Schnitt durch denselben Wurzel-
strang wiedergegeben, der auch in Fig. 6 vorliegt, nur aus einer
höher gelegenen Zone des von 5. elongata stammenden Knollen-
stückes. Auch hier wurde das Balanophorin entfernt, daher das
Knollenparenchym wie entleert aussieht, dann aber wurde der
Schnitt mit Jodalkohol behandelt und- — um den Stärkereichtum
in dem Wurzelaste zur Anschauung zu bringen — in Jodglyzerin
liegend photographiert. Während in Fig. 6 die Elemente des
Holzkörpers, auch das Holzparenchj^m und die Markstrahlzellen
deutlich unterscheidbar sind, bleiben in Fig. 7 nur die Tracheen
und die Thalluszellen als solche erkennbar; alles übrige erscheint
infolge des großen Stärkereichtums nur als eine umgebende
dunkle Masse. Aber auch die Rinde und die äußeren Partien des
Markstrahlenparenchyms sind stärkereich, wenn deren Zellen
von den Stärkekörnern auch nicht vollends gefüllt sind; darum
treten diese oder Gruppen solcher als dunkle Punkte und Pünkt-
chen in diesen Geweben auch einzeln hervor.
Zur Kenntnis der Gattung Balanophora. 457
Bietet das Ouerschnittsbild der stärkeren Wurzelaus-
zweigiingen noch die wesentlichen Merkmale des Wurzelbaue?,
so mangeln solche allerdings den wachsenden Spitzen derselben.
Und wenn recht junge Wurzeln von Parasiten befallen werden,
so ist die Alteration, die der Bau der Auszweigungen durch
den Parasiten erleidet, eine so weitgehende, daß auch am Quer-
schnitte derselben die Ähnlichkeit mit einer Wurzel nicht mehr
hervortritt. Das war z. B. der Fall an der Auszweigung in der
kleinen, Fig. 3 abgebildeten BalanopJiora -KnoUe. In Fig. 4 ist
ein basaler Querschnitt durch die Knolle gegeben; der Quer-
schnitt des Wurzelastes erscheint darin in mehr x-förmigem
Umriß. Das scheint die Folge einer annähernd in der Schnitt-
ebene erfolgenden Spaltung in vier Seitenauszweigungen zu
sein. Solche Wurzelauszweigungen bilden nur mehr sehr spärlich
tracheale Elemente aus, die in kräftigeren (Fig. 6) doch reichlich
noch vorhanden sind. Den Kern der Auszweigungen bildet dann
ein kallöses Holzparenchym. Irhmeraber sieht man außenherum
ein kambiumartiges Meristem verlaufen und außerhalb desselben
befinden sich noch 3 bis 4 Zellagen Rindenparenchym, dem
sich die mehrschichtige, verholzte Scheide, gebildet aus dem
Knollenparenchym der BalanopJiora, eng anschließt.
Die Gewebe der Wurzelauszweigung in Fig. 4 waren sehr
inhaltsarm, es fehlte z. B. Stärke nahezu gänzlich. Man gewann
den Eindruck, als ob der Parasit seinen Wirt völlig erschöpft
hätte, und es ist wahrscheinlich, daß solche schwache Wirts-
wurzeln absterben und mit ihnen natürlich auch der Parasit
auf früherer oder späterer Entwicklungsstufe eingeht.
Betrachtet man das Verhältnis der BalanopJiora zur Wirts-
wurzel im ganzen, dann wird man sagen können, daß der Parasit
auf der Nährwurzeleine Gallenbildung auslöst. ^ Erst kommt die
Hypertrophie der befallenen Wurzel, dann die Wucherung eines
1 Dieser Auffassung begegnet man sciion bei den älteren Autoren. Unger
(Beiträge zur Kenntnis der parasitischen Pflanzen, I, p. 27) schreibt: » Schon
Rob. Brown sagt von der Verbindung der Balanophora mit dem fremden Stock,
daß man annehmen müsse, der keimende Same der Schmarotzerpflanze übe
eine spezifische Wirksamkeit auf ihn aus, in deren Folge sich eine Bildung
erzeuge, die analog den Gallen den Schmarotzer trägt und schirmt.« Auch N e es
V. Esenbeck äußert sich in dem Zusätze zu Junghuhn's Abhandlung: >Über
458 E. Heinricher,
reichgegliederten Systems von Auszweigungen. Sowohl mit
Zoocecidien als Mykocecidien lassen sich Vergleiche ziehen.
In ersterer Beziehung läge derjenige mit den Gallen, die Cyiiips
Caput Medusae Hrtg. auf der Eiche erzeugt, oder auch mit den
Bedeguar-Gallen von Rhodites Rosae L. nahe, in letzterer mit
den Hexenbesen erzeugenden parasitischen Pilzen. Es ist ein
förmlicher Wurzelhexenbesen, den die befallene
W i r t s w u r z e 1 i m I n n e r n d e r Balanophora-K nolle erzeugt.
In beiden Fällen haben wir freilich den Unterschied, daß bei
Balmtophora die ganze Galle mit ihren Auszweigungen vom
Parasitengewebe eng umschlossen wird, mit ihm zugleich auf-
wächst, so daß jede Balanophora-Kn olle ein symbiontisches
Gebilde^ darstellt, bestehend aus den untrennbar ver-
einigten und notwendig zur Balanophora- K n o 1 1 e g e h ö r i-
gen Wurzelauszweigungen des Wirtes einerseits,
aus den Geweben des Parasiten andrerseits. Wie ein
Flechtenthallus konstant die Elemente zweier ver-
schiedener Organismen aufweist, so auch die Knolle
Javan'sche Balanophoreen« (1. c. p. 227) mit vieler Klarheit: »Wie das Wachsen
des Pilzes mit einer heteromorphen Entwicklung der Xährpflanze anhebt (man
denke z. B. an Podisoma Juniperi und GyiHHOsporangiiim Juniperinum, wenn
man die tieferen Brandarten noch zu abstrakt finden sollte), so hebt auch bei
jenen akotyledonischen Parasiten höherer Art der Entwicklungsprozeß mit einer
bedeguarischen Affektion .... an.«
1 Der Ausdruck »Symbiose« ist für die Balanoplwra-KnoWe bisher nicht
verwendet worden, erhält aber bei der so eigenartigen Verschmelzung, zu der
sich Parasit und Wirt in ihr vereinigen und die auch zu der Charakterisierung
derselben als »corpus intermedium«, »Mittelkörper'^, bei den älteren Autoren
geführt hat, einen gewissen Grad von Berechtigung. Man muß sich nur bewußt
bleiben, daß er hier der engeren Definition, die De Bar y für den Begriff der
Symbiose gegeben hat, nicht entspricht. Eine Gegenseitigkeit im Nutzen der
beiden Symbionten ist ja im Falle von BalanopJiora sicher ausgeschlossen, doch
ist diese Gegenseitigkeit ja selbst für die beiden Symbionten im Flechtenkörper
noch wenig klargelegt. Man vergleiche in letzterer Hinsicht insbesondere die Ab-
handlung Elenkin's »Die Symbiose als abstrakte Auffassung des beweglichen
Gleichgewichtes der Symbionten« (Bullet. Jardin Botan. de St. Petersbourg, Vol.
VI, 1906, p. 1 — 19). In seinem Resume sagt da Elenkin: »Wie meine Beob-
achtungen an den Flechten und die vieler anderer Autoren an verschiedenen Fällen
von Symbiose zeigen, lassen sich tatsächlich immer nur Fälle von parasitischer
oder saprophytischer Ernährung eines Symbionten auf Kosten des andern beob-
achten, doch niemals Mutualismus.«
Zur Kenntnis der Gattung Balanophora. 459
einer Balanophora. Nur kann hier, wie bei G a 1 1 e n b i 1 -
düngen überhaupt, von keiner mutualistischen Sym-
biose gesprochen wer den, sondern der Nutzen ist ganz
auf Seite des einen Syrnbionten. Die Wirts wurzel tritt
mit ihrer Gallenbildung völlig in den Ernährungs-
dienst für den Parasiten. Jedenfalls kann aber bei
Balanophora von einer durch eine Blütenpflanze hervor-
gerufenen Gallenbildung gesprochen werden, die sich
den Zoocecidien und Mykocecidien vollkommen analog an-
schließen läßt. Solche »Blütenpflanzen-Gallen« werden nicht
viele zu verzeichnen sein.
Die Keimung ist in der Familie der Balanophoreen nur für
Cynoniorium bekannt, eine Gattung, die mir nach allem von dem
Gros der übrigen größeren Abstand zu haben scheint.
Was die Entwicklung der einzelnen Knolle von Balaiio-
phora anbelangt, so haben offenbar dieBeccaii'schen und Solms-
Laubach'schen Angaben von der Existenz eines intramatrikalen
Thallus auch in den knollenfreien Teilen der Nährwurzeln bei
B. reflexa und B. indica zur Annahme geführt, daß aus einem
solchen vegetativ neue Knollen entstünden und im Innern der
Nährvvurzeln zur Anlage kämen. So schreibt Solms-Laubach
an einer Stelle, wo er von jugendlichen Knollen berichtet:
»Knöllchen,die noch von derNährrinde bedeckt gewesen wären,
wurden nicht gefunden; alle ragten schon frei mit ihrer Spitze
an die Oberfläche.« Und weiter: »Der junge Knollen wächst vom
Anfang an durch interkalare Gewebebildung, ohne je einen
Vegetationspunkt aufzuweisen. An seiner Basis, wo er die
Wurzelrinde durchbrach, steht der Knollen direkt mit dem
Holze der Nährpflanze in Verbindung.«
Durch Abbildungen ist aber ein solcher Entwicklungsgang
auch für eventuelle Adventivpflanzen von B. reflexa und B.
indica nicht belegt; ich habe den Eindruck, daß auf denselben
vielmehr durch Analogie zu der intramatrikalen Blütenentwick-
lung der Rafflesiaceen geschlossen wurde, wobei auch an eine
vorerst intramatrikale Lage aus Samen hervorgegangener
Thallusbildungen und sekundär von diesen ausgehender erster
Knollenentwicklung gedacht werden konnte. Alles, was aber
die Abbildungen uns über das Aufsitzen der Balaiiophora-
Sitzb. d. mathem.-naturvv. Kl.; CXVI. Bd., Abt. I. 31
460 E. Heinricher,
Knollen an den Wirtsvvurzeln vor Augen führen, scheint mir
unbedingt auf eine extramatrikale Entwicklung derselben hin-
zuweisen.
Bezüglich der aus Samen hervorgehenden Knollen scheint
auch Engler zu gleicher Ansicht gelangt zu sein. In seiner
Bearbeitung der Balanophoreen in den »Natürlichen Pflanzen-
familien« ^ sagt er, nachdem er über den Keimling von
Cynomorium gesprochen hat: »Von mehreren der übrigen
Gattungen kennt man Jugendstadien. Dieselben sind allemal
kleine KnöUchen ohne jede Spur von Kotyledonen und Wurzel.
Diese Knöllchen umfassen mit ihrer Basis einen größeren oder
geringeren Teil der Wurzeloberfläche, indem sie von der
.Anheftungsstelle aus nach beiden Seiten in wulstartige An-
schwellungen auswachsen. An der Berührungsstelle schwindet
das Rindengewebe der Nährwurzel, ^ während sich der Holz-
körper desselben in eine mehr oder weniger strahlige, im
Parenchym der Knolle bisweilen weit vordringende Masse
spaltet, letzteres im höchsten Maße bei BaIanophora.<^
1 III, 1, p. 242.
- Ein solches »Schwinden« der Nährwurzelrinde findet wohl kaum statt.
Wie mir Textfig. 3 zu beweisen scheint, findet nur ein Auseinanderdrängen der
Rinde durch die in die Parasitenknolle vordringenden Auszweigungen der Wirts-
wurzel statt. Auch die Beschränkung des Thallus auf das > Nährholz« ist bei Bala-
fwphora nicht so weitgehend, wie man nach derSolms-Laubach'schen Darstellung
schließen könnte. Er schreibt p. 34 seiner Abhandlung >Über den Thallus der
Loranthaceen etc.« : »Und ferner ergibt sich als immerhin bemerkenswerte Tatsache
die vollkommene Analogie, die zwischen dem Thallus der Rafflesieen und dem
der Balanophoreen andrerseits besteht. Dort in der Rinde, hier im wuchernden
Nährholz gelegen, erzeugt er in beiden Fällen Gewebsmassen, deren Inneres der
Entstehungsort endogener Blütensprosse wird. Bei den Rafflesieen bleiben die-
selben in der Nährrinde verborgen, bei den Balanophoreen treten sie als seltsam
geformte Knollen über deren Oberfläche hervor.«
Die Thallusausbreitungen der Balanophoreen beschränken sich ebenso-
wenig auf das Holz als diejenigen der Rafflesiaceen auf die Rinde. In Texthg. 3
sehen wir unterhalb P in mehreren Lagen Balanophora-Gewehe in der Rinde.
Ferner ist zu beachten, daß die Wurzelauszweigungen in der Knolle mit Rinde
bekleidet sind und daß diese vom Thallus ebenso durchzogen wird wie die axilen
Holzmassen. Der zu dem bei B (Textfig. 3) gelegenen, aus Balanophora-Gewehe
bestehenden Höcker gehörige kleinzellige Thallus durchsetzte in reichlicher
Weise das Rindengewebe der Wirtswurzel.
Zur Kenntnis der Gattung Balanophora. 46 1
Es ist kaum zu bezweifeln, daß die Keimung von Balano-
phora in mehr minder ähnlicher Weise erfolgt wie jene von
Orohancke. Bei der leichten Beschaffbarkeit von Samen der
Balanophora- Avien und der geeigneten Wirtspflanzen wäre es
wohl an der Zeit, daß einmal in einem der Tropengärten die
künstliche Aufzucht versucht und die Entwicklungsgeschichte
lückenlos erforscht würdet Ich stelle mir die Sache keineswegs
als besonders schwierig vor und denke, daß man folgende An-
nahmen im vorhinein machen darf:
1. Die Samen werden zu ihrer Keimung (ebenso jene der
Rafflesiaceen) so wie die derOrobanchen und jene von Lathraea
und Tozzia die Anwesenheit einer geeigneten Nährwurzel
erfordern.
2. Die Keimung wird sowohl an unterirdischen als an bloß-
liegenden oder -gelegten Wurzeln, vermutlich aber nur an
jüngeren, stattfinden können.
3. Der größte Teil des Keimlings dürfte als Thallus in das
Innere der Nährwurzel eintreten; vielleicht schon durch Fern-
wirkung auf das Kambium oder aber erst durch direkte Ein-
wirkung veranlaßt er dieses, Auszweigungen anzulegen, die
fortwachsend die Rinde durchbrechen und in die inzwischen
durch die Ernährung seitens des Thallus angeregte Knollen-
bildung einwachsen. Diese letztere wird vermutlich aus einem
außen verbliebenen Rest des Keimlings gebildet, könnte aber
auch von den der Oberfläche nahegelegenen Zellen des gewis-
sermaßen als Keimfaden funktionierenden ersten Thallusstückes
seinen Ausgang nehmen.
1 Die Abbildungen, die J. D. H o o k e r auf Tab. VI, Fig. 7 und Fig. 8, seiner
Abhandlung »On the Structure and Affinities oi Balanophora*. (Transactions of
the Linnean Society, Vol. XXII, 1859) von Jugendstadien A&v B. invohicrata
gibt, sind zu mangelhaft, um ein klares Verstehen zuzulassen. Diese Art scheint
nach den Hooker'schen Abbildungen manche Eigenheiten aufzuweisen und könnte
sich möglicherweise bei derselben auch eine vegetative Propagation durch den
Thallus vorfinden, ähnlich der, wie sie iüvB.reflexanndB. /«^/c« angegeben wird.
Nach dem, was sich aus vorliegenden Abbildungen schließen läßt, liegt in
den Knollen von Langsdorffta eine jener von Balanophora zunächst stehende
Bildung vor. Die Knollendurchschnitte, welche Hook er (On the Structure and
Affinities of Balanophora) auf Tab. II darstellt, lassen auch hier ein deutliches
Eintreten von Wurzelauszweigungen des Wirtes in die Knollen des Parasiten
erkennen.
31*
462 E. Heinrich er,
Eine andere Frage, die von einem in den Tropen dauernder
stationierten Botaniker leicht gelöst werden könnte und die doch
einiges Interresse hat, wäre die, die Zeitdauer zu bestimmen,
welche eine Balanophora-KnoUe bis zur Erlangung der Blühreife
braucht. Wenigstens von solchen Jugendstadien ausgehend,
wie sie Fig. 3 der Tafel zeigt und die gewiß leicht aufzufinden
sind, wäre die Frage vorerst approximativ zu lösen. Daß Gunst
oder Ungunst der Verhältnisse die Entvvicklungsschnelle stark
beeinflussen werden, ist von vorherein zu erwarten. Vermuten
möchte ich, daß diese Entwicklung keinen zu langen Zeitraum
erfordert und daß auch darin sich die Balanophoreen den
Orobanchen ähnlich verhalten dürften, wie ja auch sonst trotz
des Ausschlusses jeder verwandtschaftlichen Beziehungen mehr-
fache Analogien mit denselben bestehen.
Zusammenfassung.
Bei Balanophora globosa und B. elongata ist der Thalhis
auf die Auszweigungen beschränkt, die von den Wirtswurzeln
in die Knolle abgehen. In der Nährwurzel, außerhalb der Knolle,
finden sich Thalluselemente nur unmittelbar unterhalb des
Insertionsortes des Parasiten.
Nach den Angaben von Beccari für B. reflexa und jenen
von Solms-Laubach für B. iiidica ist bei diesen Arten das
Verhalten anders; auch fern vom Ansatzpunkte der Knollen
sollen in den Nährwurzeln Thalluszellen des Parasiten nachweis-
bar sein.
Während für diese Arten aus dem angegebenen Verhalten
geschlossen wurde, daß auch vegetativ von dem sich ausbrei-
tenden Thallus einer Mutterpflanze neue Balanophora-KnoWen
entstehen können, ist es für B. globosa und B. elongata sehr
wahrscheinlich, daß jede Knolle einem Samen ihren
Ursprung verdankt. Die Thalluszellen verlaufen in Ketten
und Reihen, besitzen bedeutende Größe und gemahnen häufig
in Form und Aussehen an Riesenhefezellen. Im Räume ver-
bleiben sie stets im Zusammenhang.
Die außerordenthche Größe der Thalluszellen und die
dadurch erzielte bedeutende Oberfläche dieses Absorptions-
Zur Kenntnis der Gattung Balanophora. 463
gewebes kann als Resultat des Bedürfnisses angesehen vx'erden
und steht offenbar in Korrelation mit der Beschränkung des
Thallus auf ein relativ begrenztes Gebiet im Wirte, nämlich auf
das System von Auszvveigungen, welche die Wirtswurzel in die
BalMiophora-KnoWo. treibt.
Diese Auszweigungen wurden früher als »Gefäßbündel«,
»Gefäßstränge«, »Holzstränge« bezeichnet; sie besitzen auf
Querschnitten aber einen ganz wurzelartigen Bau und sind
darum wohl auch besser als modifizierte Wurzeln zu betrachten
und als »Wurzelauszweigungen« zu benennen. Der Thallus
durchzieht dieselben in axilen Längsreihen, doch kommen auch
radial nach außen abgehende Zweige vor, wie andererseits das
die Wurzelauszweigungen umgebende Knollenparenchym radial
nach innen haustoriale Ausstülpungen oder Zellreihen entsendet,
welch letztere eventuell den Anschluß an den axilen Thallus
gewinnen. Durch den Parasiten wird auf den Wirtswurzeln eine
Gallenbildung ausgelöst, analog und vergleichbar gewissen Zoo-
oder Mykocecidien, wie den Bedeguar-Bildungen oder den
Hexenbesen. Man könnte die Auszweigungen der Nährwurzel
in der BalauopJiora-KnoWe einen »Wurzelhexenbesen« nennen
und die Gallenbildung der BalanopJiora als eine «Blütenpflanzen-
galle« den Zoo- und Mykocecidien an die Seite stellen.
Auch wird der symbiontische Charakter einer jeden Bala-
nophora-KnoWe hervorgehoben, die stets aus den Elementen
zweier verschiedener Organismen aufgebaut ist: aus den
Wurzelauszweigungen des Wirtes und den Geweben des Para-
siten. Natürlich ist es keine mutualistische Symbiose, sondern
die Wirtswurzel tritt mit ihrer Gallenbildung völlig in den
Ernährungsdienst des Parasiten.
Endlich wird eine Erörterung der mutmaßlichen Keimungs-
bedingungen sowie des Entwicklungsganges gegeben und auf
die wünschenswerte Durchführung diesbezüglicher Versuche
in einem der Tropengärten hingewiesen.
464 E. Heinricher,
Erklärung der Abbildungen.
Sämtliche Bilder sind photographische Aufnahmen.
Fig. I.Durchschnitt einer jüngeren Knolle von BaLinopltora globosa und des
längsdurchschnittenen Endstückes der Nährwurzel. Die Auszweigungen
dieser in der Knolle treten gut hervor. Natürliche Größe.
Fig. 2. Knolle von Balanopkora elongaia im Durchschnitte. Starke Hypertrophie
des Wurzelendstückes der Nährwurzel innerhalb der Knolle. Die von
jener ausgehenden Wurzelauszweigungen teilweise getroffen. NatürHche
Größe.
Fig. 3. Zwei junge Balanophom- (sehr wahrscheinlich B. clongata) Pflanzen an
ihren Wirtswurzeln. Natürliche Große.
Fig. 4. Querschnitt durch die kleinere der in Fig. 3 abgebildeten Knollen,
1 I/o mm ober der Insertion. Man erkennt im Zentrum gut abgegrenzt den
im Umriß etwa x-förmigen Querschnitt der in die Knolle eingetretenen
Auszweigung der Nährwurzel. Innerhalb desselben sind schon bei dieser
schwachen Vergrößerung die großen Thalluszellen des Parasiten, ja sogar
ihre Zellkerne erkennbar. Die dunklen Inseln im Knollenparenchym sind
die der Balanopkora angehörigen Gefäßbündel ; am Umfange heben sich
die Rindenzellen der Knolle deutlich ab. Vergrößerung 9" 5.
Fig. 5. Partie aus dem zentralen Teil der Fig. 4, enthaltend einen Teil der Wurzel-
auszweigung des Wirtes und des Knollenparenchyms von Balanopkora.
Im ersteren tritt stellenweise (besonders von der Mitte der Figur abwärts)
der Thallus der Balanopkora gut hervor. Es sind dies die großen, tonnen-
förmigen, hefeähnlichen Zellen mit den großen Zellkernen. Vergrößerung 5 1 .
Fig. 6. Partie aus dem Querschnitte einer Knolle von Balanopkora clongata,
enthaltend den Querschnitt durch eine Wurzelauszweigung des Wirtes
und diese umgebendes (besonders oben) Knollenparenchym. Der wurzel-
artige Bau der Auszweigung tritt hervor. Man erkennt den zentralen Holz-
körper, radial durch breite Streifen von Markstrahlenparenchym unter-
brochen ; gegen die Peripherie die Anwesenheit eines Kambiums und zu
äußerst kleinzellige Rinde. Eng schmiegt sich Balanopkora-?a.Yenchym
an, und zwar zunächst mit einigen Lagen kleinerer Zellen, die verholzte
Wandungen haben. Diese heben sich am Bilde durch schärferes Her\'or-
treten der Zellwände ab.
Im Holzkörper sind die mit X bezeichneten Zellen solche, die dem Thallus
des Parasiten angehören; es sind das jene Thallusteile, welche die Wur-
Zur Kenntnis der Gattung Balanopliora. 465
zelauszweigungen parallel ihrem Verlaufe in Längsreihen durchziehen.
Ebenfalls mit X bezeichnet sind an der Peripherie gelegene Zellen, welche
von dem umgebenden KnoUenparenchym in die Auszweigungen eint retende
haustoriale Elemente sind. Vergrößerung 44.
Fig. 7. Ein gleicher Schnitt wie in Fig. 6, aber, um den großen Stärkereichtum
der Wurzelauszweigungen zur Anschauung zu bringen, in Jodglyzerin
liegend photographiert. Infolge der Stärkemengen erscheint der zentrale
Teil des Holzkörpers als dunkle Masse, in der sich nur die trachealen
Elemente sowie diejenigen des Thallus abheben. (Letztere sind wie in
Fig. 6 durch X gekennzeichnet.) Auch das Markstrahlen- und das Rinden-
parenchym sind sehr stärkereich, wodurch hier gegenüber Fig. 6 der
zellige Aufbau undeuthch erscheint. Vergrößerung 44.
Für die gefällige Übernahme der photographischen Aufnahmen dankt der
Verfasser Herrn Privatdozenten Dr. Ad. Wagner, desgleichen für die Besorgung
■der Textfiguren und Schnitte dem Herrn Assistenten Max Strigl.
Heinricher, E. : Zur Kenntnis der Gattung ßalanophora.
^
■!^
Knustanstalt Max Jaff6, Wien.
Sitzungsberichte d. kais. Akad. d. Wiss,, mat.-naturw. Klasse, Bd, CXVII, Abt. I. 1907.
467
Ober die Sichtbarmaehung der Bewegung-
mikroskopiseh kleinster Teilehen für das freie
Auge
Hans Molisch,
k. M. k. Akad.
Aus dem pflanzenph3''siologischen Institute der k. k. deutschen Universität in
Prag. Nr. 98 der zweiten Folge.
(Vorgelegt in der Sitzung am 25. April 1907.)
Über die Frage nach den kleinsten noch mit bloßem Auge
wahrnehmbaren Objekten wurden genaue Beobachtungen von
verschiedenen Forschern, insbesondere von Harting^ gemacht.
Er fand für die Augen von fünf verschiedenen Personen als
Grenze der Wahrnehmbarkeit runder oder kugelförmiger
Körper 46 [x bis 23 \i. Die Pollenkörner von Phlox panicnlata
messen im Durchmesser etwa 46 (jl und die von Clematis
cyJindrica etwa 23 {x. So kleine Zellen können mit freiem A^uge
noch als Pünktchen wahrgenommen werden.
Das Wahrnehmungsvermögen des bloßen Auges geht aber
in Wirklichkeit noch weiter, da Körper, die im Verhältnis zu
ihrer Dicke sehr lang sind, wie Drähte oder Haare, mit größerer
Leichtigkeit gesehen werden als viereckige oder runde Körper-
chen von gleichem Durchmesser. So kann ein Spinnwebfaden,
dessen Durchmesser etwa 2'1 jx beträgt, »in dem Rohre eines
Mikroskopes, dessen Gläser weggenommen waren, einem durch
eine Argand'sche Lampe beleuchteten matten Glase so gegen-
1 P. Harting, Das Mikroskop. Braunschweig 1859, deutsche Aus-
gabe, p. 54.
468 H. Molisch,
übergestelit, daß gar keine Reflexion an den Rändern des Fadens
stattfand«, noch deutlich wahrgenommen werden. Alle diese
Werte sind natürlich nur approximativ, denn sie fallen ver-
schieden aus nach der Beleuchtungsart, der Akkomodations-
fähigkeit des Auges und anderen Umständen.
Ich habe in der letzten Zeit Beobachtungen gemacht,
welche zeigen, daß das unbewaffnete menschliche Auge unter
gewissen Umständen die Bewegung mikroskopischer Teilchen
von außerordentlicher Kleinheit zu sehen vermag, die weit
unter jene von Harting bestimmte Grenze heruntergeht.
Die folgenden, höchst einfachen Versuche werden dies klar
machen.
Wenn man die in unseren Gewächshäusern so häufig
gezogene stachlige Euphorbia spJendens mit einer Nadel im
Stengel ansticht, so tritt sofort aus der Wunde ein milchweißer
Tropfen hervor, es ist der Milchsaft dieser Pflanze. Bringt man
den Tropfen rasch auf einen wohlgereinigten Objektträger,
bedeckt mit einem Deckglas und betrachtet die Flüssig-
keit mit einem Mikroskop bei einer 300- bis lOOOmaligen Ver-
größerung, so sieht man, daß der Milchsaft, abgesehen von
größeren Ballen und eigentümlichen stabförmigen oder
schenkelknochenförmigen Stärkekörpern, aus einer ungemein
feinkörnigen Emulsion besteht. In einer homogenen Flüssig-
keit liegen außerordentlich kleine Kügelchen aus Harz und
Kautschuk, die die prachtvollste Brown'sche Molekularbewe-
gung zeigen. Ich kenne kaum ein Objekt, das zur Demonstration
dieser Bewegung geeigneter wäre als der Etiplwrhia-'^iWchssih.
Um solche Präparate dauernd zur Hand zu haben, verschließe
ich das Deckglas am Rande mit hartem Terpentinharz, das mit
einem heiß gemachten Drahte an den 4 Kanten des Deckglases
so aufgetragen wird, daß ein luftdichter Verschluß erzielt und
die Flüssigkeit hiedurch vor Verdampfung und Strömungs-
bevvegungen geschützt wird. Solche Präparate zeigen die
Brown'sche Molekularbewegung noch nach Monaten. Meines
Wissens wurde bisher diese Bewegung nur mit Hilfe
des Mikroskops gesehen, sie läßt sich aber, wie man
sich leicht überzeugen kann, auch dem freien Auge
sichtbar machen. Zu diesem Zwecke ist es nur nötig,
Bewegung mikroskopisch kleinster Teilchen. 469
das Präparat im direkten Sonnenlichte zu betrachten.
Man hält in deutlicher Sehweite den Objektträger ver-
tikal oder etwas schief, läßt das direkte Sonnenlicht
schief einfallen und beobachtet im durchfallenden
Lichte. Bei richtiger Stellung taucht zur Überraschung
des Beobachters die Molekularbewegung der Harz-
kügelchen auf und gibt sich in einem eigenartigen
Flimmern, lebhaften Tanzen und Wimmeln der in
prachtvollen Interferenzfarben erscheinenden mikro-
skopischen Teilchen kund. Hält man in einiger Entfernung
(etwa 3 bis dem) vom Objektträger ein mattschwarzes Papier,
so wird die Erscheinung noch deutlicher, doch ist der schwarze
Hintergrund nicht notwendig. Im auffallenden Lichte ist das
Phänomen nicht zu sehen. Da man bei dem Versuche nicht
direkt in die Sonne zu sehen braucht, sondern nur in das vom
Präparate kommende Licht, so wird das Auge hiebei nicht
besonders angestrengt. Soll der Versuch gut gelingen, so ist
darauf zu achten, daß die Milchsaftschichte nicht zu dick ist,
sondern nur jene Stärke aufweist wie bei gewöhnlichen mikro-
skopischen Präparaten. Auch darf die Sonne nicht verschleiert
sein, ein wolkenloser blauer Himmel gibt die besten Resultate.
Auch das Licht einer kräftigen Bogenlampe leistet gute Dienste,
ja, ich kann hinzufügen, daß ich die Bewegung der Milchsaft-
kügelchen auch im direkten Lichte einer stark genäherten Glüh-,
Petroleum- oder Auerlampe sehe, wenn ich eine gute Lupe zu
Hilfe nehme. Am besten tritt die Erscheinung im direkten
Sonnenlichte hervor.
Ein ebenfalls sehr empfehlenswertes Objekt, das man
sich jederzeit leicht beschaffen kann, ist Tusche, fein zer-
rieben im Wasser. Ich verwendete für meine Zwecke die
käufliche Perltusche (von Günther Wagner), in welcher die
Kohle in ganz besonders feiner Verteilung vorliegt. Wenn
man ein Präparat in der Weise, wie es vorhin geschildert
wurde, anfertigt und dann gegen das direkte Sonnenlicht hält,
so sieht man die feinen Tuschpartikelchen gleichfalls in Form
glänzender Teilchen in lebhaftester Brown'scher Molekular-
bewegung. Doch ist es gut, vorher die Beobachtung mit
Euphorbia-MUchsaft einzuüben, weil der Ungeübte das Phä-
470 ?I. Molisch,
nomen bei Tusche wegen des geringeren Glanzes der an und
für sich schwarzen Kohleteilchen vielleicht schwieriger wahr-
nehmen wird.
Ein herrliches Objekt für die Wahrnehmung mikro-
skopischer Teilchen mit freiem Auge lernte ich in gewissen
rasch beweglichen Bakterien, z. B. in der Purpurbakterie
Rliodospirillnm phofometricum Molisch/ kennen.
Diese Bakterie eignet sich für unseren Versuch deshalb so
gut, weil sie wie viele andere Purpurbakterien den luftdichten
Verschluß mehrere Stunden oder Tage verträgt und im Lichte
ohne Luftzutritt in lebhaftester Bewegung verbleibt. Auf dem
Objektträger unter Deckglas im Wasser eingeschlossen und
bei genügender Dichte im direkten Sonnenlichte betrachtet,
erscheinen die Bakterien als irisierende Teilchen, die im leb-
haften Gewimmel dahinschwimmen. Daß auch größere Objekte
wie gewisse Infusorien bei dichter Lagerung und rascher
Eigenbewegung unter den angeführten UmiStänden mit freiem
Auge gesehen werden, bedarf wohl nicht erst genauer ge-
schildert zu werden, doch darf man in diesem Falle nur mit ganz
frischen und mit nicht verschlossenen Präparaten arbeiten, da
die meisten Infusorien bei mangelndem Luftzutritt rasch ab-
sterben und ihre Bewegung einstellen.
Kehren wir nun wieder zu dem Milchsaftpräparat zurück.
Es muß jedenfalls überraschen, daß die so außerordentlich
kleinen Kügelchen des Saftes sich noch dem freien Auge ver-
raten. Offenbar ruft das ungemein intensive Licht, indem es die
Kügelchen trifft und Beugung erleidet, infolge der Beugungs-
scheibchen und Beugungsbüschel, die sich wegen der Bewegung
der Teilchen noch dazu fortwährend ändern, auf der Netzhaut
des Auges viel größere Bilder hervor, als es ohne diese Umstände
der Fall sein würde, ähnlich w'ie dies auch bei der Wahr-
nehmung ultramikroskopischer Teilchen zutrifft.
Die Kügelchen des Milchsaftes von Euphorbia spleudeus
haben nicht dieselbe Größe. W^enn man aber von den größeren,
die sich entweder gar nicht oder träge bewegen, absieht,
1 Über diese vergl. Molisch H. »Die Purpurbakterien nach neuen Unter-
suchungen.« Jena 1907, p. 24.
Bewegung mikroskopisch kleinster Teilchen. 47 1
SO schwankt ihr Durchmesser zwischen 0-8 [x bis 0'2[j.. Im
Durchschnitt beträgt er etwa 0-5[x. Dies ist aber schon eine
außerordentUch kleine Größe, die nicht mehr weit von der Größe
der kleinsten bekannten Bakterien entfernt ist. Die Milchsaft-
kügelchen anderer EiLpIiorMa-Avten, z. B. von E.fulgens sind
noch etwas kleiner als die von E.splendeiis und de.nnoch habe ich
im direkten Sonnenlicht bei klarem Himmel die Bewegung der
Kügelchen gesehen, wenn auch nicht mehr so deutlich als die
von Euphorbia splcndens. Die Milchsaftkügelchen von E.fulgens
stehen aber tatsächlich schon an der Grenze der mikro-
skopischen Wahrnehmung, denn sie erscheinen bei einei
1000- bis 2200maligen Vergrößerung (Reicherts 1/12 homog.
Immersion) als eben noch erkennbare Pünktchen, die, wenn sie
sich nicht bewegen würden, leicht übersehen werden könnten.
Der gewöhnlichen mikroskopischen Messung sind sie nicht
mehr zugänglich, sie sind also gewissermaßen unmeßbar klein
und sind sicherlich kleiner als die kleinsten heute bekannten
Bakterien. Als ein Zwerg unter den Bakterien gilt der Influenza-
bazillus mit 1 • 2 jj, Länge und 0'4[j. Dicke. Micrococcus pro-
grediens Schroeter soll nur 0'15[j. groß und Pseudomonas
indigofera sogar nur O^Oß fx dick und 0" 18 [x lang sein.^
Damit sind w-'ir aber zu Größen gekommen, die derzeit
bereits an die Grenzen der Leistungsfähigkeit unserer besten
Mikroskope heranreichen.
Durch die Verbesserungen, die das Mikroskop auf Grund
der Arbeiten von Abbe und anderen erfahren hat. insbesondere
durch die Erhöhung der Aperturgröße eines Systems, durch die
Anwendung von Deckgläschen mit höherem Brechungsindex,
durch Heranziehung von Licht kleinerer Wellenlänge ist es
gekmgen, die Leistungsfähigkeit des Mikroskops so zu steigern,
daß man im besten Falle noch Strukturelemente aufzulösen
vermag, deren gegenseitiger Abstand 0-25 bis 0-21 jj. ist.^ Ja, bei
Anwendung von Monobromnaphthalinirnmersion, violettem Licht
und schiefer Beleuchtung konnte man, die günstigsten Bedin-
1 Migula in Lafar's Handbuch der technischen Mykologie. II. Aufl.,
I. Bd., 1. Lief., p. 33.
- S. Czapski, Die voraussichtlichen Grenzen der Leistungslahigkeit des
Mikroskops. Zeitschr. f. wiss. Mikroskopie etc., Bd. VIII, 1891, p. 145 bis 155.
472 H. Moüsch,
gungen vorausgesetzt, noch Streifenabstände von 0"12[ju
sehen. ^
Mit Hilfe der von H. Siedentopf und R. Zsigmondy
aufgefundenen Methode zur Sichtbarmachung und Größen-
bestimmung ultramikroskopischer Teilchen ^ ist man allerdings
um ein riesiges Stück weitergekommen, denn nun vermag man
die Existenz von Einzelteilchen mit Lineardimensionen von 4 bis
6 [JL[x zu erkennen, ein bewundernswerter Fortschritt, wenn man
bedenkt, daß diese Größen an die sogenannten molekularen
Dimensionen von 0-1 bis 0*6 jx[x gewisser Eiweißkörper heran-
reichen.
Sehen wir nun vom Ultramikroskop ab und halten wir uns
an die Leistungsfähigkeit des gewöhnlichen Mikroskops, so
ergibt unsere Betrachtung, daß die Teilchen, die mit
freiem Auge unter den geschilderten Umständen an
ihrer Bewegung erkannt werden können, bezüglich
ihrer Größe knapp an der Grenze der mikroskopi-
schen Wahrnehmung stehen oder mit ihr zusammen-
fallen. Freilich können wir in diesem extremen Falle die
Teilchen als solche nicht mehr erkennen, es verrät sich aber
ihre Existenz dem freien Auge durch ihre Bewegung — unter
der Voraussetzung, daß die Bewegung eine genügend rasche
ist und die Teilchen in großer Zahl dicht beieinander liegen.
Wenn das unbewaffnete Auge unter gewissen Verhältnissen
noch die Existenz von in Bewegung befindlichen mikro-
skopischen Teilchen entdeckt, die an der Grenze der Leistungs-
fähigkeit unserer besten Mikroskope stehen, so verdient dies
jedenfalls die Beachtung nicht nur des Mikroskopikers, sondern
insbesondere der physiologischen Optik und deshalb habe ich
mir erlaubt, die Aufmerksamkeit auf dieses bisher unbekannte
Vermögen des menschlichen Auges zu richten.
Zum Schlüsse möchte ich noch darauf hinweisen, daß
man auch bei ganz schwachen Vergrößerungen unter Zu-
hilfenahme einer sehr einfachen Dunkelfeldbeleuchtung, die
jeder leicht improvisieren kann, unterm Mikroskop Teilchen
1 A. Zimmermann, Das Mikroskop. 1895, S. 54. Leipzig- Wien.
2 Ann. d. Physik (IV), 10, 1 (1903).
Bewegung mikroskopisch kleinster Teilchen. 473
und Bewegungen wahrnehmen kann, die ohne diese Beleuch-
tung und bei sonst gleichen Umständen nicht wahrgenommen
werden.
Stellt man ein mikroskopisches Präparat vom Milchsaft der
Euphorbia splendens bei 50maliger Vergrößerung (Reichert
Obj. 3 und Ocul. II) bei senkrechter Beleuchtung z. B. einer
Auerlampe ein, so sieht man die kleinen Milchsaftkügelchen
undeutlich und ihre Bewegung nicht oder fast gar nicht. Entfernt
man nun die Blende und stellt den Spiegel an die der Licht-
quelle abgewendete Seite und beleuchtet das Objekt mittels des
Hohlspiegels möglichst schief und tunlichst grell, so sieht man
von der Brown'schen Molekularbewegung nicht eine Spur.
Wenn man nun von der Hälfte des Spiegels das direkte Licht
abhält, indem man einfach die flache Hand zwischen den
Spiegel und die Lichtquelle und zwar knapp beim Spiegel hält,
so erzeugt man hiedurch eine, wenn auch unvollkommene
Dunkelfeldbeleuchtung und bei dieser tauchen die Milchsaft-
kügelchen wie mit einem Zauberschlag als scheinbar selbst-
leuchtende Pünktchen auf und zeigen die prachtvollste Mole-
kularbewegung, Tuschepräparate, winzige Kriställchen, Bakte-
rien und andere Mikroorganismen eignen sich für derartige
Beobachtungen in ausgezeichneter Weise.
Der überraschende Effekt beruht darauf, daß die im
Wasser befindlichen Teilchen vom schiefen Lichte grell
beleuchtet, über einem relativ dunkeln Untergrunde beob-
achtet und dadurch schon bei relativ sehr schwachen Ver-
größerungen in Erscheinung treten, ganz analog wie beim
Ultramikroskop.
475
Über einige Fischarten aus dem Flusse
Cubataö im Staate Santa Catharina bei
Theresopolis (Brasilien)
von
Dr. Franz Steindachner,
w. M. k. Akad.
(Mit 2 Tafeln.)
(Vorgelegt in der Sitzung am 28. Februar 1907.)
1. Hemipsilichthys cameroni n. sp.
Von der einzigen, bisher nur in drei Exemplaren
bekannten Art derselben Gattung dürfte sich Hemips.
cameroni durch die auffallende Länge des Pektoralstachels, der
selbst bei ganz jungen Weibchen die Basis der Ventralen
bedeutend überragt, durch die Länge der Ventralen, welche
zurückgelegt weit über die Analmündung zurück bis zum Beginn
der Anale reichen, sowie durch den Mangel von frei vor-
stehenden Mundvvinkelbarteln als eine besondere Art unter-
scheiden. Auch sind die Schilder an der Unterseite des Rumpfes
zwischen der Anale und der Schwanzflosse nicht dick über-
häutet, sondern liegen völlig frei zu Tage.
Kopf, namentlich bei Männchen, stark deprimiert, Schwanz-
stiel komprimiert. Die Kopflänge, bis zum oberen Ende der
Kiemenspalte gemessen, ist SYs bis S^g bei den Weibchen von
6 bis SVg '^"^ Länge, SYgmal bei Männchen von 13' 1 cm Länge
in der Körperlänge mit Ausschluß der Schwanzflosse enthalten.
Die Kopfbreite zwischen Deckeln steht der Kopflänge nur
wenig nach. Die Kopfhöhe gleicht genau oder nahezu der
Hälfte der Kopflänge.
Auge sehr klein, bei kleinen Exemplaren (von 6 bis 8V2 '^^'*
Länge, 9) durchschnittlich 9mal, bei größeren (von 13' 1cm
Sitzb. d. mathem.-naturw. KI.; CXVI. Bd., Abt. J. 32
476 F. Steindachner,
Länge, cf) unbedeutend weniger als 8mal, die Stirnbreite bei
ersteren zirka 2Y4^mal, bei letzteren etwas mehr als 3 mal, die
Schnauzenlänge lYs" bis lYg^^l in der Kopflänge begriffen.
Bei sämtlichen Weibchen unserer Sammlung ist der
Schnauzenrand und dessen nächste Umgebung nackthäutig,
bei den Männchen dagegen liegen am Rande der Schnauze
sowie hinter demselben (an der Kopfoberseite) Knochen-
plättchen unter der dicken runzeligen Haut verborgen, aus
welcher zahlreiche Stachelchen hervorragen.
Der untere Seitenrand des Kopfes zeigt stets (bei beiden
Geschlechtern) eine wulstige Falte, die bei den Weibchen nur
wenig vorspringt, bei den Männchen aber verhältnismäßig
ganz enorm in die Breite entwickelt, weit über die Seiten des
Kopfes hervorragt und die mit mehreren Reihen schlanker
Stachelchen besetzt ist, deren Spitze nach unten umgebogen
ist. Diese Stacheln erreichen bei den Weibchen nur eine
geringe Länge, bei den Männchen dagegen sind sie stets be-
deutend entwickelt. Die längsten dieser schlanken zahnähn-
lichen Stacheln liegen in der mittleren Reihe gegen Ende des
zweiten Längendrittels der Wangenfalte und der frei vor-
springende Teil dieser längsten Stacheln ist bei einem ?^Iänn-
chen von 10' 5 cm Länge ebenso lang wie ein Augendurch-
messer, bei zwei Männchen von nahezu 13 cm Länge zirka
2 mal länger als das Auge.
Die Oberseite des Kopfes fühlt sich sehr rauh an, ins-
besondere auf den drei stumpf leistenförmigen Erhebungen,
von denen die äußere paarige vom Auge zum seitlichen Schnau-
zenrande, die mittlere, welche verhältnismäßig am stärksten
entwickelt ist und zwischen den Narinen entspringt, in gerader
Linie zur Mitte des Schnauzenrandes hinzieht. Unter der Lupe
lassen sich leicht die zahlreichen zahnähnlichen Stachelchen
unterscheiden, die auf diesen wulstähnlichen stumpfen Leisten
liegen, die vielleicht bei lebenden Exemplaren nicht so deutlich
hervortreten mögen, als es bei in Weingeist aufbewahrten
Individuen der Fall sein mag. Bei alten Exemplaren (cT) ver-
schwinden die Schuppenplatten der Kopfoberseite in der ver-
dickten Kopfhaut, während sie bei den jüngeren Exemplaren
frei zu Tage liegen und eine polygonale Form zeigen.
Fischarten aus dem Flusse Cubatao. 477
Die Narinen liegen in der Mitte der Kopflänge; die vordere
zeigt einen nur wenig erhöhten häutigen Randsaum, der sich
nach hinten in ein Läppchen verlängert, welches die Mündung
der hinteren Narine vollständig zu schließen vermag. Der Ab-
stand der hinteren Narine vom Auge gleicht bei jungen Exem-
plaren der Länge eines Auges, übertrifft sie aber ein wenig bei
alten Individuen.
Die Unterlippe scheint, nach Dr. Lütken's Abbildung von
Hemipsilichthys (z= Xenomystus) gohio zu schließen, bei
Hemips. cameroni etwas stärker entwickelt und am hinteren
Rande regelmäßiger kreisförmig gerundet zu sein als bei
Hemips. gohio. Die freie Unterseite der Unterlippe ist dicht mit
Papillen besetzt, welche gegen den hinteren, schwach wellig
ausgezackten Rand an Größe abnehmen und nicht unmittelbar
bis zu diesem zurückreichen.
Beide Kiefer tragen eine Doppelreihe von Zähnen. Die
Zähne der Außenreihe stehen dicht aneinander gedrängt, sind
sehr kurz und mit der Spitze ein wenig nach innen umgebogen.
Die viel längeren Zähne der Innenreihe sind mehr minder be-
deutend geringer an Zahl und stehen bei vielen Exemplaren
unserer Sammlung ganz oder teilweise noch nicht aufgerichtet
hinter den Zähnen der Außenreihe, sondern liegen horizontal
zwischen den Schleimhautfalten der Mundhöhle halb ver-
borgen. Sämtliche Kieferzähne zeigen eine goldige Färbung.
Die Länge eines Mandibularastes steht der Stirnbreite um zirka
V2 bis Y5 der Augenlänge nach.
Ein frei vorstehendes Mundwinkelbartel fehlt bei sämt-
lichen Exemplaren unserer Sammlung und nur bei sehr
wenigen jungen Individuen zeigt sich nächst der Übergangs-
stelle der Oberlippe in die segeiförmige Unterlippe eine schmab
schwache Randverdickung, die vielleicht als eine Andeutung
eines Bartels aufgefaßt werden kann.
Der Vorderrand der Schnauze ist bei jüngeren Exemplaren
stärker oval gerundet als bei älteren.
Der Beginn der Dorsale fällt etwas näher zur Basis des
Stachels der Fettflosse als zum vorderen Kopfende und liegt
bei jungen Individuen in vertikaler Richtung genau über, bei
älteren zuweilen ein wenig hinter der Einlenkungsstelle der
32*
478 F. St ein dachner,
Ventralen. Der erste Dorsalstrahl ist auch bei den größeren
Exemplaren nur wenig verdickt, biegsam und an der breiten,
gerundeten Vorderseite dicht mit kurzen Stacheln besetzt, die
zahlreiche schräge, nach oben ansteigende Reihen bilden.
Die Basislänge der Dorsale steht der Höhe derselben stets
ziemlich bedeutend nach; erstere ist zirka P/s" bis P/ornal,
letztere zirka Vl^- bis fast \'^/^m^\ in der Kopflänge enthalten.
Der obere Flossenrand ist fast geradlinig, nur mäßig nach
hinten abfallend und an den Ecken schwach gerundet. Der
letzte, kürzeste Dorsalstrahl gleicht an Höhe ^/g bis ^s ^^^
zweiten längsten Strahles, der nur unbedeutend länger als der
erste ist. Längs der Basis der Dorsale liegt ein nackter, glatter
Hautstreif, der sich hinter der Dorsale an der Rückenlinie fort-
setzt, aber nicht so weit zurückreicht als die Spitze des an-
gelegten letzten Dorsalstrahles.
Der Stachel der Brustflosse ist auch bei jungen Weibchen
mindestens zweimal stärker als der erste Dorsalstrahl, schwach
säbelförmig gebogen, abgeplattet, am äußeren Rande wie an der
Ober- und Unterseite mit Hakenzähnchen besetzt. Seine Länge
nimmt auch bei Weibchen mit dem Alter gleich seiner Bestache-
lung verhältnismäßig rasch zu, so daß die Spitze der Pektoralen
bei ganz jungen Weibchen bis gegen das Ende des ersten
Längendrittels, bei älteren bis zu 9 ein Länge in der Regel bis
zur Längenmitte der Ventralen oder noch darüber zurückreicht.
Ganz auffallend stark entwickelt ist dieser Stachel bei
Männchen von 10-6 bis 13*2cm Länge. Er ist bei denselben
vollkommen geradlinig, bis in die nächste Nähe der Spitze von
gleicher Breite, im Durchschnitt viereckig und dicht mit
kräftigen Stacheln besetzt, von denen die größten, das sind die
am Außenrande und an der Oberseite gelegenen Stacheln, aus
einer dicken, warzenartig angeschwollenen Hautumhüllung
hervorragen. Die Länge des Pektoralstachels ist bei weiblichen
Exemplaren von 5" 4 bis 8-5 cm Länge ausnahmslos etwas
kürzer als der Kopf, bei Männchen von 10' 5 bis 13-lcw
Länge dagegen länger als letzterer und zirka 3 mal in der
Körperlänge enthalten.
Von den Strahlen der Ventrale ist der zweite der ge-
spaltenen Strahlen am längsten; der erste ungespaltene Strahl
Fischarten aus dem Flusse Cubatao. 479
ist im vorderen Teile verdickt und daselbst stets breiter als der
erste Dorsalstrahl, an der Oberseite querüber flach, an der
Unterseite gewölbt. Bei den Weibchen und dem kleineren
Männchen unserer Sammlung reicht die angelegte Ventrale
mit der Spitze ihres längsten Strahles bis zum Beginne der
Anale, bei dem größten Männchen weiter zurück; ihre Länge
ist demnach bei ersteren zirka IY5- bis 1^/5 mal, bei letzterem
ganz unbedeutend mehr als 1 mal in der Kopflänge enthalten.
Der hintere Rand der Flosse ist stark oval gerundet.
Die Anale ist bedeutend höher als lang, und zwar bei den
uns vorliegenden Weibchen je nach dem Alter 2^5- bis fast
3 mal, bei dem größten Männchen mehr als 3 mal höher als
lang. Längs der Basis der Anale zieht sich ähnlich wie bei der
strahligen Dorsale jederseits ein nackter, ganz glatter Haut-
saum hin und setzt sich, mit dem der entgegengesetzten Seite
vereinigt und zuletzt zu einer Linie verschmälert, an der
Bauchfläche noch etwas weiter nach hinten fort, als die zurück-
gelegte Spitze des letzten Analstrahles reicht.
Der hintere Rand der Kaudale ist schräge gestellt,
schwach konkav; der untere Randstrahl reicht weiter zurück
als der obere und beide überragen spitz den hinteren Flossen-
rand ein wenig. Bei den zwei größten Männchen und Weibchen
unserer Sammlung dagegen sind die hinteren Ecken der
Schwanzflosse, und zwar die obere schwächer als die untere
abgerundet.
Der Stachel der Fettflosse ist S^s" bis 4 mal (bei älteren
Exemplaren) enthalten, zart bedornt. An dem basalen Teil
seines Vorderrandes lehnen sich 1 bis 3 (bei Hemips. gobio
aber 6) längs der Mitte kielförmig erhöhte unpaarige Plättchen
innig an und vor diesen liegen bis zum hinteren Ende des
nackten Hautstreifens hinter der strahligen Dorsale 3 bis
5 Reihen flacher Plattenpaare, von denen das eine oder andere
Paar zweilen zu einer einzigen Platte querüber zusammen-
fließen kann.
27 bis 29 Schuppen liegen zwischen dem Seitenrande des
Kopfes und der Basis der Schwanzflosse. Die einzelnen
Schuppenplatten des Rumpfes sind biegsam und in der vor-
deren Rumpfhälfte an der Basis mehr minder schmal und dick
480 F. S t e i n d a c h n e r,
Überhäutet. Namentlich im oberen Teile dieser Rumpfhälfte
werden bei größeren Exemplaren die Schuppen fast lederartig,
doch treten bei allen seitlichen Rumpfschuppen die Umrisse
deutlich scharf hervor, ebenso die zahlreichen, in Längsreihen
geordneten liegenden Stachelchen an der Außenfläche der
Schuppen. Bei jungen Individuen, bis zu 7^2 cm Länge, zeigt
sich überhaupt noch keine Spur einer dickeren Überhäutung am
Kopfe wie am Rumpfe; die Kopf- und Rumpfplatten sind bei
diesen ganz normal gebildet, frei sichtbar wie bei anderen
Plecostomen. Ich halte es daher für sehr wahrscheinlich, daß
die Verdickung der Körperhaut und lederartige Umbildung der
Schuppen am Vorderrumpf mit dem Laichgeschäfte in Ver-
bindung steht, worauf auch die von mir untersuchten Exem-
plare (9 und cf) hinweisen. Diese wurden im September und
Oktober gefangen und sämtUche Weibchen von 8 cm Länge
und darüber tragen vollständig entwickelte legereife Eier, welche
durch ihre namhafte Größe auffallen (siehe Tafel II, Fig. 2 a).
Die Schuppenplatten an der Unterseite des Rumpfes,
vom Beginne der Anale bis zur Schwanzflosse, sind auch
bei von uns untersuchten geschlechtsreifen Männchen nicht
vollständig überhäutet, wie es bei dem von Dr. Lütken be-
schriebenen und abgebildeten Männchen von Heniipsilichthys
(Xenomystus) gohio (vid. Medd. 1873, 1874, p. 217 bis 220,
tab. IV) der F'all ist, sondern liegen vollkommen frei nach
außen.
Normal liegen 2 Plattenreihen über der von der Seitenlinie
durchbohrten Reihe; doch spalten sich dieselben bei älteren
Exemplaren in 3, stellenweise 4 Reihen in der vorderen Rumpf-
hälfte, so insbesondere unterhalb der strahligen Dorsale.
Die beiden ersten Porenmündungen der Seitenlinie fallen
in die hinter und über dem oberen Ende der Kiemenspalte hart
am hinteren seitlichen Kopfrande gelegene nackte Hautstelle.
5 Plattenpaare liegen bei jungen Individuen zwischen der
Spitze des Supraokzipitale und dem Beginne der Dorsale am
Nacken, bei älteren Individuen aber ist jede dieser Platten in
mehrere aufgelöst: 6 Schuppenplatten längs unterhalb der
Basis der Dorsale, 9 zwischen dem letzten Dorsalstrahl und
dem Stachel der Fettflosse, 12 bis 13 zwischen dem Ende der
Fischarten aus dem Flusse Cubatao. 481
Anale und dem unteren Randstrahle der Schwanzflosse an der
Bauchfläche.
Die Unterseite des Rumpfes ist glatt überhäutet bis zum
Beginn der Anale. Die Urogenitalmündung fällt ziemlich weit
vor letzteren, somit auch vor den hinteren Rand der zurück-
gelegten Ventralen und ist gleich weit von den Mundwinkeln
wie von der Basis der Schwanzflosse entfernt.
Rücken und Seiten kupfer- bis violettbraun, im ersteren Falle
mit dunkleren, schmutzig dunkelvioletten, verschwommenen
wolkigen Flecken, in letzterem mit kupferbraunen Flecken
namentlich in der oberen Rumpfhälfte, daselbst zuweilen fast
kurze Querbinden bildend. Unterseite rötlichgelb oder bräunlich-
gelb, seltener bei jungen Individuen, namentlich an der Unter-
seite des Kopfes mehr minder wässerig weißlichgelb. Sämtliche
Flossen zeigen zahlreiche dunkel grauviolette Fleckchen in
schrägen, respektive quer gestellten Reihen. Auf der Schwanz-
flosse fließen diese Flecken nicht selten zu Querbinden zu-
sammen, auf der Anale verschwinden sie bei älteren Individuen
mehr minder vollständig.
Der hier gegebenen Beschreibung liegen 19 Weibchen
von 5-8 bis 10 cm Länge und 4 Männchen von 10-5 bis
13'3o'W zu Grunde, welche von Herrn Julius Michaelis im
Flusse Cubatao, welcher das Gebiet der ExkolonieTheresopolis
im Staate Santa Catharina durchfließt, in einer Höhe von 800
bis 1000 Fuß über dem Meere in den Monaten September und
Oktober gefangen wurden.
D. I, 7. A. 1,5. V.I,5. P.I,6. C. 1/13 bis 14/1. Sc. 1. 27 bis 29.
Ich habe mir erlaubt, diese, wie ich glaube, noch un-
beschriebene zweite Art (oder Abart) der Gattung Hemipsi-
lichthys Sr. Exzellenz dem Herrn Minister für Handel und
Industrie Dr. Miguel Calmon du Pin e Almeida in Rio
Janeiro als ein Zeichen meiner Verehrung und Dankbarkeit zu
widmen.
2. Tetragonopterus fasciatus Cuv., Steind. var. longirostris
Steind. (an n. sp.?).
Sämtliche (23) Exemplare von 5 '5 bis 10' 2 cm Länge,
welche mir aus dem Flusse Cubatao vorliegen, stimmen zwar
482 F. Steindachner,
in allen wesentlichen Eigentümlichkeiten, so z. B. in der Zahl
der Schuppenreihen am Rumpfe und der Analstrahlen, mit
T.fasciatus überein, unterscheiden sich aber auffällig in der
Kopfform sowie auch bezüglich der relativen Länge des Kopfes
und der geringeren Höhe des Schwanzstieles. Die obere Profil-
linie des Kopfes zieht in vollkommen gerader Richtung vom
Hinterhaupte nach vorn und ist längs der Schnauze nicht
gebogen, konvex, wie es gewöhnlich bei dieser Art der Fall
zu sein pflegt. Die Schnauze endigt vielmehr, im Profile
gesehen, stumpf konisch und überragt ein wenig, schwach
nasenförmig, den Vorderrand der Kiefer und fällt von ihrem
äußersten vorderen Ende schräge nach hinten und unten ab.
Die Schnauze erscheint hiedurch etwas länger, da der Unter-
kiefer nicht stumpf vorspringt.
In den Maßverhältnissen unterscheiden sich die Exemplare
aus dem Rio Cubatao nur teilweise von jenen anderer Lokali-
täten. Die Körperform ist gestreckt, die größte Rumpfhöhe
etwas mehr oder weniger als 3 mal, die Kopflänge dagegen bei
jüngeren Exemplaren SVsinal, bei älteren etwas mehr als
?>^/^m&.\ (bei T. fasciatus aus anderen Gegenden konstant 4 m
in der Körperlänge ohne C), der Augendurchmesser, die
Schnauze sowie die Breite derStirne zirka je S-bisSVsmal in der
Kopflänge (mit Ausschluß des häutigen Deckellappens) ent-
halten; nur bei einem großen Exemplare von \\-2cin Länge
ist die Schnauzenlänge sowie auch die Stirnbreite, namentlich
erstere, merklich bedeutender als die Länge des Auges. Bei
typischen Exemplaren von T. fasciatus ist die Schnauze
kürzer als das Auge.
Das hintere Ende des Oberkiefers fällt in vertikaler
Richtung unter das Ende des ersten Längendrittels des Auges,
bei dem früher erwähnten großen Exemplare aber ausnahms-
weise unter die Augenmitte. Am vorderen Endteile des Ober-
kiefers liegen durchschnittlich drei Zähne.
Während bei der typischen Form von T. fasciatus die
geringste Höhe des Schwanzstieles die Hälfte der Kopflänge
ein wenig übertrifft, ist sie bei der hier angeführten Abart
2V3- bis 275 mal in der Kopflänge enthalten.
Fischarten aus dem Flusse Cubatao. 483
Die Dorsale liegt mit ihrem ersten Strahle ebensoweit von
der Basis der Schwanzflosse wie von dem vorderen Kopfende
entfernt, ebenso die Einlenkungsstelle der Ventralen. Die Anale
enthält zwei einfache und 16 bis 18 gespaltene Strahlen. Die
Spitze der zurückgelegten Pektoralstrahlen reicht nicht bis zum
Beginn der Ventralen. Letztere variieren ein wenig an Länge,
vielleicht nach dem Geschlechte, sind stets aber ziemlich
bedeutend kürzer als die Brustflossen und reichen genau oder
nahezu bis zur Analgrube zurück.
Die Seitenlinie durchbohrt 34 bis 36 Schuppen am Rumpf
und 1 bis 2 auf der Basis der Schwanzflosse; 6 Schuppen-
reihen zwischen der Basis des ersten Dorsalstrahles und der
Seitenlinie und 4^2 bis 5 zwischen letzterer und den Ventralen.
Der schwarzbraune Humeralfleck ist mit wenigen Ausnahmen
sehr scharf ausgeprägt, oval oder rundlich, von einer hell gold-
grauen Zone umgeben und zuweilen nach unten in einen
schmalen querstrichartigen Anhang ausgezogen. Auch die
schwärzlichgraue, ziemlich breite Seitenbinde des Rumpfes
tritt scharf hervor, namentlich vom Beginn der Ventralgegend
an und breitet sich vor der Basis der Schwanzflosse in der
Regel fleckartig aus.
3. Characidium fasciatum Rhdt.
3 Exemplare, 5-6 bis 7-65 cm lang.
Schnauze am vorderen Ende fast abgestutzt, etwas
rascher zur Stirne ansteigend als der Rest des Kopfes zum
Beginn des Nackens, Kopflänge gleich der größten Rumpfhöhe
ein wenig mehr als 4 mal in der Körperlänge (ohne C), Augen-
länge gleich der Stirnbreite zirka 3^j^mal, Schnauzenlänge
zirka Sy^mal, größte Kopf breite 1 7g mal in der Kopflänge,
Höhe des Schwanzstieles zirka 2 mal in der größten Rumpf-
höhe enthalten.
Die Pektorale übertrifft den Kopf ein wenig an Länge und
wird von 11 bis 12 Strahlen gebildet, von denen die drei oberen
nicht gespalten sind. Die Strahlen der Brustflosse nehmen bis
zum sechsten an Höhe zu und der letzte ist etwas kürzer als der
zweite. Die Spitze der angelegten Ventrale fällt ein wenig vor den
Beginn der Ventralen. Letztere sind ein wenig kürzer als der
484 F. Steindachner,
Kopf und enthalten acht Strahlen, von denen der dritte der ge-
spaltenen Strahlen am längsten ist. Die Spitze der Ventralen
reicht nahezu bis zum Beginn der Anale, deren hinterer Rand
nur sehr wenig schräge gestellt und geradlinig abgestutzt ist.
Die Dorsale beginnt in vertikaler Richtung nur unbedeutend
vor der Einlenkungsstelle der Ventralen und die Entfernung
des ersten Dorsalstrahles vom vorderen Kopfende ist um etwas
mehr als eine Schnauzenlänge geringer als die von der Basis
der mittleren Strahlen der Schwanzflosse. Die Höhe der Dorsale
übertrifft die Basislänge derselben äußerst wenig und gleicht
zirka Yg der Kopflänge. Der obere Rand der Rückenflosse ist
breit gerundet. Die Entfernung des hinteren Basisendes der-
selben von der Fettflosse kommt ziemlich genau der Kopflänge
gleich.
Die Seitenlinie durchbohrt 32 bis 34 Schuppen am Rumpf
und zwei auf der Schwanzflosse. Die schwarzgraue Seitenbinde
des Rumpfes ist bei einem der zwei größeren Exemplare von
7 -bau Totallänge sehr scharf ausgeprägt und ziemlich breit, die
Querbinden dagegen sind äußerst schwach angedeutet. Bei dem
kleinsten Exemplare von 5 • 6 cm Länge liegen acht dunkelbraune
Querbinden in fast gleichen Abständen voneinander am Rumpf
und die vierte derselben fällt unter die Basismitte der Dorsale,
dagegen ist der mediane schwarzgraue Längsstreif der Körper-
seiten schmal. Bei dem dritten großen Exemplar ist der breite
dunkle Seitenstreif in der vorderen Rumpfhälfte namentlich
stark verschwommen. Zwei Reihen dunkler Fleckchen auf der
Dorsale, parallel zum oberen Rande derselben. Zwei nicht
scharf ausgeprägte, breitere, schmutzig violette Querbinden auf
der Schwanzflosse bei den zwei größten Exemplaren und drei
Querreihen strichelartiger Längsfleckchen bei dem kleinen
Exemplare.
4. Rhamdella ignobilis n. sp.
Körper komprimiert, Schwanzstiel schlank, Kopf nach
vorn mäßig an Breite abnehmend, am Vorderrande oval
gerundet. Oberkiefer sehr wenig den Unterkieferrand über-
ragend. Oberseite des Hinterhauptes querüber stärker gewölbt
als die Stirngegend. Okzipitalfortsatz schlank, dünn überhäutet
Fischarten aus dem Flusse Cubatao. 485
bis zur Dorsalplatte, Stirnfontanelle bis zur Basis des Okzipital-
fortsatzes zurückreichend. Leibeshöhe 5^/5- bis mehr als
öVsnial, Kopflänge 4-bis4V3rnal in der Körperlänge (ohne
C), Kopf breite zwischen den Deckeln P/5- bis lYsmal, Breite
der Mundspalte 2Y5- bis 272nial, Augendiameter 4Y3- bis
4 mal, Stirnbreite 3- bis 3^/^ mal, Länge der Schnauze 2^/--
bis 2Y3mal, der schlanke Stachel der Dorsale l'^/^msd, der
kräftige Pektoralstachel 1^4 mal, Basislänge der Dorsale P/^-
bis P/s mal, Länge der Bauchflossen etwas mehr lYgmal, der
etwas längere, obere Lappen der Schwanzflosse kaum mehr als
Imal in der Kopflänge enthalten. Der Okzipitalfortsatz ist zirka
IV2- bis etwas mehr als 2 mal länger als breit (an der Basis).
Zahnbinde im Zwischenkiefer zirka 3 mal breiter als lang. Die
Maxillarbarteln reichen höchstens bis zum hinteren Basisende
der Dorsale, die äußeren Unterkiefer oder Postmentalbarteln
kaum über die Basis der Pektoralen, die inneren zirka bis
zum hinteren Augenrand oder unbedeutend weiter zurück.
Der schlanke Dorsalstachel ist beiderseits glatt, der
kräftigere Stachel der Brustflossen am Innenrande mit starken
Hakenzähnen bewaffnet.
Die Einlenkungsstelle der Ventralen fällt in vertikaler
Richtung fast unter das hintere Basisende der Dorsale. Die
Basislänge der Fettflosse gleicht der Kopflänge oder über-
trifft sie ein wenig und der Abstand derselben von der Basis
des letzten Dorsalstrahles ist durchschnittlich nicht kürzer,
in seltenen Fällen unbedeutend länger als die Basis der
Dorsale. Schwanzflosse tief eingebuchtet, der obere Lappen
ein wenig länger als der untere. Das hintere Basisende der
Anale fällt stets vor das der Fettflosse.
Die geringste Höhe des Schwanzstieles gleicht 'Y? bis V9
der größten Rumpfhöhe oder zirka Y5 bis Ys der Kopflänge.
Die untere kleinere Hälfte der Dorsale ist wasserhell, die
obere sehr dicht und zart grauviolett punktiert. Eine dunkel-
graue Linie oder ein etwas breiterer Streif, verhältnismäßig am
schärfsten in der hinteren Rumpfhälfte ausgeprägt, läuft längs
der Höhenmitte des Rumpfes hin.
Die größten Exemplare unserer Sammlung sind 13- 1 cm
lang.
486 F. St ein dachner,
Die Anale enthält nur 10 bis 12 Strahlen. P. 1/8—9. D. 1/6.
V. 6. C. 14/8—8/12.
Die hier beschriebene Art dürfte am nächsten mit Rhant-
della jenynsii (Gthr.) verwandt sein, doch zeigt letztere eine
schlankere Körperform, viel längere Maxillarbarteln und die
Spitze des Okzipitalfortsatzes erreicht nicht die Dorsalplatte.
5. Heptapterus mustelinus (Valenc.) Gthr.
12 Exemplare von 10*6 bis 15 '6 cm Länge.
Leibeshöhe zwischen Dorsale und den Ventralen 8- bis
S^^rnal, Kopflänge 4Y2- bis nahezu 5 mal in der Körperlänge
(ohne C), Augendiameter 11- bis 13mal, Stirnbreite 3Y7- bis
43/5 mal, Schnauzenlänge 2^5- bis nahezu 3 mal, Kopf breite
l^/^mal, Länge der Pektoralen gleich jener der Ventralen etwas
mehr als 1 2/3 mal, Basislänge der Dorsale 2 mal, größte Höhe
derselben nahezu P/smal in der Kopflänge, Länge der Fett-
flosse 2V2- bis 2^5 mal in der Körperlänge (ohne C.) enthalten.
Die Oberseite des Kopfes ist mit einer ziemlich dicken
Haut umhüllt und namentlich bei alten Individuen nahezu flach.
Die Zahnbinde im Zwischenkiefer etwas mehr als 2Y2mal
breiter als lang und minder weit seitlich ausgedehnt als die
des Unterkiefers, welche gegen die Mundwinkel zu sich ver-
schmälert. Die Maxillarbarteln reichen nur zuweilen bei
jüngeren Individuen nahezu oder genau bis zum hinteren
seitlichen Kopfrande zurück, nicht aber bei den größeren
Exemplaren unserer Sammlung und sind bei diesen zirka
1-/5 mal, die äußeren Mentalbarteln zirka 2 mal, die inneren
zirka 3^5 mal in der Kopflänge enthalten. Der obere Mund-
rand überragt nur ganz unbedeutend und bogenförmig den
Rand des Unterkiefers, die Breite der Mundspalte zwischen
den Mundwinkeln gleicht durchschnittlich der Hälfte der Kopf-
länge.
Der Beginn der Dorsale fällt in vertikaler Richtung genau
über oder ein wenig vor die Einlenkungsstelle der Ventralen und
ist 2- oder ein wenig mehr als 2 mal näher zum vorderen Kopf-
ende gelegen als von dem hinteren oberen Ende der Schwanz-
flosse entfernt. Die Höhe der Flosse ist in ihrem Verhältnis
zur Basislänge ein wenig variabel, übertrifft aber letztere zum
Fischarten aus dem Fiusse Cubatao. 487
mindesten ein wenig. Der Abstand des hinteren Basisendes der
Dorsale von dem Beginne der langen Fettflosse gleicht der
Höhe der Dorsale und die Länge der Fettflosse bis zu ihrer,
Vereinigung mit den oberen vordersten kurzen Stützstrahlen der
Schwanzflosse beträgt ein Drittel der Totallänge mit Einschluß
der Schwanzflosse oder übertrifft dasselbe noch ein wenig. Der
'Beginn der Anale fällt bald über, bald ein wenig hinter den
Beginn der Fettflosse. Die Basislänge der Anale gleicht
ziemlich genau der Länge des Kopfes und die Höhe ihrer
längsten Strahlen erreicht nicht ganz die Hälfte der Basislänge
derselben Flosse.
In geringer Entfernung hinter der Anale beginnt am
unteren Rande des Rumpfes die lange Reihe kurzer Stütz-
strahlen der Schwanzflosse, die in einer dicken Haut umhüllt
liegen. Der hintere Rand der Kaudale ist schräge nach unten
und vorn abgestutzt, doch an den freien Ecken mehr oder
minder schwach abgerundet. Die längsten Strahlen, im oberen
Teile der Flosse gelegen, erreichen nicht ganz eine Kopflänge.
Eine grauschwarze Linie folgt dem Verlaufe des deutlich
erkennbaren Seitenkanales.
Die Anale enthält bei keinem der zahlreichen von mir
untersuchten Exemplaren dieser und anderer Sammlungen mehr
als 18 und weniger als 1(3 Strahlen; ich bin daher der Ansicht,
daß die von Herrn Dr. Eigenmann und Frau in ihrer vor-
trefflichen »A Revision of the South American Nematognati or
Cat-Fishes« auf p. 144 und 145 als Heptapterns mustelinus
(Val.) nach Exemplaren von Maldonado beschriebene Art
von dieser spezifisch zu trennen sei, und zwar nicht nur
wegen der bedeutenderen Zahl der Analstrahlen (24 gegen
18), sondern auch wegen der Länge der MaxiUar- und
Mentalbarteln, die nach Eigen mann bis zur Mitte der
Pektoralen, respektive bis zum Ende der Kiemenspalte reichen.
Ich schlage für diese Art die Bezeichnung Hept. eigeninamii vor.
Bezüglich der Schwimmblase von Heptapterns mustelimis
(Val.) sei erwähnt, daß dieselbe nicht freiliegt, wie Eigen-
mann, 1. c, p. 143, angibt, sondern, der Form nach zwei
aneinander gedrückten ovalen Blasen ähnlich, dicht unter der
plattenförmigen Ausbreitung der vereinigten Querfortsätze der
488 F. Steindachner,
vorderen Wirbel gelegen, mit letzteren längs der Mittellinie
innig verbunden ist.
6. Xenocara brevipinnis, Rgn. juv.
8 Exemplare, cf, 7-8 bis lO-o cm lang, und zahlreiche
Weibchen von 9 bis 10-2 cm Länge.
Bei dem größten Männchen unserer Sammlung ist die
Länge des Kopfes etwas mehr als 2^2 mal, die Kopfbreite
zwischen Deckeln mehr als 2Y4mal, die Leibeshöhe ein wenig
mehr als 5 mal in der Körperlänge (ohne C), der Augendiameter
etwas mehr als 8 mal, die Stirnbreite mehr als 2^3 mal (bei
jüngeren Exemplaren kaum 2^2 mal), die Schnauzenlänge zirka
lY^^mal in der Kopflänge, die Länge eines Mandibularastes
genau 2 mal (bei jüngeren Exemplaren zuweilen P/^mal)
in der Stirnbreite enthalten.
Der Pektoralstachel steht an Länge dem Kopfe nur wenig
nach und zurückgelegt reicht seine Spitze nahezu bis zur
Längenmitte des Ventralstachels, während bei 9 die Spitze
des Pektoralstachels unbedeutend die Basis der Ventralen
überragt.
Nur bei 3 der untersuchten Exemplare ist die ganze Rücken-
und Bauchseite hell gefleckt, bei einigen anderen die Oberseite
des Kopfes oder die Bauchfläche allein. Sämtliche Flossen dunkel
gefleckt. Oberer und unterer Randstrahl der Schwanzflosse an
der Spitze bläulichweiß. 23 bis 24 Schilder in einer Längsreihe
am Rumpfe.
7. Loricaria Henselii n. sp.
1 Exemplar. Totallänge bis zum äußersten hinteren Ende
der C. 8-5 cm, ohne C. 7 -5 (;;;?, Kopflänge bis zum hinteren
Rande der Temporalplatte 2 • 1 cm. Sehr nahe verwandt mit
Loricaria strigilata, aber durch die größere Länge des Kopfes
und die geringere Zahl der Rumpfschilder von letzterer ab-
weichend.
Kopflänge 3Y7 mal in der Körperlänge (ohne C), Kopfbreite
zirka P/smal, Augendiameter fast 7mal, Stirnbreite zirka 4mal,
Schnauzenlänge 2 mal, Höhe des Dorsalstachels zirka l^iemal,
Fischarten aus dem Flusse Cubatao. 489
Länge der Ventrale 3 mal, der Pektorale 2V3mal, oberer Rand-
strahl der Schwanzflosse lYism^l in der Kopflänge enthalten.
27 Schilder in einer Längsreihe am Rumpfe. Der obere der
beiden Seitenkiele des Rumpfes wird erst unterhalb der Dorsale
deutlich, beide Kiele rücken an dem 18. Schilde der Seitenlinie
dicht aneinander, nur durch einen linienförmigen Zwischen-
raum voneinander getrennt. Supraokzipitale mit 2 etwas nach
hinten divergierenden zarten Kielen, ebenso die beiden sich
anschließenden Nackenplatten; Lippen dicht mit rundlichen
Papillen besetzt, am freien Rande kurzlappig (cc*.^) einge-
buchtet.
Die Breite des Rumpfes nächst dem Beginne der Anale
ist zirka 4Y4^mal in dem Abstände desselben von der Basis
der Schwanzflosse enthalten. Abdomen mit 5 Plattenreihen
zwischen der hinteren Platte der seitlichen Schienenreihe, vordere
Platten der Bauchfläche kleiner und zahlreicher. Analplatte
nach vorn von 3 Platten und diese von 5 begrenzt.
Die erste der 4 dunklen ziemlich breiten Querbinden liegt
hart am Beginn der Rückenflosse, die zweite etwas schärfer
abgegrenzte und breitere Querbinde nächst hinter der Dorsale,
die dritte unmittelbar hinter der Spitze der zugelegten Anale.
2 ziemlich breite grauviolette Querbinden auf der Schwanz-
flosse; die vordere liegt an deren Basis und ist nur durch einen
schmalen Zwischenraum von der etwas breiteren, hinteren
Binde getrennt, welche fast die ganze hintere Hälfte der
Kaudale einnimmt; 2 bis 3 schräge, meist ziemlich ver-
schwommene Binden auf jeder der übrigen Flossen.
8. Loricaria cubataonis n. sp.
1 Exemplar. Totallänge 6-5 cm, Kopflänge 1 -4: cm, Kopf-
breite 1cm; Körperlänge ohne C. ö-4cm. Der ganze Körper
fühlt sich sehr rauh an, da jede Schuppenplatte des Kopfes
sowie des Rumpfes mehr minder zahlreiche zarte Längskiele
trägt, die von mehr minder zusammenfließenden, schräg-
gestellten Dörnchen gebildet werden und nach hinten in einen
vorspringenden Dorn auslaufen. Der ganze untere stumpfe
Seitenrand des Kopfes ist dicht mit haarförmigen kurzen
Stachelchen besetzt. 2 stärker vortretende Leistchen liegen
490 F. St ein dachner,
Überdies am Supraokzipitale und auf den beiden vor der
Dorsale befindlichen Nackenplatten. Oberer Randstrahl der
Kaudale länger als der untere, doch nicht fadenförmig ver-
längert. Supraorbitalrand ein wenig erhöht. Kopf nach vorn
sich gleichmäßig verschmälernd, Auge klein, 7 mal, Stirnbreite
zirka 372^^1, Schnauzenlänge 2 mal, Pektorale zirka lYgOial,
Ventrale nahezu 2 mal, oberer Randstrahl der Schwanzflosse
zirka l'^/^msd in der Kopflänge enthalten.
27 Schilder in einer Längsreihe des Rumpfes. Die Seiten-
kiele desselben rücken von der 10. Platte von der Kaudale an
bis zur letzteren sehr enge aneinander. Unterseite des
Kopfes nackt.
Nur zwischen den Ventralen und etwas vor diesen
schließen sich die Bauchschilder, eine oblonge Gruppe bildend,
enge aneinander. Zwischen den 2 letzten Platten der seitlichen
Schienenreihe sind sie durch häutige Zwischenräume von-
einander getrennt, die aber schmäler als die daselbst gelegenen,
drei- bis fünfreihigen Platten sind. Weiter nach vorn werden
die Bauchplatten rasch kleiner, zugleich viel zahlreicher und
ragen zwischen den vorderen Seitenplatten, die gleichfalls
rasch an Umfang (namentlich querüber) abnehmen, nur mehr
als kleine, unregelmäßig gelagerte Punkte und durch nackte
Hautstellen verhältnismäßig weit voneinander getrennt, hervor.
Die Analplatte ist von 3 Platten halbkreisförmig umgeben. Die
Spitze des angelegten Pektoralstachels reicht nur wenig über
die Einlenkungsstelle der Ventralen zurück. Der Dorsalstachel
ist unbedeutend länger als der Stachel der Pektorale.
Rumpf mit 4 grauvioletten Querbinden, genau so wie bei
der früher beschriebenen Art angeordnet. Schwanzflosse mit
2 Querbinden, die übrigen Flossen mit 2 bis 3 minder deutlich
entwickelten Flecken in schrägen Reihen. Rumpf breite zunächst
dem Beginne der Anale 5 mal in der Entfernung des ersten
Analstrahles von der Basis der Schwanzflosse enthalten.
9. Plecostomus obtusirostris n. sp.
1 Exemplar, bis zur äußersten Spitze der Schwanzflosse
b-9cm lang. Kopflänge nahezu 2-6cin, Körperlänge ohne C.
4" 6 cm.
Fischarten aus dem Flusse Cubatao. 491
Größte Körperhöhe etwas mehr als SY^mal, Kopflänge
3mal in der Körperlänge ohne C, Kopfbreite nahezu P/gmal,
Augendurchmesser unbedeutend mehr als 7 mal, Stirnbreite
zirka 22/5 mal, Kopf höhe 2 mal in der Kopflänge, ein Mandibular-
ast 1 Ys mal in der Stirnbreite enthalten, Schnauze breit, Stirne
querüber flach.
Die Höhe der Dorsale gleicht der Kopflänge mit Aus-
schluß des postorbitalen Teiles des Kopfes und übertrifft nur
äußerst wenig die Länge der Pektorale sowie der Ventrale.
Die Spitze der zurückgelegten Pektorale reicht zirka bis zum
Ende des ersten Längendrittels der Ventrale. Ein sehr be-
deutender Zwischenraum trennt das hintere äußerste Ende der
zurückgelegten Dorsalstrahlen von der Basis des Stachels der
Fettflosse. Schwanzstiel fast 3 mal höher als lang. Die Basis-
länge der Dorsale gleicht genau ihrem Abstände von der
Fettflosse.
Die hinteren Ränder des Supraokzipitale stoßen unter
einem Winkel zusammen, der etwas größer als ein rechter ist,
und sind jederseits von nur einem Schilde begrenzt, das gegen
das obere Ende sich verschmälert und daselbst mit seiner
Spitze mit dem der entgegengesetzten Seite zusammenstoßt.
Am unteren Seitenrande des Kopfes liegen zirka 3 bis
4 Reihen zarter Bürstenzähne, von denen die der mittleren
Reihe am stärksten entwickelt sind. Bauchseite nackt.
Rumpfschilder nicht gekielt, gezähnt. Sc. 1. 27. Körper un-
gefleckt. Kaudale und Dorsale mit grauvioletten Flecken geziert.
D. 1/7. A. 1/4. P. 1/7.
In der Körperform steht diese Art dem Plecostomtts Lütkein
sehr nahe, unterscheidet sich aber von letzterer nebst anderen
Eigentümlichkeiten durch die auffallend geringere Größe der
Augen, die wohl bei größeren Exemplaren von P. Lütkeni,
z. B. von 14-7 cm Länge, wohl nur Y7) bei kleineren Individuen
von 10*4 cm Länge aber Ve einer Kopflänge beträgt, und durch
die schwächere Entwicklung der Dorsale. Auch in der Form
des Supraokzipitale und dessen hinterer Begrenzung weichen
beide Arten voneinander ab; überdies ist der Abstand der
Dorsale von der Fettflosse bei P. Lütkeni viel geringer als bei
P. ohtnslrostris.
Sitzb. d. mathem.-naturw. Kl.; CXVI. Bd., Abt. I. 33
492 F. Steindachner, Fischarten aus dem Flusse Cubatao.
10. Girardinus (Glaridodon) januarius Hens.
4 Exemplare, 4 bis 4-7 cm lang.
Von den linienförmigen Querstreifen am Rumpfe ist der
unmittelbar hinter der Dorsale gelegene Streif weitaus am
breitesten und sehr scharf ausgeprägt, auch dunkler als die
übrigen, von denen die vordersten bei den mir vorliegenden
Exemplaren äußerst schwach angedeutet sind.
11. Geophagus brasiliensis (Q. Gaim.) Kner.
Zahlreiche junge Exemplare bis zu 11 cm Länge, mit
dunkleren Querbinden am Rumpfe und einer gleichfalls dunkel-
braunen Nackenbinde, die im Bogen (mit vorderer Konvexität)
über die Seiten des Kopfes bis in die Nähe des Vordeckel-
winkels zieht und vom Auge unterbrochen wird.
Erklärung der Tafeln.
Tafel I.
Hemipsilichthys cameroni n. sp., cf, ad., in natürlicher Größe.
Fig. 1. Seitliche Ansicht.
Fig. 1 a. Untere Ansicht des Kopfes und Vorderrumpfes.
Fig. 1 b. Obere Ansicht des Kopfes bis zur Dorsale.
Fig. 2. Schwimmblase von Heptaptcrus mnstelimis (Valenc.) Gthr.
Tafel II.
Fig. 1, \a. Hemipsilichthys cameroni r\. sp., (^,]\m.
Fig. 2,2a. > . n. sp., «J, ad.
Dr. F. Steindachner: Fischarten aus dem Flusse Cubatao.
Tafel I.
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Sitzungsberichte der kais. Akad. d. Wiss., math.-naturw. Klasse, Bd. CXVI, Abt. I, 190<
(Dr. F. Steindaehner: Fischarten aus dem Flusse Cubatao.
Tafel II.
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Sitzungsberichte der i<ais. Akad. d. Wiss., math.-naturw. Klasse, Bd. CXVI, Abt. I, 1907.
493
Koleopterologisehe Ergebnisse der mit Sub-
vention der kaiserlichen Akademie der Wissen-
schaften in Wien im Frühjahr 1905 ausgeführ-
ten Forschungsreise nach Montenegro und Al-
banien
Viktor Apfelbeck,
Kustos am bosnisch-hercegoviiiischcn Landcsmttseiim in Sarajevo.
(Vorgelegt in der Sitzung am 21. März 1907.)
Im folgenden übergebe ich das Resultat der mit Subvention
der hohen Akademie der Wissenschaften in den Monaten April
und Mai 1905 ausgeführten Forschungsreise nach Montenegro
und Albanien. Die Hauptaufgabe bildete die Erforschung der
Koleopterenfauna der albanesischen Hochgebirge in der
Landschaft »Merdita«, dem Gebiete des Miriditenstammes, an
der Grenze der »Dibra« (Debra) und »Ljuma«. Außerdem
wurde noch das Maranaigebirge nordöstlich von Skutari im
Gebiete des Malsorenstammes mit Erfolg besucht.
Bei meiner Rückkehr aus der Merdita ließ ich einen
geschulten Sammler des bosnisch-hercegovinischen Landes-
museums, Latif Buljukbasic, welcher auch die Reise mit-
gemacht hatte, in der Merdita zurück mit der Weisung, noch
einige Wochen in den Hochgebirgen »Munela« und »Zebia«
bei Fandi zu sammeln. Zur Beschaffung weiteren Materiales
entsendete ich im Mai 1906 noch den Präparator des bosnisch-
hercegovinischen Landesmuseums, Adolf Winneguth, auf
2 Monate in die Merdita, wo derselbe wieder in den
Hochgebirgen Munela und Zebia mit Erfolg Aufsammlungen
machte.
33*
494 V. Apfelbeck,
Um das Faunenbild der Merdita möglichst auszugestalten,
habe ich daher auch das durch die beiden Genannten beschaffte
Material bei der folgenden Arbeit verwertet.
Sammelergebnisse.
A. Montenegro.
I. Umgebung von Ceti n je.
Karstterrain mit Buschwald {Carpinus duinensis, Fra-
xinus ornus, Acer, Crataegus, Steineichen), spärlich, stellen-
weise dicht bewachsen.
Charakterformen der Humusschichten: Bythmus cetin-
jensis Apf. n. sp., Bythinus Lanieerei Holdh., Tetramelus
ptmiceiis cetinjensis Apf. n. subsp., Molops Parreyssi Kr.,
Tomoderus dalmatinus Reitt., Cepheujimincetiiijense Apf. n. sp.,
Hylaia dalmatina Kaufm., Platyderus dalm-atinus Mi 11.
Auf Sträuchern: Stomodes Schatißtssi Mi 11., Otiorrhynchtis
dalmatinus Gyllh. (var. pedihus rufis), truncatus Stierl,
rliacusensis Germ., consentaneus crivosciaiiiis Apf., Heydeni
Stierl., rhamni Apf., crmipes M i 1 1., Sturanyi A p f. n. sp., perdix
tlialassiuus Apf. Der mitteleuropäische Bythivius crassicomis
Motsch. fehlt, tritt aber weiter südlich in den Gebirgen der
albanesischen Landschaft »Merdita« bei Oroshi wieder auf. Bei
Cetinje erscheint er durch Bythinus cetinjensis Apf. ersetzt
zu sein.
II. Umgebung von Rjeka.
Karstterrain mit Buschwald, wie bei Cetinje, außerdem
hier schon mediterrane Sträucher: Granate, wilde Feige,
Paliurus.
Im Humus: Bythinus dalmatinus Reitt., Leptomastax
hypogaeus P i r a z., Tomoderus dalmatinus Reitt., Laena ferrii-
ginea Küst. und L. Kaußnamii Reitt., Hylaia dalmatina
Kaufm.
Auf Strauch ern: Catomus lapidicola Küst., Otiorrhynchus
Sturanyi Apf., perdix thalassinus Apf., longipennis Stierl.
crinipes Mi 11., rliacusensis Germ., dalmatinus Gyllh., Heydeni
Koleopterologische Ergebnisse. 49o
StierL, Helops exaratiis Germ., Phyllohms monfamis Mill.,
hrevis Gyllh., Polydrosus hrevipes Kiesw.
In der Rjekaquelle an bemoosten, vom Wasser bespülten
Steinen: Ochtkehius metallesceris Rosenh., montanns Friv
und montenegrinuo Gangib., Bemhidion hypocrita Dej.,
Redtenhacheri Dan., Lesteva Joitgelytrata Goeze.
Am Ufer des Rjekafiiisses unter verfaultem Schilfe: Aue-
madns Karamani Gangib. in Mehrzahl.
B. Albanien.
I. Skutari.
a) Große Ebene »Stoj«, nordöstlich der Stadt zwischen
dem. Skutarisee und dem Gebirge -Cukali« und -Maranai«.
Schotterboden, ausgedehntes Weideland, mit Asphodehis
ramosus reichlich bewachsen.
Unter Steinen vorwiegend: Zahriis tncrassafit^s Germ.,
Harpahis dimidiaUis Rossi, Dolicaon illyricus Er., Pedinns
helopioides Ahr., Chrysomela haenioptera L. und orieiitalis
Oliv. Fauna sehr arm.
b) Seegebiet, am östlichen Ufer: Apristtis stihaeneus
Chaud., Aleochara egregia Apf. n. sp., Platynus vidims moestus
Duft., Bagous mipkaris Apf. n. sp., B. nodtilosiis Gyllh., siib-
carinatus Bris., frit Gyllh., limosus Gyllh., lutosus Gyllh.
und hitulentus Gyllh., Hydronontus alisuiatis Marsh., Echino-
cnemtis confustis Fa.u st, Mecynotarsus serricornis Panz.; im
Sumpfwasser: Halipltis dalmatiniis J. Müll.
c) Bo janagebiet, am Ufer der Bojana, stellenweise Auen
(Weiden, Pappeln): DysckirUts Lafertei Putz., üiterniedins
Putz., ruficornis Fniz., aeneus Dej., nitidus Schaum, Bem-
hidion inserticeps Chaud., splendidiiin Sturm, latiplaga Chaud.,
Platynus Holdkaitsi Apf., Poeciltis Rebeli Apf., striatoptmctahis
Duft., cupreus L., Paropkonus hirsiituhis Dej., Microlestes
plagiatus Duft., Metabletus impressns Dej. (sagitta Reitt.),
Cymindis axillaris lineola Du f., Pkilontkus riifimaniis Er.,
Reickenbackia simplicior Raffr. und trigonoprocta G an gib.,
Bytkinus albanicus Apf. n. sp., bojaneusis Apf. n. sp., Miridita
Apf. n. sp., scutarensis Apf. n. sp., Nargits velox Spence (sehr
496 V. Apfelbeck,
häufig), Bledius fossor Heer, dissimilis Er., atricapiUns Germ.,
flexicornis Apf. n. sp., Laena Kaufinanni Reitt. und ferruginea
K ü St., Pseudotomoderus compressicollis M o t s c h., Colotes macu-
latus Lap., Aeohis crucijer Rossi, SyncaJypta paleata Er.,
Tribaltis mininms Rossi, Pachuephorns pilostis Rossi, tessel-
laius Duft, und villosus Duft, (aspericollis), Anthicus teiiellits
L a f. , Schniidti R o s e n h ., // ispidus Rossi, Och thenom us unifas-
ciatus Bon. und temticolHs Rossi, Amaurony. x Maerkeli Auhe,
Egadroma niarginata Dej.
Unter verpilzter Rinde alter Celtisbäume: AlpJtitobius
gracilipes Baudi, Pentaphyllus chrysomeloides Rossi, Alphito-
pJiagus hifasciatus Say, Diaperis holeti L.
d) Am Kiriufer bei Mesi: Cicindela Fischeri Ad., hy-
brida riparia Latr., canipestris L., Bembidium fasciolatuni
Duft., tibiale Duft., decorum Panz., articulatmn Gyllh., 8-
maculahmt Goeze, punctulatnm Drap., Perileptus areolattis
Creutz., Thalassopliilus longicornis Strm., Chlaenius ßavipes
Men.; in einer Kolonie von Myrniecocystus viatiais Fbr.: Pio-
chardiasTpec. Auf Tamarix: Nanopliy es pallidus OVw., 4-virgatus
Costa, Coniatus tamaricis Fbr.
^^Litoralgebiet beiPulaj^ (Bojanamündung): DyscM-
rius macroderus Chaud., salintts, cylmdricus, apicalis, Ano-
plogenius procerus Schaum, Carabiis granulatus fniridita Apf,
und C. cancellatns alessiensis Apf.
II. Maranaigebirge (Malissorengebiet), 1576 m (Gipfel).
ß^ Abhänge zwischen Vorfaj postme (300 m) und
Vorfaj shiperme (700 ni). Karstlandschaft mit Buschwald
(Carpinus duinensis, Fraxhnts orntis, Qtierctis cerris und andere
Eichenarten, tiefer etwas Lorbeer, am Fuße auch Paliurus).
Höher im Gebirge: Eichengebüsche und Haselnußgestrüpp,
partienweise Edelkastanien.
Carabus hortensis Neumayeri Schaum, Laemostenus
elongatus Dej., Platyderiis dalmatinus Mi IL, Zabrus mcras-
satus Germ., Gonodera Luperus Hbst. var., atitennata Panz.,
1 Gesammelt von Mustajbeg Kurbegovic.
Koleopterologische Ergebnisse. 49/
Otiorrhynclms perdix Oliv, (typisch), crinipesMxW., Dorcadion
arenarmni ahriiptum Germ.
b) Gipfelregion, mit alten, partienweise dicht bestockten,
bis an den Gipfel reichenden Rotbuchenbeständen, dazwischen
Geröllhalden mit spärlicher Vegetation. Gestein kristallinisch.
Unterhalb des Gipfels stellenweise ziemlich ausgedehnte Schnee-
flecken.
Unter Steinen: Nebria Stiiranyi Apf. n. sp., Pterostichus
Malissortim Apf. n. sp., Bembidinni sicnhim Dej., Molops
Simplex Chaud., alpestris Dej., curüiJus Ga.n gib., Parreyssi
Kr. und Stiiranyi Apf. n. sp., Amara curia Dej. (zwischen
Graswurzeln), Onenscli Schönh., aenea Deg., Otiorrkynchiis
sitonoides Apf. n. sp. (in Graswurzeln), Ot. Adonis Apf. n. sp.
(häufig) und Ot. perdix Oliv, (sehr selten) auf Rotbuchen-
gestrüpp.
III. Merdita (Miriditengebiet).
a) Landschaft bei Katshinjeti, eine Tagereise süd-
östlich von Skutari.
Öde Urgebirgslandschaft, meist Hutweiden, stellenweise
spärlich bestockte, selten dichtere Eichenjungwälder, als Unter-
wuchs mediterrane Sträucher (Erica arborea, Pistacia terebin-
thus, Myrthus), an den Flußufern Vitex agnus castus.
Auf Eichengebüsch: Phyllobius argetitatus L., montamis
Mi IL, brevis Gyllh., Polydrosns brevipes Kiesw., sericeiis
Schall., Cyphns nitens Scop., Gonodera Ltiperus Herbst var.,
Cryptocephalus itirciciis Suffr., Phyllopertha arenaria Brülle,
Melolontha vulgaris velebitica J. Müll.
Zt^ Umgebung von Oroshi. eine weitere Tagereise von
Katshinjeti nach Südosten. Südöstliche Grenze der Merdita.
Eichen- und Föhrenvvälder.
Auf blühendem Crataegus und anderen Blüten: Hoplia
farinosa L., praticola Duft., CalUmus angulatns Schrank,
Anaglyptus mysticus L. und var. hieroglyphicus Hbst., Asclera
Reitteri Gangib. und caerulea L., Omophlus betulae Hbst.,
Anthaxia praeclara Mann h., nitida R o s s \,ßtlgurans S c h r a n k,
sepulchralis Fbr., Sturanyi Apf. n. sp., 4-punctata L., Acmae-
odera pilosellae Bon., bipunctata Oliv.
498 V. Apfelbeck,
Auf Eichengestrüpp : Phyllopertha hirtella Brülle, arenaria
Brülle, Triodonta aquila Lap., Melolontha vulgaris velebitica
J. Müll., Phyllobius argentatus L., sutoririensis Apf., aetolicns
Apf., Clythra novempunctata Oliv., Cryptocephahis tnrcicns
Siiffr., Otiorrhynchiis (Toiirnieria) balcanicits Stierl., Pachy-
brachis limbaUis Men.
Auf blühenden Föhren: Scytliropus mnstela WbsX.., Mag-
dalis ineninonia Gyllh., violacea L., phlegmatica Hbst., fron-
talis Gyllh., Weisei Schrein, und rufa Germ., Noviiis crnenta-
tus Muls., Pissodes notatus Fbr., Hylobius pineti Fbr., Dicerca
moesta Fbr., Chalcophora mariana Lap., Clerus formicariiis
L., Astynomus aedilis L., Pogonochaertis Perroiidi M\i\s.,fasci-
culattis Deg., decoratus Fairm., Onwphlus arniillatiis Brülle,
anieriiiae Curt. und dispar Costa.
Ferner an verschiedenen Lokalitäten: Capnodis porosa
Klug und teuebrionis L., Morimiis asper Ganglbaueri Reitt.,
Phyllopertha campestris Latr., Leistus rnfomarginatns Duft.,
Spondylis bnprestoides L., Tragosoina depsarium L. (ein totes
Exemplar), Acinoptis ammophilus Dej., Agabus gttttatus Payk.,
nitidus Fbr., Harpalus fugax Fald.
Am Ufer des Fani matz: Bembidion fasciolatinn Duft.,
coeriileum Dej., conforme Dej., combustnm Men., sictüuin
Dej., decorunt Panz., oblougum Dej., grandipeiine Schaum,
dalmatimim. Dej., Chlaenius flavipes Men.
c) Mal i Sheit (»Heiliger Berg«) bei Oroshi, zirka 1500/7;
hoch. Subalpines, bis auf den Rücken bewaldetes Kalkgebirge
mit üppigen Hochweiden, in den Felspartien horstweise Pinns
leucodermis Ant. (Panzerföhre). Auf Felsen unter anderen
Pflanzen Saxifraga Friderici Atigusti Blas, in Blüte. Am
Rücken des Gebirges Rotbuchenbestände gemischt mit Föhren.
Hie und da noch kleinere Schneereste, an deren Ränder blühen-
der Crocus.
Unter Steinen : Carabns coriacens rugosus D e j., C. cae-
latus sarajevensis Apf., C. intricatiis L. var., C. convexus F. var.,
Cychriis semigranosus PalL, Leistus magnicollis Mo t seh.,
Trechiis nierditaniis Apf. n. sp., Tr. nigrinus Putz., obtusus Er.,
qnadristriatus Schrk., Nebria Kratteri Dej., Omplireiis albani-
cus Apf. n. sp., Platydevns niiniUns Reiche, Ptcrostichus Lati-
Koleopterologische Ergebnisse. 499
fianus Apf. n. sp., P/. (Tapinopterus) Dochii Apf. n. sp., Molops
albanicus Apf., M. Stiiranyi Apf. n. sp., M. merdttanus Apf.
n. sp., Ämara curla Dej., A. Quenseli Schönh., A. aenea Deg.,
Zahrus Ganglhaueri Apf. n. sp., Harpalus fugax Fald.,
aeneus Fbr., smaragdinus Duft., rubripes Duft., atratus Latr.
und var, subsinuatus Duft., rufitarsis Duft., honestus Duft.,
sulphuripes Germ., atteimatus Steph., serripes Quens., tardus
V Q.nz., auxiusDuU., Ophouus cordatusDnit, O.azureus Fbr.,
cribricolUs Dej., puncticollts Payk., Liciuus (Orescius) Oertzeni
Reitt., Cymindis axillaris Fbr., C. lineata Quens., Aptitius
lugubris ruftpes Apf. n. subsp., Ltidius aeneus L., Helops
(Slenomax) Steitidachneri Apf. n. sp., Oliorrhynchus albanicus
Apf. n. sp., Dorcadion pedestre Po da {ruftpes Fbr.), Chrysoinela
linibata Findeli Suffr., cerealis niixta Küst., Timarcha laevi-
gata Duft., violaceonigra Deg. und corinthia Fairm., Oreiiia
plagiata commutata Suffr.
Auf Gebüsch: Podabrus (Anolisus) procernlus Kiesw.,
Phyllobius aetolicus Apf., Polydrosus nioUis uersipellis Apf.
n. subsp., Malacosoina thoracica Gandioni Reiche, Diodyr-
rhynckus Karamani Stierl.
In den Humusschichten, unter abgefallenem Laube:
Trechus merditanus Apf. n. sp., Tr. nigrinus Putz., Berg-
rothiella (Amicrops) albanica Apf. n. sp., Bythinus cvassicornis
Motsch., nodicornis Aube, armipes Reitt., merditanus Apf.
n. sp. (prope Hopffgarteni Reitt.), B. Sturanyi Apf. n. sp.
(prope Erichsoni Kiesw.), B. oroshianus Apf n. sp. (prope
acutangulus Reitt.), B. Tithonus Apf. n. sp. (prope Reitteri
Saulcy), B. (Tycliobytlmius) odontomerus Apf. n. sp., B. (Lin-
deria) verrucipaJpis Apf. n. sp., Cepheimiiun albanicum Apf.
n. sp. und merditamun Apf. n. sp., C. (Geodytes) Ganglbaueri
Apf. n. sp., Euconnus (s. str.), Paganettii Gangib., Euc.puniceus
alternans Apf. n. subsp., Euc. Winneguthi Apf. n. sp., Euc.
(SpanioconnusJ nanus Schaum, Euc. (Tetramelus) merditanus
Apf. n. sp., Neuraphes (Pararaphes) elongatulus Müll., A^.
(Scydnioraphes) leptocerus Reitt., tricavidus Reitt. und Spars-
lialli Denny, A^. (Rhynchoraphes Apf. n. subg.) triangularis
Apf. n. sp.,1 Stenichnus collaris Müll., pusillus Müll, und
1 Auch in Bosnien.
500 V. Apfelbeck,
exilis Er., Nargtis hadms Strm. und anisotomoides Spence,
Leptnsa Gatiglbaueri Apf. n. sp., Sipalia temporalis Apf. n. sp.
und sculpticollis Apf. n. sp., Spkaerosoma alhanicuni Apf. n. sp.,
laevicolle Reitt. und globosum Strm., Sternodea Baudii Reitt.,
Derocrepis serhica Kutsch., Aparopion costatiim Fahrs.
In Quellbächen: Ochthebiiis (Henicocerus) granulahis
albaniciis Apf. n. subsp.
Auf Pinus leticodermis: Otiorrkyiichus (Dodecastichus)
getiiculatiis Germ., consentaneiis troglaveiisis Apf., Ot. (s. str.)
truncahis Stierl., Ot. (Cirrhorhynchns) sarajevensis Apf.
Auf Rotbuchen: Otiorrhynchtis perdix Oliv.
Faunencharakter der Merdita.
Die Koleopterenfauna der Merdita läßt sich nach den bis-
herigen Forschungsergebnissen von allgemeinen Gesichts-
punkten in folgender Weise charakterisieren:
1. Boreal alpine Arten fehlen.
2. Die Fauna hat typischen Reliktencharakter, welcher
sich durch das Auftreten zahlreicher Reliktendemiten und
Arten mit diskontinuierlicher Verbreitung kennzeichnet.
Als solche Reliktendemiten dürften aufzufassen sein:
Nebria merditana Apf, Zabnis Gattglbaueri Apf., Calathiis
albaniciis Apf., Bergrothiella albanica Apf., Eiicomuis nierdi-
taniis Apf., Batliyscia merditana Apf., Tychobythimts odonto-
mertts Apf., Bytliinus verrncipalpis Apf., CepJiefiniiim albani-
ctiin Apf. und merditanumApL^ Cepliemtitun (Geodytes) Gangl-
baueri Apf., Otiorrhynchus albaniciis Apf., munelensis Apf.,
Titan Apf, merditamis Ap-f., (Tonrnieria) Steindachneri Apf.
Arten mit diskontinuierlicher Verbreitung (gegen NW):
Bythimis crassicornis Motsch., Timarcha laevigata Duft,
und violaceonigra Deg., Dorcadion rtißpes Po da, Otio-
rhynchus geniciilatiis Germ.
3. Im übrigen zeigt die Fauna Affinitäten nach verschiedenen
Richtungen und läßt sich sonach in folgende Elemente zerlegen;
a) Dalmatinische Arten (beziehungsweise Vertreter
des Karstes): Carabiis caelatus F., Bythimis armipes Reitt.,
Bytliinus orosliiantis (prope acutangtihis Reitt.), B. verruci-
Koleopterologische Ergebnisse. 501
palpis Apf. (als naher Verwandter des B. scaptilaris Reitt.),
Eucoitntis Paganettii G an gib., Etic. ptmiceiis Reitt, Etic.
WinnegutJn Ap f. (auch in Montenegro und Süddalmatien, nahe
verwandt mit Eiic. Kiesenwetteri Kiesw.), A'euraphes trica-
viilus Reitt., Podabrus procerulits Kiesw., Otiorhyiichus
coviseiitmieus Boh., truncatiis Stierl., Winneguthi Ap L, perdix
Oliv., Diodyrhynchus Karaniani Stierl., Tomoderus dahna-
tinns Reitt.
h) A 1 p i n - k a r p a t h i s c h e Arten : Henicocertis granulatits
Muls. (var. albanicus Apf.), Sphaerosoma alhatiicmn Apf.
(nahe verwandt mit Sph. Reitteri Orm.), Bytkimis Tithoniis Apf.
(prope Reitteri Saulcy), B. merditaniis Apf. (prope Hopff-
garteni Reitt.), Bythinus Sttiranyi Apf. (prope Ericlisoni
Kiesw.), Sternodea Baudii Reitt.
c) Pont i sehe Arten: Bergrothiella albanica Apf, als
Vertreter einer bisher nur aus dem Kaukasus bekannten
Gattung; Asclera Reitteri Gangib. (bisher nur aus dem Kau-
kasus bekannt), Acinopns animophilus Dej., Harpalus fugax
Fald., Chlaenius ßavipes Men., PhaenotJierion spec, Capnodis
porosa Klug, Ciciiidela Fisclieri Ad., Bembidion combtistum
Men. und siibstriattim Chaud., Laena inerditana Apf. (prope
piliger a Weise).
d) Hellenische Arten: Nebria Kratteri Dej., Bembidion
grandipenne Schaum, Leistus rnagnicoUis Motsch., Platy-
derus niiimtiis Reiche, Licimis (Orescius) Oertzeiii Reitt.,
Aptimis lugubris rufipes Apf., Laena Schwärzt Reitt., OmopJilus
dispar Costa, OtiorrJtynchiis (Tournieria) balcaniciis Stierl.,
PJiyllobius aetoliciis Apf., Ph. (Parascythropus) pinicoJa
Kies w., Aiichmerestkes KiesenwetteriKw, Morimus asper Sulz.,
Clytlira novenipnnctata Oliv., Pacliybrachis linibatns Men.,
Malacosoma thoracica Gaudioni Reiche.
Die Hochgebirge der Merdita und der Shar-Dagh.
(Faunistischer Vergleich.)
Zieht man einen Vergleich mit der Koleopterenfauna der
merditanischen Hochgebirge und jener des benachbarten Shar-
Dagh, so findet man nur wenisre diesen beiden Gebieten gemein-
502
V. Apfelbeck,
same Arten. Zahlreiche im Shar-Daghgebiete noch vor-
kommende bosnisch-serbische Arten fehlen in der Merdita und
sind dort schon durch hellenische oder endemische Arten ersetzt,
obwohl ein Ausbreiten serbischer Arten in die Merdita längs
des oberen Morava- und oberen Vardar(Tetovo)tales wohl an-
zunehmen wäre. Das ausgedehnte Massiv des Shar-Dagh mit
seinen südlichen Ästen »Rudoka planina« und »Korab« sowie
mit seinem nordwestlichen Auslauf »Koritnik« und »Gjalica
Ljums« mit Höhen von über 2500 7w bildet jedoch gegen das
die Merdita östlich begrenzende Drinisital eine abschließende
Mauer, welche für die spärliche Einwanderung von Osten her
in die Merdita die Erklärung zu geben scheint. Eine kleine Aus-
nahme hievon machen wenige Arten {Tiniarcha laevigata,
Timarcha violaceonigra, Otiorhyticliits genicrilatus, einige
Bythinen, Dorcadion riifipes und vielleicht noch die eine oder
ändere Art), welche doch einen östlichen Weg bis in die Mer-
dita gefunden haben, während ihre Verbreitung von NW her voll-
ständig unterbrochen ist. Die folgende Liste wird am besten die
faunistische Differenz zwischen Merdita und Shar-Dagh dartun:
Hochgebirge der Merdita ^
(Munela, Zebia, Mal i Sheit)
Carahtis violaceus vlastiljensis
Apf.
» caelaüis sarajevensis
Apf.
Pterostickiis Latifianus Apf.
Shar-Daghgebiet
(Ljubeten 2510 m, Koritnik
2381 m)
Carabus vioJaceus rilvensis
Kolbe.
» croaticiisljuhetensis
Apf.
Pterostidms lumensis Apf.
» Brückt Schaum.
» ottomanus Apf.
(n.sp.propeMwA/-
feldi).
1 Die Höhen dieser Gebirge sind bisher nicht verläßlich bekannt. Munela
und Zebia haben oberhalb des Buchenwaldgürtels eine alpine, kahle Zone,
welche stellenweise mit krüppelhaften Panzerföhren (Piniis Uticodertnis Ant.)
bewachsen ist.
Koleopterologische Ergebnisse.
503
Pterostichtis (Tapinopterus)
Dochii Apf.
Zahrus albaniats Apf. (Zebia).
» Gan^lbatieri Apf. (Mal
i Sheit).
Calathus albaniats Apf.
Molops nierditaims Apf.
» Sturanyi Apf.
» albaniats Apf.
Nebria Kratteri Dej. (Mal i
Sheit).
» merditana Apf. (Mu-
nela, Zebia).
Trechus nierditanns Apf.
Licimts (OresciusJ Oertzeni
Reitt.
Cychrtis semigranosus Fall.
Pterostichtis (Tapinopterus)
Miridita Apf.
Zabrus albaniats Apf.
Calathtts albaniais Apf.
Deltomeriis (Paradeltomertts)
relidits Apf.
Symtchidius (n. g.) Ganglbaueri
Apf.
Molops Steindachneri Apf.
» Stttranyi Apf. var. ?
» albaniats Apf. (Nord-
abhang bei Priesren)
» osmanilis Apf. (Nord-
abhang bei Priesren).
» piceus Panz.
robusttts Dej.
Nebria Ganglbaueri Apf.
» Altemsi Apf.
» Gyllenliali Schönh.
» nigricornis Villa.
Trechns albaniats Apf. (Korit-
nik).
» Priapns Dan. (in Bos-
nien verbreitet).
» Kobingeri Apf. (in
Bosnien häufig).
» palpalis Ijithetensis
Apf.
Cychnts semigranosus Pall.
Calosoma (Callisthenes) relidits
Apf.
504
V. Apfelbeck,
Leptusa (Pisalia) nierditana
Apf.
» » munelensis
Apf.
» (Pachygluta) Gangl-
haueri Apf.
Sipalia scfilpticollis Apf.
Sipalia temporalis Apf.
Bergrothia albanica Apf.
Bythinus armipes Reitt.
» crassicornis^loisch.
» TitJwnus Apf.
» merditanus Apf.
» Sturanyi Apf.
» oroshiamis Apf.
Bythoxemis verrucipalpis Apf.
Tycliohythinus odon tomevus
Apf.
Cephennium inerditanmn
Apf.
» alhaiiictwi Apf.
» Ganglbaueri
Apf
Eiiconnus merditanus Apf.
» Paganettn G a n g 1 b.
» pimiceus Reitt.
» Winneguthi Apf.
Neiiraphes elongatulus Müll.
» tricavulus Reitt.
N. (Rhynchoraphes) triangti-
laris Apf.
Sphaerosomaglohosiim Sturm.
» laevicolle Reitt.
» alhanicMfn Apf.
Leptusa (Pisalia) Reitteri E p p.
Sipalia sculpticollis Apf.
Pselaphus shardaghensis Apf.
Dicentrius Merkli Reitt.
Bythinus Simoni Reitt.
» crassicorn /5 M o t s cIt .
» orhaniensis Apf.
Cephennium Ganglbaueri Apf.
Euconnus macrophthalmus
Apf.
» Ijubetensis Apf.
» denticornis MüW.
» oblongus Sturm.
» styriacus Grim.
Neuraphes elongatulus Müll.
» tricavnlus Reitt.
A^. (Rhynchoraphes) triangu-
lär is Apf.
Sphaerosomaglobosuni Sturm.
» laevicolle Reitt.
» shardaghense
Apf.
Koleopterologische Ergebnisse.
505
Sternodea Baudii R e i 1 1.
Tomoderus dalmatimis Reitt.
Laena Schwärzt Reitt.
» wierditana Apf.
Helops (Stenomax) Stcin-
d achner i Apf.
Otiorrhynchus (Dodecastichns)
geniculatus Germ.
Otiorrhynchus (Dodecastichns)
consentaneus Boh.
Otiorrhynchus (s. str.) trun-
catus Stier 1.
» albaniciis Apf.
» immelensis Apf.
» merditanus
Apf.
» Tita]i Apf.
(Cirrhorhynchtts)
sarajevensis Apf.
(Cirrhorhynchiis)
Winneguthi Apf.
(Toiirnieria) bal-
caniais) Stierl.
(Tournieria) cal-
licnemis Apf.
(Tournieria)
Steindachneri
Apf.
corrttptor Host.
perdix 01i\',
Sternodea Baudii Reitt.
Tomoderus dalmatimis Reitt.
Laena Hopffgartetii Weise.
Helops (Odocnemis) badius
K ü s t.
Otiorhynchus relicttis Apf.
» consentaneus
Boh. (Prisren).
» rugosogranula-
tits Stierl.
» liimensis Apf.
» Ganglbaueri
Stierl.
» (Toiirnieria)jng-
landis Apf.
"> (Dodecastichns)
aiirosignatns
Apf.
» armipes Apf.
* shardaghensis
Apf.
» denigrator Boh.
glabratusSixQvX.
alpicola Boh.
cirrhocnemis
Apf.
corruptorY{ osi.
(Nordabhang bei
Prisren).
506
V. Apfelbeck, Koleopterologische Ergebnisse.
Morimus asper Sulz.
Dorcadion pedestre P o d a.
Timarcka laevigata Duft.
» violaceonigra Deg.
» corinthia Fairm.
Oreina plagiata commutata
Suffr.
Morimus funereus M u 1 s.
Dorcadion pedestre P o d a.
» IJubetense Apf.
Timarcka laevigata Duft.
Oreina virgulata Germ.
» speciosissima Scop,
507
Neue Koleopteren,
gesammelt während einer im Jahre 1905 mit Sub-
vention der kaiserliehen Akademie der Wissenschaften
in Wien durchgeführten zoologischen Forschungsreise
nach Albanien und IVIontenegro ^
(II. Serie) ''
von
Viktor Apfelbeck,
Kustos am bosiiisch-hercegovinischen Landcsiutisetiin in Sarajevo.
Vorgelegt in der Sitzung am 21. März 1907.
21. Leptusa (Pachygluta) Ganglbaueri n. sp.
Mit Leptusa secreta Bernh. und asper ata Epp. verwandt,
von ersterer durch längeren, anders punktierten Halsschild,
wesentlich kürzere Flügeldecken, nach hinten stärker er-
weitertes Abdomen, von Leptusa asperata durch fein und mäßig
dicht punktierten Kopf, feiner punktierten Halsschild und
Flügeldecken, längeren Halsschild etc., von beiden durch die
Färbung, kleinere Augen ^ und längere Schläfen sowie in
beiden Geschlechtern einfaches siebentes Abdominaltergit
differierend.
Von Leptusa (Pachygluta) ruficollis Er., mit welcher
L. Gauglbaueri in der Skulptur des Kopfes ziemlich überein-
1 Im Jahre 1906 sammelte auch der Präparator des bosnisch-hercegovi-
nischen Landesmuseums Adolf Winneguth in den albanesischen Gebirgen
(Merdita) und wurden einige von ihm dort entdeckte Arten, da sie demselben
Gebiete entstammen, hier behandelt.
2 Cf. I. Serie in Sitz. Ber. d. Kais. Akad. der Wissensch. Wien, Math.-
naturw. Klasse; Bd. CXV, Abt. I. November 1906, p. 1661—1674.
3 Die Augen sind kleiner als bei den übrigen bekannten Pachygltita- Arten ,
aber doch wesentlich größer als bei den Arten der Untergattung Pisalia.
Sitzb. d. mathem.-naturw. Kl. ; CXVI. Bd., Abt. I. 34
508 A. Apfelbeck,
stimmt, schon durch die Färbung, die viel kürzeren Flügel-
decken, kleinere Augen und den Mangel einer Auszeichnung
am siebenten Abdominaltergit beim r/ leicht zu unterscheiden.
Von Lephisa Reitteri durch fein punktierten Kopf, wesent-
lich breiteren, feiner punktierten und matt chagrinierten Hals-
schild, nach hinten stärker erweitertes Abdomen, etwas größere
Augen und kürzere Schläfen und längere, gegen die Spitze
schwächer verdickte, anders gefärbte Fühler abweichend. In
der Punktierung, Färbung, Größe und im Habitus am
meisten mit Lcptnsa (Pisalia) oreophila Pen. (Wien. Ent. Ztg.
1901, XX, p. 12) übereinstimmend, von derselben durch
längere und dichtere, mehr wollige Behaarung des Vorder-
körpers, viel breiteren, in der Mittellinie nicht gefurchten, nur
vor der Basis flach eingedrückten Halsschild, breitere und
etwas längere, viel dichter und etwas feiner körnig punktierte
Flügeldecken, hinten stärker erweitertes Abdomen, größere
Augen, anders gefärbte Fühler, längeres und schlankeres
drittes Glied derselben etc. differierend und leicht zu unter-
scheiden.
Halsschild gut um die Hälfte breiter als lang, vor der
Mitte am breitesten, nach hinten wesentlich stärker als nach
vorn verengt, an den Seiten mäßig gerundet, mit sehr stumpf-
winkligen, an der Spitze etwas abgerundeten Hinterecken,
kaum schmäler als die Flügeldecken am Hinterrande und etwa
um Yö oder Y4 länger als diese, vor der Basis in der Mitte mit
seichtem, nach vorn sich verflachendem und erlöschendem Ein-
drucke.Fühler schwärzlichbraun, die ersten drei oder vier Glieder
gelb, die Spitze bräunlich, das dritte Glied etwas dünner, aber
wenig kürzer als das zweite, das vierte fast quadratisch, kaum
länger als breit, die äußeren etwas weniger stark quer als bei
L. Reitteri.
Albanien. Merdita: Bulshari bei Oroshi und Munela-
Gebirge bei Fandi (Latif 1905, Winneguth 1906) unter
Eichenlaub.
22. Leptusa (Pisalia) munelensis n. sp.
In der Färbung, Punktur und Größe mit Leptitsa Hopß-
garteni Epp. übereinstimmend und ihr auch habituell ziemlich
Neue Koleopteren. o09
ähnlich, von derselben hauptsächlich durch viel kleinere Augen,
breiteren Vorderkörper, kürzere Flügeldecken, gegen die Spitze
stärker verdickte Fühler und beim cf mit einem kräftigen Kiel
versehenes siebentes Abdominaltergit wesentlich differierend.
Augen klein, ihrLängsdurchmesser beiläufig viermal kürzer
als die Schläfen. Kopf fein und seicht, aber ziemlich dicht
punktiert. Halsschild im vorderen Drittel nicht breiter als die
Flügeldecken am Hinterrande, nach hinten mäßig verengt,
wesentlich breiter als der Kopf. Flügeldecken körnig punktiert
(die Punktur etwas kräftiger und körniger als bei L. Hopff-
garteni), etwa Y^ kürzer als der Halsschild. Abdomen nach
rückwärts mäßig stark erweitert. Fühler gegen die Spitze stark
verdickt, die vorletzten Glieder mehr als doppelt so breit als
lang, das dritte Fühlerglied gestreckt, so lang wie das
zweite, aber etwas dünner, das vierte kaum quer. Flügel-
decken beim cf längs der Naht mit einem vorn meist deutlichen,
mitunter aber kaum erkennbaren Längswulste. Länge 2*2 bis
2 • 5 mm.
cT: Siebentes Abdominaltergit mit einem sehr kräftigen, stark
erhabenen, wulstförmigen, von der Segmentsmitte bis fast an den
Hinterrand reichenden Längskiele, das achte Tergit mit einem
feineren Kiele versehen und am Hinterrande fein gezähnelt.
Von L. FaiweJi Epp. schon durch die kleinen Augen, viel
längere Schläfen, ^ mehr minder glänzenden Vorderkörper etc.
hinlänglich verschieden.
Albanien. Merdita: Munela-Gebirge bei Fandi unter
Eichenlaub.
23. Leptusa (Pisalia) merditana n. sp.
Kleinen Exemplaren der L. munelensis m. täuschend
ähnlich, von derselben durch etwas abweichende Halsschild-
form, nach hinten stärker verbreiterte, feiner und etwas dichter
punktierte Flügeldecken, namentlich aber durch das nach
hinten wesen tlich stärker erweiterte Abdomen sowie
in beiden Geschlechtern einfaches siebentes und achtes
Abdominaltergit und geringere Größe differierend.
1 Zirka viermal so lang als der Längsdurchmesser der Augen, hingegen
bei L. Faitvdi kaum doppelt so lang.
34*
510 V. Apfelbeck,
Halsschild vorn relativ breiter, nach hinten stärker und mit-
unter etwas ausgeschweift verengt, deutlicher herzförmig, vor
der Mitte der Basis mit einem seichten, mitunter undeutlichen
Quergrübchen. Kopf viel schmäler als der Halsschild, kleiner
als bei L. ntunelensis, mit etwas größeren Augen und merklich
kürzeren Schläfen. Abdomen nach hinten auffallend stark
erweitert, an der breitesten Stelle bei manchen Exemplaren
fast doppelt so breit als die Basis der Flügeldecken, die
schwarze Färbung des Abdomens stärker ausgedehnt als bei
L. muTielensis, das sechste und fünfte Segment vollständig ein-
nehmend, mitunter auch das vierte mehr minder angedunkelt
(bei L. muneleiisis nur das sechste und die hintere Hälfte des
fünften geschwärzt). Drittes Fühlerglied wenig kürzer und
etwas schmäler als das zweite, das vierte so lang als breit oder
kaum länger als breit. Beim cT die Flügeldecken längs der Naht
mit deutlicher Längsfurche. Penis lanzettförmig, vor der einfach
verrundeten Spitze mit seitlichen kleinen, zahnförmigen Vor-
sprüngen; Parameren lang, die Penisspitze beträchtlich über-
ragend, gegen die Spitze leicht verbreitert, am Ende winklig
abgeschrägt und am Spitzenrande etwas ausgerandet.
Von Leptusa difforniis Rey, mit welcher L. merditana
am nächsten verwandt zu sein scheint, durch viel kleineren
Kopf, breiteren, herzförmigen, dicht punktierten Halsschild,
längere Flügeldecken, nach hinten schwächer erweitertes
Abdomen etc. zu unterscheiden.
Albanien. Merdita: Munela- und Zebia-Gebirge bei Fandi
unter Rotbuchenlaub.
24. Sipalia sculpticollis n. sp.
Eine durch die Auszeichnung des siebenten Abdominal-
tergites (cT) und die Skulptur des Halsschildes leicht kennt-
liche Art.
cT: Siebentes Tergit mit zwei dicken, wulstig erhabenen,
nach vorn sehr stark divergierenden, gegen die Mitte des
Tergithinterrandes fast zusammenstoßenden Längskielen.
Hiedurch nähert sich 5. sculpticollis den Leptusa- Avien, welche
im männlichen Geschlechte am siebenten Tergit zwei Längs-
Neue Koleopteren. 511
kiele besitzen: L. padana und L. Batuiii. Bei diesen beiden
sind jedoch die Längskiele fein und fast parallel, außerdem
differieren diese beiden Arten von 5. sculpticoUis in anderen
Merkmalen. Gelbbraun, das vorletzte Abdominalsegment mit-
unter angedunkelt. Halsschild und Flügeldecken ziemlich stark
und dicht behaart. Kopf rundlich oval, viel schmäler als der
Halsschild, glänzend, äußerst fein und zerstreut, erloschen
punktiert, mit kleinen Augen. Halsschild fast so lang als breit,
verrundet viereckig, schmäler als die Flügeldecken, sehr fein
und dicht, aber schwer erkennbar punktiert (30 fache Ver-
größerung), in der Mitte mit einem feinen, glatten, vor der Basis
verkürzten, den Vorderrand nahezu erreichenden Längskiele,
beiderseits desselben leicht furchenartig vertieft. Flügeldecken
etwas länger als die halbe Halsschildlänge, nach hinten
schwach erweitert, beim cf auf der Scheibe deutlich, beim 9
kaum eingedrückt, fein und mäßig dicht körnig punktiert.
Abdomen in der Mitte schwach erweitert, kaum erkennbar
punktiert. Fühler gegen die Spitze ziemlick stark verdickt, wie
bei 5. arida geformt.
Von vS. teuiporalis m.^ durch die Abdominalauszeichnung
des cT, etwas breiteren, mehr viereckigen Halsschild, stets deut-
lich ausgeprägten Mittelkiel desselben, nach hinten schwächer
erweitertes Abdomen, undeutlichere und etwas kürzere Be-
haarung desselben etc. differierend.
Albanien. Merdita: Mal i Sheit-Gebirge bei Oroshi,
unter Rotbuchenlaub.
25. Sipalia temporalis n. sp.
Der Sipalia arida Epp. sehr nahe stehend, von derselben
namentlich durch viel schmäleren Halsschild, längere und
dichtere Behaarung — insbesondere des nach hinten stärker
erweiterten Abdomens — etwas kleineren, gleichmäßiger
rundlich-ovalen Kopf, viel kleinere Augen und sehr lange
Schläfen sowie fast einfarbig bräunlichgelbe Färbung zu unter-
scheiden.
1 CT. Nr. 25.
512 V. Apfelbeck,
Kopf deutlich schmäler als der Halsschild, dieser so lang
als breit, wesentlich schmäler als die Flügeldecken, fein und
dicht punktiert und wie die Flügeldecken dicht und fein an-
liegend behaart, vor der Basis mit einem subtilen, bogen-
förmigen Eindruck und mit feinem, manchmal undeutlichem
Mediankiele versehen. Augen viel kleiner als bei S. arida, die
Schläfen etwa sechsmal (bei 5. arida drei- bis viermal) so lang als
der Längsdurchmesser eines Auges. Flügeldecken wesentlich
feiner punktiert, auf der Scheibe viel schwächer eingedrückt.
Fühler gegen die Spitze stärker verdickt, die äußeren Glieder
etwas stärker quer als bei vS. arida. Abdomen nach hinten
stärker verbreitert, vor der Spitze nicht oder nur wenig an-
gedunkelt, fein anliegend, aber viel spärlicher behaart als die
Flügeldecken, das siebente Tergit des cf (wie bei der ver-
glichenen Art) ohne Auszeichnung. Penis lanzettförmig, die
Parameren lang, die Penisspitze beträchtlich überragend, gegen
die Spitze allmählich verschmälert und in flachem Bogen bis zur
Spitze gegeneinander konvergierend.
Länge 1*5 bis 2*0 mm.
Albanien. Bei Oroshi im Miriditengebiet aus Eichenlaub
gesiebt.
26. Bergrothiella (Amicrops) albanica n. sp.
Infolge des an den Seiten mit einem leistenartigen Kiele
versehenen Kopfes mit B. lenkoratia Reitt. und mingrelica
Reitt. ^ verwandt, von letzterer schon durch die bespornten
Hinterschienen und den Besitz einer Furche am Scheitel beider-
seits des medianen Längskieles, von B. lenkorana durch dicht
runzelig und körnig punktierten, matten, breiteren Kopf, ganz
andere Fühlerbildung etc. sehr erheblich differierend.
Hell rotbraun, ziemlich lang und anliegend, die Schläfen
lang abstehend behaart. Kopf deutlich breiter als der Hals-
schild, dicht runzelig und körnig punktiert, wenig glänzend,
an den Seiten mit feinem leistenartigen Kiele, der Scheitel mit
1 Cf. Reitter: Übersicht der Amicrops-Arten in Verh. z. b. Ges. Wien,
1884, p. 64.
Neue Koleopteren. 513
kräftigem Medicankiele, beiderseits desselben mit einer dem
Seitenrande stärker als dem Längskiele genäherten, nach vorn
konvergierenden Längsfurche. HalsL^child bis zur Mitte stark
gerundet erweitert, gegen die Basis ziemlich geradlinig imd
stark verengt, an der breitesten Stelle mit einem subtilen,
manchmal undeutlichen Zähnchen, vor der Basis mit einer
grübchenförmigen Vertiefung, welche sich in Form einer Furche
gegen die Mitte des Halsschildes verliert, in der Mitte der Basis
mit einem kurzen, in die Basalgrube einmijndenden Kiele,
jederseits der Mitte mit einem vom Basaldörnchen bis zur Mitte
reichenden feinen Kiele, in der Nähe des Seitenrandes hinter
der Mitte mit einem größeren und vor der Basis mit einem
kleineren grübchenförmigen Eindrucke. Basaldörnchen des
Halsschildes klein, manchmal undeutlich, beim 9 meist stärker
entwickelt. Flügeldecken sehr stark ge\A'ölbt, fast doppelt so
breit als der Halsschild, beiläufig so lang als breit oder etwas
länger, glänzend, sehr fein und sehr spärlich punktiert, länger
und abstehender behaart als der Halsschild. Abdomen ziemlich
lang und dicht anliegend behaart, das erste freiliegende Tergit
sehr lang, fast doppelt so lang als die zwei folgenden zu-
sammengenommen, beiderseits der Mitte mit einem inneren
kurzen und einem äußeren langen, nach außen stark diver-
gierenden und den Seitenrand des Tergites vor der Basis
treffenden Längskiele, zwischen denselben grubig vertieft, sehr
fein und spärlich, die folgenden Tergite kaum punktiert. Fühler
kiü'Z, gedrungen, beim cf das erste Glied kurz und dick, etwa
^/^ länger als breit, sowie der Kopf rauh körnig punktiert, das
zweite wesentlich dünner, etwa um die Hälfte länger als breit,
das dritte bis siebente so lang als breit, rundlich, das achte
etwas innen erweitert, das neunte und zehnte zunehmend
stärker quer und im apikalen Teile nach innen zahn-
förmig erweitert, beim 9 alle Glieder etwas dünner, das
achte etwas kleiner als das siebente, das neunte verdickt, aber
kaum quer, das zehnte deutlich quer. Keule kurz und dick,
außen gerundet erweitert und gegen die Spitze abgeschrägt.
Beine kräftig, die Schenkel ziemlich lang, einfach, die Schienen
beim cT stark, beim 9 schwächer gebogen, die Hinterschienen
514 V. Apfelbeck,
beim cf mit langem, mehrfach gespaltenem,^ beim 9 mit
kürzerem Enddorne bewehrt.
Länge 2-2 bis 2-3 mm.
Albanien. In den Hochgebirgen der Merdita: Munela,
Zebia, Mal i Sheit in Rotbuchenwäldern unter tiefen Laublagen;
sehr vereinzelt (Apfelbeck 1905, Winneguth 1906).
27. Bythinus (Linderia) verrucipalpis n. sp.
Mit Bythinns scapidaris Reitt. am nächsten verwandt,
von demselben durch anderen Bau der Fühler und der Maxillar-
taster, etwas kleinere Augen, die Basalskulptur des Hals-
schildes und geringere Größe differierend.
cf : Erstes Fühlerglied kaum doppelt so lang als breit, gegen
die Spitze am Innenrande keulenförmig verdickt und etwas
vor der Mitte mit einem kleinen Zapfenzähnchen versehen, das
zweite Glied klein, wenig verdickt, nicht einmal halb so
breit als das erste, rundlich, etwas länger als breit, die folgenden
kleiner, rundlich, das sechste leicht, die folgenden stärker quer,
das Endglied kurz und dick.
9: Erstes Fühlerglied zylindrisch, lang schaftförmig,
wenigstens dreimal so lang als breit, das zweite etwas schmäler
als das erste, rundlich, etwas länger als breit.
0^9: Maxillartaster sehr lang, wenig kürzer als die
Fühler, das Endglied lang, messerförmig, am Außenrande gerade,
mehr als dreimal so lang als breit, wesentlich länger als bei
gleich großen B. scapularis, das zweite und dritte Glied
mit warzenförmigen Erhabenheiten, das Endglied mit
ebensolchen kleineren spärlicher besetzt und dicht, ziemlich lang
abstehend behaart. Halsschild zwischen der Basis und der
normalen Querfurche ziemlich dicht rauh punktiert. Flügel-
decken gröber, aber nicht dichter a.\s hei B.scaptilaris punktiert.
Beine etwas schlanker, die Schenkel und Schienen — auch die
Vorderschienen des d^ — einfach, nur die Hinterschienen des cf
an der Spitze mit einem kleinen, feinen Sporne versehen. Im
übrigen mit B. scapidaris übereinstimmend.
1 Der Enddorn ist immer mehrfach, selbst bis zehnmal gespalten (unter
dem Mikroskop betrachtet). Bei SOfacher Lupenvergrößerung ist eine Spaltung
des Domes in zwei bis drei Teile zu erkennen.
Neue Koleopteren. 515
Albanien. In einigen Exemplaren am Mal i Sheit bei
Oroshi aus tiefen Buchenlaublagen gesiebt.
28. Bythinus miridita n. sp.
Mit Bythimis Brenskei Reitt. nahe verwandt, von dem-
selben durch etwas abweichenden Fühlerbau, schwächer pro-
minente Augen, vor und hinter denselben allmählich verengten,
daher gleichmäßiger ovalen Kopf, in der Mitte kaum höcker-
artig erhabenes Längsfältchen am Scheitel differierend, im
übrigen mit demselben übereinstimmend.
cf: Zweites Fühlerglied deutlich breiter als das erste, etwas
breiter als lang und wesentlich breiter als bei B. Brenskei, das
dritte Glied kürzer als bei diesem, nicht länger als breit, rundlich,
die äußeren Glieder alle etwas kürzer und dicker als bei der
verglichenen Art.
Albanien. An der unteren Bojana bei Oboti und Pulaj
(Velipoja) unter Eichenlaublagen.
29. Bythinus (s. str.) albanicus n. sp.
In die Gruppe des Bythinus Sliarpi Saulcy (asturiensis
Reitt.) gehörig und demselben in der Fühlerbildung^ sehr
ähnlich, aber durch das vorn stärker vei-dickte erste Fühlerglied,
kräftigeres Zapfenzähnchen desselben, viel breiteres, queres,
am apikalen Innenrande schwach vorgezogenes zweites und
kürzeres drittes Fühlerglied differierend.
Gelbrot, Kopf wenig schmäler als der Halsschild, der
Scheitel fein und undeutlich punktiert; Halsschild glatt, die
Flügeldecken fein, seicht und weitläufig punktiert, die ganze
Oberseite schräg abstehend, das Abdomen dichter und länger
behaart. Augen normal, mäßig vorragend. Fühler gedrungen,
beim cf das erste Glied gegen die vSpitze stark verdickt, etwas
länger als breit, am Innenrande etwas hinter der Mitte an der
breitesten Stelle mit einem kräftigen Zäpfchen, das zweite
Glied nicht schmäler als das erste und kaum halb so lang,
deutlich breiter als lang, nach innen stark erweitert, an
1 Cf. Abbildung von Reitter in Verh. z. b. Ges. XXXI, 1881, Taf. XIX,
Fig. 49.
516 V. Apfelbeck,
der apikalen Innenkante gerundet und etwas nach vorn
gezogen, die inneren Ecken abgerundet, das dritte Glied
klein, kaum länger als breit, das vierte und fünfte deutlich
breiter als lang, die folgenden zunehmend stärker quer. Alle
Schienen beim c/ und 9 einfach, die Schenkel beim cf kaum
verdickt.
Länge 1 ■ 3 nitn.
Albanien. An der unteren Bojana bei Pulaj in Eichen-
laublagen.
30. Bythinus (s. str.) bojanensis n. sp.
Dem B. albaniais m. sehr ähnlich, von demselben durch
die Fühlerbildung und gezähnte Vorder- und Hinterschienen
beim cf erheblich abweichend.
cf: Erstes Fühlerglied viel schlanker als bei B. alhanicus,
fast doppelt so lang als breit und fast zylindrisch, nur gegei'x
die Spitze schwach verdickt, gegen die Innenkante zu ab-
geplattet, die Innenkante vor der Spitze scharf gerandet und
etwas winklig erweitert, wodurch daselbst ein schwer sicht-
bares, subtiles Zähnchen gebildet wird; das zweite Fühler-
glied ähnlich geformt wie bei B. albanicns, jedoch wesentlich
schmäler und länger und nach innen viel schwächer erweitert.
Kopf und Halsschild etwas breiter, der letztere an den Seiten
stärker gerundet und gegen die Basis plötzlicher und stärker
verengt. Hinterschienen beim d^ vor der Spitze sehr deutlich
zahnförmig erweitert. Vorderschienen innen im apikalen Drittel
mit einem Zähnchen bewehrt, vor demselben ausgebuchtet.
Hinterschenkel mäßig verdickt.
Länge 1 -3 mm.
Albanien. An der unteren Bojana in Gesellschaft von
Bythinus alhanicus.
31. Euconnus (s. str.) Winneguthi n. sp.
Zwischen Euconnus Kiesen-wetteri Kiesw.^ und Mof-
scliulskyi stehend, von ersterem durch gedrungeneren Körper,
kürzere Beine und anders geformtes achtes und neuntes Fühler-
1 Zum Vergleich diente mir ein (^ von Enc. Kiesentvetteri Kiesw. von
Sabotino (Küstenland).
Neue Koleopteren. ol7
glied beim cf sowie schwarze Färbung, von Euc. Motschulsliyi
durch die gestreckten, wesentlich längeren Fühler des cf,
namentlich das viel längere neunte und zehnte Glied und
anders geformtes achtes Glied, von beiden durch mehr minder
abweichende Basalskulptur des Halsschildes differierend.
ö'': Neuntes Fiihlerglied so lang oder fast so lang als das
achte; das zehnte nur um Y4 ^is Vs kürzer als das neunte,
wesentlich länger als breit; das achte Glied an der inneren
Basalecke nicht nach innen erweitert, sondern gegen die
Spitze in konkaver Rundung allmählich schwach verbreitert,
die innere Apikaiecke spitzwinklig vorgezogen, daher
das achte Glied an der Spitze breiter als an der Basis
(bei Euc. Kiesenwettert und Motsckidslivi gerade umgekehrt);
das neunte Glied an der inneren Apikaiecke etwas stärker
nach innen ausgezogen.
Halsschild an der Basis — an Stelle einer verbindenden
grubenförmigen Querfurche — zumeist mit einem ziemlich
scharf begrenzten, mehr minder isolierten kleinen Grübchen
beiderseits zwischen dem Mittelfältchen und dem inneren
Seitenfältchen. Flügeldecken im allgemeinen etwas stärker aus-
gebaucht als bei Eiic. Kiesemvetteri. Etwas kleiner als dieser,
sonst mit ihm übereinstimmend.
Albanien. Gebirge bei Oroshi (Mal i Sheit) in Eichenlaub-
lagen. Auch bei Dulcigno (Montenegro) im Eichenwalde von
Präparator A. Winneguth gesammelt.
32. Euconnus (Tetramelus) merditanus n. sp.
Dem Eiic. Dorotkanns Reitt. sehr nahe stehend, von dem-
selben durch dickere Fühler, noch stärker abgesetzte Fühler-
keule, stärker queres achtes, neuntes und zehntes Fühlerglied,
viel tiefere und schärfer begrenzte Eindrücke an der Basis der
Flügeldecken, kräftiger ausgebildetes und tiefer begrenztes
Humeralfältchen, kleinere Augen und bedeutendere Größe
differierend.
Von der Größe des Euc. Brenskeanus Reitt.; von diesem
schon durch die dicken Fühler und ganz anders geformten
Halsschild leicht zu unterscheiden.
518 V. Apfelbeck,
Albanien. In den Gebirgen bei Oroshi und Fandi im
Miriditengebiet, in Eichen- und Buchenwäldern unter tiefen
Laublagen nicht selten.
33. Cephennium (s. str.) albanicum n. sp.
Infolge der dichten, etwas rauhen Punktur der Flügel-
decken, der gedrungenen Körperform und des Baues der Vorder-
schienen beim cf mit C. simile Rei tt. nahe verwandt, von diesem
durch feinere Punktur der Flügeldecken, sehr fein, aber meist
deutlich und ziemlich dicht punktierten Halsschild, noch kür-
zere und gewölbtere Körperform, namentlich kürzere, an der
Spitze breiter verrundete Flügeldecken und durchschnittlich
geringere Größe, von dem gleich großen C. carnicum und
C. montenegrinum Reitt. durch viel gedrungeneren und gewölb-
teren Körper, die Punktur und die Bildung der Vorderschienen
beim cf, von C. montenegrinum außerdem durch gedrungenere
Fühler, queres neuntes und zehntes Glied derselben und den
Mangel eines Grübchens innerhalb der Hinterecken des Hals-
schildes leicht zu u.nterscheiden.
cf : Vorderschienen gegen die Spitze leicht verdickt und
innen nur sehr flach oder kaum merklich ausgerandet, an der
Spitze nicht einwärts gekrümmt. Trochanteren der Vorder-
beine einfach. Metasternum ziemlich breit und seicht einge-
drückt (wie bei C. aiistriacum).
Albanien. Merdita: In den Gebirgen bei Oroshi (Mal
i Sheit) und bei Fandi (Munela, Zebia) in Buchenwäldern.
34. Cephennium (s. str.) merditanum n. sp.
Der vorigen Art sehr nahe stehend und in der Körperform
ziemlich übereinstimmend, von derselben jedoch durch wesent-
lich bedeutendere Größe, dichtere, stärker abstehende Be-
haarung, weniger dicht punktierte Flügeldecken, etwas
schwächer verdickte äußere Fühlerglieder und beim ^ innen
vor der Spitze deutlich ausgerandete Vorderschienen diffe-
rierend.
(-f : Vorderschienen gegen die Spitze erweitert und innen
mit einer seichten, aber deutlichen, kleinen Ausrandung.
Neue Koleopteren. 519
Länge 1 • 2 mm. Vielleicht nur eine Form des C. alha-
nicum m.
In Gesellschaft des vorigen, aber viel seltener.
35. Cephennium (s. str.) cetinjense n. sp.
Dem C. albaniciiin Apf. sehr ähnlich und auch in der
Größe und in der Bildung der Vorderschienen beim ^ über-
einstimmend, von diesem durch viel schmälere und flachere
Körperform, namentlich viel schmäleren, glatten Halsschild,
feinere, weniger rauhe Punktur der Flügeldecken, stärker
queres neuntes und zehntes Fühlerglied zu unterscheiden.
Von C. montenegrimim Reitt. durch den Mangel eines
Grübchens innerhalb der Hinterecken des Halsschildes, die Be-
haarung der Oberseite, worin C. cetinjense mit C. carnicum
Reitt. übereinstimmt, stark queres neuntes und zehntes Fühler-
glied, wesentlich kürzeres, weniger zugespitztes Endglied der
Fühler und die wie bei C. albanictim gebildeten Vorderschienen
des cT differierend.
Länge 0 • 9 funi.
cT: Trochanteren der Vorderbeine einfach; Metasternum
etwas seichter als bei C. alhanicnm eingedrückt.
Montenegro. Bei Cetinje unter abgefallenem Laube von
Carpintis dumensis in Mehrzahl von mir gesammelt.
86. Cephennium (Geodytes) Ganglbaueri n. sp.
Mit C. (Geodytes) Saulcyi Reitt. nahe verwandt und dem-
selben in hohem Grade ähnlich, durch stärkere Wölbung, ab-
weichende Halsschildform, breitere, nach hinten weniger ver-
engte und gewölbtere, etwas länger und abstehender behaarte
Flügeldecken und kürzeres Schulterfältchen derselben diffe-
rierend.
Halsschild breiter und gewölbter als bei C. Saulcyi, an den
Seiten viel gleichmäßiger gerundet, im vorderen Drittel
schwächer ausgebaucht, hingegen zur Basis in viel stärkerer
Rundung — aber schwächer — verengt als bei C. Saulcyi, äußerst
fein, erloschen punktiert, cf Metasternum in der Mitte mit
breiten"! flachen Längseindrucke.
Länge 0*9 bis 1*0 tum.
520 V. Apfelbeck,
Von C. ftilvum Schaum, mit dem es im Halsschildbau
fast übereinstimmt, namentlich durch den Mangel eines Schräg-
eindruckes oder eines Grübchens vor den Hinterecken des
Halsschildes, viel größeres Basalgrübchen und feineres, durch
viel seichtere Intrahumeralstreifen begrenztes Schulterfältchen
der Flügeldecken, längere und abstehendere Behaarung der-
selben sowie durch das wie bei C. Saulcyi gebildete Metasternum
des cf zu unterscheiden.
Albanien. In den Buchenwäldern der merditanischen
Gebirge (Mal iSheit,Apfelbec kl 905; Zebia,Winneguth 1906)
unter tiefen Laublagen.
37. Bathyscia (s. str.) merditana n. sp.
y[\i Bathyscia silvestris Mo t seh. icelatd) verwandt, von
derselben durch wesentlich flacheren und breiteren Körperbau,
nicht querrissig punktierte Flügeldecken, beim cT dickere und
etwas kürzere Fühler, stärker quere äußere Glieder derselben
und sehr stark erweiterte Vordertarsen des cT leicht zu unter-
scheiden.
Fühler kurz, die Hinterecken des Halsschildes nicht über-
ragend, zweites Glied wenig oder kaum länger als das erste,
das dritte bis sechste klein, wenig oder kaum (6.) länger als
breit, das siebente vergrößert, fast doppelt so groß als das
sechste, gegen die Spitze verdickt, nicht länger als breit, das
kleine achte sowie das neunte und zehnte sehr stark quer,
das Endglied mehr als doppelt so lang als das vorletzte, zu-
gespitzt eiförmig (länger als bei celata).
Seitenrand des Halsschildes bei seitlicher Ansicht in deut-
lichem, nach unten konvexem Bogen gekrümmt. Flügeldecken
ohne Nahtstreifen. Beine kurz, die Mittelschienen ziemlich lang
bedornt, die Hinterschienen kürzer, manchmal schwer sichtbar,
bedornt. Mesosternalkiel nach hinten nicht über das Meta-
sternum verlängert, vorn ziemlich hoch erhoben, mit scharfer
Spitze, geradlinig in stumpfem Winkel zum Prosternum ab-
fallend.
cT: Vordertarsen sehr stark verbreitert, fast so breit als die
Schiene. Vorderschienen gegen die Spitze leicht und allmählich
Neue Koleopteren. o2I
verbreitert mit konvexem Innenrande und fast gerader Außen-
kante.
Länge 1 • 6 bis 1 • 7 mm.
Von Bathyscia turcica Reitt. schon durch die viel be-
deutendere Größe, nicht querrissige Skulptur der Flügeldecken,,
nach hinten nicht lang ausgezogene Hinterwinkel des Hals-
schildes etc. leicht zu unterscheiden.
Albanien. Merdita, im Zebia-Gebirge bei Fandi unter
tiefen Laublagen (in Gesellschaft von Bergrothiella alhanica m.)
von Präparator A. Winneguth in mehreren übereinstimmenden
Exemplaren gesammelt.
38. Otiorrhynchus albanicus n. sp.
In die Gruppe des Ot. granicoUis Boh. gehörig und dem-
selben habituell ziemlich ähnlich. Er unterscheidet sich von
diesem durch die Skulptur und die Form des Halsschildes,
gröbere und tiefere Punkte in den Streifen der Flügeldecken,
viel kräftigere Beine, beim cf doppelt so breite und relativ
kürzere Schienen und in beiden Geschlechtern viel dickere, mit
einem starken, spitzen Dorne bewehrte Schenkel.
Halsschild gröber gekörnt, die Körner auf der Scheibe ab-
geflacht und nur an den Seiten mehr minder deutlich pupilliert,
an den Seiten stärker gerundet, in oder etwas hinter der Mitte
am breitesten, vor der Basis (namentlich beim 9) stärker und
plötzlicher, mehr minder eingezogen, verengt. Rüssel beim
9 breiter und gegen die Spitze schwächer verengt als bei
Ot. granicoUis, beim (f die Augen im allgemeinen flacher als
bei der verglichenen Art. Durchschnittlich etwas größer als
Ot. granicoUis.
(f: Letztes Abdominalsternit dicht und kräftig punktiert und
behaart (wie bei Ot. granicoUis).
Albanien. Merdita: Gebirge bei Groshi (Mal i Sheit) und
Fandi (Munela, Zebia). Unter Steinen auf Grasplätzen nicht
selten.
39. Otiorrhynchus munelensis n. sp.
Kleinen, schmalen Exemplaren des Ot. albanicus, namentlich
im männlichen Geschlechte in hohem Grade ähnlich, von diesem
522 V. Apfelbeck,
aber durch den Besitz deutlicher Borstenreihen auf den
Zwischenräumen der besonders beim ? stark abgeflachten,
an den Seiten viel schwächer gerundeten Flügeldecken leicht
zu unterscheiden. Etwas kleiner als Ot. albmiicus, der Rüssel
etwas kürzer und breiter, nach vorn deutlicher verengt. Hals-
schild schmäler, wenig breiter als lang, an den Seiten weniger
regelmäßig gerundet, weit hinter der Mitte am breitesten, grob
gekörnt und mit anliegenden Haaren einzeln bekleidet. Flügel-
decken beim cf etwas, beim Q viel flacher als bei Ot. alhanicus,
die Punkte der Streifen relativ noch tiefer und größer, die
Zwischenräume auf der Scheibe namentlich beim cf deutlich
schmäler als die Punktstreifen, mit einer regelmäßigen Reihe
feiner, weißlicher, haarförmiger Börstchen besetzt, welche am
Abfalle zur Spitze viel steiler abstehen als auf der Scheibe. Alle
Schenkel gezähnt.
cf : Letztes Abdominalsternit dicht und kräftig punktiert.
Habituell und verwandtschaftlich dem Ot. longipettnis
Stier 1. am nächsten stehend und neben diesem im
System e i n z u r e i h e n. Von Ot. loiigipennis durch den Mangel
des Tomentes auf den Flügeldecken, steifere und hinten viel
stärker abstehende Borstenreihen derselben, noch schlankeren
Körperbau etc. leicht zu unterscheiden.
Albanien. Merdita: Munela-Gebirge bei Fandi. Von Latif
Buljukbasic in einigen Exemplaren unter Steinen gesammelt
(1905).
40. Otiorrhynchus merditanus n. sp.
Dem Ot. pedemontanns Stierl. ähnlich, von diesem durch
schlankere Gestalt, namentlich viel längeren und schmäleren,
an den Seiten viel schwächer gerundeten Halsschild, längere
Flügeldecken, längere Behaarung und abweichende Skulptur
derselben, etwas breiteren, nach vorn schwächer verengten,
viel feiner punktierten, deutlich gekielten, längsrunzeligen
Rüssel, viel flachere Augen, schlankere Fühler und vollständig
ungezähnte Schenkel differierend. Halsschild auf der Scheibe
grob und tief punktiert, an den Seiten fein und dicht gekörnt,
beim cf ziemlich in der iMitte am breitesten, gegen die Spitze
und Basis gleichmäßig und allmählich verengt, beim 9 kürzer
Neue Koleopteren. 523
und meist vor der Mitte am breitesten und dann gegen die
Basis mehr verengt als zur Spitze. Flügeldecken lang oval, mit
vollständig verrundeten Schultern, ziemlich grob, beim 9 feiner,
punktiert gestreift, die Zwischenräume wenig breiter (cT) oder
mehr als doppelt so breit (9) als die Punktstreifen, mit einer
unregelmäßigen 1 Reihe feiner, stellenweise in Punkte aufgelöster
Körner, und Reihen feiner, gelblicher, anliegender, hinten längerer
und etwas mehr abstehender Haare. Beine und Fühler schlank,
rötlich pechbraun, die Fühler und Tarsen heller. Fühler schlanker
und etwas länger als bei Ot. pedeinontamis, das zweite Geißel-
glied wesentlich gestreckter als bei diesem, um Yg (cf) oder
um ^/^ (9) länger als das erste, die äußeren Glieder kugelig.
Alle Schenkel und Schienen einfach.
cf : Letztes Abdominalsternit dicht chagriniert, vor der Spitze
geglättet und mit einem grübchenförmigen Eindrucke versehen.
Schienen, namentlich die mittleren und hinteren, etwas stärker
gekrümmt als beim 9.
9 : Börstchen der Flügeldecken reichlicher, in unregel-
mäßigen Doppel- oder dreifachen Reihen auf den Zwischen-
räumen verteilt.
Albanien: Merdita: Munela-Gebirge bei Fandi, in der
alpinen Region unter Steinen (Winneguth, 1906).
41. Otiorrhynchus sitonoides n. sp.
Dem 0/". merditamts A^{.\ind Ot. pedemontanus sehr nahe
stehend, von ersterem durch viel dickere Fühler, andere
Skulptur und abweichende Behaarung der Flügeldecken, von
Ot. pedemontamis, mit dem er — das wesentlich längere zweite
Geißelglied ausgenommen — im Fühlerbau übereinstimmt,
durch breiteren, zur Spitze schwächer verengten Rüssel,
wesentlich längeren, an den Seiten schwächer gerundeten, auf
der Scheibe runzelig gekörnten (nicht zerstreut punktierten)
Halsschild, viel längere und mehr gleich breite, an den Seiten
schwächer und gleichmäßiger gerundete, dicht rauh punk-
tierte Flügeldecken und wesentlich längere, dichtere Pubeszenz
derselben, sowie ungezähnte Schenkel und etwas bedeutendere
Größe differierend.
1 d. h. stellenweise verdoppelten.
Sitzb. d. mathem.-naturw. Kl. ; CXVI. Ed., Abt. I. 35
524 V. Apfelbeck,
Flügeldecken äußerst dicht und fein, rauh punktiert und
ziemlich dicht und gleichmäßig (nicht in Reihen) mit gelblichen,
wenig abstehenden Härchen bekleidet. Fühler kräftig, das
zweite Geißelglied um die Hälfte länger als das erste, das
dritte kugelig, das vierte schwach, die folgenden zunehmend
stärker quer, die Keule dicker als bei Ot. merditaniis. Alle
Schenkel und Schienen einfach.
Albanien. Im Malisorengebiet, auf der Höhe des Maranai-
gebirges von mir aus Graswurzeln in einigen Exemplaren er-
beutet.
42, Otiorrhynchus Titan n. sp.
In die Verwandtschaftsgruppe des Ot. imitator Apf. und
Ot. GaMglhaiieri Stierl. gehörig, durch die Größe und die
plumpe Körperform von allen verwandten Arten sofort zu
unterscheiden. Die meisten Relationen hat die neue Art mit
Ot. Ganglhaueri Stierl.^
Von der typischen Form dieser Art differiert Ot. Titan durch
den gegen die Spitze viel schwächer verengten, tief gefurchten
und kräftig gekielten Rüssel, viel seichtere Grübchenreihen und
breitere, flachere, reichlicher punktierte Zwischenräume der
Flügeldecken und schlankere Fühler, namentlich die schwach
verdickten, rundlichen, nicht queren äußeren Geißelglieder
derselben, sowie schwächer gezähnte Vorderschenkel und viel
bedeutendere Größe.
Flügeldecken mit weißlichen, etwas metallisch glänzenden
Schuppen spärlich bekleidet, welche zu kleinen Flecken ver-
einigt auf der Oberfläche ziemlich gleichmäßig verstreut sind
und gegen die Spitze der Flügeldecken sich nicht (wie bei
Ot. Ganglhaueri) verdichten.
Länge 10 mm, Breite 5 nim.
Albanien. Merdita: Munela-Gebirge bei Fandi. Von Latif
Buljukbasic in zwei Exemplaren (9) gesammelt.
43. Otiorrhynchus (Cirrhorhynchus) Winneguthi n. sp.
Mit Ot. cribrostis Germ, und capricornis Apf. sehr nahe
verwandt, von ersterem durch anders geformten, nicht oder nur
1 Diese Art wurde vor vielen Jahren von Parreyss in »Rumelien« entdeckt.
Neue Koleopteren. 525
sehr undeutlich gekielten Halsschild, kürzere und gewölbtere,
hinten weniger zugespitzte, gleichmäßiger ovale Flügeldecken,
abweichenden Fühlerbau, beim cf vor der Spitze nur sehr
schwach ausgerandete Mittelschienen und kürzeres
zweites Tarsenglied sowie durchschnittlich geringere Größe,
von Otiorhynclius capricornis, mit dem er habituell mehr über-
einstimmt, namentlich durch die Halsschildform, wesentlich
längeres zweites Geißelglied und noch schwächer ausgerandete
Mittelschienen des cf differierend.
Halsschild beim cT viel flacher, an den Seiten nur
schwach gerundet, zur Basis und Spitze fast gerad-
linig und allmählich verengt, in oder vor der Mitte am
breitesten, beim 9 an den Seiten stärker gerundet, aber immer
noch viel schwächer als bei den verglichenen Arten, mit sehr
subtilem, zumeist kaum angedeutetem Mittelkiele. Fühler
kürzerund kräftiger als bei Ot.cribrosus, das zweite Geißel-
glied wesentlich — mindestens^/3 — - länger als das
erste, die äußeren sehr wenig länger als breit.
Albanien. Merdita: Munela-Gebirge bei Fandi. Von Prä-
parator Adolf Winneguth in Anzahl von jungen Rotbuchen
geklopft (Juni 1906).
44. Otiorrhynchus corruptor rhamnivorus n. subsp.
Vom typischen, als Weinschädling bekannten Otiorhyn-
chus corruptor durch kürzere, kräftigere Fühler, vorn stärker
verbreiterten, zur Basis stärker verengten Halsschild und die
Beschuppung der Flügeldecken, worin Ot. rhamnivorus mehr
mit Ot. armatus übereinstimmt, abweichend. Flügeldecken
ähnlich wie bei diesem mit einzelnen, ziemlich gleichmäßig
verteilten, nicht zusammenfließenden Sc huppen flecken
bekleidet. Im übrigen mit Ot. corruptor übereinstimmend.
Albanien. Merdita: Mal i Sheit-Gebirge bei Oroshi. Auf
Rlianintis alphms nicht selten.
45. Otiorrhynchus (Tournieria) Steindachneri n. sp.
Dem Ot. Raddei Stierl. am nächsten stehend, von dem-
selben hauptsächlich durch den Füblerbau, breiteren Hals-
35*
526 V. Apfelbeck, Neue Koleopteren.
Schild, die Skulptur der Flügeldecken sowie gezähnte Mittel-
und Hinterschenkel differierend.
Schwärzlich pechbraun, fein anliegend behaart. Stirn
doppelt so breit als der Durchmesser eines Auges. Fühler
schlank, das zweite Geißelglied etwas länger als das erste, die
äußeren deutlich länger als breit, nur das fünfte fast so breit
als lang. Halsschild wesentlich breiter als lang, an den Seiten
mäßig gerundet, etwas hinter der Mitte am breitesten, fein
gekörnt, die Körner mit seitlich eingestochenen Punkten, aus
denen lange, anliegende, gegen die Mitte gerichtete Haare ent-
springen. Flügeldecken gleichmäßig länglich-oval, mit feinen,
gelblichen, anliegenden Haaren gleichmäßig, aber wenig dicht
bekleidet, fein punktiert-gestreift, die Zwischenräume breit,
mit einer ziemlich regelmäßigen Doppelreihe feiner
Punkte, welche nach außen in feine Körner übergehen. Beine
normal, alle Schenkel gezähnt, die vorderen stärker verdickt
und kräftiger gezähnt. Zähne klein und spitz.
Habituell sehr an Ot.Starcki Ret. erinnernd, mit ihm auch
in der Größe übereinstimmend, von diesem durch kräftigere und
viel kürzere Fühler, die kurzen äußeren Geißelglieder derselben,
breiteren Halsschild, längere Behaarung, hinten breiter ver-
rundete Flügeldecken, mit kleinem Zahne versehene \'order-
schenkel und gezähnte Mittel- und Hinterschenkel differierend.
Von Ot. maxillosus Gyllh. schon durch die anliegende Be-
haarung, flachere und längere Flügeldecken und viel schwächer
verdickte Schenkel leicht zu unterscheiden.
Albanien: Merdita: Munela-Gebirge bei Fandi, in der
alpinen Region auf P/««5 leucoderniis (Winneguth 1906),
Herrn Hofrat Dr. Franz Steindach ner, Intendanten des
k. k. Naturhistorischen Hofmuseums, ehrerbietigst zugeeignet.
527
Die Sehildkrötenfamilie Cinosternidae m.
Monographisch bearbeitet
von
Kustos F. Siebenrock.
(Mit 2 Kartenskizzen, 2 Tafeln und 8 Textfiguren.
(Vorgelegt in der Sitzung vom 14. März 1907.)
Die Familie Cinosternidae m. umfaßt die beiden Sub-
fa.m\\\ex\Stanrotypitiae\indCi^iosteminae, von denen die erstere
aus den zwei Gattungen Claudius Cope und StatirotypusW s.g\.
besteht, während zur anderen Subfamilie die einzige Gattung
Ciuostertiiim Spix gehört. Die Gattungen Claudius Cope und
Staurotypus Wagl, früher mit Dermatemys Gray zur Familie
Dermatemydidae vereinigt, mußten von ihr abgetrennt werden,
weil sie einem ganz anderen Formenkreis angehören als die
letztere Gattung.
Die Dermatemydidae können nach ihren morphologischen
und habituellen Merkmalen im System nicht zwischen die
Chelydridae und Cinosternidae eingereiht werden, wie es bisher
geschah, sondern sie haben an den Schluß der chelydroideen
Schildkrötengruppe gestellt zu werden. Es unterliegt keinem
Zweifel, daß die Cinosternidae phylogenetisch von den Che-
lydridae abzuleiten sind, was nach einigen sehr gewichtigen
morphologischen Merkmalen zu beweisen nicht unschwer ge-
lingt. Dafür kommt hauptsächlich das Verhalten der rippen-
ähnlichen Fortsätze am Nuchale und die Form des Plastrons
samt seiner Verbindungsweise mit der Rückenschale in Betracht.
Danach ergibt sich folgende phylogenetische Reihenfolge der
Gattungen beider Familien: 1. Chelydra Schw., 2. Devisia
Ogilby, 3. Macroclemmys Gray, 4. Claudius Cope, 5. Stauro-
typus Wagl. und 6. Cinosternum Spix.
528 F. Siebenrock,
Daß die CheJydridae phylogenetisch älter sein dürften als
die Cinostertiidae, geht schon daraus hervor, weil von der
ersteren Familie sowohl in Europa als auch in Nordamerika
wiederholt fossile Tiere gefunden wurden, während solche
Funde von den Cinosternidae bisher noch nie gemacht worden
sind. Letztere Familie hat sich wahrscheinlich im oberen
Quartär von den Chelydridae abgetrennt.
Für die hier angeführten Tatsachen den Nachweis zu
erbringen, soll die Aufgabe der vorliegenden Abhandlung
bilden. Im Anschlüsse folgt die systematische Bearbeitung der
Familie Cinosternidae nach teilweise neuen Gesichtspunkten
und mit besonderer Berücksichtigung der Zoogeographie sowie
der Biologie nach Maßgabe von Mitteilungen, welche in der
Literatur verzeichnet sind. So findet beispielsweise der Nasen-
schild, dessen Form bei den einzelnen Arten der Gattung
Cinostertiiim Spix sehr charakteristisch ist, als vorzügliches
Unterscheidungsmerkmal in der Systematik Anwendung. Außer-
dem wird der Nachweis erbracht, daß die Horntuberkelflecke
an den Hinterfüßen der Männchen, deren physiologische Be-
deutung überhaupt noch nie in Erwägung gebracht wurde, als
Stridulationsorgane aufzufassen sind, wie sie bei einigen
Insektengruppen vorzukommen pflegen.
An der Hand eines reichlichen Materials, welches ich teil-
weise dem liberalen Entgegenkommen der Museen in Berlin,
München, Petersburg, Stockholm, Stuttgart und Wiesbaden
verdanke, wurde es mir ermöglicht, einige zweifelhafte Fragen
einer, wie ich glaube, definitiven Lösung zugeführt zu haben.
Es gereicht mir daher zur angenehmen Pflicht, nachbenannten
Herren: Prof. G Tornier, L. Müller, Kustos L. S. Berg, Prof.
E. Lönnberg, Oberstudienrat Prof. K. Lampert und Kustos
E. Lampe für die Förderungen meiner wissenschaftlichen
Bestrebungen den verbindlichsten Dank auszusprechen. Zu
besonderem Danke aber fühle ich mich Herrn Prof. Stejneger
verpflichtet, durch dessen Fürsprache die herpetologische
Sammlung unseres Museums drei Exemplare Cinosternnin sono-
riense Leconte und ein Exemplar C. hanrii Gar man von der
Smithsonian Institution in Washington zum Geschenk erhielt.
Schließlich muß ich noch der großen Opferwilligkeit des
Die Schildkrötenfamilie Cinosfernidae m. 529
Intendanten Herrn Hofrates F. Steindachner gedenken, dem
das Museum nicht nur den größten Teil der chelonologischen,
sondern der herpetologischen Sammlung überhaupt verdankt.
Die beiden Gattungen Clandms Cope und Staurotypus
Wagl. hat Boulenger in seinem Catalogue of the Chelonians
etc., 1889, mit Z)6'r;«a/ewjV5 Gray in die Fa.xn\\\e Dermatentydidae
vereinigt. Diese Vereinigung scheint mir keine natürliche zu sein,
denn vergleicht man Dermateinys Gray mit den beiden vorher-
gehenden Gattungen, so lehrt sowohl die allgemeine Körperform
als auch der einschneidende Unterschied bei vielen und gewich-
tigen habituellen sowie morphologischen Merkmalen, daß Der-
niatemys Gray einer ganz anderen Schildkrötengruppe ange-
hören müsse wie Claudius Cope und Staurotypus Wagl. Ja, die
letzteren haben in vieler Hinsicht mit Cinosternum Spix eine
so auffallende Ähnlichkeit, abgesehen von der ungleichen Zahl
ihrer Plastralknochen, daß sie mit Fug und Recht in eine Familie
vereinigt werden können.
Boulenger 1. c. führt als gemeinsame P'amilienmerkmale
der drei Gattungen Dermatemys Gray, Staurotypus W a. gl. und
Claudius Cope die Form der Schwan zwirbel, die Zahl der
Plastralknochen und das Verhalten der Schambeinfuge zur Sitz-
beinfuge an. Weil sie aber außerdem Merkmale sowohl mit den
Chelydridae als auch mit den Cinosternidae gemeinsam auf-
weisen, stellt der genannte Autor die Dermatemydidae zwischen
die beiden Familien.
Allein nach meiner Überzeugung gehört die Gattung
Dermatemys Gray überhaupt nicht zu den Chelydroidea,
welche Bezeichnung von Baur (Amer. Nat., XXVII, 1893)
für die ganze Gruppe gewählt wurde, sondern sie steht zu
diesen im selben Verhältnisse wie die Gattung Platysternum
Gray zur Gruppe der Testudinoidea. Die beiden anomalen
Gattungen Dermatemys Gray und Platysternum Gray bilden
einen höchst interessanten Parallelismus in der Ordnung der
rezenten Schildkröten, wie man ihn im Tierreiche wiederholt
wahrzunehmen vermag, und ihre systemaüsche Position dürfte
530
F. Sieben rock,
erst dann endgültig festgestellt werden können, wenn einmal
die fossilen Zwischenformen bekannt geworden sind.
Werden die Merkmale der Gattungen Dermatemys Gray,
Claudius Cope + Staurotj'pus W ag\. und Cinosternuni Spix
tabellarisch zusammengefaßt, wie dies im nachfolgenden zur
besseren Übersicht geschehen soll, so ergibt sich die Begründung
meiner vorher ausgesprochenen Behauptung von selbst.
Dennafemys Gray
Claudius C o p e + Stau-
rotypns Wagl.
Cinosternum Spix
1. Schwanzwirbel pro-
coel.
2. Neun Plastralkno-
chen.
3. Sitzbeinfuge ge-
trennt von der
Schambeinfuge.
4. Ein Lendenwirbel
anwesend.
5. Achtes Kostalplat-
tenpaarmäßig groß,
ohne Höcker für das
Becken.
6. Elf Marginalplatten
und zwölf Margi-
nalschilder.
7. Die Breite der
Brücke übertrifft die
Länge des Hinter-
lappens.
8. Frontalia groß, sie
begrenzen die Au-
genhöhle.
9. Maxillare vomQua-
dratojugale ge-
trennt.
10. Kieferrändergesägt.
11. Auf der Kaufläche
des Oberkiefers eine
Längsleiste.
1. Schwanzwirbel pro-
coel.
2. Neun Plastralkno-
chen.
3. Sitzbeinfuge ge-
trennt von der
Schambeinfuge.
4. Zwei Lendenwirbel
anwesend.
5. Achtes Kostalplat-
tenpaar klein, mit
einem Höcker für
das Becken.
6. Zehn Marginalplat-
ten und elf Margi-
nalschilder.
7. Die Breite der
Brücke erreicht nie
die Länge des Hin-
terlappens.
8. Frontalia klein, sie
erreichen den Au-
genhöhlenrand
nicht.
9. Maxillare mit dem
Quadratoj ugale ver-
bunden.
10. Kieferränder glatt.
1 1 . Kaufläche des Ober-
kiefers glatt.
1. Schwanzwirbel pro-
coel.
2. Acht Plastralkno-
chen.
3. Sitzbeinfuge ver-
bunden- mit der
Schambeinfuge
oder getrennt von
derselben.
4. Zwei Lendenwirbel
anwesend.
5. Achtes Kostalplat-
tenpaar klein, mit
einem Höcker für
das Becken.
6. Zehn Marginalplat-
ten und elf Margi-
nalschilder.
7. Die Breite der
Brücke erreicht nie
die Länge des Hin-
terlappens.
8. Frontalia klein, sie
erreichen den Au-
genhöhlenrand
nicht.
9. Maxillare mit dem
Quadratojugale ver-
bunden.
10. Kieferränder glatt.
1 1 . Kaufläche des Ober-
kiefers glatt.
Die Schildkrötenfamilie Cinostevnidae m.
531
Dennatemys Gray
Claudius C o p e + Stati-
rotypiis Wagl.
Cinosternum Spix
12. Ein Nasenschild
fehlt.
13. Dermalanhänge am
Kinn fehlen.
14. Zweiter Halswirbel
bikonvex.
15. Schenkelhaut bei rf
hinten glatt.
12. Nasenschild anwe-
send.
13. Dermalanhänge am
Kinn vorhanden.
14. Dritter Halswirbel
bikonvex.
15. Schenkelhaut bei (^
hinten mit Horn-
tuberkelflecken.
12. Nasenschild anwe-
send.
13. Dermalanhänge am
Kinn vorhanden.
14. Dritter Halswirbel
bikonvex.
16. Schenkelhaut bei (^f
hinten mit Horn-
tuberkelflecken.
Es darf dabei allerdings nicht übersehen werden, daß trotz
der vielen übereinstimmenden Grundzüge im Bauplane der
Gattungen Claudius Cope und Statirotypus Wagl. einerseits,
sowie bei Ciuosternimi Spix andrerseits sich wieder Unter-
schiede in der Zahl der Plastralknochen, in der Anordnung
der Neuralplatten etc. zeigen, welche mehr als einen generischen
Charakter zur Schau tragen. Die Absicht nun, einerseits die
Zusammengehörigkeit der drei Gattungen hervorzuheben,
anderseits aber die mehr als generische Selbständigkeit von
Cinosternum Spix den zwei anderen Gattungen gegenüber
anzudeuten, dürfte am besten durch die Aufstellung zweier
Subfamilien erreicht werden.
Somit haben wir für die Gruppe der Chelydroidea folgendes
Schema:
iChelydra Schw.
Devisia Ogilby.
Macroclemtnys Gray.
2. Familie [ Subfam. Staurotyjmmef
,/ Claudius Cope
, \StaurotypusV^Sig\.
Cinostermdae |„,^ ^. , . r r^. , c-
[Subfam. Cinostermnae{ Cinosternum bpix.
Schon vor dem Erscheinen von Boulenger's Katalog ver-
einigte Cope (Bull. Un. Stat. Nat. Mus., Nr. 32, 1887) die
Gattungen Staurotypus Wagl. und Cinosternum Spix in die
Familie Cinostermdae mit der irrtümlichen Begründung, daß
532 F. Sieb enrock,
beiden Gattungen das Entoplastron fehle, während der genannte
Autor die Gattung Claudius Cope mit CheJydra Schw. in die
Familie Chelydridae zusammenfaßte. Nach dem Erscheinen von
Boulenger's Katalog war es Baur 1. c, welcher Claudius
Cope und Statirotypus W a.g\. auf Grund osteologischer Merk-
male von den Dermatemydidae trennte, um diese Gattungen zu
einer selbständigen Familie zu erheben, die er ganz richtig
zwischen die Chelydridae und Ciiiosternidae stellte. Die beiden
Gattungen müssen aber der letzteren Familie viel näher gerückt
werden als den Chelydridae und dies soll durch die Bildung
der zwei Subfamilien Staurotypinae und Cinosterninae und ihre
Vereinigung in eine gemeinsame Familie zum Ausdrucke
gelangen.
Um die systematische Stellung der Familie Ciuosternidae
genauer zu präzisieren, folgt hier eine Synopsis jener krypto-
diren Schildkröten, deren Schale mit Hornschildern bedeckt ist
und welche nach dem Verhalten der Pektoralen zu den Mar-
ginalen in zwei Gruppen geteilt werden können.
I. Gruppe. Pektoralschilder mit den Marginalen verbunden
Tcstudinidae.
II. Gruppe. Pektoralschilder von den Marginalen getrennt.
A. Gliedmaßen mit deutlichen Fingern beziehungsweise
Zehen, davon 4 bis 5 mit Klauen versehen.
a) Schwanz mehr wie halb so lang als die Schale.
a) Plastron klein, kreuzförmig Chelydridae. 1_
ß) Plastron groß PJatysternidae. 4.
b) Schwanz nicht halb so lang als die Schale.
ci!) Rückenschale mit 23 Marginalen . . . Ciuosternidae. 2.
ß') Rückenschale mit 25 'b^la.vgmaXen . Dermatemydidae.'d.
B. Gliedmaßen mit Ruderfüßen, nur 1 bis 2 Klauen an-
wesend Chelonidae.
Die Untergruppe A zerfällt wieder in folgende Familien
und Gattungen:
1. Familie Chelydridae.
Chelydridae, Boul enger, Cat., 1889, p. 19;— Baur, Amer. Nat., XXVII, 1893,
p. 673; — Douglas Ogilby, Proc. R. Soc. Queensl. XIX, 1905, p. 9.
Chersemyda part., Strauch, Mem. Ac. St. Petersb., (7), XXXVIII, Nr. 2, 1890,
p. 10.
Die Schildkrütenlamilie Cinosternidae m. 533
Rückenschale mit 25 Marginalen; Plastron klein, kreuz-
förmig, mit der Rückenschale durch Gomphose verbunden;
Vorderlappen unbeweglich, Entoplastron anwesend; 9 Plastral-
schilder; Kinn mit Dermalanhängen, Schwanz lang.
1. Supramarginalschilder abwesend; Augenhöhlen aus-
und aufwärts gewendet; Schwanz unten mit großen
Schuppen bedeckt Chelydra.
2. Supramarginalschilder abwesend; Augenhöhlen seit-
wärts gewendet; Schwanz unten mit Schuppen von
verschiedener Größe bedeckt Devisia.
3. 3 bis 4 Supramarginalschilder beiderseits anwesend;
Augenhöhlen seitwärts gewendet; Schwanz unten mit
kleinen Schuppen bedeckt Macroclemmys.
2. Familie Cinosternidae.
Cherseinyda part., Strauch, Mem. Ac.St.Petersb., (7)XXXVm, Nr. 2, 1890, p. 10"
Emysaiiriäae, Vaillant, Ann. Sc. Nat., (7), XVI, 1894, p. 341.
Rückenschale mit 23 Marginalen; Kinn mit Dermal-
anhängen; Schwanz kurz.
2 a. Subfamilie Staurotypinae.
Dermatemydiäae part., Boulenger, Cat., 1889, p. 27.
Staiirotypidae, Baur, Amer. Nat., XXVII, 1893, p. 674.
Plastron klein, kreuzförmig, Entoplastron anwesend; 7 bis
9 Plastralschilder.
1. Plastron mit der Rückenschale durch Bandmasse ver-
bunden, Vorderlappen unbeweglich Claiiditis.
2. Plastron mit der Rückenschale durch feste Naht ver-
bunden, Vorderlappen beweglich Stmirotyptis.
2 h. Subfamilie Cinosterninae.
Cinosternidae, Boulenger, Cat., 1889, p. 33.
Kinosternidae, Baur, Amer. Nat., XXVII, 1893, p. 674.
Plastron klein oder groß, Entoplastron abwesend, 10 oder
1 1 Plastralschilder vorhanden Cinosterimm.
3. Familie Dermatemydidae.
Dennaiemydidae Tpart., Boulenger, Cat., 1889, p. 27.
Dermatemydidae, Baur, Amer. Nat., XXVIII, 1893, p. 673; —Vaillant, Ann. Sc.
Nat., (7), XVI. 1894, p. 339.
534 F. Siebenrock,
Chersemyda part., Strauch, Mem. Ac. St. Petersb., (7) XXXVIII, Nr. 2, 1890,
p. 10.
Rückenschale mit 25 Marginalen; Plastron groß, mit der
Rückenschale durch eine breite Brücke unbeweglich ver-
bunden, 11 oder mehr Plastralschilder anwesend; Kinn ohne
Dermalanhänge, Schwanz kurz Dermatemys.
4. Familie Platysternidae.
Platysternidae, Boul enger, Cat., 1889, p. 45; — Baur, Amer. Nat., XXVII,
1893, p. 674; — Vaillant, Ann. Sc. Nat., (7), XVI, 1894, p. 341.
Chersemyda part., Strauch, Mem. Ac. St. Petersb., (7), XXXVIII, Nr. 2, 1890,
p. 10.
Rückenschale mit 25 Marginalen; Plastron groß, mit der
Rückenschale durch Bandmasse verbunden, 12 Plastralschilder
anwesend; Kinn ohne Dermalanhänge, Schwanz lang
Platysternum.
Während von den Chelydridae fossile Reste schon aus dem
Miocän (Hay, Bull. Amer. Mus. Nat. Hist, XXI, 1905) bekannt
geworden sind, fehlen bis jetzt noch ähnliche Funde von Ver-
tretern der Familie Cinosternidae. Auch die beiden Gattungen
Anosteira Leidy und Pseudotrionyx Dollo, in denen Hay 1. c,
XXII, 1906, mit Stmirotypus W ag\. und Dermatemys Gray zu-
nächstverwandte Formen zu erblicken glaubte, gehören nicht
hieher. Das Plastron von Anosteira Leidy und Pseudotrionyx
Dollo besitzt zwar einige Ähnlichkeit mit jenem von Stanro-
typus Wagl., aber es fehlt den beiden Gattungen das Haupt-
kriterium für die Zugehörigkeit zu den Staurotypinae, nämlich
die Anwesenheit der rippenartigen, seitlichen Fortsätze an der
Nuchalplatte, denn gerade bei dieser Subfamilie sind die
genannten Fortsätze stark entwickelt. Daß dieselben auch bei
fossilen Formen vorhanden sein können, beweisen die von
H. V. Meyer (Fossile Säugetiere, Vögel und Reptilien aus dem
Molassemergel von Oeningen, Frankfurt 1845, und Palaeontogr.,
II, 1852, IV, 1856 und XV, 1865 bis 1868) beschriebenen
Chelydra- Arien murcMsoni und decheni.
Über die systematische Stellung der Gattung Pseudo-
trionyx Dollo haben sich schon Lydegger und Boulenger
(Geol. Mag., New Ser., IV, 1887) dahin geäußert, daß sie nicht
Die Schildkrötenfamilie Cinosternidae m.
535
zu den Chelydridae gehören könne, wie Dollo (Bull. Mus.
d'Hist. Nat. Belgique, IV, 1886) vermutet hatte, sondern wegen
der Abwesenheit von Dermalschildern eine selbständige Familie
bilden müsse.
Nicht so klar liegt die Sache bei AgompJms Cope aus der
oberen Kreide New Jerseys. Hier glaubt Wieland (Amer. Journ.
Sc, XX, 1905) nach der Anwesenheit einer Grube in der ersten
CinostcrrMae
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Kostalplatte den Schluß ziehen zu können, daß die Nuchalplatte
rippenartige, seitliche Fortsätze besessen habe. Daher stellt der
genannte Autor diese Gattung mit Rücksicht auf die Form des
Plastrons zu den Dermatemydidae, obwohl der Habitus der
Schale nach den bisher gefundenen Resten eher auf eine Land-
ais Flußschildkröte hindeuten würde.
In der gleichen Weise wie Wieland äußert sich Hay (1. c,
XXII, 1906) über die systematische Stellung von Agoniphns
Cope, indem er diese Gattung mit Adoctis Cope zu den Der-
inatemydidae rechnet, obwohl bei Adocus Cope bisher noch
keine Spur von rippenartigen, seitlichen Fortsätzen an der
Nuchalplatte gefunden wurde.
536 F. Siebenrock,
Der Ansicht Hay's 1. c, daß diese Fortsätze bei primitiven
Schildkröten gefehlt hätten, kann ich nicht beipflichten. Gerade
das Vorhandensein derselben deutet auf einen primären Zu-
stand hin, weil sie auch bei jungen Individuen vieler Eniydidae
vorhanden sind und erst im Laufe der Weiterentwicklung ver-
loren gehen,
Hay (1. c, XXI, 1905) leitet die Gattungen Claudius Cope
und Staurotypiis Wagl., welche er nach dem Vorbilde
Boulenger's mit Dermatemys in eine Familie vereinigt, von
den Tretosternidae ab und die Cmosternidae erwähnt der
genannte Autor überhaupt nicht. Nach meinen vorhergegangenen
Darlegungen sind die Cmosternidae, aus den Subfamilien
Staurotypinae und Cinosternitiae bestehend, direkt von den
CheJydridae abzuleiten, wie es das phylogenetische Schema
auf der vorhergehenden Seite veranschaulichen soll.
Das Hauptkriterium derchelydroiden Schildkröten besteht,
wie schon erwähnt wurde, im Vorhandensein von rippenartigen,
seitlichen Fortsätzen am Nuchale, welche den vordersten Margi-
nalplatten unten anliegen. Diese Fortsätze besitzen die Chely-
dridae in der größten Ausdehnung, etwas kürzer sind sie schon
bei den Staurotypinae und wieder kürzer, aber immerhin noch
sehr gut entwickelt bei den Cinosterninae.
Hand in Hand mit dieser Tatsache geht die Form und
Verbindungsweise des Plastrons mit der Rückenschale. Bei den
Chelydridae ist das kleine, kreuzförmige Plastron mit der
Rückenschale durch Bandmasse, respektive durch Gomphose
verbunden, Vorder- und Hinterlappen unbeweglich, und im
ersteren liegt, von Fontanellen umgeben, das kleine, stabförmige
Entoplastron. Ein ähnliches Verhalten finden wir diesbezüglich
auch bei der Gattung Claudius Cope, nur sind am Vorder-
lappen des Plastrons die Fontanellen verschwunden, dafür aber
hat sich das Entoplastron mehr in die Breite entfaltet. Bei der
nächsten Gattung Staurotypus Wagl. ist das Plastron schon
in feste Verbindung mit der Rückenschale getreten und der
Vorderlappen beweglich geworden. Somit bilden die beiden
Gattungen der Subfamilie Staurotypinae eine fortgesetzte
phylogenetische Entwicklungsreihe, an die sich die Subfamilie
Cinosterninae unmittelbar anschließt.
Die Schildkrötenfamilie Cinostentidae m. 537
Die letztere besteht nur aus einer Gattung, deren Arten nach
der Form des Plastrons in drei Gruppen zerfallen. Die erste Gruppe
umfaßt zwei Arten, C. odoratiim Daud. und C. carinahtm
Gray, mit noch sehr kleinem, kreuzförmigem Plastron, an dem
bloß der Vorderlappen beweglich ist. Somit haben die beiden
Arten noch große Ähnlichkeit mit der Gattung Stanrotypus
Wagl., weshalb sie ihr phylogenetisch folgen müssen. Bei der
zweiten Gruppe, welche die meisten Arten enthält und sdsPensil-
vamcum-Gvuppe bezeichnet werden kann, hat das Plastron schon
eine größere Ausdehnung als bei der ersten erlangt, aber es
schließt die Schalenöffnung dennoch nicht vollkommen ab. Hier
ist nicht nur der Vorderlappen, sondern auch der Hinterlappen
gut beweglich. Zuvörderst steht in dieser Gruppe allerdings
eine Art, C steindachneri Siebenr., mit auffallend kleinem
Plastron, an dem bloß der Vorderlappen, wenigstens bei Männ-
chen, beweglich ist, weshalb sie noch eine große Überein-
stimmung mit den Arten der Odovatnm-Gvnppe zeigt. Da sie
aber durch andere, sehr wichtige Merkmale den Arten der
zweiten Gruppe phj^ogenetisch näher gerückt ist, muß sie als
Übergangsform beider Gruppen betrachtet werden.
Bei der dritten und letzten, der sogenannten Crttentatmn-
Gruppe, hat das Plastron die größte Ausdehnung erreicht, denn
es schließt die Schalenöffnung vollkommen ab, da der Vorder-
und Hinterlappen auch eine erhöhte Beweglichkeit besitzt.
Daß aber die Chelydridae von den beiden Familien
phylogenetisch wirklich die ältesten sind, geht schon aus der
Entwicklungsgeschichte hervor. Alle oder doch wenigstens die
meisten Emydidae besitzen im jugendlichen Stadium die rippen-
artigen Fortsätze am Nuchale, welche mit zunehmendem
Wachstum wieder verschwinden; nur bei den chelydroideen
Schildkröten persistieren sie zeitlebens. Sie erreichen in der
Familie Chelydridae die größte Ausdehnung, welche bis zu den
Cinosternidae sukzessive abnimmt. Ferner sind die Plastral-
lappen bei allen jugendlichen Schildkröten mit dem Mittelstück
ausnahmslos unbeweglich verbunden und erst im Laufe des
Wachstums stellt sich die Beweglichkeit derselben bei mehreren
Arten ein. Somit zeigt das Plastron der Chelydridae durch die
Unbeweglichkeit der beiden Pastrallappen das primäre Verhalten
538 F. Siebenrock,
an, aus dem sich allmählich die größte Beweglichkeit derselben
in der Cruentatum-Gruppe der Gattung Cinosternum Spix
entwickelt hat.
Endlich ergibt sich auch aus den Betrachtungen der
zoogeographischen Verhältnisse, daß die Formen mit einem
kleinen, kreuzförmigen Plastron älter sein müssen als die mit
einem großen. Jene treten in einem geologisch viel älteren Gebiete
der nearktischen Zone auf, welches sich in Nordamerika von
der Südgrenze Kanadas bis zum Golf von Mexiko erstreckt, als
die Vertreter der Cruentatum-Gruppe, welche auf Südmexiko
und Zentralamerika beschränkt bleiben und in Südamerika bis
Ecuador vordringen, somit auf dem Gebiete des geologisch viel
jüngeren Kettengebirges der Cordilleren einheimisch sind.
Die verschiedene Größe des Plastrons hängt bei den ein-
zelnen Arten der chelydroideen Schildkröten mit der Anpassung
an die Lebensweise zusammen. Die Arten mit einem kleinen,
kreuzförmigen Plastron leben gewöhnlich in Pfützen und
Sümpfen, wo sie sich durch die Trübung des Wassers den
Verfolgungen von Seite ihrer Feinde entziehen können und
daher keines weiteren Schutzes bedürfen. Dagegen halten sich
die Arten mit großem Plastron in klarem Wasser auf, weshalb
sie den Nachstellungen ihrer Feinde viel mehr ausgesetzt sind
als jene. Sie besitzen deshalb eine vollkommen verschließbare
Schale, in die sie Kopf und Gliedmaßen bei drohender Gefahr
zurückziehen können.
Familie Cinosternidae
m.
Schale mit Hornschildern bedeckt, Pektoralschilder von
den Marginalen getrennt; Nuchalplatte beiderseits mit einem
rippenartigen Fortsatz, auf der Unterseite der Marginalplatten
liegend. Achtes Kostalplattenpaar klein, mit einem Höcker zur
Befestigung des Beckens. Elf Marginalschilder und 10 Marginal-
platten anwesend. Auf dem Kopf ein horniger Nasenschild;
Frontalia klein, nicht bis zum Orbitalrand ausgedehnt, weil die
Prae- und Postfrontalia zusammenstoßen. Temporalgegend ohne
Dach, ein Parieto-Squamosalbogen fehlt. Maxillare mit deniQua-
dratojugale in Kontakt; Kieferränder ganz, Kaufläche glatt;
mindestens ein Paar Kinnbartel anwesend. Hals in die Schale
Die Schildkrötenfamilie Cinosternidae m. 539
vollkommen zurückziehbar, dritter Halswirbel bikonvex, zwei
Lendenwirbel^ anwesend, Schvvanzwirbel procoel. Männchen
mit einem mehr weniger deutlich entwickelten, ovalen Fleck
von spitzen Horntuberkeln hinten am Ober- und Unterschenkel. ^
1 Eine besondere Eigentümlichkeit der Familie Cinostenüdae m. besteht
in der Anwesenheit zweier Lendenwirbel. Die zwei letzten Rückenwirbel, bei
den Schildkröten gewöhnlich durch Rippen mit der achten Kostalplatte ver-
bunden, zeichnen sich hier durch den Mangel von Rippen aus und entbehren
daher jeder Verbindung mit der genannten Kostalplatte, sie sind somit echte
Lendenwirbel.
Sonst unterstützt die zehnte Rippe, welche mit der achten Kostalplatte
nicht mehr verwachsen ist, sondern lateral auf der vorhergehenden neunten
Rippe aufliegt, die Kreuzwirbel bei der Befestigung des Beckens. Als Ersatz
dafür haben die Cinosternidae auf der achten Kostalplatte eine höckerartige
Erhebung, mit der das Becken außer den Kreuzwirbeln verbunden ist.
Da die Kostalplatten subkutan aus periostalen und ligamentösen Ver-
knöcherungen der Rippen hervorgehen, wie Götte (Zeitschr. wiss. Zool., 66,
1 899) nachgewiesen hat, so ist anzunehmen, daß die neunte Rippe bei den
Cinosternidae ursprünglich ebenfalls vorhanden war und erst im Verlaufe der
Entwicklung ausgefallen sein muß, denn sonst würde man sich die Entstehung
der achten Kostalplatte bei dieser Familie nicht erklären können.
Ganz anders verhält sich die Sache bei den Chelydridae, wo durch den
Mangel der zehnten Rippe die Entwicklung der Schale gar nicht tangiert wird»
weil sie ja so wie die erste Rippe niemals zur Bildung derselben beiträgt.
- Die Schildkröten gelten im allgemeinen als stumme Geschöpfe und Laut-
äußerungen sind bei ihnen auf ein Minimum beschränkt. Man kennt das
pfauchende Geräusch, welches sie von sich geben, wenn sie ihre beweglichen
Körperteile nach einer unvermuteten Berührung in die Schale zurückziehen.
Nur von wenigen Arten weiß man, daß sie im stände seien, Laute hervor-
zubringen. So berichtet Darwin (Journ. Research Geol. and Nat. Hist. Beagle,
1839) von den Elefantenschildkröten der Galopagos-Inseln, daß die Männchen
Avährend der Paarungszeit ein heiseres Brüllen hören lassen, welches auf eine
Entfernung von 100 Yards vernommen wird.
Ferner soll Staurotypits triporcattts Wie gm. nach Cope's Mitteilungen
{Proc. Ac. Philad., 1865, p. 188) zwei ganz verschiedene Stimmen (voices)
erzeugen können. Die eine ahmt den Namen »Huau« nach, durch das Aus-
atmen der genannten Vokale nicht mit dem Kehlkopf, sondern mit dem Schlund
und Mund erzeugt. Die zweite Stimme gleicht einem Gequieke, ähnlich jenem
von ungeölten Wagenrädern oder von einer großen Tür. Die erstere Stimme
scheint ein Ausdruck des Zornes zu sein, wenn das Tier gequält wird, und
letztere wahrscheinlich ein Ruf zur Nachtzeit, wenn ein Tier allein ist.
Derselbe Autor teilt von einer anderen Schildkröte, Nicoria punctularia
Daud., mit, daß sie ein weiches, melancholisches Pfeifen hören läßt, das besser
wahrzunehmen ist, wenn sie getötet wird.
Sitzb. der mathem.-naturw. Kl. ; CXVI. Bd., Abt. I. 36
540 F. Siebenrock,
Finger mäßig lang, Phalangen mit Kond3'len versehen. Vier
oder fünf Klauen anwesend. Schwanz auch bei Männchen
nicht halb so lang als die Schale.
Außerdem besitzen aber die Männchen der meisten Arten aus der Familie
Cinosternidae die Fähigkeit, ein Geräusch hervorzubringen, das mit dem Zirpen
vieler Insekten einige Ähnlichkeit hat. Die zwei ovalen Homtuberkelflecke an
den Hinterbeinen, welche in der Systematik bisher bloß als Artenmerkmal ver-
wendet wurden, ohne daß man nach dem Zwecke und ihrer physiologischen
Bedeutung gefragt hat, sind Stridulationsorgane, wie sie hauptsächlich bei
Orthopteren, Coleopteren und Hemipteren vorkommen.
Nach Handlirsch* (Ann. Wien. Hofmus., XV, 1900, p. 555) besteht das
Stridulationsorgan der Rh3mchoten, welches er ausführlich beschrieben und an
sehr schönen, instruktiven Abbildungen erläutert hat, aus zwei Teilen, einem
aktiven (reibenden) und einem passiven (geriebenen) Teil.
Genau dieselben Verhältnisse findet man bei den analogen Gebilden der
Cinosternidae, denn der Horntuberkelfleck am Unterschenkel ist der reibende
Teil und auf jenem am Oberschenkel wird gerieben. Versucht man dieses Ex-
periment an einem Exemplar aus dem Alkohol oder an der abpräparierten Haut
im trockenen Zustande, so wird dadurch ein Geräusch erzeugt, welches ganz
ähnlich ist, als würde man mit einem festen Gegenstande über eine starke Reib-
fläche streichen. Dieses Geräusch ist laut und deutlich vernehmbar, wie es durch
die Form und den Bau der kräftigen Horntuberkel, aus denen jeder ovale Fleck
besteht, ganz natürlich erscheint.
Daß man es hier wirklich mit einem Tonapparat zu tun habe und nicht
etwa mit einem Tastorgan oder mit einer Drüse, lehrt die Untersuchung. Die An-
nahme eines Tastorganes ist wohl vermöge des stark hornartigen Charakters
der Tuberkel ausgeschlossen und von einer Drüse kann keine Rede sein, weil
in der nächsten Umgebung weder Zellenanhäufungen noch auch Ausführungs-
gänge zu beobachten sind. Ebensowenig kann es sich hier nach der Lage der
zwei Tuberkelflecke um ein Klammer- oder Stützorgan handeln, welches even-
tuell bei der Begattung Verwendung finden würde.
Weil diese Tuberkelflecke nur bei den geschlechtsreifen Männchen ent-
wickelt sind, ist die Vermutung sehr naheliegend, daß sie zur Paarungszeit eine
Rolle spielen müssen, und zwar dürfte ihr Zweck sein, durch das damit erzeugte
Geräusch die Weibchen auf die Nähe der Männchen aufmerksam zu machen.
Dieser Ton-, respektive Geräuschapparat der Cinosternidae steht in der
Wirbeltierreihe wohl einzig da, denn bei keinem anderen Vertreter derselben
konnte bisher ein analoges Gebilde konstatiert werden.
* In neuerer Zeit sind über die Stridulationsorgane der Insekten folgende Arbeiten
erschienen: Handlirsch A., Neue Beitrage zur Kenntnis der Stridulationsorgane bei den
Rhynchoten, 1. c. ; — Gahan C. J., Stridulating Organs in Coleoptera, Trans. Entom. Soc.
London 1900, p. 433; — Regen J., Neue Beobachtungen über die Stridulationsorgane der
snltatoren Orthopteren, Arb. zool. Inst. Wien, XIV, 1903, p. 359; — Bergrot h E., On
Stridulating Hemiptera ofths Subfamily Halyinae etc., Proc. Zool. Soc. London, 1905, II,
p. 146.
Die Schildkrötenfamilie Cinosternidae m. 541
Subfamilie Staurotypinae.
Dermatemydidae part, Boulenger, Cat., 1889, p. 27.
Staiirotypidae, Baur, Amer. Nat., XXVII, 1893, p. 674.
Choanae hinter den Augen gelegen; die Palatina nehmen
einen großen Anteil bei der Bildung der Kaufläche des Ober-
kiefers, sie stehen mit der Gaumenplatte des Vomer in Ver-
bindung. Sieben Neuralplatten anwesend, von denen die letzte
mit dem Pygale in Berührung steht und das achte Kostalplatten-
paar in der Mitte vollkommen trennt. Bloß in Ausnahmsfällen er-
scheint das siebente Neurale etwas reduziert und dann trennt
es das achte sowie auch das siebente Kostalplattenpaar nur
unvollkommen, d. h. nur vorn. Vorderlappen des Plastrons nur
von einem Paar Schilder bedeckt; ein kleines, rudimentäres
Gulare kann anwesend sein oder auch fehlen; das Entoplastron
immer vorhanden. Kopf groß, mit ungeteilter Haut bedeckt, auf
der Nase ein unpaariger Hornschild. Scham- und Sitzbeine
mitten durch einen Knorpelstreifen getrennt, der immer die
Foramina obturatoria begrenzt.
Gattung Claudius Cope.
Boulenger, Cat., 1889, p. 32.
Rückenschale stark deprimiert und dreikielig; Plastron
klein, kreuzförmig, mit sehr schmaler Brücke, welche mit der
Rückenschale durch Bandmasse verbunden ist. Vorderer Plastral-
lappen unbeweglich.
Das Stridulationsorgan ist zwar bei den meisten, aber nicht bei allen
Arten der Cinosternidae entwickelt. Es fehlt bei C. scorpioides scorpioides L.,
C. scorpioides integrum Leconte und bei C. cruentatum A. Dum., dafür ist es
gegen die bisherige Annahme bei C. leitcostoinuin A. Dum. und C. herendtiamiiit
Cope vorhanden. Es zeigt bei diesen zwei Arten nicht die gleiche Ausbildung
wie bei den übrigen Vertretern der Subfamilie Cinosterninae, man sieht aber
ganz deutlich sowohl am Ober- als auch am Unterschenkel eine Anhäufung von
Horntuberkeln.
Das Stridulationsorgan war offenbar bei allen Arten der Cinosternidae
ursprünglich vorhanden, es findet sich nur bei C. leucostomum A. Dum. und
C. berendtianum Cope in Rückbildung begriffen, welche bei C. scorpioides
scorpioides L. etc. mit der Zeit so überhand genommen hat, daß ein gänzliches
Verschwinden erfolgen mußte. Vielleicht hat hier veränderte Lebensweise oder
ein anderer, noch unaufgeklärter Grund in der Ökonomie dieser Arten dazu
beigetragen, das Stridulationsorgan bei diesen Tieren überflüssig zu machen.
36*
542 F. Siebenrock,
1. Claudius angustatus Cope.
Claudius angustatus, Boulenger, Cat., 1889, p. 33; — Strauch, Mem. Ac.
St. Petersb., (7), XXXVIII, Nr. 2, 1899, p. 85.
Rückenschale oval und sehr flach, hinten breiter als vorn^
kaum ein Drittel so hoch als lang; die drei Rückenkiele deutlich,
aber nicht stark ausgebildet. Mittelkiel auf jedem Vertebrale
hinten unterbrochen und auf dem letzten fehlt er gänzlich.
Nuchale klein, doppelt so breit als lang. ErstesVertebrale vorn sehr
breit, breiter als lang und als die übrigen Vertebralia. Marginalia
schmal, die hinteren nicht viel breiter als die vorderen, weshalb
der Hinterrand der Schale sehr schmal erscheint.
Plastron klein, kreuzförmig; Vorderlappen vorn abgerundet
und breiter als der Hinterlappen, welcher gegen das Ende spitz
zuläuft. Brücke sehr schmal und mit der Rückenschale locker,
d. h. durch Bandmasse verbunden. Das Plastron wird von 7 bis
9 Schildern bedeckt, weil das unpaarige Gulare fehlen kann und
die Analen zuweilen vereinigt sind.
Strauch, 1. c, p. 84, hat darauf hingewiesen, daß Bou-
lenger, 1. c, p. 31 und 32, die großen, vor den Abdominalia
liegenden Schilder bei den zwei Staurotyptts-Avten triporcahis
Wie gm. und salvinii Gray das eine Mal als Pectoralia und
das andere Mal als Humeralia bezeichnet. Strauch hält diese
Schilder für die Pectoralia, weil sie an die Abdominalia grenzen.
Dieser Begründung kann ich nicht beipflichten, sondern ich
erblicke in den genannten Schildern die Humeralia, welche aus
der Verschmelzung mit den Pectoralia hervorgegangen sein
dürften.
Eine Rückbildung der Humeralia wird bei den Schildkröten
wohl selten wahrgenommen; der einzige, bis jetzt bekannte
Fall bezieht sich auf Psettdemydura ttmbrina Siebenr.
(.Anz. Ak. Wien, 1901, Nr. XXII). Sie kommt dagegen bei den
Pectoralia häufiger vor. Bei Teshido emys Schi, et Müll, bilden
dieselben oft nur ganz unansehnliche Schildchen am Rande des
Plastrons, so daß die Humeralia eine große Strecke mit den
Abdominalia zusammenstoßen. Übrigens kann man auch bei
einigen Cinosteriiuiu-Arten eine Rückbildung der Pectoralia
sehen, speziell bei C. cruetitatitui A. Dum., da sie sich gewöhn-
Die Schildkrötenfamilie Cinoslertiidae m. 543
lieh in der Mitte nicht berühren und die Humeralen daher mit
den Abdominaha in Verbindung treten.
Die Naht zwischen den HumeraUa und den Abdominalia
bildet bei Cl. angustahts C o p e sowie bei den Staurotypns- Arten
eine Bogenlinie, sodaß erstere Schilder am Außenrande in mehr
weniger lange, spitzwinklige Fortsätze ausgezogen werden.
Diese bedecken die nach hinten verlängerten Außenecken der
Epiplastra, welche den Hypoplastra seitlich anliegen, weshalb
sie die gleiche Lage innehaben wie bei den übrigen Schild-
kröten die Pectoralia. Es wäre daher nicht unmöglich, daß die
spitzwinkligen Fortsätze die rückgebildeten Pectoralia vorstellen,
vv^elche mit den Humeralia vereinigt wurden. Diese Annahme
gewinnt um so mehr an Wahrscheinlichkeit, weil bei den zwei
Gattungen die Neigung zur Obliterierung von Nähten über-
haupt vorherrscht, wie man bei den Analschüdern sehen kann,
welche durch ihre Unpaarigkeit ausgezeichnet sind.
Brücke außerordentlich schmal. Beim Exemplar, cf, unserer
Sammlung mit 105 cm Schalenlänge laufen die Abdominalia
seitlich auf der Brücke spitz zu, bevor sie das äußere Ende
derselben erreichen. Zwischen ihnen und den Marginalen liegen
keine hiframarginalia, sondern dieser Raum ist von der Epi-
dermis belegt, wie alle Weichteile des Tieres. In ihr sieht man
allerdings zarte Furchen, welche die Umrisse zweier Infra-
marginalia andeuten. Eine Hornbildung hat somit hier nicht
stattgefunden.
Kopf übermäßig groß, mit ungeteilter Haut bedeckt, auf
der Nase ein unpaariges Hornschildchen, die Haut des Halses
glatt, ohne warzige Erhebungen, nur am Kinn zwei Barteln.
Kiefer stark, Oberkiefer in der Mitte hakenartig vorspringend,
ebenso an der Seite unter dem Auge ein spitzer Zahn, der dem
Mittelhaken an Größe nicht nachsteht. Schwanz ohne Endnagel,
oben mit einer doppelten, seitwärts mit einer einfachen Reihe
Tuberkeln besetzt. Stridulationsorgane bei Männchen wohl
entwickelt.
Rückenschale dunkelbraun marmoriert; Plastron gleich-
mäßig lichtgelb. Die rotbraune Farbe des Plastrons in der von
Bocourt (Miss. Sc. Mex., Rept. 1870) gegebenen Abbildung,
544 F. Siebenrock,
Taf. IV, Fig. 2, dürfte keine ursprüngliche sein, sondern von
einem Lateritüberzug herrühren.
Kopf und Weichteile oben braun, unten gelb gefärbt; Kiefer
gelb mit braunen Punkten oder kleinen Flecken.
Diese Art wurde bisher nur in Südmexiko gefunden, wo-
her auch das Exemplar, cf, unserer Sammlung stammt; bei
diesem beträgt die Länge der Rückenschale 105 mm, deren
Breite 69 nint, ihre Höhe 32 mm.
Nach Cope (Proc. Ac. Philad., 1865, p. 188) wird Cl angu-
status Cope von den Eingeborenen in Tabasco, woher die
Type stammt, Talmane genannt. Das Tier lebt in Sümpfen und
gräbt sich bis zu einer Tiefe von 2 bis 3 Fuß in den Schlamm
ein. Es ißt kleine Fische, Krebse, Schnecken etc. Talmane legt
bloß einige Eier.
Gattung Staurotypus Wagl.
Boulenger, Cat., 1889, p. 29.
Rückenschale oblong und dreikielig; Plastron klein, kreuz-
förmig, mit sehr schmaler Brücke, welche mit der Rückenschale
durch Naht, also unbeweglich, verbunden ist. Vorderlappen des
Plastrons beweglich; Abdominalia von den Marginalen durch
zwei Inframarginalia getrennt.
1. Staurotypus salvinii Gray.
Staurotypus salvinii,'Qo\.\\Qr\gev, Cat., 1889, p. 32; — Strauch, Mem. Ac.
St. Petersb., (7), XXXVIII, Nr. 2, 1890, p. 84.
Staurotypus tnarmoratus, Strauch, 1. c, p. 83.
Rückenschale deprimiert, in der Vertebralgegend flach,
hinten nicht breiter als vorn, mehr wie ein Drittel so hoch als
lang; die drei Rückenkiele stark ausgebildet, der Mittelkiel nicht
unterbrochen. Nuchale sehr kurz, aber mindestens viermal
so breit alsl ang. Erstes Vertebrale vorn ebenso breit oder etwas
breiter als lang und als die übrigen Vertebralia. Marginalia
hinten sehr breit, viel breiter als vorn.
Plastron klein^ kreuzförmig; Vorderlappen vorn abge-
rundet und breiter als der Hinterlappen, der am Ende spitz
zuläuft. Brücke sehr schmal, sieben- bis neunmal in der Länge
Die Schildkrötenfamilie Cinosternidae m. 545
des Plastrons enthalten. Dieses wird von 7 bis 8 Schildern
bedeckt; das rudimentäre Gulare ist unter sechs Individuen
dreimal anwesend und die Analen sind stets in einem Schild
vereinigt. Abdominale Mittelnaht bedeutend kürzer als der
Vorderlappen, meistens sogar nur halb so lang.
Kopf übermäßig groß, vorn von einem Nasenschild bedeckt,
Kiefer stark, Oberkiefer mitten nur unbedeutend hakenartig
verlängert, Seitenzahn kaum angedeutet. Der kurze Schwanz
ohne Endnagel, oben mit einer doppelten, seitlich mit einer
einfachen Reihe Tuberkeln besetzt. Stridulationsorgane an den
Hinterfüßen bei Männchen gut entwickelt.
Rückenschale olivengrün oder lichtbraun ; Plastron gleich-
mäßig gelb gefärbt. Kopf oben und seitlich braun mit gelben
Flecken, unten schmutzig weiß, die Kiefer hornfarben ohne
Flecken.
Diese Art wurde bisher in Südmexiko und Guatemala
gefunden. Die herpetologische Sammlung des Museums besitzt
davon sechs Schalen aus Tehuantepec, deren Köpfe und Glied-
maßen separat in Alkohol aufbewahrt sind. Die Länge der
größten Schale beträgt 151 mm, deren Breite 106 mm und ihre
Höhe 48 mm; diese Maße verhalten sich bei der kleinsten
Schale wie 104 : 71 : 40.
2. Staurotypus triporcatus Wie gm.
Staiirotypns triporcatus, Boulenger, Cat., 1889, p. 31 ; — Strauch, Mem. Ac.
St. Petersb., (7), XXXVIII, Nr. 2, 1890, p. 83.
Rückenschale stark gewölbt, nur 2^l:^vaa.\ so lang als hoch,
Vertebralgegend durch die vvulstartig erhabenen Längskiele in
tiefe Rinnen umgebildet; Schalenrand hinten nicht breiter als
vorn. Nuchale kurz, aber sehr breit. Die Form der Vertebralia
und Marginalia stimmt mit jener der vorhergehenden Art über-
ein. Plastron klein, kreuzförmig, Vordeiiappen vorn abgerundet
und breiter als der Hinterlappen, welcher am Ende spitz zu-
läuft. Brücke viel breiter als bei der vorhergehenden Art, nur
A^l^maX in der Länge des Plastrons enthalten. Dieses von
sieben Schildern bedeckt, weil das Gulare stets zu fehlen
scheint und die Analia in einen Schild vereinigt sind. Abdo-
546 F. Siebenrock,
minale Mittelnaht nicht oder nur unbedeutend kürzer als der
Vorderlappen.
Kopf übermäßig groß, vorn von einem Nasenschild
bedeckt, Schnauze viel länger als bei St. salviiiii Gray; Kiefer
stark, Oberkiefer in der Mitte nur unbedeutend hakenartig vor-
springend, Seitenzahn kaum angedeutet. Der kurze Schwanz
ohne Endnagel; die Stridulationsorgane an den Hinterfüßen bei
Männchen gut entwickelt.
Rückenschale oliven, auf den Areolen der .Schilder dunkel-
braune Flecke. Kopf oben dunkelbraun mit lebhaft gelb
gefärbten, kleinen, runden Flecken. Kiefer hornfarben mit zahl-
reichen dunkelbraunen Querstreifen, die so eng gesetzt sein
können, daß die Kiefer fast schwarz erscheinen.
Diese Art bewohnt das gleiche Verbreitungsgebiet wie
St. salvinii Gray, nämlich Südmexiko und Guatemala. Die
herpetologische Sammlung unseres Museums besitzt von dieser
seltenen und interessanten Art kein Exemplar, ich hatte jedoch
Gelegenheit, drei Exemplare im Berliner Museum und ein Exem-
plar nebst einem sehr schönen Skelett vom Stuttgarter Museum
zu untersuchen.
Cope (Proc. Ac. Philad., 1865, p. 188) teilt einige sehr
interessante Beobachtungen an St. triporcatti^sW i e gm., von den
Eingeborenen in Tabasco nach den Lauten, welche das Tier
ausstößt, »Huau« genannt, mit. Cope hörte von einer Anzahl
verschiedener und verläßlicher Personen die Tatsache, daß der
Alligator den Huau lebend verschlucke. Um aber der unlieb-
samen Gefangenschaft wieder zu entkommen, nagt die Schild-
kröte an den Eingeweiden des Alligators. Dieser speit dann die
Schildkröte wieder aus oder man findet sie im Magen des
getöteten Sauriers noch lebend vor.
Der Huau wird von den Indianern, welche sein Fleisch
sehr schätzen, gegessen, von den Weißen aber verachtet.
Cope hat von einem gekochten Tier, dessen Fleisch rötlich
war, gekostet und gefunden, daß es besser schmecke als das
von Dermatemys.
St. triporcatus Wiegm. nimmt so wie Claudius Cope
und Cinosternum Spix animale Nahrung zu sich. Das Weib-
chen lesit im November und Dezember 10 bis 20 Eier.
Die Schildkrötenfamilie Cinosternidae m. 547
Subfamilie Cinosterninae.
Cinosternidae, Boulenger, Cat., 1889, p.33; — Garman H., Bull. Illinois Lab.
N. H., III, 1892, p. 237.
Cinosternidae, Baur, Amer. Nat., XXVII, 1893, p. 674.
Choanae vor den Augen gelegen. Die Palatina nehmen nur
einen geringen Anteil an der Bildung der Kaufläche des Ober-
kiefers ; sie stehen mit der Gaumenplatte des Vomer nicht in
Verbindung.
Die Kaufläche des Oberkiefers stößt entweder an diejenige
des Zwischenkiefers wie bei C. odoratiim Daud., scorpioides
scorpioides L., sc. mtcgruui Leconte, Jeticostomuin A. Dum.,
berendtianuin Cope und crtientatwn A. Dum. oder sie bleibt
durch einen mehr weniger tiefen Einschnitt davon getrennt wie
bei C. steindackneri Siebenr., baurü G arm a.n, pensilvanicujii
Gm. und ßavescens Agass.
Fünf oder sechs Neuralplatten anwesend; das Entoplastron
fehlt, Vorderlappen des Plastrons mit vier oder fünf Schildern
bedeckt. Ein unpaariger Nasenschild anwesend. Die Scham-
und Sitzbeine stoßen entweder in der Mitte zusammen und um-
schließen die zwei Foramina obturatoria oder sie werden durch
einen dazwischen gelagerten Knorpelstreifen getrennt.
Gattung Cinosternum S p i x.
Cinosterntim, Boulenger, Cat., 1889, p. 33; — Strauch, Mem. Ac. St.Petersb.,
(7), XXXVIII, Nr. 2, 1890, p. 25; — Garman H., Bull. Illinois Lab.
N. H., III, 1892, p. 238.
Aromochelys, Strauch, 1. c, p. 24 ; — Garman H., 1. c, p. 240.
Rückenschale mehr weniger deprimiert; Plastron klein
oder groß, mit der ersteren durch Naht verbunden, Vorder- und
Hinterlappen beweglich oder ersterer allein; Gulare anwesend
und stets einfach oder abwesend. Analschilder immer getrennt.
Postorbital- und Temporalbogen mäßig breit. Zwischen den
Fingern, beziehungsweise Zehen wohlausgebildete Schwimm-
häute, nur die äußere Zehe klauenlos ; Schwanz kurz, bei
Männchen etwas länger als bei Weibchen und meistens mit
einem Endnagel versehen.
In der Regel sind sechs Neuralplatten anwesend und bloß
ausnahmsweise nur fünf. Die erste Neuralplatte ist entweder
548 F. Si ebenrock,
lang und steht mit dem Nuchale in Verbindung oder kurz und
dann bleibt sie von diesem getrennt. In dem einen Falle wird
das erste Kostalplattenpaar in der Mitte getrennt, in letzterem
bildet dasselbe vorn eine kurze Mittelnaht.
Diese Anordnung der Neuralplatten läßt sich in der Syste-
matik nicht verwenden, da sie keinen bestimmten Gesetzen
unterliegt. Es scheint vielmehr, daß die erste Neuralplatte
ursprünglich immer mit dem Nuchale verbunden war und erst
im Verlaufe der Entwicklung bei manchen Arten eine Reduktion
eingetreten ist, wodurch die Trennung vom Nuchale erfolgte.
Dies kann man daraus vermuten, weil das erstere bei der
größeren Zahl der Arten der Fall ist und eine Reduktion der
vordersten Neuralplatte bloß bei C. odoratuni Daud., liirtipes
Wag!., leucoslomum A. Dum. und here-ndtimimn Cope beob-
achtet wird. Übrigens hatte ich nur von der ersteren Art
mehrere Exemplare daraufhin zu prüfen Gelegenheit, von den
übrigen Arten standen mir wenige oder gar nur ein Skelett zu
Gebote. Vielleicht ist dieses Verhalten auch innerhalb einer
Art variabel, denn bei C. crnentattim A. Dum. kommen beide
Fälle vor. Andrerseits besitzen wieder alle Arten der Pensil-
vauicum-Gruppe ein langes erstes Neurale, das mit dem
Nuchale stets verbunden ist, und schon dadurch lassen
sich dieselben von C. odorattim Daud. sehr leicht unter-
scheiden.
Ebenso scheint die Länge des letzten, beziehungsweise
sechsten Neurale nicht konstant zu sein, denn es trennt ent-
weder das sechste Kostalplattenpaar mitten in der ganzen Aus-
dehnung, so daß bloß das siebente und achte Kostalplattenpaar
eine Mittelnaht bilden, oder dies geschieht in der vorderen
Hälfte allein.
Als ein besonderes Unterscheidungsmerkmal zwischen
Dermatemydidae und Cinosternidae hebt Boulen ger, 1. c, p. 4
und p. 18, die Form des Beckens hervor. Bei der ersteren Familie,
zu welcher Boulen ger auch die Gattungen Claudius Cope
und Stat^rotypus W ag\. rechnet, bleibt die Schambeinfuge von
der Sitzbeinfuge getrennt, bei den Cinosternidae stoßen diese
Teile aber zusamnien; in ersterem Falle werden die Foramina
obturatoria durch ein Band oder einen Knorpelstreifen getrennt,
Die Schildkrötenfamilie Cinosternidae m. 549
in letzterem von den Knochen selbst. Dieses Merkmal ist kein
konstantes, weil zwei Cinosterimm-Avien, haurii Gar man und
flavescetis Agass., dieselben Verhältnisse zeigen wie dieArten
der Staiirotypinae. Auch bei ihnen wird die Schambein- von
der Sitzbeinfuge durch ein deutliches Band getrennt, so daß
die Foramina obturatoria innen von diesem begrenzt sind.
Das Becken der Gattung Cinostcrnum Spix gleicht in der
Gesamtform demjenigen der Staurotypmae, welches durch
stark entwickelte, schaufeiförmige Schambeinhöcker ausge-
zeichnet ist, die nach vorn nicht senkrecht nach außen wie
bei Dcrinatemys Gray gekehrt sind.
Ein knöchernes Epipubicum, Epigastroid Baur (Journ.
Morph., IV, 1891, p. 345), ist stets vorhanden; es gelangt bei
C. odoratum Daud. unter den Cinosternum-Axien zur höchsten
Entwicklung, wodurch diese Art den Staurotypmae phylo-
genetisch näher gerückt wird. Auch ein knöchernes Hypo-
ischium fehlt selten. Es liegt gewöhnlich am Hinterrande der
Sitzbeinfuge und bloß bei C. odoratum Daud. ist es so wie bei
den Staurotypmae gegen die Mitte der Sitzbeinfuge geschoben,
wie dies Baur, 1. c, p. 347, Fig. 3, von Dermateinys Gray
gezeichnet hat. Baur nennt diesen Knochen »peculiar ossified
process« und leitet ihn vom Epipubicum ab. Man kann jedoch
am Becken von Staitrotyptis triporcatits W i egm. genau sehen,
wie sich das Hypoischium vom Hinterrande der Sitzbeinfuge
nach vorn erstreckt. Es erreicht bei dieser ArL die bedeutendste
Größe, indem es aut der hinteren Hälfte der Sitzbeinfuge einen
hohen, hakenförmigen Kamm bildet. Auch hierin zeigt C. odo-
ratum Daud. wieder den phylogenetischen Anschluß der Cmo-
sternmae an die Staurotypmae.
Die Gattung Aromochelys hat Gray (Cat. Sh. Rept., I, 1855,
p. 46) geschaffen und sie von Cinosterimm Spix losgetrennt.
Vergleicht man aber die Gray'schen Diagnosen dieser Gattungen
mitsammen, so ergibt sich, daß der einzige Unterschied in der
Größe des Gulare und in der Form der Pektoralschilder liegt.
Diese Merkmale, von denen übrigens nur das erstere einige
Berechtigung hat, können höchstens einen artlichen, aber keinen
generischen Charakter beanspruchen. Daher wurden die beiden
Gattungen von Boulenger 1. c. mit vollem Rechte wieder zur
550 F. Sieben rock,
ursprünglichen Gattung Chiosiernum Spix vereinigt. Daraufhin
machte Strauch I.e. neuerdings den Versuch, der Gattung
Aromochelys Gray zur Selbständigkeit zu verhelfen, indem er
als wesentlichsten Unterschied zwischen den genannten Arten
die Bewegungsmöglichkeit der Plastrallappen hervorhob. Aber
auch dieses Merkmal ist für die generische Trennung hinfällig
geworden, weil ja der Hinterlappen des Plastrons bei C. stein-
dachneri Siebe nr. ebenfalls, wenigstens bei Männchen unbe-
weglich ist. Und diese Art gehört entschieden, gegen meine
frühere Annahme, zur Pensilvanicmn- und nicht zuv Od orahtm-
Gruppe.
Es ist also ganz ungerechtfertigt, daß die meisten ameri-
kanischen Herpetologen die Gray'sche Ga.itung Aromochelys im
System noch immer aufrecht erhalten wollen.
Ein bisher ganz unbeachtet gebliebenes Merkmal für die
systematische Beurteilung der einzelnen Arten bildet die Form
des Nasenschildes. Er stellt entweder eine solide Hornplatte dar,
welche hinten gerade abschneidet oder fortsatzartig vorspringt,
oder er ist tief gegabelt, so daß seine beiden Schenkel bloß die
Supraorbitalgegend bedecken. Diese Unterschiede sind allerdings
hauptsächlich bei ganz oder doch völlig ausgewachsenen Indi-
viduen verwendbar; bei jugendlichen Tieren hat der Nasen-
schild immer eine gegabelte Form und erst mit fortschreitendem
Wachstum tritt die Differenzierung desselben auf. Es wurden
daraufhin von mir alle bisher bekannten Cinosternum- Arten
geprüft und es zeigte sich nahezu niemals eine Abirrung von
der gegebenen Norm.
Daher glaube ich, keinen Fehlgriff zu machen, wenn ich
dieses Merkmal in die Systematik einzuführen versuche. Es
wird sich bei der Beurteilung der einzelnen Arten ergeben, daß
die Form des Nasenschildes zuweilen ein sehr wichtiges Unter-
scheidungsmerkmal bildet, wenn es sich um scheinbar nahe
verwandte Arten handelt.
Die Synopsis lautet, mit Einbeziehung der seit dem Er-
scheinen von Boulenger's Catalogue neu beschriebenen Arten,
folgendermaßen:
I. Plastron klein, pektorale Mittelnaht so lang oder länger
als die humerale, Hinterlappen nicht beweglich; Nasenschild
Die Schildkrötenfamilie Ciuostcrnidae m. 5ol
gegabelt, Stridulationsorgane bei Männchen an den Hinterfüßen
gut entwickelt.
Gulare klein, triangulär 1. odorattini.
Gulare unansehnlich oder abwesend 2. caiinatiim.
IL Plastron klein oder von mäßiger Größe, immer kleiner
als die Schalenöffnung, pektorale Mittelnaht kürzer als die
humerale. Vorder- und Hinterlappen beweglich oder der Vorder-
lappen allein, Plastron hinten ausgeschnitten, Rückenschale
einkielig; Stridulationsorgane bei Männchen an den Hinter-
füßen gut entwickelt.
A.Breite der Brücke 2^1^- bis 3 mal in der Länge des Vorder-
lappens enthalten, Nasenschild gegabelt. .3. steindacJincri.
B. Breite der Brücke nicht zweimal in der Länge des Vorder-
lappens enthalten.
Hinterlappen des Plastrons länger als der Vorder-
lappen, Schale lang und schmal, Nasenschild solid
4. hatirii.
Hinterlappen des Plastrons kürzer als der Vorder-
lappen, Schale kurz und breit, vorletztes Marginalpaar
niedriger als das letzte, Nasenschild solid ö.pensilvatiiciun.
Pektorale Mittelnaht nicht ein Drittel so lang als die
humerale, vorletztes Marginalpaar so hoch als das letzte,
Nasenschild gegabelt Q.ßavescens.
Pektorale Mittelnaht nahezu ebenso lang als die hume-
rale, Gulare halb so lang als der \'orderlappen, vorletztes
Marginalpaar niedriger als das letzte, Nasenschild solid
7. souoriense.
Pektorale Mittelnaht halb so lang als die humerale,
Gulare fast dreimal in der Länge des Vorderlappens ent-
halten, Nasenschild schwach gegabelt 8. hirtipes.
IIL Plastron von mäßiger Größe, schmäler als die Schalen-
öffnung, Vorder- und Hinterlappen beweglich, letzterer hinten
ausgeschnitten. Schale dreikielig; Nasenschild solid, Stridu-
lationsorgane fehlen bei Männchen an den Hinterfüßen.
Diskoidalschilder einfarbig 9. scorpioides scorpioides.
Diskoidalschilder schwarz gerandet
9 a. scorpioides integrum.
002 F. Siebenrock,
IV. Plastron groß, es schließt die Schale vollkommen ab,
hinten nicht ausgeschnitten oder eingekerbt, Nasenschild solid.
A'. Rückenschale einkielig, Stridulationsorgane bei Männchen
an den Hinterfüßen rudimentär.
Vorderlappen des Plastrons länger als der unbeweg-
liche Teil, Gulare nicht halb so lang als der Vorderlappen,
Supracaudalia so hoch oder höher als die anstoßenden
zehnten Marginalia 10. leucostontmn.
Vorderlappen des Plastrons nicht länger als der unbe-
wegliche Teil, Gulare mehr wie halb so lang als der
Vorderlappen, Supracaudalia so hoch wie die anstoßenden
zehnten Marginalia 11. herendtianum.
B'. Rückenschale dreikielig, Stridulationsorgane fehlen bei
Männchen an den Hinterfüßen, Supracaudalia niedriger als
die anstoßenden zehnten Marginalia 12. cnientatum.
1. Cinosternum odoratum Daud.^
Cinosternttm odoratum, Boulenger, Cat., 1889, p. 37.
Aromochelys odorata, Strauch, Mem. Ac.St.Petersb., (7), XXXVIII, Nr. 2, 1890,
p.86; — GarmanH.,BuIl. Illinois Lab. N.H., III, 1892, p.240; —Hurten
Trans. Ac. St. Louis, VI, 1892, p. 260; — Lönnberg, Proc. U. Stat. N.
Mus., XVII, 1894, p. 320; — Eigenmann, Proc. Indian. Ac, 1895,
p. 263; — Rhoads, Proc. Ac. Philad., 1895, p. 384; — Mearns, Bull.
Amer. Mus., X, 1898, p. 328; — Paulmier, New York State Mus.,
Bull. 51, 1902, p. 393; — Stone, Proc. Ac. Philad., LV, 1903, p.540;
— Ditmars, Amer. Mus. Journ.,V, 1905, p. 129.
Aromochelys carinata part., Garman H., 1. c, p. 240.
Rückenschale längsoval, mäßig gewölbt, Profillinie vorn
mehr ausgedehnt als hinten, Vertebralkiel bei halbwüchsigen
Tieren sehr deutlich, er kann aber mit zunehmendem Alter ganz
verschwinden; die Seitenkiele sind bei jungen Individuen zu-
weilen besonders deutlich sichtbar und dies veranlaßte Agassi z
1 Nachbenannte Abhandlungen konnten nicht berücksichtigt werden, da
sie mir nicht zugänglich waren: 1. Haj- 0., The Batrachians and Reptiles of the
State of Indiana, Indianopolis, 1893; — 2. Smith E., The Turtles and Lizards
found in the vicinity of New York City, Proc. Linn. Soc. New York, 1899, p. 1 1;
— 3. Morse M., Batrachians and Reptiles of Ohio, Proc. Ohio Ac, IV, Nr. 9,
1904, p. 93.
Die Schildkrätenfamilie Cinosternidae m. 553
(Contr. Nat. Hist. U. St., I, 1857, p. 425) zur Aufstellung einer
selbständigen Art »tristycha«. Die Seitenkiele verschwinden aber
so wie der Vertebralkiel bei ausgewachsenen Tieren, weshalb die
fragliche Art von Boulenger 1. c. mit Recht eingezogen wurde.
Erstes Vertebrale lang und schmal, vorn schmäler als das
zweite bis vierte. Nuchale sehr klein ; Supracaudalia ebenso hoch
wie die anstoßenden zehnten Marginalia. Schilder glatt und
imbrikat, nur bei ganz jungen Exemplaren treten die Areolen
deutlich hervor, umgeben von konzentrischen und einigen
radiären Furchen; ebenso können die Vertebralen hinten vor-
springende Höcker bilden.
Plastron klein, kreuzförmig; Hinter-
lappen nur halb so breit wie die Schalen-
öffnung, Vorderlappen ebenso lang oder
kürzer, letzteres bei Weibchen, als der
Hinterlappen und ebenso lang oder etwas
länger, bei jungen Individuen, als der unbe-
wegliche Teil. Vorderlappen vorn abge-
rundet, Hinterlappen am freien Ende im
weiten Bogen ausgeschnitten. Brücke sehr
schmal, 4Vo- bis 6mal in der Länge des ^. ^ , ,
' ' 'i ^ Ctnosternum odoratiim
Plastrons enthalten. Gulare stets anwesend, oaud., Kopf von unteir.
sehr variabel in der Größe; pektorale Mittel- n. Gr.
naht ebenso lang oder länger als die hume-
rale; anale viel kürzer als die abdominale, weil die femorale
Mittelnaht sehr lang, nur wenig kürzer als jene ist. Axillaria
klein und schmal, Inguinalia groß und breit. Die Plastralschilder
werden gewöhnlich durch häutige Zwischenräume voneinander
getrennt, die bei Männchen viel ausgedehnter sein können als bei
Weibchen.
Kopf groß, Schnauze lang und spitz, Nasenschild gegabelt;
Kiefer stark, Oberkiefer in der Mitte abgerundet, nicht haken-
artig vorspringend; Unterkiefersymphyse halb so lang als die
Mandibel. Kaufläche des Oberkiefers durch keinen Ausschnitt
von der Gaumenplatte des Vomer getrennt. Stridulationsorgane
bei Männchen an den Hinterfüßen gut entwickelt. Schwanz
ohne Hornnagel, die Spitze steckt in einer weichen Hülse.
554 F. Siebenrock,
Rückenschale in der Färbung sehr variabel, von lichtgrün
bis dunkelbraun in allen Nuancen; im ersteren Falle oft mit
braunen Flecken und Strichen geziert, die Schilder schwarz
gerandet. Plastron gelb, die medialen Ränder der einzelnen
Schilder zuweilen etwas dunkler gefärbt. Sehr häufig hat das
Plastron einen mehr weniger intensiven, dunkel- oder rotbraunen
Überzug, der von Latent herrührt und mit der eigentlichen
Färbung des Tieres gar nichts zu tun hat. (Siehe Siebenrock,
Zool. Anz., XXX, 1906, p. 578.) Kopf oben dunkelbraun,
zuweilen gefleckt oder marmoriert mit Gelb. Zwei parallele gelbe
Linien gehen beiderseits vom Halse kommend über und unter
dem Auge zur Nasenspitze, ein drittes Paar zieht längs des
Innenrandes am Unterkiefer zur Symphyse, aber ohne sich
daselbst zu vereinigen. Diese drei Linienpaare können gänzlich
fehlen, und zwar dann, wenn der Kopf stark marmoriert ist. Am
öftesten fehlt das dritte Paar und am häufigsten ist das oberste
anwesend. Hals und Gliedmaßen grau, ersterer gelb gestreift
oder gefleckt, letztere braun gefleckt.
Auch die jüngsten Exemplare dieser Art sind sehr leicht
von jenen der übrigen Arten durch die starke Wölbung der
Rückenschale mit dem kräftigen Vertebralkiel, der hinter jedem
Schilde tuberkelartig vorragt, und durch das auffallend kleine
Plastron zu unterscheiden.
C.odoratutnD aud. hateine sehrausgedehnte geographische
Verbreitung, die sich von Canada im Osten und im Zentrum
Nordamerikas bis zum Golf von Mexiko erstreckt. Die herpeto-
logische Sammlung des Museums besitzt Exemplare aus dem
Concordfluß, Mass., dem Spy-Pond bei Cambridge, A4ass., dem
Wisiona Lake, Indiana, dem Illinoisfluß, von Raleigh in Nord-
Carolina, Colmesneil in Texas und von Orlando in Florida. Die
Länge der Rückenschale des größten Exemplares beträgt
WO mm, deren Breite 76 mm und ihre Höhe So mm; diese
Maße verhalten sich beim kleinsten Exemplare wie 47 : 37 : 22.
C. odoratiiiii Dsiud. ist nach den Angaben der amerika-
nischen Autoren in allen Teichen, Sümpfen und kleinen Flüssen
ziemlich häufig und wird von den Bewohnern allenthalben
Moschusschildkröte oder Stinktopf (stink pot), womit man eine
Art Geschoß bezeichnet, genannt. Das Tier fällt den Fischern
Die Schildkrötenfamilie Cinosternidae m. 55o
dadurch lästig, daß es sehr gern an die Angel geht und wegen
seines heftigen Zappeins den Glauben erweckt, als hätte sich
ein großer Fisch gefangen.
Sehr interessante Mitteilungen über das Freileben und
speziell über die Eiablage von C. odoratiim Daud. am Turkey
Lake, Indiana, verdanken wir Eigenmann 1. c. Sie lauten fol-
gendermaßen: »Diese Art ist häufig, aber nicht übermäßig.
Individuen werden gewöhnlich Ende Juni oder anfangs Juli zur
Zeit der Eiablage gesehen. Die Eier werden in faules Holz auf
der Oberfläche von Stümpfen am Rande des Sees gelegt. Man
findet die Schildkröten gewöhnlich auf der Oberfläche dieser
Stümpfe und einige ihrer Eier stecken so tief im faulen Holz,
als man mit dem Finger reichen kann. Modrige Klötze in einiger
Entfernung vom See sind ebenfalls beliebte Orte für die Ei-
ablage und an einer sumpfigen Stelle von geringem Umfange
am Rande des Sees wurden 362 Eier auf einmal gefunden. Die
Zahl des Geleges eines Individuums variiert von 4 bis 7 Eiern,
die gewöhnlich auf einem Haufen liegen. Demnach müssen
ungefähr 60 Schildkröten zur Brutstätte von 362 Eiern beige-
tragen haben. Beim Passieren eines Weizenfeldes sah man am
Rande einige Schildkröten, die von dort kamen und ihre Eier
in eine Vertiefung des Bodens gelegt hatten, welche von einer
Kuh beim Überschreiten desselben gemacht wurden, so lange
der Boden noch weich war. Noch andere Eier fand man in
Bündeln von zusammengetriebenen Binsen. Ein interessanter
Wechsel scheint bei diesen Schildkröten in ihrem Gehaben
während der letzten 50 Jahre eingetreten zu sein. Vor jener Zeit
muß die Zahl der Stümpfe am Rande des Sees außerordentlich
klein gewesen sein. Die gegenwärtige große Zahl hängt mit dem
Steigen des Sees nach der Erbauung des Dammes zusammen
und dem dadurch erfolgten Abschneiden der Bäume, deren
Stämme unter Wasser kamen. Die Gewohnheit der Eiablage
in Stümpfe dürfte nicht viel weiter als 50 Jahre zurück-
datieren.«
»Die Eiablage muß sich auf eine ansehnliche Zeit verteilen,
denn viele Eier waren im August ausgebrütet, während einige,
von derselben Zeit stammend, zwischen 15. September und
1. Oktober verschiedentlich ausfielen. Die waren jedoch in
Sitzb. d. mathem.-naturw KL; CXVI. Bd., Abt. I. 37
556 F. Sieben ro ck,
einer Schachtel im Zimmer gehalten und daher den normalen
Bedingungen entzogen.«
Die Zahl der Eier ist bei C. odoratnm Daud. eine sehr
geringe, da sie nach Eigenmann 1. c. zwischen 4 bis 7 Stück
schwankt. Wir entnahmen einem Weibchen von 90 ww Schalen-
länge, welches skelettiert wurde, sogar bloß drei längliche, zum
Legen reife Eier, wie sie Agassiz (Contr. Nat. Hist. U. St., II,
1857) auf Taf. VII, Fig. 7 bis 9, abgebildet hat. Ihr Längsdurch-
messer beträgt 25 bis 26 mm, der quere 14 mm, letzterer ent-
spricht auch dem Beckenraum, welchen das Ei beim Legen zu
passieren hat.
2. Cinosternum carinatum Gray.
Cinosterntim carinatum, Boulenger, Cat., 1889, p. 38; — Lindholm, Jahrb.
nassau. Ver., LIV, 1901, p. 183.
? Aromochelys cavinata, Rhoads, Proc. Ac. Philad., 1895, p. 384.
Rückenschale längsoval, mäßig gewölbt, tektiform, Profil-
linie hinten steiler abfallend als vorn. Vertebralkiel zeitlebens
deuüich sichtbar; Seitenkiele auch bei jungen oder halbwüch-
sigen Tieren abwesend oder kaum angedeutet. Erstes Vertebrale
schmal, viel länger als vorn breit und bei halbwüchsigen Exem-
plaren viel schmäler als das zweite bis vierte Vertebrale; letztere
sind rautenförmig und breiter als lang. Nuchale sehr klein;
Supracaudalia ebenso hoch wie die anstoßenden zehnten Margi-
nalia. Schilder glatt und auffallend imbrikat. Hinterrand der
Schale zuweilen ganz schwach, aber deutlich gesägt.
Plastron klein, kreuzförmig; Hinterlappen nur halb so
breit als die Schalenöffnung, Vorderlappen bedeutend kürzer
als der Hinterlappen, aber länger als der unbewegliche Teil.
Vorderlappen vorn abgestutzt, Hinterlappen am freien Ende
im weiten Bogen ausgeschnitten. Brücke sehr schmal, 4^1^- bis
5 mal in der Länge des Plastrons enthalten. Gulare gewöhnlich
abwesend oder unansehnlich, wie bei den zwei Exemplaren
unserer Sammlung. Pektorale Mittelnaht länger als die
humerale, anale ebenso lang oder länger als die abdominale.
Inguinalia doppelt so groß als die .Axillaria.
Die Schildkrötenfamilie Cinosternidae m. 557
Kopf groß, Schnauze lang und spitz, Nasenschild stark
gegabelt. Kiefer stark, Oberkiefer mitten abgerundet, nicht
hakenartig vorspringend, Unterkiefersymphyse halb so lang als
die Mandibel. Stridulationsorgane bei Männchen auf den Hinter-
füßen gut entwickelt. Schwanz ohne Hornnagel.
Rückenschale lichtoliven mit radiär angelegten, verschieden
langen, braunen Streifen; die Schilder ebenso gerandet. Plastron
einfarbig gelb oder vorn mit wenigen kurzen, dunklen Streifen
geziert. Kopf oben und seitlich lichtoliven mit kleinen, braunen
Flecken ; die Kiefer mehr weniger deutlich quergestreift. Hals
und Gliedmaßen grau und braun gefleckt.
Das ganz junge Exemplar dieser Art des Wiesbadener
Museums, welches schon von Lindholm, 1. c, vortrefflich
beschrieben und abgebildet wurde, liegt mir zum Vergleiche
mit ebenso großen Exemplaren von C. odoratum Daud. vor.
Schon in diesem Altersstadium sind die beiden Arten im
Habitus so grundverschieden, daß eine Verwechslung kaum
möglich sein dürfte.
Es ist wohl sehr fraglich, ob das von Rhoads, 1. c, aus
Tennessee beschriebene Exemplar zu dieser Art gehören könne.
Der Hauptunterschied zwischen C.carniatum Gray und C.odo-
ratmn Daud. liegt, abgesehen vom Habitus, in der Färbung
des Kopfes, der bei ersterer Art nach den bisherigen Erfahrun-
gen nur gefleckt und niemals gestreift ist; Rhoads hebt aber
beim Exemplar aus Tennessee ausdrücklich letzteres hervor.
Die vom genannten Autor angeführten habituellen Merkmale,
wie der gesägte hintere Schalenrand und die Form des vorderen
Plastrallappens etc., können individueller Natur sein. Auch der
Fundort Tennessee wäre nicht ganz einwandfrei, weil C.
carinatum Gray nach den bisherigen Erfahrungen nur in den
Südstaaten Nordamerikas beobachtet wurde und es daher
fraglich erscheint, ob diese Art überhaupt nach Norden so weit
vordringt.
Ebenso ist der Fundort Süd-Arizona, den Yarrow
(Wheeler's Rep. Explor. Surv. W. lOO^hiMer., V., 1875, p. 582)
für diese Art angibt, mit großer Reserve aufzunehmen. Als ihre
wesentlichsteVerbreitungsgrenze war bisher Louisiana bekannt;
es v/äre daher ihr sprunghaftes Auftreten in Arizona um so
37*
558
F. Siebenrock,
merkwürdiger, da sie in Texas und Neu-Mexil<o zu fehlen
scheint oder wenigstens noch nie beobachtet wurde.
Die beiden last gleich großen Exemplare der herpeto-
logischen Sammlung unseres Museums stammen von Mims-
ville im südwestlichen Georgien; die Länge der Rückenschale
beträgt 73 min, deren Breite 54 mm und ihre Höhe 28 mm.
3. Cinosternum steindachneri Siebenr.
Kinosternon pcnsilvanicutn, Lünnberg, Proc. ün. Stat. N. Mus., XVII, 1895,
p. 319.
Cinosternnin steindachneri. Sieben rock, Zool. Anz., XXX, 1906, p. 727.
Rückenschale auffallend längsoval, hinten breiter als vorn,
bei Männchen gewöhnlich mehr gevv^ölbt als bei Weibchen und
beiderseits in der Mitte etwas
eingedrückt. Profillinie vorn
mehr ausgedehnt als hinten,
wo die Schale allmählich,
nicht plötzlich abfällt; Verte-
bralkiel kaum angedeutet,
Seitenkiele abwesend. Erstes
Vertebrale vorn ein wenig
breiter als lang und konstant
ebenso breit als das zweite
bis vierte. Nuchale klein,
breiter als lang; Supracau-
daliaviel niedriger als die an-
stoßenden zehnten Margi-
nalia. Schilder ganz glatt oder
nur schwach konzentrisch
gefurcht, ein wenig imbrikat.
Plastron schmal, bedeu-
tend kleiner als die Schalen-
öffnung; Hinterlappen bei
Männchen bloß halb so breit als die Schalenöffnung, Vorder-
lappen ebenso lang oder länger, letzteres bei Männchen, als der
Hinterlappen und länger als der unbewegliche Teil des Plastrons ;
Vorderlappen vorn abgerundet, Hinterlappen winkelig ausge-
Fig. 2.
Cinosternum steindachneri Siebenr.;
Plastron von innen.
Die Schildkrötenfamilie Ciuostcniidae m.
559
schnitten und bloß bei Weibchen beweglich, bei iMännchen aber
nicht, wie schon die Form der hypoxiphiplastralen Naht beweist,
welche gerade so beschaffen ist wie bei C. odorattmi Daud.
Brücke äußerst schmal, nicht horizontal gelagert, sondern
schief, von außen nach innen vorspringend, weshalb die Abdo-
minalschilder seitliche Kanten bilden. Aus diesem Grunde steht
das Plastron vom Schalenrande vorn und hinten viel weiter ab
als bei C. pensilvanicnm Gm. Brücke 6- bis Q^/^moX in der
Länge des Plastrons enthalten. Gulare ebenso lang oder kürzer
als die humerale Mittelnaht und halb oder nahezu halb so lang
als der Vorderlappen, weil
die pektorale Mittelnaht sehr
kurz, nämlich sechsmal in
der humeralen enthalten ist.
Anale Mittelnaht ebenso lang
oder länger als die abdomi-
nale und dreimal länger als
die femorale. Axillaria klein,
schmal, Inguinalia größer
und breiter, IY2- bis 2 mal so
lang als breit; sie reichen
stets nur bis zum siebenten
Marginale; beide Schilder
miteinander intensiv verbun-
den. Die Plastralschilder sind
bloß bei Männchen durch
unbedeutende häutige Zwischenräume voneinander getrennt.
Kopf, besonders bei Männchen, auffallend groß, Schnauze
kaum merklich vorspringend, Nasenschild stark gegabelt. Kiefer
sehr kräftig, Oberkiefer in der Mitte mehr weniger hakenförmig
verlängert, an der Unterkiefersymphyse ragt ein ungewöhnlich
langer, spitzer Fortsatz empor, weshalb dieselbe der Länge
einer Mandibelhälfte entspricht. Schwimmhäute an den Glied-
maßen sehr stark ausgebildet; Schwanz bei Männchen mit einem
kräftigen Endnagel versehen, wie ich mich an drei Exemplaren
überzeugen konnte, welche nachträglich in den Besitz unserer
Sammlung gelangten, während der Schwanz des typischen
Männchens unvollständig und daher nagellos ist. Schwanz bei
Fig. 3.
Cinostemnm steindachneri S i e b e n r. ;
Kopf von unten. Pterj-goidea sehr schmal.
N. Gr.
560 F. Sieben rock,
Weibchen äußerst kurz und ohne Endnagel. Stridulationsorgane
bei Männchen an den Hinterbeinen gut entwickelt.
Rückenschale lichtoliven mit mehr weniger großen,
wolkigen, dunkelbraunen Flecken, die so sehr überhandnehmen
können, daß die Rückenschale einfach braun gefärbt erscheint.
Plastron gelb bis braun (wenn ohne Lateritüberzug), im ersteren
Falle die einzelnen Schilder dunkel gerandet. Kopf und Hals
oben schwarz oder braun, mit oder ohne weiße Flecken; unten
weiß und meistens dunkel marmoriert. Die weißen Flecken ver-
einigen sich bei zwei Exemplaren seitlich zu undeutlichen,
lichten Streifen, die hinter dem Auge gegen den Hals hin
liegen.
Die Kiefer hornfarben mit braunen Querstreifen, welche
auch nur angedeutet sein können; gewöhnlich sind die Ouer-
streifen bei Männchen viel intensiver als bei Weibchen. Glied-
maßen oben dunkelbraun und unten lichter gefärbt.
Lönnberg 1. c. hat unter den Schildkröten Floridas auch
C. pensilvaniaim Gm. aus der Umgebung von Orlando, Orange
Countj^, angeführt, wo diese Art an einigen Orten in kleinen
Seen und Flüssen (Creeks) ganz gemein sein soll. Da unsere
Exemplare von C. steindachneri Siebenr. gleichfalls von
dieser Lokalität stammen, entstand in mir der Zweifel, ob die
von Lönnberg erwähnten Exemplare auch wirklich zu C.pen-
silvanicuin Gm. gehören; denn es war kaum anzunehmen, daß
beide Arten im selben Flußgebiet zu finden seien. Daher teilte
ich Lönnberg meine diesbezüglichen Bedenken mit, der mir
dann in entgegenkommendster Weise eines von seinen selbst-
gesammelten Exemplaren zum Vergleiche hieher sandte. Es
war ein Weibchen von 94 mm Schalenlänge und unzweifelhaft
Ta\t C. steindachneri Sitbenr. identisch. Somit dürfte Inder
Umgebung von Orlando nur diese Art und nicht auch C.peusil-
vanicum Gm. vorkommen.
C. steindachneri Siebenr. wurde von mir 1. c. ursprüng-
lich wegen der Form des Plastrons und der ungewöhnlichen
Schmalheit der Brücke zur O^ora/ftm- Gruppe gestellt; ich hob
aber schon damals hervor, daß nach der Form der Plastral-
schilder und durch die Längenverhältnisse ihrer Mittelnähte
einige Ähnlichkeit mit C. pensilvanicnui Gm. nicht von
Die Schildkrötenfamilie Cinosternidae m. o61
der Hand zu weisen sei. Erst die Prüfung des Skelettes von
C. steindaclineri Siebenr. verschaffte mir die Gewißheit, daß
diese Art nicht zur Oäoratum-, sondern zur Pensilvaniciun-
Gruppe gehören muß und eine Übergangsform von der einen
zur anderen Art bildet. Es sind so wie bei der letzteren Gruppe
sechs Neuralplatten anwesend, von denen die erste bis zum
Nuchale reicht und sich mit diesem verbindet, während die erste
Neuralplatte bei C. odoraUun Daud. vom Nuchale durch das
Zusammentreten des ersten Kostalplattenpaares in der vorderen
Hälfte immer getrennt wird. Die Kaufläche des Oberkiefers ist
durch einen Ausschnitt von der Gaumenplatte des Vomer
getrennt, bei C.odoratnm Daud. aber damit verbunden, weil der
Ausschnitt fehlt. Andrerseits besitzt der Schädel von C. stein-
dachneri Siebenr. an seiner Basis eine Eigentümlichkeit,
welche diese Art von C. odoratniii Daud. und von C. pensil-
vanicmn Gm. ganz besonders unterscheidet. Die Pterygoidea
sind nämlich in der Mitte unverhältnismäßig schmäler als bei
den zwei anderen Arten und dadurch wird das Foramen sub-
temporale beiderseits vergrößert. Dies hängt offenbar mit der
bedeutenderen Entwicklung der Kiefermuskeln zusammen,
welche zur Bewegung des kräftigen Unterkiefers erforder-
lich sind.
Es ist nicht zu leugnen, daß die Schale von C. stein-
dachneri Siebenr. im allgemeinen einige Ähnlichkeit mit der-
jenigen von C. donbledayii Gray (Cat. Sh. Rept., I, 1855,
Taf. XX) hat. Da aber durch das Fehlen des Kopfes ein sehr
v.'ichtiges Merkmal für die Beurteilung nicht in Betracht
kommen kann, ist die Gray'sche Art, welche Boulenger 1. c.
mit C pensilvanicimt Gm. identifizierte, viel zu wenig gekenn-
zeichnet, um darüber mit Sicherheit entscheiden zu können.
Boulenger 1. c. führt bei C. pensilvaniciun Gm. auch vier
junge Exemplare aus Florida an. Es könnte möglich sein, daß
dieselben ebenfalls zu C. steindachneri Siebenr. gehören und
bloß wegen ihres jugendlichen Alters oder ihrer geringen Größe
von ersterer Art nicht unterschieden werden konnten. Würde
dies wirklich der Fall sein, so wäre die Annahme gerechtfertigt,
daß C. pensilvanicum Gm. in Florida durch C. steindachneri
Siebenr. vertreten ist.
562
F. Siebenrock,
Das Museum besitzt von C. sieindachneri Sieh eni\ vier
Exemplare (3 cf und 1 9) in Alkohol und ein Skelett; sie
stammen, wie schon erwähnt wurde, aus Orlando in Florida.
Die Länge der Rückenschale des größten Exemplares, cf, beträgt
101 min, die Breite 64 mm und ihre Höhe 42 mm; diese Maße
verhalten sich beim kleinsten Exemplare, 9, wie 87: 57: 47.
Da letzteres zum Legen reife Eier in den Eileitern hat, dürften
die Exemplare völlig ausgewachsen sein.
4. Cinosternum baurii Garman.
Cinosternum batirii, Garman, Bull. Essex Instit., XXIII, 1892/93, p. 141.
Kinosternon baurii Lönnberg, Proc. Un. Stat. N. Mus., XVII, 1894, p. 319.
Rückenschale längsoval, hinten breiter als vorn und ganz
senkrecht abfallend; nur bei einem Exemplar aus Georgiana,
Florida, ist die Profillinie hinten mehr ausgedehnt. Mittelkiel
kaum angedeutet, Seitenkiele
abwesend. Erstes Vertebrale
sehr variabel in der Form,
aber zumeist vorn breiter als
lang, breiter oder auch
schmäler als das zweite bis
vierte; zweites Vertebrale
gewöhnlich etwas schmäler
als das dritte. Nuchale klein
und unansehnlich. Supracau-
dalia etwas niedriger als die
anstoßenden zehnten Mar-
ginalia. Schilder nicht imbri-
kat, ganz glatt, nur beim
Exemplar aus Georgiana die
konzentrischen Furchen an-
gedeutet.
Plastron ziemlich groß,
nur etwas schmäler als die
Schalenöffnung, bei Weibchen länger als bei Männchen. Vorder-
lappen kürzer als der Hinterlappen bei Weibchen, länger bei
Männchen und stets länger als der unbewegliche Teil des
Plastrons. Vorderlappen vorn abgerundet, Hinterlappen am
freien Ende seicht ausgeschnitten und in beiden Geschlechtern
Fig. 4.
Cinostermun baurii Garman;
Plastron von innen. N. Gr.
Die Schildkrötenfamilie Cinosiernidae m. 563
gut beweglich. Brücke schmal, 4- bis 472^^1 in der Länge des
Plastrons enthalten. Gulare kürzer als die humerale Mittelnaht
und nicht halb so lang als der Vorderlappen. Die Pektoralschil-
der bilden eine kurze Mittelnaht, die aber auch fehlen kann und
dann stoßen die Humeralia mit den Abdominalia in der Mitte
zusammen. Anale Mittelnaht ebensolang oder länger als die
abdominale bei Weibchen, kürzer bei Männchen und viermal
so lang als die femorale. Axillaria klein und schmal, Inguinalia
groß, dreimal so lang als breit, sie reichen bis zum achten Mar-
ginale zurück; beide Schilder miteinander intensiv verbunden.
Die Plastralschilder sind bloß bei Männchen durch unbedeu-
tende häutige Zwischenräume getrennt.
Kopf mittelmäßig groß, Schnauze deutlich vorspringend
und spitz, Nasenschild solid, nach hinten verlängert und abge-
rundet. Kiefer stark, Oberkiefer in der Mitte nicht hakenförmig,
nur ganz unbedeutend vorragend. Unterkiefersymphyse halb so
lang als eine Mandibelhälfte. Schwimmhäute an den Glied-
maßen wohl ausgebildet, Schwanz bei Männchen mit einem
Endnagel versehen, an dessen Stelle bei Weibchen eine tüten-
förmige Schuppe tritt. Stridulationsorgane bei Männchen an den
Hinterfüßen gut entwickelt.
Rückenschale licht- bis dunkeloliven oder rötlichbraun mit
drei hellen Längsstreifen; von diesen verläuft der mittlere in der
Vertebrallinie, die seitlichen an den medialen Enden der Kostal-
schilder. Diese Längsstreifen können bei älteren Individuen
undeutlich werden oder auch verschwinden. Plastron gelb, die
Schilder dunkelbraun eingesäumt. Kopf und Hals oben grau oder
braun mit mehr weniger zahlreichen, runden, gelben Flecken; die
Schnauzenspitze wird von einem gelben Streifen eingesäumt,
der beiderseits ober dem Auge und Tympanum nach hinten
zum Halse zieht; ein zweiter Streifen beginnt hinter dem Auge
und führt unter dem Tympanum ebenfalls zum Hals, endlich
liegt ein drittes Paar auf beiden Seiten der Unterkiefersymphj^se,
von den Nasenlöchern bis zum Kinnwinkel reichend. Diese
drei Streifenpaare sind nicht immer sehr deutlich sichtbar;
besonders das dritte Paar fehlt zuweilen oder es ist bloß auf
den Unterkiefer allein beschränkt; der übrige Teil der Kiefer
hat eine gelbe Färbungmit mehr weniger eng gesetzten braunen
564 F. Siebenrock,
Flecken, die so dicht stehen können, daß die Kiefer fast ganz
einförmig braun aussehen. Hals unten grau, respektive braun,
ebenso die Gliedmaßen, ersterer häufig mit gelben Streifen oder
Flecken geziert.
Diese Art beschrieb S. Garman (Proc. Amer. Phil. Soc,
1887, p. 286) zuerst nach einem Exemplar aus Cuba, ohne ihr
einen spezifischen Namen zu geben. Erst einige Jahre später
gab ihr Garman (Bull. Essex Instit., XXIII, 1892/93, p. 141), als
er noch mehrere Exemplare von Key-West, einer Inselgruppe
zwischen Cuba und Florida, erhalten hatte, den Namen hatirii.
Die Exemplare unserer Sammlung, sieben Stück, stammen
aus Florida, und zwar von Belleair, Hastings, Georgiana und
Orlando. Nach Exemplaren von letzterem Fundorte hat Lönn-
berg diese Art zuerst als Bewohnerin von Florida nach-
gewiesen.
C. hatirii Garman ist nach dem Autor die einzige Schild-
kröte auf Key-West, wo sie ziemlich häufig in den brackischen
Sümpfen gefunden wird.
Die Länge der Rückenschale unseres größten Exem-
plares, 9, beträgt 92 mm, deren Breite 62 mm, ihre Höhe
39 mm; diese Maße verhalten sich beim kleinsten Exemplare,
9 , wie 68 : 46 : 28.
5. Cinosternum pensilvanicum Gm.
Cinosternmn pensylvanictmi, Boulenger, Cat., 1889, p. 39; — Strauch,
Mem. Ac. St. Petersb., (7), XXXVIII, Nr. 2, 1890, p. 88; — Lindhol in,
Jahrb. nassau. Ver., 1901, p. 184.
Kinosiernon pensilvanicum, Rhoads, Proc. Ac. Philad., 1895, p. 384.
Cinosternum pennsylvanicum, Garman H., Bull. Illinois Lab. N. H., III, 1892,
p. 238.
Kinosternum pennsylvanicum, Paulmier, New York Stat. Mus. Bull., V, 1902,
p. 393; — Ditmars, Amer. Mus. Journ., V, 1905, p. 129.
Cinosternon henrici?, Strauch, 1. c, p. 89.
Kinosternon lonisianae, Baur, Amer. Nat., XXVII, 1893, p. 676.
Nach den neuen nomenklatorischen Regeln muß der Name
dieser Art ohne Rücksicht auf die Orthographie »pensilvani-
cum« und nicht »pensylvantcum« oder »pennsylvanicum« heißen,
weil er auch vom Autor in Linne's Systema Naturae, Tom. I,
Pars III, 1788, p. 1042, mit i und mit einfachem n geschrieben
wurde.
Die Schildkrötenfamilie Ciuosteniidae m. 565
Rückenschale oval, gewöhnlich sehr breit im Verhältnisse
zur Länge, stark deprimiert, im hinteren Drittel am höchsten,
von da nach vorn schief abwärts verlaufend, nach hinten senk-
recht abfallend. Der Mittelkiel und die Seitenkiele fehlen bei
halbwüchsigen und ausgewachsenen Tieren fast immer; ja, die
Vertebralgegend ist sogar sehr häufig rinnenförmig vertieft;
nur ganz junge Individuen haben einen deutlich sichtbaren
Mittelkiel, dagegen sind auch bei ihnen die Seitenkiele kaum
angedeutet. Erstes Vertebrale vorn sehr variabel, es kann
ebenso breit, aber auch viel schmäler als lang sein, im ersteren
Falle ist es so breit wie das zweite Vertebrale, im letzteren
schmäler; zweites Vertebrale immer schmäler als das dritte.
Nuchale klein, linear oder trapezförmig. Supracaudalia meistens
viel niedriger als die anstoßenden zehnten Marginalia. Die
Schilder bei erwachsenen Individuen ganz glatt und nur wenig
imbrikat.
Plastron von mäßiger Größe, immer schmäler als die
Schalenöffnung, bei Weibchen merklich länger als bei Männ-
chen. Vorderlappen ebenso lang oder länger als der Hinter-
lappen und viel länger als der unbewegliche Teil des Plastrons-
Vorderlappen vorn abgerundet, Hinterlappen am freien Ende
seicht, bei Männchen etwas tiefer ausgeschnitten und in beiden
Geschlechtern gut beweglich. Der Hinterlappen erhält dadurch
eine sehr charakteristische Form, daß die Femoralschilder nach
außen mehr weniger bogenförmig vorspringen. Brücke schmal?
4- bis 5mal in der Länge des Plastrons enthalten. Gulare ge-
wöhnlich viel kürzer als die humerale Mittelnaht und daher
nicht halb so lang als der Vorderlappen. Die pektorale Mittel-
naht ist stets sehr kurz und zuweilen fehlt sie ganz; anale
Mittelnaht ebensolang oder länger als die abdominale, viel länger
als die femorale. Axillaria lang und schmal, die Inguinalia viel
breiter und mindestens dreimal so lang als breit, sie reichen
bis zum achten Marginale zurück; beide Schilder miteinander
intensiv verbunden. Keine häutigen Zwischenräume auf dem
Plastron anwesend, die Schilder stoßen vielmehr alle unmittel-
bar aneinander.
Kopf mittelmäßig groß, Schnauze nicht vorspringend,
stumpf; Nasenschild solid, hinten geradlinig abgeschnitten oder
566
F. Siebenrock,
etwas verlängert und zugespitzt. Kiefer stark, Oberkiefer in der
Mitte schwach hakenförmig vorragend. Unterkiefersymphyse
halb so lang wie eine Mandibelhälfte. Zwischen derKaufläche des
Oberkiefers und der Gaumenplatte des Vomer ein Ausschnitt.
Schwimmhäute an den Gliedmaßen wohl ausgebildet. Schwanz
in beiden Geschlechtern mit einem Endnagel versehen, nur bei
Männchen viel größer als bei Weibchen. Stridulationsorgane bei
Männchen an den Hinterfüßen wohl entwickelt.
Rückenschale in der Färbung sehr variabel, von lichtoliven
bis dunkelbraun; im ersteren Falle auch mit mehr weniger
großen, wolkigen, dunklen Flecken besetzt; die Schilder immer
schwarz gerandet.
In der Sammlung des
Museums befindet sich ein
erwachsenes Exemplar die-
ser Art ohne genauere Fund-
ortsangabe als Nordamerika.
Bei diesem ist die Rücken-
schale braun gefärbt und mit
drei ziemlich deutlichen, lich-
ten Längsstreifen wie bei C.
banrii Gar man versehen.
Die Schale zeigt jedoch
durch die breite und stark
deprimierte Form den typi-
schen Charakter von C. pensilvanicnui Gm., so daß die Zuge-
hörigkeit des Exemplares zu dieser Art außer Zweifel steht,
obwohl beiderseits am Kopfe die zwei Schläfenstreifen, die sich
auch bei C. hmirii Gar man gewöhnlich finden, angedeutet sind.
Plastron gelb, die Nähte mit verschieden breiten dunklen
Rändern versehen; niemals aber ist das Plastron ganz braun
oder schwarz gefärbt und falls dies bei einem Exemplar denn-
noch wahrgenommen wird, so ist die dunkle Farbe nicht echt,
sondern sie rührt von einem Lateritüberzug her, der sich ganz
leicht auf mechanischem Wege entfernen läßt. Kopf und Hals
oben grau oder braun, mit mehr weniger zahlreichen gelben
Flecken besetzt, die nur selten vollständig fehlen. Der Nasen-
schild zeigt inimer eine von der Kopfhaut differente Färbung,
Fig. 5.
Cinosterniiin pcnsilvaiüctim G m. ;
Kopf von unten. Pterygoidea sehr breit.
N. G.
Die Schildkrütenfamilie Cinostcniidae m. o67
indem er entweder lichter oder dunkler als dieselbe ist, je nach-
dem die gelben Flecken oder Vermikulationen auf ihm mehr
oder weniger häufig anwesend sind. Am Kopfe beiderseits zu-
weilen zwei gelbe Streifen wie bei C. batirii Garman; sie
sind aber niemals so scharf gezeichnet wie bei der letzteren
Art. Kiefer gelb mit braunen Punkten oder Querstreifen. Hals
unten gelb oder grau mit gelben Flecken; Gliedmaßen meistens
einförmig grau gefärbt.
Die von Baur 1. c. als C. lotiisianae neu beschriebene Art
aus New-Orleans, Louisiana, ist mit C. pensilvanictim Gm.
identisch. Weder die Originalbeschreibung Baur's noch die
Exemplare, welche ich von der genannten Lokalität zu sehen
Gelegenheit hatte, berechtigen zur Aufstellung einer neuen Art.
Baur teilt zwar mit, daß unter den vielen Exemplaren, welche
er von New-Orleans erhalten hatte, stets nur die von ihm
beschriebene Form vertreten war, deren Hauptmerkmal in den
zwei Schläfenstreifen besteht. Unsere Sammlung besitzt jedoch
ein Exemplar von dieser Lokalität ohne alle Andeutung von
Schläfenstreifen. Somit kann es sich in diesem Falle auch nicht
um eine Varietät handeln, weil an ein und derselben Örtlichkeit
beide Färbungsmöglichkeiten vorkommen, wie man dies bei
C. pensilvanictim Gm. von mehreren Lokalitäten der Südstaaten
Nordamerikas beobachten kann. Mir liegen zwei Exemplare
von Waco in Texas vor, von denen das eine die beiden
Schläfenstreifen ziemlich deutlich zeigt, während sie beim
anderen Exemplar kaum angedeutet sind; und beide tragen
in der Schalenform den unverkennbaren Charakter von C. pen-
siluanicnm Gm. zur Schau. Auf ähnliche Weise verhalten sich
drei Exemplare von Mimsville im südwestlichen Georgien.
Das von Strauch 1. c. als C. henricl Leconte? beschrie-
bene Exemplar aus Dallas in Texas gehört zu C. peiisilvani-
cuin Gm., wie ich mich durch den Augenschein am Original
überzeugen konnte. Es ist ein Weibchen und hat daher ein
etwas breiteres Plastron, auf das Strauch bei der Beurteilung
einen besonderen Wert legte. Die Form des ersten Vertebrale
und insbesondere die der Plastralschilder sowie die Nahtver-
hältnisse stimmen vollständig mit C. pensilvanicum Gm.
überein.
568 F. Siebenrock,
Bei ganz jungen Tieren dieser Art sind auf dem gelben
Plastron in der Mitte braune Flecken anwesend, welche sich zu
einer ziemlich regelmäßigen Figur formieren können.
C. pensilvmiicum Gm. hat fast die gleiche geographische
Verbreitung wie C. odorahim Daud.; sie erstreckt sich vom
östlichen Teil der Vereinigten Staaten bis zum Golf von Mexiko
und im Westen reicht sie nahezu bis zum Felsengebirge. Die
herpetologische Sammlung des Museums besitzt Exemplare
von Raleigh in Nord-Carolina, aus den Südstaaten, von Waco
in Texas, Mimsville im südwestlichen Georgien, Opelousas und
New-Orleans in Louisiana.
Strauch 1. c. sowie Lindholm 1. c. nennen bei einem
Exemplar als Fundort Mexiko; ob aber diese Angaben richtig
seien, scheint mir mehr als fragwürdig, weil sie ganz vereinzelt
in der Literatur stehen und weil außerdem diese Art von dort
noch nie mit Sicherheit nachgewiesen werden konnte.
Die Länge der Rückenschale unseres größten Exemplares,
?, beträgt 102 nini, deren Breite 75 mm, ihre Höhe 47 imn;
diese Maße verhalten sich beim kleinsten Exemplar, 9, wie
25: 22 : 12.
C. pensilvanicum Gm., allgemein Schlammschildkröte ge-
nannt, lebt in Seen, Flüssen und Sümpfen, geht aber nach
Paulmier 1. c. auch sehr häufig auf das Land. Übereinstimmend
lauten die Mitteilungen von Hanau (Zool. Garten, 37,
1896, p. 308) nach Beobachtungen in der Gefangenschaft, wo
das Tier, wenn es in das Wasser gegeben wurde, nach einigen
Tagen wieder herausging und einen trockenen Winkel im Terra-
rium aufsuchte. Ganzanders verhält sich C.odoratum Daud. in
der Gefangenschaft, weil es nach demselben Autor I.e. und nach
Werner (Zool. Garten, 38, 1897, p. 87) das Wasser niemals
freiwillig verläßt und somit ein vollständig aquatisches Tier ist.
6. Cinosternum flavescens Agass.
Cinosternum ßavesccns, Boulenger, Cat., 1889, p. 40; — C ope, Proc. Ac.
Philad., 1893, p. 386; — Brown, ibid., LV, 1903, p. 543.
Kinosterntim flavescens, Cope, ibid., 1892, p. 333.
Kinosternon flavescens, Stone, Proc. Ac. Philad., LV, 1903, p. 540.
Rückenschale oval, sehr breit im Verhältnisse zur Länge,
besonders bei halbwüchsigen Individuen, stark deprimiert, nur
Die Schildkrötenfamilie Cinostcrnidae m.
569
selten hinten höher als vom. Vertebralgegend abgeflacht, der
Mittelkiel nur bei ganz jungen Exemplaren angedeutet. Seiten-
kiele abwesend. Der hintere Teil der Schale fällt fast senkrecht
ab. Erstes Vertebrale vorn ebenso breit oder schmäler als lang,
so breit wie das zweite, aber schmäler als das dritte Vertebrale.
Nuchale klein, gewöhnlich trapezförmig. Supracaudalia bedeu-
tend niedriger als die anstoßenden zehnten Marginalia; die vor-
letzten neunten vorn nach oben winkelig vorspringend und
daher ebenso hoch als die zehnten. Durch dieses Merkmal unter-
scheidet sich C.flavescens Agass, von allen bisher bekannten
Cinostermtm-Arten auf den ersten Blick. Schilder meistens glatt
und deutlich imbrikat.
Plastron ziemlich groß,
aber kleiner als die Schalen-
öffnung; Vorderlappen ver-
hältnismäßig lang, fast immer
länger als der Hinterlappen
und bedeutend länger als der
unbewegliche Teil des Pla-
strons. Vorderlappen vorn
abgerundet, Hinterlappen am
freien Ende eingekerbt, bei
beiden Geschlechtern gut be-
weglich.
Brücke sehr schmal, 4-
bis 4Y2 nial in der Länge des Plastrons enthalten. Gulare gleich
lang oder unbedeutend kürzer als die humerale Mittelnaht und
gewöhnlich fast halb so lang als der Vorderlappen, weil die
pektorale Mittelnaht zwar nie fehlt, aber äußerst kurz ist, wie ich
mich an 14 Exemplaren überzeugen konnte. Anale Mittelnaht
ebenso lang oder länger als die abdominale und sechsmal länger
als die femorale, welche der pektoralen ungefähr gleichkommt.
Axillaria klein, Inguinalia bedeutend größer, sie reichen bis zum
achten Marginale zurück; beide Schilder miteinander intensiv
verbunden. Die Plastralschilder durch keine häutigen Zwischen-
räume getrennt, nur bei einem erwachsenen Männchen von
130 mm Schalenlänge ist der Raum zwischen dem festen Teil
des Plastrons und dem Hinterlappen sehr breit und mit Haut
Fig. 6.
Cinosternum flavescens A g a s s i z ;
Kopf von unten. .N Gr.
570 F. Siebenrock,
ausgefüllt, wie dies in ähnlicher Weise von Yarrovv (Wheeler's
Rep. Explor. Surv. W. lOOth Mer., V, 1875) bei C. henrici
Leconte auf Taf. XVI, Fig. 2, dargestellt wurde.
Kopf mittelmäßig groß, deprimiert und flach; Schnauze
kurz, ein wenig vorspringend und spitz; Nasenschild stark
gegabelt. Kiefer schwach, Oberkiefer in der Mitte hakenförmig ver-
längert, und zwar bei Männchen mehr als bei Weibchen. Unter-
kiefersymphyse nicht halb so lang als eine Mandibelhälfte.
Zwischen der Kaufläche des Oberkiefers und der Gaumen-
platte des Vomer ein sehr breiter Ausschnitt. Schwimmhäute
an den Gliedmaßen wohlausgebildet; die halbmondförmigen
Schuppen an der Ferse klein und schmal, daher weniger ent-
wickelt als bei den übrigen Cmosternutn- Arien. Schwanz mit
kräftigem Endnagel, der auch bei Weibchen ganz ansehnlich
ist. Stridulationsorgane bei Männchen an den Hinterfüßen gut
entwickelt; sie bestehen aus wenigen, aber sehr starken Horn-
tuberkeln.
Rückenschale schön olivengrün und alle Schilder schwarz
gerandet; die Ränder hinten breiter als oben oder unten, bezie-
hungsweise seitlich. Dadurch erhält die Rückenschale eine sehr
lebhafte Färbung, besonders bei jungen Individuen. Plastron
grünlichgelb mit dunklen Schildrändern; bei ganz jugendlichen
Tieren bildet eine Anzahl brauner Flecke in der Mitte eine
symmetrische Figur. Kopf und Hals oben grau mit oder ohne
lichte Flecken, die seitlich größer und zahlreicher auftreten.
Auf dem Nasenschild gewöhnlich einige schwarze Punkte
sichtbar. Kehle und Hals unten gelb, mit und ohne dunkle
Flecken; Kiefer gelb mit verschieden zahlreichen, grauen
Flecken; Gliedmaßen oben dunkel-, unten lichtgrau.
Diese Beschreibung stimmt viel mehr mit der von Cope
1. c. 1892 und Brown 1. c. überein als mit den Figuren, die
Coues (in Wheeler's Explor. Surv. W. lOOthMer., V, 1875) auf
Taf. XVII von dieser Art gegeben hat. Und dennoch gehören
die mir vorgelegenen Exemplare ohne jeden Zweifel zu C.fla-
vescens Agass. Daraus ersieht man, wie ungenau entweder die
genannten Figuren sein müssen oder wie groß die individuelle
Variabilität dieser Art ist.
Die Schüdkrötenfamilie Cinostcrnidae m. 57 1
Die Originalbeschreibung von Agassiz (Contr. Nat. Hist.
U. St., I, 1857, p. 430) bezieht sich fast ausschließlich auf den
Kopf, ohne die habituellen Merkmale der Schale auch nur mit
einem Worte zu berühren.
Die meisten Exemplare, welche bisher beobachtet und
gesammelt wurden, stammen aus Texas, wo diese Art nach
Cope, 1. c, 1893, bei Mobeetie den nördlichsten Punkt erreicht,
welchen man bis jetzt kennt; nur Agassiz 1. c. führt auch
einige Exemplare von Arkansas und Arizona an. Die herpeto-
logische Sammlung des A'Iuseums besitzt Exemplare aus Texas
von Austin und El Paso. Die Länge der Rückenschale des
größten Exemplares, o^, beträgt 130 mm, deren Breite 91 mm
und ihre Höhe 48 mm; diese iMaße verhalten sich beim kleinsten
Exemplare wie 32 : 29 : 13.
C.ßavesceiis Agass. scheint in Texas keine seltene Schild-
kröte zu sein. Cope, 1. c, 1892, fand sie sehr häufig in den
künstlichen Wasserzisternen der Viehbereiche von Nordwest-
Texas und in den temporären Regenwassertümpeln, wo sie
ihre Schnauze aus dem Wasser herausstreckt und sich durch
eifriges Schwim.men betätigt. Wenn diese Tümpel austrocknen,
unternimmt sie Landreisen, bis sie die nächsten Wasserstellen
findet.
7. Cinosternum sonoriense Leconte.
Cinosternum sonoriense, Boul enger, Cat., 1889, p. 40.
Kinosternon sonoriense, Stejneger, Proc. U. Stat. Nat.Mus.,XXV, 1902, p. 149.
Cinosternum henvici, Beulen ger, 1. c, p. 40.
Rückenschale längsoval, vorn ebenso breit als hinten, sehr
stark deprimiert, hinten nicht höher als vorn; Vertebralgegend
flach, der Mittelkiel sichtbar, deutlicher bei Männchen als bei
Weibchen; Seitenkiele abwesend. Schale bei Männchen etwas
mehr als bei Weibchen gewölbt und hinten steiler abfallend.
Erstes Vertebrale sehr breit, vorn breiter als lang und als die
darauffolgenden drei Vertebralia; auch die hintere Kante des
ersten Vertebrale ist breiter als bei den übrigen Chiostermtm-
Arten, wodurch sich diese Art besondersvonC._/?afßscß«s Agass.
unterscheidet. Nuchale klein, rechteckig oder quadratisch; Supra-
caudalia niedriger als die anstoßenden zehnten Marginalia und
diese viel höher als die vorhergehenden neunten, welche eben
Sitzb. d. mathem.-naturw. KL; CXVI. Bd., Abt. I. 38
572 F. Siebenrock,
vorn nicht winkelig nach oben vorspringen. Schilder glatt und
imbrikat.
Plastron ziemlich groß, aber kleiner als die Schalenöfthung.
Der Vorderlappen reicht bis zum vorderen Schalenrand, er ist
aber etwas schmäler als dieser, kürzer als der Hinterlappen bei
Weibchen, ebenso lang bei Männchen und etwas länger als
der unbewegliche Teil des Plastrons. Vorderlappen vorn abge-
rundet, Hinderlappen am freien Ende eingekerbt und in beiden
Geschlechtern gut beweglich. Brücke 372" bis 4mal in der Länge
des Plastrons enthalten. Gulare viel länger als die humerale
Mittelnaht und halb so lang bei Männchen oder mehr wie halb
so lang als der Vorderlappen bei Weibchen; pektorale Mittel-
naht variabel, entweder halb oder nahezu halb so lang als die
humerale, sie kann aber auch sehr kurz, nämlich viermal in der
letzteren enthalten sein. Anale Mittelnaht stets kürzer als die
abdominale und nur 2- bis 2Y2mal länger als die femorale
Axillaria klein, Inguinalia groß, sie reichen bis zum achten Mar-
ginale zurück; beide Schilder miteinander intensiv verbunden.
Plastralschilder auch bei Männchen durch keine häutigen
Zwischenräume voneinander getrennt.
Kopf mittelmäßig groß, deprimiert und flach; Schnauze
kurz und stumpf, nicht vorspringend; Nasenschild solid, hinten
abgerundet. Kiefer stark, Oberkiefer inderMitte nur wenig haken-
förmig verlängert, Unterkiefersymphyse mehr wie halb so lang
als eine Mandibelhälfte. Schwimmhäute an den Gliedmaßen
wohl ausgebildet; die halbmondförmigen Schuppen an der
Ferse, wie gewöhnlich bei den Chiosternum-Arten, lang und
breit. Schwanz mit kräftigem Endnagel, der bei Männchen viel
stärker als bei Weibchen entwickelt ist. Stridulationsorgane bei
Männchen an den Hinterfüßen deutlich ausgebildet.
Rückenschale braun mit schwarzen Schildrändern, Pla-
stron gelb, die Nähte schwarz gefärbt. Kopf oben braun, mit
mehr weniger zahlreichen, lichten Flecken, die an den Seiten
größer und deutlicher hervortreten. Kiefer gelb mit braunen
Punkten oder Querstreifen. Hals unten bräunlich-grau, ebenso
die Gliedmaßen.
C. henrici Leconte ist ohne Zweifel mit C. sotioriense Le-
conte identisch. Vergleicht man die Beschreibungen der beiden
Die Schildkrötenfamilie Cinosternidae m. 5/3
Arten, von denen Leconte die letztere 1854 (Proc. Ac. Philad.,
p. 184) und erstere fünf Jahre später in derselben Zeitschrift,
p. 4, aufgestellt hat, miteinander, so ergibt sich, daß die daselbst
angeführten Merkmale zu geringfügiger Natur sind, um ihnen
einen artlichen Charakter beizumessen; sie können höchstens
als individuelle Aberration betrachtet werden. Auch die Abbil-
dungen, welche Yarrow (in Wheeler's Rep. Explor. Surv. W.
lOOthMer., IV, 1875) auf Tafel XVI gegeben hat, stimmen mit den
Beschreibungen beider Arten von Le con tele, vollkommen über-
ein. Bloß der Nasenschild unterscheidet sich in der Yarrow-
schen Figur von C. sonoriense Leconte scheinbar durch seine
tiefe Gabelung, während er bei den mir vorliegenden Exemplaren
solid und hinten abgerundet ist. Allein die Gabelung des Nasen-
schildes dürfte bei der zitierten Figur keine natürliche sein,
wie man sich durch eine genaue Besichtigung derselben über-
zeugen kann, sondern diese Gabelung ist auf einen Defekt
zurückzuführen, den das betreffende Exemplar entweder bei
der Konservierung oder schon bei Lebzeiten erhalten hat.
Somit ist unter die Abbildungen von Yarrow nach dem Priori-
tätsrechte nicht C. henrici Leconte, sondern C. sonoriense Le-
conte zu setzen.
C. sonoriense Leconte scheint ein verhältnismäßig kleines
Verbreitungsgebiet zu beherrschen und auch in diesem nicht
häufig zu sein. Das Originalexemplar wurde bei Tucson in
Arizona aufgefunden, woher oder aus dessen Nähe auch die von
Agassiz 1. c. angeführten Exemplare der Smithsonian Insti-
tution in Washington stammen. Erst in letzterer Zeit berichtet
Stejneger 1. c. wieder von Exemplaren, welche Dr. Vilcox
im ersten Wassertümpel des Canon ober dem Fort Huachuca
in Arizona gesammelt hat. Stejneger 1. c. berichtet allerdings,
daß diese Art nach Dr. Fischer im Babacomari-Creek gemein
sein soll, aber bisher gelangten bloß wenige Individuen davon
in die Hände von Herpetologen.
Auch die Exemplare der identischen Art, C. henrici Le-
conte, sind fast im selben Verbreitungsgebiet wie C.sonoriense
Leconte gefunden worden, denn die Type stammt aus Neu-
Mexiko und die zwei von Yarrow 1. c. angeführten Exemplare
aus Arizona.
38*
574 F. Sie benro ck,
Die herpetologische Sammlung des Museums erhielt durch
die liebenswürdige Vermittlung Prof. Stejneger's von der
Smithsonian Institution in Washington drei Exemplare dieser
seltenen Art als Geschenk; von diesen beträgt die Länge der
Rückenschale vom größeren der beiden Weibchen 1 1 1 mm, deren
Breite 80 mm und ihre Höhe 37 mm; diese Maße verhalten
sich beim Männchen wie 107 : 75 : 36. Alle drei Exemplare sind
von Arizona, und zwar das Männchen von Tucson, die beiden
Weibchen von Fort Huachuca.
8. Cinosternum hirtipes Wagl.
Cinosternam hirtipes, Boul enger, Cat., 1889, p.38; — Siebeiirock, Zoolog.
Anz., XXX, 1906, p. 95.
Rückenschale längsoval, mäßig gewölbt, die Profillinie vorn
nur wenig mehr ausgedehnt als hinten, Schalenrand in der
Marginofemoralgegend unbedeutend breiter als vorn. Vertebral-
gegend mehr weniger flach, der Mittelkiel nur hinten deutlich
sichtbar, die Seitenkiele abwesend. Erstes Vertebrale vorn sehr
breit, breiter als lang und als die darauffolgenden Vertebralia
zwei bis vier. Nuchale klein, trapezförmig, hinten breiter als
vorn. Supracaudalia viel niedriger als die anstoßenden zehnten
Marginalia. Schilder ganz glatt und imbrikat.
Plastron mäßig groß, kleiner als die Schalenöffnung. Vorder-
lappen länger als der Hinterlappen und als der unbewegliche
Teil des Plastrons; ersterer vorn abgerundet und in der Mitte
deutlich eingekerbt, Hinterlappen am freien Ende winkelig aus-
geschnitten und gut beweglich. Brücke 4Y2- bis 5 mal in der
Länge des Plastrons enthalten. Gulare ebenso lang als die
humerale Mittelnaht und fast dreimal in der Länge des Vorder-
lappens enthalten, weil die pektorale Mittelnaht halb so lang
als die humerale ist. xA.nale Mittelnaht ebenso lang oder kürzer als
die abdominale und drei- bis viermal länger als die femorale.
Axillaria klein, Inguinalia groß, nur doppelt so lang wie breit;
beide Schilder miteinander intensiv verbunden. Die Plastral-
schilder bloß in der Mitte durch unbedeutende, häutige
Zwischenräume voneinander getrennt.
Kopf sehr groß, Schnauze vorspringend, Näsenschild hinten
gegabelt. Kiefer stark, Oberkiefer in der Mitte nur unbedeutend
hakenförmig verlängert, Unterkiefersymphyse fast ebenso lang
Die Schildkrötenfamilie Cinosieniidae m. 57o
als eine Mandibelhälfte. Schwimmhäute an den Gliedmaßen
wohl ausgebildet. Schwanz ziemlich lang und dick, mit einem
kräftigen Endnagel versehen. Stridulationsorgane an den Hinter-
füßen gut entwickelt.
Rückenschale nußbraun, die einzelnen Schilder schwarz
eingesäumt, Plastron gelb, die Nähte schwarz.
Das Münchener Exemplar hat die gleiche Färbung des
Plastrons; die braunen wolkigen Flecke, welche in der Abbil-
dung II, Tafel XXX von Wagler (Descr. et Icon. Amphib.,
1833) sichtbar sind, rühren von Laterit her, wie ich mich durch
den Augenschein an der erwähnten Type überzeugen konnte.
Kopf oben braun mit kleinen, gelben Flecken, der Nasen-
schild dunkler gefärbt ; die gelben Flecke formieren sich seit-
lich an den Schläfen zu zwei Streifen, von denen der eine über
dem Trommelfell zum hinteren Augenrand geht, während der
zweite unter ihm liegt. Kiefer gelb mit braunen Querstreifen; ein
sehr breiter und intensiver Streifen auf der Unterkiefersymphyse,
der sich auch über den Oberkiefer erstreckt. Hals oben und
Gliedmaßen samt Schwanz grau oder dimkelbraun, Kehle und
Hals unten lichtgrau.
Leconte (Proc. Ac. Phil., 1859, p. 5) hielt C. liirtipes
Wagl. für eine Zvvischenform von C. odoraf um Daud. und
C. pensilvanicum Gm., dagegen stellte Bocourt (Journ. de
ZooL, V, 1876, p. 393) diese Art zwischen die letztere und
C. integrum Leconte, und diese Annahme dürfte nach meinem
Ermessen auch die richtigere sein. C. liirtipes Wagl. hat in der
Gesamtform entschieden die meiste Ähnlichkeit mit C. scor-
pioides integrum Leconte (Sieben rock, Denk. Ak. Wien,
76, 1904, 3 p.), wenn auch andrerseits in der Form der Plastral-
schilder sowie in deren Nahtverhältnissen Anklänge an C.souo-
riense Leconte nicht zu leugnen sind.
Diese Art wurde bisher mit Sicherheit nur aus der Um-
gebung der Stadt Mexiko nachgewiesen, woher die zwei Exem-
plare des Wiener Museums stammen, welche die Brüder
Adolf und Albin Hörn auf dem Fischmarkte der genannten
Stadt von einem Indianer käuflich erworben haben. Dagegen
ist von der Type des Münchener Museums nach den Angaben
Wagler's 1. c. nur so viel bekannt, daß sie von Baron Kar-
576 F. Siebenrock,
winsky aus Mexiko gebracht und dem genannten Museum
geschenkt wurde.
Alle anderen Exemplare, welche später von Günther(Biol.
Cent. Amer., Rept., 1885) und Gadow (Proc. Zool. Soc. London,
1905) fälschlich für C. hirtipes Wagl. angesehen wurden,
gehören ausnahmslos zu C. scorpioides iiitegrmn Leconte,
weshalb sich auch die von den beiden Autoren angeführten
Fundorte auf die letztere Schildkröte und nicht auf C hirtipes
Wagl. beziehen.
Es ist kaum glaubwürdig, wie ich 1. c. schon einmal her-
vorgehoben habe, daß eine Schildkröte, die in der Nähe einer
Stadt vorkommt, welche schon von zahlreichen Europäern
besucht wurde, so lange dem Sammeleifer der Forschungs-
reisenden vorenthalten blieb. Sie muß daher an sehr sumpfigen
Stellen leben, welche schwer zugänglich sind. Dies dürfte da-
durch einigermaßen bewiesen werden, daß die beiden Exem-
plare der Collectio Hörn mit Süßwasseralgen bewachsen waren.
Länge der Rückenschale vom größten Exemplar 142 mm,
deren Breite 92 mm, ihre Höhe 56 mm; diese Maße verhalten
sich beim kleineren Exemplar wie 131 : 87 : 46. Beide Exem-
plare sind Männchen und größer als die Münchener Type,
bei der die Schalenlänge I20min, dieBreite S4mm und dieHöhe
45 mm beträgt; bei dieser ist der vordere Schalenrand etwas
ausgebrochen, weshalb das Nuchale in der Abbildung von
Wagler 1. c. fehlt.
9 a. Cinosternum scorpioides scorpioides L.
Cinosternum scorpioides, Bou lenger, Cat., 1889, p.41; ■ — Siebenrock, Denk.
Ak. Wien, 76, 1904, p. 3.
Die Rückenschale zeigt in beiden Geschlechtern einen auf-
fallenden Dimorphismus, der sich am besten durch nachfolgende
Maße veranschaulichen läßt; sie verhalten sich nach Länge,
Breite und Höhe in Millimetern beim Männchen wie 141 :89:46
und beim Weibchen wie 126 : 87 : 46. Somit ist die Rücken-
schale beim Männchen auffallend lang gestreckt, beim Weibchen
mehr proportional. Profillinie vorn etwas ausgedehnter als
hinten; die größte Höhe der Schale fällt ungefähr in ihre Mitte,
also auf das dritte Vertebrale. Drei Rückenkiele anwesend.
Die SchilJkrötenfamilie Cinosicrnidae m. 577
welche scharf hervortreten; von diesen der Mittelkiel am meisten
entwickelt. Erstes Vertebrale vorn ebenso breit oder breiter als
lang und unbedeutend breiter als das zweite. Nuchale klein,
länger als breit. Supracaudalia niedriger als die anstoßenden
zehnten Marginalia. Schilder mehr weniger deutlich konzentrisch
gefurcht und stark imbrikat.
Plastron mäßig groß, kleiner als die Schalenöffnung; Vorder-
lappen so lang wie derHinterlappen beimMännchen oder kürzer
beim Weibchen und unbedeutend länger als der unbewegliche
Teil des Plastrons; ersterer vorn abgerundet; Hinterlappen am
freien Ende eingekerbt und in beiden Geschlechtern gut beweg-
lich. Brücke 3- bis di^l^maX in der Länge des Plastrons enthalten.
Gulare IV2- bis 2 mal so lang als die humerale Mittelnaht und
etwas länger als der Vorderlappen. Anale Mittelnaht kürzer als
•die abdominale und doppelt so lang als die femorale. Axillaria
viel kleiner als die Inguinalia, welche dreimal so lang als breit
sind und bis zum achten Marginale zurückreichen; beide
Schilder mitsammen verbunden. Die Plastralschilder durch
keine häutigen Zwischenräume getrennt, bloß die femoro-abdo-
minale Naht sehr breit.
Kopf mäßig groß beim Weibchen, größer beim Männchen;
Schnauze kauni merklich vorspringend, Nasenschild solid,
hinten abgerundet. Kiefer stark, Oberkiefer in der Mitte haken-
förmig verlängert. Unterkiefersymphyse P/gmal in einer Man-
■dibelhälfte enthalten. Schwimmhäute an den Gliedmaßen wohl
ausgebildet. Schwanz beim Männchen mit einem kräftigen End-
nagel versehen, der beim Weibchen äußerst klein ist. Die Stri-
dulationsorgane an den Hinterfüßen fehlen beim Männchen. An
deren Stelle finden sich bloß einige kleine Schuppen vor, die
vielleicht als Rudiment aufgefaßt werden können, weil dieselben
beim Weibchen nicht vorhanden sind, sondern bei ihnen die
Haut vollkommen glatt ist.
Rückenschale licht- oder dunkelbraun, die einzelnen
Schilder nicht schwarz gerandet; Plastron einfach gelb gefärbt.
Kopf und Hals oben braun, auf dem Nasenschild vorn gelbe
Flecken, die an den Schläfen viel zahlreicher auftreten. Kehle
und Hals umgekehrt gefärbt, nämlich gelb mit braunen Flecken.
ö78 F. Siebenrock,
Kiefer gelb mit braunen Querstreifen; Gliedmaßen oben braun
und unten schmutziggelb.
Diese Varietät von C. scorpioides L. halte ich für die
Stammform und Surinam sowie Cayenne, wo sie vorkommt, für
das Verbreitungszentrum der ganzen Art. Von hier aus dürfte
die Ausstrahlung einerseits gegen den Süden nach Brasilien
und Bolivien, andrerseits gegen Norden über Columbien nach
Mexiko stattgefunden haben.
Von C. scorpioides scorpioides L. sind bis jetzt nur
wenige Exemplare bekannt, denn die meisten, welche man
immer für identisch damit gehalten hat, stammen aus Brasilien
und gehören zur Varietät C. scorpioides integrum Leconte.
Das Museum besitzt die Schale eines erwachsenen Weibchens,
deren Maße schon eingangs der Beschreibung dieser Art an-
gegeben wurden, und ein jugendliches Individuum in Alkohol
aus Surinam. Die Schalenlänge des letzteren beträgt 33 ;;//;/, die
Breite 25 mm und die Höhe 15 mm. Außerdem sind mir zwei
schöne, trocken präparierte Exemplare, cf und 9, aus Surinam
vom Stuttgarter Museum vorgelegen, nach denen hauptsächlich
diese Beschreibimg gemacht wurde.
Die einzigen Abbildungen in der Literatur, welche sich auf
diese Varietät beziehen, finden wir in Shaw's Gen. Zoology, III,
Part. I, 1802, Taf. 15, und in Schoepff's Testud., 1792, Taf. II,
alle übrigen Abbildungen stellen die zweite Varietät integrum
Leconte aus Brasilien dar.
9b. Cinosternum scorpioides integrum Leconte.
Cinosterimm scorpioides part, Boulenger, Cat., 1889, p. 41; • — Siebenrock,
Denk. Ak. Wien, 76, 1904, p. 3; — Goeldi, Bol. Mus. Goeldi, IV,
1904/06, p. 709.
Cinosternum scorpioides, Peracca, Boll. Mus. Torino, XII, 1897, Nr. 274, p. 1.
» integrum, Boulenger, 1. c, p. 42; — Stejneger, U. Stat. Dep.
Agricult. (North Amer. Fauna Nr. 14), 1899, p. 64.
Cinosternum scorpioides integrum, Siebenrock, 1. c, p. 4.
Diese Varietät unterscheidet sich von der Stammform
hauptsächlich durch die geringere Entwicklung der Rücken-
kiele und durch die Färbung der Rückenschale. Diese kann licht
oder dunkel sein, immer aber haben die einzelnen Schilder
schwarze Ränder. Dies gilt nicht nur von den Exemplaren aus
Mexiko und Zentralamerika, sondern auch von jenen aus Brasilien
Die Schildkrötenfamilie Cinosteniidae m. 579
und Bolivien. Daher werden von mir die Exemplare beider
Regionen in diese Varietät vereinigt. Es ist nicht möglich, wie
ich 1. c. schon einmal hervorgehoben habe, positive Merkmale
anzugeben, durch die sich eine artliche Trennung der nord-
amerikanischen von den südamerikanischen Exemplaren
bewerkstelligen ließe, weil in beiden Regionen sogenannte
Übergangsformen vorkommen, die einander ganz ähnlich sind.
Es darf allerdings nicht verschwiegen werden, daß es beim
Vergleiche der extremsten Formen von genannten Regionen
fast unglaublich erscheint, wie dieselben zu einer Unterart ge-
hören können, insbesondere wenn es sich um Exemplare ver-
schiedener Geschlechter handelt. Gerade alte Weibchen haben
durch ihre kurze und stark gewölbte Schale eine von den
Männchen ganz verschiedene Form, an der oft nicht einmal
der Mittelkiel sichtbar ist. Bei solchen hidividuen kann auch
das Plastron sehr breit sein, weil es ja bei den weiblichen
Tieren aller Cinostermim-Arten überhaupt immer größer als bei
männlichen ist. Jedoch so vollkommen wie z.B. bei C.cnienta-
ticm A. Dum. schließt es dennoch nie die hintere Schalen-
öffnung ab. Auch die Einkerbung am freien Ende des Hinter-
lappens kann so unscheinbar sein, daß sie leicht übersehen wird.
Zieht man aber eine größere Anzahl Individuen beider
Regionen in Betracht, dann kann sogar bei den aberrantesten
Formen über die richtige systematische Beurteilung kein Zweilel
bestehen. Es liegt in der Natur der Sache, daß bei einer Unter-
art mit so ausgedehnter geographischer Verbreitung, wie es bei
C. scorpioides integrum Leconte der Fall ist, der individuellen
Variabilität ein großer Spielraum zu gönnen ist, weil man
sonst sehr leicht in eine nicht zu rechtfertigende Trennungs-
methode geraten könnte.
Aus diesem Grunde konnte ich mich nicht entschließen, die
Exemplare der genannten Regionen auch nur als Unterarten zu
qualifizieren. Aber um sie dennoch wenigstens geographisch
voneinander zu trennen, möchte ich die Exemplare aus Süd-
amerika als Forma hrasiliana und die nördlichen als Forma
mexicana bezeichnen. Der einzige Unterschied liegt vielleicht
darin, daß die Rückenkiele bei der ersteren Form etwas stärker
hervortreten als bei der zweiten, nördlichen. Dies erscheint
580 F. Siebenro ck,
insofern einleuchtend, als die Forma brasiliana auf ihrem viel
kürzeren Wege vom Verbreitungszentrum vi'eniger Gelegenheit
hatte, sich zu differenzieren wie die Forma mexicana während
der bedeutenden Strecke, die sie bis in ihre jetzige Heimat,
Mexiko, zurückzulegen genötigt war.
Weder das von Lindholm (Jahrb. nassau. Ver., 54, 1901,
p. 9) noch das von Strauch, 1. c, p. 88, sub Nr. 136 angeführte
Exemplar kann von Surinam sein, denn an beiden Exemplaren
sind, wie ich mich durch den Augenschein überzeugte, die
Schilder der Rückenschale schwarz gerandet. Sie dürften nach
der Stärke der Rückenkiele höchstwahrscheinlich aus Brasilien
stammen.
Auch die Spix'sche Type von C. longicaudatum hat
schwarze Ränder an den Schildern der Rückenschale, welche
in der Fig. 1 auf Tafel XII (Test. Bras., 1840) fehlen. Überhaupt
stimmt die Färbung in dieser und der nächsten Fig. 2 durchaus
nicht mit dem Original überein. Bei diesem ist die Rücken-
schale rötlichbraun mit großen, gelben Flecken; die letztere
Farbe dürfte als die ursprüngliche zu betrachten sein, während
das Rotbraun von Laterit herrührt. Ebenso ist die letztere
Färbung in der Mitte des Plastrons auf einen Lateritbelag
zurückzuführen, so daß die natürliche Farbe nur am Rande
desselben zum Vorschein kommt.
Die herpetologische Sammlung des Museums besitzt
Exemplare von Parä, von der Mündung des Magdalenen-
Stromes in Columbien, von der südlichsten Grenze Mexikos, von
Acapulco und Mazatlan. Die Länge der Rückenschale vom
größten Exemplare, 9, aus Parä beträgt 148 #/;//, deren Breite
89 ww, ihre Höhe 54 mm; diese Maße verhalten sich beim
größten Exemplare, cf, aus Mexiko wie 176 : 105 : 50 und beim
kleinsten wie 40 : 33 : 15.
C. scorpioides integrum Leconte ist nach den Berichten
Goeldi's (Zool. Jahrb., Syst. X, 1897, p. 658) auf der Insel
Marajö sehr zahlreich. Diese Schildkröte, welche von den Be-
wohnern »mussuä« (mussuam) genannt wird, kommt hundert-
weise auf den Markt in Parä, wo sie als Leckerbissen gilt.
Nach Goeldi nehmen die Exemplare, von denen stets
einige Dutzend im zoologischen Garten von Parä lebend
Die Schildkrötenfamilie Cinosternidac m. 581
gehalten werden, sowohl vegetabilische als auch animalische
Nahrung zu sich. Weiters teilt der genannte Autor mit, daß die
Eiablage der gefangenen Tiere im Wasser geschieht und in den
ersten Monaten des Jahres erfolgen dürfte, weil der Bericht
Goeldi's vom April lautete und es im Texte ausdrücklich
heißt: »So war es mir denn sehr erwünscht, daß einige meiner
gefangenen Exemplare innerhalb der letzten Monate zur Ei-
ablage sich entschlossen.«
Die Eier sind hartschalig, glatt und, anstatt rein weiß, hell-
gelb. In der langgestreckten Form gleichen sie den Eiern der
anderen Cinostermtm- Arten. Der Längsdurchmesser beträgt
33 "5 bis 34 mm und der Querdurchmesser 18' omni.
Es ist von Interesse, zu erfahren, wie ungleich die Zeit der
Eiablage bei der Gattung Cinostermiin Spix in den ver-
schiedenen Breitegraden eintritt, denn in Parä, Brasilien, fällt sie
auf den Anfang des Jahres, in Indiana, Nordamerika, nach
Eigenmann (Proc. Indiana Ac, 1895, p. 263) in die Monate
Juni und Juli. Somit ergibt sich in der Legezeit zwischen süd-
lichen und nördlichen Klimaten ein Unterschied von mindestens
drei Monaten. Einen so großen Einfluß nimmt also die Sonnen-
wärme auf die Geschlechtstätigkeit der Tiere.
10. Cinosternum leucostomum A. Dum.
Cinosternum leiicosfomum, Boulenger, Cat., 1889, p.42, und Proc. Zoolog. Soc.
London, 1898, p. 108; — Peracca, BoU. Mus. Torino, XI, Nr. 253, 1896,
p. 1, und XIX, Nr. 465, 1904, p. 2; — Werner, Verh. zool. bot. Ges.
Wien, 46, 1896, p. 345; — Siebenrock, Zool. Anz., XXX, 1906, p. 97.
Cinosternon leucostomum part., Strauch, Mem. Ac. St. Petersb., (7), XXXVIII,
Nr. 2, 1890, p. 91.
Rückenschale oblong, etwas kürzer bei Weibchen und
mehr gewölbt als bei Männchen, vorn niedriger als hinten,
größte Höhe auf dem vierten Vertebrale, hinten steil abfallend,
Hinterrand ausgedehnt und etwas aufwärts gebogen, Marginalia
sehr häufig wulstartig aufgetrieben. Vertebralkiel gewöhnlich
sichtbar, besonders bei jüngeren Individuen; die Seitenkiele
fehlen gänzlich. Erstes Vertebrale vorn etwas breiter oder
ebenso breit als lang und als das dritte; zweites Vertebrale
ebenso lang oder etwas länger als breit. Nuchale klein, Hnear
582
F. Siebenrock,
oder trapezförmig und hinten ebenso breit als lang. Supra-
caudalia ebenso hoch oder sogar höher als die anstoßenden
zehnten Marginalia. An den Schildern die konzentrischen Furchen
meistens noch erkennbar, bei Weibchen sind die Schilder zu-
weilen ganz glatt und in beiden Geschlechtern imbrikat,
Plastron lang und breit, es schließt die Schalenöffnung
vollkommen ab. Vorderlappen gleich lang oder kürzer als der
Hinterlappen und länger als der unbewegliche Teil des Pla-
strons; Vorderlappen vorn ab-
gerundet, Hinterlappen am
freien Ende ganz, nicht ein-
gekerbt oder ausgeschnitten
und gut beweglich. Brücke
3Y2 iiiäl in der Länge des
Plastrons enthalten. Gulare
gewöhnlich ebenso lang als
die humerale Mittelnaht und
immer kürzer als die Hälfte
des Vorderlappens, ja, es
kann sogar SYgnial in der
Länge des letzteren enthalten
sein, wenn die pektorale Mit-
telnaht ziemlich lang ist. Die
Pektoralschilder bilden stets eine, wenn auch verschieden lange
Mittelnaht, sie bleibt aber immer kürzer als die humerale. Anale
Mittelnaht kürzer als der Vorderlappen und ebenso lang oder
länger als die abdominale; femorale Mittelnaht sehr variabel
2- bis 5mal in der Länge der analen enthalten. Axillaria klein,
Inguinalia bedeutend größer, sie reichen bis zum achten Mar-
ginale zurück; beide Schilder können miteinander verbunden,
aber auch auf eine kurze Strecke getrennt sein. Der erstere
Zustand dürfte wohl der primäre sein, so daß sich die Reduktion
der beiden Schilder erst im Laufe der Weiterentwicklung ein-
gestellt hat. Die Plastralschilder durch keine häutigen Zwischen-
räume getrennt.
Kopf mittelmäßig groß; Schnauze keilförmig, etwas vor-
springend, mindestens ebenso lang als der Querdurchmesser
der Augenhöhle; Nasenschild sehr groß, solid, nach hinten
Fig. 7.
Cinosternuin lettcostomum A. Dum.;
Kopf von unten. N. Gr.
Die Schildkrötenfamilie Cinostcrnidae m. 583
winkelig ausgedehnt. Kiefer stari<, Oberkiefer in der Mitte
schwach hakenförmig, bei Männchen mehr als bei Weibchen;
Unterkiefersymphyse um ein Viertel kürzer als eine Mandibel-
hälfte. Schwimmhäute an den GliedmafSen wohl ausgebildet.
Schwanz mit einem Endnagel, welcher bei Männchen viel größer
als bei Weibchen ist. Stridulationsorgane bei einem Männchen
an den Hinterfüßen ziemlich gut entwickelt. Dieses Exemplar
stammt aus Honduras und hat sonst die typischen Merkmale
von C.leucostoimim A. Dum. in unverkennbarer Weise an sich.
Rückenschale sehr variabel in der Färbung, es können von
Gelb bis Schwarz alle Nuancierungen vorkommen; die Schilder,
wo möglich, schwarz gerandet. Plastron gelb, die Schilder zu-
weilen, aber nicht immer, mit schwarzen Rändern versehen.
Kopf oben und seitlich dunkelbraun oder schwarz, zuweilen
mit gelben Vermikulationen bedeckt, Nasenschild lichtbraun
gefärbt, auf den Schläfen große, gelbe Flecke mit oder ohne
schwarze Punkte; ein schmaler, gelber Streifen zieht vom Auge
zur Nasenspitze, ein zweiter vom Trommelfell über den Unter-
kieferwinkel gegen den Augenrand. Alle diese Markierungen
können sehr undeutlich werden, am häufigsten bleiben die
Schläfenflecke erkennbar. Kiefer weiß oder hornfarben, selten
mit spärlichen, braunen Linien gezeichnet. Hals und Glied-
maßen oben schwarz, unten gelb, an der Kehle mit oder ohne
schwarze Flecke.
C. Jencostonmni A. Dum. bewohnt die atlantische Küste
von Mexiko und geht im Süden über Guatemala, Honduras,
Nicaragua und Darien nach Columbien und Ecuador. Die her-
petologische Sammlung des Museums besitzt Exemplare von
Coatzacoalcos im Golf von Campeche, Mexiko, von Coban, See
Peten (Vera Paz) und Punto Barrios in Guatemala und von
Honduras. Außerdem lagen mir mehrere Exemplare aus Ecua-
dor, Eigentum des Berliner und Münchener Museums, vor.
Endlich hatte ich auch Gelegenheit, vom ersteren Museum ein
Exemplar aus Nicaragua zu untersuchen.
Die Länge der Rückenschale unseres größten Exemplares,
cT, beträgt 134 mm, deren Breite 8Q mm und ihre Höhe44w7K;
diese Maße verhalten sich beim kleinsten Exemplare, 9, wie
93 : 64 : 39.
584 F. Siebenrock,
C. leucostomttin A. Dum. soll nach Cope (Proc. Ac. Phi-
lad., 1865, p. 189) in Tabasco nicht selten sein und von den
dortigen Bewohnern »Pochitoque camatotl« genannt werden.
Diese Art und C. berendiianum Cope, welche »Pochitoque
jaquactero« und »negro« heißt, wird von den Leuten gegessen.
Beide Arten legen im März und April ihre Eier bloß in wenigen
Stücken.
11. Cinosternum berendtianum Cope.
Cinosternum berendtianum, Boulenger, Cat., 1889, p. 43; — Lindholm. Jahrb.
nassau. Ver., 54, 1901, p. 185.
Diese Art hat in der Schalenform große Ähnlichkeit mit
C. leucostomuni A. Dum., der hauptsächlichste Unterschied
liegt in der Form der Plastralschilder und in der Färbung des
Kopfes.
Rückenschale oblong, bei Weibchen etwas kürzer und
mehr gewölbt als bei Männchen; vorn niedriger als hinten,
größte Höhe auf dem vierten Vertebrale, hinten steil abfallend,
Hinterrand ausgedehnt und etwas aufwärtsgebogen, Marginalia
gewöhnlich wulstartig aufgetrieben, Vertebralkiel wenigstens
spurweise immer sichtbar, die Seitenkiele fehlen. Erstes Vertebrale
vorn ebenso breit oder etwas schmäler als lang und immer
schmäler als das dritte Vertebrale. Nuchale sehr klein und
schmal; Supracaudalia ebenso hoch als die anstoßenden zehnten
Marginalia. Die Schilder glatt, gewöhnlich bei Weibchen, oder
konzentrisch gefurcht und imbrikat.
Plastron lang und breit, es schließt die Schalenöffnung
vollkommen ab. Vorderlappen merklich kürzer als der Hinter-
lappen und ebenso lang oder unbedeutend länger als der un-
bewegliche Teil des Plastrons; ersterer vorn abgerundet, Hinter-
lappen am freien Ende ganz, nicht eingekerbt und gut beweg-
lich. Brücke unbedeutend mehr wie dreimal in der Länge des
Plastrons enthalten. Gulare immer, gewöhnlich sogar bedeutend
länger als die Hälfte des Vorderlappens. Pektorale Mittelnaht
immer anwesend, aber meistens kurz, nur bei einem unter fünf
Exemplaren ist sie fast ebenso lang als die humerale. Anale
Mittelnaht kaum länger als die abdominale und merklich länger
als der Vorderlappen; dies ist besonders bei Weibchen der Fall;
Die Schildkrötenfamilie Cinosternidac m. 5oO
femorale Mittelnaht kurz, ungefähr sechsmal in der analen ent-
halten. Axillaria sehr schmal, Inguinalia viel breiter und länger,
sie reichen bis zum achten Marginale zurück; diese Schilder
bei fünf Exemplaren miteinander verbunden. DiePlastralschilder
durch keine häutigen Zwischenräume getrennt.
Kopf mittelmäßig groß, Schnauze keilförmig, etwas vor-
springend, mindestens ebenso lang als der Querdurchmesser
der Augenhöhle. Nasenschild sehr groß, nach hinten stark
winkelig ausgedehnt. Kiefer mäßig, Oberkiefer bei Männchen
in der Mitte stark hakenförmig, etwas weniger bei Weibchen;
Unterkiefersymphyse halb so lang als eine Mandibelhälfte.
Schwimmhäute an den Gliedmaßen wohl ausgebildet. Schwanz
bei Männchen mit breitem, etwas gekrümmtem Endnagel, der
bei Weibchen klein und unansehnlich ist. Stridulationsorgane
beim Männchen durch das Vorhandensein einiger Horntuberkel
an den Hinterfüßen angedeutet.
Rückenschale lichtoliven oder braun, die Schilder schwarz
gerandet, was bei den hellgefärbten Individuen natürlich mehr
auffällt als bei den braungefärbten. Plastron gelb, die Nähte
schwarz. Kopf oben und seitlich gelb mit zahlreichen braunen
Punkten oder Flecken; Kiefer gleichfalls gelb mit braunen
Querstrichen, die (bei Männchen) so überhandnehmen können,
daß letztere Farbe prävaliert. Hals und Gliedmaßen braun mit
hellen Flecken.
C. herendtiaimm Cope ist eine viel kleinere Art als C. len-
costomum A. Dum., denn die Schale erreicht nach den bis-
herigen Erfahrungen kaum mehr als 105 mm Länge, während
bei der letzteren Art Exemplare von 135 mm nicht selten sind.
C. hereiidtianiim Cope scheint nur in Südmexiko und
Guatemala einheimisch zu sein, wenigstens wurde diese Art
weiter östlich noch niemals beobachtet. Sie dürfte nicht so
häufig sein wie C. lettcostomum A. Dum., da auch Cope 1. c.
nur von der Häufigkeit des Vorkommens der letzteren Art
spricht, aber nichts von C. berendtianiim Cope erwähnt.
Die herpetologische Sammlung des Museums besitzt das
Skelett eines Exemplars, 9, aus dem See Peten (Vera Paz) in
Guatemala. Die Länge der Rückenschale beträgt 98 mm, deren
Breite 69 mm, ihre Höhe 35 mm. Außerdem lagen mir noch vier
586 F. Siebenrock,
Exemplare aus Vera Cruz sowie aus Mexiko und Guatemala
ohne genauere Fundortsangaben vor, welche Eigentum der
iMuseen in St. Petersburg, Stuttgart und Wiesbaden sind.
12. Cinosternum cruentatum A. Dum.
Cinosternuni cruentatum, Boulenger, Cat., 1889, p. 44; — Siebenrock,
Zool. Anz., XXX, 1906, p. 98.
Cinosternon cruentatum, Strauch, Mem. Ac. St. Petersb., (7), XXXVIII, Nr. 2,
1890, p. 92.
Cinosternon lencostomum part., Strauch, 1. c, p. 91.
» albogiilare, Bocourt, Miss. Sc. Mex., Rept. 1870, p. 23, und Journ.
de Zool, V, 1876, p. 399.
Rückenschale oval, stark gewölbt, vorn nur unbedeutend
schmäler als hinten, vorderer Schalenrand bogenförmig aus-
geschnitten, hinten steil abfallend, nicht ausgedehnt. Die drei
Kiele sehr nahe aneinander gerückt wde bei keiner anderen
Ciuostermtrn- Art; die Seitenkiele werden bei alten Individuen
zuweilen in derbe Wülste umgewandelt, welche die Vertebral-
region überragen und daher eine Längsrinne bilden; sie können
aber auch gänzlich verschwinden, so daß bloß der Mittelkiel
noch erkennbar ist, wie es bei Exemplaren aus Guatemala vor-
kommt. Erstes Vertebrale vorn ebenso breit oder auch breiter als
lang und breiter als das zweite und dieses gewöhnlich bedeutend
länger als breit. Nuchale klein, sehr variabel in der Form, immer
länger als breit und hinten eingekerbt; Supracaudalia niedriger
als die anstoßenden zehnten Marginalia. Die Schilder glatt
oder mit konzentrischen Furchen versehen, schwach imbrikat.
Plastron lang und sehr breit, es schließt die Schalenöffnung
vollkommen ab; Vorderlappen stets kürzer als der Hinter-
lappen, aber viel länger als der unbewegliche Teil des Plastrons ;
ersterer vorn abgerundet, Hinterlappen am freien Ende ganz,
nicht eingekerbt und gut beweglich. Brücke 3- bis 3V2i''"'al in
der Länge des Plastrons enthalten. Gulare ebenso lang oder
länger, sehr selten kürzer als die Hälfte des Vorderlappens. Die
Pektoralschilder meistens dreieckig, sie bilden selten eine
Mittelnaht, die dann immer ganz unbedeutend ist. Anale Mittel-
naht ebenso lang oder gewöhnlich etwas kürzer als der Vorder-
lappen und bedeutend länger als die abdominale; femorale
Die Schildkrötenfamilie Cinosternidae m.
587
Mittelnaht 5V2- bis 6 mal in der analen enthalten. Axillaria klein
und schmal, Inguinalia bedeutend größer, sie reichen bis zum
achten Marginale zuri.ick; die ersteren Schilder miteinander ver-
bunden oder auch getrennt, gewöhnlich ist letzteres der Fall.
Die Plastralschilder durch keine häutigen Zwischenräume ge-
trennt, nur die Nähte zwischen dem festen Teil des Plastrons
und den beiden beweglichen Lappen sind bei dieser Art auf-
fallend breit und tief, was wohl mit bedeutenderer Stärke der
Plastralknochen zusammenhängt.
Kopf mäßig groß, breit,
vor den Augen komprimiert.
Durch die eigentümliche
Form des Kopfes ist diese Art
sofort von C. leucostomum
A. Dum. zu unterscheiden.
Schnauze schmal und kurz,
nur wenig vorspringend; Na-,
senschild solid, hinten abge-
rundet oder bloß schwach
eingekerbt bei jüngeren Indi-
viduen. Kiefer mäßig stark,
Oberkiefer in der Mitte bei
Männchen hakenförmig ver-
längert, beiWeibchen gewöhn-
lich abgerundet; Unterkiefersymphyse halb so lang als eine
]\Iandibelhälfte, weil die erstere in der Mitte stark abgestumpft
ist. Schwimmhäute an den Gliedmaßen wohl ausgebildet.
Schwanz mit einem kräftigen, breiten Endnagel versehen, der bei
Weibchen sehr klein und schmal ist. Stridulationsorgane fehlen
bei Männchen an den Hinterfüßen vollständig.
Rückenschale sehr variabel in der Färbung, von Oliven-
grün bis Braun können alle Nuancierungen vorkommen; die
Schilder mit oder ohne schwarze Ränder. Kopf oben und seit-
lich schwarz bis lichtgrau, seitlich mit gelben Punkten oder
kleinen Flecken geziert, die bei manchen Individuen zwei bis
drei Linien bilden können und vom Trommelfell zum Auge hin-
ziehen; am häufigsten ist ein breiter, gelber Streifen auf der
Schläfe sichtbar, der mehr weniger stark mit Schwarz marmo-
Sitzb. d. mathem.-naturw. KL; CXVI. Bd., Abt. I. 39
Fig. 8.
Cinosternuin cnicntatnm A. Dum.;
Kopf von unten. N. Gr.
588 F. Siebenrock,
riert sein kann. Kiefer gelb, ohne oder mit schwarzen Quer-
streifen, die so zahh"eich sein können, daß die gelbe Farbe fast
verschwindet; an der Unterkiefersymphyse meistens ein
schwarzer oder brauner Streifen besonders deutlich hervor-
tretend. Kehle und Hals unten einfach gelb oder schwarz ge-
fleckt. Gliedmaßen und Schwanz oben grau, unten lichter oder
gelb gefärbt.
Strauch 1. c. hat ein Exemplar dieser Art, welches von
F. Sarg in der Umgebung der Stadt Guatemala gesammelt
wurde und mir zum Vergleiche vorliegt, als C. leiicostommn
A. Dum. (sub Nr. 7292) bestimmt. Dieses Exemplar sowie
noch drei andere, ein Männchen und zwei Weibchen, welche
vom gleichen Fundorte stammen, hat in der Gesamtform der
Schale allerdings, und zwar besonders durch den Mangel
der Seitenkiele einige Ähnlichkeit mit C. leticostomtim A. Dum.
Auch die Maßverhältnisse der Vertebralia stimmen mehr mit
dieser Art als mit C. crueiitaitwt A. Dum. überein. Dies beweist
das zweite Vertebrale, welches nahezu ebenso breit als lang ist.
Berücksichtigt man aber die Form des Kopfes, des Nasen-
schildes, der Supracaudalia und diejenige des Plastrons, so er-
gibt sich mit unzweifelhafter Sicherheit, daß die genannten
Exemplare zu C. cruentattun A. Dum. gehören müssen. Diese
Art wurde aus der Umgebung Guatemalas noch nie angeführt,
denn man war bisher der Meinung, daß daselbst nur C.
leticostomtim A. Dum. und C. berendtiamim Cope einheimisch
sei. Die soeben mitgeteilten Tatsachen beweisen aber auch
das Vorkommen von C. criieniatum A. Dum. in Gua-
temala.
Wir haben es hier mit einem ganz analogen Fall wie bei
C. scorpioides integrum Leconte zu tun. Bei dieser Unterart
zeigt sich ebenso wie bei C. criientatnin A. Dum., daß die
Exemplare an der äußersten Peripherie des Verbreitungsgebietes
zwar eine Aberration im Habitus der Schale aufweisen können,
aber in den Hauptmerkmalen noch immer mit der Stammform
übereinstimmen, weshalb kein Grund vorliegt, sie spezifisch
voneinander zu trennen.
Schon Werner (Verh. zool. bot. Ges. Wien, 46, 1898,
p.346) hat darauf hingewiesen, daß C. cruentatum A. Dum.
Die Schildkrötenfamilie Cinosternidae m. 589
durch das Verschwinden der Rückenkiele von C. leiicostomuui
A. Dum. schwer zu unterscheiden sei.
Daß C.albognlare Bocourt jeder Berechtigung auf Selb-
ständigkeit entbehrt und daher unter die Synonymie von C.
cruentatum A. Dum. zu stellen ist, wurde von mir bereits er-
örtert.
C. cruentatum A. Dum. ist vornehmlich im südlichen Teil
von Mexiko einheimisch, von wo diese Art über Guatemala
bis nach Costa Rica vordringt.
Die herpetologische Sammlung des Museums besitzt
Exemplare von Chiapas, Laguna, Huilotepec und San Mateo del
Mar in Mexiko sowie ein Exemplar aus der Umgebung der
Stadt Guatemala. Die Länge der Rückenschale des größten
Exemplares, cf, beträgt lAOnmi, deren Breite 9G tum und ihre
Höhe 56mwz; diese Maße verhalten sich beim kleinsten Exem-
plare, 9, wie 92 : 72 : 40.
Diese Art kommt nach den Mitteilungen der Brüder Adolf
und Albin Hörn in Huilotepec und San Mateo del Mar sehr
zahlreich vor. An letzterem Orte bewohnt sie die Tümpel und
kleinen Seen mit brackischem Wasser auf den Sandbänken.
Verbreitung.
Die Cinosternidae sind rein aquatische Tiere, welche nur
zur Zeit der Eiablage ans Land gehen, oder um eine andere
Wasserstelle aufzusuchen, wenn die jeweilige ausgetrocknet
ist. Sie leben nicht nur in Flüssen, sondern auch, und zwar
manche Arten sogar mit Vorliebe, in Sümpfen und Pfützen, wo-
für in dem so wasserreichen Verbreitungsgebiet hinlänglich
gesorgt ist.
In ihrem Vorkommen verteilen sich die Cinosternidae auf
die nearktische und zum Teil auch auf die neotropische Zone.
In der ersteren Zone erstreckt sich ihre Verbreitung von Nord-
osten (Maine) gegen Süden fast auf alle Gebietsteile längs der
atlantischen Küste und im Westen reicht sie bis zum Felsen-
gebirge, welches einem weiteren Vordringen zum pazifischen
Ozean hinderlich entgegentritt. Daher fehlt auch diese arten-
reiche Familie in Californien vollständig.
39*
590 F. Siebenrock,
Während die Cinosternidae im Osten zwar reich an In-
dividuen, aber nur in wenigen Arten auftreten, nimmt in den
südlichen Gebieten, speziell in Florida und am Golf von Mexiko
ihre Zahl auch in letzterer Hinsicht zu.
Bloß im Osten überschreitet ihr Verbreitungsgebiet die
Vergletscherungsgrenze der Eiszeit, im zentralen Teile des
Kontinents dürften die beiden Grenzen gegen Norden so ziem-
lich zusammenfallen. Und im Nordwesten scheint das äußerst
gebirgige Terrain samt den damit verbundenen klimatischen
Verhältnissen den Aufenthalt dieser Schildkröten an und für
sich schon unmöglich zu machen. Erst unter dem Wendekreis
des Krebses dringen sie in Südmexiko bis zum pazifischen
Ozean vor, um sich von da über Zentralamerika auszubreiten,
wo auch die reichste Gliederung dieser Familie zu finden ist.
Nur zwei Arten überschreiten die Landenge von Panama und
erstrecken sich sowohl über den östlichen als über den west-
lichen Teil Südamerikas, ohne den Wendekreis des Stein-
bockes zu erreichen.
In Übereinstimmung mit Brown (Proc. Ac. Philad., LM,
1904, p. 464) halteich C.oJora/»?/z Daud. und C.pensiJvanictun
Gm. ebenfalls für die phylogenetisch ältesten Vertreter der
Gattung CinostermimS])\x, was auch durch die Form des Pla-
strons vollkommen bewiesen wird. Speziell die erstere Art bildet
den Übergang von der Gattung Staiirotypus Wagl. zur Gattung
Cinosterniun Spix. Es ist ferner für die Beurteilung der Phylo-
genie dieser Gattung von Wichtigkeit, zu wissen, daß in Süd-
amerika die ältere Form C. scorpioides scorpioides L. mit
der Varietät integrum Leconte auch das geologisch ältere Ge-
biet von Guiana und Brasilien bewohnt, während C. leii-
costomtun A. Dum. auf den geologisch jüngeren Teil des Kon-
tinents, nämlich auf die Anden, beschränkt bleibt.
Die ausgedehnteste Verbreitung haben die zwei Arten C.
odoratiim Daud. und C. pensilvanictmt Gm., denn sie reichen
von Maine in Nordosten an der atlantischen Küste entlang bis
nach Florida, am Golf von Mexiko bis zum Colorado-River und
nach Norden ungefähr bis zum 40° n. Br.
Für unwahrscheinlich halte ich aber das Vorkommen von
C. pensilvaniciim Gm. in Mexiko. Bei den Exemplaren, welche
Die Schildkrötentamilie Cinostentidae m. 591
Strauch 1. c. und Lindholm 1. c. von dort anführen, dürfte
wohl die Fundortsangabe unrichtig sein und das von Gadovv
(Proc.Zool. Soc. London, 1905, II, p. 209) inGuerrero gesammelte
Exemplar wird wohl zu einer anderen Art, aber nicht zu C. pen-
siluanicmn Gm. gehören.
Im Anschlüsse folgt hier eine Liste über die geographische
Verbreitung der einzelnen Arten mit genauer Angabe aller bis-
her bekannt gewordenen Fundorte. Zur besseren Übersicht
mögen die beigefügten Karten dienen, in denen jede Art mit
ihrem Anfangsbuchstaben eingetragen ist. Nur bei den
selteneren Arten ist, wo möglich, jeder Fundort markiert, bei
den häufigeren dagegen wie bei C. odoratum Daud. und C.
pensiluauicum Gm. bloß der einzelne Staat, in dem die be-
treffende Art bisher beobachtet wurde.
Jene Arten, deren Fundortsangaben zweifelhaft erscheinen,
sind mit einem vorgesetzten ? gekennzeichnet.
1. Claudius angustatus Cope.
Mexiko, Tabasco; — Cope.
2. Staurotypus salvinii Gray.
Mexiko, Santa Efigenia; — Sumichrast.
» Tapana; — Sumichrast.
» Tehuantepec; — Sumichrast.
Guatemala, Huamuchal; — Salvin.
» Vera Paz; — Bocourt.
3. Staurotypus triporcatus Wie gm.
Mexiko, Vera Cruz; — Salle.
» Rio Alvarado, Bay von Campeche; — Deppe.
» Tabasco; — Cope.
Guatemala, Umgebung der Stadt Guatemala; — Strauch.
» Rio Usumacinta; — Morelet.
4. Cinosternum odoratum Daud.
Maine; — Holbrook.
Massachusetts, Amherst, Falmouth, Walpole und bei Cam-
bridge; — Stör er.
592 F. Siebenrock,
Massachusetts, Spy-Pond bei Cambridge und Concordfluß; —
Siebenrock.
Connecticut, Housatonic, Trumbull, Stratford, East-Hartford
und Stromington; — Linsley.
New-York; — De Kay, Paulmier, Ditmars.
» Hudson River; — Mearns.
Nevv-Jersey; — Bonaparte.
Delaware; — Boulenger.
Nord-Carolina, Raleigh; — Siebenrock,
Süd-Carolina; — Agassiz, Strauch.
Georgia; — Agassiz.
Alabama, Mobile; — Agassiz.
Louisiana; — • Agassiz, Boulenger.
'> New Orleans; — Agassiz, Strauch.
Texas; — Boulenger.
» Williamson Count}'', Medina River; — Agassiz.
» San Marcos; ■ — Stone.
» Colmesneil; — Siebenrock.
Pennsylvanien, Upper Darby; — Leconte.
» Carlisle; — Boulenger.
Ohio, Nördlicher Teil; — Kirtland.
Indiana, Turkey Lake; ■ — Eigenmann.
» Wisiona Lake; — Siebenrock.
Illinois, Deep Lake, Lake Co., Chicago, Peoria, Pekin, Little
Fox River at Phillipstown, Running Lake, in Union
Co.; • — Garman H. (Bull. Essex. Inst, XXVI,
1896, p. 61).
» Illinois River; — Sieben rock.
Kentucky; — Garman H.
Missouri, Osage River; — Agassiz.
» St. Louis; — Hurter.
Tennessee, Chattanooga; — Rhoads.
Florida, Orlando, Orange County ; — Lönnberg, Siebenrock.
5. Cinosternutn carinatum Gra^'.
Georgia, Columbus; — Agassiz.
» Mimsville; — Siebenrock.
Alabama, Mobile; — Agassiz.
Die Schildkrötenfamilie Ciiiosiernidac m. 593
Louisiana; — B o u 1 e n g e r.
Mississippi; — L i n d h o 1 m.
? Tennessee, Emory River; — Rhoads.
? Süd-Arizona; — Yarrow.
6. Cinosternum steindachneri Siebenr.
Florida, Orlando, Orange Coiinty; — Lönnberg, Siebenrock.
7. Cinosternum baurii G arm an S.
Insel Cuba; — G arm an S.
I\ e y \\^ e s t - 1 n s e 1 ; — G a r m a n S.
Florida. Orlando, Apopka, Oviedo, Orange County; — Lönn-
berg.
» Orlando,Belleair. Hast ings,Georgiana; — Siebenrock.
8. Cinosternum pensilvanicum Gm.
Connecticut, Stratford; — Linsley.
New- York; — De Kay, Paulmier, Ditmars.
Columbia, Washington; — Boulenger.
Nord-Carolina, Raleigh; — Siebenrock.
Alabama, Mobile; — Agassiz.
Louisiana, New-Orleans; — Agassiz, Boulenger, Baur,
S i e b e n r 0 c k.
» Opelousas; — Siebenrock,
l'exas, Dallas; — Strauch.
Waco ; — Sieben rock.
P e n n s y 1 \' a n i a ; — Agassiz.
Illinois, Peoria, Mt. Carmel; — Garman H.
Kentucky; — H o 1 b r o o k.
Missouri, Upper Missouri River; — Say.
Tennessee; — Holbrook.
Reelfoot Lake, Samburg; — ■ Rhoads.
? Florida; — Boulenger.
Florida, Pensacola; — Agassiz.
? Mexiko; — Strauch, Lindholm.
? » San Luis Allende; — Gadow.
594 F. Siebenrock,
9. Cinosternum flavescens Agass.
Arcansas, Red River; — Agassiz.
Texas, Mobeetie, Clarendon; — Cope.
» Austin; — Sieben rock.
» San Antonio; — Agassiz, Stone, Brown.
» Lower Rio Grande del Norte; — Agassiz.
» Pecos; — Brown.
» El Paso; — Brown, Siebenrock.
Arizona, Gila River, Camp Yuma; — Agassiz.
10. Cinosternuni sonoriense Leconte.
N e u - M e X i k o ; — Leconte.
Arizona, Tucson; — Leconte, Sieben rock.
» Huachuca; — Stejneger.
» Camp Apache, Rock Creek ; — Yarrow.
Sonora, Guadalupe Canon; — Agassiz.
IL Cinosternum hirtipes Wagl.
Mexiko; — Wagler.
» Umgebung der Stadt Mexiko; — Siebenrock.
12 a. Cinosternum scorpioides scorpioides L.
Cayenne; — Dumeril et Bibron, Bou lenger.
Surinam; Berthold, Siebenrock (Exemplare im Berliner,
Stuttgarter und Wiener Museum).
12b. Cinosternum scorpioides integrum Leconte.
a) Brasilien, Para; — Goeldi, Siebenrock.
» Borba, Insel Marajo; — Natter er.
Bolivia; — D'Orbigny.
» Bolivian Chaco: Caixa, Mission di Aguairenda;' —
P e r a c c a.
Columbia, Mündung des Magdalenenstromes; — Sieben-
r oc k'.
» Rio Lebrija bei Santander; — Steindachner.
Die Schildkrütenfamilie Cinosternidae m. 595
ß) Mexiko, Mazatlan; — Strauch, Boulenger, Sieben rock.
» Tres-Marias-Inseln; — Boulenger, Stejneger.
» Presidio; — Strauch, Boulenger.
» Laguna; — Strauch.
» Acapulco; — Strauch, Siebenrock.
13. Cinosternum leucostomum A. Dum.
Mexiko, Coatzacoalcos; — Siebenrock.
Cosamaloapan, Playas Vincente; — Boulenger.
» Tabasco; — Cope.
» Usumacinta; — A. Dum er iL
Guatemala, Huamuchal, Coban, Cahabon; — Boulenger.
» Coban, See Peten, Punta Barrios; — Sieben rock.
Honduras; — Werner, Siebenrock.
Nicaragua; — Siebenrock (ein Exemplar im Berliner Mu-
seum).
Darien, Laguna della Pita; — Peracca.
Columbia, Tal des Magdalenenstrom.es, Bogota; — A. Du-
m e r i L
Ecuador, Nanegal, Chimbo; — Boulenger.
» Vinces; — Peracca.
» Rio Durango, Guayaquil; — Sieben rock (Exem-
plare im Berliner Museum).
» Rio Bogota; — Siebenrock (Exemplare im Berliner
und Münchener Museum).
? Louisiana, New-Orleans; — A. Dumeril, Gadow. (A. Du-
meril bezweifelt selbst die Richtigkeit dieses
Fundortes.)
14. Cinosternum berendtianum Cope.
Mexiko, Vera Cruz; — Strauch.
» Cosamaloapan; — Boulenger.
» San Mateo del Mar; — Gadow.
» Tabasco; — Cope.
Guatemala; — Boulenger.
» See Peten in Vera Paz; • — Siebenrock.
596 F. Siebenrock,
15. Cinosternum cruentatum A. Dum.
Mexiko, Oaxaca, Tonala; — Boul enger.
» Chiapas, Laguna, Tehuantepec, Huilotepec, San Mateo
dal Mar; — Siebenrock.
» Tehuantepec, San Mateo del Mar; — Strauch.
Guatemala, Umgebung der Stadt Guatemala; — Siebenrock
(Exemplare im Münchener, Petersburger und
Wiener Museum).
Costa Rica; — Bocourt, Strauch.
Aus dieser Liste ergibt sich der größte Artenreichtum im
südlichen Mexiko, denn nicht weniger als acht Arten sind da-
selbst vertreten. Je mehr nach Norden und Osten oder nach
Süden, desto kleiner wird die Artenzahl und in den nördlichsten
Gebieten findet man die Gattung überhaupt nur mehr durch
C. odoratum Daud. oder allenfalls auch durch C. pensilvaniaim
Gm. vertreten.
Die nun folgende Tabelle möge die geographische Ver-
breitung aller Arten der Familie Cinosternidae nach dem heu-
tigen Stande unserer Kenntnis klar vor die x'\ugen führen.
Die Schildkrötenfamilie Ciiiostcrnidae m.
597
tUllJVJtUIlM 'J
ttinuüi^pus.isq -j
uiniiiofsojtisi 'j
-9fm sapiotdjoos 'j
sdpwid
■.lOJS s3ptoid.ioos -Q
s^dif.iui -j
asiLTi.ioiios 'j
Sli3JS3aVlf -j
iiiiijiiw.iiisujd -j
+ ■ +
+ + + +
u.tuvq 'j
i.taiiipvpupfs -j
UlllfVlIIAVO -Q
+ • +
71111}
-vjopo utmijf/soiiij
+ +• + + + + + ■+ + + + + + + + • +
siifvp.iodij) 75'
iiuinivs snd.\}o.invjs
SU)V}S
-iißtiv snipnvij
o ^ <y rt
•3 >> .— O <D (/;
^ S
^ t/) O o
^ — 1-' x ci
icSno.rtO-a-;^
3 O O ?i C; ÖD
c3 cS
-•■-"•-- <D w 0^
00 H < O
598
F. Siebenrock,
tnufvfusnj:) 'j
+ +
iiinuvijpu^.ipq -j
+ +
uinmofsoonsi 'q
+ + + + • + + +
-Sftlt sspwtdAOOs Q
+ ■ + • +
s?piojd
■Aoos ssptoidjoos 'J
sadifju/ -j
3SU9t.tOUOS -j
Stt93S3ilVlf -Q
+ +
+ • +
iitnotuvajtstod -j
+ + • + +
UAiwq 'Q
+
pt3HjpvpU13}S -Q
+
tiinjviii.tvo -Q
+ + +
+
titiif
-VAopo mnuA9}souij
+ + • + +
snjvojodijf -jg
+ +
nmaivs sndXjojuvjs
+ +
snjv^s
-nßiw siijpnvjj
!^S-^-'.Si3S.SnitA!
t.<SHJE-'Z;<SOKZOQOWeQOoa
ö .:2
Die Schildkrötenfamilie Ciuostcrnidac m. 599
Erklärung der Abbildungen.
Tafel I.
Fig. 1. Cinostermnn steindachneri Siebenr., ^, Tj-pe; von oben.
Fig. 2. » » j> > » von unten.
Fig. 3. » > > » » Kopf und Hals im Profil.
Fig. 4. » » » » Stridulationsorgan des linken
Hinterfußes.
Tafel II.
Fig. 5. Cinosternnm baiirii Garman, "J; ^'on oben.
Fig. 6. » » » j. von unten.
Fig. 7. » > > > Kopf und Hals im Profil.
Sämtliche Figuren sind Originalzeichnungen in natürlicher Größe.
Siebenroek F.: Die Schildkrötenfamilie CiiwsterniJae m.
Taf.L
Jos.FldschnuunL n.d.Iaturgez.
Sitzungsberichte d. kais. Akad. d. Wiss., math.-naturw. Klasse, Bd. CXVI, Abt. I, 1907
Siebenroek F.: Die Schildkrötenfamilie CinosterniJae m.
Taf.E.
Jos.FhiseJimajm ib.di.Nalurgez.
Sitzungsberichte d. kais. Akad. d. Wiss., math.-natunv. Klasse, Bd. CXVI, Abt. I, 1907.
Siebenrock F.: Die Schildkrötenfamilie Cinosteriüdae m.
Die Vereinigten Staaten v.
NORDAMERIKA (Union:
Buchstaben -Erklärung für die Kartenskizzen.
a.-Claudius angustatus.
sa.' Sraurot^pus salvinii.
t' » triporcatus.
0.« Cinostemum odorarum.
C-' ). carinatum.
s''-" - steindachneri.
ba.« „ baurii.
P' •" pensilvanicum
so.'
j»
sononense.
h.-
..
hirUpes. -
SS-
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scorpioidesscorp
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iitzung.sberichte d. kais. .^Vkad. d. Wiss., math.-naturw. Klasse, Bd. CXVI, Abt. I, 1907.
Siebenroek F.; Die Schildkrötenfamilie Ciiwsicniidae m.
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Cenrral-Amerika
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Sitzungsberichte d. kais. Altad. d. Wiss., math.-naturw. Klasse, Bd. CXVI, Abt. I, \i
Die Sitzungsberichte der mathem.-naturw. Klasse
erscheinen vom Jahre 1888 (Band XCVII) an in folgenden
vier gesonderten Abteilungen, welche auch einzeln bezogen
werden können:
Abteilung I. Enthält die Abhandlungen aus dem Gebiete der
Mineralogie, Kristallographie, Botanik, Physio-
logie der Pflanzen, Zoologie, Paläontologie, Geo-
logie, Physischen Geographie, Erdbeben und
Reisen.
Abteilung II a. Die Abhandlungen aus dem Gebiete der
Mathematik, Astronomie, Physik, Meteorologie
und Mechanik.
Abteilung II b. Die Abhandlungen aus dem Gebiete der
Chemie.
Abteilung III. Die Abhandlungen aus dem Gebiete der
Anatomie und Physiologie des Menschen und der
Tiere sowie aus jenem der theoretischen Medizin.
Von jenen in den Sitzungsberichten enthaltenen Abhand-
lungen, zu deren Titel im Inhaltsverzeichnisse ein Preis bei-
gesetzt ist, kommen Separatabdrücke in den Buchhandel und
können durch die akademische Buchhandlung Alfred Holder,
k. u. k. Hof- und Universitätsbuchhändler (Wien, L, Rothenthurm-
straße 13), zu dem angegebenen Preise bezogen werden.
Die dem Gebiete der Chemie und verwandter Teile anderer
Wissenschaften angehörigen Abhandlungen werden auch in be-
sonderen Heften unter dem Titel: »Monatshefte für Chemie
und verwandte Teile anderer Wissenschaften« heraus-
gegeben. 14 K — 14 M.
Der akademische Anzeiger, welcher nur Originalauszüge
oder, wo diese fehlen, die Titel der vorgelegten Abhandlungen
enthält, wird, wie bisher, acht Tage nach jeder Sitzung aus-
gegeben. 5 K — 5 M.
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SITZUNGSBERICHTE
DER KAISERLICHEN
KADEMIE DER WISSENSCHAFTEN
MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE KLASSE.
CXVI. BAND. IV. UND V. HEFT.
JAHRGANG 1907. — APRIL und MAI.
ABTEILUNG L
ENTHÄLT DIE ABHANDLUNGEN AUS DEM GEBIETE DER MINERALOGIE,
KRISTALLOGRAPHIE, BOTANIK, PHYSIOLOGIE DER PFLANZEN, ZOOLOGIE,
PALÄONTOLOGIE, GEOLOGIE, PHYSISCHEN GEOGRAPHIE UND REISEN.
(MIT 6 TAFELN UND 30 TEXTFIGUREN.)
■1
^' WIEN, 1907.
AUS DER KAISERLICH-KÖNIGLICHEN HOF- UND ST A ATSDRUCKEREL
IN KOMMISSION BEI ALFRED HOLDER.
K. U. K. HOF- UND UNIVERSITÄTSBUCHHÄNDLER.
BUCHHÄNDLER DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
INHALT
des 4. und 5. Heftes, April und Mai 1907, des CXVI. Bandes, Abteilung I,
der Sitzung-sberiehte der mathem.-naturw. Klasse.
Seite
Diener K., Die Faunen der tibetanischen Klippen von Malla Johar
(Zentral-Himalaya). [Preis: 40 h — 40 pf] 603
Höhnel F., v., Fragmente zur Mykologie (IV. Mitteilung, Nr. 156 bis 168).
[Preis: 95 h — 95 pf] ßl5
Keidel H., Über den Bau der argentinischen Anden. (Mit 1 Textfigur.)
[Preis : 80 h — 80 pf ] 649
Sperlich A., Die optischen Verhältnisse in der oberseitigen Blattepidermis
tropischer Gelenkpflanzen. Beiträge zur Auffassung der oberseitigen
Laubblattepidermis als Lichtsinnesepithel. (Mit 2 Doppeltafeln und
9 Textfiguren.) [Preis: 2 K 70 — 2 M 70 pfj 675
Höhnel F., v. und Litschauer V., Beiträge zur Kenntnis der Corticieen.
(II. Mitteilung.) (Mit 4 Tafeln und 20 Textfiguren.) [Preis: 4 K —
4M] 739
Preis des g-anzen Heftes: 6 K 90 h — 6 M 90 pf.
MA.Y 4 1303
SITZUNGSBERICHTE
DER
KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
MATHEMATISCH -NATURWISSENSCHAFTLICHE KLASSE.
CXVI. BAND. IV. HEFT.
ABTEILUNG I.
ENTHÄLT DIE ABHANDLUNGEN AUS DEM GEBIETE DER MINERALOGIE,
KRISTALLOGRAPHIE, BOTANIK, PHYSIOLOGIE DER PFLANZEN, ZOOLOGIE,
PALÄONTOLOGIE, GEOLOGIE, PHYSISCHEN GEOGRAPHIE UND REISEN.
40
603
Die Faunen der tibetanischen Klippen von
Malla Johar (Zentral-Himalaya)
vun
Prof. Dr. Karl Diener.
(Vorgelegt in der Sitzung am 25. April 1907.)
In der Grenzregion von Kumaon (Britisch-Indien) und der
tibetanischen Provinz Hundes sind Klippen oder exotische
Blöcke, die einer von der normalen Serie in der Hauptregion
des Himalaj^'a verschiedenen Schichtreihe angehören, im Jahre
1892 durch die Expedition, an der C. L. Griesbach, C. S.
Middlemiss und ich teilnahmen, entdeckt worden. Es konnte
damals in der von der Himalayaserie abweichenden tibe-
tanischen Serie eine Vertretung der Permformation, des unte-
ren Muschelkalkes und der karnischen Stufe der Obertrias nach-
gewiesen werden. Obwohl nur die Klippen in der Umgebung
des Chitichun Nr. I (17.750 englische Fuß) bei jener Gelegen-
heit näher untersucht werden konnten, wurde die weite Ver-
breitung exotischer Bildungen als Krönung des Gebirgskammes
zwischen dem Balchdhura und dem Kiogarh - Chaldupaß
östlich von dem Weideplatz Laptal festgestellt.^
Da unter den Ergebnissen der Expedition des Jahres 1892
gerade die Entdeckung des Klippengebietes an der tibetani-
schen Grenze besonderes Interesse erregt hatte, erschien ein
weiteres Studium desselben in hohem Maße wünschenswert.
C. L. Griesbach, der im Jahre 1894 an die Spitze der Geo-
logical Survey of India getreten war, betraute im Sommer
1897 den Geologen T. L. Walker mit dieser Aufgabe. Doch
kehrte Walker infolge der Schwierigkeiten, die ihm die tibe-
1 K. Diener, Denkschr. kais. .Akad., LXll. Bd., p. 588—607 (1895);
C. L. Griesbach, Notes on the Central Himdlayas. Records Geol. Surv. of
India, XXVI, p. 19.
40*
604 K. Diener,
tanischen Grenzwächter bereiteten, und durch sehr ungünstige
Witterungsverhältnisse an größeren Unternehmungen gehin-
dert, nach einem kurzen Besuche des Chitichun Nr. I ohne
weitere Erfolge als eine allerdings ziemlich reichhaltige Auf-
sammlung in den permischen Klippenkalken nach Indien
zurück.
Größere Erfolge erzielte drei Jahre später A. v. Krafft,
der im Sommer 1900 eine Aufnahme der Klippenregion von
Malla Johar durchführte. Er wies hier eine Vertretung des
Perm, der unteren Trias (skythische Stufe), der karnischen
Stufe und des Lias nach. Zugleich machte er auf die innige
Verknüpfung der Klippengesteine mit effusiven Eruptiv-
bildungen (Andesite und Tuffe von mutmaßlich eocänem Alter)
aufmerksam. Dieser Verknüpfung trägt auch seine originelle
Erklärung des Klippenphänomens Rechnung, das er, ab-
weichend von Suess,^ nicht auf Deckschollen zurückführt.
Er nimmt vielmehr an, daß die tibetanischen Klippen, die in
den Dimensionen von der Größe einzelner kleiner Blöcke bis
zu einer solchen von ansehnlichen Bergen schwanken, durch
die Laven selbst aus der Tiefe heraufgebracht und aus be-
trächtlicher Entfernung herbeigeführt worden seien. A. v.
K rafft's Monographie des Klippengebietes von Malla Johar,
illustriert durch eine geologische Karte, zahlreiche Photo-
graphien und Zeichnungen, ist nach seinem Tode veröffent-
licht worden.'^ Seiner Erklärung der tibetanischen Klippen hat
sich C. L. Griesbach^ angeschlossen.
Das von A. v. Krafft gesammelte Fossilmaterial ist
mir — mit Ausnahme der untertriadischen Cephalopoden,
deren Beschreibung sich Herr Griesbach vorbehalten hatte
— zur Bearbeitung anvertraut worden. Über die Äquivalente
des Permsystems habe ich bereits an anderer Stelle* berichtet.
1 E. Suess, Das Antlitz der Erde, Bd. III, p. 352.
2 A. V. Krafft, Notes on the exotic blocks of Malla Johar. ^iemoirs
Geol. Survey of India. Vol. XXXII, Pt. 3, p. 127—183.
3 C. L. Griesbach, On the exotic blocks of the Himalayas. Compte
rendu de la IXe Session du Congres Geol. Internat. (Vienne 1903), p. 547.
* Himälayan Fossils, Palaeontologia Indica, ser. XV, Vol. I, Pt. 5,
p. 62—100.
Faunen der tibetanischen Klippen. 605
Nunmehr ist auch die Bearbeitung der obertriadischen und
liasischen Faunen abgeschlossen, so daß ein Überblick über
die einzehien Glieder der tibetanischen Serie und deren Be-
ziehungen zur Himalayaserie möglich erscheint.
Auf Grund der von A. v. Krafft gelieferten Daten, die
durch meine Untersuchung des Fossilmaterials durchaus be-
stätigt worden sind, umfaßt die tibetanische Serie bisher sieben
verschiedene Horizonte, von denen sechs durch bezeichnende
Faunen charakterisiert sind.
1. Perm.
Lichtgraue oder rote, marmorartige Crinoidenkalke, litho-
logisch übereinstimmend mit jenen des Chitichun Nr. I. Exo-
tische Blöcke dieses Alters sind von A. v. Krafft auf der
seiner Monographie beigegebenen Karte mit den Ziffern 9, 11,
12, 13, 15, 18, 19 bezeichnet worden. Fossilien sind nicht eben
häufig, nur der Block Nr. 9 hat eine reiche Fauna geliefert.
Unter 37 Arten, die eine spezifische Bestimmung erlaubten,
sind 26 mit solchen aus dem permischen Kalkstein des Chiti-
chun Nr. I identisch. Von den übrigen 11 Arten sind weitere
8 mit solchen aus anderen permischen Ablagerungen gemein-
sam. Die Zugehörigkeit zum Permsystem steht also außer
jedem Zweifel.
2. Skythische Stufe (Untere Trias).
Nach dem Bericht A. v. Krafft' s ein dunkelroter, erdiger,
dünngeschichteter Kalkblock (Nr. 20) mit Damihites nivalis
Dien., Flemingitcs sp., Meelwceras sp., wahrscheinlich ein
Äquivalent der Hedenstroemia beds * (Oberregion der skythi-
schen Stufe) in der Hauptzone des Himalaya.
3. Anisische Stufe (Muschelkalk).
Der Unterregion der anisischen Stufe gehört die reiche
Fauna der kleinen, von C. S. Middlemiss 1892 entdeckten
1 Hedenstroemia beds == Zone des Flcmingites Rohilla Dien. (Subro-
bustus beds aiitea).
606 K. Diener,
Klippe am Fuße des Chitichun Nr. I an, deren Fauna ich im
zweiten Teile des zweiten Bandes der »Himalayan Fossils«
beschrieben habe. Die aus 15 Arten bestehende Fauna liegt in
einem roten marmorartigen Kalkstein von Hallstätter Facies.
Sie wurde auf Grund ihres zoologischen Charakters als eine
Fauna des unteren Muschelkalkes angesprochen. Diese Dia-
gnose hat später eine Bestätigung erfahren, indem A. v. Krafft
und Hayden die wichtigsten Elemente jener Fauna in den
dunklen Kalken und Schiefern des unteren Muschelkalkes der
Hauptregion des Himalaya entdeckten.
Eine Vertretung dieses Horizonts in den Klippen von
Malla Johar ist nur durch spärliche Fossilreste {Prodadiscites
cf. Yasoda Dien.) in einem losen Block an den Abhängen
des Balchdhura angedeutet.
4. Unterkarnisch (?).
Ein dunkelroter, eisenhaltiger Kalkstein, von dem Block
Nr. 1 stammend, enthält Abdrücke von Daonella iiidica Bittn.
und einer unbestimmbaren Halobia (vielleicht der Gruppe der
//. varestriata angehörig). Bittner's Vermutung, daß Daonella
ittdica einen bestimmten, engbegrenzten Horizont der Himalaya-
trias bezeichne, hat sich nicht bestätigt. Aus den Aufsamm-
lungen von A. V. Krafft und Hayden in Spiti wissen wir,
daß sie dort nicht allein in unterkarnischen Bildungen, sondern
auch in zweifellos ladinischen Ablagerungen vom Alter der
Wengener Schichten zusammen mit Daonella Lommeli Wissm.
vorkommt. Immerhin macht das Vorkommen einer echten
Halobia die Zugehörigkeit des Blockes Nr. 1 zur karnischen
Stufe wahrscheinlich.
5. Oberkarnisch.
Zwei Klippen, Nr. 2 und 5. Die erstere, aus einem dichten,
marmorartigen, fleischroten bis dunkelroten Kalk bestehend,
enthält die reichste der bisher aus den Klippen bekannten
Triasfaunen. Unter 53 Arten gestatten 45 eine sichere spezi-
fische Bestimmung. Die weitaus überwiegende Mehrzahl sind
Faunen der tibetanischen Klippen. 607
Cephalopoden. Das Gestein, in dem sie stecken, ist dem Hall-
stätter Kalk des Rötheistein auffallend ähnlich. Auch die
Zusammensetzung der Fauna entspricht jener in den kar-
nischen Hallstätter Kalken der Aonoides- oder Suhhtillattis-
Zone. Cladiscites und Arcestes herrschen weitaus vor und
sind in einer Reihe von Arten vertreten, die europäischen
Faunen teils sehr nahe stehen, teils mit solchen direkt iden-
tisch sind. Tatsächlich oder mit großer Wahrscheinlichkeit
mit alpinen Formen zu identifizieren sind folgende Cephalo-
podenarten:
Cladiscites crassestriatus M o j s.
» cf. Gorgiae Gemm.
cL piisilhis Mo ]s.
Hypocladiscites stihcarinattis Gemm.
Arcestes cf. periolcus Mojs.
» ci. Richthofeiii Mois.
» cf. placenta Mojs.
Proarcestes Gaytani K 1 i p s t.
Placites cf. peraiictus Mojs.
Discotropites cf. sandlingensis Hauer.
Tropites cf. siihhtUlatns Hauer.
Aiiatropites cf. spinosiis Mojs.
luvavites (Griesbachites) cf. Kastneri Mojs.
Gonionotites cf. italicns Gemm.
Proclydonantiliis triadictts Mojs.
Ferner unter den Gastropoden:
Loxonema (Polygonia) cf. elegans Hoern.
Sagana cf. geometrica Koken.
Aber auch sonst sind die Beziehungen zu den Faunen
der karnischen Hallstätter Kalke sehr enge. luvavites s. s.,
608 K. Diener,
Anatoniites, Jovites, Discopliylliies sind fast ausschließlich
durch nahestehende Arten vertreten. Das ist überhaupt der
auffallendste Zug in dem Charakterbilde dieser Fauna, daß
sie einen so durchaus europäischen Anstrich hat, daß die
Beimischung fremdartiger, der indischen Triasprovinz eigen-
tümlicher Faunenelemente so außerordentlich zurücktritt. Keine
einzige unter den Triasfaunen der normalen Himalayaserie
kann mit ihr in dieser Richtung verglichen werden.
An der Zusammensetzung der Fauna des Blockes Nr. 2
nehmen Elemente der Aonoides- und StihhuUatus-Zono. in
ziemlich gleichmäßiger Weise Anteil. A. v. Krafft hat diese
P'auna auf Grund einer Durchsicht seines Fossilmaterials pro-
visorisch in die Suhhullahis -Zone, gestellt. Wahrscheinlich wird
man aber eine Vertretung beider Zonen anzunehmen haben,
freilich ohne deshalb an eine direkte Vermischung derselben
denken zu müssen.
Die Klippe Nr. 5 ist sehr arm an bestimmbaren Fossilien.
Doch reichen Carnites aus der Gruppe des C. ßoridus W ul(.
und Proarcestes sp. ind. ex äff. Attsseano Hauer für den
Nachweis eines oberkarnischen Alters (wahrscheinlich Aonoides-
Zone) aus.
6. Dachsteinkalk.
Die überwiegende Zahl der großen, die Gebirgskette
zwischen dem Balchdhura und dem Kiogarh-Chaldupaß krö-
nenden Klippen gehört nach A. v. Krafft diesem Niveau an.
Die hellgrauen dolomitischen Kalke sind fossilleer. Voll-
ständige lithologische Übereinstimmung mit dem Dachstein-
kalk der Hauptregion des Himalaya besteht nicht, da der
letztere gut geschichtet ist, während die hellgrauen Kalk-
klippen der tibetanischen Serie massige Klötze bilden.
7. Unterer Lias.
Unter den Resultaten der Aufnahme des Klippengebietes
von Malla Johar durch A. v. Krafft verdient die Entdeckung
des unteren Lias mit Phylloceras und Arietües am meisten Be-
achtung. Die Anwesenheit dieses Niveaus im Himalaya in
Faunen der tibetanischen Klippen. 609
fossilführender Ausbildung war damit zum ersten Male festge-
stellt.
Vier Klippen, Nr. 6, 7, 16 und 17, gehören diesem Horizont
an, aber nur die beiden letzteren sind reich an Versteinerungen.
Sie sind nur Anhäufungen von losen Blöcken, den Resten
einer zerfallenen größeren Blockklippe. Das Gestein entspricht
genau der Adnether Facies des alpinen Lias. Wie in den
Adnether Schichten sind die Fossilien häufig nur auf der einen
Seite erhalten, während sie auf der anderen vollständig
aufgelöst sind. An manchen Stücken des sehr feinkörnigen,
roten, etwas tonigen Kalksteins wurden Manganputzen be-
obachtet.
Die Adnether Kalke der tibetanischen Serie sind eine
typische Cephalopodenfacies, Dibranchiata sind nur durch einige
Atractites-Fragmente und durch Bruchstücke von Belemniten
aus der Verwandtschaft des B. acnarius Schloth. repräsen-
tiert. Alle anderen Fossilien sind Ammoniten. Unter diesen
herrscht die Gattung Phylloceras durch die Zahl der Arten und
Individuen weitaus vor. Unter 87 generisch bestimmbaren
Ammonitensteinkernen aus den Blockklippen Nr. 16 und 17
entfallen 53 auf Phylloceras (darunter 2 auf die Untergattung
Rhacophyllites), 20 auf Arietites, 8 auf Schlotheimia. Die übri-
gen an der Zusammensetzung der Fauna beteiligten 6 Gattungen
sind in je einem Exemplar vertreten. Dieses Verhältnis von
Phylloceras zu allen anderen P'aunenelementen bringt allein
schon den alpinen Charakter des tibetanischen Lias in ekla-
tanter Weise zum Ausdruck.
Von Phylloceras lassen sich bei sehr enger Artfassung
7 Spezies unterscheiden. Die Mehrzahl derselben schließt sich
enge an Ph. Lipoldi Hauer an. Die Gruppe des Phylloceras
Persanense Herb, ist ebenfalls, und zwar durch eine Art ver-
treten, die sich von der siebenbürgischen Spezies Herbich's
nur durch raschere Querschnittszunahme der Windungen unter-
scheidet, während die Suturlinie selbst in untergeordneten Merk-
malen übereinstimmt. Formen mit Paulostomfalten beziehungs-
weise Einschnürungen sind sehr selten. Mir ist von solchen nur
ein einziges Exemplar bekannt geworden, das sich einer noch
unbeschriebenen Art aus dem Lias der Kratzalpe anzuschließen
010 K. Diener,
scheint. Die Gruppe des Ph. Partschi Stur fehlt vollständig.
Dagegen ist eine dem Ph. Uerinoesense-aulotwtwm Herb.
{Schistophylloceras) außerordentlich nahestehende Art ziemlich
häufig. Würde nicht die Suturlinie durch eine massigere
Entwicklung der Sattelstämme und zartere Endblätter Unter-
schiede aufweisen, so würde es schwer fallen, beide Arten auf
Grund äußerer Schalenmerkmale zu trennen.
Der Untergattung RhacophyUites gehören zwei Arten an.
Die eine m\xQ yN o\\\m\\ Rh. gigas Fucini aus dem Unterlias des
Monte di Cetona vereinigt werden. Die andere ist durch eine
trompetenförmige Erweiterung der Mündung ausgezeichnet,
wie sie Neumayr auch bei einigen europäischen Phylloceraten
beschrieben hat.
Schlotheimia erscheint mit drei Arten. Die eine, leider nur
durch ein gekammertes Windungsbruchstück vertreten, scheint
der alpinen Schi. niarmoreaOpp. sehr nahe zu stehen. Wenig-
stens zeigt die außerordentlich reich zerschlitzte Suturlinie eine
weitgehende Übereinstimmung, selbst in den Details der Loben-
zacken und Sattelblätter. Die beiden anderen Arten schließen
sich in ihrer Skulptur an die Gruppe der Schi, trapezoidalis
(Sow.) Canavari an, indem die ziemlich kräftigen Rippen ent-
lang der Externfurche einander fast ohne Vorwärtsbiegung
begegnen.
Unter den Arietiten ist eine in mehreren gut erhaltenen
Stücken bekannte Art wahrscheinlich m.\i Arietites Coregotiensis
(Sow.) Canavari zu identifizieren. Eine zweite Art gehört in
die Gruppe des A. rotiformis Sow. Sie besitzt auffallend hohe
Randknoten und eine Suturlinie, die durch die gleich hohe
Stellung des Extern- und Laterallobus und durch die tiefe Zer-
teilung des Externsattels jener des A. Deffneri Opp. sehr
ähnlich wird. Eine dritte Art vereinigt die Skulptur des A. Cony-
beari Sow. mit den Querschnittsverhältnissen des A. Boesei
Uhlig. Endlich ist mir aus dem Liaskalk der Klippe Nr. 7
noch eine Art bekannt, die dem A. Gninoivl Hauer nahesteht.
Querschnitt und Kielbildung der Schlußwindung stimmen
überein, doch liegen Unterschiede in der Skulptur, da bei der
Himalayaform die Rippen auf der Externseite viel stärker
nach vorwärts gekrümmt sind als bei A. Grunowi.
Faunen der tibetanischen Klippen. 611
Von Aegoceras liegt ein Windungsbmchstück einer kleinen
Art vor, die sich wohl nicht allzuweit von Aeg. hifer Quenst.
entfernen dürfte. Auch Oxynoticcras ist nur durch ein Frag-
ment der Schlußwindung vertreten. Vermutlich handelt es sich
um eine Form aus der Verwandtschaft des O. Guibalianum
D'Orb. oder O. Greenonghi Sow.
Zu den interessantesten Faunenelementen zählen einige
Repräsentanten jener merkwürdigen Gattungen aus der Unter-
stufe des nordalpinen Unterlias, die gewissermaßen Verbindungs-
glieder zwischen den Familien der Phvlloceratidae, Lytoceratidae
und Psiloceratidae darstellen und deren genaue Kenntnis man
Waehner verdankt. Nicht sichergestellt, wenngleich wahr-
scheinlich, ist die Anwesenheit von Ectoceiitrites Waehner
und Etiphyllites V/aehner. Dagegen sind Pleuracanthites Can.
und AiiaJytoceras Hyatt (Gruppe des Lytoceras avticuJattim
Sow.) durch je eine ganz bezeichnende Art repräsentiert, die
ihren alpinen Gattungsgenossen außerordentlich nahe stehen.
Die Verwandtschaftsverhältnisse der hier aufgezählten
Arten weisen mit voller Klarheit auf die Unterstufe des
unteren Lias hin. Dennoch kann man eine Beteiligung von
Elementen der Hochstufe des Unterlias nicht unbedingt aus-
schließen. Die Anwesenheit von Oxynoticcras und die nahen
Beziehungen einer neuen Art von Arietiics zu A. Boesei lassen
immerhin auch an eine Vertretung höherer Zonen des Unter-
lias denken. Sichergestellt erscheint bisher allerdings nur eine
Vertretung der tieferen Stufe des alpinen Unterlias.
Höhere Glieder als der untere Lias sind in der tibetani-
schen Serie nicht bekannt. Spiti shales und Gieumal Sandstone
(Flysch) sind in dem Klippengebiet von Malla Johar und in
der Hauptregion des Himalaya in durchaus übereinstimmender
Weise entwickelt. Der scharfe Kontrast der Facies reicht
keinesfalls erheblich über den mittleren Jura hinaus.
Sehlußbemerkungen.
Die Untersuchungen A. v. Krafft's in der Klippenregion
von Malla Johar haben ergeben, daß die einzelnen Glieder der
tibetanischen Serie von den entsprechenden Schichtgruppen
612 K. Diener.
der Himalayaserie von Perm bis zum Lias lithologisch ver-
schieden sind. In der Himalayaserie herrscht — von einer Ero-
sionsdiskordanz an der Basis der permischen Productus shales
abgesehen — vom Perm an durch die ganze mesozoische Ära
bis zum Gieumal Sandstone (Kreide) volle Konkordanz. Lücken
in der Schichtfolge sind nicht nachweisbar, wenngleich die
Vertretung der stratigraphischen Horizonte zwischen der rhä-
tischen Stufe und dem Kelloway (Sulcacutus beds) nicht durch
Fossilien belegt werden kann. Ob die Lückenhaftigkeit der
tibetanischen vSerie tatsächlich besteht oder nur auf einem
Mangel in unseren Kenntnissen von der schwer zugänglichen
Klippenregion an der tibetanischen Grenze beruht, läßt sich
vorläufig nicht feststellen.
Der Faciesunterschied zwischen den beiden Serien, die
zwischen dem Quellgebiet der Dhauliganga und Chitichun
Nr. I einander bis auf 12 km nahekommen, ist am wenigsten
deutlich ausgesprochen in den als Dachsteinkalk bezeichneten
Bildungen, sonst aber durchwegs sehr scharf. Den permischen
Kuling-Schiefern und Sandsteinen der Himalayaserie stehen die
weißen, marmorartigen Klippenkalke, den dunklen, tonreichen
Kalken und Schiefern der Himalayatrias rote und graue
Hallstätter Kalke und Marmore gegenüber. Während in der
Hauptregion des Himalaya die Entwicklung geschichteter
grauer, dolomitischer Kalke (Dachsteinkalk) durch den ganzen
Lias und — wenigstens in Spiti — noch durch den Dogger hin-
durchreicht, erscheint in den Klippen der untere Lias in der
Facies der nordalpinen Adnether Schichten.^
Diese Verschiedenheit in der F'aciesentwicklung fällt kei-
neswegs durchaus mit einer faunistischen Verschiedenheit
zusammen. Skythische Stufe und unterer Muschelkalk
weisen in beiden Serien sehr nahe übereinstimmende Faunen
auf, während Beziehungen zu den homotaxen Triasfaunen der
Alpen kaum angedeutet sind. In der karnischen Stufe aber
kehrt sich dieses Verhältnis um. Die der Mediterranprovinz
1 Wie mir Prof. V. Uhlig mitteilt, dem ich bei der Bearbeitung der
Liasfauna von Malla Johar für wertvolle Ratschläge zu Dank verpflichtet bin,
besteht in der Ausbildung des tibetanischen Lias die größte Übereinstimmung
mit den Adnether Kalken von Valesecca in der Bukowina.
Faunen der tibetanischen Klippen. 6lo
fremden, dem indischen Faunengebiet eigentümlichen Typen
treten zurück, die karnische Fauna der Klippen von Malla Johar
erhält ein alpines Gepräge, das schon in dem Überwiegen
leiostraker Ammoniten, wie Arcestes und Cladiscites, die in der
Hauptregion des Himalaya relativ selten sind, zum Ausdruck
kommt. Am engsten sind die faunistischen Beziehungen zur
alpinen Region im unteren Lias. Wären andere mesozoische
Bildungen in fossilreicher Entwicklung aus dem Himalaya
nicht bekannt, so wäre der tibetanische Lias für sich allein
nicht ausreichend, um die Aufstellung einer besonderen indi-
schen Faunenprovinz zu begründen. Die Unterschiede zwischen
dem englischen oder schwäbischen und dem alpinen Lias sind
auffallender als jene zwischen dem letzteren und dem Lias der
Klippen von Malla Johar. Kein Paläontologe wäre über eine
Entdeckung der Liasfauna aus den Blöcken Nr. 16 und 17 an
irgend einem Punkte des östlichen Mittelmeerbeckens über-
rascht gewesen, denn sie enthält keine einzige Form, die nicht
in das Bild einer mediterranen Liasfauna passen würde.
Eduard Suess hat den Unterschied zwischen der tibeta-
nischen und der Himalayaserie mit der Verschiedenheit der
Facies des Brian9onnais in den Deckschollen der Westalpen
von der unterliegenden helvetischen Facies verglichen. Der
Unterschied ist, wie die neueren Erfahrungen gezeigt haben,
eher größer als geringer. Er ist jedenfalls so groß, daß A. v.
K rafft in ihm die größte Schwierigkeit für seine Erklärung der
Klippen als durch Laven aus der Tiefe an die Oberfläche
gebrachte Auswürflinge einer vulkanischen Esse erblickt.
Denn jene Lavaströme — meint er — ■ hätten kaum aus einer
so bedeutenden Entfernung kommen können, wie sie zwischen
den Ablagerungsgebieten zweier so grundverschiedener Facies
angenommen werden müsse.
Die Deckschollentheorie vermag den scharfen Kontrast
zwischen den Entwicklungen der tibetanischen und der Hima-
layaserie zu erklären, aber sie erklärt nicht die zweite, meiner
Ansicht nach auffallendere Eigentümlichkeit der tibetanischen
Serie, nämlich die über alle Erwartung nahe lithologische und
• faunistische Übereinstimmung mit alpinen Sedimenten der
karnischen Stufe und des unteren Lias. Ich zweifle aller-
614 K. Diener, Faunen der tibetanisclien Klippen.
dings, daß selbst die vorgeschrittensten Vertreter der Decken-
h3^pothese sich der letzteren zur Erklärung jener Übereinstim-
mung bedienen werden. Dafür ist die räumliche Entfernung
zwischen dem Mediterrangebiet und dem Himalaya zu ausge-
dehnt, selbst wenn man die in Facies und Fossilführung mit
den Auernigschichten der karnischen Alpen auf das genaueste
übereinstimmenden Carbonablagerungen des Donezbeckens als
eine Etappe auf dem Wege in Anspruch nehmen wollte.
Wenn man davon absieht, die Deckschollentheorie in
diesem Sinne zu einer Erklärung heranzuziehen, dann bleibt
nichts übrig, als sich mit der Vorstellung zu befreunden, daß
innerhalb der Tethys nördlich von der Hauptregion des Hima-
\a.ysi während der karnischen und Liasepoche ein Meeresstrei-
fen vorhanden war, in dem nicht nur gleiche physikalische
Bedingungen den Absatz von Sedimenten bewirkten, die jenen
derselben Epochen in den Alpen durchaus gleichartig waren,
sondern innerhalb dessen das Meer auch von einer den homo-
taxen alpinen Faunen außerordentlich nahestehenden Fauna
bevölkert war.
Diese Tatsache, daß gleichartige Facies mit einander sehr
ähnlichen Faunen selbst in räumlich so entfernten Gebieten
auftreten, ist von großer Bedeutung für eine richtige Bewertung
der Faciesverhältnisse innerhalb einzelner Zonen der Alpen.
Wenn die gleichen Verhältnisse der Sedimentation und Faunen-
vergesellschaftung in den Alpen und in gewissen Abteilungen
der tibetanischen Serie sich geltend machen^ dann geht es
nicht an, ihr gelegentliches Vorkommen innerhalb verschiedener
Zonen desselben Gebirges von vornherein in Abrede zu
stellen und für zwei Zonen mit gleicher Faciesentwicklung
stets das Verhältnis von Wurzel und Schubdecke als allein
zulässig vorauszusetzen.
615
Fragmente zur Mykologie
(I\'. Mitteilung, Nr. 156 bis 168)
Prof. Dr. Franz v. Höhnel,
k. M. k. Akad.
Vorgelegt in der Sitzung am 25. April 1907.)
156. Über Cleistotheca papyrophila Zukal.
Zukal beschrieb 1893 (Österr. bot. Zeitschr., p. 163 f.,
Taf. XI, Fig. 11 bis 19) unter obigem Namen eine neue Perispo-
riaceengattung und gab auf Grund von Kulturversuchen an,
daß Stachyhotrys lobulata Berk. in den Entvvicklungskreis der-
selben gehört.
Als ich die zitierten Abbildungen, insbesondere die Fig. 12,
welche einen Medianschnitt durch ein reifes Perithecium dar-
stellt, betrachtete, fiel mir die Ähnlichkeit des Pilzes mit einer
PJeospora, insbesondere der Pleospora herhanim auf und ich
hatte die Vermutung, daß Zukal's Pilz nichts anderes als letzt-
genannte gemeine Art ist.
Dieser Annahme stand allerdings eine Reihe von ver-
schiedenen Angaben Zukal's entgegen. So die, daß die Peri-
thecien ganz mündungslos seien und bei der Reife oben unregel-
mäßig aufreißen oder sogar manchmal mit einer Art von Deckel
aufspringen sollen, ferner daß die Paraphysen nur im jungen
Perithecium vorhanden sein und später ganz verschwinden
sollen, endlich, daß Stachyhotrys in den Entwicklungskreis des
Pilzes gehöre, was gewiß nicht der Fall sein könnte, wenn der
Pilz eine Pleospora wäre.
In diesem Dilemma konnte offenbar nur die Untersuchung
des Zukal'schen Originals Klarheit schaffen, das ich in Form
616 F. V. Höhne! ,
von vier mikroskopischen Präparaten der CJeistotheca, die von
Zukal selbst angefertigt und signiert sind, besitze.
Die Untersuchung dieser mikroskopischen Originalprä-
parate zeigte mir nun in der Tat, daß Zukal bei der Unter-
suchung des Pilzes und der Aufstellung der Gattung Cleistotlieca
sowie beim Nachweise der Zugehörigkeit von Stachybotrys das
Opfer grober h'rtümer war, denn der Pilz ist gan^ genau und
zweifellos nichts anderes als P. Iterhartini (Pers.). Zukal's
eigene Präparate zeigen, daß die Paraphysen auch im reifen
Perithecium reichlich vorhanden sind. Ein Ostiolum ist zwar
meistens nicht zu sehen, allein abgesehen davon, daß dies sicher
zum Teile davon herrührt, daß die Perithecien in den Präparaten
meist nicht von oben zu sehen sind, habe ich mich an meinen
zahlreichen mikroskopischen Präparaten der bekanntlich sehr
variablen P. Jicrbantm davon überzeugt, daß diese Art häufig
kein deutliches oder ausgesprochenes Ostiolum besitzt. Durch
diese bisher wenig beachtete Tatsache ist Zukal irregeleitet
worden, weshalb er den Pilz für eine Perisporiacee hielt und
gar nicht an Pleospora dachte, was doch das nächstliegende
gewesen wäre.
Noch sei bemerkt, daß die Sporen der Cleistotheca, wie
Zukal's Präparate zeigen, aufs vollkommenste mit denen der
normalen P. herbarnm übereinstimmen. Ebenso ist das Gewebe
der Perithecienmembranen genau das gleiche. Dementsprechend
sind Zukal's Zeichnungen nicht ganz korrekt.
Unter diesen Umständen ist es ohneweiters klar, daß
Zukal's Angabe, daß er aus den Sporen der Cleistotheca die
Stachybotrys lobulata gezüchtet habe, falsch ist. Schon daraus
ergibt sich die Unmöglichkeit der Zusammengehörigkeit der
beiden Formen, daß die die Perithecien umgebenden Hyphen
gelbbraun sind und einen unregelmäßigen Verlauf haben,
während Stachybotrys aus dem. Hyalinen blaugraue und
schwärzliche, gerade verlaufende Hyphen besitzt. Ein Blick ins
Mikroskop lehrt sofort, daß diese beiden Hyphenarten von
zwei nicht zusammengehörigen Pilzen stammen und mitein-
ander nichts zu tun haben. Damit stimmt auch die gelbbraune
Farbe der Sporen der einen Art ini Gegensatze zur blau-
schwarzen der Sporen der anderen überein.
Fragmente zur Mykologie. b 1 /
Aus allem Gesagten geht hervor, daß alle wesentlichen
Angaben in Zukal's Arbeit, betreffend Cleisfotheca, falsch sind
und diese Gattung völlig gestrichen werden mufi
157. Giberella dimerosporoides (Speg.?) v. H.
Perithecien oberflächlich, herdenweise, kugelig, schwarz,
feinwarzig rauh, 100 bis 130 [x breit, auf einem dünnen, aus
bräunlich-violetten, ziemlich derbwandigen und gerade ver-
laufenden, septierten, 3 bis 4 [x breiten Hyphen bestehenden
Subiculum sitzend, das schwärzlich-violette, längliche, allmäh-
lich verlaufende, oft zusammenfließende, etwa Icui lange Flecken
bildet. Perithecienmembran aus 3 bis 6 [x breiten, dünnwandigen
Parenchymzellen bestehend, aus dem Violetten ins Schwarze,
außen mit zahlreichen, kleinen, schwarzen, warzenförmigen
stumpflichen Vorsprüngen versehen. Ostiolum undeutlich oder
fehlend. Paraphysen fehlend. Asci sitzend, dickkeulig, oben
dick-, sonst zartwandig, 52 bis 60 ^ 16 bis 21 [jl, viersporig.
Sporen zweireihig, dünnwandig, schmutzig weinrot oder violett,
elliptisch, nach beiden Enden verschmälert und fast lanzett-
förmig, beidendig stumpflich, meist vierzellig, seltener drei-
oder fünfzellig, gerade oder kaum gekrümmt, oft einseitig
abgeflacht, zartwandig, an den Querwänden nicht eingeschnürt,
20 bis 36 = 8 bis 9, meist 28 bis 30 ^ 8 [x groß.
Auf den Blättern der Bromeliacee Caraguata sp.
Paraguay: Guarapi; Balansa, Plantes du Paraguay,
Nr. 4059, Oktober 1883.
Obwohl die Beschreibung der Zjikalia dimerosporoides
Speg. (Saccardo, Syll. fung., IX, p. 434) nichts weniger als
gut zu dem Pilze stimmt, hege ich doch die Vermutung, daß
beide identisch sind, da beide Pilze auf BromeUaceenblättern
wachsen und in Spegazzini's Beschreibung eine Menge von
Angaben enthalten ist, die gut stimmen. Er spricht zwar
nirgends von dem schmutzig-violetten Farbentone, den der Pilz
in mehreren Teilen zeigt, doch werden in Beschreibungen häufig
flüchtigerweise schmutzige, ins Rötliche oder Violette neigende
Farbentöne als olivaceis, fuscis, fumosis etc. bezeichnet und
ich vermute, daß dies auch hier der Fall ist. Die Sporengröße
stimmt ganz gut. Die Angabe Spegazzini's, daß die zwei
Sitzb. d. mathem.-naturw. Kl. ; CXVl. Bd., Abt. I. 41
618 F- V. Höhnel,
Querwände der Sporen seines Pilzes >^s üb polaris- sind, deutet
darauf hin, daß die mittlere dritte Querwand bei seinem Pilze
noch nicht entwickelt war, wie ich dies auch bei meinem sehr
oft gesehen habe. Der Umstand, daß kein Ostiolum zu finden
ist, beweist nichts gegen die Zugehörigkeit des Pilzes zu
Giberella, da ich bei typischen Arten dieser Gattung auch oft
kein oder nur ein sehr undeutliches Ostiolum fand. Meiner
Meinung nach gehört der Pilz zweifellos zu GibereUa und
nicht zu Ziil:alia, da die Sporen, Asci, Mycel und Perithecien-
membran, wie der direkte Vergleich zeigt, die ganz unverkenn-
bare nahe Verwandtschaft mit den typischen GibereUa -Arten
andeuten.
Spegazzini gibt die Asci vier- bis achtsporig an; doch
wird dies ein Irrtum sein, da in 50 ^ 25 [i großen Asci kaum
acht 26 ::^ 8 (x große Sporen Platz haben. Ich fand die Asci stets
viersporig, doch wenn zwei Asci übereinander liegen, kann
man sie leicht für achtsporig halten.
Da ich nach dem Gesagten, das die Schwierigkeiten einer
richtigen Bestimmung tropischer Pilze zeigt, beide Pilze für
identisch halte, habe ich denselben Speziesnamen gewählt.
158. Didymella fruticosa n. sp.
Blattbewohnend. Blattflecken unregelmäßig rundlich oder
länglich, beiderseits sichtbar, meist 1 bis 2 nini breit, purpur-
bräunlich, mit dickem schwarzen Randwulst, oberseits meist
mit purpurnem Hof umgeben, blattunterseits etwa 5 bis 20
gedrängte Perithecien enthaltend. Perithecien kugelig, ein-
gesenkt, wenig vorspringend, schwarz, derbwandig, aus
schwärzlich-olivengrünem Gewebe bestehend, 100 bis 140 {jl
groß. Paraphysen fädig, später undeutlich werdend, Asci dick-
keulig, kurzgestielt, derbwandig, achtsporig, 56 bis 75 =^ 16 bis
20 {A. Sporen zwei- bis dreireihig, schwach grünlich-hyalin,
länglich-keulig, zweizeilig, mit vielen kleinen Öltröpfchen, 20 bis
26 w 6 bis 6Y2 |J^ groß, an der Querwand nicht eingeschnürt,
obere Zelle meist sehr wenig dicker und kürzer als die untere.
An lebenden Blättern von Bnpleiirum fruticosiim L. bei
Bastia auf Corsica häufig (April 1905 und 1907).
Fragmente zur Mykologie. 619
Der Pilz ist sicher eine Didymella und keine Sphaerella,
da die rosettige Anordnung der Asci fehlt und — wenn auch
nicht auffallend viele — Paraphysen vorhanden sind.
Septoria Buplciiri Desm. (Ann. des Scienc. nat., III. S.,
XI, p. 346, 1849) in PL crypt. de France, Ed. I, Nr. 1717 (auf
Biiplcurntu fniticosuui) hat genau die gleiche Fleckenbildung
und sieht äußerlich der Didymella frnticosa völlig gleich, ist
aber, wie die Untersuchung des Originalexemplars lehrte, eine
Phleospora mit 50 bis 64 ^ 4 [j. großen, schwach gekrümmten,
keulig-fädigen Sporen mit drei deutlichen Querwänden, hat also
Phleospora Biipleiiri (Desm.) v. H. zu heißen.
Es ist sehr wahrscheinlich, daß sie zur Didymella als
Nebenfruchtform gehört.
159. Über Trematosphaeria latericolla Fe kl.
Fackel hat (in Symb. myc, II. Nachtr., p. 31) diesen Pilz
beschrieben und hält ihn für identisch mit der Spliaeria lateri-
colla Fr. (non D. C.) in Syst. myc, II, p. 464. Winter (Die
Pilze, II. Bd., Ascomyc, p. 266) führt ihn als Amphisphaeria
latericolla (Fr.) und Saccardo (Syll. fung., I. 578) als
Melanopsam ma auf.
Die genaue Untersuchung des Originale.Kemplars des-
selben in den Fungi rhenani ergab aber von Fuckel's An-
gaben ganz wesentliche Abweichungen.
Der Pilz wächst an stark vermorschtem Stammholz eines
Laubbaumes, möglicherweise Pappel. Die Perithecien sind ein-
gewachsen, nicht völlig hervorbrechend. Sie sind 400 bis 500 [x
breit, rundlich, etwas flachgedrückt, mit kurzkegeligem (an-
scheinend abgebrochenem) Ostiolum. Sie sind schwarz. Die
etwa 30 bis 40 jj. dicke Perithecienmembran ist weich, lederig-
fleischig undurchsichtig, aus zahlreichen Schichten kleiner,
zusammengepreßter Parenchymzellen bestehend. Diese sind
von braunroter F'ärbung, mit einem .Stich ins Violette. Die mehr
inindei- zahlreichen, die Perithecien umgebenden Hyphen sind
2Vä bis 4 [x breit und schmutzig rötlich-violett-braun. Die Para-
physen sind sehr zahlreich, sehr zartwandig, bandartig, 3 bis 6 [i.
breit. Die zahlreichen Asci sind zylindrisch-keulig, unten fast
stiellos oder mehr minder langgestielt, oben quer abgestumpft,
41*
620 F. V. Höhne],
sehr zartwandig, 100 bis 180 - 7 bis 9 [i groß, vier- bis acht-
sporig. Die Sporen stehen 1- bis 1^2 reihig, sind hyahn, sehr
zartwandig und stets vierzellig, mit vier sehr schwach gelb-
Hchen Öltröpfchen, an den Querwänden nicht eingeschnürt,
elliptisch-längHch, fast spindel- oder lanzettförmig, beidendig
meist spitz und meist 18 bis 26-4 bis 5 [j. groß.
Man bemerkt, daß der Pilz ganz anders beschaffen ist, als
ihn Fuckel beschreibt. Da die Perithecien eingesenkt und die
Sporen hyalin und stets deutlich vierzellig sind, kann der
Pilz weder eine Trematospliacria noch eine Melatiopsamma,
Zigiioella oder Amphisphaeria sein. Da die Perithecien zwar
schwarz erscheinen, die Perithecienmembran aber lederig-
fleischig ist und aus Zellen besteht, die einen deutlichen Stich
ins Rote oder Violette zeigen, kann er sowohl als Sphaeriaceae
als auch als Hypocreaccae aufgefaßt werden. Dementsprechend
wäre seine Einreihung in den Gattungen Metasphaeria oder
Cesatiella sehr naheliegend. Allein damit wäre seine wahre
Verwandtschaft nicht getroffen. Bei diesen Gattungen findet
der Pilz nicht seinen natürlichen Anschluß. Dagegen sprechen
vor allem die breiten, bandartigen Paraphysen.
In der Tat ist der Pilz nichts anderes als eine Cerato-
sphaeria mit verkümmertem Schnabel. Damit stimmt vortrefflich
Fuckel's offenbar richtige und auf besseren Exemplaren
begründete Angabe «ostiolo cylindraceo, perithecium
subaequante«, ferner Winter's Bemerkung, daß die Peri-
thecien der Ceratosphaerien weich lederartig sind, und die Tat-
sache, daß die größeren Ceratostomeen sehr zartwandige, breite
und lange bandartige Paraphysen besitzen.
Vergleicht man in der Tat Ceratostomella cirrhosa (P.),
deren (selten vorkommende) ganz ausgereifte Sporen vierzellig
sind und die daher eigentlich eine Ceratosphaeria ist, mit
unserem Pilze, so erkennt man ohneweiters die sehr nahe Ver-
wandtschaft.
Am ähnlichsten ist unter den Ceratosphaeria- Arten die
C. rhenana (Auers w.), ja ich halte sie damit für identisch, denn
die kleinen Unterschiede, die sich beim Vergleiche der obigen
Beschreibung mit der der C. rhenana in Winter, 1. c, p. 257,
ergeben, genügen nicht zur spezifischen Trennung. Tremato-
Fragmente zur M\'kologie. 621
sphaeria latcricolla Fckl. muß daher als gleich C. rhenana
(Auersv\^) betrachtet werden.
Möglicherweise ist Zignoella emergens (Karst.) Sacc,
Syll., II, p. 224, derselbe oder ein ähnlicher Pilz.
160. Über die Gattung Myriocarpa.
Diese von Fuckel in Symb. myc, p. 116, aufgestellte
Gattung umfaßt zwei Arten, die seither nicht wieder gefunden
wurden. Dieser Umstand sowie der, daß Saccardo (Syll., I,
p.290) beide diese Arten als zu Anthostomella gehörig betrachtet,
während Winter (Pyrenomyc, p. 562} die eine Art als typische
Sphaerella erklärt, veranlaßte mich, die in den Fungi rhenani
sub Nr. 2323, 2324 und 1571 befindlichen Originalexemplare
genau zu prüfen.
1. Myriocarpa Cytisi Fckl. Dieser gibt an, daß an den
Stengelflügeln von Cytistis sagittalis vom Frühling bis zimi
Sommer zuerst eine Spermogonienform erscheint, die er Psilo-
thecnmi hmumerabUe nennt. Diese Form wird von Saccardo,
Syll , I, p. 290, als Septoria irnnmerabiJis und in Syll., III, p. 446,
als Stagonospora inininierabilis aufgeführt.
Im darauffolgenden Wmter sollen auf denselben Stengeln
die schlauchführenden Perithecien auftreten, welche grau-
schwarze Überzüge, die aus dichtstehenden zahllosen Perithe-
cien bestehen, bilden. Die Sporen dieses Ascuspilzes sollen
lanzettlich, einzellig, mit 2 bis 4 Öltropfen, braun und 24^:^ 8 |a
groß sein und zweireihig stehen.
Alle diese Angaben sind falsch und beruhen auf einigen
groben Irrtümern und Flüchtigkeiten Fuckel's, wie die
Originalexemplare lehren. An den Sommerexemplaren
findet man dichtstehende schwarze Punkte, die von einer
Cercospora herrühren, unter welcher sich Perithecien oder
Pycniden entwickeln. Diese sind noch ganz unreif. P\ickel
glaubte nun, daß die Conidien der Cercospora den Pycniden
entstammen, und beschrieb daher den Pilz als Pycnidenpilz.
Diese Cercospora scheint seither nicht beobachtet worden
zu sein und muß nun C. mmwierabilis (Fckl.) v. H. heißen.
Die Septoria oder Stagonospora innumerabilis muß gänzlich
gestrichen werden.
622 F. V. Höhnel,
An den im Winter gesammelten Exemplaren findet man
die Cercospova verschwunden und die Perithecien oder Pycni-
den, die sich unter derselben entwickelt haben, bereits völlig
entleert. Es läßt sich daher nicht sagen, zu welcher Art die-
selben gehören, höchstwahrscheinlich handelt es sich aber um
Sphaerella Cytisi-sagittalis Auersw. Zwischen diesen leeren
Perithecien findet man nun frei auf der Epidermis herumliegen
braune, einzellige, elliptisch-lanzettliche Sporen, welche genau
in Form und Größe mit den Sporen der Myriocarpa Cytisi nach
Fuckel's Angaben übereinstimmen. Letzterer glaubte nun, daß
diese Sporen den zahlreichen, dichtstehenden, leeren Perithecien
entstammen. Das ist aber nicht der Fall. Ich sah gleich, daß diese
Sporen unreife Zustände später septierter Ascussporen sind,
und fand nun in der Tat an denselben Zweigen reife und
unreife Perithecien von Pleospora Cytisi Fckl. Zu diesem
Pilze gehören die braunen Sporen Fuckel's.
Bekanntlich findet man gerade bei Pleospora häufig Asci,
in welchen die Sporen zwar braun werden, aber kleiner und
ungeteilt bleiben.
Was daher Fuckel als Psilotliccinm iunumerabilc
beschrieben hat, ist eine irrtümliche Kombination der Conidien
von Cercospova inniimerabilis (Fckl.) v. H. mit unreifen Peri-
thecien, wahrscheinlich von Sphaerella Gcjiistae-sagittalis
Auersw.; und was er als Myriocarpa Cytisi beschrieb, ist eine
Kombination ganz unreifer Zustände von Pleospora Cytisi mit
überreifen Perithecien wahrscheinlich von Sphaerella Genistae-
sagittalis.
2. Myriocarpa Lonicerae Fckl. Die Untersuchung des
Originalexemplars zeigte schwarzbraune, kugelige, 100 bis
120(x breite Perithecien, die unter der Epidermis eingesenkt
sind, keulige, sitzende, 36 bis 47 ^ 10 bis 12 [j. große Asci ohne
Paraphysen, mit acht in zwei Reihen liegenden, hyalinen, zwei-
zeiligen, länglich-keiligen, 12 bis 16 = 372 biso [xgroßenSporen,
die nicht ganz ausgereift sind. Der Pilz ist daher eine ganz typi-
sche Sphaerella (Mycosphaerella). Es sind nun auf Caprifolia-
ceen nachfolgende 13 Sphaerella-Fovmen beschrieben worden:
1. Auf Sainhncus: S. Elnili Rieh. (Saccardo, Syll., IX,
p. 628). Diagnose unvollständig. An Zweigen.
Fragmente zur Mykologie. 623
2. Auf r/77//r;///m-Blättern: S. Laiitaiiüe (Nke.) Auersvv.,
P 80 bis 100 (j.; A. 34 == 7; Sp. 10^ 2 |x; S. Vibnnii(Nke.) Fe kl.,
P. 60 bis 80; A. 38 ^ 10; Sp. 15 bis 17 := 4-5 bis 5 jx; S. crcpido-
phora (Mont.) Sacc; 5. Tini Are. (Saccardo, Syll., I, p. 479).
Die zwei letztgenannten Arten auf Blättern von Viburnuiii
Tiims sind unvollständig beschrieben und jedenfalls identisch.
Auf Lussinpiccolo 1900 gesammelte Exemplare zeigten 90 bis
120 \x große Perithecien, 45 =r 10 bis 12 [x große Asci und 12 bis
13 -^ 27a '^is 3 [x große Sporen, die länglich, kaum keulig waren.
3. Auf SyiupJioricarptis-Zwe'igen: S. Symphoricarpi Pass.,
A. 45^ 15, Sp. 17-5 bis 20^6 bis 7 |x.
4. A\xi LinnaeaS\.er\gQ\n: S. minor Karst. P. 60 bis 70,
A. 18 bis 25^ 12 bis 14, Sp. 11 bis I2^4|x.
5. Auf Lo///6V7'i7-Blättern : >S. Clyinenia Sacc, Syll, I,
p. 492, P. 70 bis 80 jx, A. 40 bis 50^ 10, Sp. 14 bis 16^ 3V.>
bis 4[x; 5. implexa Pass. (Syll, I, p. 493), A. 60- 12, Sp. 17
bis 20 ir 5 bis 71/3 jx; S. implexicola Maire (Syll., XVII, p. 641),
A. 35 bis 40 ^ 9 bis 10, Sp. 10 bis 11^ 2V2 |x; S. colliita Sacc.
et Speg. (Syll., I, p. 493), P. 200, A. 45 bis 50-= 10 bis 11,
Sp. 13 ir 5 [X.
Auf Lo///Vt'rt?-Zvveigen: S. rauinloniui Pass. (Syll., IX,
p. 634), A. 40 bis 80 ^ 12, Sp. 12 bis 15 ^ 3 bis 5 [x und S. coUiua
var. canlicola B. et F. S. (Syll., IX, p. 634), A. 32 bis 36 - 12
bis 14, Sp. 12 bis 15 ir 3 bis 4 ix.
Zu diesen 13 Formen käme noch die SphaercJla (?) Capri-
folioniin (Desm.) Sacc. (Syll., I, p. 536). Allein die Unter-
suchung des Originalexemplares dieser Art in Desmaziere, PL
crypt. de France Nr. 1299, zeigte mir nur einen ganz unreifen
kleinen Pyrenomyceten, der unbestimmbar ist. Diese Art muß
daher gestrichen werden. Wie man aus obiger Zusammen-
stellung ersieht, zeigen die Sph a er cUa- Arien der Caprifoliaceen
alle den gleichen Typus und sind nahe miteinander verwandt.
Eine vergleichende Untersuchung würde die Zahl derselben
wesentlich reduzieren.
Insbesondere scheinen die auf Lonicera vorkommenden
Arten höchstens zu drei gut verschiedenen Species zu gehören.
SphaereUa Clymenia, collina und ramtüormn scheinen nur eine
und dieselbe Art zu sein, die ich für identisch mit der SphaereUa
624 F. V. Höhnel,
Lonicerae (Fe kl.) Winter halte. Letzterer Name dürfte der
älteste sein und die Priorität haben.
161. Peltosphaeria vitrispora (C. et H.) Berl. f. Oleae n. f.
Perithecien meist zu wenigen einander genähert, ganz
eingesenkt, ziemlich derbvvandig, etwas niedergedrückt, läng-
lich, 350 bis 420 \). lang, wenig schmäler, nach oben breit
kegelig, mit nicht vorspringender Mündung-spapille, unter läng-
lichen, etwa 1 nun langen, V2 '""^ breiten, clypeusartig
geschwärzten, stark konvex vorspringenden Stellen der Holz-
oberfläche eingelagert. Perithecienmembran schwarzbraun, fast
kohlig, 15 bis 20 [a dick. Paraphysen sehr zahlreich, fädig, die
Asci überragend. Asci dickkeulig, oben dickwandig und abge-
rundet, unten kurz knopfig gestielt, achtsporig, 100 bis 120 ^ 22
bis 25 [A. Sporen meist \^l^- bis 2 reihig, hyalin, mit dünner
Schleimhülle, regelmäßig elliptisch, mit 8 bis 9 Längs- und
2 bis 3 Querwänden, 28 bis 35^ 14 bis 17 \i. Jod gibt keine
Blaufärbung. Viel Glycogen in den Asci.
An dünnen Zweigen von Olea ciiropaca auf Korfu
(Dr. Eggerth).
Die hübsche Form paßt vortrefflich in die Gattung Pelto-
sphaeria, die bis jetzt drei amerikanische Arten und eine euro-
päische zählt, die sich einander sämtlich sehr nahestehen und,
wie nur eine vergleichende Untersuchung der Originalexemplare
erweisen könnte, vielleicht nur Formen einer Art sind. Nach
Vergleich mit dem Originalexemplar von Peltosphaeria vitrispora
(C. et H.) Berl. in Rabenhorst-Winter, F. europ., Nr. 3664,
kam ich zur Überzeugung, daß sich die beschriebene Olea-Form
von der auf Lo»/V£'n?-Zweigen in Nordamerika auftretenden
Hauptform eigentlich nur durch die Zweireihigkeit der Sporen in
den Asci unterscheidet; wahrscheinlich sind aber die Asci bei
allen Arten anfänglich zweireihigsporig und dementsprechend
kürzer und dicker.
162. Über die Familie der Coronophoreen.
Coronophora gregaria (Lib.), angustata Fe kl. und abietina F c k 1.
Diese drei Arten haben im wesentlichen den gleichen Bau,
der aber bisher nicht richtigerkannt wurde. Von C. gregaria (Lib.)
Fragmente zur Mykologie. 625
und angnstata Fe kl. konnte ich die gut entwickelten Exem-
plare aus den Fungi rhenani untersuchen. C. ahictina Fckl.
fand ich auf einem Stück Fichtenrinde, das bei Römerstadt in
Mähren gesammelt war (1902), zweifellos dieselbe Form, die
Fuckel beschrieb und bisher anderweitig nicht gefunden
wurde. Allen dreien, die spezifisch sicher voneinander ver-
schieden sind, fehlt das Ostiolum völlig, die Perithecien müssen
daher bei der Reife oben aufreißen. Ein Herausschleudern der
Asci dürfte aber nicht, wenigstens nicht in der vollkommenen
Weise wie bei Cryptosphaevella aiincxa (Nke.) v. H. stattfinden,
denn es fehlt jede Andeutung einer entsprechenden Einrich-
tung. Die Asci sind nicht wie bei der letztgenannten Form zu
einem kugeligen Ballen angeordnet und die Innenschichte der
Perithecienmembran löst sich bei der Reife nicht ab.
Die Perithecien sind bis über 1 nun breit und im frischen
Zustande kugelig, trocken sinken sie ein und nehmen eine
unregelmäßige, sehr variable Gestalt an. Dieselben sind außen
sehr rauh, fast warzig und haben eine fieischig-lederartige Haut,
die meist 100 bis 200 [jl dick ist. Die Perithecienmembran
besteht aus zahlreichen Pseudoparenchymschichten. In der
äußeren Hälfte des Querschnittes der Perithecienmembran sind
die Zellen geschwärzt und gebräunt, in der inneren hyalin.
Innen ist die Perithecienmembran dicht mit den Asci besetzt.
Diese sind stets viel(32 bis 64?)sporig, haben eine charakteri-
stische Gestalt und sind sehr verschieden lang gestielt. Die
Stiellänge schwankt vomEinfachen bis zum Sechs- oder Sieben-
fachen der Ascuslänge. Der eigentliche Ascus (d.h. der sporen-
führende Teil) ist, wenn typisch entwickelt, fast urnenförmig;
unten elliptisch-bauchig und in den Stiel rasch verschmälert,
oben kurz zylindrisch vorgezogen, an der Spitze abgerundet
bis fast gestutzt. Doch kommen auch mehr spindelförmig-
keulige Formen vor.
Bei C. abietina und angnstata sind die Asci sehr zart-
wandig, meist 30 bis 35 ^ 8 bis 16 [x, bei C. gregaria derb-
wandiger und 40 bis 52 i^ 15 bis 25 [jl groß. Die Sporen, wohl
meist 32 an der Zahl, sind allantoid und klein. Bei C. gregaria
am größten, etwa bis 10 5=:1-5jjl, hex angnstata und abiethia
6 bis 7^1-2 bis l-4a groß. Bei allen drei Arten hat das
626 F. V. Höhnel,
Plasma der Sporen die Neigung zur Zwei- bis Vierteilung; oft
trifft man die Sporen deutlich zweizeilig. Die Angaben bei
Nitschke und Tulasne über das Auftreten v^on Paraphysen
und Pseudoparaphysen beruhen auf Irrtum, denn Paraphysen
fehlen völlig. Das, was Tulasne (Sei. f. carp., II, p. 113)
als »Paraphyses longe et exiliter filiformes, continue et sim-
plices« bei Calosphaeria verrucosa Tul. pro p. = Coroiiophora
gregaria (Lib.) beschreibt, sind, wie schon Nitschke (Pyr.
germ., p. 104) bemerkt, abgerissene Ascusstiele.
Dasjenige, was hingegen Tulasne als Paraphysen abbildet
(1. c, Taf. 24, Fig. 6) und Nitschke als »Pseudoparaphyses
crassiusculae, filiformes simplices, septatae, saepeque nodoso-
articulatae« beschreibt, sind nichts anderes als abgelöste Zell-
reihen von der Innenschichte der Perithecienmembran, wie ich
mich völlig sicher überzeugt habe. Bei C. gregaria findet die
Ablösung dieser Zellreihen beim Zerdrücken der gequollenen
Perithecien am leichtesten statt, weshalb sie hier von Tulasne
und Nitschke auch gesehen wurden. Obwohl letzterer bei
C. angiistata das Vorkommen von Pseudoparaphysen aus-
drücklich in Abrede stellt, sagt er doch, daß diese Art von der
C. gregariaksiMnx verschieden ist, was ein Irrtum ist. Fuckel
erwähnt nichts von Paraphysen, seine kurzen Diagnosen sind
am richtigsten, er hat auch das Eigenartige der Coronophoren
zuerst richtig, wenn auch nicht völlig erkannt.
Coronophora macrosperma Fe kl.
Von dieser von Fuckel in Symbol, mycol., I. Nachtr., p. 36
(324), beschriebenen Art heißt es, daß die Asci als hyaline
Masse ausgestoßen werden. Es ist offenbar dieselbe Erschei-
nung, welche ich bei Coronophora annexa (Nke.) = Crypto-
sphacrella Nitschkei (Auersw.) beobachtet und näher be-
schrieben habe (siehe diese Berichte, 1906, p. 665). Es wird
daher Coronophora macrosperma auch ähnlich gebaut sein.
Leider konnte ich an meinem Originalexemplare dieser Art
in den Fungi rhenani Fuckel's (ohne Nummer) nur ein ein-
ziges ganz überreifes Perithecium dieses seltenen Pilzes finden.
Was aber an diesem zu sehen war, spricht in der Tat dafür,
Fragmente zur Mykologie. 62/
daß der Pilz im wesentlichen denselben Gehäusebau wie
Cryptosphaerella annexa (Nke.) v. H. besitzt, und wird daher
Fuckel's Beobachtung des Ausschleuderns der Asci als hyaline
Masse richtig sein.
An dem untersuchten Perithecium konnte ich kein Ostiolum
finden. Die meist schon entleerten und eingeschrumpften Asci
waren sehr zartwandig, abgerundet, lang und dünngestielt und
etwa 18 [j. breit. Sie enthielten etwa 32 Sporen. Diese sind
etwas kleiner, als Fuckel angibt, nämlich nur 9 bis 12=2
bis 2Y2 [j. groß. Das Plasma derselben ist deutlich in 4 zylin-
drische Teile geteilt; es sind also die allantoiden Sporen schein-
bar vierzellig. Allein nach einigem Liegen in wässerigem Glyzerin
zeigt sich nur in der Mitte eine scharfe Querwand. Wahr-
scheinlich verhalten sich die Sporen von Cryptosphaerella
annexa ähnlich, doch sind sie bei dieser Art nur 6 bis 7 ^ 1 [k
groß und daher die Teilung schwer oder nicht zu sehen.
Fuckel gibt bei C. macrospernia gegliederte, breite
Pseudoparaphysen an; wahrscheinlich liegt eben hier derselbe
Fall wie bei C. gregaria vor, der Nitschke und Tulasne
getäuscht hat. Ich konnte mich von dem Auftreten von Pseudo-
paraphysen nicht überzeugen. Alte verschrumpfte Asci täuschen
auch" oft Pseudoparaphysen vor, doch kann es sich hier um
solche nicht handeln, da Fuckel von gegliederten Pseudo-
paraphysen spricht.
Wie Fuckel angibt und ich auch bei dem einzigen gefun-
denen Perithecium sah, stehen diese ganz oberflächlich an der
Innenseite alter Rinde. Das ist sicher eine abnormaler Standort
des Pilzes, der normal jedenfalls unter dem Periderm auf der
Außenseite der Rinde wächst.
Der nach dem Ausstoßen der Asci im Perithecium zurück-
bleibende, aus der kontrahierten Innenschicht der Perithecien-
membran bestehende hyaline Konus war bei dem untersuchten
überreifen Perithecium nur höchst undeutlich und in Bruch-
stücken zu sehen. Dennoch kann ich, die Angaben von Fuckel
und das, was ich sehen konnte, zusammenfassend, die Corouo-
phora macrosperma nur für eine echte Cryptosphaerella
halten.
628 F. V. Höhnel,
Coronophora myriospora (Nke.).
In diesen Fragmenten (1907, dritte Mitteilung, Nr. 126)
habe ich die Vermutung ausgesprochen, daß Calosphaeria
myriospora Nke. wahrscheinlich kein allantoidsporiger Pilz
ist und die von Nitschke (Pyren. germ., p. 100) beschriebenen
Sporen wahrscheinlich spermatoider Natur sind.
Da Herr Prof. Dr. \V. Zopf in Münster die Freundlich-
keit hatte, mir das Originalexemplar desselben zu senden,
konnte ich den richtigen Sachverhalt feststellen.
Der Pilz zeigt teils einzelnstehende, teils zu wenigen
valsoid gehäufte Perithecien und entwickelt sich unter dem
Periderm. Von dem »villo spisso, sordide luteo«, welcher die
Perithecien überall bedecken soll, war kaum etwas zu sehen.
Er ist jedenfalls während der langen, fast 50jährigen Auf-
bewahrungszeit vielleicht durch Insekten zerstört worden. Die
fast sitzenden Asci fand ich viel größer, als Nitschke angibt,
nämlich 100 bis 168 ^ 16 bis 22, nicht 100 bis 120 ^ 18 bis
20 [x. Sie erscheinen ganz dicht feinkörnig, da sie mit zahllosen
1*5 bis 2 - 1 [X großen Sporen ausgefüllt sind. Quetscht man
aber den Inhalt heraus, so erscheinen 8 fadenförmige,, sehr
stark unregelmäßig wurm- oder schlangenförmig verkrümmte,
sehr dicht quer septierte, hyaline wahre Sporen, aus welchen der
ganzen Länge nach die kleinen spermatoiden Sporen sprossen.
Die wahren Sporen sind 90 bis 130 ^ 2Y2 bis 3 [x groß.
Meine Vermutung war also richtig. Merkwürdigerweise
hat schon Nitschke, wie aus seinen handschriftlichen Notizen
und Skizzen im Herbar hervorgeht, diesen richtigen Sach-
verhalt gekannt, den Pilz aber in den Pyren. germ. doch ganz
falsch beschrieben und eingereiht und hiebei von der Art der
Entstehung der kleinen Sporen nichts erwähnt.
Nach diesem Befunde muß der Pilz als Cryptospora myrio-
spora (Nke.) v. H. bezeichnet werden.
Es sind bisher zwei Cryptospora-Avien auf Onercns-
Zweigen bekannt, die beide zylindrisch-fädige Sporen haben
und, nach den Beschreibungen zu urteilen, der obigen ver-
wandt sind.
Fraginenle zur Mykologie. 629
Cr. Onevciis Allesch. hat (nach Berlese, Icon., II, p. 158)
55 bis 65 i^ 4 bis 5 [i und Cr. trichospora (C. et P.) Sacc. 60
bis 65 i:; 2 bis 2^/.^ [jl große Sporen. Bei keiner der bisher be-
kannten Crypfospora-Arten ist jedoch das Auftreten von sper-
matoiden Sporen im Ascus bekannt geworden.
Nach den Angaben und Bildern von Berlese (Icon.,
III. Bd., p. 15, Taf. 20) ist auch CaJosphaeria macrospora
Winter z=: C. taediosa Sacc. nicht in diese Gattung gehörig,
sondern eine Calospora oder Cryptospora, was noch näher
festzustellen wäre. Auch diese Form bildet zahlreiche sperma-
toide Sporen in den Asci. Wenn die Sporen, wie aus B er lese's
Angaben hervorzugehen scheint, vierzellig sind, wäre der Pilz
eine Calospora, wenn sie hingegen, wie sie Saccardo in Fungi
italici, Taf. 479, darstellt, einzellig sind, wäre es eine Crypto-
spora. Daß es keine CaJosphaeria ist, zeigte mir auch die Unter-
suchung eines kleinen Stückes des Originalexemplares
Winter's, das ich der Güte des Herrn P. Hennings in Berlin
verdanke, welches sich aber im übrigen als ganz überreif und
ohne Asci und Sporen erwies. Da Winter von spermatoiden
Sporen nichts erwähnt, ist es mir zweifelhaft, ob Calosphacria
Macrospora Winter zz: C. taediosa Sacc. ist, was Berlese
behauptet.
Coronophora jungens (Nk e.).
Die Untersuchung des Originalexemplares dieser seit
Nitschke nicht wieder gefundenen Art zeigte mir, daß die-
selbe jedenfalls auf einem Irrtum beruht und gänzlich ge-
strichen werden muß. Das genau geprüfte Originalexemplar
zeigte zahlreiche kleine, ganz veraltete und überreife, entleerte
valsoide Stromata. Nach langem Suchen fand ich ein einziges
reifes Perithecium. Dasselbe zeigte keulige, ziemlich lang ge-
stielte, etwa 80 -r 8 bis 10 [). große Asci, zahlreiche zartfädige
Paraphysen und ein flaches großes Ostiolum. In den Asci sind
8 braune, vierzellige, etwa 14 bis 16 s^ 5 bis 6 [x große Sporen
ein- bis zweireihig gelagert enthalten. Der Pilz ist wahrscheinlich
eine Thyridaria. Unreife Asci mit den noch hyalinen unge-
teilten Sporen entsprechen beiläufig der Nitschke'schen Be-
schreibung. Da ein anderer Pilz am Exemplar absolut nicht zu
630 F. V. Höhnel,
finden ist, muß angenommen werden, daß Nitsclil<e seine
Art auf unreife Zustände dieser unbestimmbaren Thyridaria
gegründet hat.
Aus diesen Untersuchungen geht hervor, daß einige
CoronopJiorci - Avien, wie C. jimgcus (Ni<e.), C. uiyriospora
(Nl<e.) und C. niacrospora Winter gar nicht in diese Gattung
gehören.
Ferner ergab sich, daß die übrigbleibenden echten Coroiio-
pJiora- Arten sehr nahe miteinander verwandt sind und
sich in zwei Gattungen ghedern, welche von den übrigen
Sphaeriaceen so eingreifend und bestimmt verschieden sind,
daß sie nur als Glieder einer eigenen Familie, die sich wohl am
ehesten an die Valseen anreihen dürfte, aufgefaßt werden
können. Ich nenne diese Familie:
Coronophoreen v. H.
Perithecien lederartig-tleischig, ohne Ostiolum; Asci dünn-
wandig, sehr lang gestielt, ohne Paraphysen, vielsporig. Sporen
hyalin, allantoid, mit oft vierteiligem Plasma, schließlich oft
zweizeilig. Perithecien zerstreut oder valsoid gehäuft, einge-
wachsen, ohne Stroma, bei der Reife oben infolge Verquellung
des Inneren aufreißend.
I. Crypiosphaerella Sacc, Syll., 1882, I, p. 186, Char. emend.
v. Höhnel, diese Berichte, 1906, p. 665.
1. Cr. annexa (Nke.) v. H., 1. c.
2. Cr. (?) macrospenua (Fe kl.) v. H.
II. Coronophora Fe kl. (Symb. myc, 1869, p. 228), Char. emend.
V. Höhnel. Asci die Perithecienwandung innen dicht be-
deckend, bei der Reife nicht (oder kaum) ausgestoßen.
1. C. gregaria (Lib.) Fe kl., 1. c.
2. C. aiigiistata Fe kl., 1. c.
3. C. ahietina Fe kl., Symb. myc, I. Nachtrag, p. 36 (324).
Fragmente zur Mykologie. 631
163. Weiteres über Pseudosphaeriaceen.
Seit meiner Mitteilung über diese neue Pyrenomyceten-
familie (diese Berichte, 1907) erhielt ich durch Herrn Hofrat
V. Niessl in Brunn einige Originalexemplare von Formen, die,
wie die Untersuchung lehrte, zum Teile hieher gehören.
\. Lepfosphaeria Winter i Nssl. (Hedwigia, 1883, Jänner-
heft) ist eine echte Leptosphaeria; damit ist offenbar identisch
L. Morthicraiia Sacc. (Miscell. mj^col., I, 1884, Atti del R. isti-
tuto veneto, Tome II, Ser. VI). Ich fand die Sporen des Originals
der L. Wintcri stets nur 8 bis 9 |j. breit und die Asci dement-
sprechend nur bis 28 (x breit, also beide schmäler, als Niessl
und Saccardo angeben, zum Beweise, wie sehr die Größen-
verhältnisse variieren und wie vorsichtig dieselben bei der Auf-
stellung neuer Arten beurteilt werden müssen. Die Sporen
dieser Art erinnern sehr an jene von Pocosphaeria, allein ich
überzeugte mich, daß die Perithecien ganz kahl sind.
2. Das Original von Leptosphaeria pachyasca Nssl. auf
Blättern von Androsace lactea und Campaimla Zoysii {Österr. bot
Zeitschr., 1881, p. 345) sah ich nicht, es ist jedoch nicht zweifel-
haft, daß es derselbe Pilz ist, den Rehm ein Jahr später (Hed-
wigia, 1882, p. 122) als Sphaeridina call ist a beschrieben hat.
Betrachtet man beide Pilze als identisch, so hat der Pilz Pseiulo-
spliaeria pacliyasca (Nssl.) v. H. zu heißen. Auch Berlese
(Icon., I) hält beide Pilze für identisch.
3. Hingegen hat der von Niessl in Sched. als L. pachy-
asca f. Cainpanulae bezeichnete Pilz zweizeilige Sporen und
ist eine Wettsteiuiiia\ dasselbe Exemplar (auf CauipamiJa cae-
spitosa leg. Voss bei Laibach) wurde von Rehm als Sphae-
ruliiia callista var. ^'ossi beschrieben. Dieser Pilz hat
Wettsteinina Vossi (Rehm) v. H. zu heißen.
4. Diesem Pilze höchst ähnlich, ja wahrscheinlich damit
identisch ist nun L. mirabilis Nssl. (Hedwigia, 1881, p. 97), wie
die Untersuchung des Originalexemplares lehrte.
5. Von der Überzeugung ausgehend, daß noch andere bis-
her als einfache Sphaeriaceen beschriebene Pilze Pseudosphae-
riaceen sind, stieß ich auf jene Pleosporeen, welche derb, scle-
rotiumartig sind und in den Gattungen Pyrenophora und
632 F. V. Höhnel,
Sclei'oplea untergebracht sind und schon älteren Autoren als
abweichend von den echten Sphaeriaceen aufgefallen sind.
Fries, der die Gattung Pyrenophora aufstellte (Summa
veget. scandin., p. 397) bemerkt, daß diese Gattung eigenartig
und zweifelhafter Verwandtschaft sei, er vergleicht sie ganz
richtig mit Dothiora, welche er als ganz analog bezeichnet (1. c,
p. 418), doch hält er die Asci von Dothiora für gestielte ein-
zellige Sporen, da er sie offenbar unreif beobachtet hatte. Tat-
sächlich unterscheidet sich Dothiora von Sderoplea (die nichts
anderes als eine borstenlose Pyrenophora ist) wesentlich nur
dadurch, daß bei sclcropJea in jedem Loculus nur ein Ascus
auftritt, während bei Dothiora deren mehrere vorhanden sind.
Fries hat mit dieser Ansicht intuitiv ganz das Richtige ge-
troffen.
Unter den späteren Autoren hat nur der kenntnisreiche und
scharfsichtige Fuckel, trotz ungenügender Untersuchung, viel-
leicht angeregt durch Fries" Bemerkungen, die dothideaceen-
artige Natur von Pyrenophora erkannt und er stellt sie im
Sinne seiner Zeit ganz richtig einfach dazu (Symb. myc, p. 214).
Er bezeichnet die »Perithecien« von Pyrenophora bestimmt als
rundliche, sclerotienartige Stromata mit einer sich später
entwickelnden, schlauchführenden Zelle (loculus) und sprach
damit schon 1869 eine ganz ähnliche Ansicht aus, wie ich sie
nun auf Grund eigener Untersuchungen, unabhängig von ihm,
und zuerst bei ganz anderen, damals noch unbekannt gewe-
senen Formen gewann.
Die genaue Prüfung der bestentvvickelten und typischesten
hieher gehörigen Form: P. phaeocomes Reb. (Prodr. flor.
neomarch., p. 338 c. ic.) aus Rehm, Asc. exsic, Nr. 1664, zeigte
mir nun folgendes. Zerlegt man den Pilz durch sehr dünne
Quer- und Längsschnitte in feine Lamellen, so überzeugt man
sich zunächst mit voller Sicherheit davon, daß ein durchbohrtes
echtes Ostiolum völlig fehlt. Die Entleerung der Sporen
geschieht einfach in der Weise, daß oben durch Abbrechen
eines papillenartigen Vorsprunges oder durch Verwittern und
Ausbröckeln der Außenschichte eine Öffnung entsteht. Das
Stromagewebe besteht aus vier Schichten. Außen ist eine ganz
dünne kohlige Schichte, dann folgt eine dicke, aus hyalinen,
Fragmente zur Mykologie. 633
derbvvandigen, isodiametrischen, parenchymatischen Zellen
bestehende Schichte, der innen eine dünne, unscharf begrenzte,
aus mehreren Lagen flacher Zellen bestehende Grenzschichte
folgt, welche den Kern einschließt. Dieser Kern samt seiner
Grenzschichte macht den Eindruck eines im Stroma liegenden
Peritheciums, was schon Fries bemerkte, daher er den Gattungs-
namen Pyrenopliora (d. h. kerntragend) wählte. Der Kern nun
besteht aus einem weichen hyalinen Parenchym, in welchem,
anfänglich ganz getrennt voneinander, etwa 5 bis 10 Asci
entstehen. Jeder Ascus ist daher ursprünglich in einem eigenen
Loculus enthalten und zunächst allseitig von Parenchymzellen
umgeben. Quillt man ein nahezu reifes Exemplar des Pilzes in
Wasser gut an und quetscht dann den Kern heraus, so sieht
man, daß keine Spur von Paraphysen vorhanden ist, sondern
an den Schläuchen parenchymatische Gewebsstreifen hängen,
die manchmal Paraphysen vortäuschen. In der Tat schweigen
die meisten Autoren bei diesen und den damit verwandten
Formen von den Paraphysen, weil sie sie offenbar nicht deutlich
sahen. Wo sie angegeben werden, liegt sicher ein Irrtum vor^
da man die den Asci anhängenden, oft aus länglichen und ge-
reihten Zellen bestehenden Gevvebsfelzen für leicht verkrüppelte
Paraphysen halten kann. Tulasne (Select. fung., II. Bd.,Taf. 29,
Fig. 2) zeichnet bei Pleospora (Pyrenopliora) polytricha (Wallr.)
= P. relicina Fe kl. auffallend wenige und kurze Paraphysen,
allein die davon offenbar nicht oder kaum verschiedene PL
(Pyrenopliora) aparaphysata Therry (Revue myc.,1882, p. 220,
Taf. 33, Fig. 11) zeigt schon durch ihren Artnamen den völligen
Mangel an Paraphysen an.
Die PL (Pyrenopliora) trichostoma (Fr.) Winter zeigt
nach dem genauer untersuchten Exemplar in Krieger, F. sax.,
Nr. 283, ganz denselben Bau, nur daß die Stromata infolge ihrer
mehr konischen Gestalt und der schwächeren Entwicklung
des Stromagevvebes einen größeren Niicleus haben und daher
noch peritheciumähnlicher sind. Auch hier fehlen Para-
physen und Ostiolum völlig, die Asci sind im Parenchym ein-
gelagert.
Nach dem Gesagten ist es nicht zweifelhaft, daß wenig-
stens jene Arten der beiden Gattungen Pyrenopliora und
Sitzb. d. mathem.-n.iturw. K!.; CX\'I. Bd., Ahx. I. -i-
634 F. V. Höhnel.
Scleroplea, welche derb und sclerotiumartig sind, in die Familie
der Pseudosphaeriaceen gehören.
Diese Familie ist ein merkwürdiges Verbindungsglied
zwischen den Sphaeriaceen und Dothideaceen. Durch die nur
je einen Ascus enthaltenden Loculi erinnern sie überdies an die
Phymatosphaeriaceen, mit denen sie übrigens sonst kaum ver-
wandt sind.
Da die Loculi der Pseudosphaeriaceen nur klein sind,
meist dicht stehen und nur durch eine bis wenige Zellschichten
voneinander getrennt sind, weshalb sie beim Ausreifen der
Schläuche durch Resorption der Trennungsschichten auch teil-
weise verschmelzen können (was übrigens auch bei echten Dothi-
deaceen häufig vorkommt), da sie überdies in einer eigenen,
durch eine Grenzschichte von dem umhüllenden derberen und
festeren Stromagewebe getrennten, zentral gelegenen, weicheren
Gewebspartie (Nucleus) eingelagert sind, so sehen sie oft
täuschend echten Sphaeriaceen ähnlich. Daher sind sie bisher
mit diesen zusammengeworfen worden. Doch sind schon
ältere Autoren auf ihre abweichende Organisation aufmerksam
geworden, wie oben auseinandergesetzt wurde.
Nur eine genaue Untersuchung auf dünnen Schnitten kann
daher entscheiden, ob ein Pilz eine Sphaeriacee oder Pseudo-
sphaeriacee ist. Mag dieser Umstand auch dem praktischen
Mykologen lästig sein, so ist es doch klar, daß ein wissen-
schaftliches Pilzsystem nur auf Grund der Tatsachen, mögen
diese auch schwer festzustellen sein, und nicht aus prakti-
schen oder Bequemlichkeitsrücksichten aufgestellt werden kann.
Die Frage, welche der bekannten PyreiwpJiora- und
Scleroplea- Arien Pseudosphaeriaceen sein werden, läßt sich
nur auf Grund einer genauen Untersuchung der einzelnen
Arten beantworten. Von vornherein läßt sich nur sagen, daß
wahrscheinlich alle sclerotiumartig derbvvandigen Formen
hieher gehören werden. Dementsprechend werden wohl alle
Scleroplea- Arien und Pyrenophora Betae (Berl.), trichostoma
(Fr.); relicina (Fckl); aparapliysata (Therry); phaeocomes
(Reb.) zu den Pseudosphaeriaceen zu rechnen sein. Die
übrigen Pyrenophora- Arien sind einfach borstige Pleospora-
Arten und müssen in eine eigene Gattung versetzt werden.
Fragmente zur Mykologie. b3o
Darnach ergibt sich folgende Übersicht der bisher be-
kannten
Pseudosphaeriaceen.
I. Weüsteinina v. H.
(Sporen zweizeilig, hyalin; Zellen innen mit Ringleisten.)
1. W.gigaspora v. H. (1907).
2. W. gigantospora (R e h m) v. H. = Massarina gigantospora
Rehm (Zool.-bot. Ges. Wien, 1887, p. 216).
3. W. Vossi (Rehm) v. H. = Sphaernlina calUsta var. Vossi
Rehm (Zool.-bot. Ges. Wien, 1887, p. 220).
4. W. ntirahilis (Nssl.) v. H. rr Leptosphaeria mirahiUs Nssl.
(Hedwigia, 1881, p. 97).
(Die Arten 2, 3 und 4 stehen sich sehr nahe; 3 und 4 sind
höchstwahrscheinlich identisch.)
II. Pseudosphaeria v. H.
(Sporen durch Querteilung mehrzellig, hyalin.)
1. Ps. pachyasca (Nssl.) v. H. = Leptosphaeria pachyasca
Nssl. (Ost. bot. Zeitschr., 1881, 345).
2. Ps. callista (Rehm) v. H. =: Sphaerulina callista Rehm
(Hedwigia, 1882, p. 122).
(Diese beiden Arten sind wahrscheinlich identisch.)
III. Sc/erop/ea (Sacc.) Oud. emend. v. Höhnel.
(Sporen braun, mauerförmig geteilt; Stromata ohne Borsten.)
IV. Pyrenophora Fr. emend. v. Höhnel.
(Sporen gefärbt, mauerförmig geteilt; Stromata mit Borsten.)
164. Über Ascospora crateriformis Dur. et Mont.
Infolge mangelhafter Untersuchung befinden sich nament-
lich in den größeren Formgattungen der Sphaeropsideen viele
Formen untergebracht, die sich beim genaueren Studium als
nicht in dieselben gehörig erweisen.
Hieher gehört auch die obige Form. Dieselbe ist von
Saccardo (Syll. fung., IV, p. 112) als Phonia untergebracht,
dann in demselben Bande p. 496 als Septoria.
42*
636 F. V. Hühnel.
Die genauere Untersuchung zeigt nun, daß die Fruclit-
körper dieses Pilzes ganz eigentümlich gebaut sind und dieser
ein eigenes Genus darstellt, das ich Coleophoma nenne. In diese
Gattung werden gewiß noch mehrere als Phoma, Septoria,
Pliyllosticta etc. beschriebene Formen gehören, insbesondere
jene, deren Pycniden als derbwandig beschrieben sind, und die
gleichzeitig stäbchenförmige, gerade Sporen haben. Möglicher-
weise z. B. Septoria Evoiiyini-japonici Pass., S. Ceratoniae
Pass,, S. Laiirocerasi Pass., Lcptotkyrinm ilicimun Sacc. und
andere, was aber noch näher untersucht werden muß.
Eine ähnliche Form fand ich auch auf Eicheln im süd-
lichen Dalmatien (Bocche di Cattaro), die gänzlich verschieden
ist von Phoma glandicola (Desm.), welche nach dem Original-
exemplar in Desmaziere, PI. crypt. de France Nr. 83, eine echte
Phoma ist. Coleophoma crateriformis (Dur. et Mont.) v. H.
fand ich 1900 auf dürren Blättern von PhiUyrea media im
Fangotale bei Bastia auf Corsica.
Die Fruchtkörper sind auf einer oder beiden Blattseiten
dicht zerstreut, derb, kohlig, glänzend und meist nur 90 bis
120 [X breit und hoch. Sie sind unter die Epidermis einge-
wachsen und trotz ihrer Kleinheit fast sclerotiumartig oder
stromaartig gebaut. Die aus kohligen, etwas flachgedrückten
Parenchymzellen aufgebaute Wandung ist an kleinen Exem-
plaren manchmal nur 8 bis 20 [x, an größeren aber meist 30 bis
50 [1 dick. Die Wandung ist oft sehr ungleichmäßig dick,
daher die Pycniden unregelmäßig gestaltet sind, unten meist
etwas abgeflacht, oben konisch vorgezogen und mit unregel-
mäßigem, rundlichem, sehr verschieden großem, anfänglich
etwa 25 (x breitem, später weit geöffnetem Ostiolum. Das kohlige
Gehäuse ist sehr brüchig und wird schließlich im Alter durch
Abbröckeln der äußeren Partien das Innere weit bloßgelegt.
Der Innenraum ist unten meist flach und oben konisch ver-
schmälert. Er ist unten und an den Seiten ganz ausgekleidet
mit dichtstehenden, schließlich miteinander zu einer homo-
genen Masse verschmolzenen Schleimzylindern, die bis 20 bis
25 [X hoch und bis 8 [x breit sind. Dieselben bestehen aus einem
hyalinen festen Schleim. In der Achse jedes Schleimzylinders
liegt eine einzellige, mit dichtem, feinkörnigem Inhalte ver-
Fragmente zur Mykologie. 637
sehene, stäbchenförmige, an den Enden spitzliche, gerade Spore,
die meist 15= 1 • 5 bis 1 • 8 [x groß ist. Die Schleimzylinder bleiben
fest haften, während die Sporen bei der Reife aus ihnen heraus-
treten und frei werden. Der Innenraum der Pycniden zei*gt
keine eigene Wandschichte und ist meist 55 bis 80 [x breit.
Die Schleimzylinder erinnern an Asci und verhalten sich
ähnlich wie die von Myxodisciis (siehe diese Berichte, 1906,
p. 668), nur daß bei dieser Gattung in jedem Schleimzylinder
statt einer Spore mehrere auftreten. Der Umstand, daß bei den
Gattungen CoJcophoina und Myxodiscus die Sporen aus den
Schleimzylindern austreten und frei werden, macht es wahr-
scheinlich, daß die Schleimzylinder nicht schleimige Ver-
dickungen, tilso Schleimhöfe der Sporen sind, sondern selbst-
ständige ascusähnliche Gebilde, in welchen die Sporen ent-
stehen. Ob es aber wirkliche Asci sind, müssen weitere Unter-
suchungen an größeren, leichter zu studierenden Formen
lehren. Es bleibt daher bei beiden Gattungen vorläufig zweifel-
haft, ob es Ascomyceten oder eigentümliche Sphaeropsideen
sind. Jedenfalls sind aber beide miteinander verwandt und
bilden eine kleine, natürliche neue Gruppe von Formen, deren
Stellung im System noch zweifelhaft ist. Beide Gattungen
erinnern sehr an die Dothideaceen und wenn man sie als
Ascomyceten betrachten wollte, müßten sie neben die Dothi-
deaceen gestellt werden. Die Charakteristik der neuen Gattung,
als Ascomj^cet aufgestellt, wäre folgende:
Coleophoma n. gen. (an Dothideaceae?).
Stromata peritheciumartig, klein, kohlig, eingewachsen.
Asci Z3iindrisch, verschleimt-dickwandig, ohne Paraphysen, je
eine stäbchenförmige, einzellige, hyaline Spore enthaltend.
Coleophoma crateriformis (Dur. et Mont.) v. H.
Syn. : Ascospora crateriformis Dur. et Mont.
Sfhaeria Oleae var. Phillyreae Mont.
Phoina cralcrifonnis (Dur. et Mont.) Sacc.
Septoria crateriformis (Dur. et Mont.) Sacc.
Auf Blättern von Phillyrea. Frankreich, Corsica, Algier.
Die oben erwähnte Form auf Eicheln hat genau die gleiche
Art der Sporenbildung in Schleimzylindern wie Coleophoma,
638 F. V. Höhnel,
allein der Fruchtboden ist ganz flach und die Schleimzylinder
stehen parallel nebeneinander auf demselben. Der Pilz erinnert
mehr an Myxodisctis und sieht leptothyriumartig aus. Im
übrigen ist die sehr nahe Verwandtschaft mit Coleophoma un-
verkennbar. Er stellt wahrscheinlich ein eigenes Genus dar
und ist wahrscheinlich gleich Phonia piimila (Moug.) =: Sep-
toria orthospora Lev. Man ersieht daraus, daß hierbei gleicher
Art der Sporenbildung verschiedene Arten der Gehäuseaus-
bildung vorkommen und mithin hier vielleicht ein größerer,
bisher übersehener Kreis von Formen vorliegt, in den viele
bisher nicht genauer untersuchte Pilze gehören werden.
165. Schizoxylon graecum n. sp.
Apothecien zerstreut, erst kugelig eingesenkt, dann sich
oben rundlich weit öffnend und die rötliche oder fleischfarbene
Fruchtscheibe entblößend, 200 bis 1 200 [x breit und 500 bis 600 [x
hoch. Berandung weiß, dick, lappig. Bleibend krugförmig,
Fruchtscheibe im Alter schmutzig-dunkelbraunviolett. Hypo-
thecium hyalin, flach, undeutlich kieinzellig-plectenchymatisch,
zirka 60 [jl dick; Excipulum unten 40 [x dick, nach oben hin
durch eingelagerte, oft große Kalkoxalatkristalle inkrustiert,
allmählich zirka 120 bis 130 ;x dick werdend, Rand lappig,
stumpf. Fruchtschichte blaßrosa, aus zahlreichen dünnfädigen,
oben etwas verästelten Paraphysen und zylindrischen,
280 bis 340 ^^ 8 bis 12 [x großen Asci, die je 8 fädige, septierte,
200 bis 250 ^ 2 bis 21/2 [a große, oft schon im reifen Ascus in
2 bis 5 (X lange Z3^1indrische, scharf abgeschnittene Glieder
zerfallende Sporen enthalten. Jod gibt keine Blaufärbung.
An dünnen morschen Zweigen von Olea europaea, auf der
Insel Korfu (Dr. Eggerth).
Die Art ist am nächsten mit Seh. Sarothainni Fe kl. ver-
wandt und derselben äußerlich sehr ähnlich. Diese Art hat
aber breitere Sporen, die in längere Glieder zerfallen, welche
an den Enden abgerundet sind, ferner eine dunklere Frucht-
scheibe. Der direkte Vergleich mit einem Fuckel'schen
Originalexemplar aus den Fungi rhenani zeigte, daß beide
Arten sicher verschieden sind.
Fragmente zur Mykologie. 639
166. Plectophoma n. gen. (Sphaeropsideae).
Glück hat in seinem »Entwurf zu einer vergleichenden
Morphologie der Flechtenspermogonien« (Verhandl. d. Nat.-
Mediz. Ver. zu Heidelberg, 1899, VI. Bd., p. 81 ff.) bei den
Flechtenspermogonien je nach dem Baue ihrer Sporenträger
acht verschiedene Typen unterschieden.
Sieht man von Einzelheiten ab und wendet man seinen
Befund bei den Flechten auf die Spermogonien oder Pycniden
der Pilze an, so kann man diese acht Typen, wie folgt, auf
drei reduzieren.
1. Phoina-Typus. Basidien (Sporenträger) einfach, unver-
zweigt, kürzer oder länger, an der Spitze die Conidien oder
Spermatien bildend.
Dieser T^^pus ist der häufigste und tritt bei PJioma,
Phyllosticta, Cytospora etc. auf.
2. Dendrophoma-Typus. Sporenträger verzweigt, Coni-
dien an der Spitze der Zweige oder auch an Sterigmen am
Hauptstamm oder an den Zweigen seitlich entstehend.
Dieser zweite Typus ist vertreten durch Dettdrophoma
und wohl viele einzelne Arten anderer Gattungen.
3. Plectoplioma-Typus. Innenraum der Pycniden mehr
minder ausgefüllt mit unregelmäßig radiär verlaufenden, mit-
einander netzförmig anastomisierenden Fruchthyphen, die aus
vielen kurzen, mit kleinen Sterigmen versehenen Basidien
bestehen, an welchen die Conidien oder Spermatien gebildet
werden.
Um eine richtige Vorstellung von dem eigentümlichen
Bau dieses Typus und seiner verschiedenen Modifikationen zu
■erhalten, ist es nötig, einen Blick auf Glück's Figuren, p. 150
bis 155, zu werfen.
Meines Wissens sind Sphaeropsideen mit diesem Bau-
typus bisher nicht bekannt geworden.
Ich fand nun zwei Formen, die demselben entsprechen.
Es sind dies:
1. Phyllosticta hacteriosperma Pas s. (Syll. fung., X, p. 1 25).
2. Plectophoma Uinbelliferarniu v. H. n. sp.
640 F. V. Höhne I,
Beide diese Formen haben Pycniden, die in einem manch-
mal kaum, oft aber deutlich entwickelten Stroma eingebettet
sind. Die Pycnidenwand ist innen mit einer Lage von Zeilen
ausgekleidet, aus der sich dicht septierte Fäden erheben, die
das ganze Lumen der Pycniden ausfüllen und miteinander
mehr weniger anastomisieren. Aus den einzelnen Zellen dieser
Fäden sowie auch der Auskleidung der Pycnidenwandung
sprossen die kleinen stäbchenförmigen Sporen.
Plectophoma Umbelliferarum n. sp.
Stromata mehr weniger deutlich, unter die Epidermis ein-
gesenkt, 1 bis 6 mm lang, '/a bis 1 ///;;/ breit, weich, aus blaß-
olivenbraunen, dickwandigen, septierten, G bis 10 |x breiten
Hyphen gebildet.
Pycniden eingesenkt, rundlich eiförmig, 160 bis 170|j.
breit, mit Ostiolum. Pycnidenmembran weich, olivenbraun, aus
4 bis 5 Lagen von verflochtenen H^^phen bestehend. Nucleus
aus kurzgliedrigen, 4 bis 5 [x breiten, miteinander dicht ana-
stomisierenden, sporentragenden Fäden bestehend, fast paren-
chymatisch aussehend.
Sporen h3^alin, stäbchenförmig, meist gerade, 4 bis 5 ~ 1
bis 1 '5 [X.
An dürren Stengehi von Foeuicnhiui Juice bei Bastia,
Corsica, April 1905.
Zu Plectophoma wird gewiß auch Spliaeropsis Anethi (P.)
Fckl. gehören, eine Form, die nach dem Exemplar in Fuckel,
F. rhen., Nr. 1011, augenscheinlich mit P/(?6-/o/'//o//7a Umbelli-
ferarum nahe verwandt ist; leider erwies sich aber mein
Exemplar der Fuckel'schen Form als unreif.
Phyllosticta hacteriosperma Pass. muß nun zu Plecto-
phoma gestellt werden.
Ich vermute, daß die Plectophoma- tKvien Nebenfrucht-
formen von kleinen Discomyceten sind.
167. Über Actinonema.
Diese Gattung wird von Saccardo (Syll., III, p. 408) zu
den Sphaerioideen gestellt. Die Untersuchung der einzigen
Fragmente zur M^'kologie. 64 1
sicheren und typischen Art, der Actüioneina Rosac (Lib.) Fr.,
zeigte mir aber, daß der Pilz keine Spur einer Pycniden-
membran hat; er bildet unmittelbar unter der Cuticula nackte
Acervuli, welche durch spaltenförmiges Einreißen der Cuticula
sich nach außen entleeren.
Demnach gehört Actiiioiieiiia Rosae zu den Melanconien
und schließt sich unmittelbar an Marssouiua (früher Marsonia
genannt) an, von welcher Gattung sie sich nur durch die sub-
cuticulären, meist in Bündeln wachsenden, dendritisch radiär
verlaufenden Fibrillen unterscheidet, zwischen welchen sich
die Acervuli entwickeln.
In der Gattung Actiuonema figuriert in den Handbüchern
(Saccardo, Syll., III, p. 408; Allescher, Sphaerioideen,
VI. Abt., p. 709) auch Actmonenta Crataegi Fers. (Myc. europ.,
I. p. 52) als Art.
Die Untersuchung mehrerer Exsikkate der Art sowie
selbstgesammelter Exemplare derselben zeigte mir aber, daß
der mit diesem Namen bezeichnete Pilz nichts anderes als
Fitsicladiuui orlnctilattim de Thüm. f Sorbi torminaJis ist,
was die echte auf Sorbits toriitinalis auftretende Form an-
langt. Sowohl Desmaziere (Ann. d. sc. nat., 3^ Ser., XVIII,
p. 359) als auch Aderhold (Hedwigia, 1897, p. 82) betrachten
diese Form nur als Varietät von Fiisicladinm dcntriticuiii
(Wallr.) Fckl.
Diese Tatsache, daß Actiuonema Crataegi P. auf Sorbus
toriniualis =: Ftisicladitini orbiciUatiiin de Thüm. f. Sorbi
toruiinalis ist, ist nicht neu, da schon Desm aziere im Jahre
1852 (Ann. d. sc. nat., 3^ Ser., XVIII, p. 359) ganz ausführlich
auseinandergesetzt hat, daß Actiuonema Crataegi P., Capillaria
Crataegi Lk., Phlyctidium Crataegi Wallr., Asteronia Cra-
taegi Berk. und Cladosporinni dendriticuni Wallr. in fol.
Crataegi torminaJis (t=: Fiisicladiiini orbicutatum de Thüm.
f. Sorbi torminaJis) genau der gleiche Pilz sind.
Dies ist von den neueren Autoren übersehen worden.
Desmaziere hat als Cladosporiiim orbiciilatum ■=: Aste-
roma Crataegi var. Sorbi Desm. nur jene Form von Clado-
sporiiuvi dendriticuni Wallr. bezeichnet, welche auf Sorbus
domestica und Mespihis pyracaiüJius wächst. Darnach sind die
642 F. V. Höhnel,
Benennungen auf vielen Exsikkaten nicht richtig. Da aber alle
auf Pomaceen vorkomnienden Fusiciadium- Arten zusammen-
gehören, so ist dies ohne Belang.
An die obige Feststellung knüpft sich auch eine nomen-
klatorische Frage. Nachdem die Gattung Actinonema von
Persoon (Myc. europ., I, p. 51) schon im Jahre 1822 offenbar
auf die Art A. Crataegi aufgestellt ist (die zweite Art A. cmiliii-
cola wird von Persoon selbst als unsicher und nicht typisch
bezeichnet) und Persoon's Gattungsdiagnose das Lupenbild
eines Fusiciadium vortrefflich beschreibt, ferner Fries 1849
(Sum. veg. Scand., II, p. 424) die Gattung Actinonema genauer
charakterisiert hat und in dieselbe die A. Crataegi wieder auf-
nahm, während die Gattung Fusiciadium erst 1851 von
Bon Orden (Handbuch, p. 80) aufgestellt wurde, müßte die
Gattung Fusiciadium eigentlich Actinonema heißen.
Es fragt sich aber, ob dies rationell ist und ist ferner zu
beachten, daß es sich hier um Nebenfruchtformen handelt, auf
welche die Nomenklaturgesetze vielleicht keine Anwendung
zu finden haben.
Noch sei bemerkt, daß Actinonema Rohergei Desm. =:
Asteroma Rohergei Desm. nach dem Originalexemplar
(PI. crypt.. Ed. I, Nr. 1 100) völlig zu streichen ist. Es sind ein-
fach braune Hyphen, die in das Innere der hohlen Stengel von
Heracleum Spondyliuni hineingewachsen sind und die Wände
des Hohlraumes bekleiden. Schon Desmaziere sagt (1. c),
daß diese braunen Hyphen vollkommen an jene von Clado-
sporium hcrbarnm erinnern.
168. Zur Synonymie einiger Pilze.
1 Die Gattung Ophiosphaeria Kirschstein (Verh. bot.
Ver. Brandenburg, 48. Bd., 1906, p. 47) fällt offenbar mit der
Gattung OpJiiochaeta Berl. (Icon., II, p. 136) zusammen.
Bei so dünnen fadenförmigen Sporen ist es ohne Belang, ob
die Sporen einzellig und mit vielen Öltröpfchen versehen sind
oder Querwände aufweisen. Ophiosphaeria tenella K. wird
wohl identisch sein mit Ophiockacta chaetophora (Crouan)
Sacc. (SylL, XI, p. 352).
Fragmente zur Mykologie. 643
2. P. Hennings hat auf Cystotheca Wrightii Berk. et
Curt. hin die Familie der Cystothecaceen aufgestellt. Allein
es ist mir nicht zweifelhaft, daß der von ihm näher beschriebene
Pilz (Engler's botan. Jahrb., 1901, 28. Bd., p. 273) mit
Sphaerotheca laiiestris Harkn. zum mindesten nahe ver-
wandt ist. (In der Größe der Perithecien, Asci und Sporen
würde Sph. phytoptophila K. et S. vollkommen stimmen, doch
kommt diese Art nur auf Cdtis und nicht auf Qiterciis vor.)
3. Urophlyctis Alagmtsiana Neger (Ann. mycol., 1906,
p. 282) ist offenbar identisch mit Cladochytrium Brevierei Har.
et Pat. (Bull. soc. myc, 1904, p. 61).
4. Daedalea cimiabaviiia Secretan (Microgr. suisse, 11,
p. 482) gehört zu jenen höchst unsicheren Arten, die bisher
nur einmal gefunden wurden und sich trotzdem in der Literatur
erhalten haben. Der Pilz wird von Fries, Winter, Quelet
und Saccardo als gute Art angeführt. Liest man die aus-
führliche Beschreibung Secretan's, so erkennt man aus ver-
schiedenen Angaben, daß er das Altersstadium irgend eines
Pilzes vor sich hatte. Er fand den Pilz Ende Oktober, die
Ränder desselben waren hinaufgebogen, so daß der Hut oben
konkav war, oben zeigte er auch grüne Zonen, die Lamellen
waren teilweise schon geschwärzt. Die grünen Zonen rührten
offenbar von angesiedelten Algen her, wie man sie an ganz
alten Stücken von Daedalea^ Lenzites etc. oft findet.
Secretan's Pilz war daher ganz alt. Als ich seine Angaben
las, erinnerte ich mich daran, daß alte Exemplare von Lenzites
variegata oder der braunen Varietät von L. hetnJina in den
schmalen, rinnenförmigen Vertiefungen zwischen den Zonen
der Oberseite des Hutes nicht selten lebhaft orange bis
zinnoberrot gefärbt sind. Diese Färbung stammt von einem
eigentümlichen Sekret her, das der Pilz im Alter ausscheidet, er-
weckt aber zunächst den Eindruck, als würde sie von einem
Schmarotzer herrühren. In der Tat hat Secretan selbst
(III. Bd., p. 639) diesen Eindruck gehabt, denn er sagt, daß es
möglich wäre, daß die lebhaft rote Färbung von Dematiuni
cinnabarium Pers. (Synop. fung., p. 697) herrühren könnte,
woraus hervorgeht, daß er selbst an der Autonomie der
Daedalea cinnabarina zweifelte. Tatsächlich ist diese zvveifel-
644
F. V. Höhnel,
los nichts anderes als eine Altersform von Lenzites variegata
oder der braunen Form von L. bettüina und muß als Art voll-
ständig gestrichen werden.
Namenverzeichnis.
Seile
Actinoiieuia cauHiicola ß42
» Crataegi ß4 j
» Rohergei D e s m 642
» Rosae (L i b.) Fr 64 1
Amphispliaeria latericolla (Fr.) 619
Ascospora crateriformis Dur. et Mo nt 635, 637
Asteroma Crataegi Berk 641
» » var. Sorhi D e s m 641
Calosphaeria niacrospora Win t 629
» inyriospora N k e 628
» taediosa S a c c 629
» verrucosa Tul. pr. p 626
Capillaria Crataegi Lk 641
Ceratosphaeria rhenana Auersw 620
Ceratostomella cirrhosa (P.) 620
Cercospora innumerabilis (Fckl.) v. H 621
Cladosporium dendriticnm Wallr 641
licrbaruni (P.) 642
» orhiculatiint 641
Cladochytrium Brevierei Ha r. et Pat 643
Cleistotheca papyrophila Zu kal 615
Coleophoma n. gen 637
crateriformis (Dur. et Mont.) v. H 636, 637
CoroHophora ahietina Fckl 624 630
» angustata Fckl 624, 630
» armexa (N k e.) 226
gregaria (Lib.) Fckl 624, 627, 630
jungens (N k e.) 629, 630
» macrosperma Fckl 626
» myriospora (Nke.) 628, 629
Fragmente zur Mykologie. 645
Seite
Cryptosphaerella annexa (Nke.) v. H 030
? macrosperma (Fckl.) v. H 630
» Nitschkei (Auersvv.) 626
Cryptospora myriospora (Nke.) v. H. . . . ." 628
» Qtiercus All 620
» trichospora (C. et P.) Sacc 629
Cryptosphaerella annexa (Nke.) v. H 625
Cystothcca Wrigktii B. et C 643
Daedalea cinnabarina Secretan 644
Didymella friiticosa n. sp 618
Ftisicladiuni dendritictim (Wallr.) Fckl 641
» orhictilatnni de Thüm. f. Sorbi tovmiiialis. . .641
Giberella dUnerosporoides (Speg.?) v. H 617
Leptosphaeria mirabilis Nssl 631, 635
» Morthierana Sacc 631
» pachyasca Nssl 631, 635
» » f. Cantpamilae 63 1
» Wintert Nssl 63 1
Leptothyrium iliciimm Sacc 636
Massar ina gigantospora Rehm 635
Myriocarpa Cytisi Fckl 621
» Lonicerae Fckl 622
Ophiochaeta chaetophora (Crouan) Sacc 642
Ophiosphaeria tenella K 642
Peltosphaeria vitrispora (C. et H.) 624
f. Oleae 624
Phleospora Biiplenri (Desm.) v. H 619
Phlydiditim Crataegi Wallr 641
Phoma crateriforniis (Dur. et Mont.) Sacc 637
» glandicola (Des m.) 636
Phyllosticta bacteriosperma Pass 639, 640
Plectophoma n. gen 639
» Umbelliferarum v. H 639, 640
Pleospora aparapJiysata The rry 633
Cytisi Fckl 622
» herbaruni (Pers.) 615
» polytricha Wallr 633
646 F. V. Höhnel,
Seite
Pleospora relicina Fe kl 633
» trichostoma (Fr.) 633
Pseudosphaeria v. H 635
» callista (Rehm) v. H 635
pachyasca (Nssl.) v. H 631, 635
Psilothecitiin innmnerabile 621
Pyrenophora Fr. emend. v. Höhnel 635
» aparaphysata Th e rr}^ 633
Betae Berl 634
» pliacoconies Reb , 632, 634
polytricha W al 1 r 633
» relicina F e k 1 633
trichostoma Fr 633, 634
Schizoxylon graectim n. sp 638
.» Sarothamni Fckl 638
Scleroplea (Sacc.) Oud. emend. v. Höhnel 635
Septoria Btiplenvi Desm 619
» Ceratoniae Pass 636
» crateriforinis (Dur. et Mont.) Sacc 637
» Evonynii-japonici Pass 636
» intiumerabilis 621
» Lanrocerasi Pass 636
Sphaerella? Caprifoliortmi (Desm.) Sacc 623
» Clymeiiia Sacc .623
» collina Sacc. et Speg 623
» » var. caiilicola B. et F 623
» crepidophora (Mont.) Sacc 623
» Cytisi-sagittalis Auersvv 622
Ebuli Rieh 622
» Genistae-sagittalis Auersw. . . • 622
» implexa Pass 623
» implexicola M ai r e 623
» Laiitanae (Nke.) Auersw 623
» minor Karst 623
» ramulorum Pass 623
» Symplioricarpi Pass 623
» Tini 623
Fragmente zur Mykologie. 647
Seite
Sphaerella Vihiirni (N ke.) Fckl 623
Sphaeria JatericoUa Fr. (non D. C.) 619
» Oleae var. Phillyreae Mont 637
Sphaertilma callista Rehm 631, 635
var. Vossi Rehm 631, 635
Sphaeropsis Anethi (P.) Fckl 640
Sphaerotheca lancstris Harkn 643
» phytoptophila K. et S 643
Stachybotrys lobulata Berk 615
Stagonospora mmimerahilis 621
Trematosphaeria latericolla Fckl 619, 621
Uropklyctis Magnusiana Neger 643
Wettsteinina v. H 635
» gigantospora (Rehm) v. H 635
» gigdspora v. H 635
» mirabilis (Nssl.) v. H 63.5
Vossi (Rehm) v. H 631, 635
Zignoella emergens (Karst.) Sacc 621
ZuTialia dimerosporoides Speg 617
649
über den Bau der argentinischen Anden
von
H. KeideLi
(Mit 1 Textfigur.)
(Vorgelegt in der Sitzung am 25. April 1907.)
I.
Buenos Aires, 25. Dezember 1906.
Belgrano, Olaguer 26. 49.
Herr Hermitte, der Chef der Division de minas, geologia e
hidrologia hier in Buenos Aires, hat mir aufgetragen, Ihren
Brief vom 11. November zu beantworten. Ich tue dies deshalb
erst heute, weil ich mir erst inzwischen von den Herren Dr.
Roth und Dr. Schiller vom Museo de la Plata genauere
Nachrichten über die Gebiete, die Sie interessieren, habe geben
lassen. Roth ist selber am Lago Musters gewesen, Moreno
aber nicht und Schiller hat im September dieses Jahres einen
Teil der alten Sierren der Provinz Buenos Aires gesehen. Ich
selbst kenne hievon nur die weiten Gewölbe und Mulden der
Sierren bei Olavarria und Sierras Bayas, die Valentin
beschrieben hat. Was ich also über die Verhältnisse dieser
Gegenden und am Lago Musters zu berichten habe, stammt
von den Herren Roth und Schiller.
Ich glaube, Sie, Herr Professor, richtig verstanden zu haben,
wenn ich annehme, daß Sie das Vorkommen der gefalteten
Tuffe am Lago Musters als einen neuen Beleg ansehen für die
Ablenkung der Cordillerenzüge noch Südosten, wie Sie sagen
ähnlich der Virgation des westlichen Tian-Schan.
Es scheint aber, als sollten die Stützen für diese Ansicht
durch jedes neue Material mehr und mehr erschüttert werden.
Auch der Bau der Cordilleren auf argentinischem Boden stellt
1 Briefe an das w. M. Ed. Suess.
Sitzb.d. mathem.-naturw. Kl.: CXVI. Bd., Abt. 1. 43
650 H. Keidel,
sich als immer komplizierter heraus. Erlauben Sie mir deshalb,
daß ich auch über diesen Gegenstand einiges in diesem Briefe
berichte.
Die Eruptivgesteine, die Roth am Lago Musters und in
dessen Umgebung gesehen hat, sind verschiedene Tiefenge-
steine. Olivinführender Gabbro kommt, wie es scheint, haupt-
sächlich vor. Auch Wehrli, der Proben davon im Museo de la
Plata gesehen hat, hat sie für Gabbro gehalten. Ferner finden
sich Gesteine mit Mandelsteinstruktur, außerdem schwer
erkennbare dichte blaurote Ergußgesteine, wahrscheinlich
Quarzporphyr.
Roth sagt nun: *Diese Tiefen- und Ergußgesteine haben
die wagrecht liegenden Dinosauriersandsteine der Kreide und
die bunten vulkanischen Kreidestoffe (»areniscas abigarradas«
Amegbino's) sowie die Pyrotheriumschichten des unteren
Tertiär durchbrochen und gestört und es sind dabei besonders
Schleppungen nach oben entstanden. Alle diese Gesteine
haben aber nichts zu tun mit den andinen Porphyriten (der
hauptsächlich jurassischen »Porphyrformation« Darwin's),
ebensowenig die Gesteine der Pampa Central, die sicher viel
älter sind als Jura.«
Der Zusammenhang der Tuffe ist nicht erwiesen und es
fehlen bis jetzt die Beweise für die Ablenkung der Cordillere
im Tafelland. Faltung ist hier nicht vorhanden, sondern, wo
lokale Störungen auftreten, sind sie durch die Eruption im
Tertiär, in Patagonien auch zur Kreidezeit entstanden. Wahr-
scheinlich haben wir es mit den weit verbreiteten »Anden-
gesteinen« Stelzner's zu tun, die sich immer deutlicher als
Jungtertiär herausstellen und die vielleicht entstanden sind zu
der Zeit der letzten großen Bewegungen.
Aber auch die Untersuchung der alten Sierren in der
Provinz Buenos Aires läßt immer deutlicher Verhältnisse er-
kennen, die sich schwer mit der Ablenkung der Cordillerenzüge
nach Südosten vereinigen lassen.
Schiller hat namentlich die Zusammensetzung und den
Bau der Sierra de Pillahuincö untersucht und er hat mir ein
flüchtig skizziertes Profil gegeben, das ich hier ohne Richtigkeit
der Maßverhältnisse abzeichne.
Bau der argentinischen Anden.
651
Nördlich von derStationTornquist sieht man beinahe andern
Fuß der Sierra de la Ventana alten Granit. Dann folgt der
gefaltete, aber im ganzen nach Süden einfallende Ouarzit der
Sierra, der in Tres Picos in der Linie des Profils 1280 ni Höhe
erreicht. Nun steigt man in das breite Tal des Rio Sauce
Grande hinab. Am nördlichen Fuße der Sierra de la Ventana
beobachtet man alten Tonschiefer, der unter den Quarzit nach
Süden einfällt. Dieser Tonschiefer setzt den ganzen breiten
Talboden zusammen. Auf der linken Talseite trifft man am
südlichen Abfall der Sierra de Pillahuincö altes Konglomerat,
darauf folgt bei der Station Peralta noch einmal derselbe
SW.
S"'CwrvmaLaL
Alfulfti iAijuas Blnnc/jsj
Grtuilt n.Agnirre.
Slf.
nririU . v- il.Sl . Tomifuist
n (L :C Iv
S'^äela Ventanaj
SPicos
.'i°~Brax)arä,
K.O.
KnjstaUUt ?
■'' ff o Im,' her ff
S'^-de Oaüj-uffueyni vn
nManovi, •■' "■
\ Sierra de Pilluhuinco
! Rio Sauce Grande «./'«■olto. .■St.Su-fßnann.
Quarzit! /nri/staHin?
Tonschiefer wie am Rio Sauce Grande, dann dehnt sich nach
Norden die weite lößbedeckte Pampa aus. Dies Profil ist von
der Station Tornquist im Süden bis zu der Station Stegmann
im Norden ungefähr 40 km lang. Der Granit im Süden war
Hauthal noch unbekannt; er ist erst in diesem Jahre von
Roth gefunden worden. Es ist, wie mir Schiller sagt, durch-
aus derselbe Granitwie bei Sierra Chica und Olavarria. Hier bildet
er aber auf weiten Strecken die Unterlage der alten Sedimente
und bei Sierras Bayas und in der Pampa habe ich selber den
Ventanaquarzit in transgressiver Lagerung darüber gesehen.
Das jüngste Glied der Schichtenfolge in der Linie des
Profils ist das Konglomerat. Es enthält zahlreiche Gerolle des
Granits, Quarzits und auch des Tonschiefers. Das hat Hauthal
43*
652 H. Keidel,
schon zum Teil erwähnt, aber, wie es scheint, auch geglaubt,
daß die Quarzitgerölle nicht vom Ventanaquarzit, sondern von
einem älteren Horizonte stammten. Das ist nun aber nicht der
Fall. In Wirklichkeit gibt es nur den Ventanaquarzit. Unter
dieser Voraussetzung sieht Schiller in der Schichtenfolge des
Profils eine große, nach Süden einfallende Mulde, deren Kern
das Konglomerat ist.
Der nördliche Flügel dieser Mulde legt sich wahrscheinlich
auf kristallinische Gesteine, auf Gneis oder Granit, wie in der
Sierra de Guitrugueyu. Ganz ähnliche Verhältnisse findet man in
der Sierra de Bravard. Hier ist im Süden der Granit bei Aguas
blancos durch Aguirre bekannt geworden und auf der nörd-
lichen Seite der Sierra legt sich der Quarzit sehr wahrscheinlich
auch auf kristaUinische Gesteine. Dies läßt sich, abgesehen von
den Verhältnissen in der Sierra de Guitrugueyu, am nördlichen
Rande dieser Sierren nicht sicher nachweisen. Zum Teil werden
die kristallinischen Gesteine, zum Teil selbst die alten Sedimente
des nördlichen Flügels durch die Pampabildungen bedeckt.
Sehr bemerkenswert ist aber das Erscheinen des alten
Granits im Süden.
Hauthal kannte ihn, wie gesagt, an derVentana noch nicht.
Nirgends sieht man, so sagt mir Schiller, Spuren einer Intru-
sion, dagegen ist die Übereinstimmung mit den alten Graniten
weiter nördlich vollständig. Und so schließt Schiller, daß der
Granit bereits abgetragen war, als die Dislokationen vor sich
gingen und daß er nach Norden auf die alten Sedimente über-
schoben worden ist.
Wenn dies alles richtig ist, so weisen die Überkippung
der Mulden und Sättel und die Überschiebung des Granits auf
eine aus Südwesten gekommene Kraft.
Hauthal hat Schiller nach Mitteilung dieser Ergebnisse
geantwortet, daß er früher am nordöstlichen Abfall der Sierra
de la Ventana auch Erscheinungen gesehen hätte, die ganz gut
als Überschiebungen gedeutet werden könnten, er hätte sie
damals aber anders aufgefaßt.
Nun hat Hauthal schon hervorgehoben und Schiller be-
stätigt es, daß in der Sierra de Ventana und den benachbarten
Sierren ein nach Norden konvexer Bogen vorliegt.
Bau der argentinischen Anden. 653
Hauthal glaubt in dem alten Quarzit Arthrophycus Har-
lani Hall gefunden zu haben. Herr Dr. Stappenbeck, der seit
Monaten in der Provinz San Juan in den pampinen Sierren
arbeitet, hat mir gesagt, daß die Dolomite und dolomitischen
Kalke, die bei Sierras Bayas über dem Quarzit liegen, voll-
ständig übereinstimmen mit gewissen Dolomiten und dolomi-
tischen Kalken des Silurs in San Juan.
Nun sind ja östlich von der Cordillere seit dem Devon
keine älteren einigermaßen küstenfernen marinen Absätze
"bekannt; sehr wahrscheinlich ist hier seit langem wie in allen
Gebieten östlich von der Cordillere und in großen Teilen der
Cordillere selbst Festland gewesen. Aber auch die Dislokationen
besitzen sehr wahrscheinlich hohes Alter und seitdem sind
nur geringe Störungen eingetreten.
Kreide und Tertiär bedecken den größten Teil des argen-
tinischen Gebietes. Man kennt das Wirbeltiere führende Tertiär
von Tarija in Bolivien, die roten Bildungen der Formaciön
petrolifera auf großen Strecken in den Provinzen Salta und
Jujuy, in Paraguay die guaranitische Formation, die bis nach
Patagonien hinunter vorhanden ist. Diese Bildungen liegen
flach in Patagonien, in Entre Rios und in Paraguay; sie treten
aber überall hervor, wo die jungtertiären Störungen sie getroffen
haben oder die Erosion sie tief angeschnitten hat, aber nie
sind sie in der Provinz Buenos Aires oder in deren Umgebung
gesehen worden. Daß sie aber auch hier wirklich vorhanden
sind, beweist eine Bohrung bei Rancul in der Pampa Central
(an der Grenze gegen Buenos Aires), wo, wie Roth sich über-
zeugt hat, in 200 w unter dem Pampa-Löß Dinosauriersandstein
erbohrt worden ist. Roth bemerkt sehr richtig, daß diese
Bildungen auch in den Sierren der Provinz Buenos Aires zum
Vorschein kommen müßten, wäre die Faltung dort nicht sehr alt.
In diesen Sierren haben wir also ein interessantes Gebiet
vor uns; ein altes Faltengebirge, in dem die ursprüngliche
Tektonik nicht durch jüngere Störungen verwischt worden ist.
Vielleicht ist dies auch das einzige bekannte Gebirge in Süd-
amerika von halbwegs Alpentypus, denn die Cordillere ist ein
Komplex von Störungsgebieten, worin zweifellos sehr
verschiedene Teile von sehr verschiedenem Alter vorhanden sind.
654 H. Keidel,
Ich kenne zwar nur einen kleinen Teil der argentinischen
Cordillere aus eigener Anschauung, nämlich die Paramillos
bei Mendoza und Teile der Provinzen Salta und Jujuy.
Was ich hier aber gesehen habe, bringt mich, zusammen mit
dem, was mir Schiller und Stappenbeck mitgeteilt haben,
zu der Ansicht, daß für große Teile der östlichen Cordilleren-
züge von Faltung (der sogenannten Hauptfaltung) nicht die
Rede sein kann. Die Untersuchungen Stappenbeck 's in der
Provinz San Juan lassen immer deutlicher erkennen, daß der
Typus der Dislokationen in den pampinen Sierren und auf der
östlichen Seite der Cordillere die großen Brüche sind. Über-
raschend ist die Häufigkeit der langen Grabenbrüche in der
Richtung der Cordillere und die Häufigkeit und Größe der
Querbrüche und immer deutlicher treten dazwischen die Horste
hervor. Dieselbe Erscheinung wiederholt sich im Süden.
Schiller hat die großen Querstörungen südlich vom
Aconcagua gesehen; ich selber kenne sie aus den Paramillos.
Die Stadt Mendoza liegt an dem östlichen Rande eines großen
Bruchfeldes und die heißen Quellen, die östlich von der Stadt bei
den letzten großen Erdbeben entstanden sind, liegen genau
auf den Linien der großen Querbrüche, wovon große Teile der
alten Gesteine in den Paramillos nach Süden zur Tiefe ver-
sinken. Ich glaube, daß man schwerlich ein schulmäßigeres
Beispiel für Torsionssprünge finden könnte als bei den Kohlen-
gruben von Salagasta, 30 km nördlich von Mendoza, wo die
äußersten Kulissen des Paläozoicums nach Süden unter
Rhät und jungen Bildungen verschwinden. Auf dieselbe Weise
endigen die pampinen Sierren in den Provinzen San Juan und
La Rioja und die breiten Züge der archäischen und paläozo-
ischen Gesteine der Provinzen Salta und Jujuy in Tucumän
und Catamarca.
Besonders deutlich sieht man in den Provinzen Salta und
Jujuy in den östlichen Randketten der Cordilleren, daß die
alten Stücke des Gebirges während der letzten großen Bewe-
gungen nicht mehr von Faltung getroffen worden sind. Ich bin
im November von einer Reise zurückgekehrt, die mir die
Gelegenheit gegeben hat, größere Strecken dieses Cordilleren-
teiles zu sehen und ein beschränktes Gebiet genauer zu unter-
Bau der argentinischen Anden. bO'^
suchen. Es ist mir dabei gelungen Fossilien zu finden und mit
deren Hilfe die Altersfolge der Sedimente und damit den Bau
des Gebirges östlich von dem Kamme der Sierra de Zenta (bei
Iruya) zu erkennen. Präkambrische Phyllite und Grauvvacken
sind hauptsächlich vorhanden; dann sieht man weit verbreitet
roten und violetten, wahrscheinlich unterkambrischen Quarzit,
dessen Schichtenflächen an vielen Stellen Wellenfurchen
zeigen. Darüber folgen verhärtete aber bröckelig zerfallende
olivgrüne, braunrote und violette Mergel mit .zahlreichen ein-
geschalteten Sandsteinbänken. In diesen Bänken kommen
hornschalige Brachiopoden, Obolus, Lingula sehr häufig vor;
einzelne sind ganz erfüllt davon. Im Hangenden dieser Schich-
tenfolge schalten sich mehr und mehr Tonschiefer ein, dann
trifi't man auf dunkle, fast schwarze Tonschiefer, die vereinzelte
Brachiopoden und zahlreiche Exemplare von Dictyonema ent-
halten. Zuletzt findet man dunkle Mergelschiefer undTonschiefer
mit zahlreichen Trilobiten und Zweischalern. Dies sind wahr-
scheinlich Bildungen des unteren Silur. Bis hierher ist die Schich-
tenfolge der kambrischen Sedimente mehr als 1000 w mächtig.
Außer diesen ganz alten Bildungen findet man noch
leuchtend rot gefärbte Sandsteine, die zum Teil in Dolomite,
zum Teil in Konglomerate übergehen. Brackebusch hat sie
auf seiner Reise von Victoria nach Iruya gesehen und auf
seiner Karte zur Formaciön petrolifera gestellt. Ob diese Be-
stimmung in diesem Falle richtig ist, vermag ich nicht zu ent-
scheiden, da ich in den Sandsteinen keine Fossilien habe finden
können. Wie dem nun aber auch sei, so sieht man jedenfalls
in den tiefen Quertälern,, in denen ein Teil der Quellflüsse des
Rio Bermejo auf der Ostseite der Sierra de Zenta entspringt,
daß der rote Sandstein mit den alten Bildungen in Schuppen
wiederkehrt. Man sieht auch verschieden zusammengesetzte
Schuppen. In der tiefen Furche der Quebrada von Iruya den
roten Sandstein mit den kambrischen und silurischen Sedi-
menten, in den oberen Teilen der Quertäler nahe am Kamme
der Sierra de Zenta den unterkambrischen Quarzit mit den
präkambrischen Phylliten und Grauwacken. Zwischen dem
wasserscheidenden Kamme der Sierra de Zenta und der
Quebrada de Iruya fallen in einem ungefähr 8 km breiten
Ö56 H. Keidel,
Streifen die nordsüdlich streichenden Sedimente in schuppenar-
tiger Wiederholung nach Westen ein.Im Osten wird dieserStreifen
durch einen großen Längsbruch begrenzt. Noch weiter östlich
bestehen die Randketten der Cordillere aus den präkambri-
schen Phylliten und Grauwacken ; westlich von dem Kamme
der Sierra de Zenta trifft man auf die langgestreckten ruhigen
Gewölbe und Mulden der alte Gesteine in der Umgebung der
Quebrada de Humahuaca. In dem Streifen der Schuppen bei
Iruya sieht man zahlreiche große und kleine Querstörungen;
einige davon erreichen ganz beträchtliche Größe. Ich habe
solche gesehen (bei der Mine Chacabuco), die in der ganzen
Breite der Zone sichtbar sind und an denen die horizontale
Verschiebung der Sedimente 600 bis 800w beträgt.
Nördlich von Humahuaca ist das Gebirge stark abgetragen
worden. Bei Humahuaca und westlich von Negra Muerta sieht
man die roten, Dinosaurier führenden Sandsteine der Kreide
in 4000 m Höhe sich über die alten Sedimente ausbreiten.
Bei Negra Muerta ist die Landschaft in dem abgetragenen
Gebirge überaus einförmig und traurig. In einer halben Tag-
reise erreicht man von Negra Muerta aus den Übergang über
den wasserscheidenden Kamm der Sierra de Zenta in die
Quebrada von Iruya. Bis dahin sieht man, daß die abgetragenen
alten Felsarten entweder unter einer mächtigen Decke junger
Bildungen verschwinden oder in ihrem eigenen Schutt ersticken.
Auf der Höhe des Überganges ändert sich aber das Bild voll-
ständig. Man sieht im Osten in dem Bereich der Quellflüsse des
Rio Bermejo ein wildes Gebirgsland. Die Zusammensetzung des
Gebirges ist dieselbe wie im Westen und auch der Betrag der
Abtragung in seinen höheren Teilen; der Bau ist aber kompli-
zierter und die Erosion hat in den engen Quertälern tiefe
Furchen geschaffen. In diesen Furchen nun ^ieht man eine
Schichtenfolge von jungen Bildungen, wie sie in gleicher Mäch-
tigkeit, soweit ich unterrichtet bin, von keinem Punkte der Erde
bekannt ist.
Diese Bildungen sind durchwegs fluviatilen Ursprungs.
Brackebusch meint zwar, er könne sich ihre Ablagerung
nicht ohne die Mitwirkung des Eises vorstellen, aber erstens
sind diese Bildungen überall sehr deutlich geschichtet, enthalten
Bau der argentinischen Anden. 657
Stark gerundete GeröUe sehr widerstandsfähiger Gesteine von
Quarzit und verkieselter Grauwacke und dann trifft man in
diesem Teile der Cordillere selbst in Höhen über 4000 w nicht
eine Spur von echten Glazialbildungen. Die jungen Bildungen
sind kontinentale Auffüllungen, entstanden am Ende des
Pliozän und während des Quartärs. Sie entsprechen in ihren
älteren Teilen den Jujuy-Schichten Steinmann's, die z. B. in
der benachbarten Quebrada de Humahuaca als bunt oder grau-
weiß gefärbte, stark tonige oder mergelige mürbe Sandsteine
in geschlossenen Becken abgesetzt worden sind, nach oben
aber mehr und mehr in lockere Bildungen von konglomerat-
artiger Beschaffenheit übergehen. Wo stets fließendes Wasser
vorhanden war, wie in dem Bereich der Ouelltäler des Rio
Bermejo, sieht man nur grobklastische Bildungen, in den zeit-
weilig geschlossenen Becken der großen, weiten Längstäler
bunte, mürbe Sandsteine an der Basis derselben Bildungen.
Hierin zeigt sich eine überraschende Übereinstimmung mit
zentralasiatischen Verhältnissen. Die bunten Bildungen stimmen
vollständig überein mit denen des Issykkul, der Becken des
Tekes und des Kegen, die grobklastischen Bildungen mit den
»gravels« Stoliczka's im Tojuntal und an so viel anderen Orten
des Tian-Schan.
An anderen Stellen der Cordillere, z. B. an den Rändern
der pampinen Sierren oder an dem östlichen F\iße der Para-
millos bei Mendoza, findet man dieselben grobklastischen Bil-
dungen, wenn auch bei weitem nicht in so großer Mächtigkeit
wie auf der östlichen Seite der Sierra de Zenta. Dagegen sind
sie zum Teil stark disloziert worden und sie verraten dadurch,
daß noch sehr späte Bewegungen stattgefunden haben. Eine
meiner Aufnahmen zeigt diese Bildungen, die, nördlich von
Mendoza, sich mit steilem westlichen Einfallen über weiß-
graue rhätische Mergel legen.
Die jungen Bildungen in dem Gebiet der Quellflüsse des
Rio Bermejo liegen aber ungestört. Die Tatsache, daß in
diesem Teile der Cordillere die jungen Bildungen auf einer
beträchtlichen Fläche des Gebirges die nach Osten gegen den
Chaco geöffneten alten Furchen der Quertäler ausgefüllt und
einen großen Teil der alten Oberfläche des Gebirges verhüllt
658 H. Keidel,
haben, daß dann die Erosion den alten Linien mit geringen
Abweichungen wiederum gefolgt ist, läßt darauf schließen, daß
hier sehr späte Bewegungen der Masse des Gebirges in
vertikaler Richtung vor sich gegangen sind. Es liegt mir ferne,
bei meinen noch geringen Kenntnissen dieser Verhältnisse
bestimmte Schlüsse zu ziehen; aber es erscheint mir fast als
notwendig, eine Bewegung der Masse des Gebirges gegenüber
den Niederungen anzunehmen, und zwar nicht nur aufwärts,
sondern auch abwärts. Es ist nach meiner Ansicht überaus
schwierig sich vorzustellen, daß im Angesicht der Niederung
des Chaco eine so gleichmäßige und mächtige Auffüllung der
alten unversehrten Talfurchen durch horizontal gelagerte
Schuttmassen sollte möglich sein ohne eine allmähliche
Senkung der Unterlage.
II.
Lager bei Challao, Provinz Mendoza, 4. März 1907.
Die Beobachtungen, die ich in den letzten zwei Monaten
habe machen können, zeigen, daß in den östlichen Randgebieten
der Cordillere der Provinz Mendoza die Bewegung aus Westen
gekommen ist. Dies gilt, wie die Beobachtungen Dr. Stappen-
beck's immer deutlicher zeigen, auch für San Juan. Was aber
die Virgation betrifft, so muß ich mich auf das beschränken,
was ich in meinem Briefe im Dezember gesagt habe, denn mir
fehlt die Anschauung zu sehr.
Was ich nun vor allem noch einmal berühren möchte,
sind zwei Dinge: Die Bewegungen aus Westen und die
jungen kontinentalen Bildungen. Vorher möchte ich aber
noch das Folgende bemerken. Ich bin heute der Meinung,
daß die lebhaft rot gefärbten Sandsteine, die bei Iruya die
Schuppen so außerordentlich deutlich hervortreten lassen,
zu Brackebusch' »Formacion petrolifera« gehören, also
cretaceisch sind. Meine Auffassung der stratigraphischen
Verhältnisse steht aber, wie ich weiß, im Widerspruch mit den
Ergebnissen, die Herr Prof. Steinmann während seiner letzten
Reise erhalten hat. Meine Ansicht, daß Cambrium in großer
Bau der argentinischen Anden. 6o9
Mächtigkeit vorhanden ist, stützt sich vor allem auf das häufige
Vorkommen von Obolus, ganz abgesehen davon, daß das
Untersilur in der Auffassung S t e i n m an n's in sehr verschiedener
Ausbildung in derselben Schichtenfolge allein und in ganz
enormer Mächtigkeit vorhanden wäre, wollte man auch die
violetten Röhrenquarzite an der Basis der Obolus fijhrenden
Sandsteine hinzufügen. Da ich aber nicht weiß, ob Herr
Prof. Steinmann normale Profile gesehen hat, ich aber in
einer Schuppenregion gearbeitet habe, so kann ich natürlich
meine Meinung über die stratigraphischen Verhältnisse der
alten Bildungen heute noch nicht mit der wünschenswerten
Sicherheit begründen. Mit diesem, durch die Verhältnisse
gegebenen Vorbehalte bleibe ich also bei meiner Auffassung.
Dies ist aber eine Frage von untergeordneter Bedeutung,
solange es sich hauptsächlich um die Bewegungen handelt.
Die Schuppen sind aber, das wiederhole ich mit aller Bestimmt-
heit, ebenso wie die großen und zahlreichen kleinen Querbrüche,
sehr deutlich sichtbar.
Nun komme ich zu den Verhältnissen in Mendoza. Ich
habe im Jänner das Gebiet der Torsionsprünge nördlich von
Mendoza am Cerro Negro genau untersucht und zum großen
Teil in dem Maßstab 1 : 5000 kartiert, um den Zusammenhang
möglichst sicher zu erhalten. Im Februar habe ich die Sierra
de Uspallata nach verschiedenen Richtungen durchstreift und
namentlich ihren westlichen Abfall gegen den großen Graben
von Uspallata kennen gelernt. Was ich gesehen habe, zeigt,
daß die Verhältnisse am Cerro Negro ein sehr deutliches
Beispiel in kleinen Verhältnissen zu den viel größeren der
Sierra de Uspallata liefern. Die Art der Bewegung tritt
besonders deutlich in dem Gebiete der Gänge des Paramillo
und in der nördlichen und westlichen Umrandung des Bruch-
feldes von Mendoza hervor.
Der hauptsächliche Typus der Dislokationen ist die Quer-
verschiebung. Dadurch aber, daß zu der vertikalen Bewegung
die horizontale aus Westen kommende getreten ist, ist die
Torsion entstanden. Man kann nicht sagen, daß eigentliche
Längsbrüche vorhanden sind, sondern zwischen den großen
und kleinen Ouerverschiebungen liegen in unregelmäßiger
660 H. Keidel,
Anordnung Verschiebungen, die die paläozoischen, rhätischen
und jüngeren Bildungen spitzwinkelig zum Streichen ab-
schneiden. So ist ein komplizierter Bau entstanden. Die oro-
graphischen Grenzen der Sierra de Uspallata liegen nicht im
Streichen. Die Richtung des Gebirgsrandes ist z. B. auf der
Ostseite Nordsüd, das Streichen der Sedimente im allge-
meinen 20 bis 30° Nordnordost. Wo die Torsion gut sichtbar
ist, sieht man die bogenartige Krümmung der im Westen
zurückbleibenden Schichten. Das tritt besonders an den freien
Enden der Kulissen hervor. Hier ist die horizontale Bewegung
so stark gewesen, daß längs der Krümmung die Überkippung
oder Überschiebung eingetreten ist, so daß silurischer Kalk
und paläozoische Grauwacken über pflanzenführenden rhäti-
schen Mergeln liegen.
Nun ist die Frage nach dem Alter dieser Bewegungen
zu beantworten. Hier komme ich zu den jungen fluviatilen
Bildungen. Überall, wo ich bis heute die Cordillere betreten
habe, habe ich die Spuren zweier verschiedener Phasen der
Bewegung gefunden. Ich sehe dabei aber ab von alten Bewe-
gungen, wie sie in den Sierren der Provinz Buenos Aires sichtbar
sind, deren Spuren aber auch in den pampinen Sierren und in
den alten Stücken der Cordillere sichtbar sein mögen.
Den Bewegungen, die die alten Bildungen und die roten
Sandsteine bei Iruya zu Schuppen zusammengepreßt haben,
sind spätere Bewegungen gefolgt. Die Gänge von Hornblende-
andesit und die Kupferglanzgänge, die den großen Quer-
verschiebungen bei Iruya folgen, sind durch diese Bewegungen
zerschnitten worden. Diese Bewegungen haben aber nicht
mehr die horizontal gelagerten Auffüllungen getroffen, wenn
man auch bei Negra Muerta in diesen Bildungen in den Ein-
schnitten der Eisenbahn kleine Verschiebungen beobachtet.
Ich würde aber nicht mit 13estimmiheit von zwei Phasen
der Bewegung sprechen, obgleich ich auch hier genügend
Beobachtungen habe, wären die Verhältnisse in Mendoza nicht
noch klarer.
Hier beobachtet man wie im Norden, daß in den östlichen
Randgebieten der Cordilleren seit dem Devon nur limnische
und kontinentale Bildungen entstanden sind, wenn man absieht
Bau der argentinischen Anden. t)bl
von den zum Teile mannen Bildungen der »Formacion petroli-
fera«, die, wie es scheint, nach Süden bis Catamarca reichen.
Die letzten, zweifellos marinen Bildungen in San Juan sind
devonischen Alters. Sie enthalten in der Schichtenfolge, woraus
die von Bodenbender gesammelten Fossilien stammen, auch
Graptolithen, was Dr. Stappenbeck vor kurzem hat feststellen
können. Darüber trifft man weit verbreitet Sedimente ver-
schiedenen Alters mit vorwiegend rötlicher Färbung. Es
sind die pflanzenführenden Sedimente des Culm, die permo-
karbonischen und triadischen Sandsteine Bodenbender's,
dann die rhätischen Pflanzen und Esiherien führenden Arkosen
und iMergel, dann sehr lebhaft rot gefärbte Sandsteine von
wahrscheinlich jungmesozoischem Alter. Darüber folgt eine
mächtige Schichtenfolge von mürben, meist graubraun oder
röflichbraun gefärbten Sandsteinen und Arkosen, deren Material
hauptsächlich aus Andesiten und deren Tuffen stammt.
Bodenbender, der diesen Sandsteinen tertiäres Alter zu-
schreibt, trifl't mit dieser Vermutung sehr wahrscheinlich das
Richtige.
Die jüngsten Ablagerungen sind fluviatile, zum größten
Teile grobklastische Bildungen, die dieselbe Beschaffenheit
haben wie die Jujuy-Schichten Steinmann's.
Dies sind die äußersten Umrisse einer langen Geschichte
kontinentaler Verhältnisse. Es ist nicht zu leugnen, daß die
bisherigen Ergebnisse eine nochmalige genaue Prüfung ver-
langen und daß eine eingehende Untersuchung und Ver-
glerchung der verschiedenen Gebiete zu gesicherten, aber auch
etwas geänderten Ergebnissen führen würden; denn wir kennen
gar nicht die Größe der Lücken, die den Zeiten der Abtragung
entsprechen.
Bei den jungen fluviatilen Bildungen, den Jujuy-Schichten
Steinmann's oder tertiär-pampeanen Schichten Boden-
bender's muß man zwei Facies unterscheiden. Man trift't sie in
Salta und Jujuy und, wie die Untersuchungen Stappenbeck's
zeigen, auch an den Rändern der Präcordilleren und pampinen
Sierren in San Juan.
Die eine Facies besteht aus hell gefärbten, grauweißen,
gelblichen und rötlichen Mergeln und mürben Sandsteinen, die
062
H. Keidel,
nach oben in grobklastische Bildungen übergehen; die andere
besteht nur aus diesen.
Wo das transportierende Wasser die Niederungen erreicht
hat oder in den weiten Talbecken der schwach fallenden
Längstäler zur Ruhe gekommen war, sind die bunten Sedimente
abgelagert worden. Wo aber immer nur stark strömendes
Wasser vorhanden war, sieht man die grobklastischen Bildungen.
Deshalb findet man diese an den Stellen der alten Ab-
dachungen und in den jungen, stark fallenden Quertälern,
die gegen die weiten Niederungen der Pampa oder des Chaco
geöffnet sind.
Die untere Altersgrenze dieser Bildungen zu bestimmen,
wird solange kaum möglich sein, als Fossilien fehlen werden.
Doch geben deren Beschaffenheit und die Verknüpfung mit
den jüngsten fluviatilen Bildungen einige Anhaltspunkte für die
Ermittlung des ungefähr zutreffenden Alters.
Die Tatsache, daß diese Bildungen bis in ihre jüngsten
Glieder auf großen Strecken des Cordillerenrandes disloziert
worden sind, an anderen Stellen dagegen, wie in dem Quell-
gebiete des Rio Bermejo, horizontal liegen, zeigt die Kom-
pliziertheit der Verhältnisse.
Dies ist der wichtigste Punkt, worauf ich einzugehen habe.
Über die Herkunft dieser Bildungen mögen Zweifel bestehen.
Frühere Beobachter haben sie zum Teile für glazial erklärt,
z. B. Bodenbender bei Mendoza, und auch Steinmann ist
geneigt, sie in Salta und Jujuy als fluvioglaziale Bildungen
zu deuten.
Ich zweifle aber, daß diese Ansicht allgemeine Gültigkeit
haben kann und daß sie für die jungen Bildungen an dem
östlichen Rande der Sierra de Uspallata nicht zutrifft, läßt sich
mit Sicherheit beweisen.
Die Beschaffenheit der Bildungen selbst verrät den glazialen
Ursprung nicht.
Es besteht nun zwischen den grobklastischen Jujuy-
Schichten in Salta und Jujuy, den tertiär-pampeanen Schichten
in San Juan und Rioja und den Schuttmassen am Fuße des
Gebirges, die durch Vereinigung riesiger Schuttkegel entstehen,
weder ein Unterschied in der Zusammensetzung des lockeren
Bau der argentinischen Anden. "t)d
Bindemittels noch in der Härte. Man kann nur sagen, daß ein
quantitativer Unterschied vorhanden ist.
Ich habe es zu meiner Aufgabe gemacht, die Ausdehnung
der alten Vergletscherung in dem auf meiner jetzigen Reise be-
suchten Gebiete aus den Formen nachzuweisen. Das Material,
das ich heute habe, reicht aus, zu zeigen, daß die Spuren der
ehemaligen Vergletscherung in der östlichen Randkette der
Hauptcordillere zwischen dem Rio Mendoza und dem Rio de
los Patos in der Höhenzone zwischen 4000 und 5000 m liegen,
und zwar in der Gestalt von schneefreien Karen und von
Taltrögen im Sinne Richter's mit deutlich ausgeprägter
Schulter. Die heutige Vergletscherung beginnt aber erst über
5000 m Höhe.
Man findet aber keine Spur einer Vergletscherung auf der
Höhe der Sierra de Uspallata, die von der östlichen Randkette
der Hauptcordillere durch den Graben von Uspallata getrennt
wird. Man sieht weder ein Kar noch einen Taltrog, sondern
man findet in der Höhe von ungefähr 3000 m einen flach
gewölbten, von niedrigen gerundeten Höhen überragten Rücken.
Nichts deutet darauf, daß alte Moränen vorhanden sind, weder
die entsprechenden Formen noch Seen, für deren Vorkommen
die topographischen Verhältnisse sonst günstig wären; vielmehr
zeigt der Name »Pampa seca« die große Trockenheit der weiten
Flächen an, die sich in dieser Höhe ausdehnen. Und doch fehlt
es im Sommer nicht an reichlichen Niederschlägen und im
Winter liegt die Pampa unter Schnee. Nur wo die Erosion von
den tief gelegenen Niederungen des südöstlichen und östlichen
Randes her eingreift, findet man eine reichere Gliederung, die
aber die Wirkung des fließenden Wassers und den Mangel der
AbSpülung erkennen läßt.
Die jüngeren grobklastischen Bildungen auf der östlichen
Seite der Sierra de Uspallata stammen nicht von deren west-
licher Seite, nicht aus dem Gebiete, das den ehemalig und heute
vergletscherten Teilen des Gebirges nahe liegt. Das ergibt sich
aus den jetzigen Verhältnissen mit absoluter Sicherheit.
Wollte man aber sagen, es träfe zu für die älteren, stark
dislozierten Bildungen unter wahrscheinlich anders be-
schaffenen orographischen Verhältnissen und wollte man sie
664
H. Keidel
als fluvioglaziale Bildungen betrachten, so käme man zu den
folgenden Schlüssen: entweder es hat eine Vergletscherung im
Pliozän gegeben, denn Pliozän scheint mir für diese Bildungen
die unterste Altersgrenze zu sein oder aber die heute sicht-
baren tektonischen Verhältnisse sind zum großen Teil im
Quartär oder gar am Ende des Quartärs entstanden.
In Wirklichkeit liegen die Verhältnisse sehr wahrscheinlich
so, daß die jungen Bildungen im Pliozän beginnen, fast aus-
schließlich fluviatil sind, aber in der Nähe der alten und
heutigen Vergletscherung in gewissen Teilen des Gebirges
auch fluvioglaziales Material enthalten. Dies ist aber aus-
geschlossen für die hier besprochenen Gebiete: für den öst-
lichen Rand der Sierra de Uspallata und das Gebiet der Quell-
flüsse des Rio Bermejo.
Der Vorgang der Bildung wird früher so gewesen sein,
wie wir ihn heute bei der Aufschüttung der schiefen Ebenen
am Fuße des Gebirges und der großen Schuttkegel in den
Längstälern beobachten können. Die Masse des transportierten
Materiales ist groß, aber der zurückgelegte Weg ist kurz. Es
ist das starkströmende Wasser der periodischen heftigen
Regen in den Trockengebieten, das diese Massen anhäuft. Wie
groß die zerstörende Gewalt dieser Regen ist und wie groß die
Menge des transportierten Materiales ist, habe ich selbst zwei-
mal während starker aber kurzer Gewitter bei Iruya beob-
achten können.
Wo vorher in den kleinen engen Nebentälern kein Tropfen
Wasser rinnt, wälzt sich nach einem Gewitter eine oder zwei
Stunden lang ein brausender schmutziger Strom, die ge-
fürchtete »cresciente«. Wo aber das Wasser die Sohle der
größeren Längs- und Quertäler erreicht, aus seinem engen
Bette heraustritt und sich ausbreitet, hinterläßt es große
Massen des sogenannten »barro«, eines beweglichen, brei-
artigen Gemenges von feinem Detritus und Gerollen. Die
Überschreitung dieser Massen, die oft die ganze Breite des
Tales einnehmen, ist kurz nach ihrer Aufschüttung oft ebenso
gefährlich oder unmöglich wie die Überschreitung eines
Moores. Es ist nicht selten, daß in den nördlichsten Provinzen
in der Randzone der Cordillere größere Täler oder auch
Bau der argentinischen Anden. 665
größere Gebiete während der Regenzeit tage- zuweilen auch
wochenlang dadurch vom Verkehr abgeschnitten werden.
Der »barro« läßt sich aber weder mit den Schlammassen
der Muren noch mit den Schuttmassen der Wildbäche ver-
gleichen. Er enthält viel feines Material und zeigt kaum irgend
welche Aufbereitung. Er setzt in den oben erwähnten Gebieten
wohl einen großen Teil der Aufschüttungen in den Tälern zu-
sammen. Die Schuttabdachungen an den Rändern des Gebirges
enthalten mehr GeröUe; hier geht die Aufbereitung weiter und
die feinen Bestandteile werden in die Tiefe der Niederungen
geführt.
Es ist klar, daß periodisch strömendes Wasser, wenn es
den größten Teil des transportierten Materials schon nach
kurzem Wege fallen läßt, später, wenn die Aufschüttungen an-
gewachsen sind, diese erst recht nicht mehr bewältigen kann.
Dazu kommt, daß auch in den breiteren Tälern das Wasser
hauptsächlich linear wirkt. Es ist so mit Material beladen, daß
eine geringe Verminderung des Gefälles oder eine geringe
Weitung seines Bettes schon genügt, einen großen Teil davon
niederzuschlagen.
Der »barro« läßt sich, was seine Beschaffenheit betrifft,
am besten mit den Schlammoränen vergleichen. Einen Unter-
schied gibt aber die Schichtung.
Das Kennzeichnende seiner Entstehung sind der geringe
Transport und die geringe Aufbereitung. Und da seine Auf-
schüttung nicht durch gelegentliche, durch längere Zeit-
abschnitte getrennte Regengüsse, sondern in der warmen
Jahreszeit mit großer Regelmäßigkeit erfolgt, so ist seine
große Mächtigkeit verständlich. Sie ist eine Folge derselben,
lange Zeit dauernden klimatischen Verhältnisse.
Was mir aber außerhalb dieser Verhältnisse zu liegen
scheint, ist der Wechsel zwischen der lange Zeit dauernden
Aufschüttung sehr tiefer Talfurchen und der abermaligen Ein-
schneidung derselben Täler in die Aufschüttungen. Die kom-
plizierten Verhältnisse der Aufschüttung so mächtiger Massen
in engen Tälern sind wohl noch unbekannt; aber, obgleich
die klimatischen Verhältnisse kaum wesentlich verändert
worden sind und die Aufschüttung nie ausgesetzt hat, so ist
Sitzb. d. mathem.-naturw. Kl. ; CXVI. Bd., Abt. I. 44
666 H. Keidel,
doch die große Veränderung der Gefällsverhältnisse unzweifel-
haft durch die zweite Austiefung.
Ich glaube, daß hier vertikale Bewegungen vor sich ge-
gangen sind. Ich lasse mich bei dieser Überlegung nicht durch
die physiographische Betrachtung allein leiten, sondern haupt-
sächlich durch die lehrreichen Verhältnisse in San Juan und
Mendoza.
Die physiographische Methode muß diesen Fall zu isoliert
"behandeln, aber die genauere Verfolgung der jüngsten tektoni-
schen Vorgänge in anderen Teilen der Cordillere fi_ihrt, glaube
ich, zu der Erklärung.
Die zum größten Teil rein tluviatile Entstehung der
jungen Bildungen ist also kaum zweifelhaft. Es fehlt damit
aber auch der einzig sichere Anhaltspunkt zur Bestimmung
des Alters eines Teiles dieser Bildungen durch die Ver-
knüpfung mit den Gebieten alter glazialer Erosion, und auf der
anderen Seite wird die Vergleichung durch den Umstand sehr
erschwert, daß sich derselbe Vorgang der Bildung, dessen
quantitative Verhältnisse aber im einzelnen Falle nur sehr
schwer zu schätzen sind, seit langem und in weit vonein-
ander entfernten Gebieten wiederholt hat. Es erfordert also
jede Folgerung, die voraussetzt, daß das Alter dieser Bildungen
bekannt sei, die größte Vorsicht.
Dieser Schwierigkeit entgehen wir zum größten Teil durch
die Betrachtung der Verhältnisse in Mendoza.
Die Dislokationen in dem Torsionsgebiet im Norden von
Mendoza haben noch die jungen Schuttabdachungen getroffen.
Ich kann die Verhältnisse nicht ausführlich beschreiben,
will aber einige der hauptsächlichsten Züge hier anführen.
Einer der großen Brüche in diesem Gebiete ist nördlich
vom Cerro Negro bekannt und verläuft von hier in südlicher
Richtung bis in das Bruchfeld von Mendoza. Er ist im Norden
auf einer ungefähr 12 hn langen Strecke sichtbar, verliert sich
dann unter den ganz jungen Aufschüttungen, tritt an dem öst-
lichen Fuße der Sierra de Uspallata noch einmal hervor, ver-
schwindet wieder unter Aufschüttungen und erreicht das
Bruchfeld von Mendoza bei Challao. Seine äußersten be-
kannten Punkte liegen ungefähr 35 km auseinander und seine
Bau der argentinischen Anden. Ö67
Richtung verläuft spitzwinkelig zu der allgemeinen Streich-
richtung der Sedimente in der Sierra de Uspallata. Seine Länge
ist also beträchtlich, aber es ist doch nur ein Beispiel in
kleineren Verhältnissen zu den sehr langen echten Längs-
brüchen, die Dr. Stappenbeck in den Präcordilleren von San
Juan verfolgt hat, die aber auch zum Teil durch Boden-
bender bekannt sind. Es gehört zu dem System sehr großer
Brüche, die weit von Norden, aus San Juan herausstreichend,
nach Süden konvergieren und ein wenig südlich vom Rio de
Mendoza das Paläozoikum begrenzen. (Der Verlauf des
Bruches ist auf der Karte von Ave-Lallement, Mapa del
departamento de Las Heras, Anales d. Mus. d. 1. Plata 1892,
durch die folgenden Punkte bezeichnet: der Cerro Negro, östlich
von Villavicencio, ist durch die Cote 1740 ein wenig östlich
von dem Worte Cabra festgelegt; von hier verläuft der Bruch in
südlicher Richtung über die Cerillos zum Cerro de Col und von
dort über die Punta Laja zu den Häusern von Challao. Deutlich
sieht man auch auf dieser Karte den rechten, nach Nordwesten
einspringenden Winkel des Bruchfeldes von Mendoza.)
Östlich vom Cerro Negro liegt an der Bruchlinie silurischer
Kalk, steil nach Westen einfallend, über den mürben, wahr-
scheinlich tertiären Sandsteinen aus andesitischem Material.
Dies ist der Fall zwischen 1200 und 1300;». Etwas weiter
südlich ist der Kalk über die Kohle führenden rhätischen
Mergel geneigt. Dann werden zwischen 900 und 1000 w^ Höhe
pal-äozoische, wahrscheinlich devonische Grauwacken und Ton-
schiefer, dieselben, die in sehr großer Verbreitung in der Sierra
de Uspallata vorkommen, durch die Bruchlinie von den rhäti-
schen Mergeln getrennt. Ungefähr 5 km südlich von dem
Gipfel des Cerro Negro verschwinden die paläozoischen
Bildungen auf der westlichen Seite des Bruches und an ihre
Stelle treten die jungen fluviatilen Bildungen. Kurz ehe dies
geschieht, sieht man eine Scholle dieser Bildungen zwischen
Grauwacke und rhätischen Sandsteinen an Querverschiebungen
eingesenkt. Zwischen den fluviatilen Bildungen und den
Pflanzen und Estherien führenden rhätischen Mergeln kann
man den Bruch mehr als 6 km weit nach Süden, über die
Cerillos hinaus, verfolgen. Im Norden ist der Bruch in 80 m
668 H. Keidel,
Tiefe in einem Querschlag angefahren und auf seiner west-
lichen Seite hat man hier die fluviatilen Bildungen gefunden.
Nördlich von den Cerillos kennt man sie neben dem Bruche
in einem Bohrloch in 35 m. Tiefe, noch etwas weiter südlich ist
der Bruch zwischen rhätischen und fluviatilen Bildungen
30 bis 40 m hoch auf der Nordseite der Cerillos aufgeschlossen.
Dies ist ungefähr bei 800 ni Höhe der Fall.
Der Bruch ist also in der südlichen Hälfte der eben be-
schriebenen Strecke bis zu einer Tiefe von ungefähr 100 w
bekannt und auf der westlichen Seite von den fluviatilen
Bildungen begrenzt. Diese fallen, etwas vom Bruch entfernt,
20 bis 30° nach Westen ein, stehen aber dicht an der Bruch-
linie sehr steil oder senkrecht. Ganz ausgezeichnet sieht man
dies in den Einschnitten der Trockenbette und der Cerillos.
Der Verlauf des Bruches ist nicht geradlinig, sondern in
ziemlich regelmäßigen Abständen lenken ihn Verschiebungen
ab, die, untereinander parallel, spitzwinkelig zu seinem
Streichen verlaufen. Die Richtung dieser Verschiebungen ist
im allgemeinen 20 bis 30° Nordnordost, das Streichen der
Sedimente in den getrennten Stücken aber Nordnordwest.
Wo eine von den größeren dieser Verschiebungen den nord-
südlich streichenden Bruch trifft, ist das jeweils im Norden
liegende Stück nach Osten vorgeschoben worden. Auf diese
Weise endigen der silurische Kalk und dann die paläozoischen
Grauwacken nach Süden, indem in der Fortsetzung ihres
Streichens in dieser Richtung die rhätischen Mergel auftreten.
Dies ist ein sehr klares Beispiel, wie das freie Ende einer
Kulisse an Torsionssprüngen zu Ende geht. Sehr deutlich
tritt die Wirkung der horizontalen, gegen Osten gerichteten
Bewegung auch dadurch hervor, daß eine Konglomeratbank
in dem Hangenden der rhätischen Mergel, unter bogenartiger
Krümmung im Anfang, auf den Flächen der nach Nordnord-
ost streichenden Verschiebungen zwischen fremden Gesteinen
in einer Flucht getrennter Stücke eingeklemmt, also bei der
Bewegung mitgeschleift worden ist.
Es kann deshalb kein Zweifel mehr darüber bestehen, daß
die horizontale Bewegung aus Westen gekommen ist. Die
Ausdehnung der Brüche in Nordsüdrichtung und die Ver-
Bau der argentinischen Anden. 669
hältnisse auf der westlichen Seite des in dieser Richtung
streichenden Bruches zwischen dem Cerro Negro und den
Cerillos, wo bei 1300 m silurischer Kalk, bei 1000 w paläo-
zoische Grauwacken, bei 800 ni Höhe aber fluviatile Bildungen
anstehen, zeigen aber auch das große Ausmaß der vertikalen
Bewegung, das aber noch deutlicher in der Umgebung der
großen Gräben im Norden und Westen hervortritt.
Ich habe nur ein kleines Stück des Gebietes am Cerro
Negro hier ganz kurz beschrieben. Die Verschiebungen sind
aber nur ein Teil sehr ausgedehnter Dislokationen und wenn
die fluviatilen Bildungen in so großem Maße noch davon
getroffen worden sind, so liegt der Schluß sehr nahe, daß die
Bewegungen, die diese Dislokationen hervorgerufen haben,
nach der Ablagerung der jungen fluviatilen Bildungen ein-
getreten sind. Ich muß dies deshalb ausdrücklich hervorheben,
weil in der Tat noch spätere Bewegungen erfolgt sind. Die
fluviatilen Bildungen in den Cerillos und weiter nördlich auf
der westlichen Seite des beschriebenen Bruches sind Stücke
einer alten Abdachung, die von Westen nach Osten geneigt
war. Das beweisen allein die großen Blöcke von altem Granit
und Porphyr, die man anstehend nur in den Grauwacken auf
der östlichen Abdachung und auf der Höhe der Sierra de
Uspallata findet. Von den Erhebungen, die durch die Be-
wegungen an dem südlichen Ende der Kulisse des Cerro Negro
entstanden sind, haben sich aufs Neue schiefe Ebenen nach
allen Seiten ausgebreitet. Sie sind von Trockenbetten durch-
furcht und in den dadurch geschaffenen Aufschlüssen sieht
man an verschiedenen Stellen, an Verschiebungen, daß die
Bewegungen aufs Neue eingesetzt oder vielleicht auch nie
aufgehört haben. Denn die Erdbeben von Mendoza gehen so
unverkennbar von den Linien der Dislokationen des Bruch-
feldes aus, daß die Vermutung nahe liegt, diese Linien seien
in der weiteren Ausbildung begriffen und es scheint, daß die
Bewegungen immer wieder dem alten Plane folgen.
Gegenüber dem langgestreckten Rande der Präcordillere
erhebt sich in der Nähe der Stadt San Juan, mitten aus weiten
Niederungen die isolierte Masse des Pic de Palo, eine der
pampinen Sierren Stelzner's. Sie erscheint als ein einziger.
670 H. Keidel.
flach gewölbter Schild mit steilen Rändern und kann als Typus
des Horstes gelten. Die tiefste Stelle der umgebenden Niederung
ist durch die Lage der nahen Lagune de Guanacache be-
zeichnet. Ganz alte Bildungen setzen den Pic de Palo zu-
sammen: Granat führender Glimmerschiefer und die Gesteine
der Sierren von Cordoba, also im allgemeinen viel ältere
Bildungen, als in der Cordillere sichtbar sind. Denn die
huronischen Schiefer, die die Karte A ve-Lallement's auf der
westlichen Seite der Sierra de Uspallata in großer Ausdehnung
zwischen Uspallata und Santa Helena anführt, sind paläo-
zoische Schiefer und Grauwacken, die mit denselben Bildungen
der Sierra an anderen Stellen vollständig übereinstimmen.
Der Horst des Pic de Palo ist zu derselben Zeit entstanden
wie das Bruchfeld von Mendoza und die Torsionssprünge am
Cerro Negro. Junge fluviatile Bildungen sind in seiner Nähe
stark disloziert worden. Die Erosion hat an seinen Rändern
bei fast gänzlichem Fehlen der Abspülung tiefe, enge, zum
Teil schwer zugängliche Schluchten geschaffen, im ganzen den
Block aber wenig angegriffen. Deshalb erkennt man heute noch
sehr gut die durch die Bewegungen geschaffenen Verhältnisse.
Nun sind in der Tiefe der Umgebung die ursprünglich
vorhandenen Unebenheiten durch die spätere Aufschüttung
ausgeglichen worden. Obgleich also der heutige Höhen-
unterschied zwischen der Umgebung und dem Scheitel des
Horstes geringer sein wird als der ursprüngliche, so ist er
dennoch so beträchtlich, daß die Frage berechtigt ist, ob denn
wirklich die Umgebung gegenüber der Masse des Horstes auf
weite Strecken bewegt, also gesenkt worden ist und der Horst
so entstanden ist.
Dies erscheint mir im Angesicht der weiten Niederung
wenig wahrscheinlich.
In dem Untergrunde der Ebene liegen weiter im Osten
horizontal gelagerte Schichten, die älter sind als die gestörten
fluviatilen Bildungen in der Nähe des Horstes.
Ich glaube, dieser Fall liegt so klar, daß man die Er-
klärung geben kann, ohne sie zu suchen.
Die horizontale Komponente der Bewegung, deren Wir-
kung so deutlich in der Torsion, der bogenartigen Krümmung
Bau der argentinischen Anden. 67 1
der Schichten und der Zerstückelung des äußersten Cordilleren-
randes sichtbar ist, ist von vornherein schwächer gewesen als
die vertikale Komponente.
Das Verhältnis der beiden Richtungen zu einander ist
noch nicht ganz klar. Die genauere Untersuchung des hier in
Frage kommenden Gebietes, namentlich des Grabens von
Uspallata. der tief in die Cordillere eingesenkt erscheint und
an seiner tiefsten Stelle, nämlich an seinem südlichen Rande,
nur durch das Durchbruchstal des Rio de Mendoza mit der
Niederung im Osten verbunden ist, wird vielleicht zu sichereren
Ergebnissen führen.
Der östliche Rand der Präcordillere und ihrer Kulissen,
der an manchen Stellen ein auf eine unsichtbare Masse auf-
geschobener Schollenrand zu sein scheint, bezeichnet ungefähr
die östliche Grenze des Gebietes, wo die Wirkung der
horizontalen Bewegung unmittelbar sichtbar ist. Weiter im
Osten scheint diese aber in dem Gebiet der alten Masse
abgenommen zu haben.
In dieser seit langem abgetragenen und der seitlichen
Pressung mehr widerstehenden Masse ist sehr wahrscheinlich
die alte Oberfläche in Wellen von großer Amplitude auf-
gestiegen und dabei zerbrochen.
Annähernd ähnliche Verhältnisse könnten wir in den
Sierren der Provinz Buenos Aires finden, wären die flachen
Gewölbe vor dem Überschiebungsrande bei der aufsteigenden
Bewegung der Scheitel zerbrochen. Dann hätten wir heute
mitten in der weiten Pampa vor den langgestreckten Sierren
die isolierten Horste.
Wäre dies der Fall und wäre die Bewegung in Wirklichkeit
nicht so alt, sondern so jung wie in Mendoza, so wäre, glaube
ich, auch kein Zweifel an der Richtigkeit dieser Auffassung.
Sie mag deshalb auch bei den viel größeren Verhältnissen
der Cordilleren für die größeren Maße der pampinen Sierren
gelten.
Ich habe im Anfang von zwei Phasen der Bewegung
gesprochen. Die Spuren der älteren Phase sind nicht nur im
Norden, sondern auch in Mendoza sichtbar. In diese Phase
fällt hier die Intrusion der mächtigen, später dislozierten Lager
672 H. Keidel,
von Andesit, die wir heute auf der Höhe des Paramillo finden,
die Aufreißung eines großen Teils der Gänge bei der Mine
Paramillo und die Ausfüllung dieser Gänge mit andesitisch'em
Material. Aus diesen Andesiten sind die braunen Arkosen und
Sandsteine gebildet worden, die wir heute in dem Bruchfeld
von Mendoza, am Cerro Negro und an anderen Stellen in
großer Mächtigkeit finden. Die große und gleichmäßige Ver-
breitung der Andesitgerölle in diesen Sedimenten verrät, daß
eine alte nach Osten geneigte Abdachung bestanden hat. Die
jungen fluviatilen Bildungen, die durch die späteren Be-
wegungen so stark disloziert worden sind, legen sich bald
über die Sandsteine, bald über die rhätischen Mergel und sie
zeigen dadurch, daß vor der zweiten Bewegung eine Ab-
tragung erfolgt ist.
Die Bildung der Schuppen bei Iruya fällt in die Zeit der
älteren Phase. Den Querverschiebungen folgen die wieder
zerschnittenen Erz- und Andesitgänge. Die mächtigen fluviatilen
Bildungen sind aber nicht zerstört worden. Es scheint, daß ihre
Ablagerung erst nach den Bewegungen der jüngeren Phase
begonnen hat. Daß aber auch in dieser Zeit Bewegungen vor
sich gegangen sind, beweisen die Dislokationen der fluviatilen
Bildungen in dem Längstal von Humahuaca. In dem weiten
Becken bei Humahuaca selber sieht man nur einen langen
Querbruch und einige kleinere Störungen, aber weiter südlich
sind die fluviatilen, zum größten Teil grobklastischen Bildungen
bei Tilcara und bis in die Gegend von Purmamarca beträcht-
lich nach Westen geneigt.
Auf diesen Gegensatz der Lagerungsverhältnisse der
fluviatilen Bildungen auf beiden Seiten der Sierra de Zenta
möchte ich aufmerksam machen.
Bei Tilcara und weiter nördlich und südlich sieht man
die ruhigen Gewölbe der paläozoischen Sedimente und die
roten Sandsteine der »Formaciön petrolifera«. In diesem Ge-
biete sind die sehr jungen fluviatilen Bildungen disloziert und
heute nach Westen geneigt. Auf der östlichen Seite der Sierra
de Zenta liegt das Gebiet der Schuppen. Noch weiter östlich
sind in den äußeren hohen Randketten, wie es scheint, ganz
alte Felsarten vorhanden. Sobald die Bewegung, von Westen
Bau der argentinischen Anden. 673
kommend, die Zone der Schuppen erreicht hat, hat ihre
Wirkung in horizontaler Richtung ausgesetzt. Aber ein An-
steigen der Massen in vertikaler Richtung mag auch hier noch
in sehr später Zeit erfolgt sein. So ist vielleicht der Kamm der
Sierra de Zenta in demselben Sinne eine Grenze wie der öst-
liche Rand der Präcordillere in San Juan und Mendoza.
Die tiefe Furche des Rio de Mendoza ist wohl zum größten
Teile nach den Bewegungen entstanden, durch welche die
jungen fluviatilen Bildungen südlich vom Cerro Negro dis-
loziert worden sind. Vielleicht fällt in dieselbe Zeit auch die
Austiefung der Quelltäler des Rio Bermejo und ihre Auf-
schüttung. Die Bewegungen haben aber nicht ausgesetzt. Das
zeigen die Dislokationen in den sehr jungen Schuttabdachungen
bei Mendoza und die Neigung der fluviatilen Bildungen in dem
Längstal von Humahuaca. Sie sind wahrscheinlich dauernd in
demselben Sinne vor sich gegangen. Daß eine aufsteigende
Bewegung der äußersten Teile des Gebirges erfolgt sein kann,
zeigen mit großer Wahrscheinlichkeit die Verhältnisse am
Pic de Palo.
Ich bin mir wohl bewußt, daß vieles noch genauer zu
untersuchen ist und daß ich das Wort »wahrscheinlich« noch
zu oft anwenden muß. Aber einiges ergibt sich, glaube ich,
doch mit Sicherheit, nämlich:
1. Die Ablagerung fluviatiler Bildungen von derselben
Beschaffenheit seit längerer Zeit bis in die Gegenwart und die
Tatsache, daß diese Bildungen, die unter denselben besonderen
klimatischen Verhältnissen entstanden sind, nicht mit der alten
Vergletscherung in Verbindung gebracht werden können.
2. Die Bewegung aus Westen während zweier Phasen,
wovon die Wirkung der ersten in den Schuppen bei Iruya, die
der zweiten in der Torsion und den anderen Verhältnissen bei
Mendoza besonders deutlich ist und daß diese Bewegungen
wahrscheinlich bis heute andauern.
Es gäbe noch vieles zu erwähnen, das mit diesen Fragen
mehr oder weniger in Verbindung steht, z. B. das Erscheinen
der »Formaciön petrolifera« in sehr ruhiger Lagerung in so
großer Höhe, die ausgedehnte horizontale Lagerung der meso-
zoischen Sedimente in der östlichen Randkette der Haupt-
674
H. Keidel, Bau der argentinischen Anden.
cordillere vom Rio de Mendoza bis gegen den Aconcagua
nach Nordwesten und bis gegen den Rio de los Patos nach
Norden, das Abbrechen der alten Felsarten des östlichen
Cordillerenrandes in den nördlichen Provinzen und der paläo-
zoischen Sedimente der westlich darauf folgenden Zone in
Mendoza u. s. w.
Meine Arbeit in diesem Sommer ist die genaue strati-
graphische Untersuchung des Rhäts in der Provinz Mendoza.
Ihre Ergebnisse werden zuerst veröffentlicht werden. Vom
November ab untersuche ich das Gebiet zwischen dem Rio
de Mendoza und dem Rio Diamante. Mein eigentliches Arbeits-
gebiet wird aber Neuquen sein.
675
Die optischen Verhältnisse in der oberseitigen
Blattepidermis tropischer Gelenkpflanzen.
Beiträge zur Auffassung der oberseitigen Laubblattepidermis als Liclitsinuesepitliel
von
Dr. Adolf Sperlich.
Untersuchungen, ausgeführt unter Benützung der von Prof. Heinricher von
seiner Studienreise nach Java mitgebrachten Materialien.
VMit 2 Doppeltafehi und 9 Textfiguren.)
(Vorgelegt in der Sitzung am 25. April 1907.)
Einleitung-.
Von seiner während des Wintersemesters 1903/04 er-
folgten Studienreise nach Java hat Prof. Heinricher eine
Zahl von Blättern, die sich durch den Besitz von Bewegungs-
gelenken auszeichnen, mitgebracht. Die Pflanzen, denen die
betreffenden Objekte entstammen, gehören 20 Familien, die
sich auf 14 Reihen der Phanerogamen verteilen, ^ an und sind
in der Mehrzahl Vertreter der für die Tropen charakteristischen
Lianen. Das kann uns nicht wundernehmen; denn erblicken
wir in dem Besitze eines eigenen Organes zur Ausführung von
tropistischen Bewegungen, die unabhängig vom normalen
Wachstume des Blattes erfolgen, einen Vorteil, ^ in dem sich
Pflanzen mit diesen Organen gegenüber solchen ohne dieselben
belinden,^ so dürften kaum andere Gewächse so oft in die
1 Vergl. die systematische Übersicht am Schlüsse.
2 Vergl. Haberlan dt, Die Lichtsinnesorgane der Laubblätter, Leipzig,
Engelmann, 1905, p. 98, und Pfeffer, Pflanzenphysiologie, IL Auü., Bd. II,
p. 650 und 687.
3 Hiebei kann uns der Bewegungsmodus im Gelenke, ob im einzelnen
Falle Variations- oder Wachstumsbewegung, gleichgültig sein.
676 A. Sperlich,
Lage kommen, diesen Vorteil auszunützen, als Kletter- und
Schlingpflanzen, deren Eigentümlichkeiten ihre Entstehung
gerade dem Kampfe um das Licht in hervorragendem Maße
verdanken. Der häufige Wechsel in der Lage der Achsen, her-
vorgerufen entweder durch die eigenen Wachstumsbewegungen
oder durch das sehr oft eintretende Abrutschen der Lianen von
ihren Stützen, endlich direkt durch Änderung in den Lagen-
verhältnissen der Trag- und Stützbäume, bringt es mit sich,
daß auch das Laubwerk immer wieder zu tropistischen, ins-
besondere heliotropischen Bewegungen veranlaßt wird. Wir
können es darum im allgemeinen als im Interesse des Indivi-
duums gelegen auffassen, wenn auch ausgewachsene Blätter,
deren gesamte assimilatorische Leistung wohl gewiß höher
anzuschlagen ist als die entsprechende Arbeit der noch im
Wachstume begriffenen, durch den Besitz eigener Bewegungs-
werkzeuge befähigt werden, unter veränderten Bedingungen
sich das günstigste Licht dienstbar zu machen.
Was Prof. Heinricher veranlaßt hat, das genannte
Material zu sammeln und zu konservieren, war der Gedanke,
es könnte eine anatomische Untersuchung dieser Organe, die
sich auf Vertreter der verschiedensten Familien erstreckt,
möglicherweise so manches interessante Ergebnis zu Tage
fördern. Der Gedanke erscheint vollkommen gerechtfertigt,
wenn man erwägt,daß einerseits die bisherigen Untersuchungen,
die uns mit dem Bauplane der Gelenkpolster, mit deren Be-
wegungsmechanik und mit den Beziehungen zwischen Bau
und Funktion bekannt machen, an einer verhältnismäßig kleinen
Zahl von Pflanzenarten angestellt worden und daß andrerseits
auch in systematischen und morphologischen Werken nur
selten Bemerkungen über die Gegenwart und den Bau dieser
Organe zu finden sind.
Mittlerweile waren Habe rl and t's Publikationen über die
Lichtsinnesorgane erschienen und unter dem Einflüsse derselben
eine weitere Fragestellung schier unvermeidlich: Finden sich an
der Oberseite der Lamina unserer Gelenkblätter Einrichtungen,
die eine gesetzmäßige Intensitätsverteilung des Lichtes auf
bestimmten Plasmahäuten herbeiführen? Es war naheliegend,
von dem Vorhandensein eigener Bewegungsorgane auf die
Oberseitige Blattepidermis tropischer Gelenkptlanzen. 677
Anwesenheit besonderer Einrichtungen zur Perzeption des
Bewegung auslösenden Reizes zu schließen und das um so
mehr, als schon Haberlandt eine Anzahl von Blättern mit
mehr oder weniger ausgeprägten Gelenken in den Kreis seiner
Untersuchungen gezogen hat, so z. B. Ampelopsis, Araliaceen,
Dioscorea quinqueloba, Mar anta- Arten, die Menispermaceen
Coccultis laurifolius und Anamirta cocciiJus, Monstera deliciosa,
Leguminosen, 0,rc7//s-Arten u. a. Es waren, wenn die Richtig-
keit der Haberlandt'schen Auffassung der Laubblattoberseite
als Lichtsinnesepithel vorausgesetzt wird, gerade auch im
Laubwerke tropischer Gewächse Einrichtungen zur Erzielung
von Beleuchtungsdifferenzen an den Plasmahäuten zu ver-
muten; denn es hat Wiesner zum Teil im Gegensatze zu den
Anschauungen anderer Forscher nachgewiesen, daß auch für
viele Blätter der tropischen Laubpflanzen das diffuse Licht,
speziell die Richtung des stärksten diffusen Lichtes, zur Er-
reichung der fixen Lichtlage von wesentlicher Bedeutung ist.^
Fast alle als Unterholz auftretenden Holzgewächse, welche
Wiesner im Buitenzorger Garten (und von da stammen die
meisten meiner Untersuchungobjekte) zu beobachten Gelegen-
heit hatte, gehören, falls sie überhaupt die fixe Lichtlage
gewinnen, einem Typus an, der auf schattigem Standorte dann
die fixe Lichtlage erreicht, wenn die Blattflächen sich senkrecht
auf das stärkste diffuse Licht gestellt haben.- Freilich ist zu
bemerken, daß gerade die Lianen des genannten Gartens, wie
Wiesner^ hervorhebt, nicht ganz in Beleuchtungsverhältnissen
wachsen, durch welche ihr natürlicher Standort ausgezeichnet
ist: an diesem stehen ihnen die gewaltigen Stützbäume des
tropischen Urwaldes, im Garten Stützen von geringerer Schatten-
wirkung zur Verfügung. Es ist daher nicht ausgeschlossen,
daß optische Einrichtungen, die an Gartenexemplaren gefunden
wurden, bei Individuen des Urwaldschattens in viel besserer
Weise ausgebildet zu finden wären.
1 Wiesner, Ptlanzenphysiologische Mitteilungen ausBuitenzorg, I und II.
Diese Sitzungsberichte, Bd. CHI, 1894, p. 10 ff. und p. 26.
2 A. a. 0., p. 15.
3 A. a. O., p. 18.
678
A. Sperlich,
Die oben mitgeteilte Schlußfolgerung vom Bewegungs-
vverkzeug auf das Sinnesorgan erweist sich nun allerdings bei
genauer Erwägung als nicht ganz einwandfrei. Fürs erste ist
zu bemerken, daß bei den häufigen Erscheinungen des Nykti-
tropismus die Gelenkpolster der Blätter nicht nur Bewegungs-
werkzeuge, sondern zugleich Organe zur Perzeption des die
photonastischen Bewegungen auslösenden Reizes sind. Es sei
darauf hingewiesen, daß sich sogar im anatomischen Baue
gewisser Gelenkpolster Einrichtungen vorfinden, die als im
Dienste der Reizperzeption stehend aufgefaßt werden können:
»Die relative oder fast absolute Interstitienlosigkeit der peri-
pherischen Rinde, welche den lichtempfindlichen Polstern aus-
nahmslos zukommt.« Dies Verhalten macht das Schwellgewebe
nach Schwendener^ durchleuchtungsfähig und ermöglicht
dadurch seine Reaktion auf Helligkeitsschwankungen. Ferner
geht aus den Versuchen Krabbe's^ und Haberia ndt's^
hervor, daß auch die heliotropischen Bewegungen der
Spreite von Phaseohis vorzüglich durch die Reizbarkeit des
oberen Gelenkpolsters ausgelöst werden und wenn auch
wiederholte Versuche Haberlandt's-^ dargetan haben, daß
bei Phaseolus eine Beeinflussung des Polsters seitens der
Lamina möglich ist, so muß doch immerhin zugegeben werden,
und auch Haberlandt spricht es aus, daß das obere Gelenk
von Phaseolus auch in Bezug auf den Heliotropismus in hohem
Grade autonom ist. Das sind Erwägungen, welche die Allge-
meingültigkeit der oben erwähnten Schlußfolgerung jedenfalls
stark beeinträchtigen. Andrerseits will mir scheinen, ist bisher
wenig darauf geachtet worden, ob wirklich die Mehrzahl der
Gelenkblätter Schlaf bewegungen ausführen, und das ist meines
Erachtens für unsere Fragestellung von Wichtigkeit. Aller-
1 S c h w e n d e n e r, Die Gelenkpolster von Mimosa pudica; Sitzungsberichte
der königl. preuß. Ak. der Wissensch., Berlin, 1897, p. 234.
2 Krabbe, Zur Kenntnis der fixen Lichtiage der Laubblätter; Jahrb. für
wissensch. Botanik, Bd. XX, 1889.
■' Haberlandt, Die Perzeption des Lichtreizes durch das Laubblatt;
Ber. der deutsch, bot. Ges., Bd. XXII, 1904, p. 110.
4 Haberlandt, Die Lichtsinnesorgane der Laubblätter, p. 19 bis 23.
Oberseitige Blattepidermis tropischer Gelenkpfianzen. (379
dings sagt Jost:^ »Nicht alle, aber doch die meisten gelenk-
führenden Blätter machen nyktitropische Bewegungen«; stellt
man aber diesem Ausspruche den Satz Stahl's entgegen:
»Alle Blätter mit Variationsbevvegung sind, wie bekannt, von
zarter, krautiger Beschaffenheit«,"^ und findet bei der Durch-
musterung des von Prof. Heinricher gesammelten Tropen-
materials eine Reihe derber lederartiger Blätter mit erstaunlich
mächtigen Gelenksverdickungen, so wird man eher in der
Ansicht gekräftigt, daß eine große Zahl von Gelenkspflanzen
nyktitropischer Variationsbewegungen nicht fähig ist. Leider
war es mir mit einer einzigen Ausnahme (Anamirta cocculus)
nicht möglich, meine Untersuchungsobjekte in lebendem Zu-
stande zu beobachten; doch scheint es mir ganz ausgeschlossen,
daß der großen Zahl von Tropenforschern der Nyktitropismus
derbblättriger, gelenkführender Lianen, wenn überhaupt vor-
handen, hätte jemals entgehen können. Die Unterscheidung
von Gelenken mit nyktitropischen Bewegungen und solchen,
welche derartige Bewegungen nicht ausführen, erweist sich
aber deshalb in unserem Falle von großer Wichtigkeit, weil es
nach den bisherigen Erfahrungen gerade die nyktitropisch
reagierenden Gelenke sind, welche sich auch direkt heliotropisch
reizbar zeigen. Die großen Schwierigkeiten, welche sich übrigens
infolge der Komplikation zwischen Hello- und Nyktitropismus
und besonders dessen Nachwirkungen bei der Deutung von
Experimenten mit diesen Objekten ergeben, finden wir schon
hervorgehoben.^
1 Jost, Vorlesungen über Fflanzenphysiologie; Jena. Fischer, 1904, p. 621.
- Stahl, Über den Pflanzenschlaf und verwandte Erscheinungen; Botan.
Zeitung, 65. Jahrg. 1897, p. 92. »Schon in unserer Flora,« schreibt Stahl an
dieser Stelle weiter, »heben sich durch dieses Merkmal die Papilionaceen von
der Mehrzahl der mit ihnen vergesellschafteten anderen Pflanzen ab. In viel
höherem Grade macht sich der Kontrast m den Tropenländern bemerkbar, und
in zahlreichen Schilderungen aus den Äquatorialgegenden wird auf den so auf-
fallenden Gegensatz zwischen der zarten lichtgrünen Belaiibung der Mimoseen
und den schwarzgrünen derben Assimilationsorganen der übrigen Baumarten
hingewiesen; auch ist bekannt, daß Variationsblätter sehr leicht welken.«
3 Vergl. die Beeinflussung der Experimente Haberlandt's mit Phaseolns
durch den Nyktitropismus; Die Lichtsinnesorgane der Laubblätter, p. 21 und 22.
680 A. Sperlich,
Fürs zweite darf man nicht außer acht lassen, daß in vielen
Fällen das Gelenk des tropischen Blattes nicht so sehr zur
prompten Erzielung einer durch die Richtung des stärksten
diffusen Lichtes bestimmten Einstellung dienen wird, sondern
daß das betreffende Blatt ähnlich wie unsere Robinie^ im Gelenke
ein Werkzeug besitzt, durch welches es befähigt wird, sich
dem Einflüsse schädlicher direkter Bestrahlung zu entziehen.
Daß für solche Fälle die Ausbildung eigener Lichtsammei-
apparate keinen Sinn hat, ist klar.
Unter Berücksichtigung der in den besprochenen Ver-
hältnissen gegebenen Beschränkung nun schien mir der Schluß
von dem Vorhandensein besonderer Bevvegungswerkzeuge auf
die Anwesenheit eigener Einrichtungen in der lichtperzipierenden
Lamina vollkommen berechtigt und gleichsam ein allerdings
nicht vollwertiger Ersatz für die fehlende Möglichkeit bestä-
tigender Experimente.
Aus Haberlandt's Versuchen 2 geht hervor, daß bei den
meisten Kletter- und Schlingpflanzen die grobe Einstellung in
die Richtung des günstigsten Lichtes durch den Heliotropismus
des Blattstieles, die feine Einstellung jedoch durch Bewegungen
der die Lichtrichtung perzipierenden Blattlamina erfolgt. »Dieses
Zusammenwirken von Blattstiel und Spreite,« schreibt Haber-
landt, »wie wir es auch bei Tropaeolum^ beobachtet haben,
und wie es überhaupt bei den meisten Schling- und Kletter-
pflanzen und wahrscheinlich auch sonst sehr häufig vorkommt,
1 Wiesner, Über die Formen der Anpassung des Laubblattes an die
Lichtstärke; Biolog. Zentralbl. XIX, 1899, p. 6.
2 Die Perzeption des Liclitreizes durch das Laubblatt, p. 111; Die Licht-
sinnesorgane der Laubblätter, p. 15 und 24.
3 Die Lichtsinnesorgane der Laubblätter, p. 15. Rücksichtlich Tropaeolnm
ist zu bemerken, daß, wiewohl dessen Blattstiel keine gelenkartige Verdickung
zeigt, immerhin in der Lagerung der Gefäßbündel des Stieles Anklänge an die
anatomischen Verhältnisse echter Gelenke zu finden sind. Hierüber schreibt
H aber! an dt (a. a. O., p. 6): »Zuweilen beschränkt sich die anatomische Ähn-
lichkeit mit echten Gelenken bloß darauf, daß die im Kreise gelagerten Bündel
des Blattstielquerschnittes in der betreffenden Längszone gegen das Zentrum
gerückt sind {Tropacohtm- Arten). Ich zweifle nicht, daß eine ausgebreitete
Untersuchung alle Übergänge vom gewöhnlichen Blattstielbau bis zu den Merk-
malen t3'pischer Gelenke aufdecken würde.«
Obeiseitige Blattepidermis tropischer Gelenkpflanzen. 081
ist ja in hohem Grade biologisch vorteilhaft.« Daß übrigens
gerade die meist sehr kräftigen, nicht selten mit Periderm
umgebenen Gelenke derber ledriger Blätter bei der Licht-
perzeption unbeteiligt sind, also lediglich als Bewegungs-
vverkzeuge fungieren, zeigt Haberlandt's V^ersuch mit
Monstera deliciosa}
Auf einen in der Beschaffenheit des Untersuchungs-
materials gelegenen iMangel möchte ich gleich an dieser Stelle
aufmerksam machen, der möglicherweise in der Folge die eine
oder die andere Korrektur an meinen Befunden notwendig
machen wird: es standen mir fast ausschließlich in Alkohol
konservierte Objekte zur Verfügung. Es haben zwar frühere
Untersuchungen - ergeben, daß auch Alkoholmaterial zur Be-
obachtung der Lichtkontraste beim Linsenversuche Haber-
landt's^ brauchbar ist, doch ist es ja denkbar, daß das kon-
servierte Material infolge veränderter Inbibitionsverhältnisse
der Membranen, infolge etwaig höherer Konzentration im
Zellsaftraume von Zellen mit kontrahiertem Plasmaschlauche
und ganz besonders infolge der Auflösung stark lichtbrechender
Substanzen, wie z. B. der ätherischen Öle, da und dort andere
Beleuchtungseffekte zeigt als das lebende Objekt. Von der
Wiedergabe einiger gelungener photographischer Aufnahmen
von Linsenversuchen habe ich ganz abgesehen, da dieselben
wesentlich nichts Neues bieten. Dem Berichte über die
Beobachtungen bei den einzelnen Objekten seien einige all-
gemeine, den Gegenstand betreffende Erörterungen voran-
gestellt.
Es ist mir eine Freude, an dieser Stelle Herrn Prof. Hein-
richer, meinem in Freundschaft mir zugetanen Lehrer, für
das der Arbeit entgegengebrachte Interesse den wärmsten
Dank zu sagen; zu besonderem Danke bin ich überdies Herrn
1 Die Perzeption des Lichtreizes durch das Laubblatt, p. 111'; Die Licht-
sinnesorgane der Laubblätter, p. 18 bis 19.
2 V. Guttenberg, Die Lichtsinnesorgane der Laubblätter von Adoxa
Moschatellina L. und Cynocrambe prostrata Gärtn.; Ber. der deutsch, bot. Ges.,
Bd. XXIII, 1905, p. 265 und 269.
3 Die Perzeption des Lichtreizes durch das Laubblatt, p. 114; Die Licht-
sinnesorgane der Laubblätter, p. 52 bis 56.
Sitzb. d. mathem.-naturw. KL; CXVI. Bd., Abt. I. 45
682 A. Sperlich,
Dr. Th. Valeton vom botanischen Garten zu Buitenzorg ver-
pflichtet, der in entgegenkommendster Weise manche durch
die Eile der Aufschreibung oder durch die Mangelhaftigkeit der
Originaletikette verursachte Verstümmelung bei Pflanzennamen
richtiggestellt hat.
1. Optische Wirkung verdickter Außenmembranen der ober-
seitigen Blattepidermis.
Bei der Behandlung der Strahlenbrechung durch die
papillös vorgewölbte Außenwand der oberseitigen Blatt-
epidermiszellen bemerkt Haberlandt, daß durch die annähernd
parallel begrenzte Zellwand und den ebenso begrenzten Plasma-
beleg keine Ablenkung der Strahlen erfolgt.^ Dies hat rück-
sichtlich der Zellwand nur insofern Gültigkeit, als dieselbe,
wie bei den von Haberlandt untersuchten Blättern mit bogig
vorgewölbter Außenwand fast durchgehends, von zarter Be-
schaffenheit ist. Nun zeichnen sich aber gerade die immer-
grünen Bäume und Sträucher der Tropen durch die bekannten,
derbledrigen, häufig wie mit einer glänzenden Firnisschichte
überzogenen Blätter aus, deren Epidermisaußenwände vielfach
bedeutende Verdickungen zeigen. Wie ich gleich an der Hand
von Konstruktionen nachweisen werde, muß die Lichtintensitäts-
verteilung und deren Änderung an den inneren Plasmahäuten
derartiger Epidermiszellen ^ trotz Vorwölbung bei gleichmäßiger,
nahezu konzentrischer Verdickung der Außenmembranen beein-
trächtigt werden. Dieser nachteilige Einfluß gleichmäßiger
Membranverdickungen wird naturgemäß um so stärker sein,
je dicker die äußere Zellwand ist. Soll demnach eine licht-
empfindliche, mit verdickten Membranaußenwänden versehene
Blattlamina an den Plasmahäuten der Innenwände ihrer
1 Haberlandt, Die Lichtsinnesorgane der Laubblätter, p. 57.
2 Nach Haberlandt's Auffassung, die durch die jüngst veröffentlichten
Versuche mit Bcgonia semperßorens Lk. (Haberlandt, Ein experimenteller
Beweis für die Bedeutung der papillösen Laubblattepidermis als Lichtsinnes-
organ ; Ber. der deutsch, bot. Ges., Bd. XXIV, 1906, p. 361 bis 366) eine sehr
wesentliche Stütze erfahren hat, wird diese Änderung direkt als die helio-
tropische Bewegung auslösender Reiz empfunden.
Oberseitige Blattepidermis tropischer Gelenkpflanzen.
683
Epidermiszellen eine gleichwertige Lichtkonzentration erfahren
wie eine zartwandige Spreite, so müssen Einrichtungen ge-
troffen sein, welche den nachteiligen Einfluß der Verdickung
aufheben. Darauf weist schon die Tatsache hin, daß Haber-
landt just bei zwei Pflanzen mit derben ledrigen Blättern, bei
dem aus China stammenden Zierstrauch Lonicera fragran-
tissinia Lindl. et Pax.^ und bei der windenden, in Guayana und
Brasilien heimischen Verbenacee Petra ea uolubilis Jacq.- an
Fig. 1.
der dickwandigen Außenseite der Blattepidermis besonders
wirksame Apparate zur Lichtkonzentration gefunden und be-
schrieben hat. Derartige Apparate, denen man einen äußerst
vollkommenen Grad der Anpassung an ihre Funktion wohl
kaum wird absprechen können, fand ich bei meinen Objekten
allerdings nicht, doch will ich gleich zeigen, wie durch wesent-
lich einfachere Einrichtungen die nach außen derbwandige
1 Haberlandt, Die Lichtsinnesurgane der Laubblätter, p. 69 bis 70,
Taf. I, Fig. 22.
2 A. a. 0., p. 73 bis 75, Taf. II, Fig. 1 1 bis 17.
45*
Ö84 A. Sperlich,
Zelle befähigt wird, eine gleiche Lichtkonzentration an den
Plasmabelegen ihrer Innenwand hervorzurufen wie die zart-
wandige, ja in vielen Fällen sogar eine weit vollkommenere.
In der vorstehenden Fig. 1 ist eine Epidermiszelle beiläufig
in den Dimensionsverhältnissen gezeichnet, wie sie den ober-
seitigen Epidermiszellen im Blatte einer nicht näher bestimmten
Art der in Australien und auf der pazifischen Inselwelt hei-
mischen Verbenacee i^flra<:/(;7j)V7 zukommen. Das ledrige Blatt
dieser hoch kletternden Liane zeichnet sich durch zwei mächtige
Gelenksverdickungen aus, von denen die eine an der Blattstiel-
basis 2-5 bis 3 cm lang und 0'5 bis 0*6 rw breit, die andere
am oberen Blattstielende 1 -5 cm lang und 0-4 cm breit ist. Der
zwischen den beiden Verdickungen gelegene Abschnitt des
Blattstieles mißt 2 bis 2*2 cm in der Länge und 0*25 bis 0-3 ci//
in der Breite. In seiner Gesamtheit sieht der Blattstiel mit seinen
verschieden gerichteten Abschnitten dem mit Gelenken ver-
sehenen Arme einer Präparierlupe nicht unähnlich. Aus der
Abbildung auf Taf. II, Fig. 1, geht jedenfalls hervor, daß sowohl
Stiel als Lamina mit Hilfe der beiden Gelenke bedeutende Be-
wegungen ausführen.
Der Kreisringabschnitt ab c d in Textfigur 1 stellt uns
den Durchschnitt durch die äußere verdickte Membran dar, die
in diesem Falle als Mantelstück einer Hohlkugel angenommen
wurde. Die Dicke des Mantels ist nach dem Mittelwerte der an
verschiedenen Punkten der Zellaußenwand erfolgten Messungen
berechnet.^ Wenn nun paralleles Licht senkrecht auf eine der-
artige Zelle fällt, so werden die Strahlen unter der Voraus-
setzung, daß sich innerhalb der Zelle das gleiche Medium
befindet wie außerhalb derselben, durch den Hohlkugelmantel,
wie aus der Figur ersichtlich, zerstreut. In diesem in Wirk-
lichkeit niemals möglichen Falle käme demnach trotz Vor-
wölbung der Außenwand keine Lichtkonzentration an der
Zellinnenwand zu stände. Ich wählte bei der Konstruktion des
Strahlenganges durch die Membranverdickung den Brechungs-
\ Dieselben ergaben in der Mehrzahl die Werte O'OOö und0 009w/w,
im Maßstabe der Konstruktion (1 : 1665) Sund 15 mm; als Mittelwert wurde
12 w;« angenommen.
Oberseitige Blattepideimis tropischer Gelenkpflanzen. 085
exponenten des Glases := — .^ Obwohl das hohe Brechungs-
vermögen pflanzlicher Zellwände schon seit langem allgemein
angenommen wird, so sind uns doch erst vor kurzem durch die
dankenswerte Arbeit Josef S ch i 1 1 e r's '^ aus W i e s n e r's pflanzen-
physiologischem Institute genauere Werte wenigstens für
bestimmte Membranen bekannt geworden. Nach Schule r's
Ergebnissen halten die Wände der untersuchten Bast- und
Holzfasern den Vergleich mit stark brechenden verbreiteten
Mineralen sehr wohl aus.^Bei der Durchsicht der Schiller'schen
Tabellen^ ergeben sich als höchste Werte 1 "5894 für die Bast-
faser von Calotropis gigantea, 1 • 5879 bei Boehmeria nivea,
1 • 5870 bei Camtabis sativa, wenn das Licht parallel mit der
Faserrichtung schwingt,^ als niederste Werte erscheinen bei
der schwach doppelbrechenden Faser von Agave aniericaiia
1 '53 und 1 •522. Es ist demnach für die Außenwand der Epi-
3
dermiszellen der Exponent — gewiß nicht zu hoch gegriffen.
Die durch den Hohlkugelmantel bewirkte, wie wir gesehen,
unvorteilhafte Divergenz der Strahlen wird in Wirklichkeit
nicht nur aufgehoben, sondern sogar in eine Strahlen-
konvergenz übergeführt, da das Licht beim Verlassen der
Membranschichten niemals Luft, sondern den Zellsaft antrifft,
dessen Brechungsexponenten ich mit Haberlandt gleich dem
des Wassers — in Bezug auf Luft angenommen habe. Es
ergibt sich demnach für die Konstruktion des Strahlenganges
9
aus der Zellwand in den Zellsaft w := — . Die diesen Ver-
8
hältnissen entsprechende Konstruktion zeigt die linke Zelle in
Fig. 2. Die rechte Zelle in derselben Figur ist von gleich
1 Für Linie D ist n des Crownglases = 1 • 5296.
2 J.Schiller, Optische Untersuchungen von Bastfasern und Holzelementen.
Diese Sitzungsber., Bd. CXV, 1906, p. 1623 bis 1659.
3 A. a. O., p. 1640.
* A. a. 0., p. 1636.
^ Die von J. Schiller untersuchten Elemente sind sämtlich doppelbrechend.
686
A. Sperli ch,
großem Protoplasten, ihre Außenmembran dl ist jedoch unver-
dickt. Vergleichen wir die zwei Zellen in Bezug auf die Licht-
sammlung an den Innenwänden, so ergibt sich sofort, daß die
Zelle mit gleichmäßig verdickter Außenmembran gegen die
zartwandige Zelle im Nachteil ist. Die Parallelen efm und
ghn geben die Grenzen an, zwischen welchen sich die Tiefen-
dimensionen der Faradaya-ZeWen halten. Die Größe der dunklen
Randzone ist auf der Innenwand e/zwar noch nicht merklich
anders als auf der entsprechenden Innenwand der zart-
Fig. 2.
wandigen Zellen /w (e^^ nahezu gleichyy"^); bei der Betrach-
tung der Innenwände gh und h n ergibt sich jedoch schon g gy
<: /z/2^. Dieser Unterschied wird bei einer noch höheren Zelle
bedeutender; so ist zum Beispiel kk^ schon viel größer als ii^.
Je höher also eine Epidermiszelle mit verdickter
Außenwand ist, um so mehr macht sich im Verhältnis
zu einer entsprechenden zartwandigen Zelle der
Nachteil einer gleichmäßigen Membran verdickung
geltend.
Nach dieser Überlegung erscheint es dem besonderen
Bedürfnisse in hohem Maße entsprechend, wenn in bestimmten
Oberseitige Blattepidermis tropischer Gelenkpflanzen.
6S7
Fällen die Membranverdickung nicht in Form eines Hohlkugel-
mantels, sondern in Form einer bald stärkeren, bald schwächeren
Sammellinse entwickelt ist. Und in der Tat finden wir dies bei
der großen Mehrzahl der Epidermiszellen von Faradaya. Das
Blattquerschnittbild auf Taf. II, Fig. 2, zeigt uns, daß die
Membranverdickung nach außen annähernd durch eine Kugel-
fläche, nach innen jedoch annähernd durch eine Ebene begrenzt
ist. Die Bogen an der Stelle des Zusammentreffens der Radial-
wände mit der Außenwand, wohin wenig Licht gelangen kann,
sind in der folgenden Kon-
struktion außer acht ge-
lassen. Den Strahlengang
in diesen Zellen zeigt
Textfigur ?>a. Ein Blick
auf die Fig. 3 a und 2 be-
lehrt uns sofort über die
bedeutendere Lichtkon
zentration an den Innen-
wänden der Zelle in Fig Sa:
die dunkle Randzone e e^
oder gg^ in Fig. 3 a ist be-
deutend größer als die
entsprechende Zone e e^
oder gg^ in Fig. 2, ja so-
gar größer als die Rand-
zone der zartwandigen
Zelle //i, beziehungs-
weise hliy
Eine noch kräftigere Strahlenkonvergenz erhält man, wenn
3
statt des Exponenten des Glases = y für die Zellwand an-
Fig. 3 a.
nähernd der Exponent des Schwefelkohlenstoffes
\5
ange-
nommen wird, wie das bei Fig. Zh geschehen ist. In Wirk-
Hchkeit liegt der Brechungsexponent der vollständig kutinisierten
Membranen von Fara^aj^a-Epidermiszellen zwischen den zwei
angenommenen Werten 1-5 und 1-6. Genau stellte ich den-
selben nicht fest, da das eine Untersuchung für sich in Anspruch
688
A. Sperli ch,
genommen hätte. Es ergab sich jedoch, daß die Membran
merklich stärker lichtbrechend ist als das von Zeiß gelieferte
Ol. ligni Cedri mit w=r 1-515 und bedeutend schwächer als
Schwefelkohlenstoff, n = 1- 6303.
Ein noch weit besserer Beleuchtungseffekt an den Innen-
wänden der Epiderm.iszellen wird erzielt, wenn die Außenwand
nicht wie bei den Faradaya-BVättern die Gestalt einer plan-
konvexen Linse hat, sondern die Form einer bikonvexen Linse
annimmt. Auch dieser Fall, den ich besonders schön zwei-
mal angetroffen, werde
hier an einem Beispiele
vorgeführt.
Derin Ceylon heimische,
mit irritablen Kletterhaken
versehene Strauch Para-
migttya armata Oliv, aus
der Gruppe der Auran-
tieen zeichnet sich durch
den Besitz langgestielter
dreifiedriger Blätter aus.
Die länglich-elliptischen
Teilblätter sind sehr derb
und weisen an ihren
kleinen Epiderm.iszellen
bedeutende Verdickung
der Außenmembranen auf.
Auch hier sind diese Mem-
branen vollständig kutini-
siert. Der 5-5 bis 6 cm lange und durchschnittlich 0-2 «« breite
Blattstiel trägt sowohl an seiner Basis als auch an seinem oberen
Ende Gelenke. Das Basisgelenk ist nicht sehr stark (0-4 : 0-34cm),
um so auffälliger ist das mächtige Gelenk am oberen Ende von einer
durchschnittlichen Dicke von 0-45 cm. Wie in Fig. 14Z7 auf Taf. 11
ersichtlich, schließen sich an dieses Gelenk überdies noch drei
am Grunde der Teilblätter befindliche Gelenke an. Es ist wohl
kaum zu bezweifeln, daß in diesem Falle gerade die mit
besonders großen Bewegungswerkzeugen versehenen Spreiten
der Teilblätter die Lichtrichtung perzipieren, um so mehr als die
Fig. Zh.
Oberseitige Blattepidermis tropischer Gelenkptlanzen.
689
Gelenke selbst mit ihrer starken, eine große Zahl von Lenti-
zellen tragenden Rinde, wie schon in der Einleitung hervor-
gehoben, kaum lichtempfindlich sein dürften. Auch befinden
sich wenigstens die Gelenke der Teilblätter vollständig im
Schatten der Spreiten. Das Bild des Blattquerschnittes auf
Taf. II, Fig. 15, zeigt uns denn auch, wie die stark verdickten
Außenwände der Epidermiszellen die Gestalt bikonvexer Linsen
angenommen haben. Den Strahlengang durch diese Zellen ent-
nehmen wir aus denTextfig. 4a und 4b. In Fig. 4 a ist die Sammel-
linse aus Glas, in Fig. 4 b aus Schwefelkohlenstoff gedacht.
Wie bei Faradaya liegt auch hier der Brechungsexponent
>
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y
y
1
d
'■', \
\ \
i
Fig. 4 a.
Fig. 4 b.
zwischen den zwei angenommenen Werten. Aus den beiden
Figuren geht hervor, daß durch die Zellaußenwand eine breite
dunkle Randzone ee^^ und ff^ und ein lichtkräftiges helles Mittel-
feld auf den Innenwänden erzeugt wird.
Ich glaube nun, es hat keine Schwierigkeit, diese auf-
fallende Vermeidung der Gleichmäßigkeit bei der infolge anderer
Ursachen notwendig werdenden Verdickung der Außenmem-
branen gerade der oberseitigen Epidermiszellen alsim Dienste
der Lichtperzeption stehend zu betrachten. Hiedurch aber
scheint mir für Hab erl and t's Auffassung nach dessen eigenen
Worten eine weitere Stütze gewonnen: »Je umfassender aber
ein Erklärungsprinzip ist, je mehr Einzeltatsachen es erhellt,
690 A. Sperlich,
desto größer ist seine Bereciitigung.«^ Glaubte man hingegen
die geschilderten Membranverdickungserscheinungen bloß durch
irgend welche Druck- oder Spannungsv'erhältnisse, hervor-
gerufen durch gegenseitige Beeinflussung sich gleichzeitig ver-
dickender Membranen anstoßender Zellen erklären zu können,
so wäre die Frage berechtigt, warum diese Druck- und Span-
nungsverhältnisse in anderen Fällen gerade zum Gegenteil, zur
Ausbildung von konkaven Linsen führen, die, wenn man das
große Brechungsvermögen derselben in Betracht zieht, durch
bedeutende Lichtzerstreuung die Beleuchtungsdifferenzierung
auf den Epidermisinnenwänden beeinträchtigen.
Die im Dienste verschiedener Funktionen ausgebildete, oft
vollständig kutinisierte Verdickung der Außenmembran ist dem-
nach auch mit Rücksicht auf die Bedürfnisse der Lichtperzeption
möglich, denn die Verdickungen werden derart eingerichtet,
daß der hiezu notwendige Strahlengang erfolgen kann.
2. Die Lichtreflexion an stark verdickten, konkaven Zell-
innenwänden der oberseitigen Blattepidermis.
Nicht nur durch bogig vorgewölbte Außenmembranen oder
durch besondere Einrichtungen zur Sammlung der Lichtstrahlen
wird eine ungleichmäßige Lichtverteilung an den Plasmahäuten
der Epidermiszellen und eventuell darunter liegender Zell-
schichten hervorgerufen, sondern es bedingen auch gegen das
Assimilationsgewebe pyramidenstutz- oder kalottenförmig ein-
springende Epidermiszellen mit ebenen Außenmembranen eine
stärkere Beleuchtung des Mittelfeldes ihrer inneren Plasma-
belege. Auch diesen Fall, den Haberlandt für eine unvoll-
kommenere Anpassung an das Bedürfnis der Lichtperzeption
auffaßt, beschreibt der genannte Forscher bei vielen euphoto-
metrischen Laubblattspreiten.- Die Lichtperzeption kann jedoch
hier nur an den Plasmabelegen der Epidermisinnenwände
erfolgen, während bei Zellen mit bogig vorgewölbter Außen-
1 Haberhandt, Die Lichtsinnesorgane der LaubbLätter, p. 51.
- Haberlandt, Die Perzeption des Lichtreizes durch das Laubblatt,
p. 115 bis 1 16; Die Lichtsinnesorgane der Laubblätter, p. 44 bis 46.
Oberseitige Blattepidermis tropischer Gelenkpflanzen.
691
membran zu der ungleichmäßigen Lichtverteilung an den
Innenwänden noch eine ungleichmäßige Beleuchtung der
Außenwand infolge deren Vorwölbung hinzu kommt. In letzterem
Falle kann demnach, wie Haberlandt hervorhebt,^ auch in
den Plasmabelegen der Zellaußenwände die geänderte Licht-
richtung durch Verschiebung der Intensitätsverteilung perzi-
'
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7
Fig. 5.
piert werden. Ich bin nun auf Grund von Beobachtungen und
Konstruktionen über die Licht re flexi on an den bogig gegen
die Palisaden einspringenden Epidermisinnenwänden im Falle
ansehnlicher Verdickung derselben zu der möglichen
Auffassung gelangt, daß auch Epidermiszellen mit ebenen
Außenwänden in den diesen anliegenden Plasmabelegen die
Lichtrichtung und deren Änderung perzipieren. Ich will diese,
i A. a. 0., p. 44 und 95.
692 A. Sperlich,
wie ich ausdrücklich betone, mögliche Einrichtung an der
Hand eines Beispieles vorführen.
Die in den Himalayagegenden heimische MagnoUa spheno-
carpa Hook, besitzt derbledrige Blätter, deren von der Lamina
nicht scharf abgesetzter Blattstiel am Grunde eine gelenkige
Verdickung ähnlich wie der Blattstiel unserer Roßkastanie zeigt
(vergl. Taf. I, Fig. 1). Die Epidermiszellen der von Haber-
landt^ untersuchten MagnoUa- Arten, unter denen besonders
MagnoUa acummata genannt wird, sind durch vorgewölbte
Außenmembranen und ebene Innenwände ausgezeichnet. Die
oben genannte, von mir untersuchte Art weist ebene Außen-
wände und gegen das Assimilationsgewebe vorgewölbte Innen-
membranen auf. Sämtliche Zellwände sind ziemlich gleich-
mäßig verdickt, wie aus Fig. 3 auf Taf. I ersichtlich wird. Die
Textfig. 5 soll uns die Beleuchtungsverhältnisse in einer der-
artigen Epidermiszelle demonstrieren, wobei angenommen ist,
daß das Licht senkrecht auf die eben ausgebreitete Blattlamina
fällt. Die Zelle ist schematisiert in 1875facher Vergrößerung
gezeichnet; ab cd ist die verdickte ebene Außenwand, aa^hh^
die gleichmäßig dahinziehende Kutikula, efgh die nach innen
bogige, ebenfalls stark verdickte Innenwand, cdef das Lumen
der Zelle. Wie Haberlandt hervorgehoben hat, ist das Mittel-
feld der Zellinnenwand kräftiger beleuchtet als die Randpartien,
da die Lichtstrahlen auf jenes senkrecht oder nahezu senkrecht,
auf diese jedoch unter spitzem Winkel einfallen. Aus meiner
Konstruktion geht nun hervor, daß unter der Voraussetzung
genügend kräftiger Lichtreflexion durch die Zellinnenwände
auch an den im übrigen durch das von oben eintretende Licht
gleichmäßig beleuchteten Außenwänden eine Differenz in der
Beleuchtungsintensität des Mittelfeldes und der Randpartien
zustande kommt. Sämtliche auf die Innenwand der Zelle fallen-
den Strahlen werden nach der Kreisfläche rs zurückgeworfen,
deren Grenzlinie durch die Schnittpunkte der äußersten Rand-
strahlen mit der Außenwand bestimmt ist. Da in unserem Falle
der Focus des Konkavspiegels annähernd auf der inneren
Grenzfläche der Außenwand liegt, so ist das Zentrum derselben
1 A. a. O., p. 58 und 59.
Oberseitige Blattepideimis tropischer Gelenkpflanzen.
693
bei genügender Stärke des reflektierten Lichtes kräftiger be-
leuchtet als die übrigen Partien. Diese Beleuchtungsverhält-
nisse an den Zellinnen- und Zellaußenvvänden ändern sich
sofort, wenn das Licht nicht senkrecht auf die Blattspreite fällt,
sondern unter spitzem Winkel. Die betreffende Änderung
ersehen wir aus Textfig. 6. Infolge der Lichtbrechung der
Fiff. 6.
Stark verdickten Außenmembran, für welche hier wie bei den
o
vorhergehendenKonstruktionen7z== — angenommen wurde, ist
o
der Einfallswinkel der Lichtstrahlen im Lumen der Zelle etwas
kleiner als er es beim Auffallen der Strahlen auf die Lamina
war. Zunächst entnehmen wir der Konstruktion die von
Haberlandt mitgeteilte Verschiebung des helleren Mittelfeldes
an der Innenwand von MnachM'. Ebenso verschiebt sich nun
694 A. Sperlich,
aber, wie die Figur ergibt, die Fläche, auf welciier sich das
reflektierte Licht sammelt, voni^ nach i^'. Überdies besteht das
Reflexionsfeld auf der Zellaußenwand nicht mehr aus konzen-
trischen Ringen von gleichmäßig abnehmender Intensität wie
im Falle senkrechten Lichteinfalles, sondern die Beleuchtungs-
verhältnisse werden jetzt im seitwärts verschobenen Reflexions-
felde exzentrisch. Es sei übrigens bemerkt, daß einiges reflek-
tierte Licht immerhin außerhalb dieses Feldes die obere Zell-
wand treffen muß; es ist das von der Radialwand df auf die
Innenwand geworfene Licht, welches von dieser annähernd in
die Fläche FF' reflektiert wird, und das auf die Fläche ee der
Innenwand fallende Licht, welches durch Reflexion auf die
Fläche 5 / fällt. Im Verhältnisse zum übrigen Lichte erscheinen
aber diese gleichsam verirrten Strahlen in verschwindender
Minderheit. Sehr gut lassen sich diese durch die Hohlspiegel-
wirkung der Zellinnenwände auf den Außenmembranen
erzeugten Beleuchtungsverhältnisse beim Linsenversuche
beobachten. Stellt man zunächst auf die Zellkerne der Epi-
dermiszellen, die meist der Innenwand anliegen, ein und ver-
schiebt dann allmählich den Tubus des Mikroskops statt nach
oben nach unten, ^ so wird ein helles Mittelfeld an den Außen-
wänden bemerkbar, das um so regelmäßiger ist, je mehr sich die
Gestalt der Innenwand einer gleichmäßigen Kugelkalottenfläche
nähert. Meistens ist dies allerdings nicht der Fall; die hellen
Felder haben verzerrte Gestalt. Bei genügend kleiner Blende
nimmt man in regelmäßigen Lichtkreisen die reellen Spiegel-
bilder entfernter, charakteristisch konturierter Gegenstände
wahr. Wie bei Haberlandt's Linsenversuch ist auch hier die
Verschiebung des hellen Feldes, überdies dessen elliptische
Verzerrung zu beobachten, wenn die Richtung des einfallenden
Lichtes geändert wird. Der Versuch gelingt nur bei Epidermen
mit bogig einspringenden Innenwänden, wenn diese ansehnlich
verdickt und womöglich überdies kutinisiert sind.
1 Bekanntlich liegen beim Linsenversuche die Epidermiszellen so, daß sie
mit ihren Außenwänden nach dem beleuchtenden Planspiegel, also nach unten
schauen.
Oberseitige Blattepidermis tropischer Gelenkpflanzen. 69o
Nach dieser Darlegung halte ich es immerhin als im
Bereiche der Möglichkeit gelegen, daß auch in Epidermis-
zellen mit ebenen Außenwänden und gegen das Assimilations-
gewebe bogig vorgewölbten Innenmembranen im Falle ansehn-
licher Verdickung der letzteren die den Außenwänden
anliegenden Plasmabelege bei der Lichtperzeption mitbeteiligt
sind. Die bedeutende Lichtschwächung durch Reflexion und
Absorption von Seite sklerenchymatischer Gewebselemente
finden wir bei Haberlandt besonders hervorgehoben. ^ Eine
wesentlich festere Stütze gewänne die Auffassung dann, wenn
wir über die Reizschwelle beim Heliotropismus unter Anwen-
dung höherer Lichtintensitäten eine klare Vorstellung besäßen.
Denn wenn auch, wie im allgemeinen angenommen werden
kann und wie es der oben mitgeteilte Versuch zeigt, von dick-
wandigen Membranen viel Licht reflektiert wird, so ist dies
Licht doch nur ein Teil des in das Blatt eingedrungenen
Gesamtlichtes und es ergibt sich die Frage, ob das Plasma der
Außenwand das Plus an Licht im Reflexionsfelde zu empfinden
vermag. Da wir nun nicht einmal über die eben noch eine
heliotropische Bewegung herbeiführende Differenz anta-
gonistisch wirkender höherer Lichtintensitäten eine feste
Vorstellung besitzen,"^ so entzieht sich die aufgeworfene Frage ^
unserer Beurteilung.
1 Haberlandt. Die Lichtsinnesorgane der Laubblätter, p. 37 und 38.
2 Vergl. diesbezüglich Jost, Vorlesungen, p. 584 und 585.
"' Eine ähnliche Frage ließe sich auch betreffs der Beleuchtungsdifferenzen
auf den von parallelen Lichtstrahlen getroffenen bogig gewölbten Außen- und
Innenmembranen stellen mit dem Unterschiede, daß wir es hier nur mit gleich-
sinnigem Lichte zu tun haben. Wenn auch die Randpartien solcher Wände
infolge schiefen Lichteinfalles in der Tat schwächer beleuchtet sind als das
Mittelfeld, so kommt diese Intensitätsdifferenz keinesfalls den Beleuchtungs-
differenzen gleich, wie sie durch die Strahlensammlung bogig vorgewölbter
Außenmembranen oder linsenartiger Einrichtungen hervorgerufen werden; es
kann immerhin bezweifelt werden, ob jene Differenz genügt, um im Plasma
Veränderungen hervorzurufen. Em direkter Beweis hieiür, wie ihn Haberlandt
für die Auffassung der oberseitig papillösen Epidermis als Sinnesepithel durch
Ausschaltung der Linsenfunktion derselben erbracht hat, ist bei Epidermen mit
ebener Außenwand kaum denkbar und deswegen werden wir uns wohl hier
mit Analogieschlüssen begnügen müssen. Endlich ist zu bemerken, daß auch
696 A. Sperlich,
Unter der derbwandigen Epidermis ist bei Magnolia
sphenocarpa, wie bei vielen anderen Magnoliaceen/ in der
Umgebung der Gefäßbündel ein einschichtiges Hypoderm ent-
wickelt. Wie aus Fig. 2, Taf. I, hervorgeht, springen die Innen-
wände auch dieses Gewebes in die Assimilationsschichte ein.
Hier werden, wie schon Haberlandt bemerkt hat, ebenfalls
ßeleuchtungsdifferenzen erzeugt, die von den anliegenden
Plasmahäuten perzipiert werden könnten. Ob das durch die
verdickten Wände der Epidermiszellen bedeutend geschwächte
Licht in diesem Falle noch reizauslösend wirken kann, bleibt
fraglich.
3. Die Beleuchtungsverhältnisse an der Grenze zwischen
oberseitigem Wassergewebe und Assimilationsschichte in
einzelnen Laubblattspreiten.
»Wenn unter der glatten Epidermis ein Wassergewebe
vorhanden ist,« schreibt Haberlandt,"^ »dann sind in der
Regel die innersten Wassergewebszellen, die an das Assimi-
lationsgewebe grenzen, mit vorgewölbten Innenwänden ver-
sehen und ermöglichen so eine ungleiche Intensitätsverteilung
des Lichtes.« Als Beispiele hiefür folgen Fictis elastica, F. nitida,
Urostigma venenosum. In der Tat fand auch ich die Wasser-
gewebszellen stets in das Assimilationsgewebe einspringend;
überdies tritt aber an der Grenze zwischen Wasser- und Assi-
milationsgewebe in einzelnen Fällen noch ein weiterer Umstand
heliotropische Experimente über die Reizschwelle bei antagonistisch wir-
kenden hohen und ungleichen Lichtintensitäten uns vielleicht nicht viel in dieser
Frage werden sagen können. Denn das Kriterium für die erfolgte Reizung ist
nach unseren jetzigen Erkenntnissen doch immer nur die Bewegung, das letzte
Glied der Kette. Zustands- oder stoffliche Änderungen, die früheren Gliedern
der heliotropischen Reizkette entsprechen, treten gewiß oft ein, ohne daß eine
Bewegung erfolgt, und gerade auf diese Änderungen kommt es in unserem
Falle an. Wie weit sich etwa Czapek's Methoden über die Bestimmung der
durch tropistische Reizungen veränderten fermentativen Verhältnisse auf diese
Fälle anwenden und für diese Fälle verfeinern ließen, ist heute schwer zu
sagen.
1 Solerede r, Sj^stematische Anatomie der Dicotyledonen. Stuttgart,
Enke, 1899, p. 32.
2 Haberlandt, Die Lichtsinnesorgane der Laubblätter, p. 46.
Oberseitige Blattepidermis tropischer Gelenkpflanzen. 69/
hinzu, der eine ungleichmäßige Beleuchtung der assimilierenden
Zellen, diese in ihrer Gesamtheit betrachtet, verursachen muß.
Macht man durch Blätter, die durch den Besitz eines
oberseitigen Wassergewebes ausgezeichnet sind, nach ver-
schiedenen Richtungen Querschnitte von der Länge einiger
Zentimeter und beobachtet dieselben unter dem Mikroskope
mit schwachen Suchersystemen oder unter einer stärker ver-
größernden Präparierlupe, so gewahrt man, daß die Grenzlinie
zwischen den Wassergewebs- und den assimilierenden Zellen
nicht einer Geraden entspricht, sondern eine gleichmäßige
Wellenlinie ist, bei welcher Berg und Tal bald stärker, bald
schwächer ausgeprägt erscheinen. Da Querschnitte nach ver-
schiedenen Richtungen dasselbe Bild zeigen, so ergibt sich,
daß die Grenzfläche zwischen Wasserspeicher- und Assimi-
lationsgewebe nicht eine Ebene oder nahezu eben ist, sondern
daß diese Fläche vielmehr eine große Zahl von bald dichter,
bald weniger dicht nebeneinander liegenden Gruben besitzt,
etwa so wie eine blatternarbige Haut. Es ist nun einleuchtend,
daß bei senkrechtem Lichteinfalle sowohl die inneren Plasma-
häute der Wasserzellen aus der tiefsten Schichte als auch die
äußeren Plasmabelege der darunter liegenden Chlorophyll-
zellen auf den »Bergen« und auf den Mittelfeldern der »Täler«
viel intensiver beleuchtet sein werden als die entsprechenden
Plasmabelege der an den geneigten Stellen der Grenzfläche
liegenden Zellen. Jede Änderung des Lichteinfalls muß diese
Lichtverteilung zerstören; Bei schiefem Lichteinfalle sind die
Zellen der dem Lichte zugekehrten »Lehnen« intensiver
beleuchtet als Berg und Tal. Geradeso wie in der einzelnen
Zelle mit bogig vorgewölbter Innenwand die Verschiebung der
Beleuchtungsintensität auf derselben als heliotropische Reizung
aufgefaßt wird, kann in unserem Falle diese Verschiebung auf
der grubigen Grenzfläche der beiden in Betracht kommenden
Gewebe als Reizursache gedeutet werden, wobei die Plasma-
belege der beteiligten Zellen in gewissem Sinne eine physio-
logische Einheit darstellen. Damit ist aber auch eine Erklärung
für die anatomische Tatsache, die mir schon früher öfter auf-
gefallen war, gefunden: Die grubige Beschaffenheit der Grenz-
fläche steht im Dienste der Lichtperzeption. Anschließend will
Sitzb. d. mathem.-naturw. KL; CXVI. Bd., Abt. I. 4G
(398 A. Sperlich,
ich für das Erwähnte zwei Beispiele anführen; zunächst sei
jedoch bemerkt, daß sich die wellenförmige Grenzlinie schon
vielfach in Blattquerschnittsabbildungen da und dort in der
Literatur vorfindet, selbstverständlich ohne Bemerkung über
deren eventuelle Bedeutung.
Die in Java heimische Araliacee Heptapleurtim hicichun
Miq. =: Scliefflera rigida (Seem.) Harms, zeichnet sich
durch kolossale Blätter aus, an welchen dreierlei Gelenk-
verdickungen auftreten. Zunächst fällt am Grunde des nahezu
meterlangen (80 bis 90 cm) Blattstieles eine mächtige Ver-
dickung auf, deren Durchmesser mehr als das Dreifache des
Blattstieldurchmessers beträgt (3 bis "d-bcm gegen 0* 7 bis \cin).
Auf Taf. II ist dieselbe in Fig. 23 a abgebildet {n sind die
ligula-artig entwickelten Nebenblätter).^ Am Ende des Blatt-
stieles befindet sich, wie aus Fig. 23 Z^ der gleichen Tafel
ersichtlich, ein 2 cui langes zweites Gelenk, welches die 26
bis 28 cm langen, strahlenförmig auseinander gehenden Teil-
blätter trägt. Aus derselben Figur geht hervor, daß überdies
die Stiele der Teilblätter an ihrem Grunde gelenkartig verdickt
sind. Es ergibt sich schon bei bloßer Betrachtung des Objekts,
daß durch diese Einrichtungen nicht nur das Blatt als Ganzes,
sondern auch das gesamte Rad der Teilblätter und endlich
jedes Teilblatt für sich beweglich ist. Insbesondere wird durch
die Bewegung in den Stielgelenken der Teilblätter die für uns
in Betracht kommende feinere Einstellung in die günstigste
Lichtrichtung bewerkstelligt. Da sich nun aber diese Gelenke,
wie das Objekt zeigt, zum größten Teil gegenseitig beschatten,
halte ich es als zweifellos, daß die zur feineren Einstellung
nötige Bewegung nur durch Reizung der Lamina ausgelöst wird.
Am Querschnitte derselben, der in seiner oberen Hälfte
in Fig. 7a schematisch wiedergegeben ist, bemerken wir die
wellenförmige Grenzlinie zwischen dem beiläufig O'l mm
mächtigen vierschichtigen Hypoderm^ und dem Assimilations-
1 Vergl. Harms' Bearbeitung der Araliaceen in Engler und Prantl,
»Natürliche Pflanzenfamilien«, III. Bd., 8, p. 36.
2 Nach den Untersuchungen Bachmann 's findet sich in der Familie der
Araliaceen Hypoderm in verschiedenster Ausbildung (vergl. So lere der,
a. a. O., p. 483).
Oberseitige Blattepidermis tropischer Gelenkpflanzen.
699
gewebe; Fig. Tb, die das Wassergewebe in einem »Tale«
illustriert, zeigt uns, daß die Zellen der tiefsten Schichte jenes
nach innen vorgewölbt sind. Die Gestalt der Epidermiszellen
ist für jede Beleuchtungsdifferenzierung untauglich.
Noch viel tiefere und größere Gruben zeigt die Grenz-
fläche zwischen Wasserzellen und Assimilationsgewebe in den
Blättern eines von Prof. Heinricher in Pasir Datar auf Java
gesammelten, nicht näher bestimmten Cissus, der sich durch
eigentümliche Speicherknollen an den Luftwurzeln auszeichnet.
Wie in der Familie der Ampelidaceen überhaupt häufig, finden
Fig. 7 a. Vergr. 29.
Fig. 7 b. Vergr. 187.
wir auch bei diesem Cisstis Sproß und insbesondere Blatt
sukkulent. Fig. 15 auf Taf. I zeigt uns, daß der Blattstiel der
Pflanze auffallend gelenkig verdickt ist, überdies sind im
Bereiche desselben starke Krümmungen im Bilde festgehalten.
Aus dem Blattquerschnitte in
Textfig.8 ist zunächst zusehen,
daß hier ein eigentliches Wasser-
gewebe nicht existiert, sondern
daß die auffällig großen Epi-
dermiszellen dieses ersetzen. Fig. 8. Vergr. 62.
Die nach außen mäßig, nach innen etwas stärker vorgewölbten
Epidermiszellen haben über den höchsten Punkten des darunter
liegenden Assimilationsbandes eine Höhe von 0' OS mm, über
den tiefsten Punkten desselben aber erreichen sie die ansehn-
liche Höhe von 0-24mni. Wie wir sehen, sind die Gruben hier
von bedeutender Tiefe, die Differenzierung in der Beleuch-
tungsintensität demgemäß eine noch vollkommenere als beim
ersten Beispiele. Es sei noch beigefügt, daß die Erhebungen
im Assimilationsgewebe hier an die Ausbildung mächtiger
Schleimzellen (in der Fig. s) gebunden sind, welche nach
700 A. Sperlich,
Blenk's Untersuchungen^ nicht nur bei C/s5/^s-Arten, sondern
auch bei vielen anderen Ampelidaceen im Mesophyll auftreten
und wahrscheinlich mit einem Inhaltsschleime gefüllt smd.
Nach diesen Erörterungen, die sich mit allgemeinen Fragen
beschäftigen, wie sie während der Untersuchung meines
Materials aufgetaucht sind, gehe ich nunmehr zur Besprechung
der Befunde bei den einzelnen Untersuchungsobjekten über
und gruppiere dieselben hiebei dem Plane der Arbeit ent-
sprechend nach der Ausbildung ihrer Gelenke, beziehungs-
weise der gelenkartigen Verdickungen ihrer Blattstiele.
A. Am Grunde des Blattstieles oder an einer anderen
Stelle desselben befindet sieh eine gelenkartig-e Ver-
dickung oder ein deutlich abgesetztes Gelenk.
1. Magnoliaceae. Über die Einrichtungen zur Erzielung
von Beleuchtungsdifferenzen an den Plasmabelegen der dick-
wandigen Epidermiszellen im derben, ledrigen Blatte von
MagnoUa spheiiocarpa H o o k. wurde schon auf p. 692 ff. berichtet
(vergl. überdies Taf. I, Fig. 1, 2, 3). Die ebenfalls in den Hima-
layagegenden heimische Talauma Hodgsoni Hookf. et Thom.
zeichnet sich durch etwas zartere Blätter aus. Wie aus Fig. 4
auf Taf. I ersichtlich, ist die gelenkige Verdickung am Grunde
des Blattstieles hier viel besser ausgeprägt als bei MagnoUa;
insbesondere ist sie weit länger. Der Linsenversuch mit der
Blattoberseite ergibt sehr lichtstarke Beleuchtungskreise an
den Innenwänden der Epidermiszellen. Dieselben werden, wie
die Fig. 5 auf Taf. I zeigt, durch die bogig vorgewölbten Außen-
membranen erzeugt, welche mit ihrer im Mittelpunkte der
Zelle 4*5 bis 5 [x starken Verdickung überdies als konkav-
konvexe Sammellinsen fungieren. Es sei noch bemerkt, daß
die im Blatte der Magnoliaceen häufigen Sekretbehälter" bei
beiden untersuchten Typen vorgefunden wurden. An eine
eventuelle Beteiligung derselben bei der Herstellung von
reizauslösenden Beleuchtungsverhältnissen, wie solche von
Haberlandt für subepidermale Sekretzellen angenommen
1 Vergl. Solered er, a. a. 0., p. 252.
2 Vergl. Solerede r, Systematische Anatomie, p. 33.
Oberseitige Blattepidermis tropischer Geleni<pflanzen. 701
wird/ kann hier nicht gedacht werden, da diese Zellen stets
innerhalb des Assimilationsgewebes, zumeist sogar an der
Grenze zwischen Palisaden und Schwammgewebe aus-
gebildet sind,
Wollte man schließlich die zwei untersuchten Typen der
Magnoliaceen riicksichtlich der Ausbildung ihres Bevvegungs-
organs und ihres optischen Apparates vergleichen, so könnte
immerhin festgestellt werden, daß dem kräftigeren Gelenke bei
Talauma auch der bessere Apparat zur Lichtverteilung in der
Blattoberseite entspricht. So bemerkenswert diese Überein-
stimmung bei allgemeinem Zutreffen auch wäre, so ist doch
klar, daß auf Grund eines Falles kein weiterer Schluß
erlaubt ist.
2. Die Blätter des durch seine als Delikatesse geschätzten
Früchte bekannten Zibetbaumes, Dttrio zibethhms Murr, aus
der Familie der Bombacaceen, haben einen Blattstiel, der mit
etwas verbreiterter Basis an dem Sprosse sitzt. Die gelenkige
Verdickung des Stieles beginnt beiläufig in dessen Mitte, ist
hier auch am stärksten und verläuft von hier an Stärke
abnehmend bis zum Spreitengrunde (Fig. 6, Taf. I). Für die
Herstellung von Beleuchtungsdifferenzen kommen in der oberen
Hälfte des Blattes nur die von Radlkofer^ beschriebenen,
bis zu 82 [x tief in das Innere des Blattes einspringenden,
flaschenförmigen Epidermiszellen in Betracht, deren Innen-
membranen zu mächtigen Schleimmassen umgewandelt sind.
Beobachtet man, wie kräftig die Innengrenze dieser Schleim-
propfen gegen das Assimilationsgewebe vorgewölbt ist, so
erhellt daraus sofort, daß die an den anliegenden Plasmahäuten
der Palisaden hervorgerufenen Lichtintensitätsdifferenzen auch
dann bedeutend sein müssen, wenn das Brechungsvermögen
des Schleimpropfens, wie das wahrscheinlich meistens der
Fall, nicht merklich von dem des Wassers verschieden ist,
derselbe mithin wenig lichtkonzentrierend wirken kann. Die
übrigen Epidermiszellen zeigen keine besondere Einrichtung ;
auch das stellenweise entwickelte Hypoderm mit schwach
bogigen Innenwänden braucht kaum in Erwägung gezogen
iHaberlandt, Die Lichtsinnesorgane der Laubblätter, p. 115 bis 11'
2 Vergl. Solereder, Systematische Anatomie, p. 167.
702 A. Sperlich,
ZU werden, wenn man bedenkt, daß die mächtigen Flaschen-
zellen äußerst dicht auf der ganzen Blattoberseite verteilt sind.
3. Dipterocarpaceae. Die aus dieser Familie untersuchten
zwei Typen Dryobalanops aromatica Gärtn. und Shorea
stenoptera Burck. weisen in allem so ähnliche Verhältnisse
auf, daß sie füglich gemeinsam besprochen werden können.
Nur die Dimensionen des Blattes und seiner Gewebselemente
sind bei Shorea bedeutendere als bei Dryobalanops. Die
gelenkartige Verdickung des Blattstieles ^ entspricht in beiden
Fällen den Verhältnissen, die wir bei Durio zibethinus kennen
gelernt haben. Auch hier setzt das Polster beiläufig in der Mitte
des Stieles ein und verläuft, sich etwas verjüngend bis zum
Blattgrunde. Die Epidermis der Blattoberseite ist für Dryo-
balanops schon von Heim^ als »palisadenähnlich« bezeichnet
worden; dasselbe kann auch für Shorea bemerkt werden. Auf
dem Flächenbilde fällt die Kleinheit der Epidermiszellen auf,
der Querschnitt zeigt, daß die Höhe derselben eine bedeutende.
Bei Shorea mißt der Zellendurchmesser in tangentaler Richtung
12 [X, die Höhe der Zellen dagegen bis zu 42 [x. Nicht selten sind
die Epidermiszellen gegen das Blattinnere etwas verbreitert, so
daß sie statt der gewöhnlichen prismatischen Gestalt die Form
eines steilen Pyramidenstutzes erhalten. Die Außenmem-
branen sind nahezu eben, nur die über den Blattnerven liegen-
den Epidermiszellen haben etwas nach außen gebogene Wände.
Die Verdickung der Außenwand hat die Gestalt einer plan-
konkaven oder konvexkonkaven Linse, so daß durch sie Licht-
zerstreuung bewirkt wird. Die Epidermisinnenwände sind
gleichfalls nahezu eben. Aus all dem geht hervor, daß durch
die Gestaltung der Epidermiszellen in keiner Weise Beleuch-
tungsdifferenzen auf den Plasmahäuten erzeugt werden können.
Der Linsenversuch bestätigt dies. Fügt man hinzu, daß sich
auch unterhalb der Epidermis keinerlei irgendwie lichtkonzen-
1 Diese Verdickung findet sich aucli bei Brandi's und Gilg's Bearbei-
tung der Familie in Engler und Prantl, >Natürliche Pflanzenfamilien«, Bd. III.,
6, p. 245, erwähnt; auch waren die Blattstiele infolge der großen systematischen
Bedeutung ihrer Struktur wiederholt Gegenstand eingehender Untersuchungen
(vergl. So lere der, Systematische Anatomie, p. 160 bis 162).
2 Solereder, a. a. 0., p. 156.
Oberseitige Blattepidermis tropischer Gelenkpflanzen. 703
trierend wirkende Zellelemente vorfinden, so ergibt sich, daß
den Laubblättern der untersuchten zwei Dipterocarpaceen jede
Einrichtung zur Herstellung von Lichtintensitätsdifferenzen
abgeht. Es muß dahingestellt bleiben, ob die nicht gerade häufig
an den Innenwänden der Epidermiszellen auftretenden Schleim-
polster hiefür in Betracht kommen. Das könnte jedoch nur
dann sein, wenn die Schleimpolster ein bedeutend stärkeres
Brechungsvermögen als der Zellsaft besäßen. Darüber eine
Vorstellung zu gewinnen, war mir unmöglich, da mir frisches
Material nicht zur Verfügung stand. Wurde der Linsenversuch
mit dem in Alkohol konservierten Materiale derart ausgeführt,
daß Alkohol das Festhalten des Blattflächenschnittes an das
Deckgläschen besorgte, so erzeugten die Schleimpropfen aller-
dings sehr scharfe Lichtkreise; dieselben nahmen jedoch sofort
an Schärfe ab, wenn mit einem Pinsel vorsichtig Wasser an
den Rand des Schnittes gebracht wurde, welches sich sofort
zwischen Schnitt und Glas kapillar fing. Nach beiläufig
10 Sekunden waren die Schleimpolster derart gequollen, daß
gar keine Lichtkonzentration mehr bemerkbar wurde. Es ergibt
sich nun allerdings die Frage nach dem natürlichen Quellungs-
grade des Polsters. Dieser, so will mir scheinen, dürfte kaun^i
ein konstanter sein. Denn teilt man die ziemlich allgemeine
Ansicht, daß die Schleimpolster der Epidermiszellen der
Wasserspeicherung dienen, so muß infolge dieser Funktion je
nach dem Wasserbedürfnisse der Zelle der Wassergehalt des
Polsters sich ändern, damit aber auch sein Lichtbrechungs-
vermögen stets Änderungen unterworfen sein. Darum halte ich
die Schleimpropfen im allgemeinen für nicht besonders geeig-
nete Einrichtungen im Dienste der Lichtperzepüon; im ein-
zelnen Falle mögen sie es ja immerhin sein.^ Die Schleimpolster
der untersuchten Dipterocarpaceen scheinen mir jedoch schon
deshalb nicht in Frage zu kommen, weil ihre Zahl keine bedeu-
tende ist, ebensowenig ihre Größe.
Gerade das Fehlen jeder Einrichtung zur Differenzierung
der Lichtintensität an den Plasmahäuten im Laubblatte der
1 So mißt Haberlandt (Die Lichtsinnesorgane der Laubblätter, p. 97 bis
98) den stark lichtbrechenden Schleimpolstern von Urvillea femtginea in dieser
Beziehung Bedeutung zu.
^^04 A. Sperlich,
Dipterocarpaceen ist nun für die Richtigkeit des Gedankens,
daß solche Einrichtungen im Dienste der Lichtreizperzeption
stehen, von nicht unwesentlicher Bedeutung. Aus allem, was
wir über die natürlichen Standortsverhältnisse dieser stattlichen
Bäume wissen, nicht minder aus der Gestalt des Blattes scheint
mir hervorzugehen, daß das Laubwerk der Dipterocarpaceen
sich nur in seltenen Fällen nach dem diffusen Lichte wird zu
richten haben. Die optischen Einrichtungen an der Blattober-
seite haben aber nur für euphotometrische Blätter einen Sinn.
Bedenkt man, daß diese Riesen unter den Bäumen des malayi-
schen Archipels sich gewöhnlich hoch über den Wald der
anderen Bäume erheben, daß sie auf weite Strecken hin reine
Bestände bilden, so kann man sich wohl leicht eine Vorstel-
lung von der Lichtfülle machen, die ihren häufig erst in einer
Höhe von 40 m beginnenden Kronen zur Verfügung steht. Ich
denke, daß die langen, spitz zulaufenden Blätter sich in der
Mehrzahl der Fälle durch entsprechende Stellung vor dem
Schaden der direkten Bestrahlung werden schützen müssen,
während eine Einstellung in die günstigste Lichtrichtung, wie
sie für das euphotometrische Blatt charakteristisch ist, nur
selten notwendig erscheint. Die weitgehende Anpassung des
Laubes von Dryohalaiiops an hohe Lichtintensitäten geht aus
der von Wiesner gegebenen Schilderung der Blatt- und
Sproßentwicklung bei dieser Pflanze hervor.^
4. Eine auffallende, scharf abgesetzte Gelenkverdick'ung
zeigt das Blatt der Guttapercha liefernden Sapotacee Pala-
qttium Treuhii Burck. Die derbledrigen, unterseits behaarten
Blätter dieses vorzüglich auf der Insel Banka heimischen
Baumes sind langgestielt. Über zwei Drittel des Stieles nimmt,
wie aus Fig. 7, Taf. I, ersichtlich, das 2-2 an lange Gelenk ein,
das fast doppelt so dick als der übrige Teil des Blattstieles ist.
Die sehr feste gelenkige Verdickung weist an der ganzen Ober-
fläche eine große Zahl von Lentizellen auf. Die anatomische
Untersuchung der Lamina ergibt zunächst, daß die Epidermis-
zellen in keiner Weise lichtkonzentrierend wirken können. Wie
1 Wiesner, Pflanzenphysiologische Mitteilungen aus Buitenzorg, I und
H, p. 30.
Oberseitige Blattepidermis tropischer Gelenkpflanzen. 705
Fig. 8, Taf. I, zeigt, sind iiire ziemlich derben Membranen
weder an der Außenseite noch an der Innenseite irgendwie
gebogen, auch an der Form der Membranverdickung ist l<einerlei
Einrichtung zur Strahlensammlung bemerkbar. Wie bei vielen
Sapotaceen ^ ist auch hier ein sehr gleichmäßiges Hypoderm
entwickelt. Die Zellen dieses sind, wie aus der angegebenen
Figur hervorgeht, sehr schön bogig gegen das Assimilations-
gewebe vorgewölbt und es ist außer Zweifel, daß schon dadurch
an den anliegenden Plasmahäuten der Palisadenzellen und an
den Plasmabelegen der Innenwände der Hypodermzellen Be-
leuchtungsdifferenzen entstehen müssen, die sich mit der
Änderung der Lichtrichtung ebenfalls ändern. Es kommt nun
aber noch ein weiterer Umstand hinzu. Beim Linsenversuche ist
zu beobachten, daß jede Hypodermzelle bei Hebung des Tubus
ein ziemlich regelmäßiges helles Lichtfeld zeigt. Dasselbe
kommt dadurch zu stände, daß die Hypodermzellen infolge
ihres großen Gerbstoffgehaltes - als bikonvexe Sammellinsen
fungieren. Es sind zwar mit Ausschluß des größten Teiles der
Epidermiszellen fast alle Gewebe des Blattes, wie die üblichen
Gerbstoffreaktionen gezeigt haben, reich an diesen Inhalts-
körpern, doch scheinen mir in dieser Beziehung die Hypoderm-
zellen alle anderen zu übertreffen. Schon bei Beobachtung der
Organschnitte in Wasser fiel mir in jeder Hypodermzelle die
in der Figur gezeichnete Blase auf, deren Grenzkontur ebenso
scharf war wie die Konturen der im Mesophyll auftretenden
zahlreichen Ölmassen. Freilich konnte ich mangels frischen
Materials nicht entscheiden, ob die Gestalt dieser Blasen eine
natürliche ist, wie sie den Gerbstoffvakuolen zukommt, welche
von Klercker^bei einigen Phanerogamen gefunden und studiert
worden, oder aber ob diese Gebilde bloß durch die mit der
Alkoholkonservierung verbundene Kontraktion des Plasma-
schlauches entstanden sind. Sei dem jedoch, wie ihm wolle,
1 So lere der, System. Anatomie, p. 579.
2 Über die Bedeutung des Gerbstoffgehaltes der Zellen für die Licht-
konzentration; vergl. Haberlandt, Die Lichtsinnesorgane der Laubblätter,
p. 57 und 117 bis 118.
s Klercker, Studien über die Gerbstoffvakuolen; Tübinger Inaugural-
dissertation 1888; zitiert nach Zimmermann.
706 A. Sperlich,
auf Grund der Reaktionen, unter denen ich besonders die sich
prompt einstellende Bläuung auf Behandlung mit der offizi-
nellen Tinct. ferri acetici hervorheben will, steht fest, daß die
Hypodermzellen sehr gerbstoffreich sind und daß sie daher
unter Mitberücksichtigung ihrer Gestalt als wirksame Sammel-
linsen fungieren müssen.
B. Der ganze Blattstiel ist gelenkig verdickt.
1. Eine nicht näher bestimmte Art der als Baum oder
Strauch wachsenden Gattung Trema aus der Familie der
Ulmaceen trägt längliche, spitz zulaufende Blätter, welche
einen auffallend verdickten Battstiel besitzen. Aus der nach
dem konservierten Materiale gezeichneten Fig. 9, Taf. I, geht
hervor, daß durch die Tätigkeit dieses Stieles bedeutende
Lagenveränderungen der Spreite herbeigeführt werden können.
Der anatomischen Untersuchung des Blattes, nicht minder der
Herstellung für den Linsenversuch brauchbarer Flächenschnitte
setzen sich infolge des außerordentlich reichen Kieselgehaltes
sämtlicher Membranen große Schwierigkeiten in den Weg.
Das im Alkohol konservierte Blatt ist spröde wie Glas. Zunächst
fallen dem Beobachter in der Oberseite des Blattes die mäch-
tigen Zystolithen auf, durch welche viele Vertreter der Familie
ausgezeichnet sind.^ An eine optische Wirkung derselben, die
im Dienste der Lichtperzeption stünde, ist kaum zu denken.
Der gewaltige traubige Kalkkörper wirkt in höchst ungesetz-
mäßiger Weise lichtzerstreuend; dadurch wird eine eventuelle
Differenzierung der Beleuchtungsintensität an den Plasma-
belegen der tief in das Assimilationsgewebe einspringenden
Zyste oder der darunter befindlichen grünen Zellen unmöglich.
Hingegen weisen die zwischen den Zystolithenzellen gelegenen
gewöhnlichen Epidermiszellen eine Gestalt auf, die bei senk-
rechtem Einfalle eine sehr gute Lichtkonzentration im Zentrum
der Innenwände hervorruft. Wie Fig. 10, Taf. I, zeigt, sind
sowohl Innen- als Außenmembranen gewölbt. Die ansehnliche
Verdickung der Außenmembran ist allerdings nahezu konzen-
trisch, doch wird die dadurch notwendige Beeinträchtigung
1 So lere der, System. Anatomie, p. 863 bis 864.
Oberseitige Blattepidermis tropischer Gelenkpflanzen. 707
der Strahlenkonvergenz keine große sein, weil das Brechiings-
vermögen dieser Membranverdickung mit dem reichen Gehalte
an Kieselsäure niemals die hohen Werte erreicht, die wir
für dicke, vollständig kutinisierte Membranen charakterisiert
haben. Das geringere Brechungsvermögen geht schon aus dem
Vergleiche bei gleichzeitiger Beobachtung eines Trema- und
etwa eines Faradaya-^\&\.{qwevsc\\miies inWasser ohne weiteres
hervor.
2. Anonaceae. Die dieser durch eine Reihe von Spreiz-
klimmern, Zweig- und Hakenkletterern ausgezeichneten
Familie angehörigen Typen, der Baum Polyaltliia stiberosa
B. et H. und der Hakenklimmer Artahotrys stiaveolens Blum,
haben Blätter, deren Stiele in der aus Fig. 11, Taf. I, ersicht-
lichen Weise gelenkig verdickt sind. Die Verbreiterung ist an
der Ansatzstelle des Stieles am kräftigsten, gegen den Blatt-
grund verjüngt sich der Stiel etwas. Die Untersuchung der
derbledrigen länglichen Blätter, deren äußere Gestalt bei beiden
Gattungen ziemlich ähnlich ist, ergab jedesmal Einrichtungen,
die eine gesetzmäßige Verteilung des Lichtes und eine regel-
mäßige Änderung derselben bedmgen. Bei Artahotrys sind die
Epidermisaußenwände zwar ganz eben, die Innenwände sehr
vieler Zellen springen aber wie Flächen eines Pyramidenstutzes
gegen das Mesophyll ein (Fig. \2b, Taf. I). Dazu kommt noch
eine weitere Einrichtung, die mutmaßlich noch viel besser
gesetzmäßige Lichtkontraste bewirkt; die für die Familie
charakteristischen kugel- oder linsenförmigen Sekretzellen, ^
als deren Inhalt ich ein ätherisches Öl annehmen zu können
glaube, sind hier besonders häufig und knapp unter der Epi-
dermis entwickelt; sie müssen an den Plasmabelegen be-
deutende Lichtkonzentrationen hervorrufen (s in Fig. \2a,
Taf I). Im Gegensatze finden wir bei Polyaltliia die Sekretzellen
niemals subepidermal, sondern zum größten Teil innerhalb des
Schwammparenchyms ausgebildet. Diese vom Standpunkte der
Lichtperzeption jedenfalls unzweckmäßige Verteilung kann
hier vielleicht nicht so ganz als Nachteil aufgefaßt werden,
denn es sind dafür die Epidermiszellen zweckmäßiger ein-
1 Sole reder, System. Anatomie, p. 41.
708 A. Speiiich,
gerichtet. Fig. 13, Taf. I, zeigt nicht nur, daß die Innenmem-
branen viel regehnäßiger und kräftiger gegen das Assimilations-
gewebe vorgewölbt sind als bei Artabotrys, sondern überdies
eine, wenn auch schwache Vorwölbung der Außenwände.
Durch den Linsenversuch kann man sich leicht von der licht-
konzentrierenden Wirkung der Außenmembranen überzeugen.^
3. Ein in Ostindien heimisches Bäumchen aus der Familie
der Euphorbiaceen Lebidieropsis orbicularis Müll. (=z Clei-
stanthns coUinus B. et H. F.) trägt nahezu kreisrunde Blätter,
deren Stiele, wie aus Fig. 14, Taf. I, ersichtlich, in ihrer Gänze
zylindrisch verdickt sind. Der in Alkohol konservierte Zweig,
nach welchem die Zeichnung entworfen, zeigt, daß die Blätter
durch Krümmung und Torsion dieses Stieles in vollkommener
Weise ihre Lage verändern können. Schon von Ritters-
hausen^ wurde festgestellt, daß bei einzelnen Euphorbiaceen
{Mallotus, Macranga, Ricimis) die Epidermis der Blattoberseite
subpapillös entwickelt ist. Dasselbe konnte ich bei Lebidi-
eropsis beobochten. Da auch die Innenwände sehr stark gegen
die Palisaden vorgewölbt sind, so haben die oberseitigen
Epidermiszellen die Gestalt nahezu symmetrischer bikonvexer
Linsen. Der Linsenversuch lehrt, daß die Lichtkonzentration
an den Plasmabelegen der Innenwände eine ausgezeichnete
ist. Überdies treten, wie bei den Phyllantheen meistens ^ an
den Innenwänden mancher Zellen Schleimpolster auf. Aus dem
im früheren Abschnitte mitgeteilten Grunde halte ich jedoch
diese Zellen für weniger geeignet, die Lichtperzeption zu ver-
mitteln, als die Epidermiszellen mit unverschleimten Mem-
branen.
4. Über die Art und Weise, wie im Blatte der untersuchten
Cissus-hri Beleuchtungsdifferenzen hervorgerufen werden.
1 Nach Wiesner's Mitteilung gibt es unter den Polyalthia- Avlen solche,
deren Blätter unter sehr verschiedenen Winkeln (0 bis 180°) die fixe Lichtlage
erreichen (z. B. P. longifoJia B. et H.), und solche, deren Blätter sich nach dem
stärksten diffusen Lichte richten (z. B. P. littoralis B. et H.). P. suherosa ist
leider nicht genannt. Nach dem Baue der Blattoberseite könnte sie zum zweiten
Typus gehören. (Pflanzenphysiolog. Mitteilungen aus Buitenzorg, I und II, p. 16.)
2 Vergl. So lere der, System. Anat., p. 837.
^ Ebenda, p. 836.
Oberseitige Blattepidermis tropischer GelenkpJlanzen. 709
wurde schon auf p. 699 berichtet. Vergl. überdies Textfig. 8
una Fig. 15, Taf. I.
5. Loganiaceae. Die Blattstiele der untersuchten Typen
sind annähernd ebenso verdickt, wie es oben für die Vertreter
der Anonaceen beschrieben wurde. Zunächst seien die Ver-
hältnisse im Laubblatte einer nicht näher bestimmten Art der
zumeist als Kletterstrauch wachsenden Gattung Strychnos mit-
geteilt. Aus dem, was Schenck über die Art der Verzweigung
und die Blattstellung von Strychnos tripUnerva Mart. schreibt,^
scheint mir hervorzugehen, daß die Blätter dieser Pflanzen in
hohem Maße lichtempfindlich sind. V/ie große Fiederblätter
nehmen sich die stets in einer Ebene verzweigten Langtriebe
aus. Die Blätter stellen sich durch Drehung ihrer Blattstiele
fast immer in die Verzweigungsebene. Schenck betrachtet diese
Blatt- und Zweigstellung vom Standpunkte der Zweckmäßigkeit
für das Klettern, weil dadurch, zumal bei übergeneigten Lang-
trieben, die Kletterhaken alle gegen die Stützen gerichtet
werden. Ich glaube aus der geschilderten gesetzmäßigen Blatt-
drehung sicher annehmen zu können, daß die Spreiten der
kletternden Strychnos in hohem Maße lichtempfindlich sind.
Und in der Tat ist an meinem Exemplare die Epidermis vor-
züglich für die Herstellung von Beleuchtungsdifterenzen an den
Plasmabelegen ihrer Zellen eingerichtet. Wie in Fig. 16, Taf. I,
ersichtlich, zeigt die nach außen gewölbte Membran zunächst
eine durch zwei konzentrische Kugelflächen begrenzte derbe
Kutikula, deren zwar gut ausgeprägte, aber nicht sehr kräftige
Falten die optische Wirkung nicht nennenswert beeinträchtigen.
An diese auf Grund ihrer Gestalt lichtzerstreuend wirkende
Kutikula schließt sich aber eine bis zu 9 (j. dicke Schichte, die
nach den Reaktionen aus reiner Zellulose besteht. Dieselbe hat,
wie die Figur zeigt, annähernd die Gestalt einer plankonvexen
Linse und sammelt, wie der Linsenversuch bestätigt, infolge
ihres bedeutenden Brechungsexponenten das Licht in ausge-
zeichneter Weise. Überdies sind die Innenmembranen der Zellen
gegen das Assimilationsgewebe stark vorgewölbt.
-L Schenck, Beiträge zur Biologie und Anatomie der Lianen, I (Bot.
Mitteil, aus den Tropen, H. IV, Jena, Fischer, 1892), p. 226 bis 227.
710 A. Sperlich.
Ganz andere Einrichtungen finden wir in den Blättern
einer nicht näher bestimmten Fagraea. Diese häufig epiphytisch^
lebende Loganiacee erinnert mit ihren fleischigen, saftreichen
Blättern sehr an Hoya. Die Außenwände der oberseitigen Epi-
dermiszellen bestehen wiederum aus zwei Schichten, aus einer
kutinisierten, stark lichtbrechenden äußeren und aus einer
inneren Zelluloseschichte. Während bei Strycluios, wie wir so-
eben erfahren, diese an Mächtigkeit jene weit übertrifft, ist es
hier gerade umgekehrt. Die Gestalt der kutinisierten Außen-
schichte entspricht, wie Fig. 17, Taf. I, zeigt, einer plan- oder
konvexkonkaven Linse, welche unter Berücksichtigung des
hohen Brechungsvermögens eine bedeutende Lichtzerstreuung
verursacht. Zur Paralysierung dieser Wirkung kann die dar-
unter liegende Zelluloseschicht von annähernd plankonvexer
Gestalt dienen, jedoch niemals in dem Maße, daß die durch die
Außenschicht bewirkte Strahlendivergenz in eine Konvergenz
umgewandelt würde. Der Linsenversuch zeigt, daß durch die
Epidermiszellen keinerlei Beleuchtungsdifferenzen entstehen.
Es ist nun aber, wie in der Figur ersichtlich, unter der Epi-
dermis ein sehr regelmäßiges, großzelliges Hypoderm ent-
wickelt, dessen Innenwände bogig gegen die Palisaden ein-
springen. An den diesen Wänden anliegenden Plasmabelegen
entstehen Beleuchtungsdifferenzen, die immerhin als im Dienste
der Lichtperzeption stehend aufgefaßt werden können.
6. Auch die Blätter der im tropischen Amerika heimischen
Solanacee Brniifelsia aniericana L., die wegen ihrer schönen
Blüten nicht selten als Zierstrauch kultiviert wird, zeichnen sich
durch Blattstiele aus, die ähnlich wie bei den eben beschriebenen
Formen gelenkartig verdickt sind. Die oberseitige Epidermis
der elliptischen Blätter eignet sich in bester Weise zur Erzielung
gesetzmäßiger Lichtverteilung an den Plasmabelegen ihrer
Zellen. Sowohl Außen- als Innenmembranen sind gewölbt,
diese mit kleinerem Krümmungsradius als jene. Die verhältnis-
mäßig zarte Außenwand trägt eine durch regelmäßig hervor-
springende Falten ausgezeichnete Kutikula, die indes, wie der
1 A. F. W. Schimper, Die epiphytische Vegetation Amerilvas; Bot. Mitt.
aus den Tropen, Heft II, 1888, p. 18.
Oberseitige Blattepidermis tropischer Gelenkpflanzen. 71 1
Linsenversuch zeigt, die sehr vollkommene Lichtsammlung an
den Zellinnenwänden durchaus nicht beeinträchtigt.
C. An der Basis des Blattstieles und an dessen oberem
Ende befindet sieh ein Gelenk.
Die Blätter, welche durch die in der Aufschrift charakte-
risierten Bewegungswerkzeuge ausgezeichnet sind, erweisen
sich als für unsere Untersuchung in hohem Maße bemerkens-
wert. Sie gehören durchwegs Kletterpflanzen an, für welche
Haberlandt die biologische Bedeutung des Zusammen-
wirkens von Stiel und Spreite hervorgehoben hat (vergl. p. 680).
Das unter dem Spreitengrunde befindliche Gelenk führt die
Bewegungen aus, die zur feineren Einstellung der Lamina in
die Richtung des stärksten diffusen Lichtes führen; hier müssen
sich demnach die charakterisüschen Einrichtungen, die als im
Dienste der Lichtperzeption stehend aufgefaßt werden, vor-
finden, so ihnen diese Bedeutung überhaupt zukommen soll.
1. Aus der Gruppe der Dioscoreaceae, deren windende
Vertreter sich zumeist im Schatten des Waldes^ aufhalten,
zeigt Dioscorea Koordersii Ridl. an ihren Blattstielen die in
Fig. 18 auf Taf. I abgebildeten Gelenkverdickungen. Die eben
ausgebreitete herzförmige Spreite weist in ihrer Epidermis aller-
dings die besonders differenzierten Sinneszellen nicht auf,
welche Haberlandt bei Dioscorea quinqueloba Thunb.
beschrieben hat;^ doch ist die Epidermis so eingerichtet, daß
in sehr vielen ihrer Zellen bedeutende Lichtkonzentrationen
erfolgen müssen. Das oberseitige Hautgewebe ist zum Teil
einschichtig, zum Teil zweischichtig; letzteres kommt dadurch
zu Stande, daß sehr viele Epidermiszellen durch eineTangential-
wand eine Zweiteilung erfahren haben. Betrachtet man einen
Blattflächenschnitt, so sieht man, daß die ungeteilt gebliebenen
Oberhautzellen entweder einzeln oder in Gruppen von 2 bis 8
Zellen zwischen den Doppelzellen auf der ganzen Spreite
1 Schenck, Beiträge zur Biologie und Anatomie der Lianen, I, p. 9.
2 Haberlandt, Die Lichtsinnesorgane der Laubblätter, p. 106, 107;
Taf. II, Fig. 18 bis 21.
712 A. Sperlich,
gleichmäßig verteilt sind. Die Fig. 19 auf Taf. I zeigt, wie
sich die ungeteilten Zellen im Flächenschnitte durch größere
Helligkeit von den übrigen Epidermiszellen abheben. An dem
Blattquerschnitte, Fig. 20 derselben Tafel, wird ersichtlich, daß
sich die ungeteilten Zellen dadurch auszeichnen, daß ihre
Außenwand in der Regel stärker vorgewölbt ist als die der
geteilten. Der Linsenversuch ergibt nun in der Tat für die un-
geteilten Zellen eine weit bessere Strahlensammlung an den
Innenwänden als für die geteilten Zellen. Bei diesen kommen
selbstverständlich nur die an die Palisaden grenzenden Wände
in Betracht, da die Teilwände viel zu wenig weit von der
Außenwand entfernt sind, um auf Grund der schwachen Vor-
wölbung derselben irgend welche Beleuchtungsdifferenzen zu
zeigen. Weist unsere Dioscorea demnach nicht die vollkommene
Differenzierung im Hautgewebe auf wie die von Haberlandt
untersuchte D. quinqueloha, so zeigt uns ihr Verhalten doch,
daß bei den Dioscoreen jedenfalls die Anlage zur Differenzierung
ihrer oberseitigen Blattepidermis vorhanden ist und es fällt nicht
schwer, sowohl hier wie dort diese Differenzierung als Anpassung
an die Bedürfnisse der Lichtperzeption zu deuten. Die Anpassung
ist zwar bei D. qiiinqueloba mit ihren großen, bedeutend vorge-
wölbten Ozellen viel weiter gediehen als bei D. Koordersii, doch
muß auch der Apparat dieser als vollkommen wirksam bezeich-
net werden.
2. Menispermaceae. Die große Ähnlichkeit der ganz
charakteristischen Blattform dieser Familie mit der Form der
Dioscoreenblätter und der Blätter anderer Winder finden wir
beiSchenck^ besonders hervorgehoben; die Figuren 21, 22
und 23 auf Taf. I zeigen, daß auch die langen Blattstiele in ganz
ähnlicher Weise gelenkig verdickt sind. Die Tatsache, daß der
Blattstiel stets in einer Einbuchtung des unteren Spreiten-
randes inseriert ist, mithin das hier entwickelte Gelenk sich
größtenteils im Schatten der Spreite befinden muß, scheint mir
Anhaltspunkt genug, um zu schließen, daß die Lichtperzeption
zur feineren Einstellung in die Lichtrichtung durch die Spreite
erfolgt.
1 Schenck, a. a. 0., p. 14 bis 15.
Oberseitige Blattepiciermis tropischer Gelenkpflanzen. 713
In den Spreiten der von Haberlandt^ untersuchten zwei
Typen der Familie, Ananiirta coccuJus und CoccuUis laurifolius,
werden an den Plasmawänden ihrer oberseitigen Epidermis-
zellen dadurch gesetzmäßige Beleuchtungsdifferenzen hervor-
gerufen, daß die Innenwände dieser Zellen gegen das Assimi-
lationsgewebe entweder wie Flächen eines Pyramidenstutzes
oder bogig einspringen; die Außenwände sind eben. Von der
zum Lichteinfalle senkrechten Einstellung dev AnamirtaS^veiiQn
konnte ich mich selbst an dem im Warmhause unseres bota-
nischen Gartens kultivierten Exemplare überzeugen; daß sich
CocctUtis laurifolius und andere Menispermaceen ebenso ver-
halten, geht aus Wiesner's^ Mitteilungen hervor.
Als erstes Objekt sei die durch besondere Lentizellen-
bildung ausgezeichnete Tinospora crispa Miers. erwähnt. Ihre
großzellige Epidermis ist durchwegs zartwandig und dient der
Wasserspeicherung. In Fig. 24, Taf. I, ist ersichtlich, daß die
hohen Zellen (als höchstes Maß konnte ich 48 {Jt feststellen)
nicht nur stark gegen die darunter liegenden schmalen Pali-
saden einspringen, sondern daß sich auch ihre Außenmembranen
bogig vorwölben. Infolge des verhältnismäßig großen Abstandes
der Innenwände von den lichtsammelnden Flächen ist der Be-
leuchtungseffekt im Zentrum der Innenwände ein ausgezeich-
neter. Die hier und auch sonst häufig in der Epidermis auf-
tretenden Kristalle von Kalkoxalat stören, wie der Linsen-
versuch bestätigt, die gesetzmäßige Lichtverteilung an den
Plasmabelegen durchaus nicht; in vielen Fällen liegen dieselben
übrigens dicht den Zellseitenwänden an, demnach größtenteils
außerhalb des konvergenten Strahlenbündels.
In bester Weise sorgen die durch ein Gerüstv/erk reich-
verzweigter sklerenchymatischer Elemente^ ausgesteiften derben
Blätter von Fibraurea chloroleuca Miers. und Arcangelisia
lemiiiscata B e c c. für eine entsprechende Lichtverteilung an den
Plasmahäuten gewisser Epidermiszellen. Unter der kleinzelligen
Oberhaut der erstgenannten Pflanze befindet sich ein eng-
1 Haberlandt, Die Lichtsinnesorgane der Laubblätter, p. 46.
- Wiesner, Pflanzenphysiologische Mitteilungen aus Buitenzorg, I, II,
p. 15.
3 Vergl. Solereder, System, Anat., p. 45.
Sitzb. d. mathem.-naturw. Kl. ; CXVI. Bd., Abt. I. 47
714 A. Sperlich,
maschiges subepidermalesNetz der schon erwähnten Stereiden.
Die über denselben liegenden Epidermiszellen weisen keinerlei
Einrichtung zur Herstellung von Beleuchtungsdifferenzen auf;
überall dort aber, wo in einer Masche des Netzes die Palisaden
direkt an die Epidermis grenzen, sind die Zellen derselben von
nahezu kugeliger Gestalt und ermöglichen, wie der Linsen-
versuch zeigt, Helligkeitsunterschiede an der Grenze zwischen
Epidermis und Mesophyll. Es stellen diese Maschen gleichsam
Fenster dar, durch welche allein der Lichteintritt in das Blatt
ermöglicht wird; denn unter Berücksichtigung der starken
Lichtreflexion an verdickten Zellmembranen erscheint es kaum
denkbar, daß irgend welches Licht diese »Fensterrahmen <- zu
durchdringen vermöchte. Das Querschnittsbild, Fig. 27, Taf. I,
macht die besprochenen Verhältnisse ersichtlich. Es möge nicht
unerwähnt bleiben, daß das subepidermale Spikularnetz der
Herstellung für den Linsenversuch geeigneter Blattflächen-
schnitte Schwierigkeiten in den Weg setzt. Durch etwas größere
oberseitige Epidermiszellen ist die Spreite von Arcmigelisia
ausgezeichnet (Zellhöhe bei Fibraurea 15 [x, bei Arcangelisia
21 (A, Durchmesser im gleichen Verhältnis). Die sklerenchyma-
tischen Elemente des Mesophylls sind bei weitem nicht so zahl-
reich wie bei Fibraurea, insbesondere fehlt das subepidermale
Netz, wiewohl einzelne Äste der Stereiden auch knapp unter
der Epidermis dahinziehen. Der Gestalt nach erinnern die Epi-
dermiszellen dort, wo sie nicht über Stereiden liegen, an die
entsprechenden Zellen von Anamirta; nur ist ihre Außenwand
etwas vorgewölbt. Eine nennenswerte Lichtsammlung kommt
indessen durch diese Vorwölbung nicht zu stände. Zwischen
den gewöhnlichen Epidermiszellen, die infolge ihrer Wölbung
nach innen immerhin an der Lichtperzeption beteiligt sein
können, finden sich aber kleinere Zellen gleichmäßig über die
ganze Oberseite der Lamina verteilt, die geradeso wie die
Fensterzellen von Fibraurea nahezu Kugelgestalt aufweisen.
Drei solcher Kugelzellen sind im Flächenbilde, Fig. 25, Taf. I,
zu sehen. Der Linsenversuch läßt erkennen, daß an den Innen-
wänden gerade dieser Zellen sehr scharfe Lichtkreise entstehen,
wozu der große 'Gerbstoffgehalt des Zellsaftes, der übrigens
allen Epidermiszellen eigen, wesentlich beiträgt.
Oberseitige Blattepidermis tropischer Gelenkpflanzen. 715
Wohl die kleinsten und derbwandigsten Epidermiszellen
aller Menispermaceen dürfte Coscmium Bhuneanum Miers.
(var. epeltatum Boerl.) haben. Bei oberflächlicher Betrachtung
eines Blattquerschnittes scheint es einem zunächst kaum der
Mühe wert, mit dem Flächenschnitte der Blattoberseite den
Linsenversuch zu machen. Bei Ausführung desselben werden
wir bald eines besseren belehrt: in jeder Zelle erscheint an der
Innenwand ein deutlich abgegrenztes helles Mittelfeld, welches
sich bei ganz minimaler weiterer Hebung des Tubus zu einem
scharfen Blendenbilde konzentriert. Als vorzügliche Sammel-
linse fungiert hier die in Form einer konkav- oder plankonvexen
Linse ausgebildete, vollständig kutinisierte Außenmembran,
deren Substanz sich als in hohem Maße lichtbrechend erweist
(Fig. 26, Taf. I).
Von einigem Werte sind die Verhältnisse, die uns die zwei
folgenden Gattungen aufweisen, und zwar deshalb, weil die
erste derselben in ihren Epidermiszellen einen Typus zeigt, der
von dem Typus der Anamirta hinüberführt zu dem sehr voll-
kommenen Typus der zweiten. Wie schon erwähnt, zeichnen
sich die oberseitigen Epidermiszellen von Anamirta coccuhts
durch ebene Außenwände und durch Innenwände aus, die in
das Mesophyll einspringen; die Zellen weisen nach Haber-
land t den unvollkommeneren Grad der Anpassung an dieLicht-
perzeption auf; ähnlich ist es, wie Haberlandt berichtet, bei
CocctÜMs laurifolius. Betrachten wir nun das Bild des Blatt-
querschnittes von Cocculus Blumei Boerl., Fig. 28, Taf. I. Zu-
nächst fällt auf, daß, wie bei den eben genannten, von Haber-
landt untersuchten Typen auch hier die Innenwände der Epi-
dermiszellen als Flächen eines Pyramidenstutzes in das Meso-
phyll eindringen. Bei oberflächlicher Betrachtung erscheinen
die ansehnlich verdickten Außenwände ohne jede bemerkens-
werte Einrichtung. Nun zeigt aber der Linsenversuch, daß
durch diese Zellen eine, wenn auch schwache, immerhin aber
noch auffallende Strahlensammlung erfolgt. Möglichst dünne
und genau senkrecht auf die Bildfläche geführte Querschnitte
klären die Sache sofort auf; wie die oben angeführte Figur
zeigt, sind die verdickten Außenmembranen durchaus nicht von
parallelen, ebenen Flächen begrenzt, sondern haben die Gestalt
716 A. Sperlich,
von flachen, plan- oder bikonvexen Sammellinsen. Betreffs der
Deutung derartiger mikroskopischer Bilder ist nun allerdings
große Vorsicht am Platze; es weisen buchtige Epidermiszellen,
wenn der Querschnitt nahe an den Einbuchtungen vorbeiführt
oder diese gar trifft, nicht selten eine ähnliche Erscheinung
auf. Durch Messung und Vergleich von Quer- und Flächen-
ansichten einer größeren Zahl von Zellen, durch Verschiebung
der Einstellung bei dickeren Schnitten wird man sich im
einzelnen Falle jedesmal darüber klar werden, ob man es mit
einer tatsächlichen linsenförmigen Verdickung zu tun hat oder
nicht. In unserem Falle steht die Sache schon deshalb außer
Zweifel, da buchtige Seitenwände in der Epidermis nicht vor-
kommen.
Es treten demnach im Blatte von Coccnlus Bltunei beide
Anpassungsformen an die Lichtperzeption nebeneinander auf;
die voUkommere unter denselben, die Strahlensammlung be-
wirkende, ist allerdings nicht sehr weit gediehen. Bedeutung
gewinnt aber der Umstand erst dadurch, daß bei einer anderen,
von Coccuhis nicht fernstehenden Menispermacee, Albertisia
papuana Becc, der von Cocculns zur Erzielung einer Strahlen-
sammlung eingeschlagene Weg zu einem besonderen Grade
der Vollkommenheit geführt hat und daß im Zusammenhange
damit das bei Cocculns bedeutende Einspringen der Epidermis-
innenwände hier fast gar nicht oder nur unbedeutend zum Aus-
druck kommt. Die Gestalt der Epidermiszellen von Albertisia
zeigt Fig. 29, Taf. I. Die in Form bikonvexer Linsen verdickten
Außenwände messen im Zentrum 10-5, an den Rändern 7-5[i,
gegenüber Cocctthis mit einer Membranstärke von 6: 5-5[x ein
gewaltiger Fortschritt. Der Linsenversuch ergibt, daß durch
diese Form der Membranverdickung, die schon im ersten der
einleitenden Kapitel als sehr zweckmäßig beschrieben wurde,
ein sehr lichtkräftiges helles Mittelfeld an den Innenwänden
der Epidermiszellen erzielt wird.
Der Vergleich der drei Typen Anamirta, Cocctdus und
Albertisia dünkt mir für die Auffassung einspringender Epider-
misinnenwände als im Dienste der Lichtperzeption stehende
Einrichtung von nicht unwesentlicher Bedeutung und man wird
trachten müssen, in der Auffindung ähnlicher Übergänge
Oberseitige Blattepidermis tropischer GelenkpOanzen. 7 1 /
weitere Stützen hiefür zu gewinnen. Das tut aber gerade für
diese Einrichtung not, weil an eine direkte Beweisführung, wie
ich schon einmal erwähnt habe (vergl. p. 695, Fußnote), kaum
zu denken ist.
Es möge zum Schlüsse nicht vergessen sein zu bemerken,
daß Albertisia, die sich durch den vollkommensten Apparat
für die Lichtperzeption der Lamina unter allen untersuchten
Menispermaceen auszeichnet, auch das kräftigst entwickelte
Bewegungwerkzeug im Dienste der Lamina besitzt. Wie ein
vergleichender Blick auf die Figuren 21, 22, 23 auf Taf. I lehrt,
ist das obere, die Bewegung der Spreite herbeiführende Gelenk
bei Albertisia (Fig. 22,b) am schönsten entwickelt.
3. Über die optischen Einrichtungen im Blatte der Ver-
benacee Faradaya sp. und deren Gelenkausbildung wurde
schon auf p. 684 ff. gesprochen. Vergl. überdies Fig. 1 und 2 auf
Taf. II.
D. Der Blattstiel und die Fiederblattstiele haben Gelenke.
1. Pircodendron arboreimi Planch., ein auf Jamaika
heimischer, großer Baum aus der Familie der Simarubaceae,
trägt dreiteilige derbe Blätter. Der 7 -5 f;/? lange Blattstiel und
die 1"5 cm langen Stiele der Teilblätter sind auffallend dünn;
nur an der jeweiligen Insertionsstelle macht sich sowohl bei
diesen als auch bei jenen eine nicht sehr kräftige, gelenkartige
Verdickung bemerkbar. Die oberseitige Blattepidermis weist die
für die Blätter der Dipterocarpaceen angegebenen Verhältnisse
auf, ziemlich hohe prismatische Zellen, deren Tangentialwände
weder nach außen noch nach dem Innern des Blattes gewölbt
sind. Die Verdickungsform der Außenmembranen ergibt
Zerstreuungslinsen, die Innenmembranen sind zum Teil ver-
schleimt. Wenn die Schleimpropfen, deren lichtsammelnde
Wirkung für viele Fälle wenigstens schon früher in Frage ge-
stellt wurde, nicht in Betracht kommen, so müssen wir auch
hier wieder der Epidermis jede im Dienste der Lichtperzeption
stehende Einrichtung absprechen. Diese Tatsache stimmt mit
der Gestalt der Blattspreiten aufs beste überein. Wie der Rücken-
7.18 A. Sperlich,
Schild eines Cheloniers ist die Spreite gewölbt und verrät
dadurch die hohe Lichtintensität, die dem schütteren Laub-
werke des Baumes zur Verfügung steht; die Blätter von Picro-
dendron sind zweifellos panphotometrisch. ^
2. Fast ebenso unwirksam in optischer Beziehung ist die
oberseitige Blattepidermis einer nicht näher bestimmten Art der
zur Familie der Sapindaceen gehörigen Gattung Capura
(zi^Otophora). Die mächtige Basalverdickung des Hauptstieles
zeigt Fig. 3a auf Taf. II; in Fig. 'Sb ist ein Fiederblattstiel
gezeichnet, der gleichfalls gelenkig verdickt ist.
Wie Wiesner^ mitteilt, gehört Otophora pttbescens B\.
zu jenen Pflanzen, deren Blätter nur unter dem Einflüsse des
direkten Sonnenlichtes die fixe Lichtlage gewinnen. »Eine
dichte Belaubung kommt bei diesem Gewächs nicht vor, da die
(gefiederten) Blätter schopfartig am Ende langer, kahler Äste in
nur geringer Zahl stehen. Die Fiederblättchen dieses Baumes
sind unter einem Winkel von etwa 25 bis 100° nach abwärts
geneigt.« Es unterliegt demnach keinem Zweifel, daß die
Gelenke hier im Dienste des Schutzes vor ungünstiger Sonnen-
bestrahlung stehen. Und wenn, wie ich fast sicher annehme,
die Verhältnisse, welche Wiesner für Otophora pubescens an-
gibt, auch für unsere Otophora gelten, welche möglicherweise,
da vom gleichen Standorte stammend, mit Wiesner's Beob-
achtungsobjekt identisch ist, so wird der Mangel jeder optischen
Einrichtung in der Epidermis verständlich. Die nahezu iso-
diametrischen Zellen sind allseitig von fast ebenen Wänden
begrenzt, nur hin und wieder erscheint beim Linsenversuche
eine schwache Lichtsainmlung, die auf eine unbedeutende Vor-
wölbung der Außenmembranen vereinzelter Epidermiszellen
zurückzuführen ist.
3. Die auffallendsten Gelenke fanden sich beiden Vertretern
der zumeist kletternden Connaraceen. Das mächtige Basal-
gelenk und die bedeutende Gelenksverdickung der Fiederblatt-
1 Wiesner, Über die Formen der Anpassung des Laubblattes an die
Lichtstärke, p. 6 bis 8.
2 Wiesner, Pflanzenphysiolog. Mitteilungen aus Buitenzorg, I und
II, p. 17.
Oberseitige Blattepidermis tropischer Gelenkpflanzen. 719
Stiele eines nicht näher bestimmten Connanis, dessen Blätter
die stattHche Länge von über einem halben Meter erreichen,
zeigt Fig. 4a und Ab auf Taf. IL Die Gelenke der anderen zwei
untersuchten Arten, Connartis cJliptictis King, und C. diversi-
foliüs (Hort.?) weisen den gleichen Typus auf, nur sind
ihre Dimensionen, den geringeren Maßen des Blattes ent-
sprechend, kleiner. Einrichtungen zur Erzielung gesetzmäßiger
Beleuchtungsverhältnisse an den Plasmabelegen kommen bei
allen drei untersuchten Arten vor, am vollkommensten bei der
nicht näher bestimmten großblätterigen Art. Hier verrät schon
die chagrinlederartige Oberseite, daß die Zellen der Epidermis
gewölbte Außenmembranen besitzen. Die großen, buchtig
begrenzten Epidermiszellen erreichen eine Tiefe von 45 [x und
zeichnen sich durch außerordentliche Durchsichtigkeit aus.
Beim Linsenversuche erscheinen denn auch an den Innen-
wänden Lichtkreise von hervorragender Schärfe und Helligkeit.
Die zwei anderen Arten besitzen den unvollkommeneren
Apparat: die Außenwände sind nahezu eben oder nur unbe-
deutend gewölbt, die Innenmembranen springen jedoch sehr
tief in das Assimilationsgewebe ein. In Fig. 5, Taf. II, ist
die Innenwand der einspringenden Zelle unverschleimt, in
Fig. 6 verschleimt. Ob die ziemlich häufige Verschleimung
der Membranen lichtkonzentrierend wirkt, muß unerörtert
bleiben.
4. Leguminosae. Die Deutung der Befunde in den Spreiten
der Leguminosen kann nicht einwandfrei sein, da die zur
Genüge bekannten Gelenke der Vertreter dieser Familie in
hohem Maße lichtempfindlich sind. Besonders gilt dies für die
gerade in unserem Falle maßgebenden oberen Gelenke, wie
schon in der Einleitung hervorgehoben. Ob sich die Gelenke in
allen Fällen so autonom erweisen wie bei Phaseolus, das
müssen erst Experimente lehren; immerhin kann solches an-
genommen werden und das um so mehr, weil diese Gelenke
niemals von der Spreite beschattet werden, wie etwa die oberen
Blattstielgelenke der unter C besprochenen Gewächse, mithin
auf sie stets das gleiche Licht fällt wie auf die Spreite, und weil
sie in den meisten Fällen von einer zarten, lichtdurchlässigen
Rinde umgeben sind.
720 A. Sperlich,
Es seien zunächst die zwei untersuchten Vertreter der
Caesalpinioideae, Brownea hybrida (Hort.?) und Wagatea
spicata Dalz. besprochen. Eine vollkommen sichere optische
Einrichtung wurde weder hier noch dort gefunden. Die Fieder-
blätter von Brownea hybrida, von der wir in Schimper's
Pflanzengeographie auf physiologischer Grundlage ^ ein gutes
Habitusbild nach einer Treub'schen Photographie besitzen,
zeichnet sich durch eine außerordentlich kleinzellige, derbe
oberseitige Epidermis aus. Ihre isodiametrischen (J=r:15[x),
buchtig ineinander greifenden Zellen können in keinerlei Weise
an den Plasmawänden eine gesetzmäßige Lichtverteilung
hervorrufen. Besser ist es vielleicht diesbezüglich in den
Fiederblättchen der hochkletternden Wagatea bestellt; doch
kann ich Sicheres nicht aussagen, da es sich hiebei um einen
Schleim handelt.
In Solereder's systematischer Anatomie ist bei der Be-
sprechung der Caesalpiniaceen zu lesen :'^ »Nicht sehr ver-
breitet ist die für die Artcharakteristik wertvolle Verschleimung
der Epidermiszellen«; unter den aufgezählten Beispielen wird
Wagatea nicht erwähnt, auch ist nicht zu ersehen, ob diese
Verschleimung in den Außen- oder wie meistens in den Innen-
wänden auftritt. Es dürfte daher angezeigt sein, die immerhin
bemerkenswerte Verschleimung derBlattepidermis von Wagatea
mitzuteilen. Die buchtig ineinander greifenden Zellen haben
durchschnittlich eine Tiefe von 21[x und sind, die Außenwände
ausgenommen, von mäßig dicken Membranen umgeben. Die
Außenwände bestehen aus zwei Schichten. Die äußere bis zu
6[x mächtige Schichte ist vollständig kutinisiert, die sich deut-
lich abhebende Kutikula zieht über dieselbe nahezu eben
hinweg; gegen das Zellinnere wird die Schichte aber durch
eine bei Alkoholmaterial stark lichtbrechende Lamelle von der
Form einer bikonvexen Linse begrenzt. Bei Wasserzusatz setzt
sofort bedeutende Quellung ein und das Endresultat ist das in
Fig. 13, Taf. II, festgehaltene Bild. Ich will bemerken, daß die
Schleimpolster nicht durchwegs die in der Figur gezeichnete
1 Jena, Fischer, 1898, p. 356.
2P. 321.
Oberseitige Blattepidermis tropischer Gelenkpflanzen. i 2 1
regelmäßige Gestalt aufweisen, vielfach sind sie ganz unregel-
mäßig konturiert. Wie der Linsenversuch zeigt, würde, falls das
Brechungsvermögen des Schleimpropfens unter natürlichen
Verhältnissen größer wäre als das des Zellsaftes, durch diese
Einrichtung eine herrliche Strahlensammlung erfolgen. Ob das
nun in der Tat so ist, muß dahingestellt bleiben. Diese eigen-
artigen linsenförmigen Schleimpropfen kommen nur der Ober-
seite zu, die papillös ausgebildeten Zellen der unterseitigen
Epidermis weisen Verschleimung nicht auf.
Aus der zu den Papilionaten gehörigen Untergruppe der
Phaseoleen kamen vier Typen zur Untersuchung: Flemingia
JatifoUa Benth. {-rzcoiigesta Roxb.), derKorallenholzbaumErj;-
thrina Corallodcndroii L., Erythriiia poianthes Brot. (=:Steno-
tropis Berteroi Hassk.) und die hochkletternde, prächtig
blühende Butea frottdosa Wall. {=zsiiperba Roxb.). Die
mächtigen Gelenke, durch welche das große dreizählige Blatt
der letztgenannten Pflanze ausgezeichnet ist, finden sich auf
Taf. II, Fig. 7 a und 7 b, abgebildet. Die oberseitigen Blattepi-
dermen aller dieser Gewächse sind papillös, die Zellen außer-
ordentlich durchsichtig und meist sehr zartwandig. Es ist daher
klar, daß beim Linsenversuche an den Innenwänden jedesmal
lichtstarke, scharf umgrenzte Flecke genau im Zentrum der
einzelnen Zellen zu sehen sind.
Eine gesonderte Besprechung v erdient Alysicarpus bupletiri-
folins DC, zu den Hedysareen unter den Papilionaten gehörig.
Das infolge langer, gleichmäßig gerichteter Trichome seidig
glänzende Blatt ist einfiederig und zeigt sowohl am unteren
Ende des Blattstieles als auch am Grunde der länglichen Spreite
auffallende Gelenke (Fig. 8 a und b, Taf. II). Jede Epidermis-
zelle der Blattoberseite trägt nahezu genau im Zentrum einen nach
außen vorspringenden Buckel, die Zellen der unterseitigen
Epidermis sind papillös. Etwas ähnliches scheint bei den
Podalyrieen vorzukommen, von welchen Solereder^ schreibt:
»Den Papillen entsprechend und mit denselben durch Über-
gänge verbunden sind die von Reinke bei vielen Podalyrieen
auf beiden Blattseiten beobachteten Kutikularbuckel, welche
1 A. a. O., p. 292.
722 A. Sperlich,
als massive und rundliche oder kegelförmig gestaltete Vor-
sprünge der stark verdickten Außenwände in der Mitte der
Epidermiszellen hervortreten. Mitunter sind diese Gebilde länger
und dann papillen- bis haarartig.«
Die verschiedene Ausbildung der Buckel von Alysicarpus
bei Epidermiszellen eines und desselben Blattes zeigen die
Fig. 9 und 10, Taf. II. Wir sehen, daß das eine Mal das Lumen
der Zelle in den Buckel einspringt, das andere Mal der Buckel
massiv ist, und daß sich in weiteren Fällen an die verdickte,
buckelige Außenwand überdies eine sehr quellungsfähige, deut-
lich geschichtete Membranlamelle innen anlegt. Fig. 10 zeigt
diese Lamelle in stark gequollenem Zustande. Wie aus dem
Flächenbilde, Fig. 11, das nach einem Aschenpräparate
gezeichnet ist, hervorgeht, sind sämtliche Membranen reichlich
verkieselt; auch in der quellungsfähigen Membranschichte ist
viel Kieselsäure eingelagert. Der Linsenversuch lehrt nun, daß
in jedem Falle, wie immer auch die Außenmembran gestaltet
sein mag, an den Plasmabelegen der Innenwände außerordent-
lich lichtstarke Zentralfelder entstehen. Am vollkommensten
erweisen sich die Zellen mit massivem Buckel; bei diesen fällt
die Stelle größter Strahlensammlung genau auf die Rückwand.
Der Appaiat ließe sich am ehesten mit dem der Schatten-
form von Campamila persicifoJia vergleichen. Bekanntlich hat
Heinricher 1 bei dieser und anderen Cmnpamila- Arien in den
Außenwänden der oberseitigen Epidermis verkieselte Membran-
propfen entdeckt, die sich, wie Heinricher gezeigt hat, auf
Trichome zurückführen lassen. Haberlandt^ faßt die Pfropfen
als im Dienste der Lichtperzeption stehend auf. Bei Alysicarptis
ist nun allerdings an eine Ableitung v^on Trichomen nicht zu
denken ; ein weiterer Unterschied ergibt sich dadurch, daß hier,
wie Fig. 12, Taf. II zeigt, auch viele papillöse Zellen der unter-
seitigen Epidermis am Gipfel der Papille eine linsenförmige,
stark verkieselte Membranverdickung aufweisen. Wie man sich
1 Heinricher, Ein reduziertes Organ bei Cainpanula persicifolia und
einigen anderen Campanitla- Arten; Ber. der Deutschen bot. Ges., ßd. III, 1885,
p. 4 bis 13.
- Haberlandt, Die Lichtsinnesorgane der Laubblätter, p. 70 bis 7o,
Taf. II, Fig. 1 bis 10.
Oberseitige Blattepidermis tropischer Geleni<pflanzen. 723
dufch den Linsenversuch und mit Hilfe einer Konstruktion leicht
überzeugen kann, ist aber die Lichtverteilung gerade in solchen
Epidermiszellen der Unterseite infolge der Höhe der Papillen
an den Plasmabelegen der Innenwände eine ziemlich gleich-
mäßige.
Aus dem Vorhergehenden ergibt sich, daß sämtliche unter-
suchten Vertreter der Papilionaten optisch in hervorragender
Weise eingerichtete Epidermen der Blattoberseiten besitzen. Wie
weit diese nun hier tatsächlich im Dienste der Lichtperzeption
stehen, läßt sich unter Berücksichtigung der Lichtempfindlich-
keit der Gelenke dieser Pflanzen ohne Experiment nicht sagen.
Wahrscheinlich ist indes, daß bei aller Autonomie des Gelenkes
dennoch eine Beeinflussung seitens der lichtperzipierenden
Lamina erfolgen kann, wie das Haberlandt für Pkaseolus
nachgewiesen hat (vergl. p. 678). Für das Fehlen optischer Ein-
richtungen im Blatte der untersuchten Caesalpinioideen, spe-
ziell von Browuea hyhrida, könnte namhaft gemacht werden,
daß ein großer Teil ihrer Blätter direktem Sonnenlichte aus-
gesetzt ist, was auch in der bekannten Hängestellung der jungen
Zweige zum Ausdrucke kommt. Freilich gehört Browuea nach
Wiesner^ zu jenen Gewächsen, deren Blätter im Umfange der
Krone sich nach dem direkten, im Innern derselben nach dem
stärksten diffusen Lichte orientieren; es ist indessen nicht aus-
geschlossen, daß für den Fall, als sich Brownea-Fiederhlatt-
spreiten überhaupt lichtempfindlich zeigen, bei Innenblättern
der Krone Einrichtungen zur Strahlensammlung in der Epider-
mis gefunden werden.'-
1 Wiesner, Pflanzenphysiolog. Mitteilungen aus Buitenzorg, I und II,
p. 16.
"2 Während der Ausarbeitung dieses Aufsatzes erinnerte ich mich der für
die Kenntnis formativer Reize wertvollen Arbeit M. Nu rdhausen's : Über
Sonnen- und Schattenblätter (Ber. der Deutsch, bot. Ges., Bd. XXI, 1903, p. 30
bis 45). Dieselbe ist auch tür unseren Fall von Interesse. Abgesehen von den
übrigen anatomischen Unterschieden der Licht- und Schattenblätter bei der vom
Autor vorzüglich zu seinen Versuchen herangezogenen Blutbuche zeigen die
Figuren 7 (Querschnitt durch ein Sonnenblatt von natürlichem Standorte) und 8
(Querschnitt durch ein entsprechendes Schattenblatt) auf Taf. IV recht anschau-
lich, daß die oberseitige Epidermis des Schattenblattes anders gestaltete Zellen
724 A. Sperlich,
E. Der Blattstiel trägt an der Basis und am oberen Ende
je ein Gelenk, überdies sind die Stiele der Teilblätter
gelenkig" verdickt.
1. Dioscorea pentaphylla L. unterscheidet sich von der in
Abschnitt C besprochenen Art dadurch, daß die Blattspreite in
4 bis 5 Teilblätter aufgelöst ist, deren Stiele, wie Fig. 20 b,
Taf. II, zeigt, gelenkig verdickt sind. Der Hauptstiel trägt über-
dies oben und unten (Fig. 20 a) kräftige Gelenke. Die ober-
seitige Blattepidermis ist ein Wassergevvebe und eignet sich
als solches wie bei der Menispermacee Tinospora vortrefflich
zur Herstellung gesetzmäßiger Beleuchtungsverhältnisse an
den in Betracht kommenden Plasmabelegen. Eine besondere
Differenzierung in der oberseitigen Blattepidermis, welche wir
bei D.Koordersii gefunden und wie sie in auffallender Weise bei
der von Haberlandt untersuchten D. qtiinqueloha vorkommt,
erscheint bei dieser Art durchaus überflüssig; jede Zelle wirkt
in gleich vollkommener Weise lichtsammelnd. Die Figuren 21
und 22 auf Taf. II machen die Gestalt der Epidermiszellen
ersichtlich. Bemerkenswert ist ihre Größe; sie erreichen eine
Tiefe von 120 jx, das ist beiläufig ein Drittel des Blattquer-
schnittes. Zur Stützung der hohen Zellen finden wir die Radial-
kanten, in welchen drei Zellen zusammenstoßen, durch lokale
Membranverdickung als Pfeiler ausgebildet; das Flächenbild
der Epidermis macht infolgedessen den Eindruck eines Kollen-
chyms. Möglich, daß sich dieser Aussteifungsapparat auch mit
Rücksicht auf das Bedürfnis derLichtperzeption entwickelt hat:
jedenfalls verhindert er größere Schwankungen der Membran-
wölbung, die sich mit der Änderung des Wassergehaltes in den
Zellen einstellen könnte, Schwankungen, die, wie leicht einzu-
sehen, wesentliche Änderungen der Beleuchtungsverhältnisse
im Gefolge hätten.
besitzt als die oberseitige Epidermis des Sonnenblattes. Die Zellen der .Schatten-
blattepidermis sind nach außen deutlich gewölbt. Im Texte wird aus leicht
einzusehendem Grunde davon nichts erwähnt, nur auf die schon von Stahl
mitgeteilte größere Zartheit der Schattenblattepidermis wird hingewiesen (p. 32
und p. 37 bis 38).
Oberseitige Blattepidermis tropischer Gelenkpflanzen. 725
2. Rutaceae. Über den wirksamen optischen Apparat in
den Blättern der kletternden Paramignya armata Oliv, wurde
schon p. 688 bis 689 gesprochen (vergl. Fig. 14 a, 14 b und
15, Taf. II). Die in der Familie sehr verbreiteten inneren Sekret-
behälter/ die vielleicht manchmal infolge des meist stark licht-
brechenden ätherischen Öles, mit welchem sie gefüllt sind, bei
der Lichtperzeption mitbeteiligt sind, spielen im Blatte von
Paramignya gewiß keine Rolle. Fig. 16 auf Taf. II zeigt, daß
die Drüsen unter der Assimilationsschichte liegen, mithin von
nur sehr schwachem Lichte getroffen werden. Anders ist es im
Blatte des »Wood-Apple«, Feronia depliantnm Corr. Hier
liegen die Drüsen direkt unter der Epidermis, deren stark ver-
dickte Außenmembranen gerade dort, wo darunter Drüsen sind,
der sonst ziemlich kräftigen Kutikularleisten entbehren. Auf
Taf. II ist das in Fig. 18 dargestellt. Wenn nun auch unter
Berücksichtigung dessen, was Haberlandf^ über die Bedeu-
tung derartiger Epidermiszellen mit leisten- oder faltenfreier
Kutikula mitteilt, in dieser Tatsache ein Indizium für die
Bedeutung der Drüsen als Strahlensammler gesehen werden
könnte, so möchte ich mich doch einer bestimmten Aussage
hierüber enthalten aus dem einfachen Grunde, da ich nicht
Gelegenheit hatte, mich an frischem Materiale über die optische
Wirkung der Drüsen zu überzeugen. Hingegen konnte fest-
gestellt werden, daß in den gewöhnlichen Epidermiszellen
trotz der Kutikularfalten in bester Weise Lichtsammlung erfolgt-
Wie an dem Querschnitte, Fig. 19, Taf. II, zu sehen, besitzen
die kleinen Epidermiszellen, deren Tiefe höchstens 18 [x beträgt,
eine im Verhältnis zum Zellumen sehr dicke, größtenteils
kutinisierte Außenwand, deren Gestalt eine wirksame Konkav-
konvexlinse ergibt. Der Linsenversuch zeigt, daß im Zentrum
der Zellinnenwände eine Strahlensammlung erfolgt, welche der
in den Paramignya-ZeWen erzielten nahezu gleichwertig ist.
Die Blätter dieses für die Gummigewinnung wichtigen, in Ost-
indien weit verbreiteten Baumes sind bekanntlich unpaarig
1 Vergl. Solered er, System. Anatomie, p. 201 bis 202.
•2 Haberlandt, Die Lichtsinnesorgane der Laubblätter, p. 105 und 106,
Taf. III, Fig. 1.
''26 A. Sperlich,
gefiedert, der Blattstiel geflügelt. Bemerkenswert wird das Blatt
jedoch dadurch, daß die meist in Fünfzahl vorhandenen Fieder-
chen mit gelenkig verdickten Stielchen am geflügelten Haupt-
stiele sitzen und daß dieser aus zwei oder drei ebenfalls durch
Gelenke verbundenen Gliedern besteht; eine gelenkartige Ver-
dickung wird überdies an der Insertionsstelle des Hauptblatt-
stieles bemerkbar. Diese Verhältnisse finden sich in Fig. 17,
Taf. II, dargestellt.
3. Hevea hrasiliensis Müll., ein ansehnlicher Kautschuk-
baum aus der Familie der Euphorbiaceen, trägt dreizählige
Blätter, deren Gelenke sich an den gleichen Stellen wie bei
Paramignya befinden; nur sind die Verdickungen hier nicht so
stark hervortretend. Die Zellen der oberseitigen Blattepidermis
erinnern ihrer Gestalt nach an die Zellen des zur selben
Familie gehörigen, in Abschnitt B besprochenen Cleistanthus.
Nach innen und nach außen nahezu in gleicher Weise gewölbt,
bewirken sie gesetzmäßige Beleuchtungseffekte an ihren Plasma-
belegen. Die Lichtstärke der erhellten Partien wird durch die
ziemlich derbe, mit Leisten versehene Kutikula etwas beein-
trächtigt; niemals erreichen diese Leisten jedoch an der Blatt-
oberseite die bedeutende, jede gesetzmäßige Lichtverteilung
vereitelnde Höhe der an der Blattunterseite auftretenden Kuti-
kularkämme.
4. Über die Bewegungsorgane und optischen Einrichtungen
des Blattes der zu den Araliaceen gehörigen javanischen
Schefflera rigida (Seem.) Harms, wurde schon auf p. 698
gesprochen. (Vergl. Taf. II, Fig. 23 a und 23 b)
Anhangsweise sei mitgeteilt, daß auch das Laubwerk einer
Gnetacee, nämlich von Gnetumcostahtm K. Seh um. {—inoliic-
canum Hort.) auf den Besitz optischer Einrichtungen
geprüft wurde. Die Kletterpflanze gehört allerdings nicht ganz
in den Rahmen dieser Untersuchung, da hier nicht die Blätter
mit Bewegungswerkzeugen versehen sind, sondern, wie
bekannt, der Sproß in einzelne Glieder zerfällt, welche durch
die Ausbildung ihrer prächtigen Gelenke sehr gut den Vergleich
Oberseitige Blattepidermis tropischer Gelenkpllanzen. 727
mit Schenkelknochen ^ aushalten. Es findet sich denn auch in
dem an mechanischen Elementen reichen Blatte keinerlei
irgendwie bemerkenswerte Einrichtung.
Zusammenfassung-.
1. Bei sämtlichen untersuchten Blättern tropischer
Gelenkpflanzen ergaben sich, soweit die Spreiten als
euphotometrisch angesehen werden konnten, ander
Oberseite derselben Einrichtungen, durch welche bestimmte,
mit der Lichtrichtung sich ändernde Beleuchtungs-
verhältnisse erzielt werden. Diese Einrichtungen gehören
entweder dem weniger vollkommenen Typus, in das Assimi-
lationsgewebe einspringende Innenwände der Epidermiszellen,
oder dem vollkommenen Typus, Strahlensammlung bewirkende
Zellen, an. Hervorzuheben ist, daß die durch ein beson-
deres, aller Wahrscheinlichkeit nach selbst nicht
lichtempfindliches Spreitengelenk ausgezeichneten
Blätter zumeist von Kletterpflanzen fast ausnahms-
los mit wirksamen Strahlensammlern bedacht sind
(Dioscoreaceen, Menispermaceen, Faradaya, Paramignya).
2. Die besagten Einrichtungen fehlen ganz oder sind
zum mindesten von sehr zweifelhafter Wirkung entweder
in Blättern, die fast stets hohen Lichtintensitäten ausge-
setzt sind (Dipterocarpaceen, Picrodendvon, Otophora) oder
aber in Blättern, für deren Spreiten die Perzeption der Licht-
richtung immerhin in Frage kommt {Brownea, vielleicht
Wagatea).
3. Es wird der nachteilige Einfluß gleichmäßiger, nahe-
zu konzentrischer Membranverdickung auf die Strahlen-
sammlung von Zellen mit gewölbten Außenwänden nach-
gewiesen. Die bei Pflanzen mit eupho tometrischen Spreiten
gefundene konvexlinsenförmigeVerdickung der Zellaußen-
wände (besonders ausgeprägt bei Paramignya und Alhertisia)
wird unter Mitberücksichtigung der Tatsache, daß die Ver-
dickungen bei anderen Gewächsen (Dipterocarpaceen,P/Vro-
1 Vergl. die Abbildung bei Eichler's Besprechung der Gnetaceen in
»Engler und Prantl, Natürliche Pflanzeiifamilien 11«, Bd. 1, p. 120.
728 A. Sperlich,
dendron) die Gestalt von lichtzerstreuenden Konkav-
linsen annehmen, als eine Anpassung der Epidermis an
die Funktion eines Lichtsinnesepithels gedeutet.
4. Innerhalb der F'amilie der Menispermaceen ist ein
Zusammenhang zwischen vollkommenem und weniger
vollkommenem Typus der lichtperzipierenden Epidermis
insofern von Bedeutung, als sich der bei Anamirta schon
von Haberlandt festgestellte weniger vollkommene Typus
bei Cocculus Blumei mit schwachen Andeutungen des in Punkts
charakterisierten vollkommenen Typus verbindet und end-
lich in den Spreiten von Albertisia dieser Typus unter gleich-
zeitiger Reduktion jenes zu vollendeter Ausbildung
gelangt.
5. Es wird die Möglichkeit der Lichtperzeption auf
Grund des von stark verdickten, konkaven Epidermis-
innen wänden (Magnolia sphenocarpa) r e f 1 e k t i e r t e n Lichtes
und bei Blättern mit oberseitigem Wassergewebe die Mög-
lichkeit der Lichtperzeption auf Grund des Reliefs der
Grenzfläche zwischen Wasser- und Assimilationsgewebe
erörtert.
Eine zweite Untersuchung, mit welcher ich nach Erledi-
gung einiger zurückgebliebener Arbeiten demnächst beginnen
werde, soll dem vergleichenden Studium der Bewegungswerk-
zeuge am gleichen Materiale gewidmet sein.
Nachtrag".
Erst nach Beendigung des Manuskriptes wurde ich mit der
in den beiden Februarnummern des Biologischen Zentral-
blattes erschienenen ArbeitHans Kniep's: Ȇber die Lieh t-
pe rzeption der Laubblätter« (Biol. Zentralbl. Bd. XXVII,
1907, p. 97 bis 106 und p. 129 bis 142) bekannt.
Die Versuche des genannten Autors wurden angestellt um
zu prüfen, »ob bei aufgehobener Sammlung des Lichtes durch
die Papillen der oberen Epidermis die Blätter noch im stände
Oberseitige Blattepidermis tropischer Gelenkpflanzen. 729
sind, den Lichtreiz zu perzipieren und in demselben Sinne wie
normal belichtete Blätter zu reagieren ^<.
Auf Grund einer Reihe sehr exakter Experimente mit
Blättern von Tropaeolum niimts, Begonia discolor und B.
heracleifolia gelangt Kniep zu dem Ergebnisse, >daß die
Linsenfunktion der oberen Epidermiszellenfür den
Sinn der Reaktion der untersuchten Laubblätter
keine Bedeutung hat« (a. a. 0., p. 136) und -daß das
durch die Hervorwölbung der oberen Epidermis-
wand auf dem Plasmabeleg der inneren entstehende
helle Lichtfeld für den Sinn der Reaktion des Blattes
nicht maßgebend ist«^ (a. a. 0., p. 140).
Die Ausschaltung der Linsenfunktion der oberseitigen
Blattepidermis bewerkstelligte Kniep dadurch, daß er die
Spreitenoberflächen mit Paraffinöl («= 1-476) bestrich und
zur Fixierung und gleichmäßigen Verteilung des Öles auf der
Blattfläche ein dünnes Glimmerblättchen oder in anderen
Fällen ein mit Öl durchtränktes Seidenpapier darüber spannte.
Die V^ersuchsanstellung erinnert demnach ganz an den von
mir auf p. 682 (Fußnote) zitierten Glimmerblättchenversuch
Haberlandt's, welcher die Notwendigkeit der durch vor-
gewölbte Außenmembranen bewirkten Lichtverteilung für die
Reizperzeption dargetan hat. Wie aus einer Fußnote in K niep's
Arbeit (a. a. O., p. 140 und 141) hervorgeht, wurden dem
Verfasser Haberlandt's Versuche erst bekannt, als seine
Arbeit schon in Druck gegeben war. Der einzige wesentliche
Unterschied zwischen Haberl andt's und Kniep's Versuchen
liegt darin, daß Haberlandt zur Ausschaltung der Sammel-
linsenfunktion der Epidermiszellen Wasser, Kniep hingegen
Paraffinöl benutzte.
Während aber durch das Wasser in der Tat jede Beleuch-
tungsdifferenzierung an den Plasmabelegen ebener Zellinnen-
wände ^ infolge nahezu gleichen Brechungsvermögens von
Zellsaft und Wasser hintangehalten wird, ist dies bei Anwen-
1 Beide Nebensätze im Original gesperrt gedruckt.
- Die Versuchspflanzen zeichnen sich durchwegs durch dergestaltige
Innenmembranen aus.
Sitzb. d. mathem.-naturw. Kl. ; GXVI. Bd., Abt. I. 48
730
A. Spe flieh,
dung eines stärker brechenden Mediums, wie es das Paraffinöl
ist, nicht der Fall. Kniep wollte auch nicht eine gleichmäßige
Beleuchtung erzielen, sondern ihm war es darum zu tun, die
Zellinnenwand invers zu beleuchten, d. h. ein relativ dunk-
leres Mittelfeld und relativ hellere R and partien zu
erhalten. Damit ist aber wieder nichts anderes als eine äußerst
gesetzmäßige Intensitätsverteilung des Lichtes ge-
schaffen, die sich bei Änderung des Lichteinfalles sicherlich
gesetzmäßig ändern muß. Wie ich schon auf p. 682 (Fußnote)
Fig. 9.
bemerkt habe, wird ja die Änderung der Lichtintensitäts-
verteilung direkt als die heliotropische Bewegung auslösender
Reiz perzipiert.
Übrigens ersieht man aus Kniep's optischen Darlegungen
auf p. 100 durchaus nicht die inverse Beleuchtung der Zell-
innenwand. Daß auf Grund einer Zerstreuungslinse die Rück-
wand einer einzeln stehenden Zelle nicht invers beleuchtet
wird, ergibt sich schon aus der einfachen Überlegung, daß vom
Zentrum einer Zerstreuungslinse gegen die Ränder derselben
die Größe der Lichtzerstreunng zu-, damit aber auch die
Helligkeit abnimmt. Aus der in Fig. 9 gezeichneten Kon-
struktion, die durch ein einfaches Experiment mit Lichtquelle,
Linse und Papierblatt leicht die Bestätigung ihrer Richtigkeit
erhält, ergibt sich das sofort.
Obeiseitige Blattepidermis tropischer Gelenkpflanzen. 731
[ 3
Auf die Plankonkavlinse ab cd, die aus Glas w = —
gedacht ist, fällt ein Bündel parallelen Lichtes; dasselbe wird
von dem unter der Linse befindlichen ebenen Schirme ef auf-
gefangen. Die zwischen den gleich weit abstehenden, gezeich-
neten Strahlen befindlichen Lichtmengen sind selbstverständ-
lich vor dem Eintritte in die Linse vollkommen gleich, verteilen
sich aber auf dem Schirme derart, daß die gleichen Licht-
mengen auf verschieden große Flächenteile (0 bis 1, 1 bis
2, 2 bis 3, 3 bis 4) fallen. Es ergibt sich aus der Zeichnung,
daß die betreffenden Flächenstücke umso größer werden, je
weiter dieselben vom Zentralstrahle (Oy) entfernt sind. Ihre
Helligkeit muß dementsprechend um so gering'er sein, je
näher die Flächenstücke dem Rande des Schirmes liegen. ^
Wenn nun Kniep beim Linsenversuche tatsächlich eine
inverse Beleuchtung sieht, so kann dieselbe nur dadurch zu-
stande kommen, daß die sehr zarten Radiahvände der Epi-
dermiszellen das zerstreute Randlicht (etwa zwischen 3 und 4,
Fig. 9) in die benachbarten Zellen ziemlich ungeschwächt
durchlassen. Die inverse Beleuchtung der Rückwand einer
Zelle wird also nur durch das Randlicht der umgebenden
Zellen hervorgerufen. Sind aber die Radialwände derb oder gar
kutinisiert, so erfolgt größtenteils Reflexion und Absorption
des Randlichtes und die Lichtintensitätsverteilung bleibt trotz
Zerstreuungslinse nach dem früheren der Qualität nach die-
selbe wie ohne Zerstreuungslinse.
Meine Ausführungen in vorliegender Arbeit sind mit Rück-
sicht auf Kniep 's Versuche nach diesen Erörterungen nur
insoweit zu modifizieren, als konkavlinsenförmige Membran-
verdickungen für sich allein nicht als Hindernis für die
Erzielung gesetzmäßiger Beleuchtungsverhältnisse angesehen
werden dürfen. Daß die Vermeidung derartiger Membranen und
Ausbildung konvexlinsenförmiger Außenwände bei euphoto-
metrischen Blättern trotz alledem mit Rücksicht auf die durch
1 Wäre der Schirm sphärisch nach unten gebogen, ergäben sich etwas
geringere Beleuchtungsdifferenzen; sie wären jedoch auch in diesem Falle noch
vorhanden.
48*
732
A. S perl ich,
letztere erzielten höheren Lichtkontraste als dem besonderen
Zwecke dienliche Einrichtung aufgefaßt werden kann, ist klar.
Während der Drucklegung meiner Arbeit ist vonseiten
Haberlandt's eine Erwiderung auf Kniep's Veröffent-
lichung erschienen: Die Bedeutung der papillösen Laub-
blattepidermis für die Lichtperzeption (Biolog. Central-
blatt, Bd. XXVII, 1907, p. 289 bis 301). Die von mir in diesem
Nachtrage nur kurz festgestellten Punkte finden sich hier in
eingehender Weise erörtert. Durch eine Reihe eneuter Ver-
suche wird abermals in überzeugender Weise die Notwendig-
keit von gesetzmäßiger Lichtintensitätsverteilung auf den
Plasmabelegen und von deren Änderung für die Auslösung
einer heliotropischen Bewegung des lichtempfindlichen Laub-
blattes dargetan. Auf p. 284 wird auf die Bedeutung der
Kniep'schen Versuche für die Weiterentwicklung der Theorie
hingewiesen.
Systematisehe Übersieht des Untersuehungsmateriales.
(Der dem Gattungsnamen beigefügte Buchstabe bezeichnet den Abschnitt, in
welchem die Pflanze behandelt ist.)
Gymnospermae : 6. Kl. GiietaJes,
Fam. Gnetaceae: Gnetum
Monocotyledoneae: 9. R. Liliiflorae,
Fam. Dioscoreaceae: Dioscorea
E, Anhang.
C und E.
Archichlamydeae: 9. R. Urticales,
Fam. Uhnaceae: Trema B.
15. R. Ranales,
Fam. Menispermaceae: Cocciilus
Fibraurea
Tinospora
Coscmiufn \ C
Arcangelisia
Alhertisia
Oberseitige Blattepidermis tropischer Gelenkpflanzen.
733
Farn. Magnoliaceae:
Fam. Auonaceae:
18. R. Rosales,
Fam. Connaraceae:
Fam. Leguminosae :
19. R. Geraiiiahs,
Fam. Riitaceae:
Magiwlia
TaJatima
Polyalthia
Artahotrys
Connarns
Brown ea
Wagatea
AJysicarpiis
Flemingia
Erythrina
Butea
Paramignya
Feronia
Fam. Siuiariibaceae: Picrodeiidron
Fam. Euphorhiaceae: Lebidieropsis
Hevea
20. R. Sapindales,
Fam. Sapindaceae: Otophora
21. R. Rhamnales
Fam. Vitaceae: Cissus
22. R. Malvales,
Fam. Bombacaceae: Diirio
23. R. Parietales,
Fam. Dipterocarpaceae : Dryobalanops
Shorea
26. R. Umbellißorae,
Fam. Araliaceae: Schefflera
Metachlamydeae: 3. R. Ebenales,
Fam. Sapotaceae :
4. R. Contortae,
Fam. Loganiaceae:
5. R. Tubiflorae,
Fam. Verbenaceae.
Fam. Solanaceae:
Palaquium
Strychnos
Fagraea
Faradaya
Brimfelsia
A
B
D
D
D
B
E
D
B
A
A
E
A
B
C
B
734 A. Sperlich,
Tafelerklärung.
Tafel I.
Fig. 1. Blattstiel von MagnoUa sphenocarpa Hook., nat. Gr.
» 2. Querschnitt der Blattoberseite in der Nähe einer Blattrippe. Dieselbe
Pflanze. Vergr. 187.
> 3. Querschnitt der Blattoberseite derselben Pflanze, s = Sekretzelle.
Vergr. 375.
> 4. Blattstiel von Talanma Hodgsoni Hook. f. et Thoms., nat. Gr.
» 5. Oberseitige Blattepidermis dieser Pflanze im Querschnitt. Vergr. 375.
» 6. Blattstiel von Durio zibethinus Murr., nat. Gr.
> 7. Blattstiel von Palaqiiium Treubii Burck., nat. Gr.
» 8. Blattoberseite von Palaquium im Querschnitt. Vergr. 375.
» 9. Blattstiel von Trema sp., nat. Gr.
> 10. Oberseitige Blattepidermis dieser Pflanze im Querschnitt. Vergr. 498.
» 11. Blattstiel von PolyaUhia snberosa B. et H., nat. Gr.
» \2 a. Blattoberseite von Artabotrvs suaveolens Blum, aus dem Quer-
schnitte durch eine Randpartie des Blattes. s = Sekretzelle. Vergr. 375.
b. Dasselbe aus einer mittleren Partie des Blattes. Vergr. 375.
» 13. Blattoberseite von PolyaUhia sab. im Querschnitt. Vergr. 375.
> 14. Blattstiel von Lebidieropsis orbiciilans Müll., nat Gr.
> 15. Blattstiel von Cissus sp., nat. Gr.
> 16. Oberseitige Blattepidermis von Siiychitos sp. im Querschnitt.
Vergr. 375.
» 17. Blattoberseite von Fagraea sp., Querschnitt. Vergr. 375.
» 18. Blattstiel von Dioscorea Koordersii Ridl., nat. Gr.
> 19. Flächenbild der Blattoberseite dieser Pflanze. Die hell gelassenen
Zellen sind ungeteilt. Vergr. 187.
» 20. Die Blattoberseite im Querschnitte. Vergr. 187.
» 21a. Stie\^e\en\i von Arcangelisia lemniscafa Yi&cc.
b. Deren Spreitengelenk. Beides nat. Gr.
„ 22 a. Stielgelenk von Coscimmn Blitmeannm Miers.
b. Dessen Spreitengelenk. Beides nat. Gr.
> 23 i?. Si\Q\ge.\enk von Albertisia papuana ^ecc.
b. Deren Spreitengelenk. Beides nat. Gr.
Oberseitige Blattepidermis tropischer Gelenkpflanzen. 735
Fig. 24. Querschnitt der Blattoberseite von Tinospora crispa Miers.
Vergr. 375.
» 25. Flächenbild der Blattoberseite von Arcangelisia lemniscata. Die klei-
ren, kugeligen Zellen heben sich durch stärkere Wölbung von den
gewöhnlichen Epidermiszellen ab. Vergr. 375.
> 26. Querschnitt der Blattoberseite von Cosciniuni Bhimean. Vergr. 375.
> 27. Dasselbe von Fibraurea chloroleuca Miers. Vergr. 375.
» 28. Dasselbe von Coccultis Blitmei Boerl. Vergr. 375.
» 29. Dasselbe von Albertisia papnana Vergr. 375.
Tafel II.
Fig. 1. Blattstiel von Faradaya sp., nat. Gr.
» 2. Blattoberseite dieser Pflanze im Querschnitt. Vergr. 333.
» 3 a. Stielgelenk von Otophora sp.
» b. Deren Fiedergelenk. Beides nat. Gr.
I A a. Stielgelenk von Connartis sp.
> b. Dessen Fiedergelenk. Beides nat. Gr.
> 5. Oberseitige Blattepidermis von Connanis diversifoliiis (Hortorum?)
im Querschnitt. Vergr. 375.
» 6. Dasselbe von Connarus ellipticiis King. Vergr. 375.
» 7 a. Stielgelenk von Ä//ea/row^o5a Wall.
b. Deren Fiedergelenke. Beides nat. Gr.
» 8 rt. Blattstiel von Alysicarpus bupleurifolius DC. von oben gesehen.
» b. Derselbe von der Seite gesehen. Beides nat. Gr.
» 9. Oberseitige Blattepidermis dieser Pflanze im Querschnitt. Vergr. 498.
» 10. Dasselbe aus einer anderen Partie des gleichen Blattes. Die Außen-
membran besitzt eine stark quellbare Innenschicht. Vergr. 498.
» 11. Flächenbild der Blattoberseite derselben Pflanzg, gezeichnet nach
einem Aschenpräparat. Vergr. 498.
» 12. Unterseitige Blattepidermis im Querschnitt. Vergr. 498.
» 13. Querschnitt durch die Blattoberseite Wagatea spicala Dalz.
Vergr. 498.
» 14 fl. SiislgQXenk von Paramignya armata 0\\y.
b. Spreiten- und Fiedergelenke derselben. Beides nat. Gr.
» 15. Querschnitt durch die Blattoberseite dieser Pflanze. Vergr. 498.
» 16. Blattquerschnitt derselben Pflanze — Vergr. 125 — zeigt die Lage der
Sekretbehälter.
» 17. Blattstiel und unterstes Fiederblattpaar von Feronia elephanttim Corr.
st = Stiel, /== Fiederblätter. Nat. Gr.
> 18. Flächenbild der Blattoberseite dieser Pflanze, zeigt das Auslassen der
Kutikularfalten ober einer Drüse. Vergr. 375.
» 19. Querschnitt durch die Blattoberseite derselben Pflanze. V'ergr. 498.
736 A. Sperlich, Oberseitige Biattepidermis tropischer Gelenkpflanzen.
Fig. 20 a. Stielgelenk von Dioscorea pentaphylla L.
h. Deren Spreiten- und Fiedergelenke. Beides nat. Gr.
» 21. Oberseitige Biattepidermis dieserPflanze im Querschnitt. iL = kollenchy-
matische Kantenversteifung. Vergr. 125.
> 22. Flächenbild dieses Gewebes. Vergr. 125.
4 .
» 23«. .Stielgelenk von Schefflera rigida (Seem.) Harms. — der nat. Gr.
5
n = Ligula-artige Nebenblätter.
b. Das Spreitengelenk und die Fiedergelenke dieser Pflanze. Nat. Gr.
,S[)('lii('li, A ,M)l)(MSf>iti(je HltiM'('|)idprnii.s liopfsclter (■IpleiikspPlanzeii .
Taf.I.
16.
Litfi .Aiisl.vTh^ajijm'artlO»'«;
Silziinösberichte d.kais.Akad.d.Wiss.,matIirn!itunv,Kla.sse, Bd.CXVL AMi. 1.1907.
Sper! ich , A , • Oberseilige Bla ttepidermis t ropiscber fieleTikspflanzcn
iL
Taf.ir.
Spi-riifhdcl
Sitzujiü.sborifhte cl.kai.s.Akiul.d.Wi.s.s.,math.-iuitui-\v.KIa.s.se, Bd.CXVX Al)Öi.1. 190T.
Lilti Aii«l v.TliüiuuiwartlUlU!
SITZUNGSBERICHTE
DER
KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
MATHEMATISCH - NATURWISSENSCHAFTLICHE KLASSE.
CXVL BAND. V. HEFT.
ABTEILUNG I.
ENTHÄLT DIE ABHANDLUNGEN AUS DEM GEBIETE DER MINERALOGIE,
KRISTALLOGRAPHIE, BOTANIK, PHYSIOLOGIE DER PFLANZEN, ZOOLOGIE.
PALÄONTOLOGIE, GEOLOGIE, PHYSISCHEN GEOGRAPHIE UND REISEN.
739
Beiträge zur Kenntnis der Cortieieen
(II. Mitteilung)
von
Prof. Dr. Franz v. Höhnel,
k. M. k. Akad.
und
Viktor Litschauer,
Assistenten an der k. k. Technischen Hochschule in Wien.
(Mit 4 Tafeln und 20 Textfiguren.)
(Vorgelegt in der Sitzung am 25. April 1907.)
Nachdem in der ersten Mitteilung (vorgelegt in der Sitzung
am 11. Oktober 1906) die in Wien befindlichen Corticieen-
sammlungen sowie die Karsten'schen Arten behandelt wurden,
sind in der vorliegenden Arbeit insbesondere die Cortieieen des
Herbier Barbey-Boissier in Genf und des königl. Herbariums
in Berlin bearbeitet. Die kritische Untersuchung des in diesen
Sammlungen befindlichen Materiales gab, wie zu erwarten
war, zu zahlreichen Richtigstellungen Anlaß und ermöglichte
die Aufklärung vieler zweifelhafter Formen. Es zeigte sich
ferner, daß ein großerTeil der Cortieieen bisher falsch klassi-
fiziert wurde und eine Reihe von als Cortieieen beschriebener
Pilze gar nicht zu diesen gehört.
Außerdem gaben eigene Aufsammlungen, insbesondere in
der Wiener Gegend, Gelegenheit zu wichtigen Feststellungen;
namentlich sei in dieser Beziehung auf die Aufklärung der bis-
her ganz rätselhaften Aegerita cmidida P. hingewiesen. Den
Direktionen des Herbier Barbey-Boissier und des königl.
Herbariums in Berlin sind wir zum größten Danke verpflichtet.
/ 40 F. V. Hühnel und \'. Li t schauer,
I. Revision verschiedener Corticieen vornehmlich aus
dem königl. Herbar in Berlin und dem Herbar Barbey-
Boissier.
Corticium abnorme P. Henn., Fungi Amaz.,I, p. 186. (Hedwigia,
1904, p. 186.) Saccardo, SylL, XVII, p. 168.
Ist, wie die Untersuchung des Originalexemplares gezeigt
hat, ein Septohasidimn; hat Septobasidüun abnorme (P. Henn.)
V. H. et L. zu heißen. Der Pilz besitzt locker angeordnete,
halbkugelige Papillen von zirka Vs bis -/s '""' Breite und Y3 mm
Höhe. Unter jeder solchen Papille befindet sich eine Schildlaus.
Das Wachstum des Pilzes geht von diesen Papillen aus, indem
jede Papille anfänglich von einer dem Blatte fest angewachsenen,
am Rande radiär gevvimperten und mit dickeren rhizomorpha-
artigen Strängen versehenen Membran hofartig umgeben ist,
durch deren Verschmelzung schließlich weit ausgebreitete, oft
fast das ganze Blatt bedeckende Überzüge entstehen. Bei vor-
liegender Art liegen diese Überzüge dem Blatte fest an. Dadurch
unterscheidet sich dieselbe von den übrigen Septohasidnim-
Arten, welche dem Substrate nur locker anliegen, da sie nur
an zahlreichen voneinander getrennten Punkten an das Sub-
strat angewachsen, im übrigen aber durch einen bei einzelnen
Arten ganz schmalen (z. B. 5. Carestianiim, Miclielianum, fusco-
violaceum, Cavarae, Bagliettomium) oder breiteren (z. B.
5. crinitum, atratum, albidiim, Mariant, vehitimtm und pedi-
cillaUtm) Zwischenraum von demselben getrennt sind.
Ein Eindringen der Hyphen der Septobasidien in das
vegetabilische Substrat findet nicht statt oder doch nur inso-
weit, als es zur Befestigung des Pilzes an das Substrat nötig
ist. Die Septobasidien können daher nicht als eigentliche
vegetabilische Schmarotzer betrachtet werden. In der Tat
zeigte sich bei sämtlichen oben genannten Arten, daß sie auf
Schildläusen leben, die man stets auf jenen Stellen des Sub-
strates findet, welche vom Pilze bedeckt sind. Dies zeigte sich
in allen untersuchten Fällen, sowohl bei den europäischen als
bei den amerikanischen Exemplaren; ja zum Teil schienen
diese Schildläuse einander so ähnlich, daß sie mindestens der-
selben Gattung angehören müssen. Dieses konstante Vor-
Zur Kenntnis der Corticieen. /41
kommen von Schildläusen unter dem Thallus der Septohasidinui-
Arten, der Umstand ferner, den man bei mehreren Arten leicht
konstatieren kann, daß der Pilz auf den Schildläusen wächst
und mit ihnen fest verwachsen ist, läßt keinen Zweifel übrig,
daß zwischen den Schildläusen und den Septohasidhtni- Kvien
irgend ein biologisches Verhältnis besteht, sei es, daß Para-
sitismus oder Saprophytismus vorhanden ist, sei es, daß
ein komplizierteres symbiotisches Verhältnis herrscht. Wenn
man in der Tat ein gut entwickeltes Exemplar von Septohasldhiin
criHitiiin (Fr.) betrachtet, so kann man sich des Gedankens
nicht erwehren, daß der schirmartig entwickelte Pilz für die
darunter lebenden Schildläuse ein guter Schutz gegen starke
Insolation, tierische Feinde etc. ist.
Der Gedanke, daß die Schildläuse nur zufällig, etwa
Schutz suchend, unter den Pilz gelangen, muß zurückgewiesen
werden, da wir bei der Prüfung von mehreren Tausenden von
Exemplaren von echten Corticieen niemals Schildläuse unter
dem Thallus dieser gefunden haben.
Noch sei bemerkt, daß das Originalexemplar von Septo-
hasidinm. abnorme (P. H.) v. H. et L. steril ist, womit die Tat-
sache übereinstimmt, daß sich uns auch sämtliche unter-
suchten Exemplare der anderen Septobasldiuin- Arten als steril
erwiesen haben. Es scheinen dieselben also nur selten zu
fruktifizieren. Bei dieser Gelegenheit sei daran erinnert, daß
auch viele Hypocreaceen (Hypocrella) scheinbare Pflanzen-
schmarotzer sind, wie jüngst M. Raciborski (Bullet. Akad.
Cracovie 1906, p. 901) gezeigt hat. Sie leben tatsächlich auf
Blatt- und Schildläusen und sitzen nach Aufzehrung dieser auf
den Blättern als Epiphyten. Ihre Hyphen dringen nie in die
Pflanze ein. Dussiella {AscopolyporusJ wird sich ähnlich ver-
halten.
Corticium chelidonium Pat., Bull. Soc. Mycol., 1900, p. 180.
(Saccardo, Syll., XVI, p. 1889.)
Das Originalexemplar des Pilzes zeigt ein Stereum. Der Pilz
besitzt eine ausgesprochene Mittelschicht, ist dünnen Formen von
Stereum rugosiim Pers. nicht unähnlich, strukturell jedoch davon
verschieden. Er hat S'^^rewwc/?ß/zc/ow/«7W (P at.) V. H. et L. zu heißen.
742 F. V. Höhnel und V. Li tschau er,
Corticium Chusqueae Pat., Bull. Soc. Myc, 1893, p. 134.
(Saccardo, Syll. XI, p. 126.)
Das Originalexemplar dieser Art zeigt nur Peniophora
Setigera (Fr.) v. H. et L. Sie ist daher als eigene Art zu
streichen.
Corticium cryptacanthum Pat,, Bull. Soc. Myc, 1899, p. 201.
(Saccardo, Syll, XVI, p. 192.)
Diese Art ist, wie die Untersuchung eines Stückes des
Originalexemplares (aus dem Berliner Herbar) ergab, nicht ein
Corticium, sondern eine Stereum-Spez'ies. Der Pilz ist sehr
deutlich geschichtet; die Hyphen sind fest untereinander ver-
klebt. Die von Patouillard beschriebenen Cystiden sind
Gloeocystiden mit hellgelbem Inhalt. Basidien und Sporen
zeigte das Berliner Exemplar nicht. Der Pilz \\aX Stereum crypta-
canthum (Pat.) V. H. et L. zu heißen.
Corticium decolorans Karst., Symb. Myc. Fenn., IX, p. 53;
Hattsv., II, p, 144. (Masse, Monogr. of the Teleph., p. 131;
Saccardo, SyM., VI, p. 615.)
Das Originalexemplar dieses Pilzes liegt im Berliner Herbar
und zeigt Peniophora velntina (DC.) v, H, et L. C. decolorans
Karst, ist daher als eigene Art zu streichen und muß als
Synonym zu P. velntina (DC.) gestellt werden,
Corticium dendriticum P,, Henn., Fungi costaricenses, I, in
Hedwigia 1902, p. 102. (Saccardo, Syll., XVII, p. 168).
Ist eine gute Art! Wie jedoch die Untersuchung des
Originalexemplares des Pilzes (Herbar Berlin) gezeigt hat, hat
derselbe nicht 4 bis 5 [x große, fast kugelige, sondern 10 bis
1 1 [j, lange und etwa 9 [x breite, breit ellipsoidische, auf einer
Seite abgeflachte, stets mit einem Spitzchen versehene Sporen.
Die keulenförmigen Basidien, welche ungefähr 30 [x lang und
10 [X breit sind, haben stets 4 Sterigmen; diese sind pfriemen-
förmig und gebogen, 8 bis 10(x lang und an der Basis etwa
2 [X breit. Der Pilz wächst nicht unmittelbar auf der Rinde der
Zur Kenntnis der Corticieen. 743
Stämme von Citrus auratttium, sondern auf einer pulverig
zerfallenden Flechte, welche dieselbe überzieht.
Von Hennings wurden wahrscheinlich die ausgebleichten
Gonidien dieser Flechte für die Sporen des Pilzes angesehen,
denn diese hier fast kugeligen Gebilde stimmen ganz gut zur
Größenangabe des Autors über die Sporen des Pilzes.
Corticium Eichelbaumii P. Henn. in Engler, Bot. Jahr-
bücher. 1905 (XXXVIII. Bd.), p. 106.
Das Originalexemplar besteht aus zwei Rindenstücken,
die außen mit einer dünnen, rissigen Korkschichte von lebhaft
rosa Färbung bedeckt sind. Auf dieser roten Korkschichte liegen
hie und da kleine rundliche Kotballen, welche im wesentlichen
aus den bräunlichen, vom Autor dem »Corticmm-Eichelbaumii«
zugeschriebenen Sporen bestehen. Ein Corticium ist nicht
vorhanden. Die Aufstellung dieser »Art« beruht auf groben
Irrtümern und ist dieselbe daher zu streichen.
Peniophora gracillima E. et Ev. in Sched. im Berliner Herbar
(New. Field. N. J. August 1885). Ist nur Peniophora
glebulosa (Fr.) Sacc. et Syd.
Corticium grammicum P. Henn., Engler, Bot. Jahrb., 1905
(XXXVIII. Bd.), p. 106.
Der Pilz ist mit Stereum portentosum (Berk. et Gurt.) v.H.
et L. := Corticium dimiimens (Berk. et Gurt.) identisch. Die Ober-
flächenskulptur desselben rührt von Schneckenfraß her.
Corticium interruptum Berk., Fungi Glaziov. Nr. 752.
(Massee, Monogr. of theTheleph., p.l38; Saccardo, Syll.,
VI, p. 618.)
Im Berliner Herbar liegt ein Stück des Originalexemplares
dieses Pilzes (aus dem Herbar A.W. Eichler). Dasselbe
zeigt aber nicht, wie Massee angibt, fast kugelige, 8 ^ 7 {jl
große, sondern zylindrische, 4 bis 5 [x lange und 2 [j. breite
Sporen. Die Hyphen sind unregelmäßig, glatt, farblos, 4 bis 6 »i.
dick und besitzen Schnallen.
/44 F. V. Höhnel und V. Litschauer,
Der Pilz ist der Peniophora gigantea (Fr.) Karst, im
Aussehen und der Art des Wachstums nicht unähnlich, besitzt
jedoch keine Cystiden und ist ein echtes Corticiuin.
Corticium komabense P. Henn., Engler's Jahrbücher, 1902,
Bd. 32, p. 38. (Saccardo, Syll., XVII, p. 169.)
Das Originalexemplar dieser Art (Herbar Berlin) ist nichts
anderes als eine Form von Peniophora covticalis (Bull.) Bres.
Unterscheidet sich von dieser Art nur durch die hellere, bis
braune, nicht schwarze Unterseite. Stimmt unter andern z. B.
vollkommen überein mit einem ebenfalls in Japan (Zojoji, Juni
1902, leg. Kanatsuma) auf Castanea vesca gesammelten,
von Hennings selbst als Peniophora quercina Fr. bestimmten
Exemplar dieser Art.
Das Originalexemplar von Corticium komabense P. Henn.
besitzt Cystiden und Sporen, welche vollständig mit jenen von
typischen Exemplaren von Peniophora corticalis (Bull.) Bres.
übereinstimmen. Die Sporen sind 8 bis 12 [jl lang, 2-5 bis 3*5 [i
breit. Die von Hennings in der Diagnose seiner Art beschrie-
benen, fast kugeligen 3 • 5 bis 4 — 3 bis 3 • 5 [j- gro(3en Sporen
rühren von einer Aspergillus sp. her, welche auf dem Pilz
wächst. Auch bei in Europa gesammelten Exemplaren besitzt
die Unterseite von Peniophora corticalis mitunter eine mehr
braune Färbung. So zeigen Exemplare, von Feltgen in Luxem-
burg gesammelt, eine Färbung der Unterseite, welche gerade
die Mitte einnimmt zwischen der hellbraunen Färbung derselben
bei den japanischen Exemplaren und der schwarzen Farbe der
Unterseite typischer Exemplare aus Europa.
Der Pilz Hennings könnte höchstens als eine Varietät
von Peniophora corticalis (Bull.) Bres. angesehen werden
und müßte dann var. komahensis (P. Henn.) v. H. et L.
heißen.
Corticium leucoxanthum Bres., Fungi Trid., II, p. 57,
t. 166, f. 3; Fungi polonici, p. 95. (Saccardo, Syll., XVI,
p. 190.)
Ist, wie dieUntersuchungdesOriginalexemplares gelehrthat,
ein Gloeocystidium und hat Gloeocystidium leucoxanthum (B r e s.)
Zur Kenntnis der Corticieen. 745
V. H. et L. zu heißen. Die Gloeocysti den treten besonders
scharf hervor, wenn man dünne Querschnitte durch den Pilz
mit verdünnter Lauge behandelt.
Sie entspringen an der Basis des Pilzes und reichen bis
zur Oberfläche des H3^meniums, treten jedoch niemals über
dasselbe hervor. Sie sind sehr dicht angeordnet und haben
meist eine unregelmäßig zylindrische, selten auch spindel-
förmige Gestall, zeigen gewöhnlich eine bis mehrere Ein-
schnürungen und sind besonders gegen den Scheitel zu sehr
oft stark knotig bis fast perlschnurartig ausgebildet. Die
Wandung ist dünn, der Inhalt fast farblos bis schwach gelb-
lich, immer etwas körnig; die Breite beträgt 5 bis 10 |x.
Corticium mucidum (Schrot.) v. H. et L.
Im Berliner Herbar liegt als Corticüim sp. ein Pilz, der
sich auf Blättern von Rlianiniis sp., welche von P. Lindau am
12. Dezember 1904 im Spandauer Forst (Brandenburg) ge-
sammelt worden waren, nach zweimonatlicher Aufbewahrung
derselben in einer Kristallisierungsschale im Laboratorium
entwickelt hatte.
Dieser Pilz scheint nun Hypochnus miicidtis vSchröt. zu
sein. Stimmt sehr gut zur Beschreibung dieser Art (siehe
Schröter, Pilze Schlesiens, I, p.416). Das Originalexemplar der-
selben im Herbarium Schröter (Breslau) ist sehr dürftig und
zeigt keine Sporen mehr. Die Hyphen stimmen jedoch mit
jenen des obigen Pilzes überein.
Mit Benützung desselben sei im folgenden eine genauere
Diagnose von Corticmm muciduni (Schrot.) v. H. et L. ver-
sucht.
Pilz ausgebreitet, sehr zarte, weiße, krümmelige bis dünn-
häutige Überzüge bildend. Hymenium sehr locker; Basidien
keulenförmig, 18 bis 22 [j. lang, 5 bis 6 [j. breit; Sterigmen 4;
pfriemenförmig, gerade, 3 bis 4 [x lang. Sporen breit elliptisch
oder oval, nach einer Seite meist etwas zugespitzt, 5 bis 6*5 [a
lang, 3-5 [X breit, farblos, glatt; Inhalt gleichmäßig. Hyphen
unregelmäßig verzweigt, glatt, zartwandig. farblos, 2 bis 3-5 ;x
dick, mit Schnallen an den Septen.
Sitzb. d. mathem.-natunv. KI. ; CXVI. Bd., Abt. f. 49
/46 F. V. Höhnel und V. Litschauer,
Hypochntis nnicidus Schrot, in Sydow, Mycoth. March.,
Nr. 4624, ist nicht diese Art; aber ebenfalls ein echtes
Corticium. Wegen Mangels an Sporen jedoch unbestimmbar.
Corticium Quintasianum Bres. et Roumeg., Revue Myc, 1890,
p. 36; Saccardo, Syll., IX, p. 235.
Der Pilz ist dem Steretim durhiscuhmi B*erk. et Broome
habituell äußerst ähnlich. Unterscheidet sich nur dadurch, daß
das Gewebe des Pilzes weiß ist, nicht braun wie bei letzterer
Art, da die Hyphen vollkommen farblos sind, während sie bei
St. duriuscuhuii eine gelbbraune F^arbe aufweisen; sonst sind
sie bei beiden von gleicher Beschaffenheit.
Der Pilz müßte St. Qnintasimmin (Bres.) v. H. et L. be-
zeichnet werden. Wahrscheinlich ist er aber nur eine hellere
Form von 5/. dtirinsaihim Berk. et Broome.
Corticium radicatum P. Henn., Pilze Ostafrikas, p. 54.
(Saccardo, Syll., XIV, p. 222.)
Ist eine gute Art! Der Pilz besitzt, wie bereits Hennings
beobachtete, Cystiden und muß daher in die Gattung Petiio-
phora gestellt werden. Er hat P. radicata (P. Henn.) v. H. et L.
zu heißen.
Der Pilz ist von filzig häutiger Natur; er scheint sehr
ausgebreitete Lager zu bilden. Das Hymenium ist geschlossen,
zeigt eine ockergelbe bis gelbbraune Farbe und ist etwa
0"25 bis O-'i^min dick. Das subhymeniale und noch mehr das
basale Gewebe sind sehr locker. Beide bestehen aus sehr
unregelmäßig verzweigten Hyphen, welche stark inkrustiert
und daher sehr rauh sind. Die subhymenialen sind fast farblos,
die basalen ausgesprochen gelb. Sie sind im allgemeinen
ziemlich derbwandig, besitzen Schnallen an den Septen und
erreichen an der Basis des Pilzes eine Dicke von 8 [i. Hier sind
sie zum Teil zu rhizomorphaartigen Bildungen vereinigt. Die
einzelnen aus zahlreichen Hyphen bestehenden Stränge er-
reichen oft eine Länge von mehreren Zentimetern und sind
nicht selten über 1 mm dick. Dieselben sind an ihrer Ober-
fläche etwas filzig und so wie das basale Gewebe von löwen-
gelber Farbe.
Zur Kenntnis der Corticieen. / 47
Die Cystiden des Pilzes haben eine unregelmäßig zylindri-
sche oder spindelförmige Gestalt, sind am Scheitel meist stumpf
und an und für sich dünnwandig und glatt. Sie sind jedoch
stets sehr stark inkrustiert und erscheinen daher sehr dick-
wandig und rauh. Sie sind sehr dicht angeordnet, größtenteils
eingesenkt, zum Teil ragen sie jedoch auch über das Hymenium
hervor. Ihre Länge schwankt ungefähr zwischen 50 bis 70 [x,
ihre Breite zwischen 10 bis 18 [x.
Die Sporen sind nicht wie Hennings angibt, fast kugelig,
etwas gelblich und 5 bis 6 ^ 4 bis 5 [x groß, sondern sind von
ellipsoidischer Form, farblos, 3 bis 4 jjl lang und 2 p, breit;
wenigstens konnten nur Sporen letzterer Art am Original-
exemplar des Pilzes (Herbar Berlin) nachgewiesen werden.
Basidien mit Sterigmen wurden nicht beobachtet.
Der Pilz zeigt zu keiner anderen Art der Gattung Penlo-
phova nähere Verwandtschaft. Nur Corticium crocetim (Kze.j
Bres. bildet noch unter den Corticieen an der Basis ähnliche
rhizomorphaartige untereinander anastomosierende, ebenfalls
gelbe Stränge. Etwas ähnlich ist der Pilz auch der Peniophora
suhsiilp/mrea (Karst.) v. H. et L.
Corticium rimosissimum Pas s. et Peltr. nee Berk. et Broome,
Fungi Sicul.. Nr. 4 (Ann. della R. Academia dei lincei
Roma, Fase. I, vol. VII) = Corticium Passerinii Sacc,
Syll., VI, p. 632.
Das Originalexemplar dieses Pilzes ist identisch mit
Peniophora Lycii (Pers.) v. H. et L. (=i P. caesia Bres.).
Peniophora citrina P. Henn., Engler's Botan. Jahrb., 1906?
Das Originalexemplar dieses Pilzes ist ein gelber, filziger
Überzug auf morscher Rinde, welcher aus gelben, sehr un-
regelmäßigen, 1 bis 2 [x dicken, derbwandigen glatten Hyphen
besteht. Ein deutliches Hymenium mit Basidien ist nicht vor-
handen. Cystiden und Sporen, wie sie Hennings beschreibt,
konnten nicht beobachtet werden; wohl aber im Gewebe des
Pilzes eingebettete, schlauchartige, keulige oder zylindrische,
gelbgrüne, gloeocystidenartige Gebilde von 10 bis 25 (x Länge
und 5 bis 8 (X Breite.
49*
748 F. V. Höhnel und V. Litschauer,
Peniophora laevigata (Fr.) Mass. (=r Xerocarpus Juniperi
Karst.; siehe diese Sitzungsberichte, 1906, Bd. CXV,
Abt. I, p. 1567) ist unzweifelhaft nichts anderes als eine
resupinate Form von Lloydella areolata (Fr.) Bres. (siehe
Bresadola, Fungi polonici, p. 104).
Beide Pilze sind sowohl dem Aussehen nach als auch im
mikroskopischen Bau vollkommen übereinstimmend.
Hypochnus chaetophorus v. H.; siehe diese Sitzungsberichte,
Bd. CXI, Abt. I, p. 1007.
Diese Art wurde irrtümlicherweise von uns (siehe diese
Sitzungsberichte, Bd. CXV, Abt. I, p. 1606) als Synonym zu
Peniophora glebiüosa (Fr.) Sacc. et Syd. gestellt. Das richtige
Originalexemplar von H.'chaetophoriis v. H. ist jedoch ein von
vorstehender Art durchaus verschiedener, sehr interessanter
Pilz. Die Diagnose desselben an der oben zitierten Literatur-
stelle ist im großen und ganzen richtig. Hinzuzufügen wäre
nur, daß die Sporen, welche 6 i=; 3 [x groß sind, fast stets aus-
gesprochen breit zylindrisch sind, eine sehr zarte Wand
besitzen und stets auch einen großen Öltropfen bergen;
weiter, daß das äußerst lockere, durchaus nicht geschlossene
Hymenium sich in ganz eigentümlicherweise an den Cystiden
hinaufzieht, wie dies in der beigegebenen Figur angedeutet ist,
und daß endlich ein Teil der Cystiden nicht am Grunde des
Pilzes entspringt, sondern daß mitunter auch Cystiden beob-
achtet werden können, welche mit ihrem meist verzweigten
Fuße in verschiedenen Höhen an anderen Cystiden ansitzen, so
daß man manchmal den Eindruck gewinnt, als ob auch gabel-
oder armleuchterförmig verzweigte Cystiden vorhanden wären.
Die Cystiden werden auch noch länger als in der Diagnose
angegeben ist. Die größten erreichen eine Länge von 250 [j..
Wegen der Cystiden muß der Pilz Peniophora chaetophora
V. H. et L. heißen. Die am nächsten verwandten Arten sind
P. glebulosa (Fr.) Sacc. et Syd. und P. subglebulosa v. H. et L.
Erstere Art ist davon leicht zu unterscheiden wegen ihres
geschlossenen Hymeniums und der lang zj^ündrischen, ge-
krümmten, 7 bis 9 \h langen und 1-5 bis 2*5 [i. breiten Sporen,
letztere, welche wohl ähnliche, aber kleinere, nur 2 bis 4« L 5
Zur Kenntnis der Corticieen.
749
bis 2 |x große Sporen besitzt, durch ihre kürzeren, nur bis 140 |Jt,
langen aber kräftigeren, bis 14 [x dicken, immer etwas in-
krustierten Cystiden, welche fast immer einen stark wurzei-
förmig verzweigten Fuß aufweisen.
Fig. 1 . Feniophora chaetopJtora v. H. et L.
a Querschnitt durch das Hymenium des Pilzes (Vergr. 3'^%).
h Drei Cystidenspitzen (Vergr. ^^^j-^).
c Sporen des Pilzes (Vergr. 2000|^)_
Hypochnus Dussii Pat., Bullet. Myc, 1899, p. 202.
Die Untersuchung eines Originalexemplares dieses Pilzes
(aus dem Berliner Herbar) hat gelehrt, daß in der Patouillard-
schen Diagnose desselben die Angaben über die stachelartigen
Hervorragungen im Hymenium dieses Pilzes nicht richtig sind.
Nach Patouillard sollten nämlich dieselben analog gebaut
sein, wie die Stacheln von Athelia Typhae Pers. (siehe
V. Höhnel und Li tschau er, Beiträge zur Kenntnis der Corti-
cieen; diese Sitzungsberichte, Bd. CXV, Abt. I, p. 1594), d. h.
aus zahlreichen, dünnen, verklebten Hyphen zusammen-
gesetzte Emergenzen repräsentieren. Das ist jedoch nicht der
750
F. V. Höhnel und V. Lits chauer,
Fall. H. Dussii Pat. zeigt ganz gewöhnliche, typische Peiiio-
phora-Cysüden. Dieselben sind unregelmäßig angeordnet, lang
kegelförmig, stumpf, selten spitz, etwas gelblich gefärbt, dick-
wandig, inkrustiert, sehr rauh und ungefähr 80 [x lang und
20 bis 25 [j- dick. Der Pilz kann daher nicht in der von
Patouillard für die beiden genannten Arten geschaffenen
Sektion >^Epithele« in der Gattung Hypochnus, welche wir 1. c.
zur Gattung erhoben haben, veibleiben, sondern muß in die
Gattung Peniophora gestellt werden,
hat also P. Dtissii (Pat.) v. H. et L.
zu heißen. Das Berliner Exemplar
des Pilzes zeigt auch keine Sporen,
wie sie Patouillard beschreibt,
wohl aber ziemlich zahlreiche, 4 bis
5 [X lange und 1 [x breite, zylindri-
sche, glatte, farblose Sporen.
In die Gattung »Epitliele-^ ge-
hört dagegen auch Isaria fiici-
forinis Berk. = Hypochnus fuci-
formis (Berk.) AI. Alp. =r /. grami-
Fig. 2. Peniophora Dussii (P&t.) niperda Berk. et F. V. M. (siehe
^'- "• ^^ ^- Annales Myco)., vol. V, 1907). Dieser
Drei Cystiden des Pilzes pjj^ Xiat richtig ZU heißen Eptthcle
fiiciformis (Berk.) v. H. et Syd.
n
■y v,:\\i
(Vergr. 450/^).
Hypochnella violacea Auersw. in Sched. (Hypochims v.,
Thelephora violascens Pers. 1801?), in Schröter, Pilze
Schlesiens, I, p. 420.
Auch im Berliner Herbar ist kein Originalexemplar dieser
Art aus Baden, nach welchem Schröter seine Beschreibung
entwarf, vorhanden. In dem Bogen derselben liegen dagegen
auch hier zwei von Auerswald bei Leipzig (am äußersten
Grunde junger Stämme von Carpimis Bettihis) gesammelte und
als Acrothamnium violaceiim N. E. bestimmte Pilzexemplare,
welche sich jedoch bei der genaueren Untersuchung als sterile
Hyphenfilze erwiesen. (Hyphen unregelmäßig verzweigt, zart-
wandig, glatt, rötlich bis violett gefärbt, 3 bis 8 (x dick, ohne
Schnallen an den Septen). Das eine Exemplar zeigte auch, in
Zur Kenntnis der Coiticieen. 7ol
Haufen so wie die Hyphen, nur etwas heller gefärbte, ovale, an
einer Seite etwas abgeflachte, nach beiden Enden verschmälerte,
mäßig derbwandige, glatte, 7 bis 8 [x lange, 4 bis 5 jx breite
Sporen, für welche jedoch eine Zugehörigkeit zu den Hyphen
nicht nachgewiesen werden konnte. Beide Exemplare zeigen
weder Basidien noch Cystiden.
Hypochnus Weisseanus P. Henn., Verh. Brandbg., XLIII,
1901, p. XII; Saccardo, Syll., XVII, p. 187.
Das Originalexemplar des Pilzes ist sehr dürftig; ist ein
echtes Corticiuml Sporen, Basidien und Sterigmen, wie sie
Hennings beschreibt, konnten keine beobachtet werden. Die
von diesem Autor als Conidien angesehenen Gebilde sind
eingestreute violettbraune Myxomycetensporen.
Thelephora Cyclothelis Pers., Myc. Eur., 1, p. 149; Fries,
Elenchus Fung., p. 223; = Stereiim Cyclothelis (Pers.) Fr.,
Hym. Eur., p. 645; Saccardo, Syll., VI, p. 587.
Ist wahrscheinlich nichts anderes als das Conidienstadium
von Ustulina vulgaris Tul. Die Beschreibung des Pilzes spricht
sehr dafür; ebenso auch die Angaben über das Vorkommen
desselben. Der Pilz ist seit Chaillet nicht wieder gefunden
und in keine der neueren Floren aufgenommen worden.
Das im Herbar Barbey-Boissier liegende, von Kalch-
brenner bestimmte Exemplar des Pilzes ist U. vulgaris Tul.
Thelephora (Tomentella) lateritia Pat., Journ. de Bot., 1894,
p. 221. (Saccardo, Syll., IX, p. 117.)
Ein Stück des Originalexemplares des Pilzes im Herbar
Barbey-Boissier zeigt Tonientella punicea (Alb. et Schw.)
Schrot. Es ist daher die Patouillard'sche Art zu streichen.
Coniophora arida (Fr.) Cke.
In dem Bogen dieses Pilzes im Berliner Herbar liegt neben
anderen richtig bestimmten Exemplaren desselben auch eine
Coniophora (in einem Keller in Danzig 1902 auf Nadelholz
gesammelt), welche zwar der vorstehenden Art dieser Gattung
sehr ähnlich ist, sich aber von ihr sowohl als auch allen
752 F. V. Höhnel und V. Litschauer,
anderen bekannten Coniophora-Arten scharf durch die weit
kleineren Sporen und zarteren Hyphen unterscheidet. Die
Sporen sind typische ConiophoraSporen von nur 5 bis 6 \i
Länge und 2 bis 3 [x Breite. Die Hyphen sind sehr unregel-
mäßig, farblos, glatt, zartwandig, 2 bis 4 dick und besitzen
spärliche Schnallen.
Der Pilz scheint eine eigene Art zu repräsentieren und
dürfte kaum nur eine Kümmerform von C. arida (Fr.) Cke. sein.
In demselben Bogen liegt dagegen noch ein anderer als
C. arida (Fr.) Cke. bezeichneter Pilz, welcher im Palmenhaus
des botanischen Gartens zu Berlin am 27. Juni 1891 gesammelt
wurde, der aber, obwohl er kleinere Sporen (6 bis 10 ^ 5 bis 6 [ji)
und etwas steifere, dünnere, nur 2 bis 4 \x dicke Hyphen zeigt,
als gewöhnlich typische Exemplare dieser Art, als richtig
bestimmt angesehen werden kann, denn C. arida (Fr.) Cke.
scheint tatsächlich^, wie wir auch schon an selbst gesammelten,
unzweifelhaft diesen Pilz repräsentierenden Exemplaren des-
selben konstatieren konnten, besonders auch in der Größe der
Sporen etwas variabel zu sein.
Tomentella brunnea Schrot., Pilze Schlesiens in Cohn,
Kryptogamen-Flora von Schlesien, I, p. -J19.
Schon die Diagnose dieses Pilzes ließ vermuten, daß der-
selbe nichts anderes sein werde als Coniophora arida (Fr.)
Bres. Im Herbar Schröter fehlt zwar das Originalexemplar
des Pilzes, allein der von ihm in seinem Exsikkatwerk »Die
Pilze Schlesiens« unter Nr. 758 als T. brunnea Schrot. (Thele-
phora hyssoides Pers.) ausgegebene Pilz ist in der Tat die
obige Fries'sche Art, zu welcher daher der Schröter'sche Pilz
als Synonym gestellt werden muß.
Tomentella incarnata P. Henn., Schriften des Naturwissen-
schaftlichen Vereines für Schleswig-Holstein, XI, p. 102;
Saccardo, Syll., XIV, p. 227, sub Hypochnus incarnatus
(P. Henn.) Sacc. et Syd.
Ist eine gute Art. Der Tomentella cinerascens (Karst.)
V. H. et L. nahe stehend.
Zur Kenntnis der Corticieen. 753
Stereum Coffearum Berk. et Curt., Journ. Linn. Soc. (Bot.),
X, p. 332. (Saccardo, SylL, VI, p. 576.) Massee, Monogr.
of the Theleph., p. 194.
Ist nach dem Exemplar in der Nr. 407 der Fungi Gubens.
Wright. eine Lloydella. Cystiden spindelig, 20 bis 25 |x lang,
8 bis 10 [x dick; dickwandig, stark inkrustiert, sehr dicht
stehend, meist eingesenkt. Falls dieses Exemplar identisch ist
mit dem Originalexemplar des Pilzes Nr. 3807 im Herbar Berk.
Kew hätte dasselbe Lloydella Coffearum (Berk. et Curt.)
V. H. et L. zu heißen.
Stereum Guadelupense Fat., Bull. Soc. MycoL, XV (1899),
p. 201.
Das Originalexemplar dieses Pilzes ist, wie die genauere
Untersuchung gezeigt hat, keine Stereum sp., überhaupt keine
Thelephoracee, sondern der unvollkommen entwickelte Frucht-
körper eines höheren Hymenomyceten {Bolehis sp.?), der von
einem Sepedonium, wahrscheinlich Sepedoniiim Tnlasneanum
(Plowr.) Sacc. {zu Hypomyces Tulasneanus Plowr., Monogr.
of the Brit. Hypomyces, p. 19) befallen ist. Die Cystiden, welche
Patouillard beschreibt, sind nichts anderes als die Sporen
des letzteren Pilzes.
Si. Guadelupense Pat. muß daher gestrichen werden.
Stereum Huberianum P. Henn., Hedwigia, 1902, p. 15.
(Saccardo, SylL, XVII, p. 164.)
Diese Art ist identisch mit Stereum glahrum (Lev.) Mass.
(siehe Massee, Monogr. of the Theleph., p. 177). Das Original-
exemplar stimmt vollkommen überein mit den Exemplaren der
letzteren Art in der Nr. 16 der Plantae javanicae a. cl. ZolUngero
lect. (1840); auch St. glabrescens Berk. et Curt. scheint der-
selbe Pilz zu sein (nach von Cooke bestimmten Exemplaren
dieser Art aus dem Herbarium J. Bresadola); und endlich ist
höchstwahrscheinlich, nach der Diagnose zu schließen, auch
St. iuvolutum Klotz seh kaum etwas anderes.
754 F. V. Höhnel und V. Litschauer,
Stereum lobatum Fr., Epicrisis p. 547 (Saccardo, Syll.,
p. 568).
Schon von Massee wird fsiehe seine Monograph. of the
Teleph., p. 175) angegeben, daß mit dieser Art noch die folgen-
den Arten identisch sind: St. Boryanuni Fr., Epicrisis, p. 547
(Saccardo, Syll., VI., 576); St. Ostrea, Nees, in Nov. Act. Nat.
Cur., XIII, t. 2, p. 13 (Saccardo, Syll., VI, p. 571), St. Sprucei
Berk., Journ. Linn. Soc. (Bot.) X., p. 331 (Saccardo, Syll, VI,
p. 567) und St. peiiaturn Berk., Hooker, Journ., IV, 1842,
p. 153 (Saccardo, Syll., p. 576). Dieser Anschauung können
wir nur beipflichten, da wir auf Grund der Untersuchung zahl-
reicher Exemplare dieser Arten aus dem Berliner Herbar, dem
Herbar Barbe}'- Boissier, dem k. k. Universitätsherbarium in
Wien und den Herbarien des k. k. Hofmuseums und der k. k.
Technischen Hochschule daselbst, zu dem gleichen Resultate
gekommen sind.
Übrigens scheint auch St. versicolor Fr., Epicrisis, p. 547
(Saccardo, Syll., VI, p. 561) == St. iiisignitiini Quel., Jur.
et Vosg., XVII, Supl. p. 6, nichts anderes als eine Form dieser
äußerst variablen, besonders in den wärmeren Ländern verbrei-
teten Art zu sein.
Dagegen ist St. luteo-badium Fr., Epicrisis, p. 547 (Sac-
cardo, Syll., VI, p. 571), welche Art Massee ebenfalls mit
St. lobatum Fr. identifiziert, ein davon gänzlich verschiedener
Pilz. Fries selbst bezeichnet in der Epicrisis p. 547 seinen Pilz
als identisch mit dem Pilz, welchen Kunze als Thelephora
hadia Hook.? in den We igelt exsicc. (1827) ausgegeben hat.
Dieser letztere Pilz aber ist eine Hymenochaete. Die Fries'sche
Art hat daher Hymenochaete luteo-badia (Fr.) v. H. et L. zu
heißen. (Massee hat in seiner Monogr. of the Theleph., p. 100,
den Pilz des Weigelt exsicc. als eigene Art: H. Kunzei Mass.
beschrieben, welch letztere Bezeichnung in der Folge jedoch
nur als Synonym von vorstehender Art gelten darf.)
Stereum submembranaceum P. Henn., Engler's Bot. Jahrb.,
1898, p. 497.
Diese Art ist, wie die Untersuchung des Originalexem-
plares ergeben hat, eine Lloydella. Sie ist im Aussehen dünnen
Zur Kenntnis der Corticieen. 7oo
resupinaten Formen von Lloydella fusca (Schrad.) Bres.
(= Stereiim bicolor [Pers.] Quel.), sehr ähnlich, überhaupt
auch dieser Art am nächsten verwandt.
Mikroskopisch ist sie von derselben jedoch immer ganz
gut zu unterscheiden.
Die Cystiden des Pilzes sind ziemlich dicht angeordnet;
sie sind fast stets eingesenkt, stehen meist zu mehreren über-
einander, haben eine kurz und dick spindelförmige, manchmal
auch zylindrische,, selbst keulenförmige Gestalt, sind am
Scheitel meist stumpf, ziemlich derbwandig, von schwach
gelblicher, an der Basis meist intensi\'erer Färbung, in der
oberen Hälfte immer inkrustiert und daher sehr rauh. Sie sind
20 bis 25 ]s. lang und 6 bis 9 [x breit.
Basidien mit Slerigmen und Sporen konnten am Pilze
nicht beobachtet werden.
Die Hyphen sind im subhymenialen Gewebe sehr unregel-
mäßig, dünnwandig und mehr oder weniger schmutziggelb
gefärbt, im basalem Teile sind sie parallel horizontal gelagert,
dickwandiger und von mehr olivenbrauner P'arbe. Sie sind stets
glatt und 3 bis 5 [x dick.
Der Pilz hsl Lloydella subnieinhranacea (P. Henn.) v. H. et
L. zu heißen.
Stereum tjibodense P. Henn., Monsunia, I, p. 139. (Saccardo,
Syll, XVI., p. 139.)
Ist nach dem Originalexemplar eine Auriculariacee mit
Auricularia mesenterica Fr. mindestens nahe verwandt.
Braune, ellipsoidische Sporen (6 bis 8:3-5 bis 4), wie sie
Hennings beschreibt, konnten nicht aufgefunden werden. Der
Pilz scheint überhaupt noch sehr jung zu sein. Die Art ist als
Stereum sp. jedenfalls zu streichen.
Hymenochaete cinnabarina P. Henn., (Engler's Bot. Jahrb ,
XXXVIII. p. 120) aus Bipindi in Kamerun, leg. Zenker.
1899.
Ist, wie die Untersuchung des Originalexemplares (Berliner
Herbar) gezeigt hat, nur das Stroma eines Pyrenomyceten,
/5b F. V. Höhnel und V. Litschauer,
wahrscheinlich einer Hypoxylon sp. ? mit unreifen Perithecien.
Diese Art muß daher gestrichen werden.
Hymenochaete crateriformis P. Henn., Hedwigia, 1904,
XLIL, p. 172; Fung. Amaz., I. (Saccardo, Syll., XVII.,
p. 166).
Ist, wie die Untersuchung des Originalexemplares ergab,
kerne Hymenochaete, sondern ein Steven in. WaXSt. craterifornie
(P. Henn.) v. H. et L. zu heißen.
Hymenochaete fisso-lobata P. Henn., Hedwigia, 1904, p. 172.
Das Originalexemplar zeigt ein ganz altes, schlechtes
Exemplar einer Tlietephora sp. Setulae sind selbstverständlich
keine v^orhanden; was Hennings als solche beschreibt, sind
nur Hyphenenden, welche über das sonst schon total zerstörte
Hymenium hervorragen. Der Pilz hat mit Hymenochaete for-
mosa Lev. kaum, auch nur äußerlich irgend eine Ähnlichkeit.
Die Art ist am besten zu streichen.
Hymenochaete? radiosaP. Henn., Engler's Jahrb., XXV (1898),
p. 497 (Sac Card o, Syll, XVI, p. 189).
Das Originalexemplar des Pilzes ist ein noch vollkommen
steriles Entwicklungsstadium irgend eines Pilzes; jedenfalls ist
es keine Hymenochaete, noch eine Peniophora sp. Sporen, wie
sie Hennings beschreibt, sind nicht vorhanden. Diese Art ist
zu streichen.
Hymenochaete septobasidioides P. Henn. (Hedwigia, 43. B.,
p. 172) aus Menino de Deus bei Rio Juruä in Brasilien, leg.
Ule 1901. Original im Berliner Herbar.
Der Pilz ist ein Septobasidiuni, und zwar eine sehr schöne,
ganz eigentümliche Art, welche am freien abgehobenen Rande
Hüte bildet und stereumartigen Habitus zeigt. Auch hier findet
man unter dem Pilze, so wie bei allen anderen Septohasidium-
Arten, Schildläuse. Reife Basidien mit Sporen konnten keine
beobachtet werden. Sporen, wie sie Hennings beschreibt,.
Zur Kenntnis der Corticieen. 75/
sind nicht vorhanden. Das, was der Autor als Setulae auffaßt,
sind nur die hyalinen subhymenialen Hyphen des Pilzes.
Dieser müßte also Septobasidiimi septobasidioides (P.
Henn.) v. H. et L. heißen.
Dieser Name dürfte jedoch kaum statthaft sein und wir
schlagen daher für den Pilz die Bezeichnung 5. stereoides v. H.
et L. vor.
Hymenochaete tjibodensis P. Henn., Monsunia, I, 1899, p. 140;
Saccardo, Syll., XVI, p. 188.
Das Hymenium zeigt keine Setulae, der Pilz ist daher
keine Hymenochaete. Hingegen sind zahlreiche, ganz dicht
stehende Cystiden vorhanden. Dieselben sind fast hyalin,
zylindrisch, oben abgerundet, oft keulig verbreitert; der vor-
ragende Teil derselben ist zirka 15 bis 20 -^^ 4 [i groß und über-
all von zahlreichen spitzen, dünnen Warzen oder Stacheln sehr
rauh. Der Pilz ist daher eine Lloydella. Mit Hymenochaete Cacao
Berk. ist derselbe nicht näher verwandt, wie Hennings ver-
mutet. H. Cacao Berk. ist ebenfalls eine Lloydella und muß
Lloydella Cacao (Berk.) v. H. et L. heißen. Dieselbe besitzt
ebenfalls zahlreiche dichtstehende Cystiden; diese sind aber
glatt, braun, stumpflich, zirka 3 [x breit und ragen nur wenig
vor.
Weder makro- noch mikroskopisch sind von Hymenochaete
tjibodensis P. Henn. die beiden Arten Sterenni snbpileatnui
Berk. et Curt. und St. insigne Bres. irgendwie wesentlich
verschieden. Letztere beiden Arten können nicht voneinander
spezifisch getrennt werden. Alle drei Formen müssen zu einer
Art vereinigt werden, die Lloydella siibpileata (Berk. et C.) v.
H. et L. genannt werden muß.
Die spezifische Gleichheit von Stereum insigne Bres. mit SA
siibpileatunt (Berk. et Curt.) wurde an einem Originalexemplar
der ersteren Art und einem nach Bresadola typischem
Exemplar der zweiten Art festgestellt.
St. insignitimi Quel. (=: St. versicolor Fr.) ist äußerlich
oft ähnlich, aber ein echtes Stereum, davon also gänzlich ver-
schieden.
/ 58 F. V. Höhne) und V. Litschauer,
Hymenochaete usanguensis P. Henn., Engler's Bot. Jahrb.,
1901, p. 257 (Saccardo, Syll., XVII., p. 167).
Der Pilz ist, wie die Untersuchung des Originalexemplares
lehrte, keine Hymenochaete, überhaupt kein Thelephoracee,
sondern höchst wahrscheinlich eine Auriculariacee (Septo-
basidium ?). Ausgebildete Basidien und Sporen sind nicht vor-
handen, wohl aber konnten noch jugendliche, rundliche, reich-
lich mit Inhalt erfüllte Basidien beobachtet werden. Die Setulae,
welche Hennings beschreibt, sind nur die oberflächlichen
Hyphenenden. Fast rundliche, 6 bis 8 p- große, gelbe Sporen,
wie sie He nnings beschreibt, sind nicht zu finden und ge-
hören nach der Auriculariaceen-Natur des Pilzes sicher nicht zu
demselben.
II. Revision ausgegebener Corticieen-Exsikkaten.
Die im folgenden gegebenen Berichtigungen gelten selbst-
verständlich nur für die untersuchten Exemplare der Exsikkate.
Daß verschiedene Exemplare desselben Exsikkates unter
gleichem Namen oftmals verschiedene Pilze enthalten, davon
konnten wir uns mehrmals überzeugen. Das hier Gesagte gilt
auch für den I. Teil der »Revision ausgegebener
Exsikkate< (in diesen Sitzungsberichten, 1906, Bd. CXV,
Abt. I, p. 31).
1. L. Fuckel, Fungi rhenani.
Nr. 1314. Corticiimi laeve (Pers.) Fr. Enthält Stereitm purpu-
reum Pers. Dadurch erklärt sich auch die falsche
Sporenangabe bei C. laeve (Pers.) Fr. in Fuckel,
Symb. Myc, Beiträge zur Kenntnis der rheinischen
Pilze, p. 27.
Nr. 1893. Corticium salicmtim Fr. Enthält Cytidia ßocculenta
(Fr.) v. H. et L. (= Lomatina ßocculenta [Fr.] v. H.
et L.)
2. Rabenhorst, Herbar mycologicum. (Ed. II.)
Nr. 414. Corticium radiosum Fr. Enthält nicht diese Art. Der
Pilz ist kaum etwas anderes als C. laeve Pers.
Zur Kenntnis der Corticieen. 759
Nr. 503. Sterenm vngosnni Pers. Enthält eine resupinate
Form von St. hirsittmn Willd.
3. Rabenhorst, Fungi europaei.
Nr. 1109. Stereutn hirsntnin (Willd.) F'r. Das Exemplar des
Exsikkates im Herbar B arbe}— Boissier enthält
St. purpuremn Pers.
Nr. 1212. Corficitun calceiun, lactemn Fr. Enthält weder Seba-
cma calcea (Pers.) Bres. noch C. lactenm Fr., sondern
einen sterilen Hyphenfilz.
Nr. 1405. Corticnmi sulfureum Fr. Enthält eine Coniophora,
wahrscheinlich C. arida (Fr.) Bres.
Nr. 1608. Corticinm qiiercinum Pers., var. syriiigaecola
Rabh. in litt. Enthält Peniophora cinerea (Fr.) Cke.
4. Rabenhorst- Winter, Fungi europaei.
Nr. 2721. Coniophora oliuacea (Fr.) Karst. Das Exsikkat ent-
hält Coniophorella itntbrina (Alb. et Schw.) Bres.
Schon Massee (siehe Monogr. of the Teleph.,
p. 134) hat die Verschiedenheit des Pilzes dieses
Exsikkates von Coniophora olivacea Fr. erkannt
und denselben als neue Art C. fulvo-olivacea Mass.
beschrieben. Da nun aber derselbe identisch ist mit
der viel früher aufgestellten Thelephora umbrlna Alb.
et Schw. z= Coniophorella nmbrina (Alb. et Schw.)
Bres., wieder direkte Vergleich mit einem Bresa-
dola'schen Exemplar dieses Pilzes ergab, so hat die
Bezeichnung Massee 's für denselben als Synonym
der letzteren Art zu gelten.
Nr. 3524. Hyinenochaete scabriseta Cke. Der Pilz dieses Exsik-
kates stimmt, wie eine genaue mikroskopische Unter-
suchung lehrt, vollkommen überein mit dem Original-
exemplar von Hynienochaete pnrpnrea Cke. et Mor-
gan {Thelephora pnrpurea Cke. et Morgan, Myc.
Fl. Miami Valley, p. 198) in Morgan Nr. 683 (Herbar,
Berlin). Wenn daher der Pilz des Rabenhorst-Exsikkates
''oO F. V. Höhnel und ^^ Li tschau er,
die richtige H. scahriseta Cke. (Original im Her-
bar Kew.) ist, dann ist jene Art mit letzterer iden-
tisch. Übrigens sprechen auch die Diagnosen beider
Pilze (siehe Massee, Monogr. of the Teleph., p. 113
und 115) für ihre Gleichheit. Bresadola, Fung.
polonici, p. 100, hat die H. purpiirea Cke. et IVI Or-
gan in die Gattung Kneiffia Fr. {=Peniopkora Cke.)
gestellt; der Pilz zeigt jedoch, wenn er gut entwickelt
ist, fast stereumartigen Habitus und ist wegen der fast
keuligen, gelblichen, dickwandigen, meist stumpfen,
rauhen, inkrustierten Cystiden am besten als eine
Lloydella sp. aufzufassen, siehe p. 791.
Der Pilz ist auch unter Nr. 36 von Rave-
nel, Fungi Caroliniani, als Stereiim papyrümm Mont.
ausgegeben worden. Von dieser Art, ebenfalls einer
Lloydella sp., ist er aber nach dem Exemplar der-
selben in der Nr. 400 der Fungi Cubenses Wrigh-
tiani, vollkommen verschieden.
Nr. 3647. Stereimi acerinum Fr., var.: nivosum Berk.; a und h
enthält Aletirodiscns nivostts (Berk. et Curt.) v. H.
et L.
5. Sydow, Mycotheca Marchica.
Nr. 501. Corticinm gigantetmi Fr. Das Exemplar dieses Exsik-
katesim Berliner Herbar enthält tatsächlich P^w/ojy/zon?
gigantea (Fr.) Mass., das Exemplar des Herbars der
k. k. Techn. Hochschule in Wien jedoch TomenteUa
isahellma (Fr.) v. H. et L. (Siehe diese Berichte, 1906,
Bd. CXV, Abt. I, Oktober, p. 1581.)
Nr. 906. Corticinm seriun Pers., enthält nicht diese Art. Exem-
plar unbestimmbar!
Nr. 1010. CorHcium lactewn Fr. Das Exemplar dieses Exsik-
kates im Berliner Herbar enthält C. laeve Pers., das
Exemplar im Herbar der k. k. Techn. Hochschule in
Wien eine Peniophora sp. (P. Roiimegiierii Bres..?).
Siehe diese Berichte, 1906, Math.-naturw. KL, Abt. I,
p. 1581.
Zur Kenntnis der Corticieen. 761
Nr. 1105. Corticium calceunt (Pers.) Fr. Enthält C. radiostim
Fr. = C aliitacetim (Schrad.) Bres. Das Exemplar
desExsikkates im Herbar der k. k. Techn. Hochschule
in Wien enthält nichts Bestimmbares.
Nr. \20b. Stereum frtistiilosiirn Fr. Enthält sicher nicht diese
Art. Exemplar sehr schlecht! Höchstwahrscheinlich
nur eine resupinate Form von St. hirsiitiim Willd.
Nr, 1607. Corticium uvidnm Fr. Enthält zum Teil Vuilleminia
comedens (Nees) Maire, zum Teil Radiiltim lae-
tum Fr.
Nr. 1707. Corticinnt nigresceus Schrad. Enthält schlechte
Exemplare von Vuilleminia comedens (Nees) Maire.
Nr. 1803. Corticiimi ntidtwi Fr. Das Exemplar dieses Exsik-
kates im Berliner Herbar enthält C. laeve Pers. (siehe
dazu diese Sitzungsberichte, Bd. CXV, 1906, xMath.-
naturw. Kl., Abt. I, p. 1581).
Nr. 1 9 1 1 . Cor//V/ww violaceo-lividnm (Sommf.) Fr. Enthält
Peniopliora cinerea (Fr.) Cke.
Nr. 2001. Sehacina incrustans Pers. Enthält Peniopliora gigan-
tea (Fr.) Mass.
'Hv. 2?>\2.Sterenin hirsutiim Willd. forma. Ganz alt und
schlecht! Der Pilz scheint St. purpureum Pers. zu
sein.
Nr. 3112. Corticium comedens Nees. Enthält sicher nicht diese
Art, sondern ein altes Corticium; wahrscheinlich
C. laeve Pers.? (Die darauf liegenden großen Sporen
rühren von einer Valsa sp. her, welche auf den
Zweigen vorkommt.)
l>ii'. ^431. Stereuni hirsufttm Willd. forma. Enthält ein ganz
altes unbestimmbares Stereum sp.?
Nr. 3432. Hypoclmus ferruginetts Fr. Das Exemplar im Berliner
Herbar enthält Tomentella elaeodes (Bres.) v. H. et L.
(siehe dazu v. Höhnel et Litschauer, Sitzungsber.
der k. k. Akademie der Wissenschaften in Wien/
Bd. CXV, Abt. I, 1906, p. 1582).
Nr. 3903. Stereum vorticosum Fr. Das Exemplar des Exsikkates
im Berliner Herbar enthält ein ganz altes und
Sitzb. d. mathem.-natunv. KL; CXVI. Bd., Abt. I. 50
'62 F. V. Huhnel und \'. Litschauer,
unbestimmbares Stercnm, wahrscheinlich nur St. Itir-
sntnni Will ei.
Nr. 4105. Cbr//V//f/;/ Greschikii Bres. Enthält Corticium
subcoronatiun v. H. et L. n. sp.
Nr. 4409. Cortichun gilvesccns Bres. n. sp. (Originalexemplar!)
(Hedvvigia, 1896, p. 46; Saccardo, Syll., XIV, p.221.)
Der Pilz dieses Exsikkates ist nichts anderes als
Corticmui conßnens Fr.; stimmt nicht nur dem Aus-
sehen nach, sondern auch was die Struktur betrifft,
vollkommen mit sicher bestimmten Exemplaren der
letzteren Art überein.
Schon die Diagnose von C. gilvescens Bres. ließ
übrigens die Identität mit C. cotißneus Fr. vermuten.
Nr. 4624. Hypoclimis mucidits Schrot. Enthält nicht diese Art,
aber ein echtes Corticium. Dasselbe ist jedoch steril
und unbestimmbar.
Nr. 4626. Stercnm gausapattim Fr. i. juvenilis. Das Exemplar
des Exsikkates im Berliner Herbar enthält nichts Be-
stimmbares.
6, Thümen, Mycotheca universalis.
Nr. 113. Stereum Curtisii Bevk. Ist eine Hymcuochaete und
hat H. Curtisii (Berk.) Ell. et Ev. zu heißen.
Nr. 326. Corticium querciimm Fr. var. tiliaceum Thüm.
Enthält Peniophora ciuerea (Fr.) Cke.
Nr. 512. Corticium simulaus Berk. et Broome. Der Pilz ist
eine Hymeuochaete und hat H. simulans (Berk. et
Broome) v. H. et L. zu heißen; siehe dazu p. 774.
Nr. 711. Corticium acerinum Thüm. var. ui vosiim Rav. Ent-
hält Aleurodisctis nivosus (Berk. et Cke.) v. H. et L.
Nr. 807. Corticium calceum Fr. var. lacteum Fr. Enthält Aleu-
rodiscus acerinus (Pers.) v. H. et L. var. longisporus
V. H. et L.
Nr. \\0d>. Stereum amoenum Kalchbr. n. sp. Kalch brenner
et M. Owan, Grev., X, p. 58 (:= 5/. Kalchbremieri
Sacc, Syll, VI, p. 568). Der Pilz des Exsikkates ist
nichts anderes als eine bräunliche Form von 5/. ////'-
Zur Kenntnis der Corticieen. /()3
suttiui Willd. Er muß als eigene Art gestrichen
werden.
Nr. 2013. Corticitim radiosum Fr. Das Exemplar desExsikkates
im Berliner Herbar enthält ganz alte Peniopliora
crernea (Bres.) v. H. et L. (Das Exemplar im Herbar
der k. k. Technischen Hochschule in Wien enthält
Steretim odorainm Fr.; siehe diese Sitzungsberichte,
1906, Bd. CXV,Mathem.-naturw. Klasse, Abt.I,p. 1584.)
7. T hürnen, Fungi Austriaci.
Nr. 331. Corticium ladeum Fr. (siehe diese Berichte, 1906,
Mathem.-naturw. Klasse, Abt. I, p. 1585). Das Exem-
plar dieses Exsikkates im Berliner Herbar enthält sicher
C. conßuens Fr.
Nr. 720. Corticium calcetim Fr. Enthält sicher nicht Sehacina
calcea (Pers.) Bres., sondern sehr spärlich Aleuro-
discus acerinns (Pers.) v. H. et L. ?
Nr. 923. Corticium calceum Fr. var. salicinuui Thüm. Ent-
hält nichts Bestimmbares.
8. Cryptogamae exsiccatae (Mus. palat. Vindobon.).
Nr. 942. Corticium tephroleiicum Bres. n. sp. (B r e s a d o 1 a apud
Strass. in Verh. k. k. Zool. bot. Ges. Wien, Bd. LH,
1902, p. 430.) Saccardo, Syll., XVII, p. 171.
Diese Art muß gestrichen werden. Der Pilz des
Exsikkates ist nämlich nichts anderes als Corticium
confluens Fr. Stimmt, wie die mikroskopische Unter-
suchung zeigt, vollkommen überein mit den Exem-
plaren letzterer Art in W. Brinkmann, Westf. Pilze,
Nr. 13.
Auch die Diagnose des Pilzes stimmt ganz gut auf
C conßuens Fr. Vergleiche mit derselben die Bemer-
kung Bresadola's über letztere Art in Hymenom\^c.
Kmet. p. 48.
9. Otto Jaap, Fungi selecti exsiccati.
Nr. 168. Corti.cium sulphnreum Fr. Enthält Tomentella isahcl-
liiia (Fr.) v. H. et L.
50*
764 F. V. Höhne 1 und V. Li tschau er,
10. Romeil, Fungi exsiccati praes. scandinavici.
Nr. 28. Steretmt spadiceum Fr. Das Exemplar desExsikkates
im Herbar Barbey-Boissier ist sehr dürftig! Welche
Art der Pilz desselben ist, ist mit Sicherheit nicht zu
bestimmen. Könnte höchstens eine sehr abweichende
Form von LJoydella spadicea (Fr.) Bres. sein.
(Cystiden farblos und glatt; die Sporen stimmen!)
11. Schröter, Pilze Schlesiens,
Nr. 764. Corticmm calcenm (Pers.). Enthält Aleurodiscus
acerinus (Pers.) v. H. et L.
12, Flora exsiccata Austro-Hungarica.
Nr. 3152. Corticium calceum Pers. Enthält Aleurodiscus
acerinus (Pers.) v. H. et L.
13. Karsten, Fungi fennici.
Nr. 133. Corticitim calceum Fr. Enthält Gloeocystidium
stramiueum Bres.
Nr. 137. Pistillaria quisquiliaris Fr. Enthält Sterettm frustu-
losuni Fr.
Nr. 249. Stereum rugosum Fr. Enthält eine resupinate Form
von St. hirsuttim Willd.
Nr. 433. Stereum hir suhl m Willd. Enthält nichts Bestimm-
bares.
Nr. 623. Corticium lacteum Fr. Enthält Peniopliora subcremea
V. H. et L.
•Nr. 624. Corticium radiosum Fr. Enthält Peniopliora laevis
(Fr.) V. H. et L.
Nr. 625. Corticium lividum Pers. Enthält schlechte und sterile
Exemplare von Peniopliora serialis (Fr.) v. H. et L.
Corticium lividum Pers. = Phlebia livida (Pers.)
Bres. f. Hym. Kmet., p. 41.
Nr. 626. Corticium violaceo-lividmn (Sommf.) Fr. Enthält
Peniophora cinerea (Fr.) Cke.
Nr. 710. Corticium laevigatum Fr. Die Art ist identisch mit
Lloydella areolata (Fr.) Bres.
Zur Kenntnis der Corticieen. 765
Nr. 845. Corticium mcarnatum, Fr. Enthält nicht diese Art,
sondern eine andere Peniophora sp.; wahrscheinlich
P. mtitata (Peck.) v. H. et L.
Nr. 916. Corticium fitmosmn Fr. Enthält eine Toinentella sp.,
welche wahrscheinlich nichts anderes als T. chalybea
Pers. ist.
Nr. 919. Corticium radiosiiiu Fr. Enthält C laeve Pers.
Nr. 951. Stereum alnenm Fr. (juvenile). Enthält nicht diese
Art, welche identisch mit 5^. odorattiut Fr. (siehe
Bresadola, Fungi polonici, p. 92) ist, sondern Gloeo-
cystidiuni straniineum (Bres.) v. H. et L. Die Gloeo-
cystiden treten nur deutlich hervor, wenn man dünne
Querschnitte durch den Pilz mit verdünnter Lauge
erwärmt.
Nr. 952. Stereum alneum Fr. Enthält St. odoratum Fr.
Nr. 953. Corticium calceum Fr. forma. Enthält Lloydella areo-
lata (Fr.) Bres. (z= Xerocarpus Juniperi Karst. =:
Peniophora laevigata [Fr.] Mass.)
Nr. 959. Stereum odoratum Fr. Der Pilz des Exsikkates ist
sicher nicht diese Art; ist ganz alt und unbestimmbar.
14. M. C. Cooke, Fungi Britannici Exsiccati.
Nr. 304. Stereum spadiceum Pers. Enthält nicht diese Art,
welche eine Lloydella ist, sondern St. gausapatum
Fr. =: St. cristulatum Quel. = St. spadiceum Fr.
non Pers.
Nr. 411. Corticium snlfureiim Fr. Enthält eine Coiiiophora
(wahrscheinlich C arida [Fr.] Bres.). C. sulfuremn
Fr., Epicrisis, p. 562 et Auctorum ist nach Bresa-
dola, Hym. Kmet., p. 48, zum TeW Corticium croceum
(Kze.) Bres.
Nr. 412. Corticium polygonium Pers. Enthält C. laeve Pers.
Nr. 413. Corticium serttm Pers., ohne Sporen! Nach Aussehen
und Beschaffenheit der Hyphen C. serum Pers.
Nr. 415. Hymenochaete ruhiginosa Lev. Enthält H. tabacina
(Sow.) Lev.
766 F. V. Höhnel und V. Li tschau er,
Nr. 509. Thelephora piiteana Fr. Der Pilz des Exsikkates ist
wahrscheinlich nicht diese Art. Vielleicht Coniophora
arida Fr.?
15. Roumeguere, Fungi Gallici exsiccati, beziehungsweise
Fungi selecti exsiccati.
Nr. 3. Thelephora Picea Pers. Das Exemplar im Herbar
Barbey - Boissier enthält ein sehr altes und
schlechtes Stück eines Pilzes, der wahrscheinlich
nichts anderes als Lloydella spadicea (Pers.) Eres, ist,
Nr. 4. Corticinm varicgahiin Nob. in lit, ad Ellis. Enthält
ein altes und schlechtes Exemplar einer Peniophora
sp.; wahrscheinlich einer eigenen Art. Der Pilz zeigt
eine gewisse Ähnlichkeit mit Lloydella scahriseta
(Cke.) V. H. et L. (in Rabenhorst-Winter, P^ungi
europ. Nr. 3524 sub Hyinenochaete), ist jedoch, wie
die mikroskopische Untersuchung lehrte, davon ver-
schieden. Als Varietät von Peniophora cinerea (Fr.)
Cke. (siehe Sa ccardo, Syll., VI, p, 643) kann derselbe
wohl kaum angesehen werden.
Nach Massee, Monogr. of the Theleph., p. 129, ist
er mit Hymeuochaete (Coniophora) Ellisii Berk. et
Cke. identisch, von welchem Pilz jedoch noch nicht
festgestellt ist, ob er eine eigene, gute Art repräsentiert,
denn alle ausgegebenen Exsikkate desselben enthalten
nämlich nur entweder Coniophora arida Fr. oder
Coniophorella olivacea (Fr.) Karst.
Nr. 506, Corticinm calcenm Fr. Enthält C. serum Pers.
Nr. 703. Steremn frusttdosum Fr. f. concava Fr. Zeigt nur
gewöhnliches Sf. frtisfnlosum Fr.!
Nr. 705. Corticinm Oakesii Berk. et Curt. (ex America
borealis). Enthält nichts Bestimmbares.
Nr. 713, Coniophora atrocinerea Karst, Auch das Exemplar
dieses Exsikkates im Herbar Barbej^-Boissier ent-
hält nur Ustnlina vulgaris Tul.
Nr. 802, Stereiim platani sp. nov. Ist sicher nichts anderes als
Aleurodiscns acerinns (Pers.) v. H. et L.
Zur Kenntnis der Corticieen. 767
Nr. 1300. Thennutis byssacea Lib, in herb, ist eine Flechte. Ent-
hält nichts Bestimmbares.
Nr. 1409. Corticmui incariiatitin Fr. Sehr dürftig! Enthält
aber diesen Pilz.
Nr. 1602. (In den Beiträgen zur Kenntnis der Corticieen von den
V^erfassern [siehe diese Sitzungsberichte, Bd. CXV,
1906, Mathem.-naturw. Klasse, Abt. I, p. 1590] als
Nr. 1502 bezeichnet.) Enthält sub Corticiiim violacco-
lividtim Fr. Peniophora mida (Fr.) Bres.
Nr. 201 1. Cbr^/cmm incamatum Fr. Das Exemplar des Ex-
sikkates im Berliner Herbar enthält Peniophora
incariiata (Pers.) Cke. (Das Exemplar im Herbar
der k. k. Technischen Hochschule in Wien enthält
nichts Bestimmbares. (Siehe diese Berichte, Bd. CXV,
Mathem.-naturw. Klasse, Abt. I, p. 1591.)
Nr. 2210. Corticiiim lacteiiin Fr. f. corticola Nob. Das Exemplar
im Berliner Herbar enthält altes C. laeve Pers. (Das
Exemplar im Herbar der Technischen Hochschule in
Wien ein altes Steretim)
'Nv. 2211. Corficiutn (Hypochims) serum (Pers.) Fr. enthält
nichts Bestimmbares! Sicher nicht diesen Pilz!
Nr. 2507. Thelephora biennis Fr. Enthält LJoydella spadicea
(Pers.) Bres.
Nr. 2510. Corticium incarnatum Fr. auf Tilia! Enthält eine
cystidenlose Form von Peniophora anrantiaca (Bres.)
V. H. et L. Der Pilz stimmt außer den mangelnden
Cystiden vollkommen auf letztere Art.
Nr. 2513. Corticium radiosum Fr. f. foliicola. Das Exemplar
des Exsikkates im Herbar Barbey-Boiss ier enthält
zum Teil einen sterilen Hyphenfilz, zum Teil C. seruni
Pers. und auf der Hülse eines Schmetterlingblüters
äußerst spärliche Reste eines nicht mehr zu bestim-
menden Pilzes.
Das Exemplar des Exsikkates im Berliner Herbar
enthält C. arachnoideum Berk. (Das Exemplar im
Herbar der k. k. Technischen Hochschule in Wien
enthält zum Teil Peniophora sp., zum Teil Odontia
''68 F. V. Höhne 1 und H. Lit schauer,
sp.; siehe diese Sitzungsberichte, 1906, Abt.I, mathem.-
naturw. Klasse, p. 1591.)
Nr. 2807 . Stereum purpureum Pers. var. Ulacinmn Gill. Ent-
hält nichts sicher Bestimmbares. Vielleicht St. pur-
pureum Pers.
Nr. 3628. Corticium radiosum Fr. f. Tiliae. Das Exemplar des
Exsikkates im Berliner Herbar enthält C. laeve Pers.
(Das Exemplar im Herbar der k. k. Technischen Hoch-
schule in Wien enthält nichts Bestimmbares; siehe
diese Sitzungsberichte, 1906, Mathem.-naturw. Klasse,
Abt. I, p. 1592.
Nr. 3705. Corticium Mougeotii Fr. f. tttmoracia. Das Exem-
plar des Exsikkates im Berliner Herbar enthält Hyme-
nocliaete Mougeotii (Fr.) Cke.
Nr. 402 1 . Stereum paraguariense S p e g. (aus B a 1 a n s a,
Champignons du Paraguay, Nr. 3896). Enthält einen
Pilz, auf welchem die Diagnose von St. paraguariense
Speg. (Fungi Guaran., Pug. I, Nr. 75; Massee,
Monogr. of the Theleph., p. 195; Saccardo, Syll., VI,
p. 584) sehr gut paßt. Derselbe stimmt aber auch
ganz gut zu den Beschreibungen von 5/. membrana-
ceum Fr., Epicrisis, p. 547 (Massee, i.e., p. 177;
Saccardo, I.e., p. 576) und St. papyrinum Moni.,
Syll., p. 178 (Massee, 1. c, p. 140; Saccardo, 1. c;
p. 641). Diese letzteren Arten sind in den Fungi
Cubenses Wrightiani in den Nrn. 398 und 400
ausgegeben worden. Der genaue Vergleich dieser
Exemplare nun mit dem obigen Pilz ergab vollkommene
Identität.
Höchstwahrscheinlich sind auch alle diese drei
Arten dasselbe. Sicher ließe sich dies natürlich nur
durch den direkten Vergleich der Originalexemplare
derselben feststellen.
Aus der Literaturstelle über St. papyrinum M o n t.
bei Massee, 1. c, p. 140, geht jedoch hervor, daß der
Pilz der Nr. 400 der Fungi Gubens. Wrightiani,
also auch die beiden anderen vorliegenden Exem-
Zur Kenntnis der Corticieen. 769
plare, sicher wenigstens diese letztere Art repräsen-
tieren, für welche schon Cool^e, Grev., VIII, p. 20,
pl. 124, f. 9, das Vorhandensein von Cystiden fest-
stellte. Er hat denselben daher auch Peniophora
papyrina Cke. genannt. Da der Pilz jedoch von
stereumartigem Habitus und Bau ist, muß er nun als
eine LloydeUa sp. betrachtet werden.
Die Cystiden des Pilzes sind etwas locker ange-
ordnet, haben eine kegelförmige Gestalt, sind an der
Basis meist etwas angeschwollen, haben eine schwach
gelbliche, gegen den Grund zu oft intensiv braune
Färbung,sind sehr dickwandig und sehr stark inkrustiert.
Sie ragen meist mit ihrem größeren Teile über das Hy-
menium hervor, oft sind sie aber auch ganz eingesenkt.
Ihre Länge beträgt ungefähr 40 bis 70 jj., ihre Breite
10 bis 14 [JL. Die Cystiden sind sehr rauh und machen
unter dem Mikroskop den Eindruck einer kegel-
förmigen Kristalldruse.
Sporen konnten an keinem der Exemplare
beobachtet werden. Massee gibt bei Peniophora
papyrina Cke. fast kugelige, 6 jx im Durchmesser
betragende Sporen an, bei St.membranaceum Fr.
ellipsoidische von 6 : 4 [x Größe.
Die Hyphen des Pilzes sind sehr unregelmäßig,
2 bis 4 [X dick, schwach gelblich bis hellbraun, glatt
und sehr dickwandig.
Der Pilz ist im Alter äußerlich dex Lloydella spadicea
(Pers.) Bres. nicht unähnlich, mikroskopisch jedoch
davon vollständig verschieden (vergl. Bresadola,
Hym. Kmet., p. 42).
Stereum Glaziovii Bres. n. sp. im Berliner Herbar
ist ebenfalls mit demselben identisch.
Nr. A02b. Xevocarpns strohilornm n. sp., leg. Cap. F. Sarrazin
(ohne Beschreibung); siehe dazu Rev. Myc, 1887,
p. 102. Ist kein Pilz, sondern besteht aus den ver-
blaßten äußersten Schichten des Gewebes der Innen-
seite der Zapfenschuppen von Pinus silvestris.
770 F. V. Höhnel und V. Li tschau er,
Nr. 4421. Corticnmi inolle Fr. vav. pellictUa Fr. Das Exemplar
im Herbar Barbe3^-Boissier enthält C. centrifugum
(Lev.) Bres.
Nr. 4422. Stereum ochraceo-flaviun Schvv. Ist St. ochrohuaun
Fr. sensu Bresadola; siehe p. 782.
Nr. 4423. Stereum lilaciuum Pers. f. Robiniae. Exemplare sehr
schlecht! Wahrscheinlich nur St. purpureum Pers.
Nr. 4542. Stereum Curtisil Berk. Enthält Hymenochaete Cttr-
tisii (Berk. Ell. et E v).
Nr. 5011. Corticium violaceo-Uvidnm (Sommf.) Fr. var. Syriti-
gae Karst. Enthält Peniophora cinerea (Fr.) Cke.
Nr. 5012. Corticium laeve Fr. f. lactescens. Enthält C. seruui
Pers. (Kaum etwas anderes.)
Nr. 5405. Corticium polygonium Pers. f. Abietis pectiiiatae. Der
Pilz ist tatsächlich diese Art; das Substrat aber nicht
Abies-Rinde, sondern Pappel rinde. Der Pilz kommt
nur auf Pop ulus sp. vor.
'Nv. 5507. Stereum sauguinoleutum (Alb. et Schw.) Fr. var.
rigeiis Karst. Enthält nur St. sanguinoleiitum (Alb.
et Schw.) Fr. und nicht St. rigens Karst.
Nr. 5509. Corticiuin sulphureum Fr. Enthält ein Stroma von
Hypocrea citrina Pers.
Nr. 5801. Corticium comedens (Nees) Fr. Enthält nicht diesen
Pilz, sondern ein Gloeocystidium, wahrscheinlich Gl.
luridum (Bres.) v. H. et L. Der Pilz des Exsikkates
besitzt zylindrische, auf einer Seite abgeflachte, nach
unten zugespitzte, farblose, glatte, 8 bis 12:4 bis
G jj. große Sporen mit gleichmäßigem Inhalt, keulen-
förmige 5 bis 7 [X breite Basidien mit 4 Sterigmen,
3 jj. dicke, farblose verklebte Hyphen und lang spin-
delförmige, 4 bis 8 [X breite, mit einem fast körnigen
Inhalt erfüllte, vom Grunde des Pilzes bis zur Ober-
fläche des Hymeniums reichende Gloeocystiden.
Bresadola gibt in der Diagnose seines Pilzes, Fungi
Trid., II, p. 61, die Sporen größer, 10 bis 17 : 6 bis 8 |a
und die Breite der Basidien mit 9 bis 12 [x an; allein
ein von ihm als Corticium luridum Bres. bestimmter
Zur Kenntnis der Corticieen. '''1'
Pilz zeigt vorwiegend kleinere Sporen und schmälere
Basidien.
iiv. 6393. Stereum lilacmnm Pers. Ist 5/. purpureum Pers.
^v.QM^. Hymenochaete Boltonii (Sacc.) Cke. Das Exemplar
des Exsikkates im Herbar Barbey-Boissier zeigt
Corticium serum Pers.
Nr. 6549. Hymenochaete tabacinaF a.t. Das Exemplar des Exsik-
kates im Herbar Barbey-Boissier enthält nicht
diese Art, sondern eine Peniophoral Exemplar sehr
schlecht. Nicht sicher bestimmbar. Wahrscheinlich
P. cinerea (Fr.) Cke.
Nr. 69 11. Corticium cinereuin Fr. f. Rohiiiiae. Das Exemplar im
Herbar Barbey-Boissier eu\.h'd.\i Peniophora caesia
(Bres.) V. H. et L.
Nr. 7011. Corticium calceum Fr. f. sericea; enthält Peniophora
glehuJosa (Fr.) Sacc.
16. A. Libert, Plantes Crypt. Arduennae.
Nr. 20. Thelephora laevis Pers. Enthält kaum diese Art!
Exemplar zu dürftig, um sicher bestimmt zu werden.
Nr. 323. Fase. IV (1837). Thelephora Rubi (mit Diagnose) =
Aleurodiscus aurantius (Pers.) Schrot.
17. P. A. Saccardo, Mycotheca Veneta.
Nr. 403. Corticium incarnatum Pers. Enthält Peniophora caesia
Bres.
Nr. 407. Corticium poJygonium Pers. f. Rohiniae Pseudacaciae.
Enthält eine Sehacina! Wahrscheinlich eine zarte
Form von S. incrustans (Pers.) Tul.
Nr. 408. Corticium granulattim (Bon.) Sacc. Das Exemplar
des Exsikkates im Berliner Herbar enthält Sehacina
incrustans {Pers.) Tul. (Siehe dazu diese Sitzungs-
berichte, Bd. CXV, 1906, Math.-naturw. Klasse, Abt. I,
■p. 1587.)
18. Dr. Marcucci, Un itin. crypt. 1866.
Nr. 72. B. Stereum disciforme Fr. var. compactum Pers. Ent-
hält Pen iophoi'-a Roumeguerii Bres.
Nr. 78. Stereum hirsntum W i 1 1 d. Enthält nichts Bestimmbares.
7 72
F. V. Höhne 1 und V. Li tschau er.
19. DeNotaris, Erbario Crittogamico Italiano.
Nr. 675 II. Ser. Stereum sanguinoleiitmn Alb. et Schw.
Das Exemplar des Exsikkates im Herbar Barbey-
Boissier enthält kaum diese Art. Der Pilz ist ganz alt
und schlecht; daher unbestimmbar.
20. H. W. Ravenel, Fungi Americani Exsiccati.
Nr. 126. Corticnmi calcetimFv. Enthält nicht Sehacina calcea
Fr. Bres., sondern ein ganz altes, steriles Corticium.
Nr.219. Stereum subpileattim Berk. et Curt. Diese Art hat
Lloydella subpileata (Berk. et Curt.) v. H. et L. zu
heißen.
Nr. 222. Stereum Curtisii (Berk.) v. H. et L. Ist eine Hymeito-
chaetel Hat H. Curtisii (Berk.) Ell. et Ev. zu heißen.
Die Setulae sind sehr locker angeordnet und leicht
zu übersehen. Sie sind ungefähr 30 bis 50 [x lang, bis
40 fx hervorragend und 6 bis 8 [x breit. Auch bei den
Exemplaren dieses Exsikkates konnten keine Sporen
gefunden werden.
Nr. 226. Corticium flavido-alhum Cke. Enthält Peniophora
pubera (Fr.) Sacc.
Nr. 448. Stereum compUcatum Fr. Das Exemplar des Exsik-
kates im Berliner Herbar enthält nichts Bestimmbares.
Nr. 449. Stereum albo-badium Schw. Diese Art ist eine Z/oj/-
della. Hat LI. albo-badia (Schw.) v. H. et L. zu
heißen.
Nr. 454. Corticium ochraceum Fr. Enthält Peniophora nuda
(Fr.) Bres.
Nr. 457. Corticium epiphylhmi Pers. Der Pilz des Exemplares
des Exsikkates aus dem Berliner Herbar enthält
eine sehr eigentümliche Corticiee. Er ist, was die
Struktur betrifft, den Vertretern der Gattung Astero-
stroma Mass., Monogr. of the Theleph., p. 92, nicht
unähnlich; so wie bei diesen bilden auch hier die
Cystiden eine Art Filz, durch welchen die locker
verteilten Basidien weit hervorragen. Nur sind dort
die Cystiden sternförmig und braun oder gelb
gefärbt und dabei in einer horizontalen Ebene
Zur Kenntnis der Corticieen.
773
angeordnet, während sie hier farblos sind und
eine baumartige Verzweigung aufweisen. (Siehe
dazu die Figur.) Der Pilz ist also, obwohl er eine
unzweifelhafte Verwandtschaft mit den Arten der
Gattung Asterostroiua erkennen läßt, hinlänglich
scharf von diesen geschieden, um die Aufstellung
einer eigenen Gattung zu rechtfertigen. Er sei daher:
Asterostromella epiphylla (Pers?) v. H. et L.
genannt. Ob dieser Pilz mit dem Corticmm epiphyl-
lum Pers. Mycologia europ., I, p. 84, identisch
ist, kann wohl kaum mehr festgestellt werden.
Fig. 3. Asterostromelhi epiphylla (Pers?) v. H. et L.
a und c Zwei Basidien des Pilzes (Vergr. ^"^'^j-^.
b Eine Anzahl Sporen desselben (Vergr. iioo'j).
d 7jWq\ baumartig verzweigte Cystiden (Vergr. ^loo/^).
Bemerkung; Pilz ausgebreitet, sehr zart, dünn-
häutig, dem Substrate fest anhaftend, am Rande gleich-
artig oder etwas mehlig, von schmutzigweißer bis
cremegelber Färbung. Hymenium glatt, im Alter
etwas zerrissen, nicht geschlossen, aus Basidien und
eigentümlichen, mehr oder weniger geweih- bis baum-
artig verzweigten Cystiden bestehend. Basidien zylin-
drisch oder schwach keulenförmig, 20 bis 24 [x lang,
6 bis 8 \y breit, sehr locker angeordnet, meist weit
/74 F. V. Höhnel und V. Litschauer,
Über die Cystiden hervorragend. Sterigmen 2 bis 4,
pfriemenförinig, gerade, 5 bis 7 [x lang. Sporen lang
keulenförmig oder lang spindelförmig, manchmal fast
etwas gekrümmt, 10 bis 22[J^ lang, 1 -5 bis 3 [x breit,
farblos, glatt, mit gleichmäßigem oder körnigem
Inhalt; selten einige Öltröpfchen bergend. Cystiden
sehr dichtstehend, farblos, glatt; Hauptäste etwa
1 bis 1'5 [X dick. Hyphen farblos, glatt, zartwandig,
2 |x dick, ohne Schnallen; sehr unregelmäßig.
Auf totem Laub. Ai'ken, Süd-Carolina. Nordmerika.
Massee hat auf Grund des Pilzes des vorliegenden
Exsikkates ebenfalls eine eigene Art Peniophora
phyllophila Mass., Monogr. of the Theleph., p. 88, auf-
gestellt. Er spricht in seiner Diagnose derselben von
spindeligen oder zylindrisch keuligen 60 bis 80:20
bis 30 [J< großen Cystiden und ellipsoidischen 12x6 [x
großen Sporen.
Die einzelnen Exemplare des Exsikkates scheinen
nach dieser Massee'schen Angabe wahrscheinlich
verschiedene Pilze zu enthalten.
21. H. W. Ravenel, Fungi Caroliniani.
Nr. 15. Corticiimt calcetim Fr. enthält nicht diese Art. Der
Pilz ist entweder Stercum odorahim Fr. oder St.por-
tentosiim (Berk.) v. H. et L. Die Art ist nicht sicher
zu bestimmen, weil keine Sporen vorhanden sind.
Nr. 24. Corticnim epichloruin Berk. et Curt.! Das Exemplar
des Exsikkates im Herbar Barbey-Boissier ent-
hält nur ein etwas helleres Exemplar von Hymeno-
chaete corrugata (Fr.) Lev.
Nr. 25, Corticimn sinmlaiis Berk. et Broome! Enthält eine
Hymenochaete sp., welche H. simtUans (Berk. et
Broome) v. H. et L. zu heißen hat, falls das Original-
exemplar von C. sinmlans Berk. et Broome, die
Nr. 3969 im Herbar Berkeley, mit dem Pilz des
Exsikkates identisch ist. Die Diagnose des letzteren
Pilzes stimmt sehr gut auf ersteren. Mit diesem iden-
Zur Kenntnis der Corticieen. 7/5
tisch ist auch der Pilz des Thümen-Exsikkates,
Myc. universalis Nr. 512.
Im folgenden sei eine ausführhche Beschreibung
des Pilzes versucht.
Hynienochaetesiniulans(Berk. et Broome)v. H. et L.
Syn. Corticitim simnlans Berk. et Broome in Journ. Linn. Soc.
(Bot.), XIV, p. 72 (Ce3flon Fungi, Nr. 439). Massee, Monogr.
of theTheleph., p. 128; Saccardo, Syll., VI, p. 622.
Exs. Ravenel, Fungi Caroliniani Nr. 25.
Ravenel, Fungi Ainericani Nr. 10 (non vidi).
Thümen, Mycoth. universalis Nr. 512.
Pilz ausgebreitet, filzig häutig, dem Substrate locker
anhaftend, am Rande gleichartig, von lövvengelber bis
gelbbrauner Farbe. Hymenium geschlossen, fast glatt.
Basidien keulenförmig, meist jedoch nach oben etwas
verschmälert, 10 bis 12 {x lang, 4 bis 6 [x breit. Ste-
rigmen 4, pfriemenförmig, gerade, 2 bis 3 [x lang.
Sporen ellipsoidisch, an einer Seite etwas abgeflacht,
farblos, glatt, zartwandig, mit gleichmäßigem Inhalt,
7 bis 8 [X lang, 3 bis 4 jj. breit. Setulae sehr locker
angeordnet, scharfspitzig, glatt, ziemlich derbwandig,
von gelbbrauner Farbe, 30 bis 70 [x lang, 6 bis 8 jx
breit. Hyphen sehr unregelmäßig, glatt, zartvvandig,
von gelbbrauner Farbe, ohne Schnallen, 3 bis 4 [x dick.
An der Rinde von Vaccinhun arhorciim und auf
Moosen.
Ceylon und Nordamerika.
Hymenochaete smmlans Ell. et Ev. in EUis et
Ev er hart. North Americ. Fung. Nr. 2904, 11. Serie,
ist ein anderer Pilz, und zwar wie die Untersuchung
des Originalexemplares gelehrt hat, Lloydella CkaiUetii
(Pers.) Bres.
Massee führt 1. c. p. 119 wahrscheinlich irrtüm-
licherweise die obengenannten Exsikkate auch bei
Corticium cpichloruin Berk. et Curt. an.
Dieser Pilz scheint, nach der Diagnose zu schließen,
nur eine Form von Hymenochaete comigata (Fries)
^'Ö F. V. Höhne 1 und V. Lit schau er,
Lev. zu sein. Tatsächlich enthält auch das Exsikkat,
Ravenel, Fungi Caroliniani Nr. 24, Corticium epi-
chlornm Berk. et Curt! leg. et det. Peters ein etwas
helleres Exemplar der ersteren Art.
Nr. 26. Stereiitn Curtisii B e r k. ist eine Hymenochaete und hat
Hymenochaete Curtisii (Berk.) Ell. et Ev. zu heißen.
(Setulae locker angeordnet, 6 bis 8 [x dick, 30 bis
50 [X lang, bis 40 [j, hervorragend. Sporen konnten
keine gefunden werden!)
Nr. 27. Corticium crocicreas Berk. et Curt. Der Pilz des
Exsikkates dürfte in der Tat die vorstehende Art
sein ; die Diagnose derselben paßt wenigstens ganz
gut auf ihn und Massee (siehe Monogr. of the
Theleph., p. 151), der wahrscheinlich das Original-
exemplar derselben im Herbar Berkeley untersucht
hat, führt bei ihr das vorstehende Exsikkat an.
Da die Beschreibungen des Pilzes sowohl im
I. Bande der Grevillea, p. 178, als bei Massee, 1. c,
vollkommen unzureichend sind, sei im folgenden
eine ausführliche Diagnose desselben gegeben.
Corticium crocicreas Berk. et Curt Grev., I,
p. 174; iMassee, A4onogr. of the Theleph., p. 151;
Saccardo, Syll., VI, p. 616.
Exs. Ravenel, Fungi Carolin. Nr. 27.
Pilz ausgebreitet, dem Substrate fest anhaftend,
dünn lederartig, 0-3 bis ü-4 mm dick, mit gleichartigem
Rande, von lebhaft safrangelber Färbung. Hymenium
geschlossen, dünn, glatt; trocken zerrissen, gelb bis
mehr oder weniger gelbbraun, Basidien keulenförmig,
5 bis 6 [j. breit; Sterigmen 4, pfriemenförmig, gerade,
3 bis 4 [j. lang; Sporen zylindrisch, 4 bis 6 [x lang und
1-5 bis 2-5 [X breit, farblos, glatt mit gleichmäßigem
Inhalt. Hyphen sehr undeutlich, stark verklebt, farb-
los, glatt, 2 [X dick. Gewebe des Pilzes zwischen den
Hyphen ganz mit gelben körnigen Massen erfüllt; Pilz
beim Betupfen mit Alkalien lebhaft blutrot werdend.
An morschem Holz. Nordamerika.
Zur Kenntnis der Corticieen. 777
An Weinstöcken in Alabama (Peters); auf mor-
schem Liquidambar-Holz in Carolina (Ravenel).
Die blutrote Färbung, welche am Pilze auftritt,
wenn man denselben mit Alkalien betupft, wird durch
die gelben körnigen Massen verursacht, welche das
Gewebe des Pilzes erfüllen und einen Farbstoff vor-
stellen, der sich in alkalischen Flüssigkeiten mit
blutroter Färbung löst. Salzsäure löscht die blutrote
Färbung des Pilzes mit Alkalien oder Ammoniak
wieder aus. Der Farbstoff scheint also ein Flavon-
farbstoff, und zwar mit jenem des Gelbholzes von
Rhus Cotiniis verwandt zu sein.
Ellis et Everhart, North American Fungi II. Serie,
Nr. 2021, enthält nicht, wie angegeben, Corticmm
crocicreas Berk. et Gurt., sondern ein anderes
echtes Corticinm. (Sporen lang ellipsoidisch, 5 « 2 [x
groß, farblos, glatt. Hyphen unregelmäßig, zartwandig,
glatt, farblos, 2 bis 3 [j. dick.) Das Exemplar im Herbar
Barbey-Boissier ist zu dürftig, um genau be-
stimmt werden zu können.
Nr. 28. Corticimn Petersü Berk. et Gurt.! Alabama, auf
bloßer Erde, leg. Peters; der Pilz zeigt keine Sporen!
Die 3 bis 4 [x dicken Hyphen sind farblos, glatt und
stark inkrustiert.
Nr. 29. Stereiim alho-badium Fr. Ist eine Lloydella! Hat
L. alho-hadia (Schw.) v. H. et L. zu heißen.
Nr. 30. Corticmm Martiamtm Berk. et Gurt.! Enthält ein
etwas älteres Exemplar von Kneifßa serialis (Fr.)
Bres. = Peniophora serialis (Fr.) v. H. et L. Sporen
fehlen! Aber nach Aussehen, Bau und Form der
Gystiden stimmt der Pilz vollkommen überein mit
dem Exemplar von Kneifßa serialis (Fr.) Bres. in
Sydow, Myc. germ. Nr. 1.
Nr. 30. Stereiim stibpileattim Berk. et Gurt. Ist eine Lloydella
und hat L. siihpileata (Berk. et Gurt.) v. H. et L. zu
heißen. (Damit identisch sind: St. itisigiie Bres. und
Hymenochaete tjihodensis P. Henn.)
Sitzb. d. mathem.-naturw. KL; CXVI. Bd., Abt. 1. 51
778 F. V. Höhn el und V. Li tschau er,
Nr. 31. Corticium diinintiens Bevk. et Cuvt.l Enthält einen
Pilz, der habituell und mikroskopisch mit Sterenm
porteiitosiim (Berk.) v. H. etL. übereinstimmt. Sporen
sind nicht vorhanden.
Nr. 32. SteretLtn candiduni Fr. = Thelephora Candida Schw.
Das Exsikkat im Herbar Barbey-Boissier enthält
einen Pilz, der sowohl dem Aussehen nach als auch
mikroskopisch etwas an Alenrodiscus disciformis
(D C.) Pat. erinnert, tatsächlich aber davon ver-
schieden ist.
Der Pilz ist stark mit Kristallen von oxalsauremKalk
inkrustiert. An Querschnitten, aus welchen man durch
Erwärmen mit verdünnter Salzsäure die Inkrustierung
weggelöst hat, kann man beobachten, daß das ganze
Gewebe des Pilzes von dicht nebeneinander stehenden,
dick keulenförmigen Schläuchen durchsetzt ist, welche
15 bis 20 [A breit sind und einen gelben, öligharzigen
Inhalt führen. Basidien mit Sterigmen konnten keine
gefunden werden, wohl aber sind zahlreiche Sporen
zu beobachten, welche oval oder breit ellipsoidisch
sind und 12 bis 18[x in der Länge und 9 bis 12 [j. in
der Breite messen. .Sie sind farblos, zartwandig, glatt
und besitzen einen feinkörnigen Inhalt. Die Hyphen
des Pilzes sind stark verklebt, daher undeutlich.
Der Pilz des Exsikkates stimmt ganz gut auf die
Beschreibung von Sterenm candiduni (Schw.) Fr.
(siehe dazu Schweinitz, .Syn. Car., Nr. 1069; Fries,
Epicrisis, p. 552; Saccardo, S3il., VI, p. 585). Da-
gegen stimmt die Größe der Sporen nicht mit der
entsprechenden Angabe in Massee's Monograph.
of the Theleph., p. 200, welcher dieselben als 6:4[i,
groß bezeichnet. Das Exsikkat Ellis et Everhart,
Fungi Columb., Nr. 605, Sterenm candidimi Schw.
enthält denselben Pilz wie das Ravenel'sche Exsikkat.
Auch der Pilz des Exsikkates Ellis et Everhart,
North American Fungi, Nr. 3208, II. Serie, St. aceri-
nnni Pers. dürfte damit identisch sein. Dagegen ist
der Pilz in Ellis, North American Fungi Nr. 1206,
Zur Kenntnis der Corticieen.
779
St. candidum Schvv. kaum etwas anderes als ein
steriles Exemplar von Aleiirodiscus acerimis (Pers.)
V. H. et L.
Nr. 33. Corticium ocJiroleuctim F r. Enthält Lloydella Karstenii
(Bres.) V. H. et L.
Nr. 34. Corticium viticola Fr. = Thelephora viticola Schw.
Der Pilz des Exsikkates scheint tatsächlich diese Art
zu sein. Massee, welcher Exemplare derselben von
Seh vveinitz, die im Herbar Berkeley liegen (siehe
Fig. 4. Peniophora viticola (Schw.) v. H. et L.
a Ein Querschnitt durch das Hymenium des Pilzes (Vergr. ^^^j^).
b Fünf Sporen desselben (Vergr. 2000/^).
Monogr. of the Theleph., p. 147), untersucht hat,
führt am Schlüsse der Diagnose von Corticium viti-
cola Fr. vorliegendes Exsikkat an, was wohl zur An-
nahme berechtigt, daß er den Pilz des Exsikkates
identisch mit den oben erwähnten Originalexemplaren
gefunden hat. Der Pilz des Exsikkates (untersucht
wurde das Exemplar im Herbeir Barbey-ßoissier)
zeigt aber Cystiden! Es muß daher C viticola Fr.,
Peniophora viticola (Schw.) v. H. et L. heißen. Im
folgenden sei eine ausführliche Beschreibung des
Pilzes gegeben.
51*
780 F. V. Höhnel und V. Li tschau er,
Peniophora viticola (Schvv.) v. H. et L.
Syn.: TheJepliora viticola Schw., Car. Syn., Nr. 1037. Syn. North
Americ. Fung., p. 691; Fries, Elenchus Fung., I, p. 205.
Coi'ticinin viticola Fr., Epicrisis, I, p. 561 ; Massee, Monogr.
of theTheleph., p. 147; Saccardo, Syll., VI, p. 617; Carlo
Bagnis, Mycologia Romana. Cent., II, p. 5 (Nr. 120) in Reale
Academia dei Lincei. (1877 bis 1878.)
Exs. : Ravenel, Fungi Caroliniani, Nr. 34.
Pilz ausgebreitet, filzig bis häutig, dem Substrate
locker anhaftend, am Rande radialfaserig. Gewebe des
Pilzes von orangeroter Farbe; diese gegen den Rand
zumehr ins Gelbe übergehend. Hymenium geschlossen,
sehr dünn, hautartig, leicht zerbrechlich, glatt; frisch
lebhaft orange, fast rot, später schmutziggelb bis gelb-
grün gefärbt. Basidien keulenförmig, 7 bis 9 [x breit;
Sterigmen 4, kurz, nur 2 bis 3 [x lang, dick und
abgestutzt. Sporen ellipsoidisch, an einer Seite abge-
flacht, nach unten verschmälert, mit seitlichem Spitz-
chen; 7 bis 11 |A lang und 4 bis 6 [i breit. Membran
zart, farblos und glatt; Inhalt gleichmäßig, Cystiden
zylindrisch, nach oben meist etwas breiter werdend,
am Scheitel stumpf abgerundet, mäßig derbwandig,
glatt, manchmal septiert, zum Teil mit einem hyalinen
bis schwach gelblichen Inhalt erfüllt; 25 bis 60 \i über
das Hymenium hervorragend, 7 bis 10 [x breit.
Hyphen ziemlich unregelmäßig verzweigt, farblos,
mäßig dünnwandig, 2 bis 4 [x dick, ohne Schnallen,
von kleinen gelbroten Körnchen rauh; Gewebe des
Pilzes mit körnigen, gelbroten Massen erfüllt.
An Weinstöcken.
Vereinigte Staaten von Nordamerika und nach
Bagnis auch in Italien.
Um die Struktur des Pilzes genau studieren zu
können, muß man die gelbroten Massen, welche das
Gewebe des Pilzes ganz erfüllen, durch Erwärmen
mit Kali- oder Natronlauge entfernen. Diese gelbroten
Massen repräsentieren einen Farbstoff, der sich in
Alkali mit gelber Farbe löst und von derselben Natur
Zur Kenntnis der Corticieen.
11
Nr. 36.
Nr. 37.
Nr. 39.
Nr. 264.
zu sein scheint, wie der Farbstoff bei TomenteJJa
ptmicea (Alb. et Schw.) v. H. et L.
Steretun papyrimnn Mont. Enthält Lloydella scabri-
seta (Cke.) v. H. etL. rr P.pnrpiirea (Curt. et Mont.)
V. H. et L. Stimmt vollständig überein mit den Exem-
plaren dieses Pilzes in Ellis, North American Fungi,
Nr. 1108, und Rabenhorst-Winter, Fungi europ.,
Nr. 3524.
Stereum acerinum Fers., enthält Aleurodisats nivostts
(Berk. et Curt.) v. H. et L.
Corticmm laeve Pers. Enthält Peutophora Rouine-
guerii Bres. (siehe Fungi polonici, p. 102). = P.
Ravenelü Cke. =r C. Auberianum Rav.?
Corticiuni prasimim Berk. et Curt!
Der Pilz des Exsikkates besitzt grau-
grüne Sporen; kann höchstens als eine
ConJophora angesehen werden. Die Dia-
gnose von Corticium prasimmt Berk. et
Curt. (Grev., I, p. 179; Massee, Monogr.
of the Theleph., p. 153; Saccardo, Syll.,
VI, p.619) stimmt ganz gut auf denselben.
Fig. 5. Coniophora Auch ist dem Namen des Pilzes auf dem
prasina (Berk. et Curt.) ßxsikkat ein Ausrufzeichen beigefügt, was
V. H. et L. Zwei Sporen , i ■,• tj i-^-j. j i:' -r t i. -i
, ^., ,., „on«, ^ wohl die Identität des Exsikkatpilzes mit
des Pilzes. (Vergr. -*'^"'i-)
dem Originalexemplar von C. prasimim
Berk. et Curt. (Nr. 4083 im Herbar Berkeley)
bekräftigen soll. Dasselbe hat daher Coniophora pra-
sina (Berk. et Curt.) v. H. et L. zu heißen.
Bemerkung: Pilz ausgebreitet; dünne, spinnge-
webeartige bis häutige, vom Substrate leicht ablösbare,
gelb- oder blaugrüne, am Rande hellere bis manchmal
fast weiße, allmählich verlaufende, leicht zerbrechliche
Überzüge bildend. Hymenium geschlossen, glatt:
Basidien keulenförmig, 5 bis 6 [x breit. Sterigmen 4,
kurz pfriemenförmig, gerade, 2 bis 3 [x lang. Sporen
ellipsoidisch, unten mit einem seitlichen Spitzchen,
5 bis 7 {1, lang, 3 bis 4 {x breit, grünlich-grau, ziemlich
derbwandig, glatt. Hyphen unregelmäßig, farblos, glatt,
782 F. V. Höhnel und V. Litschauer,
zartvvandig, 4 bis 6 \i dick, ohne Schnallen. Gewebe
des Pilzes stellenweise mit körnigen grünen Massen
erfüllt.
22. Ellis, North American Fungi. (I. Serie.)
Nr. 15. Steremn alho-hadhmt (Schw.) Fr. Enthält St. ochro-
leuctim Fr.
Nr. 16. Steremn Curtisii Berk. Das Exemplar des Exsikkates
im Herbar Barbey-Boissier enthält Peniophora
incarnata (Pers.) Cke.
Nr. 17. Steretim oclivaceo-ßavum Schw. Diese Art ist iden-
tisch mit 5/. ochroleticum Fr.
Nr. 19. Steretim striatum Fr. non Schrad. Enthält nur zum
Teil diese Art! (zum Teil St. ochroleucum Fr.). 5/.
striatum Fr., Epicrisis ,p.548, und St. cotnplicatimt Fr.,
Epicrisis 1. c, sind höchstwahrscheinlich identisch.
Nr. 20. Cortichmi mcarnatnm Fr. Enthält nicht diese Art,
sondern wahrscheinlich Peniophora vehitina (D.C.)
V. H. et L.
Nr. 21 Corticium fumigatum Thüm. Der Pilz ist eine Penio-
phora, gehört in die Cinerea-Gruppe. Hat zu heißen
P.fnmigata (Thüm.) v. H. et L.
Nr. 326. Steremn acerimini Fr. var. nivosum; enthält
Alenrodiscus nivosns (Berk. et Curt.) v. H. et L.
Nr. 328. Hyuienochaete Ellisii Berk. et Cke.
Das Exemplar des Exsikkates im Herbar Barbey-
Boissier enthält zum Teil Coniophora arida Fr.,
zum Teil Coniophorella olivacea (Fr.) Karst. Das
Exemplar des Berliner Herbares enthält nur erstere
Art. Auch das Exsikkat Ellis et Everhart, Fungi
Columbiani, Nr. 1306: Coniophora Ellisii Berk. et
Cke. (Exemplare des Berliner Herbars und des
Herbars der k. k. Technischen Hochschule in Wien)
enthält nur Coniophora arida Fr. und das Exemplar
des Exsikkates Ellis, Fungi Nova Caesareenses,
Nr. 10: Hymeuochaete Ellisii Berk. et Cke. im
Berliner Herbar zeigt ein ganz altes und schlechtes
Zur Kenntnis der Corticieen. 1 83
Stück eines Pilzes, der äußerlich zwar alten Formen
von Coniopliorella olivacea (Fr.) Karst, nicht unähn-
lich ist, im Bau der Hyphen jedoch und was die
Sporen betrifft mit Coniopliora arida Fr. ganz gut
übereinstimmt. Allerdings konnten an demselben,
wenn auch sehr spärlich, cj^'stidenartige Gebilde be-
obachtet werden; jedoch dürfte darum kaum der
Pilz die erstere Art sein.
Bresadola führt in seinen Fungi polonici den
Namen Cotiiophora EllisH (Berk. et Gurt.) Gke. als
Synonym bei Coniopliorella olivacea (Fr.) Karst, an,
doch ist dieser Literaturstelle nicht zu entnehmen, ob
er dies auf Grund der Untersuchung eines Exsikkates
oder des Originalexemplares dieses Pilzes, das nach
Massee im Herbar Kew erliegt, tut; die Beschreibung
von Coniophora Ellisii Berk. et Gurt. (Grev., IV,
p. 162; VIII, p. 89; Massee, Monogr. of the Teleph.,
p. 129; Saccardo, Syll., VI, p. 648) paßt eher auf
Coniophora arida Fr. als auf Coniophorella olivacea
(Fr.) Karst. Nur die genaue Untersuchung des
Originalexemplares würde daher entscheiden können,
mit welcher der beiden letzteren Pilze der erstere zu
identifizieren sei, oder beziehungsweise auch dartun, ob
derselbe nicht doch eine eigene gute Art ist.
Nr. 329. Corticium colliciilosnm Berk. et Gurt. Enthält nur
ein schlechtes Exemplar wahrscheinlich von Radii-
hmi sp. Sporen fehlend. Nach Bresadola im Herbar
vielleicht Form von Radulum pallidum Berk. et
Gurt.
Nr. 330. Corticium vagum Berk. et Gurt.
Das Exemplar des Exsikkates im Herbar Barbey-
Boissier ist sehr dürftig! Sporen wurden bei der
Untersuchung verschiedene gefunden, aber für
keine konnte die Zugehörigkeit zu dem Pilze nach-
gewiesen werden. Auch einige 8 bis 9 (x große
TomentellaSpoiren von hellgelber Farbe wurden
beobachtet. Nach dem Aussehen und der Beschaffen-
heit der Hyphen kann der Pilz ganz gut Tonientella
784 F. V. Höhnel und V. Litschauer,
isahellina (Fr.) v. H. et L. sein. Auch zwei im Berliner
Herbar erliegende Exemplare von Corticium vagum
Berk. et Curt. (Aiken, Ravenel und Wilmington,
Commons) erwiesen sich als sterile Tomentella isa-
hellina (Fr.) V. H. et L.
Nr. 407. Stereum radiatum Peck (leg. Peck). Siehe Peck, 26 th.
Report New York State Mus. (1872), und Massee,
Monogr. of the Theleph., p. 195; Saccardo, Syll., VI
p. 571. Der Pilz ist eigentlich als ein Ccrticitini anzu-
sehen, denn eine ausgesprochene Mittelschicht ist
nicht vorhanden. Das Gewebe desselben ist ganz
erfüllt mit einem braunroten Farbstoff, der in Kali-
lauge und in Milchsäure mit blaugrüner Farbe löslich
ist. Die Sporen sind länglich, etwas gebogen, unten zu-
gespitzt, 5 bis 7 ^2 bis 2-5 \x groß, farblos und glatt.
Sie besitzen einen gleichmäßigen Inhalt. Basidien mit
Sterigmen konnten nicht gesehen werden. Manchmal
lagen die Sporen so, als wenn sie seitlich schmalen
Basidien ansäßen (Aiiriculariae?). Subhymeniale
Hyphen 2 [x, basale bis 5 [x dick. Hjq^hen an und für
sich (nach dem Behandeln mit Kalilauge oder Milch-
säure) farblos und glatt, selten etwas gelblich, im
großen und ganzen unregelmäßig, dickwandig, ohne
Schnallen an den Septen.
Nr. 409. Corticium calceiim Fr. Enthält sicher nicht Sehacina
calcea (Pers.) Bres., sondern ein echtes Corticitini!
Dasselbe ist jedoch unbestimmbar, da Basidien und
Sporen nicht mehr zu sehen sind.
Nr. 411, Corticium arachnoideum Berk. et Curt. Diese Art
ist gleich C. ceiitrifugum (Lev.) Bres.
Nr. 516. Corticium laeve Fr. Enthält sicher nicht diese Art!
Exemplar alt und steril ; unbestimmbar.
Nr. 518. Corticium incarnatum Fr. var. ntaculaus. Enthält
Gloeocystidium lactescens (Berk.) v. H. et L.
Nr. 606. Stereum papyrinum Mont. Das Exemplar des Ex-
sikkates im Herbar Barbey-Boissier enthält Penio-
phora ohscura Pers.
Zur Kenntnis der Corticieen.
785
Nr. 607. Corticium inolle Berk. et Curt., Cuban Fungi, Nr. 446.
Diese Art ist identisch mit C. ceraceum Berk. et Rav.
(siehe Massee, Monogr. of the Theleph., p. 150). Der
Pilz des Exsikkates stimmt tatsächlich auch voll-
kommen überein mit den Exemplaren der letzteren
Art in Ravenel, Fungi Car, Nr. 29, und Ravenel,
Fungi Americ, Nr. 453; Saccardo hat den Pilz in
seiner Syll. Fung.. Bd. VI, p. 637, C. armeniacunt
genannt, da er höchstwahrscheinlich die Idendität
desselben mit C ceraceum Berk. et Curt. nicht
kannte, der Name »molle« aber bereits früher von
Fries für eine andere Art dieser Gattung verausgabt
worden war. Da die bisher vorliegenden Diagnosen
des Pilzes zu seiner sicheren Erkennung kaum aus-
reichen dürften, sei im folgenden eine an der Hand
des vorliegenden Exsikkatexemplares entworfene
ausführlichere Beschreibung desselben gegeben.
Corticium ceraceum Berk. et Rav.
Massee, Alonogr. of the Theleph., p. 150.
Syn. : Corticinin molle Berk. et Curt. Cuban Fungi,
Nr. 446.
Corticium armeitiacttm Sacc., Syll., VI,
p. 637.
Exs.: Ravenel, Fungi Car., Nr. 29.
Ravenel, Fungi Amer., Nr. 453.
Ellis, North Am. Fungi, Nr. 607.
Pilz weit ausgebreitet, dem Substrate
fest anhaftend, frisch fleischig, trocken
häutig; Rand deutlich, im Alter zum Teil
abgehoben bis eingebogen. Hymenium
Fig. 6. Cort/W»«. rt'/m-n/wz geschlossen, anfangs fast wachsartig,
später hornig, glatt, bereift, aprikosen-
farbig (^«a/^w^'?//««»«^), gegen den Rand zu
lichter. Pilz unterseits schmutzigweiß.
Basidien dick keulenförmig bis zylin-
drisch, ungefähr 30 [j. lang und 8 bis 11 [x
breit. Sterigmen 4, dick pfriemenförmig, gebogen, 10
bis 14 [j. lang und 1 5 bis 3 (j. breit. Sporen länglich
600
(Berk. et Rav.) Mass
a Eine Basidie des Pilzes.
(Vergr. eoo/^.)
h Sechs Sporen desselben.
(Vergr. 750/^.)
''ob F. V. Höhnel und V. Litschauer,
ellipsoidisch bis zylindrisch, auf einer Seite etwas
abgeflacht, nach unien oft etwas verschmälert, meist
mit einem deutlichen Spitzchen, 10 bis 17 [x lang und
4 bis 7 [x breit, zartwandig, farblos und glatt. Inhalt mit
meist mehreren Öltröpfchen. Gewebe des Pilzes,
besonders das basale, sehr dicht; Hyphen sehr un-
regelmäßig verzweigt, farblos, glatt, mäßig derbwandig
3 bis 4 ;j. dick, mit Schnallen an den Septen.
An Rinde und Holz. Vereinigte Staaten von Nord-
amerika und Cuba.
Nr. 608. Corticitim echinosporum Ell. Ist nach Bresadola,
Fungi polonici, p. 107, Tomentella pellictila (Fr.),
V. H. et L.
Nr. 610. Corticium cineremii Fr. Enthält nichts Bestimmbares.
Der Pilz ist sicher nicht Peniophora cinerea (Fr.) Cke.
Nr. 716. Corticium glabriim Berk. et Curt. Soll nach Bresa-
dola, Fungi polonici, p. 101, Peniophora carnea (Berk.
et Curt.) Cke. enthalten. Das Exemplar dieses Exsik-
kates im Herbar Barbey-Boissier enthält aber
einen Pilz, der keine Spur von Cystiden zeigt und
zylindrische Sporen aufweist, welche 8 bis 1 1 :=:2 bis 3 [x
groß sind, während nach Mas'see, Monogr. of the
Theleph., p. 151, die Sporen von P. carnea (Berk. et
Curt.) Cke. 6 [x lang und 4 [x breit sind. Der Pilz des
Exsikkates ist dem Aussehen nach sowie mikrosko-
pisch dem C. laeue Pers. nicht unähnlich, aber durch
die Form der Sporen (diese sind bei letzterer Art oval
und stets nach unten verschmälert) scharf geschieden.
Nr. 715. Tlielephora zygodesmoides Ell. Cooke, Grev., XX,
p. 34 (Saccardo, Syll, IX, p. 117).
Der Pilz des Exsikkates stimmt vollkommen über-
ein mit dem Originalexemplare von Hypochnus
tabacinus Bres. in W. Brinkmann, Westf. Pilze,
Nr, 108 (mit Diagnose); da die amerikanische Art
früher aufgestellt wurde als letztere, so hat der Pilz
richtig Tomentella zygodesmoides (Ell.) v. H. et L. zu
heißen.
Zur Kenntnis der Corticieen. 787
Tomentella zygodesmoides (Ell.) v. H. et L.
Syn. : ThelepJiora zygodesmoides EH., North American Fungi, Nr. 715.
Cooke, Grev., XX, p. 34; Saccardo, Syll., IX, p. 117.
Hypochnus tahacinns Bres., in \V. Brinkmann, Westf.
Pilze, Nr. 108.
E.\s. : EUis, North American Fungi, Nr. 715.
Brinkmann, Westf. Pilze, Nr. 108.
Pilz ausgebreitet; filzig, fast häutig, gelbbraun,
mehr oder weniger tabakfarben. Rand gleichartig
oder etwas radial faserig, manchmal fast spinnen-
gewebeartig, meist heller gefärbt. H3nTienium nicht
geschlossen, fast glatt. Basidien keulenförmig, 7 bis
9 [J. breit, Sterigmen 4, pfriemenförmig, gerade oder
etwas gebogen, bis 6 \x lang. Sporen kugelig oder
fast kugelig, manchmal auch etwas eckig kugelig,
6 bis 9 [X im Durchmesser zählend. Membran hellgelb
bis hell ockerfarben, selten gelbbraun, lang stachelig.
Sporen stets einen großen Öltropfen bergend. Hyphen
ziemlich regelmäßig, die subhymenialen fast farblos,
sehr zart und glatt, die basalen von schmutzig gelb-
brauner Farbe und etwas derber; letztere manchmal
zu Strängen vereint. Hyphen 3 bis 7 [x dick, ohne
Schnallen an den Scheidewänden.
An morscher Rinde von Laub- und Nadelbäumen.
Nordamerika: Vereinigte Staaten: Newfield N.J.,
Januar 1880, an Rinde von Piniis sp. (Ellis).
Europa: Deutschland: Westfalen, bei Lengerich,
an Rinde von Onercns sp., September 1904 (Brink-
mann); Niederösterreich: Wienerwald, Gelber Berg
bei Weidlingau, an morscher Laubholzrinde, Sep-
tember 1903, Vorderer Sattelberg bei Preßbaum, auf
faulendem Nadelholz, Juli 1906 (v. Höhnel).
Nr. 717. Corticitim suhgigantetmi Berk. et Curt., Grev., II, p. 3.
a) (On bark of Magnolia; Newfield N. J.). Enthält
Peniophora mutata (Peck) v. H. et L.
b) (On beech ümbs; West-Chester, Pa.). Enthält ein
echtes Corticiuml Cystiden fehlen vollständig; sonst
der P. mtitata (Peck) v. H. et L. im Aussehen und
/ öö F. V. Höhne 1 und V. Lits ch auer,
auch unter dem Mikroskope sehr ähnHch; auch
älteren Formen von C. lacteiim Fr. gleichend. Die
Sporen sind jedoch streng zylindrisch, haben am
Grunde ein seitliches Spitzchen und sind 6 bis 8 i:; 2
bis 2-b\x groß. Hyphen farblos, glatt, zartwandig,
3 bis 4 [JL dick.
Nr. 720. Corticitini querchitini Fr. var. sciitellaUmt. Enthält
einen Pilz, der nicht als C. qiiercimun Fr. var.
(== Peniophora corticaJis [Bull.]) angesehen werden
kann, sondern wahrscheinlich nichts anderes als
P. mida Fr. ist.
Nr. 933. Corticium radiosuin Fr. Enthält sicher nicht diese
Art! Sporen fehlend. Pilz unbestimmbar.
Nr. 934. Corticinm Berkeleyi Cke. Siehe dazu Massee,
Monogr. of the Theleph., p. 133; Saccardo, SylL,
XI, p. 127.
Der Pilz des Exsikkates stimmt ganz gut auf die
Beschreibung bei Massee, 1. c. Er ist eine dem
Corticinm laeve Pers. sehr nahe stehende Art.
Die Sporen sind breit ellipsoidisch bis fast kugelig,
5 bis 8 [1 lang, 4 bis 6 [x breit, farblos, zartwandig,
glatt und haben einen meist gleichmäßigen oder
etwas körnigen Inhalt. Sie sind immer an beiden
Enden breit abgerundet, während die Sporen von
C. laeve an einem Ende stets zugespitzt sind. Die
Hyphen sind sehr unregelmäßig, ziemlich derbwandig,
farblos, glatt, 4 bis 6 [j. dick und besitzen Schnallen
an den Septen.
Nr. 1206. Sterenni caiididiim Schw. Enthält einen sterilen
Pilz, der wahrscheinlich Aletirodiscns accrimis (Pers.)
V. H. et L. ist.(?)
Nr. 1208. Corticinm effnscatnm Curt. et EH.!
Diese Art ist kaum etwas anderes als eine dünnere
Form von Steretmi portentosum (Berk.) v. H. et L.
Beobachtung: Basidien keulenförmig, 3 bis 5 [x
breit. Sterigmen 4; sehr zart, pfriemenförnig, gerade,
2 bis 3 \x lang. Sporen kugelig, farblos, glatt, 5 bis 7 [x
Zur Kenntnis der Corticieen. 789
im Durchmesser betragend; mit zahlreichen Öl-
tröpfchen.
ff
Nr. 1209. Peniopliora flavido-alba Cl^ce.
Der Pilz des Exsikkates ist kaum etwas anderes als
P. ptihera (Fr.) Sacc. Auch ein anderes Exsikkat,
welches erstere Art enthalten soll (Ellis et E ver-
hart, North American Fungi, IL Ser., Nr. 3412), zeigt
nur letzteren Pilz.
An beiden Exemplaren konnten keine Sporen mehr
gefunden werden; es blieb daher die Möglichkeit, daß
sie nur zartere P'ormen von P. Rotinieguerii (Bres.)
V. H. et L. wären, welche Art der P. piibera (Fr.) Sacc.
sehr ähnlich ist, aber weit kleinere Sporen zeigt.
Allein der direkte Vergleich mit einem Original-
exemplar der ersteren Art und einem guten, un-
zweifelhaft echten Stück von P. piibera (Fr.) Sacc.
ergab, daß die beiden obigen Exsikkate tatsächlich
höchstwahrscheinlich letztere Art enthalten.
P. flavido-alba Cke. wurde auch in Ravenel,
Fungi Americ. exsicc, unter der Nummer 226 (sub
Corticmm) ausgegeben. Der Pilz dieses Exsikkates,
welcher auch Sporen zeigt, ist sicher nichts anderes
als P. piibera (Fr.) Sacc.
Die Beschreibung des amerikanischen Pilzes in
Massee, Monogr. of the Theleph., p. 151, stimmt
ebenfalls sehr gut auch auf P. pubera (Fr.) Sacc.
Beide Pilze dürften daher wohl identisch sein.
Nr. 718. Corticmm diininuens Berk. et Curt. ! Enthält einen
habituell und mikroskopisch von Stereimi portentostim
(Berk.) v. H. et L. nicht verschiedenen Pilz. Sporen
nicht vorhanden!
23. Ellis et Everhart, North American Fungi. (II. Serie.)
Nr. 1588. Thelepkora puteana Seh um. Enthält Coniophora
arida Fr.
Nr. 1715. Stereuni portentosum Berk. et Curt. Exemplar
schlecht. Sporen Z3dindrisch, 6 ^ 2 jx groß. Wahr-
scheinlich 5/. odoraUini Fr.
'90 F. V. Höhnel und V. Li tschau er,
Nr. 1716. Corticinm Petersii Berk. et Curt. On rotten vvood,
Florida, leg W. W. Calkins. Zeigt keine Sporen. Der
Pilz weist im Querschnitt ein undeutliches Hymenium
auf, eine lockere, subhj^meniale Schicht und ein aus
horizontalen, parallel verlaufenden Hyphen gebildetes
Basalgewebe. Die Hyphen sind 3 bis 4 \x dick, farblos,
glatt, nicht inkrustiert.
Nr. 1717. Corticinm graminicola Ell. et Ev. Enthält nichts
Bestimmbares.
Nr. 1936. Hynieuochaete spreta Peck. Ist H. nnicoJor Berk.
et Curt.
Nr. 2018. Steretun purpiireiim Pers. Enthält eine Stereum sp.,
kaum 5/. purpureiini Pers. Unbestimmbar.
l>lr. 2020. CorticiiLin dryinum Berk. et Curt. Enthält kaum
diese Art, welche nach Massee, Monogr. of the
Theleph., p. 135, eine Coniophora ist. Das Exemplar
ist leider sehr dürftig und schlecht! Zeigt .nichts mehr.
Nr. 2903. Corticinm collicnlosum Berk. et Curt. Pilz un-
bestimmbar, ganz alt; ohne Sporen.
Nr. 2904. Hymenochaete simuJans Ell. et Ev. n. sp. Der Pilz
des Exsikkates ist kaum verschieden von Lloydella
Chailletii (Pers.) Bres.
Nr. 2313. Corticinm scntellare Berk. et Curt. Das Exemplar
des Exsikkates im Herbar Barbey-Boisier enthält
zwei Stücke. Auf das eine Stück, welches ein echtes
Corticinm ist und Sporen zeigt, stimmt die Be-
schreibung von C. scntellare Berk. et Curt. (siehe
Grev., 11, p. 4 [Massee, Monogr. of the Theleph.,
p. 128; Saccardo, SylL, VI, p. 684]) ganz gut. . -
Beobachtung: Hymenium geschlossen, weiß bis
cremefarben, im Alter stark zerrissen, lauter kleine
Schöllchen bildend. Basidien keulenförmig, 4 bis 5 [x
breit; Sterigmen 4, gerade, pfriemenförmig, 3 bis 4 jj.
lang. Sporen länglich elliptisch, an einer Seite ab-
geflacht, nach unten zugespitzt, farblos, zartwandig
und glatt, 4 bis 5 [jl lang, 2 bis 3 [x breit. Hyphen sehr
unregelmäßig, glatt, farblos, zartwandig, mit Schnallen,
2 bis 3 [j. dick.
Zur Kenntnis der Corticieen. 791
Das andere Slück ist steril; zeigt etwas breitere
und noch zartwandigere Hyphen wie das erstere; es
scheint ein anderer Pilz zu sein.
'Nv. 2314. Pen iopJiora occidentaJis Ell. et Ev. n. sp. Der Pilz
hat stereumartigen Habitus, besitzt ein kompaktes
basales Gewebe und muß daher zu Loydella gestellt
werden; hat also Lloydella occidentalis (Ell. et Ev.)
V. H. et L. zu heißen.
Nr. 2315. Hyineuoehaete purptirea Cke. et Morgan. Das Ex-
sikkat enthält eine Lloydella sp.; das Exemplar im
Herbar Bar bey-Boissier ist leider sehr schlecht
und dürftig, könnte aber H. ptirptirca Cke. et
Morgan nach der Beschreibung sein; diese Art ist,
wie es scheint, erst Penioplwra-, dann Lloydella-arüg
entwickelt, hat daher besser als Lloydella zu gelten
(siehe dazu p. 760).
Nr. 3005. Corticimn albo-ßavescens Ell. et Ev. n. sp. Ist eine
Coniophora und hat Coniophora albo-ßavescens (Ell.
et Ev.) V. H. et L. zu heißen.
Nr. 3102. Corticnini ochroleiicnui Fr. Ist tatsächlich Michenera
artocreas Berk. et Curt.
Nr. 3208. Sterenni acerintun Pers. Enthält nicht diese Art! Der
Pilz dürfte mit dem Pilz des Exsikkates Ravenel,
Fungi CaroL, Nr. 32, identisch sein (siehe dazu
p. 778).
Nr. 3209. Peniophora EUisii Mass. Enthält Peuiophora obscura
(Pers.) Bres.
Nr. 3210. Peuiophora trachytricha Ell. et Ev. n. sp. EUis
et Everhart, Proc. Acad. Philad., 1895, p. 413
(Saccardo, Syll., XIV, p. 223).
Das Exsikkat enthält nur Peniophora setigera (Fr.)
V. H. et L. (= Kneiffia setigera Fr.).
P. trachytricha Ell. et Ev. muß daher als eigene
Art gestrichen werden und hat als Synonym der
ersteren zu gelten.
In der Diagnose des Pilzes (Saccardo, 1. c.)
werden die Sporen desselben mit 7 bis 8 ==; 3 bis 3-5 \i.
angegeben, was aber nicht ganz richtig ist. Der Pilz
' "^ F. V. Höhnel und V. Litschauer,
des Exsikkates zeigt nämlich bis 12 [j. lange und auch
4 IL breite Sporen, sonst stimmt die Diagnose ganz
gut auf P. Setigera (Fr.) v. H. et L.
Nr, 3211. Coniophora leucothrix Berk. et Curt.? Das Exsikkat
enthält ConiophoreUa olivacea (Fr.) Karst. Nach
der Beschreibung zu schließen ist auch die echte
C. leucothrix Berk. et Curt. (sub Corticium in Grev.,
II, p. 4) nichts anderes als der letztere Pilz. Siehe
dazu auch die Bemerkung Massee's bei ersterer
Art in seiner xMonogr. of the Theleph., p. 134.
^Y. M12. Peiiiophora flavido-alba Cke. Enthält kaum etwas
anderes als P. piihera (Fr.) Sacc. (siehe auch p. 789).
'^Y.M\2>. Stereum hirsuttim Will d. Enthält nichts Bestimm-
bares.
24. Ellis et Everhart, Fungi Columbiani.
Nr. 605. Stereuni cmididum (Schw.) Fr. Enthält denselben
Pilz wie Ravenel, Fungi Car., Nr. 32 (siehe dazu
p. 778).
Nr. 1207. Stereum acerimmi Pers. var. nivosmn Berk. et
Curt. Enthält Aleurodisctis nivosus (Berk. et Curt.)
V. H. et L.
l^r. 1306. Coniophora Ellisii Berk. et Cke. Enthält nur
C. arida Fr. (Berliner Exemplar und Exemplar des
Herbars der k. k. Technischen Hochschule in Wien).
25. Ellis, Fungi Nova Caesareenses.
Nr. 10. Hymenochaete Ellisii Berk. et Cke.
Exemplar ziemlich schlecht! Äußerlich alten Formen
von ConiophoreUa olivacea (Fr.) Karst, ähnlich.
Bau der Hyphen und Sporen wie bei Coniophora
arida Fr., zeigt jedoch spärliche Cystiden (?); ist
jedoch kaum Coniophora olivacea (Fr.) Karst, (siehe
dazu auch Bresadola, Fungi polonici, p. 110).
26. Rick, Fungi Austro-Americani.
Nr. 40. Sterenm menibranaceimi Yx. Das Exemplar des
Exsikkates im Berliner Herbar enthält St. cinereo-
hadiiini Fr.
Zur Kenntnis der Corticieen. 793
27. Pacific Slope Fungi, Distributed by C. F. Baker.
Nr. 1800. Hymen 0 dl a et e Avellana (Fr.). Enthält H. tahacina
(Sow.) Lev.
28. C. L. Shear, New York Fungi.
Nr. 52. Stereiim acerimmt (Fers.) Fr. var. nivosum Cke. Ent-
hält Aleurodiscus nivosus (ßerk. et Curt.) v. H. et L.
III. Über die Gattung" Aleurodiseus Rabh.
Die Gattung Aleurodisais wurde von L. Raben hörst im
Jahre 1874 für Corticnmi amorphtmi (Pers.) Fr. aufgestellt,
doch hat dieser .Autor keine Diagnose derselben gegeben (siehe
L. Rabenhorst, Fungi europ. exsicc, Cent. XIX, Nr. 1824, und
Hedwigia, 1874, p. 184); wir wissen daher nicht genau, in
welchem Sinne er die neue Gattung auffaßte, zweifelsohne hat
aber auch er bereits das Vorhandensein von fadenförmigen,
knotigen, paraphysenartigen Gebilden zwischen den Basidien
obiger Art beobachtet, wie die Figur dartut, welche er dem oben
bereits zitierten Exsikkat von Aleurodisctis amorphtis (Fr.)
Rabh. beigefügt hat, und höchstwahrscheinlich diese Eigen-
tümlichkeit neben der schüssel- bis scheibenförmigen Gestalt
und dem pulverigen Hymenium des Pilzes als einen spe-
zifischen Charakter seiner neuen Gattung betrachtet. Eine
ausführliche Diagnose derselben finden wir das erste Mal bei
Schröter in seinem Werk: Die Pilze Schlesiens, I, p. 429. Dieser
Autor stellte noch eine zweite Art, nämlich die Thelepliora mi-
rantia Pers., Disp. Fung., p. 21, in diese Gattung, als deren
besondere Kennzeichen er die großen keulenförmigen Basidien,
die vier mächtigen Sterigmen und die großen .Sporen mit
fester, farbloser Membran, insbesondere aber den rötlichen
Inhalt der letzteren ansah. Er hat scheinbar übersehen, daß
auch bei Th. aurantia Pers. ähnliche paraphysenartige Bil-
dungen zwischen den Basidien sich vorfinden wie bei Cor-
tichirn amorphmn (Pers.) Fr., denn in der Beschreibung der
ersteren Art erwähnt er nichts von solchen und deshalb
werden sie wohl von ihm, wie aus seiner Gattungsdiagnose
Sitzb. d. mathem.-natunv. Kl. ; G.WI. Bd., Abt. I. 52
794 F. V. Höhnel und V. Li tschaue r,
von Aleurodisciis hervorgeht, nicht als wesentliches Merkmal
derselben betrachtet.
In diese neue Gattung wurde dann weiter von Cooke,
Grev., III, p. 32, auch das Corticium Oakesii Berk. et Gurt,
gestellt und von Patouillard endlich die alte De CandoUe'sche
Art Thelephora disciformis D. C. (siehe Bullet. Mycol. 1894,
X, p. 80). Patouillard hat ein Jahr vorher auch eine neue Art
der Gattung Aleurodisciis, nämlich Aleurodisctis crocetis Fat.
aus Ecuador beschrieben und endlich sind auch von P. Hen-
nings noch zwei gute neue Vertreter dieser Gattung aufgestellt
worden: A.javanicus P. Henn. in Monsunia, I, 1899, p. 139,
aus Java und A. nsamharensis P. Henn. in Bot. Jahrbücher
1904, p. 43, aus Usambara in Deutsch-Ostafrika. Für A. spimi-
losus P. Henn. in Engler's Jahrbücher 1906(?) wurde durch
Untersuchung des Originalexemplares von uns die Identität mit
der vorhergehenden Art festgestellt.
Das genaue vergleichende Studium aller dieser Aleuro-
discus-Arten hat nun ergeben, daß tatsächlich bei allen im
Hymenium zwischen den Basidien sich eigentümliche para-
physenartige Bildungen vorfinden und daß alle diese Pilze ganz
analog gebaute, große Basidien mit vier kräftigen Sterigmen
und breit ellipsoidische, meist sehr große Sporen aufweisen,
daß dagegen aber letztere nicht bei allen einen mehr oder
weniger stark rosa gefärbten Inhalt aufweisen. Diese letztere
Eigenschaft scheint nur den Sporen von Alettrodisctis aniorphtts
(Pers.) Rabh. und A. aiirantiiis (Pers.) Schrot., vielleicht
auch im frischen Zustande jenen von A. javanicus F. Henn.
und A. nsambarensis P. Henn. zuzukommen. Bei Aleurodiscus
disciformis (D. C.) Pat. und A. Oakesii (Berk. et Gurt.) Cke.
ist diese Eigenschaft der Sporen jedoch sicher niemals reali-
siert. Es kann daher als spezifisches Merkmal der Gattung
Aleurodiscus in erster Linie nur das Vorkommen jener para-
physenartigen Bildungen im Hymenium des Pilzes gelten.
Solche Bildungen wurden von uns nun auch bei anderen
Corticieen aufgefunden, so bei Sferetiin sparsuui Berk. und
der Varietät nivosnm Berk. et Cke. von St. acerimim Pers.;
auch letzterer Pilz selbst besitzt analoge Gebilde und muß
daher ebenfalls in die Gattung Aleurodiscus gestellt werden.
Zur Kenntnis der Corlicieen. 795
Das Brinkmann'schs Exsikkat von St. aceriimni Pers. var.
(b) qiiercinmn Pers. (Westfälische Pilze, Nr. 5) enthält eine von
diesem abweichende AJeiirodiscus- Art, welche als A. snhaceri-
nus V. H. et L. neu beschrieben werden mußte, und endlich
kann auch Corticimn cernssatum Bres., Fungi Trid. IJ, p. 37,
nur als Aletirodiscns angesehen werden.
Die für die Gattung Alctirodisctis so charakteristischen
paraphysenähnlichen Gebilde, welche im großen und ganzen
entweder zylindrisch, faden-, spindel- oder keulenförmig sind,
zeigen vornehmlich zwei typische Strukturverhältnisse. Sie
sind nämlich entweder dünnwandig und glatt, dabei knotig
oder gegen den Scheitel zu perlschnurartig ausgebildet, oder
aber dünn- oder dickwandig und dabei bei gewissen Arten in
ihrer ganzen Ausdehnung, bei anderen wieder nur an für die
einzelnen Arten spezifischen Stellen ihrer Oberfläche mit
meist dichtstehenden, wechselnd langen, auch verzweigten,
1 bis 2-5 [i- dicken, stumpfen, stachelartigen Fortsätzen ver-
sehen.
DadieP^w/opÄora- und L/o>'<;/e?//rf-Cystiden sowie die Setulae
der Gattung Hymenochaefe von den im vorstehenden gekenn-
zeichneten analogen Gebilden der Gattung Aletirodiscns gänz-
lich verschieden sind, haben wir für die beiden Formen der
letzteren eigene Bezeichnungen geschaffen und verstehen im
folgenden unter Pseudophysen die dünnwandigen, knotigen
oder perlschnurartig ausgebildeten, unter De ndrophysen die
mit stachelartigen Fortsätzen versehenen Formen derselben.
Manche der bis jetzt bekannten Aleurodisciis- Arien weisen im
Hymenium nur Pseudophysen, andere nur Dendrophysen auf,
bei manchen endlich sind beide vertreten. In letzterem Falle
kommt es dann auch vor, so z. B. bei Aleiirodiscus iismn-
havcnsis P. Henn., daß zwischen ihnen Übergangsformen in
verschiedener Ausbildung beobachtet werden können. Auch
Gloeocystiden sind bei i\rten der Gattung Alenrodisciis, so
neben Pseudophysen hex Aleurodiscus nivosiis (Berk. et Gurt.)
v. H. et L. imd neben Dendrophysen bei A. sparsus (Berk.)
V. H. et L. anzutreffen. Diese entweder zylindrisch oder keulen-,
auch spindelförmig gestalteten Gloeocystiden sind von den
manchmal sehr ähnlichen Pseudoph\'sen durch ihren mehr
796 F. V. Höhne 1 und V. Li tschau er,
gelb gefärbten, fast immer etwas ölig-harzigen Inhalt nicht
unschwer zu unterscheiden.
Die von Bresadola als »corniculato-pinnata« be-
zeichneten Cj^stiden von Cortichmt cernssatimi ßres. sind,
wie die Untersuchung eines Originalexemplares gezeigt hat,
nichts anderes als kleinere Dendrophysen und auch die bei
C. acerimun Pers. zwischen den Basidien vorhandenen faden-
förmigen, oben fast baumartig verzweigten, sehr zarten Gebilde
sind zweifelsohne am besten als solche anzusehen.
Das genaue Studium der Formverhältnisse der Pseudo-
und Dendrophysen sowie auch der Basidien der einzelnen
Arten der Gattung Aletirodiscns ist oft mit großen Schwierig-
keiten verbunden. Der Zusammenhang dieser Bestandteile der
Hymenien ist oft ein so inniger, daß es erst nach Anwendung
verschiedener Reagenzien möglich ist, eine Trennung derselben
so weit herbeizuführen, daß eine genauere Beobachtung mög-
lich ist. Das gilt insbesondere auch für jene Arten, welche
stark mit oxalsaurem Kalk inkrustiert sind.
Am leichtesten noch gelingt es, die Bestandteile der
Hymenien zu isolieren, wenn man dünne Querschnitte durch
dieselben mit verdünnter Kali- oder Natronlauge oder auch
verdünnter Milchsäure am Objektträger etwas erwärmt. Handelt
es sich dabei um solche von inkrustierten Arten, dann empfiehlt
es sich, vorher durch Behandlung mit verdünnter Salzsäure
den Oxalsäuren Kalk hinwegzulösen. So behandelte Quer-
schnitte gelingt es dann nicht unschwer, mit spitzen Präparier-
nadeln in seine Bestandteile zu zerlegen. Bei Äleurodiscns
sparsiis (Berk. et Gurt.) v. H. et L. und A. acerinus (Pers.)
V. H. et L. wendet man noch besser statt der Lauge ganz ver-
dünnte Salpetersäure an.
Aleurodiscus Rabh. Char. emend. v. Höhne 1 et Litschauer.
Fungi europ. exsicc, Cent. XIX, Nr. 1824; Hedwigia 1874, p. 184.
Pilz becher-, schüssel- oder scheibenförmig oder auch
weit ausgebreitet; im ersteren Falle nur im Zentrum, im letzteren
mit der ganzen Unterseite dem Substrate angewachsen; immer
deutlich berandet; frisch von wachsartiger oder fleischiger,
trocken von ledriger Konsistenz. Hymenium neben Basidien
Zur Kenntnis der Corticieen. 797
auch Pseudophysen oder Dendrophysen, manchmal auch
Gloeocystiden führend. Basidien groß keulenförmig; Ste-
rigmen kräftig, 4; Sporen ellipsoidisch, oval oder fast zylin-
drisch, mit farbloser Membran, meist groß.
A. Hymenium, nur mit Pseudophysen.
I. Pseudophysen zylindrisch, fast fadenförmig, in ihrer
ganzen Ausdehnung knotig bis perlschnurartig.
a) Pilz mit oxalsaurem Kalk inkrustriert. Sporen glatt;
15 bis 18 w 12 bis 14[j- .4. disciformis. (1.)
b) F'üz nicht inkrustiert. Sporen stachelig; 20 bis 26 —
16 bis 20 ij. A. amorphus. (2.)
II. Pseudophysen unregelmäßig keulenförmig, nur am Scheitel
perlschnurartig. Sporen deutlich rauh; 14 bis 18 ^ 10
bis 12 [JL A. aurantms. (3.)
B. Hymenium nur mit Dendrophysen.
I. Dendrophysen zylindrisch, dickwandig, in ihrer ganzen
Ausdehnung mit Fortsätzen versehen. Sporen glatt; 25 bis
28 i:; 18 bis 22 [JL A. croceus. (4.)
II. Dendrophysen dünnwandig, zylindrisch, knotig oder lang
keulenförmig; erstere nur im mittleren oder basalen Teile,
letztere nur am Scheitel mit Fortsätzen versehen. Sporen
glatt; 18 bis 22 ^ 12 bis 16 [x A. Oakesii (5.)
III. Dendrophysen dünnwandig, zylindrisch, knotig oder keu-
lenförmig; erstere in ihrer ganzen Ausdehnung, letztere
nur im mittlerem Teile mit Fortsätzen versehen. Sporen
glatt; 16 bis 20 ^ 14 bis 16 [x A.javaniciis. (6.)
IV. Dendrophysen sehr zart, mit fadenförmigem Stiel, oben
baumartig verzweigt. Pilz stark mit oxalsaurem Kalk
inkrustiert.
a) Sporen glatt; 10 bis 1 3 i:: 6 bis 7 [i A. acerintis. (7.)
h) Sporen 12 bis 17^5 bis 6 [x A. acerinus
var. longisporus. (7 a.)
C. Hymenium mit Pseudo- und Dendrophysen.
I. Pseudophysen unregelmäßig keulenförmig; Dendrophysen
dünn- oder dickwandig, keulen- oder spindelförmig, nur am
Scheitel oder auch tiefer herab, selbst in der ganzen Aus-
dehnung mit meist gebogenen Fortsätzen versehen. Sporen
glatt; 16 bis 24 i^ 12 bis 15 |jl A. nsamharensis. (8.)
/ 98 F. V. Höhne 1 und V. Litscliauer,
IL Pseiidophysen dick keulenförmig, Dendrophysen sehr zart
mit fadenförmigem Stiel und oben baumartig verzweigt.
Sporen glatt; 10 bis 14 ^ 5 bis 6 [x. . . .A. siibacerinus. (9.)
III. Pseudophysen zjdindrisch, schwach knotig bis perlschnur-
artig; Dendrophysen keulenförmig, nur am oberen Teile
mit Fortsätzen versehen A. ceriissatus. (10.)
D. Hymenium mit zylindrischen, gegen den Scheitel zu kno-
tigen oder perlschnurartigen Pseudophysen und ausge-
sprochen keulenförmigen Gloeocystiden. Sporen deutlich
rauh; 15 bis 20 - 12 bis 16{i, A. nivosus. (11.)
E. Hymenium mit fadenförmigen, nur am Scheitel mit Fort-
sätzen versehenen Dendrophysen und zylindrischen bis
spindelförmigen Gloeocystiden. Sporen glatt; 24 bis 38 - 14
bis 1 8 [j. A. sparsus. (1 2.)
1. Aleurodiscus disciformis (D C.) Pat. (1805). Bull.de la
Societe Mycol., 1894, X, p. 80.
Syn. Thelephora disciformis DC, Flore fran9. VI, p. 31; Fries, System.
Myc, I, p. 443; Elenchus Fung., I, p. 189; Weinmann, Ross.,
p. 390.
Stereiim discifornie Fr., Epicrisis, p. 551, — Hymenom. europ., p. 642;
Mas.see, Monogr. ot the Theleph., p. 189; Patouillard, Tab.
anal., p. 112, Nr. 250; Quelet, Flore IVtyc., p. 12; Winter,
Kryptog. Flora, I, p. 342; Britzelmayr, Zur Hymenom. -Kunde,
II. Bot. Zentr.-Blatt, 1896, XVII, p. 44, 144, Fig. 65.
Peniophora disciformis Cke., Grev., VIII, 20, t. 122, Fig. 2; Saccardo,
Syll., VI, p. 642.
Thelephora castaneae Schleich, sec. Secretan, Mycogr., III, p. 216,
Nr. 63.
Exs. 1. Mougeot et Nestler, Stirp. crypt. Vogeso-rhen., Nr. 582.
2. Desmazieres, Crj^pt. haue, ed. I, Nr. 416.
3. C. Roumeguere, Fungi gall. exsicc, Nr. 2407.
4. Rabenhorst, Fungi europ., Nr. 24.
5. Rabenhorst-Winter, Fungi europ., Nr. 2634.
6. Sydow, Mycoth. March., Nr. 1017.
7. Allescher et Schnabel, Fungi bavarici, Nr. 522.
8. L. Fuckel, Fungi rhen., Nr. 1316.
9. De Notaris, Erbar. Crittog. Italiano, Nr. 185 (1185).
10. Marcucci, Un itin. crypt., 1866, Nr. 72 A.
11. Societe dauphinoise, 1886, Nr. 5145.
Siehe dazu Fig. 1 auf Taf. I.
Zur Kenntnis der Corticieen. 799
Pilz anfangs meist Schüssel- oder scheibenförmig, später
ausgebreitet, von länglich elliptischem oder unregelmäßig rund-
lichem Umriß. Ungefähr 1 bis "dem lang und bis 2 c«; breit
werdend; selten größere Dimensionen erreichend. Mehrere
nahestehende Fruchtkörper oft zusammenfließend. Pilz stets
deutlich berandet; im Umfange dünn, frei und nackt; außen
angedrückt weißhaarig. Konsistenz des Pilzes fast lederartig.
Hymenium geschlossen, glatt, oft etwas filzig oder mehlig, weiß,
blaßgrau oder weißlich-lila; im Alter wenig rissig, aus Basidien
und Pseudophysen bestehend. Basidien verlängert keulenförmig,
65 bis 85 [x lang und 12 bis 15 \i breit; Sterigmen 4, zylindrisch
mit stumpfer Spitze, fast gerade, bis 20 [j. lang und 2 bis 3 (x
dick. Pseudophysen lang keulenförmig, weit schmäler als die
Basidien, mit selten nur 2 bis 3, meist mehreren knotigen An-
schwellungen, 5 bis 7 [j. dick. Sporen gewöhnlich oval, 15 bis
18 |x lang und 12 bis l4 jjl breit, zum Teil fast kugelig, 12 bis
16 [J- im Durchmesser zählend, stets mit deutlichem Spitzchen,
Membran dick, glatt und farblos. Basidien, Pseudophysen und
Sporen mit farblosem Inhalt, immer auch Öltropfen bergend.
Hyphen unregelmäßig, dicht verwebt, mäßig derbwandig, 3 bis
5 [X dick, farblos und glatt, ohne Schnallen an den Septen.
Gewebe des Pilzes ganz mit Kristallen von oxalsaurem Kalk
erfüllt.
An der Rinde lebender oder morscher Eichenstämme
in Europa allgemein verbreitet.
Außer den Pseudophysen findet man über das ganze
Hymenium des Pilzes zerstreut zwischen den Basidien auch
noch glatte, farblose, zartvvandige, 3 bis 5 |x dicke Fäden, welche
zum Teil über die Basidien hinausragen.
2. Aleurodiscus amorphus (Pers.) Rabh. 1801. Raben hörst.
Fungi europ. exsicc, Cent. XIX, Nr. 1824, — Hedwi-
gia 1874, p. 184; Schröter, Pilze Schlesiens, I, p. 429;
Berkeley et Broome, Ann. Hist. Nat., 1876, XVII, p. 137.
Syn. Peziza amorphaFers., .Syn., p. 657, — Mycol. Europ., I, p. 269; Secre-
tan Myc. Suis., III. p. 303; De Candolle, Flore France, V, p. 25.
Thtlephom amorpha Fr., Elenchus Fung., I, p. 183.
Corticitim ainorphumY v.,E^\cns[s,^.ho'd, — Hym. europ., p.648; Fuckel,
Symb. myc, p. 28; Saccardo, Syll., VI, p. 606 (siehe auch
800 F. V. Höhnel und V. Litschauer,
De Bar}% Vergl. Morph, der Pilze, p. 68); Britz elmayr, Zur Hyme-
nomycetenkunde, II. Bot. Zentr. Bl. 1896, XVII, Nr. 44,p. 144. f. 59.
Cyphella amorpha Quelet, Ench., p. 215.
Nodiilaria balsamicola Peck, 24. Rep. of N. Y. St. Mus., p. 96.
Peziza Willkommii Hrtg., Wicht. Krankheiten der Waldbäume.
Exs. 1. Mougeot et Nestler, Stirp. crj^pt. Vogeso-rhen., Nr. 398.
2. Fuckel, Fungi rhen., Nr. 2192.
3. Rahenhorst, Fungi europ., Nr. 212 und 709.
4. Rabenhorst-Winter, Fungi europ., Nr. 1824 a und b.
5. De T hürnen, Fungi austriaci, Nr. 1210.
6. De Thümen, Herb, mycol. oecon., Nr. 87.
7. C. Roumeguere, Fungi selecti exsicc, Nr. 4604.
8. Krieger, Fungi saxonici, Nr. 619 et 1908.
9. Alle scher et Schnabel, Fungi bavarici, Nr. 223.
10. Sydow, Mycoth. March., Nr. 4004.
11. Wartmann und Schenk, Schweizerische Kryptogamen, Nr. 432.
12. D. Saccardo, Mycoth. italica, Nr. 416.
13. P. Saccardo, Mycoth. Veneta, Nr. 727.
14. De Notaris, Erbar. Cryttog. italiano, ser. I, Nr. 441; ser. II, Nr. 342.
15. L. Rom eil, Fungi exsicc. praes. scand., Nr. 130 et Nr. 676.
16. Ellis et Everhart, North Americ. Fungi, II. Ser., Nr. 2733.
Siehe dazu Fig. 2 auf Taf. I.
Pilz aus der Rinde hervorbrechend, anfangs meist
becher-, später mehr scheibenförmig, 0-4 bis 0'6 cm breit; oft
fließen mehrere nahestehende Fruchtkörper zusammen; nur
im Zentrum angewachsen, stets deutHch berandet; frisch von
wachsartiger Konsistenz, trocken dick lederartig und zäh;
an der Außenseite und am Rande weiß filzig. Hymenium ge-
schlossen, glatt, lebhaft scharlachrot, abblassend und dann
ockerfarben bis löwengelb (beim Aufweichen des trockenen
Pilzes, besonders in Ammoniak, kehrt die lebhafte Färbung
des Hymeniums wieder zurück). Dieses besteht aus Basidien und
Pseudophysen. Basidien verlängert keulenförmig, 20 bis 24 [x
breit, mit vier großen pfriemlichen, gebogenen, 18 bis 20 \i.
langen, am Grunde bis 3 jx dicken Sterigmen. Pseudophysen
dick fadenförmig bis unregelmäßig keulig, stets mit stumpfem
Scheitel, knotig, 6 bis 8 [x breit. Sporen breit ellipsoidisch bis
fast kugelig, 20 bis 26 jx lang, 16 bis 20 [x breit; Membran dick,
farblos und feinstachelig. Basidien, Pseudophysen und Sporen
mit rötlichem Inhalt; fast immer auch Öltropfen bergend.
Zur Kenntnis der Corticieen. 801
Hyphen sehr unregelmäßig, dicht verwebt, mäßig derbwandig,
3 bis 7 jJL dick, farblos, glatt und ohne Schnallen an den Septen.
An Stämmen und Zweigen von Alnes pectüiata u. a. Conif.
Im Frühlinge. Allgemein verbreitet. Europa, Sibirien, Amerika.
3. Aleurodiscus aurantius (Pers.) Schrot. 1797. Schröter, Die
Pilze Schlesiens, p. 429.
Syn.: Thelephora aiirantia Pers., Disp. Fung., p. 21, — Syn. Fung., p. 576, — ■
Mycol. Europ., I, p. 138; Albertini et Schweinitz, Conspect.
Lus., p. 279; Fries, Syst. Myc, I, p. 445.
Corticiutn aiirantiimi (Pers.) Sacc, SylL, VI, p. 606.
Thelephora Riibi Lib., in M. A. Libert, PI. Crypt. Arduennae, Fase. IV
(1837), Nr. 323.
Exs.: 1. W. Brinkmann, Westfälische Pilze, Lief. I, Nr. 17.
2. M. A. Libert, PI. Crypt. Arduennae, IV, Nr. 323, sub Thelephora Ruh i
Lib. n. sp.
Siehe dazu Taf. II, Fig. 3.
Pilz weit ausgebreitet, mit unregelmäßigem, immer deut-
lichem, schwach weiß faserigem Rande; dem Substrate fest
anliegend; frisch wachsartig bis fleischig, trocken krustenförmig.
Hymenium glatt oder stumpf warzig, geschlossen, anfangs hell-
rosa oder fleischrot, später rötlich-gelb bis hellgelblich, trocken
verblassend und rissig werdend, aus Basidien und Pseudo-
physen bestehend. Basidien keulenförmig, 10 bis 14 [x breit,
mit 4 starken pfriemlichen, gebogenen, bis 18 \s. langen, am
Grunde 2 [x dicken Sterigmen. Pseudophysen unregelmäßig
keulenförmig, zum Teil so breit wie die Basidien, zum Teil weit
schmäler, am Scheitel perlschnurartig ausgebildet. Sporen
ellipsoidisch, 14 bis 18 {jl lang, 10 bis 12 jjl breit, stets mit deut-
lichem Spitzchen. Membran derb, farblos, undeutlich punktiert.
Inhalt der Sporen hellrosa. Hyphen undeutlich.
Im Frühlinge und Herbst an Zweigen von Rosa- und
Rtihus-Axien. Europa.
4. Aleurodiscus croceus Pat. 1893. Patouillard, Bullet. Myc,
IX, 1893, p. 133.
Syn: Corticium croceiun (Pat.) Sacc, SylL, IX, p. 124.
Siehe dazu Taf. II, Fig. 2.
Pilz aus der Rinde hervorbrechend, becher- oder schüssei-
förmig, von rundlichem oder länglich-rundlichem Umriß. Stets
ö02 F. V. Hühnel und V. Li tschau er,
deutlich berandet; Rand aufrecht oder eingebogen. Pilz unter-
seits und am Rande weiI3 filzig; anfangs von wachsartiger bis
fleischiger, später ledriger Konsistenz. Hymenium geschlossen,
glatt, von safrangelber bis orangeroter Färbung; weiß bereift,
aus Basidien und Dendrophysen bestehend. Basidien verlängert
keulenförmig, 100 bis 140 [x lang, 20 bis 25 [i breit; Sterigmen 4,
pfriemenförmig, scharfspitzig, gebogen, 18 bis 20 [x lang, am
Grunde etwa 4 [x dick. Dendrophysen zylindrisch, am Scheitel
abgerundet, dickwandig, bis zur Basis mit 2 bis 4 [i langen,
1 bis 1-5 [X dicken, stumpfen, stachelartigen Fortsätzen ver-
sehen.
Sporen rundlich eiförmig, 25 bis 28 [j- lang, 18 bis 22 [i
breit, mäßig derbwandig, glatt, farblos, mit feinkörnigem gelb-
lichen Inhalt und 1 oder 2 Öltröpfchen. Hyphen sehr unregel-
mäßig, di^innwandig, farblos glatt oder etwas stachelig, ohne
Schnallen.
Auf Zweigen von MeJastouia. Südamerika: Ecuador
(Lager heim).
5. Aleurodiscus Oakesii (ßerk et Curt.) Cke. Cooke in Grev.
Rav., fasc. III, p. 32.
Syn.: Corticium Oakesii Berk. et Curt., Grev., I, p. 166; Saccardo, Syll., VI,
p. 606.
Exs : 1. Rabenhorst-Winter, Fungi europaei, Nr. 3232.
2. Ellis, North Americ. Fungi, Nr. 935.
3. Ellis et Everhart, Fungi Columbiani, Nr. 310.
4. C. Roumeguere, Fungi Gall. exsicc., Nr. 705.
(Die untersuchten Exemplare dieser Nummer enthielten nichts Bestimm-
bares.)
Siehe dazu Fig. 1, Taf. III.
Pilz becher- oder schüsseiförmig, 0*2 bis 0*5 cm im
Durchmesser zählend; nur im Zentrum angeheftet, stets deut-
lich berandet; Rand aufrecht oder eingebogen; Pilz frisch
wachsartig oder fieischig, trocken von ledriger Konsistenz,
unterseits und am Rande weiß filzig. Mehrere nahestehende
Fruchtkörper oft zusammenfließend. Hymenium geschlossen,
glatt, mehlig, von schmutzigweißer bis löwengelber Färbung;
aus Basidien und Dendrophysen bestehend. Basidien verlängert
keulenförmig, 100 bis 140 jx lang, 16 bis 18 [j, breit. Sterigmen 4;
Zur Kenntnis der Corticieen. 803
dick pfriemenförmig, scharfspitzig und gebogen, 16 bis 18 jx
lang, 5 bis 6 [JL breit. Dendrophysen zum Teil dickwandig; diese
von zylindrischer Form und fast immer stark knotig; zum Teil
dünnwandig, dann keulenförmig und nur selten schwach knotig.
Beide Arten von Dendrophysen mit etwa 4 bis 6 [x langen,
1 bis 2 [i dicken, stacheligen, aber stumpfen Fortsätzen ver-
sehen. Die ersteren zeigen dieselben nur an einer unterhalb der
Mitte ihrer Länge gelegenen Partie, die letzteren fast immer
nur am Scheitel. Diese Dendrophysen sind stets schmäler als
die Basidien, nur etwa 6 bis 10 [x breit und haben einen gleich-
mäßigen oder aber auch zum Teil körnigen Inhalt. Sporen
breit ellipsoidisch, an einer Seite abgeflacht, oben und unten
etwas zugespitzt, fast zitronenförmig, 18 bis 22 [j. lang,
12 bis 16 [A breit, mäßig derb wandig, glatt, farblos, mit fein-
körnigem. Inhalt. Hyphen undeutlich, sehr unregelmäßig, farblos,
glatt und ungefähr 3 bis 4 jx dick.
An der Rinde verschiedener Laubbäume (Oiierciis sp.,
Ostrya virghiica etc.). Nordamerika.
6. Aleurodiscus javanicus P. Henn. 1899. P. Hennings, Mon-
sunia, I, 1899, p. 139.
Syn.: Corticium javaiiiaiin (P. Henn.) Sacc. et .Syd. Saccardo, Syll., XVI,
p. 189.
Siehe dazu Fig. 1, Taf. IL
Pilz anfangs scheibenförmig, nur im Zentrum angeheftet,
von rundlichem Umriß, 0'5 bis 1 cm im Durchmesser zählend,
später zusammenfließend und ausgebreitet; mit stets deutlichem
welligem Rand; unterseits weiß filzig, frisch fast wachsartig oder
fleischig, trocken ledrig. Hymenium geschlossen, glatt, bleich
oder rosa, aus Basidien und Dendrophysen bestehend. Basidien
verlängert keulenförmig, etwa 100 [x lang, 16 bis 20 jj. breit;
Sterigmen 4, dick pfriemen- bis fast kegelförmig mit stumpfer
Spitze, grade, 10 bis 14 [j. lang, am Grunde bis 6 [j. dick. Den-
drophysen zylindrisch oder unregelmäßig keulig, dünnwandig,
6 bis 18 [X breit, am Scheitel glatt, nur in der Mitte mit 2-3 (x
langen, 1 bis 1-5 jx dicken, stumpfen, dichtstehenden, stachel-
artigen Fortsätzen versehen. Außer diesen bis an die Oberfläche
des Hymeniums reichenden Dendrophysen können aber auch
804 F. V. H ö h n e 1 und V. L i t s c h a u e r,
noch solche beobachtet werden, welche dieselbe nicht erreichen,
gewöhnlich schmäler sind und in ihrer ganzen Ausdehnung
sehr dicht angeordnet stachelartige Fortsätze aufweisen.
Basidien und Dendrophysen meist mit gelblichem Inhalt.
Sporen des Pilzes ellipsoidisch, an einer Seite etwas abgeflacht,
nach oben und unten verschmälert, 16 bis 20 [x lang, 14 bis 16 \l
breit, mäßig derbwandig, glatt, farblos, mit feinkörnigem Inhalt,
oft auch Öltropfen bergend. Hyphen undeutlich, farblos, unge-
fähr 2 bis 4 ji. dick, im subhymenialen Teil des Pilzes locker
verwebt und etwas stachelig, im basalen Teil verklebt, horizon-
tal und parallel verlaufend und glatt. Schnallen nicht gesehen.
An Zweigstücken. Ostasien: Java, Tjibodas (Fleischer).
7. Aleurodiscus acerinus (Pers.) v. H. et L.
Syn.: Coiiicinm aceriniim Pers., Observ., I, p. 37; RomeU, Bot. Not., 1895,
p. 71.
Thelephora acerina Vers., Syn., p. 581, et Myc. eur., I, p. 152; Fries,
Syst. Myc., I, p. 453, et Hym. europ., p. 645.
Stereum accrinum (Pers.) Fr., Epicrisis, p. 554; Winter, Krypt. FL,
p. 346; Massee, Monogr. of the Theleph., p. 202; Cooke, Handb.,
p. 317 (Nr. 915); Steven, Brit. Fungi, II, p. 271; Saccardo,
Syll., VI, p. 587, et Mycol. Veneta, p. 63.
Hypochnus acerinus (Pers.) Pat., Rev. Myc, 1889, p. 166, et Bull, de la
See. Myc, 1889, p. 30.
Stereum p/aiani Roumeg., siehe Fungi Call., Nr. 802.
Exs.: 1. De Thümen, Mycoth. univers., Nr. 711.
2. De Thümen, Herb. myco), oecon., Nr. 291.
3. De Thümen, Fungi austriaci, Nr. 327.
4. C. Roumeg uere, Fungi sei. Call, exs., Nr. 403.
5. C. Roumeguere, Fungi sei. Gall. exs., Nr. 802, sub Stereum platani
n. sp.
6. Cryptogamae exsiccatae (Mus. palat. Vindobon.), Nr. 713.
7. W. Brinkmann, Westfälische Pilze, Nr. 4.
8. Saccardo, Mycoth. Veneta, Nr. 410.
9. Mougeot et Nestler, Stirp. crypt. Vog. -rhen., Nr. 991.
10. Berkeley, Brit. Fungi, Nr. 65 (non vidi).
11. L. Rom eil, Fungi exsiccati praes. scand., Nr. 125 et 127.
12. Desmazieres, Plant, crypt., Nr. 2162.
13. Flora exsiccata Austro-Hungarica, Nr. 3152, sub Corticium calceum
Pers.
14. Schröter, Pilze Schlesiens, Nr. 764, sub Corticium calceum Pers.
Siehe dazu Fig. 6, Taf. II.
Zur Kenntnis der Corticieen. oOo
Pilz unregelmäßig ausgebreitet; dünnhäutig bis dünn
krustenförmig, meist deutlich berandet, selten gegen den Rand
zu ganz allmählich verlaufend; dem Substrate fest anhaftend;
von reiner oder schmutzigweißer, manchmal etwas gelblicher
Färbung. Gewebe des Pilzes ganz mit sehr kleinen, kurz stäb-
chenförmigen Kriställchen von oxalsaurem Kalk erfüllt.
Hymenium geschlossen, glatt, im Alter zerrissen, oft etwas
pulvrig werdend; aus Basidien und Dendrophysen bestehend.
Basidien keulenförmig, 6 bis 8 (x breit; Sterigmen 4; pfriemen-
förmig, gebogen, 5 bis 6 [x lang, an der Basis r5 jx dick. Sterile
Basidien mit einem schwach gelblichen Inhalt versehen, fast
von gloeocystidenartigem Aussehen. Sporen eiförmig oder breit
elliptisch mit deutlichem basalen, seitlichen Spitzchen, 10 bis
13 [x lang, 6 bis 7 [x breit; farblos, glatt, zartwandig, mit gleich-
mäßigem Inhalt oder wenige Öltröpfchen bergend. Dendro-
physen äußerst zart, mit ihrem oberen verzweigten Teil inein-
andergreifend, eine Art dichten Filz bildend, über welchen die
Basidien hervorragen. Hyphen undeutlich.
An der Rinde, selten auch am Holze vornehmlich von
Acer campestre, A. platanoides, Ulmus, Salix-Avien u. a. m.
Allgemein verbreitet.
1 a. Var. longisporus v. H. et L. nov. var.
Exs.: De Thümen, Mycotheca universalis, Nr. 807, sub Corticmm calceum Fr.
var. ladeum Fr.
Siehe dazu Fig. 4, Taf. II.
Aussehen und Struktur des Pilzes wie bei Aleurodiscus
acerinus (Pers.) v. H. et L., Sporen jedoch länger und schmäler.
12 bis 17 «4 bis 6 [x groß.
Promont. bonae spei: Sommerset-East in cortice arborum
varium 1875 (Nr. 1074), leg. Pr. P. Macovvan.
Der Pilz kann nicht als eine Varietät von Corticmm
calceum Fr. angesehen werden, da letztere Art nach Bresa-
dola, Fungi Trid., II, p. 64, eine Sebacma ist, welche nur auf
Nadelholz sich vorfindet.
806
F. V. Höhnel und V. Litschauer,
8. Aleurodiscus usambarensis P. Henn. (1904). P. Hennings,
Bot. Jahrbücher, 1904, p. 43.
Syn.: Corticium nsambarense (P. Henn.) Sacc, Syll., XVII, p. 168.
Aleurodiscus spiimlosns P. Henn., Engler'.s Jahrb. (1906?).
Siehe dazu Fig. 3, Taf. IV.
Pilz anfangs becher- oder schüsseiförmig, später aus-
gebreitet, 0-3 bis 0-^cm im Durchmesser zählend, nur im
Zentrum angeheftet, stets deutlich berandet; Rand aufrecht
oder eingebogen. Pilz frisch wachsartig bis fleischig, trocken
von lederiger Konsistenz; unterseits und am Rande weiß filzig.
Hymenium geschlossen, glatt, gelb, gelbrötlich bis orange, im
Alter verblassend, kaum rissig werdend; aus ßasidien, Pseudo-
und Dendrophysen bestehend. Basidien verlängert, keulen-
förmig, 60 bis 110[x lang. 20 bis 24 [x breit; Sterigmen 4,
pfriemenförmig, gebogen, ungefähr 20 »x lang und am Grunde
bis 5 [x breit.
Pseudophysen zylindrisch oder unregelmäßig keulig, 6 bis
10|x dick, selten breiter, zum Teile schwach knotig, an der
Spitze manchmal mit wenigen stachelartigen, stumpfen Fort-
sätzen, wie die Dendrophysen sie zeigen, versehen. Basidien
und Pseudophysen meist mit schwach gelblichem, körnigen In-
halte. Dendrophysen von sehr wechselnder Gestalt; zum Teile
lang und schmal keulenförmig, dünn- oder dickwandig, ent-
weder nur am Scheitel oder aber bis fast zum Grunde sehr
dicht mit 4 bis 10 [x langen, 1 bis l-5[x dicken, stumpfen,
stachelartigen, oft rückgekrümmten Vorsprungsbildungen ver-
sehen; zum Teile von mehr spindeliger Form; dickwandig und
meist bis zum Grunde mit locker angeordneten, 6 bis 12 [x
langen und 2 bis 2-5 [x dicken, meist stark gebogenen Stacheln.
Von der einen zu der anderen Form der Dendrophysen finden
sich alle Übergänge vor; auch Übergänge zu den Pseudo-
physen und Basidien können beobachtet werden. Sporen
ellipsoidisch, an einer Seite abgeflacht, oft nach oben und unten
verschmälert und manchmal fast zitronenförmig, 16 bis 24 [x
lang und 12 bis 15 pi breit. Membran mäßig dick, farblos und
glatt. Inhalt schwach gelblich und körnig. Hyphen farblos, derb-
wandig, glatt, sehr unregelmäßig verzweigt, 3 bis 5 [x dick,
Zur Kenntnis der Corticieen. 807
Ott mit ähnlichen Stachehi wie die Dendrophysen bedeckt.
Schnallenbildungen an den Septen spärlich, aber doch vor-
handen.
An abgestorbenen Zweigen verschiedener Bäume.
Deutsch-Ostafrika, Ostusambara (Zimmermann).
9. Aleurodiscus subacerinus v. H. et L. n. sp. W. Brinkmann,
Westfälische Pilze, Nr. ö, sub Corticinm acerimiui Pers.
var. (h) qnercmuin (Pers.).
Siehe dazu Fig. 5, Taf. II.
Pilz unregelmäßig ausgebreitet, dünnhäutig, stets deutlich
berandet, dem Substrate fest anhaftend, von rein weißer Farbe.
Hymenium geschlossen, glatt; aus Basidien, Dendrophysen
und Pseudophysen bestehend. Basidien keulenförmig, 7 bis 9 {x
breit; Sterigmen 4, sehr dünn, pfriemenförmig, gerade oder
etwas gebogen. 10 bis 12 ;j- lang, an der Basis 1"5[j. breit.
Sporen zylindrisch, mit seitlichem basalen Spitzchen; 10 bis
14 [i. lang, 5 bis 6 »x breit, farblos, zartwandig, glatt, mit gleich-
mäßigem Inhalt oder wenige Öltröpfchen bergend. Dendro-
physen sehr zart, mit dem oberen, baumartig verzweigten Teil
ineinander greifend, eine Art Filz bildend, aus welchem die
Basidien und Pseudophysen hervorragen. Pseudophysen dick-
keulig, gegen den Scheitel zu stumpf- oder spitzkegelig ge-
staltet, mit einem aufgesetzten Spitzchen oder einem bis 10[x
langen, stachelartigen Fortsatz; glatt, farblos, zartwandig, 8 bis
14 |x breit. Hyphen undeutlich. Gewebe des Pilzes ganz mit
Kristallen von oxalsaiu'em Kalk erfüllt.
An der Rinde alter Stämme von Salix und Aluns.
Westfalen: Lengerich, Winter 1898/99.
10. Aleurodiscus cerussatus (Bres.) v. H. et L. (1892).
Syn.: Corticiiiin cenissalmn Bres., Fungi Trid., II, p. 37, Tab. CXLIV, Fig. 3;
Saccardo, Syll., XI, p. 127; Bresadola, H3-m. Kniet., p. 48.
Kneiffia cenissata Bres., Fungi polonici, p. 10 k
Siehe dazu Fig. 1, Taf. IV.
Pilz ausgebreitet, mit unregelmäßigem, gleichartigem, meist
deutlichem, selten allmählich verlaufendem, etwas mehligem
808 F. V. Hühnel und V. Litschauer,
Rande, dem Substrate fest anhaftend; frisch fast wachsartig
oder fleischig, trocken dünnhäutig bis lederig. Hymenium ge-
schlossen, glatt, kahl, meist wenig bereift; anfangs weiß oder
hellgelblich, später fast hell ockerfarben; im Alter zerrissen; aus
Basidien, Dendrophysen und Pseudophysen bestehend. Basidien
keulenförmig, 30 bis 40 [x lang, 8 bis 12 [i breit; Sterigmen 4,
pfriemenförmig gebogen, bis 10 (j, lang, am Grunde 1 -5 bis 2 [x
dick. Dendrophysen zylindrisch, 3-5 jx breit, dünnwandig,
farblos, nach oben zu meist etwas dicker werdend und
daselbst mit 2 bis 3 [j. langen, 1 bis 1-5 [x dicken, stacheligen,
jedoch stumpfen Fortsätzen allseitig versehen. Pseudophysen
zylindrisch oder schwach keulig, meist stumpf, selten zuge-
spitzt, sehr oft knotig oder gegen den Scheitel zu fast perl-
schnurartig ausgebildet, ungefähr 4 bis 6 [jl breit, mit hellgelb-
lichem Inhalt erfüllt. Sporen ellipsoidisch, an der Basis mit
deutlichem Spitzchen, 10 bis 14 [x lang, 7 bis 8 [x breit, farblos,
zartwandig und glatt. Inhalt gleichmäßig. Hyphen undeutlich,
sehr unregelmäßig, farblos, ungefähr 2 [x dick.
An morschem Holz von Laub- und Nadelbäumen.
Tirol: Umgebung von Trient (Bresadola); Ungarn: Pren-
cov (Kmetj (im Herbar Fuckel lag der Pilz als C. serialis
f. asserculornm, von Kalchbrenner auf morschen Dach-
schindeln in Ungarn [.?] gesammelt); Polen (Eich 1er).
11. Aleurodiscus nivosus (Berk. et Cke.) v. H. et L.
Syn.: Siereum acerintim Pers. war. tüvosum Berk. et Cke., Grev., I, p. 165
(Sa c Card o, Syll., VI, p. 588).
Exs.: Ellis, North American Fungi, Nr. 326.
Ellis et E verhart, Fungi Columbiani, Nr. 1207.
C. L. Shear, New York Fungi, Nr. 52.
Rabenhorst-Winter, Fungi europaei, Nr. 3647a, b.
Ravenel, Fungi Caroliniani, Nr. 37, sab Steretim acerimim Pers.
Thümen, Mycoth. univers., Nr. 711.
Siehe Fig. 2, Taf. II.
Pilz ausgebreitet, meist langgestreckte, schmale, seltener
mehr oder weniger rundliche, polsterartige Formen bildend;
stets deutlich berandet, dem Substrate fest anhaftend, von rein-
bis schmutzigweißer Farbe und lederartiger, fast horniger
Zur Kenntnis der Corticieen. 809
Konsistenz. Hymenium geschlossen, glatt, im Alter zerrissen,
oft etwas pulverig werdend; aus Basidien, Gloeocystiden und
Pseudophysen bestehend. Basidien keulenförmig, 12 bis 16 [x
breit; Sterigmen 4, dick pfriemenförmig, stark gebogen, 10 bis
12 (X lang, an der Basis 3 bis 5 [x breit. Sporen breit ellipsoidisch
bis fast kugelig, 15 bis 20 [x lang, 12 bis 16 [x breit, farblos,
zartwandig, etwas rauh, mit feinkörnigem Inhalt. Pseudophysen
von etwas wechselnder Form, meist im großen und ganzen
zylindrisch, gegen den Scheitel zu perlschnurartig gestaltet, oft
über das Hymenium hervorragend, 6 bis 8 [x breit, dünnwandig
und glatt. Gloeocystiden keulenförmig, 8 bis 14 jx breit, mit
dünnem, 3 bis 5 [x dicken Stiel, stets eingesenkt, dünnwandig
und glatt, mit gelblichem, feinkörnigem Inhalt. Hyphen undeut-
lich. Gewebe des Pilzes mit Kristallen von oxalsaurem Kalk
ganz erfüllt.
An der Rinde von Jimiperus virgmiana.
Nordamerika (scheint dortselbst nicht selten zu sein).
12. Aleurodiscus sparsus (Berk.) v. H. et L.
Syn.: Stereuiii sparsnm Berk., Austral. Fungi, Nr. 136, — Journ. Linn. Soc.
(Bot.), XIII, p. 168; Massee, Monogr. of the Teleph., p. 203;
Saccardo, Syll., VI, p. 562.
Siehe dazu Fig. 3, Taf. III.
Pilz anfangs unregehriäßig rundliche, 2 bis 3 mm im Durch-
messer betragende, bis 0-5 mm hohe, flache Polster bildend,
später in Längsreihen zusammenfließend; stets deutlich be-
randet, von rein weißer bis weißlich-gelber Farbe und leder-
artiger bis fast horniger Konsistenz, dem Substrate fest an-
haftend. Gewebe des Pilzes mit Kristallen von oxalsaurem
Kalk ganz erfüllt. Hymenium geschlossen, glatt; unter der Lupe
etwas mehlig aussehend; aus Basidien, Dendrophysen und
Gloeocystiden zusammengesetzt. Basidien dick keulenförmig,
14 bis 18 [X breit; Sterigmen 4, dick pfriemenförmig, stark
gebogen, 12 bis 14 [x lang, an der Basis 4 bis 6 {x breit. Sporen
ellipsoidisch oder zylindrisch, 24 bis 38 (x lang, 14 bis 18 [j-
breit, farblos, zartwandig, glatt, mit feinkörnigem Inhalte; stets
mit deutlichem seitlichen Spitzchen.
Sitzb. d. mathem.-naturw. Kl. ; CXVI. Bd., Abt. I. 53
810 F. V. Höhnel und V. Li tschau er,
Dendrophysen schmal zylindrisch, fast fadenförmig, glatt,
mäßig derbwandig, gegen den Scheitel zu allseitig mit etwa 1 \l
dicken, 2 bis 4 [x langen, einfachen oder verzweigten Seiten-
ästen versehen. Gloeocystiden lang spindelförmig, 4 bis 8 {x
breit, dünnwandig, glatt, mit hellgelblichem Inhalte. Sub-
hymeniales und vor allem basales Gewebe des Pilzes mit
ovalen, ellipsoidischen oder kugeligen, derbwandigen (2 bis 3 [x
dick), 30 bis 60 [x langen, 20 bis 45 jx breiten Sekretbehältern,
welche mit einer gelbbraunen, harzigen Masse erfüllt sind.
Hyphen 4 bis 6 [x dick, undeutlich, verklebt, farblos und glatt.
An Rinde.
Australien und Ceylon.
Die genauere Beschreibung des feineren Baues des Pilzes
wurde an Exemplaren gewonnen, welche als Stereum sparsmn
Berk.! det. v. Beck im Herbar des k. k. Hofmuseums in Wien
liegen und welche auf der Weltreise der Prinzen Philipp und
August von Coburg in Australien (Victoria, Murrayfluß) an
Eticalypttis-Rm^Ae. gesammelt wurden. Dieselben stimmen so gut
zu Berkeley's Diagnose dieses Pilzes, daß sie wohl als richtig
bestimmt angesehen werden können. Sollte dennoch das
Originalexemplar von St. sparsmn Berk. (Herb. Berkeley,
Nr. 3805) etwas anderes sein, so müßte vorliegende Aleurodiscus-
Art einen neuen Namen erhalten.
IV. über Peniophora Aegerita (Hoffm.) v. H. et L.
Zu den in den Wäldern ganz allgemein verbreiteten, so
auch im Gebiete des Wienerwaldes an feuchten, morschen
Holz- und Rindenstücken oft anzutreffenden Pilzen gehört
auch die Aegerita Candida Pers. Mit diesem Namen wird von
den neueren Autoren ein zuerst von Hoffmann in der Flora
germ., 2, t. IX, f. l,als Sderotmm Aegerita beschriebener, höchst
interessanter Organismus bezeichnet, über dessen eigentliche
Natur und systematische Stellung man bis heute vollkommen im
unklaren war. Derselbe ist von verschiedenen Autoren noch
mehrmals unter anderen Namen beschrieben worden. So sind
zweifelsohne, wie aus den Beschreibungen und Abbildungen
an den entsprechenden Literaturstellen hervorgeht, auch das
Zur Kenntnis der Corticieen. 811
Sei. albtim D. C, F'lore France, VI, p. 112, das Crocysporimn
Aegerita Cda., Icones fung., I, p. 5, f. 87, weiter das Cr. toru-
losiini Bon., Handbuch, p. 59, Fig. 90, und endlich auch das
Cr. alhum Preuss, F. Hoyersw., Nr. 185, mit dem Hoffmann-
schen Sei. Aegerita ideniisch. Bei den älteren Autoren finden wir
diesen Pilz an sehr verschiedenen Stellen des Systems. Von
den neueren wurde er meist als zu den Fungi imperfecti ge-
hörend betrachtet und bei den Tubercularieen untergebracht.
Im II. Nachtrag zu seinen Symb. Myc, p. 8, wurde von
Fuckel die Aegerita Candida Pers. als Konidienpilz zu Cor-
ticitim lacteum Fe kl. gezogen. Er hatte nämlich die ganz
richtige Beobachtung gemacht, daß die jungen Aegerita-
Körnchen immer auf einem äußerst zarten, weißen, schon mit
der Lupe erkennbaren Hyphengeflecht sich entwickeln,
welches allerdings später, wenn die Körnchen ihre volle
Ausbildung erlangt haben, meist vollständig verschwunden
ist. Dieses Hyphengeflecht zeigt nun nach ihm unter dem
Mikroskope »genau dieselbe Struktur wie jenes, welches
besonders den zarten Rand von ausgewachsenem C. lacteum
Fe kl. bildet«, und er gibt auch an, daß er meist an solchen
morschen Stämmen, an welchen er ääe Aegerita vorfand, immer
auch letzteren Pilz in allen Entwicklungsstadien angetroffen
hätte. Er glaubte daher, mit voller Berechtigung die Ansicht
aussprechen zu können, daß die Basidiosporen von C lacteum
Fckl. ein Hyphengeflecht erzeugen, aus welchem je nach den
Witterungsverhältnissen, besonders in Hinsicht auf Feuchtig-
keit, entweder Aegerita-Köv'^Qrchen sich entwickeln oder
welches unmittelbar zu ersterem Pilz auswächst.
Diese Fuckel'sche Auffassung der Aegerita Candida als
Konidienpilz von Corticium lacteum ist, soviel wir sehen
konnten, völlig ignoriert worden. Sie ist tatsächlich schon
deshalb unrichtig, weil der von ihm als C. lacteum bezeich-
nete Pilz gar nicht diese Art ist. Überdies hat Fuckel auch den
direkten Zusammenhang der beiden Pilze nicht nachgewiesen,
sondern nur aus dem öfter beobachteten Zusammenvorkommen
beider und der Ähnlichkeit der Hyphen beider auf die Zu-
sammengehörigkeit derselben geschlossen, was natürlich nicht
genügt, um dieselbe zu beweisen.
53*
812 F. V. Höhnel und V. Litschauer,
Daher ist es begreiflich, daß Fuckel's Angabe nicht ernst
genommen wurde, um so mehr als sie ganz unwahrscheinlich
schien und Fuckel sehr zahlreiche andere in ähnlicher Weise
nicht genügend begründete Ansichten über hie Zusammen-
gehörigkeit von Pilzformen mit aller Bestimmtheit geäußert
hat, die sich nachträglich als nicht stichhaltig erwiesen
haben.
Auch Sorokin, welcher diese Aegerita einer sehr sorg-
fältigen Untersuchung unterzogen hat, sie sehr genau beschreibt
und abbildet, erwähnt in seiner diesbezüglichen Arbeit in den
Ann. Sciences Nat., IV, 1876, p. 138, die Fuckel'sche Ansicht
gar nicht, obwohl die von ihm zuerst beobachtete Tatsache
des Vorkommens von Schnallen an den Hyphen des Mycels
der Aegerita. welches sich im Substrate ausbreitet, auf einen
Zusammenhang mit einem Basidiomyceten insofern hindeutet,
als ja die Schnallenbildungen speziell für die Hyphen derselben
charakteristisch sind. Dies fiel Sorokin nicht auf und er blieb
über das Wesen der Aegerita auf ganz falscher Fährte.
Nichtsdestoweniger hatte Fuckel, was den springenden
Punkt anlangt, in diesem Fall das Richtige getroffen.
Wie wir an einer im Wienerwalde gefundenen Corticiee
nachweisen konnten, ist tatsächlich Aegerita Candida ein Ent-
wicklungsglied einer Peniophora, die sich als neu herausstellte
und im folgenden P. Aegerita v. H. et L. bezeichnet ist. Das
im August 1905 in der Pfalzau gefundene Exemplar dieser
Peniophova war nicht nur ringsum von Aegerita umgeben,
sondern zeigte auch am Hymenium, besonders gegen die
Ränder hin, jüngere und ältere Entwicklungsstadien derselben.
Wurde schon hiedurch wahrscheinlich, daß die Aegerita
ein Entwicklungszustand der Peniophora ist, so erhielt diese
Wahrscheinlichkeit den Anschein der Gewißheit, als sich durch
Vergleich der Peniophora Aegerita mit dem von Fuckel als
Corticinm lactetim bestimmten Pilze (in Fungt rhen., Nr. 136, I)
die überraschende Tatsache herausstellte, daß beide Pilze
identisch waren. P. Aegerita ist uns bisher in keinem der
vielen Tausenden von Corticieen-Exsikkaten, die wir unter-
sucht haben, zu Gesichte gekommen und daher erst zweimal
gefunden worden: 1872 von Fuckel bei Östrich im Rheingau
Zur Kenntnis der Corticieen.
813
und 1905 von uns im Wienerwalde und beidemale von
Aegerita Candida in auffallender Weise begleitet.
Während das Fuckel'sche Exemplar zum Teil infolge
seines Alters und schlechten Erhaltungszustandes sich als
zum sicheren Nachweise der Zugehörigkeit der A. Candida
Fig. 7. Peniophora Aegerita (Hoffm.) v. H. et L,
a Querschnitt durch das Hymenium des Pilzes mit zwei jungen Anlagen
von Aegerita-Kömchen (Hymenialbulbillen) (Vergr. ^oo/j).
h Querschnitt durch das Hymenium mit Basidien, Cystiden und Sporen
(Vergr. 600/j.
zur Peniophora unbrauchbar erwies, konnte dieser Nachweis
an dem viel günstigeren Wienerwald-Exemplar mit voller
Sicherheit erbracht werden, indem sich hier unzweifelhafte
Entwicklungszustände der Aegerita auf dem Hymenium der
814 F. V. Höhnel und V. Litschauer,
Peniophora sowie aller Zwischenstadien zur ausgewachsenen
Aegerita vorfanden, wie die vorstehende Fig. 7 zeigt.
Demnach besteht die Aegerita Candida aus sterilen, abnorm
entwickelten und verlängerten und miteinander zu kugeligen
Gebilden verwachsenen Basidien samt Tragzellen der Penio-
phora. Hiebei sind die Basidien mehrfach quer geteilt, an den
Querwänden oft mit großen Schnallen versehen und seitlich
durch Querfortsätze oft miteinander verwachsen. Die oberste
Zelle schwillt kugelig an und zeigt keine Spur von Sterigmen.
Offenbar stellt die Aegerita Candida bulbillenartige Bildun-
gen dar, die dem Hymenium entstammen und daher am besten
als Hymenialbulbillen bezeichnet werden. Sie spielen offen-
bar bei der Erhaltung und Fortpflanzung des Pilzes eine Rolle,
die noch näher zu erforschen ist. Wahrscheinlich sind sie im
Stande, auszukeimen und einen neuen Peniophora-ThoWns zu
bilden. Infolge ihrer leichten Ablösbarkeit vom Substrate, dem
sie oft scheinbar ganz lose aufsitzen, werden sie auch als
wirksame Verbreitungsmittel des Pilzes dienen.
Als Konidienpilz kann jedoch die Aegerita nicht betrachtet
werden, wie dies Fuckel tut, denn sie bildet niemals Sporen.
Eher könnte sie mit einem Sclerotium verglichen werden, doch
hat sie auch mit einem solchen nichts zu tun, sie stellt eine
ganz eigene Bildung sui generis dar.
Wo die Aegerita-Yovm sich reichlich und üppig entwickelt,
obliteriert das Hymenium oder kommt gar nicht zur Entwick-
lung und dies ist offenbar der gewöhnliche Fall, da die Aegerita-
Form ebenso häufig als die Peniophora-F ovm selten ist.
Es ist sehr, wahrscheinlich, daß auch die anderen ziemlich
zahlreichen beschriebenen Aegerita- Arten, wenigstens soweit
sie einen Bau besitzen, ähnlich dem der A. Candida zu Basidio-
myceten als Hymenialbulbillen gehören werden.
Wir geben nun die genauere Beschreibung des vollstän-
digen Pilzes.
Peniophora Aegerita (Hoffm.) v. H. et L.
Syn. Corticiiim lactetini Fckl. (Sym. Myc, IL Nachtrag, p. S).
Exs. Fuckel, Fungi rhen., Nr. 136.
Pilz ausgebreitet; sehr zarte krümelige, dem Substrate
fest anhaftende, am Rande allmählich verlaufende, weiße bis
Zur Kenntnis der Corticieen. 815
gelblich-weiße Überzüge bildend. Hymenium geschlossen, aber
etwas locker, unter der Lupe mehlig aussehend, aus Basidien
und Cystiden bestehend. Basidien keulenförmig, 4 bis 5 [x breit,
Sterigmen 4, pfriemenförmig gebogen, 3 bis 4 [x lang. Sporen
breit ellipsoidisch oder fast kugelig, 5 bis 7 [x lang, 4 bis 6 [x
breit oder 5 bis 7 [x im Durchmesser habend; zartwandig,
glatt, stets mit deutlichem Spitzchen und einem großen Öl-
tropfen im Inhalte. Cystiden locker angeordnet, fast zylindrisch,
nach oben meist etwas verschmälert, an der Basis schwach
bauchig, 60 bis 90 [x lang, 6 bis 7 [x breit, stumpf, dickwandig,
rauh, inkrustiert; Lumen immer sehr eng, manchmal fast
linienförmig.
Gewöhnlich tritt der Pilz mit unentwickeltem oder ver-
kümmertem Hymenium auf, indem statt diesem die als Aegerita
Candida (Pers.) bekannten Hymenialbulbillen entstehen. Über
deren Bau siehe Sorokin, 1. c.
Hyphen des Pilzes sehr unregelmäßig, zartwandig, farblos,
glatt, 4 bis 6 |x breit, mit Schnallen an den Septen.
An morschen, feucht liegenden Holzstücken {Fagus, Salix,
Ahms) in Wäldern. Die Aegerita candida-Form sehr häutig, die
Petiiophora-F orm sehr selten (1872 von Fuckel bei Östrich
im Rheingau, 1905 in der Pfalzau im Wienerwald).
V. Gloeopeniophora nov. gen. v. H. et L.
Im CXV. Bande dieser Sitzungsberichte 1906, math.-
naturw. Klasse, Abt. I, p. 1562, wurde von uns eine genaue,
auf Grund der Untersuchung des Originalexemplares ent-
worfene Diagnose von Peniopliora aenmlans Karst, gegeben.
Der Pilz wurde von uns an jener Stelle Gloeocystidiwn aemulans
(Karst.) Bres. genannt. Bresadola, von welchem schon früher
das Originalexemplar dieses Karsten'schen Pilzes ebenfalls
untersucht worden war, hatte nämlich bereits die von Karsten
als Cystiden beschriebenen spindelförmigen, beziehungsweise
zylindrischen, stumpfen, mit hyalinem bis hellgelblichem Inhalt
erfüllten Gebilde im Hymenium des Pilzes als Gloeocystiden
gedeutet (siehe Bresadola, Fungi polonici, p. 99).
816 F. V. Höhnel und V. Litschauer,
Das Originalexemplar von Peniophora aemulans Karst,
besitzt aber nicht nur Gloeocystiden, sondern auch dickwandige,
rauhe, stark inkrustierte, gewöhnliche Peniophora-Cystiden,
und zwar von sehr wechsehider Gestalt, wie wir an der oben
zitierten Literaturstelle bereits mitgeteilt haben.
Gloeocystiden neben gewöhnlichen Peniophora-Cystiden
zeigt aber auch noch eine andere Corticiee, nämlich Peniophora
incarnata (Pers.) Cke., wie wir angelegentlich der Unter-
suchung einer größeren Anzahl von Exemiplaren dieses Pilzes
beobachtet hatten. Da nun Karsten selbst seine P. aemulans
als der P. incarnata (Pers.) Cke. sehr ähnlich bezeichnet und
das Originalexemplar derselben nur wie ein etwas verbleichtes
Stück der letzteren Art aussieht, ferner die Sporen beider Pilze
in Form und Größe vollständig übereinstimmen, stieg in uns
der Verdacht auf, daß diese beiden Pilze wahrscheinlich
identisch sein dürften. Ein sorgfältiger Vergleich des Original-
exemplares des Karsten'schen Pilzes mit typischen, unzweifel-
haft richtig bestimmten Exemplaren von P. incarnata (Pers.)
Cke. ergab tatsächlich die vollständige Übereinstimmung der-
selben, auch was ihre Struktur betrifft. P. aemulans Karst,
muß daher, da sie weit später aufgestellt wurde als der
Persoon'sche Pilz, als eigene Art gestrichen werden. Das
gleichzeitige Vorkommen von Gloeocystiden und gewöhnlichen
Peniophora-Cystiden erschwert die richtige Einreihung von
P. incarnata (Pers.) Cke. in eine der bestehenden Corticieen-
gattungen, denn dieser Pilz kann mit gleichem Recht auch
als Gloeocystidium angesehen werden. Da es nun wahrschein-
lich auch noch andere Peniophora -Arten mit Gloeocystiden
geben dürfte, so ist es vielleicht vorteilhaft, für diese eine
eigene Gattung zu schaffen, die wir Gloeopeniophora nennen
wollen.
Gloeopeniophora incarnata (Pers.) v. H. et L. (1801).
Syn. Thelephora incarnata Pers., Syn. Fung.,p. 573, — Myc Eur., I. p. 130, —
Flor. Dan., t. 2035, Fig. 2; Albertini et Schweinitz, Consp.
Lusat, p. 276; Swartz, Ind. occ, p. 80; Fries, Syst. Myc, I,
p. 444, — Elench. Fung., p. 219 ; Berkeley, Engl. Flore, I, p. 171.
Zur Kenntnis der Corticieen. 817
ThelephomfallaxVevs., Syn. Fung., p. 574, — Myc. Europ., p. 131.
ThelepJiom bolaris Pers., Myc. Europ., p. 138.
Thelephora laferitia Pers., Myc. Europ., p. 139.
Auricularia aurantiaca Sow., Fungi, III, Taf. 291.
Corticitim incarnaUim (Pers.) Fr., Epicrisis, p. 564, — Hymenom. Europ.,
p. 654; Winter, Krypt. Fl., p. 333; Berkeley, Outl., p. 275;
Cooke, Handb., p. 324; Steven, Brit. Fungi, II, p. 227; Karsten,
Myc. Fenn., (Basid.) p. 306; Gillet, Hym. Fr., p. 753; Schröter,
Pilze Schlesiens, p. 424; Saccardo, Syll., VI, p. 625; Quelet, Fl.
Myc, p. 7.
Peniophora incarnata (Pers.) Cke. in Massee, Monogr. of the Teleph.,
p. 147; Karsten, Finnl. Bas., p. 162; Saccardo, Syll.,^IX, p. 241.
Kneiffia incarnata (Fr.) Bres., Fungi polonici, p. 103; Saccardo, Syll.,
XVII, p. 182.
Peniophora aemulans Karst., Öfv. Finnl. Basidsv., p. 425: Saccardo,
Syll., IX, p. 239.
Corticitim (Gloeocystidiuin) aeimilans (K a r s t .) B r e s., Fungi polonici, p. 99.
Gloeocystidium aemulans (Karst.) Bres., siehe diese Sitzungsberichte,
Bd. CXV, Jahrgang 1906, math.-naturw. Klasse, Abt. I, p. 1562.
Exs. 1. Cooke, Fungi Brit. exsicc, Nr. 606.
2. Fuckel, Fungi rhen., Nr. 1310.
3. Raben hörst- Winter, Fungi europ., Nr. 2820 a.
4. Wart mann und Schenk, Schweizerische Kryptogamen, Nr. 122.
5. Sydow, Mycoth. March., Nr. 1306.
6. Romell, Fungi exsicc. praes. scand., Nr. 33.
7. Brinkmann, Westfälische Pilze, Nr. 26.
8. Saccardo, Myc. Veneta, Nr. 438 et 1110.
9. Roumeguere, Fungi Gall. exs., Nr. 1409 und 2011.
10. Rabenhorst, Fungi europ., Nr. 1807 sub Corticium roseum (Pers.) Fr.
11. Roumeguere, Fungi Gall. exsicc, Nr. 104 sub Corticium roseum Pers.
Exsikkate als Peniophora incarnata (Fr.) Cke. bezeichnet, welche nicht
diesen Pilz, sondern andere Arten enthalten:
1. De Thümen, Mycoth. univers., Nr. 1 12, enthält Peniophora aurantiaca
(Bres.) V. H. et L.
2. De Thümen, Fungi austriaci, Nr. 120^, enthalt Peniophora aurantiaca
(Bres) V. H. et L.
3. Saccardo, Mycoth. Veneta Nr. 1110; ein Teil der Exsikkate enthält
Tulasnella incarnata 01s.
4. Linhart, Fungi hung., Nr. A?>Q,ent\\g.\t Peniophora aurantiaca (Bres.)
V. H. et L.
5. Rabenhorst-Winter, Fungi europ., Nr. 2820 b, enthält Peniophora
Frangulae (Bres.) v. H. et L. ?
6. Klotz seh. Herb. Mycol., Nr. 14, enthält Corticium polygonium
(Pers.) Fr.
7. Saccardo, Myc Veneta, Nr. 403, enthält Peniophora caesia Bres.
öl 8 F. V. Höhne 1 und V. Litschauer,
8. Roumeguere, Fungi Call, exsicc, Nr. 2510, enthält Pem'ophora attran-
tiaca (Bres.) v. H. et L. (?)
9. Roumeguere, Fungi Gall. exsicc, Nr. 2910, enthält Peniophora caesia
Bres.
10. Roumeguere, Fungi Gall. exsicc, Nr. 6009, enthält Cortichim polygo-
11 tum (Pers.) Fr.
11. Sydow, Mycoth. march., Nr. 3218, 3434 und 4619, enthalten Corti-
ciiiin rosenm Pers.
12. ElHs et Everhart, Fungi Columb., Nr. 609, enthält Cortichim rosenm
Pers.
13. Ellis, North Americ Fungi, Nr. 20, enthält Peniophora velutina
(D. C.) V. H. et L.
><
14. Ellis, North Americ. Fungi, Nr. 1518, enthält Gloeocystidium ladescens
(Berk.) v. H. et L.
Pilz unregelmäßig ausgebreitet, häutig bis dünn lederartig,
dem Substrate fest anhaftend, am Rande gleichartig, etwas
mehlig oder ganz kurzfaserig. Hymenium geschlossen; frisch
fast wachsartig, glatt, lebhaft fleischrot oder orangerot, später
verbleichend, gelb oder blaß lederfarben, trocken nicht zer-
rissen; aus Basidien, gewöhnlichen Cystiden und Gloeocystiden
bestehend. Basidien keulenförmig, 35 bis 40 [x lang und 6 bis
7 [j. breit, Sterigmen 4, pfriemenförmig, gerade, 3 bis 4 pi lang.
Sporen länglich elliptisch, fast zylindrisch, auf einer Seite
abgeflacht, 8 bis 10 [jl lang und 3-5 bis 4-5 [a breit, farblos, zart-
wandig und glatt ; mit gleichmäßigem Inhalt. Cystiden dickwandig,
meist eingesenkt, seltener auch über das Hymenium hervor-
ragend, rauh, stark inkrustiert, oft sehr verschieden geformt,
am Scheitel meist abgerundet, farblos oder gelblich, 20 bis 65 [x
lang, 5 bis 14 [x breit; Gloeocystiden immer eingesenkt, spindel-
förmig oder unregelmäßig zylindrisch, mit hellgelblichem, öl-
artigem, oft etwas körnigem Inhalt, 60 bis 100 (x lang, 8 bis
14 [X breit; Hyphen undeutlich, farblos, glatt, dünnwandig,
3 bis 5 [X dick; Schnallen?
Auf Holz und Rinde von Laub- und Nadelbäumen,
Sträuchern u. s. w.
Pilz ganz allgemein verbreitet.
Bemerkung: Dieser Pilz ist im Bezug auf das Vor-
kommen von Pem'ophora-Cystiden in seinem Hymenium
äußerst variabel. Dieselben sind manchmal so spärlich, daß sie
Zur Kenntnis der Corticieen. 819
leicht ganz übersehen werden können, manchmal aber wieder
so zahlreich, daß eine Cystide ganz dicht neben der anderen
steht, ja bei etwas dickeren Exemplaren kommt es auch vor,
daß sie in übereinander Hegenden Schichten angeordnet sind.
Die Menge der Cystiden im Hymenium des Pilzes scheint
unter Anderem von dem Substrate abhängig zu sein. So zeigen
gewöhnlich Exemplare auf Nadelholz sehr spärliche Cystiden.
Eine cystidenreiche Form desselben ist der als Corticiiim
incarnahmi (Pers.) Fr. f. Platani orientalis von Saccardo in
der Mycoth. Veneta als Nr. 1110 ausgegebene Pilz. Sehr
cystidenreiche Exemplare wurden auch von v. Höhnel in
Dalmatien bei Cattaro und Selenika auf Pimica Granahmi
gesammelt. Überhaupt scheint der Pilz im Süden meist
cystidenreicher, im Norden wieder reicher an Gloeocystiden zu
sein. Die Gloeocystiden des Pilzes wurden wahrscheinlich
bisher deshalb übersehen, weil sie, wenn man dünne Quer-
oder Tangentialschnitte in Wasser oder Glyzerin beobachtet,
nicht scharf genug hervortreten. Behandelt man aber solche
Schnitte mit verdünnter Kali- oder Natronlauge und erwärmt
.etwas, so kann man dann stets die Gloeocystiden gut und
deutlich erkennen.
VI. Dendrothele v. H. et L. nov. gen.
Fruchtkörper umgewendet, ausgebreitet, häutig bis krusten-
förmig; Hymenium geschlossen, aus Basidien und Dendro-
physen bestehend, mit stachelartigen, über das Hymenium
hervorragenden, aus Dendrophysen bestehenden Gebilden.
Sporen farblos, mit glatter Membran.
Diese neue Gattung ist infolge der stachelartigen, aus
Dendrophysen bestehenden Gebilde von allen anderen Corti-
cieengattungen scharf geschieden. Sie ist am besten dem
Genus Aleuroäisctis anzureihen, da einige Vertreter desselben
{A. acerinus und A. siibaceriims) ganz ähnliche Dendrophysen
im Hymenium zeigen. Doch sind bei diesen Arten niemals
derartige stachelartige Gebilde zu beobachten, wie sie die
Dendrothele papulosa v. H. et L. zeigt.
820
F. V. Hühnel und V. Litschauer,
Dendrothele papulosa v. H. et L. nov. gen. et sp.
Pilz unregelmäßig ausgebreitet; dünnhäutig bis dünn
krustenförmig, deutlich berandet, dem Substrate fest anhaftend,
von schmutzigweißer bis grauvioletter Farbe. Hymenium ge-
schlossen, papillös, im Alter oft zerrissen, aus Basidien und
Dendrophysen bestehend. Basidien keulenförmig, 6 bis 7 [x breit;
Sterigmen 2 (mehr als 2 nie gesehen), dick pfriemenförmig, 8 bis
9 |x lang, an der Basis 2 |x breit. Sporen eiförmig bis fast
Fig. S. Dendrothele papillosa v. H. et L.
a Querschnitt durch das Hymenium des Pilzes mit zwei aus Dendrophysen
gebildeten Stacheln (Vergr. ^oo/^).
b Eine Spore des Pilzes (Vergr. i^oo/ ),
kugelig, 9 bis 11 [X lang, 8 bis 10 jjl breit, farblos, zartwandig,
glatt, mit meist feinkörnigem Inhalt. Dendrophysen sehr zart,
zum Teil zwischen den Basidien sich vorfindend, zum Teil
zu stachelartigen, 10 bis 15 |x breiten, 30 bis 50 [jl über das
Hymenium hervorragenden, über dasselbe unregelmäßig ver-
teilten Gebilden vereint. Hyphen undeutlich.
An der Rinde verschiedener lebender Laubbäume. Im
Prater bei Wien (Niederösterreich) häufig.
Dürfte wahrscheinlich bisher mit Äleurodiscus aceriims
(Pers.) v. H. et L. verwechselt worden sein.
Zur Kenntnis der Corticieen.
821
VII. Neue und ungenügend bekannte Arten.
1. Corticium commixtum v. H. et L. n. sp.
Corticium acerinum Pers. f. qnercina Pars., Syn., p. 582.
L. Romel, Fungi exs. praes. scand., Nr. 126, sub Corticium acertnum Pers.
f. Ouerctis.
Pilz unregelmäßig ausgebreitet; zarte krümelige, dünn-
häutige bis oft krustenförmige, meist scharf begrenzte, manch-
mal aber auch am Rande allmählich verlaufende, dem Substrate
fest anhaftende, schmutzigweiße bis weißlich-gelbe Überzüge
Fig. 9. Corticium cominixtitm v. H. et L.
Ein Querschnitt durch das Hymenium des Pilzes, Basidien und Sporen
zeigend (Vergr. '^'^''/i).
bildend. Gewebe des Pilzes mit kristallinischen Aggregaten
von oxalsaurem Kalk ganz erfüllt. Hymenium locker, glatt, im
Alter etwas zerrissen, meist pulverig werdend. Nur aus
Basidien bestehend. Basidien keulenförmig; die fertilen 6 bis
8 ;j. breit, die sterilen schmäler. Sterigmen meist 2, selten 3
(4 nicht gesehen); dick pfriemenförmig, manchmal fast zylin-
drisch, etwas gebogen, 10 bis 12 (x lang, 2'5[j, breit; Sporen
zylindrisch, stets mit deutlichem basalem Spitzchen; 8 bis 10 (x
lang, 4 bis 6 [x breit; farblos, zartwandig, glatt, ein oder wenige
Öltröpfchen bergend. Hyphen undeutlich.
Auf der Rinde lebender Eichen.
Der Pilz ist dem Alettrodiscus acerinns (Pers.) v. H. et L.
äußerlich sowie auch strukturell sehr ähnlich und dürfte daher
deshalb bisher meist mit dieser Art verwechselt worden sein.
82^ F. V. Höhnel und V. Litschauer,
2. Corticium subcoronatum v. H. et L. n. sp.
Sydow, Mycolh. March., Nr. 4105, sub Corticinin Greschikii Bres.
Pilz ausgebreitet, zarte, schimmelartige, krümelig flockige
bis dünnhäutige, am Rande gleichartige oder allmählich ver-
laufende, aus locker verflochtenen Hyphen bestehende,
schmutzigweiße bis gelbliche, dem Substrate locker an-
haftende Überzüge bildend. Hyphen stark rechtwinkelig ver-
zweigt, häufig anastomosierend, ziemlich zartwandig, glatt,
farblos oder schwach gelblich, mit zahlreichen sehr typisch
ausgebildeten Schnallen an den Septen; subhymeniale Hyphen
4 bis 6 [JL, basale bis 10 |x dick. Hymenium nicht geschlossen.
Basidien keulenförmig bis fast zylindrisch, 16 bis 18(j- lang
und 6 bis 8 [x breit, mit 4 bis 6 Sterigmen.Sterigmen pfriemen-
förmig, gerade oder etwas gebogen, 4 bis 5 [x lang. Sporen
zum Teil breit ellipsoidisch oder zylindrisch, an einer Seite
abgeflacht, stets nach unten zugespitzt, zum Teil fast mandel-
förmig oder bauchig spindelig, farblos, zartwandig, glatt, 5 bis
7 [x lang, 2-5 bis 3-5 [X breit. Inhalt gleichmäßig oder mit einem
oder mehreren Öltröpfchen.
Auf morschem Holze, morscher Rinde, faulendem Poly-
porus etc. Berlin, Wannsee (Sydow); Wienerwald, Rekawinkel
(V. Höhnel); Westfalen, Lengerich (Brinkmann).
Der Pilz ist äußerlich von Cortichim isabellinntn Schrot.,
C. coronaUmt (Schrot.) v. H. et L., C. botryosum Bres. und
Tomentella isaheUina (Fr.) v. H. et L. nicht zu unterscheiden.
Letztere Art ist jedoch bei mikroskopischer Untersuchung
wegen ihrer kugeligen, stacheligen Sporen nicht damit zu ver-
wechseln. Die ersteren Arten stehen auch, was die Struktur,
Bau der Hyphen und Sporen betrifft, der neuen Art sehr nahe,
besitzen jedoch niemals Schnallen an den Septen, was für
diese gerade besonders charakteristisch ist.
3. Corticium submutabile v. H. et L. n. sp.
Pilz weit und unregelmäßig ausgebreitet, sehr zarte,
schmutzigweiße bis schwach gelbliche, krümelige Überzüge
bildend. Rand gleichartig oder allmählich verlaufend. Hymenium
nicht geschlossen, sehr locker. Basidien dick keulenförmig,
4 bis 6 [X breit, 10 bis 16 jx lang, mit 4 kurz pfriemenförmigen,
Zur Kenntnis der Corticieen. 823
geraden, 1-5 bis 2 [x langen Sterigmen. Sporen breit elli-
psoidisch oder oval, an einer Seite meist abgeflacht oder fast
kugelig, nach unten oft etwas zugespitzt, 2 bis 3-5 {x lang,
2 bis 2-5 |x breit oder 2 bis 3-5 [x im Durchmesser zählend.
Membran farblos, zart, sehr rauh, fast stachelig. Sporen stets
mit einem Öltropfen. Hyphen sehr unregelmäßig, farblos, zart,
glatt, 2 [1 dick. Schnallen nicht gesehen. Der Pilz ist ganz von
Kristallen erfüllt.
An einem Stück eines Palmenblattes im Palmenhaus des
botanischen Gartens in Berlin, leg. P. Hennings 1891.
Der Pilz ist von Corticnim mutahile Bres., Fungi Trid., II,
p. 58, Taf. 168, Fig. 2, gut zu unterscheiden. Das Original-
exemplar dieses Pilzes ist von mehr häutiger Natur, besitzt ein
geschlossenes Hymenium, größere, fast glatte Sporen (3 bis
4-5^2 bis 2-5), welche mehr länglich ellipsoidisch sind, und
regelmäßigere, breitere Hyphen mit deutlichen Schnallen.
4. Peniophora subglebulosa v. H. et L. n. sp.
Pilz ausgebreitet; sehr zarte, krümelige bis dünnhäutige,
dem Substrate fest anhaftende, am Rande mehlige, ganz all-
mählich verlaufende, schmutzigvveiße bis hell ockerfarbene
Überzüge bildend. Hymenium locker, unter der Lupe samt-
artig aussehend. Basidien mit Sterigmen nicht gesehen. Sporen
oval, zartvvandig, farblos, glatt, 2 bis 4^:^ 1-5 bis 2 [j. groß;
Inhalt mit einem Öltropfen. Cystiden am Grunde des Pilzes
entspringend; lang kegelförmig, mit stumpfer Spitze, aber
niemals am Scheitel breit abgerundet; an der Basis meist
etwas angeschwollen, gewöhnlich wurzelartig verzweigt; sehr
dickwandig; Lumen eng, gegen die Spitze zu allmählich fast
linienförmig werdend; etwas inkrustiert, körnig, rauh; 80 bis
120 [JL lang, 10 bis 14 jx breit; Hyphen undeutlich, sehr un-
regelmäßig verzweigt, zartwandig, farblos, 2 bis 3 \x dick;
Schnallen nicht gesehen.
Auf Erica arboveaSiä.mmen.
Corsica, Bastia, IV. 1905, leg. v. Höhnel.
Diese neue Peniophora ist dem Aussehen nach der
P.puhera (Fr.) Mass., zarten Formen von P. Ronmegtierü Bres.
und der P. crystallina v. H. et L. nicht unähnlich. Doch sind
824
F. V. Höhnel und V. Litschauer,
bei diesen Arten die Cystiden immer mehr breit spindelförmig,
dünnwandiger und stärker inkrustiert; bei letzterer Art sind sie
übrigens auch bedeutend kleiner.
Bei oberflächlicher mikroskopischer Beobachtung kann der
Pilz leicht mit P. glehulosa (Fr.) Sacc. verwechselt werden.
Doch besitzt diese Art bekanntlich zylindrische, gekrümmte,
7 bis 9 « 1 • 5 bis 2 • 5 [JL große Sporen ; auch erweitert sich bei den
Cystiden derselben, welche sonst allerdings denjenigen der neuen
Art sehr ähnlich sind, das Lumen ganz plötzlich gegen den
Scheitel zu, so daß dieselben hier ganz dünnwandig erscheinen,
während die der neuen Art auch an dieser Stelle dickwandig sind.
600/
Fig. 10. Peniophora subglebulosax.Yi.et L. n. sp.
Drei Cystiden, vier Basalteile von Cystiden (Vergr. 600/^) und drei Sporen des
Pilzes (Vergr. 3500/^).
5. Corticium tomentelloides v. H. et L. n. sp.
Pilz ausgebreitet; krümelig bis häutig, aderig, am Rande
faserig, dem Substrate fest anhaftend. Hymenium geschlossen,
glatt, im Alter schwammig löcherig, ockergelb mit etwas röt-
lichem Stich, ßasidien keulenförmig, 20 bis 25 [jl lang, 5 bis 7 [x
breit; Sterigmen 4, pfriemenförmig, gerade oder etwas gebogen,
4 bis 6 [J, lang. Sporen kugelig oder fast kugelig, meist mit
Zur Kenntnis der Corticieen. 825
einem deutlichen Spitzchen, 3 bis 4 [x lang, 3 [jl breit oder 3 bis
4 [Jt, im Durchmesser betragend. Membran farblos, mäßig derb-
wandig, sehr zart punktiert, fast glatt; Inhalt stets einen Öl-
tropfen bergend. Hyphen sehr unregelmäßig, farblos oder
schwach gelblich, glatt, zartwandig, an den Septen oft etwas
erweitert, mit zahlreichen Schnallen. Subhymeniale Hyphen
4 bis 7 [)., basale bis 12 [x dick.
An Laubholzzweigen: Erle. Wienerwald: Dambachtal.
Brandenburg: Bredower Forst, 28.VIII.1905,leg.P.fiennings.
Der vorstehende Pilz lag als Tontentella sp. im Berliner
Herbar. Er ist in der Tat dem Aussehen nach gewissen helleren
Tonieiitella-Arien nicht unähnlich, jedoch mit keiner derselben
wegen seiner kleinen, fast glatten Sporen zu verwechseln.
Corticmm sphaerosporuni (Maire) v. H. et L. ist viel
zarter, schneeweiß, stark inkrustiert und besitzt vollkommen
glatte Sporen und weit zartere, nur 2 bis 3 [x dicke Hyphen.
6. Gloeocystidium coroniferum v. H. et L. n. sp.
Pilz ausgebreitet, gegen den Rand allmählich verlaufende,
mehlig-krümelige bis dünnhäutige, locker dem Substrate an-
haftende Überzüge von anfangs rein weißer, später schwach
gelblicher Farbe bildend. Hymenium locker, nicht geschlossen.
Basidien keulenförmig, 4 bis 5[x breit, mit 4 bis 8, meist 6 kreis-
förmig um den Scheitel gestellten, geraden bis etwas gebogenen
pfriemenförmigen 4 bis 8 [x langen Sterigmen. Sporen länglich
elliptisch, an einer Seite abgeflacht bis etwas gebogen, manch-
mal fast mandelförmig, unten stets zugespitzt, 4 bis 5 [x lang
und 1-5 bis 2'5 [x breit. Inhalt gleichmäßig. Gloeocystiden im
allgemeinen spärlich, stellenweise dichter stehend, lang zylin-
drisch, nach oben manchmal etwas verschmälert, am Grunde
des Pilzes entspringend, glatt, 60 bis 100 [x lang, 6 bis 8 [x breit,
30 bis 60 [X hervorragend. Hyphen 4 bis 7 [x dick, dünnwandig,
glatt, mit Schnallenbildungen.
Auf morschem Holz und morscher Rinde von Ahies pectmata.
Am Bartberg bei Preßbaum im VVienerwald, 24. X. 1902,
leg. V. Höh nel.
Der Pilz ist dem Corticinni Coronilla v. H. sehr ähnlich,
dieses zeigt jedoch nie Gloeocystiden.
Sitzb. d. mathem.-naturw. KL; CXVI. Bd., Abt. I. 54
826
F. V. Höhnel und V. Lit schauer,
7. Gloeocystidium inaequale v. H. et L. n. sp.
Exs. Sydow, Mycotheca germanica, Nr. 2, sub Grandiniella livescens
Karst. (?); Brinkmann, Westfälische Pilze, Nr. 102, sub Corticium palli-
dtiin (Bres.) var.
Pilz ausgebreitet, zart, dünnhäutig, am Rande gleichartig
oder etwas mehlig, dem Substrate fest anhaftend, stellenweise
im Alter sich etwas ablösend, anfangs von rein weißer, später
mehr oder weniger geblicher Farbe. Hymenium geschlossen,
glatt, nicht zerrissen. Basidien keulenförmig, 20 bis 25 [x lang
und 5 bis 7 |x breit. Sterigmen 4; pfriemenförmig, gerade, 4 bis
6 |JL lang. Sporen zylindrisch, breit elliptisch oder fast kugelig,
5 bis 8 [X lang und 3*5 bis 5 jx breit (oder 4 bis 6 [x im Durch-
i
2000/,
11. Gloeocystidium inaequale v. H. et L. n. sp.
a Ein Querschnitt durch das Hymenium des Pilzes (V'ergr. 380/^).
b Eine Basidie mit Sporen (Vergr. ^^oo/^).
c Drei Sporen desselben (A^ergr. 2000^^).
messer habend), farblos, mit zarter Membran, glatt. Inhalt
gleichmäßig oder mit einem großen Öltropfen. Gloeocystiden am
Grunde des Pilzes entspringend, eingesenkt oder bis zur doppel-
ten Länge über das Hymenium hervorragend, locker angeordnet,
von lang zylindrischer, manchmal etwas unregelmäßiger Form;
am Scheitel stets abgerundet, 80 bis 120[x lang, 6 bis 8, selten
bis 10 [X breit; dünnwandig, glatt, mit einem fast farblosen öligen
Inhalt erfüllt. Hyphen sehr unregelmäßig, farblos, glatt, zart-
wandig, 3 bis 4 [x breit, mit Schnallenbildungen.
An Rinde und Holz von Pinus silvestris.
Brandenburg: Hundskehle bei Berlin (Sydow), 1901.
Westfalen: Brookostbevern (Brinkmann), 1905.
Zur Kenntnis der Corticieen.
827
8. Gloeocystidium oleosum v. H. et L. n. sp.
Pilz ausgebreitet, frisch dünnhäutige bis fleischige, konti-
nuierliche, etwas warzige, am Rande gleichartige oder aHmäh-
lich verlaufende, schmutzigweiße, bis schmutziggelbe Überzüge
bildend. Trocken dünn krustenförmig, fast cremefarben
(cremeus, Nr. 27 der Chromot. Saccardo's), stark schollig
zerrissen. Hymenium geschlossen. Basidien zylindrisch bis
Fig. 12. Gloeocystidium oleosum v. H. et L. n. sp.
a Gloeocystiden mit ausgeschiedenen Öltröpfchen bei Beobachtung des
Pilzes im Wasser (Vergr. ^oo/^).
h Gloeocystiden nach dem Erwärmen mit verdünnter Milchsäure oder
Kalilauge (Vergr. ^'^^^Ji).
c Eine Basidie des Pilzes (Vergr. ^^^o^j).
d Sporen des Pilzes (Vergr. 3550/^).
schwach keulenförmig, 4 bis 5 [x breit. Sterigmen 4; diese lang
pfriemenförmig, gerade, 3 bis 4 [x lang. Sporen eiförmig oder
breit elliptisch, auf einer Seite etwas abgeflacht, nach unten
stets zugespitzt, farblos, glatt, dünnwandig, stets mit einem
Öltropfen versehen, 3 bis 4-5 [x lang und 2 bis 3 \x breit. Gloeo-
cystiden zahlreich, von sehr unregelmäßiger Gestalt. Vorwie-
gend zylindrisch, nach oben etwas verschmälert, stets am
Scheitel stumpf, oft mit 1 bis 3 Querwänden versehen. An den
54*
828
F. V. Höhnel und V. Litschauer,
Querwänden immer, aber auch an anderen Stellen etwas ein-
geschnürt, daher wie gegliedert aussehend. Reif meist ohne
Inhalt, auf der Spitze dagegen immer einen ausgeschiedenen
gelblichen Öltropfen tragend. Auch im Längsverlaufe noch an
ein oder zwei Stellen von Öl ring- oder scheidenförmig um-
schlossen. Gloeocystiden an und für sich farblos, dünnwandig
und glatt ; 4 bis 6 [i. (mit der Ölhülle bis 8 [x) breit, 40 bis 60 [x
hervorragend. Hyphen sehr unregelmäßig, farblos, zartwandig,
2 bis 3 [X dick, mit zahlreichen Schnallen.
Auf morschem Föhrenholz.
Hagenbachklamm bei St. Andrä-Wördern in Niederöster-
reich (20. VIII. 1906) und im Steinbachgraben beiTuUnerbach im
Wienerwald (15. XI. 1906), leg. Litschauer.
Eine sehr schöne Art, welche leicht von allen anderen
bekannten Gloeocystidien zu unterscheiden ist.
9, Peniophora crystallina v. H. et L. n. sp.
Fig. 13. Peniophora crystallina v. H. et L. n. sp.
a Ein Querschnitt durch das Hymenium des Pilzes (Vergr. 500/^).
b Zwei Papillen des Hymeniums (Vergr. ^öOy^).
c Drei Sporen (Vergr. -'ooo/^).
Pilz ausgebreitet, anfangs äußerst dünn, manchmal beinahe
reifartig, frisch fast hyalin, durchscheinend; trocken schmutzig-
Zur Kenntnis der Corticieen.
829
weiß bis grau, später auch dicker werdend und von fast creme-
gelber Farbe, dann immer sehr stark zerrissen. Pilz am Rande
gleichartig oder ganz allmählich verlaufend. Hymenium glatt,
stellenweise fein papillös. Basidien keulenförmig, 3 bis 4 [j. breit.
Sterigmen 4, pfriemenförmig, gerade, 3 bis 5 [x lang. Sporen
breit ellipsoidisch oder fast zylindrisch, von einer Seite etwas
abgeflacht, unten stets zugespitzt, 3 bis 5 [x lang, 1-5 bis 2 [x
breit. Membran farblos, dünn, glatt; Inhalt meist gleichmäßig;
Cystiden sehr dicht, auf den Papillen besonders gehäuft, unten
etwas bauchig erweitert, zugespitzt, ziemlich dickwandig, sehr
rauh, stark inkrustiert, 5 bis 9 jx breit, 20 bis 45 [x hervorragend.
Hyphen verklebt, undeutlich.
Auf morschem Laubholz: Fagus, Almis etc.
Der Pilz ist im Wienerwald häufig.
Niederösterreich: Speikberg bei Purkersdorf, 1905; Biha-
berg bei Preßbaum, 1905; Groß-Steinbachtal bei Unter-TuUner-
bach, 1906; Großer Stiefelberg bei Rekawinkel, 1905; Sattelberg
bei Preßbaum, 1905 (leg. v. Höhn el et Litschauer). Salzburg:
Stubachtal, 1904 (leg. v. Höhnel). Leipzig: Rosental, 1873
(sub Corticium acermum Pers. im Herb. Berolinense). West-
falen: bei Lengerich (Brinkmann), 1907.
Bemerkung: Nach der Beschreibung zu schließen, könnte
die Art vielleicht mit Grandiniella livescens Karst. (Hed-
wigia 1895, p. 9; Saccardo, Syll., XIV, p. 208) identisch sein.
Außer den oben in der Diagnose gekennzeichneten
Cystiden zeigt das Hymenium des Pilzes auch noch andere
zerstreut angeordnete, cystidenartige Gebilde. Diese sind meist
länger als die gewöhnlichen Cystiden, 8 bis 1 1 jx breit, zylin-
drisch, am Scheitel stets abgerundet, septiert, dünnwandig
und glatt. Der Pilz macht infolge der ungemein zahlreichen
stark inkrustierten, sehr dicht stehenden Cystiden bei schwacher
Vergrößerung den Eindruck eines äußerst zarten kristalli-
nischen Überzuges.
Eine entschiedene Ähnlichkeit hat der Pilz mit Peniophora
Roumeguerii (Bres.) und man könnte ihn auch für eine Jugend-
form dieser Art halten (wie dies Bresadolain litt. tut). Allein
der direkte Vergleich zeigte, daß es sich doch um eine neue
Form handelt, die sich nach der Anordnung der Cystiden dem
830
F. V. Höhnel und V. Litschauer,
Subgenus Scopuloides Mass. (Monogr. of Theleph., p. 154)
nähert, jedoch von den zwei daselbst von Mass ee beschrie-
benen Arten, die Richtigkeit der Diagnosen vorausgesetzt, wohl
verschieden ist.
10. Tomentella araneosa v. H. et L. n. sp.
1000
Fig. 14. TomentdJa araneosa v. H. et L. n. sp.
a Zwei ßasidien des Pilzes (Vergr. i^oo;,).
b Zwei Sporen desselben (Vergr. ^^O'^/j).
c Ein Hyphenstück nach Behandlung mit verdünnter Salzsäure.
Pilz ausgebreitet, sehr zarte, spinngewebeartige bis krü-
melige, rein weiße, am Rande allmählich verlaufende, feinkörnige
Überzüge bildend. Hyphen sehr locker verflochten, unregel-
mäßig verzweigt, farblos, dünnwandig, zum Teil an den Scheide-
wänden etwas zusammengezogen und dadurch wie gegliedert
aussehend, manchmal an den Septen schwach knochen-
förmig angeschwollen. Schnallen zahlreich. Subhymeniale
Hyphen 3 bis 5[x dick, Basalhyphen 6 bis 8(j.. Beiderlei Hyphen,
besonders die letzteren, durch locker verteilte, längliche, stab-
förmige Kristalle von oxalsauremKalk inkrustiert. Basalhyphen
zum Teil zu adrig verzweigten Strängen vereint, welche durch
das Hymenium des Pilzes durchscheinen. Hymenium nicht
geschlossen, Basidien keulenförmig, 5 bis 7 [x breit. Sterigmen 4,
pfriemenförmig, gerade oder etwas gebogen, 4 bis 6 [x lang,'
Sporen farblos, breit elliptisch, sehr selten fast kugelig, meist
Zur Kenntnis der Corticieen. 831
4 bis 6 |x lang und 3 bis 4 [x breit. Membran zart, deutlich
stachelig. Sporen stets mit einem Öltropfen versehen.
Auf morschem Föhrenholz.
Am Sattelberg bei Preßbaum 31. VIII. 1906 (v. Höhnel
und Li tschaue r).
Die Beschaffenheit der Hyphen läßt sich erst deutUch
erkennen, wenn man die Inkrustierung mit verdünnter Salz-
säure entfernt.
1 1. Tomentella flavovirens v. H. et L. n. sp.
Pilz ausgebreitet, filzig-häutige, dem Substrate locker an-
haftende, gelbgrüne Überzüge bildend. Hymenium nicht ge-
schlossen. Basidien lang keulenförmig, stets mit reichlichen
Öltröpfchen im Inhalt, 5 bis 7 ;j. breit. Sterigmen meist 4, selten
weniger, pfriemenförmig, gerade oder etwas gebogen, 4 bis 5 ja
lang. Sporen eckig, kugelig oder fast kugelig, 6 bis 10 [i lang
5 bis 8 [X breit oder 6 bis 8 [x im Durchmesser habend, grob-
warzig, von schmutzig gelbgrüner Farbe, stets mit einem großen
Öltropfen im Inhalte. Hyphen ziemlich unregelmäßig, glatt,
zartwandig, septiert, ohne Schnallen, 2 bis 4 [x dick. Die sub-
hymicnialen Hyphen fast farblos. Basale Hyphen gelbgrün, zum
Teil in untereinander anastomosierende Stränge vereinigt.
Auf nackter Erde; an Wegrändern unter Wurzeln. Braun-
lage am Harz. 17. VIII. 1903 (Lindau).
Diese schöne Tomentella ist von T. atrovirens (Bres.) v. H.
et L. vollständig verschieden. Letztere ist stets von mehr
dunklerer Färbung, hat mehr kugelige, fein stachelige, nicht
grobwarzige Sporen und dickere Hyphen, welche stets zahl-
reiche Schnallen aufweisen. Auch mit T. caerulea (Bres.) v. H.
et L. kann sie bei genauerer Beobachtung nicht verwechselt
werden. Diese Art, welche eine fast dunkelblaue Färbung auf-
weist, besitzt ebenfalls mehr kugelige, spitz stachelige
Sporen und breitere Hyphen mit Schnallen.
12. Tomentella rhodophaea v. H. et L. n. sp.
Pilz ausgebreitet, filzig bis dünnhäutig, Hymenium nicht
geschlossen, fast glatt, von graubrauner Farbe. Rand bleich rosa-
rot, stark radialfaserig, manchmal spinngewebeartig, im Alter
832
F. V. Höhnel und V. Litschauer,
Stellenweise von der Unterlage abgelöst. Basidien dick keulen-
förmig, 7 bis 10 [1 breit, mit 2 bis 4 Sterigmen. Diese dickpfrie-
menförmig, kurz, gerade oder etwas gebogen, 2 bis 3 [x lang.
Sporen eckig, kugelig, 6 bis 8 |x im Durchmesser zählend, von
olivenbrauner Farbe, kurz hyalin stachelig, stets mit einem großen
Öltropfen. Subhymeniale Hyphen farblos, zartwandig; Basal-
hyphen etwas derber, hell graubraun. Beiderlei Hyphen glatt,
4 bis 6 [X dick, sehr stark verzweigt, mit zahlreichen Schnallen.
Auf morschem Pappelholz. Am Sattelberg bei Preßbaum
21. VIII. 1906 (v. Höhnel und Litschauer).
Diese Tomentella-Art ist infolge ihrer bleich rosaroten Um-
randung leicht zu erkennen. Sie ist auch mikroskopisch scharf
von verwandten Arten geschieden. Sie darf vor allem nicht mit
T. incarnata P. He nn. verwechselt werden, welche, wie die
Untersuchung des Originalexemplares dieser Art gezeigt hat,
ein ganz anderer Pilz ist.
13. Corticium coronatum (Schrot.) v. H. et L. 1
d
Fig. 15. Corticium coronatum (Schrot.) v. H. et L.
a Zwei Basidien des Pilzes (Vergr. ^550/^).
b Zwei Sporen (Vergr. 2400/^).
Syn. Hypochmis coronatus Schrot., Die Pilze Schlesiens, I, p. 418; Saccardo,
Syll., VI, p. 654.
Corticium pruinatnm Eres., Fungi polonici, p. 98; Saccardo, Syll., XVII,
p. 171.
Hypochmis coronatus Bon. (?) Hedwigia 1876 (XI), p. 76.
Exs. W. Brinkmann,WestfälischePilze, Nr. 52, sub Corticium pruinattim Bres.
Zur Kenntnis der Corticieen. 833
Pilz weit ausgebreitet, zarte, schimmelartige, krümelige,
flockige, selten auch filzig-häutige, am Rande gleichartige oder
allmählich verlaufende, aus locker verflochtenen Hyphen be-
stehende, anfangs schmutzigweiße oder graugrüne, später
manchmal mehr oder weniger cremefarbige Überzüge bildend.
Hyphen stark rechtwinkelig verzweigt, häufig anastomosierend,
mäßig dickwandig, glatt, farblos oder schwach gelblich, septiert,
ohne Schnallenbildungen; subhymeniale Hyphen 7 bis 8 [jl dick,
basale bis 15 jx. Letztere von ausgesprochen gelber Farbe.
Hymenium nicht geschlossen; Basidien keulenförmig, 14 bis
16 [x lang, 6 bis 7 [i breit, mit fast immer 8 kreisförmig um den
Scheitel gestellten, 6 bis 7 »x langen, pfriemenförmigen, etwas
gebogenen Sterigmen. Sporen meist 5 bis 7 \x, selten bis 9 jx
lang und 2 bis 3' 5 |jl breit, mandel- oder zitronenförmig farblos,
mäßig derbwandig; Membran glatt. Inhalt oft mit einem oder
mehreren Öltröpfchen.
Auf faulem Holze, alten Baumstümpfen und an der Rinde
verschiedener Laub- und Nadelhölzer.
Preußisch-Schlesien : Breslau, im Botanischen Garten, Glatz?
im Grunwaldertal bei Reinerz; Baden: im Niederwald bei
Rastatt (Schröter); Russisch-Polen (Eichler, det. Bre-
sadola); Westfalen: bei Lengerich (Brinkmann); Nieder-
österreich: Wienerwald bei Rekawinkel und am Glaskogel
(v. Höhne 1).
Bemerkung: Das Originalexemplar von Corticimn prni-
nattim Bres. ist mit dem Originalexemplar von Hypochtuis
coronatus Schrot, vollkommen identisch. Zeigt durchaus
keine Schnallen an den Septen.
14. Corticium botryosum Bres. (1903). Bresadola, Fungi
polonici, p. 99; Saccardo, Syll., XVII, p. 173.
Exs. W. Brinkmann, Westfälische Pilze, Nr. 51.
Pilz ausgebreitet, dünn, flockig- bis filzig-häutig, am Rande
gleichartig oder allmählich verlaufend, aus locker verflochtenen
Hyphen bestehend; im Alter vom Substrate sich stellenweise
loslösend. Anfangs schmutzigweiß, später bleich, gelblich oder
fast cremefarben. Hymenium nicht geschlossen. Basidien keu-
834
F. V. Höhnel und V. Litschauer.
lenförmig, 20 bis 25 (a lang, 8 bis 10 [x breit. Sterigmen fast
immer 6, selten weniger, 7 bis 8 »x lang, pfriemenförmig, gerade
oder etwas gebogen. Sporen dickbauchig, spindelig, an beiden
Seiten zugespitzt, selten auch mandelförmig. 5 bis 9 (x, meist
7 bis 8 (X lang und 3 bis 4 [x breit; farblos, zartwandig, glatt;
Inhalt mit einem oder zwei Öltröpfchen oder auch gleichartig.
Hyphen farblos, stark rechtwinkelig verzweigt, kurzgliederig,
mäßig derbwandig, sehr gleichmäßig, 7 bis 9 (x dick; ohne
Schnallenbildungen.
An Rinde und Holz von Laub- und Nadelholz.
Russisch-Polen (leg. Eichler); Westfalen: im Habichts-
wald bei Tecklenburg (leg. Brinkmann); Niederösterreich:
a 2W0A
Fig. 16. Corticiiini botryostun Eres.
a Sporen des Pilzes (Vergr. 2400/^).
b Drei Basidien desselben (Vergr. 950/^). '
Wienerwald, Wilhelmshöhe, Au am Kraking (leg. v. Höhnel
und Litschauer).
Unterscheidet sich von der vorstehenden äußerlich sehr
ähnlichen Art mikroskopisch durch die sehr gleichmäßig
dicken Hyphen und die höchstens 6 sporigen kleineren
Basidien.
Zur Kenntnis der Corticieen.
835
15. Corticium flavescens (Bon.) sensu Fe kl., 1851. Winter,
Kryptogamenflora, I, p. 229; Massee, Monogr. of the
Theleph., p. 149; v. Höhnel in Österr. bot. Zeitschr. 1904,
Nr. 12.
Syn. Hypochniis flavescens Bon., Handbuch, p. 160; Fuckel, Symb. Atyc, App.I,
p. 291; Saccardo, Syll., VI, p. 658.
Exs. 1. Fuckel, Fungi rhen., Nr. 2396.
2. W. Brinkmann, Westfälische Pilze, Nr. 53, sub Corticium fusisportun
Schrot.
Fig. 17. Corticium flavescens (Bon.) sensu Fe kl.
a Vier Sporen des Pilzes (Vergr. ^^'^'Vi)-
b Vier Basidien desselben (Vergr. soo/j).
Pilz ausgebreitet, zart, von körnigem Aussehen und
schmutzigweißer Farbe, die später in Ockergelb übergeht. Rand
gleichartig, Hymenium nicht geschlossen. Basidien keulenför-
mig, 8 bis 10 |x breit. Sterigmen 1 bis 4; dick pfriemen- bis
walzenförmig, gerade, 8 bis 16[jl lang und 2 [x breit. Sporen
kugelig, mandelförmig oder manchmal auch schief spindelför-
mig, an beiden Enden etwas verschmälert, an der Basis meist
mit kurzem seitlichen Spitzchen; etwas gelblich gefärbt, ziem-
lich derbwandig, glatt, 10 bis 12 [x lang und 5 bis 7 jx breit,
stets einen Öltropfen bergend. Hyphen stark und kurz ver-
zweigt, kurzgliederig, kleinnetzig, anastomosierend, ohne
836
F. V. Höhnel und V. Litschauer,
deutliche Schnallenbildung, ziemlich dünnwandig, glatt, 8 bis
10 [X breit.
Auf morschem Holz von Fagus, Salix u. dgl.
Corticitmi flavescens Bres. ist ein anderer Pilz.
16. Corticium viride Bres. 1904, siehe v. Höhne) , Mykolo-
gisches, in Österr. bot. Zeitschr. 1904, Nr. 12.
Fig. 18. Corticium viride Bres.
a Eine Basidie des Pilzes mit Sporen.
b Zwei Sporen (Vergr. 2200/^).
Pilz ausgebreitet, sehr zart, locker, spinnwebenhäutig, un-
begrenzt, ganz oberflächlich, leicht abhebbar, schwefelgelb;
Hymenium nicht geschlossen, feinkörnig zerfallend. Basidien
gebüschelt, 10 bis 15 ;x lang, 4 bis 5 [j. breit. Sterigmen 2 bis 4;
pfriemenförmig, gerade oder etwas gebogen, 3 bis 4 {jl lang.
Sporen breit elliptisch, an der Basis mit seitlichem kurzem,
stumpfem Spitzchen, 5 bis 6, selten bis 7 jx lang und 3 bis 3-5 (x
breit; farblos, zartwandig, glatt, mit kleinkörnigem homogenen
Inhalt. Hyphen farblos, zartwandig, glatt, mit spärlichen
Schnallen, ziemlich regelmäßig, sehr locker verwebt, wenig
verzweigt, kaum anastomosierend, 4 bis 6 [x dick.
An am Boden liegender Weidenrinde.
Donauau bei Schönbichl (Tulln) in Niederösterreich
(v. Höhnel).
Dem Aussehen nach den vorstehenden Arten sehr ähnlich,
davon leicht zu unterscheiden durch die dünneren Hyphen,
stets 4-sporigen kleineren Basidien und stets, wenn auch
spärlich vorhandenen Schnallen.
Zur Kenntnis der Corticieen.
837
17. Peniophora subtilis (Schrot.) v. H. et L., siehe Annal. Myc,
vol. IV, Nr. 3 (1906), p. 290.
Syn. Hypochmis siiMHis Schvöt, Pilze Schlesiens, I, p. 418; Saccardo, Syll.
VI, p. 657.
Fig. 19. Peniophora subtilis (Schrot.) v. H. et L.
a Ein Querschnitt durch das Hymenium des Pilzes mit Cystiden
(Vergr. ^öo/^).
b Sporen des Pilzes (Vergr. i^^o/^).
Pilz ausgebreitet, sehr zarte, krümelige bis dünnhäutige,
30 bis 70 (1 dicke, am Rande allmählich verlaufende, schmutzig-
weiße bis gelblich-graue Überzüge bildend. Hymenium ge-
schlossen; Basidien keulenförmig, 6 bis 7 [x breit, mit 4 geraden,
dünn walzenförmigen, 3 bis 5 [x langen Sterigmen. Cystiden
lang kegelförmig; Spitze stumpf, dünnwandig, glatt, nur gegen
die Spitze zu manchmal etwas rauh: 8 bis 12 [a breit, 40 bis
100 [A hervorragend. Sporen breit elliptisch, auf einer Seite ab-
geflacht bis eingedrückt, nach unten stets zugespitzt, 6 bis 8 [-t
lang, 3-5 bis 4-5 [x breit. Membran farblos, glatt. Inhalt mit
mehreren kleinen Öltröpfchen oder gleichmäßig. Hyphen ziem-
lich dicht verwebt, sehr unregelmäßig, farblos, zartwandig,
glatt, mit spärlichen Schnallen an den Scheidewänden, 3 bis
5 [JL dick.
Auf faulendem Holz, morscher Rinde u. dgl, im Herbste;
an Holzkübeln im Palmenhause des Botanischen Gartens zu
Breslau (Schröter); an morscher Rinde, Sauerbrunn-
leithen-PelzergrabenimWienerwaldelS. VIII. 1906 (v. Höhne 1).
838
F. V. Höhnel und V. Li tschau er.
Schröter gibt als Länge der Sporen 9 bis 1 1 |x und als
Breite 4-5 bis 5 [x an. Das Originalexemplar zeigt jedoch nur
solche von 6 bis 8 [i Länge und 3-5 bis 4-5 [x Breite.
18. Gloeocystidium pallidum (Bres.) v. H. et L. 1892.
Syn. Corticium pallidum B r e s., Fungi Trid., II, p. 59, Taf. 1 68, 1 ; S a c c a r d o,
Syll., XVI, p, 190; Bresadola, Fungi polonici, p. 97.
0,7^'y
Fig. 20. Gloeocystidium pallidum (Bres.) v. H. et L.
a Zwei Sporen des Pilzes (Vergr. ^^00/ ).
b Eine Basidie (Vergr. 1000/^).
c Gloeocystidien nach Behandlung mit xMilchsäure (Vergr. ^00/^).
d Ein Querschnitt durch den Pilz (Vergr. sSo/^).
Pilz ausgebreitet; sehr zarte, reifartige bis dünnhäutige,
frisch fast wachsartige, 60 bis 70 [x dicke, dem Substrate fest
anhaftende, am Rande ganz allmählich verlaufende, anfangs
weiße, später mehr oder weniger hell bräunliche Überzüge bil-
dend. Hymenium geschlossen, glatt, unter der Lupe sehr fein
braun punktiert, im Alter nicht zerrissen. Basidien keulenförmig,
30 bis 34 [X lang, 7 bis 8 [j. breit. Sterigmen 4; pfriemenförmig,
gerade, 4 bis 6 \i. lang; Sporen länglich zylindrisch, auf einer
Seite etwas eingedrückt bis schwach gekrümmt, 9 bis 10 [jl
lang, 3-5 bis 4-5 [j, breit; farblos, zartwandig, glatt; Inhalt gleich-
mäßig oder mit Öltröpfchen. Gloeocystiden eingesenkt oder
etwas hervorragend, an und für sich farblos, zartwandig und
Zur Kenntnis der Corticieen. 839
glatt, von wechselnder, meist zylindrischer Gestalt. Im oberen
Teile von einer meist unregelmäßig kugelig geformten, dunkel
rotbraunen Masse umgeben, welche 15 bis 35 [x im Durch-
messer beträgt. Hyphen undeutlich, farblos, dünnwandig, glatt
2 bis 5 [X dick.
Auf morschem Nadel- und Laubholz.
Südtirol: Trient, Povo, etc. (Bresadola); Russisch-Polen
(Eich 1er).
Der vorliegende Pilz muß wegen der eigentümlichen
Gloeocystiden, welche das Originalexemplar derselben aufweist,
in die Gattung Gloeocystidhim gestellt werden. Dieselben fallen
schon bei Lupenbetrachtung als feine Punktierung des Hyme-
niums auf.
An Flächen- oder Querschnitten des Pilzes bemerkt man, daß
das Gewebe desselben ganz mit rundlichen, rotbraunen Klümp-
chen erfüllt ist, welche scheinber in gar keinem Zusammenhang
mit dem Hyphengewebe stehen. Kocht man jedoch dünne
Querschnitte mit einer nicht zu konzentrierten Lösung von
JVlilchsäure oder mit verdünnter Salpetersäure, so läßt sich gar
bald die eigentliche Natur dieser Gebilde erkennen. Man be-
obachtet dann, daß diese rotbraunen Massen den Scheitel von
vertikal sich erhebenden, immer etwas verbreiterten, manchmal
auch köpfchenförmig angeschwollenen Hyphenenden derart
umhüllen, daß wohl mit Recht angenommen werden kann, daß
sie von diesen ausgeschieden wurden und daß dieselben also
nur eine sehr interessante Form von Gloeocystiden repräsen-
tieren.
In Wasser, Glyzerin, Alkohol, Salmiakgeist, Schwefel-
kohlenstoff, verdünnter Salzsäure, einprozentiger Chromsäure,
Javelle'scher Lauge und in Kalilauge war der ausgeschiedene
Körper beim Originalexemplar auch beim Erwärmen nicht
löslich. Von verdünnter Salpetersäure und konzentrierter Milch-
säure wurde er jedoch etwas angegriffen, mit ersterer färbt
er sich dabei mehr gelb. Altes Corticmm (Peniopliora) argilla-
ceum Bres. F. trid. II, p. 63, ist äußerlich sehr ähnlich, jedoch
mikroskopisch ganz verschieden. Die bei dieser Art im Gewebe
befindlichen gelbbraunen Massen sind leicht löslich.
840 F. V. Höhnel und V. Litschauer,
19. Tomentella elaeodes (Bres.) v. H. et L.
S3'n. : Hypochnits elaeodes Bres., Hym. Kmet., p. 51; Saccardo, SylL, XI\^
p. 227.
Hypochniis fulvo-cinclus Bres., Hym. Kmet., p. 53.
Pilz ausgebreitet, filzig häutig, anfangs zimtbraun,
später von der Mitte aus schmutzig olivengrün bis fast um-
brabraun werdend. Rand meist heller, anfangs fast radial-
faserig, später gleichartig. Hymenium frisch glatt, im Alter
w^arzig, nicht geschlossen. Basidien keulenförmig, 6 bis 8 [x
breit. Sterigmen 4, pfriemenförmig, gerade, 3 bis 5 [j, lang.
Sporen kugelig eckig, 6 bis 9 (j, im Durchmesser betragend.
Membran hell gelbbraun, mit ziemlich langen, farblosen
Stacheln versehen. Sporen stets einen Öltropfen bergend. Sub-
hymeniale Hyphen gelblich, dünnwandig, glatt, 2-5 bis 3-5 ji
dick. Gewebshyphen gelb bis gelbbraun, ziemlich regelmäßig,
mäßig derbwandig, glatt, 4 bis 7 [x dick, am Grunde des Pilzes
zum Teil zu mehr oder weniger dicken, untereinander ana-
stomosierenden braunen Strängen vereint. Hyphen mit
Schnallen an den Scheidewänden.
Auf morschem Holz und morscher Rinde von Alniis,
Befühl und Oiiercus.
Prencov in Ungarn (Kmet); Deutschland; Wienervrald.
Hypochtms fulvo-cmcHis Bres. in Hym. Kmet., p. 53, ist
nur die Jugendform dieser Art, deren Färbung sehr variabel ist.
Der Pilz wurde von uns in der Umgebung Wiens an zahl-
reichen Standorten gesammelt und lag unter verschiedenen
Namen in mehreren, meist in Brandenburg gefundenen, sehr
gut entwickelten Exemplaren im königlichen Herbar zu Berlin;
scheint also nicht selten zu sein.
Zur Kenntnis der Corticieen. 841
Namenverzeichnis. g^i,^
Acrothamnium violaceum N. E 750
Aegerita Candida Pers 739, 812, 816
Alenrodiscns acerhins (Pers.) v. H. et L. . . .763, 764, 766, 779,
788, 796, 797, 804, 821, 822
» » var. longisporus v. H. et L. 762, 797, 805
amorpkus (Pers.) Rabh 793, 794, 797, 799
aurantius (Pers.) Schrot 771, 794, 797, 801
» cerussatus (Bres.j v. H. et L 795, 798, 808
crocetis Pat 794, 797, 801
disciformis (D. C.) Pat 778, 794, 797, 798
» javatiicus P. Herrn 794, 797, 803
nivosus (Berk. et Curt.) v. H. et L. 760, 762, 781,
782, 792, 793, 795, 798, 809
Oakesii (Berk. et Curt.) Cke 794, 797, 802
sparsus (Berk.) v. H. et L 795, 796, 798, 810
» spinulosus P. Henn 794, 806
» stihacerimis v. H. et L 795, 798, 807, 821
» tisamharensis P. Henn 794, 795, 797, 806
Asterostromella epiphylla (Pers.) v. H. et L 773
Athelia Typkae Pers 749
Auriadaria attrantiaca Sow 818
» mesenterica Fr 755
Coniophora alho-ßavescens (Ell. et Ev.) v. H. et L 791
arida Fr 751, 759, 765, 766, 782, 789, 792
s- atrocinerea Karst 766
Ellisii Berk. et Cke 766, 782, 792
» fulvo-olivacea Mass 759
» leticothrix Berk. et Curt 792
oUvacea (Fr.) Karst 759, 792
» prasina (Berk. et Curt.) v. H. et L 781
Coniophorella olivacea (Fr.) Karst 766, 782, 792
» umhrma (Alb. et Schw.) Bres 759
Corticium ahtiorme P. H e n n 740
acerinum Pers 796, 804, 829
» » var. nivosum Rav 762
» » var. qttercina (Pers.) 807, 821
Sitzb. d. mathem.-naturw. Kl.; CXVI. Bd., Abt. I. 55
842 F. V. Höhnel und V. Litschauer,
Seite
Cortichiin (Gloeocystidium) aemulans (Karst.) B res 818
» albo-flavescens Ell. et Ev 791
» alutaceunt (Schrad.) Bres 761
» amorphum (Pers.) Fr 793, 799
» arachnoideum Berk. et Curt 767, 784
» armeniacum 785
» Auberianum Rav.? 781
» atirantiuni (Pers.) Sacc 801
» Berkeley i Cke 788
» hotryosum Bres .823, 833
calceum Fr 759, 761, 763, 764, 765, 766, 772,
774, 784, 804, 805
» » vsii\ lactenm Fr 762, 805
» » var. saUcinum Thüm 763
» » f. sericea 771
» centrifiigtim (Lev.) Bres 770, 784
» ceraceum Berk. et Rav 785
» cerussatum Bres 795, 796, 808
» chelidoniuni Pat 741, 742
Chusqueae Pat 742
einer eunt Fr 786
» f. Rohiniae 771
colliadosii'm Berk. et Curt 783, 790
comedens Nees 761, 770
eommixtum v. H. et L 821
conßuens Fr 762, 763
coronatmn (Schrot.) v. H. et L 823, 832
Coronilla v. H 825
croceum (Kze.) Bres. . 747, 765, 801
crocicreas Berk. et Curt 776
cryptacanthuni Pat 742
decoJomns Karst 742
dendritiann P. H e n n 742
diminuens Berk. et Curt 743, 778, 789
dryimtin B er k. et Curt 790
effit-scatum Cu rt. et Ell 797
Eichelbaumii P. H e n n 743
Zur Kenntnis der Corticieen.
843
Seite
Corticium echinosporuni Ell • • •'^86
» epicklorum Berk. et Curt 774, 775
» epiphylhim Pers 772
» ßavesceiis B re s 835, 836
» ßavido-alhum Cke 772
» fumigatum Thüm 782
» ßimosum Fr 765
» ßisisporum Schrot 835
» giganteum Fr 760
» güvescens Bres 762
» glahnini Berk. et Curt 786
» graminicola Ell. et Ev 790
» grammicum P. H e n n 743
» gramüatum (Bon.) Sacc 771
GrescMMi Bres 762, 822
» incarnatum Fr 765, 767, 771, 782, 818
» » var. maculans > 784
» » f. Platani orientalis 820
» interruptum Berk 743
» isahellinum Schrot 823
» javmiicum (P. Herrn.) Sacc. et Syd 803
» komabense P. Henn 744
* ladescens Berk 819
ladeum Fr 759, 760, 763, 764, 788, 812, 816
» » corticola 767
laeve Fr 758, 760, 765, 767, 768, 781, 784, 788
» » f. ladescens 770
» laevigatum Fr 764
» lettcoxanthum Bres 744
» lividum Pers 764
» luridum Bres 770
» Martianum Berk. et Curt 777
» molle Berk. et Curt 785
» » var. pelUcula Fr 770
» Mougeotii Fr. f. tumorada 768
» muddum (Schrot.) v. H. et L 745
» mutahile Bres 823
55*
844
F. V. Höhnel und V. Li tschau er,
Seite
Corticium nigrescens Schrad 761
» tiudiim Fr 701
» Oakesii Berk. et Curt 794 802
» ochraceimt Fr 772
» ocliroleiiciim Fr 779 791
» pallidum Bres 826 838
» Passerini Sacc 747
» Petersii Berk. et Curt 777^ 79O
polygonum Pers 765, 771, 819
"' » f. Abietis pectinatae 770
» prasinum Berk. et Curt 781
» pruinatum Bres 832 833
» qiiercimtm Fr. var. scutellatum 788
* » var. syringaecola Rabh 759
* » var. tiliaceum Thüm 762
» Quintasianum Bres. et Roumeg 746
» radicaüun P. H e n n 746
radiosum Fr 758, 761, 763, 764, 765, 788
» » f.foliicola 767
» » f. Tiliae 768
» rimosissimum Pass. et Peltr. (non Berk. et
Broome) 747
» roseum (Pers.) Fr 819
» salicimmi Fr 758
» scutellare Berk. et Curt 79O
» seriale f. asserculonim 809
sermn Pers 760, 765, 766, 767, 770, 771
simulans Berk. et Broome 762, 774
» sphaerosporum (Maire) v. H. et L 825
» subcoronatum v. H. et L 762 822
» stibgigautettm Berk. et Curt 787
» siibmutabile v. H. et L 823
sulphuretim Fr 759, 763, 765, 770
» tepJiroleiicimt Bres 763
» tomentelloides v. H. et L 824
» usambarense (P. Henn.) Sacc 806
» tividimi Fr 761
Zur Kenntnis der Corticieen. 845
Seite
Cortichim vagtun Berk. et Curt 783
» variegatum Roumeg 766
» violaceo-Uvidiim (Sommf.) Fr 761, 764, 767
» » » var. Syringae Karst 770
» viride B r e s 836
» viticola Fr 779, 780
Crocysporimn Aegerita C d a 812
» albmn Preuss 812
» tornlosnui Bon 812
Cyphella amorpha Quel 800
Cytidia flocctilenta (Fr.) \'. H. et L 758
Dendrothele n. gen 820
» papulosa V. H. et L 821
Epithele fuciformis (Berk.) v. H. et Syd 750
Gloeocystidimn aemnlans (Karst.) Bres 817, 818
» coroiiifertmt v. H. et L 825
» inaequale v. H. et L 826
» ladescens (B erk.) v. H. et L 784
» leucoxanthinn (Bres.) v. H. et L 744
» luridimi (Bres.) V. H. et L 770
» oleosiini V. H. et L 827
» paJlidtiin (Bres.) V. H. et L 838
» straminenni Bres 764, 765
Gloeopeniophora n. gen 817
» incaniata (Pers.) v. H. et L 818
Grandmiella Jivesccns Karst 826, 829
Hymeiiochaete Avellana Fr 793
» Boltonii (Sacc.) Cke 77]
» Cacao (Berk.) V. H. et L 757
» cmnabarina P. He nn 755
» corriigata (Fr.) Lev 774, 775
» crateriforniis P. Henn 756
Curtisii (Berk.) Ell. et Ev 762, 770, 772
Ellisii Berk. et Cke 766, 782, 792
» fisso-lohata P. H e n n 756
» formosa Lev 756
» Kmizei Mass 754
846 F. V. Höhnel und V. Li tschau er,
Seite
Hymenochaete hiteo-hadia (Fr.) v. H. et L 754
Mougeotii (Fr.) Cke 768
» purptirea Cke. et Morgan 759, 791
» ? radiosa P. H en n 756
» rubiginosa Le v 765
» scabriseta Cke 759
» septobasidioides P. Henn 756
» simulans (Berk. et Broome) v. H. et L. 762, 774,
775, 790
» spreta Peck 790
» tahacüia (Sow.) Lev 765, 771, 793
» tjibodensis P. Henn 757, 777
» unicolor Berk. et Cur t 775
» itsanguensis P. Henn 758
Hypochnella violacea Auersw 750
Hypochnus acermns (Pers.) Pat 804
» chaetopliorns v. H 748
» coronatus Schrot 832
Diissii Pat 749
» elaeodes B r e s 839
» fernigiiieus Fr 761
» ßavescens Bon 835
» fuciformis (Berk.) 750
» fulvo-ciiicUis Bres 839
» mcarnatus (P. Henn.) Sacc. et Syd 752
» mncidiis Schrot 745, 762
» snbtiJis Schrot 837
» tabacimis Bres 786, 787
» Weisseanus P. H e n n 751
Hypocrea citrina Pers 770
Hypontyces Tulasneaniis Plowr 753
Isaria fuciformis Berk 750
» graniifiiperda Berk. et T. v. M 750
Kneifßa cerussata Bres 808
» incarnata (Fr.) Bres 818
» serialis (Fr.) Bres 777
» setiger a Fr 79 1
Zur Kenntnis der Corticieen. 847
Seite
Lloydella areolata (Fr.) Bres 748, 764, 765
» alho-badia (Schw.) v. H. et L 772, 777
» Cacao (Berk.) v. H. et L 757
» Chailletü (Pers.) Bres 775, 790
» Coffeartun (Berk. et Curt.) v. H. et L 753
» fusca (Schrad.) Bres 755
» Karstenii (Bres.) v. H. et L 779
» occidentalis (Ell. et Ev.) v. H. et L 791
» scahriseta (Cke.) v. H. et L 766, 781
» spadicca (Pers.) Bres 764, 766, 767, 769
» suhmembranacea (P. Henn.) v. H. et L 755
» stihpileata (Berk. et Curt.) v. H. et L. .757, 772, 777
Michenera Artocreas Berk. et Curt 791
Nodularia amorpha Peck 800
» halsamicola Peck 800
Peniophora Aegerita (Hoffm.) v^ H. et L 812, 816
» aemtilans Karst 817,818
» aurantiaca (Bres.) v. H. et L 767, 819
» caesia Bres . .747, 771,819
» carnea (Berk. et Curt.) Cke 786
» chaetophora v. H. et L. . 748
» cinerea (F r.) Cke. 759, 761, 762, 764, 766, 770, 7 7 1 , 786
» citrina P. H e n n 747
•» corticalis (Bull.) Bres 744, 788
» v> var. komabensis (P. Henn.) v. H. et L. 744
» creniea (B re s.) v. H. et L 763
crystallina v. H. et L 824, 828
» disciformis Cke. 798
» Diissii (Pat.) V. H. et L 750
» Ellisii Mass 791
» ßavido- alba Cke 789, 792
» Frangiilae (Bres.) v. H. et L. ? 819
>• fumigata (Thüm.) v. H. et L 782
» gigantea (Fr.) Karst 744, 760, 761
glebulosa (Fr.) Sacc. et Syd.. . . 743, 748, 771, 824
» gracillima Ell. et Ev 743
mcarwa/ö (Pers.) Cke 767,782,817,818,819
848
F. V. Höhnel und V. Litschauer,
Seite
Peniopkora laevigata (Fr.) Mass 748 765
» laevis (Fr.) v. H. et L 764
» Lycii (Pers.) v. H. et L 747
» mutata (Peck) v. H. et L 765, 787
Miida (Fr.) B res 767, 772, 788
» obscura (Pers.) Bres 784 791
» occideiitalis El I. et E v 79I
» papyrina Cke 769
» phyllophila Mass 774
pubera (Fr.) Mass 772, 789, 792, 824
» purptirea (Cke. et Morgan) 781, 791
» quercina Fr 744
» radicata (P. Herrn.) v. H. et L •, . . 746
^- Ravenelii Cke 781
Roiimegiierii Bres 760, 771, 781, 789, 824, 829
» serialis (Fr.) v. H. et L 764, 777
» Setigera (Fr.) v. H. et L 742, 791
» stibcremea v. H. et L 764
» subglebiilosa v. H. et L 748, 823
» siibsulphurea (Karst.) v. H. et L 747
» subtüts (Schrot.) V. H. et L 837
» trachytricha Ell. et E v 79 1
uehttina (D. C.) v. H. et L 742, 782, 8 1 9
» viticola (Schw.) v. H. et L 779, 780
Peziza amorpha Pers 79g
» Willkommii H r tg 800
Phlebia livida (Pers.) Bres 764
Pistillaria quisquiliaris Fr 764
Radulunt laetum Fr 76 1
» pallidum Berk. et Curt 783
Sclerotium Aegerita 81*?
» album D. C 812
Sebacina calcea (Pers.) Bres 759, 763, 772, 784
» incrustans (Pers.) Tul 761 771
Sepedonium TuJasneanum (Plowr.) Sacc 753
Septobasidium abnorme (P. Henn.) v. H. et L 740, 741
» criuitum Fr 74O 741
Zur Kenntnis der Corticieen. 849
Seite
Sepiobasidium septobasidioides (P. Henn.) v. H. et L 757
» stereoides v. H. et L 757
Stereum acerinum (Pers.) Fr 778, 781, 791, 804, 809
» v^ar. nivosiun Berk. et Curt. . 7(30, 782, 792,
793, 809
» » var. qiiercümni Pers 795
» albo-badümi Schw 772, 777, 782
» alnetini Fr 765
» amoenum K al c h b r 762
» bicolor (Pers.) Quel 755
» Boryamim Fr 754
» candidtun Schw 778, 788, 792
» ckelidonüim (Pat.) v. H. et L 741
» cinereo-hadium Fr 792
» Coffeariini Berk. et Curt 753
» complicatuni Fr 772, 782
V crateriforme (P. Henn.) v. H. et L 756
» cryptacanthimt (Pat.) v. H. et L 742
Curtisii (Berk.) v. H. et L. . . 762, 770, 772, 776, 782
» Cyclothelis (Pers.) Fr 751
» discifonne Fr 798
» >^ var. compactimi Pers 771
» dtivitiscnhun Berk. et Broome 746
» friistnlosnni Fr 761, 764, 766
» » f. concava Fr 766
» gausapatum Quel 765
» » L juvenilis 762
» glabrescens Berk. et Curt 753
» glabrum (Lev.) Mass 753
» Glaziovii Bres 769
» GuadeJiipense Pat 753
hirsutum (Willd.) Fr 759, 761, 764, 771, 792
» Hiiberianum P. H e n n 753
» insigne Bres 757, 777
» insignittim Quel 754, 757
» invohitum Klotzsch 753
» Kalchbrenneri Sacc 762
Sitzb. d. mathem.-naturw. KL; CXVI. Bd., Abt. I. 56
850 F. V. Höhnel und V. Litschauer,
Seite
Stereunt lüacinum Pers 771
» » • f. Robmiae 770
» lohatum Fr ; ,3. i. . . . . 754
» luteobadium Fr -. 754
» membranaceum Fr 768 769 792
» ochraceo-flavum Schw 770, 782
» ocJtroleucum Fr. sensu Bres 770, 782
» odoratum Fr 763, 765, 774, 789
» Ostrea N e e s 754
» papyrintim Mont 760, 768, 781, 784
» paraguayense S p e g 768
» perlahim B e r k 754
» platani Ro u m eg 766, 804
» portentosum (Berk. et Curt.) v. H. et L. 743, 774, 778,
788, 789
» purpureum Pers 758, 759, 761, 770, 771, 790
» » var. lüacinum Gill 768
» Quintasianuni (Bres.) v. H. et L 746
» radiaUim P e c k 784
» rigens Karst 770
» rugosum Pers. ... 741, 759, 764
» sangiiinolentmn (Alb. et Schw.) Fr 770, 772
» » var. rigens Karst 770
» spadiceufu Fr 764, 765
» sparsiim Berk 794, 810
» » var. nivosum Berl 794
» Sprucei Berk 754
» striatujii Fr. (non Sehr ad.) 782
» subnienibraiiaceufn P. Herrn 754
» subpileatum Berk. et Curt. . 757, 772, 777
» tßbodense P. H e n n 755
» versicolor Fr 754, 757
» vorticosufn Fr 761
Thelephora acerina Pers 804
» amorpha Fr 799
» aurantia Pers 793, 801
» badia Hook.? 754
Zur Kenntnis der Corticieen. 851
Seite
Thelephora bieimis Fr 767
» bolaris Pers 818
» hyssoides Pers 752
» Candida S chw 778
» castaneae 798
» Cyclothelis Pers 751
» disciformis D. C 794, 798
» fallax Pers 818
» incarnata Pers. 818
» laeuis Pers . . . , 771
» lateritia Pers 751, 818
» Picea Pers 766
» ptirpurea Curt. et Morgan 759
» ptiteana Fr 766, 789
Rtihi Lib 771, 801
» umbrina A Ib. et S c h w 759
» violascens Pers 750
» viticola S c h vv 779, 780
» zygodesnioides EU 786, 787
Thermutis byssacea Lib 767
Tomentella araneosa v. H. et L 830
» atrovirens (Bres.) v. H. et L 831
» hrtimiea Schrot 752
» cJialybea Pers 765
» cinerascens (Karst.) v. H. et L 752
» coerulea (Eres.) v. H. et L 831
elaeodes (Bres.) v. H. et L 761, 839
» ßavovirens v. H. et L 83 1
» incarnata P. Herrn 752, 832
isabellitia (Fr.) v. H. et L 760, 763, 784, 823
» lateritia Pat 751
» pellicula (Fr.) v. H. et L 786
» pnnicea (Alb. et Schw.) v. H. et L 751, 781
» rhodophaea v. H. et L 83 1
» zygodesmoides (Ell.) v. H. et L 787
Tulasnella incarnata 01s 819
Ustulina vulgaris Tul 751, 766
56*
852 F. V. Höhne! und V. Litschauer, Zur Kenntnis der Corticieen.
Seite
ViUlleminia comedeus (Nees) Maire 761
Xerocarptis Juniperi Karst 748, 765
» strotilortmi n. sp 769
Figurenerklärung der Tafeln I bis IV
Tafel I.
Fig. 1. Ein Querschnitt durch das Hymenium von Ahnrodiscus discifonnis
(D. C.) Fat. (Yergr. 600/^).
Fig. 2. Ein Querschnitt durch das Hymenium von Alenrodiscus amorphus
(Fers.) R ab h. (Vergr. 560/ j).
Tafel II.
Fig. 1. Ein Querschnitt durch das Hymenium von Alenrodiscus javauiciis
P. Henn. (Vergr. ö50/j).
Fig. 2. Ein Querschnitt durch das Hymenium von Alenrodiscus croceus Fat.
(Vergr. 450/^).
Fig. 3. Ein Querschnitt durch das Hymenium von Alenrodiscus aumntius
Schrot. (Vergr. ^oo/^).
Fig. 4. Sporen von Alenrodiscus acerinus (Fers.) v. H. et L. var. longisporns
V. H. et L. (Vergr. 650/^).
Fig. 5. a Ein Querschnitt durch das Hymenium von Alenrodiscus subaceriuus
V. H. et L. h Drei isolierte Pseudophysen desselben (Vergr. ^^^,i).
Fig. 6. Ein Querschnitt durch das H\'menium von Alenrodiscus acerinus (Fers.)
V. H. et L. (Vergr. 5oo/^).
Tafel III.
Fig. 1. Ein Querschnitt durch das Hymenium von Alenrodiscus Oakesii 'Pjtvk.
et Curt. (Vergr. ^oo/^).
Fig. 2. Ein Querschnitt durch den Fruchtkörper von Alenrodiscus sparsns
(Berk.) v. H. et L. (Vergr. 50<:y^).
Tafel IV.
Fig. 1. a Ein Querschnitt durch das Hymenium von Alenrodiscus cerussatns
(Bres.) v. H. et L. (Vergr. ^^o/^). i, Zwei Sporen des Pilzes (Vergr.
ooo/j).
Fig. 2. Ein Querschnitt durch das H3^menium von Alenrodiscus nivosus (Berk.
et Cke.) v. H. et L. (Vergr. 5ö0^^).
Fig. 3. Ein Querschnitt durch das Hymenium von Alenrodiscus nsambarensis
P. Henn. (Vergr. '''OO j).
Höh nel,F.\^: Zur Kenn hiis der Cofticieen .
TafJ.
,000 ^
Lith. An.st.v.Th.Baim\v-art]i,Wi en.
vSitz Imgsberichte d.kais.Aka<l.d.Wiss.,matIirnatunv.Klasse, Bd.CXVr.Abäi.I.1907
Höhnel,F.v.- Zur Kenntnis der Corticieen .
1. ^"%
Taf.ll.
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LiULAni-t.v.Tli.Bajmvi'ai-tii,Wien.
Silzungsbericlite d.kaLs. Akad.d. Wiss., matli.-naturw.Klasse, Bd.CX\T.Abtii.r. 1907
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Sitzungsberichte d.kais. Almd.d. Wiss., matli.-naturw-.Klasse, Bd.CXVT.Abäi.1. 1907.
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Die Sitzungsberichte der mathem.-naturw. Klasse
erscheinen vom Jahre 1888 (Band XCVII) an in folgenden
vier gesonderten Abteilungen, welche auch einzeln bezogen
werden können:
Abteilung I. Enthält die Abhandlungen aus dem Gebiete der
Mineralogie, Kristallographie, Botanik, Physio-
logie der Pflanzen, Zoologie, Paläontologie, Geo-
logie, Physischen Geographie, Erdbeben und
Reisen.
Abteilung II a. Die Abhandlungen aus dem Gebiete der
Mathematik, Astronomie, Physik, Meteorologie
und Mechanik.
Abteilung II b. Die Abhandlungen aus dem Gebiete der
Chemie.
Abteilung III. Die Abhandlungen aus dem Gebiete der
Anatomie und Physiologie des Menschen und der
Tiere sowie aus jenem der theoretischen Medizin.
Von jenen in den Sitzungsberichten enthaltenen Abhand-
lungen, zu deren Titel im Inhaltsverzeichnisse ein Preis bei-
gesetzt ist, kommen Separatabdrücke in den Buchhandel und
können durch die akademische Buchhandlung Alfred Holder,
k. u. k. Hof- und Universitätsbuchhändler (Wien, L, Rothenthurm-
straße 13), zu dem angegebenen Preise bezogen werden.
Die dem Gebiete der Chemie und verwandter Teile anderer
Wissenschaften angehörigen Abhandlungen werden auch in be-
sonderen Heften unter dem Titel: »Monatshefte für Chemie
und verwandte Teile anderer Wissenschaften« heraus-
gegeben. 14 K — 14 M.
Der akademische Anzeiger, welcher nur Originalauszüge
oder, wo diese fehlen, die Titel der vorgelegten Abhandlungen
enthält, wird, wie bisher, acht Tage nach jeder Sitzung aus-
gegeben. 5 K — 5 M,
3 2044 093 284 388
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